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dgerry

1918_11_03 Die Berufenen

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Die Berufenen

 


"Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen." Lk 14, 18-20

Wenn ihr das 14. Kapitel des Evangeliums nach Lukas lest, seht ihr darin nur Auszüge eines langen Vortrages, in dem Christus allgemeine Prinzipien bezüglich der Menschheit erklärt hat. Es steht darin, dass ein Mann ein großes Festmahl vorbereitet und viele Gäste dazu eingeladen hat. Es ist von Eingeladenen zum Festmahl die Rede. Die Wörter Einladung und Kultur haben etwas gemeinsam. Unter Kultur versteht man die materielle und geistige Entwicklung eines Volkes; jede Einführung von Neuerungen ist auch Kultur; jede Wandlung von einem Zustand zum anderen ist auch Kultur. Unter dem Wort “eingeladen” versteht man, dass der Mensch seinen üblichen Zustand verlässt, um in einen außergewöhnlichen Zustand einzutreten. 


In der Tat, wenn man zu einem großen Festmahl eingeladen wird, muss man seinen alltäglichen Zustand verlassen und in einen neuen, festlichen Zustand eintreten. Was für ein Verhältnis besteht nun zwischen den dreien, die sich entschuldigt haben? Der Erste entschuldigt sich unter dem Vorwand, dass er seinen Acker besichtigen müsse. Der Zweite entschuldigt sich unter dem Vorwand, dass er sich die fünf Ochsengespanne, die er gekauft hat, ansehen müsse. Und der Dritte entschuldigt sich unter dem Vorwand, dass er geheiratet habe. Die drei, die die Einladung abgelehnt und sich entschuldigt haben, stehen für drei Kategorien von Menschen, die alle die neue Kultur nicht akzeptieren: Die erste Kategorie von Menschen entschuldigt sich, weil sie zu ihrem Acker gehen, die zweite Kategorie von Menschen entschuldigt sich, weil sie zum Ausprobieren ihrer Ochsengespanne gehen, und die dritte Kategorie von Menschen entschuldigt sich, weil sie zum Heiraten gehen. Diese drei Kategorien von Menschen, die die von Christus kommende Kultur ablehnen, können als Samen, die auf ungünstige Bodenverhältnisse gefallen sind, angesehen werden. Die erste Kategorie von Menschen ist der Samen, der auf den Weg gefallen ist; die zweite Kategorie ist der Samen, der in die Dornenhecke gefallen ist, und die dritte Kategorie -- der Samen, der auf Felsen gefallen ist. 


Vielen hat Christus einen neuen Weg, eine neue Kultur geboten und hat sie zu einem neuen Leben eingeladen, aber alle haben sich entschuldigt. Sie haben es vorgezogen, sich mit ihren Äckern zu beschäftigen, neue Ländereien zu erobern, ihre Grenzen zu erweitern. Die Juden waren die erste Kategorie von Menschen, die sich entschuldigt haben unter dem Vorwand, dass sie ihre Äcker bearbeiten müssten. Sie sagten zu Christus: “Wir sind mit deiner häretischen Lehre nicht einverstanden.” Danach haben sie ihn gekreuzigt. Christus zeigte den neuen Weg auch der lateinischen Rasse, die sich mit den fünf Ochsengespannen beschäftigte, aber auch sie entschuldigte sich. Letztendlich schuf sie die Inquisition im Namen Christi. Die Geschichte sagt [die Historiker meinen], dass fünfzig Millionen Menschen der Inquisition zum Opfer gefallen seien. Die dritte Kategorie von Menschen sind die gegenwärtigen Menschen, die heiraten und die neue Kultur ablehnen. Sie sagen: “Was brauchen wir eine neue Kultur, ein neues Leben? Solange wir etwas zu essen und zu trinken haben, essen wir, trinken wir und amüsieren uns mit unseren Frauen und Kindern.” Das ist keine besondere Philosophie. So hat schon Salomon, der dreihundert Frauen und sechshundert Nebenfrauen hatte, gesprochen.  Nachdem er alle Güter des irdischen Lebens ausgekostet hatte, sagte Salomon: “Eitelkeit der Eitelkeiten, alles dies ist Eitelkeit.” Heute zitieren sowohl Gläubige als auch Nichtgläubige diesen Gedanken, den Salomon einst ausgesprochen hat, wobei sie sowohl das physische als auch das geistige Leben meinen. Das stimmt nicht. Salomon ist zu dieser Schlussfolgerung erst gekommen, nachdem er alle vergänglichen Güter der Erde ausgekostet hatte. Du, der du zur selben Schlussfolgerung kommst, hast du ebenfalls die Eitelkeit aller Güter ausgekostet? Wenn du sie nicht ausgekostet hast, hast du kein Recht, so zu sprechen. 


Und wenn du diese Schlussfolgerung aus deinem eigenen Leben ziehst, aus den Dummheiten, die du begangen hast, dann können diese nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden; du kannst daraus keine Lebensphilosophie ableiten. 


Was stellt der Acker dar, den die Menschen bearbeiten? Das ist der menschliche Körper. Die junge Frau sieht sich ein paar Mal am Tag im Spiegel an; sie ist mit sich zufrieden, will nicht heiraten. Warum? Sie will nicht Mutter werden, sie will nicht Kinder gebären, sie schützt ihren Acker. Der junge Mann geht frei und ungebunden auf den Straßen spazieren, hebt und senkt seinen Spazierstock; er will nicht heiraten, er will nicht Vater werden und sich begrenzen. So handeln jene, die nur ihrem eigenen Acker dienen, egal ob jung oder alt. Und die alte Großmutter sagt, dass die Jungen Dummheiten tun. Was die Jungen tun, ist nicht dumm. Nicht alle Jungen sind dumm, und nicht alle Alten sind klug. Sind die kleinen Flüsse, die aus der großen Quelle fließen, trübe? Am Anfang sind alle Flüsse rein, aber da sie lange Zeit fließen und durch die irdischen Schichten gehen, sammeln sich in ihnen Bodensätze an, die sie trübe machen. Also, alle jungen Menschen sind wie die kleinen Flüsse klar und rein. Wenn sie den langen Weg ihres Lebens gehen, werden sie alt, das heißt, sie werden trübe. Das hohe Alter ist keine schlechte Sache; es bedeutet eine Vorwärtsbewegung. Aber was kann man von jenen jungen Menschen erwarten, die sich ein paar Mal am Tag umziehen; ein Paar Schuhe anziehen, sie ausziehen und danach wieder andere, neuere und modernere, anziehen? Man kann von Ihnen nichts erwarten. Sie stehen vor dem Spiegel, sehen sich nur an, und wenn ihr sie zu einem großen Festmahl einladet, entschuldigen sie sich. Warum entschuldigen sie sich? Sie beschäftigen sich mit ihrem Acker. Später geben sich diese Menschen als Nationalisten, Patrioten und Vorkämpfer für ihr Vaterland aus. Glaubt ihnen nicht! Sie denken nur an ihre neuen Kleider und Schuhe, an ihre Häuser und ihren Besitz. Solche Patrioten gibt es heute auf der ganzen Welt, in allen Staaten. Sie sprechen vom Ruhm ihres Vaterlandes, aber eigentlich arbeiten sie nur für ihren eigenen Ruhm.
  
Die zweite Kategorie von Menschen sind diejenigen, die sich vom Festmahl entschuldigt haben, um die fünf Ochsengespanne auszuprobieren. Die fünf Ochsengespanne sind die fünf Sinne des Menschen. Das sind Menschen des Vergnügens. Das Leben ist für sie ein Geschäft. Sie stellen das Geld an die erste Stelle. Ihre Devise im Leben ist das Geld. Auch sie sagen wie Petko Slawejkow (Петко Рачов Славейков; Petko Račov Slavejkov, 1827-1895;  bulgarischer Dichter) in einer seiner Oden: “Du, Münze, allmächtige Königin, ohne dich bin ich in der Hölle, mit dir bin ich im Paradies.” Sie handeln so, wie es ihnen angenehm ist. Egal wo ihr hingeht – in ein Restaurant, ein Theater, ein Konzert – sie sind überall die Ersten. Da, wo es Vergnügungen und Feste gibt, sind sie die Ersten. Sie probieren ihre fünf Ochsengespanne aus, das heißt alles, was sie mit ihren fünf Sinnen wahrnehmen. Wenn ihr ihnen etwas von der Lehre Christi erzählt, von der neuen Kultur, antworten sie euch: “Das ist jetzt nicht wichtig. In der heutigen Welt sind die fünf Ochsengespanne wichtig.” Nach ihrer Meinung ist jeder, der den Rahmen der fünf Sinne verlässt und an etwas anderes glaubt, ein dummer, verrückter Mensch ohne Kultur. Diesen Menschen werdet ihr in allen Kaffeehäusern und Bierstuben begegnen, mit vollen Gläsern vor sich, mit übereinandergeschlagenen Beinen, und sie reden über den Sinn des Lebens. Was ist der Sinn des Lebens? Auf dem Acker, bei den fünf Ochsengespannen, um auszuprobieren, wie sie arbeiten. Ich habe nichts gegen diejenigen, die dem Acker dienen; ich habe auch nichts gegen die, die mit ihren fünf Ochsengespannen Handel treiben. Aber ich sage, dass derjenige, der das Erhabene für das Niedere opfert, den Sinn des Lebens nicht versteht. 

Jeder muss sich die Frage stellen, was der Sinn seines Lebens ist. Wenn das Kind heranwächst, zeigt es Interesse für sein Wachstum. Es misst sich ständig, vergleicht sich mit dem einen oder anderen Kind, um zu sehen, wie viel es gewachsen ist. Das Mädchen will so groß wie seine Mutter werden und lange schwarze Haare, schwarze Augenbrauen, die wie ein Regenbogen aussehen, und rote, volle Lippen haben. Und das ist erreichbar. Aus ihr wird eine schöne, schlanke junge Frau; sie freut sich über ihre Schönheit, und es freuen sich über sie auch die Mitmenschen. Der Junge seinerseits will wie sein Vater werden, will, dass ihm Schnurbart und Bart wachsen, und dass er stark wird. Wenn er heranwächst, wird er ein schöner starker Mann, schenkt den jungen Frauen Aufmerksamkeit. Doch es kommt der Tag, an dem die junge Frau und der junge Mann ihre Jugend verlieren. Ihre Haare beginnen, grau zu werden, bis letztendlich das hohe Alter kommt, sie gebückt gehen und zu den jungen Menschen sagen: “Mein Sohn, unser Leben ist schon zu Ende. Eitelkeit der Eitelkeiten, all dies ist Eitelkeit.” Das sind die Menschen, die ihre fünf Ochsengespanne geprüft haben. Sie haben sich nur um ihre fünf Sinne herum bewegt. Ich frage diese Menschen: “Habt ihr geprüft, wie man mit den fünf Ochsengespannen pflügt?” “Wir haben es geprüft, wir haben mit ihnen geackert.” “Wenn ihr geackert habt, wisst ihr jetzt, dass es etwas Höheres als Pflügen und Ackern gibt. Danach müsst ihr streben.”

Jetzt komme ich zur dritten Kategorie von Menschen – jenen, die nur an sich denken, die eine hohe Stellung in der Gesellschaft einnehmen wollen. Wenn ihr ihnen von der Lehre Christi erzählt, fragen sie euch sofort, was diese Lehre mit ihrer Stellung in der Gesellschaft zu tun hat? Sie sind schon verheiratet. Welches Verhältnis hat die Lehre Christi zur Familie? “Betrachtet uns als entschuldigt.”
  
Seit zweitausend Jahren lädt Christus alle Menschen, alle Völker zu einem großen Festmahl ein, um ihnen die Prinzipien des großen Lebens zu erklären, aber sie entschuldigen sich bis heute. Was erwartet sie, wenn sie sich entschuldigen? Wo ist das jüdische Volk geblieben? Wo ist das große Römische Reich geblieben? Auch die gegenwärtigen Völker gehen durch eine große Krise. Erst jetzt erscheint der Gedanke, dass die Rettung der Menschheit in der Vereinigung aller Völker liegt, die brüderlich zu leben beginnen sollen. Erst jetzt nimmt man allmählich die Idee an, dass der Mensch nicht nur auf der Erde lebt. Also beginnen die Menschen, auch ihr Leben wie das Leben der Pflanzen zu betrachten: ein Leben der Wurzeln, das heißt niederes, irdisches, materielles Leben, und ein Leben der Äste – erhabenes, geistiges Leben. Das irdische Leben geht zum Zentrum der Erde, und das geistige – zum Zentrum der Sonne. Die Einwohner der Erde, die in den Wurzeln des Lebens leben, haben eine Auffassung vom Leben. Die Einwohner der geistigen Welt, die in den Ästen leben, haben eine völlig gegensätzliche Auffassung vom Leben. Allerdings ist das Leben nicht nur auf die Wurzeln und Äste begrenzt. Es gibt auch ein anderes Leben: das der Blüten und der Früchte. Wenn ihr zum Leben der Frucht kommt, kann man schon vom Vorgang der Reifung sprechen. 
  
Christus spricht zu seinen Jüngern in Gleichnissen, um ihnen die Gründe zu erklären, warum die Menschen noch nicht in das Reich Gottes eingehen können. Die Gründe liegen darin, dass die Aufmerksamkeit der Menschen von den Äckern, von den Ochsengespannen und von den Stellungen, in welchen sie sich befinden, angezogen wird. Acker ist Acker, Ochsen sind Ochsen, Stellung ist Stellung. Allerdings können sich die Menschen nicht vorstellen, wie sie in das Reich Gottes mit ihrem Acker, ihren Ochsen und mit ihrer Stellung eingehen werden. Wie werdet ihr als Gast zu eurem Freund gehen, der einige Kilometer von euch entfernt wohnt? Ihr spannt euren Wagen an und fahrt los. Wenn ihr das Haus eures Freundes erreicht, haltet ihr an. Man wird herauskommen, um euch zu begrüßen. Ihr fahrt in den Hof hinein, spannt das Pferd aus, damit es in den Stall gebracht werden kann, und steigt die Treppe hinauf. Ihr zieht draußen eure Oberbekleidung aus und geht in das Zimmer hinein zu eurem Freund. Der Wagen, das Pferd und das Gepäck sind der Acker und die Ochsen, die euch daran hindern, in das Reich Gottes hineinzugehen. Die Oberbekleidung ist die Stellung, die ihr vorübergehend einnehmt. Ihr gebt die Stellung auf und lasst sie draußen und geht so in das Haus eures Freundes, das heißt in das Reich Gottes. Macht der Richter nicht das Gleiche? Wenn er eine Gerichtsverhandlung führt, legt er eine Richterrobe an. Nachdem das Urteil verkündet ist, zieht er seine Robe wieder aus und bleibt in seiner gewöhnlichen Kleidung wie ein gewöhnlicher Mensch. Solange der Soldat auf dem Schlachtfeld ist, wirkt er auf seinen Feind abschreckend. Sobald er sein Gewehr und sein Bajonett niederlegt, wird er zum gewöhnlichen Menschen. Ist das Kultur?

Wenn der Mensch stirbt, lässt er den Acker, die Ochsen, seine Frau und seine Kinder zurück und geht allein ins Jenseits. Wo bleibt die Kultur des Menschen? Alles, was aus ihm einen besonderen und kulturellen Menschen gemacht hat, bleibt auf der Erde, und er geht nur mit dem weg, womit er einst gekommen ist. Was für eine Kultur hatten die Juden, als sie ihr Land verloren haben und zu Sklaven der Ägypter geworden sind? Ihr sagt, dass die Ägypter grausam waren, als sie die jüdischen Säuglinge getötet haben. Machen die heutigen Völker nicht das Gleiche? Macht nicht jeder Mensch das Gleiche? Ihr tötet das Edle und das Erhabene in euch und ihr werdet als kulturell entwickelt angesehen. Das Göttliche in sich zu töten bedeutet, die Kinder Gottes zu töten. Was werdet ihr über jene sagen, die sich entschuldigt haben und beim reichen Festmahl nicht dabei waren? Sind sie für die neue Kultur bereit? Sie sind nicht bereit. 


Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: “Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Lahmen und die Blinden herbei.” Diese Menschen haben die Einladung angenommen. Sie sind die Träger der künftigen Kultur. Wer sind die Krüppel? Jene, die nicht stehlen und fremdes Gut nicht berühren. Wer sind die Lahmen? Jene, die keine Verbrechen begehen. Wer sind die Blinden? Jene, die nicht gierig sind. Der Gierige blickt begehrlich auf das Geld, er betrachtet es als ein notwendiges Tauschmittel und sieht nicht das Reich Gottes, das den echten Reichtum bringt. Für die Gierigen haben das Geld und die Kohle den gleichen Preis. Ja, es ist wirklich nur wertvoll,  wenn es für einen vernünftigen Zweck genutzt wird. Demjenigen, dem die Hände gegenüber dem Bösen gebunden sind, ist das Herz für die Liebe zugänglich und geöffnet. Er zählt zu den Krüppeln. Wer nicht neidisch ist und kein Unrecht tut, ist lahm. 
  
Der Herr sagte zu seinem Diener: “Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Festmahl teilnehmen.” Wer sind die wirklich Geladenen? Die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden. Sie haben die Einladung angenommen. Äußerlich sind sie hässlich und grob, aber es wird ein Tag kommen, an dem sie ihre Schönheit in guten Handlungen und großen Heldentaten offenbaren werden. Die Menschen werden sie für ihre Taten lieben, so wie die Reichen für deren Geld. Es ist besser, dass dich die Menschen für deine Taten lieben, als für dein Geld und deine äußere Schönheit. Was ist besser: Dass du äußerlich schön bist wie das Sonnenlicht, das tagsüber über allem scheint und abends untergeht, oder dass du innerlich schön bist, vom Gotteslicht beschienen?  Die erste Schönheit nennen wir physische, und die zweite – geistige. Die erste offenbart sich tagsüber, wenn es auch ohne sie überall hell ist; die zweite offenbart sich nachts und beleuchtet Leidenden und Gequälten, Unterdrückten und Irregeführten den Weg. Deshalb steht geschrieben, dass die schönen Dinge in der Dunkelheit wachsen. König David sagt: “Nimm mich unter deine Fittiche.” Die Bulgaren, die an schwarze Magie glauben, erlauben den jungen und schönen Frauen tagsüber nicht auszugehen, damit sie nicht verzaubert werden. Was ist schwarze Magie? Die schlechten menschlichen Gedanken und Wünsche! Was für eine vernichtende Kraft liegt in ihnen verborgen. In manchen Fällen sind sie schrecklicher als Kanonen und Waffen. Das Buch eines Schriftstellers, voller deformierter Gedanken und Gefühle, flößt Gift in die Köpfe und Herzen   von Generationen von Menschen ein, während Kanonen nur vorübergehend gefährlich sind, nur solange der Krieg dauert. 


Das Christentum ist gekommen, um die Menschheit von schlechten und deformierten Gedanken und Wünschen zu retten, die sich im Verstand der Menschen seit Jahrtausenden angehäuft haben. Ihr werdet sagen, dass das Christentum eine neue Lehre sei, seit zweitausend Jahren in der Welt. Doch ist diese Lehre nicht neu. Sie ist durch drei Epochen gegangen: Die erste betrifft die Zeit der Erschaffung des ersten Menschen nach dem Abbild und Gleichnis Gottes. Er lebt bis heute noch im Paradies. Die zweite Epoche betrifft die Zeit des zweiten Menschen, gemacht aus Erde und aus dem Paradies vertrieben wegen Ungehorsams. Die dritte Epoche ist die Zeit der heutigen Menschheit, in der sich der Mensch außerhalb des Paradieses befindet. Er wurde in Haut gekleidet. Das ist der heutige Mensch, der sich zum Christentum bekennt. 

Der gegenwärtige Mensch hat ein spezifisches Verständnis vom Christentum. Das Verhältnis mancher Religiösen zum Christentum ähnelt dem Verhältnis des Analphabeten zu einem teuren, gut eingebundenen Buch. Er sieht sich das Buch an, untersucht den Einband, aus welchem Leder er ist, wo er hergestellt worden ist, wie der Buchdrucker heißt, der es gedruckt hat. Nachdem er diese Untersuchungen angestellt hat, erzählt er seinen Bekannten, dass er ein schönes Buch mit teurem Einband gesehen habe. Das ist auch wichtig, aber vor allem muss er den Inhalt des Buchs kennen und das Buch benutzen. Das Christentum ist ein wertvolles Buch mit schönem Einband, welches für den Menschen nur dann nützlich ist, wenn er es aufmacht und liest. Da findet jeder Methoden und Gesetze, nach denen er richtig leben kann. Bleibt das Buch geschlossen, ist es zwecklos. Das gleicht der Situation, wenn ein Arzt über eine wertvolle Arznei verfügt, die den Menschen Leben gibt, aber diese Arznei nicht angewendet werden kann. Alle sehen sich die Flasche mit der Arznei von außen an, drehen sie hin und her, aber keiner kann sie öffnen. Wenn sie die Flasche zerbrechen, zerfließt die Medizin. Was für einen Sinn haben das Buch und die Flasche, wenn sie nicht benutzt werden können? Egal wie sehr ihr ihre äußeren Qualitäten bewundert, sie bringen keinen Nutzen. Es gibt ein anderes Buch, wertvoller als dieses, dessen Qualitäten ihr beschreibt -- es ist die Menschenseele. In ihr stehen die Geheimnisse geschrieben, im Da-Sein verborgen seit der Schaffung der Welt bis zum Ende des Jahrhunderts. 

Wenn von der Seele gesprochen wird, fragen sich manche, ob sie existiere oder nicht. Nur wenige öffnen und lesen dieses Buch. Ein griechischer Philosoph sagte: “Erkenne dich selbst.” Dieser Gedanke birgt die Lehre von der Seele in sich. Dass sich der Mensch selbst erkennt, bedeutet, das Buch seiner Seele zu öffnen und darin zu lesen. Da findet er die Geheimnisse vom Da-Sein. Die Bibel enthält weniger Geheimnisse als das, was Gott in die Menschenseele hinein geschrieben hat. Lest das in eure Seele Geschriebene, um zu erfahren, wie alle lebendigen Wesen, alle Engel, gelebt haben. Nur so lebt die Welt auf und öffnet sich vor euch. Kann der Mensch in Kontakt mit den Engeln kommen? Er kann es. Ich tue das jeden Tag. Ihr werdet sagen, dass dies nicht möglich sei. Probiert es und überzeugt euch, dass es möglich ist, mit den Engeln zu sprechen. Wie viele Engel klopfen an die Menschenherzen! Aber anstatt ihre Herzen für sie zu öffnen, sagen sie: “Betrachte mich als entschuldigt.” Einige lehnen es ab, die Engel zu empfangen unter dem Vorwand, dass sie zu ihrem Acker gehen müssen; andere, dass sie ihre fünf Ochsengespanne ausprobieren, und wieder andere, dass sie heiraten gehen müssen. Salomon hatte in seinem Schloss sogar neunhundert Frauen untergebracht, aber das versteht man unter Heiraten nicht.  

Der gegenwärtige Mann trennt sich von seiner Frau und heiratet eine geschiedene Frau. Das Gleiche macht auch die Frau. Und hinterher zählen sie sich zu den kulturell entwickelten Menschen. Was für eine Kultur gibt es im Leben von geschiedenen Männern und Frauen? Dich von einem Menschen, mit dem dich Gott vereinigt hat, scheiden zu lassen, und dich mit einem fremden Mann oder mit einer fremden Frau zu verbinden -- das ist keine echte Kultur. Wenn sie auf Schwierigkeiten stoßen, sagen die Menschen, dass das Leben ein Kampf sei, also müssten sie kämpfen. Darin, dass das Lamm mit dem Wolf kämpft, gibt es einen Sinn. Aber welcher Sinn liegt darin, dass zwei Schwestern oder zwei Brüder in einem Haus untereinander kämpfen? Dass sich die Menschen, die verschiedenen Göttern dienen, untereinander schlagen, ergibt auch einen Sinn. Aber müssen sie sich schlagen, wenn sie ein und demselben Gott dienen? 

Der Herr des Hauses, über den Christus spricht, hat viele Menschen zum Festmahl eingeladen, aber sie haben sich entschuldigt. Man sagt, dass diese Menschen für die neue Kultur nicht bereit sind. Sie beschäftigen sich mit vergänglichen, vorübergehenden Dingen, die ihre Aufmerksamkeit von der echten Vorbestimmung des Menschen ablenken. Der Raupe ist es nur vierzig Tage lang erlaubt, sich mit ihrem Körper zu beschäftigen. Danach gibt sie ihn auf und verwandelt sich in einen Kokon. Danach gibt sie auch den Kokon auf und verwandelt sich in einen Schmetterling. Der Körper, dem der Mensch eine große Beachtung schenkt, ist weder das Wesentlichste noch das Erhabenste im Leben. Er muss sich umgestalten, sich vervollkommnen. Paulus sagt: “Es gibt einen natürlichen Körper, es gibt auch einen geistigen Körper.” Der natürliche Körper ist jener, der die Krankheiten nicht aushält. Er wird auch physischer Körper genannt. Die spanische Grippe zeigt, wie widerstandsfähig er ist. Nachdem ihm einige Spritzen gegeben worden sind, hält er es entweder aus oder nicht. Es ist besser, wenn der Mensch wachsam ist, wenn er den Mikroben nicht nachgibt. Dann werden sie nur das Unnütze im Organismus fressen, und danach wird der Mensch ihre Wirkung mit seinen Gedanken und seinem Willen lähmen. Es gibt etwas viel Gefährlicheres als die Mikroben - das ist der menschliche Hass. 

Christus lädt heute alle Menschen zu einem großen Festmahl ein. Das ist das neue Leben, zu dem ihr berufen seid. Probiert es aus, um zu sehen, was für einen Segen es für die Menschenseelen bringt. Wer seine Einladung annimmt und ihm offenherzig entgegenkommt, dem werden sich die Augen öffnen, und er wird sehend werden. Er wird die Engel sehen, die herunterkommen und hinaufsteigen, er wird mit ihnen in Verbindung treten und anfangen, das neue Wissen zu erlernen. Was er lernt, wird er an seine kleineren Brüder weitergeben. Das ist das wahre Wissen. Wer es erlangt, wird sowohl für sich als auch für seine Nächsten von Nutzen sein. Er verfügt über dieses Wissen unter allen Bedingungen. Es wird zu seinem Fleisch und Blut. Was für ein Wissen bringt es dem Pferd oder dem Esel, wenn ihr ihn mit den heiligen Büchern der ganzen Menschheit beladet? Ist dieser Esel dann gelehrt? Er schreit iah in passenden und unpassenden Momenten, ahnt nicht, was für Bücher er auf seinem Rücken trägt. Strebt nach jenem Wissen, das ihr auch ins Jenseits mitnehmen könnt, und nicht nach dem, das euch den Rücken bricht. 

Die dritte Kategorie von Menschen, die sich entschuldigt haben, um am Festmahl nicht teilnehmen zu müssen, sind diejenigen, die heiraten gehen. Sie ähneln den Patrioten, die ihr Vaterland lieben, aber zusehen, dass sie es ausnutzen, um hohe Posten einzunehmen. Ein wahrer Patriot ist jener, der sein ganzes Hab und Gut für sein Vaterland opfert. Er muss ein Vorbild sein, ein nachahmungswürdiges Beispiel. Wer sich für seinen Nächsten, für sein Vaterland, für eine hohe Idee opfert, der stirbt nicht. In seinem Namen stehen alle Menschen, alle Völker auf. Die großen Menschen sind die Seele der Völker. 

Eines Tages werden alle Völker auferstehen und zusammen mit ihnen – die ganze weiße Rasse. Dann wird Christus kommen. Also wird die Wiederkunft Jesu dadurch gefeiert, dass die Völker die Freiheit erwerben werden. Jedes Volk, das ein anderes Volk zu begrenzen sucht, indem es seine Freiheit wegnimmt, verzichtet auf den Segen Gottes. Denkt nicht, dass ihr Ausnahmen vom Ganzen seid. Wenn ihr die Einladung ablehnt und sagt, dass ihr zu eurem Acker oder zu den Ochsengespannen oder zum Heiraten geht, wird euch das nicht im Geringsten retten. Das befreit euch nicht von der Verpflichtung zum Ganzen. Das Leben eines jeden Menschen muss in das Leben des Ganzen einfließen, und ihr alle zusammen müsst das künftige große Gebäude bilden.

Ich wünsche, dass alle Bulgaren zu den Blinden gehören, die von Christus zum Festmahl berufen wurden. Von welchen Blinden spricht Christus? Von jenen, deren Augen vor dem Bösen verschlossen sind, aber für das Gute und Erhabene geöffnet sind. Der Bulgare liebt seinen Acker; aber jedem Menschen ist so viel gegeben, wie er braucht. Nimmt er mehr als das Vorherbestimmte, wird er es leicht verlieren. Jeder hat das Recht, die Erde zu bearbeiten, aber nicht, sie zu beherrschen. Das verlangt auch Gott von uns. Das verlangt die Liebe. 

Was ist die Liebe? Einige benutzen das Wort Liebe anstelle von Zuneigung, aber sie unterscheiden sich voneinander. Die Liebe ist eine schöpferische Kraft, die Leben gibt. Und die Zuneigung baut auf das auf, was die Liebe geschaffen hat. Im Allgemeinen ist es so: Die Liebe gibt, die Zuneigung nimmt. 

Ein Schüler kam zu einem indischen Lehrer, um zu fragen, was Liebe sei. Der Lehrer schwieg und antwortete nicht. Der Schüler besuchte ihn fünf Tage lang in Folge und stellte dieselbe Frage, aber der Lehrer schwieg weiter. Am sechsten Tag bestand der Schüler vor dem Lehrer darauf, dass dieser ihm etwas zur gestellten Frage sage. Anstatt eine Antwort zu geben, nahm  ihn der Lehrer bei der Hand und führte ihn in Richtung Ganges. Danach tauchte er ihn ins Wasser und hielt ihn fünf Minuten unter Wasser. Der Schüler kämpfte, wollte sich von der festen Hand seines Lehrers befreien, konnte es aber nicht. Letztendlich zog ihn der Lehrer aus dem Wasser und fragte ihn: “Was hast du gefühlt, als du im Wasser warst?” “Eine große innere Spannung und das Bedürfnis nach Luft.” Der Lehrer antwortete ihm: “Wenn du ein genau so großes inneres Bedürfnis nach Liebe spürst, wirst du verstehen, was sie ist. So wie du beim Öffnen des Mundes atmest, so wirst du beim Öffnen der Seele lieben. ” 
  
Die heutige christliche Kultur hat wie der indische Lehrer die europäischen Völker fest gepackt und ins Wasser getaucht. Es sind schon fünf Jahre her, seit sie im Wasser kämpfen und sich befreien wollen. Christus fragt sie: „Was spürt ihr? Wie fühlt ihr euch?“ „Wir brauchen Freiheit.“ Alle Völker werden frei sein, wenn sie sich an Gott wenden, wenn sie einander zu lieben beginnen. Die Liebe macht den Menschen frei. Verzichtet auf euren Egoismus, auf den Gedanken, was mit euch passiert. Erfüllt den Willen dessen, der in euch lebt. Christus sagt: “Ich suche keine Anerkennung von den Menschen, aber von Gott.” Der Mensch ist ein Teil des göttlichen Organismus. Wenn der ganze Organismus gesund ist, werden auch seine Teile gesund sein. 

Was passiert mit Bulgarien? Von euch hängt es ab, ob es Bulgarien gut oder schlecht geht. Wenn alle Bulgaren in Harmonie mit dem Ganzen leben, wird ihr Leben harmonisch sein. Schon bei der Erschaffung der Welt hat Gott die Grenzen von Bulgarien festgelegt und die Regierungsform vorgesehen. Eines Tages wird dieser Plan zur Ausführung kommen. Das ist sowohl für Bulgarien, als auch für alle Völker, für jeden einzelnen Menschen, vorgesehen. Wenn ihr nach Hause kommt, gehe jeder von euch in sein Zimmer, mache den Bücherschrank auf und sehe nach, was für euch geschrieben steht, was das Programm ist, was ihr erfüllen müsst. 

Das Schreckliche ist schon vorbei, ihr seid schon am Ende. Jetzt kommen gesegnete Tage der Auferstehung und Verjüngung. Ihr werdet alle jung sein, mit dreiunddreißig Jahren. Ihr werdet auf der Erde leben, solange ihr wollt; ihr werdet weggehen, wenn ihr eure Arbeit beendet habt. Ihr werdet eure Nächsten und Freunde herbeirufen und werdet ihnen sagen, dass ihr ins Jenseits verreist. Ihr werdet euch von ihnen verabschieden und werdet zum Vaterland aufbrechen. Wenn ihr weggeht, wird man nicht um euch weinen, weil man weiß, wohin ihr geht. Damit ihr frei ins Jenseits verreist und frei zurückkommt, müsst ihr auf den Hass, auf die Eifersucht, auf  den Neid, auf alle Kleinigkeiten verzichten. Dass jemand euch beraubt hat -- das darf euch nicht stören. Was euch gehört, gehört euch für immer, und keiner kann es wegnehmen. Sogar wenn es einer wegnimmt, werdet ihr es zurückbekommen.

Ich wünsche, dass ihr alle Christus persönlich kennenlernt. Wie Christus auf die Erde kommt, wo ihr Ihm begegnet, ist nicht wichtig. Denkt, wie ihr wollt. Erwartet Ihn, wie ihr das versteht. Wenn ihr orthodox seid, werdet ihr Ihn vom Himmel herabsteigend erwarten, begleitet von Engeln, die der ganzen Welt mit Posaunen kundtun werden, dass Christus kommt. Wenn ihr Theosophen seid, wartet ihr darauf, dass Christus irgendwo geboren wird und aufwächst, sich entwickelt, bis er unter die Völker geht und predigt. Wenn ihr Okkultisten seid, glaubt ihr, dass Christus hier und da, letztlich aber unter allen Völkern, auftauchen wird. Sein Erscheinen wird an den großen Erschütterungen, die in der ganzen Welt passieren werden, erkennbar sein. Christus klopft an jede Tür und lädt die Menschen zum großen Festmahl ein. An wessen Tür wird geklopft? An die Tür eines jeden, der den Willen hat und bereit ist, die Einladung anzunehmen. Seid froh, dass ihr zu den Berufenen zählt. Zweifelt nicht an der Wahrheit. Woher sie auch kommt, sie ist ein und dieselbe, unveränderlich. Um sie wahrzunehmen, müsst ihr euch von der äußeren Betrachtungsweise der Dinge befreien. Die materielle Welt hat ein Verhältnis zu den Formen der Dinge, und die geistige und göttliche Welt betrachten ihren Inhalt und Sinn. Deshalb haltet euch nicht nur bei den Formen auf, sondern fahrt auch mit ihrem Inhalt fort. 

Was sagte der Teufel zu Christus, als er Ihn auf den Berg geführt hatte? “Wenn du dich vor mir verbeugst, gebe ich dir alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht.” Christus antwortete ihm: “Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.” Christus hat keine Verträge mit dem Teufel geschlossen. Er wusste, dass alle Teufelsverträge und -versprechen scheitern. Der Mensch ist nicht auf die Erde gekommen, um König zu werden, sondern um Gott mit Liebe zu dienen. Er muss mit dem, was er ist, zufrieden sein und nicht nach Reichtum und Ruhm streben; diese stürzen ihn. Ihr begegnet vielleicht jemandem, der euch fragt, ob ihr orthodox, evangelisch oder katholisch seid. Das soll euch nicht beschäftigen. Jeder muss in seinem Inneren sagen: “Ich kenne einen Gott, der alle liebt, alle heilt und allen Leben, Nahrung und Wasser gibt.” Er ist überall, und überall hören wir seine Stimme. Einige hören seine Stimme und zweifeln nicht an Ihm, andere hören Ihn und zweifeln. Das ist der Unterschied zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen. Ihr sagt, dass sich jemand für Christus halte. Wenn dieser Mensch nach den Gesetzen der Liebe, der Weisheit, der Gerechtigkeit, der Tugend lebt, ist er Christus. So können alle Menschen wie Christus sein. Gibt es etwas Unmögliches darin? Auch Christus sagt über sich: “Ich und Mein Vater sind eins.” Wer wie Gott lebt, ist eins mit Ihm. In dieser Situation lebt der Geist Christi in allen Menschen: Einer in Vielen, und Viele in Einem.

Ihr sagt, dass es im menschlichen Leben Geheimnisse gebe, versteckte Dinge. Es gibt Geheimnisse im Leben, aber das bedeutet nicht, dass sie unrein sind. Das Leben im Himmel und unter dem Himmel ist voll von Geheimnissen. Die Natur ist voll von Geheimnissen. Der Mensch selbst und sein Körper sind ein großes Geheimnis. Wer Gott und seinen Nächsten liebt, wer lernt und arbeitet, der gelangt langsam zu den Geheimnissen der Natur und zu jenen seines eigenen Organismus. In diesem Sinne ist der menschliche Körper ein Heiligtum. Behandelt ihn mit Ehrfurcht und Heiligkeit. Die Kräfte, die für die Entwicklung des Menschen nötig sind, liegen in ihm selbst verborgen, und die Bedingungen für deren Offenbarung sind außerhalb von ihm. In der Feuchte, im Wasser verbirgt sich das göttliche Leben, in der Wärme die Liebe und im Licht die Wahrheit. Benutzt diese Bedingungen, um zu wachsen und euch zu entwickeln. “Wir wollen froh und fröhlich sein.” Auch das ist möglich. Wie? Indem ihr eure Herzen für das Licht und für die Wärme der Gottesliebe öffnet. 

Ein Fakir in Indien verbrachte dreißig Jahre in unbewegtem Zustand mit dem Wunsch, eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zu finden. Ganze Tage saß er unbeweglich wie ein Baum da. Sogar die Vögel bauten Nester auf seinem Kopf. Eines Tages näherte sich eine arme Witwe und hängte am nahen Baum eine kleine Wiege auf, in der sie ihr Kind liegen ließ. Ruhig in dem Glauben, dass sich ihr Kind unter der wachsamen Aufsicht des Fakirs befinde, ging sie arbeiten. Kurz danach kam eine Kobra an die kleine Wiege heran und machte sich bereit, das Kind zu beißen. Der Fakir stellte sich die Frage, ob er dem Kind helfen oder es der Obhut Gottes überlassen solle. Er sagte zu sich: “Gott hat sowohl das Kind als auch die Kobra geschaffen. Er denkt selbst an das Kind. In dieser Lage weiß ich nicht, was zu tun ist, um den Willen Gottes zu erfüllen.” Indem er so dachte, bewegte er sich nicht und ließ Gott selbst die Frage lösen. Die Kobra biss das Kind, und es starb. Der Fakir sagte sich: “Das war der Wille Gottes.” Vergebens verbrachte er dreißig Jahre mit Nachdenken - er fand den Sinn des Lebens nicht. Als er ins Jenseits kam, ließ Gott ihn zu sich kommen und fragte ihn, warum er das Kind der Witwe nicht gerettet hat. “Ich habe nicht gewusst, was Dein Wille ist – das Kind zu retten, indem ich die Kobra töte, oder die Kobra am Leben zu lassen, so dass Du selbst das Kind beschützt.” Gott antwortete ihm: “Mein Wille war es, dass das Kind am Leben bleibt, und du dich bewegst und die Kobra tötest. Warum hast du so viele Jahre nachgedacht, wenn du diese Frage nicht beantworten kannst? Zur Strafe sende ich dich wieder auf die Erde, wo du noch tausend Jahre in Schwierigkeiten verbringen, meinen Willen erkennen und ihn erfüllen wirst.” 

Viele Menschen sitzen bis heute wie dieser Fakir da, regungslos und über den Zweck und den Sinn des Lebens nachdenkend, haben aber immer noch nichts begriffen. Ihre Freunde, die von Kobras verfolgt werden, wenden sich an sie, aber sie bewegen sich nicht, wollen ihre Hand nicht heben, um die Kobra zu töten. Sie sagen sich: “Gott hat sowohl den Menschen als auch die Kobra geschaffen; wenn es sein muss, wird er selbst den Menschen retten.” Die Kobra stellt das falsche Menschenleben dar, das Ergebnis eines deformierten Verstandes und Herzens. Die Kobra hält den Verstand und das Herz des Menschen in Lähmung. Ihr sagt, dass die Welt so sei. Die Welt ist nicht so. Im Gegenteil, die Welt ist vernünftig, sie gründet auf Ordnung. Um zu sehen, was eigentlich die Welt ist, müsst ihr einen Freifahrtschein haben, um sie zu bereisen. Nur so werdet ihr eine klare Auffassung von ihr haben. Aber nur derjenige, der bereit ist, mit Liebe zu lernen und zu arbeiten, kann so einen Freifahrtschein benutzen. Die Welt braucht große Menschen, Helden, die nicht beim Rückzug auf dem Rücken verwundet werden, sondern auf der Brust - beim Vormarsch. 

Der Geist Gottes kommt in die Welt, um zu arbeiten und alle Menschen arbeiten zu lassen. Die Zeiten der Ruhe und Erholung sind vorbei. Heute wird von allen Arbeit verlangt. Alle Menschen sind aufgefordert. Denkt der Mensch nur an Schlaf und Erholung, so ist das Faulheit, ein Ergebnis seiner Trägheit. Ein Mensch litt an großer Faulheit und wusste sich nicht zu helfen. Er wandte sich an einen erfahrenen amerikanischen Arzt, damit er ihm auf irgendeine Art und Weise helfe. Der Arzt führte ihn in sein Labor und setzte ihn unter die Wirkung von elektrischen Strömen. Der Kranke fing an zu schreien, zu stampfen und mit den Händen zu zappeln. “Das ist nicht gefährlich” antwortete der Arzt ruhig “Das sind nur gymnastische Übungen, die Ihnen helfen werden, gesund zu werden.”

Das menschliche Leben braucht eine feste Grundlage, welche Gott ursprünglich gelegt hat. Wendet die Wahrheit und die Liebe in eurem Leben an. Wenn ihr seht, dass euer Bruder und eure Schwester unrein und beschmutzt sind -- kritisiert sie nicht, sondern helft ihnen, sich zu säubern; wenn sie Hunger haben -- gebt ihnen etwas zu essen; wenn sie krank sind – heilt sie. “Warum gehen einige Menschen nicht zur Kirche?” Darin liegt eure Täuschung. Ich finde, dass sie mehr Zeit in der Kirche verbringen als nötig. Die Kirche stellt das persönliche Leben des Menschen dar. Jeder hat so eine Kirche. Geht aus eurer Kirche hinaus und geht in die Gotteskirche der Liebe, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Tugend hinein. Mit anderen Worten: Hört auf, nur an euch selbst zu denken. Denkt auch an eure Nächsten. Nur so wird sich die Lage der Familien, der Gesellschaften, der Völker verbessern. Nur so wird sich die politische Lage Bulgariens verbessern. Alle Menschen - Pfarrer, Lehrer, Richter, Politiker, Mütter und Väter -- müssen für den Sieg des Guten über das Böse beten. -- “Auf welcher Seite müssen wir stehen?” Auf der Seite von Gott und Christus. Ich bin schon an der Front. Ich habe mein Schwert gezogen und kämpfe. Wenn alle Menschen gegen das Böse kämpfen, zuerst in sich selbst, und dann außerhalb ihrer selbst, wird die Welt leicht in Ordnung gebracht. Die Zukunft der Menschheit ist groß. “Was passiert mit Bulgarien?” Denkt nicht daran. Die Angelegenheiten Bulgariens sind in Ordnung gebracht worden, eure aber nicht. 

Ich wünsche, dass eure Angelegenheiten in Ordnung gebracht werden nach allen Regeln Gottes. Ich wünsche, dass ihr alle gesund, munter und fröhlich seid, und dass ihr, wo immer ihr euch auch begegnet, euch erkennt. Es gibt keine größere Sache als diejenige, dass wir uns als Brüder erkennen. Das predigt Christus.

Ich wünsche euch allen, dass ihr Arme, Krüppel, Lahme und Blinde seid, damit ihr zu den Berufenen zählt. Christus wird seinen Diener senden, um euch zum großen Festmahl einzuladen. Gott segne euch und sei mit euch, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit! 


Sonntagsvorträge, 03.11.1918 Sofia

 

Übersetzt von Snezhina Budurova

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