Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Folgen diesem Inhalt 0
mariaK

1942_08_19 Stille Kammer

1 Beitrag in diesem Thema

DIE STILLE KAMMER

 

Was ist der Unterschied zwischen dem Gesunden und dem Kranken, zwischen dem Klugen und dem Dummen, zwischen dem Starken und dem Schwachen? Es gibt etwas, worin sie sich unterscheiden. Was ist das Unterscheidungsmerkmal des fähigen und begabten Schülers? -- Er lernt gut und wiederholt die Klasse nicht. Es genügt nicht, dass der Schüler von der einen Klasse in die nächste versetzt wird und wenn er die Schule beendet, alles vergisst. Was ist das für ein Schüler, der während des Schuljahres Kenntnisse erwirbt, sie in den Ferien aber vergisst? Was ist das für ein Schüler, der das Wissen und seine Erfahrung, die er in seinen vergangenen Existenzen erworben hat, vergisst? Das ist dasselbe, als würde der Mensch in seinem Verstand den Gedanken tragen, irgendwann gelehrt oder reich gewesen zu sein.

 

Nicht nur der Gedanke nährt den Menschen. Sein Streben nach Reichtum hat einen bestimmten Ort im Gehirn über der Schläfe. Je mehr der Mensch danach strebt, reich zu werden, umso mehr entwickelt sich dieses Zentrum. Die Menschen erkranken oft an Krebs aufgrund ihrer großen Gier nach Geld und nach Bereicherung. Die Zellen in einigen der Organe individualisieren sich, werden größer, selbstständig und hören nicht auf ihren Herrn. Wenn die Menschen erkranken, wenden sie sich an Ärzte, die ihnen helfen. Die Ärzte führen eine Operation durch, schneiden den Krebs weg, schneiden auch den Tumor weg, aber danach geht der Kranke trotzdem ins Jenseits. Warum? Weil sich die Zellen ihrem Herrn nicht unterordnen wollen. 

 

Der Mensch benötigt einige wesentliche Dinge: Augen, Ohren, Mund, Hände und Füße, durch die er mit der äußeren Welt in Kontakt treten kann. Um das zu erreichen, muss er sich in einem besonderen Zustand befinden. Andernfalls wird er sehen, hören, riechen, sprechen, essen und sich bewegen, aber mechanisch. Es ist an der Zeit, dass er sich vom mechanischen Leben befreit. Das mechanische Leben beinhaltet eine Bewegung aus Trägheit, an der das Bewusstsein nicht beteiligt ist. Der Zorn, die Unruhe über den Verlust von etwas Wertvollem bringen im Menschen einen Zustand der Trägheit hervor, aus dem er, einmal hineingeraten, schwer in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren kann. Verliert der Mensch etwas Wertvolles, verliert er auch seine Fassung und übergibt sich der Sorge und der Unruhe. Wird er aber zornig, verliert er seinen inneren Frieden, den er lange Zeit nicht wiederherstellen kann. Der Zorn ist als Energie sehr nützlich, wenn er unter dem Einfluss des Verstandes, des Herzens und des Willens steht. Können diese den Zorn nicht regeln, dann wirkt er zerstörerisch. Er ist ein Wasserstrahl, der großes Unheil bringt. Was er auch auf seinem Weg trifft, er reißt es mit sich fort. Wenn jemand diesen Guss kontrollieren kann, dann kann er auch nützliche Dinge tun -- Gärten, Bäume und Blumen bewässern.

 

Eines wird vom Menschen gefordert: wagemutig und entschieden im Guten zu sein. Sowohl dann, wenn er zornig wird als auch dann, wenn er leise und ruhig wird, soll er wagemutig sein. Im ersten Fall soll er so wagemutig sein, den Zorn zu bändigen, im zweiten Fall soll er so wagemutig sein, um das Gute zu äußern. Entwickeln sich die Angelegenheiten des Menschen gut, so ist er wagemutig. Wenn er auf seinem Weg jedoch auf Widersprüche stößt, erschrickt er und weicht zurück. Warum tritt er zurück? -- Gott befindet sich auch in den Widersprüchen. Durch sie prüft er die Menschen. Warum sollen sie nicht wagemutig sein, um die Aufgabe zu lösen, die sich hinter dem Widerspruch verbirgt und warum müssen sie zurückweichen? Angst beinhaltet eine gewisse Schwäche. Wenn der Mensch eine Angst in sich bemerkt, soll er arbeiten, um mit ihr fertig zu werden, sie zu überwinden. Befreit er sich nicht von der Angst, wendet er die Lüge an, die schwarze oder die weiße. Gewöhnlich lügen die Kinder. Wenn sie einen Schaden verursachen, der zu einer Strafe führt, greifen sie auf die Lüge zurück, um die Strafe zu vermeiden. 

 

Das Leben von vielen ist auf die weiße Lüge aufgebaut. Wenn sie ihr Versprechen nicht halten können, greifen sie auf die weiße Lüge zurück. Sie erschrecken vor etwas und bedienen sich wieder der weißen Lüge. Wollen sie etwas vorzeitig erreichen, ist die weiße Lüge auch da. Warum sollte der junge Mann der jungen Frau sagen, dass er für sie sterben würde? Würde er tatsächlich für sie sterben? -- Er wird nicht sterben. Ist er vorher gestorben, um zu wissen, was der Tod ist? Warum spricht er dann über Dinge, die nicht geschehen werden? Vermeidet die Lüge, sei sie schwarz oder weiß. 

 

Die Japaner haben den Brauch, gegen Neujahr alle Menschen zu besuchen, denen gegenüber sie Pflichten haben, um ihre Schulden zu begleichen. Das neue Jahr soll sie ohne Schulden vorfinden. Ein junger Mann, ein brüderlicher Sohn, hatte große Schulden, die er begleichen musste. Als er zu einem seiner Gläubiger, einem bekannten Bankier, ging, um seine Schulden zu begleichen, sagte er zu ihm: "`Ich schulde Ihnen eine große Summe, aber da ich sie nicht begleichen kann, werde ich nach dem Brauch Harakiri machen, ich werde mich vor Ihnen umbringen. Ich kann nicht in dieser Ehrlosigkeit bleiben, eine so große Summe zu schulden."' Der Bankier reagierte besorgt und sagte zu dem jungen Mann: "`Mache kein Harakiri, ich bin bereit, alle deine Schulden zu erlassen. Bringe dich nicht um."' Als der junge Mann diese Worte hörte, dankte er und wollte nach Hause gehen. "`Halt, warte kurz, dass wir einen Kaffee trinken"', fügte der Bankier hinzu. "`Ich kann nicht, ich habe es eilig: Ich muss noch zu einigen Orten gehen, um Harakiri zu machen."' Der Japaner suchte alle Bankiers auf, um Harakiri zu machen. 

 

Oft benutzen die Menschen einen Volksbrauch, um ihre persönlichen Angelegenheiten zu regeln. Sie wenden wieder die weiße Lüge an. Manche bedienen sich ihrer aus Angst, andere aus Schwäche. Der Mächtige erschreckt den Schwachen. Der erste tritt, der zweite tritt zurück. Wenn du dir bewusst bist, stark zu sein, tritt; wenn du dir aber dessen bewusst bist, schwach zu sein, tritt zurück. Mit anderen Worten gesagt: Wenn du mächtig bist, löst du deine Aufgaben selbst; wenn du schwach bist, mache keine Fehler, die schwer zu lösen sind, aber lass die anderen deine Aufgabe lösen. Wer nicht selbst seine Aufgaben lösen kann, soll Hilfe bei einem, zwei oder drei anderen suchen, bis er sie schließlich lösen kann. 

 

Eine der großen Aufgaben, die zur Lösung gegeben wurde, ist die Aufgabe Gott zu dienen. Sie ist so einfach, wie sie auch schwer ist. Wenige haben sie richtig gelöst. Der Mensch kann Gott mit Liebe und ohne Liebe dienen, die Ergebnisse sind allerdings unterschiedlich. So dient er sowohl dem Guten als auch dem Bösen -- Kräften, die sich gegenseitig zuarbeiten. Der Mensch ist insofern stark, als er dem Guten und dem Bösen Bedingungen schafft, sich in ihm zu äußern. Will er seine Kraft behalten, soll er sich niemals weigern, Gutes zu tun. Schiebt niemals den Zeitpunkt auf, Gutes zu tun. Wenn ihr entschieden habt, Gutes zu tun, schiebt es nicht auf. Räuber laufen euch hinterher und Wächter verfolgen euch, dann könnt ihr euch zur Seite wenden, um ein wenig Gutes zu tun. Stellt euch vor, dass euch jemand verfolgt, um euch zu töten. Im gleichen Moment seht ihr ein sterbendes Pferd, das vor Schwäche und Durst äußerst erschöpft, gefallen ist. Wenn ihr für einen Augenblick verweilen könnt, um Wasser zu finden und es dem sterbenden Pferd zu reichen, dann seid ihr in jedem Moment bereit, Gutes zu tun, ihr liebt das Gute und seid mit ihm verbunden. Tut Gutes mit Liebe und habt keine Angst. Der Reiche fürchtet sich Gutes zu tun, um nicht zu verarmen. Es gibt keinen Fall im Leben, in dem jemand Gutes tut und verarmt. Es ist nicht möglich, ohne Liebe Gutes zu tun. Jedes Ding, das ohne Liebe getan wurde, ist das Böse. Und umgekehrt: Jedes Ding, das mit Liebe getan wurde, ist gut. Wer in den Bereich des Bösen gerät, soll danach streben, das geringste Böse zu tun. Kommt er in den Bereich des Guten und der Liebe, soll er danach streben, das größtmögliche Gute zu tun. 

 

Was ist das größtmögliche Gute, das der Mensch tun kann? -- Wenn er dem Sterbenden ein Stück Brot und ein Glas Wasser geben und ihn zu Kräften kommen lassen kann, ist das das größtmögliche Gute im gegebenen Moment. Dieser Sterbende verbrachte vierzig Tage hungernd; wenn er einen Tag länger hungern würde, würde er sterben. Würdest du ihm in diesem Moment ein bisschen Brot und Wasser geben, dann hättest du ihm das größtmögliche Gute getan. Ihr werdet sagen, das Geld sei das Wichtigste, ohne es könne man nicht leben. Vor dem Tod ist Geld nichts wert. In diesem Fall sind Brot und Wasser zu bevorzugen. Für den Verzweifelten ist das süße Wort mehr wert als jegliches Geld. Für den Entmutigten, für den Kranken, für den Sterbenden und für den barmherzigen Menschen ist das ein Seil, mit dem sie sich retten. Der gute, barmherzige Mensch gibt ihnen etwas von sich. Der Mensch kann den anderen nichts von sich weitergeben, wenn er es nicht in seinem Herzen, in seinem Verstand und in seiner Seele trägt. Der Gläubige kann zum Beispiel den anderen von seinem Glauben geben, ohne über ihn zu sprechen. Aber der Ungläubige, soviel er auch über den Glauben zu predigen vermag, wird nichts erreichen. Seine Worte werden an den Ohren der Menschen vorübereilen, ohne sie zu berühren. Der Glaube nimmt einen besonderen Platz im menschlichen Kopf ein. Es reicht, den Kopf des Menschen anzuschauen, um zu erkennen, ob er gläubig oder ungläubig ist. 

 

Der Glaube hat unterschiedliche Manifestationen. Es ist nicht ein und dasselbe, ob der Mensch an Gott glaubt, an seinen Nächsten oder an sich selbst. An was oder an wen er glaubt, das hinterlässt Abdrücke auf seinem Gesicht. Es ist in der Heiligen Schrift gesagt worden: "`Ich habe euch mit meiner Liebe zu mir gezogen."'\footnote{Vgl. Hos 11,4 Mit menschlichen Tauen zog ich sie, mit Seilen der Liebe.} Also hat die Liebe Fäden, mit denen sie den Menschen anzieht oder verbindet. Die Kraft der Liebe bestimmt den Glauben des Menschen. Äußert sich die Liebe in ihrer Fülle, ist der Glaube beständig und ununterbrochen. Sie wirkt in ruhigen und unruhigen Zeiten und begleitet den Menschen überall hin, das heißt im Diesseits und im Jenseits. Mit dem Glauben und mit der Liebe ist der Mensch sowohl im Diesseits als auch im Jenseits aufgenommen. Er hat überall gute Freunde, die ihn mit Freude willkommen heißen werden. Ohne Glauben und Liebe fühlt sich der Mensch überall einsam, als Fremder, außerhalb seiner Heimat. Er hat Augen mit denen er nicht sieht, er hat Ohren mit denen er nicht hört; er trägt nur ein Bewusstsein in sich, nämlich, dass er allein und von allen verlassen ist. Wenn ihr das wisst, fragt nicht, warum ihr lieben sollt. Ihr werdet die Menschen der Erde lieben, um die äußere Welt zu sehen. Ihr werdet die vernünftigen Wesen in der unsichtbaren Welt lieben, um durch sie die Welt zu sehen, in der sie leben. 

 

Wenn jetzt über die \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} zwischen den Menschen gesprochen wird, fragen sie sich, ob man den bösen Menschen lieben kann. Können der gute und der böse Mensch befreundet sein? Wie kann man den bösen Menschen besser machen? -- Indem man ihn zwischen zwei Gute stellt. Wird er nicht zwischen zwei Gute gestellt, kann er nie zu einem besseren Menschen werden. Betrachtet man den Buchstaben \foreignlanguage{bulgarian}{Ж}, wird man sehen, dass er nichts anderes, als die Freundschaft zwischen zwei bösen und einem guten, gerechten Menschen ist. So wird die Kraft des Gerechten und des Guten geprüft. Also unterdrücken die bösen Menschen den Guten. Wie wird man sich von ihnen befreien? -- Indem man beginnt, sie zu lieben. Sie haben dem guten Menschen den Rücken gekehrt und schauen nach draußen, nach der äußeren Welt. Deshalb sagt Christus, man solle seinen Feind lieben. Der Buchstabe \foreignlanguage{bulgarian}{Ж} zeigt auch den Zustand des bösen Menschen zwischen zwei Guten. In dem einen Fall zeigt die gerade Linie im Buchstaben \foreignlanguage{bulgarian}{Ж} die Lage des guten Menschen zwischen zwei Bösen. Im anderen Fall zeigt die gerade Linie die Lage des Bösen zwischen zwei Guten. Derart helfen und beeinflussen sie sich gegenseitig. Indem ihr das wisst, lasst die bösen Menschen, sich nicht untereinander verbinden. Stellt zwischen sie auch gute Menschen, um die Kraft des Bösen zu verringern. Söhnt deshalb das Böse nicht mit dem Guten aus, sondern durch das Gute soll die Kraft des Bösen verringert werden. Wird das erreicht, dann werden das Gute und das Böse parallel zueinander verlaufen und den göttlichen Willen tun. 

 

Denkt nicht, dass der gute Mensch alles, was er wünscht, allein tun kann. Kann er einem Verstorbenen Leben schenken? Kann er die Menschen reich und glücklich machen? Also, die Aufgabe des guten Menschen besteht darin, seine Pflichten zu erfüllen, in nichts anderem. Würde er das tun, hätte er seine Aufgabe erfüllt, die Schläge des Bösen abzumildern. Kannst du ein fremdes Kind so lieben, wie seine Mutter und sein Vater es lieben? "`Ich will ihm helfen, es erheben."' Wenn du ihm helfen willst, sollst du es mehr als seine Eltern lieben. Würdest du es lieben, wie seine Eltern es lieben, dann bist du ihm nicht von Nutzen. Dabei musst du auch seine Eltern lieben. Liebst du sie nicht, ist deine Liebe eigensüchtig. So liebst du auch das Huhn: Du fütterst es, kümmerst dich um es, um seine Eier zu nehmen. Es ist heute schwierig, dass der Mensch absolut selbstlose Liebe äußert. Wenn das unmöglich ist, kann er zumindest gerecht werden. Um gerecht, gut und liebend zu werden, soll der Mensch ein hohes Bewusstsein davon haben, dass er sich über die gewöhnlichen Bedingungen des Lebens erhoben hat.

 

Hütet euch vor dem gewöhnlichen Bewusstsein, das Sorgen, Unruhen und Widersprüche schafft. Solange der Mensch in diesem Bewusstsein lebt, gerät er oft in Irrtürmer. In einem armen, amerikanischen Dorf stellte man einen Priester ein, über den es sich sofort herumsprach, er trüge in seinem Haar einen Scheitel. Die Bauern mochten es nicht, sich einen Scheitel im Haar zu ziehen und wandten sich sofort gegen den Priester. Sie sagten, dass sie einen solchen Priester nicht wollten. Bis sie ihren Protest schriftlich dargelegt hatten, war der Priester bereits im Dorf angekommen. Wie groß war die Überraschung der Dorfbewohner, als sie sahen, dass der Kopf des Priesters vollkommen kahl war. Er hatte keine Haare, aber sie hatten sich beirren lassen, indem sie falschen Gerüchten glaubten. Was ist das Schlechte daran, wenn jemand einen Scheitel in seinen Haaren zieht? -- Es ist besser mit Scheitel als ohne. So wie in den Haaren Scheitel gezogen werden, so sollen auch die Gedanken einen Scheitel haben. Wie malt man Christus, wie hat er sein Haar gekämmt, mit oder ohne Scheitel? Der Buchstabe \foreignlanguage{bulgarian}{Ж} stellt das Haar des Menschen dar, in dem ein Scheitel gezogen wurde. Auf der linken Seite des Kopfes ist das Böse, auf der rechten das Gute, in der Mitte der Mensch selbst, der von den Kräften des Guten und des Bösen Gebrauch macht. 

 

Nun erinnert euch, dass sich der gute, gerechte Mensch zwischen zwei bösen Menschen wie in einem Gefängnis befindet. Was soll er tun? -- Beten. So haben auch die guten Menschen gebetet, als man Apostel Petrus ins Gefängnis steckte. Als Antwort auf ihr Gebet kam ein Engel vom Himmel herab, stieß die Tür des Gefängnisses auf und kam zu Petrus herein. Er berührte die Ketten und sie fielen von seinen Beinen. Dann sagte er zu ihm: "`Komm heraus und kehre nie mehr ins Gefängnis zurück."' Ist das aufrichtig? -- Für den Schwachen ist das aufrichtig: Wenn jemand von außen kommt und ihn befreit, muss er nicht ins Gefängnis zurückkehren. Derjenige, der unter dem Einfluss des Bösen steht, befindet sich in seinem Gefängnis; wer unter dem Einfluss des Guten steht, befindet sich im Gefängnis des Guten. Welches von den beiden Gefängnissen ist besser? -- Im Gefängnis des Bösen wird man dich mehrmals am Tag schlagen und im Gefängnis des Guten wird man dich regelmäßig mit reiner, gesunder Nahrung ernähren, man wird dich zum Spaziergang ausführen und abends wirst du ins Gefängnis zum Ausruhen zurückkehren. 

 

Wenn manche das Leben nicht verstehen, machen sie sich viele Sorgen umsonst. Die Mutter macht sich Sorgen um ihre Kinder und um ihren Mann, der Mann um seine Frau und um die Kinder, die Kinder um ihre Eltern. Die Gelehrten machen sich Sorgen darum, dass die Sonne irgendwann erlischt und das Leben aufhört. Seltsam ist das! Warum solltest du Angst haben, dass die Sonne erlischt? Um zu leuchten und zu scheinen, hat sie jemand angezündet. Wer sie angezündet hat, hat die Sorge um sie; er weiß, warum er sie angezündet hat. Wer sie angezündet hat, steht höher als die Sonne. Es ist Gott, der das Licht (\foreignlanguage{bulgarian}{виделина}, videlina) ist, das niemals erlischt und dunkel wird. Wenn ihr das wisst, strebt danach, mit den Sorgen fertig zu werden. "`Wie sollten wir nicht beunruhigt sein, wenn wir einige Tage nichts gegessen haben?"' Was sollte der hungrige und müde Reisende tun? Stellt euch vor, dass ein Reisender ein Dorf durchquert: Er hungert drei, vier Tage, hat kein Brot und kein Geld in seiner Tasche. Wenn er vernünftig ist, wird er leicht mit seiner Lage fertig werden. Es gibt zwei Wege -- einen inneren und einen äußeren. Wenn er nach dem äußeren Weg arbeitet, kommt er in das Haus von jemandem, um sich auszuruhen. Er beginnt, irgendetwas von seinem Leben zu erzählen, womit er den Gastgeber in Laune bringt, damit dieser ihm etwas zu Essen gibt. Wenn er gemäß des inneren Weges arbeitet, wird er eine gute Charaktereigenschaft der Gastgeber suchen, mit denen er ihre Herzen öffnet. Er soll in die stille Kammer ihrer Seelen eindringen, wo Gott lebt, um sich mit ihnen zu verbinden. Denkt er Gutes über sie, werden sie ihn notwendigerweise willkommen heißen und ihn bewirten. Wenn er etwas Böses über sie denkt, wird er das Böse hervorrufen und anstatt, dass sie ihn willkommen heißen, werden sie ihn berauben.

 

In jedem Menschen wohnt sowohl das Böse als auch das Gute -- von euch hängt es ab, welches ihr in ihm erwecken werdet. Das Böse und das Gute sollen geprüft werden, damit ihr wisst, welches in euch stärker ist. Wenn das Böse stärker ist, dann werdet ihr über das Gute arbeiten, damit beide zumindest ins Gleichgewicht kommen. Im Anfang ist das Gute schwach, das Böse allerdings stark; am Ende ist das Böse schwach und das Gute stark. Die Liebe ist jedoch sowohl am Anfang als auch am Ende stark. Je stärker das Gute wird, desto besser sind die Bedingungen zur Manifestierung der Liebe. Wenn das Gute nicht mit seiner schwachen Seite beginnt und nicht allmählich stärker wird, wird sich die Liebe nie äußern. 

 

Eines der Hauptgesetze der Liebe ist, dass sie alles gibt und alles nimmt. Das bedeutet weder, dass ihr wünschen sollt, dass die ganze Welt euch gehört, noch dass ihr danach streben sollt, dass alle Güter euch gehören. Gebt euren Nächsten die Möglichkeit, an euren Gütern teilzuhaben, damit sie eure Freunde werden. Gebt euren Nächsten von eurer Liebe, damit ihr geliebt und von ihnen geehrt werden könnt. Wenn ihr euren Nächsten nicht die Möglichkeit gebt, an eurem Wissen, an eurem Wohl, an euren Gütern und an der Liebe, die ihr habt, teilzuhaben, könnt ihr nichts erreichen. Wenn du ein Sänger wärest, singe nicht nur für dich, sondern auch für den Kranken, den Entmutigten, den Verzweifelten. Singe ihnen ein Lied, sage ihnen ein süßes, ermutigendes Wort. Sage dem Kranken und dem Verzweifelten: "`So wie die Sonne aufgeht, so werden sich auch deine Dinge regeln."'

 

Heute fragen alle danach, wer im jetzigen Krieg siegen wird. Eine solche Frage zu stellen, das bedeutet zu fragen, wer siegen wird: der Fluss oder der Fels. Der Fluss muss seinem Weg folgen, um ins Meer zu münden. Der Fels kann den Fluss umleiten, um ihn jedoch dahin zu lenken, wo er benötigt wird. Wenn der Fluss auf keine Hindernisse stößt, soll er seinem Weg folgen und dorthin fließen, wo man ihn benötigt. Würde der Fluss von seinem Weg abweichen, dann würde er sich eine Abbiegung suchen und wieder dorthin fließen, wo man es erwarten würde. Der Mensch kam auf die Erde, um den Willen Gottes zu erfüllen. Die junge Frau und der junge Mann heiraten, um zu lernen, zusammen Gott zu lieben. Wenn sie nicht lernen, Gott zu lieben, ist ihre Heirat gegenstandslos. Hättest du einen Freund, würde deine Aufgabe darin bestehen, ihn zu lehren, Gott zu lieben. Er hat auch dir gegenüber dieselbe Aufgabe. Alle Menschen sollen Gott lieben und wissen, dass er Liebe ist. Wenn die Liebe in den Verstand des Menschen, in sein Herz und seine Seele eindringt, wird die Welt in Ordnung kommen. 

 

Wo Liebe ist, dort ist auch Ordnung; dort ist Musik, dort ist die Kunst. Wer mit Liebe spielen kann, der kann die Welt in Ordnung bringen: Herrscht Dürre, wird er Regen bringen; tobt ein Gewitter, wird er das Gewitter bändigen. Wenn er dem Kranken vorspielt, wird er ihn aus dem Bett heben. "`Wie geschieht das?"' Das ist nicht meine Angelegenheit. Das ist eine Kunst aus der göttlichen Welt. Wer diese Kunst erlangt, wird sofort musikalisch -- sein Musikgefühl wird sich manifestieren. Niemand hat das Recht, diese Kunst zu missbrauchen. Die gewöhnliche Liebe gibt nur gewöhnliche Errungenschaften, die göttliche Liebe gibt ungewöhnliche Errungenschaften. Wendet die göttliche Liebe an, lernt von ihr, um ungewöhnliche Ergebnisse zu haben. Wenn alle Menschen gut, schön, stark und liebend werden, wird Ordnung in der Welt herrschen. Es ist an der Zeit, dass die Menschen aus der menschlichen Liebe heraustreten und in die göttliche Liebe eintreten. 

 

Manch einer sagt, er könne die Menschen nicht ertragen. Warum kann er sie nicht ertragen? -- Weil seine Liebe begrenzt ist: Diesem gibt er, jenem gibt er nicht; diesem lächelt er zu und heißt ihn willkommen, dem anderen gegenüber ist er streng, empfängt ihn nicht in seinem Haus. Weitet euch, öffnet eure Herzen für die göttliche Liebe, um alle Menschen ertragen und lieben zu können. Lehrt euch gegenseitig, Gott zu lieben, damit Er auch euch liebt. 

 

Eine der Eigenschaften der großen Liebe ist ihre Fähigkeit, bittere Früchte in süße Früchte, kranke Menschen in Gesunde, Böse in Gute umzuwandeln. Wer gelernt hat, Gott zu lieben, wird auch sein Umfeld lehren, wie sie lieben sollen. Wenn er selbst diese Kunst nicht gelernt hat, kann er sie auch den anderen nicht weitergeben. Moses gab den Juden einige Gebote, zeigte ihnen, wie sie Gott lieben sollen, aber sie lernten diese Kunst nicht. Gott sandte Seinen Sohn, der sie lehren sollte, aber sie wollten ihm nicht folgen und kreuzigten ihn. 

 

Jetzt wird euch auch gesagt: Nehmt die göttliche Liebe als Gerechtigkeit, als Schönheit, als Wissen an, um euch und euren Nächsten nützlich zu sein. Alle Menschen sind als Arbeiter auf dem göttlichen Feld aufgerufen. Indem der Mensch mit Liebe arbeitet, erfüllt er den göttlichen Willen. Er hilft, ohne zu sprechen. Das Feuer zeigt von weitem an, dass es brennt. Das Brot spricht selbst für sich. Wenn es in den Magen kommt, zeigt es sofort seine Kraft. So verhält es sich auch mit der Liebe. Sie benötigt keine Predigten. Es reicht, dass ihr sie wahrnehmt, um zu verstehen, dass sie das Leben mit sich bringt. Sie erneuert, verjüngt und erhebt den Menschen. Strebt nach der Liebe, damit ihr euch verjüngt und aufersteht. 

 

 

Das ist das ewige Leben, dich zu erkennen, den einen und wahren Gott und Christus, den du gesandt hast.

 

 

 

19. August 1942, 5.00 Uhr -- Sofia-Izgrev

 

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Folgen diesem Inhalt 0