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mariaK

1931_08_07 DER TAG DER OFFENBARUNG GOTTES

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DER TAG DER OFFENBARUNG GOTTES

 

 

 

 

 

7. August 1931, 5. Uhr

 

 

 

"`Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel."'\footnote{1 Kor 13,1.} Also, wenn Gott nicht in dem Menschen ist, d. h. wenn der Mensch in sich keine Liebe hat, sind alle andere Dinge in seinem Leben nicht wert – sie werden ihm nichts nützen.

 

"`Sie [die Liebe] sucht nicht das Ihre."' In der Tat, wer das Seine sucht, der ist nicht in der Liebe. Nur der Egoismus sucht nach dem Seinen. "`Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte aber von diesen ist die Liebe."' (Vers 13). In der Hoffnung liegt folglich die physische Welt, im Glauben die geistige Welt und in der Liebe die göttliche Welt. Alles kommt aus der Liebe, aus der göttlichen Welt. Wenn die Menschen untereinander über die Liebe sprechen, ist das nur partiell, und was partiell ist, wird aufhören. Wenn der Wassertropfen allein gelassen wird, dann wird er leicht verschmutzt. Wenn dieser Wassertropfen in das Ganze kommt, wird dieses rein und klar. Dasselbe lässt sich über die Liebe sagen. Wenn die Liebe partiell ist, dann wird sie verschmutzt und hört auf. Deshalb soll der Mensch die göttliche Liebe erstreben, die das Ganze ist und die niemals schmutzig wird. Wenn jetzt die neue Lehre gepredigt wird, dann finden viele, sie sei schwer zu erfüllen. Warum? -- Es gibt zwei Ursachen dafür. Was auch immer der Kranke isst, es ist ihm immer unangenehm. Auch wenn ihm die schönste Nahrung gegeben wird, sagt er: "`Das ist nichts wert."' Dem gesunden Menschen gefällt jedoch alles. Solange der Mensch krank ist, versteht er weder die Nahrung, noch kann er sie selbst wählen. Wer sind die kranken Menschen? Diejenigen, die Fehler und Verbrechen begehen, sind immer kranke Menschen. Solange der Mensch sündigt, kann er die göttliche Liebe nicht verstehen. Die Liebe bringt Leben, doch der Mensch der Sünde kann das Leben nicht verstehen. Und der Kranke kann das Leben nicht verstehen, wie der Mensch der Sünde es nicht verstehen kann. Dem Kranken wird ein Essen gegeben, und er ist unzufrieden. Ihm wird ein anderes Essen gegeben, und er ist wieder unzufrieden. Er stellt fest, dass alle Menschen um ihn herum schuld sind; dass sie nicht gekocht haben, was sie kochen sollten. Andere sind ihm gegenüber unachtsam, sie haben ihn nicht so angeschaut, wie sie ihn anschauen sollten und so weiter. Groß sind die Ansprüche der Kranken! Mit einem Wort: Die Sünde ist ein krankhafter Zustand, und die Liebe ist ein gesunder Zustand. Wenn der Mensch die Liebe richtig manifestiert, versteht er den Sinn des Lebens. Das richtige Manifestieren der Liebe bedarf notwendigerweise der Reinheit. Manch einer sagt: "`Gib mir Wasser aus deiner Flasche zu trinken!"' Ich sage: Geh' lieber zu einem Trinkbrunnen oder zu einer Quelle, um dort zu trinken, als das Wasser aus meiner Flasche zu trinken. Unabhängig davon, wie frisch und rein das Wasser in meiner Flasche ist, ist es nicht so viel wert wie das Quellwasser.

 

Ich frage euch: Dürft ihr Wasser aus euren Flaschen trinken? Ich rate euch allen: Schüttet das Wasser aus euren Flaschen weg, geht zum Wasserbrunnen oder zur Quelle und füllt eure Flaschen mit reinem, frischem Wasser. Anderen Menschen Wasser aus euren Flaschen zu geben, bedeutet, dass ihr ihnen gegenüber als ihre Lehrer auftretet.

 

Deshalb ist es für den Menschen gut, Wasser direkt aus der Quelle zu trinken. Schützt euch vor Lehren, die den Verstand und das Herz des Menschen verderben! Wer sich bei den Menschen mit seiner Lehre durchsetzen möchte, gibt den Menschen Wasser aus seiner Flasche zu trinken. Unabhängig davon, wie rein dieses Wasser ist, ist es unzureichend; es kann den Menschen nicht vollkommen befriedigen. Jede Teilung unter den Menschen liegt nämlich am Wasser in ihren Flaschen. Diese Teilungen rufen Leiden hervor. Solche Teilungen gab es noch in den ersten Zeiten des Christentums. Viele predigen Gott, aber in diesen Lehren fehlt immer etwas. Sie beginnen gut und enden schlecht. Ein Knecht beispielsweise erfüllt den Willen seines Herrn gut. Was auch immer der Herr zu ihm sagt, er erfüllt alles, wie es sich gehört. Es vergehen allerdings keine zwei Jahre, und der Knecht bestiehlt den Herrn und nimmt seinen Platz ein. Der Knecht wird zum Herrn, und der Herr zum Knecht. Dasselbe geschieht auch in der geistigen Welt. Jemand predigt den Menschen von Gott, aber letztendlich bestiehlt er sie. Das ist geistiger Raub. Was zeigt das? Wenn der Herr arm wird, dann ist der Knecht ehrlos. Wenn der Herr reich wird, dann ist der Knecht ehrlich.

 

Solange der Mensch nun in der Liebe wächst, und solange seine Gefühle und Handlungen rein sind, wird er reich und wächst in jeder Hinsicht. Beginnt jedoch die Liebe abzunehmen, verlieren die Gedanken, Gefühle und Wünsche des Menschen ihre Reinheit, weshalb er allmählich arm wird. Wahres Gedeihen gibt es nur in der göttlichen Liebe, Weisheit und Wahrheit, so dass der Mensch nur in diesen drei Welten wächst. Dasselbe Gesetz bezieht sich auch auf die physische Welt. Wo es Wärme, Licht und Freiheit gibt, gibt es Wachstum; außerhalb dieser Bedingungen kann es kein Wachstum geben. Aber es vergeht nicht viel Zeit, dann kommt der umgekehrte Prozess, der Prozess des Alterns. Wann altert der Mensch? -- Wenn er das Leben seiner Vorfahren und Ahnen durchläuft, in dem es viele Sünden und Verbrechen gibt. Dieses Leben befindet sich im Widerspruch zur göttlichen Liebe. Möchte der Mensch zu Gott, zu seinem einzigen Vater gehen, muss er sich vom Leben seiner Vorfahren und Ahnen lossagen und beginnen, in der Liebe zu leben. Sein Vater und sein Großvater kommen und sagen zu ihm: "`Sohn, du sollst auf mich hören, ich habe dich geboren!"' Nein, der Vater soll zu seinem Sohn sagen: "`Sohn, du sollst auf Gott hören und Seinen Willen erfüllen. Du bist aus Ihm herabgestiegen, er ist dein Vater."' Danach geht die Großmutter zur Tochter und sagt: "`Tochter, fürchte dich nicht, ich werde dir sagen, wie du glücklich werden kannst."' Ich sage: "`Die Großmutter ist selbst nicht glücklich und möchte ihre Enkelin glücklich machen.“ Heute erwarten alle Menschen das Glück von den Unglücklichen. Was kann den Menschen glücklich machen? Heute seid ihr reich, morgen arm. Heute seid ihr gesund, morgen krank. Auf die vergängliche Gesundheit zu vertrauen, bedeutet, dem Wind durch die Wälder hinterherzulaufen. Jemand sagt: "`Ich möchte frei sein!"' Dieser Mensch möchte frei sein, aber er setzt seine Meinung bei den anderen durch. Der Wolf sagt, er möchte frei sein und reißt ein Lamm aus der Herde, legt es auf seinen Rücken und läuft in den Wald. Ich frage: Aus welchem Grund nimmst du die Freiheit des Lammes und möchtest Freiheit für dich selbst? Das ist keine Freiheit! Im alten Leben gibt es keine Freiheit. Wer gemäß der alten Lehre lebt, wird immer Sklave seiner selbst und dessen Bedingungen sein. Solch ein Mensch wird mehr und mehr alt und arm, bis er schließlich stirbt, und man bringt ihn mit dem Wagen auf den Friedhof. Warum stirbt der Mensch? -- Weil er nicht an Gott glaubt. Was auch immer Gott ihm sagt, er glaubt nicht daran. Was ihm die Vorfahren und Ahnen sagen, daran glaubt er. Ihr sagt: "`Wenn wir sterben, werden unsere Verwandten für uns beten und für unsere Sünden büßen."' -- Wenn ihr es anderen überlässt, dass sie für euch beten, ist die Arbeit zu Ende. Lasst ihr eure Flasche von außen füllen, ist es mit euch zu Ende. Alles, was von außen gefüllt wird, wird von innen leer. Wenn es der Mensch dabei belässt, dass er mit dem gefüllt wird, was von den Menschen kommt, ist es mit ihm zu Ende. Wenn der Mensch dem anderen etwas gibt, nimmt er es wieder zurück. Was auch immer der Vater und die Mutter geben, nehmen sie wieder zurück. Nach dem Gesetz der Wiedergeburt gibt der Vater seinem Sohn den Körper. Doch in einem anderen Leben wird er zum Sohn oder zur Tochter seines jetzigen Sohnes, der auf diese Weise seinen Vater bezahlen wird; in der dritten Wiedergeburt wird der Sohn wieder zum Vater und so weiter. In der göttlichen Welt geschieht dies jedoch nicht, denn dort gibt es keinen Tod; für die Wesen in der göttlichen Welt gibt es keinen Tod und keine Wiedergeburt -- das göttliche Leben ist ein Leben der Vollkommenheit.

 

Demnach werden die Menschen in schwarze und weiße eingeteilt. Sie sagen: "`Dieser ist aus der Weißen Bruderschaft, und jener ist aus der Schwarzen Bruderschaft."' Ich sage: Wer sich nicht gemäß den Gesetzen der Liebe, der Wahrheit und der Weisheit verhält, gehört zur Schwarzen Bruderschaft. Wer sich gemäß den Gesetzen der Liebe, der Wahrheit und der Weisheit verhält, gehört zur Weißen Bruderschaft. Die Wahrheit verleiht dem Menschen Freiheit, die Liebe macht ihn ebenfalls frei. Dann frage ich: Wenn ihr jemanden liebt, dürft ihr ihn dann versklaven? Wenn ihr jemanden liebt, dürft ihr ihn dann quälen? Darf der Herr seinen Knecht quälen? Er schickt ihn, um Holz zu sägen, seinen Weinberg umzugraben, den Acker zu pflügen, und im Herbst erfreut er sich an Scheunen, die mit Weizen gefüllt sind. Für den Herrn ist es gut, aber wie ist die Lage des Knechtes? Der Knecht bleibt arm, mittellos und bedürftig. Derselbe Herr hat heute die Haut eines Ochsen abgezogen, morgen wird er die Haut eines anderen Ochsen abziehen und schließlich reich werden. Er wird Häutehändler und verdient Millionen. Dem Händler geht es gut, aber wie ist die Lage der Ochsen? Und dieser Mensch spricht über das Jenseits, über Gott, über die Engel. Wenn er aber dahinscheidet, verhält es sich nicht so, wie er gedacht und gepredigt hat. Das Jenseits ist in Gott, und Gott ist überall; es gibt keinen Grund, Gott im Jenseits zu suchen. Die ganze Welt -- das Diesseits und das Jenseits -- ist immer die göttliche Welt. Aber nach ihrer Entwicklungsstufe unterscheiden die Menschen drei Welten: die physische oder sichtbare Welt, die sie um sich herum sehen, die geistige Welt oder die Welt der Gefühle und die mentale oder göttliche Welt.

 

Wer nun der Liebe, der Wahrheit und der Weisheit nicht dient, dient dem Teufel. Der Teufel liebt es, den Menschen die Haut abzuziehen. Jeder Mensch, der einen eigennützigen Wunsch in sich hat, dient dem Teufel. Wenn der Mensch sagt, dass er der Wahrheit diene, sagt der Teufel: "`Es gibt keinen Grund, die Wahrheit zu sagen, es gibt keinen Grund, sich an die göttlichen Gesetze zu halten. Ihr sollt frei sein!"' Wenn ihr diese Ratschläge in euch oder außerhalb von euch hört, dann wisst, dass sie teuflisch sind, und sagt: "`Das ist nicht deine Angelegenheit, behalte diese Lehre für dich, ich möchte die Ratschläge eines Teufel--Lehrers nicht hören!"' Wer auf seine Ratschläge hört, wird sehen, was die Ergebnisse seines Lebens sein werden. Ein Haus, das nach den Ratschlägen und der Lehre des Teufels gebaut wurde, ist auf Sand gebaut worden. Von solch einem Haus sagt Christus, dass es den Gewittern und dem Regen nicht standhalten kann.

 

Alles, was nicht auf den Gesetzen der Liebe, Weisheit und Wahrheit gründet, wird folglich zerstört; es ist zeitlich und vergänglich. Wenn das Schiff, das ihr gebaut habt, nicht den Gesetzen der Technik entspricht, wird es selbst von den schwächsten Wellen zerstört werden und in den Tiefen des Ozeans versinken. Wollt ihr an Bord eines solchen Schiffes gehen? Kann die Mannschaft das Leben der Passagiere sicherstellen? Wisst ihr, wie furchtbar es für den Menschen ist, sein Leben zu verlieren? Verliert er sein Leben, dann verliert er gleichzeitig die Bedingungen für seine Entwicklung. Warum beeilt ihr euch, an Bord eines solchen Schiffes zu gehen? "`Wir möchten nach Amerika fahren, um reich zu werden, weil es dort viel Gold gibt."' Wartet doch, die Mannschaft soll erst ein festes Schiff machen! Wenn ihr es eilig habt, könnt ihr schon nach kurzer Zeit in den Tiefen des Ozeans versinken, wo ihr euer Unglück und nicht euren Reichtum finden werdet. Solch ein Schicksal ereilt jeden, der die Lehre des Teufels befolgt. Wer aber die göttlichen Gesetze befolgt, wird die leise Stimme hören, die zu ihm spricht: "`Komm zu mir, Gesegneter, dir gehört das Reich Gottes. Folge diesem Weg!"' Christus sagt: "`Geht, ihr Verdammten, zum Abgrund der Hölle."' Wer sind diese Verdammten? Es sind diejenigen, die den Weg der drei großen Gesetze nicht befolgt haben. Und wenn sie auch Heilige oder Engel gewesen sein mögen, wenn sie von diesem Weg abgewichen sind, werden sie sich im Abgrund der Hölle finden. Es gibt keine größere Strafe für den Menschen als die, dass er das Leben in der Hölle erfährt! Seid also aufmerksam auf euren Weg! Verfolgt und betrachtet, wer was spricht, damit ihr den schwarzen vom weißen Bruder unterscheiden könnt. Wer das Eine spricht und das Andere tut, ist ein schwarzer Bruder. Der weiße Bruder tut das, was er spricht. Er ist innen und außen ein und derselbe. So handelt auch Gott. In ihm gibt es keine Scheinheiligkeit. Die Liebe ist immer ein und dieselbe. Wenn der weiße Bruder spricht, berücksichtigt er, dass er immer vor dem Angesicht Gottes spricht, der jedes seiner Worte nach den Gesetzen der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit abwägt. Handelt der Mensch so, wird er immer die Gunst Gottes haben.

 

Jemand sagt: "`Gott liebt mich nicht."' Ich frage: Wie möchtet ihr, dass euch Gott liebt? Auf welche Weise soll Gott seine Liebe zum Menschen zum Ausdruck bringen? Wenn der Mensch hungrig ist, wird ihm Gott zum Essen geben. Wenn er nackt ist, wird Gott ihn kleiden. Wenn er krank ist, wird Gott ihn heilen. Und wenn der Mensch kein Zuhause hat, wird Gott ihm ein Zuhause geben. Was kann der Mensch mehr verlangen? Nur an vier Dinge kann Gott denken und sich demnach für den Menschen interessieren: Wenn er hungrig ist, wird er ihn satt machen. Wenn er nackt ist, wird er ihn kleiden. Wenn er krank ist, wird er ihn heilen. Wenn er ohne Haus ist, wird er ihm ein Haus geben. Hat der Mensch diese vier Dinge, dann bleibt ihm nichts übrig als zu lernen. Dieser Mensch ist glücklich, und es gibt keinen Grund, dass Gott an ihn denkt. Über die Lage dieses Menschen können wir uns nur freuen -- mehr nicht! Soll Gott nach alle dem extra zu diesem Menschen kommen und anfangen, ihn zu loben, weil er so gut und gelehrt ist? Nicht nur er ist gut und gelehrt. Es gibt Millionen von Menschen, die gut und gelehrt sind und auf das Lob und die Zustimmung Gottes warten. Wenn alle guten und gelehrten Menschen sich an einem Ort versammeln, wird Gott kommen und zu ihnen sagen: "`Ihr seid gut und gelehrt."' Ich frage: Welchen Nutzen bringt dieses Lob? Wenn ihr sehr gut und gelehrt seid und ihr dafür gelobt werdet, werdet ihr dadurch besser und gelehrter? Oder wenn ihr gut und gelehrt seid, und jemand sagt, dass ihr nicht gut und gelehrt seid, verliert ihr dadurch eure Güte und eure Gelehrsamkeit? Ich sage: Beim Lob gewinnt der Mensch nicht mehr als das, was er schon hat. Und wenn er getadelt wird, verliert er nichts. Aber der Mensch soll die Tatsachen feststellen, wie sie sind -- ohne Übertreibung und ohne Untertreibung. Gibt man dir eine schöne Frucht, dann sagst du: "`Diese Frucht ist schön!"' Gibt man dir eine faule Frucht, dann sagst du: "`Diese Frucht ist faul!"' Wenn du folglich jemandem beispielsweise eine Birne gibst, dann sollst du sie von allen Seiten betrachten und erst dann sagen: "`Schau, eine schöne Birne!"' Der Mensch soll überhaupt eine bestimmte Moral bezüglich aller Dinge haben und wissen, was sie sind und was sie in einem gewissen Moment darstellen.

 

Wenn ihr jetzt hinausgeht, sagt ihr: "`Hoffentlich geht die Sonne auf!"' Ich sage: Es ist nicht nur die physische Sonne, die aufgeht. Neben ihr gibt es noch zwei weitere Sonnen, die genauso aufgehen müssen. Die physische Sonne ist die Dienerin der beiden anderen Sonnen. Letztere sind wichtiger als die physische. Wenn die physische Sonne aufgeht, gehen nach ihr auch die anderen beiden Sonnen auf. Im Aufgang dieser beiden Sonnen liegt der Sinn des Lebens. Wenn der Mensch den Aufgang dieser beiden Sonnen sehen kann, wird er demütig werden und bewusst an sich selbst arbeiten und seine Fehler bereinigen. Solch ein Mensch lässt sich weder von der Wahrheit beleidigen noch beleidigt er die anderen. Er ist frei und begrenzt die anderen nicht. Er bewahrt seine Reinheit und er bewahrt die Reinheit der anderen. Wenn ein Mensch die Reinheit eines anderen Menschen nicht wahrt, sei er Mann oder Frau, solch ein Mensch hat kein Credo, keine Moral. Es ist nicht erlaubt, dass ihr, nachdem ihr die Säfte eines Menschen ausgesaugt habt, ihn schließlich wie einen Lumpen wegwerft! Es ist nicht erlaubt, dass ihr mit dem Geist, mit der Seele und mit dem Herzen des Menschen spielt! Erinnert euch an die folgende Regel der göttlichen Lehre: Für viele Dinge könnt ihr den Menschen bestrafen. Aber es ist absolut nicht erlaubt, dass ihr mit dem menschlichen Geist, mit der menschlichen Seele, mit dem menschlichen Verstand und mit dem menschlichen Herzen spielt! Mit den Gefühlen des Menschen darf man nicht spielen! Was die Kleidung des Menschen angeht, so könnt ihr ihm seine Kleidung ausziehen und sie nehmen. Aber ihr habt absolut kein Recht, den Menschen in demjenigen, was Gott ihm gegeben hat, zu verderben. Für das erste Verbrechen werdet ihr nach den menschlichen Gesetzen verurteilt werden, für das zweite nach den menschlichen und göttlichen Gesetzen. Dasselbe Gesetz gilt auch für den Menschen selbst. Niemand hat das Recht, dein Herz, deinen Verstand, deine Seele und deinen Geist zu verderben. Ich sage: Der Mensch soll sich selbst gegenüber aufrichtig sein -- dasjenige, was er spricht, soll in seinem Herzen sein. Deshalb steht in der Heiligen Schrift geschrieben: "`Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren."' Gott braucht folglich keine falschen Lehren. Jeder Lehrer soll die göttliche Lehre predigen. Predigt er diese Lehre nicht, dann ist er nicht von Gott. Der Lehrer soll wissen, dass er sich unabhängig von seiner Predigt vor dem Angesicht Gottes befindet. Wenn das der Fall ist, dann soll er immer die Wahrheit sprechen. Was machen die heutigen Schüler? Sie sind darauf bedacht, ihrem Lehrer äußerlich die größte Aufmerksamkeit und Achtung zu schenken, während ihr Herz weit von ihm entfernt ist. Wenn sie ihn zu sich einladen, stellen sie ihm das schönste Essen und die schönsten Früchte auf den Tisch und sagen: "`Wären wir Lehrer, dann würde uns genauso aufgetischt werden."' Das ist eine Verführung. Der Teufel verführt die Schüler und betrügt den Lehrer, indem er zu ihm sagt: "`Schau, wie sehr dich deine Schüler lieben! Sie stellen dir das schönste Essen auf den Tisch."' Der wahre Lehrer antwortet auf diesen Betrug so: Er nimmt aus seiner Tasche eine schöne Birne oder einen schönen Apfel, nimmt ein Stück Brot und beginnt zu essen und schaut die Speisen vor ihm auf dem Tisch überhaupt nicht an. Er lässt sich nicht betrügen. -- "`Einen besseren Lehrer als dich gibt es nicht."' Der Lehrer weiß, dass dieses Lob teuflisch ist. Wenn ein Schüler seinen Lehrer unbedingt loben möchte, sage ich ihm, wie er es tun soll. Er soll zu einem armen Menschen gehen und ihn zu sich nach Hause einladen; er soll ihn sich wärmen lassen, ihm zum Essen geben und ihn kleiden. Dann soll er zu ihm sagen: "`Das ist die Lehre unseres Lehrers!"' Das Lob besteht also nicht im Vorlesen von Gebeten und in Lobpreisungen. Wenn dieser Schüler nun auf einen Menschen trifft und ihn schlägt, weil dieser ein Schimpfwort zu ihm gesagt hat, tadelt er durch sein Verhalten seinen Lehrer. Mit diesen Beispielen mache ich euch auf eure Beziehungen zu Gott aufmerksam. Wie die Beziehungen des Menschen zu Gott sind, so sind auch seine Beziehungen zu den Menschen. Das ist die Philosophie des Lebens. Was auch immer er anderes sagt, ist keine Wahrheit. Wenn euch jemand loben möchte, soll er euch mit seinen guten Gedanken und Taten loben. Wenn der Sohn seinen Vater loben möchte, soll er ihn auf diese Weise loben. Wenn die Tochter ihre Mutter loben möchte, soll sie sie auf diese Weise loben.

 

Ich sage: Wenn jemand einen anderen durch seinen guten Gedanken, Gefühle und Taten heiligt, bedeutet das nicht, dass er kein Recht hat, sein Lob mit Worten auszusprechen. Er hat das Recht dazu, weil Fakten vorliegen. Der gute Schüler sagt zu seinem Lehrer: "`Mein Lehrer ist sehr gut. Er zeigt mir den wahren Weg; er lehrt mich, den Willen Gottes zu erfüllen."' Nur dieser Schüler hat folglich das Recht, seinen Lehrer zu loben, weil er seine Lehre erfüllt. Und nur dieser Lehrer hat das Recht, seinen Schüler zu loben, weil er ihm eine Reihe von Beweisen gegeben hat, dass er seine Lehre richtig versteht und anwendet. Der Lehrer gibt solch einem Schüler ein schönes Buch und sagt: "`Lies' dieses Buch und wende es an!"' Wenn er sieht, dass der Schüler im Wissen einen Fortschritt gemacht hat, schenkt er ihm ein zweites Buch, dann ein drittes und so weiter. Der Lehrer freut sich an einem solchen Schüler, und der Schüler liebt seinen Lehrer und arbeitet fleißig an der Anwendung seiner Lehre. Die unsichtbare Welt betrachtet den Erfolg und das Verhalten des Schülers. Sie fragt den Lehrer oft: "`Wie entwickeln sich deine Schüler auf der Erde?"' Wenn der Lehrer antwortet: "`Sie bemühen sich, sie arbeiten, die Dinge laufen einigermaßen."' -- So eine Antwort wird nicht akzeptiert. Die Sprache des Lehrers muss bestimmt sein. Er muss genau, bestimmt und positiv antworten. Wenn man mich über euch als Schüler fragt, werde ich mit einer bestimmten Sprache antworten, die ihr bis jetzt noch nicht gehört habt: Ich werde euch weder loben noch tadeln, sondern die Wahrheit sagen, wie sie tatsächlich ist. Ich habe alle Fotografien eurer Taten, vom ersten Tag eurer Schülerschaft bis heute. Ich werde diese Fotografien den Vernunftwesen aus der unsichtbaren Welt vorlegen und sagen: "`Schaut, das haben meine Schüler während der Zeit ihrer Schülerschaft getan."' Fragt man mich nach euch, darf ich nicht schweigen; ich werde also diese Fotografien holen und sie nebeneinander legen und sagen: "`Seht, und urteilt selbst! Fragt mich nichts mehr."' Wenn sie mich über euch nichts fragen, werde ich diese Fotografien nicht herausholen und mich nicht über euch äußern. Es wurde gesagt: "`Ihre Taten laufen ihnen hinterher."' In der Tat, unsere Taten laufen uns hinterher. Sie machen einen Abdruck vom ganzen Wesen des Menschen. Ist etwas Schlechtes daran? Sowohl meine als auch eure Taten laufen uns hinterher. Ich werde also fotografiert, und ihr werdet auch fotografiert. Es gibt nichts Verstecktes und Verdecktes in der Welt. Ich werde auch fotografiert, aber ich mache auch Fotografien. Jetzt wünsche ich, dass alle Menschen eine Einheit bilden und göttliche Freiheit erlangen. Wer in dieser Freiheit lebt, hat vor nichts Angst. Er lässt sich davon nicht beunruhigen, dass jemand seine Taten fotografiert. Warum? -- Weil seine Taten rein sind. Wenn die Taten der Menschen rein sind, sind sie immer froh und fröhlich. Haben sie diese Reinheit nicht, sind sie Mühen und Leiden ausgesetzt. Ich möchte, dass die Menschen zufrieden, fröhlich und glücklich sind.

 

Es gibt also diese drei Wege, auf welchen der Mensch das wahre Glück erreichen kann: den Weg der Liebe, den Weg der Weisheit und den Weg der Wahrheit. Außer diesen Wegen gibt es keine anderen. Geht ihr auf diesen Wegen, wo immer ihr auch geht, im Paradies oder in der Hölle, in dieser oder in der anderen Welt, so ist die Wahrheit überall ein und dieselbe. Und die Hölle und das Paradies gründen auf die Wahrheit. Das Diesseits und das Jenseits gründen auf die Wahrheit. Der Teufel liebt die Wahrheit wie auch die Engel. Ein großer Teufel lehrte ein kleines Teufelchen, wie es die Menschen belügen kann. Einmal wandte das Teufelchen diese Lektion beim großen Teufel selbst an. Da sagte der Teufel zu ihm: "`Hör' mal zu! Das Lügen, wie ich es dir beigebracht habe, sollst du bei den Menschen anwenden und nicht bei mir. Mir sagst du gefälligst immer die Wahrheit! Ich mag es nicht, wenn ich belogen werde."' Dieser große Teufel also, ein Lehrmeister im Lügen, ist sich dessen bewusst, dass die Wahrheit im Leben unbedingt notwendig ist. Wenn also jemand verlangt, es solle zu ihm die Wahrheit gesprochen werden, zu den anderen aber die Lüge, dann denkt er eigentlich nicht gut. Ihr selbst müsst euch dessen bewusst werden und von innen und außen die Wahrheit sprechen. Ich sage euch also: Ihr müsst die Wahrheit sprechen -- zu mir und zu allen anderen Menschen. Gott ist Liebe, Weisheit und Wahrheit. Ihr sollt folglich diese Lehre mir und allen anderen kundtun und nicht nur einem. Wie ihr Menschen gegenüber die Liebe zum Ausdruck bringt, so sollt ihr sie auch den Ameisen gegenüber zum Ausdruck bringen. Es versteht sich: Die Liebe zum Menschen manifestiert sich auf eine Weise, die Liebe zu den Ameisen auf eine andere Weise. Was möchte die Ameise oder die Fliege vom Menschen? Dass ihr aufmerksam seid, sie nicht zertretet und ihnen ein paar Brosamen gebt -- mehr nicht.

 

Ihr alle sollt jetzt wahrheitsliebend und angezündete Kerzen sein, weil ihr Prediger der göttlichen Lehre seid. Diese Lehre wird nicht jetzt geboren; sie hat schon seit Anbeginn des Seins existiert. Wenn jemand wissen möchte, warum die Welt erschaffen wurde, dann soll er wissen, dass die Welt deshalb erschaffen wurde, damit die göttliche Liebe, Weisheit und Wahrheit manifestiert werden. Wenn ihr aber unter die Menschen in der Welt geht, sollt ihr nicht erklären, warum die Welt erschaffen wurde, sondern vielmehr Träger der göttlichen Liebe, Weisheit und Wahrheit sein. Aufgrund dessen, was ihr predigt, sollen die Menschen selbst die Ursachen für die Erschaffung der Welt finden. Nur dann wird eure Predigt Früchte tragen. Soll der Engländer sich selbst loben, weil er Engländer ist? Wenn er sich manifestiert, müssen alle erkennen, dass er Engländer ist. Soll der Schüler sich loben, weil er Schüler der Universellen Weißen Bruderschaft ist? An seinen Handlungen soll erkannt werden, dass er Schüler der Weißen Bruderschaft ist. Ein Engländer betrinkt sich ein wenig und sagt zu einem Ausländer: "`Weißt du, ich bin ein Engländer! Das Gesetz Englands ist ein Naturgesetz!"' Was soll der Schüler antworten? Er soll sagen: "`Das Gesetz Gottes ist das Gesetz der Welt!"' Die Gesetze der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit sind Gesetze der Welt, Gesetze des ganzen Kosmos! Ich bin Bürger eines Staates, dessen Gesetze für die ganze Welt allgemein verbindlich sind, aber nicht umgekehrt."' Viele sagen: "`Die Gesetze der Menschen sind Gesetze Gottes."' Das ist eine absolut falsche Schlussfolgerung. Die göttlichen Gesetze sind in all ihre Formen und Manifestationen Gesetze für die ganze Welt, für alle Staaten, für alle Gesellschaften und Familien wie für alle Vernunftwesen. Darin liegt die ewige Wahrheit, die alle erstreben müssen. Wer diese Dinge so versteht und anwendet, ist auf dem richtigen Weg im Leben. In einem der vergangenen Vorträge habe ich über den Ort Gottes gesprochen und heute über die Offenbarung Gottes. Gott offenbart sich durch die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit. Dies ist der Weg, auf dem jeder das neue Leben erreichen wird -- bis zur Auferstehung; so wird er zum Bürger des Gottesreiches werden. Außerhalb dieses Weges ist der Mensch dem Falliment ausgesetzt. Auf diesem Weg könnt ihr jedoch alle Errungenschaften erwarten. Der Geist, der alle Seelen führt, wird sie nicht fallen lassen. Ich wünsche allen eine solche Freiheit, die die Bedingungen dafür bietet, die Sehnsüchte der Seele zu stillen. Manch einer sagt: "`Sieht uns der Meister, wenn wir sündigen?"' Ich sage: Vor den Fehlern und Verbrechen der Menschen schließe ich meine Augen. Wenn es zu guten Handlungen kommt, öffne ich meine vier Augen. Ich erkenne die Menschen auf dem umgekehrten Weg: nicht an ihren Fehlern und Verbrechen, sondern am Guten in ihnen. Die Methode der Menschenerkenntnis, derer ich mich bediene, ist positiv und nicht negativ. Wenn die Menschen sündigen, so ist das auch eine Wissenschaft. Aber sie soll außer Acht gelassen werden. Für den Menschen ist es wichtig, wie die Liebe ist und wie viel sie wiegt, wenn er sie in sich hat. Wenn man mir etwas über einen Menschen sagt, dann stelle ich ihn auf die Waage und wiege seine Liebe ab und dann erkenne ich ihn. Auf diese Weise bin ich zu vielen genauen Ergebnissen gekommen. Wenn ihr auf diesem Weg gehen möchtet, dann studiert die Menschen durch diese positive Methode. Nur so werdet ihr die Reinheit eures Verstandes und eures Herzens bewahren. Dieser Weg führt zur Wahrheit. Auf diese Weise erforscht uns Gott auch. Gott erforscht uns auf dem Weg des Guten. Wenn er uns sieht, dann weiß Er schon, wie wir sind. Die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit bestimmen den Platz des Menschen. Nach mir müssen die Menschen also nach der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit bestimmt werden, die sie in sich haben. Alles andere, was außerhalb von ihnen ist, lasse ich beiseite, sie werden selbst damit fertig werden. So sollt ihr die Menschen bestimmen, wenn ihr frei und tapfer sein und die Unterstützung der fortgeschrittenen Wesen haben möchtet. Handelt ihr so, werdet ihr den Segen Gottes und Gottes Zustimmung haben. Gibt es etwas besseres als das, dass Gott uns sieht, uns anlächelt und seine Zustimmung gibt, dass wir auf Seinem Weg laufen? Viele möchten, dass man ihnen den besonderen Weg zeigt, auf dem sie gehen sollen. Nein, Sonderwege gibt es nicht. Der Weg ist ein und derselbe für alle. Wenn es um die Frage nach einem Sonderweg geht, kann darüber nur bei der Anwendung gesprochen werden. Es gibt eine Wissenschaft und eine Schule von den besonderen Methoden zur Anwendung der Liebe. Es gibt besondere Methoden zur Anwendung der Weisheit. Aber schließlich gibt es auch besondere Methoden zu Anwendung der Wahrheit. Aber diese Methoden können hier nicht ausgesprochen werden. Sie werden im inneren Labor des Menschen angewandt. Dazu muss er sich der Arbeit widmen. So wie ich arbeite, sollt auch ihr arbeiten.

 

Wenn jemand besondere Methoden wünscht, dann heißt das, dass er wissen möchte, wie ein Baum schneller hervorsprießen, gedeihen und Früchte tragen kann. Das kann erreicht werden, aber nicht hier auf dem Felsen. Dazu müsst ihr in das Labor der Natur gehen, um dort die Methoden zu erforschen, mit denen ich arbeite. Ihr glaubt nicht an die Vernünftigkeit in der Natur, in den Früchten, in den Flüssen, in den Tieren, in den Pflanzen, in den Menschen, welche die vernünftige Natur erschafft und sucht nach Wegen nach schnellen Errungenschaften. Ihr glaubt nicht an die Wunder, die die vernünftige Natur vollbringt, sondern möchtet selbst Wunder wirken. Wenn jemand nach einem schnellen Weg der Entwicklung sucht, dann möchte er ein Wunder vollbringen. Ich sage: Nur derjenige kann ein Wunder vollbringen, der absoluten und unerschütterlichen Glauben an Gott und an den Möglichkeiten der vernünftigen Natur hat. Wenn ihr an Gott glaubt, werdet ihr auch an euch glauben, denn Gott lebt in der Seele eines jeden Menschen. Deshalb -- wenn der Mensch an Gott glaubt, dann wird er auch an sich selbst glauben. Unter dem Begriff "`sich selbst"' verstehe ich nicht den Menschen der Begrenzungen und Schwächen. Wenn ihr etwas erreichen möchtet, dann sagt: "`Herr, Du, der Du den ganzen Kosmos erschaffen hast, gibt mir die Möglichkeit, Deine Kraft zum Ausdruck zu bringen und etwas zu erschaffen, womit ich Dich lobpreisen kann!"'

 

 

Wenn ihr folglich das Wort "`ich"' sagt, dann werdet ihr in ihm die Gegenwart Gottes sehen. Kommt der Mensch zu diesem Bewusstsein, hat er sich Gott zugewandt. Wer die Bedeutung dieses Wortes nicht versteht, hat sich Gott noch nicht zugewandt. Diejenigen Menschen, welche die Bedeutung des Wortes "`ich"' noch nicht verstanden haben, denken jedes Mal, wenn sie dieses Wort aussprechen, sie seien Werkmeister, sie hätten alles, was sie umgibt, erschaffen. Das heilige Wort "`ich"' soll richtig ausgesprochen werden. Das Wort "`ich"' ist in der bulgarischen Sprache so heilig, wie das Wort "`Aum"' für die Hindus heilig ist, aber sie können es auch nicht richtig aussprechen. Nur ihre Adepten können dieses Wort richtig aussprechen. Doch diese teilen die richtige Weise der Aussprache den Nichteingeweihten nicht mit. Die Wörter "`Om"', "`Am"', "`Aum"', "`Um"'\footnote{Um -- bulg. Verstand} haben ein und dieselbe Bedeutung. Welches von diesen Wörtern richtig ist, weiß man nicht. Es ist möglich, dass alle richtig sind, aber es ist auch möglich, dass alle unrichtig sind. Wenn ihr lernt, geradlinig zu denken und die Wahrheit zu sprechen, werdet ihr das Wort "`ich"' richtig aussprechen. Solange eurer Herz nicht schwingt, solange euer Verstand nicht zu leuchten beginnt und solange ihr die notwendige Freiheit nicht erlangt, könnt ihr dieses Wort nicht richtig aussprechen. Es muss in seiner Weite und Bedeutung ausgesprochen werden. Ihr sagt jemandem: "`Ich liebe dich."' Ihr sprecht dieses Wort aus, aber eurer Herz schwingt nicht, eurer Verstand leuchtet nicht und eurer Mund spricht die Wahrheit nicht aus. Wenn die Worte diesen Inhalt nicht haben, dann tönen sie wie aus einer Geige, die knarrt. Haben die jedoch diesen Inhalt, dann sind sie wie die reinen, kristallklaren Töne einer Geige. Rein sollen die Töne der Geige sein! Richtig soll der Bogen auf ihr bewegt werden! Freiheit muss die Hand haben, die die Geige hält!

 

 

Ihr sagt: "`Wenn uns die Wahrheit in strenger Weise vorgetragen wird, ist es so, als ob mit uns gestritten wird. Das ist eine sehr alte Methode, die nichts bringt. Woran erkennt ihr, dass ein Mensch streitet? Was der Streit ist, das weiß ich nicht. In dieser Hinsicht bin ich unwissend. Ich würde es mir wünschen, dass ihr vor mir einen Vortrag über den Streit haltet, damit ich verstehe, was es bedeutet, wenn zwei Menschen streiten. Das Streiten ist eine besondere Wissenschaft. Ich höre, dass zwei Menschen sich lebhaft unterhalten: Der eine steht vor dem Zelt, der andere hinter dem Zelt. Ich höre nur: "`Bla, bla, bla."' Was ist das? Dann wird gesagt, dass diese zwei Menschen über etwas gestritten haben. Ich verstehe darunter zwei Anwälte, die in einem Prozess zwei Parteien verteidigen. Zuerst beginnt der eine: Er spricht, überzeugt die anderen und hört danach auf. Dann beginnt der andere: Er spricht, denkt nach und möchte seine Zuhörer auch überzeugen. Ich sehe diese Anwälte: Der eine ist vor dem Zelt, der andere hinter dem Zelt. Aber wo der Richter ist, sehe ich nicht. Es sieht so aus, als ob die Anwälte üben und plädieren. Wenn der Richter nicht kommt, muss die Verhandlung vertagt werden, sagen sie. Einmal habe ich gehört, wie zwei Anwältinnen plädiert haben. Das war in Varna. Die eine war Griechin, die andere Bulgarin. Die eine war vor dem Zelt, die andere hinter dem Zelt. Die Griechin war sehr sprachbegabt; sie sprach anderthalb Stunden, ohne müde zu werden, doch die Bulgarin verfügte nicht über diese Sprachbegabung. Der Richter kam auch in diesem Fall nicht. Eine Arbeit oder ein Prozess ist nur dann abgeschlossen, wenn bei der Verhandlung mindestens vier Menschen anwesend sind: die beiden Anwälte, der Richter und der Angeklagte. Nur auf diese Weise lässt sich die Wahrheit ermitteln. Wenn eine dieser Personen fehlt, dann wird die Verhandlung vertagt.

 

Wollt ihr nun an einer Verhandlung teilnehmen, müssen notwendigerweise vier Voraussetzungen gegeben sein: Der Staatsanwalt, der die Anklagerede hält. Es ist der Teufel. Christus, der als Anwalt fungiert. Er verteidigt den Angeklagten. Die dritte Voraussetzung ist der Mensch, über den gerichtet wird. Er ist der Angeklagte. Die vierte Voraussetzung ist Gott, der am Ende des Prozesses spricht. Er fällt das Urteil. Ohne diese vier Voraussetzungen ist jedes Urteil ungültig. Wenn jemandem übel nachgeredet wird, soll dasselbe beachtet werden. Auf der einen Seite des Angeklagten wird Christus sein, auf der anderen der Teufel. Der Angeklagte wird Zuschauer und Hörer sein. Eines Tages, wenn die Menschheit weiter fortgeschritten sein wird, wird es ein solches Gericht geben. Dieses Gericht wird alle schwierigen Fragen im Leben lösen. Ich sage: Hinter der Wahrheit stehen immer diese vier Voraussetzungen. Wenn ihr folglich jemanden wegen einer Sache anklagen möchtet, dann ruft Gott als Oberrichter an, Christus als Verteidiger des Angeklagten, den Teufel als Ankläger und die Person, über die verhandelt werden soll, als Angeklagten. Der Teufel beginnt: "`Ihr haltet diesen Menschen für einen Heiligen, aber ich habe ganz andere Daten, andere Fakten -- und er reiht diese Fakten aneinander."' Der Angeklagte hört zu und hat kein Recht, sich zu verteidigen. Christus wird ihn verteidigen. Wenn Christus ihn freispricht, wird er erlöst werden. Wenn Christi Rede nicht ganz zu Gunsten des Angeklagten fällt, wird er verurteilt werden, indem man über ihn die eine oder andere Strafe verhängt. Das sollt ihr wissen: Wenn ihr möchtet, dass über euch nicht verhandelt wird, dann sollt ihr nach den Gesetzen der Liebe, Weisheit und der Wahrheit leben, die sich durch Gott offenbaren.

 

Jetzt werden wir unsere Hände, das Gesicht und die Füße im See im Namen des großen Gesetzes waschen, das über alle Dinge auf der Erde herrscht und sie reguliert.

 

 

Ein Vortrag, gehalten am 7. August 1931, 5. Uhr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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