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  1. Die vernünftige Milch Und seid wie neugeborene Kinder, begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch - damit ihr durch sie wachset zur Rettung -, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist! Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar. Ein Gebot des Gesetzes Mose besagt: "Wünsche nicht" und in diesem Brief sagt Petrus: Begehre nicht. Wer von ihnen hat Recht? Beide haben Recht und ihre Stellung. Aber wenn Mose an der Stelle von Petrus wäre, dann wird er kein Recht behalten und wenn Petrus an der Stelle von Mose wäre, wird er auch kein Recht behalten. Mose sagt, dass du nicht begehren sollst - was? Macht, Reichtum, Frauen und Petrus sagt, begehre - was? - die vernünftige Milch. Warum? Weil es des geistigen Wachstums bedarf. Das erste, was das Kind, wenn es die Gebärmutter verlässt, ist die Milchbrust, denn wenn es saugt, dann wächst und entwickelt es sich. Und Petrus sagt dasselbe - wir müssen die Brust finden, die uns geistig nähern wird, denn wenn wir sie nicht finden, werden wir gemäß desselben Gesetzes wie das Kind nicht leben. Nach drei vier Jahren, wenn das Kind ein bisschen gewachsen ist, wachsen ihm die Zähne, d. h. sein Organismus wird an der festen Nahrung angepasst. Dasselbe ist auch mit dem geistigen Leben: zu Beginn dürfen keine festen Lehren vernommen werden, die den Tod verursachen können.
  2. Der Glaube „Jetzt aber bleiben diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe“ (Korinther 13) Mein heutiger Vortrag wird das zweite Prinzip im menschlichen Leben behandeln — den Glauben. Ich nehme das Wort „Glaube“, denn wir haben kein besseres Wort dafür. Ich nehme dieses Wort im allerweitesten Sinn und mache einen Unterschied zwischen „Glaube“ und „das Glauben“. In dem Glauben kann es keinerlei Widersprüche geben. Der Glaube schließt alle Zweifel aus. Das Glauben läßt eine Menge Zweifel zu. Du kannst glauben, daß du gut werden wirst, aber du kannst auch glauben, daß du schlecht werden wirst; du kannst glauben, daß du leben wirst, doch kannst du auch glauben, du wirst sterben. Heutzutage ist die Welt voller verschiedener Glaubensansichten. Doch dieses Glauben hat weder die Rettung gebracht, noch die Freiheit, noch die Liebe, die wir erwarten, denn — es ist eben nur ein Glauben. Ich sage nicht, daß das Glauben etwas Schlechtes ist, doch es ist nur das Vorwort zu dem echten Glauben. Ich werde den Glauben von vier Standpunkten aus betrachten, und zwar: Als unter- bewußtes Streben des Herzens, als bewußtes Gefühl der Seele, als selbstbewußte Kraft des Verstandes und als überbewußtes Prinzip des Geistes, oder — wissenschaftlich ausgedrückt — als Streben des Unterbewußtseins, als Gefühl des Bewußtseins und als Prinzip des Überbewußtseins. Achtet jetzt auf diese Wechselbeziehungen. Ich werde über diese Frage prinzipiell sprechen. Ich habe nicht die Absicht, irgendeinen begrenzten Fall, irgendeine begrenzte Lehre zu vertreten. Ich möchte nur die Wahrheit sagen, so wie sie ist. Der Glaube ist ein Prinzip des menschlichen Verstandes. Das heißt, der Anfang des menschlichen Verstandes — das ist der Glaube, oder anders ausgedrückt, der Verstand — ist aufgebaut auf den Grundlagen des Glaubens. Der Glaube verbindet den menschlichen Verstand und Intellekt mit der Harmonie in der Natur und gibt ihm einen Anstoß zur Entwicklung und zum Studieren der Gesetze des Universums. Folglich muß jeder, der einen aufgeklärten Verstand haben möchte, der die Natur studieren möchte, bestrebt sein, in Verbindung mit der lebenden Natur zu treten, bestrebt sein, den Glauben zu haben. Ich gehöre nicht zu jenen, die sagen, daß man sich nur in eine Richtung entwickeln muß, nur in eine Richtung streben muß. Philosophisch gesagt, alle Richtungen ergeben eine wahre Richtung, die die Wahrheit ist. Deshalb müssen wir nach allen Richtungen streben, denn vom Standpunkt des Glaubens sind alle Richtungen gut. Vielleicht liegen in manchen dieser Richtungen auch Leiden, doch sie sind ein Weg zur Besserung. Wenn diese Leiden über uns kommen, so zeigen sie, daß wir in der Vergangenheit die göttlichen Gesetze verletzt haben, den Gleichklang der göttlichen Welt, worauf das Böse in der jetzigen Welt entstanden ist. Und da wir das nicht verstehen, fragen wir uns andauernd, woher dieses Böse kommt? Wenn ihr ein elektrisches Kabel durchschneidet, in dem ständig elektrischer Strom fließt, und wenn ihr es anfaßt, wißt ihr, was mit euch passieren wird? Dieses Kabel ist ungefährlich, solange es in Ruhe gelassen wird, doch wenn ihr es durchschneidet, wird es gefährlich. Es gibt nicht nur diese Art, die Dinge zu studieren, es gibt auch noch eine andere. Wenn ihr euren Verstand in Harmonie bringen wollt, müßt ihr unbedingt den Glauben in euch einlassen. Jemand wird entgegnen: „Mit dem Glauben geht nichts.“ — Alles geht mit dem Glauben, doch ohne den Glauben geht gar nichts. Solange ihr den Glauben habt, wird euer Verstand gesund sein, stark und genial, er wird alles tun können. In dem Augenblick, in dem ihr den Glauben verliert, wird sich euer Verstand entzweien, wird Sprünge bekommen, und ihr seid verloren. Der Glaube muß im Herzen beginnen, in eurem Unterbewußtsein; wenn du am Abend zu Bett gehst, laß folgenden Gedanken in deinen Verstand ein: Der Glaube, in dem ich lebe, wird die göttliche Harmonie in die Bestrebungen meines Herzens hineintragen. Lege dich nieder mit diesem Gedanken, in vollem Vertrauen auf dein Unterbewußtsein. Philosophiere nicht, denke nicht an die Folgen. Wenn du ein Weizenkorn in die Erde säst, denke nicht darüber nach, wie es wachsen wird. Es wird selbst diese Arbeit tun, von sich aus. Wenn du dich daneben hinsetzst und nachdenkst, wie es wachsen wird, ob es wachsen wird oder nicht, wirst du beginnen, es aufzudecken und wieder zuzudecken und seiner Entwicklung schädlich sein. So nehmen auch manche Menschen einen göttli. chen Gedanken auf, doch dann beginnen sie darüber nachzusinnen, ob er göttlich ist oder nicht. Laßt diesen Gedanken in eurem Bewußtsein wachsen! Solange ein Gedanke nicht gereift ist, nicht Frucht getragen hat, die Frucht nicht gereift ist, solange stoßt ihn nicht um. Man kann vorher nicht erkennen, ob er göttlich ist oder nicht. Man kann nicht die göttliche Wahrheit erkennen, die in ihm liegt. Deshalb ist etwas nötig, Zeit. Die Zeit ist ein Ausdruck der Wahrheit. Wo es keine Zeit gibt, gibt es auch keine Wahrheit. Die Lüge verkürzt die Zeit immer. Wir glauben nicht an die kurzen Fristen, sondern nur an die langen Fristen. Wir halten die lange Frist für eine Kreisbewegung der Energie innen in der Seele. Die zweite Erscheinungsform des Glaubens ist wie ein Gefühl im Bewußtsein. Das heißt: In einem bestimmten Augenblick mußt du fühlen, daß dein Gedanke kein Gedanke sein kann, solange er nicht in die materielle Welt projiziert ist. Dieser Gedanke muß eine richtige Form erhalten, denn das richtige Denken ist nichts anderes als die Übereinstimmung deiner Gedanken mit den Gesetzen, in denen du lebst. Wenn dein Gedanke keine richtige Form bekommt, wird er einer häßlichen Frau ähnlich sein — und die häßlichen Menschen lieben wir nicht. Folglich rufen die häßlichen Formen in unserem Verstand einen unharmonischen Eindruck hervor. Die Schönheit ist eine Eigenschaft des Gedankens; deshalb muß der Gedanke in uns schön sein. Wenn du nicht fühlst, daß dein Gedanke richtig ist, wirst du beginnen, ihn mit anderen Leuten zu überprüfen, doch damit wirst du in eine andere Misere geraten. Warum? Weil auch sie in der gleichen Lage sein können. Wie wirst du dann prüfen können, ob dein Gedanke richtig ist oder nicht? Folglich ist das erste, das du bedenken mußt, folgendes: Du mußt daran glauben, daß deine Seele die Dinge richtig fühlt. Die Seele lügt niemals! In der Seele des Menschen gibt es keinerlei Lüge! Die dritte Erscheinungsform des Glaubens liegt in der Kraft des Gedankens. Euer Gedanke muß eine Kraft haben. Innen drin muß eine Bewegung und Ausbreitung herrschen, d.h. er muß produktiv sein, damit du jede Arbeit damit verrichten kannst. Ihr könnt die Kraft eures Gedankens ausprobieren. Wenn euer Gedanke richtig ist und sich in Harmonie mit allem befindet, d.h. wenn es eine wahre Bestrebung in eurem Herzen gibt, wahre Gefühle in eurer Seele, eine richtige Verbreitung im Verstand, dann könnt ihr, wenn ihr irgendeine Wunde an der Hand habt, sie schnell heilen, indem ihr euren Gedanken auf sie konzentriert: in fünf bis zehn Minuten oder — wenn die Wunde größer ist — in ein bis zwei Tagen. Alle Katastrophen, die jetzt sowohl im gesellschaftlichen als auch im politischen und wissenschaftlichen Bereich geschehen, sind Folgen dieser Zerstörung in unserem Verstand, weil er nicht den Glauben zur Grundlage des Lebens gemacht hatte. Wir leben in dieser Welt mit gewissen Glaubensansichten. Woher kommen alle Katastrophen in der Welt? — Sie kommen daher, daß wir an Gott gezweifelt haben, an dem mächtigen Gesetz der Liebe und daß wir gesagt haben, daß Gott nicht Liebe ist und daß der Mensch des Menschen Wolf ist. Und diesen Wolf hat Gott geschaffen. Was hat dann das Leben für einen Sinn, wenn wir das Erhabenste auf der Welt einen Wolf nennen? Und der Wolf ist die Verneinung der Liebe, die Verneinung des Glaubens. Folglich kann jeder Mensch zum Wolf werden. Sobald ihr die Liebe verliert, werdet ihr wie ein wildes Tier, denn diese sind die negativen Eigenschaften der mächtigen Tugend, die wir Liebe nennen. Ich sage: „Du hast die Liebe verloren, deshalb bist du ein Wolf.“ — Wie werde ich wieder gut? — Wenn du die Liebe in dein Herz einläßt. Sie wird dir den Glauben bringen, und du wirst dich zu den Engeln erheben. Bewaffnet euch mit dem Glauben, nicht mit verschiedenen Glaubensansichten, denn Glaubensansichten sind ein Resultat der Vergangenheit. Die gegenwärtigen Religionen sind ein Versuch zur Besserung der Menschheit. Alle großen Lehrmeister kommen zu dieser Menschheit, i.im sie emporzuheben, um ihr zu helfen, denn sie sind Diener des mächtigen göttlichen Gesetzes. Doch ihre Nachfolger haben dieses Gesetz verdreht, sie haben nur seine äußere Seite verwirklicht; so haben sie das ganze Leben verdreht. Jetzt müßt ihr den Glauben als Prinzip kennenlernen, das alle Widersprüche des Lebens in Einklang bringt. Ich werde euch zeigen, wie die Widersprüche entstehen. Zum Beispiel: Zwei junge Leute lieben sich. Wenn die Liebe als Prinzip zwischen beiden auftritt, sind beide bereit, ihr Elternhaus zu verlassen. Wenn ihr erstes Kind geboren wird und die Mutter beginnt, es zu nähren, und wenn sie sieht, daß die Umweltbedingungen ungünstig sind, beginnt auch die Liebe zwischen ihnen ständig abzukühlen. Warum? Weil sie die Liebe in ihrem tiefsten Sinn nicht verstanden haben. Wenn sich ein Vogel ein Nest baut, so sucht er nur solche Zweige aus, die sogar vom schwächsten Wind verschont bleiben. Doch die heutigen Menschen sagen: Wir können auch ohne Nest, ohne gute Lebensbedingungen unsere Kinder gebären. Und wirklich: Sie gebären Kinder, und dann stecken sie diese Kinder in das Waisenhaus. Das ist eine Kultur der Kuckucksvögel: Sie legen ihre Eier in fremde Nester. Die heutigen Menschen sagen: Man kann auch ohne den Glauben leben. Nein, im Unglauben kann man nicht leben. Der Unglaube und der Glaube, das sind zwei Pole, denn der Ungläubige kann gläubig werden, doch ein Mann des Glaubens kann nicht polarisiert werden. Der Glaube ist verbunden mit dem menschlichen Verstand, mit dem Intellekt des Menschen, und der Verstand des Menschen ist verbunden mit der Atmung. Folglich kann jener, der keinen Glauben hat, auch keine richtige Atmung haben. Die klugen Leute atmen gleichmäßig und harmonisch. Der Gedanke, der auf die Atmung einwirkt, ist richtig. Betrachtet eine schöne Frau oder einen schönen Mann, die gesund sind an Körper, Geist und Willen: ihr werdet die Schönheit und Gleichmäßigkeit ihrer Atmung bemerken. Wer nicht richtig atmet, denkt auch nicht richtig. Wodurch unterscheidet sich ein Mensch des Glaubens von den anderen, die keinen Glauben haben? Dadurch, ob er Angst hat. Im Glauben gibt es keine Angst. Nehmt den Glauben in euch auf und beginnt damit zu arbeiten. So werdet ihr euren Glauben im Unterbewußtsein, im Bewußtsein, im Selbstbewußtsein und im Überbewußtsein betrachten. Wenn aus eurer Seele jeder Zweifel, jeder Haß und jede Lüge verschwunden sind und wenn sie an die Oberfläche getreten sind, so daß sie sichtbar sind, so sagt euch: Mit diesen Größen können wir nicht mehr arbeiten. Wenn ihr so sprecht, so heißt das, daß der Glaube in eurem Herzen die ersten Wurzeln gefaßt hat. Der Glaube hängt mit dem rhythmischen Atmen zusammen. Deshalb bemühen sich die Hindus, rhythmisch zu atmen, wenn sie ihre Gedanken regulieren wollen. — Es ist beobachtet worden, daß bei tuberkulosekranken Menschen die Atmung schneller wird; der Rhythmus ihrer Atmung wird kürzer. Folglich ist der Energieaus. tausch bei ihnen nicht richtig, was bedeutet, daß es zwischen dem Glauben und dem Gedanken einen Kampf gibt. Wodurch entsteht Tuberkulose? Entweder durch Angst oder durch Haß. Jedes junge Mädchen kann tuberkulös werden. Nimmt man ihr den Geliebten und jede Hoffnung, einen anderen zu bekommen, werden in ihr Hemmungen und Haßgefühle entstehen, und sie wird an Tuberkulose erkranken. Sie sagt: „Ohne diesen Mann kann ich nicht leben.“ Darin liegt der Irrtum. Nein, dein Geliebter ist in deinem Verstand. Dieser ist deine Liebe. Wenn ein junges Mädchen einem jungen Mann aus der physischen Welt begegnet, der ihr zusagt, soll sie ihn heiraten; doch wenn sie keinem entsprechenden begegnet, soll sie lieber allein bleiben. Der erste Geliebte des Herzens ist der Verstand. Er wird dir Licht bringen. Dieser Geliebte wird auch äußere Formen finden, um in Erscheinung zu treten. Dann wird das Herz des jungen Mannes seine Geliebte finden, und es wird eine gute Verbindung werden. Wenn sich der Verstand des jungen Mannes mit dem Herzen des jungen Mädchens verbindet, entsteht daraus eine gute, echte Ehe in der physischen Welt. Wenn die Atmung und das Denken des jungen Mannes richtig sind, entsteht in ihm eine richtige Strömung; ein Hellseher wird bei ihm beobachten, daß von der Hand dieses jungen Mannes zum Verstand ein Licht ausgeht. Wenn die Gefühle des jungen Mädchens echt sind, werdet ihr sehen, daß von ihr ein weiches, weißes Licht ausgeht, das von einem sehr dünnen rosa Schein umgeben ist. Wenn sich diese beiden Lichterscheinungen, die des jungen Mannes und des jungen Mädchens, vereinigen, werden sie die göttliche Strömung erzeugen. Der Glaube ist ein lebendiges Prinzip des Verstandes. Nur durch den Glauben können wir alle Geheimnisse verstehen, die sich in der Natur befinden. Wenn wir diese Geheimnisse kennen, können wir unser Leben erneuern. So müssen wir diese beiden Prinzipien — den Glauben und die Liebe — vereinigen. Wir müssen die Kraft des Verstandes, der Seele, des Herzens als Bestrebung des Herzens im Unterbewußtsein, als Gefühl der Seele im Bewußtsein, als Kraft des Verstandes im Selbstbewußtsein und als Prinzip des Geistes im Überbewußtsein miteinander verbinden und aus dieser Verbindung wird die neue Denkweise entstehen, die uns erneuern kann. Und weil wir uns an der Grenze einer neuen Evolution der Welt befinden, haben wir bis jetzt eine Kehrtwendung von 180 Grad ausgeführt. Der Weg, den wir seit unserem Austritt aus der göttlichen Harmonie zurückgelegt haben, ist ein Weg des Niedergangs. Jetzt befinden wir uns auf dem Tiefpunkt und beginnen die zweite Hälfte dieses Kreises. Es steht uns bevor, den zweiten Winkel von 180 Grad zu durchlaufen. Das ist das Gesetz der Evolution. Die ursprüngliche Intelligenz, die in die Welt kommen muß, geht von Gott aus. Von diesem Ursprung geht jetzt eine neue Welle aus, die von den Menschen übernommen werden muß. Es heißt: „Gott hat dem Menschen die Seele eingehaucht.“ Jetzt gibt er wieder einen Hauch von sich. Das geschieht nur einmal in Tausenden von Jahren. Ihr werdet die beiden Prinzipien verstehen: daß Gott die allmächtige Liebe ist, die alle Lebewesen umfaßt, und daß sie allumfassende Intelligenz ist. Diese Intelligenz wird gemäß der Natur eines jeden Lebewesens in Erscheinung treten. Es muß Verschiedenartigkeit geben, doch in allen von uns muß diese göttliche Harmonie existieren. Und so kann man ohne den Glauben dem Gott der Liebe nicht wohlgefällig sein. Die Liebe, das ist der Beginn des Lebens. Das Denken, das ist der erwachsene Mensch, der den Sinn des Lebens verstanden hat. Ohne den Glauben, ohne dieses Denken kannst du Gott nicht dienen. Damit ihr rein, klug, erhaben seid, Helden in dieser Welt, müßt ihr den Glauben haben, durch den ihr alles erreichen könnt. Er ist eine Eigenschaft der Engel. Diese Eigenschaft müssen auch die Engel erreichen. Mit dem Glauben beginnt die neue Kultur. Wendet auch die Liebe und den Glauben in eurem Leben an. Sie beginnen mit der Zeit. Die Zeit ist der Rhythmus der göttlichen Harmonie, und die Harmonie ist der tiefste Sinn des Lebens. Sofia, 6. März 1921
  3. Die Liebe „Am größten aber ist die Liebe“ „Gott ist Liebe“ (Korinther, 13,3) An diesem Morgen werde ich zu euch über einen Vers sprechen, den ich zur Grundlage der göttlichen Lehre in der Welt machen möchte, und zwar über den Vers: „Gott ist Liebe.“ Ihr werdet sagen: das wissen wir doch. Ja, teilweise, doch nicht in seiner Ganzheit. Ich werde eine mathematische Aufgabe stellen, eine mathematische Gleichung. Wir werden mit den Unbekannten beginnen: x : y = xi : yi und w : m = e : a. Die letzte Proportion — das sind die Elemente der höheren geistigen Mathematik. Das x ist eine Größe aus der sichtbaren, der realen, der materiellen Welt. Dieses x läßt sich sehr leicht bestimmen. Wie? Ihr werdet x und y auf die gleiche Weise bestimmen, wie man die beiden Unbekannten in der folgenden Aufgabe bestimmen kann: Aus zwei gegenüberliegenden Städten kommen zwei Einheiten Soldaten heraus, begegnen einander und grüßen sich. Die einen fragen die anderen: Wieviele seid ihr? Die anderen antworten: Wenn einer von euch zu uns kommt, werden wir zweimal soviele sein wie ihr. Die ersten sagen ihnen: Wenn einer von euch zu uns kommt, werden wir soviele sein, wie ihr seid. — Jeder, der die mathematischen Formeln kennt, wird sofort herausfinden, wie hoch x und wie hoch y ist. Und nachdem ihr bestimmt habt, wie hoch x und y sind, das heißt die sichtbare materielle Welt, werdet ihr zur geistigen Welt xi: yi übergehen. Das sind abstrakte Wahrheiten. „Gott ist Liebe.“ Ich nehme die Liebe zum Prinzip. Außerhalb der Liebe kennen wir Gott nicht. Er ist nur in der Liebe. Weil die Liebe allen Lebewesen zugängig ist, gibt es kein organisches Wesen, keine lebendige Materie auf der Welt, die nicht in irgendeiner Weise eng mit der Liebe verbunden ist oder von ihr abhängt. Folglich kennen wir Gott nur in der Liebe. Und dieser Gott der Liebe ist nicht außerhalb, ist nicht nur im Universum, sondern in uns. Ein Gebot im Evangelium lautet: „Du sollst Gott, den Herrn, lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit all deinen Sinnen und mit all deinen Kräften.“ Begreift den Sinn dieses Gebots. Ich werde die Liebe von vier Standpunkten aus betrachten: als Streben, als Gefühl, als Kraft und als Prinzip. Ihr habt Physiologie studiert. Welcher Herzschlag ist richtig? Stellt verschiedene Beobachtungen an und notiert euch jedes Mal, wie oft das Herz in einer Minute schlägt. Ihr werdet mit einer großen Wissenschaft beginnen. Stellt fest, durch den Rhythmus der Abweichungen, um wieviele Herzschläge das Herz variiert. Stellt fest, welcher Winkel durch Anstieg und Abschwächung der Herzschläge gebildet wird. Dieser Winkel wird annähernd 60 Grad betragen — das ist das Gesetz der menschlichen Evolution. Wenn ihr euch in einem angenehmen Seelenzustand befindet, zählt wieder euren Herzschlag. Zum Beispiel irgendein Mädchen fühlt sich zu irgendeinem jungen Mann hingezogen. Sie soll ihre Herzschläge in einer Minute zählen, wenn sie ihm begegnet. Nach ihren Herzschlägen wird sie feststellen können, ob er ihr in der Liebe treu sein wird, ob er sie betrügen wird, sie wird seine zukünftigen Absichten erkennen können. Nachdem sich das junge Mädchen und der junge Mann getrennt haben und verzweifelt sind, sollen sie wieder ihre Herzschläge zählen. Wenn man an jemandem zweifelt, soll man wieder zählen, wieviele Schläge das eigene Herz macht. Man soll sich diese Zahl merken. Jetzt werden wir mit der höheren Mathematik zu arbeiten beginnen. Warum haben das Mädchen und der junge Mann, die zueinander streben, ein bebendes Herz? Ja, natürlich, es muß beben. Wenn das Herz nicht bebt, ist es ohne Leben. Die Mutter, die ein Kind erwartet, spürt doch auch die Herzschläge ihres Kindes in ihrem Leib. Dann beginnt sie sich zu freuen. Die Herzschläge zeigen ihr, daß das göttliche Leben beginnt und daß Gott fragt: Bist du bereit, dieses Leben aufzunehmen und es weiterzuentwickeln? Auf die gleiche Weise fragt Gott auch das Mädchen und den jungen Mann. Doch das Mädchen will nichts davon wissen. Sie denkt an Hüte, an Kleider, wie sie ihr Haus einrichten soll, doch an das Beben des Herzens denkt sie nicht. Doch das Beben des Herzens ist wichtig. Die anderen Dinge sind zweitrangig. Diese Lehre, von der ich euch berichte, ist real. Arbeitet mit diesen Zahlen. Ihr kommt dann in das zweite Stadium der Liebe. — Ihr habt einen Freund, den ihr mit den reinsten Gefühlen liebt, ganz uneigennützig. Wenn ihr dieses intensive Gefühl spürt, beobachtet euren Herzschlag, entdeckt diese Wechselbeziehung. Das wird das y der Proportion sein. Zählt euren Herzschlag, wenn euer Bruder oder Freund nah oder fern von euch ist. Es gibt einen Unterschied zwischen beiden. Der Herzschlag hat einen indirekten Einfluß auf die Atmung — und die Atmung hat eine indirekte Verbindung zum Blutkreislauf und die damit verbundene Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff. Das ist der Grund, weshalb alle gegenwärtigen Krankheiten aus dem falschen Verständnis der Liebe entstehen, durch die falsche Atmung und die mangelnde Sauerstoffanreicherung im Organismus. Alle menschlichen Körper stecken sich von unten nach oben an, deshalb müssen wir in diesen vier Gebieten arbeiten, um unsere Seele zu reinigen. Im Christentum sagt man, daß wir büßen müssen; das heißt, das bezieht sich auf das Streben nach Liebe. Danach kommt die Geburt und die Neugeburt; das bezieht sich auf die Gefühle der Liebe, auf die Seele. Die Weihe bezieht sich auf den Verstand. Und zuletzt kommt die Auferstehung; sie bezieht sich auf die Kraft des Geistes, das heißt auf die Liebe als Prinzip. Und so gibt es in der Liebe zwei Prozesse: im Herzen und in der Seele, im Verstand und im Geist. Indem ihr diese Prozesse durchmacht, werdet ihr alle Stufen eurer Entwicklung durchlaufen. Arbeitet gleichzeitig in euren Herzen, in eurer Seele, im Verstand und in eurem Geist. Zwischen dem Verstand und dem Geist gibt es eine Kreuzung, denn der Verstand ist der Bräutigam des Herzens, und die Seele ist die Braut des Geistes. Wenn wir sagen, daß Gott den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hat, so bedeutet das, daß er ihn nach dem Bilde seiner Liebe geschaffen hat; denn ihr müßt wissen, daß die Liebe das erste Abbild Gottes ist, das heißt, die Worte „nach dem Bilde“ bedeuten „nach der Liebe“. Ein schönes Abbild — das ist SEINE Liebe. Wenn ihr die Liebe kennt, so kennt ihr auch das Antlitz Gottes. Kennt ihr die Liebe nicht, so ist Gott für euch unpersönlich. „Nach seinem Gleichnis“, das bedeutet nach seinem Geist. Wenn gesagt wird, daß der Mensch nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde, so ist darunter zu verstehen, daß er nach der Liebe und Weisheit Gottes geschaffen ist. Daraus folgt, daß wir Gottes Liebe und seine Weisheit haben müssen, wenn wir IHM ähnlich sein wollen. Das, was ich euch jetzt sage, sollt ihr nicht als eine Philosophie betrachten, sondern ihr sollt euch damit auseinandersetzen. Es enthält viel Unausgesprochenes. Es gibt eine mächtige göttliche Lehre. Und das, was ich euch gesagt habe, ist nur das Vorwort, die Einführung in die mächtige Lehre von der Liebe. Studiert diese Einführung und verweilt bei den vier Abschnitten: dem Herzen, der Seele, dem Verstand, dem Geist. Das sind vier Gebiete dieser mächtigen Welt, die Gott geschaffen hat. Wir sind aufgerufen, diesen Gott kennenzulernen und ihn der Welt zu predigen. Es gibt nur einen Gott. Er ist der Gott der Liebe als Streben, als Gefühl, als Kraft und als Prinzip. Die Liebe als Prinzip ist in allem und über allem. Das ist die mächtige Lehre von der Liebe, die alles entscheiden wird. Das, was ihr jetzt auf der Welt seht, die Widersprüche in den Familien und in den Gesellschaften, das ist ein vorübergehender Prozeß, der auf deinem Unverständnis der Liebe beruht. Sofia, 27. Februar 1921
  4. Die Einfachheit „Dies Gebot befehle ich dir, mein Sohn Timotheus, nach den vorigen Weissagungen über dir, dass du in denselbigen eine gute Ritterschaft übest.”(1) Timotheus: 1: 18 Die Wörter “Streitkräfte” und “Heldentat” sind ähnlich, weil nur das richtige Kämpfen eine Heldentat in der Welt voraussetzt. Das Wort „Heldentat“ bedeutet eine Bewegung nach oben. Das Kämpfen ist eine Stärkung des menschlichen Geistes, und das Hinuntergehen ist das Fallen des menschlichen Geistes. Vor allem wird eine Einfachheit von euch allen verlangt, das bedeutet nicht, dass ihr einfältig sein müsst, sondern alle euren Kenntnisse sollen vereinfacht werden. Die Dinge sollen hauptsächlich einfach sein, wie die Kette, auf der man webt, am Anfang einfach ist, und dann wird sie mit den Verflechtungen kompliziert. Also, in der Grundlage müssen die Auffassungen klar und einfach sein. Eine Einfachheit muss auch in euren Köpfen und Herzen existieren. Ich will, dass ihr das Wort „Einfachheit“ begreift, um es zu verstehen. Wenn ihr beunruhigt seid, sprecht dieses Wort aus, und ihr werdet eine Stille in eurer Seele spüren. Jedes gute Wort muss ein Nachlassen in euch hervorrufen. Ich werde euch über das Wort “Streitkräfte“ sprechen und eure Aufmerksamkeit auf eine Tatsache lenken, damit ihr die Widersprüche begreift, die im Leben existieren. Weil ich solche Widersprüche unter euch merke, und ihr könnt sie nicht erklären. Denkt nicht, dass ich euch schelten will. Kein Schelten; ich möchte, dass einige Gedanken und Wünsche euch klarer werden. Stellt euch vor, dass ihr in einem reichen Garten seid, auf einem Stuhl sitzt und vor euch ein Apfelbaum mit schön geformten Blättern und Blüten steht. Ihr freut euch auf ihn. Nehmen wir an, dass die Blätter des Baums still und ruhig sind, untereinander sprechen und sagen: “Wie schön ist die Göttliche Welt, wir leben in Frieden und Übereinstimmung!” Aber dann wird es windig, die Blätter beginnen gegeneinander zu stoßen, und einige von ihnen fallen. In dieser Gesellschaft, die oben am Baum ist, beginnen Streite: “Du verstehst das Christentum nicht, du bist ein Wilder” usw. Das ist eure Lage, wenn ihr von Haus zu Haus geht und sprecht: “Kennst du jene, sie ist so eine oder so eine.“ Das zeigt, dass ein Wind unter euch existiert.” Man fragt über jemanden, warum er von Haus zu Haus geht und über diese, jene spricht. Ich frage: „Warum ist dieser Wind?“ Die Ursache ist äußer. Ihr müsst diese äußeren Bewegungen verstehen, die nicht von euch abhängen. Wenn du ein Blatt bist, und der Wind kommt, wirst du bestimmt mit jemandem zusammenstoßen. Deshalb sag ihm: „Verzeih, ich habe nicht gemocht!” Deshalb müsst ihr euch vergeben. Wenn der Wind nachlässt, werden Frieden und Übereinstimmung wieder eintreten, aber wenn der Wind bläst, beginnt der Streit wieder. Das ist eine wirkliche Tatsache im Leben, und ihr sagt: “Der Wind bläst.” Jeder soll eine Pelzkappe haben, und wenn der Wind zu blasen beginnt, sollt ihr sie aufsetzen, und alles wird in Frieden und Übereinstimmung sein. Das Vorhandensein einer solchen Pelzkappe zeigt, dass der Mensch seine Gedanken und Wünsche zurückhalten kann. Hat der Mensch eine solche Pelzkappe, werden seine Gedanken und Wünsche in Ordnung sein, hat er keine solche Pelzkappe, ist die Lage schlecht. Wenn man ins Göttliche Leben eintritt, werden keine solchen Winde existieren, sondern ein stilles Wehen wird entstehen, das nur die Blätter bewegen wird, wie diese der Espe, und es wird zeigen, dass ihr in der Welt der Winde lebt. Unabhängig davon, was ihr macht, werdet ihr diesem Blatt sagen: „Sei sicher, dass ich das nächste Mal das nicht machen werde, und ich habe bereut.“ Jeden Tag gibt es Fehler und Reue. Das sind die Leute – Moralisten, die sagen, dass wir ein gutes, gerechtes und ehrliches Leben leben sollen. Die Blätter des Baums sind sauber, bis sie nicht staubig und schmutzig werden. Also, sowohl ein Bedecken mit Staub, als auch ein Putzen und Streiten usw. werden im alltäglichen Leben existieren, aber dieses Leben muss vergehen. Wenn ihr, zwei Schwestern, euch sammelt und streitet, werdet ihr sagen: „Entschuldige, Schwester, es gibt Wind, deshalb wackeln wir.” Das ist die richtige Lösung der Frage. Wenn ihr euch streitet, versammelt und sagt die folgende Formel: “Christus ist gleich y (Ypsilon), 0-0, 1-1.” Das ist die Bedeutung des letzten Verses aus der Parabel: “Dieser, der mir zuhört, wird in Stille und Sicherheit leben, ohne Angst vor dem Übel.” Das ist dasselbe Gesetz. Manchmal existiert ein Kampf zwischen dem Verstand und dem Herzen, ein Zwiespalt, das Herz möchte eins – der Verstand – anderes, es gibt einen Streit. Ihr entscheidet eins zu machen, und eigentlich tut ihr etwas ganz Anderes. Nehmt an, dass zwei von euch je hundert Dekar Land haben, geerbt von ihrem Vater. Die eine ist arbeitsam, sie bearbeitet ihr Land, sie hat einen Garten, bepflanzt ihn mit Obstbäumen, und im übrigen Teil sät sie Weizen, Gerste und Mais u.a. Und die zweite sagt: „Ich brauche solche Dinge nicht“ und lässt ihr Land unbearbeitet. Beide gehen ihr Land anschauen: die Eine hat Weizen, Mais, sie freut sich auf alles, für sie hat das Leben einen Sinn, und die Äcker der Andere sind mit Unkräutern bewachsen, und sie sagt: “Das Leben hat keinen Sinn.” Wer hat den Sinn und die Sinnlosigkeit im Leben geschaffen? Ihr sagt: „Gebs Gott uns das, jenes!“ Gott hat euch Land gegeben, das euer Herz ist; bearbeitet es! Dieser Herz wird so bearbeitet, wie man die Obstbäume bearbeitet. Gebt ihm alle guten Wünsche, pflanzt sie in ihm ein! Ihr sollt rechtzeitig einpflanzen, sondern nicht zur unrechten Zeit. Diejenigen, die Bäume pflanzen, haben zwei Perioden zur Bepflanzung – Winterzeit und Sommerzeit. Die Landwirte haben auch zwei Perioden zum Säen - Winterzeit und Sommerzeit. Diese, die Mais säen, haben auch bestimmte Perioden zum Säen. Also, wenn gute Wünsche in euch kommen, schiebt nicht auf, um andere Arbeit zu erledigen, sondern pflanzt sie sofort ein. Wenn ihr zu fragen beginnt, wie ihr sie einpflanzt, das bedeutet, dass ihr euch damit beschäftigt, was dieser oder jener euch verursacht hat. Lass alles beiseite, pflanze diesen guten Wunsch ein! Du fühlst dich nicht wohl; lass das Unwohlsein beiseite, dein Unwohlsein und du sind zwei verschiedene Dinge! Wenn ihr einander euch ärgert, wisst ihr, wem ihr ähnlich seid? Stellt euch vor, dass eine Fliege kommt und euch an der Nase bespuckt; ihr ruft sofort: “Was für ein Recht hat sie!”, beginnt ihr nachzujagen, ärgert euch auch allen anderen Fliegen. Macht eure Nase sauber und nichts Anderes! Jemand hat etwas über euch gesagt; reinigt es und nichts mehr! Aber ihr fragt: „Wissen Sie, was diese Fliege an meiner Nase gemacht hat?“ Lass sie zur Seite. Jemand hat euch beleidigt; erzählt anderen das nicht, was er euch gesagt hat, weil ihr es in ihrem Kopf pflanzt. Und ihr beginnt eure Beleidigungen einander zu erzählen und so verbreitet eure Wörter in der ganzen Gesellschaft. Eine erzählt etwas einer Zweiten, die Zweite einer Dritten, etwas wird zum Gesagten hinzugefügt, und eine große Nachricht entsteht. Das seid ihr, die Schüler des zwanzigsten Jahrhunderts. Natürlich ist das nutzbringend für die Welt, für die Menschen, die keine Arbeit haben, aber für diejenigen, die eine Arbeit haben, gibt es seriösere Dinge. Also, Apostel Paulus wendet sich an Timotheus und sagt: “Aber Gott, dem ewigen Könige, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.” Wenn Gott euch ein solches Herz gegeben hat, damit ihr ihn verherrlichen, sollt ihr die guten Wünsche in eurem Herzen einpflanzen, und Gott wird sie entwickeln. Alle guten Wünsche pflanzt man nur morgens ein, abends pflanzt man nichts ein. Abends wachsen die Samen, und morgens werden sie gesät. So ist es in der geistigen Welt. Wisst ihr, was ein Morgen bedeutet. Der Morgen ist eine Jugend. Am Morgen ist die Sonne ein junger Bursche, am Mittag – verheiratet, am Abend – ein Alter. Wenn ihr abends sie sehen geht, sagt sie: „Alles ist vergangen, seither gibt es hundert Jahren; ihr musstet kommen, als ich jung war, als ich arbeitete, damit ich euch etwas gebe.“ Geht zum Acker und veranlasst einen Alter, euch zu helfen, er wird euch sagen: “Ich bin schon alt, ich kann nicht, die Knochen tun mir weh.” Ruf einen jungen Menschen, er wird gleich kommen, dir helfen. Wer erntet am Acker? Junge Mädchen und Burschen. Ihr sollt jung sein, um in der Welt zu arbeiten; damit ihr solche seid, müsst ihr keine Fehler machen. Wer Fehler macht, wird alt, wer Gutes tut, wird jünger. Deshalb sagt die Wörter: „So soll meine Sonne in meiner Seele aufgehen und mein Herz erneuern.“ Das bedeutet, jünger zu werden. Das bedeutet, dass ihr gut sein wollt, und gut ist dieser, der viele Obstbäume in seinem Garten hat. Wie wird gesät – mit Wasser oder ohne Wasser? Natürlich, mit Wasser. Dieses Gesetz funktioniert auf folgende Weise: macht einen Versuch. Manchmal kann eine große Unannehmlichkeit oder ein Unglück in eurem Leben passieren, die von verschiedener Art sein können. Ihr seid verzweifelt daran. Immer nach solchem Unglück wird ein guter Gedanke kommen; gießt ihn. Die Zeit ist gekommen. Wer nicht gelitten hat, kann keine guten Gedanken haben. Wenn die Leiden euch überfallen, das zeigt, dass Gott auf euch Aufmerksamkeit lenkt, dass die Zeit zum Pflanzen gekommen ist. Das ist die erste Deutung. Jemand hat etwas über euch gesagt, hat euch tödlich beleidigt; ihr werdet leiden, weinen, aber es wird ein Nachlassen eintreten, ein guter Gedanke wird kommen. Sofort zur Arbeit, sät ihn! Dieses Säen wird die Pflicht für diese Beleidigung bezahlen. Ich werde euch das Gesetz erklären, warum ihr nicht rächen müsst. Nehmt an, dass jemand in euer Haus eintritt und 1000 Lewa von euch stiehlt. Aber ihr werdet an diesem Tag eine wichtige Arbeit haben, von der ihr 100 000 Lewa gewinnen werdet. Wenn ihr den Dieb verfolgen beginnt, werdet ihr 100 000 Lewa verlieren. Gott sagt: „Lass die 1000 Lewa, du wirst 100 000 gewinnen, erledige deine Arbeit.“ Jemand hat euch beleidigt, aber zur gleichen Zeit habt ihr, eine gute Arbeit für Gott zu erledigen; beendet eure Arbeit, weil ihr so viel verlieren werdet, wenn ihr zu rächen entscheidet. Gibt es eine Philosophie darin? Es gibt. Versucht, ob das richtig ist oder nicht. Macht das bei erster Möglichkeit, die ihr habt. Ich treffe oft Leute am Weg, die 1000 Lewa verfolgen. - Wohin gehst du? - Man hat mir Geld gestohlen, 1000 Lewa. - Du wirst 100 000 Lewa verlieren. Ich sage auch euch: ich habe euch getroffen, als ihr 1000 Lewa verfolgtet; passt auf, ihr werdet 100 000 Lewa verlieren. Das predigt das Evangelium: rächt nicht, weil Gott sagt “Die Rache ist mein.“ “Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet.” Jeder hat eine wichtige Arbeit in der Welt, und er soll über die anderen nicht urteilen. Dann werdet ihr ein stilles und ruhiges Leben haben; aber wenn ihr auf euren Gott hört – Diesen, Den ihr kennt. Wer ist dieser Gott, ihr könnt Ihn jeden Tag prüfen. Wenn ihr Seinen Willen erfüllt, werdet ihr euch jeden Tag still und ruhig fühlen. Erfüllt ihr Seinen Willen nicht – ihr seid unruhig. Warum ist Gott dann nicht da? Gott kommt nur in der Zeit der Leiden. Wenn es größte Leiden in der Welt gibt, dann geht Gott hinunter. Wenn jemand sehr gespannt ist, besucht Gott ihn, und wenn es ihm gut geht, er sich gut fühlt, sagt Gott: “Ruft diesen Menschen hier.“ Wir sagen: „Gott hab ihn selig, er ist gegangen.“ Und ich sage: “Er ist gegangen, seinen Vater in seinem Vaterland, seinem Haus, sehen, und dann wird er wieder zurückkehren.“ Also, manchmal kommt Gott zu uns, und ein anderes Mal gehen wir zu Ihm. Was ist das für eine Art? Wenn ein Vater seinen Sohn heiratet, trennt er ihn in einem neuen Haus, und manchmal besucht er ihn, ein anderes Mal kommt der Sohn. Sagt mir, wann besucht ihr Gott? Wenn ihr eine große Verzweiflung empfindet und leidet. Und wenn jemand in dieser Zeit euch angreift, hat Gott euch besucht. Deswegen sollt ihr die Leidenden besuchen. Ihr werdet von jetzt ab wissen, dass jeder Gott je zehn mal täglich besuchen kann, und Gott – einmal täglich. Das Gebet ist ein Ruf an Gott. Ihr seid traurig, gramvoll – betet. Gott tröstet auf drei Arten: Er wird euch einen Menschen schicken, der euch helfen wird, Er wird einen Engel schicken, und Er wird selbst kommen, um euch zu trösten. Ihr fragt, warum wir geboren sind. Damit ihr den Gott besucht. Dieses ist das große Gesetz, nach dem die Menschen sich mit ihren Leiden und weltlichen Nöten befreunden. Wenn wir keine Bedürfnisse hätten, würden wir nicht verstehen, worin die Schönheiten des Lebens bestehen. Ihr werdet euch diesen Gedanken merken: Das Leben, wie es organisiert ist, ist ein bestes Leben und ihr, wie ihr nun lebt, lebt am besten. Jemand wird sagen: “Ich bin ein böser Mensch.” In welcher Hinsicht? Du bist nicht böse, aber du hast Land, das du nicht bearbeiten willst. Du bist faul. Du musst arbeiten. Beginn zu arbeiten, du wirst nicht sündig sein. Wie entsteht die Sünde? Wenn du nicht arbeitest, wirst du Fehler machen; du wirst überlegen, woher du nimmst, was du machen sollst, und du machst Schulden der ganzen Welt. Also, ihr seid dem Wesen nach nicht sündig, sondern danach, dass einige von euch nicht arbeiten wollen. Einige sagen zum Beispiel: „Wie ich um 4 Uhr morgens aufstehen werde, steht man in dieser Zeit auf?“ Ja, man steht auf, weil die Nacht zum Schlafen ist, und der Morgen – zur Arbeit. Wenn die Sonne aufgeht, muss jeder außеr seinem Bett sein, und wenn sie untergeht, muss jeder im Bett sein. So machen die Vögel. Wenn ihr Christus verstehen wollt, sollt ihr so handeln und leben. Wenn das Leiden kommt, sagt: „Es ist Zeit zur Arbeit.“ Bereitet euch zu säen vor! Der erste gute Wunsch kommt in euch, sät ihn, und ihr werdet für ein Jahr sehen, wie reich ihr werdet. Das begreifen die Bulgaren, wenn sie sagen: “Ihm wurden die Augen geöffnet.” Wenn der Mensch reich wird, werden ihm die Augen geöffnet. Zum Beispiel ein Armer hat eine Hütte ohne Fenster gebaut, wenn er reich wird, baut er gleich ein, zwei, drei und mehr Fenster. Wer weiß, er hat Fenster. Die Leiden, die euch geschickt werden, sind eine Notwendigkeit zu eurer Entwicklung. Indem ihr sagt “So soll meine Sonne aufgehen”, das zeigt den verkörperten Menschen auf der Erde. Ihr müsst diese Sonne benutzen, die aufgeht. Jeden Morgen, wenn der Mensch aufwacht, wird er geboren, und abends, wenn er einschläft, stirbt er. Deswegen, wenn ihr nicht rechtzeitig aufsteht, um euer Kind zu gebären, wird es sterben. Merkt, Menschen, die spät aufstehen, fühlen sich unwohl den ganzen Tag. Wir sagen über sie, dass sie ihr Kind nicht geboren haben. Ihr müsst den tiefen Sinn der Dinge verstehen, sondern nicht ihren Buchstaben. Unter „Morgen“ verstehe ich alle guten Bedingungen, die Gott euch gibt, deshalb schiebt sie nicht auf. Sie sind ein Morgen im Leben. Gibt es eine Reaktion in euch infolge des frühen Aufstehens, zum Beispiel eine Erkrankung? Ich werde euch einige Regeln empfehlen: ich habe bemerkt, dass einige Leute sehr schnell gehen, und ihr sollt langsam gehen, weil ihr sonst schwitzt, die leichten Erkrankungen werden so erklärt. Zweite Regel: beobachtet die Farben der Sonne, besonders am Johannistag. Sät gute Gedanken bei der Beobachtung in euch. Nehmen wir an, dass es eine Fülle von guten Gedanken in euch gibt; ihr müsst anderen geben, damit sie auch von ihnen säen, d.h. ihr sollt sie anderen schicken. Wenn eine Disharmonie unter euch existiert, soll sie mindestens mit 50% verringert werden. Ich werde euch eine dritte Regel geben: wenn man euch sagt, dass zwei Schwestern gestritten haben, sagt: „Der Wind hat sie geblasen, deshalb versammeln und beten wir Gott darum, dass sie sich versöhnen.” Ihr werdet ihnen eure guten Gedanken schicken. Außerdem versammelt euch und geht sie besuchen. Das Ergebnis wird im folgenden bestehen: z.B. eine von euren Schwestern hat 100 Lewa; jemand kommt und nimmt das Geld ab. Deshalb wird jede ihr einen Lew geben, wenn ihr sie besucht, und sie wird das Verlorene gewinnen. Sie hat Schaden genommen, und deshalb muss man ihr etwas Gutes bringen. Ihr sollt über diese Fragen nicht aus eurem Standpunkt denken, sondern sie müssen im Prinzip gelöst werden, so wie sie in der Schule gelöst werden. Der Mensch kann nicht prinzipiell leben, bis er mit dem Gott nicht in Verbindung ist, bis Er in ihm nicht zu leben beginnt. Kann eine geschiedene Frau ein gutes Leben haben? Nie. Lasst ein Kind ohne Mutter, und es wird rauh. Wenn es fünfzehn, zwanzig Jahre mit seiner Mutter lebt, wird sie ihm ein bisschen Taktgefühl verleihen. Und diese, die ohne Mutter gelebt haben, sind ein bisschen grober, deshalb werden Leiden ihnen gegeben, damit sie veredelt werden. Wenn jemand leidet, sage ich: „Deine Mutter ist früh gegangen, deshalb brauchst du Leiden, damit du veredelst.“ Dieser ist der Weg für diese, die sich entwickeln, wachsen, sich höher entwickeln wollen. Vierte Regel: geht sehen, wie die Obstbäume in fremden Gärten wachsen, um eure Gärten auf dieselbe Weise zu bepflanzen. Fünfte Regel: notiert täglich in eurem Heft, wenn ihr etwas Gutes macht, ob mit Wörtern oder mit Herzen. Wenn ihr jemandem einen guten Gedanken schickt, notiert ihn. Wir sagen häufig, dass Gott die Welt verbessern wird. Wie wird er sie verbessern? Durch uns. Wenn jeder Zweig nicht blüht und nicht Frucht ansetzt, wie wird er sich entwickeln? Das ist die praktische Seite. Ihr seid sehr ehrgeizig, ihr schämt euch, dass ihr euch vor einigen, vor anderen nicht blamiert. Und wie viel Male am Tag schämt ihr euch vor Gott? Wenn ihr Ihn nicht seht, stellt ihr das nicht in Rechnung. Nach einiger Zeit werde ich euch eine Weise zeigen, damit ihr die bösen Wörter in guten verwandelt. Ich möchte, dass ihr euch für diese guten Ideen begeistert. Versucht das alles in eurem geistigen Leben gesamt anzuwenden – bei dem Essen, Trinken, Gehen und Singen. Das ist der geistige Mensch – er macht alles um Gottes Ruhm. Sechste Regel: wenn ihr einen Wunsch bekommt, die Leute zu meiden, schützt euch davor. Ich möchte, dass ihr Freunde von außen habt, aus der Welt, und nicht nur unter euch. Warum heiraten die Leute? Um sich zu befreunden, nicht wahr? Künftig werdet ihr euer Geld großzügig ausgeben müssen und auch den anderen geben. Es gibt keine Ursachen zur Angst, weil dieser, der gibt, gewinnt immer mehr, als dieser, der nimmt. Siebente Regel: ihr fühlt euch eines Tages traurig, belastet, meint, dass das Leben keinen Sinn hat; geht herunter, seht diese Leute, die trauriger, belasteter als euch sind, und ihr werdet verstehen, dass das Leben einen Sinn hat. Und wenn ihr euch höher entwickeln möchtet, seht, wie die Leute leben, die über euch sind, ahmt sie im Leben nach, weil das Leben von einem zum anderen übergeben wird. Wenn ich euch etwas von mir nicht übergebe, werdet ihr nichts lernen. Das Leben wird durch einen Kontakt, einen Einfluss übergeben, wobei sowohl das Gute als auch das Böse übergeben wird. Ich kenne viele gute Männer, die in der Gesellschaft von bösen Frauen verkommen und schlechte Männer, die sich in der Gesellschaft von guten Frauen verbessern. Das Gesetz ist sehr richtig: wir lassen uns beeinflussen. Und ihr sagt: “Was sind wir?” Zieht unter eure alten Hefte einen Schlußstrich, stellt neue Blätter und schreibt: “Von jetzt ab nehme und gebe ich die Regeln von Christus!“ Ihr werdet froh und lustig sein. Achte Regel: Schützt euch davor, euren Töchtern zu sprechen: “Du kennst das Leben nicht, du sollst klüger sein; du bist jung, wenn du alt wirst, wirst du es begreifen.” Erzieht sie nicht so, sprecht ihnen über das Alter nicht. Deine Tochter ist froh; sie soll froh sein, sie soll spielen, singen, lass sie. Wenn sie zornig wird, sag Gott: „Danke, Gott, dass ich meine Tochter gesehen habe, dass sie solche schönen Grimassen schneidet.” In der Natur ist dasselbe: ihr seht, wie ein Baum sich biegt, Grimassen schneidet, aber das ist auch angenehm. Ihr verlangt von euren Kindern das, was ihr selbst nicht macht. Es ist erstaunlich, wenn ein Sünder möchte, dass seine Tochter eine Heilige ist. Sie soll sich ärgern, weinen, und wenn du das philosophisch und ruhig annimmst, wird das auch auf sie wirken. Ihr werdet die Lehre von Christus in der neuen Erziehung anwenden. Die Erziehung muss völlig neu sein, und ihr sollt an der alten Erziehung keine neuen Flicken machen. Eine alte Kleidung kann man mit neuen Stoffstücken nicht flicken. Ihr werdet sagen: „Meine Tochter wird gut sein, wenn nicht nun, künftig!“ Weil das, worüber der Mensch denkt, geschieht. Du und deine Tochter, ihr seid ein und dasselbes Ding. Warum denke ich kein Übel über die Menschen? Weil es eine Widerspiegelung ist. Wenn ich etwas Schlimmes über die Leute denke, wird es sich auch auf mich widerspiegeln. Der Gedanke schafft die Dinge und widerspiegelt sich auf euch. Ihr werdet diese Regeln in diesem Monat anwenden. Ihr werdet bis zum 24 Juni bei Sonnenaufgang ausgehen, danach werdet ihr euch zwanzig Tage zu Hause erholen. Es gibt andere Varianten zur Erfüllung des Gesetzes des Gehens: wenn du keine Möglichkeit hast, herauszugehen, wirst du früh aufstehen, und nach dem Gebet wirst du in Gedanken spazierengehen. Und wenn ihr sagt: „Heute kann ich nicht ausgehen“, stört ihr dadurch eure Arbeit. Du möchtest manchmal eine von deinen Schwestern besuchen, aber du hast keine Möglichkeit; setz dich auf deinen Stuhl und besuch sie in Gedanken. Ihr sollt keine negativen Gedanken haben, dass ihr das oder jenes nicht könnt. Sogar wenn du im Bett schwer krank bist, sage: „Ich verbessere meinen Körper jetzt, aber meine Seele kann gehen!“ Also, das Gesetz muss man immer mit dem Wort „können“ anwenden. So äußert sich der menschliche Wille. Wenn einige Dinge euch unklar sind, versammelt zu Gruppen und denkt nach. Weil nur das, was ihr probiert und lernt, wird nützlich für euch sein und wird euren Glauben stärken, dass ihr eine positive Wissenschaft habt, auf die ihr euch stützen könnt. Vortrag des Meisters, gehalten am 31 Mai 1917
  5. Das Licht „Ihr seid das Licht der Welt“ (Math. 5,14) Im vorhergehenden Traktat sprach ich über das Salz — das erste göttliche Element — und heute werde ich über das zweite Element sprechen, das Licht. Ich werde mich bemühen, die Worte von Christus in der heutigen Sprache wiederzugeben, so wie man im 20. Jahrhundert spricht. Was versteht Christus unter dem Wort „Licht“? Jedes Wort hat seinen Sinn. Nur wenn es einen gewissen Effekt im Verstand oder im Herzen des Menschen hervorruft, nur dann wird es verstanden. Wenn ihr ein Streichholz nehmt, könnt ihr nur einen Effekt verstehen; wenn ihr es anzündet, einen anderen. Folglich sind Wörter in der gesprochenen Sprache wie Streichhölzer, und jedes muß seine Schachtel und sein Feuerzeug haben, damit man zur rechten Zeit das Streichholz anzünden kann; und so kann auch jedes Wort seinen Effekt hervorrufen. Wir dürfen nicht wie kleine Kinder sein — und nur die Streichhölzer aus der Schachtel nehmen, um sie anzuzünden und wegzuwerfen. Das ist keine Philosophie. Es gibt viele zeitgenössische Autoren, die beständig Streichhölzer nehmen, sie anzünden und dann wegwerfen. Ich frage: Welchen Effekt können sie mit diesen angezündeten Streichhölzern hervorrufen? Urteilt selbst, was für ein Effekt hiervon entsteht. In der künftigen Rede muß man Salz haben, da darin das Licht enthalten ist. Für das Licht habt ihr noch ein unklares Verständnis. Die Wörter „Helligkeit“ und „Licht“ sind von ein und demselben Stamm, aber Helligkeit ist eine Widerspiegelung von Licht. Das Licht ist eine Verbindung mit jenem göttlichen Element, das sich mehr im göttlichen Verstand befindet, das uns die Oberlegungen verständlich macht, so daß wir eine Logik, einen Inhalt und einen Sinn in unseren Gedanken haben. In der heutigen Wissenschaft streiten sich die Physiker darüber, ob das Licht von der Sonne oder von etwas anderem kommt. Einige Wissenschaftler bestreiten, daß es von der Sonne kommt; sie behaupten, daß es eine besondere Energie ist, die an die Erdoberfläche gelangt, sich an ihr bricht und so eine Lichtwiderspiegelung ergibt. Das Leuchten ist ein innerer Prozeß. Es ist ein Element, das man überall spüren kann. Das Leuchten ist etwas sehr Reales in der Welt. Es ist tausendmal realer als diese Welt: es schafft den menschlichen Gedanken, seine Wünsche, es ist die Verbindung zur geistigen Welt und existiert in Form des heutigen Äthers; es ist die Hülle des menschlichen Geistes, des Verstandes, und ohne dem kann niemand denken oder fühlen. Alle, die in der Schule waren, die ein Gymnasium hinter sich haben, die Schwierigkeiten beim Lösen von irgendwelchen Aufgaben hatten, wissen, daß diese Aufgaben nicht auf einmal klar werden, sondern, daß einem, wenn man einige Zeit darüber brütet, eine Erleuchtung kommt und die Aufgaben sich lösen lassen. Das Leuchten bzw. das Licht erleuchtet förmlich. Ich werde euch einige Regeln geben, damit ihr alles überprüfen könnt, denn ich spreche zu euch nicht nur von der Theorie, sondern ich spreche über eine positive Wissenschaft, die man in der Praxis erproben kann. Das Licht ist der gesundheitliche Zustand des menschlichen Verstandes, die Atmosphäre, in der der Mensch beständig leben muß. Wenn Schriftsteller dieses Licht verlieren, werden sie unschöpferisch; wenn Lehrer es verlieren, verlieren sie ihre Unterrichtsmethoden und können nicht mehr lehren; wenn Mütter es verlieren, fehlt es ihnen an Geduld und Liebe, und sie können nicht erziehen. Wenn ihr kein Licht in euch habt, kann sich euch Liebe, Wahrheit nicht offenbaren. Christus sagt: „Ihr seid das Licht.“ Wer „Ihr“? Das erste Element ist das Salz, das Gesetz des Gleichgewichts, das alle Kräfte im Gleichgewicht hält; das zweite Element ist das Licht, es baut etwas auf und läßt etwas wachsen, d.h. alle Gedanken und Wünsche wachsen im Licht und entwickeln sich gesetzmäßig. Ein Mensch, der im Licht lebt, ist wie ein fruchtbarer Baum, der auf fruchtbarem Boden wächst. Auf ihm werden alle Früchte reif. Wenn in eurem Hirn philosophische Gedanken herumwandern, freut euch nicht; das ist vielleicht ein Aufblühen. Um zu prüfen, ob ihr Licht habt, kontrolliert eure Gedanken, wo sie beginnen, wo sie ihre Wurzel haben. Wenn ein Mensch nicht bereit ist, für einen seiner Gedanken zu sterben, bedeutet das, daß dieser nicht in ihm entstanden ist. Bevor ich dazu übergehe, diese Frage näher zu erörtern, werde ich ein Beispiel aus dem bulgarischen Leben anführen. Ich habe die Aufgabe, diese Beispiele zu beleben, ihnen einen Inhalt zu geben. Das jetzt zitierte Beispiel ist oft gehört worden, aber ich gebe ihm einen neuen Charakter. Man erzählt, daß ein Türke zur Zeit des Jochs über die Bulgaren einen bulgarischen Kaufmann besuchte. Als er in dessen Zimmer kam, sah er an der Wand drei Ikonen und darunter ein brennendes Licht. Die Ikonen waren: der hl. Georg auf dem Pferd, die hl. Gottesmutter und der hl. Nikolaus. „Warum hast du diese drei Ikonen? “ fragte er den Kaufmann. „Sie schützen mich vor allem Bösen, und bis jetzt ist mir nichts Böses widerfahren“, antwortete ihm der Kaufmann. „Merkwürdig, ich habe nur Diener, bezahle sie, aber sie schützen mich nicht so“, sagte der Türke. „Was kosten diese Ikonen? “ fragte er. Er kaufte drei Ikonen, brachte sie nach Hause und stellte vor sie eine angezündete Kerze. Er schickte alle Diener aus dem Haus und sagte: „Ich brauche keine Diener mehr. Ich habe jetzt treue Menschen gefunden, die mein Haus beschützen.“ Aber eines abends drangen Räuber in sein Haus und beraubten ihn. Er trat vor die hl. Gottesmutter und sagte: „Vor dir kann ich mich nicht beklagen, du bist eine junge Frau, du hast ein kleines Kind, du mußt dich mit ihm beschäftigen.“ Er wandte sich an die Ikone des hl. Georg und sagte: „Auch vor dir kann ich nicht klagen, du bist ein junger Mann, du mußt das Pferd reiten.“ Zuletzt wandte er sich an den hl. Nikolaus und sagte: „Du bist ein alter Mann, hast kein Kind, kein Pferd, und deshalb bestrafe ich dich.“ Und wirklich, er drehte die Ikone des hI. Nikolaus mit dem Kopf nach unten. Darauf fand der hl. Nikolaus auf irgendeine Weise den gestohlenen Reichtum, und damit wurde die ihm auferlegte Bestrafung außer Kraft gesetzt. Und der Türke sagte: „So will ich dich.“ Was stellte die hl. Gottesmutter dar? Sie stellte eine Frau mit Herz dar: Das Kind ist das Herz, das sie erzieht. Der Mensch ist in die Welt gekommen, um sein Herz zu erziehen, daß er es wie ein Kind betrachte. Ihr fragt: „Warum gebären die Frauen?“ Durch das Gesetz des Gebärens lehrt euch Gott, wie man sein Kind erziehen soll, d.h. wie ihr euer Herz betrachten sollt. Wenn die Mutter dem Kind oft Milch gibt, dann wird es gesund, aber wenn die Milch verdorben ist, stirbt das Kind. Was stellt die Ikone des hl. Georg dar? Der hI. Georg stellt den menschlichen Verstand dar, und das Pferd seinen physischen Körper. Der Mensch muß sein Pferd reiten; wer sein Pferd nicht reitet, der ist verloren. Man muß das Pferd gut ernähren, aber nicht überfüttern, damit es sich nicht überfrißt. Was stellt die Ikone des hl. Nikolaus dar? Der hl. Nikolaus stellt einen Menschen mit einem guten Herzen und einem guten Verstand dar, der sich auf die höchste Stufe des Lebens schwang, auf das geistige göttliche Leben. Er muß sich mit der Erziehung der gesamten Menschheit beschäftigen, für ihn müssen alle Menschen wie Kinder sein; er muß sich für andere aufopfern, wie sich eine Mutter für ihr Kind aufopfert. So, wie der hl. Georg sein Pferd gut ernährt, so sollen die klugen Alten auf die Jungen schauen, und sie mit ihrem Verstand und mit ihrem Herzen zu einem geistigen Leben bringen. Deshalb sagt Christus: „Eine Stadt auf einem Hügel kann nicht verborgen bleiben.“ Wenn ihr Licht habt, werdet ihr es leuchten lassen können. Wenn ein Chiromant eure Hand anschaut, wird er euch sagen, ob ihr Licht habt oder nicht; es ist so, wie wenn ihr in eine europäische Stadt kommt und von der Anordnung der Stadt und von den Häusern auf die Menschen schließt. Wenn ihr in ein Haus kommt, seht ihr, was die Hausfrau liebt. Wenn die rote Farbe vorherrscht, ist sie eine Frau der Lust, ist sie unbeständig. Jene, die rote Mützen, Gürtel tragen, meinen, daß die Welt ein Schlachtfeld ist, daß man kämpfen muß. — Ich negiere den Kampf nicht, aber er muß auf dem göttlichen Gesetz begründet sein, er muß das Leben schützen; wenn er es zerstört, bedeutet dies eine Anarchie. Der Kampf hat die Freiheit als Ziel, und das Licht hat nur das als Ziel, was uns frei macht. Unter dem Wort „Freiheit“ versteht man die göttliche Harmonie in unseren Gedanken und Wünschen, so daß alles in der Welt in Ordnung gebracht wird, d.h. daß jeder an seinem Platz ist; jeder erfüllt die Bedingungen, die sich in seinem Gehirn, in seinem Herzen verborgen halten. Die zeitgenössischen Wissenschaftler wiegen die Gehirne von Verstorbenen für verschiedene Untersuchungen. Im Gehirn bildet sich der menschliche Gedanke ab. Es ist wie ein Garten. Wie es im menschlichen Gehirn festgelegt ist, so werden auch die Gedanken sein. Im Gehirn gibt es dieselben Zonen wie auf der Erde. Darin wachsen die Gedanken genau so, wie auf der Erde die Blumen wachsen. Jeder Gedanke hat eine Form, die den Charakter eines Schafes, eines Wolfes, eines Bären, eines Fuchses, einer Schlange, einer Spinne, einer Ameise annehmen kann; und all diese Formen sind Eigenschaften, die den menschlichen Charakter bilden. Und dieses Leuchten, d.h. dieses Erleuchtetsein, tritt nach demselben Gesetz ein, wie das Licht von oben kommt, und es baut alles im Menschen auf, schafft sowohl gutes wie auch schlechtes Leben. Und es besteht kein Unterschied, ob es sich um Wölfe oder um Schafe handelt: Und wenn sich diese Lebewesen beim Licht beschweren, daß sie leiden, sagt es ihnen: „Fürchtet euch nicht, im nächsten Jahr werde ich euch wieder erschaffen, arbeitet nur ein bißchen.“ Wenn wir uns beklagen, daß es in unserem Leben Leiden gibt, sagt uns das Licht: „Gebt acht, ich schaffe euch das Notwendige.“ Aber es duldet keinen Zweifel, keine Kleingläubigkeit — dies sind negative Eigenschaften. Das Licht ist ein Leben der göttlichen Harmonie, und nur der Mensch, der diese Harmonie hat, kann die Größe des Lichts verspüren. Das Licht ist ein verstandesmäßiges Element. Die heutigen Physiker sagen vom Licht: Wenn sich Licht von zwei verschiedenen Polen mit unterschiedlichen Längen und Vibrationen trifft, neutralisiert es sich, und dann bildet sich die Dunkelheit. Dasselbe gilt für die Erleuchtung. Der Mann ist ein Pol des Lichts, die Frau der andere. Treffen sie zusammen, so bilden sie eine göttliche Harmonie. Sie bilden solange eine Harmonie, wie ihre Vibrationen gleich sind. Dann entsteht in uns das Gefühl der Liebe; dann empfinden wir eine Erweiterung des Verstandes, des Herzens. — Diese zwei müssen unbedingt Licht hervorbringen. Wenn es heißt: „Ihr seid das Licht“, so versteht Christus alle darunter. Wenn ER sagt: „Ich bin das Licht“, meint ER damit: „Ich und mein Vater.“ Ein Mensch kann die Welt nicht verbessern, und wenn er sagt: „Ich werde Ordnung in der Welt herstellen“, versteht er das Gesetz nicht. Man braucht immer zwei, vier, sechs, acht usw.; es muß ein Paar sein. Diese Paare bilden beim Zusammentreffen eine Einheit. Fügt man zu dieser eine Einheit hinzu, dann ergibt es drei, woraus vier entstehen usw. Nehmen wir an, ihr seid intelligente Menschen, trefft einen Freund von euch, ihr beginnt ihn wegen etwas zu verdächtigen, ohne zu wissen, warum. Um jemanden zu verdächtigen, muß man Fakten haben. Laßt einen Zweifel ohne Grund nicht zu! Jemand, der zweifelt, sagt: „Ich weiß nicht warum, aber ich fühle, spüre etwas, und deshalb habe ich Zweifel.“ Dieses Empfinden ist noch kein Beweis. Ein Trinker sagt zum Beispiel: „Mir ist flau im Magen, ich werde etwas Wein trinken.“ Und er überlegt weiter: „Warum soll ich nicht mehr trinken? Wenn ich etwas getrunken habe, fühle ich mich immer gut.“ Aber dieses Gefühl ist nicht beständig, es dauert nur eine Zeit an, und am Morgen werdet ihr euch übel fühlen. Wendet diese Regel an, daß ein wenig Wein gut tut, Mißbrauch aber den Effekt, die Wirkung des Weins, zerstört. Der menschliche Organismus ist so eingerichtet, daß er nichts Uberflüssiges verträgt. Aus der Chemie ist bekannt, daß jedes Element mit einem anderen in einer genau bestimmten, gewichtsmäßigen Verbindung steht. Oder ein Element verbindet sich mit einem anderen in einer genau festgelegten Anzahl von Atomen, und zwar soviel, wie notwendig sind, um eine gesunde, beständige Verbindung zu bilden. Dies ist ein Gesetz. So verbinden sich auch die menschlichen Gedanken nach demselben Gesetz mit dem Licht. Dieses Licht hat auch in der geistigen Welt seine Farben. Sie können passiv und aktiv sein. Passiv ist die Farbe der Widerspiegelung, aktiv ist sie, wenn sie direkt aus der Quelle selbst kommt. Jeder Gedanke, der in eurem Gehirn eine Zerrissenheit hervorruft, ist nicht göttlich, er ist nur eine Widerspiegelung des Lichts. Wenn ihr zum Beispiel ein Haus bauen, Ingenieur, Schriftsteller werden oder Medizin studieren wollt, so zeigt dieser Zwiespalt an, daß dieses Fach, nach dem ihr strebt, nicht für euch ist. Vor der Befreiung Bulgariens, als es nur wenige Berufe gab, empfahlen die Väter ihren Söhnen, Ärzte zu werden, weil dieser Beruf gewinnbringend ist; oder sie rieten ihnen, Ingenieure zu werden, aber sie sollten keine Berufe lernen, die nicht einträglich waren. Was für ein Arzt, Ingenieur oder Priester wird der, der keinen inneren Bezug zu der Arbeit hat? Er wird jenem Arzt des Mittelalters ähnlich sein, der viele leichte Heilungsmethoden an- wandte: er behandelte seine Patienten mit einem Aderlaß und gab ihnen warmes Wasser zu trinken, worauf die Patienten starben. Er wunderte sich: „Behandeln wohl alle anderen Ärzte ihre Patienten erfolgreich?“ So ist es auch bei den heutigen Ärzten: sie verabreichen irgendeine Arznei, und der Kranke stirbt; danach sagen sie, daß der Kranke ein schwaches Herz hatte, oder sie finden einen anderen Grund, um sich zu rechtfertigen. Aber es gibt keinen Grund dazu. Dieser Arzt muß den menschlichen Organismus verstehen, das Temperament jedes seiner Patienten und dementsprechend die Arznei verabreichen. Der Sanguiniker und der Choleriker können nicht auf dieselbe Weise geheilt werden. Warum? Weil in den beiden Organismen unterschiedliche Elemente sind, die auf ihre eigene Weise reagieren. Meiner Meinung nach beruhen alle Krankheiten, die jetzt existieren, auf der Disharmonie mit dem göttlichen Licht. Wieviele von euch glauben an ein jenseitiges Leben? Ihr werdet sagen: „So hat irgendein großer Mensch geschrieben, so hat der Apostel Paulus gesprochen.“ Aber welche Erfahrung macht ihr mit dieser Realität? Ihr werdet sagen: „Wenn wir sterben, wenn wir in die jenseitige Welt kommen, dann werden wir erfahren, ob es ein jenseitiges Leben gibt.“ Um dieses Licht zu verstehen, muß man einen geistigen Blick dafür haben. Alle Menschen, die dieses Gefühl entwickelt haben, haben gewisse Kennzeichen in den Augen, sie haben bei den Pupillen gewisse Flecken, die anzeigen, bis zu welchem Grad dieses Gefühl bei ihnen entwickelt ist. Bei den heutigen Menschen des Westens begann sich dieses Gefühl als Intuition, als Vorahnung zu zeigen. Eines Tages wird sich auch vor euch eine große Welt offenbaren, in der das Licht vorhanden ist. Dieses Licht kommt von innen, nicht von außen. Die zeitgenössischen Okkultisten sagen, daß der, der dieses Licht hat, auch Magnetismus hat. So ein Mensch ist weich, entgegenkommend, er hat Liebe, und er verzeiht schnell. Folgende sieben Elemente zerstören, verderben die heutigen Menschen: Stolz, Wut, Wollust, Faulheit, Geiz, Neid und Gier. Der Stolz ist nicht von Gott. Gott hat den Menschen erschaffen, daß er Achtung vor sich hat, aber er hat sich mit Stolz von ihm entfernt. Das Gesicht, die Hände, die Nase eines solchen Menschen tragen Kennzeichen des Stolzes. Ich werde nicht darauf eingehen, euch zu erklären, wie diese beschaffen sind. Ihr müßt diese Dinge selber lernen; es gibt viele Autoren, die darüber geschrieben haben. — Wenn ihr in euch Stolz empfindet, dann tretet vor den Spiegel und merkt euch die Züge eures Gesichts, eurer Augen, merkt euch eure ganze Verfassung. Wenn ihr eine Stimmung der Liebe, der Güte habt, dann schaut euch wieder an. Christus sagt: „Es bleibt nichts verborgen im Menschen.“ Für blinde Menschen ist alles verborgen. Einige sagen, daß ich ein Vertreter irgendeines Mysteriums bin. Für jene, die Augen haben, gibt es keine Mysterien. In meinem Geldbeutel habe ich einen Apfelkern — das ist ein Mysterium; sät ihn, und nach zehn Jahren werdet ihr eine Pflanze, eine Frucht sehen, und dann werdet ihr dieses Mysterium verstehen. Ihr werdet sagen: „Es kann sein, daß etwas Schreckliches in all dem liegt.“ Die Ängstlichen werden nicht ins Himmelreich kommen. Wodurch unterscheidet sich der gute Mensch vom bösen? Wer lügt, der spricht schnell, und wer die Wahrheit sagt, der spricht leise, ruhig und will das von ihm Gesagte überprüfen. Auch ich will, daß ihr alles überprüft. Mittels dieses Lichts kann ich mich fortgeschrittenen Amerikanern, Chinesen, Japanern, euch mitteilen — allen, die in eine andere Welt, in die Welt der göttlichen Harmonie gelangt sind. Wenn man dem gegenüber Liebe empfindet, der in die andere Welt gelangt ist, kann man intelligent, verständig mit ihm reden. Es gibt einige Medien, die die Sprache der Geister nicht verstehen; und indem sie sich quälen, andere davon zu überzeugen, daß sie mit Geistern sprechen, beginnen sie, die Wahrheit zu entstellen und zu lügen. Lügt nicht, sagt die Wahrheit, denn Lügen haben kurze Beine. Die Wahrheit bewegt sich mit großer Geschwindigkeit, und ihre Beine sind lang, auf daß man unglücklichen Geistern helfen kann. Wenn einer sagt: „Meine Beine sind lang“, sage ich: „Glücklich bist du, aber ich hätte mir gewünscht, daß die Beine deiner Seele, deines Herzens auch lang sind, damit du dieses Licht tragen kannst.“ Wenn sich dieses Licht bei uns entwickeln kann, können wir neunzig Prozent der heutigen Übel vermeiden. Das Licht ist eines der grundlegenden Elemente, um gute Söhne und Töchter heranzuziehen. Allen Frauen lehre ich folgende Regel: sie sollen in ihrem Gehirn keine Gedanken zulassen, die negative Eigenschaften bergen; jene, die den Lebenssinn verloren haben, sollen jeden Morgen den Sonnenaufgang begrüßen. — Schaut euch den Sonnenaufgang einen Monat lang an, und seht dann, wie ihr euch fühlt. Im Frühling, wenn die Blumen wachsen, die Bäume blühen, beobachtet dies und prüft das Ergebnis — darin werden ihr den Lebenssinn finden. Was machen die heutigen Menschen? Sie schlafen bis zehn Uhr morgens und gegen Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, gehen sie hinaus, um sich an den erloschenen Strahlen zu erfreuen. Im Herbst, wenn die Blätter fallen, dann machen sie einen Spaziergang. Man muß die Natur zu ihrer Zeit studieren. Und was sind das jetzt für Menschen? Jemand liest das Evangelium und wundert sich, was Christus mit gewissen Worten sagen wollte. Ich lese Bücher und frage mich sofort: hat der Schriftsteller Licht oder nicht, welche Farben fehlen ihm. Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich euch beschreiben, wie der Autor ist, welchen Kopf er hat, wie sein Gesicht ist, welche Hände, was für Gedanken er hat usw. Einige wollen wissen, wer und wie ich bin. Ich bin so, wie ich zu euch spreche. Wenn ich euch heile, dann bin ich so. Ihr werdet fragen: „Warum heilt er uns? “ Es ist egal, wer euch helfen wird, ich oder ein anderer. Meiner Meinung nach muß ich einen Überschuß von meinem Wissen, von meinem Leben weitergeben, weil mir das nicht gehört. Dieses Licht, das von innen kommt, muß ich nach außen schicken — „Ihr alle seid ein Licht“. Seit zweitausend Jahren lesen die Christen diesen Satz und können ihn nicht verstehen. Nehmt deshalb euren hl. Nikolaus und dreht ihn mit dem Kopf nach unten; er ist verpflichtet, euer Haus und eure Habe zu schützen, denn er ist euer Verstand. Sagt ihm: „Du wirst entweder gut urteilen, oder ich werde dich mit dem Kopf nach unten drehen.“ Ihr fragt: „Was ist Licht? “ Wenn es in eure Seele kommt, wird euer Gesicht schön, die Augen glänzen, von euren Händen geht eine angenehme Wärme aus, ihr verbreitet einen wohlriechenden Duft. Und wie riechen die heutigen Menschen? Schlecht, sehr schlecht. Veilchen und andere Blumen helfen euch, euren natürlichen Geruch zu verdecken. Dieses Veilchen, das ihr anwendet, sagt: „Gott offenbart sich in der Bescheidenheit des Lebens, und nicht im Stolz. Wenn ihr einen guten Boden habt, wird Gott in euch die besten Samen pflanzen; wenn ihr nackt seid, stolz darüber seid, gibt es nichts für euch, außer ewigen Schnee.“ Das ist die Sprache des Veilchens, und wenn sich die Menschen mit seinem Parfum besprühen, mögen sie dessen Sprache studieren. Damit klage ich sie aber nicht an. Ich wünschte, daß alle diesen Duft und diese Farbe des Veilchens hätten. Wenn ihr ein Wort aussprecht oder etwas schreibt, soll darin ein herrlicher Duft sein. Nachdem die Menschen dieses Licht begriffen haben, sind sie alle Blumen. Was ist ein Lehrer, Prediger, Bauer, Vater, Mutter, Bruder oder Schwester? Sie sind große göttliche Blumen. — Habt ihr verstanden, welche Blume die Mutter ist? Wenn ihr in das Leben des Lichts kommt, werdet ihr verstehen, was für eine Blume die Mutter ist. Außer den herrlichen Blüten von der Mutter, vom Vater, vom Bruder, von der Schwester, von den Nächsten gibt es nichts in der Welt. Habt ihr diese Blüten in euch? Wer hat bis jetzt dieses Licht nicht schon zehnmal aus sich hinausgeworfen? Wer hat die Blumen seiner Mutter, seines Vaters, seiner Nächsten nicht verkümmern lassen? Von jetzt ab muß man aufbauen, immer weiter aufbauen. Wenn ihr das bulgarische Volk aufrichten wollt, müßt ihr es aufbauen. Bulgarien braucht Salz und Licht, deshalb sollen die Gelehrten darüber nachdenken. Ohne Salz und ohne Licht gibt es kein Bulgarien. Das bulgarische Volk hat eine Wurzel in der Erde und einen Zweig in der göttlichen Welt: dieses Volk muß Früchte auf seinen Ästen bringen. Nur so kann man ein Volk oder eine Seele charakterisieren. Die Seelen sind zwar Individuen, aber sie bilden zugleich ein Kollektiv. Das Kollektiv ist ein Gesetz der Harmonie. Das Licht können wir mit unserer Seele, unserem Herzen, mit unserem Willen spüren. Das andere, das das Licht zerstört, ist die Wut. Der wütende Mensch ist ein Mensch ohne Willen. An einer Stelle der Schrift heißt es: „Seid wütend, aber sündigt nicht.“ Die Wut ist eine gewisse Energie, die nicht für eine gute Richtung genutzt wird. Jeder hat nach Wut eine Schwäche verspürt, die anzeigt, daß eine Demagnetisierung eingetreten ist. Das dritte Element, das das Licht verhindert, ist die Wollust. Sie ist das Grab der Liebe. Wieviele junge Männer und Mädchen sind frühzeitig in dieses Grab gegangen! Die Liebe ist Harmonie, und die Wollust ist — Gift. Das vierte Element, das das Licht zugrunde richtet, ist die Faulheit. Wenn ihr nach Amerika geht, werdet ihr sehen, wie die Kinder in den Schulen lernen. Dort arbeitet jeder; jeder verdient sich seinen Lebensunterhalt selbst, und man betrachtet es als Demütigung, Almosen zu erwarten. Dort werden alle Jungen und Mädchen, die arbeiten, geachtet. Ich wünschte, in Bulgarien wären alle so arbeitsam; das bezieht sich auf die Städter, weil sich für sie die Gefahr der Faulheit zeigt, nicht auf die Bauern. Das fünfte Element, das das Licht zerstört, ist der Neid. Neid und Stolz sind wie Bruder und Schwester. Ein Mensch, der beneidet, ist auch stolz. Jene, die von Neid erfüllt sind, genießen es, wenn sie andere leiden sehen. Erinnert euch an jenes Drama von Shakespeare, wo ein jüdischer Geizhals einen Vertrag abschloß, sich Fleisch von seinem Schuldner abzuschneiden, und er bestand auf der Erfüllung des Vertrages, auch als der Schuldner bereits in der Lage war, zu bezahlen. Es gibt viele andere Beispiele, wo sich dieser boshafte Neid darlegt. Zwei führten einen Prozeß miteinander, und der Richter, als er sie angehört hatte, schlug vor, daß er einem eine zweimal härtere Strafe auferlegen würde; er fragte sie, welche Strafe sie auferlegt haben wollen. Jener, dem die kleinere Bestrafung bevorstand, schlug vor, dem anderen die Augen auszukratzen. „Aber dir werden wir dann ein Auge auskratzen“, sagte der Richter. „Das mag sein“, antwortete er, „aber deshalb werden dem anderen doch die zwei ausgekratzt.“ Ein Mensch mit so einer Grausamkeit kann kein Licht haben. Neid zeigt sich auch bei politischen Menschen. In Bulgarien gibt es sie genügend. Macht den edlen Menschen Platz! Wenn es heißt: „Ihr seid das Licht“, meint Christus die Menschen der Zukunft. Als der Herr die Welt erschuf mit ihren Sternen, Mond und Sonne sagte ER: „Das ist für die zukünftigen Menschen.“ Jemand sagt zu mir: „Sag mir, wie mein vergangenes Leben war.“ Es steht auf dir geschrieben. Jetzt kannst du einen zerrütteten Organismus haben, was jedoch nicht heißt, daß du krank bist. Sobald die Bedingungen beseitigt werden, die das Licht behindern, wird diese Zerrüttung verschwinden. Das andere Laster, das das Licht verhindert, ist die Gier. Ich werde ein Beispiel für Gier anführen. In Spanien gab es einen Millionär, der ganze Gebiete unterdrückte. Alle beklagten sich über ihn, und daraufhin befahl der spanische König, ihn einsperren zu lassen. Als er im Gefängnis Wasser und Brot wollte, verlangte man von ihm ungefähr 1000 Leva für eine Tasse Wasser und ein Stück Brot. „Das ist die größte Grausamkeit, die mir begegnet ist“, sagte der Gefangene. „Das ist deine Strafe“, antwortete ihm der König, „geh jetzt, und mach das nicht noch einmal, was auch du nicht willst, daß man es dir antut!“ — Deshalb schickt euch Gott all diese Bosheiten. Ihr sagt über jemanden: „Der wurde schwachsinnig geboren.“ Es ist nicht wahr, daß seine Mutter und sein Vater ihn so geboren haben, er selbst ist sich Mutter und Vater. Infolgedessen gibt es zwei Theorien: die eine sagt, daß die Mütter ihren Kindern ihre Eigenschaften mitgegeben haben; die andere, daß das Kind in einer unsichtbaren Welt existiert — als intelligentes Wesen — und sich die passende Mutter, das geeignete Mittel auswählt, und daß es seine Mutter beeinflußt, indem es ihr gute Gedanken einflößt. Die schwangere Mutter kann danach, welche Gedanken sie zu dieser Zeit bewegen, feststellen, wie ihr Sohn sein wird. Wir können uns der göttlichen Welt widersetzen, aber wenn das Gesetz zu wirken beginnt, wird dessen Kraft unseren unvernünftigen Widerstand beseitigen. Ihr Männer und Frauen, die ihr jetzt hier seid, seid das Licht! Für mich existiert das Böse nicht. Ich meine, daß in der göttlichen Welt Böses nicht existiert, aber daß es außerhalb der göttlichen Harmonie Böses gibt. Wenn ihr euch entschließt, ein gutes, edles Leben zu führen, werdet ihr dieses Licht haben, wird es bei euch sein. Dieses Licht ist verständig — und alle alten Mystiker, die dieses Licht haben, sehen eine unendlich weite Welt, voll mit den schönsten Blumen, mit denen sich ihre Seele erfüllt. Wenn ihr in guter Stimmung seid, habt ihr dieses Licht. Nur könnt ihr es nicht lange halten. Manchmal denkt ihr, daß ich gut predige, aber ihr sagt: „Wer weiß, welches Ziel er hat.“ Mein Ziel ist es, den Willen Gottes zu erfüllen. Ich gehöre nicht zu jenen, die lügen; bis jetzt habe ich noch niemanden belogen, noch hat man mich belogen. Ihr könnt mich mit nichts anderem bestechen, außer mit Gutem, mit Wahrheit, Liebe und Weisheit. Wenn ihr Gott dienen wollt und ihr euch dazu entschließt, dies zu tun, nur dann wird Gott von seiner Größe herunterkommen und wird euch zu guten Menschen und zu großen Geistern machen. Ich predige euch, für Gott zu leben, für den Herrn des zwanzigsten Jahrhunderts, der Gefängnisse niederreißt, die Gefangenen befreit und Harmonie, Ordnung, Freude und Fröhlichkeit bringt. Er bringt so einen Segen, wie sich ihn die Menschen nicht vorstellen können. Er wird diese Erde in ein Paradies umwandeln, und ihr, Bulgaren, werdet darin leben. Ihr werdet alle leben, wenn er euch begegnet, und ihr werdet sehen, ob das wahr ist, was ich euch sage, oder nicht. Das sind keine Illusionen, wie einige denken mögen. Bei Illusionen gibt es folgende Eigenschaften: ihr könnt zum Beispiel die Illusion von jemanden nähren, indem ihr ihm sagt, daß ihr ihm Gift gegeben habt. Nach vierzig bis fünfzig Tagen wird er schwach werden und sterben. Mit Illusionen verfällt und verdummt der Mensch. Aber wenn eure Seele von irgendeinem Gedanken ernährt, erfrischt und belebt wird, dann ist es keine Illusion. Ich wünschte, daß alle Bulgaren groß wären — groß in der Wohltat, groß in der Liebe, groß im Recht, groß in der Weisheit, groß in jener göttlichen Wahrheit des Lichts, von der ich gesprochen habe. Denkt über das Licht nach, es ist mit euch, spürt es, werdet selbständig, kommt wie die Bienen zu jeder Blume, um Honig zu sammeln. Bleibt dort nicht zum tJbernachten — das ist Wollust —‚ sondern nehmt Honig und geht zurück in euer Haus. Das wollte Christus mit den Worten sagen: „Ihr seid das Licht!“ und „Eine Stadt, die auf dem Hügel steht, kann nicht verborgen bleiben.“ Wenn ihr in diese Stadt kommt, werdet ihr den Sinn eures Erdenlebens verstehen. Ihr stellt euch vor, wie euer künftiges Leben sein wird. Es liegt in euch, und es hängt von eurem jetzigen Leben ab. Es ist dasselbe wie mit der Seidenraupe, die alle Elemente in sich hat, die zur Umwandlung in einen Schmetterling nötig sind. Es wird nicht viel Zeit vergehen, und ihr werdet wie dieser Schmetterling sein. Jetzt lebt ihr auf der Erde und fragt euch, ob es ein anderes Leben gibt: Wenn ihr ein Schmetterling werdet, werdet ihr sehen, daß es ein anderes Leben gibt, und ihr werdet euch mit euren Flügeln, mit eurem Verstand, mit eurem Herzen auf das Licht setzen — den schönsten göttlichen Baum, den Baum des Lebens —‚ ihr werdet den Sinn verstehen und werdet froh und fröhlich sein. Diesr Vortrag wurde am 1. April 1917 gehalten
  6. Zur Verherrlichung Gottes "Worin äußert sich das Leben?" – das ist der Grundgedanke, mit dem ich mich kurz befassen werde. "Verherrlichung Gottes" – was beinhaltet das eigentlich? Nur das Gesetz der Weisheit kann diesen Begriff erklären. Es ist die Wissenschaft, die Gottes Herrlichkeit aufdeckt, doch die Menschen nutzen ihr erworbenes Wissen zu ihrer eigenen Verherrlichung. Die Folge davon ist Disharmonie. Für mich sind Menschen selbständige Einheiten, die immer nur zwei Möglichkeiten im Leben haben: entweder sie schlagen den richtigen Weg ein, oder sie weichen von ihm ab. Entsprechend kann die Seele als selbstständige Einheit entweder wachsen oder schrumpfen. Im Okkultismus wird dieser Prozess auf verschiedene Art und Weise erläutert. Die westlichen Okkultisten erklären es mit dem so genannten "Wärme-Äther". Als Äther wird eine Substanz bezeichnet, aus der alle Dinge entstehen und in der sie sich entwickeln. "Äth" ist die Urquelle, aus der alles Sein hervorgeht, "Ther" lässt die Dinge auf der Erde wachsen. Äther ist keine dichte Materie. Wärme-Äther, d.h. Urenergie in Aktion, hat mit Liebe zu tun. Folglich bekundet sich in den ersten Lebensäußerungen, hervorgerufen durch die Einwirkung des Wärme-Äthers auf die Materie, die Liebe. Leben tritt also durch Wärme in Erscheinung und so kam der Lebensstrom mit der Wärme zur Erde, um sie zu organisieren. Im Buch Genesis steht: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Dieser Lebensstrom ist Gottes Geist, der hinunter kommt um die Dinge zu erschaffen. Bei eurem jetzigen Entwicklungsstand solltet ihr in der Lage sein, das Gesetz des Wärme-Äthers zu verstehen. Es handelt sich um eine Bewegung von außen nach innen. Wenn wir von der Notwendigkeit der Liebe zu anderen Menschen reden, dann meinen wir damit den Wärme-Äther, der von außen kommt. Die Menschen verlangen nach unserer Liebe, sie wollen dich lieben, aber auch geliebt werden. Warum? Liebe ist eine Energie in der Natur, die in Erscheinung treten will. Ihr aber versteht das Gesetz nicht und entstellt die Dinge. Was muss eine Quelle tun, wenn sie sich offenbaren will? Sie muss hervorsprudeln. Sobald das Wasser aus ihr quillt, offenbart sie sich. Genauso ist es beim Menschen. Liebt ein Engel einen Menschen, so seht ihr aus ihm etwas hervorquellen – eine flüssige Substanz im Gegensatz zu euer?r Liebe, die zäh ist. Auch aus euch quillt etwas hervor, wenn ihr jemanden liebt. Und wenn euch in diesem Moment ein Engel sieht, der von einer langen Reise zurückkehrt, wird er meinen: "Bei dieser Quelle werde ich ein wenig ruhen." Mit seinem Becher wird er von eurem Wasser schöpfen und richtig beurteilen, ob eure Quelle gut oder schlecht ist. So ist es nun einmal: Wenn sich die Menschen in der physischen Welt lieben, gibt es unter ihnen rein physische Beziehungen, im Gegensatz zur unsichtbaren Welt, wo das nicht der Fall ist. Dort ist die Liebe eine Quelle. Für euch sind das abstrakte Begriffe. Ihr sagt einfach: Diese Menschen lieben sich. Das stimmt, aber ihr müsst wissen, dass das Leben dem Wärme-Äther entspricht, und wenn man diesen Impuls nicht von außen aufnehmen kann, wie soll sich dann das Leben in uns äußern? Leben von innen ist Ausdruck des Wärme-Äthers von außen. Tritt dein Leben in Erscheinung, dann befindet sich auch dein Lebensäther im Erdzentrum. Dieser Lebensäther erschafft alles. Und damit Leben sich bekunden kann, muss zuerst diese Welle von außen kommen. Da ich gerade davon spreche: Ihr seid der Erde ähnlich und auch zu euch muss dieser Wärme-Äther von außen kommen, um euer Herz zur Tätigkeit anzuregen. Irgendwann einmal möchtet ihr Liebe empfinden. Das bedeutet, dass aus dem Zentrum eures Herzens, nachdem ihr von außen nach innen den Anreiz bekommen habt, eine andere Regung entstehen muss, um das Leben zu offenbaren. Und daraus folgt, dass jeder, der leben möchte, mit der festen Materie konfrontiert wird. Jeder, der lieben will, muss sich mit ihr auseinandersetzen. Ein Mensch, der mit der festen Materie nicht umgehen kann, kann auch nicht leben. Aus dieser Sicht des Lebens sind Leiden Steine, mit denen ihr eure Zukunft aufbauen werdet. Erst danach kommt das Licht, das ebenso notwendig ist für das Leben wie die Wärme. Auch das Licht ist ein Strom, der "Lichtäther" genannt wird. All diese äußerlichen Erscheinungen des Lebens haben ihre Ausdrucksform. Sowohl Wärme als auch Licht schaffen gewisse Formen beim Menschen. Genauso ist es mit dem Leben. Jeder Strom schafft spezifische Formen. Sonnenwärme und -licht wirken vor allem stark auf das Gläubigkeitsgefühl des Menschen und auf die Wissenschaft ein. Bewahrt diese Wärme und dieses Licht sorgfältig in euch! Verliert niemals die schwache Wärme, die ihr im Solarplexus habt! Diese Wärme muss es immer in euch geben, ihr braucht sie! Wenn ihr sie besitzt, dann seid ihr unanfechtbar, keiner kann euch etwas anhaben. Verliert ihr sie aber, dann widerfahren euch möglicherweise die größten Übel wie Stürme und Katastrophen. Sie können euch total vernichten und nichts wird von euch übrig bleiben. Bewahrt ihr dagegen diese Wärme, dann kommt auch das Licht und mit ihm auch das Wissen. Also stellen wir Folgendes fest: Der Lichtäther wirkt auf das menschliche Gehirn, der Wärme-Äther auf das Herz ein. Im Herzen des Menschen gehen von außen nach innen eine Reihe von chemischen Prozessen vor sich. Von ihnen hängt ab, wie sich der Mensch verhält, ob so oder so. Lasst euch von den verschiedenen Taten der Menschen nicht irritieren. Die Außenwelt kann sich daran stören, ihr aber nicht. Ihr müsst wissen: Egal in welche Richtung sich der Mensch auch betätigt, alles passiert zur Verherrlichung Gottes. Denn eure Versäumnisse und Fehler sind Gelegenheiten zur Weiterentwicklung von Wesen, die fortgeschrittener sind als ihr. Du machst einen bestimmten Fehler, aber diese für dich unsichtbaren Wesen benutzen ihn, um eine große Tugend daraus zu erschaffen. Alles in der Welt ist so geschaffen, dass die vernünftigen Wesen jeden eurer Fehler für eine Tugend nutzen können. Aber sagt jetzt nicht: Wenn dem so ist, wenn alles zum Guten geschieht, dann lasst uns Fehler machen. So nun auch wiederum nicht! Nur wenn ihr unbewusst einen Fehler, ein Versäumnis begangen habt, nur dann sollte es euch nicht Leid tun. Ein anderes Wesen wird euren Fehler zum Guten verwenden. Wisset: Auf der Erde werdet ihr Fehler begehen, sie sind unvermeidbar, aber man darf sie nicht absichtlich machen. Die einzige Gefahr seitens der schwarzen Bruderschaft besteht darin, dass sie die Aufgabe haben, dem Menschen einen kritischen Geist einzupflanzen, damit er denkt, er lebe nicht richtig. Wir wissen, dass der Mensch nicht von heute auf morgen ein Heiliger werden kann. Um ein Heiliger zu sein, müssen wir alle Naturgesetze kennen und sogar unsere eigene Zukunft. Da kommt jemand zu mir und meint: Ich bin ein Heiliger. Na schön, dann sage mir meine Zukunft voraus! Wenn er mir die Zukunft nicht vorhersagen kann, dann erwidere ich ihm: Du bist gar kein Heiliger. Ein Heiliger muss die Zukunft der Menschen vorhersagen können. Ein, in seiner Evolution, fortgeschrittener Mensch muss dieses innere Wissen besitzen, er muss die Dinge vorausahnen können. Vorerst lasst ihr euch alle von der Außenwelt beeinflussen. Ihr seid Reflektoren der Außenwelt, von ihrem Licht. Aber ihr müsst wissen, dieses Licht anderer Menschen gehört ihnen, während euer Licht nur euch gehört. Spiegelt ihr nur fremdes Licht wider, so ist das gar kein Licht; nur euer eigenes Licht ist real. Denn sobald das fremde Licht erlischt, verliert ihr es ebenfalls. Habt ihr aber eigenes Licht, dann kann das nicht passieren. Und sollte von außen Licht auf euren Reflektor kommen, so freut euch umso mehr, denn es verstärkt euer eigenes. Doch müsst ihr auch in diesem Fall immer euer eigenes Licht und eure eigene Wärme bewahren. Nun haben wir den Berg Mussala[1] erstiegen. Hier seid ihr alle sehr gut gelaunt, in Sofia aber seid ihr anders, dort steht ihr euch feindselig gegenüber. Zu euch kommt eine Schwester, aber ihr könnt sie nicht leiden und wollt, dass sie wieder geht. Wo liegen die Ursachen für diese Gefühle? Das sind Kleinigkeiten, alltägliche Dinge, aber die lösen das Problem nicht. Ihr mögt irgendeine Schwester nicht und wollt sie loswerden. Warum? Ich will jetzt diese Sachen zwischen euch nicht bereinigen, sondern meine nur: Solche Situationen existieren auf der ganzen Welt. Ihr mögt jemanden nicht und ein anderer mag euch nicht. Dafür wiederum habt ihr einen anderen Menschen sehr gern. Es passiert, dass ihr jemanden nicht ertragen könnt, doch er besucht euch ständig. Das Gegenteil kommt auch vor: Ihr liebt jemanden und würdet euch wünschen, dass er zu euch käme, aber er meidet euch. Warum ist das so? Das alles geschieht dank der oben genannten räumlichen Ströme. Das Gesetz der Liebe lautet wie folgt: Wenn in mir ein Liebesgefühl entsteht, muss ich unbedingt, da sie von oben, vom Himmel kommt, etwas mitbringen, etwas geben. Gebe ich nichts, so kann ich Liebe nicht äußern. Gott, der uns liebt, gibt uns etwas, wenn er sich offenbart. Auch wir, wenn wir Gott lieben wollen, müssen etwas von uns geben, etwas aufopfern – auch wir sollten von unseren Früchten hergeben, denn Gott will ebenfalls etwas von uns. Wir lesen in der Heiligen Schrift, dass die Juden Gott einst Opfer brachten, aber wir, was überreichen wir? Heute werden keine Opfergaben verlangt. Was sollen wir dann tun, was sollen wir geben? Süße Früchte aus unserem Garten? – Nein, von uns wird verlangt, die Früchte aus dem Garten unseres Herzens auf einem besonderen Tablett aus Gold und Diamanten zu überreichen. Oben bei Gott wird uns ein Engel willkommen heißen und unsere Früchte entgegennehmen. Nun meint ihr sicher: Das ist eine Phantasmagorie. Tatsächlich – diese Dinge überschreiten den Horizont und sind schwer zu verstehen. Kommen wir nun zu den Fakten, so wie sie sich auf der Erde darstellen. Was macht ihr, wenn ihr jemanden liebt? Die Mutter gibt ihrem Kind zuerst Strümpfchen, dann ein Kleidchen, Mützchen, Hemdchen; bis ins hohe Alter will sie ihm etwas geben und bringt immer wieder ihre Liebe zum Ausdruck. Dasselbe Gesetz tritt in Kraft, wenn sich die Liebe im Sohn oder in der Tochter offenbart.Damit dieses Gesetz auch für uns Realität wird, müssen wir in unserem Bewusstsein immer mit der unsichtbaren Welt verbunden sein. Das aber können wir nur erreichen, wenn wir jemanden von dort kennen und seinen Namen wissen. Wie aber verbindet man sich mit der unsichtbaren Welt? – Im Traum, im Gebet, in Gedanken. Und welche Übersetzer habt ihr dort? Wenn ich in die ferne Vergangenheit zurückblicke, muss ich feststellen, wie oft ihr Möglichkeiten für eure Weiterentwicklung versäumt habt! Ganze Barrikaden, ganze Berge habt ihr mit euren Fehlern vor euch errichtet! Und nun stoßt ihr auf die Fehler eures Lebens. Was ihr einst anderen angetan habt, das müsst ihr heute bewältigen. Deshalb werden jetzt für euch günstige Bedingungen geschaffen, damit ihr euren Weg ebnen könnt. Euer jetziger Lebensweg ist eine wunderbare Möglichkeit, mit allen existierenden Widersprüchen ein für allemal Schluss zu machen. Das könnt ihr durchaus schaffen, denn die Widersprüche sind nicht groß. Jetzt, bei der Betrachtung dieser Frage, sollte sich jeder in einen Kreis stellen. Jeder von euch hat einen bestimmten Wirkungskreis, einen Tätigkeitsbereich. Auch jeder Gedanke hat seinen Wirkungsbereich, außerhalb dessen er sich nicht äußern kann. Wollt ihr beispielsweise, dass euch ganz Bulgarien zuhört, wenn ihr singt? Die Zeit kommt noch, wo man euch wie im Rundfunk hören wird. Für alle Dinge wird es ein spezielles Instrument geben. Wenn dieses Instrument die Luft ist, dann wird es ein heftiges Geschrei geben! Wie stark muss dieser Laut sein, damit er in ganz Bulgarien zu hören ist? Unter den heutigen Bedingungen muss ein Laut sehr stark sein, um einen weit entfernten Ort zu erreichen, denn während er sich durch die Luft verbreitet, verliert er an Lautstärke. Nach Jahren werden die Menschen ihre inneren Fähigkeiten so weit entfaltet haben, dass irgendwo gesprochene oder gesungene Laute durch den Äther auf große Entfernungen übertragen und von den Menschen aufgenommen werden können. Der Schall wird ungehindert die Luft durchdringen. Wenn ihr beispielsweise in Varna singt, so wird man eure Stimme überall vernehmen können. Ihr werdet also den Wärme-Äther studieren, der mit der Liebe in Zusammenhang steht. Ihr werdet das Licht oder den Lichtäther studieren, der mit dem Glaube und der Weisheit in Verbindung steht. Ihr werdet euch mit dem chemischen Äther befassen – den Willensprozessen der menschlichen Seele, dem Wasser. Die alten Alchemisten und Okkultisten führten folgende Einteilung ein: Die Erde, das ist das Leben; das Wasser ist mit den chemischen Prozessen verbunden; das Licht ist Symbol für Luft und Wärme, für Feuer. Man muss diese Elemente – Erde, Wasser, Luft, Feuer, Licht und Wärme beherrschen. Der Mensch muss selbst Feuer entfachen können. Ist dein Herz von innen kalt, dann solltest du in der Lage sein es selber zu erwärmen und nicht auf Wärme von außen warten. Darauf werdet ihr erwidern: Gott soll es tun! Das ist ja Gott, der in uns wirkt! Er kann alles allein machen, aber er will uns dazu bringen, dass wir selbst auf uns einwirken. Er will, dass wir lieben lernen. Somit studiert ihr eine großartige Kunst. Wenn ihr Feuer habt und damit umgehen könnt, dann könnt ihr euch auch in die Hölle begeben. Ein Mensch, der über das Wasser nicht walten kann, ein Mensch, der über die Luft nicht walten kann, ein Mensch, der über das Licht und die Wärme nicht walten kann, der kann gar nichts. Das alles sind Möglichkeiten, die den Menschen als solchen betreffen. Wenn er sie aber nicht benutzt, dann vollbringt er soviel wie ein Fisch. Der lebt im Wasser ohne es zu beherrschen. Solch ein Mensch schafft so viel wie ein Maulwurf. Der lebt unter der Erde, hat aber keine Macht über sie. Und die Vögel, was haben sie vollbracht? Sie leben in der Luft, aber sie haben keine Macht über sie und damit haben sie auch noch nichts erreicht. Sie sind ohne Kultur. Und wenn wir jene betrachten, die sich mit dem Feuer beschäftigen, sehen wir, dass sie es ebenfalls nicht beherrschen. Im Gegenteil – sie sind große Brandstifter: Zum Beispiel setzen sie ein Haus in Brand oder entzünden eine Bombe, die zu einem großen Erdbeben führt, und suchen schließlich das Weite. Unsere Häuser werden zerstört, wir leiden, sie aber lachen sich eins und feiern. Deshalb solltet ihr diese Kräfte erforschen, doch Vorsicht, es besteht die Gefahr, dass ihr nicht in der Lage sein werdet, die euch enthüllten Geheimnisse vernünftig anzuwenden. Ich sage euch: Wenn ihr einen Menschen antrefft, lenkt eure Aufmerksamkeit nicht auf seine Schwächen, sondern auf seine Tugenden. Ihr dagegen sagt: "Ich hielt dich für einen Freund, aber du hast diese und diese Schwächen." Um aber einen Menschen verstehen zu können, sollten wir uns auf seine Tugenden konzentrieren, weil die negativen Seiten eines guten Menschen nur ein Schatten seines Lebens sind. Nur ein wirklich guter Mensch kann Schatten in seinem Leben werfen, nur er kann das Schlechte offenbaren. Gehen die Wölfe etwa zu einem Schäfer, der keine Schafe hat? Wo es Schafe gibt, dort gibt es auch Wölfe und Bären. Vermehren sich auf einem Verstorbenen etwa Läuse? Hat jemand Läuse oder Flöhe, so wisset- dieser Mensch lebt. Wo lassen sich die Läuse nieder? Bei den Lebendigen. Ich sage euch: Euer Charakter muss so edel werden und euer Herz so offen, dass jeder, dem ihr begegnet, spüren kann, wie Leben und Frische aus euch strömt. Innere Fülle und Güte sollen mühelos in euch walten, eure Handlungen sollen natürlich und göttlich sein. Ihr müsst eurem Wesen nach gut sein, völlig unbeabsichtigt. Selbst wenn ihr es wolltet, könntet ihr doch nicht anders als gut sein. Und wenn ihr keine gute Tat vollbringen wollt, so könnt ihr doch nicht anders handeln. Solche Menschen nenne ich gut. Das Wichtigste für euch ist etwas von diesem Ausflug zum Mussala mit nach Hause zu nehmen. Was wird euch von diesem Tag in Erinnerung bleiben? Werdet ihr euch an den Ausflug erinnern, wenn ihr 60-70 Jahre alt seid? Darauf könntet ihr erwidern: "Lasst uns jetzt in Ruhe, was hat das mit unseren grauen Haaren zu tun?" Doch wo bleibt dann euer Glaube? Ihr dürft nicht älter werden, ganz im Gegenteil, ihr müsst von Tag zu Tag jünger werden. Ihr dürft nicht sterben, sondern müsst jeden Tag neu auferstehen. Ständig sollt ihr in Freude leben! Und wenn ihr ins Jenseits kommt, dann besteigt ihr auch dort den Gipfel Mussala, nur dass ihr ihn dort in einer anderen Form sehen werdet. Wichtig ist, dass wir diesen Ausflug machen, weil wir gewisse Aufgaben auf der Erde haben, die gelöst werden müssen. Jedes Besteigen des Mussala gibt uns einen Impuls. Hier stehen wir auf der höchsten Position und keiner kann uns aufhalten. Unser Elan ist so groß, dass wir von jedem beliebigen Punkt aus diese Position erreichen können. Wir befinden uns auf einer Höhe, wo die schwarze Loge machtlos ist, sie kann uns nichts antun und wir können überall unseren Weg bahnen. Wären wir aber zurückgegangen, ohne den Gipfel zu besteigen, dann hätten wir diese Position aufgeben müssen wie Kuropatkin[2] und wie die Deutschen bei der Blockade in Verdun[3]. Jeder von uns muss Elan haben! Ihr alle habt einen Fehler – euch fehlt der Schwung! Ein Ideal müsst ihr haben! Lässt man sich von der geringsten Schwierigkeit aufhalten, dann hat man keinen Elan, es fehlt einem der Schwung. Wenn man aber Schwungkraft hat, dann ist man wie die Vögel – man kommt und geht. Mit Schwung und Ideal kann einen selbst der Teufel nicht aufhalten. Das hohe Ideal – der Drang nach Gott – bringt also Wärme mit sich. Wie ihr seht, herrscht selbst hier auf dem Berg Mussala, in dieser Höhe von 2927 m, eine Temperatur von 22 Grad. Wofür spricht diese Wärme rein physisch gesehen? Beim Addieren von 2 und 2 bekommen wir die Zahl 4 – die stärkste Zahl am höchsten Ort! Das Feuer dieser Energien und Kräfte wirken in einem Quadrat. Alles was dort hineingerät wird zerstört. Hier haben wir es also mit dem Quadrat des Lebens zu tun. Bei einer Temperatur von 22 Grad ist das Leben imstande alle möglichen Hindernisse auf seinem Weg zu vernichten. Auch die hiesige Natur zeugt davon, denn alles auf dem Mussala ist zerstört. Diese Zahl entspricht also dem Gipfel. Das hebräische Alphabet enthält ebenfalls 22 Buchstaben. Die Juden deuten ihre ganze Philosophie nach der Kabbala. Nun also: Alle selbständigen Einheiten leben für die Gesamteinheit. Diese Gesamteinheit ist Gott, mit dem wir alle in Verbindung stehen. Alle unsere Ideen werden von ihr korrigiert. An Gott denken wir immer, aber er ist uns nicht bewusst. Das muss auch nicht sein. Doch in uns ist eine heilige Idee lebendig. Wenn wir an einem bestimmten Punkt angelangt sind, korrigieren wir unsere Fehler immer dank dieser Idee. Was da unsere Fehler korrigiert, das ist Gott. Er sagt zu einem: " Mach das nicht!" und man akzeptiert es frohen Herzens. Ein anderes Mal sagt er: "Lehne das nicht ab!" und man akzeptiert es wiederum. Jeder wird von Gott korrigiert. Manchmal weint man bis Gott zu einem kommt – er schaut uns an, nimmt uns bei der Hand und im Nu sind wir von allen unseren Qualen befreit. Wir werden jetzt nicht von euren Schwierigkeiten sprechen – sie sind ein Segen für euch. Und damit ihr wisst: Ihr werdet sie ertragen müssen, denn von euren Leiden werden wir euch nicht befreien. Damit würden wir euch nur das größte Übel zufügen. Wir geben euch das Wissen und die Möglichkeiten, diese Schwierigkeiten zum Guten zu wenden. Gerade in den Hindernissen steckt euer ganzer Reichtum. Jemand meint: Würde mich doch der Herrgott von diesen Leiden befreien! So darf man das nicht sagen. Richtet folgende Bitte an ihn: "Gott, gib mir Wissen, damit ich die Schwierigkeiten meines Lebens bewältigen kann!" Ihr habt spezifische Schwierigkeiten, die ihr mit niemandem teilen könnt. Ein Arzt ist vonnöten! Wenn du ein Händler bist, der bankrott ist, und davon einem anderen Händler, deinem Konkurrenten erzählst, dann bist du verloren. Red?st du aber mit einem Freund darüber, der dich liebt und sich in deine Lage versetzten kann, dann bekommst du einen Rat mit dessen Hilfe du aus der Sackgasse herausfindest. Schon in der Schrift steht: "Deine Last bürde nur dem Herrgott auf!" Man kann seine Last nur jemandem aufbürden, der einen liebt oder den man liebt. Liebst du ihn, dann nimmt er deine Last entgegen, sobald du mit ihm in Verbindung getreten bist. Doch wenn du ihn nicht liebst und er dich auch nicht, so wird er sich deine Last nicht aufbürden. Der Nebel um uns zeigt, dass die Welt dieses Jahr große Schwierigkeiten überwinden muss. Die Weltmenschen werden von einem sehr dichten Nebel umhüllt sein, mit dem sie fertig werden müssen, und zwar das ganze Jahr über. Am höchsten Ort aber, auf dem Mussala, wird es Wärme und viel Kraft geben. Im Nebel verstecken sich Kräfte. Was auch auf euch zukommen sollte – habt keine Angst! Seid tapfer und entschlossen. Ihr seid Träger einer heiligen Idee. Selbst wenn man euch zehnmal ins Feuer wirft, fürchtet euch nicht, ihr werdet nicht verbrennen. Wie Daniel werdet ihr sein, den man in die Löwengrube warf. Haben ihn die Löwen gefressen? Wie die drei Jünglinge werdet ihr sein, die in den Glutofen geworfen wurden. Verbrannten sie etwa? Wie Christus am Kreuz werdet ihr sein. Starb er etwa? Blieb er im Grab? Wie viele Heilige hat man vergraben und später waren sie nicht mehr aufzufinden. Weder die Erde kann sie halten, noch ein Gefängnis. Ein Engländer war mit der Universellen Weißen Bruderschaft und dem Wissen der indischen Jogis vertraut, aber der englischen Regierung ein Dorn im Auge. Deshalb wurde er in Indien eingesperrt und Wächter wurden aufgestellt, um ihn zu bewachen. Als man am Morgen ins Gefängnis ging, entdeckte man, dass er verschwunden war. Ein zweites Mal wurde er gefangen und eingesperrt. Diesmal bewachten ihn zehn Leute, aber er verschwand wieder. Schließlich schrieb er ihnen folgenden Brief: "Ihr seid nicht in der Lage mich einzusperren. Lasst mich in Ruhe und geht eurer Wege! Ich bin nicht gegen die Gesetze, aber auch ich habe gewisse Rechte und deswegen lasst mich meiner Wege gehen. Denkt nicht, ihr könntet mich einsperren." In diesem Glauben ist die Kraft dieses Menschen. Dasselbe könnte auch mit euch geschehen, aber Glaube wird verlangt. Man kann euch so oft man will einsperren, Gott aber wird euch aus dem Gefängnis befreien. Das ist ja das Schöne in der Welt! Hätte doch jemand von euch diese Erfahrung gemacht: mit zehn Wächter um sich herum eingesperrt zu sein und trotzdem freizukommen, Herr seiner Lage zu sein. Auch ihr habt Glauben, aber es fehlt noch viel, um ihn zu festigen! Ihr besitzt Wissen, aber wie viel müsst ihr noch erlangen! Ihr habt Tugenden, aber an ihnen muss noch viel gearbeitet werden. Eure Weisheit, eure Rechtschaffenheit, euer Erbarmen müssen und können verstärkt werden. Ihr habt die besten Bedingungen all diese Tugenden weiterzuentwickeln. Nun rede ich nicht über irgendeine Philosophie, weil man so etwas auf dem Mussala nicht behandeln kann, sondern ich gebe denjenigen, die mir jetzt zuhören, praktische Anweisungen. Mussala ist nur ein Platz, wo man Erfahrungen sammelt. Ich lasse euch jetzt mindestens eine Stunde auf dem Gipfel, damit ihr euch hinlegt, denn in dieser Zeit lernt ihr dreimal mehr, als wenn ich euch einen Vortrag halten würde. Das Erste was ihr tun müsst, wenn ihr vom Berg herunterkommt, ist Folgendes: Denkt intensiv an Gott und sprecht aus: "O, Herr, da wir diesen Weg gehen und dir dienen wollen, so schicke uns etwas Wärme, damit wir sie fühlen! Ich bin bereit meine Leiden zu ertragen, aber gib mir ein bisschen Wärme, damit ich sie fühle!" Verlangt nicht große Dinge von Gott! Ihr wollt immer viel von Gott und verliert dabei auch das Wenige, nach dem ihr verlangen müsstet. Wenn dieses bisschen Wärme kommt, wird sie Neues in euer Leben bringen. Das Gesetz lautet: Willst du etwas von Gott, so verlange nach ein bisschen Wärme! Das ist die erste Erfahrung, die erste Aufgabe. Nachdem du die Wärme gespürt hast, sage: " Herr, gib mir ein wenig Licht, damit ich es fühle!" Und sobald du das ausgesprochen hast, wird in deinem Verstand ein Lichtlein aufleuchten. In der Mitte deines Gehirns wirst du das weißliche Licht bemerken. Klein wie ein Stecknadelkopf wird es sein. Somit habt ihr zwei Möglichkeiten: die Wärme und das Licht. Erst dann beginnt mit dem Leben. Die Wärme wirkt auf das Leben ein und das Licht auf die Chemie und Religion. Dann werdet ihr kühn und entschlossen werden. Also müsst ihr früh nach dem Aufstehen zwei Dinge von Gott verlangen. Nachdem ihr die eine, zweite, dritte Methode angewandt habt und schließlich vor einem Problem steht, sagt: " Gott, gib mir ein wenig Wärme, gib mir das kleine Licht!" Sobald ihr sie gespürt habt, sprecht aus: "Herr, alles geschehe zu deiner Verherrlichung!" Kommen erneut Leiden und Schwierigkeiten, sagt nochmals: "Herr, alles geschehe zu deiner Verherrlichung!" Zu allem, was in eurem Leben passiert, sagt: "Gelobt sei Gott!" Das wird euer Gewinn vom Mussala sein. Und wenn man euch fragt, was ich euch auf dem Gipfel gesagt habe, antwortet: Alles geschehe zur Verherrlichung Gottes! Das ist die Zusammenfassung von allem, was ich euch auf dem Mussala gesagt habe: " Alles geschehe zur Verherrlichung Gottes!" Wir lernen jetzt von der geringsten Wärme, die in uns existiert, und von dem kleinsten Licht, das sich in uns äußern kann. Wärme und Licht! Das ganze Jahr über achtet auf Folgendes: Alles geschieht zur Verherrlichung Gottes! Wenn wir nächstes Jahr wieder hier sind, werde ich euch sagen: Los, zeigt mir euer bisschen Wärme und euer kleines Lichtlein! Jetzt machen wir eine Übung. Stellt euch in einem Abstand von mindestens einem Meter voneinander auf, wendet euch nach Süden und sprecht die Formel aus: "Möge in der Welt die Tugend regieren und sich alle schlechten Gedanken zerstreuen!" Dann wendet euch nach Osten und sagt Folgendes: "Möge in der Welt die Gerechtigkeit Gottes regieren und jedes Unrecht aus unserem Leben verschwinden!" Wendet euch jetzt nach Norden und sprecht die Formel aus: "Möge die Wahrheit Gottes in unserem Leben regieren und jedes Joch aus unserer Seele verschwinden!" Und jetzt wendet euch nach Westen und sagt die Formel: "Möge die Weisheit Gottes in allen Taten unseres Lebens regieren und das Unheil aus unserem Weg verschwinden!" Wendet euch wieder nach Osten und sprecht Folgendes aus: "Möge Gott über alles walten und gelobt sei sein Name in all seiner Liebe, Weisheit und Wahrheit!" "Möge Gott in seiner Liebe, in seiner Weisheit und in seiner Wahrheit regieren!" "Und mögen wir alles zur Verherrlichung Gottes auf Erden vollenden!" Amen! Sonntagsvortrag – VIII. Serie, gehalten vom Meister am 11. Juli 1925
  7. Das Erwachen der Menschenseele Kapitel 14 aus dem Johannes-Evangelium lesen. Die Menschenseele zu erwecken, heisst, sie der Güter bewusst zu machen, welche ihr gegeben wurden, und sie zu umfassen. In der Welt, in der ihr lebt, gibt es bestimmte Illusionen, unwichtige Dinge genannt. Trotzdem beginnen alle mit dem Unwichtigen. Zum Beispiel sehen abends viele Dinge furchterregender aus, als sie in Wirklichkeit sind. Warum? Weil es dann weniger Licht gibt. Daraus ziehe ich die Schlussfolgerung: Wichtige Dinge sind jene, welche sich im Licht ereignen, aber unwichtige sind jene, welche sich in der Dunkelheit ereignen. Du begegnest einem Menschen, der dich sonderbar anschaut. Du denkst: Warum schaut mich dieser Mensch so an? Was will er damit sagen? Nichts will er sagen. Das Gesicht dieses Menschen ist sonderbar. Wenn du die Masken siehst, die zu einem Maskenball verkauft werden, haben einige davon weit aufgerissene Augen, andere einen verschleierten Blick, dritte sehen böse aus. Wie ihr seht, gibt es auch im Leben unterschiedliche Gesichter. Warum reißt dieser Mensch seine Augen so weit auf? – Das ist eine Maske, eine Illusion, es ist keine Realität. Irgendein Maler hat die Maske gemalt. Für dich ist es wichtig, wachsam zu sein, wenn der Maler die Maske bringt, um zu verstehen, ob das, was du siehst, Wirklichkeit ist oder eine Illusion. Beim Erwachen soll die Seele die Dinge nicht unter ihrem Standpunkt betrachten, sondern vom Standpunkt Gottes oder des Geistes Gottes aus. Nur auf diese Weise wird sie sich richtig entwickeln. Die Seele stellt ein kleines Universum dar, mit unzähligen Schätzen, mit unzähligen Begabungen und Fähigkeiten. Ihr werdet sagen, dass die Seele ein kleines Universum ist. Ja, ein kleines Universum mit großen Schätzen. Es ist eine Kunst, diese Schätze nicht zu verzehren, sondern sie zu bearbeiten. Ihr wollt glücklich sein. Jedem kann ich berechnen, wie lange er glücklich sein wird. Das Glück eines Menschen kann ein Jahr lang dauern, das eines anderen eine Stunde, eines dritten einen Tag, eine Woche oder einen Monat. Nur wenige können ein ganzes Jahr lang glücklich sein. Zum Beispiel, du magst Früchte, du willst dich nur von Kirschen ernähren, du bevorzugst sie. Du sagst: Solange es Kirschen gibt, bin ich glücklich. Wie lange wirst du glücklich sein? Solange du Kirschen hast. Nachdem sie überreif geworden sind, ist dein Glück zu Ende. Eine Sängerin bereitet sich auf ihren Bühnenauftritt vor und denkt, dass alle sie bewundern werden. Sie lebt in einer Scheinwelt. Steht sie dann auf der Bühne, sieht sie, dass es nicht so ist. Also gibt es zwischen der wirklichen Welt und der Scheinwelt einen großen Unterschied. In der Scheinwelt gibt es keine Schwierigkeiten. Dort ordnen sich die Dinge leicht, ohne Schwierigkeiten. Einmal bildest du dir ein, dass du einen großen Garten von zehn Hektar gekauft hast. Du stellst dir vor, wie du ihn bearbeiten, schöne Obstbäume und duftende Blumen pflanzen wirst. Du siehst, wie sie wachsen, blühen und die Früchte reif werden. Du pflückst das Obst und verkaufst es. Bald bist du ein reicher, allen bekannter Mensch. Leicht wirst du ein reicher und angesehener Mensch. Ohne Mühe, nur mit der Kraft deiner Einbildung, erreichst du alles. Wenn du jedoch nur in deiner Einbildung lebst, wirst du jenem jungen Zigeuner ähnlich sein, der Milch in die Häuser getragen hat. Er träumte Folgendes: Wenn ich die ganze Milch verkaufe, kaufe ich mir ein Huhn, damit es mir Eier legt. Ich werde solange Eier verkaufen, bis ich das Geld für ein Schaf oder eine Ziege verdient habe. Dann verkaufe ich die Schafsmilch und eines Tages verkaufe ich auch das Schaf. Mit dem verdienten Geld werde ich mir eine Kuh kaufen. Derart stellte er sich vor, wie er reich und schließlich Millionär werde. Zuletzt sagte er sich: Als Millionär werde ich der Königstochter einen Heiratsantrag machen. In zwei, drei Jahren wird sie ein schönes Kind zur Welt bringen. Begeistert von seinen Träumen sprang er vor Freude auf, dabei fiel der Becher mit der Milch hinab und die Milch lief aus. Mit der Milch sind auch seine Träume zerplatzt. Wenn ihr diese Anekdote hört, lacht ihr. Ihr seid dieser junger Zigeuner. In dieser Anekdote ist die Milch wichtig und nicht das Kind, das in Zukunft geboren wird. In der Einbildung vollziehen sich die Dinge leicht, aber wenn es um ihre Verwirklichung geht, ist es schwierig. Bis du etwas erreicht hast, werden deine Hände mit Schwielen bedeckt sein. Aber was du dabei errungen hast, wird fester und sicherer sein als das, wovon du nur geträumt hast. Damals wie heute leben die Menschen mit ihren Illusionen. Man muss sich von den Irrtümern seines Verstandes und seines Herzens befreien und man muss seine Wünsche verwirklichen. Die physische Welt ist ein Feld zur Verwirklichung der Göttlichen Welt. Der Makrokosmos ist die Göttliche Welt, welche im Mikrokosmos realisiert werden soll, d.h. in der physischen Welt. Wie die Fotografie das Bild verkleinert wiedergibt, so ist auch die physische Welt nichts anderes als das verkleinerte Abbild der göttlichen Welt. Manchmal sind die Illusionen genauso notwendig wie die wirklichen Dinge. Was nützt es, alles zu wissen, was passieren wird? Du liebst deinen Freund, du hast Vertrauen zu ihm und idealisierst ihn. Eines Tages wirst du ihm gegenüber misstrauisch und bist von der Freundschaft enttäuscht, aber du bist wenigstens in die Realität zurückgekehrt. In welchem Fall warst du glücklicher, als du zu deinem Freund Vertrauen hattest, oder als du enttäuscht wurdest? Du hast einen Sohn oder eine Tochter, in die du große Hoffnungen setzt. Eines Tages wirst du ihr gegenüber misstrauisch. Der Zweifel an deinem Nächsten ist Zweifel an Gott und umgekehrt. Der Zweifel an Gott ist Zweifel an uns selbst. Das Menschenleben steht noch nicht auf festem Boden. Der Grund für die Enttäuschung ist nicht äußerlich. Du willst besser leben als dein Nächster. Du willst im Vergleich zu mir ein reineres, tugendhafteres Leben führen. Ist das recht? Wenn du gut lebst, sollst du dasselbe auch den anderen wünschen. Sonst wirst du enttäuscht sein, du wirst leiden und dich quälen. Stelle ich hohe Ansprüche an mich, so sollte ich mich genauso auch den anderen gegenüber verhalten. Bin ich nachsichtig mit mir und den anderen gegenüber anspruchsvoll, dann ist das nicht in Ordnung. In diesem Fall legst du zwei Maßstäbe an. Du sollst aber nur einen Maßstab anwenden und dank dieses Maßes wirst du verstehen, was recht ist und was nicht, was Fehler ist und was Tugend. Unsere Fehler und unsere Tugenden sind vor Gott nicht so, wie wir sie bestimmen. Wie können wir das beweisen? Man hat festgestellt, dass wenn sich die materiellen Angelegenheiten eines Menschen verbessern, seine geistigen Angelegenheiten durcheinandergeraten. In der Tat gehen die materiellen Angelegenheiten der meisten Händler gut, aber seht mal, was sie in der geistigen Welt darstellen. Der arme Mensch hat kein Geld, kein Haus, aber er unterhält sich mit Gott und den Engeln. Er ist arm, jedoch sein Herz ist voller edler Gefühle und heller Gedanken. Also, ihr sollt über ein richtiges Verständnis der Dinge verfügen. Solange ihr nicht zu einem neuen Verständnis des Lebens gelangt, werdet ihr immer in Verblendung leben. Es ist nicht leicht, sich von den Irrtümern zu befreien. Man muss die Auswege kennen. Wenn ihr sie nicht kennt, ist es so, als wäret ihr in einem Labyrinth, aus dem euch keiner herausbringen kann. Der Mensch muss den Ausweg im Leben kennen. Wie oft schon geriet sein Leben durcheinander! Für nichts und wieder nichts verzanken sich zwei Schwestern, sie können sich nicht leiden, sie können sich nicht einigen. Danach suchen sie nach dem Weg, wie ihre früheren Beziehungen wieder herzustellen sind, wie die Liebe, die vormals zwischen ihnen herrschte, zurückzubringen ist. Welches ist die Ursache dafür? Der Mensch hat sich nicht erkannt. Er lebt gleichzeitig in den drei Welten und stößt deswegen auf verschiedene Gedanken, Gefühle und Taten und er kann sie nicht in Einklang bringen, d. h. Harmonisieren. Falls er nur mit seinem physischen Verstand vorgeht, kann er die geistigen und die göttlichen Dinge nicht verstehen, und wenn er nur mit dem physischen Herzen vorgeht, kann er die göttlichen und die geistigen Arbeiten auch nicht verstehen. Wenn du die göttlichen Dinge mit deinem Verstand nicht verstehen kannst, wozu hast du diesen Verstand? Du musst deinem physischen Verstand den Verstand Christi hinzufügen, um die göttliche Welt zu verstehen. Eine komplizierte Angelegenheit ist das! - Wie werden wir uns mit dem ersten, zweiten und dritten Verstand zurechtfinden? Wir schaffen es nicht mit einem Verstand, wie schaffen wir es dann mit dreien? Der physische Verstand ist in uns, der göttliche über uns. Wir müssen uns an ihn halten. Beginnt mit dem göttlichen Verstand, die übrigen sind seine Hilfsmittel. Dasselbe gilt auch für das Herz. Von ihm wird in der Heiligen Schrift gesprochen. Es heißt, das Menschenherz sei steinern. In der Schrift steht geschrieben: „Ich werde ihm das steinerne Herz nehmen und ihm eines aus Fleisch geben.“ Mit anderen Worten: Ich nehme ihm das menschliche Herz und gebe ihm ein Göttliches. Jemand hat ein steinernes Herz, ihr sollt ihm deswegen nicht böse sein. Wie willst du mit solch einem Herzen die Welt verstehen? Das steinerne Herz kann den Menschen nicht glücklich machen. Es ist kalt, kühl, mit dickem Schnee und Eis bedeckt. Ein ganzer Friedhof, mit Knochen bedeckt. Wie könntest du bei einem solchen Herzenszustand glücklich sein? Man wird dem Menschen dieses Herz wegnehmen und ihm ein neues geben. Kehren wir jedoch zur praktischen Seite des Lebens zurück, welche ihr selbst verstehen könnt. Angenommen, du bist in Verlegenheit. Worauf ist die Verlegenheit zurückzuführen? Sie ist ein Resultat des Nichtverstehens der Gesetze und Beziehungen in der Natur. Du stehst am Ufer eines breiten, tiefen Flusses und denkst, dass du ihn leicht durchwaten kannst. Das ist Einbildung. Wenn du aber versuchst ans andere Ufer zu kommen, siehst du, dass du in Gefahr bist. Das Wasser trägt dich weiter und jeden Moment kannst du ertrinken.Wenn du zu schreien beginnst, kommt schon von irgendwoher Hilfe. lug musst du sein! Du musst am Flußufer einen großen Pfahl einrammen und daran ein langes festes Seil binden. Halte das Seilende fest und bewege dich vorsichtig im Wasser. Allmählich gehst du immer tiefer und ertastest die Tiefe des Flusses. So sondierst du den Boden. Wenn du merkst, dass es tiefer wird, gehst du zurück. In diesem Falle stellt das Seil den menschlichen Verstand dar, an dem ihr euch festhalten sollt. Der Verstand kann euch auch unter den ungünstigsten Bedingungen retten. Egal wie vielmal den Menschen von der geistigen Welt erzählt wird, sie können es schwer verstehen. Unter geistiger Welt verstehe ich die Welt der Engel. Dort geschieht alles mit magischer Kraft, mit magischer Geschwindigkeit. Es genügt, dass der Engel sein Stäbchen hochhebt, und sein Wunsch geht in Erfüllung. Wenn Gäste kommen, hebt er sofort sein Stäbchen und vor ihnen erscheint ein Tisch mit wunderbaren, schmackhaften Früchten. Die Gäste essen sich satt und gehen auseinander. Der Engel hebt wieder sein Stäbchen und der Tisch verschwindet. Wie wird eure Lage sein, wenn sich der Tisch nur mit einem Heben des Stäbchens deckt und abräumt? Ist diese Welt real? Es gibt etwas Reales und etwas Irreales, je nach eurem Verstehen. Das einzig Reale sind die Engel, mit denen ihr euch unterhalten könnt. Sie heben und senken ihr Stäbchen wirklich. In der physischen Welt ist das einzig Reale Gott, der sein Stäbchen hebt und senkt. Beim Heben des Stäbchens geht in Erfüllung, was er sich gewünscht hat. Nachdem er es abgelegt hat, verschwindet alles. Irgendeine Frau weint, sie wünscht sich ein Kindlein. Gott sagt: „Gebt dieser Frau ein Kind.“ Das Kindchen kommt zur Welt. Die Frau freut sich, wickelt es in Windeln, badet es, streichelt es, nennt es „mein Täubchen, mein Püppchen, mein Engelchen.“ Eines Tages wird es ein großes Genie werden. In ferner Zukunft kann es ein Genie werden, aber nicht jetzt. Es ist eine Puppe, mit der du spielst. Du fütterst es, ziehst es an, lehrst es, aber wenn es bekommen hat, was es braucht, stößt es dich mit den Füßen und sagt: „Ich will dich nicht mehr sehen, du hättest mich nicht zur Welt bringen sollen.“ Warum hat mir Gott so einen Sohn gegeben? Das, was du deinen Sohn nennst, ist eine lebendige Puppe, ist nicht jener wirklicher Sohn, geboren aus Geist und Wasser. Zuerst gibt Gott den Menschen lebendige Puppen, und wenn sie sich mit denen zurecht finden, gibt er ihnen Söhne und Töchter, lebendige Seelen. Wenn diese Seelen kommen, werden sie euch nicht fesseln und einschränken, ihr werdet sie nicht zweimal täglich baden wie die jetzigen Kinder. Sie werden keine kleinen und hilfslosen Kinder sein, sondern 33-jährige Jungfrauen und Jünglinge, in der vollen Blüte ihrer Entwicklung. Besteht die Notwendigkeit, diese Söhne und Töchter zu lehren? Ist es möglich, 33-jährige Jünglinge oder Jungfrauen zu gebären? Sie werden nicht von Mutter und Vater geboren, sondern vom Geist. In der Heiligen Schrift steht geschrieben: „Das vom Geist Geborene ist Geist; das von Fleisch und Blut Geborene ist Fleisch.“ Welcher Mensch ist von Gott geboren? Es steht: „Der von Gott Geborene tut keine Sünde.“ Von Gott geboren sein bedeutet, dass sich das Göttliche im Menschen offenbart. Du fragst: „Bin ich eine Puppe?” Du wirst nachdenken und dir selbst antworten. Das ist eine Philosophie, die ihr verstehen müsst. Jeder soll sich die Frage stellen: „Wurde ich vom Menschen oder von Gott geboren?” Solange du daran zweifelst, dass du von Gott geboren wurdest, bist du eine lebendige Puppe. Sobald du davon überzeugt bist, von Gott geboren zu sein, wirst du spüren, wie du dich von deiner Last befreist und wie du neues Licht und Wärme gewinnst. Was macht der Mensch, wenn er in Verlegenheit kommt? Er beginnt Unterstützung von außen zu suchen, hoffentlich kommt da jemand ihn zu trösten, ihm die Wahrheit zu sagen. Es kann sich ein solcher Mensch finden, aber du sollst die Wahrheit verstehen. Du sagst: „Wie werde ich die Wahrheit verstehen, wenn sie sich ständig ändert?” Ich spreche von der ewigen, beständigen Wahrheit. Es ändern sich nur die vergänglichen, die vorübergehenden Dinge. Von Gott sagt man, er sei ewig und beständig. Das, was sich ändert, ist die sichtbare Realität; das, was ewig und beständig ist, ist das Wesentliche, d.h., die unsichtbare Realität. Auch im Menschen gibt es Dinge, welche sich nicht ändern. Sie deuten darauf hin, dass er von Gott herstammt. Das Unbeständige und das Beständige stellen die zwei Phasen des Lebens dar, d.h. Die beiden Realitäten. Ihr werdet entgegnen, dass sei Philosophie. Ja, Philosophie, aber sie gibt den Menschen die Möglichkeit, das Wesentliche im Leben zu erkennen. Stößt der Mensch auf Widersprüche, dann sagt er: „Bin ich nun eine Puppe oder eine lebendige Seele?” Wenn man dir jeden Tag verschiedene Ideen einprägt, dich hin und her schickt, wie man es für gut hält, bist du dann nicht eine Puppe? Heute bist du Sozialist, morgen Kommunist; heute bist du Vater, morgen Mutter; heute bist du Bruder, morgen Schwester; heute bist du Lehrer, morgen Schauspieler. Falls du dich jeden Tag von verschiedenen Sachen ablenken lässt, bist du dann keine Puppe? Du hast ein Buch geschrieben, in dem du Gott verneinst. Denkst du, mit deinen Argumenten die Menschen davon überzeugen zu können? Denkst du mit dem Wissen, das du besitzt, die Welt verbessern zu können? Das ist doch ein Vergnügen. Ich kann auf andere Weise beweisen, ob Gott existiert oder nicht. Ohne ein Buch schreiben zu müssen, kann ich beweisen, dass Gott existiert. Du bist ein Ungläubiger, der herumphilosophiert, und willst die Menschen davon überzeugen, dass es keinen Gott gibt. Eines Tages machst du dich auf den Weg und wirst im Wald von der Dunkelheit überrascht. Die Nacht ist dunkel, kalt. Du hast kein Brot und findest kein Obdach. Ich lebe im Wald, wo ich die Zeit mit Arbeit und Nachdenken verbringe. Du gehst an meiner Hütte vorbei und sagst: „Enschuldigen Sie bitte, darf ich reinkommen, um mich zu wärmen?” Ich öffne die Tür und nehme dich freundlich auf. Ich zünde Feuer an, ich mache Wasser warm. Ich gestatte dir deine Füße zu waschen und dich aufzuwärmen. Ich gebe dir warme Kleider anzuziehen. Danach setzen wir uns an den Tisch und essen uns satt. Nachdem du gegessen und dich erholt hast, beginnen wir uns zu unterhalten. Ich frage dich: „Glaubst du jetzt, dass ich dich bewirtet habe?” – „Ich glaube es nicht. Beweise es.“ – „Wenn ich dich verprügele, wirst du glauben, dass ich dich verprügelt habe?“ – „Ich werde es wieder nicht glauben.“ – „Wenn ich dich noch ein paarmal schlage, wirst du dann glauben, dass ich dich verprügelt habe?“ Folglich: Solange die Menschen in der Fülle der Güter leben, glauben sie nicht an die Existenz Gottes. Dann sagt Gott: „Schlagt diesen Menschen ein paarmal mit dem Stock.“ Nachdem er eine Tracht Prügel mit dem Stock bekommen hat, sagt er: „Ich habe etwas Schreckliches erlebt! Ich habe die Realität der Dinge verstanden.“ Also dieser Mensch beginnt auf eine negative Art an Gott zu glauben. Das ist die falsche Methode. Die gegenwärtigen Menschen treten allmählich in eine neue Lebensphase ein und beginnen die Äußerungen der göttlichen Liebe zu verstehen. Was fordert die Liebe? Sie fordert von jedem Menschen zu lieben, ohne zu erwarten geliebt zu werden; Gott zu lieben, ohne etwas von ihm zu erwarten. Du musst von Gott wollen, dass er in dir lebt und durch dich seine Liebe äußert. Falls du nichts von Gott willst, so gibt er dir auch nichts. Es soll dein Wunsch sein, dich an Gott zu wenden. Der Einzige, der die Menschen verändert, ist Gott. Egal, welcher Wandel in dir geschehen ist, sage nicht, Gott habe dies gemacht. Das ist nicht zu beweisen. Darüber kann man nur schweigen. Dass Gott in mir lebt, darüber rede ich auch nicht. Jeder soll sich selbst von der Wahrheit überzeugen. Falls Gott in mir lebt, werden auch die Menschen in meiner Nähe meine Liebe wahrnehmen. Sie ist in solcher Fülle, dass immer ein Überfluss bleibt. Trink aus dem Wasser meiner Quelle so viel du willst. Iss dich satt an den Früchten meines Gartens. Was du brauchst, findest du bei mir. Sichere dich nicht für den morgigen Tag ab. Ich habe alles. Komm zu mir, um deine Bedürfnisse zu befriedigen. Christus sagt zu seinen Schülern: „Vertraut auf Gott und vertraut auf mich.” Das heißt: Glaubt an das Absolute, welches sich nicht verändert. Glaubt an mich, der die Ursache für die Veränderung der Dinge erklärt. Heute macht man Versuche, die Gründe für die Widersprüche in der Wissenschaft und der Philosophie zu erklären. Die Wissenschaft ist die eine Seite der Realität und die Philosophie die andere. Deshalb sind sie bestrebt das Absolute, das Metaphysische, das Unveränderliche zu erklären. Das Ziel der Wissenschaft und der Philosophie besteht darin, die Realität zu erkennen und sie anzuwenden. Eine der Aufgaben des Schülers ist es, Gott zu prüfen und zu erkennen. Welche Versuche ihr auch macht, ihr werdet ihm gegenüber immer misstrauisch sein. Man sagt dir: „Halte dich heute auf der Strasse auf und warte dort. Um zehn Uhr vormittags wird ein Herr vorbeikommen.“ Ihr werdet euch an dem bestimmten Platz aufhalten und warten. Ihr kennt ihn nicht, aber ihr werdet von ihm erwarten, dass er kommt, um euch zu helfen. Was passiert mit euch? Ihr nehmt von Zeit zu Zeit eure Uhr heraus und schaut, wann es zehn Uhr wird, um euch mit diesem Menschen zu treffen. Aber zwischen eurer Uhr und jener des Herrn, den ihr erwartet, gibt es einen Unterschied. Seine Uhr geht ungefähr eine halbe Stunde nach. Ohne es zu wollen, wird er sich verspäten. Ihr macht euch Sorgen und denkt: Unser Treffen hat nicht stattgefunden. Ginge die Uhr richtig, wäre er niemals zu spät gekommen. Er ist pünktlich, er kommt zum vereinbarten Zeitpunkt. Dass die Uhr nicht richtig geht, ist nicht seine Schuld. Solange ihr innerlich unruhig seid, in eurem Verstand, in eurem Herzen, in eurer Seele, kommt er nicht. Überhaupt, je mehr man sich Sorgen macht und zweifelt, desto größer ist der Abstand zwischen dem Menschen und seinem Nächsten. Sobald sich euer Herz beruhigt hat und euer Verstand stabil geworden ist, ist er in der Nähe und bald trefft ihr euch. Es gibt Momente im Leben, da leuchtet im Menschen eine innerliche Freude auf. Man erträgt alle Widersprüche und sagt: „Ich bin zu jeder Arbeit bereit. Ich bin zu allem bereit.“ Sobald du sagst, dass du bereit bist alles zu tun, was Gott von dir verlangt, dann stehst du auf der richtigen Seite, du bist in der Realität des Lebens. In dem Moment kommt jener, den du erwartest. Er wird dir die Hacke bringen, die erste Lektion erteilen. Du wirst eine große innere Freude empfinden, dass du deinen Meister gefunden hast. Er spricht zu dir vom neuen Leben und von seinem inneren Sinn. Derjenige, welcher seinen Meister gefunden hat, hat auch die Freude und den Sinn des Lebens erkannt. Jede Tür ist für ihn geöffnet. Es ist unmöglich, dass die Menschen dich hassen, wenn Gott in dir lebt. Dort, wo Gott eintritt, wird man ihn entweder annehmen oder vor ihm fliehen – nur eines von beiden. Das ist ein Gesetz. Warum müssen die Menschen vor Gott fliehen? Weil er sagt: Keiner soll auf meinem Weg verharren. Wer abseits stehen will, ist frei seinen eigenen Weg zu gehen. Etwas will ich für euch tun: den lebendigen Glauben in euren Verstand hineinbringen. Dadurch kann jeder prüfen, ob es Gott gibt oder nicht. Das ist eine Frage des Bewusstseins. Die Bedingungen, unter welchen sich der gegenwärtige Mensch entwickelt, verlangen einen absoluten Glauben an Jenen, welcher sich nicht verändert oder sich scheinbar verändert. Warum ist dieser Glaube nötig? Wenn du an Gott glaubst, glaubst du auch an dich selbst. Der Glaube an Gott und an euch selbst bringt euch hin bis an die Grenze des Reiches Gottes. Wenn du an dieser Grenze stehen bleibst und dich fragst, ob du eintreten sollst oder nicht, bist du schon gescheitert. Es ist der Zweifel, welcher den Menschen hindert. Die göttliche Welt schließt jeden Zweifel und jegliches Schwanken aus. Du musst dir bestimmt und kategorisch sagen: „Ich trete ein in das Reich Gottes.“ Du brichst sofort die Beziehungen zur Welt ab, du schließt die Puppen, das Erbe deiner Kindheit, in den Schrank ein und denkst nicht mehr an sie. Vor dir breitet sich eine neue schöne Welt aus. Ohne zu zweifeln und ohne zu schwanken! Ihr schreitet langsam und sicher zur sechsten Rasse. Dort erwarten euch helle, engelhafte Seelen, welche kein Zweifeln und Schwanken mögen. In der Heiligen Schrift steht: „Der Zwiespältige ist unbeständig auf seinen Wegen“. Danach handeln viele Menschen. Es kommt jemand um einen Vortrag zu hören, wenn ihm jedoch etwas nicht gefällt, geht er zu den Theosophen. Was ist Theosophie ? Was gibt sie ihm? Die Theosophie stellt das Zermahlen des Weizens dar, d.h. seine Verwandlung in Grütze. Du redest vom astralen, mentalen und kausalen Körper. Hast du diese Körper je gesehen? Ich habe sie nicht gesehen, aber so steht es geschrieben. Das ist kein Wissen. Jede Lehre, die gepredigt wird, müsst ihr prüfen; sie soll den Tatsachen entsprechen. Warum steht ihr denn nicht auf einer höheren Entwicklungsstufe, falls das, was ihr predigt, wahrhaftig sein sollte? Warum habt ihr euch nicht gerettet? Warum haben es die Inder nicht auf einen höheren Stand in ihrer Entwicklung gebracht, obwohl sie so viele Lehren gepredigt haben? Warum erwarten sie einen neuen Lehrer? Demzufolge, befriedigt sie nicht, was ihnen gepredigt wird. Für sie ist das bloß ein Vergnügen. Sie erwarten wirklich etwas, was sie befriedigt und sie auf einen höheren Entwicklungsstand bringt. Die Menschen heiraten und denken dabei, eine ernste Arbeit zu verrichten. Das ist auch ein Vergnügen. Man sagt einem Mädchen: „Wir finden für dich einen ordentlichen Burschen und du wirst ihn heiraten. Er ist gut, klug, belehrt. Er hat zwei Hochschulabschlüsse“. Der Bursche sagt dem Mädchen: „Meine Familie ist reich, wir haben zwei große Gärten. Wir werden uns ein neues Haus bauen“. Er verspricht ihm lauter schöne Sachen um es zu beschwatzen. Das Mädchen hört zu, freut sich, ist zufrieden. Endlich heiraten sie, aber damit geht die Sache nicht in Ordnung. Warum? Mit Lügen geht die Sache nicht in Ordnung. Von Jahr zu Jahr wird ihr Leben immer schlechter. Dasselbe geschieht auch mit dem Gläubigen. Als Rechtgläubiger besucht er die Kirche, küsst das Kreuz und die Ikonen. Ein, zwei Jahre ist er zufrieden, aber auch seine Sachen gehen nicht in Ordnung. Ihm fehlt etwas Wesentliches – der Umgang der Seele mit Gott. Sobald du die Liebe in dich aufgenommen hast, sollst du mich nicht fragen, was ich davon halte; vertraue dir selbst. Alles, was du sprichst, soll der Wahrheit entsprechen. Wer Liebe in sich hat, handelt genauso mit den anderen, wie mit sich selbst. Er denkt an das Wohl aller. Es genügt, wenn jemand sein Heim betritt, um sich mit ihm im Namen der Liebe zu verbinden. Auch heutzutage gibt es einen Zusammenhang zwischen den Menschen; auch heutzutage entstehen zwischen ihnen Beziehungen; sie streben nach hohen Zielen, aber auch in ihnen gibt es Würmer, welche die Fäden ihres Lebens zernagen. Die Würmer sind eure Irrtümer. Befreit euch von ihnen. Wir werden den ersten Versuch machen und uns dabei an bestimmte Regeln halten. Die Regeln sind frei. Sie werden nach dem Gesetz der Liebe angewendet. Diese Regeln sind wirksam und standhaft. Außer der Liebe sind jedoch alle anderen Regeln palliativ. Auch die Schüler Christi haben ihm vertraut, aber in dem Moment, als sie zweifelten, wichen sie vom Weg ab und schufen gleichzeitg die Konzilien. Oft fragt man uns auch: Glaubt ihr an Konzilien, an Ikonen, an das Kreuz? Wir lernen jetzt zu glauben und zwar an die Liebe Gottes, welche unveränderlich ist; wir sollen auch an die Weisheit Gottes und an die Wahrheit Gottes glauben. Du wirst daran glauben und sie anwenden. Wie haben wir die Liebe zu Gott angewendet? Wie werden wir ihm danken für diesen schönen Tag, für diese schöne Aussicht? Wie werden wir Gott für das alles, was er uns gegeben hat, danken? Darin genau besteht die Liebe Gottes. Gott beobachtet uns, bewirtet uns, gibt uns alles Nötige. Gleichzeitig gibt er uns auch Hacken zum Arbeiten und er schickt uns zum Weinberg, um zu graben. Dort an der frischen Luft, statt uns auszuruhen, arbeiten wir mit Freude und Zufriedenheit. Einige sind uns nicht gut gewogen. Sie protestieren gegen uns, schmähen uns, wollen uns nicht, aber durch die Nadelbäume spricht Gott zu ihnen: „Ihr sollt diese Menschen nicht beunruhigen. Derjenige, der es wagt, sie zu beunruhigen, muss damit rechnen, dass von ihm nichts übrig bleibt. Wenn ich mein Stäbchen nur hebe, so wird von euch nichts übrig bleiben“. Gott sagt sowohl zu den Priestern, als auch zu den Bischöfen: „Was ihr wisst, behaltet es für euch selbst, aber lasst diese Menschen in Ruhe“. „Sie sind Ketzer“. „Nein, sie sind meine Kinder, ich kenne sie, lasst sie in Ruhe; sie sind die Einzigen, die auf mich hören“. Ich frage: Welche sind die geliebten Kinder Gottes - die Gesunden oder die Kranken? Solange du gesund bist, hörst du auf Gott. Wenn du krank wirst, bist du Gott nicht gehorsam. Die Welt ist ein großes Krankenhaus und Gott ist der Chefarzt dieses Krankenhauses. Er braucht gesunde Kinder. Derjenige, welcher die Regeln des Krankenhauses nicht befolgt, muss raus. Die Ärzte erlauben keine Fragen. „Meine Kinder sind gesund und brauchen nicht in der Kirche, im Krankenhaus zu bleiben“. Erstens – dort werden sie sich erkälten. Die Kirche ist für die kranken Menschen. Und schließlich erwarten sie Erlösung durch sie. Man hat sich im Kreuz, in den Ikonen geirrt, man braucht sich nicht mit ihnen zu beschäftigen. Die Ikone gleicht dem Bild deiner Geliebten oder deines Geliebten. Was soll ein Mädchen machen, wenn ihr Geliebter kommt? Sobald sie ihn sieht, muss sie das Porträt beiseite stellen, zu ihm gehen und sich mit ihm unterhalten. Ihr werdet sagen, Gott sei in der Kirche. „Verzeihung, aber das beruht auf gar keiner Wahrheit. Wir brauchen keine Ikonen, wir gehen direkt zu Gott, er soll uns Arbeit geben. Er ruft uns auf für eine große, heilige Arbeit“. Wenn ihr mich so reden hört, sagt ihr: „Welch gelehrte Menschen es in der Welt gibt! Welch gelehrte Menschen es auch in Bulgarien gibt!“ Überall gibt es gelehrte Menschen, aber die meisten von ihnen sind beladene Kamele. Man belädt ein Kamel und dann geht es und stöhnt. Wir brauchen nicht viele Pfarrer. Ein Pfarrer genügt uns. Indem die Pfarrer mir Vorwürfe machen, geraten sie selber in Widerspruch. Sie sagen, „ich hätte mich als Christus verkündet“. In Wirklichkeit erklären sie sich zu Christus, indem sie sich Priester nennen. Meiner Meinung nach gibt es in der Welt nur einen Priester und das ist Christus. Kein anderer darf sich Priester nennen. Ich wende mich an die Pfarrer und sage: „Legt eure Gewänder ab und zieht die Kleider der Schüler an“. Demütigen sollen sie sich. Sie sollen erkennen, dass sie nicht imstande sind die Lage in Bulgarien zu verbessern. Wie sollten sie sie verbessern? Ihr werdet sagen, die Pfarrer sollen unter dasVolk gehen und predigen. Was sollen sie dem Volk predigen? Jemand aus dem Volk wird sagen: „Vater, ich habe ein krankes Kind. So hilf mir!“ „Ruf den Arzt“. „Vater, hilf mir, ich habe meine Finanzen durcheinandergebracht“. „Geh zum Bankier, er wird dir helfen“. So spricht man nicht. Wer unter das Volk geht zu predigen, muss göttliche Kraft besitzen. Besitzt der Pfarrer diese Kraft, so wird er den Leidenden mit nur einer Berührung seines Kopfes segnen. Er wird den Bauern sagen: „Brüder, arbeitet fleißig, das Jahr wird fruchtbar sein, es wird reichlich Weizen und Früchte geben. Ein großer Segen wird sich auf euch ergießen“. Falls der Pfarrer so zu den Menschen sprechen würde und seine Worte in Erfüllung gingen, dann erst hätte seine Predigt einen Sinn. Die Menschen brauchen nicht viele Reden, sondern Brüderlichkeit, Gleichheit und Liebe. Ich spreche nicht von der üblichen Liebe, sondern von der Liebe Gottes und Christi. „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote einhalten. Wenn ihr auf Gott vertraut, dann vertraut ihr auch auf mich.“ Ihr fragt worauf die Missverständnisse zurückzuführen sind. Im Altertum gab es einen Lehrer, einen Adepten, der seine Schüler auf zweierlei Weise prüfte. Die erste war die Folgende: Er ließ einen seiner begabten Schüler kommen und befahl ihm: „An diesem bestimmten Tag begibst du dich mit deinen Mitschülern auf den Weg. Ihr werdet in eines der Nachbardörfer gehen, wo man euch sehr gut empfangen wird. Man wird euch neue, saubere Kleider zum Umziehen geben, euch bewirten und euch saubere Lagerstätten zum Schlafen anbieten. Zum Abschied wird man euch Geld für unterwegs geben und euch zum Wiederkommen auffordern.“ Die Schüler gelangten in das Dorf, wurden jedoch zu ihrem Erstaunen von den Bauern genau umgekehrt empfangen: Bereits beim Betreten des Dorfes hetzte man die Hunde auf sie, die Bauern ergriffen Knüppel und schlugen sie grausam auf den Rücken. Mit Mühe und Not gelang es ihnen davonzulaufen. Sie flohen in alle Richtungen, versammelten sich nach Verlassen des Dorfes und kehrten zu ihrem Lehrer zurück. Sie begannen ihm zu erzählen, durch welche Qualen sie gegangen seien. Der begabteste Schüler fragte ihn: „Warum hast du uns eines gesagt und ein anderes ist es geworden? Wie wirst du uns das erklären? Warum hast du uns nicht gesagt, dass man uns so grausam verprügeln würde? Wir hätten unseren Rücken mit einem weicheren Kleidungsstück bedecken können, um den Schmerz von den Stockschlägen nicht zu spüren.“ Der Lehrer schwieg, antwortete nichts. Einige Tage später gab der Lehrer anderen Schülern eine Aufgabe, die nach der zweiten Methode zu lösen war. Er sagte ihnen, in ein Nachbardorf zu gehen, jedoch vorbereitet zu sein, weil sie dort Leiden, Stockschläge und Verfolgung erwarten würden. Sie waren auf eine solche Begrüßung gefasst. Als sie das Dorf betraten, wurden sie jedoch in Erstaunen versetzt: Die Bauern kamen aus ihren Häusern um sie zu begrüßen. Sie nahmen sie in ihre Häuser auf, dort wurden sie gut bewirtet und man bot ihnen Platz zum Übernachten an. Die Schüler wunderten sich, warum man sie mit solcher Freude begrüßt, während sie auf Verfolgung und Prügel gefasst waren. Sie kehrten zu ihrem Lehrer zurück und fragten ihn, warum er ihnen nicht die Wahrheit gesagt habe. Er schwieg wiederum. Danach rief der Lehrer die beiden Schülergruppen zu sich und erzählte ihnen Folgendes: „Die erste Gruppe ging durch Leiden, denn einst in der Vergangenheit haben sie diese Bauern schlecht behandelt. Sie hatten die Möglichkeit ihnen zu helfen, Essen anzubieten, sie gut zu bewirten, aber sie sind ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen. Jetzt büßen sie für die Fehler ihrer Vergangenheit. Die zweite Schülergruppe hat die Bauern in der Vergangenheit gut behandelt, sie haben ihnen auf jede mögliche Weise geholfen. Heute ernten sie die Früchte ihrer guten Taten.“ Heutzutage gehen die meisten Menschen den Weg der ersten Schülergruppe, sie liquidieren ihr Karma. Sie sollen bereit sein, ihr Karma nach dem Gesetz der Liebe zu lösen. Damit ihr leicht mit ihrem Karma fertig werdet, will ich euch hier um etwas bitten: Sprecht nicht schlecht voneinander. Falls jemand eine böse Zunge hat und es nicht schafft, Gutes über die anderen zu sprechen, so sollten letztere Verständnis dafür haben und ihm sein Gerede nicht übelnehmen. Den ersten sage ich: Hütet euch vor schlechten Worten über eure Nächsten. Jenen, über die man schlecht spricht, sage ich: Seid nicht böse. Die, welche beleidigen, und jene, welche beleidigt werden, können ihre Aufgaben nicht lösen. Dann wird das Karma eure Aufgaben lösen. Es ist streng und unerbittlich. Wenn es kommt, dann lehrt es euch, wie man Aufgaben zu lösen hat. Falls ihr vom Karma erwartet, dass es eure Aufgaben löst, werdet ihr nichts erreichen. Welcher ist der Weg zur Schaffung der zukünftigen Kultur? – Der Weg der Liebe. Jetzt erheben sich die Priester gegen uns und denken, dass wir ihnen mit derselben Münze heimzahlen werden. Nein, wir entgegnen den Priestern: Wir wollen eure Ikonen nicht, wir wollen eure Kirchen nicht betreten. Wir wollen eure ständig brennenden Öllämpchen nicht, eure Rituale: Taufe, Trauung. Alles Kränkliche und Schwache, welches ihr aus euren Kirchen hinauswerft, werden wir zu uns nehmen und aus ihm etwas Gutes machen. Wir interessieren uns nicht für die Frommen. Mögen sie in den Kirchen bleiben. Wir werden diejenigen, die keiner will, d.h. die Lahmen, die Krüppel und die Blinden, in die neue Lehre aufnehmen. Die Jungen sind außerhalb der Kirche, die werden wir aufnehmen. „Sie sind blutjung und grün, sie sind nicht fähig etwas zu machen“. Sie sind nicht grün. Das, was wächst und sich richtig entwickelt, ist nicht grün. So ist das Gesetz der Entwicklung. Unter „grün“ verstehe ich jemanden, der sich entwickelt. Die grüne Farbe ist das Symbol des Wachstums. Christus wirkt in der Welt, aber die Menschen sehen ihn nicht. Sie wollen ihn wie einen Menschen sehen, ihn anfassen, ihn körperlich fühlen. Wenn er die Herzen der Menschen mit schönen, erhabenen Gefühlen füllt, was wollt ihr mehr? Wollt ihr ihn streicheln, küssen, auf Händen tragen? Das ist keine gute Idee. Was hat das Kind davon, von euch den ganzen Tag getragen zu werden? Falsch ist die Einsicht der Menschen, welche erwarten, dass Christus als Kind wiedergeboren wird. Christus ist geboren worden und wird in den Herzen und Seelen der Menschen geboren. Heute kann Christus von keiner Frau geboren werden. Falls ihr das Erscheinen des Erlösers erwartet, dann öffnet eure Seele, dort wird er geboren. Dabei wird Christus gleichzeitig in vielen Seelen geboren. Wenn Christus in deiner Seele geboren wird, dann bist du sowohl dir als auch den Menschen in deiner Nähe nützlich. Das ist die Auferstehung. Das bedeutet das Erwachen der Menschenseele. Wenn Christus in den Menschenseelen lebt, dann werden sie alle auferstehen; sie werden aufstehen und sich die Hände wie Brüder geben. Deshalb glaubt an die neue Lehre, die euch zu einem guten Ende führen wird. Lasst in euch gar keine Zweifel aufkommen! Legt auch den kleinsten Zweifel beiseite. Dann leuchtet in eurem Verstand ein neues Licht auf. Versucht euch meiner Worte zu vergewissern. Woran könnt ihr zweifeln? Wovor habt ihr Angst? Die alte Gesellschaftsordnung geht unter. Sie ist ein Kleidungsstück, das durch ein neues ersetzt wird. Das neue Kleidungsstück ist schon vorbereitet. Die alte Gesellschaftsordnung wird unvermeidlich durch eine neue abgelöst. Sie ist nicht das Wichtigste im Leben. Das Wichtigste ist der menschliche Geist und die menschliche Seele. Wichtig sind der menschliche Verstand, das Herz und der Wille – die Arbeitsbedingungen. Die zukünftige Kultur gehört dem Herzen des Menschen. Mit „Herz“ meine ich nicht den Affekt der Gefühle. Das ist keine Liebe. Dass du begeistert bist, das ist auch keine Liebe. Liebe ist eine unveränderliche, beständige Kraft, welche den Menschen auf einen höheren Entwicklungsstand und seine Energien ins Gleichgewicht bringt. Übe die göttliche Liebe aus. Übe deinen vernünftigen Willen aus. Du beklagst dich über eine Erkältung, Husten, Schnupfen, Rheumatismus, du kannst dir nicht helfen. Warum wendest du deinen Willen nicht an, um dich auszukurieren? „Vertraut auf Gott und vertraut auf mich.“ Hier gibt es zwei Strömungen: auf Gott und auf mich. Die eine Strömung kommt von den Ästen, d.h. von oben nach unten, vomVerstand zum Herzen, und die andere Strömung kommt aus dem Zentrum der Erde, d.h. von den Wurzeln zu den Ästen. Nehmen wir an, du leidest an Schmerzen in der Brust. Falls du in die Strömung gerätst, die von oben nach unten gerichtet ist, d.h. vom Gehirn aus, wirst du durch Konzentration des Verstandes diese Strömung zum Zentrum der Erde, zum Herzen gehen lassen, damit eine Bewegung entsteht. Damit hilfst du dir; du wirst dich von der Krankheit befreien. Habt keine Angst euch mit der Erde in Verbindung zu setzen. Fürchtet euch nicht, weder vor der Erde, noch vor der Sonne. Die Strömung, die von der Sonne kommt, muss durch das Zentrum der Erde gehen. In dieser Bewegung bildet sich ein heller Kreis, der sich richtig bewegt. Bei dieser Bewegung heitert sich der menschliche Verstand allmählich auf. Wenn du geheilt bist, kannst du die Strömung von unten nach oben wenden. Du bemerkst, dass deine geistliche Natur erstarkt, aber dein Wille nachlässt. Um den Willen zu kräftigen, wende die Strömung vom Zentrum der Erde zur Sonne. Wo sich die zwei Kreise kreuzen, dort erscheint die wahre Kultur, das wahre Leben. Denkt nicht, dass die Strömung, welche vom Zentrum der Erde kommt, schädlich ist. Denkt so etwas nicht. Sie ist dann schädlich, wenn sie euch ständig durchströmt und ihr ihre Energie aufnehmt. Wisst, dass überall in der Natur Ebbe und Flut existieren. Das geschieht auch im Menschenherz. Dies bewirkt eine angenehme Laune im Menschen und dauert von einer Minute bis zu einer Stunde, oder höchstens einen Tag, danach wechselt es, d.h. verschwindet. Dann vollzieht sich im Menschen folgende Reaktion: Dunkelheit und Finsternis. Wer das Gesetz versteht, wird sich ein Feuer anzünden, wenn er in die Dunkelheit, d.h. in die Nacht gerät. Sobald die Strömung von unten nach oben kommt, wirst du leicht mit ihr fertig werden, falls du eine angezündete Kerze oder Feuer hast. Der gesammelte Stoff wird als Brennstoff dienen. Wenn die Strömungen wechseln, dann denkt ihr euch: „Ich kann mit ihnen nicht fertig werden, ich habe meinen Glauben verloren“. Nichts hast du verloren! „Ich bin schlecht geworden.“ Du bist nicht schlecht geworden. Das sind vorübergehende Zustände, welche öfter die Jungen als die Alten aufsuchen. Diese Strömungen nennt man Launen. Bei den Jungen und Mädchen ändern sich die Launen ein paarmal am Tag. Wenn sich die Zeit immer mehr dem Tag nähert, an dem das Mädchen heiraten soll, so ändern sich diese Launen hundertmal am Tag. Sie sagt: „Ich werde ihn nehmen, ich werde ihn heiraten.“ Das ist die Strömung des Herzens. Bei einer anderen Strömung des Herzens sagt sie: „Ich will ihn nicht! Ich will ihn nicht sehen.“ Die Mutter des Mädchens sagt: „Du wirst ihn nehmen, Tochter.“ Dann sagt das Mädchen: „Ich werde ihn nehmen.“ Das Mädchen steht unter dem Einfluss des Herzens. Bald will sie ihn, dann will sie ihn nicht. Die Mutter sagt: „Ich weiß weder aus noch ein mit meiner Tochter.“ Dies sind die Strömungen, welche vom Zentrum der Erde kommen und zur Sonne gehen. Das Mädchen befindet sich auf dem Scheideweg. Um die Frage richtig zu lösen, muss sie aus dem Scheideweg herauskommen. Sonst kann sie ihre Wahl nicht treffen. Der größte Fehler beim Heiraten besteht im Kreuzen dieser Strömungen. Fängst du an zu zögern, dann löse die Frage nicht, lass sie beiseite. Das Wort „Heirat“ hat einen ganz anderen Sinn, verglichen mit dem, was heute darunter verstanden wird. Unter „Heirat“ versteht man heutzutage eine Versicherung. Die Heirat stellt eine Versicherungsgesellschaft dar. Jemand versichert sich für 10 000 Leva; ein anderer – für 20 000 Leva; ein dritter – für 100-200 000 Leva. Der Mensch an sich ist gesichert. Er muss seinem Geist, seiner Seele, dem Verstand, dem Herzen und seinem Willen glauben. So sollen die Mütter zu ihren Söhnen und Töchtern sprechen. Auch in der neuen Kultur werden die Menschen heiraten, aber nicht unter dem Einfluss anderer Menschen. Jemand kommt zu dir um dich zu beraten: Nimm diesen jungen Mann, vertraue ihm, hab keine Angst. Das Mädchen muss seinem Geist, seiner Seele, dem Verstand, dem Herzen und seinem Willen vertrauen. Erst nachdem sich die zwei Intellekte kreuzen, die zwei Herzen und Seelen sich verstehen, dann kommt das vernünftige Leben. So sollte man allen predigen. Sprecht ohne zu zögern die Wahrheit. Es gibt Fragen, die ihr, egal wie lange ich sie erläutere, trotzdem nicht alle gleich verstehen könnt. Warum? Eure Gehirne sind nicht in gleichem Maße entwickelt. Einige von euch müssen lange an Gott, an die erhabene Welt, denken damit ihre Gehirne umgestellt werden. In ihrem Gehirn gibt es bestimmte Ablagerungen, welche die Wahrnehmung der Wahrheit behindern. Dies sind psychische Stoffe besonderer Art, welche genau wie die physischen Stoffe vergehen. Nach dem Gesetz der Polarisierung müssen sie gereinigt werden. Sobald das Gehirn frei ist von ihnen, beginnen sich die Nase, die Augen, die Ohren und der Mund richtig zu entwickeln. Derjenige, welcher das nicht versteht, sieht jemanden an und sagt: „Ein ausgezeichneter Mensch ist er. Er kann zu so Vielem beitragen.“ Du irrst dich. Schau, seine Augen schielen; seine Nase und sein Mund sind verformt. Er muss viel an sich selbst arbeiten, damit man etwas von ihm erwarten kann. Er sagt, er habe sich zu Gott gewandt, er sei sein Diener. Glaubt das nicht, er hat viele Wechsel, die er nicht bezahlt hat und auch nicht die Absicht hat, sie zu bezahlen. Ich glaube nur dann an die Hinkehr des Menschen zu Gott, wenn auch sein Geldbeutel umgewendet ist, d.h. geöffnet. Solange du deinen Geldbeutel nicht öffnest, kannst du dich nicht zu Gott wenden. Wenn Christus auf die Erde kommt, werden die Menschen einen gemeinsamen Geldbeutel haben und er wird offen sein. Es wird eine Quelle sein, welche ständig fließt und ihr Wasser ringsum ergießt, um alle Pflanzen zu bewässern. Jedermann wird das Wohl dieser Quelle genießen. Nur auf diese Weise wird die Welt zur Gemeinschaft werden und sich reformieren. Jeder wird seine Errungenschaften in die gemeinsame Kasse einzahlen. Hütet euch davor, nicht in die Irrtümer vorheriger Reformisten zu verfallen. Wir haben das Recht, unsere Arbeit zum Gemeingut zu machen, d.h. das, was wir jetzt verdienen. Heute verdient jeder für sich selbst und die Menschen wollen genauso weiterverdienen, indem sie die Arbeit vergangener Generationen ausnutzen. Nein, ihr müsst die Menschen der Vergangenheit aufrufen, ihr Einverständnis zu geben, und sie fragen, ob sie dazu bereit wären, ihre Gewinne den eurigen hinzuzufügen. Wir haben kein Recht, über die bisherigen Güter zu verfügen. Alle, welche versucht haben und auch heute versuchen, die Güter vergangener Generationen ohne deren Einverständnis einzustreichen, haben nichts erreicht. Wir alle werden arbeiten und das, was wir verdienen, werden wir gemeinsam nutzen. Das ist die Lehre, welche Christus den Menschen gepredigt hat. Er hat die Menschen zu Liebe und Weisheit belehrt; jeder sollte wissen, wie weit sich seine Rechte und Verpflichtungen erstrecken. Auf diese Weise können sich Mütter und Töchter, Väter und Söhne, Brüder und Schwestern, Herren und Diener gut verständigen. Wie soll die neue Gesellschaft aufgebaut sein, wenn es unter ihnen kein Verständnis gibt? Manche machen uns den Vorwurf, unsere Lehre wäre falsch. Wo ist die richtige, die wahre Lehre? Haben eure Lehren die Welt verbessert? Statt sie zu verbessern, haben sie die Welt noch mehr verdorben. Heute verfault die Gesellschaft, sie verbessert sich nicht. Falls eure Lehren richtig wären, warum führt ihr dann noch Kriege gegeneinander? Warum zerstört ihr die Städte? Warum sind die Friedhöfe voller Gräber und Kreuze? Warum gibt es so viele Krankenhäuser auf der Erde? Falls wir auf dem falschen Weg sind, sind wir bereit, den euren zu gehen, wenn ihr uns die Ergebnisse eurer Lehren zeigt. Und ihr werdet euch selbst überzeugen, dass der Weg, den ihr einschlagt, falsch ist, mehr nicht. Dieser Weg muss korrigiert werden! Wie? Indem ihr euch zu Gott wendet und seine Liebe in euch aufnehmt. Sie ist die Liebe der absoluten Selbstlosigkeit. Auch die Religionen müssen gereinigt werden. Es gibt etwas Göttliches in ihnen, aber das verliert sich unter den großen Irrtümern. Auch sie sollten gefiltert werden. Die gegenwärtigen Religionen sind die der Formen, es sind Religionen der menschlichen Interessen. Das wird heute von allen erkannt. Gibt es Liebe zwischen den Priestern und den Betenden, zwischen den Bischöfen und den Kirchgängern? Wenn der Pfarrer ein Dorf besuchen will, kommt sofort ein Befehl, wie man ihn willkommen zu heißen hat. Die Bauern fangen an hin und her zu laufen, die Polizisten – auch. Warum? Der Pfarrer wolle das Dorf besuchen. Wenn der Pfarrer die Bauern liebt, dann soll er wie ein einfacher Bürger bei ihnen auftauchen, ohne jegliche Gewänder. Statt jedoch unter das Volk zu gehen, um dessen Bedürfnisse zu erfahren, geht er zuerst in die Kirche. Seit Jahrtausenden gehen die Pfarrer zuerst in die Kirche, lesen Gebete, und was haben sie damit erreicht? Wann haben die Menschen begonnen Kirchen zu bauen? Als sie das Paradies, die Kirche in ihrer Seele, verloren haben. In jenem Moment, in welchem sie ihre geistige Kirche verloren hatten, begannen sie eine steinerne Kirche zu bauen. Wir brauchen eine Kirche in unserer Seele und dort nehmen wir Gott auf, als Liebe, als Erzpriester. In Zukunft wird es eine Kirche geben, einen Geistlichen. Sie wird so groß sein, dass sie alle Menschen der Erde aufnimmt. Über solch eine Kirche wird in der Offenbarung gesprochen. Könnt ihr euch vorstellen, wie groß sie sein muss? Dann werden die Menschen ein Kredo, eine Anschauung haben, jedoch dermaßen umfangreich, dass sie alle Anschauungen der Vergangenheit umfassen wird. Alle gegenwärtigen Formen und Glauben werden dem Neuen Platz machen. Sie haben ihre Rolle längst gespielt. Ich habe nichts gegen die alten Formen, sie haben aber ihre Bedeutung schon verloren, für sie gibt es keinen Platz mehr. Das Neue, welches kommt, das Reich Gottes, erfordert vollkommene Formen, neue Ansichten und einen neuen Glauben. Das Alte wird, wie ein abgetragenes Kleidungsstück vom Rücken der Menschen weggenommen und durch ein Neues ersetzt. Der Großvater, welcher verstorben ist und den man ins Grab gelegt hat, wird eines Tages auferstehen. Wird er wieder als Großvater zur Welt kommen? Nein, er wird als Kind geboren, mit neuen Lebenskräften. Das ist die neue Lehre, die Lehre der Liebe, die Lehre der Weisheit und die Lehre der Wahrheit. Das ist die Lehre, welche die zukünftige Kultur der Menschheit bringt. In der zukünftigen Kultur wird es keine Wechsel geben, die Schuldner und die Bürgen brauchen nicht zu unterschreiben. Ich habe keine Zeit, euch zu schildern, was die zukünftige Kultur in sich trägt. Dann werden sich die Menschen nicht wie jetzt durch Eisenbahnen, Schiffe, Flugzeuge, Autos verkehren. Du willst zum beispiel deinem Freund einen Brief schicken. Der Brief wird auf einem besonderen, feinen Stoff geschrieben und dank deiner Verstandes-und Willenskraft gelangt er an den genauen Ort. Der Brief wird durch den Raum übertragen und genau deinen Freund erreichen. Befindet sich dein Freund in einer Entfernung von 1000 km, wird dein Brief in einer Minute auf seinem Tisch liegen. Du benötigst 1 kg Kartoffeln. Du brauchst nicht in verschiedene Krämerläden zu gehen um einzukaufen, du findest die nötige Menge Kartoffeln sofort auf dem Tisch. Wie sind sie gekommen? Irgendein Freund von dir hat deinen Gedanken wahrgenommen und dir sofort Kartoffeln geschickt. Du brauchst Äpfel und sie werden auf dieselbe Weise geliefert. Du willst deinen Freund sehen, mit ihm ein bisschen plaudern. Du setzt dich auf deinen Stuhl, denkst an ihn und dann fliegst du los durch den Raum. In einer Minute bist du bei ihm. Nachdem ihr geplaudert habt, richtest du deinen Gedanken an dein Zuhause und du findest dich im Raum wieder. Sollte die Tür deines Hauses geschlossen sein, wirst du frei durch sie hindurchgehen. In der Zukunft werden die Schlüssel keine Kraft mehr haben. Jeder wird ein-und ausgehen, auch bei geschlossenen Türen. Dies bringt den Menschen die zukünftige, erhabene Kultur. Ihr werdet sicher (wie die Türken) sagen, dies seien eigenartige Dinge. Egal ob ihr daran glaubt oder nicht, es wird so sein. Dann werden die Beziehungen zwischen Mann und Frau richtig, harmonisch sein. Alle Menschen werden mit Liebe arbeiten. Sie werden wenig arbeiten und viel erringen. Und dann werden sie Äcker und Gärten bearbeiten, in ihnen spazieren gehen; aber auch die Arbeit und das Lernen wird euch gute Früchte geben. Die Menschen der sechsten Rasse werden nicht nur auf der Erde spazieren gehen, sondern auch auf den anderen Planeten. Sie werden zur Sonne und zum Mond reisen und das Leben der Planeten studieren. Was für eine Welt wird das sein? Davon habt ihr nicht mal geträumt. Ebenso wie es jetzt Wesen der sechsten Rasse auf der Erde gibt, genauso wird es in Zukunft Menschen von der Erde in der sechsten Rasse, in der neuen Kultur geben. Sie ist schon bereit, kommt aber allmählich auf die Erde. Das Christentum in seiner gegenwärtigen Form bereitet die Menschen vor auf die neue Kultur, auf das erhabene Leben. Dieses Leben kommt schon, aber es ist auch erforderlich, dass ihr euch ein bisschen bemüht. Um nicht am Neuen zu zweifeln, müsst ihr Versuche machen. Ohne Versuche kann man nichts erreichen. Ihr alle müsst jünger werden im Verstand, mit hellen Gedanken; jünger werden im Herzen, mit edlen und erhabenen Gefühlen; jünger werden im Willen, mit guten und richtigen Taten. Die Zukunft ist in den Händen der Jungen, der Kinder, worüber Christus auch sagt: „Ihnen gehört das Reich Gottes.“ Wir alle müssen Gottes Kinder sein. Wir legen alle Zweifel, alles Gezänk und alle Missverständnisse beiseite. Wir sollen jene Kräfte in die Arbeit einspannen, welche sich bis jetzt noch nicht offenbart haben. Viel Arbeit steht der Menschheit bevor. Dann werden die Menschen ihre Nahrung auf neue Weise erwerben und sich auch auf neue Weise ernähren. Sie werden ihre Häuser auch auf neue Weise heizen und beleuchten. Das sind die Aufgaben der sechsten Rasse. Sie kommt mit ihrem Programm, und nachdem sie es realisiert hat, hinterlässt sie der Menschheit etwas Neues. Sie bringt die Kultur der wahren Brüderlichkeit zwischen den Menschen und den Völkern. Christus sagt: „Vertraut auf Gott und vertraut auf mich“. Dieser Glaube erfordert Menschen mit hellem Verstand, mit reinem Herzen und mit starkem Willen. Jeder Mensch soll drei Berührungspunkte haben: mit der Liebe, mit der Weisheit und mit der Wahrheit. Die Liebe bringt Leben, die Weisheit bringt Licht und Wissen und die Wahrheit bringt Freiheit und die Bedingungen für die Äußerung des Willens. Das bewusste Leben kommt nach dem Gesetz der Liebe; die Intelligenz kommt nach dem Gesetz der Weisheit und die Freiheit und die Willenskraft kommen nach dem Gesetz der Wahrheit. Das sind Aufgaben, die von der sechsten Kultur realisiert werden. Sie hat Methoden zur Erfüllung ihres Programms. Für sich selbst hat sie alles realisiert. Wir werden ihre Aufgaben aufnehmen und sie realisieren. Woran erkennt man die Ankunft der sechsten Rasse auf der Erde? An dem besonderen azurblauen Schein, welcher am Himmel über der ganzen Balkanhalbinsel zu beobachten ist. Dieser Schein ist das Ergebnis besonderer psychischer Einflüsse, welche in den Raum wirken und sogar die Atmosphäre verändern. Dies zeigt, dass die gesamte vernünftige Welt, alle vernünftigen Wesen anstrengend arbeiten und sowohl die physische, als auch die geistige Atmosphäre der Erde reinigen. Sie schaffen gute Bedingungen für das Wachstum, die Entwicklung und die Arbeit der Menschen. So wie man den Weinberg von vertrockneten und verfaulten Blättern, von Parasiten säubert, genauso bereitet auch die unsichtbare Welt jene Menschen darauf vor, welche Gott dienen wollen. Er stellt ihnen gute Bedingungen zur Verfügung, für ihr Wachstum und ihre Entwicklung, indem er sagt: „Habt keine Angst, geduldet euch noch etwas und dann wird alles in Ordnung kommen, den neuen Weg beschreiten.“ Jetzt fragt ihr: „Hat die neue Kultur Beziehungen zu der alten?“ Natürlich hat sie die. Die neue Kultur wird die Errungenschaften der alten Kultur benutzen und daraus eine neue Lehre für Verstand, Herz und Willen schaffen. Das Alte wird vergehen, das Neue wird kommen. Neues Licht kommt! Es wird die Ansichten der Menschen über die materielle Welt umgestalten. Es wird uns zeigen, dass es auch andere Methoden zum Erforschen der Natur gibt. Derjenige, welcher in die neue Kultur eintreten will, muss lernen, bewusst arbeiten und sich auf die neuen Bedingungen vorbereiten. Ihr fragt: „Ist das wahr, wovon ich spreche?“ Es ist wahr. Aber eurer Meinung nach ist nicht alles wahr. Es ist nicht so. Um zu erkennen, welche Dinge wahr und welche unwahr sind, müsst ihr Versuche machen, um ihre Wahrhaftigkeit zu prüfen. „Vertraut auf Gott und vertraut auf mich! Wenn meine Worte, d.h. die Worte des Geistes, in euch weiterleben, so werdet ihr meine Schüler sein.“ Wenn die Worte Christi in euren Herzen weiterleben und wenn ihr durch eure Liebe, eure Vernunft und euren Willen in mir weiterlebt, dann werden mein Vater, der unveränderlich ist, und ich, der sich durch ihn äußert, kommen und werden in euch wohnen und uns euch offenbaren. Das heißt, wir bringen euch unsere Wege bei. Die neue Kultur kommt! Die sechste Rasse kommt! Das Göttliche kommt in die Welt! 9. Vortrag, gehalten von dem Meister am 25. März 1923, Sofia – Izgrev.
  8.  Das Salz „Ihr seid das Salz der Erde; wenn das Salz schal geworden ist, womit soll man es salzen?“ Christus beginnt seine Bergpredigt mit den neun Seligkeiten. Die Seligkeiten, von denen er spricht, haben eine Beziehung zu einer anderen Welt, sie betreffen nicht das irdische Leben. Christus sagt zu den Menschen auf der Erde: „Ihr seid das Salz.“ Ich werde über das Salz sprechen, weil auf der Erde Leben ohne Salz nicht existieren kann. Die physische Welt ist eine Welt des Salzes und nicht des Lichts, was nur die Welt der Engel ist. „Ihr“ — wer ist das „Ihr“? Faßt dieses Wort nicht im begrenzten Sinne auf. Nur für jene, die glauben, sind mit „Ihr“ die gemeint, deren göttliches Bewußtsein erwacht ist. Alle Menschen, bei denen dieses Bewußtsein erwacht ist, sind das Salz der Erde. Alle Okkultisten, Kabbalisten, Mystiker verstehen unter dem Wort „Salz“ eine „Kraft des Gleichgewichts“: jenes Element der Kraft, das etwas im Gleichgewicht hält. Man braucht Gleichgewicht, um auf der Straße zu gehen. Wenn man Schiffe baut, so gibt man auf ihren Boden eine Last, Salz, um sie im Gleichgewicht zu halten, so daß sie von den Meereswellen nicht umgekippt werden. Unter dem Wort „Salz“ versteht man jene Kraft, die die Materie verstärkt, sie vor Zersetzung bewahrt und Bedingungen schafft, durch die man mit größeren Kräften in der Welt arbeiten kann. Das Salz ist ein unerläßliches Element auf der Erde für den Gesundheitszustand des menschlichen Körpers. Wenn der Organismus sein Salz verliert, verliert er seine Basis, und infolgedessen treten alle Krankheiten auf. Man sagt von so jemandem: „Er ist ein Neurastheniker.“ Ich sage: Er hat sein Salz verloren, sein Nervensystem hat das Salz verloren, seine Energie ist erloschen. Wenn wir mit hellseherischen Augen die Nerven, Arterien eines Neurasthenikers sehen würden, würden wir an vielen Stellen die Punkte sehen, aus denen die Energie herausgeflossen ist. So ein Mensch ist schwach. Warum? Weil er das göttliche Salz verloren hat, das die grundlegende Kraft zur Stärkung des menschlichen Lebens auf der Erde ist. Was sind die Ursachen, die zum Verlust dieses Salzes führen? An erster Stelle sind dies die zügellosen menschlichen Leidenschaften. Der Mensch fühlt nach jeder Leidenschaft, wie ihr Wesen auch sein mag, eine Schwäche. Ihr habt das alle gespürt. Leidenschaften sind nicht erforderlich für Menschen, die Salz haben, sondern nur für jene, die es nicht haben. Christus sagt zu seinen Jüngern: „Ihr seid das Salz, und wenn das Salz seine Kraft verliert, d.h. wenn es schal wird, ist es nichts wert, außer daß man es hinauswirft und daß es von den Menschen zertreten wird.“ Und warum wird gerade schales Salz zertreten? Das Zertreten ist eine Reaktion, um das Salz wieder zu salzen. Wenn man leidet, ist das ein Getreten- werden; ihr treibt die Engel hinaus unter die Menschen, und ihr werdet schwach, weil ihr ohne Salz seid. Wenn ihr reich wart, verarmt ihr; wenn ihr klug wart, verdummt ihr. Ihr verliert euer Salz, und wenn ihr das Salz verliert, verliert ihr auch den Lebenssinn; dann entstehen alle widersprüchlichen Lehren, die den Menschen vermittelt werden; sei es nun, ob sie heiraten sollen, ob sie Kinder haben, ob sie ihre Frauen lieben sollen, usw. Es gibt die epikureische Philosophie, nach der der Mann viele Frauen haben soll, und nach der er alles probieren soll. Man kann alles ausprobieren, aber dann wird man von den klugen Menschen verstoßen, solange bis man Salz hat, und danach kommt der zweite Prozeß: es wird ein Licht kommen, das den Verstand erleuchtet, und dann wird man verstehen, warum man leidet. Man wird verstehen, daß diese Dinge nicht in Einklang mit dem Leben stehen. Jeder Gedanke, jeder Wunsch, der nicht zur Erbauung der menschlichen Seele dient, der zerstört, ist ein unnötiger Wunsch, ist ein Schaiwerden. Stellt diesen Wunsch hin, damit er etwas zertreten werde, um wieder Salz zu bringen. Wenn ein Mann seine Frau unterdrückt, soll sie sich sagen: „Unterdrücke mich nur, damit ich wieder Salz bekomme.“ Ein Mann, der von seiner Frau unterdrückt wird, zeigt, daß er über kein Salz mehr verfügt. Wenn bei den Bulgaren jemand krank ist, kommt oft der Bärenführer. Der Bär soll den Kranken treten, um ihn so wieder mit Salz zu versehen und zu heilen. Diese Kraft ist in allen Menschen verborgen. Die heutigen Wissenschaftler haben sie verschieden benannt, auch die Okkultisten haben ihr viele Namen gegeben; einer davon ist die Bezeichnung „Magnetismus“. Wenn der Mensch dieses Salz hat, ist er magnetisiert. Wenn ihr dieses Salz habt, werdet ihr in der Magengegend eine angenehme Wärme spüren — am Morgen steht ihr mit einer angenehmen Stimmung auf; wenn ihr kein Salz habt, steht ihr mißgestimmt auf, und ihr werdet den ersten, der euch in die Quere kommt, beleidigen. Ihr springt ihn an, seid zornig; und dieser Zorn bedeutet, daß dieser Mensch euch bittet, ihn ein bißchen zu treten, um wieder Salz zu erlangen. Der, der zu euch kommt, um getreten zu werden, hat dieses Salz, und er stellt sofort einen Ausgleich zur Erzürnung her. Ich möchte, daß ihr aus Erfahrung die Abhandlungen, die ich euch mitteile, überprüft, und ihr werdet ein solches Ergebnis feststellen. Stark ist nur der Mensch, der eine tiefe Uberzeugung in etwas hat, der eine Erfahrung gemacht hat, denn, wenn ihr allen glaubt, seid ihr ohne Salz. Ich glaube, daß Gott zu den Menschen über Salz gesprochen hat, die es haben. Wenn du Salz hast, sagt ER zu dir: „Wenn du auf- stehst, wirst du in den Weinberg gehen und ihn umgraben; du wirst auf das Feld gehen und es bestellen.“ Wenn du ein Richter bist, wirst du Prozesse führen, usw., und ihr werdet IHN verstehen. Wenn du kein Salz hast, werden sie dich treten, dich berauben, dir das Geld, die Frau, die Kinder und das Haus nehmen. „Diese Menschen müssen getreten werden“, sagt der Herr, „die ihre Arbeit auf der Erde nicht erfüllen können.“ Die Menschen fragen sich oft: „Warum geht es in der Welt nicht gut zu? “— Es gibt kein Salz in der Welt. Gebt den Menschen Salz! Man braucht nicht viel Salz. Man braucht ein viertel Kilogramm von dem Salz, von dem ich spreche. Damit kann man das ganze bulgarische Volk mit Salz versehen, und es kann für mindestens hundert Jahre ein ausgezeichnetes Volk werden. Wißt ihr, wie lange man in euren Fabriken arbeiten muß, um dieses Salz zu erhalten? Ein Wissenschaftler hat eine Untersuchung über die Urmaterie gemacht, aus der die Welt geschaffen ist; er beweist, daß sie tausendmal leichter ist als Wasserstoff — und daß, wenn man nur ein Gramm dieser Urmaterie gewinnen will, alle Fabriken dreitausend Jahre lang arbeiten müssen. Ihr seid das Salz, und ihr müßt euer ganzes Leben dem widmen, um dieses Salz zu gewinnen. Wenn du ein Gramm von diesem Salz hast, wirst du der reichste Mensch dieser Welt sein; und dann wirst du die Menschen heilen. — Wenn du in ein Haus gehst, wo Mann und Frau sich streiten, sich nicht verstehen, dann gib etwas von diesem Salz. Es wird sofort Frieden und Harmonie eintreten. Kinder streiten sich — gib etwas Salz; Richter streiten sich — gib etwas von diesem Salz; Völker führen Krieg — gib etwas von dem Salz, und sofort wird zwischen ihnen Frieden und Harmonie herrschen. Ihr sagt euch: „Was für ein alchimistisches Element ist dieses Salz, welch mächtige Kraft hat es!“ Wenn ein Priester, der dieses Salz hat, in die Kirche geht, werden alle verstummen, werden sich ihm zuwenden. Die Menschen suchen Salz, da man ohne dieses keinen Erfolg hat. Wenn ich so zu euch spreche, dann geschieht das nicht, um euch zu verurteilen — ich verurteile niemanden —‚ sondern nur, um einen Fehler aufzuzeigen, den nicht nur die Bulgaren, sondern den alle haben. Jeder auf der Erde hat Mängel. Wenn wir vollkommen wären, wären wir unter den Engeln, bei Gott. Da wir uns erziehen müssen, hat uns Gott auf die Erde geschickt, den Ort der Weisheit, wo diese wichtigen Lektionen gelernt werden. Heute predige ich euch über das Salz. Warum? — Ihr wollt alle glücklich sein. In der Tat, jeder kann glücklich werden, aber ihr müßt euch die Kunst aneignen, dieses Glück nicht nur zu erreichen, sondern es auch zu erhalten. Ihr steht morgens auf, seid in einer guten Stimmung, und ihr sagt: „Wie glücklich bin ich!“ Es vergehen fünf, zehn Minuten, und ihr verliert dieses Gefühl, dieses Glück. Warum? — Ihr habt kein Salz in euch. Unter „Salz“ versteht man die Welt mit all ihren Formen. Da ihr eine formlose Essenz nicht begreifen könnt, darum sage ich, daß die Welt real wirklich und real unwirklich ist. Real wirklich ist diese Welt in allen Formen mit Inhalt, real unwirklich in Formen ohne Inhalt. Es gibt Menschen, die real unwirklich sind, da sie zwar einen Körper, aber kein Salz haben. Wenn man kein Salz hat, kann man nicht verstehen, was das göttliche Licht, die göttliche Güte und Liebe ist. Nur durch Salz, durch Ausgeglichenheit eures Verstandes und Herzens, in einem absolut ruhigen Zustand, kann man diese göttliche Welt begreifen. Christus sagt: „Schal gewordenes Salz soll man hinauswerfen und zertreten.“ Deshalb habe ich mehrmals gesagt, daß Leiden unerläßlich sind, daß sie der Weg sind, um wieder Salz zu erlangen; das Salz ist der Weg zum Licht, das Licht zur Liebe, und die Liebe zu Gott. Wenn wir uns auf den Weg machen, Gott zu suchen, wird die Welt sofort eine andere Form annehmen als bisher. Alle, die mich diesen Morgen hören, denken manchmal, daß die Welt einen Sinn hat, manchmal, daß sie keinen hat, daß sie sehr bedrückend ist. Ihr habt Freunde — sie verstehen euch nicht; Kinder — sie lieben euch nicht; wenn ihr unter Gläubigen seid — sie verstehen euch nicht. Es ist jetzt die Kunst, den Fehler von jemanden zu verstehen — ob sie kein Salz haben oder ihr. Ein Kind hat Salz, das ist richtig; daß ein Kind kein Salz hat, ist nicht richtig. Wenn du kein Salz hast, wirst du sagen: „Man muß mich treten.“ Alle Menschen sind Teile von Gott, von SEINEM gewaltigen Organismus, und so ist es gleichgültig, wer euch tritt; vergeßt nicht, daß es von Gott kommt — in allen Fällen treten euch göttliche Hände oder Füße. Das ist tausendmal angenehmer, als wenn euch irgendein Bär tritt, wie es die Bulgaren praktizieren. Ein Engländer machte seine eigene Erfahrung. Er ging nach Indien, um das Leben der Inder zu studieren. Da er gerne Sport betrieb, nahm er eines Tages sein Gewehr und ging in einen unwegsamen Wald auf die Jagd. Er trug sein Gewehr in der rechten Hand, und auf einmal warf ihn ein kräftiger Schlag auf seine linke Hand zu Boden. Der Schlag war von einer Tigerin verursacht worden; sie nahm ihn und trug ihn zu ihrem Bau, zu den kleinen Tigern. Die Tigerin sagte zu ihren Kindern: „Haltet diesen Engländer, tretet ihn gut, gebt ihm eine gute Lektion. Und wenn er versucht, seinen Kopf zu heben, dann tretet ihr ihn oben.“ Der Engländer wollte seinen Kopf heben, um zu sehen, was man mit ihm machte, aber die Tigerin sagte: „Schau nicht auf, es ist nichts, ich unterrichte nur meine Kinder.“ „Ich habe mich nicht darüber geärgert, daß du mir die linke Hand gebrochen hast, sondern darüber, daß mir auf den Kopf getreten wurde und ich keine Möglichkeit zu schauen hatte“, sagte der Engländer. Alle, die kein Salz haben, werden unter die Krallen eines Tigers kommen. Wenn junge Menschen heiraten, in die Kirche gehen, liest ihnen der Priester ein Gebet, und alle küssen sie. Nach einem Monat trennen sie sich. Der Tiger hat die Braut oder den Bräutigam genommen. Diese Menschen haben das Salz verloren, und sie werden hinausgestoßen. Wenn eine Scheidung zwischen ihnen stattfindet, sind sie schal geworden, und solche Menschen sollen sich nicht am selben Ort befinden. Mann oder Frau, sie mögen sich treten. Die Bulgaren heilen sich, indem sie sich treten: das ist eine angenehme Massage. Dieses Salz ist unerläßlich für euch, es ist unerläßlich für den Organismus, auf physischer Ebene. Es ist notwendig für eure Gefühle und Gedanken. Das Gesetz gilt allgemein, sowohl für die physische Welt als auch für die Welt der Engel und für die göttliche Welt. Die zeitgenössischen Philosophen benennen die Qualitäten der geistigen Welt unterschiedlich, z.B.: Einen Menschen mit Salz bezeichnen sie als moralisch, einen Menschen ohne Salz als unmoralisch. Sie sagen von jemanden: „Dieser Mensch ist hochintelligent, gescheit“, was bedeutet, daß er das Gesetz des Gleichgewichts befolgt, daß er Salz hat. Klugheit bedeutet Salz, d.h. unter dem Wort „Klugheit“ versteht man jenen Zustand, der alle Menschen zu arbeiten befähigt. Das Salz stellt den Grund dar. Ohne Salz kann man in der Welt nichts haben; die Erde wäre ohne Salz eine Wüste, alles würde zugrunde gehen. Das Salz ist der Dünger, der sich seit Jahren angesammelt hat. Von ihm kommen andere Kräfte, die unseren Organismus aufbauen. Um dieses Salz nicht zu verlieren, sollt ihr euch vor ungesetzmäßigen Wünschen schützen. Ich will euch eine mythische Erzählung anführen: Einst, in der Vergangenheit, wurde in einem Zarenhof eine Tochter geboren, das schönste Mädchen auf der Welt. Als sie groß geworden war, fand ihr Vater, um sie zu verheiraten, einen Freund, einen jungen, guten Mann. Diese jungen Leute wurden vom Himmel so geliebt, daß der Herr einen Vertreter der Engel aussandte, um bei ihrer Hochzeit auf der Erde teilzunehmen. Als der Engel auf die Erde kam, verliebte er sich in das Mädchen und wollte nicht mehr in den Himmel zurückkehren. Er begann zu überlegen, wie er dieses Mädchen bekommen könnte. Der Herr wartete einen Tag, zwei Monate, aber der Engel kam nicht zurück. Um dem Engel seine bösen Folgen der unrechten Wünsche zu zeigen, verwandelte der Herr ihn in einen Vogel, der von Zweig zu Zweig hüpfte, von einem Zweig zum anderen flog, doch von allen Vögeln gemieden wurde. Er konnte sich diese Leiden nicht erklären. Eines Tages ließ er sich auf einem Baum nieder und begann sein Leben zu bemitleiden. — Unter diesem Baum waren gerade vier Räuber versammelt, um sich ihre Beute zu teilen. Sie teilten alles gleichmäßig unter sich auf. Danach beschlossen zwei von ihnen, in die Stadt zu gehen und Nahrung, Brot, zu kaufen, um ein Festmahl zu veranstalten. Sie gingen weg, kauften Brot, aber auf dem Weg kam ihnen der Gedanke, der Nahrung Gift beizumischen, so daß sich die zwei anderen, wenn sie sie essen, vergiften und sie deren Reichtum unter sich teilen könnten. Die zwei Räuber unter dem Baum beschlossen, als sie auf ihre Freunde warteten, daß sie die beiden, wenn sie zurückkommen, erschießen und ihren Reichtum unter sich teilen würden. Als die zwei Räuber von der Stadt näher herankamen, erschossen sie diese von weitem, aßen von der Nahrung und vergifteten sich. — Erst jetzt verstand der Engel, was die Folgen von ungesetzmäßigen Wünschen sind und warum er leidet. Wenn euch der Herr auf eine Hochzeit schickt, an der dieser Engel teilnimmt, dann werft keinen Blick auf ihn. Man soll sich davor hüten, wie dieser Mann zu sagen: „Mir wird sie gehören!“ oder wie diese Frau: „Mein wird er sein!“, denn sonst werdet ihr in dem Wald lange singen. Ich frage euch: „Seid ihr nicht solche Vögel, die vom Himmel verstoßen worden sind?“ Einige fragen: „Warum sind wir vom Himmel gekommen?“ Wir sind alle herabgekommen, um zu lernen, daß ungesetzliche Wünsche böse Folgen haben und um zu verstehen, daß der Mensch, der kein Salz hat, weit von Gott entfernt ist. Die Menschen suchen Freiheit, deshalb schickt sie der Herr auf die Erde; aber er sagt ihnen: „Lebt nach dem Gesetz meiner Freiheit.“ Und das Schlechte an den Menschen ist, daß jeder nur Freiheit für sich will. Nach dem göttlichen Gesetz soll man die Beziehungen, die zwischen uns bestehen, verstehen. Das Gesetz des Salzes ist folgendes: Was du für dich selbst wünscht, das verweigere auch anderen nicht. Gib ihnen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Wenn jemand einen Acker oder einen Weinberg hat, beneide ihn nicht, sondern danke dafür, daß dieser alles hat. Wenn du siehst, daß jemand auf einem Pferd reitet, dann sage nicht: „Ein Bär wäre besser als dieses Pferd!“ Sei dankbar, daß dieser ein Pferd hat. Es ist seiner würdig. Du siehst ein schönes, gut eingerichtetes Haus, begehre es nicht. Wenn du Salz hast, wirst du alles haben, was du brauchst. Ihr sagt zum Herrn: „Wir wollen von jetzt ab Salz.“ Um die jetzigen Menschen von dieser großen Wahrheit zu überzeugen, muß man lange argumentieren; mit einigen kann man einen Versuch machen, bei anderen kann es plötzlich sein, daß man sich versteht. Mit Menschen, bei denen der geistige Horizont nicht entwickelt ist, muß man argumentieren; das ist ein Tasten in der geistigen Welt. Mit Hilfe des Gefühls bauen sie sich Schritt für Schritt ein klares Verständnis von etwas auf, das sie nicht sofort begreifen können. Wir gebrauchen in unseren Überlegungen über Gott dieselbe Analogie wie zur Bildung des Verständnisses über ihn. Alle philosophischen Schulen mit ihren dicken Büchern, in denen sie Fragen über Gott abhandeln, tasten mehr oder weniger nah an der Wahrheit herum. Einige haben den kleinen Finger von Gott gespürt und sagen: „Welch kleines Fingerchen hat Gott.“ Jemand hat SEINE Hand gespürt und sagt: „Was für eine große Hand hat Gott!“ Einer hat SEINE Schulter oder SEINEN Kopf gespürt, und nach diesem richtet sich sein Verständnis von IHM. Aber das ist nur die äußerste Seite von Gott — die Natur macht es offenbar. Es wäre verwunderlich, wenn jemand, der sich auf die Dachziegel meines Hauses niederläßt, sagen würde: „Ich verstehe jetzt Herrn Dunov; er ist hart, weil ich die harten Dachziegel spüre.“ Wenn er etwas Weiches spürt, wird er sagen: „Wie weich ist Herr Dunov!“ Ich kann gleichzeitig hart und weich sein. Was versteht ihr unter „hart“? Hart wie ein Stein oder hart in seinen Überzeugungen? Infolgedessen kann man vom äußeren Herumtasten kein wahres Verständnis von etwas haben, sondern nur verworrene Vorstellungen. Wenn ihr nicht genügend Salz habt, werdet ihr schal und sagt: „Das Leben ist nichts, außer Essen und Trinken.“ Ich bin nicht gegen das Essen — denkt das nicht —‚ denn wenn ein Mensch auf die Erde gekommen ist, wird er essen und trinken. Ich empfehle das Hungern, das unnatürliche Fasten nicht. Ich verstehe Fasten in einer anderen Beziehung: jeder ißt soviel, wie für die Erneuerung seines Körpers unerläßlich ist. Jeden Tag brauchen wir eine gewisse Menge Brot, Wasser und Luft, um unseren Körper zu erhalten. Einige denken, daß sie besser werden, wenn sie nichts essen; nein, wenn man nichts ißt, wird man schlechter. Wenn man einen Menschen besser machen will, soll man ihn ernähren, wenn er hungrig ist; man soll ihm zu trinken geben, wenn er durstig ist; und wenn man ihm Brot und Wasser gibt, soll man ihm auch ein wenig von seinem Salz geben, und er wird sich bessern. Wenn man ihn nicht ernährt, begeht man ein Verbrechen. Wenn man jemanden trifft, der verzweifelt ist und sich umbringen will, soll man ihm nicht den Ratschlag geben, daß dies nicht gut ist, daß man nicht den Mut verlieren darf, sondern man soll ihn mit nach Hause nehmen, ihm zu essen geben, seinen Durst löschen, so wie man es selber zu tun pflegt; und nach ein bis zwei Stunden, wenn er die Nahrung verdaut hat, sag zu ihm: „Komm jetzt, wir wollen uns ein wenig unterhalten.“ Veranlasse, daß der Mensch darlegt, warum für ihn das Leben so düster ist. Gib ihm Hinweise und zeige ihm Wege, die er einschlagen kann. Deshalb hat ihn dir der Herr für diesen Tag geschickt. Wir beten oft: „Vater unser, der du bist im Himmel, wie auch auf der Erde, zu uns komme dein Reich, dein Wille geschehe“, aber wenn du seinen Willen nicht erfüllst, so wie er es dir zeigt, bedeutet das, daß du diesen Tag ohne Salz bist. Ihr könnt diesen Versuch machen: Wenn ihr nicht gut gelaunt seid und trefft einen Bekannten, der noch schlechter gelaunt ist, dann ladet ihn in euer Haus ein, gebt ihm zu essen, und ihr merkt nicht, wie Gott euch zwei wieder mit Salz versehen hat. Eine Frau, die mit ihrem Mann unzufrieden ist, trifft eine andere, die noch unglücklicher ist, und während sich die zwei unterhalten, wird Gott ihnen Salz geben. Das ist die positive christliche Philosophie. Oft sagt man: „Man darf nicht viel Bohnen oder Fleisch essen: es bleiben Ablagerungen zurück.“ Aber fragt euch: Warum essen die Menschen so viel? Um sich Salz anzueignen. Wenn sie über ausreichend Salz verfügen, essen sie nicht viel. Wenn ihr normal werdet, dann kann man über eine höhere Lebensphilosophie sprechen. Ihr könnt folgende Erfahrung machen, weil ihr alle von der realen Welt seid. Vielleicht sagt ihr euch: „Dem Dunov fiel es ein, zu uns von Salz zu sprechen; wissen wir denn nicht, von welcher Notwendigkeit es für uns ist? “ Ich spreche über das Salz, damit ihr diese einfache Erfahrung macht. Haltet ein, denkt fünf bis zehn Minuten über das Salz nach, über seinen Einfluß auf den Organismus, auf die Gefühle, die Seele und den Verstand, und seht dann, welche Veränderung bei euch eintritt, was ihr fühlt. Warum ist gerade Salz ein so aktives Element? Oft beklagen sich die Menschen bei mir, daß sie schlecht gelaunt, unglücklich waren, und ich sage ihnen: „Ich kenne das, weil auch ich auf der Erde bin.“ ‚Ja, aber deine Lage ist vollkommen anders als die, in der wir sind.“ Der Unterschied ist nur der, daß ich mehr Salz habe. Ich werde dir von meinem Salz geben, aber du mußt es gut anwenden, es gut verteilen. Wenn du ein wenig Joghurtferment hast, wirst du davon für das nächste Mal etwas aufbewahren. Wenn ihr Milch zu euch nehmt, läßt ihr das Ferment davon übrig. Ich lehre den heutigen Menschen, nicht alles aufzuessen, weil solche Menschen dadurch Gott bestehlen. In so einem Fall seid ihr jenem Bulgaren ähnlich, dem man Kredit gewährt hat, und der sich auf den Weg gemacht hatte, um damit unnötige Sachen zu kaufen. Der Geldgeber, der das sah, wollte sein Geld zurück; er sagte: „Du bist nicht der Mensch, der mit Geld umgehen kann, und deshalb verdienst du es nicht.“ Wenn Gott sieht, daß ihr mit dem Leben nicht richtig umgeht, nimmt er es sich. Wieviele von euch waren gesund, fröhlich, glücklich, und sind jetzt schwach. Warum? — Weil ihr mit dem Leben nicht umgehen könnt. Wenn ihr Salz in euch habt, werdet ihr gesunde Menschen mit einem gesunden Herzen und Körper sein. Konzentriert euren Verstand auf das Salz, auf dieses Element des Gleichgewichts und des Aufbaus, und bemüht euch, es zu bewahren. Dieses Element nennen die Inder „Prana“, d.h. eine Kraft, die Leben in sich trägt. Es befindet sich in der Luft, in der Nahrung und im Wasser — von da strömt es aus. Jetzt sage ich euch, wie ihr essen sollt. Wir fangen in dieser Welt mit dem Essen an. Wenn ihr mit dem Essen beginnt, ist die erste Bedingung, daß ihr jegliches Unbehagen von euch entfernt. Und wenn man etwas Brot hat, soll man es lieb gewinnen, damit diese Energie, die in ihm enthalten ist, euren Organismus durchdringen kann, so daß ihr ein angenehmes Gefühl verspürt. Aber was passiert jetzt? Die Frau hat ganze vier Stunden gekocht, und sie hat ein wirklich vorzügliches Essen zubereitet; da kommt der Mann von draußen: unzufrieden, finster, die Frau steht ganz geknickt da, und siehe da, jegliches Salz verschwindet. Am zweiten Tag ist aber die Frau über etwas unzufrieden — ihr eßt und eignet euch nichts von diesem Salz an, weil ihr unzufrieden seid. Unzufrieden sind auch der Mann und die Frau. Der Mann sagt: „Frau, was ist mit dir? “ Die Kinder sagen: „Mutter, was hast du? “ Das zweite Mal kauft der Mann Fleisch, Butter und Eier, wieder sind im Haus alle unzufrieden! Um zufrieden zu sein, sollst du ihr sagen: „Alles ist vorzüglich, Frau!“ Wenn man die Nahrung kaut, dann wird man sehen, wie geschmackvoll sie ist, welches angenehme Gefühl, welches Glück und welche Zufriedenheit man verspürt. Jetzt beklagt man sich: „Wie kann man mit einem viertel Kilogramm Brot leben?“ Und unsere Unzufriedenheit schafft unangenehme Gefühle. Ihr sagt euch: „Wenn mein Magen leer ist, verstehe ich nichts von diesem Essen.“ Dein Magen ist nicht leer, nur dein Verstand und Herz. Ich habe einige Erfahrungen mit der Nahrung gemacht, ich habe zwei Äpfel und ein wenig Brot gegessen, und ich war zufrieden. Es wird nicht nur das Viele, sondern manchmal auch das Wenige mit Dankbarkeit gesegnet. Verachtet dieses wenige Salz in der Welt nicht, es ist wie ein kleines Weizenkorn, aus dem etwas Großes wächst. Das erste, was uns bevorsteht, ist, dieses Gefühl der Zufriedenheit zu entwickeln, das in uns existiert. Der Mann brachte ein viertel Kilogramm Fleisch, ein viertel Kilogramm Brot; dafür ist er Gott dankbar. Dann vermehrt es sich, weil im Lebenden der Magnetismus eine Kraft hat, nach der alle Teile, die mit dem zentralen Magnetismus eine gleichartige Vibration haben, sich anziehen. Wenn ihr über die Nahrung, die ihr gebraucht, zufrieden seid, könnt ihr von außen solche Elemente sammeln, die notwendig sind, um euch zufrieden zu stellen. Einige sagen: „Man soll kein Wasser trinken, es ist für die Frösche — für uns ist der Wein da.“ Ihr werdet Wasser trinken, und zwar für das durstige Herz hundert bis hundertfünfzig Gramm in Schlucken. Ihr werdet am Tag ein halbes bis zu einem Kilogramm Wasser trinken, aus dem ihr die unerläßliche Nahrung für eure Arterien schöpft. Ihr werdet tief atmen, und zwar durch die Nase, nicht durch den Mund, damit ihr nicht viel Staub auf- nehmt. Wenn die heutigen Menschen lernen, diese Elemente so aufzunehmen — die Nahrung, das Wasser und die Luft —‚ wird das andere von selbst gesegnet werden. Denkt nicht, daß in euch, in eurer Seele erst jetzt etwas geschaffen wird. Nein, in euch sind viele Gefühle verborgen. Die menschliche Seele ist reich und wartet auf Gelegenheiten, sich zu entwickeln. Das erste, das sich bei euch entwickeln muß, ist die Dankbarkeit für alles, was ihr habt. Seid nicht so wie jener Engel, von dem ich euch erzählt habe. Wenn alle dieses große „Gesetz der Dankbarkeit“ sich zugrunde legen, dann vermindert sich mindestens fünfzig Prozent aller Arbeit auf der Erde. Und dann werden auch die Engel, wenn sie sehen, daß wir vom Weg abgekommen sind, kommen und uns helfen. Denkt nicht, daß wir alleine in der Welt sind. Wühlt die Erde durch und seht, wie die Würmer beim Pflügen helfen, wie Mikroben zusammen mit dem Bauern den Boden herrichten, und wie noch andere Elemente das Weizenkom bilden. Bei all dem sind wir Kinder, die mit dem zufrieden sind, was ihnen der Vater bringt. Jedes Kind soll seinem Vater danken dafür, was er seinem KIND schenkt; und küßt es seinen Vater nicht, wenn er ihm etwas mitbringt, dann hat es kein Salz. Manche Eltern sagen: „Mein Engelchen!“, doch ein Engelchen ohne Flügel ist die Tochter, die weder Vater noch Mutter dankt und sie auch nicht küßt. Ihr, die ihr mich hört, werdet mit den anderen auf dieselbe Art und Weise sprechen. Dann werden wir durch Erfahrung feststellen, daß dieses Salz für alle unerläßlich ist. Heute tritt der Herr die Menschen, versieht die Welt, die Engländer, die Deutschen, die Russen, die Franzosen usw. mit Salz. Von jetzt an kommt das Gute. Ich wünsche euch, daß ihr, wenn ihr in euer Haus geht, wenigstens ein Gramm Salz euch aneignet, auf daß ihr gesunde Glieder in eurer Familie, in der Gesellschaft, im Volk werdet, daß ihr für alles dankbar seid; nur dann werdet ihr Segen erhalten. Dann werdet ihr klug, gut, fleißig und arbeitsam sein. Ein Vortrag vom Meister Beinsa Douno, gehalten am 25. März 1917 in Sofia
  9.  Die Krone Des Lebens Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn liebhaben. Jakobus 1: 12 Ihr werdet euch ein bisschen wundern, wie Gott prüfen kann. Es ist erstaunlich für diejenigen, die keine Schwierigkeiten im Leben überwunden haben und das Gesetz des Leidens nicht wissen. Äußere Begriffe für das Leben sind nicht erforderlich. Eine Frau ist zum Beispiel schön, jung, weiß, rot, aber sie wird das Äußere verlieren. Man fragt, wo diese äußere Schönheit, dieses Wissen usw. ist. Die ursprüngliche Schönheit wird verschwinden. Wenn der Mensch gesund ist und seine Gesundheit dann verliert, wo kann er sie finden? Er wird sie zehn, fünfzehn, zwanzig, fünfzig, sechzig, hundert Jahre bewahren und sie wieder verlieren. Am Anfang wächst er und lernt, und dann beginnt er sich zu verlieren, zu vergessen, bis alles verschwindet. Also, Gesundheit, Kenntnisse, Reichtum – alles wird verschwinden. Ihr Reichtum wird in die Hände der Freunde übergehen und wird verschwinden. Wenn ihr ein Haus habt, wird man auch es nehmen; und andere Güter, welche ihr habt, man wird auch sie nehmen. Ihr wollt reich sein, aber wie; ihr wollt Wissenschaftler werden, aber wie? Wie ich euch predige: Gesundheit, geistige Reinheit, Schönheit der Seele! Sei gelehrt, aber im Gott! Ihr sollt alle Tugenden in eurer Seele haben und infolgedessen reich, gelehrt, schön werden, ihr sollt die Menschen eine gute Lehre lehren, ihnen Frieden predigen, und ihr sollt in euch selbst auch Frieden, Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit und Wahrheit haben! Jetzt hat Jakobus eine Versuchung erlebt und sagt: „Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen“. Das bedeutet, dass euer Schiff, wenn ihr es fahren lasst, mit den Wellen des Lebens kämpfen wird, aber wenn es nicht fest ist, wird es sich mit Wasser füllen und sinken. Und wenn es fest ist, wird es mit den Wellen kämpfen, obwohl sie stark sind, und es wird diese Stürme überwinden. Jetzt ist euer Schiff, in dem ihr fahrt, nicht fest, weil, wenn ihr auf einige Stürme, Versuchungen und Unannehmlichkeiten stoßt, hängt ihr nach unten. Das Schiff ist weggefahren, sagt ihr, es ist gesunken. Warum, ich frage, ist es gesunken? Weil die Wörter jenes Feindes schwer waren. Ihr müsst euch ein stabiles Schiff bauen! Wenn der Schüler lernt und hartnäckig ist, wird er Kenntnisse haben. Er muss alles erlernen, gut lernen. Wenn ihr lernt, möchtet ihr äußere Kränze bekommen. Euer Leben ist immer ein und derselbe und wird euch lästig. Worin besteht euer Leben, und warum wird es euch lästig? Ihr steht morgens auf, frühstückt; ihr beendet das Frühstück, dann das Mittagessen, ihr beendet das Mittagessen, dann das Abendessen, dann geht ihr zu Bett, Herde, Lampen, und am Morgen wieder dasselbe. Und das ist ein Kreis, der sich täglich wiederholt, wie ein Pferd, das eingespannt ist, ein Rad zu drehen, Wasser für einen Garten herauszuholen, um ihn zu bewässern. Und es dreht, dreht, holt Wasser zwei, drei, fünf, zehn Jahre heraus, und endlich häutet und begräbt man es irgendwo. Das hat es in diesen Jahren seines Lebens gewonnen – es hat das Rad jeden Tag gedreht, und der Gärtner hat es endlich hingeworfen. Ihr müsst zuerst Gott recht machen! Ich spreche euch nicht über jenen Gott, über den die Wissenschaftler sprechen, dass er im Raum ist. Ich spreche euch über jenen lebendigen Gott, der überall und in euch ist, der euer gutes Wohl will. Diе Welt ist begrenzt. Wenn ihr denkt, dass die Welt euch glücklich machen wird, irrt ihr euch; sie wird euch am Rad anspannen, ihr Wasser zu holen, und nachdem ihr die Arbeit beendet habt und krank geworden seid, wird sie euch häuten. Mit diesem bösen Herrn werdet ihr einen bösen Sohn, bösen Vater, bösen Lehrer haben. Ihr müsst die schwierigen Aufgaben lösen, unabhängig von den Bedingungen, unter denen ihr jetzt seid. Ich werde über die Frage nach den Kindern sprechen. Warum sind die Kinder? Wisst ihr, warum ihr diese Kinder geboren habt? Damit ihr sie gut erzieht. Und wie erzieht ihr sie? Die Mutter beginnt, ihre Tochter zu erziehen: “Du musst darauf stolz sein, dass du eine Tochter von irgendjemandem bist. Weißt du, dass du ein Erbe und eine Ausbildung hast, Klavier spielst und schön bist; du bist besser als sie. Deshalb benimm dich entsprechend deiner Lage. Und der Vater belehrt den Sohn: “Du, Sohn, weißt du, dass ich nicht wie irgendjemanden bin. Du hast einеn guten Besitz, und er ist ein Tölpel. Du sollst darauf stolz sein, dich nicht erniedrigen, aber deinen Wert kennen” Der Vater hat den Sohn Stolz, Aufgeblasenheit gelehrt und dass er grausam zu den schwachen Menschen ist, und die Mutter lehrt ihre Tochter Stolz und Koketterie, und diese ganze Verdorbenheit kommt von den Eltern selbst. Sie geben den Keim der bösen Samen – Stolz, Zweifel und jedes andere Übel. Und David sagt in seinem Psalm: “Sie haben sich von der Gebärmutter ihrer Mutter entfremdet und Dein Gesetz, Gott, vergessen.” Die Mädchen sind jetzt stolz auf ihre äußere Schönheit, die sie mit äußeren Mitteln pflegen. Sie sind wie eine Magd, die mit einem Burschen verlobt war, und der Verlobte kam mit einem Freund, um sie zu prüfen. Nachdem sie die Gäste mit herzlich willkommen begrüßt hatte, nahm sie das Tablett, um sie zu bewirten, aber der Verlobte beschloss, die Magd zu stolpern, um zu sehen, ob sie zornig werden wird. Er stolperte sie mit dem Fuß; sie fiel, und das Tablett wurde verstreut. Aber die Magd stand sofort auf und ging in den Keller, ohne etwas zu sagen. Und der Bursche dachte: “Was für eine gute Magd – sie hat sich nicht geärgert; und wie klug – sie wird weder zornig noch nervös, sondern sie hat einen solchen Vorfall ertragen!“ Und sie gefiel ihm sehr, und er heiratete sie. Aber nachdem sie geheiratet hatten, begann die Braut über die geringfügigsten Dingen zu schelten und sich zu zanken. Und er erinnerte sich an diesen Vorfall – wie gut sie als Mädchen war, und wie sie damals diese Begebenheit ertragen hatte. Und sie sagte: „Ha, ich habe nicht geduldet! Wenn du in den Keller gekommen wärest, hättest du gesehen, wie der Tisch gelitten hat – als ich ihn mit Zähnen gebissen habe, habe ich ihn sogar vor Zorn zerbrochen!“ Nun seid ihr auch sehr gut von außen, aber wenn jemand euren Keller betritt, werdet ihr seine Knochen brechen. Und die gegenwärtigen Christen sind dieser Magd ähnlich – sie sind sehr gut von außen, sie verzeihen, aber wenn ihr sie drinnen im Keller sehen könntet, was sie machen! Und ihr alle wetzt die Zunge täglich mit schlechten Wörtern – warum etwas geschehen ist und sagt: “Dieses Leben und diese Welt haben keinen Sinn.” Ich sage: ihr habt die Lehre, welche ich euch predige, nicht geprüft. Die Menschen prüfen Gott und ärgern Ihn ständig, aber Er benimmt sich sehr gut mit ihnen. Ihr werdet sagen, dass Er es ertragen kann, Er ist stark. Ja, Er kann, weil er weiß, wie Er euch heilen kann – wie jene faule Tochter, die nichts tat, sondern nur befahl “Gib, Mutter, das, gib jenes“, und sie wurde endlich krank vor Faulheit, ging zu Bett und zwang ihre Mutter, den Arzt zu holen. Ihre Mutter holte den Arzt, er kam, begriff ihre Krankheit und sagte, dass sie Spaziergänge und Gymnastik im Zimmer machen müsse. Und sie hatte keine Lust, das sogar zu machen, und als sie im Bett war, drehte sie ihre beiden Daumen, um sie ein bisschen zu bewegen. Als der Arzt kam und sah, dass sie in derselben Lage war, fragte er sie, ob sie die Gymnastik gemacht habe, und sie antwortete ihm, sie habe sie gemacht. Auf seine Frage, wie sie es gemacht habe, zeigte sie mit den Daumen. Der Arzt begriff, dass die Magd vor Faulheit krank ist und sagte ihr, dass sie nicht gesund werde, wenn sie das nicht mache, was er ihr verschrieb hätte... So machen die Christen mit den zwei Fingern. Gott will kein solches Benehmen, sondern eine lebhafte, rege Gymnastik der Arme und Beine, damit ihr euch bewegt. Gott will, dass ihr Tugenden, gute Taten vollbringt, euch gut bewegt, um gesund zu werden. Warum seid ihr krank? Weil ihr faul seid. Eure Beine, Herz, Verstand, Augen, Mund sind steif, und ihr könnt, von Gott nur verlangen: „Gib mir, Gott, das und jenes!” Ihr wollt, dass Gott euch dient. Ja, aber eure Hände und Füße werden steif. Warum tun die Beine euch weh? Ihr habt keine Tugend. Warum tun die Hände euch weh? Die Gerechtigkeit fehlt euch; sie sind euch gegeben, dass ihr sie für eine gute Tat benutzt. Wenn ihr etwas Gutes nicht tut – werdet ihr leiden. Warum tun die Ohren euch weh? Die Weisheit fehlt euch. Warum tun die Augen euch weh? Ihr habt keine Helligkeit. Wenn der Mund euch weh tut, habt ihr keine Liebe; wenn die Zähne euch weh tun – auch; wenn der Kopf euch weh tut – habt ihr die Wahrheit verletzt, sie ist nicht in euch. Mit allen diesen Organen müsst ihr etwas Gutes für Gott tun, und ihr macht genau das Gegenteil. Wenn Gott ihnen Gesundheit gibt, sind sie faul, um euch zu dienen; wenn sie gute Taten vollzubringen aufhören, werden sie krank, und ihr holt den Arzt. Und der Arzt verschreibt ihnen Gymnastik. Gott wird einer Mutter, die faul ist, gute Taten für Gott vollzubringen, eine faule Tochter geben, damit die Mutter für sie pflegt und ihre Befehle erfüllt. Wenn eine Magd faul für Gott ist, gibt Er ihr einen Mann, damit sie ihm dient und alles für ihn macht. Wenn Gott sieht, dass der Vater faul ist und nicht gut ist, gibt er ihm einen Sohn Verschwender, damit er das Geld für Spielkarten und Frauen verschwendet. Auf diese Weise versteht Gott von den Kranken und Faulpelzen und heilt sie mit einer Gymnastik. Der Mann kann mit der Frau nicht gut gemeinsam leben, sie können sich nicht leiden. Еs darf nicht, dass die Leute sich auf diese Weise quälen, aber sie müssen kollektiv leben und sich helfen. Wenn ihr gemeinsam arbeitet, werdet ihr vielen Menschen helfen, ihr werdet sie von vielen Nöten befreien. Dasselbe geschieht auch in der Geistigen Welt – ihr müsst einander helfen. Wenn du deinem Nächsten hilfst, wirst du besser auf dem Weg gehen. Die Persönlichkeit muss beseitigt werden, und die Kollektivität muss im Glauben leben. Wie haben die Menschen in alten Zeiten gemeinsam gelebt? Wenn jemand einen Acker zum Ernten hat, ruft man Medzhija1 und wenn man zum Acker geht, erntet man ihn. Man macht dasselbe auch mit der Weinlese, dem Mais – man versammelt sich und zerkleinert den Mais. Unabhängig von der Arbeit wird man sich versammeln und sie erledigen. Macht auch so! Jemand ist in Not – versammelt zwei- drei Schwestern, helft euch, und Gott wird euch helfen. Wenn es mit zwei oder drei nicht geht, versammelt euch zu vier, zu fünf, und so werdet ihr euch erleichtern, unabhängig davon, wer wer ist. Lebt alle einheitlich! Und nun sagt Jakobus: „Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen.“ Und verlangt keine Krone der Eitelkeit, sondern die Krone der Unsterblichkeit, in der es kein Leiden, keine Versuchung, Krankheit gibt, aber ein Leben voll Güten existiert. Dieses Leben ist eine Pflanze, und wenn sie zu wachsen beginnt, ändert sie sich, der Boden ändert sich. Der Boden ist verschieden für jede Pflanze. Ihr seid keine gleichen Instrumente, gleichen Saiten. Ihr werdet euch so anpassen, dass ihr einheitlich arbeiten könnt – dass eine wunderschöne Harmonie entsteht. Und wenn ihr zu musizieren beginnt, soll es diesem angenehm sein, der euch hört. Und wenn ihr zu musizieren beginnt, werdet ihr dieses Gesetz lernen – eure Herzen, euer Verstand und Wille werden sich anpassen, und ihr werdet ausgezeichnet musizieren. Wenn der Himmel in euch spricht, könnt ihr ihn nicht annehmen. Warum? Gleichzeitig, einen Mund habend, esst ihr eine gute Nahrung, und eine gute Nahrung wird euch gegeben, und die faule wird weggeworfen und ist nicht für Leute. Was geschieht euch eigentlich? Gott sagt: “Ihr habt schlechte Gedanken in eurem Verstand, schlechte Wünsche in euren Herzen, und schlechte Wörter kommen aus eurem Mund; und euer Mund wird von schlechten Wörtern gestört werden. Wenn ihr ein Spülwasser nehmt und euren Bruder beschpritzt, was wird geschehen? Ist das gut? Wird eure Mutter euch loben? Das ist kein Christentum, es ist nicht gut; dass du deinen Bruder bespuckst, ist nicht gut. Aber du wirst sagen, man kann urteilen. Ich sage: geh, versöhne dich mit deinem Bruder; geh zu ihm und sag ihm: “Bruder, entschuldige mich!“ Wenn er dich nicht entschuldigt, geh wieder mit jemandem und sag ihm: „Schwester, entschuldige mich!“ Wenn er wieder nicht will, geh mit der Kirche und wenn er wieder nicht will, soll er als Heide und Zöllner für dich sein. Geh und sage ihm die Wahrheit, und wenn er einen Fehler gemacht hat, verbessere ihn. Wenn seine Wunde gangranös ist, geh, zeig sie ihm und heile ihn; wenn er krank ist, sag ihm, wie er heilen kann. Ich sehe, dass die Welt krank ist. Kranke Frauen rufen, ärgern sich über ihre Männer und wollen sich scheiden lassen. Kranke Männer suchen nach verschiedenen Vergnügungen, unvereinbar mit dem Gottesgesetz, möchten unmögliche Dinge und verlassen ihre Frauen. Ich sehe kranke Geister, kranke Herzen, kranke Seelen. Mit solchen ist es klar, wie man leben wird... Ich fuhr einmal mit dem Zug und sah einen Herrn, überworfen mit einer Pelerine. Ein anderer Herr ging frei, fuchteltе mit den Händen, ohne jemandem ein Übel zufügen wollen, und sang vor sich hin. Plötzlich rief der Herr mit der Pelerine: “Bist du blind, dass du an mich stößt; siehst du nicht, dass mein Arm mir weh tut!” Und wirklich, sein rechter Arm war verbunden. Offensichtlich tat er ihm weh, aber der andere Herr wusste nicht, dass sein Arm krank ist. Trotzdem rief jener weiter; er rief, weil sein Arm krank ist… Ihr müsst in einer Entfernung von fünfzehn Zentimetern von jedem Menschen sein, weil es kranke Menschen gibt, und ihr haltet das nicht ein. Die Frau strebt danach, dass sie in der Nähe von ihrem Mann ist, und lässt ihn nicht, dass er sich von ihr trennt, er hat es satt und beginnt, in die Kneipe zu gehen und zu trinken, weil die Seele ihm weh tut. Und weil ihr fünfzehn Zentimeter von eurem Mann nicht entfernt seid und ständig seine kranke Seele berühren wollt, beginnt er von euch zu fliehen. Es ist in der Schrift gesagt, dass Gott die Frau aus einer Rippe gemacht hat, und wisst ihr, was eine Rippe ist? Der Buchstabe “r”, der ursprünglich das Wohl der Welt bringen musste, bedeutet eine Arbeit, und er machte die Welt dann unruhig, und Gott strafte ihn. Also, Gott hat die Frau aus der Rippe des Manns, aus der Rippe der Weisheit gemacht, damit sie vernünftig ist, die Welt vereinigt, ihr eine Süße gibt, damit alle einen Trost in ihr finden. Und jetzt gebärt die Frau unvernünftige Kinder. Sie zieht sie auf, und sie beginnen über ihren Vater zu lästern, und der Vater sagt, dass der Sohn böse sei, dass er Säufer sei und ihm nicht ähnlich sei. Von dummen Eltern – dumme Kinder, von einer unvernünftigen Mutter – ein Sohn Gauner; das ist ein Gesetz. Wenn euer Sohn stirbt, ist das infolgedessen, dass ihr nicht sauber seid, dass ihr verschmutzt seid, ihr habt das Gottesgesetz verschmutzt und bezahlt dafür. Heute spreche ich eine Wahrheit, und wenn ihr auf mich hört, werdet ihr gut tun, und wenn ihr auf mich nicht hört, werdet ihr selbst sehen und eure Lektion lernen. Endlich wird der Herr euch zwingen, ihm Wasser mit dem Rad zu holen, und wenn ihr eure Lektion lernt, wird er euch häuten. Ich möchte das nicht. Deshalb wendet sich Gott an seine Töchter. Wer leidet, er ist im Kessel. Ihr seid nun gut, weil jemand, der im Kessel gekocht wird, gut ist. Eine Seele, die große Leiden ertragen hat, wird gereinigt. Ihr alle habt gelitten, und die Sauberkeit ist notwendig zum Glück im Leben. Wenn ihr rein seid, geht es gut. Ihr steht morgens auf – alles geht schief. Warum? Weil es keine Reinheit gibt. Nun, nehmt diese Magd zum Vorbild. Gott gibt Gesundheit dem Menschen, und der Mensch ist faul und arbeitet nicht. Dann gibt Gott ihm Leiden. Wenn er kein Leiden will, wird ihm eine Qual gegeben. Wenn er die Qual annimmt, die Leiden erträgt und sich mit ihnen abfindet, sagt Gott dann: “Er hat sich an Leiden gewöhnt, nehmt ihm es weg und gebt ihm Arbeit!” Was tut ihr jetzt für Gott? Oder ihr werdet sagen, dass Gott gut ist. Gott ist gut, aber er wird euch Noten schreiben. Ihr habt eine Zwei, eine Drei, Vier, Fünf, Zehn - für alles positive Noten: für eine Heuchelei – eine Sechs, für eine Lüge - Fünf, für Zorn – eine Sieben, für Unmäßigkeit - eine Fünf ein halb. Ihr könnt ohne Prüfungen nicht gehen. In diesem Leben, indem es so geht, werden eure Noten schlecht sein. Ich möchte, dass ihr diese Aufgabe erlernt, euch selbst zu entwickeln. Ihr müsst beten und euch selbst fragen, worum ihr beten müsst. Damit ihr Geduld habt. Und wenn ihr wieder betet, wird alles progressiv vorangehen. Wenn das Kind sich etwas vornimmt, geht es und will Äpfel von seiner Mutter. Es hat sich Äpfel, Nüsse und andere Sachen zur Aufgabe gestellt, geht und bittet darum. Seine Mutter gibt ihm Äpfel, es möchte auch Nüsse. Sie gibt ihm Nüsse – es möchte eine Konfitüre. Aber seine Mutter sagt: “Man darf alles nicht gleichzeitig bekommen, morgen anderes.“ Und es behält das Vesprechen im Gedächtnis, dass es morgen wieder bekommen wird. Und ihr müsst euch eine solche Aufgabe stellen, und wenn ihr etwas vorhabt, geht, wollt, und Gott wird euch alle euren Bedürfnisse decken. Seid gut. Gut zu sein, bedeutet nicht, dass du wie ein Schaf bist. Gott will keine Schafe, sondern gute und vernünftige Leute. Die guten Menschen sind diese, die nicht sauer werden. Wenn du sauer wirst, bist du nicht gut. Ihr sollt einen guten Boden haben, diese Stoffe reinigen, die den Menschen sauer machen. Euer Boden ist faul, deshalb sagt Gott, dass der Samen, der in in die Dornen gefallen ist, erstickt und nicht gewachsen ist. Ein anderer ist auf einen Stein gefallen, die Sonne hat ihn erhitzt, und er hat vertrocknet. Er ist nicht gewachsen, weil er im Stein keine Wurzeln treiben kann. Irrt euch nicht! Wenn ihr jetzt euch einen Boden nicht vorbereitet, werdet ihr ihn nie vorbereiten. Ohne Aufschub! Schiebt das Gute nicht auf! Ein guter Gedanke wird alle guten Gedanken anziehen, die helfen werden, dass die gute Tat gemacht wird. Manchmal werdet ihr kühl jemandem gegenüber und wollt nicht, irgendwo gehen. Wisst ihr, warum es so geschieht? Weil es dort ein Geruch, ein Gestank gibt, deshalb wollt ihr nicht gehen; der Boden ist dort verfault, man hat ein Schaf geschlachtet, und es stinkt. Natürlich wird es stinken, als man es geschlachtet hat. Werft das Schaf weg, macht den Boden oder das Haus sauber, und der Geruch wird verschwinden! Das ist das Gesetz der Wahrheit. Wenn das Wasser schmutzig wird, isoliert man den Behälter, das Wasser wird gereinigt, indem man es seiht, dann lässt man es wieder ab. Sonst, wenn man diesen Schmutz nicht reinigt, der dort sich angehäuft hat, werdet ihr ihn trinken und krank werden... Also, wenn man eine Sünde macht, schließt man sie, sie wird versteckt und beginnt zu stinken. Nein, öffne das Zimmer und sag: „Ich habe ein Schaf oder еin Rind geschlachtet, ich habe gesündigt, na ja ich habe sie weggeworfen!“ Bezahlt sie dem, von dem ihr sie genommen habt, und die Sünde wird so weggeworfen und wird nicht stinken. In unserem Leben gibt es auch Misthäufen. Es gibt keine Bedeutung, dass das Übel kommt, es kann kommen, aber ihr sollt es nicht annehmen, mit ihm nicht einig werden und die Sünde wie den verlorenen Sohn nicht machen. Ich sage nicht, dass einige Krähen oder Adler um euch nicht umkreisen werden, um euer Nest zu beschmutzen. Sie können es von außen beschmutzen, aber es muss drinnen sauber, heilig sein. Ihr putzt jeden Tag euer physisches Haus – reicht es euch nicht einmal im Jahr? Ihr werdet sowohl geistig als auch physisch täglich sauber machen. Täglich müsst ihr sauber machen! Freunde werden euch zu Besuch kommen, lasst nicht zu, dass sie euch lästig werden! Gott möchte keine solchen Leute. Jemand sagt: „Aber, ich kann mich nicht beugen.” Du wirst dich beugen, du wirst dich beugen! Wenn du einen Balken oder Stein bist, wirst du dich nicht beugen, aber wenn du ein Mensch bist, wirst du dich beugen. Und was ist die Beugung? Dass du sowohl an dich selbst, als auch an deine Nächsten gleich denkst. Du bist zornig, geh nirgendwo, bleib zu Hause! Du bist mit einer Last geladen – geh nirgendwo, um deine Last abzuladen, weil das nicht nach dem Gottesgesetz ist. Ein solches Leben ist nicht gut. Jemand wird mir sagen, dass auch die religiösen Menschen ihre Last abladen – Männer, auch Frauen, Dichter, Schriftsteller, auch Lehrer – immer entspannen sie sich einander. Die Propheten sind in den Wald gegangen, um ihre Last zu entladen. Wenn ein Acker nicht geerntet wird, wird er nie von sich selbst geerntet werden; dieses Jahr wird er ein bisschen hervorbringen, das nächste Jahr noch weniger und so wird er aufhören, Weizen hervorzubringen. Es ist besser, dass wir einen kleinen geernteten Acker als einen großen nicht geernteten besitzen. Denn das kleine Gute vermehrt sich, wenn es gezüchtet wird. So ist auch in der Seele. Wenn Gott eine Frucht in deiner Seele gibt, bringst du sie durch ein Loch heraus, um Mäuse zu füttern. Die Löcher müssen geschlossen werden! Man näht mit einer Nadel nicht. Einige stopfen ihre Herzen, ihren Verstand; das ist nicht gut. Ihr sollt gut verstehen, wenn Gott euch etwas gibt. Ihr sollt auf Ihn hören und gut verstehen, wenn er euch spricht, was Er von euch will. Ihr sollt auf ihn auch da hören, wenn ihr von ihm über euer Leben die wichtigsten Dinge verlangt. Seht, wenn ihr zwiespältig seid, ist das kein Gottesgedanke, kein Gotteswunsch. Wenn ihr betet, ohne das euch notwendig ist, ob Gott auf euch hören wird? Er wird auf euch nicht hören, weil ihr mit derselben Lektion nicht gegangen seid, die für heute bestimmt worden ist. Aber Gott wird uns verzeihen. Er wird euch verzeihen, aber der Schüler muss lernen. Der Lehrer hat ein bestimmtes Programm: die erste Stunde – Geschichte, die zweite Stunde – Lesen, dritte Stunde – Rechnen, die fünfte – Musik und die sechste – Gymnastik. Aber zu Hause lernt man anderes. Da bleib zu Hause, komm in die Schule nicht. Das Kind will immer von seiner Mutter saugen, aber wenn sie sieht, dass es Zähne hat, stillt sie es nicht mehr. Ein Kind möchte, dass das Essen ihm zerkaut wird; das Essen wird ihm ein, zwei, drei, vier, fünf Jahre zerkaut, aber dass das Essen ihm bis zu zwanzig Jahren zerkaut wird – das geht nicht. Auch das Huhn, wenn seine Kücken groß werden, beginnt sie zu picken – sie sollen selbst nach ihrem Essen suchen. Und Gott will uns lehren, dass wir selbst essen und ein gutes Essen wählen. Das verlangt Gott von uns: tue keinen Zorn, das ist unvernünftig! Stelle Gottesgerechtigkeit immer vor den Menschen dar! Die Hände sind nicht zum Übel, sondern zum Gute. Ihr tut Gerechtigkeit nicht – eure Hände werden euch weh tun; ihr tut eine Tugend nicht – eure Beine werden euch weh tun, ihr werdet nicht gesund sein; ihr habt keine Liebe – ihr Mund, ihre Zähne werden euch weh tun; ihr habt keine Wahrheit – der Kopf wird euch weh tun; ihr habt keine guten Gedanken – ihr werdet dumm sein; ihr seid nicht weise – die Ohren werden euch weh tun. Denn ihr seid nicht einig mit dem Gottesgesetz, ihr werdet immer krank, unwohl sein. Und jetzt werdet ihr zum Gott gehen und sagen: „Gott, ich möchte Geduld! Gib mir Deine Kraft, damit ich jede Prüfung ertrage, die mir bevorsteht und sie mit einer Bereitschaft ertrage! Ich will Demut!” Zum Beispiel, ihr habt eine schlechte Gewohnheit; wenn diese schlechte Gewohnheit kommt, beginnt ihr zu zählen: eins, zwei, drei, vier – bis dreißig, vierzig, fünfzig; während ihr zählt, wird diese schlechte Laune vergehen. Wenn ihr zählt, werdet ihr euch sagen: „Na, ich habe heute ein bisschen ertragen, ich bin nicht so zornig geworden; morgen werde ich mich zweimal zurückhalten, nicht zu lügen; übermorgen werde ich mich dreimal zurückhalten, nicht zu bereden”. Und so werden die Zeichen jedes Lasters allmählich weniger, bis es verschwindet. Wenn ich etwas Gutes für die Leute nicht sprechen kann, werde ich heute mir Gedanken machen, dass ich Gutes sprechen werde. Morgen werdet ihr etwas Gutes für jemanden tun, den anderen Tag werdet ihr ihn vom Übel befreien, und das Gute erhöht sich so ständig in euch. Eine Frau, die tausend gute Wörter hat, wird eine gute Frau für den Staat sein, sie wird gute Mutter sein, sie wird gute Söhne, kluge Töchter haben, und dieser Staat wird Erfolg haben. Und ich will, dass ihr Gutes denkt, Gutes tun, gut seht! Macht euch keine Sorgen; das Kind, wenn es zu gehen beginnt, hat keine Angst davor, dass es fällt. Ihr werdet fallen, aufstehen, aber habt keine Angst – ihr werdet lernen! In euch allen entstehen starke Wünsche, dass ihr Wohltaten erweist! Der Apostel sagt, dass der Gerechte sieben Male fällt. Ihr werdet große Schwierigkeiten im Leben haben, aber ihr werdet eine neue Erfahrung und neue Lebensweise bekommen. Amen! (1.) Medzhija (türkisch) – Form der kollektiven Arbeit zu Hilfe jemandem, ähnlich dem Spinnstubenabend
  10.  Der Bruder der Kleinsten "Heilige sie in der Wahrheit" Johannes 17,17 In der Ursprache (der Sprache des Göttlichen Urgeistes, dem Erhabensten in der Engelhierarchie) gab Gott dem Menschen einen anderen Namen, nicht den jetzigen. Das geschah im Rat der Götter, unter dem Vorsitz des Herren Jesus Christus, dem Erlöser der Menschheit. Dieser Rat befasste sich mit der Erschaffung des Menschen und der Bestimmung seines Namens. Der Name "Mensch" ist falsch übersetzt, aber wir belassen ihn so. Unter einem Menschen verstehen wir ein Wesen, das denkt. Nach der jetzigen Evolution verläuft der Gedanke des Menschen in zwei Richtungen: einer absteigenden und einer aufsteigenden. Die absteigende Richtung führt zur Erschaffung der menschlichen Persönlichkeit und des menschlichen Körpers mit seinen sieben Hüllen. Die östlichen und westlichen Schulen unterscheiden sich in der Klassifizierung dieser Hüllen. Doch diese Klassifizierung bezieht sich nur auf die äußere, sichtbare Seite dieser Lehre. Im Prinzip unterscheiden sich beide Schulen innerlich nicht. Laut der esoterischen Christenlehre besitzt der Mensch drei wesentliche, beständige Körper und sieben Hüllen. In der theosophischen Literatur ist von sieben Hüllen des menschlichen Körpers die Rede, die drei beständigen Körper aber werden nur angedeutet. Dort werden die Hüllen Körper genannt, doch sie sind keine Körper. Auf sie trifft eher der Name "Hülle" zu. In Bezug auf die Realität ist die menschliche Welt eine Übergangswelt im Gegensatz zur Evolution in der Welt, die ein göttlicher Prozess ist. Vom göttlichen Gesichtspunkt aus strebt der menschliche Geist danach, die drei beständigen Körper zu erwerben. Diese Idee ist so umfassend und unermesslich, dass sie geniale Menschen, Größen der Wissenschaft, des Okkultismus, der obersten Engelhierarchien sowie der obersten Hierarchien der Götter, sowohl in der Vergangenheit als auch gegenwärtig, nicht vollständig begreifen können. Unter "Götter" verstehe ich nicht den Allmächtigen, sondern die obersten Dienstgrade der Engelhierarchien. Doch heutzutage ist das Wort Gott inhaltslos, weil man mit diesem Namen Wesen bezeichnet, die keine Götter sind sondern solche, die die Menschen irreführen. Sie haben nichts Göttliches an sich. Befreit euch von diesem falschen Gottesbegriff. In der Ursprache hatte das Wort Gott einen besonderen Sinngehalt. Heutzutage ist dieser Begriff entstellt. Mit der Entstellung dieses Begriffs haben die Menschen auch ihren Verstand entstellt. Damit wir uns einen richtigen Begriff von Gott machen können und um ihn zu verstehen, müssen wir zu unserem Urzustand zurückkehren. Viele betrachten Gott als ein Wesen, das sich wie der Mensch mehrere Male am Tag ändert. So denken auch einige westliche Okkultisten. Das ist kein Vorwurf. Das ist auf den Kampf zwischen den zwei Logen – der Weißen und der Schwarzen, die in der Welt existieren, zurückzuführen. Sie haben die Menschheit in zwei gegenüberstehenden Lagern geteilt. Sie sind der Grund für die Zwietracht, die im politischen und gesellschaftlichen Leben, in den Familien, sogar im einzelnen Menschen, in der Religion und Wissenschaft herrscht. Diese beiden Einflüsse spalten den menschlichen Verstand. Wo es aber eine Teilung, eine Spaltung gibt, dort ist der göttliche Geist nicht am Werk. Wenn man in sich gespalten ist und in Widersprüche gerät, ist man außerhalb von Gott. Das ist ein psychologisches Gesetz. Wenn ich vom Menschen spreche, müsst ihr in euch gehen, euch jenen Menschen vorstellen, der nach dem Ebenbild Gottes, d.h. nach dem Abbild der Wahrheit und Liebe geschaffen wurde. Dieser Mensch hat nie den Namen Gottes befleckt. Moses, einer der großen Eingeweihten, sagte: "Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen". Das ist eins der Gesetze des ersten Mystikers, der die großartige Gotteslehre erlernen wollte. Er wollte den Namen Gottes heiligen. Das bedeutet, ein wahrer Mensch zu sein. Niemand kann sich auf eine höhere Stufe als seine jetzige erheben, solange er nicht beginnt, den Namen Gottes in jenem höheren Sinn zu heiligen, wie er von den Göttlichen Urgeistern übermittelt wurde. Oft beobachte ich, wie sich die Menschen in Bulgarien und anderswo in Große und Kleine, in Enge und Weite, in Schwarze und Weiße teilen. Sie sagen: "Wir sind weit, universal, wir sind nicht engstirnig wie die anderen." Gebe Gott, dass ihr weit seid, aber nicht formlos, ideenarm. Wenn ihr ins Ausland geht zu den Okkultisten, zu den Theosophen, werdet ihr verstehen, dass sie Anhänger der Weißen Bruderschaft sind. Sie arbeiten an der Erneuerung der menschlichen Gedankenwelt, damit in der Zukunft ein neues Bestreben, ein neues Wirken des göttlichen Geistes eingeflößt werden kann. Heute teilen sich die Theosophen in Anhänger von Annie Besant und Anhänger von Rudolf Steiner -Anthroposophen, doch sowohl die einen als auch die anderen sind Anthroposophen. Aber als Menschen können sie sich nicht ertragen und teilen sich in Weite und Enge. Die Anhänger von Besant sind Frauen, die von Steiner – Männer. Die einen wie die anderen streiten miteinander. Alle Strömungen der östlichen Schule werden von Frauen angeführt, und die der westlichen von Männern. Diese Einteilung tritt klar hervor, aber das ist nur die äußerliche Seite. Wer nicht erhaben ist, wird von ihnen in Versuchung geführt. Wer aber der Versuchung verfällt, kann Christus nicht verstehen. So wie zu Zeiten Jesu einige in Versuchung gerieten, genauso kommen auch heute die Leute in Versuchung. Seitdem der Mensch der Sünde verfiel und den Namen Gottes entstellte, kommt er in Versuchung. Wer der Versuchung erliegt, kann sich nicht in die Lage eines denkenden Menschen erheben, kann die inneren Grundgesetze, auf denen der menschliche Geist beruht, nicht verstehen. Um sein individuelles und gesellschaftliches Leben sowie das Leben der ganzen Menschheit zu verändern, muss der Mensch die großartigen Gesetze des göttlichen Gedanken verstehen. Die Theosophen nennen den höchsten Verstand höchstes Manas. Den Natur- oder niederen Verstand nennen sie niederes Manas. Nirgends aber wird der mittlere Verstand erwähnt, der am wichtigsten ist. Das niedere Manas ist die Grundlage, auf die der menschliche Gedanke aufbaut. Also ist es der Nährboden für die mentale Welt. Wenn ihr die Elemente dieses Nährbodens versteht, wisst ihr, was ihr auf ihm säen könnt. Jeder Gedanke enthält den Keim einer Tätigkeit. Richtig Denken zu lernen bedeutet zu wissen, welchen Samen man in den verschiedenen Jahreszeiten säen muss. In der Schrift steht: "Was du säst, wirst du ernten." Darunter ist das Einbringen der Saat in die Gedankenwelt zu verstehen. Unter den Menschen gibt es so viele falsche Anschauungen, so viel falsches Handeln, dass sie sich, wenn sie nicht auf die Stimme des Großen Lehrers hören, gegenseitig umbringen würden. Er sagt: "Von nun an erlaube ich keinem, einen Schritt nach vorn zu machen. Wenn er seine Gedanken nicht ändert, den Namen Gottes nicht heiligt, selbst wenn er tausend Jahre an meine Tür klopft – weh ihm! Er wird noch Früchte seines Karmas ernten – seit Tausenden Jahren." Was ist Karma? Das ist die Folge vieler schlechter Früchte, die man selbst in der Vergangenheit gepflanzt hat. Christus ist nur wegen Einem auf die Erde gekommen – um die Menschen zu erlösen. Unter Erlösung verstehe ich, dass er sie lehrt, den Namen Gottes in sich und der Welt zu heiligen. Auf diesem Namen beruht die Grundlage unseres Daseins. Die Heiligung von Gottes Namen ist das Allergroßartigste. Das ist die Philosophie der Zukunft. Manche beschweren sich, dass ihnen keine Geheimnisse enthüllt werden. Was wollen sie? Soll ich ihnen Waffen geben, damit sie sich gegenseitig umbringen? In Westeuropa gibt es verschiedene Lehren und Bruderschaften, deren Mitglieder die Geheimnisse der Natur erkennen wollen. In dieser Beziehung ähneln sie jenen Frauen, die sich an ihren Geliebten mit Vitriol[2] rächen. Warum wollen sie sich an ihnen rächen? – Weil sie von ihnen betrogen wurden. Nachdem sie die Geliebten mit Vitriol entstellt haben, sind die Frauen zufrieden und sagen: "Jetzt wird er weder mir noch einer anderen gehören." Die Männer machen es genau so. So machen es auch die religiösen Leute. Christus ist von den Taten der Menschen verbittert. Gott hat beschlossen, sie zu bestrafen, wenn sie ihr Verhalten nicht korrigieren. Nach dem göttlichen Gesetz darf man nicht mehr sündigen. Das Alte muss vernichtet werden, weil eine neue Epoche beginnt, ein neuer Aufschwung. Der Göttliche Urgeist steigt in kreisförmigen Wellen sieben Felder, sieben Welten herunter. In der Saturn-Periode stieg der Göttliche Urgeist in die Mentalwelt hinab und bildete den Verstands- oder Mentalkörper des Menschen. In der zweiten Periode, der Sonnenperiode, stieg der Geist bis in die Astralwelt und bildete den Begierden-Körper (Astralleib). In der dritten Periode – der Mondperiode, stieg der Geist in das Äther-Gebiet der physischen Welt, wobei er die Ätherhülle des Menschen bildete. In der vierten Periode, der Erdenperiode, stieg der Geist in das niedrigste Niveau der physischen Welt und bildete den physischen Körper. Während der Geist in diesen Perioden ab- und aufstieg, durchlief er geistige Tage und Nächte. In der ersten Periode, als der göttliche Geist den Menschen nach dem Ebenbild Gottes schuf, war der Mensch sündenlos. In der zweiten Periode begann der Mensch zu fallen. In der dritten Periode kam er zum vollständigen Verfall. In der vierten, der Erdenperiode, der unterste Periode des Abstiegs, erreichte der Verfall sein Maximum. Warum muss der Mensch in die Materie absteigen und in ihr versinken? Um sich in alle Hüllen zu kleiden, eine dichter als die andere. Von dort aus beginnt der Aufstieg des Menschen und sein Einkleiden in höhere Formen. In allen Perioden gibt es einen teilweisen Ab- und Aufstieg in wellenförmigen Linien. Die Schlussbewegung wird aufsteigend sein. Wer sich nicht mit Gott verbinden will, wird von der Welle aus der gemeinsamen Strömung des göttlichen Tages geworfen. Dort wartet er dann auf eine andere Periode des Ab- und Aufstiegs, d.h. auf eine andere Welle. Alle, die nach oben zu Gott steigen, werden in den Himmel kommen, der Herausgeworfene aber wird unten bleiben, außerhalb von Gott. Das Tor wird sich vor ihm schließen und er wird Gottes Stimme hören: "Ich kenne dich nicht". Eines Tages, wenn Christus an eure Türen klopft, werden jene, die sich mit persönlichen Fragen beschäftigen, mit gewöhnlichen Dingen, draußen bleiben und kein Öl für ihre Lampe haben. Später werden sie zur Vernunft kommen, doch der göttliche Dampfer hat bereits abgelegt, hat auf keinen gewartet. Deshalb muss jeder bereit sein, damit er rechtzeitig einsteigen kann. Ich erzähle euch das nicht, um euch eine Moralpredigt zu halten, sondern ich teile euch das Gesetz mit, das, was Gott sagt. Er wird den Dampfer für niemanden anhalten. Nun, ihr schwimmt mit der Welle und habt jetzt die besten Entwicklungsbedingungen. Wenn euch ein schlechter Gedanke durch den Kopf geht, so wisset, dass er aus eurer lang zurückliegenden Vergangenheit kommt und kein heutiger Gedanke ist. Er ist ein fremdes, ein untergeschobenes Kind, weist ihn zurück. Schickt auch mir keine untergeschobenen Kinder, die von ungesetzlichen Eltern stammen. Man hat mich nicht als Lehrer auf die Erde geschickt, um solche Kinder großzuziehen und zu erziehen. Einen Sünder großzuziehen ist das eine, ein ungesetzliches Kind hochzupäppeln, ist etwas anderes. Ein Sünder, der ein gewisses Bewusstsein erlangt hat und seine Sünden bereut, kann sich retten. Er unternimmt Anstrengungen, den Willen Gottes zu erfüllen. Wegen solcher Menschen kam Christus auf die Erde. Jeder kann sich retten. Auch der Sünder kann sich retten, aber nicht das untergeschobene, das ungesetzliche Kind. Das ist eine Schlange, die, je mehr man sie nährt, umso größer wird. Eines Tages wird sie sich um den Menschen schlingen und seine Knochen zermalmen. Speziell für euch, für euer zukünftiges Wohl, ist es notwendig, jene großartigen Gedanken zu nähren, die Gott ursprünglich durch den Heiligen Geist in euch gelegt hat. Ernährt keine negativen Gedanken, die euch von der Schwarzen Loge untergeschoben wurden. Die Mutter sagt: "Ich habe mich mit diesem Kind abgeplagt, es hat mir viel Kopfschmerzen bereitet, doch eines Tages wird es für mich sorgen." Nein, eines Tages wird euch dieses Kind wie eine Schlange die Knochen zerbrechen und euch aus dieser Welle werfen. "Heilige sie in der Wahrheit". Keiner kann das göttliche Gesetz erlernen, solange er den Namen Gottes nicht geheiligt hat. Wenn ihr Gottes Namen heiligt, werden eure Gedanken rein und hell sein. Aus ihnen webt ihr jene Hülle, in der der Leib der Wahrheit, die euch befreien wird, gezeugt wird. Die Wahrheit ist der erste Leib, an dem ihr jetzt arbeiten müsst. In diesem Körper lebt die menschliche Seele. Ohne Wahrheit gibt es keine Freiheit. So sehr ihr auch weint, wenn die Wahrheit nicht in euch ist, könnt ihr nicht frei sein. Nur mit Tränen könnt ihr euch nicht helfen. Manchmal ist das Weinen nützlich, manchmal schädlich. Die Tränen sind Regen; wenn ihr guten Samen ausgesät habt, wird er wachsen und euch erheben. Wenn ihr Dornen gesät habt, werden sie euch, nachdem sie gewachsen sind, ersticken. Wenn man Gott nachweint, ist man selig; wenn man der Welt nachweint, könnt ihr mir Leid tun. In diesem Fall ist eine Dürre vorzuziehen. Helle und edle Gedanken werden euch erheben. Mit ihnen werdet ihr in den Leib der Wahrheit eingehen und frei sein. Auf diese Weise erkennt ihr Christus und er wird euch erkennen. Manche möchten Christus in mir finden. Nein, Christus findet ihr in seiner Lehre! Wenn ihr erfahren wollt, wer ich bin, sage ich es euch. Ich bin der Bruder der Kleinsten im Reich Gottes. Ich, der Kleinste, will den Willen Gottes erfüllen, so wie es Gott geboten hat. Ich will seinen Namen heiligen, so wie er mich geheiligt hat. Gott war so gut zu mir, dass ich, der Bruder der Kleinsten, mich bei ihm von ganzem Herzen revanchieren möchte. Ich möchte, dass auch ihr meinem Beispiel folgt. In manchen von euch kann der Wunsch aufkommen, größer zu sein als ich, den ersten Platz einzunehmen. Das ist eine Versuchung. Christus sagte: "Es ist für den Jünger genug, dass er wie sein Meister ist." Auch ich will nicht mehr. Mir reicht dieser bescheidene Platz. Ich würde ihn gegen nichts eintauschen. Es ist unwichtig, welchen Platz ihr einnehmt. Wichtig ist, wie ihr eure Pflicht gegenüber Gott erfüllt. Ihr möchtet Könige sein. Es ist schön ein König zu sein, aber es gibt kein größeres Unglück als dieses. Ein König kann Tausende gute Taten vollbringen, die ganze Gesellschaft oder ein ganzes Volk fördern, aber er kann es auch ins Verderben führen. Deshalb sagte Christus: "Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert." Wenn du eine Größe werden möchtest, offenbaren sich die Gefühle von Stolz und Ruhmsucht in dir. Die großen Händler, die mit viel Kapital umgehen, mit Hunderten Millionen, machen große Schulden und bringen manchmal viele Leute um ihr Geld. Wenn ihr Hundert Millionen habt und sie verliert, werdet ihr sehr viele Seelenqualen durchmachen. Ich benutze die Zahl 100 als Zahl, die eine der obersten Engelhierarchien darstellt. Man kann nicht beschreiben, welchen Seelenqualen und Leiden jener Händler durchmacht, der seine Hundert Millionen verloren hat. Und umgekehrt, man kann nicht beschreiben, was für eine Freude jemand empfindet, der Hundert Millionen Lewa zur Verfügung hat und sie vernünftig verwenden kann. So schlimm das eine ist, so großartig ist das andere. "Heilige sie in der Wahrheit." Das Erste, was ihr aus den Predigten von Christus lernen müsst, ist die Demut. Sie ist Mutter des wahren, positiven Wissens. Der Stolz ist die Mutter des zeitweiligen, vorübergehenden Wissens. Du kannst viel Wissen besitzen, aber wenn du hochmütig bist, dann befindest du dich in der Lage eines irregeführten Bruders der Schwarzen Loge. Wenn ihr die göttlichen Gesetze einhaltet, werdet ihr euch erheben, selbst wenn ihr unter den Kleinsten seid. Wenn ihr möchtet, dass sich der Himmel für euch interessiert und euch segnet, müsst ihr demütig im höheren Sinne des Wortes sein, nicht in jenem gewöhnlichen Sinn, wie euch gepredigt wurde. Die Demut ist ein schöner Engel, ein hoher Geist. Wer ihn einmal gesehen hat, verliebt sich gleich in ihn. Aus der Demut entwickeln sich alle göttlichen Tugenden, nach denen sich der menschliche Geist und Seele sehnen. Der Engel der Demut ist lebendig. In sich trägt er die Barmherzigkeit – ein Kind der Liebe, die kleinste Tochter Gottes. Die Liebe lebt unter den Urgeistern und verspricht der ganzen Menschheit wie auch jenen, die nach ihr suchen, eine herrliche Zukunft. Wenn ihr wollt, dass Christus in euch unsterblich und stark ist, um euch zu erheben, müsst ihr der Liebe in eurer Seele den Weg ebnen. Das bedeutet, dem Christ in seiner Seele den obersten Platz zuzuweisen, seinen Namen im Herzen zu heiligen. Manche bilden sich ein, dass sie Christus nahe sind. Nur der Kleine, jener, der die Kunst gelernt hat sich zu erniedrigen, kann Christus nahe sein. Ihr sagt, dass ihr wie Christus sein möchtet, aber zugleich wollt ihr befehlen. Um wie Christus und ihm nahe zu sein, müsst ihr das Gesetz des selbstlosen Dienens, des richtigen Denkens erlernen. Ihr müsst den Hass mit Liebe, das Böse mit Gutem vergelten. Dann ist unwichtig, wem man dient – dem Ivan oder dem Dragan – man dient Gott. Die Namen sind insoweit wichtig, wie sie ihrem Inhalt entsprechen. Der Name Christus bezeichnet nicht einen Einzelnen, sondern ist ein kollektiver Name. Er ist wie die Luft und das Licht. Jeder hat das Recht, von ihnen Gebrauch zu machen. Denkt vernünftig, philosophisch und lasst euch weder von der äußerlichen Form der Dinge noch von äußerlichen Worten täuschen. Sucht nach dem inneren Sinn der Worte. Wenn ich wie ihr denken würde, wäre ich längst nicht mehr auf dem jetzigen Niveau. "Heilige sie in der Wahrheit." Jetzt verlange ich von euch, dass ihr in gerader Linie aufsteigt und den Namen Gottes in euch heiligt. Dieser Name wird euch erheben, damit ihr, wie es Christus sagte, seine Miterben und Teilhaber werdet. Heute möchte ich das göttliche Licht in eure Köpfe und Herzen bringen, mit dem ihr euch von allen schlechten Keimen befreien könnt. Das Schwert des Geistes ist schon gezogen und weh dem, der sich der Wahrheit in den Weg stellt. Wir müssen mit jenen Waffen kämpfen, von denen im zweiten Brief an die Korinther 10, 4-5 die Rede ist: "Die Waffen, die wir bei unserem Feldzug einsetzen, sind nicht irdisch, aber sie haben durch Gott die Macht, Festungen zu schleifen; mit ihnen reißen wir alle hohen Gedankengebäude nieder, die sich gegen die Erkenntnis Gottes auftürmen. Wir nehmen alles Denken gefangen, so das es Christus gehorcht." Das ist Theosophie, Okkultismus, Spiritismus, göttliche Weisheit. Ich möchte, dass ihr folgende Strophe zu eurem Leitmotiv macht: "Eure Waffen werden nicht irdisch sein, doch durch Gott werdet ihr Macht haben." So reißt ihr die Gedankengebäude des niederen Manas nieder, der Sünde, der die Menschen bis heute Tribut zahlen. Christus sagte: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört." Das niedere Manas ist der Kaiser im Menschen. Der Vers bedeutet: Wenn ihr dem niedersten Manas das Gebührende gebt, so gebt auch dem höchsten Manas das Gebührende. Was bedeutet es, dem Kaiser das zu geben, was dem Kaiser gehört, und Gott das, was Gott gehört? Das bedeutet, die schädlichen Keime zu vernichten, damit sie nicht mehr wachsen können; sich von allen unreinen Gedanken zu befreien und zu sagen: "Hier, Kaiser, nimm das Deine." Dann nehmt ihr die erhabensten göttlichen Gedanken, speichert sie in der göttlichen Kornkammer der Seele und sagt: "Hier, Herr, nimm das Deine." Danach geht ihr in euer verstecktes Kämmerlein und richtet ein Gebet an Gott, ohne das Kaiserliche mit dem Göttlichen zu vermischen. Wenn man beide vermischt, ist das kein Gebet mehr. Ein Gebet ist mächtig, wenn das Herz rein und ganz auf Gott gerichtet ist. Solange das Feuer des Herzens nicht entfacht wurde, kann das Gebet nicht zu Gott gelangen. Wisst ihr, in welchen Zustand ihr geratet, wenn ihr die göttliche Wärme in eurem Herzen spürt? Ein Amerikaner hörte Camilla Russo, eine Schülerin von Paganini, den "Traum des Lebens" spielen und meinte: "In diesem Moment war ich bereit mich mit der ganzen Welt auszusöhnen und allen meinen Feinden zu vergeben." Dieser Amerikaner hatte bedeutenden Predigern zugehört, doch keiner konnte so auf ihn einwirken wie Camilla Russo. Folglich werdet ihr, wenn die Demut in euer Herz dringt, sagen: "Herr, wir sind bereit allen zu vergeben." Ich frage euch, habt ihr schon einmal die Stimme der Demut vernommen? – Ich habe sie gehört. Eine schönere Musik als das Lied der Demut kenne ich nicht. Was für eine Harmonie ist in der Demut enthalten! Welche Liebe quillt aus dem Herzen des Demütigen! Mit ihren Strahlen erwärmt diese Liebe die Herzen aller Menschen. Jeden Tag schickt sie allen Leidenden und Niedergeschlagenen, der ganzen Menschheit, ihre guten Gedanken und schenkt ihnen Trost. Sie sagt: "Gebt die Hoffnung nicht auf, ich helfe euch, den Namen Gottes in euren Köpfen und Herzen zu heiligen. Ich gebe euch meinen ganzen Segen." Heutzutage will Christus alle Bruderschaften und Religionen in der ganzen Welt vereinen. Deshalb erlaubt euch nicht, die Menschen zu richten. Ihr kennt die tiefen Gründe der Dinge nicht. "Heilige sie in der Wahrheit." Was tut Gott für eure Erhebung? Er schickt euch auf den Weg der Leiden und Freuden. Ich bin durch das ganze menschliche Dasein gewandert, ich habe den erhabenen göttlichen Geistern zugehört und aus der gemachten Erfahrung heraus finde ich, dass alle Menschen den Weg der Freuden und Leiden gehen müssen. Es gibt keinen besseren Weg als diesen. Wer kann das bestreiten? Nicht der Weg ist schlecht, sondern die meisten Menschen dienten und dienen dem Kaiser. Eine Frau beschwert sich über ihren Mann und sagt: "Ich liebe ihn nicht mehr, er hat mich unglücklich gemacht." Dann verlasse ihn. – "Aber wer soll mich ernähren?" – Ah, das ist keine Ehe mehr, sondern Aushalterei! Die Ehe ist etwas Ideales, Göttliches. Wenn ihr in Gottes Reich kommen wollt, dürft ihr nicht darüber murren, dass euch Gott einen scheinbar schlechten Mann gegeben hat. Sobald ihr murrt, antwortet euch Gott: "Ihr habt diesen Mann selbst gewählt, nicht ich habe ihn euch gegeben. Ihr verlangt von mir, dass ich ihn besser mache, ohne dass ihr selbst besser geworden seid." Ich betrachte hier den Begriff "Frau" allgemein, ich rede nicht von Persönlichkeiten. Für mich sind jede Frau und jeder Mann Stahlen, d.h. Teile vom Ganzen. Ich bediene mich dieser Begriffe als reelle Tatsachen, die sich im Leben bewährt haben. Also, der Weg der Leiden und Freuden ist ein Weg, um Geduld zu erlangen. Der Geduldige erwirbt große Erfahrung und inneren Reichtum. Nur so kann der Mensch die großartigen Wege Gottes sowie die großartige göttliche Vorsehung zum künftigen Wohl des Menschen verstehen. Wenn ihr dieses Jahr vorankommen wollt, dann murrt nie. Darunter verstehe ich nicht den Lärm, der um euch gemacht wird, sondern dass ihr diesen Lärm nicht assimiliert. Euer Herz muss still und ruhig sein. Jemand wirft mit Steinen, schlägt Fenster ein? Daran seid ihr nicht schuld. Doch wenn ihr von innen heraus die Fenster eures Hauses, eurer Seele einschlagt, sage ich: "Freunde, ihr habt noch nicht gelernt, Gott zu dienen; ihr habt noch nicht gelernt, dem Kaiser zu zahlen." Jeder kann das Leben von Tausenden Wesen verderben. Wisst ihr, wie viele Jahrhunderte gebraucht werden, um die menschlichen Fehler zu berichtigen? Manchmal kommt in euch der Wunsch nach Rache hoch; ihr sagt euch: "Ich mache ihn fertig, ich kriege ihn klein. Er wird schon sehen, mit wem er es zu tun hat!" Nein, geht in euch und sagt euch: "Dieser Geist, der in mir erschienen ist, ist ein Dämon. Ich ergreife ihn und sage ihm, dass er schweigen soll. Raus aus meinem Heiligtum! Ich verbiete dir, das Abbild Gottes zu besudeln!" Du sagst jemanden: "Ich kann nicht gut über dich denken". – Du kannst mir Leid tun. Wenn du nicht gut über deinen Nächsten denken kannst, dann kannst du auch über Gott nicht gut denken. Wie solltest du Gott dann lieben können? Es gibt drei Wege, denen ihr folgen könnt – den Weg der Liebe, den Weg der Weisheit und den Weg der Wahrheit. Der letztere ist der schmale Weg des Lebens. Christus sagte: "Nur wenige finden den schmalen Weg". Doch alle können den Weg der Liebe gehen. Wenn ihr den Weg der Weisheit nicht begehen könnt, nehmt den Weg der Liebe. Wenn ihr diesen Weg nicht nehmen könnt, begebt euch auf den Weg der Wahrheit. Also sind die Wege der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit die drei Wege, auf denen ihr euch bewegen sollt. Ärgert euch nicht darüber, dass ein anderer nicht den gleichen Weg gewählt hat wie ihr. Geht vorwärts. Alle drei Wege führen zum gleichen Ziel; der Unterschied besteht nur in den Biegungen, die jeder Weg macht. Das lehrte Christus, als er auf der Erde war; das lehrt er auch jetzt. Wenn ihr die irdischen Angelegenheiten nicht verstehen könnt, wie wollt ihr dann die himmlischen verstehen? Wenn ihr die einfachen Dinge nicht versteht, wie wollt ihr dann die schwierigen verstehen? "Sag uns etwas Großartiges." – Das ist das Großartigste, das euch der Bruder der Kleinsten, der Bruder eurer Engel, die euch auf den rechten Weg führen, sagen kann. Ihr sagt: "Du bist unser Bruder." Wenn ihr meint, ich wäre euer Fleischesbruder, dann irrt ihr euch. Wenn ihr meint, ich wäre euer Geistesbruder, dann habt ihr Recht. – "Du liebst uns nicht." Wenn ihr von der irdischen Liebe redet, liebe ich euch nicht. Wenn ihr meint, dass ich euch nicht so liebe wie euch eure Engel lieben, täuscht ihr euch. Es gibt keinen Menschen auf der Erde, der eure Seelen so liebt wie ich. Ich möchte, dass auch ihr die menschlichen Seelen so liebt. Ist euch das klar? Ich weiß, dass sich eure Engel heute sehr über euch freuen. Ist euch das klar? Ich hatte den Wunsch, ihnen einen Gefallen zu tun. Ich bin auf die Erde gekommen, um den Engeln und euch einen Dienst zu erweisen. Nachdem ich meine Arbeit getan habe, werdet ihr sagen, dass ich irgendwohin verreist bin. Wohin werde ich reisen? Nein, nirgendwohin verreise ich. Ich gehe zu jenem, der mich ausgeschickt hat und werde fragen: "Habe ich meine Aufgabe erledigt?" Wenn es noch etwas gibt, das ich nicht beendet habe, komme ich zurück. Wenn ich auch das zweite Mal meine Arbeit nicht beendet habe, komme ich erneut bis mir nicht gesagt wird: "Du hast deine Sache gut gemacht." So lautet das Gesetz für den kleinen Bruder im Himmel – zu tun, was Gott von ihm verlangt. Das ist die Große Lehre, die ihr bisher nicht vernommen habt. Ihr habt noch nie etwas von dem erlebt, wovon ihr jetzt hört. Warum habt ihr davon noch nie gehört? Weil diese Lehre für die kleinen Engel ist, die auf die Erde gekommen sind um die Menschheit zu erheben. Ich werde euch jetzt nicht segnen, das tue ich nicht. Warum? – Wenn ich meinen Segen gebe und es gibt Unkraut in euch, wird es wachsen. Ich handele vernünftig, nach dem göttlichen Gesetz. Wenn sie sehen, dass ihr gute Samen gesät habt, werden euch alle Himmelsbrüder ihren Segen erteilen, damit dieser Samen wächst und gute Früchte trägt. Mit diesen Früchten muss Gott in euch wachsen und auferstehen, müsst ihr den Namen Gottes heiligen! Darüber werde ich mich freuen, denn ihr werdet Gott nah sein. Zum Neuen Jahr künde ich euch Folgendes an: Ich mache nicht Schluss, sondern fange jetzt erst an. Das muss euch klar sein. Was ich euch gesagt habe, ist erst der Anfang. Es gibt viel größere Dinge! Hört, was euch die Kleinen sagen und ihr werdet Gottes Kraft spüren. Die Weisheit wird zu euch kommen, ihr werdet euren Willen stählern und die weltlichen Angelegenheiten kommen in Ordnung. Von jetzt an beginnt für die Kleinen eine große Arbeit. Die Lehre für die Kleinen ist großartig. Sie ist für euch am besten geeignet. Sie ist die Grundlage für jenes, was die großartige Zukunft eurer Seele bringen wird. Das ist der göttliche Gedanke des Jahres 1917. Ich spreche nicht von dem irdischen, sondern von dem göttlichen Jahr. Ich beginne mit den Jahren 1914, 1915, 1916 und 1917, die die Neue Epoche (New Age) ins Leben rufen. Das sind vier göttliche Jahre, die einen Zyklus des göttlichen Segens bilden. Die Eins in 1917 verkörpert das Prinzip der Gerechtigkeit und die Sieben – das Gesetz der Ruhe und des Wohlstands. Jetzt lasse ich euch über Demut, Geduld und Liebe nachdenken. Seht zu, dass ihr durch sie jene Unebenheiten in euch glättet, die die göttliche Harmonie in eurem Leben zerstören. Möge jeder von euch Gott in sich durch seinen Engel rufen und ihn fragen: "Herr, was soll ich tun, damit das Reich Gottes auf der Erde triumphiert und dein Name unter den Menschen geheiligt wird?" Das Erste, was euch gesagt wird, ist: "Vergebt einander!" Das hat Christus gepredigt. Lest im Matthäus- und Lukasevangelium nach. Dort steht geschrieben: "Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass du etwas gegen deinen Bruder hast, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder; wenn er sich nicht versöhnen will, nimm noch zwei mit dir und kehre zu ihm zurück." Wer vor den Altar tritt, muss sich zuvor mit allen versöhnt haben. Keiner kann vor den Altar treten, wenn er sich zuvor nicht versöhnt hat. Ihr sagt: "Kommt, lass uns sie versöhnen." Wie könnt ihr sie miteinander versöhnen, wenn sie nicht vor den Altar treten? Ihr müsst euch gegenseitig vergeben! Du sagst: "Bruder, versöhnen wir uns!" Wenn er sich nicht versöhnen will, kehre mit noch zwei zurück. Wenn er auch dann noch nicht will, kehre mit der ganzen Kirche zurück. Wenn er auch dann nicht will, sage: "Möge ich für dich ein Zöllner und Heide sein." Das ist die Lehre von Christus. Zwietracht, die jetzt existiert, ist mit seiner Lehre nicht vereinbar. Nun, ich habe nicht die Absicht, jemanden zu richten. Für mich seid ihr alle gleich. Ich sage: Wenn ihr diese Lehre nicht annehmt, wird das Ergebnis nicht gut sein. Warum soll man überflüssiges Leiden in der Welt schaffen? Die Leiden der Vergangenheit sind genug. Möge von jetzt an Freude und Segen unter die Menschheit kommen. Was ich euch heute gesagt habe, wird überall gesagt. Gott sagt es, die Engel sagen es, alle ihre Diener auf der Erde predigen es. Das Gleiche sagt auch Christus. Und ich glaube daran, dass es so werden wird. Wie es gesagt wurde, so wird es sein, daran zweifele ich nicht im Geringsten. Eines Tages treffen wir uns alle; natürlich nicht in einer Umgebung wie der heutigen – in einer zehnmal besseren Umgebung, und zwar wieder auf der Erde. Nach zehn Jahren wird es uns zehnmal besser gehen als heute. Nach noch zehn Jahren wird es uns tausendmal besser gehen. Nach den nächsten zehn Jahren wird es uns zehntausendmal besser gehen. Nach noch zehn Jahren – hunderttausendmal besser. Nach anderen zehn Jahren – millionenmal besser. Nach den nächsten zehn Jahren – hundertmillionenmal besser. Und am Ende dieser Periode oder zu Beginn der neuen werden wir mit Gott eins sein. Mein Friede sei mit euch! Aus dem Bulgarischen übersetzt von Rumjana Mileva Lektorat: Angelika Todorov Alle Mitglieder unseres Übersetzerteams arbeiten auf freiwilliger Basis und unentgeltlich. Wir wären für jegliche Unterstützung dankbar, besonders beim Redigieren, Veröffentlichen, bei der Herausgabe und dem Vertrieb dieser Übersetzungen. [1]Ausgabe der Katholischen Bibelanstalt GmbH, Einheitsübersetzung, Herder-Verlag, Stuttgart, 1980 [2]Vitriol – Schwefelsäure, die in der Malerei benutzt wird. (Anm.Red.) Copyright © 1997 Publishing House "Byalo Bratstvo" All Rights Reserved
  11.  Damit ich Christus gewinne "Ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne." Philipper, 3:8 Ich werde nur auf den letzten Satz eingehen: "Damit ich Christus gewinne." Das Wort "gewinnen" ist Jungen und Alten, Gelehrten und Unwissenden, Guten und Bösen, Klugen und Dummen bekannt – alle streben nach Gewinn. Es gibt kein Wesen, selbst unter den Niedrigsten, das nicht danach streben würde. Es ist etwas anderes, ob dieses Streben den Bedürfnissen entspricht, die im Wesen der tiefen Ursachen des Lebens begründet sind. Wichtiger ist das Streben nach Gewinn und darauf beruht das Wachstum und die Entwicklung des Menschen. Denn der Körper, das Herz, der Verstand und der Geist haben ihr eigenes Streben nach Entwicklung. Wenn wir über das Gewinnen von Christus sprechen, müssen wir begreifen, was das ist. Ich weiß, ihr habt verschiedene Meinungen, ihr alle wollt euch Christus aneignen, ihn gewinnen. Ihr könnt einen Ochsen gewinnen und ihn in den Stall stellen, ihr könnt ein Pferd gewinnen und ihm den Zaum anlegen, ihr könnt ein Huhn gewinnen, es in den Hühnerstall setzen und füttern, ihr könnt ein schönes Kleid gewinnen und es in den Schrank hängen, ihr könnt einen Hut oder etwas anderes gewinnen. Ihr könnt auch ein Kind euer eigen nennen, doch ihr werdet es weder in den Hühnerstall noch in den Schrank tun, sondern im Arm, an der Brust halten. Man muss also einen wesentlichen Unterschied machen, wir müssen die Eigenschaft besitzen die Dinge zu unterscheiden. Jeder, der den rechten Weg, den Weg der Menschheit oder im höchsten Sinne gesagt – den göttlichen Weg beschritten hat, der muss die beiden wesentlichen Dinge unterscheiden – das Böse vom Guten, die Lüge von der Wahrheit, das Unrecht von der Gerechtigkeit, den Hass von der Liebe, die Dummheit von der Weisheit. Man braucht diese Dinge, sie sind das Wesentliche im Leben. Ihr denkt, ihr versteht die Dinge. Ihr könnt denken, manche Dinge seien gut, aber eigentlich sind sie böse. Wenn wir über Gutes oder Böses sprechen, verstehen wir das Verhältnis der Dinge zur vernünftigen menschlichen Seele. Welches sind also die Bestrebungen der Seele? Jemand sagt, er sei hungrig, und ihr denkt, das sei ein wesentliches Bedürfnis. Eure Seele interessiert sich nicht dafür, sie will diese festen Stoffe nicht. Ihr denkt, das Essen sei das Wesentliche für den Menschen, doch das zeigt, dass ihr die Dinge nicht versteht. Ihr fragt euch, ob ihr in jener Welt essen und trinken werdet. Und da ihr diese Frage nicht beantworten könnt, beginnt ihr zu denken, wie jene Welt sei. Im Reich Gottes essen und trinken die Menschen nicht. Das sind Dinge, die der Körper in der materiellen Welt braucht. Der Körper und ihr selbst – das sind zwei verschiedene Dinge und wenn der Körper diese Dinge gewinnt, dürft ihr nicht glauben, dass eure Seele sie gewinnt. Das ist eine Verblendung. In euch erscheinen auch Hass, Neid, Rache u.ä. und ihr denkt, das sei ein Streben der Seele. Das sind Bestrebungen eures Herzens, denn Zorn und Neid sind Dinge, die dem Herzen angenehm sind. Die Okkultisten würden sagen, dass es Bestrebungen des astralen Körpers sind. Jemand hat zum Beispiel mehrere Häuser und ihr beneidet ihn; ihr beneidet jemanden darum, dass er schöner oder gelehrter ist; jemand nimmt euch den Diener weg und ihr werdet zornig usw. Und dann sagt ihr euch: "Ich bin zornig geworden, ich habe das gemacht." Ihr irrt euch, das ist ein Streben eures Herzens. Ein anderer beginnt wiederum zu denken, er sei etwas Großes. Er wird überheblich, denkt, dass er sehr gelehrt, sehr stark ist, dass er viel weiß. Er fängt an zu denken, dass er alles ist, dass er der Mensch ist, dass er etwas gewonnen hat. Er ist stolz, denn er hat viele Kenntnisse, er kann die Menschen lehren und ihnen predigen, er denkt, dass er allwissend ist. All das ist euer Verstand, es ist Ausdruck eurer Gedanken. Ihr müsst diese wesentlichen Dinge eures Verstandes unterscheiden. Also, wo werden wir Christus finden? Weder in unserem Körper noch in unserem Herzen, noch in unserem Verstand werden wir ihn finden. Wo finden wir ihn dann? Ich sage es euch. Manche werden mich verstehen und manche werden mich nicht verstehen. Manchmal habe ich so klare Beispiele angeführt, damit ihr denken lernt und trotzdem konntet ihr es nicht lernen. So ist das Beispiel mit jenem Wanderer, der sich beim Sturz in eine Schlucht an einen Baumzweig klammerte und vier-fünf Stunden so hing. Und als er keine Kräfte mehr hatte und losließ, war er erstaunt zu sehen, dass die Schlucht unter ihm nur 15 cm tief war. Nun fragen mich einige, wie sie diesen Zweig in ihrem Leben loslassen können. Wenn du einen Wunsch hast, lass ihn los. Denke nicht, dass die Interessen deines Herzens auch deine Interessen sind, lass sie ihren Weg gehen. Viele von euch befinden sich in der Lage jenes türkischen Helden, der einen Räuber fing und beide klammerten sich so aneinander, dass weder ersterer ihn zu seinem Vater führen konnte noch der Räuber ihn losließ. Der Held sagte zu seinem Vater: "Vater, ich habe einen Räuber gefangen." "Lass ihn los", antwortete ihm der Vater. In unserem Fall habt ihr einen Wunsch, der euch berauben will, und weder ihr könnt ihn loswerden noch er lässt euch. Ihr fragt, wie ihr diesen Wunsch loswerden könnt. Es ist die Verblendung eures Verstandes. Wenn ihr wollt, werdet ihr den Weg zu eurer Befreiung finden. Geht zu einem Chemiker und bittet ihn, einen einfachen Versuch zu machen – Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zersetzen. Bittet ihn, euch die Eigenschaften des einen und des anderen Elements zu beschreiben und euch zu zeigen, wie er sie getrennt hat. Denkt nach und auch ihr werdet lernen auf dieselbe Weise loszulassen. Auch ihr habt eine Verbindung zwischen dem Körper und dem Herzen. Ihr könnt auch eine Verbindung aus drei Elementen haben – Säuren zum Beispiel bestehen aus drei Elementen. Folglich existiert eine Säure aus der Verbindung eures Körpers, Herzens und Verstandes. Und alle Chemiker sagen, Säuren seien gefährlich für das Leben. Manchmal werden Säuren als Arzneimittel verwendet, doch sie müssen in kleinen Dosen verabreicht werden. Wenn sie in großen Dosen genommen werden, rufen sie eine Vergiftung hervor. Nun, wenn ich so zu euch rede, möchte ich nicht sagen, dass ihr kein Herz, keinen Verstand und keinen Körper braucht, doch ich behaupte, der Körper hat seine Interessen und sein Recht, das Herz hat sein Streben und sein Recht, der Verstand hat sein Streben und sein Recht. Auch die Seele im Menschen hat ihr Streben – z.B. Barmherzigkeit, Glauben, Hoffnung, Gewissen, Liebe zu Gott. Das sind die höchsten Gefühle der Seele und ihr seid in ihrer Atmosphäre. Die Seele ist die Atmosphäre des Menschen selbst. Wenn wir also den Menschen verstehen möchten, wenn wir Christus finden möchten und wenn wir einen schönen Körper bilden möchten, müssen wir in dieser erhabenen Atmosphäre leben. Wenn ihr eurem Körper dient, werdet ihr der Diener sein und er – der Herr. Und eines Tages werdet ihr von ihm enttäuscht sein, so wie ein Mädchen von einem jungen Mann enttäuscht wird. Sie hat den jungen Mann mit ihrem Herzen gesucht, und nicht mit ihrem Wesen. Man sagt von einem Mädchen, es habe sein Herz verloren, aber es werde es finden. Denn das Herz kann gestohlen werden, so wie euer Geld oder eure Kuh gestohlen werden kann. Auch euer Verstand und eure Gedanken können gestohlen werden, denn der Verstand ist nichts Wesentliches. Das zeigt, dass ihr nicht über euren Verstand herrschen könnt. Wenn das Herz wiederum verloren geht, dann wird der Mensch hart und man sagt, er sei erbittert geworden. Der Körper, das Herz und der Verstand sind erforscht, sucht nicht nach diesen Dingen. Wer Christus gewinnen will, muss durch diese drei Welten gehen und in die Welt der Seele eintreten. Ich würde sie euch so beschreiben: Es ist eine große Welt, von edlen Wesen bewohnt! Vielleicht können die Menschen eines Tages darüber sprechen, wenn sie den Sinn, diese Welt zu sehen, erworben haben. Wir können auch jetzt darüber sprechen, wenn wir über Gerechtigkeit, Frieden und Liebe reden. Diese Welt hat zwei Abteilungen: Die erste ist das volle Bewusstsein und die zweite – die innere Vereinigung mit Gott. Die Christen nennen sie "das Paradies Eden". Also, um Christus zu finden, müsst ihr in eure Seele eintreten, euch erheben und in euch muss die erste Eigenschaft geboren werden – die Uneigennützigkeit. Unter dem Wort "Uneigennützigkeit" verstehe ich nicht die negative Eigenschaft, wunschlos zu sein, sondern zu verstehen, welche Dinge wesentlich sind, was du gewinnen musst und was nicht. Gewinnsucht ist z.B., wenn du Dinge gewinnen willst, die du hasst. Wenn du hochmütig bist, möchtest du, dass alle Gutes über dich sprechen, dass dich alle lieben. Wenn ihr richtig denken lernt, d.h. wenn ihr in diesem göttlichen, erhabenen Sinne vor der Tür steht, an die ihr klopfen könnt, öffnet Christus sie. Wie gewinnt man Christus? Der Körper will Nahrung empfangen und er empfängt seine Gäste, indem er sie in den Mund steckt, wo alle empfangen werden. Der Mund hat seinen jour fixe und deshalb arbeiten dort zweiunddreißig Diener, die jedem Gast, der eintritt, die Kleider ausziehen. Am Eingang steht ein Hauptinspektor, der jeden Gast kontrolliert, den Dienern befiehlt ihn mit Speichel anzufeuchten, gut zu zerkauen und dann ins Empfangszimmer zu schicken. Wenn ihr Gast seid und zerkaut werdet, begebt ihr euch durch den Korridor in ein anderes Zimmer, wo sich alle anderen niedergelassen haben, und nach vier Stunden bleibt keine Spur von eurem Inhalt, alles wird umgewandelt. Danach werdet ihr durch die Hintertür in die Welt geschickt, aber in einer anderen Form, nicht in dieser, in der ihr gekommen seid. Und wenn ihr zum zweiten Mal in der Welt erscheint, werdet ihr ein Exkrement sein. Das ist das Streben des Körpers – er empfängt von vorne, schickt nach hinten, d.h. er empfängt alles, gibt aber nichts. Beklagt den Körper nicht, so sind seine Auffassungen. Auch ihr wollt Christus auf dieselbe Weise empfangen. Nein, auf diese Weise werdet ihr nichts erreichen. Was das Herz angeht, ist es auch dort dasselbe. Ihr zieht jemanden an und sagt: "Ich liebe dich sehr!", aber wenn ihr ihn zu hassen beginnt, schickt ihr ihn durch die Hintertür. Und dann beklagt sich der Mann (oder die Frau), das Herz verloren zu haben. Dein Mann hat nie ein Herz gehabt, deine Frau hat nie ein Herz gehabt, beide haben keine Herzen gehabt, sie gehören ihnen nicht. Genauso ist es auch mit dem Verstand: Wenn er euch empfängt, lobt er euch, aber eines Tages schickt auch er euch durch die Hintertür. Deshalb sagen wir, dass es in unseren Beziehungen ein unbeständiges Ziel gibt. Das sind Entwicklungsstufen. Der Körper, das Herz und der Verstand sind Kräfte, die der menschlichen Seele gegeben sind und derer sie sich auf göttliche Weise bemächtigen muss. Der Körper darf nie dein Herr werden, sondern er soll dein Diener sein. Deinem Herzen darfst du auch nie erlauben dein Herr zu werden. Dasselbe trifft auf den Verstand zu. Jemand sagt: "Ich liebe mit dem Herzen." Wer mit dem Herzen liebt, der liebt dich heute und morgen hasst er dich. Deshalb sagen die Menschen, ohne Hass geht es nicht. Die Welt des Herzens ist zwiespältig. Ich irre mich in diesen Dingen nicht. Ihr alle, die ihr ein erhabenes und gutes Zuhause auf diese Weise haben und in Frieden und Eintracht leben wollt, habt das Leben nicht verstanden. Wenn du ein körperliches, ein gedankliches oder ein Herzleben lebst, kannst du nicht im Reich Gottes sein. Die heutige Chemie teilt die Körper nach ihrem Zustand in feste, flüssige und gasförmige. Der Körper wird der festen Materie zugeordnet, das Herz – der flüssigen und der Verstand – der gasförmigen. Ihr könnt euch also dieser drei Zustände der Materie bedienen – es sind drei Kräfte, drei Verhältnisse. Nun sagt Paulus: "Ich erachte alles für Dreck, damit ich Christus gewinne." Im Erkennen von Christus wirken andere Gesetze. Um die Gesetze des Körpers zu begreifen, müsst ihr die Anatomie und die Physiologie erlernen. Die heutigen Menschen dürfen nicht unwissend sein, sondern sie müssen die Veränderungen untersuchen, die in ihnen vor sich gehen. Sie müssen wissen, wie viel Mal in der Minute ihr Herz am Morgen, am Mittag und am Abend schlägt, d.h. in welcher Stimmung ihr Herz am Tag und in der Nacht ist. Weiterhin müssen sie den Zustand ihres Verstandes kennen – wann denken sie klarer und wann trüber. Ihr müsst eine klarere Vorstellung drinnen in euch selbst haben, diese drei einzelnen Bereiche eures Lebens unterscheiden. Und wenn ihr beginnt die Wünsche des Körpers zu unterscheiden (denn er möchte manchmal spazieren gehen und manchmal möchte er sich ausruhen), dann könnt ihr euer Pferd besteigen, d.h. euren Körper, aber ihr müsst wissen, dass das nicht euer Spaziergang ist, sondern ein Spazierenführen eures Körpers. Und wenn ihr euch ausruht, sagt, dass sich euer Pferd ausruht. Hasst ihr jemanden, sagt, dass ihr euer Herz trainiert. Liebt ihr jemanden, trainiert ihr wieder euer Herz. Denn es liebt den Hass und die Liebe. Ihr sollt wissen, dass Hass und Neid eine Beschäftigung für euer Herz sein können. Du möchtest zum Beispiel viele Häuser oder etwas anderes gewinnen. Dann musst du dein Herz spazieren führen, ihm viele Häuser zeigen, ihm sagen, dass es sie haben kann. Sag ihm, dass es alles haben kann, was es möchte. Am nächsten Tag wiederum besteigst du deinen Verstand und führst ihn spazieren. Der Verstand wird das Geheimnis Gottes erkennen wollen, wird sich erheben. Aber du sag ihm: Du weißt alles, du hast Ruhm, du hast alle Bücher der Welt geschrieben. Er wird sich freuen und du wirst wissen, dass dein Körper, Herz und Verstand arbeiten. Danach führst du deine Seele spazieren. Du begegnest z.B. einem Unglücklichen und hilfst ihm, so gut du kannst, schenkst ihm mehr Glauben und Hoffnung. Das erste, was in der Seele erscheint, ist das Bestreben zu geben. Dann sagst du deinem Körper: Warte ein bisschen auf mich, damit ich diesem Menschen etwas gebe. Du teilst Liebe, Glauben, Hoffnung aus und wenn du nach Hause kommst, findest du Christus. Ihr werdet sagen: "Wie einfach! Das ist keine schwierige Sache!" Ja, es ist eine sehr leichte Sache – du führst den Körper, das Herz, den Verstand und die Seele spazieren und kehrst dann zurück. Mit dem Ausdruck "ich erachte alles für Dreck" meint Paulus, das Wissen, das wir über den Körper, das Herz und den Verstand haben können, ist nicht mit dem zu vergleichen, was uns Christus in Übereinstimmung mit unserer Seele geben kann, wenn wir geben lernen. Achtet darauf, wie sich jede Blüte der Sonne zuwendet, wenn die Pflanzen zu blühen beginnen. Setzt eine Pflanze, z.B. einen Apfelbaum, in den Keller und beobachtet, was mit ihm geschieht. Die Pflanzen leben im Freien, wo es Sonnenlicht gibt. Um Christus zu finden, müsst ihr also euer Herz, euren Verstand und eure Seele erleuchten. Eure Seele sollte keinen Grund haben in Verlegenheit zu geraten. Ihr bekommt z.B. Appetit auf ein Huhn oder sagt euch: "Wie schlecht man über mich redet!", oder: "Ich möchte klug und gelehrt sein!" und anschließend wollt ihr Christus finden. Ihr findet ihn nicht, weil ihr in einem Keller seid. Oder ihr betretet eine Kirche und wollt Christus dort finden. Auch da werdet ihr ihn nicht finden. Jemand sagt: "Ich gehöre dieser oder jener Kirche an." Wenn die heutige Kirche annimmt, es existierten viele Kirchen, predigt sie die Vielweiberei. Wie viele Kirchen gibt es in der Welt? Ich sage, es gibt nur eine Kirche, d.h. eine Frau. Über diese Kirche sagt Christus, dass sie vernünftig und weise ist. Am Anfang hat Gott einen Mann und eine Frau geschaffen. Das sind die vernünftigsten Überlegungen. Und wenn mich jemand fragt, wer ich bin, bedeutet das, dass er mich fragt, ob ich in meinem Körper, in meinem Herzen oder in meinem Verstand lebe. Die Kirche, die ich kenne, ist und bleibt in allen Jahrhunderten nur die eine. Jeder, der Christus finden will, muss die richtigen Auffassungen, die richtigen Begriffe von diesen Dingen haben. Manche können euch Tausende von Jahren predigen, doch sie sagen euch nicht die Wahrheit. Ein Priester, der euch sagt, diese oder jene Kirche sei die beste, redet euch nicht die Wahrheit. Wenn er unter seiner Kirche die göttliche Kirche versteht, die wie aus einer Quelle spendet, die ihren Segen in die Welt gießt, dann bin ich damit einverstanden. Wenn aber die Kirche Menschen versammelt um sie auszunutzen, ist sie nicht göttlich. Christus kam unter die Juden, die ein auserwähltes Volk waren, aber ihre Kirche war eine Kirche des Raubs. Und wenn die Juden heute in der Welt verstreut sind, ist das so, weil sie gierig waren und der Herr hat sie verflucht und bestraft. Der Herr hat sie nicht im wortwörtlichen Sinne verflucht, sondern sie selbst haben es so weit gebracht. Manche hassen die Juden, aber man darf sie nicht hassen, sondern sie sich als ein gutes Beispiel nehmen. Ich glaube, wenn die Juden eines Tages Christus annehmen, wie es sein sollte, und in den Bereich der Seele kommen, dann werden sie sagen: "In Jesus Christus gibt es weder Hellenen noch Juden." Christus vereinigt die Dinge in sich. Diese Dinge sind nicht widersprüchlich, aber ihr könnt nicht die Interessen des Körpers von jenen des Verstandes trennen und deswegen ist die Harmonie der Dinge in euch gestört. Du bist z.B. als Frau geboren und bist unzufrieden. Was ist die Frau? Die Frau wohnt im Herzen, d.h. das Herz ist ein Haus, in das der menschliche Geist eingetreten ist, um dort zu wohnen. Du bewohnst dieses Haus zur Miete und sollst wissen, dass du in diesem Herzen ein Mieter bist und dass du nun einen Freund haben wirst. Der Mann wohnt in einem höheren Stock, d.h. die Frau wohnt im zweiten und der Mann – im dritten Stock. Beide aber sind Mieter. Jemand sagt, dass die Entscheidung, ob du Mann oder Frau bist, nach dem von Gott geschaffenen Gesetz gefällt wurde. Die Frau muss im zweiten Stock wohnen und der Mann – im dritten. Wenn der Mann aus dem dritten Stock stürzt, sind seine Abschürfungen schlimmer. Deswegen solltest du, um Christus zu finden, aufhören daran zu denken, ob du Frau oder Mann bist. Du musst ins Freie, in den Bereich der Seele gehen. Und dann, wenn ihr euch an Gott gewandt und eure echten Wünsche zu ihm geschickt habt, blüht ihr auf. Nur dann befruchten Gottes Energie und Gottes Licht eure Blüte und das Göttliche in euch wird empfangen. Nur wenn ihr euer Herz, euren Verstand und Körper verlassen habt, nur dann können diese Blüten befruchtet werden und ihr werdet die angenehmen Früchte des Lebens haben. Bemüht euch, während dieses einen Jahres euch selbst zu finden. Paulus sagt: "Wenn ihr auch alle eure Habe und euren Leib hergäbet, fändet ihr Christus nicht; ihr seid auf demWeg, doch nicht in dem Weg." Wenn ihr in den Zustand eurer Seele gelangt, wenn ihr in den fünften Bereich der Liebe kommt, d.h. wenn ihr Christus lieb gewinnt und er alles für euch ist, dann habt ihr ihn gefunden. Wenn ihr aufhört an euch selbst, an euren Körper, euer Herz, euren Verstand und eure Seele zu denken, wenn ihr aufhört zu denken, wie ihr euch retten könnt, dann findet ihr Christus. Wenn ihr über diesen/vier Bereichen steht, begreift ihr den großen Sinn der Liebe, und ihr begreift ihn mit einem Erlebnis. Nur wenn man euch in dieser Liebe festnagelt, wie man Christus festgenagelt hat, nur dann sagt ihr: "Vergib ihnen, denn sie wissen nichts." Auch jetzt kenne ich viele Männer und Frauen, die sich sagen: "Ich werde Christus finden." Die Frau fleht, ihr Mann hört auf sie und sagt sich: "Ich nehme vier Nägel und nagle sie fest." Sie fängt aber an zu schreien, zu zürnen und er sagt zu ihr: "Du lügst wie eine alte Zigeunerin! Weißt du denn nicht, dass ich im dritten Stock wohne und du unter mir bist?!" Ein anderes Mal fleht der Mann und die Frau hört auf ihn, nimmt vier Nägel und will ihn festnageln. Er zürnt, schreit und dann sagt sie zu ihm: "Du lügst wie ein alter Zigeuner!" So finden beide Christus jeden Tag. Seit 8000 Jahren gibt es festgenagelte Menschen und ich sehe, dass sie schwören. Nun kommt die Frage, warum das Christentum nicht fortgeschritten ist. Ein Mensch, der sich entwickeln will, muss diesen tiefen inneren Sinn verstehen und sich von seinem Körper befreien. Du kannst auch ohne einen solchen Körper leben. Er ist Gesamtheit von vielen Zellen, die auch ohne dich leben können. Sie sind deine Diener und wenn du deine Entwicklung eines Tages vollendet hast, verlassen sie dich. So ist es auch mit deinem Herzen und deinem Verstand. Eines Tages sagen auch sie zu dir: "Verlasse deinen Körper, weil ein anderer Herr kommen wird." Ich bediene mich einer Analogie, die das Verhältnis zwischen dem Körper, dem Herzen und dem Verstand einigermaßen klar macht. Ihr habt einen Pferdewagen, der den menschlichen Körper darstellt, ein Pferd, das das menschliche Herz darstellt, und der Mensch selbst sitzt drinnen im Pferdewagen. Zerbricht euer Wagen, steigt ihr auf das Pferd. Gelangt ihr an steile Abhänge, verlasst ihr auch das Pferd und geht zu Fuß weiter. Ihr müsst also diese drei Hüllen verlassen und hinausgehen. Und wenn Christus sagt: "Wenn jemand sich nicht selbst verleugnet", bedeutet das, dass du die Herrschaft des Körpers, des Herzens und des Verstandes verleugnen und deine Seele zur Gefährtin nehmen musst. Weil sie eine gute Frau ist, hat sie gemeinsame Interessen mit denen des Geistes und gibt alles von sich. Deswegen sagt Christus: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnen würde und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Wenn du ein Mensch ohne Seele bist, verlassen dich alle diese drei Dinge eines Tages und du verlierst alles. Also, Paulus sagt: "Ich erachte alles für Dreck, damit ich Christus gewinne." Nun möchte ich, dass dieser Gedanke in eurem Verstand klar ist. Ich möchte nicht mit leeren Worten sprechen, denn der Gedanke, den ich ausspreche, ist in meinem Verstand genau definiert. Ich will nicht, dass ihr mich belügt. Ich weiß zum Beispiel, was die Tatsache bedeutet, dass manche von euch ein Mal hierher kommen, manche – zwei Mal, andere – drei Mal usw. Das stellt für mich eine Wissenschaft dar. Zum Beispiel kann ich voraussagen, wann jemand wiederkommt. Es gibt ein Märchen über einen Wolf, der einen Esel fraß, und nachdem neun Monate vergangen waren, sagte er sich: "Ich gehe wieder an diesen Ort um zu sehen, ob es dort nicht noch einen Esel gibt." Wenn es Sommerzeit ist, könnte der Esel an demselben Ort sein, wenn es aber Winter ist, wird er untergebracht sein. Deshalb kommt der Wolf ein drittes Mal zur Sommerzeit und findet einen Esel... Das ist ein Märchen, das einen sehr tiefen Sinn hat. Jemand sagt: "Ein großes Unglück ist mir passiert." Ich antworte ihm: "In einiger Zeit kommt ein großes Glück zu dir." Zu jemandem kommt ein großes Glück, er ist zufrieden und ich sage: "In einiger Zeit kommt ein Unglück zu dir." Warum ist das so? Diese Dinge müssen untersucht werden. Wer Christus finden will, muss diese tiefen Dinge verstehen. Für mich haben diese Auffassungen einen doppelten Sinn. Die Musik z.B. hat eine rein technische und eine rein psychische Seite. Wenn du Musik lernen, Technik erwerben willst, musst du zu einem Lehrer gehen. Wenn du schöne, von einem großen Musikanten gespielte Musik hören willst, musst du zehn Lewa für eine Eintrittskarte bezahlen. Im zweiten Fall nutzt ihr die fremde Arbeit aus. Nun, wenn ihr nur auf mich hören wollt, sage ich euch: Meine Eintrittskarten kosten zehn Lewa (die Armen dürfen auch kostenlos), aber wenn ihr lernen wollt, müsst ihr sehr viel bezahlen. Wollt ihr z.B. Geige lernen, müsst ihr bezahlen und außerdem jeden Tag einige Stunden zum Üben verwenden. Die Geige hat vier Saiten und ihr müsst nacheinander darauf spielen – zuerst auf der ersten, dann auf der zweiten, der dritten und der vierten. Mit all diesem Gequietsche werdet ihr eurer Mutter zur Qual, aber wenn ihr auch auf der vierten Saite spielen gelernt habt, sagt ihr: "Ich bin schon mit dem Üben fertig." Um Christus zu finden, müsst ihr sehr gut Geige spielen. Nur dann wird Christus euer Lehrer. Das heutige Bildungssystem ist sehr gut organisiert. Zuerst besucht man die Unterstufe, danach – die Oberstufe, anschließend – die Hochschule und erst dann kann man zu einem großen Lehrer gehen. Jemand sagt: "Ich gehe zu Christus." Christus hat keine Zeit euch zu unterrichten, er kann euch nur ein Konzert geben. Wenn ihr aber die Lebenskunst erlernen wollt, müsst ihr wie ein Geiger leben. Der große Geiger Paganini hat zwölf Stunden pro Tag geübt und das, was er gespielt hat, kann heute niemand wiederholen. Nun sagt ihr: "Ich habe Christus gewonnen." Wenn ihr Christus gewinnt, dann versteht ihr den Sinn des Lebens und es wird nichts Unmögliches auf dieser Welt geben. Dann werdet ihr dem indischen Prinzen ähnlich sein, der einen indischen Heiligen besuchte. Dieser Heilige besaß eine sehr schöne Kuh, die dem Prinzen sehr gefiel, und er bot dem Heiligen viel Geld. Der Heilige gab sie ihm aber nicht. Der Prinz drohte ihm, dass er sie von ihm erzwingen würde, aber der Heilige antwortete: "Versuch es doch!" Der Prinz schickte eine ganze Armee bewaffneter Männer, aber der Heilige warf alle mit einem Blick zu Boden. Nach diesem Ereignis beschloss der Prinz das Leben des Heiligen zu begreifen. Nachdem er es tausend Jahre erlernt hatte, erwarb er gewisse Kräfte und Kenntnisse und ging von Neuem mit bewaffneten Männern die Kuh zu holen. Es wiederholte sich aber dasselbe. Danach erlernte der Prinz das Leben des Heiligen weitere tausend Jahre, erwarb neue Kräfte und Kenntnisse und ging wieder die Kuh zu holen, aber auch diesmal gelang es ihm nicht. Ein weiteres Mal beschloss der Prinz das Leben des Heiligen zu erforschen. Er erwarb wiederum neue Kenntnisse und wurde so stark und gut, dass ihn sogar alle Götter anbeteten. Und endlich, nach allen diesen 3000 Jahren des Lernens ging der Prinz zum Heiligen und sagte zu ihm: "Ich brauche diese Kuh nicht mehr." Das bedeutet, nachdem er seinen Körper, sein Herz und seinen Verstand verlassen hatte, brauchte er die Kuh nicht mehr... Wie viel Male beklagt sich der Körper über das Herz, weil das Herz Fehler macht und der Körper leidet. Ein anderes Mal macht der Verstand Fehler und das Herz leidet – so ist das Gesetz. Die Sünde fängt aber mir dem Verstand an. Alle Krankheiten kommen immer vom Verstand, vom Herzen und vom Körper, deshalb sind die Erkrankungen geistig, emotional und somatisch. Jagt die schlechten Gedanken aus euch hinaus und alle somatischen Krankheiten verschwinden. Nehmt diese neuen Säfte auf und euer Körper wird gesund. Das praktiziert auch die heutige Medizin: Wenn jemandes Blut stark verunreinigt ist, öffnet man eine seiner Venen und die Vene eines gesunden Menschen, überträgt Blut von Letzterem in den Körper des Kranken und er wird gesund. Die Säfte der Seele müssen unbedingt durch euren Verstand, euer Herz und euren Körper gehen und dann werdet ihr ihr Herr. Damit ihr Christus gewinnt, muss sich sein Geist mit dem euren vereinigen. Und nachdem ihr euch vereinigt habt, fühlt ihr Einheit, fühlt ihr, dass das ganze Universum eine Harmonie ist und dass alle Dinge, gut oder böse, an ihrem Platz sind. Die guten und die bösen Dinge sind nur in Bezug auf euch so. Gott aber, der geruht hat, einem gegebenen Wesen seinen Geist einzugeben, hat seine Gründe dafür. Er weiß z.B., warum er den Wolf geschickt hat, und nicht ihr seid diejenigen, die ihn verurteilen können. Gott sagt: "Ich habe dich als Mensch geschaffen, sei deshalb nicht wie der Wolf, wie der Bär, wie die Schlange, sondern handle wie ein vernünftiges Wesen." Wenn ihr also hasst, seid ihr mit eurem Herzen; wenn ihr euch es gut schmecken lasst, seid ihr mit eurem Körper; wenn ihr stolz seid, seid ihr mit eurem Verstand. Ihr seid aber noch nicht mit Christus. Der Mensch muss verstehen, was das Wesentliche in ihm ist. Er muss verstehen, dass seine Nahrung eine andere ist. Die Wahrheit, die Liebe, die Weisheit, die Gerechtigkeit und das Gute – das ist die Nahrung, mit der ihr Christus gewinnt. Wenn ihr diese Früchte erwerbt, dann kommt Christus, denn es wird etwas geben, was ihr ihm anbietet. Wenn auch ihr beginnt diese Nahrung zu essen, werdet ihr alle schön sein und nicht so, wie ich euch jetzt sehe. Ihr werdet schön und schlank sein und euer Körper wird sagen: "Gott sei Dank, dass mein Herr klüger geworden ist – vorher wollte er auch mich beherrschen." Die Vorbestimmung des Menschen ist, dass er seinen Verstand, sein Herz und seinen Körper von allem Bösen und von allen Krankheiten befreit. Nun könnt ihr über mich sagen, ich spräche wie ein Redner, der Eindruck schinden will. Ich könnte euch dasselbe auch leiser sagen, aber wenn ich meine Stimme erhebe, möchte ich diesen Nagel tiefer in euch einschlagen, damit etwas daran hängen bleibt. Wenn du hungrig bist, sage dir: "Das bin nicht ich." Wenn du Angst hast, sage dir: "Das bin nicht ich." Wenn du überheblich wirst, sage dir wieder: "Das bin nicht ich." In einem solchen Fall stellt ihr euch die Frage: "Was bin ich dann?" Dann kommt deine Seele – zeig deine Barmherzigkeit, gib jemandem Geld. Das bedeutet natürlich noch nicht, dass du ihn liebst. Wenn du jemandem Geld gibst, kann er es nur richtig benutzen, wenn er klug ist. Das Geld begeht heute die größten Verbrechen. Wenn ihr die Geschichte erforscht, seht ihr, dass das Geld die Welt verdorben hat wegen der Lust des Herzens mehr zu besitzen. So wurden Gerichte und Galgen geschaffen, aber wenn die zum Tode Verurteilten in jene Welt gelangen, werden sie noch gefährlicher. Deswegen bin ich der Meinung, dass die bösen Menschen ins Gefängnis gehören um umerzogen und gewandelt zu werden. So muss es in Zukunft gemacht werden, denn die Menschen, die sterben, sind gefährlicher für die Menschheit. Wenn man Gift in zehn Kilogramm Wasser schüttet, verseucht es mehr Leute, als wenn ihr es in ein paar Gramm gebt. Also, um Christus zu erkennen, müsst ihr jenes wesentliche Wissen erwerben, das für unser individuelles Leben nötig ist. Wenn du beunruhigt bist, wenn du hungrig wirst, sage: "Ich habe ihn noch nicht gefunden." Wenn du den Ruhm liebst, sage dasselbe. Jemand sagt, dass er zur Kirche geht – er isst gern. Ich mache ihm keine Vorwürfe, weil ich auch esse, doch das Essen soll nicht Zweck des Lebens sein. Man fragt mich manchmal, was ich essen will. Ich antworte: "Gebt meinem Pferd was auch immer es sein mag, gebt ihm etwas Bohnen, Salz..." Manchmal, wenn man mich zu Gast bittet und vieles auftischt, sage ich mir: "Na ja, was für eine große Ehre man meinem Pferd erweist!" All das bedeutet, dass ihr Christus nicht gefunden habt. Gebt dem Armen, dem Leidenden zu essen. Nahrung ist sowohl für den Körper als auch für den Verstand und das Herz nötig, aber auch der Seele muss zu essen gegeben werden. Unter dem Wort "Nahrung" verstehe ich, dass du einem Menschen zu essen gibst, der mutlos ist und beschlossen hat Selbstmord zu begehen. Und jetzt denkt ihr nur, wie ihr euch retten könnt, und sagt: "Gehen wir zu Herrn Danov, damit er uns was sagt. Er weiß vieles, er ist sehr gelehrt." Warum predige ich? Fließt die Quelle nicht, dann zerspringt sie, denn das Wasser in ihr muss sich einen Weg bahnen. Deswegen predige ich auch – damit es ein Segen für euch ist. Jemand sagt: "Ich will geliebt werden!" Wird aber ein trockener Brunnen geliebt, wird er geküsst? Lasst reines Wasser durch euren Rohrbrunnen fließen und ihr seht, wie euch alle küssen werden. Damit euch die Menschen küssen, müsst ihr ihnen etwas geben. Jemand verhält vor einem Brunnen und sagt: "Wie schön ist dieser Stein!" Nicht der Stein ist das Wesentliche, sondern das Wasser – die Lehre, die kommt. Wenn ich euch eines Tages aus der unsichtbaren Welt glücklich sehe, werde ich froh sein und sagen: "Ich freue mich, dass sie den Herrn gefunden haben!" Ihr müsst euch freuen, spielen, denn wenn das Herz spielt, betet ihr; wenn der Verstand denkt, betet ihr. Freut euch über den Körper, wenn er isst; freut euch über das Herz, wenn es fühlt; freut euch über den Verstand, wenn er denkt. Es sind Geräte, die euch den Weg zeigen. Wenn ihr durch die materielle Welt geht, braucht ihr den Körper, in der astralen Welt ist das Herz nötig, in der geistigen Welt – der Verstand und in der seelischen Welt ist die Seele nötig. Deswegen sagt Paulus: "Damit ich Christus gewinne." Christus ist ein großer Lehrer und in welcher Form auch immer ihr ihn empfangt – in der Form einer Frau oder eines Mannes, in der Form eines Kindes oder eines Dieners – kann er euch stets den Weg der Wahrheit zeigen. Möge in eurem Verstand der Gedanke bleiben, dass es nur einen Gott gibt. Die Lehre kann durch viele Rohrbrunnen gehen, doch die Quelle ist nur eine. Wenn Christus in euch kommt, lehrt er euch die Dinge richtig verstehen, ihr lernt, welche eurer Handlungen gut sind und welche schlecht. Ihr dürft nicht sagen: "Jetzt bin ich ein bisschen besser, ein bisschen intelligenter." Nicht ein bisschen, sondern bis zu Ende und vollkommen müsst ihr euer Bild malen. Wenn ein Lehrer seinem Schüler die Aufgabe erteilt ein Bild zu malen, muss er es gut malen. Der Körper ist ein Lehrer, das Herz ist ein Lehrer, der Verstand ist auch ein Lehrer. Und wenn ihr in eure Seele eintretet, dann findet ihr Christus, dann ersteht euer Körper, euer Herz, euer Verstand auf, dann seid ihr keine Diener, sondern Herren. Alle werden ein unzertrennliches Ganzes und ihr werdet stark in der Welt sein. Dann werden eure Kinder nicht wie die jetzigen sein. Jetzt habt ihr viele Mieter und das sind eure Kinder. Was ist der Körper? Er ist ein Haus und die Menschen treten ein. Jemand sagt: "Mein Kind kennt mich nicht." Weist auf den Grundzug eures Kindes. Damit ihr eure Kinder erkennt, mit denen ihr vielmals auf die Erde gekommen seid, sollte es Gemeinsamkeit unter euch geben – die Mutter sollte sich für ihr Kind opfern und umgekehrt. Wenn ein Sohn oder eine Tochter nicht bereit sind, sich für ihre Eltern zu opfern, sind sie nicht ihre Kinder. Ich möchte, dass sich alle Söhne für ihre Väter opfern, die Töchter – für ihre Mütter, die Diener – für ihre Herren, die Schüler – für ihre Lehrer. Wenn Christus auf die Erde kommt, dann setzt die echte Ordnung ein, dann gibt es eine ganz andere Gesellschaftsordnung. Das ist die Lehre, die die Welt reformieren kann – Christus zu finden. Ich habe euch in meinem vorigen Vortrag gesagt, Christus kommt von oben wie ein Licht über euch und ihr alle, die ihr bereit seid Frucht anzusetzen, werdet erblühen. Und diejenigen von euch, die nicht bereit sind zu blühen, bleiben für eine andere Epoche. Diejenigen von euch, die nicht bereit sind sich zu opfern, sollten sich nicht beunruhigen, denn die Welt ist nie so gut gewesen wie jetzt. Ihr sagt, es gibt aber einen so großen Krieg. Das hat keine Bedeutung! Fürchtet nicht – der Krieg ist eine Reinigung der Welt und der Menschen. Ich vergleiche ihn mit einer Frau, die morgens früh aufsteht, zu kehren beginnt, Staub wirbelt ringsherum auf. Sie denkt, sie habe das Haus gereinigt, aber in vier-fünf Stunden gibt es wieder Staub. Ich sehe, alle, die im Krieg getötet wurden, sind von ihren Pferden gefallen, doch sie sind besser dran – sie denken nicht an Zucker, an Reis... Jemand könnte fragen, wie es ihnen dort oben geht. Ihnen geht es besser als euch und sie werden wieder lebendig. Ihr werdet zusammen mit ihnen leben und mit diesem Christus, der kommt und der vielmals auf die Erde gekommen ist. Jemand wird sagen, Christus sei einmal auf der Erde gewesen. Ja, aber er kommt wieder. Er kommt um zu sehen, wie seine Lehre angewendet wird, um zu sehen, wie die Richter urteilen, wie Männer und Frauen miteinander leben, wie die Militärangehörigen leben... Jeder muss auf seinem Platz sein, denn diese Dinge sind so von Gott geordnet. Und wenn sich diese Harmonie in uns niederlässt, werden wir wissen, dass wir Gott dienen. Beneidet die Könige nicht, bedauert die Armen nicht – ihr erweist ihnen damit einen Bärendienst. Gewinnt sie lieb und sagt ihnen: "Bruder, du lernst deine Lektion sehr gut, ich freue mich darüber!" So spreche ich zu den Unglücklichen. Und ihr sagt: "Der Arme! Wie zittert er nur!" Wenn er zittert, gebt ihm einen Mantel, wärmt ihn. Gewinnt den Bettler lieb und denkt nicht an seine früheren Sünden. Manche sind Sünder, denn sie hatten die Gelegenheit zu sündigen. Wer aber seine Prüfung nicht bestanden hat und keine Möglichkeit zu sündigen hatte, der soll schweigen, denn das beweist noch nicht, dass er ein Gerechter ist. Seid munter, wenn ihr denkt, und behaltet im Gedächtnis, dass ihr nicht das Essen seid, dass ihr nicht das Herz seid, dass ihr nicht der Verstand seid. Nur wenn ihr euch in eure Seele erhebt, dann werdet ihr eine mächtige Kraft sein. Ich möchte, dass alle Bulgaren die Dinge so verstehen. Und wenn wir so leben, werden wir groß sein, weil Gott unser Lehrer ist und wir seine Kinder sind. Ein Vortrag vom Meister Beinsa Douno, gehalten am 5.November 1916 in Sofia
  12. Du weißt “Und er sagte mir: „Menschlicher Sohn, können diese Knochen lebendig werden? Und ich sagte: „Gott, du weißt.“ Iesekiil 37:3 „Können diese Knochen wieder lebendig werden?” Ihr könnt euch fragen, was für ein Geheimnis in diesem Satz versteckt ist. Ihr werdet euch sagen: „Wir kennen diese Knochen, wie viel Mal haben wir sie gekocht, wie viel haben wir sie am Friedhof gesehen – das ist ein Knochen.“ Aber ihr habt diese Knochen, über die ich euch sprechen werde, niemals gesehen. Das, was ihr denkt, dass ihr in der Welt seht, ist so wahr wie den Zustand, wenn der Mensch zum Beispiel träumt, dass er reich ist, und als er erwacht, sieht, dass er keinen Reichtum hat. Gott fragt den Propheten: „Können diese Knochen lebendig werden?“ Die Knochen stellen in diesem Sinne ein gemeines Leben dar, ein Leben in einem potenziellen Zustand; in dem religiösen Sinn bedeuten die toten Knochen ein Leben ohne Bewegung. Ihr werdet fragen, gibt es ein Leben ohne Bewegung; in dem metaphysischen Sinne bedeutet das ein bewusstloses Leben. Jeder Knochen hat ein individuelles Leben, und wenn jemand ihn rückt und bewegt, wird er sagen: „Gott sei Dank, dass jemand kommt, der mich rückt.“ Die Knochen sind das israelische Volk, geteilt durch das schlechte Leben, und sie sind tot, weil es keine Einheit unter den einzelnen Persönlichkeiten in ihm gibt. Die Knochen stellen den Menschen nach seinem Tod dar. Sie sind die einzige Sache, die unverändert bleibt; nach den Okkultisten ist das neue Leben in ihnen versteckt, und wenn der Mensch wieder zur Erde kommt, wird er das nehmen, was in ihnen versteckt ist – deshalb bewahren wir die Knochen unserer Nächsten. Einige sagen: „Es ist mir egal, was nach meinem Tod übrig bleiben wird“, aber der Mensch ist nichts außer seinen Knochen. Jetzt muss der Mensch lernen, philosophisch denken, er muss alles wie etwas Unvermeidliches, Notwendiges behandeln, und nicht als reinen Zufall. Aus der Geometrie ist es z.B. bekannt, dass der kürzeste Abstand zwischen zwei Punkten die gerade Linie ist, die eine Bewegung in einer Richtung darstellt; sie ist eine Gesamtheit von vielen Punkten, d.h. von vielen Bewegungen, die sie bilden. Also, unser Gedanke kann sich nur in einer geraden Linie bewegen. Wenn wir uns vorstellten, dass wir in einem Punkt leben, und unser Gedanke bewegt sich immer auf eine gerade Linie, würden wir dann keine Ahnung von der Welt haben, der Mensch würde sagen, dass nichts außer der geraden Linie existiert; deshalb gibt es Lebewesen auf der Erde, die nur von einem Ding eine Ahnung haben. Aber wenn der Punkt sich bewegt, bildet er eine gerade Linie, die lebendig ist, und wenn er eines Tages seine Richtung nach seiner Senkrechte zu ändern beschließt, wird er eine Fläche bilden, die Fläche ist von Millionen geraden Linien gebildet. Also, es gibt andere Lebewesen, die verstehen, dass die Welt sich nicht nur in einer Richtung bewegt – in der Länge, sie bewegt sich auch in der Breite; solche Vorstellungen hat die Schnecke zum Beispiel, für die es nur zwei Dimensionen gibt. Natürlich ist die Fläche auch lebendig, weil alles in der Natur lebendig ist; und wenn sie sich bewegt, wird sie eine andere Dimension – die Höhe finden, und so wird sie einen Würfel bilden. Ihr seid Lebewesen mit drei Dimensionen, und die Philosophen denken, dass nichts außer diesen drei Dimensionen existiert, aber es gibt Lebewesen, die sich in höheren Dimensionen bewegen. Wenn der Würfel sich in einer anderen vierten Richtung bewegt, wird auch die ganze Welt sich bewegen, und ein Tessarakt wird entstehen; diese vierte Senkrechte bewegt sich in einer Richtung, die wir uns nicht vorstellen können. Also, der Mensch ist wie einen toten Knochen, bevor er die Dinge verstehen kann, d.h. er ist ein Lebewesen von einer Dimension. Gott fragt: „Können diese Lebewesen sich ändern und Lebewesen von zwei und drei Dimensionen bilden?“ Und Gott hat gesagt: „Prophezeie!“ – nur wenn der Mensch zu sprechen beginnt, beginnt er die Dinge zu verstehen. Der erste Mensch hatte keine Knochen, und der gegenwärtige Mensch ist ein Lebewesen mit Knochen. Jeder Mensch ist ein Knochen. Unter dem Wort Knochen versteht man etwas, was wesentlich und unveränderlich im Menschen ist, etwas, das man in Bewegung setzen kann, organisieren kann. Moses sagte, dass Gott ursprünglich den Menschen aus Erde gemacht hatte – damals konnte der Mensch sich nur in einer Linie bewegen; als der Mensch mit Knochen gemacht worden war, wurde ihm die Fähigkeit gegeben, dass er sich in drei Dimensionen bewegt, aber er war damals schon tot; erst nachdem Gott ihm in die Nase geatmet hatte, begann der Mensch zu denken, deshalb atmen wir heute durch die Nase und nur dann denken wir. Zum Beispiel denkt eine Frau, dass ihr Mann sie nicht liebt, das bedeutet, dass sie in einer geraden Linie geht; in diesem Fall muss sie stehen bleiben und eine Fläche in ihren Gedanken bilden – nur dann wird sie sich mit ihrem Mann verständigen. Sonst werden die Frau und der Mann in einer geraden Linie gehen und werden sich nicht treffen. Als Moses den Gott sehen wollte, sagte Er ihm: „Du kannst mein Gesicht nicht sehen, aber du wirst nur einen Teil von Meiner Kleidung sehen, sonst wirst du verbrennen“; das bedeutet philosophisch: weil der Mensch in der Welt lebt, kann er die Dinge nicht verstehen, deshalb sieht er nur einen Teil von ihr. Also, die Knochen müssen getötet werden, damit sie ihren Zustand ändern. Diese Knochen waren tot, aber nur Gott weiß, ob sie ein höheres Leben erwerben können. Wenn man ihnen zu sprechen beginnt, beginnen sie sich zu versammeln, Muskeln und Nerven zu bilden, aber sie können noch nicht denken; damit sie zu denken beginnen, muss ein Geist aus den vier Winden kommen, aus den vier Seiten, d.h. eine vierte Dimension muss existieren. Bis der Mensch in drei Dimensionen lebt, kann er nicht vestehen, was ein geistiges Leben bedeutet; die gegenwärtigen Leute denken, dass die Welt mit dem Tod zu Ende geht, so denkt der Frosch, die Schnecke und der Mensch. Wenn ich den Weinberg graben gehe, wenn ich ein, zwei Tage arbeite und die Arbeit beendet ist, bedeutet das nicht, dass das Leben zu Ende ist. Die Welt ist zu Ende, das bedeutet, dass das Leben zu Ende ist; das sind Gedanken einer Schnecke, eines toten Knochens – das ist die gegenwärtige Philosophie. Wenn diese Knochen zu bewegen beginnen, sagen sie: „Unsere Arbeit ist zu Ende“, d.h. unsere Lage als Knochen im Feld ist zu Ende; aber sie beginnen dann, sich bewusst zu bewegen. Die gegenwärtigen Leute sind dem Held der folgenden Anekdote ähnlich: ein Bulgare, der Stojan hieß, ging zur Stadt, einen Esel zu verkaufen. Die Stadt war fern, deshalb blieb er an einem Ort stehen, um sich auszuruhen, band den Halfter des Esels an seiner Hand und schlief ein. Ungehorsame Kinder sahen, dass er schlief, banden den Halfter vom Kopf des Esels los und nahmen das Tier. Als der Bulgare mit dem Halfter in der Hand erwachte und sah, dass der Esel nicht da war, sagte er sich: „Wenn ich Stojan bin, habe ich den Esel verloren; wenn ich Stojan nicht bin, habe ich den Halfter gewonnen.“ Das Leben ist der Esel, aber wenn ich nicht bin, ist das ein Halfter. Der Halfter bedeutet, dass der Mensch mit einem Gedanken lebt, in dem es kein Dasein gibt. Gott sagt: „Diese Knochen werden lebendig werden.“ Wenn der Prophet spricht, ist das der Geist von Christus. Manchmal habt ihr auch einen solchen Zustand der Erstarrung erleben können, wenn der Mensch denkt, fühlt, aber er kann kein Zeichen geben, dass er lebendig ist. Das Bewusstsein kann außer der Welt existieren, aber wenn du bewegst, d.h. dass du lebst. Wenn der Mensch morgens erwacht, bewegt er und beginnt zu leben, und wenn er wahllos und zerstreut spricht, ist er ein toter Knochen. Das ist eine kleine Analogie: unsere Gedanken können wahllos wie diese Knochen sein, wir können weinen und sagen: „Welcher Sinn hat das Leben?“ – der Mensch ist in der Lage des Propheten, welchem die Gedanken wie tote Knochen sind. Und Gott sagt: „Sohn der Menschheit, können deine Gedanken im Feld leben?“ Dann beginnt der Mensch nach dem Sinn des Lebens zu denken und antwortet: „Du weißt, Gott!“ Wenn der Mensch denkt, dass Gott weißt, sagt Er ihm dann: „Sprich!“ Als Gott Moses zum Pharao schickte, wollte er nicht sprechen, weil er stotterte; dann wurde Gott zornig und sagte, dass sein Bruder Aaron kommen muss; Und damit Aaron Moses zu sprechen zwang, überließ er ihm seine Stelle. Jeder ist Moses und Aaron, d.h. Seele und Geist – so wird der Mensch sich selbst retten. Manchmal ist die Seele entmutigt; z.B. eine Magd ist von einem Burschen enttäuscht, sie verzweifelt, vernachlässigt alles, wird finster und sagt: „Mein Leben ist zu Ende.“ Jeder von uns ist eine betrügte Magd oder ein betrügter Bursche – das ist der Sündenfall. Als der Teufel kam, waren die Leute von ihm hingerissen, und dann blieb der Mensch weder mit dem Teufel, noch mit dem Gott. Gott fragt den Propheten: „Können diese toten Gedanken, Wünsche und Handlungen lebendig werden?“ Der Prophet sagt: Du weißt, Gott.“ Und nachdem der Geist gekommen war, wurden die Knochen große Streitkräfte. Nun, die Dinge müssen Eigenschaften in ihnen haben, um sich festlegen zu können. Die gegenwärtigen Physiker sagen, dass die Elektrizität zwei Ströme hat – durch die Luft und durch die Erde: wenn es eine Bewegung von oben gibt, muss eine Bewegung von unten existieren. Also, im Menschen, der keine Knochen hat, kann der Göttliche Gedanke nicht arbeiten. Und weil diese Kraft ein Leben in einem versteckten Zustand ist, muss diese Bewegung aus den Knochen gehen. Der menschliche Gedanke gehört zu den dreidimensionalen Dingen nicht; die Gefühle gehören zur vierten Dimension, die Gedanken – zur fünften, und das Bewusstsein – zur sechsten. Eines Tages, wenn wir unter den Engeln sind, werden sie uns diese Dimensionen lehren. Wir leben in drei Welten, und nach den Kabbalisten gibt es zehn Welte insgesamt – der Mensch lebt in der dritten Welt, und Gott – in der zehnten; das ist ein großer philosopischer Gedanke. Nachdem wir Millionen Jahre gelebt hatten, kamen wir erst zur dritten Welt, und noch viele Jahre sind notwendig, damit wir zur zehnten Welt kommen. Der Reiz der Welt besteht darin, dass sie grenzenlos ist, und der Tag wird nicht kommen, wenn der Mensch sagen wird, dass er alles weiß. Aus diesem Gesichtspunkt hat alles ein Bewusstsein; zum Beispiel hat ein Stein ein Bewusstsein eines Steins; eine Blume, eine Schnecke, ein Mensch, ein Engel – alles lebt mit seinem Bewusstsein. Der Mensch versteht das, aber versuchen wir, Umgang z.B. mit einem Baum zu halten; für uns ist er ein Baum, aber er hat sein eigenes Leben – er schweigt, spricht nicht, aber weiß alles, weil er es gelernt hat, wenn er oben am Himmel war. Deshalb weisen die Bäume nach oben – wenn man oben steigt, wird man dann alles lernen. Die gegenwärtigen Gelehrten untersuchen einen Apfel, aus welchen chemischen Elementen er besteht, aber er hat etwas, das sie nicht entdecken können. Das Leben besteht nich nur aus diesen Elementen, sondern es gibt etwas Anderes, was man lernen muss. Zum Beispiel früher dachte man, dass die Elektrizität nur durch Drähten transportiert werden kann, und heute weiß man, dass das ohne sie möglich ist. Es gibt zwei Welten – eine physische und eine Geistige Welt; der Mensch ist sowohl im Geistigen, als auch im physischen Leben. Die Leute gehen von oben nach unten. Heute denkt man, dass die Kultur sich von unten nach oben bewegt, aber ich bestreite das und sage, dass der Apfel sich nicht nur von den Säften ernährt, sondern von der Sonne. Zum Beispiel im Laufe einiger Jahre wächst ein Baum nach dem Gewicht bis zu zwanzig Kilogramm, und er hat all das nicht aus der Erde genommen, sondern von oben. Wir nehmen alles von oben. d. h. von innen, aus einer Welt, die mehr breiter als die Außenwelt ist. Wir können sie mit einem Kegel mit der Spitze nach unten vergleichen – die Spitze ist die Außenwelt, und die Grundfläche ist die innere Welt; wenn der Mensch an der Spitze ist, wird er sagen, dass die innere Welt kleiner ist, und es ist eigentlich nicht so. Wer beschlossen hat, philosophisch die religiösen Fragen zu erlernen, muss sehr ruhig sein. In der Zeit eines der türkischen Sultan gab es viele Dummköpfe; eines Tages wollte er erfahren, wer von allen der größte Dummkopf ist und befahl, dass man das Gebäude anzündet, in dem sie waren. Erschrocken vor dem Brand flohen alle Dummköpfe und nur zwei blieben drinnen. Als einer von ihnen sah, dass der Brand größer wird, wandte er sich an seinen Kameraden und fragte ihn, was sie machen sollen und der andere antwortete ihm: „Wie bist du nicht zu faul zum Sprechen?“ Wenn der Mensch sterben muss, wird er sterben, unabhängig davon, wo er sich befindet. Zum Beispiel wollte ein reicher Franzose seinen Sohn von der Front befreien, und es gelang ihm, mit viel Geld ihn zum Hinterland zu schicken, aber dort, obwohl sein Sohn vor den Kugeln geschützt war, wurde er mit einer Granate getötet, die in der Nähe gefallen war.... Oft haben die Leute Angst vor Seuchen. Der Mensch muss vor nichts Angst haben, weil er vor Angst sterben kann. Zum Beispiel ging die Pest eines Tages nach Bagdad; ein Mann begegnete ihr und fragte, wohin sie geht. „Ich gehe nach Bagdad, tausend Menschen zu nehmen.“ Die Pest kam, und zwanzigtausend Menschen starben in Bagdad. Als sie zurückkam, begegnete derselbe Mann ihr wieder und fragte, wie viel Menschen sie genommen hatte. „Zwanzigtausend“ – antwortete sie. „Und warum hast du mir gesagt, dass du nur tausend nehmen wirst?“ „Die anderen neunzehntausend starben vor Angst.“ Der Mensch muss vorsichtig in seinem Leben sein. Ein Fahrgast kaufte eine Fahrkarte in Gorna Orjachovitza, aber er hatte keine dreißig Münzen, um sie nachzuzahlen; er bat einen Anwalten, ihm Geld zu geben, aber dieser lehnte ab und sah, wie der Reisende gezwungen war, zu Fuß zu gehen. Derselbe Anwalt war eines Tages in London und als er zurückkommen wollte, bemerkte er, dass dreißig Münzen ihm nicht reichen, und er konnte eine Fahrkarte nicht kaufen – ihm war mit demselben bezahlt. Das zeigt, dass du dasselbe bekommst, was du machst. In diesem Fall ist der Mensch ein trockener Knochen, und er muss sein Geld großzügig ausgeben und jedem helfen, der in Not ist. Und heute sammeln einige Leute Reichtürmer, neben diesem Töten der Menschen; der Gott stellt das in Rechnung und sagt, dass das Geld lebendig werden müssen. Unter dem Geld versteht man alles, womit man helfen kann – Kenntnisse, Gefühle, Wünsche. Unsere Gedanken und Gefühle müssen auch lebendig werden; deshalb sagt Gott jedem: “Sprich zu dir, sprich zu deinen toten Gedanken, Wünsche und Handlungen!“ – so wird in ihnen allmählich eine Bewegung, ein Leben bemerkt werden. Gibt es eine Mutter, die ihr Kind trägt und nicht leidet? Sie leidet, aber ein neues Leben bildet sich in ihr. Wenn der Geist kommt, wird der Mensch dann verstehen, warum er hier, auf der Erde ist, und er wird sehen, wie schön ist, dass er lebt, leidet und stirbt, dass er aus dieser Welt geht und in einer anderen lebt, wo die Menschen sich unter ihnen verstehen werden. Wir, die gegenwärtigen Menschen sind von der ersten, zweiten und dritten Dimension, weil es in uns keine ständige, sondern nur vorübergehende Liebe gibt. Die Liebe in uns muss unsere Seele beleben, unser Herz und unseren Geist kräftigen. So sagt Christus: „Wenn ich mit dem Gott bin, werde ich mich auch in der Hölle gut fühlen, aber wenn ich ohne Ihn im Paradies bin, warum ist er mir?“ Soll Gott mit uns sein; und Er ist in uns und mit uns. Wenn Gott uns sagt: „Sprich!“, wir müssen sprechen. Wir wollen die Welt verbessern, indem wir uns verbessern, aber nur das Vernünftige Leben verbessert den Menschen. Jeder Gedanke, sogar der gute, wenn er nicht vernünftig verwendet werden kann, ist ein schlechter Gedanke und umgekehrt. In der gegenwärtigen Wissenschaft gibt es viele solche Beispiele: zum Beispiel ist das Kohlenstoffdioxid, das den Menschen den Atem nimmt, für die Pflanzen angenehm und notwendig, es gibt ihnen Kohlenstoff als Nahrung, und Sauerstoff wird abgesondert. So ist ein Ding für uns schädlich, für andere nützlich. Gib deine Sünden den Pflanzen, und nimm das Reine von ihnen. Also, man muss sich nicht beschweren. So ist auch in der Schrift geschrieben: Gib deine Sünden dem Gott“; wenn Gott unsere Sünden nimmt, fragt Er: „Können diese Knochen lebendig werden?“ Also, jeder muss sich selbst sagen: „Gott sagt – wir sollen alle Gedanken und Wünsche, unser Geld großzügig für unsere Nächsten ausgeben.“ Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 1 Oktober 1916, Sofia
  13. Die Versuchung “Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden... Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm.” Matthaeus 4:3-11 Ich werde über die Verse vom dritten bis zum elften sprechen, wo über die Versuchung gesprochen wird. Viele von euch haben dieses Kapitel gelesen und über die drei Versuchungen nachgedacht. Auf den ersten Blick scheint es, dass die Versuchungen, die der Teufel anbietet, sehr einfach sind. Aber diese drei Versuchungen kann man dreifach verstehen, d.h. im Evangelium ist das Fallen nicht gegeben. Die große Wahrheit, versteckt in den drei Veruchungen, ist Änigma.Warum schlug der Teufel nähmlich Jesus vor, dass er die Steine ins Brot verwandelt. Das sind drei psychologische Momente im Leben jedes Menschen. Alles, was Jesus in den Versuchungen erlebt hat, wird jeder von euch auch erleben; einige sind zu diesem Stadium nicht gekommen, aber der Tag wird eintreten, und sie werden durch es gehen. Deshalb müsst ihr die Schwierigkeiten begreifen, die ihr dann treffen werdet. Denkt nicht, dass es leicht ist, eine Unsterblichkeit zu bekommen; wer eine solche Lehre predigt, predigt die Wahrheit nicht. Wenn wir über die Unsterblichkeit, über die Erfüllung des Gottes Willen sprechen, verstehen wir etwas Anderes. Also, wir müssen diese drei großen Fallen in jeder Seele verstehen. Der Teufel sagt Jesus: “Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.” Das Wort „wenn“ setzt eine Bedingung voraus: “Bist du Gottes Sohn....“ Gab es etwas Falsches, wenn Jesus die Steine ins Mehl verwandeln konnte? Es gab etwas Verführerisches für den Teufel in dem, dass er den Prozess sehen konnte, wie Jesus einen Stein in eine Pflanze verwandelt. Aber Jesus, der sehr gut Gottes Befehle verstand, wusste, dass jedes Ding seinen Zweck hat, d.h. die Steine haben auch ihren Zweck. Jetzt werde ich nicht über die esoterische Seite sprechen; eines Tages, wenn ihr zum Zustand kommt, rein im Verstand und Herzen zu sein, nur dann wird man euch diese Wahrheit enthüllen. Jede eure Prüfung beweist, wie ihr rein seid... Wisst ihr, was es mit Jesus geschehen wäre, wenn er dieser Versuchung erliegt hätte? Der Teufel kommt im Augenblick, wenn Jesus schwach ist, und sagt: „Da ist der Fall – wenn du Gottes Sohn bist, kannst du diese Kenntnisse und Gesetze anwenden.“ Aber Jesus antwortet ihm: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.” Diese Steine sind sündhafte Geister, verkommene Menschen, in ihnen ist der Teufel versteckt; wenn Jesus versucht hätte, die Steine in Brote zu verwandeln, wisst ihr, was bedeutet, dass man einen schlechten Geist ins Brot verwandelt? Jesus sagt: „Wenn ein Mensch Gottes Wort annimmt...“, das hat eine praktische Bedeutung, jeder von euch bemüht sich, die Steine in Brote zu verwandeln. Einige sagen: „Warum wächst das Brot nicht, damit wir nicht brauchen, es zu bereiten?“ In Deutschland und England versucht man, eine Methode zu entdecken, mit der man die anorganischen Stoffe in organische verwandeln kann, aber wenn die gegenwärtige Wissenschaft in solcher Abweichung geraten wäre, hätten wir die größte Unsittlichkeit gehabt. Das, was die gegenwärtigen Menschen rettet, ist die Arbeit, und wenn man die Steine in Brote verwandeln könnte, würdet ihr alle tafeln. Ich weiß, dass die Leute die Steine in Brote oft verwandeln wollen; ihr trefft zum Beispiel einen bösen Menschen, verdorben im Verstand und im Herzen, und sagt: „Warum können wir diesen Stein ins Brot nicht verwandeln?“ Aber wenn ihr ihn verwandelt... In dieser Weise bessert der Mensch sich nicht. Einige sagen: „Wir sollen diesen sittenlosen Menschen verheiraten, um ihn zu bessern“ – das ist nicht erlaubt. Jesus sagt: „Ihr seid lebendige Steine“, aber es gibt auch tote Steine. Also, eine Magd, die die Gesetze begreift, muss nie einen Sünder heiraten, oder eine verderbte Frau muss nie einen guten Mann finden. Was wird sich daraus ergeben? In der Welt werden Verbrecher geboren. Das ist die erste Lehre, die der Teufel Jesus predigt – dass er diese Steine ins Brot verwandelt – d.h. zum Vergnügen. Jesus sagt, dass die Leute sich nur dann bessern, wenn ihr Herz das Wort Gottes annimmt. Nun sagen einige mir: “Du kommst die Welt verbessern, du wirst Anhänger haben.” Ja, solche verdorbenen Anhänger werden kommen, aber die Welt wird sich in dieser Weise nicht bessern. Die Welt wird sich mit jedem Wort bessern, das vom Mund Gottes kommt. Und wenn die menschliche Seele es annimmt, wird sie lebendig sein. Natürlich betrifft dieses Prinzip eine andere Seite – z.B. das Essen, das bisher ein der gemeinsten Prinzipien in der Welt ist. Das Essen ist ein wichtiger Prozess im Leben. Und wisst ihr, wie viel heimliche Kräfte in den Steinen verborgen sind, wisst ihr, was in diesen kleinen Fläschchen geschlossen ist? Jesus sagt: „Wer aus dem Mund Gottes gehen kann, hat recht, diese kleinen Fläschchen zu öffnen.“ Oft höre ich, dass man sagt: „Warum hat Gott mir solche Kraft nicht gegeben, dass ich die Welt verbessere?“ Das ist wie jene Königin, die seinem Mann gesagt hat: „Lass mich drei Tage regieren, damit ich die Welt verbessere.“ Sie herrschte drei Tage und wisst ihr, was sie zuerst gemacht hatte? Zuerst hatte sie ihren Mann erhängt. Diese, die die Schrift deuten, sagen, dass der Teufel mit der ersten Versuchung Jesus erprobt, ob er vor Hunger erschreckt. Aber Jesus sagt: „Mir ist es egal, ob die Steine Brot werden oder nicht, Ich habe eine Nahrung, die Mir immer von oben gegeben wird.“ Weiter führt der Teufel Ihn zur Zinne des Tempels und sagt ihm: “Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab.“ Auf den ersten Blick ist das eine sehr flagrante Versuchung, aber in ihr ist etwas Anderes versteckt – dieser Tempel ist der Mensch, der am höchsten Ort in seinem Kopf steht und denkt, wie die Göttlichen Dinge geordnet sind. Und der Teufel sagt ihm: „Geh zu deinen Staatsangehörigen hinunter und beginn wie sie zu leben, geh und trink, wie sie trinken; weil du Kenntnisse und Kraft hast, hab keine Angst, dass du fallen wirst, mach es und wiss, dass deine Tugend dadurch nicht verletzt werden wird.“ Jesus antwortet ihm: "Du sollst Gott, deinen HERRN, nicht versuchen, weil Ich nicht brauche, diese Staatsangehörigen zu kennen." Ob ein Vater, der zehn Kinder hat, sie erlernen muss? Der Vater kann seinen Sohn kennen, die Mutter kann ihre Tochter kennen, wenn sie auf demselben Weg gehen. Diese Versuchung hat eine Beziehung zu den gegenwärtigen Christen – dass der Mensch in die Wüste flieht und sich dort ausruht, bedeutet, ein bisschen ins Leben zu gehen, und nicht wie einen Polizist zu stehen. Also, ihr seid immer am Flügel des Tempels – die zweite Versuchung ist, dass wir den Gott in uns versuchen. Das ist der Übergang von einem Zustand in einen anderen, von einer Kirche in eine andere, von einer Lehre in eine andere. Wenn du hinunter gehst, wirst du deine Kräfte benutzen. Im Prinzip der zweiten Veruchung geht der Teufel den Menschen an, aber im entgegengesetzten Sinn. Euch ist es nicht erlaubt, dass ihr wie David tut; bevor Gott ihn König machte, gab er ihm eine Macht und was machte David? Eines Tages war er an der Zinne des Tempels, sah eine schöne Frau und ging hinunter; aber ein Prophet kam dann und sagte ihm: „Du bist die Ursache, dass man gegen diese Lehre verstoßt, und es gibt keine Ordnung mehr.“ Und es war so, sein Sohn trieb Unzucht mit seiner Frau, mit seinen Schwestern. Ja, David kam aus der Zinne des Tempels hinunter, um zu zeigen, dass er Sohn Gottes ist, aber er musste dann fliehen. Nun werden viele von euch hinuntergehen, aber sie werden wie David sein: wenn du eine Frau bist, wird dein Mann Unzucht treiben; wenn du ein Mann bist, wird deine Frau Unzucht treiben – das wird das Ergebnis sein, wenn ihr vom Dach dieses Tempels hinuntergeht. Deshalb sagt Jesus: „Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen, weil Ich alle Dinge besitze und brauche nicht, hinunter zu gehen.” Endlich kommt die stärkste Versuchung, die eine direkte Beziehung zu diesem tückischen Geist hat. Der Teufel führt Jesus auf einen sehr hohen Berg, zeigt Ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sagt Ihm: “Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest.” Dann antwortet Jesus: „Hebe dich weg von mir Satan! Ich kann nicht kommen und brauche nicht, in deine Reiche zu gehen.“ Welche Beziehung hat die dritte Versuchung mit dem öffentlichen Leben? Als eine Frau oder ein Mann durch die erste oder die zweite Versuchung übergegangen sind, wird ein Fürst kommen, wird sagen, dass sie sauber und unschuldig sind, und wird zu ihnen sprechen: „Wenn du mich liebst, werde ich dir meinen ganzen Reichtum geben“; dann entscheiden alle Verwandte: „Er ist reich, hat ein Vermögen, ruft schnell den Pfarrer!“ und sie verbeugen sich. Wie viel Amerikanerinnen solche Fürste geheiratet haben, aber dann sind sie unglücklich gewesen; der Teufel verspricht, aber er gibt nicht, er ist ein Zuhälter. Jesus sagt: „Geh weg, geh zu deinem Königreich, zu deinem Reichtum, Ich brauche deine Kenntnisse nicht, Ich habe genug in mir, was Gott mir gegeben hat.“ Es gibt heute Burschen, die von der dritten Versuchung ergriffen werden – z.B. heiratet der Bursche, aber er verkauft sich eigentlich für das Geld, das die Magd in der Bank hat. Ich habe ein Buch gelesen, mit dem Titel „Über die Liebe“, geschrieben von einem Obersten, in dem er schreibt, wie man eine reiche Magd betrügen kann. Und Jesus sagt: „Hebe dich weg, du sollst anbeten Gott, deinen HERRN, und ihm allein dienen." Wisst ihr, was die Verbeugung bedeutet? Dass du verbeugst, das bedeutet, dass du etwas in dir annimmst, zurückkehrst, dich beschränkst, einen Sklaven wirst, deine Freiheit verlierst. Und wenn ihr euch vor einem solchen Geist verbeugt, verliert ihr eure Freiheit. Jesus sagt: „Hebe dich weg!“ Jetzt schreibt man in den Zeitungen, dass irgendwelche Magd soundso viel Geld hat, und ihr fragt, ob diese Ehen dann erfolgreich sind – das ist eine Unsittlichkeit in der gegenwärtigen Gesellschaft, Unsittlichkeit überall. Die ganze Welt ist in dieser dritten Versuchung geraten, es gibt keinen Menschen, der sich nicht verbeugt hat. Es ist gut, dass ihr euch verbeugt, aber wisst ihr, welches Ergebnis daraus sein wird? Wenn eine Frau sich vor einem solchen Mann verbeugt, wird sie eine Kupplerin mit ihm; infolgedessen wird sie entehrt sein und wird dann ihr ganzes Leben lang ihre Tage beweinen. Heute verkaufen Mütter und Väter ihre Töcher für Geld – diesen verderbten Jugendlichen gibt man dazu noch Geld! Ich sage: „Es ist besser, dass eure Tochter unverheiratet sind, als ihr sie gebt und euch vor einem solchen Geist verbeugt. Ihr sagt: “Vor 2000 Jahre hat der Teufel sehr verführt.“; ich will wissen, was der Teufel heute in euren Häusern, Herzen, in eurer Seele macht. Ja, ihr seid seine Freunde geworden, ihr kauft euch frei, maskiert euch, aber ihr müsst ein für allemal sagen: „Geh weg, lass meine Seele in Ruhe!“ Und dann ist es gesagt, dass Gottes Engel Jesus dienen kamen. Wenn ihr durch diese drei Versuchungen gegangen seid, werdet die Engel kommen, euch von der vierten retten. Wenn ein Bursche einer Magd einen Reichtum, Ruhm und Ehre anbietet, und sie lehnt ab, beschliesst er sie zu töten; und der Teufel hat beschlossen, Jesus zu töten. Ihr sagt über die Magd: „Aber er wird sie töten!“ Lass er sie töten, es ist besser, dass sie stirbt, als Unzucht zu treiben. In diesem Fall ist der Tod ein Vorteil – dass wir für eine Idee, für einen Göttlichen Gedanken sterben, das ist ein Privileg. Natürlich will ich nicht, dass ihr entmutigt. Also, wenn jemand diese Beziehungen nicht abbrechen will, werden wir sagen: “Geh weg, geh zu deinem Königreich!” Das ist ein Göttliches Gesetz – beim Gott müssen nur diese bleiben, die ein reines und heiliges Leben leben können. Die gegenwärtigen Menschen sagen: „Wenn wir so leben, was werden wir?“ Und was seid ihr nun, ob diese Menschen, die jetzt im Krieg sterben, wegen der Lehre von Jesus sterben? Das ist die falsche Philosophie der gegenwärtigen Gesellschaft. Wenn wir die Lehre von Jesus annehmen, werden wir Familien und eine Gesellschaft haben, die tausendmal guter sein werden, und wir werden eine Musik schaffen, schöner als diese heute, eine Gesellschaftsordnung bilden, tausendmal guter als diese jetzt. Jemand wird sagen: „Dann werden wir in den Wäldern leben.“ Die Tiere leben in den Wäldern, weil sie sich früher vor dem Teufel verbeugt haben, und wenn ihr euch vor ihm verbeugt, werdet ihr auch vierbeinig. Das ist die Theorie von Darvin – wenn ein Ochse seine Sünden bedauert und der Lehre des Teufels nicht zuhört, kann er einen Menschen werden. Damals war der Mensch im Paradies ein schönes Geschöpf, aber als er auf den Gott nicht hörte, gab Er ihm ein Bärenfell. Nun haben die Zeitgenossen ein bisschen Schuld. Wenn wir Christen werden, denken wir, dass wir das Christentum begreifen, beginnen in die Kirche zu gehen, große Predigte zu hören, aber ob wir dadurch Christen werden, ist noch fraglich. Es gibt etwas Wesentlicheres. Einer von den Schülern von Sokrates, nachdem er lange Zeit gehört hatte, dass man demütig werden muss, begann mit zerrissenen Hosen zu gehen, und Sokrates sagte ihm: „Dein Stolz ist durch deine zerrissenen Hosen gezeigt.“ Ich schäme mich mehr vor Menschen mit zerrissenen Hosen, als vor Menschen mit Zylindern. Zieht euch schön an, aber wenn ihr euch anzieht, dankt Gott und lebt so, wie Er will. Seht jenen Vogel, mit welchen Kleidern er ist – für sie hat Gott zweihunderttausend Lewa gegeben; wenn Gott so den Vogel anzieht, wie viel mehr er euch anziehen wird. Der Teufel sprach zu Jesus: “Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Lass dich hinab!” Vor Jahren ist eine fromme Frau in Sliven auf einem Dach gestiegen, und um den Leuten zu zeigen, dass Gott existiert, hat sie gesagt: „Im Namen Vaters und Sohns und Heiligen Geistes“ und stürzte sich hinunter. Ihr ist wirklich nichts geschehen, aber hat sie die Menschen überzeugt, dass Gott existiert? Man sagte, dass sie verrückt ist. Der Teufel kommt und sagt euch: „Ich werde dir alles geben“, aber ihr kommt nach Jahren zurück wie den verlorenen Sohn mit zerrissenen Hosen. Heute seid ihr auch mit zerrissenen moralischen Hosen. Verlasst dieses Stadium, um in jenes Leben zurückzukommen, in dem ihr vorher gelebt habt; und ihr werdet sagen: „Wir sind nicht würdig, uns weder Deine Söhne noch Deine Töchter zu nennen.“ Das ist die Handlung, die jeder von euch machen muss. Im Weg des Christentums gibt es eine Gefahr: die zweite Versuchung ist wie einen Pflug in den Menschen eingeschlagen, und sie beginnen zu denken, dass sie die Welt verbessern werden, dass sie neue Ideen geben werden; bei dritter Versuchung wird der Mensch Händler, wird „klug“. Der Vater sagt zu seinem Sohn: „Sohn, du musst einen klugen Mann sein, seh, jener hat gestohlen und hat ein Haus gebaut, sei wie ihn“ – das ist die dritte Versuchung, vor der ihr euch verbeugt. Das Gericht ist nicht nur auf der Erde, aber Gott wird euch auch urteilen. Und dieser, der eine andere Lehre predigt, ist sie vom Teufel. Die gegenwärtigen Leute müssen sich mit der Lehre trennen, die ihren Verstand und ihre Herze vernichtet hat. Wir müssen sie zerstören. Und wenn jemand stirbt, soll er für Gott sterben und eine Kraft zum Erheben der Welt werden. Also, das sind drei große Versuchungen, auf die ihr euch stoßen werdet. Einige von euch sind in der ersten Versuchung, andere in der zweiten, dritte in der dritten. Halt sie aus, damit ihr die vierte aushalt, danach kommt die Auferstehung, dann wird Gott euch eine Kraft geben. Und wenn ihr euer Leben für den Ruhm Gottes opfert, so wird Gott euch zu neuem Leben erwachen. Deshalb müssen wir Gott lieben, niemand anderen. Habt keine Beziehungen mit verdorbenen Menschen. Ich habe ein reiches Fräulein- Amerikanerin gekannt, das einen sittenlosen Mann geheiratet hat, um ihn zu verbessern, aber erfolglos. Versucht nicht, ein solcher Mann wird euch schlagen und quälen. Gott segne euch mit guten Männern und Frauen, mit guten Söhnen und Töchtern! Gott behüte euch vor bösen Söhnen und Töchtern! Nieder mit den bösen Männern und Frauen, nieder mit den bösen Söhnen und Töchtern! Hoch die guten Söhne und Töchter! Das ist das Wort Gottes, das wir einhalten müssen. Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 20 Juni 1915, Sofia
  14.  Im Anfang war "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." (Joh. 1,1) Das sind die härteste Nuss und die philosophischste Frage im Christentum. Tausende von Streitigkeiten gab es über diesen Vers und selbstverständlich deutet ihn jeder der unterschiedlichen Philosophen, Priester und Gläubigen auf seine Weise. Auch in der orthodoxen Kirche gab es Streitigkeiten über das Wort, man hat sich seinetwegen sogar geprügelt, doch mit Schlägereien ist die Frage nicht zu lösen. Was sollen wir im gewöhnlichen Sinne unter der Aussage "Im Anfang war das Wort" verstehen? Was für ein Anfang ist das? Wenn die heutigen Philosophen eine bestimmte philosophische Frage erörtern möchten, gehen sie von gewissen Annahmen aus – sie nehmen etwas als Postulat an und erklären damit eine bestimmte Sache. Zum Beispiel erklärte ein schwarzer Prediger die Schöpfung des Menschen folgendermaßen: "Gott hat sich einen ganzen Tag abgemüht um den Menschen aus Lehm zu schaffen, hat ihn an den Zaun gehängt und dort drei Tage trocknen lassen." Einige der Zuhörer fragten ihn jedoch: "Worauf aber stützt sich dieser Zaun?" "Das ist nicht eure Sache", antwortete ihnen der Prediger... Auch die heutigen Philosophen haben einen Zaun, an dem sie das Wort und den Menschen trocknen lassen, alle Fragen lösen und sagen: "Der Mensch wurde aus feuchtem Lehm geschaffen und an einem Zaun getrocknet." Wenn ihr sie aber nach dem Zaun fragt, sagen sie: "Das zu wissen ist nicht eure Sache." Doch dieser Zaun versperrt uns den Weg und sobald wir bei ihm angekommen sind, bleiben wir stehen und müssen ihn umgehen. Ähnlich sprach auch ein evangelischer Prediger über den Propheten Jonas, als er meinte: "Der Wal quälte sich eine ganze Stunde ab und hatte seine liebe Not, bis es ihm gelang, Jonas zu verschlingen." Genauso quälen auch wir uns stundenlang, um die Frage zu lösen, doch sie ist noch immer nicht gelöst. "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort." Hier geht es hauptsächlich um das Wort. Was ist unter dem Begriff Wort zu verstehen? Das ist jener vernünftige Akt Gottes, der sich in bestimmten, von uns wahrnehmbaren, Vibrationen äußert. Wenn also die Dinge sichtbar, spürbar und für den menschlichen Verstand begreifbar werden – wenn sie eine Form haben und für uns verständlich sind – das nennen wir Wort. Zum Beispiel sprecht ihr einen Begriff aus – das ist ein Wort. Aus wie vielen Elementen, aus wie vielen Buchstaben besteht das Wort "Liebe"? Aus fünf. Wenn ihr diese Elemente trennen könntet, würdet ihr verstehen, woraus die Liebe in Bezug auf die Menschen besteht, d.h. nicht in ihrem ursprünglichen Sinn, sondern in ihrer Erscheinungsform. Diejenigen, die die Frage nach dem echten Wesen dessen, was wir Wort oder was wir Gott nennen, lösen möchten, werden in einen Widerspruch geraten. Man kann nie etwas bestimmen, das keine Form besitzt. Gott ist etwas ohne Form, also können wir ihn nicht definieren. Sagt, was Gott ist! Um ihn definieren zu können, müsst ihr ihm gewisse Grenzen setzen, ihm eine gewisse Form geben, ihm aus menschlicher Sicht eine Position und einen bestimmten Platz zuweisen. Diejenigen, die über Gott und das Wort schreiben, glauben die Frage geklärt zu haben. Sie erklären sie zwar, aber genau wie der evangelische oder der schwarze Prediger – entweder am Zaun oder im Maul des Wals. Doch das ist keine Erklärung. Es heißt: "Im Anfang." Darunter verstehe ich jenen vernünftigen Akt, als sich alle von Gott geschaffenen Wesen seines Wirkens bewusst wurden und begannen, mit ihm gemeinsam zu arbeiten. Ich werde mich einer Analogie bedienen: Stellt euch vor, eine Mutter bringt ihr Kind zur Welt und sagt: "Das Leben meines Kindes hat begonnen." Ihr Kind steht am Anfang des Lebens, doch der Anfang seines vernunftbegabten Lebens begann noch nicht. Was für ein Anfang ist das? Geschrei und Weinen, und keiner versteht, was das Kind sagen will. Im Evangelium ist von einem vernünftigen Anfang die Rede. Erst wenn das Kind 21 Jahre alt wird und nachzudenken beginnt, können wir behaupten, dass dies der Anfang des vernünftigen Lebens ist, d.h. wenn es zu einem wirklichen Gedankenaustausch zwischen Mutter und Kind kommen kann. Also versteht man unter "Im Anfang war das Wort" jenen Anfang, an dem wir begonnen haben Gott zu verstehen, anstelle weiter nur von ihm herumzuplärren. Jahrhunderte lang haben die Menschen geweint und dies oder jenes verlangt. Wissenschaftlich ausgedrückt sind das alle Lebensstadien, die das Menschenkind durchlaufen musste. So ging dieser Anfang durch Millionen Formen, beginnend bei den kleinsten. Und da das Kind ständig weinte, musste ihm Gott laufend neue Kleider nähen, d.h. es in einen Vogel, in ein Säugetier usw. verwandeln. Wenn aber der Zeitpunkt gekommen ist, wo dieses eigensinnige Kind den Anfang versteht, so ist das Wort in es eingegangen. Deshalb sagt der Evangelist: "Der Anfang wird im Buch des Himmels als eine vernünftige Form der Ordnung vermerkt." Jeder Mensch beginnt mit Unordnung, beginnt als feuchter Lehm, den man oben am Zaun trocknen lässt. Doch wenn ihr vom Zaun heruntersteigt und euch auf eigene Füße stellt, wird im Himmel über euch geschrieben: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott" – und dieser Anfang befindet sich bereits im Kopf des Menschen. Ich werde mit einer anderen Analogie erklären, wann dieser Anfang beginnt. Stellt euch vor, ihr geht stromaufwärts und erreicht die Quelle eines Flusses. Ihr sagt dann, der Anfang des Flusses sei diese Quelle und bleibt dort stehen. Ja, das ist der Anfang, kein Philosoph kann das bestreiten. Hier ist der sichtbare Anfang, aber es gibt auch andere Anfänge, die wir nicht kennen. Dieses Wasser könnte vom Ozean stammen, es könnte in Form von Wasserdampf in den Wolken gewandert und als Regen herab gefallen sein, es könnte sich durch die Erdschichten bewegt und die Quelle erreicht haben usw. Wir vereinfachen also, wenn wir sagen, dass dieser Fluss mit dieser Quelle beginnt. "Im Anfang war das Wort" bedeutet jener vernünftige Anfang der gesamten Menschheit, als dieses Wort die Form angenommen hat, deren Existenz wir jetzt sehen. Natürlich seid ihr heute weit von diesem Anfang entfernt, Millionen von Jahren sind vergangen und alles hat sich getrübt. Nun mache ich einen anderen Vergleich. Wenn ihr den Brief an die Galater lest, werdet ihr sehen, dass man dort über die Früchte der Liebe spricht. Nehmen wir einmal an, eine Frucht habe nur einen einzigen Fruchtkern. Falls ihr ihn irgendwann anpflanzt, wird das der Anfang seiner Entwicklung sein. Fragt ihr den Baum, wo er seinen Anfang nimmt, wird er euch antworten: "Von dem und dem Moment – seit der Pflanzung des Kernes." Wenn man euch also fragt, was ihr in der Vergangenheit gewesen seid, könnt ihr sagen, dass ihr ein Kern wart, den Gott in den Boden gepflanzt hat, damit ihr aufgeht, euch verzweigt, aufblüht und Früchte ansetzt, die reif werden. Unser vernünftiges Leben ist ein Baum. Und dieser vernünftige Anfang wurde jetzt in unseren Kopf eingepflanzt. Der Körper wiederum zeigt, wie viele Millionen von Jahren der Mensch unter der Einwirkung der Anziehungskraft der Erde von diesem Anfang an abwärts geflossen ist. Der Kopf ist ein Sinnbild des ursprünglichen Anfangs, als der Mensch gepflanzt wurde. Nun, ich werde jetzt nicht lang und breit über die tiefen Ursachen von etwas reden, was für viele zu kompliziert sein wird. Auf den ursprünglichen Zustand der Welt einzugehen und die Kräfte, die gewirkt haben, auf jene ursprüngliche Intelligenz, die am Werk war, usw. – das ist etwas Abstraktes, worüber auch die größten Philosophen geschwiegen haben. Als man den großen ägyptischen Meister Hermes danach fragte, presste er nur seine Lippen zusammen. Was wollte er damit sagen? Das bedeutet, dass der Mensch seinen Körper verlassen und selbst die Dinge an Ort und Stelle erforschen muss. Und wenn man sagt, dass jemand schweigt, deute ich dieses Schweigen so: "Geh hinaus, geh an Ort und Stelle und forsche." Fragt mich jemand zum Beispiel, wo die Quellen des Flusses Maritza sind, erkläre ich es ihm, aber er kann es nicht verstehen. Schließlich sage ich ihm, er soll schweigen um zu verstehen. Das wollte auch Hermes sagen. Mancher wird fragen, wie das möglich sei. Das zeigt, dass ihr noch nicht für diesen Ort bereit seid. Ihr seid noch Kinder, die ihre hiesigen Häuschen bauen und sich mit Spielsachen und Puppen beschäftigen. Es müssen noch Millionen von Jahren vergehen, bis ihr die Stufe erreicht, wo ihr über diese tiefe Frage nachdenken werdet. Diejenigen, die mich verstehen, werden die Lippen zusammenpressen und ich werde ihnen sagen: "Kommt mit mir, um dorthin zu gehen." Auf diese Weise habe ich die Frage philosophisch bereits erklärt. Sobald sie die Lippen zusammenpressen ist das keine theoretische, sondern schon eine praktische Lösung der Frage. Und wenn mich die Menschen fragen, was der Anfang war, was das Wort im ersten Moment der weit entfernten Vergangenheit war, fordere ich sie auf mir zu folgen. "Das können wir nicht." Dann spielt mit eurem Spielzeug auf der Erde – egal ob ihr Häuser baut, heiratet, oder Händler werdet, ob ihr Kriege führt... erst nachdem ihr diesen ganzen Entwicklungsprozess durchlaufen habt, nachdem ihr erwachsen und klüger geworden seid und "Weg mit den Puppen!" gerufen habt, erst dann wird sich ein Meister finden, der die Lippen zusammenpresst und sagt: "Kommt mit mir." Diejenigen, die dem Weg Christi folgen wollen, müssen eine bestimmte Auffassung von der Wahrheit haben. Denkt nicht, dass sie sehr leicht zu erwerben sei, denkt nicht, dass der Weg, den ihr jetzt eingeschlagen habt, leicht ist. Nein, es gibt Schwierigkeiten. Ich sage nicht, dass er äußerst schwierig ist, aber es gibt große Hindernisse. Wer sich entscheidet diesen Weg einzuschlagen, muss dazu bereit sein. Auch die Natur errichtet stets große Hindernisse vor uns – kleine Balken, die wir ständig benutzen müssen, bis wir uns auf den weiten Weg vorbereiten. Die Frage besteht nicht nur darin, dass sich der Mensch auf den Weg macht, sondern er muss auch ankommen. Ihr aber geht ein, zwei, drei Tage, woraufhin ihr meint, dass aus dieser Sache nichts wird, und umkehrt. Und wenn euch die Leute fragen, was für Nachrichten ihr mitbringt, sagt ihr: "Lasst sein, das ist Unsinn!" Erst nachdem ihr zu dieser ewigen Quelle gegangen seid, wo das menschliche Leben begann und wo das Wort ursprünglich war, erst dann werdet ihr verstehen, welche die damalige Form der Menschheit war, was die Menschensöhne darstellten. Das, was wir das Abbild Gottes nennen, ist für die Menschen auf der Erde eine Karikatur. Wenn ich mir die Menschen ansehe, die nun behaupten nach dem Bilde Gottes geschaffen zu sein, kann ich nur lachen, denn vor mir stehen Menschen-Karikaturen, deren Gedanken, Verstand und Herzen total verdorben sind. Das Bild, von dem man behauptet, es sei Gottes Abbild, ist verdorben, ist nicht so, wie es einmal war. Und als das Wort, durch das alle Dinge entstanden sind, sah, dass sich das, was es nach dem Bilde Gottes geschaffen hatte, in eine Karikatur verwandelt hat, schickte es Christus aus der unsichtbaren in die sichtbare Welt, um den Verirrten zu sagen: "Hört auf mit den Lügen! Das, was ihr jetzt habt, ist kein Abbild Gottes! Es ist euer Bild!" Man wird einwenden: "Am Anfang wurde ich doch von Gott geschaffen, ich wurde von ihm geboren." Wie aber wurdest du von Gott geboren? Dieser Anfang war in sich klar und rein, doch nun befinden sich in euch gewisse Beimischungen. Um also den tiefen Sinn der Lehre, die Christus gepredigt hat, verstehen zu können, müssen wir uns reinigen. Das Wort "reinigen" bedeutet in einem anderen Sinne leichter werden, was wiederum ein Prozess der Organisation ist, d.h. ein vernünftiger Vorgang bei unserem Körperbau. Das Körperliche ist Folge eines Gesetzes, nachdem bestimmte Kräfte in der Natur aufeinander stoßen. In uns existiert eine gewisse Kraft, ein gewisses Bestreben uns Gott zu nähern, aber gleichzeitig existiert auch ein anderes Prinzip, das uns zur Erde zieht. Also ist unser Kopf mit dem Himmel verbunden und zieht uns nach oben, während uns der Körper nach unten, zur Erde zieht. Auf diese Weise sind wir gekreuzigt. Und wie kann man gekreuzigt denken? Nachdem wir gestorben sind, muss ein Nikodemus kommen, der die Nägel herauszieht, uns vom Kreuz abnimmt und in das Leichentuch hüllt. Und nachdem wir leichter geworden sind, erheben wir uns nach oben. Das ist die Auferstehung. Die Auferstehung ist ein Akt, bei dem wir uns auf den Weg begeben, um die Dinge an ihrem Platz zu sehen, um zum Wort, zu Gott zurückzukehren. Nun wollt ihr, dass ich euch von Gott erzähle. Was soll ich euch erzählen, wenn ihr noch am Kreuz hängt und noch nicht leichter geworden seid? Ihr bittet: "Erzählen Sie von der Liebe." Was soll ich euch darüber erzählen, wenn ihr gekreuzigt seid und Schmerzen habt? Das Einzige, was ich einem gekreuzigten Menschen sagen kann, ist zu dulden und zu leiden, und ein Held im Leiden zu sein. Ich kann ihm nur diesen Trost geben. Das ist die Freiheit der Menschen – sie müssen durch den Leidensprozess gehen. Christus selbst hat das Beispiel dafür gegeben. Christus hat also den Anfang für das Wort in unser Gehirn gelegt. Das Wort ist eine Offenbarung Gottes in der geistigen Welt, und mit ihm sind die Engel gemeint. Das heißt, zunächst einmal emanieren die Engel aus Gott und er befindet sich in ihnen. Und wenn der Evangelist sagt: "Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns", so meinte er damit, dass das Wort von den Engeln nach unten kam, eine andere Form annahm und in den Menschen herabstieg. Wenn wir über das Wort sprechen, das im Anfang bei Gott und Gott war, meinen wir damit all jene Wesen, die eine vom Menschen unterschiedliche Evolution haben. Sie sind etwas Großes, Söhne des Gedankens, der Vernunft – das sind sie. Das bedeutet nicht, dass sie die gleiche Form wie wir haben, sondern dass sie vernünftige Wesen sind. Christus verkörperte sich auf unserer Erde, um dieses Wort in artikulierter Rede zu predigen. Unsere Rede ist eine Übersetzung des Wortes. Auch früher schon habe ich über die richtige Übersetzung der Wörter gesprochen. Wenn uns jemand zum Beispiel fragt, wie die Übersetzung von den Wörtern "Fluss", "Quelle", "Licht" und "Wärme" lautet, werden wir sagen: Das Licht ist die Übersetzung von Wahrheit, die Wärme ist die Übersetzung von Liebe. Zwischen den Wörtern gibt es gewisse Wechselbeziehungen. So wie das Licht die äußeren Gegenstände beleuchtet, so beleuchtet die Wahrheit den menschlichen Verstand von innen. So wie die Wärme den Pflanzen beim Wachsen hilft, so bringt auch die Liebe, wenn sie in uns eindringt, jene Gefühle in Bewegung, die den Menschen zum Wachsen und Erheben anregen. Wer also wissen will, welche die ursprüngliche Form des Wortes war, muss die richtige Übersetzung finden. Natürlich hat der Begriff Wort auf Bulgarisch die eine Bedeutung und in der griechischen Sprache, in der diese Phrase des Evangeliums zuerst geschrieben wurde, eine etwas andere. Auf Griechisch fängt dieses Wort mit dem Buchstaben L an (Logos), und auf Bulgarisch fängt es mit dem Buchstaben C an (– Slowo). Diese Tatsache deutet gleichzeitig darauf hin, dass sich das griechische und das bulgarische Volk nicht auf ein und demselben Platz, auf ein und derselben Ebene befinden. Als das Wort "Logos" auf Griechisch geschrieben wurde, besaßen die Hellenen ein Streben nach oben zu den Engeln, und unser Buchstabe C ist das Symbol des Halbmondes, was bedeutet, dass wir uns auf der Rückseite der astralen Welt befinden, und da wir kein Licht haben, nehmen wir das vom Mond widergespiegelte. Wir können also sagen, dass die Slawen in Bezug auf das Wort ein Volk sind, das absteigt, dass sie die tiefste Stelle erreicht haben, zu der man herabsteigen konnte, und dass sie jetzt mit ihrer neuen Evolution beginnen. Das ist der Grund, weshalb ich euch das Wort nicht erklären kann und ihr es nicht verstehen könnt. Denn in eurem Gehirn, in eurem Verstand scheinen immer noch der Mond und die Bilder, die Figuren, alles bei euch liegt noch im Dunkeln. Wenn aber das Tageslicht kommt oder wenn Christus in einer neuen Form erscheint, dann wird für euch alles hell und klar werden. Unter Wort verstehe ich also jenen vernünftigen Anfang, der die Gedanken, die Wünsche und die Taten in uns schafft. Und jetzt müssen wir zu diesem Anfang zurückkehren. Alle Gegensätze im individuellen Leben und unter den Völkern werden erst verschwinden, wenn wir zu ihm zurückkehren. Und das gelingt dadurch, dass wir leichter werden. Wenn mich ein Fluss, der von der Quelle hinunter zum Meer fließt, fragt, was er tun soll, um zu seinem Anfang zurückzukehren, werde ich ihm antworten: verdunste, werde leichter, erhebe dich in die Luft, damit dich die Winde wieder zur Quelle, zum Kopf zurücktragen, aus dem du entsprungen bist. Auch euch sage ich, ihr sollt dasselbe Gesetz anwenden. Dieses Gesetz ist die Selbstlosigkeit. Deshalb sagt Christus: "Wenn du dich selbst nicht verleugnest und mir nicht nachfolgst, wirst du nicht gerettet sein." Wir müssen uns von der Materie, von den Häusern, den Kindern, von den Dingen lossagen, an die wir wie mit Tausenden von Stricken gebunden sind. Ihr sagt, ihr wollt zum Herrn gehen. Niemals werdet ihr zu ihm gelangen, wenn ihr die Seile, mit denen ihr gebunden seid, nicht zerschneidet. Priester und Popen predigen über den Himmel, doch alle sind gebunden. Schweigt! Ihr belügt die Welt. Ihr lernt vom Mond und seht die Dinge in seinem Licht. Wenn die Sonne in eurem Verstand aufgeht, dann werdet ihr eine andere Vorstellung von der Welt und vom Leben haben, ihr werdet sehen, wie falsch eure Auffassungen waren. Deshalb bedeutet Selbstlosigkeit ein Leichterwerden. Manche meinen, dass sie sich nicht lossagen wollen. Gut, aber sie steigen die Schräge hinunter und gelangen zu den Ozeanen. Es gibt keinen anderen Weg – entweder nach oben steigen oder nach unten rutschen. Damit wir uns aber erheben können, damit wir leichter werden, muss uns die Sonne bescheinen. Der Mond kann uns nicht verdunsten lassen, im Gegenteil – oft ist er der Grund für eine Verdichtung des Dunstes. Dieselbe Analogie über die Sonne und den Mond finden wir im ersten Kapitel der "Genesis", wo es heißt, dass Gott diese zwei Prinzipien geschaffen hat und dass sie die ganze Wahrheit enthalten – der Mond ist ein Prozess des Hinabsteigens zur Erde und die Sonne ist ein Prozess des Hinaufsteigens zu Gott. Der Sonnenuntergang bedeutet ebenfalls Herabsteigen und der Sonnenaufgang – den Prozess einer neuen Evolution. Deshalb erzählt euch der Mond alle achtundzwanzig Tage die Geschichte eures Untergangs. Wenn ihr euch fragt, warum ihr gefallen seid, warum ihr nicht denken könnt, warum ihr keinen Willen habt, wird es euch der Mond sagen. Alle seine Phasen erzählen euch über die Ursache eures Untergangs. Und dann wird jemand fragen, wie er sich erheben und zu Gott kommen kann. Steht morgens auf, wenn die Sonne aufgeht, betrachtet Gott und ihr werdet den Weg finden. Einige meinen, dass sie ununterbrochen an Gott denken müssen. Nein, ihr könnt zwar einen Gedanken mit euch herumtragen, aber wahrscheinlich benötigt er bestimmte Bedingungen, um wirksam zu werden. Die Keime eurer Rettung sind gesetzt, aber erst wenn sie zu wirken beginnen, werdet ihr euch erheben. Man sagt, Christus sei gekommen, um die Welt zu retten. Inwiefern wird er sie retten? Als Christus kam, tauten unter der Eiskruste alle Keime auf, die Millionen von Jahren in einem sozusagen potenziellen, gefrorenen Zustand waren, und traten aus dieser Eiszeit heraus. Jetzt werde ich mich nicht darüber auslassen, dass die Erde einmal eine Eiszeit durchlaufen hat. Auch im geistigen Leben gibt es oft so eine Eiszeit. Wenn der Mond in eurem Verstand scheint, sage ich, dass ihr in der Eiszeit seid – eure großen vorsintflutlichen Tiere sind ausgestorben, die Pflanzenwelt ist verschwunden und ihr habt nur ein minimales Leben – so viel, wie euch der Mond gibt. Falls ihr mich fragt, was ihr machen sollt, antworte ich euch: Die Sonne muss euch bescheinen, Christus muss in eurer Seele aufgehen, an eurem Horizont erscheinen und mit seinen Strahlen der Wahrheit auf euch einwirken. Nun könnt ihr mir sagen, dass Christus kommen wird. Ja, er kommt unbedingt. Aber wo werdet ihr sein, wenn er kommt – am Äquator oder am Nordpol, in dem gemäßigten Gürtel oder am Südpol? Ihr müsst eure Position in Betracht ziehen und einschätzen, wie die Strahlen Christi in eure Seele fallen werden – ob senkrecht oder schräg. Wir alle müssen zu der Stelle kommen, wo uns Gott trifft, d.h. auf göttlichen Boden, ins Heilland. Seid ihr Hellseher, so erkennt ihr, dass es auch eine andere Erde gibt. Wenn ich anfangen würde euch die Ansichten der Okkultisten über die Erde, über die Bewegung der Sphären zu erklären, würdet ihr sagen, es sei besser, wenn ihr all das nicht wüsstet, weil ihr in einen großen Widerspruch geraten würdet. Ich sage euch, warum. Als die Gelehrten das Radium entdeckten, erschraken sie und begannen zu behaupten, alle bisherigen Theorien und Anschauungen würden in die Brüche gehen, man müsse sie gründlich umgestalten, deswegen wäre es besser, wenn sich die Wissenschaft nicht mit diesem Element beschäftige. Ich aber sage: Wenn das Radium Christi kommt, müsst ihr eure Auffassungen und euer Leben von Grund auf, durchgreifend umgestalten. Johannes wendet sich in dem zitierten Vers also an diejenigen, die verstehen. Das ist die tiefste Frage im Evangelium. Diejenigen, für die es geschrieben wurde, verstanden es. Eines Tages werdet auch ihr anfangen zu verstehen. Wenn ihr meint, euer Verstand sei verwirrt, gebe ich euch den Trost: Noch bescheint euch der Mond. Wenn euch die Sonne beleuchtet, wird diese Frage für euch klar sein. Ihr braucht nur aufrichtig zu sein und an dem Ort stehen, an den Gott euch gestellt hat. Nach diesen Gesetzen werden die Bedingungen für euer Wachstum unbedingt kommen, man muss nur warten. Diejenigen aber, für die Gott erstrahlt ist, müssen selbstlos sein, leichter werden, nicht nach unten abrutschen oder im philosophischen Sinne gesagt: Eure Gedanken müssen inhaltlich sein. Außerdem müssen sie auch ein Ziel haben, das ihr anstrebt. Ein Christ, der seine Pflicht erfüllen will, muss wissen, warum alles geschehen ist. Zum Beispiel kommen Kinder zur Welt. Warum? Ihr sagt, dass der Herr es so angeordnet hat. Wisst ihr wirklich, ob der Herr es so angeordnet hat? Auch die Säufer könnten sagen: "Der Herr hat den Wein gegeben, damit wir trinken." Hat wirklich Gott ihn geschaffen oder haben wir ihn gemacht? Gott hat die Weintraube geschaffen, aber der Wein ist unsere Erfindung. Auf dieselbe Weise nehmt ihr Mehl und knetet einen Brotlaib daraus, aber hat Gott bestimmt, dass ihr das tut? Nein, das ist eure Erfindung. Ihr stellt zwei Steine auf, die das Korn mahlen. Hat aber Gott bestimmt, dass der Weizen zu Mehl gemahlen wird? Nein, das ist euer Willen, weil ihr die Weizenkörner in eurem Magen nicht verdauen könnt. Wenn also die heutigen Menschen sagen, dies oder jenes sei Wahrheit, müsst ihr sie fragen: "Ist das die Wahrheit Gottes oder die eurige?" "Aber ich predige doch Christus." Du predigst deinen Christus. "Ich predige doch Gott." Du predigst deinen Gott, belüge mich nicht! Ich sage: Weder lasse ich mich belügen noch lüge ich. Jeder Mensch predigt seinen Christus, seinen Gott. Wenn sich ein Mädel in einen jungen Mann verliebt, ist er für sie ein Engel, sie würde für ihn sterben, aber wenn sie heiraten, fängt sie an zu behaupten, er sei ein Teufel und sie stürbe schon seinetwegen. Wer hat dann Recht? Im Leben sagen wir auch, dass wir für unseren Christus sterben würden, aber wenn wir den Herrn heiraten und sehen, dass er nicht so ist, wie wir erwartet haben, wollen wir ihn nicht mehr und behaupten, er sei der falsche. Wenn wir also sagen, "im Anfang war das Wort", welches Wort verstehen wir dann darunter: das Wort nach unserer Auffassung oder das ursprüngliche Wort, das die Grundlage aller Menschen ist? Jenen Anfang, auf den wir uns alle stützen, in einem Organismus vereint und ein und denselben Saft schöpfend, oder irgendeinen anderen, schmarotzenden Anfang? Jeder von euch muss zuallererst diese Frage lösen und wissen, in welchem Anfang er sich befindet. Ihr werdet meinen: Das weiß ich doch. Stets höre ich das – der Mann sagt "ich", die Frau sagt "ich", alle sagen "ich", "es gibt keinen wie mich", "ich bin groß"... Ich betrachte ihn und sehe, dass er nur ein 5 cm großes Ästchen am Baum ist, manch einer sogar nur ein Blatt. Bald kommt der Herbst, du fällst ab, gelangst zu den Wurzeln dieses Baums und dann begreifst du, dass es einen anderen Anfang gibt – der eine ist oben und der andere ist unten. Jeder von euch sollte also wissen, wo sich dieser Anfang befindet – in der Wurzel, im Stamm, in den großen oder in den kleinen Zweigen, in den Blättern, in der grünen oder in der reifen Frucht, oder in deren Kern. Falls ihr meint, dass er im Kern der reifen Frucht ist, dann sage ich euch: Du bist bereits ein Mensch, der sich auf den Weg machen und prüfen muss, wo der ursprüngliche Anfang liegt, über den Johannes sprach. Falls ihr sagt, ihr seid in den Blättern, habt ihr noch viele Millionen von Jahren zu warten. "Ich bin doch in der grünen Frucht." Wieder wirst du warten, bis du völlig reif wirst. "Ich habe doch schon angesetzt." Gut, aber es könnte ein Gewitter kommen, welches du nicht überstehst und hopp vom Baum – unten auf den Erdboden. Der Kern jedoch hat noch kein Leben in sich und nach diesem Gesetz musst du verfaulen, erneut die Entwicklung durch die Wurzeln und den Stamm durchlaufen, wieder nach oben wachsen und ein neues Leben beginnen. Wenn wir Zeit hätten, würde ich auf die Frage nach dem Fallen der Frucht eingehen. Viele fordern mich auf: "Erzähle uns, wo wir einst waren." Ich weiß, wo und was ihr wart, ich könnte darüber sprechen, aber wer weiß, was ihr mir entgegnen werdet? Jemand würde sagen: "Wenn das Wahrheit ist, dann ist es eine große Lüge." Und wenn man das einem Außenstehenden erzählt, wird er sagen: "Das ist eine große Lüge." Die Lüge aber ist der Schatten der Wahrheit. Du kannst solange lügen, wie du die Wahrheit kennst, d.h., um jemanden zu belügen, musst du ihn über eine gekannte Wahrheit belügen. Die Lüge ist eine Gefährtin der Wahrheit – wo es Wahrheit gibt, gibt es auch Lüge und umgekehrt. Lasst mich wieder auf die Frage zurückkommen: Wie sollen wir dieses vernünftige Prinzip bei uns anwenden? Jemand meint, dass sei eine Kraft, die wirkt. Was versteht ihr darunter? In den Köpfen der heutigen Gelehrten ist das so unbestimmt. Man sagt, es sei eine Kraft, die aufbaut, aber wie baut sie auf? Man sagt: durch Anziehung und Zusammenschluss, aber auf welche Weise? Zwei Menschen fassen sich bei den Händen und fühlen sich zueinander hingezogen; der Magnet zieht Eisenspäne an. Nun gut, aber die Anziehungskraft muss in einem gewissen Verhältnis zueinander stehen. Es ist die innere Kraft, die unsere Gedanken und Gefühle zum vernünftigen Anfang hinziehen muss. Um zu begreifen, ob wir von diesem vernünftigen Anfang angezogen werden, ob wir von der Erde befreit sind, müssen wir spüren, wann die Widersprüche in uns verschwinden. Das ist ein Merkmal dafür, dass wir auf dem richtigen Weg zum Anfang sind. Solange es ein Ringen gibt, stehen wir zwischen beiden Prinzipien und ähneln dem Wanderer, der die Orientierung nach den vier Himmelsrichtungen verloren hat. Anstatt nach Osten zu gehen, geht er nach Westen und kann sich nur orientieren, wenn die Sonne aufgegangen ist. Man sagt: Das Ende ist nah. Welches Ende ist nah? Stirbt der Schüler etwa nach dem Gymnasialabschluss? Nein, das ist das Ende seiner Schulzeit und der Anfang seines Eintritts in die Welt. Und wisst ihr, was das Wort "Ende" ursprünglich bedeutete? Ein mutiger, kluger und geschickter Mensch, der zu arbeiten weiß und alles ertragen kann. Auch jetzt, wenn die Menschen sagen, "das Ende ist gekommen", bedeutet dies, dass die Arbeit beendet ist. Ist der Stoff, den ihr webt, beendet, nehmt ihr ihn vom Webstuhl und beginnt zuzuschneiden, d.h., das Ende des Webens ist der Anfang eures Bekleidens. Nachdem ihr euch angekleidet habt und euch die Leute wegen des schönen Kleidungsstücks loben, solltet ihr nicht stolz sein, denn nicht ihr habt es genäht. Seid nicht stolz, sondern bedankt euch bei dem Schneider, dem es gelungen ist, das Kleidungsstück zuzuschneiden und zu nähen. Es gibt Menschen, die, nachdem man sie auf diese Weise gelobt hat, denken, das beziehe sich auf sie. Nein, das Lob ist für den Schneider und sie sind nur seine Werbung. Ist euer Kleid schlecht genäht, verschandelt, werdet ihr gleich sagen, ihr wollt nicht mehr zu diesem Schneider gehen. Man wendet sich zum Beispiel an jemanden mit den Worten: "Sie haben edle Gedanken", und er fängt an sich einzubilden, er sei etwas Großes und wird überheblich. Warte mal, das sind nicht deine Gedanken. Danke demjenigen, der sie dir eingegeben hat und dich dabei nicht betrog. Wenn euer Verstand in Aufruhr ist, wisst ihr dann, was ihr tut? Natürlich nicht. Vorerst herrschen in eurem Verstand unklare Ideen. Christus sei ein Prinzip, meint ihr. Ein Prinzip bedeutet ein Ursprung, ein Haupt, eine Quelle. Wenn ihr zu dieser Quelle geht, könnt ihr bereits reines Wasser kosten. Wenn wir aus der Quelle Christi schöpfen und von diesem Wasser des Lebens trinken, so werden sich unsere Gedanken und Wünsche unbedingt herauskristallisieren. Das wird außerdem zu einem weiteren Ergebnis führen: Der Aufbau unseres Körpers wird von nun an richtig vonstatten gehen, die Leiden und Schmerzen werden verschwinden, wir werden richtige Auffassungen haben, den Menschen nützliche Dinge sagen und den Durst der Durstigen stillen können. Christus sprach zu jener Frau: "Das Wasser, das ich gebe, wird ein Quell sein, der drinnen in der Seele sprudelt." Auch ihr kommt jeden Morgen hierher, um aus diesem Brunnen zu trinken. Gut so, aber ich, der ich es liebe, die Wahrheit zu sprechen, der ich weder lügen mag noch belogen werden will – ich möchte, dass ihr euch ein Rohr von dieser wasserreichen Quelle, aus der ich schöpfe, bis zu eurem Hof legt und wenn die Zeit herangekommen ist sollt ihr den Wasserhahn öffnen und trinken. Ich rede zu jenen von euch, die Schüler von Christus sein wollen und wenigstens ein Zentimeter langes Röhrchen von dieser Quelle verlegt haben. Und wenn die Welt in einen Belagerungszustand gerät und die Menschen dürsten, wird euch euer Rohr zu trinken geben und ihr werdet keinen Durst verspüren. Die Quelle wird in eurer Seele sein – das ist der Anfang und auch das Ende. Wisst ihr aber, was ein Ende ist? Wenn ihr aus der Quelle einen kleinen Wasserhahn in euer Haus leitet – das ist das Ende der Dinge. Also müssen wir die Gedanken und Wünsche, die wir haben, als uns gegeben betrachten. Von uns wird nur verlangt sie zu benutzen. Jeder Gedanke kommt und geht, ihr könnt ihn nicht festhalten. Und denkt nicht, dass ihr auch die Wünsche festhalten könnt! Nein, so wie die Nahrung durch uns geht, so kommen und gehen nach demselben Gesetz die geistigen Gedanken. Sie sind Formen, die gewisse Lebenssäfte beinhalten. Ihr müsst die in ihnen enthaltenen Säfte benutzen, den Blütenstaub aber verstreut im Raum, der sich von neuem anfüllen wird. Lasst ihr die Säfte lange Zeit in einer Flasche, so werden sie verderben und der Herr wird euch dafür verantwortlich machen. Einige möchten reich an Gedanken werden, aber man kann leicht einen Griff tun und sie berauben. Wie das Geld, erkennen auch die Gedanken keinen Herrn an, sondern sie kennen nur jenen, der sie besitzt. Irgendein Mensch kann in eurem Kopf wühlen und eure Gedanken wegschnappen, er kann in euer Herz greifen und eure Wünsche wegschnappen. Zum Beispiel verliert ein Mädchen sein Herz und beginnt dahinzusiechen oder jemandem werden die Gedanken weggeschnappt und er wird verrückt. Warum? Weil sie das Grundgesetz nicht verstehen, dass jeder Gedanke und jeder Wunsch von der unsichtbaren Welt zu uns geschickt sind, damit wir sie benutzen, worauf wir sie wieder in die Welt entlassen. Wenn es Bewegung, wenn es einen Austausch der Gedanken und Wünsche gibt, dann gibt es auch eine Bereicherung. Im Austausch für die Gedanken und Wünsche, die wir weiterschicken, werden wir die entsprechenden Lebenssäfte bekommen. Deswegen sagt Christus: " Ich bin das Leben." Das Wesentliche für uns ist das Leben. Also müssen wir alle unsere Gedanken und Wünsche einspannen, um das Leben zu erwerben. Und nachdem wir es erworben haben, werden wir freie Bürger sein und uns auf den Weg zu diesem Anfang machen – zur ewigen Quelle, wo wir unseren Durst löschen müssen. Wenn jemand stirbt, sagt man: "Er ist ins Jenseits gegangen." Ist der Kern reif, kommt er ins Jenseits, ist er aber nicht reif, fällt er neben den Stamm, dicht bei der Wurzel und kommt nicht ins Jenseits. Manch einer hält sich für reif. Wenn man wirklich reif ist, kommt der Herr, nimmt die Frucht und bringt sie an einen guten Ort. Also sollte sich jeder fragen, ob sein Kern reif ist. Nun sagt ihr aber: "Ich glaube an Christus." Gut. – "Er wird mich erlösen." Das ist auch gut, aber ihr werdet lange Zeit zu Fuße des Baumstamms fallen, ehe der Kern in euch reif wird. Erst nachdem er reif geworden ist, werdet ihr geistige Freiheit erlangen. Dieser kleine Keim ist der einzige Reichtum, den der Mensch von der Erde mit in den Himmel nimmt. Dort aber pflanzt ihn der Mensch wieder ein für ein neues Leben, denn im Himmel gibt es dieselbe Schule und auch dort wird gearbeitet. Und wenn man euch dort eine hohe Wissenschaft predigt, wie wollt ihr sie verstehen, wenn ihr keine Fähigkeiten habt, wenn ihr auf der Erde nicht gelernt habt eure Gedanken und Wünsche zu steuern? Wenn ihr die Lehre Christi verstehen und in der Lage des Räubers sein wollt, der rechts von ihm gekreuzigt wurde, und zu dem Christus sagte: "Heute wirst du mit mir im Paradies sein", dann müsst ihr arbeiten. Einige meinen vielleicht, dass auch sie gekreuzigt seien. Ja, aber auf welcher Seite? Wenn ihr euch links von Christus befindet, bedauere ich euch – trotz eurer Leiden werdet ihr nicht in den Himmel kommen. Wenn ihr rechts gekreuzigt seid, dann freue ich mich – eure Erlösung ist gekommen. Alle, die rechts gekreuzigt sind – Lehrer, Priester, Philosophen, Könige – werden erlöst. Seid ihr aber links gekreuzigt, dann kommt ihr wieder in diese Welt zurück, um an euch zu arbeiten. So lautet das Gesetz Gottes. Der Anfang, das ist die rechte Seite, das ist Christus. Das bedeutet nach dem Gesetz Gottes zu handeln, es im Leben anzuwenden und keinen zwiespältigen Verstand zu haben. Einige, die mir zuhören, fragen sich: "Worauf soll ich hören? Darauf, was die Kirche sagt, oder darauf, was dieser Mensch predigt?" In diesem Fall hast du, mein Freund, zwei Köpfe. Wenn wir – die Kirche und ich – die Wahrheit Gottes predigen und lehren, kann es keinen Widerspruch geben und die Ergebnisse werden immer dieselben sein. Mit anderen Worten: Wenn wir nach dem Gesetz Gottes handeln, wird der von einem Priester gepflanzte Apfel auf dieselbe Weise wachsen wie der von mir gepflanzte. Nur die Ergebnisse unserer Taten müssen betrachtet werden. Warum zweifelt ihr – ihr habt eine Kerze, mit der ihr sehen könnt, ob wir die Wahrheit sprechen. Jemand begegnete mir und fragte mich, ob ich schwarz oder weiß sei. Du hast doch eine Kerze, sieh hin! "Aber ich sehe nichts." Dann stehst du im Dunkeln. Ich kenne dich und sehe, wer du bist. Du bist zum Beispiel evangelisch und meinst, dein Glaube sei der richtige. Wie kannst du dann die Wahrheit nicht erkennen? Mein Freund, du bist ein Mensch, der sich selbst und auch die anderen betrügt. Die Wahrheit hat nur ein Gesicht und das ist Harmonie, Selbstlosigkeit, Tugend, Weisheit, Gerechtigkeit. Erwerbt ihr dieses Gesicht, dann habt ihr sicheren Frieden, Ruhe und Kraft. Dann kann die Welt in Aufruhr geraten, das Meer stürmisch sein, ihr aber werdet still, ruhig und frei sein wie die Vögel, die sich auf ihren Flügeln erheben. Wenn euer rechter oder linker Flügel verkrüppelt ist, stürzt ihr kopfüber zur Erde hinab. Und die Erde wird sagen: "Wer nur einen Flügel hat, der bleibt bei mir." Sünder sind Vögel mit nur einem Flügel. Die Teufel sagen: "Wir brauchen Menschen mit nur einem Flügel!", Christus aber sagt: "Ich brauche Menschen mit zwei Flügeln!" Wir haben zwei Arme – einen rechten und einen linken – und würden wir die Gesetze der Materieverdünnung beherrschten, könnten wir mit ihnen fliegen, uns erheben, wären frei unseren Körper zu verlassen, wann immer wir möchten. Vorerst habt ihr Angst vor dem Tod und meint: "Die Teufel sind schlechte Geister, sie werden uns daran hindern." Was könnten sie euch antun, nachdem auch sie demselben Gesetz unterliegen? Wenn wir beide Flügel beherrschen und Christus in uns ist, brauchen wir nichts zu befürchten. Die Angst in uns zeigt, dass wir nicht mit Gott sind. In der Schrift steht: "Die vollkommene Liebe vertreibt jede Furcht." Wenn du Angst hast, ist die Liebe nicht in dir. Ihr fragt jetzt, wie Christus uns retten wird. Seltsame Leute seid ihr! Sobald ihr das Weizenkorn sät, kommt eure Rettung und es wird keine Hungerjahre geben. Ihr wollt Engel sein. Wie könntet ihr solche werden, wenn ihr zuvor nicht gesät wurdet und gesprossen seid? Engel fliegen wie Vögel, ihr aber seid Pflanzen. Wie solltet ihr euch dann so schnell verwandeln? Wisst ihr, wie viele Formen ihr durchlaufen müsst? Unter dem Wort Formen verstehe ich die Kräfte, die ihr beherrschen müsst. Um eine Form verändern zu können, müsst ihr die Gesetze der in ihr wirkenden Kräfte kennen, weil sie euch einschränken. Euch wurden bestimmte Grenzen gesetzt. Ihr müsst, beispielsweise, dreimal täglich essen, sonst verliert ihr euer Wohlbefinden. Wenn ihr nicht trinkt, geschieht dasselbe. Jemand sagt: "Ich bin stark." Du bist nur innerhalb von drei Tagen stark. "Ich bin Patriot." Wenn ich dich drei Tage lang hungrig halte, beginnst du anders zu denken und um Brot zu betteln. Wir müssen lebendiges Brot erwerben, wir dürfen es nicht nur von der Erde nehmen. Die Erde ist für uns ein Wucherer. Alle Wucherer und alle schlechten Geister sind in solche Ämter eingesetzt und sagen: "Wir geben dir Brot, aber du wirst uns so und so viel zahlen!" Ihr jedoch müsst klug werden. Wenn sich zehn kluge Menschen finden, fesseln sie diesen Teufel und sagen: "Dieser Weizen wurde uns von dem himmlischen Vater geschickt." Folglich müsst ihr einen reinen Verstand und ein reines Herz haben, um das wahrnehmen zu können, was euch von oben geschickt wird. "Im Anfang war das Wort und Gott war das Wort." Fragen wir uns also, ob dieser Anfang/Ursprung in uns ist, ob wir in Gott sind und Gott in uns ist. Ich sage nicht, dass ihr nicht in Gott seid. Ich behaupte sogar mit Sicherheit, dass ihr in Gott existiert, lebt und euch bewegt, aber Gott ist nicht in allen von euch. Denn der Mensch kann eine vertrocknete Wurzel sein und obwohl die Säfte des Baums fließen, können sie nicht eindringen. Was nützt euch Christus, wenn ihr eine dürre Wurzel seid? Nicht nur wir müssen in Gott sein, sondern auch Gott muss in unserem Verstand und in unserem Herzen sein. Was habt ihr nun von dem heutigen Vortrag verstanden? Merkt euch Folgendes, was für euch aus rein praktischer Sicht wichtig ist: Ihr müsst je ein dünnes Rohr von dieser Quelle in euren Hof verlegen und von jetzt an weder mich noch die Pfarrer bemühen. Ihr meint, unsere Pfarrer predigen nicht (in der orthodoxen Kirche nicht üblich – Anm. Red.). Sie sind schließlich nicht eure Lastträger. Baut euch einen Brunnen und trinkt. Ihr meint, die Pfarrer seien schlecht, weil sie euch kein Wasser geben. Leitet euch selbst Wasser von der Quelle nach Hause und möge diese "östliche Frage"[1] damit geklärt sein. Nachdem ihr Wasser aus dieser Quelle zu euch geleitet habt, werden alle Streitigkeiten verschwinden. Der englische Gelehrte Drawmond hat einmal gesagt, dass es drei Elemente gibt, mit denen wir uns ständig ernähren: Die ersten zwei sind Luft und Wasser, die uns der Herr umsonst geschenkt hat, und das dritte Element ist die Nahrung, für die wir ständig arbeiten müssen. Wenn wir für den Erwerb nur eines dieser Elemente Sklaven geworden sind, in welchem Zustand wären wir, wenn wir auch die anderen zwei Elemente auf dieselbe schwierige Weise erwerben müssten? Unsere Lage wäre dreimal so schwierig. Eines Tages, wenn wir klüger geworden sind, wird uns der Herr auch das dritte Element schenken und dann werden wir freie Bürger sein. Jetzt sind wir im dritten Stadium unserer Entwicklung. Christus löst die Frage und sagt: "Ich bin das lebendige Brot." Wenn er als lebendiges Brot in uns eingeht, werden wir alle – Männer, Frauen, Kinder, Pfarrer, Lehrer – frei und dann werden wir uns mit wichtigeren Dingen beschäftigen, so wie es von Gott bestimmt wurde. Aber jetzt treiben wir nur Biertischpolitik – wer hat mehr, wer hat weniger. Jetzt beruht alles, einschließlich Kriege, auf dem Brot und wenn jemand das ihm notwendige Brot besitzt, will er auch das Brot der anderen nehmen, um noch mehr zu haben. Christus sagt: "Ich bin das lebendige Brot, ich löse die Frage, ich werde eine Quelle sein." Eine Quelle wovon? Von Freiheit, von einem vernünftigen Leben, von einer vernünftigen Heldentat, von einer Umwandlung der Welt. Das ist der Anfang. Also, wenn ihr mit Jesus Christus arbeiten wollt, müsst ihr euch mit diesem Anfang verbinden. Und danach werdet ihr alle Güter haben, die Kraft Christi wird auch eure Kraft sein und alle Menschen auf dieser Welt, die sich rechts von Christus befinden, werden eure Freunde sein. Dann werdet ihr euch vereinen und mit einer brennenden Kerze eure Brüder suchen. Vom Herrn werdet ihr einen Rat erhalten, was ihr mit euren links stehenden Brüdern tun sollt. Ihr kommt zur Erde zurück um ihnen zu helfen, bis wir alle – sowohl jene, die sich rechts befinden, als auch jene, die sich links befinden – in den Himmel zurückkehren, um mit Christus eins zu sein. Das ist der Anfang, das ist das Wort, das ist Gott, über den ich heute Morgen vor euch predige. Und dieses lebendige Wort, das die Welt aufbaut, erhebt und umwandelt, befindet sich in euch – es ist der lebendige Christus. [1]"östliche Frage" – ein Problem der internationalen Politik, das seinen Anfang von der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 nimmt, teilweise mit dem Sieg der christlichen Länder über die Türkei während des Balkankriegs 1913 und erst mit dem Abschluss des Waffenstillstands zwischen der Entente und der Türkei zum Ende des I. Weltkriegs ( 30.10.1918) endet. Hier ist "östliche Frage" im übertragenen Sinn für "ein ewiges Problem" gebraucht. Ein Vortrag, gehalten von dem Meister am 8. November 1914, Sofia
  15. Die Furcht "Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle". (Mt. 10:28) Die Furcht ist ein Gefühl, das die Seele bedrückt. Es existiert nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Tieren; es ist ein im lebendigen Organismus angelegtes Gefühl, das eine bestimmte Mission auszuführen hat. Furcht bedeutet, dass in der Umgebung, in der wir leben oder in den Bedingungen, unter denen wir existieren, bestimmte Elemente vorhanden sind, die unserem Leben schaden oder entgegenwirken können. Die Funktion dieses Gefühls ist einfach, uns vor Allem zu beschützen, was uns schaden kann. Wann, zu welchem Zeitpunkt ist die Furcht bei den Menschen aufgetaucht? Der allgemein akzeptierten Auffassung nach ist die Furcht mit dem Sündenfall entstanden. Ursprünglich kannte der Mensch nicht die Furcht. Und tatsächlich - die Furcht kann sich zweifach äußern. Zum einen äußerlich und zum anderen innerlich. Wenn ein Kind zum ersten Mal einen Fehler macht, entsteht sofort das Angstgefühl in seiner Seele. Bei wem bleibt schon die Seele ruhig und unberührt, wenn man einen kleinen Fehler gemacht hat? Dieses Angstgefühl entsteht sofort in ihr. In die Seele dringen also bestimmte Elemente ein, die sie bedrohen. Ich kann es mir gut vorstellen, dass diejenigen unter euch, die ein Haus mit einem Nadelholzboden haben, leicht es mit der Angst bekommen, wenn sie daran denken, wie schnell es in Flammen aufgehen und vollständig ausbrennen kann. Es gibt also ein bestimmtes Element, das in eurem Fußboden enthalten ist; Stoffe, die leicht endzündlich sind und schnell Feuer fangen können nehmen diese Eigenschaften auf, so dass euer ganzes Haus den Flammen zu Opfer fallen kann. Indem dieses Gefühl in der organischen Welt Tausende von Jahren gewirkt hat, hat es die Menschen und die Tiere zu Sklaven der Angst gemacht. Jedoch hat die Angst auch eine gute Seite: ihr ist zu verdanken, dass die Wachsamkeit ins Leben gerufen wurde. Viele Tiere bekamen infolge der Angst lange Beine. Ein Tier, das lange Beine hat, ist immer ängstlich. Das könnt ihr als Tatsache betrachten. Die Hinterbeine des Hasen sind sehr lang und die Vorderbeine kurz; wären auch die Vorderbeine lang, würden sie ihm beim Laufen viel nützlicher sein. Nun, ich möchte auf eine ausführliche Erzählung über die Rolle der Angst in der Evolutionsgeschichte verzichten. Die modernen Gelehrten meinen, dass die Entstehung der Religion in der Angst zu suchen ist. Diese Auffassung ist falsch, weil die Religion auch vor der Erscheinung der Angst existiert hat. Christus wendet sich an Seine Jünger, da Er weiß, dass sie sich in dieser Angstsituation befinden, dass sie Angst um ihr Haus, um ihren Leib haben, und Er sagt zu ihnen: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht verderben können". Warum? Wenn ihr ein gewisses Kapital auf der Bank angelegt habt und irgendein Mensch euer Haus in Brand setzt, werdet ihr euch keine Sorgen machen, weil ihr ein neues und besseres Haus bauen werdet. Also, solange ihr das Kapital eurer Seele woanders angelegt habt, braucht ihr keine Angst zu haben. Nun möchte ich auf den zweiten Teil des Verses eingehen. Fürchtet euch vor demjenigen, der sowohl den Leib als auch die Seele töten kann. Über den zweiten Teil des Verses wurden lange Diskussionen geführt - wer kann dieser zweite sein, vor dem wir uns fürchten sollten. Manche sagen, dass derjenige, vor dem wir uns zu fürchten hätten, der Teufel sei. Ich muss euch sagen, dass derjenige, vor dem wir uns zu fürchten haben, Gott ist, und zwar in dem Sinne, dass wir uns hüten sollten, Ihn zu verletzen, und das heißt, fromm sein. müsste ich das Göttliche Gesetz des Lebens interpretieren, würde ich euch nicht zu sagen brauchen, vor wem ihr euch fürchten oder nicht fürchten sollt, sondern ich würde euch sagen, wie ihr dem Göttlichen Gesetz nachzugehen habt. Das ist die Negation der Angst. Die negative Form der Angst tritt ein, wenn wir gesündigt haben: wer den Willen Gottes erfüllt, braucht sich nicht zu fürchten, derjenige aber, der ihn nicht erfüllt, wird immer Angst in seinem Herzen empfinden und wird sich nie ruhig und frei fühlen. In dem von mir vorgelesenen Kapitel will Christus Seinen Jüngern versichern, dass es gewisse Gesetze in der Welt gibt, die das Menschenleben regeln: "Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte", sagt Er zu Seinen Jüngern, "alle gezählt". Kein einziges Haar könnt ihr ohne weiteres verlieren. Wenn ich das Gesetz Gottes ausführe, werde ich in Seiner Obhut bleiben wie die Vögel. Bei den heutigen Christen macht sich eine falsch verstandene Auffassung über unsere Beziehung zu Gott und zur Religion bemerkbar, in deren Folge auch viele Leiden in der menschlichen Seele entstehen. Manche meinen zum Beispiel, dass Religion heißt, einfach in die Kirche zu gehen, eine Kerze anzuzünden, sich zu bekreuzigen. Wenn sie diese Dinge getan haben, denken sie, sie wären religiös. Die Religion aber ist etwas viel Tiefsinnigeres. Der tiefste Sinn der Religion besteht darin, Liebe zu Gott zu haben. Wenn wir uns dieses Grundgesetzes bewußt sind, wären wir auch dazu bereit, noch Tausende von Sachen im Namen Gottes zu verrichten. Wie können wir aber Liebe zu Gott empfinden, wenn wir Ihn nicht sehen? Christus sagt: "Euer Vater ist im Himmel". Ich schaue hin und sehe, dass Er nicht da ist und sage zu mir: wenn ich meinen Körper verlasse, gehe ich zu diesem Ort. Christus richtet an Seine Jünger die folgenden Worte: "Fürchtet euch nicht vor denen, die auf der Erde sind und töten". Welche sind diejenigen, die töten? Wenn ihr den ersten Spruch durchlest, werdet ihr feststellen, dass es in der Macht der bösen Geister steht, zu töten, aber diese Macht erfaßt nicht die guten Leute, sondern die bösen. Der Christ von heute sagt: "Ich will über meine Brüder regieren". Ihr seht, dass Christus keine Macht den Aposteln gab, über die Menschen zu regieren, sondern über die bösen Geister. Jeder von uns soll über diese regieren. Derjenige, der dieses Gesetz nicht begreift, wird immer wieder Fehler machen, er wird hinterhältig von diesen Geistern an verschiedensten Orten überfallen. Die Menschen verfügen über manche Methoden, den etwas Geistern anzudrohen; die Geister aber fürchten sich nicht davor; sie haben keine Angst, weder vor dem Rohrstock, noch vor den Worten. Um über einen bösen Geist regieren zu können, darf man selbst dessen Schwächen nicht haben. Hast du diese, egal ob du Gelehrter, Philosoph, Minister bist, wirst du deren Sklave sein - sie werden Intrigen schmieden, Zaren stürzen, sie können alles tun. Wenn du ihre Schwächen nicht hast, bist du ihr Herr. Deswegen befiehlt auch Christus den Geistern. Er war rein, und wenn Er ihnen sagte: "Kommt heraus!", antworteten sie: "Jawohl!". Jene, die die Krankheiten erregen und sie dann heilen, sind wiederum die bösen Geister. Ihr sagt "merkwürdig", nicht wahr? Das Gesetz ist aber so. Wenn ihr euch bei jemandem Geld borgt, müsst ihr es nachher auch zurückgeben. Wenn ihr einen anderen verletzt habt, ihr müsst doch auch seine ärztliche Behandlung bezahlen? Der Teufel richtet das Unheil an und ihr ruft nach Gott, eure Angelegenheiten zu regeln. Gott packt den Teufel an die Hörner und sagt zu ihm: "Du hast diesem Menschen das Haus zerstört, gehe und bring wieder alles in Ordnung!" Und der Teufel muss sich anstrengen. Danach sagt Er zu ihm: "Wenn es dir nichts ausmacht, zerstöre wieder dieses Haus". Nun warum reagiert Gott nicht auf euer Gebet. Ich sage es euch. Weil ihr Sünder seid: wenn diese Arbeiter zu euch kommen, könnt ihr sie nicht kontrollieren und sie laufen weg. Wenn Gott sie zu euch schickt, so ist es notwendig, dass ihr Macht ausübt, ihnen befehlt, dass ihr hinter ihnen her mit der Peitsche seid. Sonst, laßt ihr sie frei, werden alle weglaufen und euer Haus bleibt ungebaut. Ihr dürft nie die Schwächen haben, die diese Geister haben. Manche sagen: "Ohne Schwächen können wir nicht sein". Wenn ihr es nicht könnt, werden sie euch töten, euch den Körper, das Geld wegnehmen, sie werden euch ins Gefängnis bringen - irgendjemand anders soll den Weg zu Ende gehen. Nun kommt Christus und sagt: "Ich sage euch, vor wem ihr euch fürchten sollt." Er sagt: "Übertretet nicht das Gesetz Gottes". Der zweite Teil dieser Auslegung meint die Ausführung des Gesetzes Gottes, damit eure Körper und Seelen frei sind". Jeder von uns muss eine kleine Inventur in seinem Herzen und in seinem Verstand machen, um festzustellen, was für Schwächen da sind. Wenn ihr gerne ein bißchen lügt, so sind alle Lügengeister in eurer Nähe, sie sind bei euch zu Besuch, ihr zieht sie an. Wenn ihr schadenfroh zu sein pflegt, sind alle Geister, die gerne schadenfroh sind, auch um euch herum. Und wäret ihr Hellseher, so könntet ihr sehen, dass sich in euren Häusern ganze Horden von denen gibt, die nichts anderes tun, als essen und trinken. Wenn ihr haßt, so essen und trinken alle Geister des Haßes auf eure Kosten. Deswegen sterben auch die Menschen. Wenn sie zu euch kommen und einen oder etwa zwei Tage bei euch bleiben, fangt ihr selbstverständlich an, euch zu beklagen: "Hier tut mir der Kopf weh, die Augen tun mir weh, die Hände, die Beine, der Magen, das Herz, die Lunge tun mir weh". Klar, dass sie weh tun! Diese bösen Geister schöpfen ja Säfte von euch und lassen eure Augen wie durch einen Schleier sehen, ihr fangt an, blind, taub zu werden, eure Hände und Beine erkranken auch und eines Tages werden sie euch anpacken und ins Grab bringen. Und wenn ihr zu Gott in zerlumpten Kleidern geht, wird Er euch fragen: "Na, Söhnchen, hast du alles aufgegessen, was Ich dir gegeben habe?" - "Vater, verzeihe, wir haben gegessen, getrunken, Unzucht getrieben, wir werden es in Zukunft nicht mehr tun". Und da Gott gut ist, sagt Er: "Wenn ihr die Lektion lernen wollt, werde ich euch wieder Kredit geben". Deswegen sagt auch Christus: "Ich werde euch sagen, vor wem ihr euch fürchten sollt". Diese Angst, diese Furcht ist die Vernunft. Wenn sich beim Menschen das negative Gefühl mit dem positiven vereinigt, das Gefühl der Vorsicht mit der Fähigkeit, zu überlegen, dann entsteht bei ihm die Vernunft. Die Angst ist das negative Element der Vernunft. Christus will also sagen: "Trennt diese zwei Elemente nicht voneinander, weil, trennt ihr sie, das heißt, trennt ihr euren Verstand von dem Gefühl der Angst, so dass sie sich nicht gegenseitig konrollieren, verliert ihr sowieso euren Körper wie auch eure Seele". Was ist die Hölle? Ihr werdet sehen, dass sie aus jenen eingeschränkten Entwicklungsbedingungen besteht, unter denen ihr ein Leben voller Leiden verbringen werdet, so dass in euch als Einziges nur noch ein Bewußtsein übrig bleibt. Und wißt ihr, in welcher Situation sich ein Mensch befindet, der gestorben ist? Eines Tages bekommt ihr dieses Gefühl etwas deutlicher zu spüren. Wenn der Verstorbene nur noch als Knochen existiert, kommt seine Seele ab und zu vorbei und sagt: "Wie schön waren sie einmal!" Und sie weint: "Nur dieser Reichtum ist mir übrig geblieben, der ganze Putz ist weg". Die Ziegelsteine und die Platten sind da und nach einiger Zeit werden diese Knochen ihren ursprünglichen Tempel wiederherstellen und aus diesem Grund fragt Gott den Propheten: "Du Menschenkind, meinst du wohl, dass diese Gebeine wieder lebendig werden?" Der Prophet antwortet: "Herr, mein Gott, du weißt es!" Gott sagt: "Weissage dann über den Geist, dass er kommt und sie wieder lebendig macht" (Hesekiel: 37). Einmal machte Edison einen kleinen Scherz mit einigen seiner Freunde: er ließ zwei Skelette sich automatisch bewegen, ihre Beine und Arme hatte er mit Draht verbunden, einen Plattenspieler daran installiert und in die Augenhöhlen zwei elektrischen Lämpchen gebracht; dann ließ er diese beiden Automaten sprechen: "Einst waren wir wie ihr - wir aßen und tranken, schaut uns jetzt an, wie wir aussehen!" Alle bekamen es mit der Angst zu tun und liefen fluchtartig davon. Lange musste sie Edison davon überzeugen, dass es sich nur um einen von ihm selbst gemachten Scherz gehandelt habe. Bei der heutigen anormalen Lebensweise wird sich jeder Mensch selbst in einem Skelett wiederfinden, nicht zur Arbeit, zum Denken und zum Handeln fähig. Und deswegen richtet auch Christus die folgenden Worte an Seine Jünger: "Fürchtet euch nicht". Damit wir dieses Gefühl, die Angst, regulieren können, müssen wir uns absolut auf das Gesetz Gottes verlassen, auf das Bewußtsein in uns, dass wir mit Gott verbunden sind. Manchmal entsteht in uns der Gedanke: "Wir wollen Gott den Herrn, wir wollen Jesus Christus sehen". Ihr seht Ihn jeden Tag. Immer, wenn in euch die Gefühle Liebe und Zuneigung entstehen, ist Er da und ihr fühlt Ihn; ihr braucht nur eure geistigen Augen weit offen zu halten, um Ihn sehen zu können; jetzt seht ihr nur die Äußerlichkeit der Dinge, deren wahres Wesen aber nicht. Jeden Tag tritt jeder von euch in Berührung zu Gott, wenn ihr leidet und wenn ihr liebt. Wenn man leidet und sich in der Lage eines Kranken befindet, heilt ihn Gott, indem Er ihm die Wunden verbindet, dabei entstehen aber Schmerzen und der Kranke beschwert sich. Gott gibt eine Erklärung über die Ursachen dieser Schmerzen: "Weil du Meine Gesetze nicht erfüllt hast, musst du leiden, aber sei geduldig, Ich werde dich wieder gesund machen". - "Diese Schmerzen sind aber unerträglich". - "Ja, aber als Ich dir sagte, das Gesetz nicht zu übertreten, hast du nicht auf Mich gehört". - "Es braucht aber seine Zeit". - "Du wirst es lernen". Von nun an sollt ihr den Versuch machen - das haben bereits die alten Christen getan - aus eurem Körper herauszugehen. Euer Verstand spricht: "Es wird prächtig sein, hinausgehen zu können". Ja, es ist prächtig, aber dazu brauchst du Kenntnisse. Als allererstes solltest du dich von den gesamten Schwächen dieser Geister befreien, die um uns herum sind und wenn du herauskommst, sagst du zu ihnen: "Niemand darf sich meinem Körper nähern, sonst wird die Peitsche tanzen!" Und wenn die Geister wissen, dass du Schwächen hast, sobald du weg bist und dein Körper allein bleibt, stehlen sie ihn sofort. Deswegen sind auch die heutigen Menschen von Gott fest an ihren physischen Körper gebunden worden, weil, gehen sie aus ihm heraus, wäre es noch schlimmer für sie - ihre Evolution würde aufhören. Christus richtet Seine Worte an diejenigen Seiner Jünger, die Ihm folgen wollen, um diese Geheimnisse des Reichs Gottes zu erfahren. Und ich denke mir, der Schlüssel zum langen Leben ist hier zu suchen. Ich möchte euch eine Tatsache mitteilen. Schaut euch die Leute an, die sich quälen und ärgern, die in ihrem Leben viele stürmische Zeiten erlebt haben. Ihr Leben ist von kurzer Dauer; jene dagegen, die ruhig und wie man so sagt "gemütlich" sind und sich nicht ärgern, sich nicht selbst plagen, die leben lange. Und deswegen macht Herbert Spencer an einer Stelle die folgende Äußerung: "Wenn sich die äußeren natürlichen Kräfte mit den inneren Prozessen des menschlichen Organismus ausgleichen, werden wir ein ewiges Leben in der physischen Welt haben". Welche sind diese äußeren Kräfte? Das sind diese schädlichen Elemente. Wenn wir ausgeglichen sind, wenn wir anfangen zu verstehen, was wir wünschen, was wir wollen, und wenn wir gelernt haben, gegen die schädlichen Elemente zu reagieren, sie zu unterwerfen verstehen, dann können wir so lange auf der Erde leben, wie wir es wünschen - 100, 500, 1000 Jahre lang; und wir können auch gehen, wenn wir wollen - es wird nur von uns selbst abhängen. Nachdem wir ein paar Jahrtausende gelebt haben, werden wir sagen: "Wir haben zur Genüge gelebt, jetzt wollen wir auf einen langen Spaziergang durch die andere Welt losgehen". Dann werden uns die Verwandten und Freunde so begleiten, wie wenn man einen jetzt zum Bahnhof bringen würde, wenn er verreist. So wird das Scheiden aussehen. Wir fühlen uns dann frei, wir kaufen uns ein Ticket und wir verreisen, und unsere Freunde werden dabei nicht hinterher gehen und sagen: "Der Arme, der Tod hat ihn aus dem Leben gerissen". - "Nein", werden wir sagen, "ich gehe nur spazieren, ich gehe nur meines Vaters Haus besuchen, kann sein, dass ich eines Tages zurückkehre". Und sie werden uns "gute Reise" wünschen. Die christliche Lehre ist eine Wissenschaft, die diese Reise vorzubereiten hat, wobei ihr einen langen Weg zu gehen habt. Denkt aber bloß nicht, dass der Ort, wo ihr hin geht, ganz nah ist; er ist sehr nah und gleichzeitig sehr weit von hier. 'Nah' und 'fern' ist relativ. Wenn ihr euch mit einer mittelhohen Geschwindigkeit bewegt, würdet ihr 250 Jahre gebrauchen, um die Sonne zu erreichen; wenn ihr euch aber mit der Geschwindigkeit des Sonnenlichtes bewegt, werdet ihr innerhalb von 8-9 Minuten dort sein. In 9 Minuten könnt ihr nicht einmal bis zum Zar-Boris- Park kommen. Von hier aus bis zum Zar-Boris-Park brauche ich 20 Minuten, und das Sonnenlicht legt innerhalb von 9 Minuten 92 bis 93 Millionen Meilen zurück. Wenn wir über Raum sprechen, so wird er nach der Geschwindigkeit gemessen, mit der man sich bewegt. Wollten wir den nächsten Stern Alpha Centauris besuchen, wißt ihr, wieviele Jahre wir dazu brauchen würden? 34 Millionen Jahre mit der Zugsgeschwindigkeit, und mit der Geschwindigkeit des Lichtes - drei Jahre. Und wenn ihr mit der Lichtgeschwindigkeit, sagen wir, zum nächsten, mit unserem Universum verbundenen Universum wollt, bräuchtet ihr 90 Millionen Jahre. Es kommt nämlich darauf an, wohin ihr wollt. Wenn ihr zur Sonne wollt und ihr bewegt euch mit der Geschwindigkeit eines Zuges, dann müsstet ihr, auf die Frage eurer Freunde, wann ihr wieder zurückzuerwarten seid, sagen: "250 Jahre hin und 250 Jahre zurück macht 500 Jahre, und wenn man 250 Jahre da bleibt, sind wir in insgesamt 750 Jahren wieder zurück." Fragt ihr einen danach, der zu Alpha Centauris will, in wievielen Jahren er zurück ist, wird er euch sagen: "34 Millionen Jahre hin, 34 Millionen Jahre zurück und genauso lange da bleiben - ich komme also in 100 Millionen Jahren zurück." Das ist ein abstraktes Philosophieren, das nur einem Engelsverstand zugänglich ist; ihr könnt euch nicht vorstellen, was Raum bedeutet - 34 Millionen Jahre; ihr benötigt den Verstand eines Engels, um die Größe Gottes in diesem Gedanken zu begreifen vermögen. Und Christus sagt zu Seinen Jüngern: "Fürchtet nicht"; Er richtet Seine Augen nach oben und fügt hinzu: "Fürchtet nicht um diese kleinen Häuser, die ihr besitzt, quält euch nicht wegen dieser unbedeutenden Dinge, denn euer Vater hat euch für große Sachen bestimmt." Bemüht euch, eure Seele rein und hell zu erhalten; wenn ihr sie als Kapital habt, könnt ihr diese Entfernungen bewältigen. Eines Tages, wenn ihr euch auf dem Weg zum Himmel macht, werdet ihr euren Körper nicht dorthin mitnehmen - ihr geht nur mit eurer Seele hin; den Körper werdet ihr auf der Erde lassen, weil er von dort her kommt. Er ist ein Fuhrwerk, das provisorisch aus irdischen Elementen gemacht worden ist und solange ihr euch im Reich dieser Elemente befindet, bleibt ihr in diesem Fuhrwerk; wenn ihr aber einen Gebirgsort erreicht habt, und von dort an einen Gebirgspfad laufen müsst, werdet ihr das Fuhrwerk verlassen und weiter zu Fuß euren Weg fortsetzen. Darum sagt auch Christus: "Fürchtet euch nicht, wenn ihr beim Gebirgspfad ankommt, dass eure Seele verloren geht und eure Evolution aufgehalten wird." Ihr wollt Herren werden; werdet keine Herren eurer Brüder. Das größte Verbrechen der heutigen Menschen ist, übereinander herrschen zu wollen. Ihr dürft nicht den Menschen befehlen; den bösen Geistern dürft und müsst ihr befehlen. Ich will, dass ihr einem bösen Geist befehlt und ihn belehrt, ich will aber nicht, dass ihr Menschen befehlt. Das sagt Christus. Manchmal wollt ihr wissen, wer größer und wer kleiner, wer älter und wer jünger gewesen ist. Aber, dass du größer oder kleiner, älter oder jünger bist, was spielt das für eine Rolle? Es kann sein, dass Gott dich eher oder aber später geschickt hat. Ein Mensch mag ganz hinten oder aber ganz vorn gewesen sein, was spielt das für eine Rolle? Einmal wird dich Gott nach oben, ein anderes Mal - nach hinten setzen, einmal auf die Wirbelsäule, ein anderes Mal - auf die Füße, es ist auch vollkommen egal. Diese Dinge sind nicht wesentlich. Kraft zu haben bedeutet, das Gefühl zu haben, Herr böser Geister zu sein, ihnen zu sagen, dass sie auf dich hören, dies oder jenes zu tun. "Ich will meiner Frau Angst einjagen, indem ich sie verprügle". Nun, heute prügelst du, morgen prügelst du wieder, sie wird dir aber weglaufen und du wirst zu ihr gehen und sie bitten, dass sie zurückkommt. Die Kraft des Menschen ist in seinem Inneren, darauf hat er zu achten. Jeder von euch muss sich das Ziel setzen, diese Geister unter Kontrolle zu bekommen. Es ist mir bekannt, dass viele von bösen Geistern geplagt werden; viele gehen zu Christus, um sich helfen zu lassen. Wie wird Er ihnen aber helfen können? Er bindet diese fest und sie binden sie los. Solchen Menschen ist nicht zu helfen. Wenn Christus bei euch ist, wird Er sich etwa mit euren Füchsen und Wölfen befassen? Spannt diese zur Arbeit ein. Dieser Gedanke ist vielleicht etwas allegorisch, ich möchte ihn euch aber als eine Art Hinweis mitgeben. Ihr könnt nicht Herr eures eigenen Lebens werden, bevor ihr nicht gelernt habt, diese Geister zu regieren. Es gibt sieben Schritte, die ihr tun müsst, um über die bösen Geister herrschen zu können. Die bösen Geister fürchten das Licht. Das Erste, das ihr zu tun habt, ist, euch an Gott zu wenden. Was bedeutet 'sich wenden'? Ihr seid jetzt Gott mit dem Rücken zugewandt; in eurer Welt herrscht Dunkelheit. Macht kehrt, wendet euch mit dem Gesicht zu Gott. Ohne dieses wird nichts gelingen. Wenn ihr ein Kleidungsstück abklopft, um den Staub los zu werden, wendet ihr es auch um, nicht wahr? Also ihr sollt auch euer Herz und euren Verstand umwenden und den Staub von ihrem Inneren abschütteln. Das Wenden bedeutet zweierlei - ein Wenden der Sonne zu und ein Umwenden des Kleidungsstückes, um den Staub abzuschütteln. Als zweiter notwendiger Schritt ist die Buße zu betrachten - das Durchsehen und das Begleichen der Rechnung. Du musst ein Schild an deiner Ladentür aufhängen: "Ich stelle alle Zahlungen ein, weder gebe noch nehme ich - ich ziehe die Jahresbilanz". Du ziehst Bilanz, rechnest aus: soviel ist zu nehemen, soviel - zu geben; zum Schluss stellst du fest, dass du zehntausend Lewa Schulden hast. Es bleibt dir nichts anderes übrig, als zu deinen Gläubigern zu gehen, und sie um einiges zu bitten - das ist eine Buße. Du holst deine Kladden: "Freunde, ich bin ein ehrlicher Mensch, ich selbst weiß nicht, wie es geschah, aber ich habe zehntausend Lewa verloren, verzeiht, entschuldigt, ich bitte um noch ein bisschen Kredit." Wenn du nicht bittest, wirst du eingesperrt. Wenn man deine Rechnung durchsieht und sich davon überzeugt, dass du ehrlich bist, wird man sagen: "Wir haben mit dir so oft zu tun gehabt, wir wollen dir verzeihen und dir aufs neue Kredit gewähren". Vergebung und Erlösung sind zwei miteinander eng zusammenhängende Sachen. Das, was wir beim Christentum Erlösung nennen, tritt ein, wenn wir die zwei Schritte des Wendens und der Buße Christus gegenüber durchgemacht haben. Er sagt: "Ich gebe dir einen neuen Kredit und ich schicke dich in die Welt, erneut zu arbeiten". Du machst den Laden wieder auf: Da funktioniert alles wieder normal: jemand fängt an, zu geben und zu "nehmen". Der vierte Schritt stellt eine Wiedergeburt dar. Die Wiedergeburt werde ich mit einem anderen Beispiel aus der Landwirtschaft veranschaulichen. Ein Landwirt hat einen Garten, er zerstört ihn und bepflanzt ihn danach aufs neue; wenn die neuen Äpfel aufzukeimen beginnen, bedeutet es Wiedergeburt; durch sie entsteht die Hoffnung, dass der neue Garten wieder Früchte bringt. Auch beim Christentum, wenn dieser Prozess vollzogen ist, geschieht eine innere Wiedergeburt - das Neue in uns hat begonnen, nach oben zu keimen. Die Wiedergeburt ist ein Prozess des Blühens und des Fruchtansetzens. Es gibt Buße, Vergebung, Erlösung und eine neue Geburt - die fünfte. Durch die Neugeburt befreit sich der Mensch von dem Karma-Gesetz der Ursachen und der Folgen: ihr seid dann freie Bürger, Herren, keiner kann über euch herrschen. Nur in diesem fünften Schritt könnt ihr über die bösen Geister herrschen; nur, wenn ihr an der Stelle von Christus seid, könnt ihr diesen Geistern befehlen. Dann werdet ihr Christi Schüler sein. Und das ist eine Angelegenheit vom hohen Rang. Er hat Seinen Jüngern die Macht über die bösen Geister gegeben und Er hat sie die Menschen heilen und zu einem neuen Leben erwecken lassen. Wie kann diese Macht verliehen werden, wenn der Mensch sich noch kaum gewendet und seine Rechnung nicht zu Ende durchgesehen hat? Es ist ihm noch nicht vergeben worden, er ist noch nicht wiedergeboren, und er will über die Welt regieren! Es geht nicht. Ihr wollt den bösen Geistern befehlen. Es geht nicht. Ihr müsst diese vier Schritte durchgemacht haben und dann seid ihr absolute Herren eurer eigenen Lage. Jetzt sitzt ihr und überlegt, aber innerlich fürchtet ihr euch, ob ihr diese Tugend besitzt oder nicht. Es gibt zwei Extreme im Christentum: manche zeigen sich mehr demütig, als sie in Wirklichkeit sind, andere dagegen fühlen sich als größere Sünder, als sie es in Wirklichkeit sind. Das Eine wie das Andere ist extrem. Sagt es ehrlich: "Ich habe in der Kasse zehntausend Lewa", und nicht, wenn du zehntausend hast, du hättest fünftausend - das wäre eine Lüge. Du hast zehntausend Lewa, sagst aber, du hättest fünfzehntausend - du hast gelogen. Wenn du zehntausend Lewa hast, so schreib auf die Rechnung eben zehntausend - nicht mehr und nicht weniger. Wir müsen immer die Wahrheit sagen, so, wie wir sie in uns kennen. Wir müssen klar, eindeutig, positiv sprechen. Dann sind unsere äußeren Beziehungen zu den Menschen gut. Warum? Weil diese Geister, die euch leiten, im Himmel leben; wenn die Rechnung mit deinem Geist stimmt, wird er die Rechnungen mit den anderen Geistern regeln und sie können euch nicht hassen. Sie können behaupten: "Ich bringe dich um"; ihr antwortet ihnen gelassen: "Du kannst es nicht, weil du festgebunden bist". Jemand sagt: "Ich werde das tun". - "Du kannst es nicht, probier es nur". Einmal sagte einer zu mir: "Wenn ich meinen Revolver heraushole, werde ich es dir zeigen". - "Los, hol ihn raus. Man zieht ein Messer nicht einfach so heraus". Dafür muss man eine Erlaubnis von oben bekommen. Wenn deine Härte von oben auf die Probe gestellt wird, um herauszufinden, ob du Geduld und Selbstaufopferung aussühnen kannst, wird man dich möglicherweise verschiedenen Prüfungen unterziehen, und du musst sie erdulden; gibt es aber keine Erlaubnis von oben, dann kann die ganze Welt gegen dich sein, ohne dir etwas antun zu können. Ein Engländer geht eine viertausend Sterling - Wette mit einem anderen ein, der 40 Hunde der Rasse Buldogge besaß und sagte: "Es gibt keine anderen Hunde, die schrecklicher als meine Hunde sind, man kann kaum in ihre Nähe kommen". Also geht der erste Engländer die Wette ein und zieht einen Kreis um sich herum, und der andere ließ die Hunde auf ihn loslaufen, sie liefen aber nur um den Kreis herum und konnten nicht durch. Zum Schluss pfiff jener Engländer auf eine besondere Art und die Hunde liefen fluchtartig durch die Menschenmenge weg. Womit hat er ihnen Angst eingejagt? Er besaß eine besondere innere Kraft. Er hat sie weder mit einer Flinte noch mit einem Stock gejagt. Er hatte eine gewisse Kraft, von der er Gebrauch gemacht hat, deshalb flohen sie davon. Ich frage jetzt, wo eure Kraft steckt. Eines Tages kann ein böser Geist sagen: "Wenn ich meine Hunde nur loslasse". - "Laß sie los, ich werde einen Kreis machen und wenn ich pfeife, verschwinden sie blitzschnell". In dieser Göttlichen Pfeife ist die Kraft verborgen, und wer sie hat, ist jederzeit frei und mächtig. Nun habt ihr jetzt das Verfahren, das euch lehrt, wie ihr über die bösen Geister herrschen und wie ihr deren Schwächen meiden könnt. Wenn ihr Angst habt, so sind alle Geister der Angst um euch herum. Deshalb werft all die Schwächen von euch weg. "Aber", sagt ihr, "ich tue dieses nicht mehr, ich werde nie wieder rauchen", am nächsten Tag aber schon raucht ihr wieder. Tut es, ohne vorher etwas gesagt zu haben: "Ich habe beschlossen, zu pflanzen" - Gepflanzt hast du aber noch nichts. Pflanze mal erst etwas an und ruf dann deine Freunde zu dir und sag ihnen: "Kommt, Freunde, seht, was ich hier getan habe". Sie werden sich freuen. Ihr sagt: "Ich habe beschlossen, gut zu sein, kommt und seht, wie mein Plan aussieht; ich werde dieses, ich werde jenes tun". Nichts wirst du tun. Ich habe bereits Millionen von Plänen erlebt - die ganze Hölle ist voller Pläne. Wenn ihr vorhabt, etwas zu tun, erzählt nichts darüber, sagt nur: "Gott, komm mir zu Hilfe". Und wenn euer Garten aufgewachsen ist und angefangen hat, Früchte zu tragen, versammelt all eure Freunde und sagt zu ihnen: "Eßt, trinkt und seid fröhlich". Dann wird euch Gott segnen. Das ist das Christentum. Und wenn Christus zu euch sagt: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib, sondern vor denen, die den Geist töten", will Er damit sagen, dass das, was sie wegnehmen, kann man, wie der Spruch lautet, auch zu Ostern wegnehmen. Eines Tages ist die Frist abgelaufen und dir wird etwas weggenommen. Du bist Fuhrmann, dir wird das Fuhrwerk weggenommen und du wirst sagen: "Ich wurde aus meinem Haus vertrieben". Warum sollte man dich auch nicht vertreiben? Sei dankbar, dass man die Güte gehabt hat, dich so viele Jahre zu dulden. Die Geister sind Herren dieser Elemente, die sie in der Erde haben; diese gehören ihnen. Deswegen besagt die heilige Schrift, dass wir auf dieser Welt "Fremdlinge" sind, dass diese Erde, auf der wir leben, uns nicht gehört. Gott hat uns hierher geschickt, damit wir sie mit Gewalt erobern. Und ihr wollt sie auch erobern, Herren sein, ihr müsst aber euch gedulden und zuerst die Geister, danach die äußeren Elemente erobern, weil jedes Element seinen eigenen Herrn hat. Ihr könnt keine Herren des Wassers sein, wenn ihr nicht die Geister des Wassers erobert; ihr könnt keine Herren der Luft sein, wenn ihr nicht die Geister der Luft erobert; ihr könnt auch nicht Herren des Feuers sein, solange ihr nicht die Geister des Feuers erobert habt, usw. Folglich gibt uns Christus ein Gesetz, nach dem wir zu handeln haben; die erste Bedingung ist, rein zu sein und nur dann sich Ihm zuzuwenden. Nun, weil Christus in diese Welt kommt, wie wird Er euch vorfinden? Selbstverständlich findet Er manche reich, andere dagegen arm. Es steht geschrieben: "Und wenn jemand aus diesem Grund Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, vorfindet, wird die Sache jedem klar; weil der Tag wird sie ans Licht bringen. Da das Feuer aufdecken kann, wird das Feuer bei jedem zeigen, wie beständig sein Werk ist: wer sein Werk stabil aufgebaut hat, dem wird es auch erhalten und er wird einen Lohn empfangen; wenn einem das Werk verbrennt, wird er mit Schäden davonkommen, er selbst wird aber erlöst werden, jedoch so, wie man durch das Feuer erlöst wird". Und ein jeder, der die Unschuld mißachtet und die Furcht vor Gott dem Herrn nicht in sich trägt, "den sollten wir dem Satan überlassen, damit sein Fleisch verdirbt und sein Geist errettet wird am Tage des Herrn Jesus". Wenn ihr im Laufe von soviel Jahren Erfahrung gesammelt, gelitten und die Fahne der Wahrheit hoch gehalten habt, vor denen aber, die den Leib töten, euch nicht gefürchtet habt, euch aber geopfert habt für den Triumph des Reichs Gottes, dann wird Gott euch aufs neue erheben, Er wird euch zum Leben erwecken. Und deswegen sagt Christus: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten": wenn sie euren Leib töten, bleibt eure Seele frei und das ist das Wertvolle am Leben. Jeder andere, euch von der Wahrheit ablenkende Weg, wird für euren Leib wie auch für eure Seele tödlich sein. Weil die Ängstlichen, die Kleinmütigen das Reich Gottes nicht ererben werden. In der rechten Sache Gottes, in der rechten Sache der Menschheit, in der rechten Sache des Volkes, in der rechten Sache der Gesellschaft, in der rechten Sache des Hauses, in der rechten Sache der individuellen Seele darf weder Furcht, noch Angst, noch Zögern, noch Kleinmut, noch Abkehr von dem großen Grundprinzip des Lebens sein. Das Rechte bleibt jederzeit recht. Liebe und Angst sind Dinge, die im menschlichen Geist, im Geist des richtigen Menschen unvereinbar sind. Dort, wo die Liebe ist, fehlt die Angst; und dort, wo die Angst ist, fehlt die Liebe. Die Liebe ist ein Zeichen der Vollkommenheit, der Harmonie zwischen allen Kräften, Gefühlen und Fähigkeiten des menschlichen Geistes; und die Angst ist ein Zeichen der Abwesenheit, Zerstörung dieser inneren Harmonie des geistigen Friedens. Mit diesen letzten Worten weise ich auf das Erhabene, Edelmütige, Gute im Menschen hin. Ich meine nicht jene Frechheit, Grobheit, Hartherzigkeit, jene Gefühlslosigkeit, die oft für Tapferkeit und Furchtlosigkeit gehalten werden. Das Ideal des Heldentums besteht darin, wenn man dich für eine gerechte Sache an den Schandpfahl stellt, großmütig alle Leiden, alle Schande, alle Schmähungen und alle Schadenfreude und Anschuldigungen deiner Umgebung, ja der ganzen Welt zu ertragen, um Deiner Mutter sagen zu können: "Für Dich, Die Du mich in diese Göttliche Welt geboren hast, opfere ich alles. In Deiner Liebe finde ich die letzte Stütze meiner Seele. Die Angst vor der Welt, vor denjenigen, die meinen Leib töten, hat sich bereits überlebt. Ich fürchte mich nicht, weil ich Dich kenne. Ob Du mir Tod oder Leben gibst, ich werde beide mit derselben Dankbarkeit entgegennehmen. Mit Dir gibt es auch im Tod einen Sinn; ohne Dich gibt es auch im Leben kein Ziel. Im Tod oder im Leben, sei Du immer der Helle Kranz meines Geistes". Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 19.10.1914 in Sofia
  16. Pharisäer und Zöllner "Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner."Lukas 18,10 Sicherlich werdet ihr fragen, was daran so merkwürdig sei, dass zwei Menschen, ein Pharisäer und ein Zöllner in den Tempel eingetreten sind! Für Leute, die die Dinge verstehen, gibt es hier nichts Merkwürdiges, doch für Menschen, die sie nicht begreifen, ist alles merkwürdig. Für Menschen, die verstehen, hat alles einen Sinn, doch für jene, die nicht begreifen, ist alles sinnlos. Ich mache nun diese zwei Menschen, den Pharisäer und den Zöllner zum Gegenstand meines heutigen Vortrags. Diese beiden Personen sind wichtige Vertreter einer uralten Kultur. Lasst mich ihre charakteristischen Züge parallel vergleichen, damit ihr eine klare Vorstellung von ihrer Lebensweise und ihrem geistigen Charakter bekommt. Das Wort Pharisäer stammt vom hebräischen Wort parasch ab, welches "teilen"bedeutet. Außerdem gibt es ein arabisches Wort farsi, das aus derselben Wurzel stammt und etwas "in Form einwandfreies"bedeutet; zum Beispiel eine Sprache "farsi" zu können bedeutet, sie sehr gut zu beherrschen. Christus stellt in diesem Kapitel zwei Charaktertypen vor. Ein begabter Maler, der sich in der Menschenkunde auskennt, würde diese zwei Typen mit all ihren charakteristischen Zügen malen und es würde sich lohnen, dieses gelungene Bild in jedem Haus als Muster zu besitzen. Welche augenfälligen Züge hat der Pharisäer und welche der Zöllner? Es reicht nicht zu sagen: "Er ist ein Pharisäer"oder "er ist ein Zöllner", sondern wir müssen die äußeren Merkmale ihrer Gesichter, ihrer Hände, ihres Körperbaus sowie den Aufbau ihres Kopfes kennen. Ferner müssen wir zu den Besonderheiten ihrer geistigen Einstellungen gelangen. Nur so können wir uns, die für uns im Text eingeschlossene Idee, erklären und von ihr Gebrauch machen. Christus war ein großer Künstler, er gab diesen zwei Charakteren typische Züge und nach ihnen werde ich nun den Pharisäer und Zöllner beschreiben. Doch ihr werdet sagen: "Wie können Sie einen Menschen nur nach den paar Worten, die über ihn gesagt wurden, beschreiben?"Das ist eine Wissenschaft, das kann man. Es gibt gelehrte Menschen, die sich lange Zeit mit vergleichender Anatomie beschäftigt und den Aufbau der Tiere sehr gut studiert haben. Wenn man ihnen den kleinsten Teil eines vorsintflutlichen Tiers gibt, so könnten sie euch seine Größe beschreiben, alle seine Knochen vergleichen, seine Muskeln und Sehnen rekonstruieren und auf diese Weise die verschwundene Form wiederherstellen. Wenn ihr einem erfahrenen Botaniker auch nur ein Blatt von einer Pflanze gebt, so wäre er wohl imstande euch den ganzen Baum zu beschreiben. Auf der Grundlage desselben Gesetzes bemühe ich mich, euch den Pharisäer und den Zöllner einigermaßen zu beschreiben und zu zeigen, wie sie sind. Ihr aber meint: "Was haben diese beiden, die vor zweitausend Jahren lebten, gemeinsam?"In der Welt leben zwei Typen von Menschen - Zöllner und Pharisäer. Von ihnen stammen viele andere ab, aber sie bleiben die Grundtypen. Ihr könnt zum einen oder zum anderen Typ gehören - egal ob ihr Priester seid oder nicht, ob ihr Adlige seid oder nicht, ob ihr Gelehrte seid oder nicht, ob ihr Philosophen, Männer oder Frauen seid. Diese zwei Charaktere verflechten sich und sind im Leben aller Menschen zu beobachten. Sie bleiben für immer die Charaktertypen in der Menschheitsgeschichte. Die Kunst Christi bestand gerade darin, dass es ihm mit sehr wenigen Worten gelang, sie so anschaulich zu beschreiben und darzustellen. Die äußere Gestalt des Pharisäers ist dem Anschein nach ganz anständig. Er ist gut aussehend, stattlich, schlank und von hoher Figur - 175 -180 cm, d. h. höher als üblich. Seine Hände und Finger sind länglich, sein Daumen ist lang und symmetrisch, was von konstituierten Ansichten, von Wille und Intelligenz zeugt. Der Zeigefinger hat die gleiche Länge wie der Ringfinger und das bedeutet, dass er eine Idee, sobald sie in ihm aufkommt, maximal in die Tat umsetzt. Sein Verdauungssystem funktioniert gut, im Essen und Trinken ist er mäßig; er hat die Schwächen des Schlemmers und des Weintrinkers nicht, sondern einen feinen Geschmack. Seine Taille ist schmal. Was das Alter betrifft, hat er die vier Jahrzehnte hinter sich und ist ins fünfte eingetreten, d.h. er ist 45 Jahre alt. Seine Schultern sind ein bisschen rundlich, das Gesicht ist wenig länglich und birnenförmig, mit einem entwickelten Nervensystem. Der Unterkiefer ist gleichmäßig geformt und mit einem länglichen und zugespitzten Kinn versehen - das Zeichen eines flexiblen und schnell begreifenden Menschen; der Mund ist weder groß noch klein; die Lippen sind weder dick noch dünn; die Ränder der Mundwinkel sind etwas gehoben mit einem Lächeln der Verachtung - "die Menschen sind eine Masse"; doch er drückt seine Verachtung niemals aus. Die Augen sind aschgrau; die Augenbrauen bogenförmig, etwas gebeugt wie die Äste eines alten Baumes - ein Mensch, der lange lebt und Erfahrung im Leben hat. Die Stirn ist schön, ziemlich hoch, springt über die Nasenwurzel hervor - das Zeichen eines Menschen mit starker Individualität, mit einem aufmerksamen und praktischen Verstand. Die Schläfen sind mittelmäßig entwickelt. Die Ohren sind gleichmäßig geformt und am Kopf anliegend - ein Merkmal materieller Ordnung. Die Haare des Bartes sind etwas spärlich und rötlich - das zeugt von Impuls und Trotz. Der Kopf ist rundlich, der Kopfumfang über den Ohren 56-60 cm; mit stark entwickelter und erhobener Scheitelgegend - das Zeichen eines Menschen mit großer Selbstbeherrschung, Selbstachtung, mit großem Stolz, hohen Ansprüchen und Ruhmsucht. Dieser Mensch besitzt ein religiöses, aber einseitig entwickeltes Gefühl; er kennt die Barmherzigkeit, aber nur sich selbst und seinen Nächsten gegenüber. Das Gesicht ist bleich, weißlich, mit einer griechisch-römischen Nase. Das ist ein Mensch mit ästhetischem Geschmack, aber ohne Poesie und Liebe zur Natur, zum Erhabenen und Idealen. Das ist ein Mensch mit starkem Glauben, aber es ist ein Glaube nur an den eigenen Verstand, und auch mit einer großen Zuversicht, aber einer Zuversicht nur auf die eigene Kraft. Er hat eine Religion, aber er achtet und ehrt in dieser Religion nur sich selbst. Wenn wir seinen Tempel betreten, finden wir an erster Stelle nicht die Gestalt von Jesus Christus sondern sein eigenes Bild und anstelle der Gottesmutter, des Johannes des Täufers und anderer Heiliger befinden sich dort seine Ahnen und Urahnen, denen er Weihrauch abbrennt und an die er Gebete richtet - "ruhmreich und groß ist unser Stamm."Das ist ein intelligenter Mensch, der Lebenserfahrungen sammelt, der mit der hebräischen Kabbala und den Prinzipien der damaligen Zivilisation vertraut ist und wenn er in unserer Zeit lebte, würde er als angesehener Schriftsteller, Philosoph, Künstler, Staatsmann und geistliches Oberhaupt gelten. Warum stellt Christus diesen Typ dar? Was ist schlecht an seinem Gebet? Beim Pharisäer bemerkt man eine Philosophie, deren Zeit vorüber ist - ein Mensch, der nur mit der Vergangenheit lebt und die Gegenwart und Zukunft versäumt: ein Mensch, der wie ein Mädchen oder ein junger Mann in sein eigenes Porträt verliebt ist und, wo immer er auch hingeht, nur dafür Augen hat. Es ist merkwürdig, wenn man in seine eigene Gestalt verliebt ist! Einmal beobachtete ich einen bulgarischen Schriftsteller. Er saß in der Öffentlichkeit, neben ihm war ein Spiegel. Er steckte sich eine Zigarette an, drehte sich dann dem Spiegel zu und betrachtete sich dort, als wolle er zu sich sagen: "Ich bin schön, ich beeindrucke die Menschen."Er wird immer wieder rauchen und vor dem Spiegel posieren. Wenn der Spiegel eines Tages zerbricht, wird auch sein Glück zerbrechen. Der Pharisäer ähnelt diesem in sich verliebten Typ. Und seht nur, wie interessant seine Worte sind, wenn er sich an Gott wendet: "Gott, ich danke Dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, sondern etwas Besseres."Jedoch ist seine Philosophie gerade hier falsch, weil Gott alle Menschen geschaffen hat. "Ich bin nicht wie die anderen Menschen." Und was bist du dann? Bist du ein Engel? Nein. Du bist aus demselben Brei gemacht, und in deinen Adern fließt dasselbe Blut. Er möchte sowohl sich selbst als auch Gott betrügen. Das ist die erste Lüge, die er benutzt. Und Gott sagt zu ihm: "Du sprichst nicht die Wahrheit." Die Behauptung des Pharisäers ist negativ: Er vergleicht sich nicht mit höheren Wesen, mit den Engeln, sondern mit niederen Typen, mit Verbrechern, dass er nicht wie sie sei. Nehmen wir einmal an, ich würde mich mit den Tieren vergleichen und sagen: "Gott sei Dank, dass ich nicht wie diese Ochsen, Esel, Köter, Eidechsen und Schlangen bin."Wie könnte ich mich mit ihnen vergleichen? Das ist eine Schwäche, die man bei allen Menschen antrifft. Vor Jahren gab es eine gewisse Strömung unter den Gymnasiasten und Studenten in Bulgarien, die sich beim Studium des Lebens großer Schriftsteller, zum Beispiel Shakespeares, deren Mängel zueigen machten, weil sie ihre positiven Eigenschaften nicht besaßen, nach dem Motto: "Mal sehen, vielleicht habe ich die auch?". Und sobald sie diese Mängel bei sich selbst fanden, meinten sie: "Auch ich bin genial wie Shakespeare."Sie untersuchten den Charakter von Schiller, suchten nach einem exzentrischen Zug von ihm, und wenn sie diesen in sich selbst fanden, meinten sie: "Auch ich bin wie Schiller."Indem sie eine ganze Reihe von Schriftstellern studierten, sagten sie: "Wir sind bewunderungswerte Menschen."Ja, bewunderungswert, aber im negativem Sinne; bewunderungswerte Menschen, denen ein Groschen fehlt. Ich bevorzuge einen Menschen, der gar keinen Groschen hat, weil er weder etwas zu nehmen noch etwas zu geben hat. Auch der Pharisäer macht einen Vergleich und sagt: "Danke dir, Gott, dass ich nicht ein Räuber wie der andere bin."Gott sagt zu ihm: "Wenn ich dich an seinen Platz gestellt hätte, was würdest du dann sein?"Als einst ein Engel vom Himmel sah, wie ein Mensch einen Fehler beging, wandte er sich an Gott und sagte zu ihm: "Wie kannst du diese niedrige Kreatur dulden? Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich die Erde von ihr befreien."Gott schickte den Engel auf die Erde, damit er sich dort inkarniere, und ließ ihn in die gleiche Lage kommen. Und der Engel sündigte zweimal mehr als jener Mensch, den er so scharf verurteilt hatte. Also darf der Mensch von dem Platz aus, auf den er gestellt wurde, nicht die anderen für ihre Taten tadeln, denn an ihrer Stelle würde er genauso handeln. Zu mir sind viele Menschen gekommen und begannen mit: "Wir sind nicht so schlechte Menschen, wir sind wohlerzogen, weil wir aus einem vornehmen Geschlecht stammen." Ich bezweifle eure Worte nicht, ich glaube tief in meiner Seele an das, was ihr mir sagt. Wir alle stammen aus einem vornehmen Geschlecht - darauf bestehe ich. Aber meine und eure Ahnen und Urahnen sind nicht so edel gewesen wie wir denken; viele von ihnen waren große Taugenichtse, Verbrecher, Übertäter und Gauner. Das Zeugnis, welches Gott ihnen gegeben hat, tragen wir, ihr und ich, mit uns. Die Dinge können äußerlich einigermaßen gut aussehen, aber im Innern haben sie keinen entsprechenden Inhalt. Dass unsere Ahnen und Urahnen nicht so rein gewesen sind wie wir annehmen, davon zeugen jene schlechten Eigenschaften, die wir von ihnen geerbt haben und die wir mindestens zweimal pro Tag zeigen. Wenn deine Großeltern und Eltern rein und gut wie Engel gewesen sind, woher stammen dann diese Züge und schlechten Auftritte in deinem Leben? Wenn ihr einer Flüssigkeit einige bittere Tropfen oder Gift beimischt, so wird sich dies bemerkbar machen und man erkennt, dass dem Guten etwas Böses beigefügt wurde. Also können wir jene Menschen, die eine Philosophie des Pharisäers haben, konservativ nennen, sozusagen von der konservativen Partei. Das sind Leute mit einer hohen Meinung von sich selbst. Eine hohe Meinung von sich selbst zu haben, ist nicht schlecht, aber nur, wenn sie gerechtfertigt ist und keine bittere Substanz beinhaltet. Der größte Konservator und Regulator in der Natur ist der Stickstoff, der jedes Brennen, jedes Leben erstickt. Der Stickstoff ist das älteste, das am meisten ausgeglichene Element in der Natur. Wenn aber die Natur nur aus ihm bestehen würde, wäre alles tot. Trotzdem verdankt ihm die organische Natur sehr viel... Der Pharisäer wendet sich nicht an Gott, damit dieser ihm hilft, einige Unebenheiten seines Charakters auszugleichen - nicht im Geringsten. Er dankt nur dafür, dass er nicht wie die anderen Menschen ist: Verleumder, Räuber, Mörder, Ehebrecher. Gerade als Schriftgelehrter und Philosoph müsste er bei den Ursachen verweilen, die Verleumdung, Raub, Mord und Ehebruch hervorrufen. Wenn wir auf Leute treffen, die auf einer niedrigeren Stufe stehen als wir, dürfen wir sie laut Christuslehre nicht in unseren Seelen verurteilen, sondern müssen daraus lernen, müssen die Ursachen ermitteln, die zu dieser miserablen Lage geführt haben. Und sollten wir sie auch in uns finden, müssen wir sie ausrotten. Weil derjenige, der die großen Gesetze des Lebens festgelegt hat, sagt: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet."Diese Worte haben einen tieferen Sinn und wer sie begriffen hat, der hat das große Gesetz des menschlichen Wohls verstanden. Die gegenwärtigen Zoologen erforschen die Tiere und haben der Welt viel Wertvolles gegeben, aber noch niemand hat die tiefen Ursachen ergründet, die die Tierarten schufen. Warum zum Beispiel manche Tiere Hörner haben und andere nicht; warum manche kriechen und andere auf vier Beinen gehen; warum manche Fleisch fressen und andere grasen; warum ihnen eine menschliche Intelligenz vorenthalten blieb. Dabei gibt es dafür tiefe und grundlegende Ursachen und es ist nicht so willkürlich, wie manche denken. Wenn die Menschen diese tiefen Gründe begreifen, gelangen sie zu jener vernünftigen Philosophie, auf der sich die künftige Gesellschaft aufbauen wird - "die Morgenröte der neuen Zivilisation." Die ganze gegenwärtige Zivilisation beruht auf den Auffassungen des Pharisäers - sie ist eine pharisäische Zivilisation. Diese Zivilisation, wo sich die Menschen durch Form, Äußeres und Benehmen voneinander unterscheiden, entstand in der fernen Vergangenheit Ägyptens, Indiens, Babyloniens, Chinas, Persiens, Judäas, Griechenlands und Roms. Heute besteht sie auch in Europa, gehüllt in einen schönen christlichen Mantel. Ich sage nicht, dass diese Zivilisation in ihren Grundlagen etwas Schlechtes ist. Aber ich sage, dass die Form immer einen gewissen Inhalt haben muss; sonst bleibt sie eine bloße Schale, wo nur Parasiten leben können. Man sagt: "Er hat wunderbare Augen."Na und? "Sie sind schön."Worin besteht ihre Schönheit? "Nun, sie glänzen, sind angenehm."Worin genau sind sie angenehm? - Die Nase von jemandem sei schön, regelmäßig. Worin besteht ihre Schönheit? Sein Mund sei schön, richtig geformt. In welcher Beziehung? Die Menschen haben über bestimmte Dinge Ansichten, die wir nicht ausdrücken können, und zwar, dass es gewisse geheime Kräfte in den schwarzen oder blauen, in den aschgrauen, grünlichen oder braunen Augen gibt. Wenn ein Mensch etwas mit schwarzen Augen betrachtet, verursacht er einen gewissen Gedanken; wenn er mit braunen Augen blickt, verursacht er eine gewisse Stimmung usw. Menschen mit blauen Augen sind kühl. Sie sind rein wie ein klarer Himmel, doch kühl und kalt. Solche Menschen sind nicht für die Erde geschaffen. In ihnen ist der Glaube vorhanden, doch wurden sie vorzeitig geboren. Vielleicht sind sie Menschen, die erst jetzt hierher kommen. Ich spreche von jenen blauen Augen, die ein Ausdruck des Himmels sind. Der Überlieferung nach soll Christus solche Augen gehabt haben. Da behauptet man von jemandem: "Sein Mund ist schön wie eine Rose."Was ist der Mund? Er ist ein Ausdruck des menschlichen Herzens - ob der Mensch ein weiches oder hartes Herzen hat, - der Mund zeigt, inwieweit der Mensch intensiv und offenherzig ist. Bei Leuten, die einen guten Appetit haben, bemerkt man, dass die Lippen dicklich sind. Das ist ein physiologisches Gesetz. Es strömt mehr Blut zu, deshalb sind sie dicklich und rot. Wenn diese Menschen vom Essen kosten, sagen sie: "Hm, das schmeckt gut"und ihr Gesicht erleuchtet ein feines, kaum wahrnehmbares Lächeln. Es verkündet, dass in ihren Seelen diese Stimmung herrscht. Wenn wir einen Menschen mit schöner Nase betrachten, ist sie ein Ausdruck der menschlichen Intelligenz und des menschlichen Verstandes. Ob die Nase gerade oder krumm ist, ob sie vom römischen oder griechischen Typ ist - das hat einen tieferen Sinn. Das Äußere des Gesichts ist nicht bedeutungslos, außerdem ist es auch ein Ausdruck des äußeren Lebens des Menschen. Wenn wir uns in ein menschliches Gesicht vertiefen und sehen, dass es asymmetrisch ist, dass eine seiner Augenbrauen nicht wie die andere ist - die eine mehr entwickelt und die andere vorspringender - so zeugt das von einer gewissen Unausgeglichenheit. Wenn ihr eine Gerade zieht, könnt ihr euch vergewissern, ob eure Nase richtig steht. Die Nase ist ein Barometer, ein Wärmezähler, der anzeigt, in welchem Zustand sich euer Verstand befindet. Wenn Lokomotivführer eine Lok fahren, gibt es ein Gerät, das den Druck im Dampfkessel angibt. Nach seinen Angaben wirft man entweder mehr Kohle für mehr Dampf ein oder man lässt, wenn zuviel davon ist, Dampf ab. Habt ihr mal versucht, wie Maschinisten, nachzuprüfen, in welchem Zustand sich euer Dampf - euer Herz - befindet? Dafür hat euch Gott mit einer Nase versehen. Stellt euch vor den Spiegel und fragt euren Verstand. Er wird euch erzählen, wie es um euer Herz bestellt ist. Wenn man eure Augen betrachtet, sieht man in welchem Zustand sich eure Seele befindet. Das Einzige, was niemals lügen und heucheln kann, sind die Augen. Deshalb verschließt der Mensch, wenn er lügen will, die Augen oder verdeckt sie mit der Hand. Dem Kind ist bewusst, dass die Mutter seine Lüge erkennen wird, wenn sie es ansieht und es verdeckt deshalb die Augen mit der Hand. Während der Pharisäer betete, sah ihn Christus an und sagte ihm: "Deine Seele ist getrübt, deine Urahnen haben kein so reines Leben gelebt, wie du es dir vorstellst. Du meinst, dass du nicht wie die anderen Menschen bist, aber in der Vergangenheit bist du es gewesen und auch jetzt bist du nicht weit von ihrem Niveau entfernt."Wie man diese Tatsache auch auslegt - ob nach der Lehre der indischen Philosophen von der Reinkarnation oder nach der Lehre der ägyptischen Weisen von der Transmigration, oder nach der Lehre der Kabbalisten und Okkultisten von der Emanation (d.h. vom Ausströmen/Ausstrahlen) und von der Vervollkommnung des Geistes, oder nach der modernen genetischen Lehre - das ist einerlei. Diese Lehren und Theorien sind nur Hilfsmittel, damit wir uns einiges besser erklären können, damit für uns die Ereignisse im menschlichen Leben klarer und verständlicher werden. Jedoch bleibt das Grundprinzip, das allen Dingen zugrunde liegt, immer ein und dasselbe, unabhängig davon, wie wir seine Ausdrucksweisen erklären und auslegen. Das große Gesetz der Ursachen und Folgen, der Taten und Vergeltungen, lügt niemals. Es sagt immer die absolute Wahrheit. Wenn du gut bist, steht im Buch des Lebens geschrieben, dass du gut bist. Wenn du schlecht bist, steht im Buch des Lebens, dass du schlecht bist. Wenn du die Wahrheit sprichst, ist im Buch des Lebens verzeichnet, dass du die Wahrheit gesprochen hast. Wenn du lügst, steht geschrieben, dass du gelogen hast. Wenn du deinen Nächsten hilfst, wenn du dich für dein Volk aufopferst, wenn du zum Wohle der Menschheit arbeitest und Gott mit Liebe dienst, so ist all das im Buch des Lebens verzeichnet. Wenn du deine Nächsten bedrängst, dein Volk verrätst, die Entwicklung der Menschheit behinderst und Gott untreu bist, so steht auch das im selben Buch. Das Gesetz schreibt erbarmungslos seine Aussagen über die menschlichen Handlungen: auf die Stirn, auf die Nase, auf den Mund, ins Gesicht, auf den Kopf, auf die Hände, auf die Finger und auf alle anderen Teile des menschlichen Körpers - jeder Knochen ist ein Zeugnis für oder gegen uns. Und diese Geschichte des menschlichen Lebens lesen wir jeden Tag. Auf ihren früheren Seiten steht das Leben aller unseren Vorfahren: über manche von ihnen steht geschrieben, dass sie furchtbare Verbrecher, Diebe und Räuber gewesen sind. Wenn wir die Seiten durchblättern und die Linie verfolgen, von der Abraham, Isaak, Jakob, David, Salomo und viele andere abstammen, finden wir dort ihre Handlungen vollständig ausgedruckt. Von Abraham lesen wir, dass er ein gerechter, sehr kluger, weitherziger Mensch war, ein Mensch mit großem Glauben und erhabenem Geist. Er war mit der tiefen Weisheit der göttlichen Verordnungen für die große Zukunft der Menschheit vertraut. Von Jakob lesen wir, dass er ursprünglich ein doppelzüngiger, listiger und selbstsüchtiger Mensch war, dem es durch Lüge und Betrug gelang, seinem Bruder das Erstgeburtsrecht zu nehmen. Und erst um sein dreiunddreißigstes Lebensjahr herum tritt eine Wende in ihm ein: Nachdem er seinem Onkel Laban für seine zwei Töchter vierzehn Jahre lang gedient hat, vollzieht sich in ihm eine Wende zum Guten. Von David wissen wir, dass er ein tapferer, entschlossener Mensch mit einem ausgezeichneten angeborenen und poetischen Verstand war, doch er hatte eine besondere Schwäche für schöne Frauen. Durch Betrug eignete er sich die Frau von Uria an. Von diesem Tag an begannen seine Heimsuchungen. Und der mutige Prophet Nathan hat nicht gezögert, ihm die Wahrheit ins Gesicht zu sagen und ihm die schlechten Folgen aufzuzeigen, die dieses Gesetz über ihn in sein Buch für die Nachkommenschaft schreiben wird. Von Salomo wird behauptet, dass er einen ausgezeichneten philosophischen Verstand, ein gutes, aber verdorbenes Herz mit außerordentlich starken Gefühlen und Leidenschaften, eine große Ruhmsucht und einen schwachen Willen besaß. Er soll ein erstklassiger Epikureer im Essen und Trinken und in den Vergnügungen mit Weibern gewesen sein. Christus war das bekannt. Er wusste, wie sein Stamm gelebt hatte und als ihm die Menschen sagten: "Guter Meister,"widerspricht er ihnen: "Warum nennt ihr mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen."Er will damit sagen: "Die Familie, aus der ich stamme, ist nicht so edelmütig, wie ihr meint. Denn Gott hat ein anderes Maß, das sich euch entzieht. Er verlangt in jeder Hinsicht vollständige Reinheit. Viele aus dieser Familie haben nicht so gelebt, wie es dem wahren Gott, dessen Willen ich erfülle, recht gewesen wäre."Eben deshalb wandte er sich an den Pharisäer und sagte ihm: "Du belügst sowohl dich selbst als auch die Leute und Gott. Viele deiner Vorfahren haben Verbrechen begangen und deshalb hast du kein Recht zu sagen: 'Ich bin nicht wie jene'. Und weil keine Demut in deiner Seele herrscht, kann dein Gebet nicht angenommen werden und auch du kannst nicht freigesprochen werden. Ihr, Pharisäer, habt das Gesetz Gottes entstellt, indem ihr die Heuchelei als Schleier darauf gelegt habt. Hört auf, euch als jemand auszugeben, der ihr nicht seid, denn Gott ist nicht ein Mensch, der sich vom Äußeren irreführen lässt; er sieht euer Herz und nach ihm urteilt er über euch." Jetzt betrachte ich den anderen Typ, den Zöllner. Da haben wir einen Menschen von mittlerer Größe, dicklich; die Beine ziemlich kurz, die Arme - dick, die Finger auch dicklich und spitz; das Gesicht - rund; das Verdauungssystem - ausgezeichnet entwickelt, er mag das reichliche Essen und Trinken. "Mir steht einen langen Weg bevor und ich muss Nahrung haben"- so philosophiert er und deshalb wird er Steuereinnehmer: von hier erbettelt er etwas, von dort nimmt und entwendet er etwas - so füllt er seinen Sack. "Du handelst wie ich, also entschuldige, vielleicht hältst du es für Diebstahl, aber ich brauche das. Wenn du es mir nicht geben willst, dann nehme ich es mir mit Gewalt oder ich stehle es."Wie gesagt: Der Zöllner hat ein rundliches Gesicht, dicke Augenbrauen, ein breites Unterkinn - was er auch unternimmt, beendet er mit Erfolg. Er ist im Alter von 40 bis 45 Jahre. Er hat einen Bart mit schwarzen buschigen Haaren, auch Schnauzer dazu - das Zeichen großer Hitze; die Nase ist entwickelt, ziemlich kurz, dick, mit breiten Nasenflügeln - das Zeichen eines guten Atmungssystems. Das ist ein Mensch der Gefühle, impulsiv wie ein Kind, immer kann er seine Freude äußern. Nach einem halben Liter Wein kann er springen und sich freuen; wenn er ausgenüchtert ist, beginnt er zu klagen, dass seine Frau krank sei. Die Schläfen sind stark entwickelt; die Ohren sind ziemlich groß, fast wie die von Tolstoj, eben wie die eines Menschen, der sowohl stiehlt, nimmt aber auch gibt. "Mein Vater und meine Mutter haben die andern bestohlen, nun beschenke ich sie, ich erweise ihnen Wohltaten, damit Gott uns unsere Sünden vergibt."Seine Augen sind braun oder weinfarben - das Zeichen einer natürlichen Weichheit und Gutmütigkeit, die nur auf ihre Zeit wartet, um sich zu äußern. Der Kopf ist gleichmäßig entwickelt wie dieser des Sokrates. Er besitzt ein ausgezeichnet entwickeltes Gefühl für Haus und Gesellschaft, auch ein stark entwickeltes religiöses Gefühl, empfindet Barmherzigkeit, hat eine richtige Auffassung vom Leben, einen ausgezeichneten Verstand, dem Sophistik fremd ist, ein stark entwickeltes Gewissen, das ihm seine Fehler zeigt, und er schämt sich nicht sie zu beichten - sowohl vor Gott als auch vor den Menschen und vor sich selbst. Er hat keine übertriebene Ansicht von seinem Edelmut. Zwar hat er eine Religion, aber in ihr waltet die Gestalt des "guten"Gottes und nicht seine eigene. Immer ist er überzeugt, dass ihn dieser gute Gott ans Licht bringt. Ihm glaubt er mehr als sich selbst. Seine Philosophie ist richtig: Er vergleicht sich nicht mit unter ihm stehenden Dieben und Gaunern, sondern sagt: "Gott, wenn ich dich, die Engel und die Heiligen betrachte, was bin ich dagegen? Ich muss mich höher erheben und dir ähnlich werden. Ich bin ein Sünder; aus meinen Urahnen, Ahnen und mir sind keine Menschen geworden; ich fresse und trinke, bin wie ein Schwein geworden. Vergib mir, dass ich das Wohl, das du mir gegeben hast, nicht nutzen kann." Und was sagt Christus? Dieser Mensch, der seine Fehler einsieht, hat ein erhabenes Ideal. Eines Tages wird er den Pharisäer übertreffen. Wie kann das sein? Die reichen Menschen verlassen sich nur auf ihre Renten oder auf ihr Einkommen, sie arbeiten nichts, sondern reden nur leere Worte über die Politik und über das öffentliche Leben. Andere, die morgens früh aufstehen, zehn Stunden pro Tag arbeiten, erleiden einen Misserfolg nach dem anderen im Leben, aber sie bleiben konsequent und erwerben nach Jahren Kenntnisse und werden zu angesehenen Menschen. Nun, mit Verlaub, unter euch gibt es beide Typen. Aber weil Christus beide entgegengesetzten Pole beschreibt, sage ich euch: nehmt das Gute von dem einen und vom anderen Charakter zugleich und schafft den gemeinsamen, edelmütigen, pharisäischen und zöllnerischen Charakter. Schafft den dritten Typus, den des Christen, des neuen Menschen. Das ist mein Gedanke. Ihr meint: "Bin ich so sündig in meinem Leben, dass ich ein Pharisäer sein kann? Du beleidigst mich."Ich sage euch eine Wahrheit. Wenn ein Unglück in eurem Leben geschieht, sagt ihr: "Gott, warum kam dieses Unglück? Es gibt andere, die größere Sünder sind als ich."Seid ihr dann nicht wie der Pharisäer, ein Mensch, der mit Gott streitet? Gott wird euch sagen: "Du bist sehr gerecht, aber weißt du, wie viele Scheußlichkeiten deine Ahnen angerichtet haben, denen du mal ein Partner warst? Hier hast du einen Wechsel, unterschrieben vor vielen Jahren, du musst ihn begleichen."- "Ich erinnere mich aber an nichts." - "Das bedeutet gar nichts. In meinem Buch ist der Wechsel notiert. Das Buch lügt nicht." Kommt ein Unglück über euch, dann dankt mit den Worten: "Es ist gering."Dann werdet ihr wie der Zöllner sein. Und Christus wird euch sagen: "Ihr kommt in das Haus des Vaters." Manchmal verurteilt ihr die Pharisäer: "Sie sind heuchlerische Menschen."Ihr verurteilt diese Menschen, aber wisst ihr, dass ihr die Pharisäer von heute seid? Zieht eine Lehre aus dem Charakter dieses Pharisäers, um seine schlechten Züge nicht zu bekommen, oder, wenn ihr diese besitzt, um sie auszurotten, damit ihr nicht den Weg des negativen Lebens begeht. Was einmal deine Großeltern und Eltern alles besessen haben, das nützt euch nichts. Ihr kennt das Märchen von den Gänsen, die jemand zur Stadt trieb. Die Gänse sagten dem Wanderer: "Wie unverschämt ist dieser Herr! Er treibt uns wie einen Schwarm. Er weiß nicht, dass unsere Urahnen einst Rom befreit haben." "Und ihr - was habt ihr getan?", fragte der Wanderer. "Nichts." "Dann habt ihr verdient, in den Kochtopf zu kommen." Euer Großvater und euer Vater sind große, edle Menschen gewesen, aber ihr - was seid ihr? Wenn du keinen edlen Charakter hast - erwirb ihn! Dein Großvater und dein Vater haben dir vielleicht ein gewisses Vermögen hinterlassen, doch du kannst es ruinieren und verlieren. Selbst wenn wir an die Religion denken, auch da gibt es religiöse Pharisäer: "Ich bin von der orthodoxen Kirche", "ich bin von der evangelischen Kirche", "ich bin von der katholischen Kirche", "ich bin ein Freidenker". - "Es freut mich, dass du orthodox, evangelisch, katholisch oder frei denkend bist, aber hast du die edelmütigen Züge von Jesus?" - "Ich habe sie nicht." - "Dann bist du weder ein Orthodoxer noch ein Evangelischer - du bist gar keiner. Erwirb diese Züge, damit du einer wirst."- "Aber ich bin ein Freidenker." - "Hast du die edelmütigen Züge der ehrlichen, frei denkenden Menschen? Unter einem Freidenker verstehe ich einen Menschen, der ein Freund der Wahrheit ist. Wenn du das nicht bist, dann bist du ein erstklassiger Lügner." Oftmals sagen die Leute: "Du bist ein ausgezeichneter Mensch."In der Gesellschaft von heute versammeln sich Menschen zu dritt, zu viert an einem Ort und beginnen mit Edelmut und Auszeichnungen zu prahlen. Zu dem einen sagen sie: "Wir haben dein Werk gelesen und sind begeistert!"Sobald er sie aber verlassen hat, beginnen sie: "Er ist ein erstklassiger Dummkopf."Geht der zweite, reden sie genauso über ihn. Geht der dritte, dann trifft es auch ihn. Und ist endlich ein einziger übrig geblieben, so sagt er natürlich nichts Schlechtes über sich. Lasst euch nicht davon irreführen, was die Menschen reden, weil sie über euch viel Unangenehmes sagen können. Niemand sagt die Wahrheit. Eure Feinde werden euch sagen: "Du bist ein Gauner, ein Lügner, ein Taugenichts."Sie sagen eher die Wahrheit, als einer, der euch mit "du bist edelmütig"schmeichelt. Du kannst gut sein, aber so sehr auch wiederum nicht. Denk ja nicht, dass du ausgezeichnet bist. Manchmal gehst du aufrecht, fuchtelst mit der Hand und dem Stock herum, als ob du eine große Aufgabe des Archimedes gelöst hättest; du denkst, es gäbe keinen anderen wie dich. Wenn du ein Zöllner bist, sagst du: "Ich werde über die Welt regieren."Christus meint dazu: "Höre, vor vielen Jahren haben deine Ahnen und Urahnen regiert und ich erinnere mich, was dort in meinem Buch geschrieben steht: dass sie Verbrechen begangen haben. Du kannst auch auf diesen Weg geraten, sei nicht selbstgefällig!" Deshalb dürfen wir, in welcher Lage wir uns auch befinden, nur den Herrgott als Ideal haben. In dieser Welt werden wir auf viele Bitterkeiten stoßen. Wir können einen Freund treffen, der uns liebt und uns so manches sagt, was wahr ist. Ich sage nicht, dass wir alle verdächtigen sollen, Lügner zu sein, nein. Aber wenn euch hundert Menschen loben, sagen euch nur drei unter ihnen die Wahrheit; die andern werden euch die Wahrheit entweder sehr grob oder sehr schmeichelhaft sagen - das sind die zwei Extreme. Dort liegt nicht die Wahrheit sondern im folgenden Mittelweg: indem ihr vom Pharisäer die guten Züge, seinen ausgezeichneten Verstand, seine Auffassung und Ordnung übernehmt und vom Zöllner - seine Barmherzigkeit, die tiefe Religiosität, das innere Bewusstsein, seinen Fehler zu erkennen und das Bestreben, sein Leben zu berichtigen. Es gibt diese Zöllner und Pharisäer auch in den Familien: der Mann ist ein Pharisäer, die Frau - ein Zöllner. Der Mann, von gehobener Herkunft, reich, schlank, schön - ein "edelmütiger Mensch", wie er im Buche steht, und die Frau aus einer einfachen Familie, ihr Vater und ihr Großvater sind einfache, ungebildete Menschen. Er betrachtet sie und meint: "Weißt du überhaupt, aus welcher Lage ich dich herausgeholt habe?"und sie duckt sich. Es gibt keinen Ausweg für sie - sie wird sich fügen und kochen. Jedes Fingerzucken des Pharisäers, dass sie nicht gut gekocht habe, bringt sie zum Weinen und sie muss sich anhören: "So eine einfältige, schlecht erzogene Frau will ich nicht; so einen Zöllner dulde ich nicht in meinem Haus." Irgendwo anders ist die Frau ein Pharisäer und der Mann ein Zöllner. Sie stammt aus einer reichen Familie, ihr Vater hat ihren Mann, der bei ihm Lehrling war, in eine hohe Stellung erhoben. "Weißt du nicht mehr, mit welcher Gunst ich dich geheiratet habe? Du weißt dich nicht zu kleiden, wie du die Krawatte umbinden und dir die Nase putzen sollst". Widerliche Formalisten sind diese Pharisäer, wenn sie etwas aufzählen. Jetzt müssen alle beide, sowohl der eine als auch der andere, ihr Leben berichtigen. Als Christus sagte, dass der Zöllner mehr als der Pharisäer gerechtfertigt sei, so meinte er damit, dass, obwohl auch der Zöllner nicht ganz im Recht sei, er jedoch in seinen Gedanken über das Leben und über die Gottesordnung eine bessere Auffassung als der Pharisäer vertrete. Christus meinte, dass sich dieser Zöllner eines Tages auf einer viel höheren Stufe als der Pharisäer befinden wird. Wenn ihr nicht demütig und sanft werden wollt, so wird euch Gott demütigen, weil er die Stolzen erniedrigt und die Demütigen erhebt. Stolz und Demut sind die Synonyme dieser zwei Menschentypen, des Pharisäers und des Zöllners. Ihr wisst nicht, was in der Zukunft passieren wird. Alle eure edelmütigen Züge und alle eure Ahnen und Urahnen können euch nicht retten. Vor Jahren ging in England, - wenn ich mich nicht irre, in London, - einer der reichsten und angesehenen Engländer in seine Schatzkammer um seine Schätze zu betrachten, und machte ganz zufällig die Tür hinter sich zu, wobei er den Schlüssel außen stecken ließ. Nachdem er seinen ganzen Schatz angeschaut und sich an ihm erfreut hatte, wollte er hinausgehen, doch ihm wurde klar, dass er eingesperrt war. Er saß dort ein, zwei, drei Tage fest, um ihn herum Gold, ein riesiger Reichtum, aber er konnte weder heraus noch jemanden herbeirufen. Schließlich war er gezwungen, an diesem Ort seinen Geist aufzugeben; dabei hinterließ er folgenden Zettel: "Wenn mir jemand auch nur ein Stück Brot gegeben hätte, hätte ich ihm die Hälfte meines Schatzes überlassen". Sollte es euch eines Tages passieren, wie dieser Reiche in den Kellergewölben eurer edelmütigen Ahnen und Urahnen eingeschlossen zu sein, kann euch ein Stückchen Brot retten. Deshalb sagt Christus: "Das Brot kann euch retten, und nicht diese Sachen, um die ihr kämpft". Und wisst ihr, dass viele Menschen so sterben, in sich verschlossen? Verzweifelte Menschen begehen Selbstmord. Und wer nimmt sich das Leben? Nicht Zöllner begehen Selbstmord, sondern immer nur Pharisäer. Dichter, Künstler und Staatsmänner sagen: "Uns wusste die Welt nicht zu schätzen, sie konnte unsere Schriften, Werke und Bilder nicht würdigen", und begehen Selbstmord. Immer wieder sind es die Pharisäer, diese edelmütigen Denker mit den gleichmäßig geformten Gesichtern und roten Bärten, die allgemein Selbstmord begehen. Die Pharisäer in Bulgarien haben keine roten Bärte, hier ist die Rede von den jüdischen Pharisäern, diese beschreibe ich. Unsere hätte ich anders beschrieben. Auch die bulgarischen sind ihnen ähnlich, doch sie unterscheiden sich in etwas von ihnen. Da es aber nicht um die bulgarischen sondern um jüdische Pharisäer geht, so folgert selbst über die bulgarischen und sucht diese Typen. Wie sollt ihr sie suchen? Das Ziel meines Vortrags ist, dass ihr das Gehörte in der Praxis, in eurem Leben anwendet. Die heutigen Menschen predigen, dass der Mensch, um Erfolg zu haben, einen starken Willen haben muss. Der Wille hat eine dreifache Dimension - erstens kann er Eigenwilligkeit sein; zweitens ein Wille, der sich nur auf unsere Interessen und auf die Interessen unseres Volkes bezieht und drittens ein Wille, der nicht nur auf die Interessen unserer Gesellschaft und unseres Volkes gerichtet ist, sondern auch auf die Interessen des Menschen und Gottes. Dieser letzte Wille, der in sich alle unseren Verpflichtungen dieser Welt gegenüber umfasst; ein so starker Wille, dass es keine Kraft gibt, die uns von unserer Pflicht ablenken kann - das ist ein guter Wille. Ein Wille, für den Ruhm Gottes und der Menschheit, für dein Volk, dein Haus und auch für die Entwicklung deines Charakters zu arbeiten - das ist ein richtiger Wille. Manche sagen: "Du musst einen edelmütigen Verstand haben". Ein Verstand, mit dem man seine Beziehung zu Gott begreift, ein Verstand, der damit beschäftigt ist, im Leben erhabene Gedanken in die Tat umzusetzen - das ist ein edler Verstand. Ihr habt alle Voraussetzungen dafür. - "Aber meine Nase ist nicht so, wie ich sie mir wünsche". - Sie entwickelt sich noch. Seht mal jene kleinen Vögelchen in ihren Nestern, die noch keine Federn haben, wie sie auf ihre Mutter warten und wenn sie auftaucht, sperren sie ihre Schnäbelchen auf und piepsen: "tschirrrk!", und hopp, ihre Mutter stopft ein Würmchen ins Schnäbelchen. Zwanzig Mal am Tag: "tschirrrk!" und wieder sperren sie die Schnäbelchen auf. Je mehr diese Vögelchen mit "tschirrrk!" bitten, desto mehr Würmchen fallen in ihre Schnäbel. Nun beginnen ihnen Flügel zu wachsen und schließlich fliegen sie auf. Demselben Gesetz müsst auch ihr folgen - den Mund aufmachen, d.h. beten. Wenn ihr ihn nicht öffnet, seid ihr Pharisäer, und Christus wird euch sagen: "Die Welt, das Gottesreich und die Zukunft sind nicht für euch". Das wollte Christus sagen. Es gibt Menschen, die ihren Mund nicht gern öffnen, sie schweigen nur. Ich verstehe, dass man schweigt, die Frage ist nur wann. Wenn man zornig ist, wenn man einen Menschen beleidigen will oder wenn man ihn beneidet. Aber wenn man heiter ist, wenn ein tröstendes Wort gesagt werden muss, dann öffnet den Mund und sprecht es aus. Öffnet ihr den Mund, wenn ihr die Kinder erzieht? Das ist die Frage, die vor euch steht. Ihr erzieht eure Kinder, wie die Pharisäer: Sie sollen das Geschirr nicht berühren, um sich nicht schmutzig zu machen, sie sollen noch nicht einmal ihre Hände ins Wasser tauchen - ihre Mutter wird das Geschirr abwaschen. Der Vater soll ihnen neue Schuhe, Uhren und Uhrketten kaufen. Der Vater wird zum Diener dieses Pharisäers. Wenn der Vater am Abend heimkommt, verziehen sie ihre Gesichter: "Wir wollen schon bald dies, wollen jenes", und er gibt nach. Warum sagte Christus: "Wehe euch, Schriftgelehrten und Pharisäern". Zu Hause, bei unseren Kindern und auch in den Kirchen äußern wir diese Züge der Pharisäer und wundern uns, warum die Zeit des Gottesreiches nicht anbricht. Obendrein machen wir noch Vorwürfe: "Schlechte Welt, schlechte Gesellschaft, unmögliche Geistliche, schlechte Lehrer, schlechte Regierende". Wir aber sind - Heilige! Auch du bist so wie jene, die du tadelst. Hör auf damit und lass das, denn deine Mutter ist bei dir und wenn du "tschirrrk!" sagst, hopp, bekommst du Nahrung. All das scheint euch lächerlich vorzukommen, doch das sind große Wahrheiten, Kleinigkeiten, aus deren Beispiel wir eine Lehre ziehen müssen. Im Vergleich zum himmlischen Leben sind wir arme Schlucker und Gott schickt uns immer wieder die Mutter mit diesen Würmern. Begrüß deine Mutter, weil sie dir Nahrung bringt. Wie viele Orte hat sie durchwandert, bis sie einen Wurm gefunden hat! Wie können wir Gott danken, der jeden Tag an uns denkt und uns Nahrung liefert? Jeden Morgen sollten auch wir "tschirrrk!" sagen, d.h. zu ihm beten. Wisst ihr, was dieses "tschirrrk!" bedeutet? Es hat einen tiefen Sinn. Was beinhaltet dieses "tschirrrk!"? Wenn ihr das wüsstet, würdet ihr die Worte kennen, mit denen der Himmel spricht. Ein sehr kurzes Wort, aber inhaltsreich. Ihr seid im Tempel; Christus wendet sich an euch und fragt euch: "Wie betet ihr, wie dieser Pharisäer oder wie der Zöllner? Wie geht ihr in die Welt und beginnt eure Arbeit, wie der Pharisäer oder wie der Zöllner? Auch ihr seid aus dem gleichen Schlamm gemacht". Christus will uns damit sagen, dass wir keine Pharisäer sein sollen. Mir brummt der Kopf von diesen Pharisäern. Wenn es etwas in der Welt gibt, was stört, so sind es diese Pharisäer. - "Aber da gibt es jemanden, der hat diese Züge". - Das weiß ich, aber was soll ich tun? Warte mal, lass mich erst einmal mich selbst reinigen und dann die Menschen. Warte, lass mich meine eigenen Läuse beseitigen und dann die der anderen. Denn sonst wird jener, der weniger Läuse hat als ich, von meinen Läusen befallen, wenn ich zu ihm gehe. - "Aber er muss umerzogen werden". - Warte mal, lass mich zuerst einmal mich selbst erziehen. - "Aber ihr müsst predigen". - Wenn ich zu früh zu predigen anfange, werde ich die Menschen irreführen. - "Tritt heraus und sage das und das". - Was soll ich sagen? Soll ich die Menschen belügen? Wenn du heraustrittst, musst du die große Wahrheit sowohl mit Worten als auch mit deinem Leben ausdrücken. Das hat Christus gemeint. Wenn wir zu lernen anfangen, müssen wir gleichzeitig mit Worten und mit unserem Leben arbeiten. Mir gefallen jene gegenwärtigen Lehrer sehr, die, wenn sie ein Fach unterrichten, Physik oder Chemie, sofort mit Experimenten beginnen: Sauerstoff erhält man so, jenes entsteht so. Man betritt die Tischlerei - der Meister unterrichtet Theorie und Praxis. Man betritt die Schneiderwerkstatt - dort geschieht das Gleiche. Christus sagt den Christen: "Tretet ein und nehmt euere Messlatte und die Schere". Einige müssen mit der Nadel beginnen und erst dann bekommen sie die Schere. Was für eine Schere ist das? Das ist eure Zunge. Wenn ihr zuschneidet und zu nähen beginnt, gibt es keine schönere Schere als eure Zunge. Wenn ihr drauflos schneidet ohne nachzudenken, ist eure Schere fehl am Platz. "Müssen wir nicht reden?" Man muss, doch am rechten Platz. Denn wenn ihr nicht am rechten Platz redet, wenn ihr drauflos schneidet, ohne nachzudenken, verpfuscht ihr den Stoff. Das alles sage ich nicht zur Entmutigung. Ich will nicht sagen, dass ihr geborene Pharisäer seid, sondern, dass ihr die Anlage zum Pharisäer habt. Alle haben sie. Und es ist gut, dass ihr sie bis zu einem gewissen Grade besitzt. Wenn ihr aber sagt: "Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen bin", dann ist der Pharisäer in euch stark und ihr könnt euch nur schwer von ihm befreien. Er lebt im Hinterkopf, im Scheitel, in den Ohren, im Kopf, in der Nase, im Augeninnern. Wo findet ihr diesen Pharisäer? In allen euren Gesichtszügen und Handlungen. Also, jetzt fragt uns Christus: "Wie schicken wir unser Gebet richtig an Gott?" Dieses Gebet begreift er im weiten Sinne - zugunsten des gesellschaftlichen Lebens. Manche denken, dass man ein echtes Gebet nur in einer Kirche verrichten kann. Überprüft, ob dieses Gebet, das ihr in der Kirche verrichtet, eine gewisse Beziehung zum Familienleben hat, ob es euch helfen kann? Und diese Kirche müsst ihr erst einmal finden. Wo ist sie? Der Lehrer bringt den Schülern zuerst bestimmte Elemente bei und lässt sie dann selbständig die Aufgabe lösen, die Verhältnisse eines bestimmten Gesetzes finden. An einer Stelle in den Apostelbriefen wurde gesagt: "Ihr seid Gottes Tempel". Wenn wir Gottes Tempel sind, wie müssen wir dann, wenn wir in unser geheimes Kämmerchen vor Gott gehen, dort eintreten? Wenn wir es wie Pharisäer tun, sagt uns Christus: "Ihr habt euer Ziel nicht erreicht". Wenn wir es wie der Zöllner tun und unsere Fehler eingestehen und versprechen, sie zu berichtigen, dann werden wir Erfolg haben und Christus Antwort hören: "Du bist freigesprochen, du hast eine Zukunft." Vielleicht findet der Lehrer im Heft viele Fehler, doch der Schüler darf nicht sagen: "Wie kleinlich er ist - nur drei Fehler!" Der Lehrer kann das Heft beschmutzen, kann 4-5 Wörter durchstreichen und der Schüler meint dann: "Er hat mein Heft verpfuscht". Ja, aber wenn du vollkommen sein willst, musst du ihm dankbar sein, dass er dich auch auf diese Fehler hingewiesen hat, weil sich aus diesen drei Fehlern viele weitere ergeben können. Berichtige sie, lass sie nicht so stehen, weil der Fehler wie eine Laus ist: wenn du nur eine zurücklässt, kann sie sich in einer Woche tausendmal vermehren. Ein Fehler genügt um den Menschen an den Pranger zu stellen. Es genügt laut demselben Gesetz eine Tugend, um euch in den Himmel zu erheben und euch unter die Engel zu bringen. Schafft die Bedingungen und wenn eine Tat falsch ist, wird sie euch erniedrigen; wenn sie tugendhaft ist, wird sie euch erheben. Folglich berücksichtigt sowohl eine einzige Tugend als auch einen einzigen Fehler. Wenn einem, der ein lasterhaftes Leben geführt hat, eine einzige Tugend verblieben ist, dann ist sie jenes dünne, ins stürmische Meer des Lebens geworfene Seil, mit dessen Hilfe er, wenn er es packt, das Festland erreichen kann. Entsprechend ist der letzte Fehler, der übrig bleibt, sehr schlecht und kann den Menschen ebenso zugrunde richten wie die letzte Tugend sehr stark ist und den Menschen retten kann. Sie sind es, die unser Leben verändern können. Das ist ein Gesetz. Deshalb sagte Christus: "Seid nicht nachlässig." Der Pharisäer hatte edelmütigere Züge als der Zöllner; er stand in vieler Hinsicht höher als dieser, aber er hatte einen letzten Fehler - den Stolz, der ihn in die Hölle bringen konnte. Der Zöllner war ein großer Sünder, aber ihm war eine letzte Tugend geblieben - die Demut, und er sagte: "Ich werde für meine Rettung arbeiten". Dafür hat ihn Gott gesegnet, denn der Zöllner hatte die Hoffnung sich in Zukunft zu verbessern. Heute Morgen frage ich euch: Wo seid ihr - bei eurem letzten Fehler oder bei eurer letzten Tugend? Wenn ihr bei eurem letzten Fehler seid, bemitleide ich euch: Passt auf, ihr befindet euch an einer gefährlichen Stelle im Leben. Wenn ihr bei eurer letzten Tugend seid, befindet ihr euch an einer zuverlässigen Stelle und wohl euch! - ihr seid auf einem sicheren Felsen. Haltet euch an dieser letzten Tugend fest und Christus wird mit euch gehen. Ein Vortrag, gehalten vom Meister am 5. Oktober nach dem Julianischen Kalender 1914 in Sofia
  17. Die Bedingungen für das ewige Leben "Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen (Joh. 17:3) Wenn der junge bulgarische Bursche, rein wie der Tau, zum ersten Mal seinem Ideal in der Welt begegnet, hält er inne und sagt zu sich: "Ich habe sie gefunden, sie ist es. Jetzt kann ich wie Archimedes das relative Gewicht der Körper bestimmen, angeben, wie viel Silber, wie viel Kupfer, wie viel Gold in dieser Zarenkrone erhalten sind. Jetzt kann ich wie Newton sagen, warum die Äpfel reif werden und auf den Boden fallen, warum die Felsenbrocken von der Höhe herunterrollen, warum die Gebirgsquellen nach unten laufen, springen, rauschen und in aller Eile fließen, warum sich die Himmelskörper im Weltraum bewegen und um ihre zentralen Heimstätten kreisen. Jetzt offenbaren mir mein Verstand, mein Herz dieses große Geheimnis der Bewegung im Leben; ich kann euch sagen, was das ewige Leben darstellt; ich kann euch seine Eigenschaften, Merkmale, Voraussetzungen und Elemente nennen. Ich habe sie gefunden, ich habe den Stein der Weisen gefunden, ich habe das kostbare Lebenselixier erworben. Ich kann mutig wie der Löwe, geduldig wie der Ochse, fliegend wie der Adler, vernünftig wie der Mensch sein. Und es ist recht gesagt worden: "Den Unmündigen hast Du es offenbart." - Dieser junge Mann ist nicht weit entfernt von der Wahrheit. Er hat die ursprüngliche Sprache begriffen, die Sprache, in der Gott gesprochen hat. Seine Schlussfolgerungen und Ansichten zeugen davon, dass er das Original versteht, aus dem er seine Inspiration schöpft. Er spricht, denkt, empfindet, handelt richtig: grammatikalisch wie logisch und philosophisch. In seiner Seele herrscht Frieden und Eintracht, es gibt keinen Streit um das Wort "ewig" - ob es vor oder nach dem Wort 'Leben' gesetzt werden soll. "Das ist die äußere Hülle der Dinge", sagt er. "Für mich ist es wichtig, dass es in meinem Verstand, in meinem Herzen ist, dass es tief in meine Seele eingedrungen ist und meinen Geist mit seinem Göttlichen Feuer stärkt". Richtig ist seine Antwort. Vor Jahren war es richtig, dass der Kutscher in der Kutsche vorne saß, und der Herr hinten; in der moderneren Zeit hat sich die Regel geändert: der Herr sitzt vorne und der Kutscher hinten. Vorne oder hinten - es ist egal, es ist nur wichtig, dass sich die Zügel in erfahrenen Händen befinden, dass die Pferde stark sind, die Kutsche heil, der Kutscher schnell von Begriff, sein Herr klug und gut - dann ist das Ziel erreicht. Jemand wird wohl sagen: "Was wollen Sie damit sagen?" - "Nichts mehr als das. Mit einem Wort, dass der Herr und der Kutscher auf seinen Plätzen sein müssen -"Und noch etwas?" - Könnt ihr wie dieser junge Bursche sagen: "Ich habe sie und ihn gefunden!" Das ist die für euch wichtige Frage. Wenn ihr eine Antwort darauf findet, werden die Welt und das Leben ein ganz neues Aussehen gewinnen. Aber kommen wir zu unserem Thema zurück. Als Christus diese Worte über das "ewige Leben" in Anwesenheit Seiner Jünger geäußert hat, hat Er ihnen ein "ewiges Gesetz" des Lebens offenbart; in diesem Gesetz sind schon zwei seiner wesentlichen Bestandteile abgesteckt und festgelegt, die im irdischen wie im ewigen, im vernünftigen wie im übersinnlichen Leben enthalten sind. Nun, Menschen, die den tiefen Sinn der ursprünglichen Sprache nicht verstehen, können diese oder jene Übersetzung machen, die Worte verstellen, aber es gibt gewisse Gesetze, die den menschlichen Gedanken regeln und die keine willkürliche Verstellung zulassen. Solange der Mensch nicht gelernt hat, richtig zu denken, wird er Fehler machen, und er wird sie mit einer Reihe von Leiden sühnen. Die geschriebenen Dinge, die im großen Buch des Lebens stehen, sind für die vernünftigen Leute; sie sind nicht für die niedrigeren Wesen bestimmt, die dieses Gesetz nicht verstehen. Wenn nun jemand "ewiges Leben" oder "Leben ewig" liest, wird fragen, was wir unter dem Wort 'ewig' verstehen können. Dieses Wort hat einen äußeren und einen inneren Sinn. Unter `ewigem Leben' versteht man bei uns langes, grenzenloses Leben ohne Unterbrechung. Auf Englisch heißt es 'eternal', aber die Wurzel dieses Worts stammt aus dem Sanskrit und bedeutet 'Erde', und 'Erde' bedeutet auf Sanskrit ein Wesen, das empfängt und gebiert. Oft wird das 'ewige' Leben mit dem Existieren des Menschen verwechselt; aber ein Mensch kann existieren, ohne zu leben. Die Metaphysiker streiten über diesen Gegenstand, aber, wenn wir uns schon auf dem Gebiet der Experimentalphilosophie befinden, wo wir die Göttlichen Gesetze überprüfen, müssen unsere Schlussfolgerungen auf der Wahrheit beruhen und die Ergebnisse stimmen. Im Leben des Menschen gibt es drei Grundelemente, die sich niemals ändern; drei Grundprinzipien, auf denen sein jetziges Leben beruht. Sie sind in der Grammatik, in der Logik und in der Mathematik präsent. Zum Beispiel, wenn die Kinder sich mit der Satzlehre vertraut machen, sagen sie, dass die Sätze ein Subjekt, ein Prädikat und eine Bindung haben. Er kann auch Attribute, Objekte usw. haben, aber die Basis stellen diese drei Wörter dar, die einen Gedanken ergeben. Hätte ich euch gefragt, was 'Subjekt' ist, hättet ihr geantwortet: "Das Wort, das den Gegenstand bezeichnet, wovon die Rede im Satz ist." "Und ein Prädikat?" - "Das Wort, das zeigt, was über den Gegenstand gesagt wird." Gut. Wenn ein Lehrer euch die Aufgabe stellen würde, das vorgelesene Zitat grammatikalisch zu analysieren, zu sagen, welche die wichtigsten Wörter in ihm sind, so würden alle die Wörter 'Gott' und 'Jesus Christus' nennen. Aber der Grundgedanke hier heißt 'ewiges Leben' und 'Jesus Christus' ist eine Ergänzung dieses Gedankens. Gott und Jesus Christus sind die beiden Prinzipien, die den Anfang des ewigen Lebens ergeben, oder die zwei Pfeiler, die es stützen. In der Sprache der Logik ausgedrückt, ist 'Gott' die große Prämisse, 'Jesus Christus' ist die kleine Prämisse, und 'ewiges Leben' - die Schlussfolgerung. Wollen wir diesen Gedanken etwas deutlicher machen. Die Worte 'ewiges Leben' meinen die vernünftige Seelenwanderung; das Wort 'Gott' - die Keime des Geistes, die Voraussetzungen, die Kräfte, die Gesetze in der Natur, auf denen baut und sich stützt diese majestätische Ordnung der Dinge, und 'Jesus Christus' - das vernünftige Prinzip, das von dem Einzigen Gott ausgeht und das alle Lebewesen lenkt und erhält. Nun könnt ihr auch denken, dass, wenn ihr 'ewiges Leben' sagt, begreift und wißt, was ein ewiges Leben eigentlich ist. Aber welches ist das Grundelement der Erkenntnis? Wir erkennen nur jene Dinge, die wir ausprobieren, die wir tun können. Jedes Ding, das wir nicht ausprobieren und das wir nicht selbst tun können, erkennen wir nicht. Von solchen Dingen, welchen Charakters sie auch sind, haben wir nichts anderes als eine Vorstellung und wir können nur Vermutungen anstellen. Wenn man euch einen Stoff gibt, werdet ihr sagen: "Ich weiß, wie er zustandegekommen ist", aber, lässt man euch ihn selbst machen - den Schuß fertigspinnen, die Kette setzen - werdet ihr sagen: "Ich kann es nicht". Die Wissenschaft lehrt, dass für die Existenz eines Lebewesens bestimmte Bedingungen und eine bestimmte Umgebung erforderlich sind. Zum Beispiel ist die Umgebung des Fisches das Wasser. Was ist unter dem Wort 'Umgebung' zu verstehen? 'Umgebung', 'Grundlage', 'Boden' sind Dinge, die viele Berührungspunkte haben. Im Bulgarischen und in anderen Sprachen gibt es kein Wort, das auf einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen drei Wörtern hinweist. Das erste Element des 'ewigen Lebens' ist jenes Element, in dem die Seele so untertaucht, wie der Fisch - dieses Element nennen wir Umgebung. Wenn wir mit dem Errichten eines Hauses beginnen, bezeichnen wir diese Umgebung Grundlage - auf der Grundlage bauen wir Wände und wir setzen ein Dach auf. Wenn wir eine Pflanze säen, bezeichnen wir diese Umgebung als Boden - im Boden säen wir die unterschiedlichsten Samen. Zunächst müssen wir für jedes Ding die Umgebung erkennen. Was ist 'die Umgebung' bem 'ewigen Leben'? Gott. Es gibt aber noch zwei Übergangselemente oder Bedingungen. Manche verwechseln 'Bedingungen' mit 'Umgebung'. Zwischen den beiden besteht ein Unterschied. Damit ein Zug von Sofia nach Varna kommt, braucht er gewisse Bedingungen; das sind: Gleise, Kohle und Wasser. Und wenn wir es auf den Menschen beziehen, welche sind dann die Bedingungen seines Lebens? 'Die Umgebung', in der der Mensch lebt, ist die Luft. Der Mensch ist darin eingetaucht. Die Luft ist aber nicht das einzige Element, das der Mensch, die Fische und die Vögel brauchen, um zu existieren; es ist ein weiteres Element erforderlich - die Nahrung; wir sind aber nicht in die Nahrung eingetaucht: dieses Element ist ein Übergangselement, es kommt von außen, geht in uns hinein und kommt aus uns heraus, indem es seine Folgen hinterlässt. Das dritte Element für den Menschen, das Element, wo der Fisch eingetaucht ist - das Wasser - das ist die Umgebung des Fisches, für den Menschen stellt es aber nur eine Bedingung dar. Wenn wir den Menschen dort eintauchen, wo der Fisch sich befindet, wird er sterben. Folglich ist das Wasser für den Menschen eine Bedingung seiner Existenz. Nehmen wir die Luft, die für den Menschen eine Umgebung ist - berauben wir ihn der Luft, so stirbt er - für den Fisch aber ist die Luft nur eine Bedingung. Diese Bedingung befindet sich im Wasser selbst, und wenn sie durch die Kiemen eines beliebigen Fisches geht, geht diese Luft in ihr Atmungssystem über und reinigt das Blut. Das Wasser ist eine Umgebung für den Fisch. Die Luft ist eine Umgebung für den Menschen. Aber die Umgebung ist nur ein Drittel der Wahrheit. Wo entstehen die falschen Begriffe? Wenn wir zum Vergleich ein Beispiel nehmen, müssen wir wissen, wie viel Wahrheit dahinter steckt. Wir müssen immer ehrlich sein und nicht nur unsere Schlussfolgerungen müssen richtig sein, sondern gleichzeitig auch die kleine und die große Prämisse müssen stimmen. Die eine Prämisse kann richtig sein, aber, ist die andere falsch, wird auch eure Schlussfolgerung nicht richtig sein. Und wenn die Mathematiker und die Ingenieure die nötigen Ausrechnungen und Pläne machen, so erwägen sie genau alle Umstände, um eventuelle Fehler auszuschließen. Demselben Prinzip nach solltet ihr auch die Dinge in euch selber aufbauen, wenn ihr euren Charakter aufbauen wollt - euren Verstand und euer Herz. Ihr müsst auch wissen, wie ihr ihn aufbauen sollt - ihr müsst wissen, was eine Umgebung, was eine Bedingung, was ein Element ist. Weil es auch Elemente gibt. Die Elemente beziehen sich auf den Unterhalt des Lebens, und die Bedingungen - auf die Existenz des Lebens. Die Felder, die Gärten, die Weinberge usw. stellen zum Beispiel die Lebensbedingungen dar, aus denen die Elemente des Lebens - der Weizen, das Obst usw. hervorgehen. Das Licht ist ein für das Leben notwendiges Element aber es ist das vierte Element - die Luft, die Nahrung und das Wasser sind die ersten drei Elemente. Wenn der Fisch sagen könnte: "Mir genügt das Wasser", weil er im Wasser seine gesamte Nahrung findet, und wenn der Mensch auch im Wasser leben wollte, so würde er in Widerspruch mit den Grundgesetzen geraten, die sein Leben regeln, weil er nicht ins Wasser gehen und drin, wie der Fisch, leben könnte. Gerade aus diesen falschen Auffassungen gehen auch die Fehler in allen modernen philosophischen und religiösen Lehren hervor. In ihnen gibt es viele Dogmen, die nur halbe Wahrheiten enthalten. Kommen wir zum Wort 'ewig' zurück. Es bezieht sich auf die geistige Welt, es meint Bausteine, aus denen man das unsterbliche Leben aufbauen könnte. Das Wort 'Leben' meint das organische Leben in der Materie, das wächst und sich entwickelt und nicht ununterbrochen ewig sein kann: seine Form kann verändert werden, und diese Veränderung nennen wir Tod. Die Vorstellungen von dem 'Tod' aber können unterschiedlich sein. Sterben bedeutet für den Menschen nicht im geringsten, dass er sein Bewusstsein verliert, sondern, dass er jene Bedingungen verlieren kann, unter denen sich das Leben äußert. Das Bewusstsein kann so werden, wie der Mensch wird, wenn er stirbt - es bleiben seine Knochen. Das Bewusstsein - das ist die geistige Wirbelsäule des Menschen. Das heißt, auf dieser Wirbelsäule, der Wirbelsäule des Menschen ähnlich, beruht die Funktion des ganzen Nervensystems und der Glieder, die zusammen mit den anderen Sinnen und Fähigkeiten wirken. Wenn wir über Gott sprechen, so ist Er die oberste Macht oder die notwendige Umgebung, in die der Mensch geistig eingetaucht ist. Wollen wir diese Analogie erklären. Wenn wir sagen, dass das menschliche Auge das Licht braucht, so heißt das, dass die Augenzellen in das Licht eingetaucht sind und dass es für ihre Auferhaltung notwendig ist. Die menschliche Seele muss auch eingetaucht sein. Habt ihr sie nicht eingetaucht, so seid ihr außerhalb eurer Umgebung, ihr werdet im Keim leben, so wie viele Weizenkörner sich 5-6 Jahrtausende in den ägyptischen Pyramiden und Grabstätten im Trockenen erhalten und auf Bedingungen gewartet haben, um gesät zu werden und danach hervorzusprießen. Solche Weizenkörner sind neulich herausgeholt und gesät worden und sie haben sich ausgezeichnet entwickelt. Auch die menschliche Seele, einem Körnchen gleich, verweilte in der Göttlichen Getreidekammer und wartete auf die drei notwendigen Elemente, die in den Bedingungen, in den Kräften und in den Gesetzen enthalten sind, damit sie aufs neue ihr Leben beginnen kann. Im christlichen Sinne gesagt, müssen wir die Bedingungen finden, unter denen wir in Gott eintauchen und in Gott leben können. Die Bestrebung eines jeden bewusst lebenden Menschen muss darauf gerichtet sein, dieses Ziel zu erreichen. Ihr lebt, ihr existiert, aber dieses Leben und Existieren ist ein glattes Vegetieren. Eure Existenz besteht nur aus einem Element und ihr werden von der Göttlichen Wesenheit, die euch wie Weizenkörnchen und kleine fruchtbringende Samen geschaffen hat, Grenzen gesetzt. Ihr könnt eurem Dasein nicht entfliehen, ihr könnt euch selbst nicht vernichten: euer Dasein liegt außerhalb der Zeit und des Raumes. Die Menschenseele hat in diesem Zustand Milliarden von Jahren in der Tiefe des Göttlichen Bewusstseins verbracht, ihr damaliges Leben ist aber von einer ganz anderen Art gewesen: sie war nichts Individuelles, sie kannte nicht das Einzelleben des individuellen Geistes; sie hat in der Betrachtung der Göttlichen Seligkeit gelebt - in einem dämmernden Zustand. Aber mit ihrem Erwachen jetzt kommt sie zur Erde, um den inneren Sinn auch dieses Lebens, des individuellen Lebens, zu erfahren, selbst ein eigenes unsterbliches Leben zu erlangen und Bürgerin des Himmels mit bestimmten Rechten und Pflichten zu werden. Dieser innere Drang ist eine Bedingung, die uns auch von Gott auferlegt worden ist. Nun möchten manche einen Körper erlangen und gleichzeitig wie Gott leben. Jedoch wie Gott zu leben ist widersprüchlich, weil, um wie Gott zu leben, brauchst du gar nicht aus Ihm hinauszugehen. Welches Bedürfnis hat dieses Göttliche Bewusstsein, sich zu trennen, nach einem anderen Leben zu suchen? Das bedeutet, dass die menschliche Seele immer in Gott existiert hat, und dass ihr ewiges Streben immer da gewesen ist, nach Ihm zu suchen in allen Seinen Äußerungen und Ihn nachzuahmen. Kommen wir aber zu der wissenschaftlichen Seite des Gegenstandes zurück - die Beherrschung dieser drei Grundtatsachen: Umgebung, Bedingungen und Elemente der Existenz. In der Kirche ist diese Idee als "Dreifaltigkeit" Gottes verkörpert. Was bedeutet dieses Wort? Drei verschiedene Personen, die einen gemeinsamen Gedanken, einen Willen haben - Vater, Sohn und Heiliger Geist. Sie sind auch in der Grammatik vorhanden: Subjekt, Prädikat und Bindung; in der Logik heißt es: große Prämisse, kleine Prämisse und Schlussfolgerung. Die Umgebung für alle Wesen und für unsere Seele ist Gott; das Element, das das Leben in sich hat, ist Christus, und die Bedingungen, die zur Manifestitation des Lebens verhelfen, verweilen im Heiligen Geist. Wenn ihr die Ordnung der Dinge verändert, müsst ihr gleichzeitig auch die Gesetze verändern, die die Form der Dinge regeln. Ihr könntet in das Wasser tauchen, aber, um darin zu leben, müsstet ihr auch eure menschliche Form in eine Form, die dem Fisch eigen ist, umwandeln. Das wäre ein Degradieren des Lebens, weil ihr die Bedingung - in diesem Fall das Wasser - zur Umgebung gemacht habt. Und eine Erhöhung des Lebens gibt es dann, wenn man die Umgebung zur Bedingung macht. Im ersten wie im zweiten Fall ist die Form des Wesens notwendigerweise zu verändern. Wir können die Form eines Fisches nur verändern, wenn wir seine Umgebung verändern. Wenn wir ihn aber nach und nach aus dem Wasser holen und ihn der Luft aussetzen, wird er zum Vogel, er wird sich an die Luft anpassen. Dann wird das Wasser zu einer Bedingung seines Lebens werden, so wie für ihn es die Nahrung und das Licht Lebensbedingungen sind. Wenn Christus sagt: "Dich, Den allein wahren Gott zu erkennen, das ist ein ewiges Leben", was wollte Er mit 'allein wahren Gott' sagen? Das ist jene Oberste Kraft, Die Sich stets in uns bewegt, Die das Leben in Sich trägt, die Bedingungen schafft, durch die wir Sie erkennen können. Ein Wesen, das in eine bestimmte Umgebung getaucht ist, kann diese Umgebung nicht erkennen; zum Beispiel kann der Fisch das Wasser nicht erkennen, in das er getaucht ist. Manche wollen Gott erkennen; wenn ihr in Gott eingetaucht seid, werdet ihr Ihn nicht erkennen, weil ihr mitten drin in Ihm seid; so lebt ihr nur in Ihm, ohne dass ihr Ihn erkennt. Ihr müsst aber aus Ihm hinaus und Ihn zur Bedingung eurer Existenz machen, wenn ihr Ihn erkennen wollt. Nehmen wir an, ihr sprecht zu einer eurer Zellen, die in euch lebt. Die menschlichen Zellen sind vernünftige Wesen, sie besitzen eine gewisse Art von Intelligenz. Sie sind wie die Vögel und die Fische. Mag sein, dass ihr es merkwürdig findet, aber es ist so. Ihr könnt versuchen, zu diesen Zellen zu sprechen - sie werden euch verstehen. Und wenn ihr zu ihnen in ihrer Sprache sprecht, werden sie ihrem Dienst vorzüglich nachgehen. Ihr könnt sie aber auch einschüchtern; sie werden sich ducken. Wenn eine Zelle aber folgendes sagt: "Ich möchte wissen, was der Mensch ist", wird es dasselbe sein, wie wenn der Mensch sagen würde: "Ich möchte sehen, was Gott an sich ist"; dann muss Gott keine Umgebung sein, der Mensch muss aus Ihm hinausgehen. "Aber ist so was möglich?" Es ist möglich. Du musst nur deine Form ändern. "Ich kann es aber nicht!" Warte dann, bis du sie geändert hast. Das ist die ganze Philosophie. Auch die Zelle muss, um erkennen zu können, was der Mensch ist, durch Milliarden von Bedingungen gehen, durch das gesamte Gewebe, sich im Magen, im Herz, in den Lungen, im Gehirn usw. aufhalten; erst danach kann sie innehalten und sagen: "Ich habe meine Meinung über den Menschen gebildet, ich weiß schon, was der Mensch darstellt." Und jetzt, nachdem wir, die Philosophen dieser Welt, überall gewesen sind, bleiben wir stehen und sagen: "Komm, ich will dir sagen, wie Gott ist, Er ist allmächtig, hast du es jetzt begriffen?" - "Ich habe es begriffen." Nichts hast du begriffen. Nur, wenn du aus diesem Umfeld heraus bist, nur wenn du durch die Tür gehst, die man "Tod" nennt, nachdem du "stirbst", erst dann wirst du erkennen, was Gott ist. Deswegen "sterben" auch die Menschen. Und wenn in einer Seele der Wunsch entsteht, Gott zu erkennen, muss sie "sterben", indem sie sich sagt: "Ich muss sterben, um Gott zu erkennen" - das ist die treffendste Definition der Gotteserkenntnis. Diejenigen, die das Evangelium geschrieben haben, sind sehr weise Menschen gewesen. Manche denken, die Evangelisten seien wie die Fischer gewesen, einfach, ungebildet, und dass Jesus Christus einfach und ungebildet gewesen sei. Es ist aber überhaupt nicht so gewesen. Christus war auf der himmlischen Schule, Er hatte es nicht nötig, auf der Erde zu lernen. Ich muss gerade über diese oberflächliche Schlussfolgerung staunen, dass einer, der nie eine Ausbildung genossen hat, die Welt wenden und die Menschen zu Gott führen konnte. Die Materialisten, die Pantheisten sagen: "Ihr Christen seid sehr große Dummköpfe, ihr habt keine Logik - ihr vertraut einem Menschen, der einfach, ungebildet gewesen ist, ihr hofft, dass er euch zu Gott führt. Wir - wenn wir unsere Überlegungen anstellen - ziehen alle Dinge in Erwägung". Bei einer Predigt in der Kirche darüber, dass Christus mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Menschen satt gemacht hat, um seinem Publikum das Begreifen dieses Wunders leichter zu machen, sagte einer: "Ihr denkt nicht etwa, diese Brote seien ganz normal gewesen, nein, sie waren groß wie Hügel". Ein Schäfer, nachdem er das gehört hatte, pfiff auf seine Art vor sich hin und sagte zu ihm: "Warum erzählst du so was? Ich staune nicht darüber, dass die Brote so groß waren, sondern darüber, wie groß der Rachen dieses Ofens gewesen sein muss, in dem diese Brote gebacken worden waren". Das ist unsere Unlogik, unser oberflächliches Urteilen. Das erste, das ein Christ tun muss, ist, sich von allen falschen Schlussfolgerungen, falschen Gedanken, falschen Wünschen zu befreien. Und er kann es tun. Ein Logiker kann sich sofort davon befreien. Und ein Schüler kann zum Beispiel überprüfen, inwieweit dieser Vorschlag richtig ist: "Ein Mensch ist ein Wesen, das zwei Beine hat; jedes zweibeinige Wesen ist ein Mensch; deshalb ist auch das Huhn, das zweibeinig ist, ein Mensch." Die Schlussfolgerung ist zwar sehr richtig, aber die zwei Beine sind nicht gerade dasjenige, das den Menschen kennzeichnet - er kann auch auf vier Beinen gehen; und dasjenige, das den Menschen kennzeichnen kann, ist sein Verstand, sein Herz, seine Seele. Das sind drei Elemente. Die Beine oder die Hände sind nichts anderes als ein Ausgang, ein äußerliches physisches Produkt für die menschliche Tätigkeit. Wenn der Mensch tätig sein muss, braucht er Hände und Beine. Die Bedingungen werden sie schaffen. Ihr werdet bestimmt fragen, was für welche sie sein sollten. Sie werden der Umgebung entsprechen müssen. Wir sagen, dass sich bestimmte Organe nicht verändern lassen, solange das Wesen in einer und derselben Umgebung lebt. Wenn wir den Fisch als Beispiel nehmen, werden wir sagen, dass die Flossen, mit denen er schwimmt, für ihn im Wasser notwendig sind, und dass sie nicht verändert zu werden brauchen; wenn aber der Fisch aus dem Wasser herauskommt, falls er es tun könnte, und will ein Mensch werden, so müssen sich seine Flossen in Hände und Füsse verwandeln. Wir, die in die geistige Welt wollen, wir sind wie die Fische, die in dieselbe Umgebung getaucht sind. Wenn wir die Bedingungen kennenlernen wollen, unter denen die Engel leben, so werden die letzteren zu uns das sagen, was wir dem Fische sagen würden, wenn er das Wasser verlassen und in unsere Umgebung will, wenn er denken und handeln will: "Du musst zuerst deine Kiemen verändern, eine Lunge bilden und atmen lernen." Der Fisch, der anderen Fischen beibringt, Lungen zu bilden, wird der gebildeteste Fisch sein. Auch ich empfehle euch diesen Weg - bildet Lungen für das Jenseits, weil, besitzt ihr sie nicht, könnt ihr auch nicht hineintreten. Ihr müsst vorbereitet sein, weil sich euer Leben kontinuierlich nach oben erhebt, nachdem ihr die Erde verlassen habt. Nun wollen wir uns mit dem Wort "Erkenntnis" befassen. In unserer schriftlichen Sprache bestehen die Wörter aus bestimmten Zeichen - den Buchstaben, mit deren Hilfe sie geschrieben werden. Als Beispiel nehmen wir das bulgarische Wort 'Erkenntnis'- 'ïîçíàâàíå'. Zunächst haben wir es mit zwei Strichen zu tun, die von oben nach unten gezogen werden, bekommen diese noch einen Strich oben, entsteht der Buchstabe Ï. Wollen wir den Buchstaben O schreiben, so machen wir einen Kreis und stellen diesen neben das Ï - so entsteht ÏÎ. Für den Buchstaben Ç brauchen wir die beiden Hälften des Buchstaben O, die eine stellen wir oben, die andere unten. Um den Buchstaben Í zustandezubringen, brauchen wir die senkrechten Striche des Ï-s und deswegen setzen wir seinen oberen Strich in ihre Mitte. Als nächstes haben wir das A zu schreiben: dazu brauchen wir zwei sich oben berührende Striche und durch deren Mitte ziehen wir wieder einen Strich. Für den Buchstaben B brauchen wir eine gerade Linie, an die wir das Zeichen des Ç-s ankleben usw. Aber jener, der diese Zeichen geschaffen hat, hat eine bestimmte Idee gehabt. Ich stelle meine Überlegungen in Analogie zu den Pflanzen, den Blumen, an: Die Blume, wenn sie wächst, steht wie ein nach oben geöffneter Becher, bis sie ihren Keim empfängt; wenn sie in sich die Frucht schon trägt, beginnt sie sich nach unten zu biegen und bleibt schließlich hängen - sie bildet den Buchstaben Ï. Und ich meine, in der Erkenntnis ist der Becher Gott zugewandt, damit Er ihm etwas hineingießt; nachdem der Becher es empfangen hat, will er es in seinem Inneren ausprobieren - er macht seine Erfahrung, das heißt, im organischen Sinne ist es so zu verstehen, dass diese Blüte schon befruchtet wurde, und dass die Frucht reifen muss. Folglich könnt ihr keine Erkenntnis erwerben, bevor ihr nicht etwas empfangen habt. Sonst seid ihr nur eine nach oben gewandte leere Seele. Wenn sich die Seele nach unten wendet, sagen wir, dass Gott etwas in uns hineingelegt hat. Möglicherweise fällt diese Frucht vorzeitig, aber dann kann sie den Prozess der Entwicklung und des Reifens wiederholen, weil es ohne Mühe keinen Erfolg gibt. Das O, die Null, sagt man, sei nichts, in der Mathematik aber hat sie die Macht, zehnmal zu vergrößern und zu vermindern, wenn man sie vor oder hinter eine Ziffer setzt. Wenn wir zum Beispiel nach der 1 eine Null setzen, ergibt sich eine 10 Mal größere Zahl, und wenn wir sie vor die 1 setzen - eine 10 Mal kleinere Zahl. Also ist auch das Nichts ein Etwas. Wie kommt es denn, dass das, was nichts enthält, die Dinge vergrößern und vermindern kann? Nach meinem Begriff existieren im Nichts die Zeit und der Raum als zwei Elemente unserer organischen Entwicklung, im Raum wirken das Licht und die Wärme. Also wenn wir hinter dem Ï eine Null setzen, zeigt das, dass es Bedingungen für die Entwicklung der Blüte gibt. Wir haben aber mit dem Baum zu tun, der ein Doppelleben führt - oben im Stamm und in den Ästen und unten in den Wurzeln. Wir sagen, dass der Fisch in das Wasser, und der Mensch - in die Luft eingetaucht ist. Das stimmt nur zur Hälfte. Es gibt andere Elemente, mit deren Beseitigung auch das Leben aufhört. Die Obstbäume haben zwei Umgebungen - den Boden für die Wurzeln und die Atmosphäre für die Äste und die Blüten. Dann meint 'die Erkenntnis' das Erkennen des Bodens als eine Umgebung für die Äste, und für die Wurzeln - als Bedingung für Nahrungsanschaffung der Äste, der Blätter und der Blüten. Angenommen ihr seid unten in den Wurzeln bei eurer Reise diesen Baum entlang - der Baum des Lebens - da gibt es ein doppeltes Leben, ein materielles in den Baumwurzeln und ein geistiges in den Ästen. Sie sind dem Subjekt und dem Prädikat ähnlich. Die Welt der Geister, der Engel, die manche Astralwelt nennen, stellt die Verbindung zwischen der menschlichen (physischen, materiellen) Welt und der rein geistigen oder Göttlichen Welt dar. Derjenige, Der spricht, ist Gott - Er stellt das Prädikat dar und ist eine Quelle von Wissen, Kraft und Leben; der Mensch ist das Subjekt, der Boden, der die Lebenssäfte zubereitet, und das Hilfsverb 'ist' - das sind die Geister, die Engel, die die physische Welt mit der geistigen verbinden und die die Gesetze der harmonischen Wirkung dieser zwei Welten anwenden. Ihr könnt ein Subjekt, ein Prädikat haben, habt ihr aber diese Verbindung nicht, so habt ihr auch keinen Satz. Die Engel gerade bringen in uns die Erkenntnis von Gott, ohne die wir kein Leben in uns haben können. Ich möchte einen Vergleich machen. Angenommen ihr geht im Winter nachts nach draußen, ihr zittert und laßt euch vom Mond bescheinen. Man fragt euch: "Warum sitzt ihr hier?" - "Wir sonnen uns." - "Aber es gibt keine Sonne." - "Du bist ein blinder Mensch, du irrst dich, diese Sonne wird mich nach und nach erwärmen." Wenn ihr keine Vorstellung von Gott habt, so bedeutet das, dass zwischen Gott und euch eine gewisse Leere vorhanden ist, eine Schranke, die die Verbindung zwischen eurem und dem Göttlichen Leben verhindert. Nun, ich merke, dass es in meinen Ausführungen manches gibt, das eurem Verstand vielleicht nicht ganz zugänglich ist. Wißt ihr warum? Wenn ich von dieser Welt aus euch Sachen jener Welt zu erklären versuche, stoße ich auf einen leeren Zwischenraum. Wenn ich euch etwas über die Musik erzählen würde, würde ich sagen, dass ein Mensch mit seinem Ohr höchstens zwischen 32 bis 46 Tausend Schwingungen der Schallwellen empfangen kann. Handelt es sich um das Licht, so ist es als ein roter Strahl aufzufassen, der in unserem Auge von 428 Billionen Schwingungen in einer Sekunde erzeugt wird. Wenn wir weiter hinaufsteigen, so erreichen wir zwischen den roten und den violettfarbenen Strahlen 739 Billionen Schwingungen in der Sekunde. Wir können nur dann logisch denken, wenn wir im engen Kreis der Dinge bleiben, die wir auch begreifen können, das heißt, die wir prüfen können und zu verstehen versuchen. Wenn wir abrupt vom Schall zum Licht übergehen, können wir nicht immer logisch bleiben, weil es zwischen dem Schall und dem Licht gewisse Schwingungen gibt, die wir nicht berücksichtigt haben. Wir gehen vom Schall zum Licht über, dabei haben wir aber gewisse Bereiche nicht in Betracht gezogen, von denen wir keine Ahnung haben. Wir machen uns auf den Weg zu jener Welt mit 32 Tausend Schwingungen und erreichen 46 Tausend Schwingungen pro Sekunde - die unserem Hörorgan zugängliche Welt und sagen: "Wir kennen uns bis hierher aus", aber, wollen wir weiter gehen, tappen wir im Dunklen und sagen: "Das kennen wir nicht". Kommen wir zu den roten Strahlen, sagen wir: "Gott sei Dank, wir haben diese Wüste hinter uns." Diese Wüste erfasst aber einen unvorstellbar großen Raum zwischen zwei Grenzen von 46 Tausend und 428 Billionen Schwingungen pro Sekunde. All diejenigen Dinge, die die Menschen nicht begreifen, stellen für sie eine Wüste dar, in der nichts wächst, in der nichts ist. Als Christus von "dem ewigen Leben" gesprochen hat, war Er sehr behutsam. Er hat alle Lücken geschlossen, Er hat die Welten in eine Einheit vereinigt: die "geistige" - mit der Welt der Engel, die "Göttliche" - mit der Welt der Trinität, die "physische" - mit der Welt der Menschen - der Seelen. Deshalb sagt Er: "Ich bin der Weg von der Wahrheit zum Leben; Ich verbinde diese zwei Welten und ich führe sowohl zu der Welt der Engel als auch zu der Welt Gottes und der Wahrheit. So dass derjenige, der Mir folgt und diesen Weg geht, den Ich ihm zeige, das für seine Seele nötige Wohl - den Göttlichen Frieden - finden wird." Deshalb sagt Er noch folgendes: "Ich gebe euch Frieden, Meinen Frieden hinterlasse Ich euch." Und der Frieden ist ein Kind des Himmels. Er ist im Haus Gottes großgezogen worden. Aus dem Gesagten ziehen wir den folgenden Schluss: Der Weg - das ist die Bewegung des Geistes in der vernünftigen Anwendung der Gesetze in der Natur; das Leben - das ist die harmonische Organisation der Elemente und die Entfaltung der Kräfte in der Göttlichen Seele; die Wahrheit - das ist die Äußerung des Alleinigen Gottes, Der die Bedingungen schafft, unter denen der menschliche Geist und die menschliche Seele nach etwas Besserem und etwas Hellerem in dieser weiten Welt streben können. Wollen wir uns das "ewige Leben" als eine Quelle vorstellen, die einer Bergspitze des Göttlichen entspringt, das Wasser unter einem Felsen ist das Element, das das Leben trägt, der Fluss ist der Weg dieses Abstiegs nach unten zu einer niedrigeren Welt. Deshalb sagt Christus: "Ich bin aus der Wahrheit hergekommen - aus Gott, und ich bin in die materielle Welt hinabgestiegen, um den Menschen zu helfen, ihren Durst mit diesem lebendigen Wasser zu stillen." Deshalb sagt Er wieder an einer anderen Stelle: "Ich bin das Wasser des Lebens". Diese drei Dinge, von denen hier die Rede ist: ewiges Leben, Gott, Jesus Christus; Weg, Wahrheit und Leben sind untereinander verbunden. Wenn das Wasser nicht der Bergspitze entspringt und wenn es nicht auf diesem Weg fließt, im Flussbett, worüber Christus spricht, kann es auch nicht die zu erwartenden Wohltaten mitbringen. Aus rein christlicher Sicht müssen wir auch dieser Quelle ganz nahe sein. Der lebendige Christus ist Die Quelle. Man muss nur wissen, wie man das Wasser Dieser Quelle trinken soll. Ich will nicht sagen, dass ihr nicht wisst, wie man trinken soll, ihr trinkt aber 500 oder 1000 km weit von Der Quelle entfernt und sagt dabei, es sei euch bekannt, was für einer Christus sei. Ihr wisst aber nicht, welche anderen Elemente in dieses Wasser noch hineingekommen sind und es getrübt haben, so dass sie euren Geschmack verwirrt haben. Ihr müsst der Flussströmung entgegen gehen, der Weg ist ein bisschen lang, eure Füße werden voll Blasen sein, aber wenn ihr die Quelle erreicht haben, werdet ihr sagen: "Das nenne ich Wasser." Und diejenigen, die zur Quelle nicht gehen können, sie werden trübes Wasser trinken müssen; nun ja, trüb, aber ohne Wasser ist es noch schlimmer. Ich sage euch, obwohl ihr euch Blasen an den Füßen laufen werdet, geht zur Quelle und trinkt von Seinem reinen Wasser. Wenn ihr zurückkehrt, habt ihr einen klaren und frischen Verstand, ein gutes Herz und einen weiten Horizont. Es kostet viel Mühe, und man muss viel an sich selbst arbeiten, damit man die Lehre Christi anwenden kann, damit man jene günstigen Ergebnisse erlangt, die eines Tages den Menschen zum Mitbürger der Heiligen und der Engel im Himmelreich erheben werden. Ich kehre nun zu unserem Thema zurück. Wenn wir von ewigem Leben im Sinne von Unsterblichkeit sprechen, wird ein jeder sagen, dass ein solches Leben hier auf der Erde nicht möglich ist. Und tatsächlich - kann ein Mensch, wenn er stirbt, ein Leben erlangen? Die Schlussfolgerung ist richtig, aber nicht alle richtigen Schlussfolgerungen sind auch wahr, weil, woher sollten wir wissen, dass der Mensch tatsächlich verstorben ist? Wenn ein Mensch im Frühling, im Sommer und im Herbst nicht gearbeitet hat und sagt: "Ich werde im Winter arbeiten"; werde ich ihm sagen: Du hast keine Bedingungen zur Arbeit; wenn du im Frühling, im Sommer, im Herbst nicht reich geworden bist, wie willst du im Winter reich werden? Wenn du nicht da gearbeitet hast, wo es an der Zeit gewesen ist, wie wirst du ein ewiges Leben erreichen? Das ewige Leben kannst du jetzt, heute erreichen. Unter der Voraussetzung, dass du den Mut jenes bulgarischen Schäfers hast, dass du deinen Stock richtig zu tragen und damit umzugehen verstehst, damit gut schlagen kannst. Das Schlagen ist wissenschaftlich als die Bedingungen auszulegen, unter denen ihr reagieren könnt, wenn vor euch eine Schwierigkeit im Leben auftaucht. Ihr sagt oft: "Wie es Gott will". Gott sagt aber, dass man einem solchen Feigling die Schafe wegnehmen wird, dass er zum Sklaven wird und wie die Juden in Ägypten Ziegel machen soll. Und es stimmt auch, wir machen nur Ziegel und Häuser. Wir bauen, und bauen, wir bauen ein Haus, dann kommt Gott und jagt uns fort. Wir fangen wieder an: fünf, zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre sparen wir, ein paar Jahre später nimmt Er es uns wieder weg. Warum diese nutzlose Arbeit? Ich will nicht sagen, dass wir aufhören sollen, zu arbeiten, aber wir sollen mit Verstand arbeiten, damit wir etwas verdienen, was uns gehören wird. Wenn ich auf diese Art und Weise predige, wird jemand sagen: "Du predigst aber gegen die Arbeit". Ich lehre, dass ihr arbeiten sollt. Jener, der gekommen ist, der Zöllner, nimmt euch den Besitz und das Herz weg und verkauft sie, er hat jedoch nie den Verstand des Menschen verkaufen können. Wieviele Herzen, wieviele Seelen sind verpfändet und verkauft worden! Und die Menschen sagen, sie seien Besitzer. Wir erleben viele, die nicht denken, nicht handeln können. Hassen können sie, aber lieben nicht. All diese Leute bilden mit ihrem verdorbenen Verstand und Herz ein Karma und man kann in die Zukunft hineinschauen, wie die gesamte Bevölkerung leidet und stöhnt unter der Last der Gesetze, die ihre Abgeordneten gemacht haben. Fragt doch eure Abgeordneten, fragt doch eure Gesetzgeber, was für Gesetze sie verabschiedet haben? Irgendeine Kammer kündigt an: "Ich mache solche Gesetze, dass es in Zukunft keinen Religionunterricht in den Schulen gibt"; eine andere meint: "Gott muss weg, das ist etwas Veraltetes, man braucht nicht in die Kirche zu gehen, es werden nur noch die neuen Ideen respektiert und wer dieses Gesetz nicht erfüllt, muss so und soviel Lewa Geldstrafe bezahlen". Ihr sagt: "Wir können nichts dagegen tun, wir haben solche Abgeordneten gewählt, damit sie Gesetze machen - wir müssen uns fügen". Ihr werdet aber noch sagen: "Dieses Gesetz, das verabschiedet wurde, ist ungerecht". Ihr müsst andere Abgeordnete finden, die, nachdem sie euer Recht nachgewiesen haben, ein neues Gesetz machen werden. Das, was in der Welt geschieht, geschieht auch in uns selbst. Christus sagt, dass ein Mensch, um ein ewiges Leben zu erreichen, zuerst richtig denken und handeln lernen muss. Ihr sagt euch jetzt: "Wir wissen es jetzt, wenn wir nach Hause zurückkommen, beginnen wir, das Gesetz richtig anzuwenden." Was werdet ihr anwenden? Wieder das alte Gesetz. Eine kleine Unannehmlichkeit bringt euch aus dem Gleichgewicht und ihr vergesst sofort das ewige Leben. Das Dienstmädchen hat das Essen anbrennen lassen, ihr fangt an, zu schreien und zu streiten, verliert bei dieser Essenzubereitung eueren ganzen Verstand und euer ganzes Herz. Wisst ihr, woran ihr mich erinnert? Oft haben kluge Leute über gewisse Dinge, die passiert sind, Geschichten geschrieben. So lief einmal ein Hund über eine Brücke und nachdem er sah, dass im Wasser ein anderer Hund einen Kochen trug, ließ er seinen eigenen los und stürzte sich in den Fluss, um dem anderen den Knochen wegzunehmen, wobei er seinen eigenen verlor. So lassen auch wir, denkt nur an das Sprichwort, den Spatzen aus der Hand losfliegen, um der Taube auf dem Dach nachzujagen. Lasst doch das Dienstmädchen euer Essen anbrennen - das soll euch nicht stören; wenn ihr ein ewiges Leben für euch vorbereitet, so habt die Geduld und die Selbstbeherrschung jenes Philosophen, der, nachdem er zwanzig Jahre lang an gewissen Mathematikproblemen gearbeitet und sich Notizen auf kleinen Zettelchen gemacht hatte, auf das Dienstmädchen nicht wütend wurde, als er, nach Hause zurückkehrend, sah, dass sie beim Aufräumen seines Zimmers alle Zettelchen ins Feuer geschmissen hatte. Ihr sollt einfach auf eure Zettelchen aufpassen. Jetzt nehmt ihr in die Hand all diese Zettelchen, die Gott vollgeschrieben hat und sagt: "Was sind das für Lumpen", und ihr schmeißt sie danach ins Feuer. Wenn Gott kommt und fragt: "Wo sind eure Zettelchen?", was werdet ihr dann antworten? - "Wir haben das Zimmer aufgeräumt". - "Ein anderes Mal darf das nicht passieren." Ihr dürft nicht auf diese Art und Weise euer Göttliches Zimmer sauber machen. Diese kleinen Zettel stellen die verschiedenen Zentren im Menschen dar, wo Gott viele und für euch sehr interessante Dinge aufgeschrieben hat. Alles muss in Ordnung gebracht werden. Es gibt viele Dinge, die um das Wissen, das Gott baut, herum verstreut sind: es liegen Ziegel, Sand, Steine herum; all diese Baustoffe werden beim Errichten eurer neuen Wohnung gebraucht. Ihr selbst habt dieses Baumaterial vorzubereiten. Deswegen sagt auch Christus: "Wenn ihr in euch den allein wahren Gott, Der baut, Der eine Umgebung, eine Bedingung, ein Element für euch ist, erkennt, werdet ihr das ewige Leben erlangen." Und nun gebe ich euch drei Dinge zum Überlegen auf - Umgebung, Bedingungen und Elemente. Diejenigen, die nicht darüber nachzudenken vermögen, sollen darüber nachdenken, worüber sie nachzudenken vermögen. Jene aber, die denken können, sollen überprüfen, ob sie in die Umgebung eingetaucht sind, die 'Gott' heißt, ob sie über die entsprechenden Bedingungen und Elemente verfügen, ob ihre Luft sauber, ihre Fenster geöffnet, ihre Augen, ihre Zunge auf ihrem Platz sind. Die Zunge ist nicht so klein, wie sie scheint - die kleine Zunge, diese Zunge, die erschafft und die in der Welt zerstören kann, wovon ein bisschen zu sehen ist, sie ist unsichtbar, aber was für ein Recke sie ist! Sie bricht Knochen; die Menschen treibt sie, aufeinander loszugehen und zu kämpfen. Wenn eure Zunge nicht auf ihrem Platz ist, so habt ihr ihre Schrauben ein bisschen fest zu machen, nachzuschauen, ob sie nicht verstimmt ist, weil, wenn Gott kommt, wird er überprüfen, ob alle Schrauben eurer Zunge auf ihrem Platz sind und ob eure Zunge so funktioniert, wie Er sie damals geschaffen hat. Irgendwo sind die Schrauben nicht in Ordnung - sie plaudert; her mit den Schrauben! Wie viele verlorene Schrauben ich nur kenne! Die verlorengegangenen Schrauben, die Ringe, alle Teile eurer Zunge, eures Verstandes, eures Herzens müsst ihr mitbringen, all dies muss auf seinen Platz kommen. Deswegen kommt auch Christus jetzt. Ihr habt das kleine Rad weggeworfen - das ist nicht richtig gewesen. Wieso? Die Wissenschaftler meinen, dass der Blinddarm nicht notwendig ist und dass er herausoperiert werden muss, damit der Mensch ihn los wird und darunter nicht zu leiden hat, falls er ihm weh tun sollte. Wie könnt ihr behaupten, dass er fehl am Platze ist? Es wird die Zeit kommen, wenn er zu funktionieren anfangen wird. Die Ärzte sagen: "Es liegt eine Blinddarmentzündung vor, wir operieren ihn heraus". Lieber sterbe ich, als dass ich ihn verlieren muss, weil die Krankheit woanders auftauchen wird. Es dürfen keine Glieder wegoperiert werden, weil es Gott so viele Millionen Jahre Zeit gekostet hat, diesen Blinddarm zu machen, und jetzt kommt ein dummer Arzt und befindet, dass dieser nicht nötig sei - Schnipp, raus, weg ist er! Der Mensch sei davon befreit! Mehrmahls rebelliert der Blinddarm und sagt: "Fleisch dürft ihr nicht essen, die Tiere dürfen nicht geschlachtet werden." Bohnen, Linsen, Hülsenfrüchte und dergleichen werden solche Schmerzen nicht verursachen. Wir aber sind der Meinung - "Raus mit dem Blinddarm, wir essen wieder Fleisch." Der Blinddarm aber hat Freunde im Herzen und im Verstand, wenn wir ihn unten wegoperieren, sterben gleichzeitig sein Freund im Herzen und sein Freund oben im Verstand mit. Deswegen sagt Christus: "Diese drei Elemente des Lebens: die Bedingungen, die Kräfte und die Gesetze, müsst ihr auf ihren Platz bringen." Das meint auch das Christentum und hier liegt der tiefe Sinn der Wissenschaft vom Leben. Ich will euch keine leere Philosophie geben, sondern ich will euch im Leben das überprüfen und probieren lassen, was ich euch sage. Wie wird sich die Welt bessern? Sie wird sich bessern, indem alle Schraubenmütter auf ihren Platz kommen und das Leben wie ein Uhrwerk zu funktionieren beginnt. Ich gebe euch ein Beispiel. Ein Mann kaufte sich eine Uhr, die sehr bald darauf stehenblieb: "Ich habe so viel Geld ausgegeben, ich habe sie kaum eine Woche getragen und sie ist stehengeblieben", so sagte sich der Mann; er ging zum Uhrmacher und ließ ihn seine Uhr reparieren, so dass sie wieder funktionieren sollte. "Wieviel Geld wirst du dafür verlangen?" Der Uhrmacher schaute auf die Uhr und sagt: "Zehn Groschen." - "Einverstanden." Der Uhrmacher blies auf das Uhrwerk, da kam eine Laus raus, die drin verklemmt war und die Uhr fing an, wieder normal zu laufen. "Wirst du wirklich von mir zehn Groschen für ein Pusten haben?" - "Ja". So wird auch Gott kommen - Er wird pusten und alles wird wieder funktionieren. Wie einfach ist das! Diese Tierchen sind schließlich für woanders bestimmt, sie gehören gar nicht in die Uhr. Die christliche Lehre ist diejenige Philosophie, die den menschlichen Geist von allen möglichen Parasiten befreien will, damit die Schraubenmütter der Zunge, des Verstandes und des Herzens zurechtgerückt werden - das ist die Erlösung. Und wenn alle Schraubenmütter und Schrauben auf ihrem Platz sind, wenn der Verstand und das Herz in Ordnung und auch auf ihren Plätzen sind, dann werden auch die Bedingungen geschaffen für das ewige Leben. Da wird die Auferstehung eine Sache sein, die realisierbar und möglich ist. Ich weiß, dass dieses Zurechtrücken der Schrauben eine schwierige und mühsame Arbeit ist, aber wenn sie erfolgreich beendet wird, wird auch die Menschheit ihr Jubiläum auf der Erde feiern. Kinder - Söhne und Töchter - werden das neue Lied des Lebens singen, ein Lied darüber, dass ihre Eltern die Schraubenmütter gefunden und zurechtgerückt haben, dass auch für sie selbst eine helle Zukunft näher kommt; die Völker werden jubeln, lobpreisen und den Guten Gott rühmen, dass ihre geistigen Häupte, ihre Geistlichen, Prediger, Lehrer, Zaren und Minister ihre eigenen Schraubenmütter gefunden und zurechtgerückt haben und dass auch für ihr Leben auf der Erde eine helle Zukunft gekommen ist. Sie alle werden ein Lied, und zwar ein großes Lied des Lebens singen, das ihre Herzen und Seelen zutiefst rühren wird. In diesem Lied wird die ganze Vergangenheit verkündet, die gesamte Zukunft wird darin münden und der Geist des neuen Lebens seinen Ausdruck finden. Aber, wird jemand fragen, was sind das für Schrauben? Was können sie verursachen? In diesen Schrauben ist der Weg abgesteckt, den man gehen muss. Sie vereinigen, sie lassen die losen Lebensteile wieder eins werden. Und wer sich ihre spiralförmigen Gewinde und die Hand, die sie zurechtrückt, genau anschaut, der wird den tiefen Sinn der großen Gesetze begreifen, die alles auf ein bestimmtes Ziel hin bewegen. Das sind Göttliche Kräfte, die dem Göttlichen Willen folgend, bald im Leben erscheinen und die verstreuten Elemente wieder auf ihren Platz bringen, die göttlichen Säfte der menschlichen Seele zuführen und die Seele in ihre wahre Umgebung stellen werden - die besten Bedingungen für ihre Entfaltung werden sie schaffen und die wahren Elemente des Lebens hineinführen. Dann wird unsere Seele saugen, so wie das Kind von der Brust seiner Mutter Milch saugt, eine gesunde, reine und saubere Milch. Dann werden in unserem Unterbewusstsein die Wurzeln des Göttlichen Bewusstseins erscheinen und daraus werden der Stamm, die Äste aufwachsen, sich die Blätter unseres Selbstbewusstseins entfalten, und aus den Zweigen des letzteren - die Knospen und die Blüten des Überbewusstseins, des Engelsbewusstseins, hervorsprießen. Wenn dieses geschieht, wird es ein Zeichen des geistigen Frühlings sein, die menschliche Seele wird sich im Bereich des Unsterblichen befinden, weit weg von den Todeskrallen, von der Sünde und der Kriminalität. Und wir können guten Glaubens und mit positivem Wissen den unschätzbaren Reichtum erwarten - die Frucht von dem Baum des ewigen Lebens, dessen Blätter im Dienste der Heilung menschlicher Fehler, und dessen Frucht - im Dienste der Aufrechterhaltung und der Unsterblichkeit der menschlichen Seele und ihrer Vereinigung mit Gott stehen. Und dieses große Ereignis steht an der Schwelle des heutigen Lebens. Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 12. Oktober 1914 in Sofia
  18. Wie viel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf! "Wie viel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf! Darum darf man wohl am Sabbat Gutes tun" (Mt 12,12) Wir haben den jüdischen Pharisäern zu verdanken, dass Christus durch ihre Herausforderung diese große Wahrheit äußerte; Er hätte sie sonst nicht gerade auf die Art und Weise ausgesprochen. Die Pharisäer, die extrem formalistisch denken und immer auf Kleinlichkeiten achten, die als Fachleute im Entdecken und Hervorheben fremder Fehler gelten, konnten es nicht fassen, wie es möglich war, dass man den Sabbat brach. Ihrer Meinung nach sollte nach dem Gesetz des Mose der Sabbat in Ruhe und Untätigkeit verbracht werden. Die Juden verstanden den Sabbat eigenartig - genauso wie die Bulgaren den Sonntag. Der Bulgare bringt seine Ochsen in den Stall, lässt den Pflug in der Scheune liegen, zieht sich die guten Sachen an und mit der Pelzmütze auf dem Kopf geht er in die Kneipe; kaum hat er die Kneipe betreten, bestellt er schon laut: "Gib mal einen halben Liter Wein von dem Besten her - heute haben wir Sonntag. Sechs Tage müssen wir arbeiten, am siebten wollen wir trinken und schön feiern". So ähnlich haben auch die Juden den Sabbat begriffen. Und Christus verurteilte sie, indem Er einen Vergleich anstellte: "Wenn euer einziges Schaf", sagte Er zu ihnen, "euch am Sabbat in eine Grube fällt, werdet ihr es doch ergreifen und ihm heraushelfen - selbstverständlich nicht aus Liebe zu dem Schaf, sondern damit euer Interesse nicht darunter leidet. Aber, wenn es darauf ankommt, einem Menschen, der Hilfe braucht, etwas Gutes zu tun, macht ihr daraus eine Geschichte - man bräuchte nicht ausgerechnet am Samstag seine Hand zu heilen. Christus fügt noch etwas hinzu, das sehr wichtig ist - "und wieviel besser ist nun ein Mensch als ein Schaf", das heißt, wieviel höher steht das vernünftige Wesen als das unvernünftige. Wenn ihr für euren Magen 4-5 Stunden pro Tag kocht, um ihn zu bewirten, weil er ja stets blöckt, und ihr denkt: "Ich will ihn nicht leiden lassen, ich muss ihm doch etwas zu essen geben". Und warum, wenn es sich gerade um das vernünftige Wesen, um den Menschen, handelt, um die Erhebung seiner Gedanken, seines Herzens, sagt ihr: "Samstags geht es nicht, der richtige Augenblick wird noch kommen, es ist genug Zeit da, es kann warten"? Christus stellt zwei Bedingungen, indem Er sagt: "Genauso wie ihr euch um euer Schaf kümmert, demselben Gesetz folgend, müsste ich mich auch um das Vernünftige kümmern. Und wie ihr euerem Schaf aus der Grube heraushelft, so bin ich auch auf die Erde gekommen, um diese vernünftigen Wesen zu befreien - ihnen aus der Grube herauszuhelfen". Jener Mensch hatte eine verdorrte Hand. Wißt ihr, was es bedeutet, wenn die Hand gelähmt ist? - Sein Wille war gelähmt und Christus sagte: "Ich werde seinen Willen wieder herstellen, damit er frei wirken kann, damit er seine Gedanken, sein Gefühl anwenden kann, weil er auf die Erde geschickt wurde, um zu arbeiten. Ob das am Montag, Dienstag, Mittwoch oder Samstag sein wird, spielt keine Rolle - wann es auch immer sei, Ich werde Meine Mission erfüllen". Und eine solche Arbeit, die das Göttliche Gesetz nicht verletzt, kann ein jeder verrichten, weil die Erholung nur für den Körper und nicht für den Geist bestimmt ist. Auf der Erde ruhen sich nur die Faulen aus, und sie ruhen sich jeden Tag aus. Die Fleißigen aber sagen: "Wenn Christus zu uns zurückkehrt, dann ruhen wir uns aus". So muss der wahre Christ die Arbeit begreifen. Es gibt ein Grundprinzip, das wir zu berücksichtigen haben; es gibt bestimmte Gesetze, die wir begreifen müssen. Und nicht nur sie begreifen, sondern sie in unserem Leben anwenden. Ohne diese Anwendung ist jede Lehre, jede Religion, welche sie auch sei, fruchtlos. Es reicht nicht aus, dass eine Pflanze hervorsprießt, aufwächst, sich entfaltet, aufblüht, Früchte ansetzt - diese Frucht muss auch reif werden. Nur wenn die Frucht reif geworden ist, ist auch das Ziel dieser Pflanze erreicht. Folglich, laut dieses Gesetzes, kann ein Mensch zur Welt gebracht werden, aufwachsen, sich entwickeln und eine Frucht ansetzen, aber, wird die Frucht in seinem Inneren nicht reif, bleibt sein Leben fruchtlos. Christus machte die Hand des Menschen frei - Er stellte seinen Willen wieder her. Wenn ihr das besagte Kapitel weiter lest, werdet ihr erfahren, dass man zu Jesus einen Besessenen, einen Blinden und einen Stummen brachte, und dass Er auch sie heilte. Diese Dinge hängen miteinander zusammen. Wer sind sie: der Besessene, der Blinde und der Stumme? Ihr könnt sagen, dass es diese Dinge nur zu Jesus Zeiten gegeben hat. Es gibt sie aber auch zu unserer Zeit. Ich möchte an dieser Stelle meine Ausführungen mit einem Beispiel unterbrechen, das den in diese Worte von Christus hineingelegten Sinn erklären soll. Es gibt eine Erzählung über den König Salomon, in der es heißt, dass er einen erfahrenen Geisterprinzen kommen ließ, damit dieser ihm beim Tempelbau hilft. Dieser Prinz aber, nachdem er ihm zeigte, wie man den Tempel bauen sollte, wollte auch seinen Thron ergattern. Als Salomon davon erfuhr, hielt er diesen Geist fest und steckte ihn dann in einen Krug, den er mit dem eigenen Siegel versiegelte und ins Meer warf. Nachdem der Prinz ungefähr zehn Jahre im Meer verbrachte, versprach er demjenigen, der den Krug aufmachen und ihn befreien würde, die schönste Frau der Welt zu geben. Keiner machte den Krug auf. Es vergingen hundert Jahre, er machte eine neue Versprechung: demjenigen, der den Krug aufmachen würde, um ihm herauszuhelfen, werde er nicht nur die schönste Frau, sondern auch die besten Kinder geben. Es erschien wieder keiner. Weitere 100, 200, 300 Jahre vergehen - wieder ein Versprechen: demjenigen, der den Krug aufmachen würde, werde er nicht nur die schönste Frau und die besten Kinder geben, sondern ihn selbst zum größten Gelehrten machen. Auch für dieses Glück fand sich da keiner. Er verspricht dann wieder etwas Anderes: demjenigen, der ihn erlöse, werde er nicht nur alle, vorherversprochenen Sachen geben, sondern ihn noch dazu zum König der Erde machen. Wieder erscheint keiner. Nach 500 Jahren sagte er: "Wer mich von nun an erlöst, den werde ich töten". Es vergeht einige Zeit, ein Fischer kommt fischen. Er wirft sein Netz, fängt den Krug auf und zieht ihn heraus. Er dachte, dass es im Krug einen großen Schatz gebe und begann, ihn zu entsiegeln. Als der Krug aufgemacht wurde, kam ein schwarzer Rauch daraus hoch und auf einmal erschien die Gestalt des Prinzen, der sagte: "Ich habe versprochen, denjenigen zu töten, der mich aus dem Krug befreit. Früher habe ich das und das versprochen, es erschien aber keiner; es ist dein Pech, niemand ist an deinem Los schuld". Der Fischer dachte: "Warum habe ich bloß diesen Krug entsiegelt!" Nach einer Weile sagte er aber zu dem Prinzen: "Ich kann es nicht glauben, dass du aus dem Krug herausgekommen bist. Du sollst mir zuerst beweisen, dass du aus dem Krug herausgekommen bist und dann kannst du mich töten". - "Ich war im Krug". - "Du warst nicht im Krug". - "Ich war im Krug". - "Warst du nicht". - "Ich war". - "Beweise es". Der Geist ging langsam wieder in den Krug hinein und als er ganz drin war, stopfte der Fischer den Krug sofort zu und sagte: "Wenn du mir die zuerst versprochenen Dinge gibst, lasse ich dich heraus". So ist das Leben. Ihr kommt zu dieser Welt, die einem Meer gleich ist, ihr werft euer Netz, fangt einen Fisch auf und ihr habt gewonnen. Wenn die günstigen Bedingungen, einen guten Fischfang zu haben, vorhanden sind, seid ihr nicht da; wenn die Verhältnisse Leiden und Unglück mit sich bringen, werft ihr euer Netz und zieht den Krug mit dem bösen Geist heraus. Euch wird bestimmt ein Gegensatz bei diesem Märchen auffallen. Obwohl es nur ein Märchen ist, so zeigt es, dass jedes Leben mit günstigen und ungünstigen Bedingungen konfrontiert wird. Wir müssen die Gesetze verstehen, damit wir die günstigen Bedingungen ausnutzen können. Wenn wir wie dieser eine Fischer in ungünstige Verhältnisse geraten, werden wir den Tod ernten. Kommen wir wieder zu den Worten Christi zurück, die Er gesagt hat, als man zu Ihm einen Besessenen, einen Blinden und einen Stummen gebracht hat. Der Besessene, der Blinde und der Stumme - all diese drei befinden sich in euch selbst. Hier gleicht ihr alle den Engeln, so schön und fromm seid ihr. Aber es kommt irgendein Besessener in euch und von da an gibt es nichts Anderes als Weinen und Zähneknirschen. Der Mann, die Kinder - sie alle laufen weg - "die Mutter ist besessen geworden". Ihr, die vernünftig seid, sollt die Hand ausstrecken, um den Besessenen zu heilen, indem ihr sagt: "Friede sei mit euch!"; so wie nur durch ein Wort Christi der Besessene aus dem Menschen vertrieben wurde, könnt ihr auch diese Worte aussprechen und den Kranken heilen. Wenn ihr eure Pferde in den Ställen zu füttern beginnt, da treten sie um sich herum los, ohne darauf zu achten, dass kleine Kinder in der Nähe sind; was sollt ihr tun? Ihr sagt wie der Bulgare "Pscht!" und zieht es am Zügel. Der Zügel - das ist das Gesetz. Jedes unvernünftige Wesen soll mit einem Zügel versehen sein. Dem vernünftigen Wesen aber ist die Rede gegeben worden, damit es sprechen kann. Also ihr sollt diesen Besessenen in euch auskurieren. Das Schaf da ist widerspenstig geworden, es ist besessen; ihr sollt es heilen. Es ist blind. Die Menschen sagen: "Wir aber sind nicht blind". Ich glaube, dass ihr es vielleicht nicht seid, es gibt aber viele, die es sind. Man hat eine Frau danach gefragt, die nicht lesen konnte, und sie hat geantwortet: "Ja, mein Sohn, ich bin blind, blind bin ich!" Könnt ihr nicht dieser Frau die Augen öffnen? Öffnet sie. Die Lehrer sind Menschen, die den Blinden die Augen öffnen; sie sind Wundertäter. Ihr schickt euren Sohn zu ihnen, in 10-15 Jahren schickt man ihn euch mit geöffneten Augen zurück. Und dem Tauben, dem sollt ihr auch die Ohren öffnen, so dass er hören und begreifen kann. Einem Menschen fällt das nicht schwer, weil er einen Verstand hat. Deshalb sagt Christus: "Wie viel mehr ist nun ein Mensch als ein Schaf!" Worin besteht das Leben eines Schafes? Es muss Gras weiden, um seinen Rücken mit ein bisschen Wolle zu bedecken und Milch zu geben. Dabei blöckt es manchmal euch zu. Ihr werdet sagen, was das Vernünftige an diesem Blöcken ist. Einige Zeitgenossen sind genauso wie die Schafe. Andauernd blöcken sie: ein Bruder beklagt sich über seinen Bruder, Diener beklagen sich über ihre Herren und Herren beklagen sich über ihre Diener; 365 Tage im Jahr singen sie alle ein und dasselbe Lied. Ist denn nicht ein solches Leben ein ständiges Blöcken? Christus sagt: "Wieviel höher steht der Mensch als ein Schaf", weil der Mensch denken kann. Seine Hand muss losgebunden sein; der Besessene in ihm muss geheilt werden; seine Blindheit muss weg und sein Gehör wiederhergestellt werden. Das will Christus mit diesen Worten sagen. Er spricht zu den Pharisäern: "Ihr versteht das Göttliche Grundgesetz nicht, und ich weiß, warum ihr Menschen mit gebundenen Händen bevorzieht: eure Interessen verlangen es, dass ihr gebrechliche Menschen haben wollt. Ihr sagt über den Blinden: "Es ist besser, dass er blind ist, so kann er unsere Verbrechen nicht sehen"; über den Tauben sagt ihr: "Es ist in unserem Interesse, dass er unwissend bleibt". Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die die Aufklärung ablehnen, ist mit rein praktischen Gründen verbunden. Christus aber behauptet genau das Gegenteil: Er sagt, dass den Lahmen die Hände losgebunden werden sollen; die Besessenen, die Blinden und die Taubstummen sollen geheilt werden. Er will kluge Menschen haben, die den Willen Gottes verstehen und erfüllen können. Das bulgarische Wort 'Mann' (bulg. 'mash') verbirgt einen tiefen Sinn, es entstammt dem sanskritischen Wort 'manas', das 'Wesen, welches denkt' bedeutet; deshalb sagen auch die Leute: "Sei ein Mann", das heißt ein Wesen, das denkt, das überlegt, das den Willen hat, das zu tun, was gut ist. Das bedeutet, ein Mensch zu sein. Und seid fest davon überzeugt, dass es ein Gesetz gibt, das besagt: man kann nicht einen starken Willen haben, wenn man nicht Gutes tut. Manche behaupten: "Ich habe einen starken Willen". Wenn ich ein Rad von Vitoscha-Gebirge hinunterrolle, wird es hinunterrollen, aber es kann nicht nach oben zum Gipfel hinaufrollen. Von der Bergspitze an strömt ein Fluß mit Schwung herunter, er kann aber nicht bergauf zurückströmen. So ähnlich rollen und laufen die meisten Menschen herunter. Nur derjenige aber, der auf den Berg steigen kann, hat einen Willen; er kann bestimmte Hindernisse und Widerstände wegräumen und besiegen. Auch Christus wendet sich an die Juden und sagt: "Ihr sollt keine Schafe sein, ihr sollt nicht wie die Wesen sein, die nur herunterrollen, wie die Flüsse und die Steine, sondern ihr sollt Menschen sein, die hinauf zu Gott steigen, und folglich Seinen Willen erfüllen". Das wollte Er ihnen sagen. Sie verstanden Ihn. Auch im gegenwärtigen Leben kommen die Leute stets herunter, rollen bergab und fragen sich noch dazu, warum sie unglücklich sind. Ein jeder, der nach unten rollt, ist unglücklich. Glücklich ist man, wenn man anfängt, hinaufzusteigen. Solange man nicht begonnen hat, zu denken und zu überlegen, ist man unglücklich; beginnt man zu denken und zu überlegen, wird man glücklich und die früher unmöglichen Dinge des Lebens beginnen möglich zu werden. Der in diesen Worten von Christus hineingelegte Gedanke hat für uns eine große Bedeutung. Wenn Gott im ersten Kapitel der Genesis sagt, Er habe den Menschen nach Seinem Bild und Gleichnis gemacht, wollte Er zum Ausdruck bringen, dass der Mensch so denken und handeln sollte, wie Gott denkt und schöpft, so dass er einen Willen hat. Nach Gleichnis bedeutet, die Dinge zu vergleichen, das heißt zwischen Gutem und Bösem zu unterscheiden, Harmonie zu schaffen. Zu denken und zu handeln - das ist ein Göttliches Prinzip, das Gott in uns hineingelegt hat. Und jeder, der nicht denkt und nicht handelt, wie es ihm Gott gebietet, ist nicht das Ebenbild Gottes, er ist ein Schaf. Damit wollen wir nicht sagen, dass das Schaf schlecht ist, wir meinen nur, dass die Bestimmung des Schafes zu weiden und Milch und Wolle zu geben ist, während die Bestimmung des Menschen eine ganz andere ist; er ist geschaffen worden, um alle Wesen zu regieren, um die Atmosphäre und alle anderen Elemente zu regulieren, die Erde zu verwalten. Er soll ein guter Herr werden und er kann ein solcher nur dann werden, wenn er das versteht, was Gott in ihn hineingelegt hat. Nun man fragt oft: "Bist du ein Christ?" - "Was verstehst du unter dieser Bezeichnung?" - "Glaubst du an Christus?" - "Ich glaube an Ihn so wie ich daran glaube, dass der russische Zar einmal nach Bulgarien gekommen ist." - "Na und? Glaubt ihr, dass euer Schüler heute zur Schule gegangen ist?" - "Ich glaube es". Dieser Glaube aber soll ein bißchen weiter gehen; ich werde den Schüler folgendes fragen: "Hast du heute dem Lehrer aufmerksam zugehört?" - "Hab ich nicht". Ich werde zu ihm dann sagen: "Ich habe seinen Vortrag gehört und ich weiß über mehrere Dinge besser Bescheid als du". Dann werdet ihr sagen: "Du hast jenen Gedanken begriffen". Die Leute sagen: "Wir glauben, dass Christus gekommen ist, um die Welt zu erlösen". Gut, ihr predigt es immer wieder zweitausend Jahre lang; wie wird Er sie aber erlösen? - "Er hat Sein Blut vergossen, um die Menschen freizukaufen". Na gut, wenn ein bulgarischer Landwirt ein Paar Ochsen auf dem Markt kauft, was macht er mit ihnen? Er legt ihnen einen Halfter und ein Joch an, nimmt den Pflug und den Ochsenstachel und geht auf den Acker. Du glaubst an Christus, aber wenn du in der Situation eines Schafes bist und nicht tüchtig an die Arbeit gehst, dienst du etwa Christus? Du glaubst also, dass Er gekommen ist; sehr gut - hörst du aber auf Ihn? Nein. Ich rate dir, hinzugehen und Christus zuzuhören, wenn Er in Seiner Schule spricht, Seine Lehre zu begreifen und sie in deinem Leben anzuwenden. Von den Menschen verlange ich ja gar nicht, all das wegzuwerfen, was sie haben. Was ihr jetzt habt, ist, dass ihr immer noch die Grundschule besucht. 30-40 Jahre lang lernt ihr immer aus der Fibel und diese Fibel ist schon ganz zerfetzt. Nieder mit euren Fibeln, nehmt jetzt die Lesebücher. Ich kann es schon verstehen, wenn ein Mensch ein, zwei oder drei Jahre lang aus derselben Fibel lernt, aber 100 Jahre immer noch aus der Fibel zu buchstabieren, das verstehe ich nicht. "Die Lesebücher sollt ihr jetzt in die Hand nehmen!", sagt Christus. Und jenen, die die Lesebücher schon durch haben, sagt Er: "Nieder mit den Lesebüchern! Nehmt euch der Grammatik, der Mathematik, der Physik, der Chemie, des Religionsunterrichts an und geht voran. "Genug mit dem Blöken jetzt". - "Glaubst du, dass Christus gekommen ist!" Etwas mehr wird von euch verlangt. Hört zu, was Christus sagt, und lernt das, was Er mitgebracht hat. Nur dann werdet ihr den tiefen Sinn dieses Lebens erkennen. Und wenn ihr die Fähigkeit habt, zu denken, zu handeln und zu schaffen, habt ihr einen in euch verborgenen Vorteil, ihr habt Reichtümer, eine Fundgrube, die ihr fördern sollt - das sind euer Verstand, euer Willen. Ich frage euch jetzt: habt ihr an eurem Verstand und an eurem Willen gearbeitet oder bis jetzt nur über eurer Fibel herumgeblökt? Wenn Christus, Der kommt, in euren Häusern eine Kontrolle durchführt, wird Er absolut sicher feststellen können, ob ihr euch damit befaßt habt oder nicht. Ich meine nicht jene normalen Häuser, die ihr aufgebaut habt, sondern diese, in denen ihr jetzt wohnt und mit denen ihr hierher gekommen seid. Christus wird sehen, ob es in diesen kleinen Zellen, in diesen Räumen etwa einen vernünftigen menschlichen Gedanken und eine Handlung gibt oder es nur voll Schafskot ist. Das Letztere ist als Dünger auch nicht schlecht, aber es ist eine Sünde, wenn ein Mensch, den sein Vater zur Schule geschickt hat, dem er alle Bedingungen gegeben hat, ein vernünftiges Wesen zu werden, draußen bleibt und blökt. Und wenn die Engel herunterkommen und danach wieder in Den Himmel steigen, um einen Bericht über die Menschen zu erstatten, was sollen sie denn da oben sagen? - "Unten blöken sie alle immer noch". Dieses Blöken wird irgendwann zu Sprechen. Und nun, wenn Christus jetzt dieses Schaf vernünftig werden lässt, weil es die entsprechenden Bedingungen dazu gibt, stellt Er diese beiden Prinzipien nebeneinander und sagt, dass man die Wolle des Schafes fertigspinnen und daraus einen Stoff machen kann. Ein Schaf scheren kann ein jeder, aber seine Wolle muss man richtig bearbeiten können. Auch das Schafsfell aber, wenn man es nicht rechtzeitig schert, wird abfallen wie die Blätter der Bäume. Die Wolle muss man einsammeln, verarbeiten und daraus einen Stoff weben - unsere Gedanken und Wünsche sollen sich in Handlungen verwandeln und dann können die nackten Menschen angekleidet werden. Wann ist der Mensch eigentlich im Paradies nackt geworden? - Als er verdummte, als er ein Schaf wurde und zu blöken begann, als seine Hand lahm wurde, seine Frau der Versuchung nachgab und das keusche Leben verließ wegen des äußeren Glanzes, und er selbst diesem Beispiel folgte, so dass sie beide sich einem ausschweifenden Leben hingaben. Dann verdummten sie und verloren ihre Sehkraft, ihr rechtes Urteilsvermögen. Christus sagt jetzt: "Ich bin auf die Erde gekommen gerade dieses Menschen wegen, der nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen wurde, um seine Hände loszubinden, so dass er das Gesetz Gottes erfüllen kann. Ihr, die bis jetzt die Schweine auf dieser Welt geweidet habt, während man euch auch die Eicheln verboten hat, was erwartet ihr noch? - Etwa das Lied der Sänger: "Gott, gib Frieden der Seele deines Dieners?" Soll Gott eurer Seele unter den Eicheln dieser Welt etwa Frieden geben? Nein, nehmt euren Stock, euren Beutel mit und los zum väterlichen Haus, zur väterlichen Schule, die Der Herr für euch vorbereitet hat. Christus rät euch, die Fibel und das Lesebuch beiseite zu legen und die Grammatik in die Hand zu nehmen; das ist eine Wissenschaft, die Nutzen bringt; sie lehrt uns, wie wir richtig sprechen und lesen sollen. Von allen wird ein richtiges Denken, ein richtiges Urteilsvermögen, ein richtiges Fühlen und ein richtiges Handeln erfordert. dass unser Leben schön ist sowohl in seiner Form, als auch in seinem Inhalt und - wie es bereits vor zweitausend Jahren gesagt wurde: "Seid vollkommen wie Euer Himmlischer Vater vollkommen ist" - das ist der Spruch des neuen Lebens, nach dem wir streben sollen. Das ist ein Göttliches Gesetz, aber von uns wird erwartet, dass wir uns etwas mehr Mühe geben. Und ich rühme die weltlichen Menschen in einer Hinsicht: Schaut nun mal zu, wie eine Dame sich fertig macht, bevor sie zu einem bunten Abend oder Ball oder ins Theater geht - wieviel Mühe sie sich nur dabei im Zimmer gibt, in dem sie sich umzieht. Eine ganze Stunde lang dreht sie sich nach allen Seiten, studiert ihr Gesicht, ihre Nase, ihre Hände durch, bis sie sich davon überzeugt hat, dass alles in Ordnung ist. Ich finde das lobenswert. Aber ihr Christen, wieviele Male habt ihr vor eurem Spiegel gesessen, um euch euren Charakter anzusehen und ihn zu bessern? Ihr sagt: "Ich kann auch ohne einen Spiegel auskommen". Ihr braucht einen Spiegel. Nehmt euch ein Beispiel an dieser Weltdame. Ich bin für den Spiegel, aber für den Spiegel des Herzens und des Verstandes: wenn ihr euch in diesem Spiegel anseht, soll alles in Ordnung sein. Nur dann sollt ihr vor Gott erscheinen. Ihr dürft nicht denken, dass Gott euch so, wie ihr jetzt seid, aufnimmt, nein. Die Menschen von Welt verstehen dieses viel besser. Deswegen sagt auch Christus: "Die Söhne dieses Jahrhunderts sind klüger". Und nicht nur, dass wir sie nicht verurteilen dürfen, sondern wir sollen an ihrem guten Beispiel auch lernen. Ich empfehle die weltlichen Menschen in jeder Hinsicht, weil sie ein ausgezeichnetes Beispiel für Auffassung, Tatkraft sowie Vorbereitung geben. Wenn wir an ihnen ein Beispiel nehmen würden, um es in die geistige Welt anzuwenden, würden wir viel höher stehen als jetzt. Ihr sagt dazu: "Ihre Angelegenheiten sind dumm, wir brauchen dieses und jenes nicht". Na, was braucht ihr - etwa Den Himmel? Aber Der Himmel will keine dummen Menschen haben. Wenn ihr nicht schafft, ein Haus aus Stein aufzubauen, wie werdet ihr dann einen Charakter aufbauen können, der sehr viel Mühe abverlangt. Du hast keine tausend Lewa, um ein Haus aufzubauen, und du willst einen großartigen Charakter aufbauen! Und wenn Gott sagt, ihr sollt nicht so sehr die weltlichen Dinge beachten, so meint Er folgendes: " Wenn ihr ein, zwei oder drei Häuser aufgebaut habt, sagt Er: "Es ist schon genug, du bist ein Fachmann, nun will ich von dir, dass du dein Herzenshaus aufbaust. Und wenn du gelernt hast, wie du dein Herzenshaus aufbauen kannst, baue dann dein Verstandeshaus auf". Das gleiche Gesetz wirkt analog von unten nach oben. Deshalb sagt Christus: "Wieviel höher steht ein Mensch, der denkt, der seinen Charakter entwickeln kann, als ein Schaf, das stets weidet und blökt!" Die moderne Welt verlangt: "Brot, Brot!" - dieser Ruf ist von überall her zu hören. Schafe brauchen wir auch allerdings, weil sie uns Wolle geben: aber wenn die ganze Erde voll mit Schafen besiedelt wäre, würde es keine Harmonie mehr geben. Was ich darunter verstehe, ist, dass das vernünftige Element in uns die Überhand über das unvernünftige gewinnen muss, dass das Tierische durch das Menschliche zu ersetzen ist. Überall ist beim Streit zu hören: "Er ist ein Tier". Es ist nicht schlimm, wenn man ein Tier ist; aber es gibt etwas, was höher steht als das Tier. Für das Schaf ist es normal, ein Tier zu sein, nicht aber für den Menschen. Auch in der Heiligen Schrift steht: "lebendige Seele" und "lebensschaffender Geist", Der die Menschheit und deren berufene Schüler, damit sie Christus unterstützen, lehren, veredeln und retten will: Er will, dass Ihm kluge Menschen helfen - Menschen, die es gut verstehen, nach allen Regeln der Göttlichen Wissenschaft zu bauen, Menschen, in deren Verstand das Wohl des "Gottesreiches" im Vordergrund steht. Jetzt werden solche Leute gebraucht, die sich weder verführen, noch irreführen lassen von dem äußeren Schein der Dinge. Ich nehme an, dass einige Priester ihrem Dienst nicht so nachgehen, wie es sich gehört, aber ich verurteile sie nicht - es ist ihre Vorstellung davon; ich für mein Teil muss dem nachgehen, was ich zu tun habe. Wenn man sich nicht von der Stelle rührt und die anderen stets verurteilt, die eigenen Verpflichtungen aber vernachlässigt, was nützt das alles? Nichts, gar nichts. Es wird an jenen Fall erinnern, bei dem ein Lehrer seine Schüler bestrafen wollte, weil er ihnen die Lektion vorher nicht erteilt hatte. Wollen wir das Stadium des vernünftigen Daseins betreten, das als Ziel die Verbesserung aller Völker, der ganzen Menschheit hat. Wir müssen dabei die menschliche Seele, das Zuhause, die Gesellschaft, das Volk, die Menschheit berücksichtigen - all diese Kategorien sind von Christus beachtet worden; dies alles bildet ein Ganzes. Das Zuhause ist ein größeres Individuum; die Gesellschaft ist größer als das Zuhause; das Volk ist noch größer als die Gesellschaft, und die Menschheit ist größer als das Volk. Deswegen gehen wir von den kleinen Dingen aus und streben nach den größeren, das heißt - von der tierischen zu der vernünftigen Erscheinung. Christus, Der den Gedanken "Wieviel höher ist ein Mensch als das Schaf" euch präsentiert, meint, dass der Mensch viel mehr fähiger ist, zu bauen und sein Leben aufzubauen. Das Erste, das ihr zu tun habt, nachdem ihr nach Hause zurückgeht, ist, den Besessenen zu heilen zu beginnen; das Zweite, das ihr zu tun habt, ist, eurem Blinden die Augen zu öffnen; das Dritte - eurem Tauben die Ohren aufzumachen; das Vierte - demjenigen die Hand loszubinden, dem sie gebunden ist - euren Verstand zu betätigen. Das ist eine ernsthafte Aufgabe. Ihr habt die Regeln, jetzt müsst ihr die Lösung schaffen. Selbsverständlich können ein Tag, zwei oder drei Tage vergehen, aber wenn ihr darauf beharrt, werdet ihr sie lösen. Und während ihr an der Lösung arbeitet, werden die Ergebnisse zeigen, wie ihr zu arbeiten habt. Wenn der Lehrer immer wieder die Aufgabe für den Schüler lösen würde, würde dieser nie rechnen lernen. Der Lehrer stellt eine, dann zwei, drei, vier, fünf Aufgaben und sagt: "Das nächste Mal werdet ihr mir diese Aufgaben gelöst mitbringen". Und die ganze Welt um uns herum besteht nur aus Aufgaben, die uns Gott zu lösen aufgegeben hat. In dem Kapitel, das ich vorgelesen habe, sind viele Aufgaben von Christus gestellt worden. Ich habe hier nur auf eine von ihnen eingehend hingewiesen, die anderen Aufgaben sind viel schwieriger - sie gehen nach dem komplizierten Dreisatzverfahren auf. Jetzt gebe ich euch nur die Aufgabe mit den vier Grundrechnungsarten: Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren auf. Wenn ihr beim Dreisatz seid, werdet ihr es nicht leicht haben, da es eine schwierige Sache ist, aber mit Hilfe der vier Grundrechnungsarten könnt ihr die Aufgabe sehr gut lösen. Manche von euch sagen: "Wir können nicht addieren". Ihr werdet es lernen. Zwei Äpfel und noch zwei dazu machen vier Äpfel. So wißt ihr nicht, mit wem ihr zusammenkommen sollt - der Mann weiß nicht, mit was für einer Frau er zusammenkommen sollte. Danach kommt das Subtrahieren: der Mann heiratet zunächst eine Frau, dann gefällt sie ihm nicht, er will sie verlassen - er weiß nicht, wie er subtrahieren soll. Es sei jetzt nicht die passende Zeit zu subtrahieren. Es werden ihm eine Menge Kinder geboren, er will sie wegjagen, weil sie nicht klug genug seien. Er soll sie lehren. Was für ein großes Gesetz steckt in diesen vier Regeln: zu wissen, wie man addiert, subtrahiert usw.! Es ist eine tiefgreifende Wissenschaft, mit der die Menschen seit Tausenden von Jahren konfrontiert sind. Wir kennen uns nur in der mechanischen Seite des Rechnens aus. Wenn wir anfangen, uns mit den Heiligen, mit den Engeln zu versammeln, wenn wir mit Gott eins werden, dann werden wir das wahre Addieren lernen. Ein Groschen und noch ein Groschen machen zusammen zwei Groschen; was ist aber, wenn es beim Addieren sowohl ein Plus wie auch ein Minus gibt? Einer sagt: "Ich kann addieren". Aber wie - mit plus oder mit minus? "Ich habe plus zweitausend Lewa", sagt dieser. Oh, du bist dann ein reicher Mann, du kannst über Geld verfügen und dazu noch anderen Menschen was Gutes tun. Das ist das Christi Grundgesetz. Dieses Schaf werdet ihr hinzutun und dann es abziehen; es wird euer Schlüssel zu den Einzelelementen sein. Wenn ihr einen Schäfer besucht, wird er euch das Grundgesetz des Addierens und des Subtrahierens beibringen: wenn er Milch verkäst, wird er einen Teil davon addieren, einen anderen dagegen abziehen. Weiß er, wie man das Überflüssige abzieht, wird er gewinnen, weiß er es nicht, wird er verlieren. Auch ihr, wenn ihr wißt, eure Milch zu verkäsen - die eine Milch zu addieren und die andere abzuziehen - auch ihr werdet sagen, wenn die Zeit zum Bilanzziehen gekommen ist: "Jetzt haben wir einen Gewinn". Habt ihr einen Verlust, so zeugt dieses davon, dass ihr jenes vernünftige Prinzip Christi nicht angewendet habt, dass ihr selbst Schafe seid, die nur geweidet und geblöckt haben während der ganzen Zeit. Das Schaf, sobald es einen Wolf gesehen hat, stampft mit dem Fuß und will ihm sagen: "Du sollst hier verschwinden, weißt du nicht, dass ich weide?" Er aber greift zu und frißt es auf. So klug ist es! Auch ihr, wenn ihr den Teufel erblickt, stampft nicht ihm mit dem Fuß entgegen - er erschrickt nicht. Er erschrickt nur vor Menschen, die einen Verstand und einen Willen haben und deren Hände losgebunden sind. Deswegen ist Christus gekommen, um die Hand des Menschen loszubinden und ihm Kraft zu geben, damit dieser gegen den Wolf - gegen den Teufel, mitkämpfen kann. Die Wölfe sind auch in ihrem Recht, durch die Welt zu ziehen, von ihren Zähnen Gebrauch zu machen; wir haben aber gleichfalls das Recht, gegen sie unseren Verstand und unseren Willen einzusetzen. Sie haben das Recht, zu fressen, wir aber haben das Recht, ihnen die Zähne zu ziehen; sie haben das Recht, von ihren Krallen Gebrauch zu machen, wir aber haben auch das Recht, diese auszuschneiden. Zieht die Zähne dieses Teufels und reißt ihm seine Krallen aus. Und habt ihr aus dem Teufel ein Schaf gemacht, das euch mit Wolle und Milch versorgt, fürchtet euch nicht, in einem nächsten Schritt könnt ihr aus ihm einen Ochsen machen, ihm einen Halfter einlegen und ihn ackern lassen. Und so sagte auch Christus in einem anderen Fall, dass der böse Geist, der den Menschen verlasse, sehr unruhig sei, und käme er wieder zurück, sei er um siebenmal schlechter als zuvor. All die dummen Leute werden auch siebenmal schlechter. Deshalb sagt auch Christus: "Ich bin gekommen, um den vernünftigen Menschen zu erlösen", also nicht der Tiere, sondern des Menschen wegen. Gerade diese tiefgreifende Erlösung der christlichen Lehre müssen wir in unserem Leben anwenden, durch unseren Verstand und durch unser Herz ein Vorbild sein; unser Zuhause muss ein idealer Garten sein - das alles ist die Aufgabe unseres Lebens. Deshalb, fangt an zu arbeiten und ein jeder soll in seinem Inneren arbeiten. Wenn der Bulgare von einem Freund besucht wird, nimmt er ihn bei der Hand und zeigt ihm, was er alles in seinem Haushalt hat, wie er alles eingerichtet hat und sein Freund lobt ihn und freut sich. Eines Tages kommt Gott vom Himmel herunter - wo werdet ihr Ihn umherführen? Eure Scheune, euer Speicher sind verfallen, die Kirche und die Schule genauso. Wenn Er jedes Ding hier in bester Ordnung findet, wird Er sagen: "Hier ist ein Mensch, der vernünftig gearbeitet hat". Das ist der Sinn, den Christus euch Menschen heute früh offenbart - "Wie viel mehr ist ein Mensch als ein Schaf". Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 28. September 1914 in Sofia
  19. Die Notwendigkeit, Gott zu erkennen "Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, der Du allein wahrer Gott bist, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen." (Joh 17,3) Das Leben ist das Natürlichste und das Stärkste, wonach die menschliche Seele strebt; es ist der Reichtum, den sie zu verdienen wünscht. Dieses Streben besteht nicht seit jetzt, sondern seit Tausenden und Millionen von Jahren, und es ist nicht nur dem Menschen eigen, sondern auch den anderen Säugetieren, den Vögeln, den Fischen und sogar den Pflanzen. Nur in den Methoden, das Leben zu erlangen, gibt es einen Unterschied bei diesen verschiedenartigen Geschöpfen. Wollen wir uns auf das menschliche Streben nach Leben konzentrieren - es betrifft uns, es ist wichtig für unsere Entwicklung. Ihr geht zum Beispiel auf eine Musikschule nicht nur, um zuzuhören, sondern auch um zu lernen. Man gibt euch eine Geige, man gibt euch einen Bogen, man zieht eurerer Geige Saiten auf und man bringt euch bei, wie ihr sie stimmen sollt; man teilt euch einen Lehrer zu, damit er euch die Grundregeln der Musik beibringt und ihr fangt an, euren Verstand zu trainieren, eure Hände, eure Finger. Und auf diese Art und Weise, im Laufe der Zeit, eignet ihr euch die Kunst des ausgezeichneten Violinspielers an. Demselben Gesetz nach will Gott uns die Methode, die Art und Weise, das Leben zu erlangen, beibringen. Der Mensch besaß einst ein ewiges Leben, aber er hat es verloren. Er hat es aus einem einfachen Grunde verloren und jetzt bemüht er sich, seinen Fehler zu korrigieren. Dieser Fehler von ihm hat den Tod verursacht. Erst nachdem der Mensch nach und nach die ständige Zerstörung seiner Seele, seines Verstandes, seines Herzens, seines Organismus, all dessen, das er baut, zu spüren begonnen hat, erst dann hat er begriffen, was er verloren hat. Im ersten Kapitel der Genesis heißt es, dass Gott den Menschen in das Paradies hineinversetzte und ihm sagte, alles dort zu bebauen und zu nutzen, allerdings verbot Er dem Menschen eins - einen bestimmten Baum zu berühren, den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Der Mensch aber wollte einen kleinen Versuch des Ungehorsams machen und als erste machte diesen Versuch die Frau. Es heißt in diesem Kapitel, dass sich die Schlange um den Baum der Erkenntnis wand und ins Gespräch mit Eva kam, indem sie ihr die Frage stellte: "Wieso dürft ihr, die als Herren des Paradieses alle Paradiesbäume nutzt, diesen Baum nicht nutzen, der in sich ein großes Geheimnis verbirgt?" Die Frau fragte ihrerseits: "Welches Geheimnis?" - "Wenn ihr Früchte von diesem Baum esst, werdet ihr die Erkenntnis Gottes haben, ihr werdet wissen, warum ihr lebt, ihr werdet zwischen Gutem und Bösem unterscheiden, auf der Erde werdet ihr sehr stark sein, so wie Gott stark ist". Und in der Frau entsteht sodann Eitelkeit, und sie sagt zu sich: "Wie Gott werden - das ist mein sehnlichster Wunsch." Und sie pflückte von den verbotenen Früchten, schmeckte sie und ging zu ihrem Mann, den sie überredete und auch er aß davon. Und in Folge dessen, sagt die Schrift, wurden sie beide nackt - sie sahen sich nackt. Wann werden die Menschen nackt? Irgendein reicher Vater stirbt und hinterlässt seinem Sohn Geld, Güter und Wälder. Der Sohn lernt andere junge Leute kennen, befreundet sich mit ihnen und sie ziehen zusammen durch die Gegend; er vergnügt sich, gibt alles aus und verarmt, so dass er nichts anzuziehen hat. Er ist aber nicht von ungefähr nackt, sondern wegen zuviel Essen, Trinken und Faulenzen. Das bringt uns auf den Gedanken, dass Adam und Eva lange Zeit von diesem Baum gegessen haben. Danach begannen sie, das Paradies zu verpfänden und Gott sagte dann zu ihnen: "Was verpfändet ihr da, ist es etwa euer Besitztum? Macht, dass ihr schnell rauskommt! Von jetzt an werdet ihr mit Mühe und im Schweiße eures Angesichts euer Brot verdienen, damit ihr dieses große Gesetz erkennt - das Leben zu schätzen, das ich euch gebe." Man kann leicht verarmen. Ein amerikanischer Millionär, dessen Vater ihm etwa zwanzig Millionen Dollar Erbe hinerlassen hatte, zeigte eine Schwäche für Blumen und fing an, die verschiedensten Sorten aus allen Weltteilen zu sammeln; er entsandte sogar eine Sonderexpedition, um einige besonders selten vorkommende Blumen erhalten zu können. Ein paar Jahrzehnte später hatte er schon alles ausgegeben, was er besaß und als er starb, musste man ihn auf Gemeindekosten bestatten. Ihr werdet vielleicht die Frage stellen: "Wie kann man sein Leben verlieren?" Ich sage euch wie. Angenommen, ihr habt einen Sohn, der gesund und munter ist; der hat im Ausland seine Ausbildung bekommen. Plötzlich entsteht in ihm die Idee, groß, berühmt zu werden, das Sankt–Georgs–Kreuz zu erlangen, und er sagt: "Ich gehe des Ruhms wegen kämpfen" und geht. Eine Kugel trifft ihn, der Ruhm kommt ihm zu, er verliert aber dabei sein Leben. Adam und Eva haben sich ein solches Kreuz gewünscht und Gott hat sie auf das Schlachtfeld geschickt. Sie verlassen das Paradies, sie gehen die Welt erobern, verlieren aber dabei ihr ewiges Leben. Und nun kommen wir auf den Gedanken Christi zurück. Geld auszugeben, unser Leben zu verlieren - das verstehen wir, aber das Leben zu verdienen - das verstehen wir nicht. Christus ist gerade deswegen gekommen, um uns zu erklären, wie wir das verlorene Leben zurückgewinnen können. Genau diesen Gedanken möchte ich jetzt für euch weiterführen. Christus sagt: "Ich bin das Leben." Worin unterscheidet sich das Leben von den anderen Kräften? Es ist eine Kraft, die baut, erhebt, verbindet, vereinigt und der menschlichen Seele Freude und Heiterkeit spendet. Im letzten Vers des Kapitels, das ich euch vorgelesen habe, sind drei Wörter wichtig: 'Leben', 'Erkenntnis' und 'Gott'. Das Leben ist das von uns angestrebte Ziel, die Erkenntnis ist die Methode zum Erreichen dieses Ziels und Gott stellt die Umgebung bzw. die Verhältnisse dar, von denen wir dieses Leben schöpfen können. Diese Frage enthält einen doppelten Sinn. Ich kann für euch seine rein philosophische Seite interpretieren, ich kann euch seine biologische Herkunft sowie seine physiologische oder psychische Äußerung usw. erklären. Das alles wird euch aber nichts nützen. Es wäre dasselbe wie wenn ich einem Hungrigen kein Brot, sondern eine Erklärung geben würde, nämlich, wie es zubereitet, aus was für einem Mehl es gemacht worden ist, welche Frau den Teig geknetet und nachher gebacken hat, aus welchen Elementen es besteht und wie die Chemiker diese Elemente im Labor entdeckt haben usw. Der Mann sagt: "Ich bin hungrig, gib mir zu essen. Dass es eine Frau geknetet hat, will ich gar nicht wissen. Dass es aus diesen oder aus anderen Elementen besteht, will ich ebenso nicht wissen. Das Einzige, das mich jetzt interessiert, ist, satt zu werden, erst danach kann ich dir zuhören und mir über diese Dinge erzählen lassen." Dasselbe würden wir auch jetzt dem Philosophen sagen: "Wir wollen nicht wissen, aus welchen Elementen das Leben besteht, wie und woraus es gemacht und wie es entstanden ist; wir wollen uns satt essen, von dem ewigen Leben essen. Erst danach können wir mit Ihnen Diskussionen darüber führen und zwar so lange, wie Sie wollen; jetzt wollen wir diesen Tod los werden." Und ich glaube, das wäre die richtige Lösung dieses Problems. Wie könnt ihr das ewige Leben erlangen? Ihr habt ja noch gar nicht gelebt! Ihr meint zwar, dass ihr lebt, dieses Leben aber gehört euch nicht; es ist ein verpfändetes Leben; morgen wird derjenige erscheinen, dem ihr schuldet, er wird den Wechsel eurer Schuld zeigen, euch ins Gefängnis schicken und euch das Leben nehmen. Ihr werdet aufgebahrt und der Priester wird kommen, um euer Urteil zu bestätigen, indem er euch ein Totengebet vorliest, so dass Gott euer in Seinem Reich gedenkt, das heißt, mit euch gnädig ist. Danach werden die Sänger das für diese Fälle übliche Lied vorsingen und ihr werdet beerdigt. Was bedeutet es, einen Menschen zu beerdigen? Das heißt, ihn unten in dem finsteren Gefängnis einzuschließen, damit er seine Schuld zahlt. Jeder, der, anstatt dass er seine Schulden bezahlt, nach dem Sankt-Georgs-Kreuz trachtet, wird in die Erde gelegt, damit er zuerst seine Schuld zahlt, damit er lernt, sein Leben zu verdienen. Alle Menschen weinen, wenn ein Verwandter stirbt; das Weinen aber hilft nicht: derjenige, dem wir schulden, wird kein Erbarmen mit uns haben, soviel auch wir weinen, sondern er wird sagen: "Bezahle deine Schuld." Auch der Tod, wenn er kommt, wird sagen: "Ich will eure Tränen nicht haben, sondern ich will, dass ihr eure Schuld zahlt - ihr schuldet mir." So müssen wir das Grundgesetz des Lebens kennen, um uns von dem Tod zu befreien. Dieses möchte ich an einem Beispiel erläutern. Während die Bulgaren von den Türken unterjocht waren, zu der Zeit der Janitscharen, eroberte ein gewisser Türke, ein Räuber und Ringkämpfer, eine ganze Gegend und versetzte ihre gesamte Bevölkerung in Angst und Schrecken. Egal wen er auch erwischte, den schlug, prügelte, verletzte und tötete er. Er prahlte überall damit, dass er die ungläubigen Bulgaren immer wieder in Angst und Schrecken halte. Kein Einheimischer traute sich, die Stimme zu erheben, alle beteten zu Gott, er möge sie von diesem Übel erlösen. Alle Männer trugen die von dem türkischen Räuber hinterlassenen Narben. Jedoch wagte niemand, den Kopf zu erheben. Aus Angst trug ein jeder sein Joch. Eines Tages kam ein junger bulgarischer Schäfer an diesem Ort vorbei, adrett und beschuht, mit einem Hirtenstab in den Händen. Als er in einen Wald eintrat, erblickte ihn der türkische Räuber von weitem und rief ihm zu: "Hei, Ungläubiger, halt! Wer hat dir erlaubt, hier vorbeizukommen?" - "Ich bin Hirt, meine Herde führe ich hier über". - "Los, wirf diesen Stock weg." - "Aber ich bringe ihn dir als Geschenk - er ist voll Gold. Meine Großmutter hat mir erzählt, dass mein Großvater ihn aus dem Paradies mitgebracht hat. Dieser Stock hat mich nie enttäuscht, er hat mir den Weg immer geebnet." - "Schau mal diesen ungläubigen Dussel, was für ein dummes Zeug er da redet! Ich werde es dir schon zeigen, aus welchem Paradies der Stock gekommen ist - aus eurem oder aus unserem! Deinen Kopf werde ich darauf aufspießen." Der mutige Schäfer aber entzweit mit einem Hieb schon den Säbel des türkischen Ringkämpfers; beim zweiten Hieb hängt die rechte Hand des Räubers gebrochen herunter; der dritte Hieb bricht ihm das linke Bein in zwei Teile, und der Ringkämpfer stürzt auf die Erde hinab. "Habe ich dir nicht gesagt, dass mein Stock zu jeder Zeit recht spricht, und dass er aus dem Paradies kommt? Zunächst reichen dir diese drei Wörter, die du durch ihn gelernt hast. Gott vergilt immer gut. Wenn ich hier wieder vorbeikomme, so sagt mir mein Stock wieder Bescheid, dann werde ich dir wiederum drei Wörter sagen und dir den Kopf zerquetschen." - "Ich glaube an deinen Stock", antwortete der räuberische Ringkämpfer, "im Sinne seiner Wörter werde ich jetzt in meinem Leben handeln. Wie kann ich mich schon gegen einen solchen Stock wehren, wenn er aus dem Paradies kommt und immer recht spricht? Von nun an sei das ungläubige Volk frei - so will es Allah haben." Ich erzähle diese Geschichte, um eine Wahrheit in volkstümlicher Form besser veranschaulichen zu können. Dieser Türke ist nämlich der Tod. Das ungläubige Volk - das sind wir Menschen. Gibt es einen Ort irgendwo auf der Welt, den dieser Ringkämpfer nie heimgesucht hat? Gibt es irgendwo ein Zuhause, das er nie besucht hat? Was zeigen die Kreuze auf den Gräbern? Alles auf dieser Welt spricht von dem räuberischen Ringkämpfer; über seine 'Heldentaten' erzählen Väter und Mütter. Es gibt eine Menge dicker Bücher über seine Geschichte und über seine Macht. Alle singen ein und dasselbe Lied - unbesiegbar ist auf dieser Welt unser räuberischer Ringkämpfer. Und wenn jemand versucht zu sagen, dass es möglich ist, uns von ihm zu befreien, dann hört man sofort die Worte: "Bist du verrückt, bist du bei Sinnen? Das ist unmöglich, wir glauben es nicht. Das sind nur leere Worte, dumme Phrasen, Illusionen eines Jugendlichen." Aber es genügt, wenn dieser junge bulgarische Hirt mit seinem aus dem Paradies stammenden, immer die Wahrheit sagenden Stock in der Hand auftaucht und mit drei Schlägen - gegen das Messer, die rechte Hand und das linke Bein des Räubers die falsche Theorie widerlegt, dass der räuberische Ringkämpfer unbesiegbar sei. Um einen solchen gigantischen Kampf zu führen, müsste man aber Mut, müsste man Willen haben. Nun könnte jemand einwenden: "Ich sehe aber keinen besonders tiefen Sinn in diesem gewöhnlichen Beispiel." Ja, von Ihrem Standpunkt aus haben Sie recht, weil Sie sich keine Mühe geben, die Sachen in eine Ordnung zu bringen. Aber wenn hinter dieser Formel die folgende Wahrheit steckt, was würden Sie dann dazu sagen? Denn wenn gerade dieser junge Schäfer den vernünftigen, unverdorbenen Menschen darstellt, wenn seine Großmutter die Göttliche Liebe darstellt, die in unserer Seele immer wieder sagt, dass die Freiheit ein Menschenrecht ist; und wenn der Großvater die göttliche Weisheit darstellt, die den Stock, das heißt Die Gottesgesetze aus dem Paradies bringt und sie diesem vernünftigen Wesen überreicht, damit es seine Seele vor Unterwerfung schützt; und wenn das Messer das Symbol für die Naturkräfte ist, die im Widerspruch zum menschlichen Fortschritt stehen; und wenn die Hand den verdorbenen Menschenwillen, das linke Bein - das verdorbene Menschenherz, symbolisiert! Dann glauben wir also, dass, wenn man auf diese Kräfte auf eine bestimmte Art und Weise reagiert, die zerstörerischen Wirkungen beseitigen kann. Gerade in diesem Sinne sind auch die Worte zu verstehen: "Wer zuletzt siegt, der wird gerettet sein." Der Sieg ist die Bedingung, unter der man das Leben erhält. Und die Worte Christi: "Erst nachdem der Stärkere in das Haus des Starken eindringt und ihn festgebunden hat, kann er sein Haus ausrauben" beinhaltet dieselbe Idee. Deswegen brauchen wir jenes Wissen, das uns mit den Gesetzen dieses Prozesses vertraut machen kann, durch den man das Leben erhält. Wenn eine Frau einen Stoff weben will, muss sie vor allem die Wolle zu waschen und zu spinnen verstehen; sie muss ihren Webstuhl, ihre Webstuhlgeräte, den Webkamm und die Steppwatten vorbereiten und danach die Kettfäden anzetteln und sie auf den runden Webstuhlteil aufwickeln, sie spannen und erst dann mit dem Weben selbst nach den festgelegten Regeln dieser Kunst anfangen. Das Schiffchen muss man ununterbrochen bald nach links, bald nach rechts werfen, es muss die Fäden des Schusses tragen, die, nachdem sie mit den Kettfäden verflechtet werden, den gewünschten Stoff entstehen lassen. Der Maler, der ein wertvolles Gemälde schaffen möchte, muss mit den Gesetzen dieser Kunst vertraut sein; er muss die Farbenharmonie und seinen Pinsel beherrschen. Der Skulptor, der eine großartige Skulptur meißeln möchte, muss seinen Hammer beherrschen. Wer ein Haus baut, muss es zu konstruieren, aufzubauen und einzurichten wissen. Wenn ein Arzt angesehen und nützlich sein will, muss ganz genau die Heilmittel kennen, die die Kranken heilen. Ein Lehrer, der lehrt und erzieht, muss Grundkenntnisse über die menschliche Seele, über den menschlichen Verstand haben, und ihnen gemäß handeln. Nun muss auch der christliche Mensch, der nach dem ewigen Leben strebt, die Grundlagen dieses Lebens kennen und die Gesetze anwenden, nach denen man das Leben erlangt. Das Leben kann man mit einem Stoff vergleichen, den wir zunächst weben müssen und erst danach anziehen können. Es ist das erste Kleidungsstück, mit dem der menschliche Geist umhüllt weren muss. Wenn wir diesen Stoff abgetragen haben, werden wir äußerlich nackt. Dieses Nacktwerden nennt man moralischen Verfall. Christus sagt eindeutig: "Ein ewiges Leben bedeutet, Gott zu erkennen." "Ihn zu erkennen" - das ist das Geheimnnis des Erreichens des ewigen Lebens. Ihr werdet mir aber bestimmt die Frage stellen: "Kennen wir etwa Gott nicht?" Wenn ihr Ihn im Sinne Christi kennen würdet, würdet ihr nicht sterben. Aber, werdet ihr mir dann widersprechen, wer stirbt denn nicht? Nun ja, das ist es gerade, was die menschliche Behauptung widerlegt, dass man Gott kennt. Aber, werdet ihr sagen, Christus ist ja auch gestorben. Er ist nicht gestorben, sondern Er ist auferstanden und hat sich Seinen Liebsten gezeigt. Wenn ihr sterbt, werdet ihr auferstehen, um vor euren Nächsten zu erscheinen? Das ist die Frage, die für euch von Bedeutung ist. Mag sein, dass ihr eine Vorstellung habt, was für einen Gott der Philosoph, der Pantheist, der Materialist oder mancher Gottesdiener hat, sie wird aber in euch das ewige Leben nicht einführen - jenen ewigen Anfang, jenes ewige Wohl, nach dem wir alle streben und das unser Ziel darstellt. Ohne die richtige Vorstellung werdet ihr euch in der Lage eines Kranken befinden, der sich nachts in dem Mond sonnt und erwartet, dass es ihm wärmer wird; oder etwa in der Lage eines Hungrigen, der von weitem die schönen Brotlaibe beobachtet, oder des Durstigen, der sich von weitem einbildet, klares Wasser zu trinken und zu sich sagt: "Ich kenne es." Ich sage euch: das ist keine Erkenntnis, das ist eine Vorstellung von dem Außenschatten der Dinge. Wenn ihr die wahre "Erkenntnis Gottes" erreicht, wird das ewige Leben in eurer Seele vollzogen; dann werdet ihr dem Tod wie jener junge Schäfer entgegenkommen. Und die Inschrift auf eurem Grab wird nicht lauten: "Hier ruht der, den der Tod blutjung wegriss." Nun kommen wir wieder zum Gegenstand unseres Gesprächs zurück, damit ich diese These durch ein Gleichnis näher erklären kann. Jedes Lebewesen benötigt eine bestimmte Umgebung und Lebensbedingungen, die seine Existenz ermöglichen. Für die Pflanzen sind es der Boden, die Feuchtigkeit und das Licht; für die Fische ist es das Wasser, da sie außerhalb des Wassers nicht leben können; für die Vögel, die Säugetiere, den Menschen ist es die Luft, die sie zum Leben benötigen. Dieses Gleichnis ist richtig auch hinsichtlich der äußerlichen menschlichen Empfindungen. Das Medium des menschlichen Auges ist das Licht, des Ohres - der Schall, der Nase - der Geruch, die Blumen, die ständig die diesen Sinn mit Nährstoff versorgenden ätherischen Schwingungen ausscheiden. Das Medium des Geschmacks ist die Nahrung, all die organischen Stoffe und Säfte, die unermüdlich hineinströmen und Leben spenden. Wenn wir nun noch höher auf diese Leiter steigen, werden wir erkennen, wie dieses große Gesetz wirkt. Der Lebensraum unseres Herzens sind die Wünsche, der Lebensraum des menschlichen Verstands, in dem er leben und sich entfalten kann, das sind die Gedanken; ohne die Gedanken verkümmert der menschliche Verstand, ohne die Wünsche verkümmert das menschliche Herz genauso. Der Lebensraum des menschlichen Willens ist die Kraft, die Tatkraft und der Arbeitsdrang; ohne die Arbeit verkümmert der Wille. Nach demselben Gesetzt dieses Gleichnisses ist Gott das Medium der Menschenseele. Deshalb besagt auch die Schrift: "In Ihm leben wir, in Ihm bewegen wir uns und existieren wir", durch Ihn kann die Seele ihr ursprüngliches Leben zurückerhalten, das heißt, sich in Unsterblichkeit verhüllen. Gott stellt also ein inneres Medium dar, eine innere Voraussetzung, eine innere Kraft, aus der wir immer wieder schöpfen müssen. Und genauso wie zum Beispiel unsere Augen mit dem Licht, unsere Lunge mit der Luft, unser Magen mit dem Mund, damit ihm Nahrung zugeführt werden kann, verbunden sind, so sind auch unser Herz und unser Verstand zwei Mittel, durch welche die Seele das Leben empfangen kann. Das sind die Medien, die den Boden für das Göttliche Medium vorbereiten - das universale Göttliche Bewußtsein, in das unsere Seele getaucht ist. Es ist wahr, dass immer, wenn ein Lebewesen die Verbindung zu seinem Lebensraum verliert, sich dem Tod preisgibt, ganz egal, ob es eine Pflanze, ein Fisch, ein Vogel, ein Säugetier oder ein Mensch ist - das Gesetz hat immer die gleiche Wirkungskraft. Christus, der dieses Gesetz zutiefst erkannte, beharrte darauf, dass es notwendig ist, Gott zu erkennen oder - in der Sprache der Wissenschaft ausgedrückt - die Verbindung zu der eigenen Umgebung zu erhalten. Ihr werdet aber sagen: "Wir werden Ihn erkennen, wenn wir ins Jenseits gehen." Das Jenseits, das ist Gott. Die Menschen, die denken, sie gehen ins Jenseits, erst nachdem sie gestorben sind, sie erinnern an jenen Sohn eines Verbrechers, der bei seiner Festnahme zu sich sagte: "Ich gehe meinen Vater sehen." Werdet ihr etwa im Gefängnis euren Vater sehen? Ihr werdet an einem Ort sein, wo ihr euch bessern solltet. Im Jenseits werdet ihr nicht bei eurem Himmlischen Vater sein, denn bevor ihr dorthin geht, müsst ihr zuerst den Tod besiegen, aus dem Gefängnis entlassen werden, frei sein. Deshalb sagt Christus in dem hier interpretierten Kapitel des Evangeliums: "Ich bin die Tür", und an einer anderen Stelle sagt Er: "Derjenige, der durch Mich ein- und ausgeht, wird auch Weide finden." Nun sagt mir, seid ihr schon durch diese Tür ein- oder ausgegangen und wie habt ihr es geschafft? Wenn ich euch nach dem Haus eines eurer Freunde fragte, so würdet ihr sagen: "Die Außentür seines Hauses geht nach Westen und die Innentür - nach Norden oder nach Süden; ihr werdet auch beschreiben können, wie groß sie ist, welche Farbe sie hat und wie man sie zuschließt. Alle Kirchenväter sagen: "Christus ist eine Tür". Wenn Christus die Tür wäre, klärt uns bitte auf, woraus sie gemacht worden ist - aus Holz, aus Eisen, aus Gold oder etwa aus Silber; vielleicht aus Edelsteinen oder aber aus etwas ganz anderem; was hat sie für eine Angel und Pfosten?" "Na ja", werdet ihr darauf antworten, "es ist im übertragenen Sinne gemeint." Gut, legt mal dann den Begriff "Tür" aus, was soll Christus sein, in welchem Sinne stellt er eine Tür dar? Ihr werdet sagen: "Christus hat uns gerettet." Wie hat Er uns gerettet? "Er ist für uns gestorben". Kann denn ein Toter retten? "Er ist aber auferstanden." Wie ist Er auferstanden? "Durch das Göttliche Leben." Also war Christus mit Gott eins, er kannte Gott und durch diese Erkenntnis Gottes besiegte Er den Tod. Dadurch ist Er auferstanden und zu unseren Seelen gekommen. Jetzt ist Er bei uns. Zunächst war Er 33 Jahre lang zusammen mit uns eingesperrt und Er hat uns gezeigt, wie wir aus diesem Gefängnis herauskommen, wie wir den Tod und das Böse besiegen können. Christus ist jetzt draußen - in jener Welt beim Vater des Lichtes. Er kommt unseren Verstand, unsere Herzen besuchen und die Welt wird Ihn durch jene drei Schläge - gegen das Messer, die Hand und das Bein, sehen. Er wird alle falschen Lehren stürzen. Welche sind diese falschen Lehren? Das sind jene Elemente, Gedanken, Wünsche, Handlungen, die das menschliche Glück, den menschlichen Verstand, das menschliche Herz, die menschliche Seele, den menschlichen Geist zerstören und die Tod, Anarchie und Sklaventum überall herrschen lassen und unser Leben lahm legen. Und was ist die Lebenslehre? Das sind all die Elemente, die Glück, Wohl, Güte, Aufklärung spenden, die den menschlichen Geist, das menschliche Herz erheben und Wohlwollen und Liebe allem gegenüber hineinbringen - das ist der lebendige Christus. Und darum sagt Er: "Damit ihr diese Grundelemente besitzen könnt, die in euch ein ewiges Leben bringen, müsst ihr unbedingt Gott erkennen". In der Welt muss man kämpfen. Aber gegen wen? - Gegen den Tod. Jedoch ist diese Kunst richtig zu verstehen. Widrigenfalls werden uns die Fehler andauernd verfolgen. Ich erkläre es euch: eine Mutter, Bulgarin, schickt ihren Sohn, ich glaube nach Deutschland, damit er dort studiert. Diese Frau war ziemlich vermögend: jeden Monat schickte sie dem Sohn 3 bis 4 oder 5 000 Lewa, aber das war ihm zu wenig, das Geld reichte ihm nicht aus. Eines Tages schrieb er seiner Mutter, ihm weitere 1000 Lewa zu schicken. Sie schreibt ihm darauf: "Ich habe kein Geld, sieh zu, dass du irgendeinen kleinen Job findest"; der Sohn aber kündigt an: "Wenn du mir kein Geld schickst, bringe ich mich um"; dann schreibt sie ihm zutiefst entrüstet folgendes: "Bring dich um - ich werde auf dein Grab spucken; ich will keinen Sohn haben, der ein Feigling ist und nicht arbeiten will, der sich im Kampf des Lebens vor der Arbeit drückt und wie eine Memme leben will." Die Worte werden hier möglicherweise nicht genau zitiert, aber sie geben den Sinn haargenau wieder. Der Sohn kommt zu sich. Und dieses Telegramm ist heute eingerahmt - wenn diesbezüglich Fragen gestellt werden, antwortet er: "Es hat mich gerettet." Folglich hat man in der Welt mit manchen Elementen des Todes zu kämpfen. Und wie werdet ihr siegen? Es gibt nur einen Weg zum Sieg: indem ihr Gott erkennt, das heißt den Anfang des Lebens. Ihr werdet mich aber bestimmt wieder fragen: "Wie können wir diesen Anfang erreichen?" Das ist die leichteste Sache. Angenommen, ihr bekommt plötzlich keine Luft - Was macht ihr dann? Ihr macht den Mund auf und atmet. Ihr müsst durch die Nase Luft holen. Deswegen, um zu leben, müssen wir Erkenntnisse haben; um Erkenntnisse zu erwerben, brauchen wir einen frischen Verstand, der aufnahmefähig und mobil ist. Und so, wenn ihr stets durch euren Verstand die guten, erhabenen Gedanken empfangt, genauso wie ihr stets durch die Nase Luft holt, seid ihr auf dem besten Wege, dieses ewige Leben zu erreichen, nach dem ihr strebt. Wenn ihr jeden Tag das folgende kleine Experiment durchführt, um euren Willen abzuhärten, nämlich - die schlechten Gedanken und Wünsche wegzujagen und nur die guten Gedanken und Wünsche zu empfangen, werdet ihr in einem Jahr an euch selbst Wunder verrichten können: Es wird dann kein Hindernis geben, das sich nicht dieser eurer Willenskraft beugen würde. Selbstverständlich, wenn man nun Unsterblichkeit erreichen will, muss man einen starken Willen im wahrsten Sinne des Wortes haben. Ihr sagt aber: "Ich kann es nicht." - "Wer es nicht kann, wird dorthin gehen - ins Gefängnis." So steht es in dem Göttlichen Buch geschrieben. Wenn du "Ich kann es nicht" sagst, sagt Gott: "Sperrt ihn ein, ich werde ihm das Können beibringen." Es gibt keinen anderen Ausweg. Das ist unser Schicksal. Wollen wir mit Gott eins werden, mit Ihm leben, ein ewiges Leben erlangen, so müssen wir Ihm unbedingt dienen. Widrigenfalls muss man ebenso dienen, aber wem? Den Teufeln, den Fürsten dieser Welt, die uns dreimal am Tag einspannen werden. Da wird der Teufel eine Peitsche nehmen und sagen: "Los!" Willst du nicht für Gott arbeiten - knallt es! Schließlich wirst du denken: "Es gibt keinen anderen Ausweg - es muss gearbeitet werden!" Natürlich, weil es sonst den Stock und den Prügel gibt. Hältst du inne, knallt die Peitsche sofort wieder. Das sind die zwei Möglichkeiten. "Ich will Gott nicht dienen." - Wenn du Gott nicht dienen willst, bekommt du einen anderen Herrn. - "Ich will frei sein." - Du irrst dich: es gibt keine Freiheit auf dieser Welt; Freiheit hat nur derjenige, der mit Gott eins ist; derjenige, der ein bewusstes Leben führt, der ist frei. Manchmal sagt ihr: "Ich wurde zornig, ich habe ihm gezeigt, wo es langgeht!" Denkt ihr, dass ihr sehr klug gehandelt habt? Ihr habt einander übertreffen wollen! Wer war wem im Sprechen überlegen? Wen willst du überhaupt im Sprechen übertreffen? "Ich habe ihn verprügelt". Was hat man dir dafür bezahlt? Nichts. Kann sein, dass man morgen dich verprügelt. Was ist das für eine Freiheit: heute prügelst du, morgen wirst du geprügelt; heute erwürgst du jemanden, morgen wirst du erwürgt. Das ist keine Freiheit. Christus sagt: "Ihr müsst euch mit dem Grundprinzip der Erkenntnis vertraut machen." Ich will, dass ihr das anwendet, was ich euch jetzt sage. Ihr geht in eine Kirche, ihr steht auf, verschränkt die Arme, schließt die Augen, ihr seid vertieft in einem Gebet, das ihr an Gott richtet; ihr verlasst danach die Kirche - und schon ist all das vergessen. Die Leute draußen sagen: "Dieser Mensch geht in die Kirche, er ist fromm; er verlässt die Kirche und schon ist sein Leben anders geworden." Das bedeutet, dass ihr nicht den richtigen, den wahren Weg der Erlösung gefunden habt. Einige sagen dennoch: "Christus ist gekommen und hat uns gerettet." Christus rettet die Klugen und die Guten. Er rettet niemals die bösen und die dummen Menschen. Christus rettet die klugen und die guten, die gehorchen und Seiner Lehre folgen. An erster Stelle lehrt uns Christus, wie wir für uns arbeiten sollen. Er sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Der Weg, das ist die Methode, die Wahrheit - euer Verstand, durch den ihr die Dinge kennenlernen und erkennen müsst, welche von ihnen gut und welche schlecht sind; das Leben - das ist eine Kunst, die euch weiterhilft, den Stoff anzufertigen und euch damit anzuziehen. Macht ein kleines Experiment mit euch selbst. Stellt euch mal vor, ihr seid krank, nervös, unpäßlich, eure Kinder sind nicht gut. Lasst die Kinder Kinder sein, macht euch keine Sorgen um sie, denkt mal an euch selber jetzt. Warum seid ihr nervös, warum seid ihr unpässlich - dafür gibt es tiefe Gründe. Wenn ihr mir sagt: "Ich habe Durst", so würde ich euch raten: "Trinkt euch satt", "Ich habe Hunger" - "Eßt euch satt." - "Aber wie kann ich trinken, wenn es kein Glas gibt." - "Knie vor diese Bergquelle nieder, hier ist das Element, das deinen Durst stillen kann". - "Ich will aber nicht knien." - "Du wirst knien, sonst wirst du durstig bleiben." - "Aber meine Hose, die habe ich gerade neu gekauft, sie wird doch dreckig." "Wenn du deine neue Hose erhalten willst, wirst du durstig bleiben. Es ist besser, wenn du niederkniest und dich dreckig machst, um das Wohltun des Wassers spüren zu können." - "Ich habe Hunger." - "Komm mit"; ich bringe dich in ein Zimmer. - "Hier ist ein bisschen Brot, setze dich auf den Boden und iss dich satt." - "Aber ich bin es nicht gewöhnt, auf diese Art und Weise zu essen, ich brauche ja eine Gabel, ein Messer, einen Teller."- "Da ist das Brot, lass die Gabel, das Messer und den Teller! Nimm das Brot, brich es mit den Händen und iss dich satt." - "Aber die Leute werden mich doch sehen. Es ist so peinlich." - "Wenn du dich genierst, wirst du hungrig bleiben. Wenn du dich genierst, in die Schule mit einer Fibel zu gehen, wirst du unwissend bleiben." Nun, wenn ein Mensch gerufen wird, Christus zu folgen, darf er nicht sagen: "Was werden die Leute dazu sagen", sondern er muss Christus näher kommen und seine Lehre anwenden - so wird er stark. Der Teufel droht uns an, weil wir schwach sind. Ich will nicht, dass ihr schwach seid, sondern dass ihr euch satt esst. Wie sollte man es tun - eurem Verstand, eurem Herzen Nahrung geben? Ein ewiges Leben erreichen - das bedeutet, nicht nur euren Körper, sondern auch euer Herz, euren Verstand, eure Seele, euren Geist zu ernähren zu verstehen. Es ist eine Ernährungsmethode, so wie dieses in der tiefsinnigen Lehre Christi verankert ist. Und am heutigen Morgen würde ich meinem Vortrag den Titel geben: "Wie wir lernen können, uns zu ernähren." Ihr habt euch einzig und allein angeeignet, zu kauen, und ihr beherrscht diese Kunst ausgezeichnet. Jetzt fangt wieder von dort an; stellt das Gericht vor euch und laßt euer Herz satt werden, lasst euren Verstand und euren Geist satt werden. Und wenn ihr euch so sattgegessen habt, werde ich euch sagen, dass ihr sehr klug seid, dass ihr die Lehre Christi beherrscht, und dass ihr das ewige Leben erreichen werdet, weil ihr wisst, mit Gott eins zu werden. Ich stelle diese Frage auf Grund meiner Erfahrung, ich trage euch über Dinge vor, die ich verstehe, über Dinge, die ich selbst ausprobiert habe. Das einzige, das euch im Wege steht, ist, dass ihr zögert und herumphilosophiert: "Wie steht es mit dieser Sache eigentlich?" Wenn es um das praktische Leben geht, ist das Philosophieren fehl am Platze. Nehmen wir an, ihr habt eine Frau engagiert, die euch das Spinnen und das Weben beibringen soll; "Aber ich kann nicht." - "Du wirst es können"; zunächst wird es nicht so gelingen, wie es sein muss, aber nach und nach, von einem Tag zum anderen, in einer Woche oder in einem Monat wird euer Garn feiner; danach lernt ihr, wie man zettelt und dann kommt das Weben selbst an die Reihe. Ihr sollt nicht glauben, dass alles auf Anhieb wie geschmiert gelingen wird; ihr werdet zwar Hindernisse überwinden müssen, aber durch Beständigkeit werdet ihr all das lernen. Euer erster Versuch kann das Folgende sein: bemüht euch, eine oder zwei Minuten lang euer Bewusstsein frei zu halten, nicht an die banalen abgedroschenen Dinge des alltäglichen Lebens zu denken. Ihr sagt: "Ich habe aufgehört zu denken, ich denke an nichts", aber durch euren Kopf gehen die Gedanken an eure Oma, an eure Kinder, Hühner, Ochsen, Brennholz, Steine, und ihr glaubt, dass ihr frei seid. In eurem Bewusstsein herrscht das absolute Chaos - hier befinden sich eure Oma, eure Mutter, eure Kinder - sie sind alle da. Ihr müsst letzten Endes sagen: "Ich will frei sein, heute werde ich an Gott denken - an die große Liebe des Lebens; geht ihr nur alle nach draußen auf den Hof. Ihr spielt jetzt dort und lasst mich frei sein, weil ich etwas sehr Wichtiges zu tun habe". Versucht es beim ersten Mal nur zwei Minuten lang zu tun. Die Kinder aber werden zu euch kommen, sich gegenseitig schlagen, weinen; laßt sie sich schlagen, lasst sie weinen; zwei Minuten lang sollt ihr sie vergessen und während dieser kurzen Zeit eure Gedanken einzig und allein dem Gott der Liebe widmen. So sieht diese Kunst aus - im Kleinformat. Aber, werdet ihr an dieser Stelle sagen, das ist doch kinderleicht. So leicht ist es aber auch wieder nicht. Versucht danach, im Laufe von fünf Minuten, von zehn Minuten dasselbe zu tun. Zunächst will Christus, dass ihr aus eurem Herzen die Ochsen, die Hühner, die Pferde, die Wölfe, die Füchse vertreibt, die euer Heiligtum verschmutzt haben. Wisst ihr, um welche Wölfe und Füchse es sich handelt? Es sind Wölfe und Füchse, die sich in euch befinden; ich kann sie sehen - dabei haben sie einen langen Schwanz, einen roten Pelz, große Zähne und Krallen. Euer Hass - das ist der Wolf, eure Heuchelei - das ist der Fuchs. Wozu braucht ihr diesen Fuchs, was für einen Nutzen wird er euch bringen? Gar keinen. Jagt alles fort und schafft in euch die allerbeste Ordnung. Dann sollt ihr euren Priester rufen: "Komm, Diener des lebendigen Gottes, zieh dein Gewand an, nimm dein Weihrauchfaß, mit dem du deinen Weihrauch zu Gott hochsteigen lässt." Du sollst auch den Bischof deines Lebens kommen lassen. Und wer ist dieser Bischof? Dein Geist. Du wirst auch die Sänger kommen lassen. Wer sind sie? Deine guten Gefühle und Wünsche. Du wirst sagen: "Kommt, laßt uns singen und damit Gott in diesem erhabenen Tempel dienen", und dann wird Christus kommen, und wenn Er diese Versammlung von denen frei vorfindet, die darin Tauben und dergleichen verkauft hatten, die von Ihm nach draußen weggejagt wurden, wird Er sagen: "Friede sei mit euch! Es ist der Tag eurer Auferstehung gekommen, heute werdet ihr mit Mir zusammen im Paradies sein". Habt ihr den tiefen Sinn der Worte jenes Räubers erkannt, der rechts von Jesus gekreuzigt wurde: "Gott, entsinne Dich meiner in Deinem Reich!" Er war ein Mensch, der mit seiner Peitsche alles Getier nach draußen weggejagt hatte, und deshalb sagte Jesus zu ihm: "Du bist ein Mensch, der mit Mir heute im Paradies sein wird". Jagt weit weg von euch alles Getier, Schweine, Füchse, Wölfe... Und der andere Räuber, der links von Christus gekreuzigt wurde, was sagte er? - "Wenn du wirklich ein Sohn Gottes bist, gehe herunter und befreie uns". - Wie hätte Er ihn denn befreien können, wenn er selber nicht das gesamte Getier von sich weggejagt hatte, wenn er ein Sklave seines eigenen Egoismus war? Ich glaube, ihr könnt mir folgen: ich spreche sehr eindeutig zu euch. Ich möchte zu euch so sprechen, wie möglicherweise bis jetzt niemand zu euch gesprochen hat. Das Erste, was ihr zu lernen habt, ist, Gott zu lieben, und diese Liebe wird euch mit Ihm vereinigen. Es gibt Tausende von Gelegenheiten, mit Ihm eins zu werden und euer Leben glücklich zu machen. Und wenn ihr euch mit Ihm vereinigt und das ewige Leben betretet, wird sich alles in euch verwandeln, so dass jedes Ding auf seinen Platz kommt. Und nun stellt euch selbst die Aufgabe, zuerst nur für zwei Minuten, dann für fünf Minuten die fremden Gedanken in euch wegzujagen und nachdem ihr allein geblieben seid mit euch selbst, fangt an, tiefsinnend über das große Problem nachzudenken, warum seid ihr auf der Erde, warum ihr unpäßlich seid, warum ihr keine erhabenen Gedanken und kein erhabenes Herz habt, warum ihr keinen festen Willen habt, ein bestimmtes Problem zu lösen, und ihr bekommt von Christus eine Antwort. Er wird euch in der folgenden Form antworten: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; das heißt, wenn ihr alles Andere wegjagt und Mich in euch aufnehmt, wenn ihr als Gott Meinen Vater erkennt, der in Mir lebt und Mir das ewige Leben gegeben hat, wird Er auch euch ein solches Leben geben". Wir müssen Christus in uns aufnehmen, um uns mit Gott zu verbinden. Und das Christentum hat nur dann einen Sinn, wenn wir lernen, dieses Leben zu besiegen, um das Leben im Jenseits zu erlangen, das für uns deswegen von einer besonderen Bedeutung ist, weil es Wissen, Kraft, Edelmut unseren Gefühlen verleiht, uns glücklich macht und Geisteskraft gibt, damit wir alles besiegen können, so dass die Angst vor der Armut auf der Welt aufhört zu existieren. Das ist die Lehre Christi. Ihr habt Angst vor dem Tod. Empfangt ihn, indem ihr sagt: "Ich kämpfe mit ihm." Angenommen man will euch ins Gefängnis stecken; sagt zu euch selbst: "Wir kämpfen gegen denjenigen, der den Tod bringt, durch die Kraft Desjenigen, Der in uns lebt - durch den Alleinigen Wahren Gott". Es kann kommen, dass sich die ganze Welt gegen euch erhebt; möglicherweise wird man euch drohen; fürchtet euch nicht. Ein Mensch, der sich fürchtet, kann kein Bürger Des Gottesreichs werden. Jetzt kämpft ihr in dieser Welt, wenn ihr in Den Himmel geht, wird man jedem von euch ein Sankt-Georgs-Kreuz verleihen und es wird ein lebendiges Kreuz sein. Ihr werdet zurückkehren und dann wird Christus zu euch sagen: "Komm du, guter Knecht, der auf dem Schlachtfeld gekämpft hat." Seit Tausenden von Jahren leidet der Mensch, er hat aber nicht für die Menschheit, für die Gerechtigkeit gelitten; bis jetzt hat er immer nur für sich selbst, für seine Ochsen, Pferde usw. gelitten. Zum Schluss muss er für Christus leiden. In diesem Leiden findet man das wahre Leben. Darum sagt Apostel Paulus: "Wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Leids, so werden wir es auch mit Seiner Auferstehung sein;" weil Gott auf dieselbe Weise, wie Er Christus auferweckt hat, auch uns auferwecken wird, wenn wir für Ihn leben. Lasst Christi Geist in uns einziehen, lasst uns den Wahren Gott erkennen und das ewige Leben erlangen. Dann werden wir dazu bereit sein, für unsere kleineren Brüder und Schwestern zu arbeiten, damit auch sie sich die Kunst aneignen, den Reichtum dieses Göttlichen Lebens zu erlangen. Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 21. September 1914 in Sofia
  20. Friede sei mit Euch! "Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!" (Joh 20, 19) Die Unsterblichkeit ist eine Sehnsucht der menschlichen Seele, ein Ideal, nach dem sie strebt und deren Verwirklichung sie sich stets wünscht. Die menschliche Seele lebt auf der Erde, um den Weg zur Unsterblichkeit zu finden. Die Unsterblichkeit wird von einem großen Göttlichen Gesetz regiert, das der Mensch zu untersuchen und in allen Bereichen seines Lebens anzuwenden hat. Und in diesem Sinne müssen wir ständig lernen, nach jenen Bedingungen suchen, unter denen die Unsterblichkeit existieren kann. Der Mensch kann unsterblich sein und seine Unsterblichkeit verlieren, er kann sterblich sein und Unsterblichkeit erlangen. Sterben und Unsterblichkeit - das sind zwei Grundsätze. In der Sprache der Wissenschaft heißt Unsterblichkeit das Gleichgewicht zwischen den Dingen, zwischen den Kräften, die in der Natur wirken. Der Tod ist das Verlieren dieses Gleichgewichts. Die Unsterblichkeit schließt in sich Vereinigung, Harmonie, und der Tod - Uneinigkeit, Zwietracht, Disharmonie. Wenn die Menschen Unsterblichkeit begehren, so müssen sie wissen, was diese genau umfasst. Wenn ihr einen modernen Konzertsaal betretet, um euch die Musik eines Symphonieorchesters anzuhören und ihr habt eine Beobachtungsgabe, so werdet ihr sehen können, dass das Allererste, was die Musikanten tun, die überwiegend Saiteninstrumente spielen, ist, die Instrumente aus ihren Kästen herauszuholen, und die Geigen danach zu stimmen, den Klang der Saiten zu überprüfen, die unterschiedlich - einige mehr, andere weniger stark - gespannt sind. Diese Stimmung folgt gewissen Relationen. Und nachdem sie die Instrumente gemäß bestimmten Tönen gestimmt haben, nehmen die Musikanten den Bogen in die Hand und beginnen zu spielen. Wisst ihr, wie viel Zeit ein Musiker braucht, um in ein Symphonieorchester aufgenommen zu werden, um sein Instrument, seinen Bogen vollkommen beherrschen zu können? Er muss mindestens 12 Jahre sich einer Sonderausbildung widmen. Bei uns zu Lande nennt man üblicherweise einen, der Geige spielt, einen Zigeuner - so lautet der Spitzname der Geiger. Dieses Instrument aber kann als ein Sinnbild betrachtet werden. Wir können sagen, dass die Geige das vollkommenste Instrument ist, das schon seit 300 Jahren, seitdem es der große Meister Stradivari gebaut hat, keinerlei Veränderungen erfahren, weil es seine Vollkommenheit fast erreicht hat. Die Geige ist mit der menschlichen Seele vergleichbar: zu ihr gehören vier Saiten und ein Bogen. Die Geige selbst stellt die menschliche Seele dar, die Saiten sind die vier menschlichen Temperamente. Den menschlichen Willen können wir dem Bogen gleichsetzen. Wenn ein Geiger sich Saiten kaufen geht, wird er sagen: "Ich möchte diese und diese Saite haben", nämlich e, a, d oder g, und wenn er nach Hause zurückkehrt, weiß er, wo er jede einzelne Saite anzuspannen hat. Dem Menschenwesen sind, wie gesagt, vier Temperamente eigen - das cholerische, das phlegmatische, das sanguinische und das melancholische. Das sind vier Zustände, die den Menschen charakterisieren. Sie entsprechen der menschlichen Seele, dem Verstand, dem Herzen und dem menschlichen Leben. Das sind vier Hauptsaiten, die wir aufzuwickeln und zu lockern wissen müssen. Und wenn wir unseren Verstand und unser Herz stimmen, so müssen wir sie auf einen und denselben Ton zu stimmen wissen. Bei der Geige sind die vier Saiten entsprechend auf vier verschiedene Töne abgestimmt, wobei es zwischen den benachbarten Saiten auch immer vier verschiedene Töne gibt, das heißt jede folgende Saite ist um vier Töne höher gespannt als die vorherige. Nachdem ihr die Geige ganz abgestimmt habt, sind 4 x 4 = 16 Töne vorhanden, das heißt Stufen, nach denen die Saiten gestimmt sind. Wenn der Geiger seine Geige gestimmt hat, nimmt er den Bogen und beginnt zu spielen. Und die Geige ist nämlich das einzige Instrument, auf dem man auf Kreuz spielt, es ist das Instrument, das die angenehmste Musik erzeugt und mit seinen Tönen der menschlichen Stimme am nächsten steht. Also, wenn ihr eure Geige gestimmt habt und den Bogen in die Hand nehmt, bildet ihr jenes Kreuz, über das ihr euch jetzt beklagt, und sagt: "Warum, Gott, hast du uns dieses schwere Kreuz gegeben!" Ich sage euch, dass Gott euch ein herrliches Instrument gegeben hat, ihr wisst aber nicht, wie es zu stimmen ist, deshalb tragt ihr es auf eurem Rücken wie eine schwere Last. Nehmt es ab und fangt an, es zu stimmen und darauf zu spielen. Und wenn Apostel Paulus sagt: "Ich werde mich des Kreuzes rühmen", was stellt ihr euch darunter vor? Ich sehe überall Leute, die diese Kreuze tragen, in der Kirche wie überall, aber ich habe bis jetzt keinen gesehen, der auf seinem Kreuz spielt. Ihr geht in ein Konzert und seht, dass die Leute wie selbstverständlich Beifall klatschen, wenn man dort auf dem Kreuz gespielt hat, dabei denken sie gar nicht daran, dass sie selbst ihr Kreuz, ihre Leiden haben, dass sie auch auf ihr Kreuz spielen. Das Wichtigste aber bei diesem Kreuz-Spielen ist, beim Takt zu bleiben. Wenn der Kapellmeister seinen Dirigentenstab erhebt und ihn ins Schwingen bringt, haben alle aufzupassen und sich nach ihm zu richten. Auch die Bewegung der Bögen hinterlässt bei uns ein Wohlgefühl, weil die Bögen einer bestimmten Regel folgen. Und wenn wir den tiefen verborgenen Sinn des Lebens erkennen, und seine Saiten - den Verstand, das Herz, die Seele, das Leben abstimmen, setzen wir den Bogen - den menschlichen Willen ein, so werden wir durch Den Geist Des Kapellmeisters, der Seinen Stab erheben wird, die lieblichste Musik unseres Lebens machen können. Merkt ihr euch, dass das Kreuz ein großer Segen ist, durch den uns Gott auf der Erde besucht: aus ihm gehen die größte Symphonie, Musik, Gesang hervor, was Rettung genannt wird. Diesem Gesang wohnt die Rettung inne. Als Christus gekreuzigt wurde und litt, weinten die Engel oben im Himmel nicht, sondern sie sangen. Alle Gefangenen in der Hölle freuten sich, dass ihr Retter kam. Als Er auf der Erde geboren wurde, kamen auch Engel, um Sein Kommen bekanntzugeben, was sie durch ihren Gesang taten. Das heißt, während Dieses Instrument, Diese Saiten, Dieser Bogen unseres Glaubens geschaffen wurden, sangen die Engel oben in den Himmeln. Der moderne Christ sagt: "Weh uns! Die Erde ist ein Jammertal, das Leben ist eine Last, es hat keinen Sinn." Für die dummen Menschen, die nicht spielen können und nicht spielen wollen, für die Menschen, die ihre Saiten nicht zu spannen und dem Kapellmeister nicht zuzuhören wissen, ist das Leben wahrhaftig ohne jeglichen Sinn; für diejenigen aber, die ihre Geige zu stimmen wissen, und die spielen können, für diese hat das Leben einen großen Sinn. Und die Geiger, die so angenehm spielen, bekommen einen beträchtlichen Lohn - je 4 oder 5, 6, 700 oder gar 1000 Lewa monatlich, nur weil sie ihren Bogen in Bewegung setzen. Christus kommt oft zu euch und fragt: "Kannst du spielen?" Nicht leiden wollen, bedeutet nichts anderes, als nicht spielen wollen. Diejenigen, die nicht spielen können, sind finster; auf die verlasse ich mich nicht. Man sagt: "Derjenige, der singt und spielt, der denkt nichts Böses." Ein Mensch, der leidet, also der singt und spielt in seinem Leben, der rettet sich. Der Geiger, der spielt, leidet nie Hungersnot. Wer einer es nicht kann, der geht betteln. Derjenige, der es kann und sich irgendwo setzt und spielt, der bekommt von den Leuten einen Lohn. Wer leiden kann, wird nie Hungersnot leiden. Ist euch aufgefallen, dass die Menschen immer dem zu Hilfe kommen, der leidet - sie sind diesem gegenüber genauso großzügig wie sie es dem Geiger gegenüber sind. Wenn ich stehen bleibe, um ein bisschen zuzuhören, wie jemand spielt, die anderen aber nehmen nur den sich bewegenden Bogen wahr, so höre ich auch die Stimme des Geigers mit und ich stelle fest, ob er schon das Spielen gelernt hat oder es jetzt lernt. Lernt er es jetzt, dann ist er ein Neuling - jetzt werden ihm Lektionen erteilt. In 12 Jahren aber wird er im Symphonieorchester sein, und da werdet ihr viel für eine Eintrittskarte bezahlen müssen, um ihn euch anzuhören. Nun, wenn wir dieses große Gesetz gelernt haben, nämlich zu singen und zu spielen, in moderner Sprache heißt es, zu leiden - im christlichen Sinne haben für mich diese Worte ein und dieselbe Bedeutung - so werden wir durch das Leiden zu jenem großen Gesetz gelangen, das Unsterblichkeit bedeutet. In diesem Gesetz ist die ganze Harmonie enthalten, da gibt es keine Disharmonie. Christus, Der auf die Erde kam, kam, um den Menschen beizubringen, wie sie singen und spielen sollen. Er wird euch beibringen, wie ihr die Saiten eurer Seele spannen sollt. Die Saite der Seele ist das "E", die oberste Saite, das "A", ist die Saite des Verstandes, die Saite des Herzens ist das "D", die des Lebens - das "G". Hier ist die erste Lektion, die euch Christus geben wird. Mehrmals fragen sich die Leute: "Warum hat mir Gott bloß dieses schlechte Herz gegeben?" Ob das Herz schlecht ist, oder bist du schlecht! Man sagt: "Warum hat mir Gott diesen dummen Verstand gegeben?" Ist der Verstand dumm, oder bist du dumm! "Warum hat Gott dieses sinnlose Leben gegeben?" Ist das Leben sinnlos, oder weißt du nicht, warum es da ist. Die Leiden - das sind die Gesetze, durch die Gott auf unsere Entwicklung einwirkt. Wir sollen singen und spielen, das heißt fühlen und denken. Denken bedeutet Spielen; Fühlen bedeutet Singen. Und wenn zwei Nachbarn ihre Geigen aufeinander abstimmen und zu spielen beginnen, so wird sich das sehr angenehm anhören. Vor Jahren habe ich eine Familie besucht; der Vater, die Mutter, der Sohn, die Tochter - sie alle spielten. Der Vater spielte Geige, der Sohn - den Bass usw.; sie alle hatten eine Beschäftigung. Die meisten modernen Menschen - der Mann, die Frau, die Kinder, können nicht spielen, und da sie keine andere Beschäftigung haben, fangen sie an, sich zu schlagen. Für sie ist das Leben selbstverständlich sinnlos. Christus sagt: Stimmt eure Geigen, zieht eure Bögen, lernt spielen; wenn ihr abends beisammen seid, fangt mal an, ein Lied im Takt zu spielen und zu singen, danach ein zweites, ein drittes, ein viertes. Esst Abendbrot, dann fangt wieder an. Geht danach ins Bett und am nächsten Tag geht's wieder los an die Arbeit im Leben. Nun, ihr werdet sagen: "Was hat das mit der Auferstehung Christi zu tun?" Der moderne Christ diskutiert über die Frage der Auferstehung und sagt: "Wenn ich in Den Himmel gehe, dann werde ich alles lernen." Das ist für das Jenseits. Und für diese Welt, was sollen wir für diese Welt tun? Da ist die Unlogik in den Überlegungen der Menschen. Für diese Welt sind wir sehr klug, für jene Welt aber nicht. Wenn ein junger Mann an der Universität studieren will, könnte er etwa direkt von zu Hause dort landen? Er muss zunächst den Kindergarten besuchen, danach die Grundschule und alle Gymnasialklassen, er muss sich zuerst darauf vorbereiten, die hohe Wissenschaft verstehen zu können. Erst dann wird er immatrikuliert. Nun, warum hat uns Gott auf die Erde geschickt und was ist die Erde eigentlich? Sie ist ein Kindergarten, sie stellt die einzelnen Schuljahre einer Grundschule dar, und wir müssen durch. Wenn wir sie nicht erfolgreich beenden, wie könnten wir dann später in die oberen Klassen gehen? Wenn wir ins Jenseits gehen, denkt ihr, wir werden in diese Klassen aufgenommen? Nein, keineswegs. Das Wort 'Auferstehung' enthält eine große Idee in sich. Es enthält Göttliche Geheimnisse. Auferstehen heißt, Herr aller Elemente, aller Kräfte, aller Gedanken und Wünsche, aller eigenen Handlungen sein. Wie kann nun der Mensch auferstehen, wenn er kein Herr all dieser Dinge ist? Wenn euch ein Frosch oder eine kleine Schlange Angst einjagen kann, wie wollt ihr euch auf eine Auferstehung vorbereiten? Wenn ihr auf der Erde nicht die geringsten Leiden ertragen und Gott nicht dienen könnt, wie wäre eure Auferstehung möglich? Wenn ein Geiger 12 Jahre lang tagtäglich 1 bis 10 Stunden schuften muss, um spielen zu lernen, wie viel müssten wir, die Christen, spielen, um uns Christi Auferstehung anzueignen? Eine der Schwächen der zeitgenössischen Kirche ist, dass sie meint, alles könnte mit Gaben erreicht werden. Mag sein, dass uns Gott eine Geige, Saiten, einen Bogen umsonst gibt, Er kann sogar für uns einen Lehrer finden und ihn bezahlen, aber wir sind diejenigen, die täglich 10 Stunden zu schuften haben, die spielen lernen müssen - üben müssen wir schon selber. Und derjenige, der nicht in der Lage ist, so zu üben, ist ein fauler Mensch, er taugt nicht, er ist des Reiches Christi nicht würdig. Wenn Christus zu seinen Jüngern sagt: "Friede sei mit euch!", so möchte ich für euch diesen Spruch ganz allgemein der Situation gleichsetzen, wie wenn der Kapellmeister vor dem Beginn eines Symphoniekonzertes mit seinem Stab schwenkt und alle zuhören und zu spielen anfangen lässt. Und wenn Christus sagt: "Friede sei mit euch!", soll jeder mit seiner Geige, mit seinem Bogen bereit sein, diesem göttlichen Takt lauschen, der sich von einem Ende der Welt bis zum anderen stets bewegt. Alle Menschen singen und spielen vor Gott. Er inspiziert sie. Derjenige, der das Singen nicht gelernt hat, verzerrt seinen Mund. Das Weinen - das ist ein verzerrtes Singen. Beim Lachen gehen die Mundwinkel ein bisschen nach oben, beim Weinen dagegen gehen sie nach unten. Wer weint, ist noch jung, er hat noch nicht singen gelernt. Also ist das Weinen ein verzerrtes Singen, das übrigens eine Vorbereitung auf das gute Singen ist. Es ist gar nicht so schlecht, zu weinen, weil sich dieses Weinen nach einer Weile in ein sehr gutes Singen verwandeln wird. Aber der Mensch wird es nicht leicht haben! Wir wollen nachsichtig sein: er wird singen lernen. Mit dieser neuen Energie, die Christus durch Seine Auferstehung in die Welt setzte, zeigte Er den Weg zu dieser Göttlichen Kunst, die Rettung heißt. Genau deswegen müsst ihr Das Evangelium eifrig studieren. Ihr sagt: "Das verstehe ich nicht, jenes verstehe ich nicht, dieses finde ich nötig, jenes aber unnötig, dieses ist richtig, jenes aber nicht." Ich frage euch: "Was ist richtig?" Einige wollen nicht leiden, sie wollen nicht singen, andere wollen nicht arbeiten. Was wollen sie dann? Das Weinen ist eine Übung, es ist der Übergang zum Singen. Die Hacke hat auch ihren Klang. Mit einer Hacke zu arbeiten, sie zu heben und zu legen - das bedeutet eine Trommel schlagen. Und man muss die Trommel schlagen. Man hebt die Axt und man legt sie danach - das sind die Klänge in einer bestimmten Musik. Und wenn du die Hacke hebst und wenn du gräbst - auch dann solltest du daran denken und zu dir selbst sagen: "Der Herr schaut auf mich - ich muss diese Hacke rhythmisch setzen." Auch wenn du Bäume fällst, solltest du sie allen Regeln der Kunst nach fällen. Wir sagen: "Dieses ist sinnlos, jenes ist sinnlos." Und was hat dann überhaupt einen Sinn im Leben? Die dem Anschein nach kleinsten Dinge, denen wir die geringste Bedeutung beimessen, haben den größten Inhalt. Die Auferstehung ist ein Prozess, den Der Geist Gottes in unserem Leben verrichtet, und durch den Gott diese ursprüngliche Harmonie wiederherstellt. Eines Tages, wenn sich eure Ohren öffnen, und ihr fangt an, von weitem etwas mehr zu hören als jetzt - jetzt sind eure Ohren zu dick, ihr habt nicht das geringste musikalische Talent und ihr begreift nur die gröbsten Töne - werdet ihr merken, dass bestimmte Töne, die die Gegenstände - die Quellen, die Bäume, die Blätter - von sich geben, durch das ganze Universum wandern, und ihr werdet eine großartige Musik vernehmen können, die sich von einem Ende der Welt bis zum anderen ausbreitet, und dann werdet ihr den eigentlichen Sinn des Lebens verstehen. Auch Christus will euch durch Seine Auferstehung in diesen Konzertsaal einführen. Er wird für euch bezahlen, jedem von euch wird Er eine Eintrittskarte geben; werdet ihr aber das richtige Ohr haben, um die Göttliche Musik verstehen zu können, nachdem ihr jenen Saal betreten habt und dem Konzert, dem Singen beiwohnt? Das ist der innere, der tiefe Sinn der Auferstehung Christi. Das ist das Leben, das sich unter den Engeln entwickelt, von den kleinen bis zu den höchstgestellten. Überall auf der Welt gibt es diese Göttliche Manifestation, und weil wir diesen inneren Zusammenhang nicht durchschauen können, meinen wir, dass alle Erscheinungen auch unabhängig und ohne Zusammenhang untereinander existieren. Und wenn ihr die Worte "Friede sei mit euch!" hört, müsst ihr bereit sein, das zu spielen, was euch Der Kapellmeister spielen lässt - entweder singen oder weinen. Erhebt Gott Seinen Stab und sagt Er "Friede sei mit euch!", wird der Mann, der nicht singen kann, zu schreien anfangen, so dass man schon sein Singen "Schlagen" nennen kann. Und er schlägt zwar die Trommel, aber verkehrt. Die Frau, die schlägt die Trommel manchmal auch verkehrt. Gott sagt: "Du hast nicht gelernt, die Trommel zu schlagen, den und den Ton machst du falsch, an deiner Stimme ist noch zu arbeiten, stimm und spann ein bisschen die Saiten deines Lebens, deiner Seele". Dann sag: "Friede sei mit euch!", und ihr fangt an, zu spielen. "Warte! Du setzt deine Finger nicht richtig auf die Geige!", wird Er dich wieder aufhalten. Du sagst dann: "Ich bin es schon leid!" Aber du musst wissen, dass man die Kunst durch große Geduld und Fleiß erlangt, und dass es für den Faulen keinen Himmel gibt. Gott sagt deswegen: "Wenn ihr nicht aufnahmefähig wie die Kinder werdet, werdet ihr nicht in Das Himmelreich eintreten"; weil die Kinder Lust haben, die Dinge zu erforschen, die Erwachsenen sagen dagegen: "Wir brauchen das nicht, wir brauchen jenes nicht." Schließlich werden sie krumm und einem Fragezeichen ähnlich - die Erde zieht sie an und sie werden darin beerdigt. Gott sagt: "Weil diese Geige nicht gut gemacht ist, legt sie unten, damit sie aufs Neue gemacht wird." Man wird sie wieder aufbauen und sie wird aufs Neue zur Welt kommen, damit sie wieder zu lernen anfängt. Gott hat beschlossen, dass ein jeder von euch singen und spielen lernt. Er will im Himmel keine Kinder haben, die spielen und singen nicht lernen wollen. Auch der Apostel Paulus sagt, dass er in den dritten Himmel gegangen sei und etwas gehört habe, was in keiner menschlichen Sprache zu beschreiben wäre. Er habe Singen und Spielen gehört. Johannes hat auch behauptet, dass er Singen und Spielen gehört habe. Das ist die Überlegung, die ich euch hinterlassen will. Wisst ihr, welcher der Grundton eurer Seele ist? Wisst ihr, eure Geige zu stimmen? Lernt sie zu stimmen. Jeden Morgen, sobald ihr aufsteht, sollt ihr euer Nervensystem stimmen. Ihr seid etwas verärgert, etwas beunruhigt - das zeigt, dass eure Geige nicht gestimmt ist. Haltet inne, stimmt sie. Und so, wenn ihr sie nach und nach stimmt, werden eure Sorgen auch verschwinden. Wie ist euer Nervensystem zu stimmen? Ihr geht beten - das Gebet, das ist das Stimmen. Manche fragen: "Warum sollen wir eigentlich beten?" Um eure Geige zu stimmen. Nachdem ihr eure Geige so gestimmt habt, sagt zu Gott: "Meine Geige ist gestimmt" und Gott wird euch antworten: "Fangt mit der Arbeit für den Tag an." Und der Frieden wird in euch eintreten, und die Arbeit wird euch von der Hand gehen. Es kann vorkommen, dass an manchem Tag die Frau auch ihre Geige nicht gut stimmt - sie schlägt dann bald dieses, bald jenes ihrer Kinder; selbstverständlich klappt es an diesem Tag mit der Musik nicht besonders gut. Sie sagt: "Warum hat mir Gott diese Kinder gegeben? Wie ungehorsam sind sie!" Sind die Kinder ungehorsam oder ist es die Mutter? Das ist die Frage. An manchem Tag, wenn die Geige gestimmt ist, läuft alles bestens, dabei sind es dieselben Kinder. Also hier muss es sich um eine Verstimmung handeln. Daher ist das Erste, was wir morgens zu tun haben, das Beten, das heißt unseren Verstand, unser Herz, unser Leben stimmen, um so vor Gott zur Arbeit zu erscheinen. Wir sollen dankend sagen: "Heute haben wir unsere Lektion in Singen und in Spielen gut gelernt und wenn unser Vater zurückkehrt, wird er zufrieden mit uns sein." Christus ist gekommen, um zu sehen, wie wir auf der Erde singen und spielen können. Er ist gekreuzigt und 500 Millionen Menschen singen und spielen heute auf diesem Kreuz, das, seitdem er gekommen ist, die vollkommene Zivilisation ins Leben ruft. Also, das Christentum ist eine Göttliche Musik, ein Göttliches Singen. Lernt darauf das Singen und das Spielen; stimmt gut eure Geige, bewegt richtig den Bogen und folgt den Befehlen Des Kapellmeisters. Die ganze Welt wird sich nach diesem Göttlichen Gesetz richten, und ihr werdet euch auf die andere Welt vorbereiten, auf das andere Leben, das kommt. (Gehalten am 11. September 1914 in Sofia)
  21. Die Wichtigkeit der kleinen Dinge "Sehet zu, dass ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel" (Mt 18,10) Die Menschen beider Geschlechter streben im Grunde genommen nach großen Dingen und nach großartigen Sachen; einer eigenen inneren Schwäche nachgehend, verachtet man die kleinen Dinge. Ihr bekommt beispielsweise einen Groschen geschenkt. "Er ist ja nichts wert. Wären es 1 000, 10 000 oder 100 000 Lewa, das wäre schon was! Aber ein Groschen, nein - ich bin schließlich kein Bettler!", sagt ihr. Ihr bekommt eine Walnuss geschenkt. "Das ist aber eine Beleidigung für mich! Es wäre was anderes, wenn du mir 5 oder 10 Kilo gäbest, aber eine einzige Nuss! Du willst mich nicht etwa auf den Arm nehmen, lieber Herr?" Nach großen Dingen strebend sind wir auch bemüht, mit hochgestellten Persönlichkeiten Bekanntschaft zu machen, mit Königen, Ministerpräsidenten, Vorgesetzten, Gelehrten, Philosophen; die sozial niedriger Gestellten dagegen bezeichnen wir als 'Unwissende' und 'Tölpel'! Vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens begegnet uns nichts anderes als Trachten nach den großen Dingen und Verachtung den kleinen Dingen gegenüber. Jesus aber spricht zu seinen Jüngern und warnt sie davor, die Kleinen zu verachten. Warum? "Verachtet sie nicht, denn ihr beleidigt dadurch ihre Engel, die ihnen im Himmel dienen. Verachtet ihr diese Kleinen, so verachtet ihr gleichzeitig auch die Engel, deren Kinder die Kleinen sind". Nehmen wir an, wir wollen ein Stück Holz zerspalten. Zunächst schnitzen wir kleine spitze Keile und erst, wenn diese ins Holz eindringen, machen sie für die großen Keile Platz. Wären die Keile groß und stumpf, wie könnte man schaffen, sie einzurammen? So wird von den kleinen Dingen der Weg für die großen freigemacht. Und der gesamte Entwicklungsprozess in der Welt funktioniert von Anfang an dank dieser kleinen Dinge, die ihr verachtet; der Fortschritt im ganzen Weltall stützt sich auf sie. Man sagt, der Pflug ernähre die ganze Welt. Wenn der Pflüger den Acker gut gepflügt und dann bestellt hat, so wird auch der Ernteertrag gut sein. Dies alles stimmt, aber wir dürfen auch die Rolle nicht vergessen, die die Milliarden von kleinen Würmchen spielen - sie pflügen nämlich auch den Acker. Weil wir dazu erzogen sind, die Schwachen zu verachten, auch wenn wir uns zum christlichen Glauben bekennen, tragen wir jenem Wolf ähnlich unter dem Schafspelz unsere Wolfsinstinkte weiter mit, und zuweilen zeigen wir sogar unsere Krallen aus dieser unschuldigen Kleidung heraus. Unsere alten Gewohnheiten können wir auch nicht vergessen: sobald man uns einen Groschen weggenommen hat, reichen wir alsbald eine Klage deswegen beim Gericht ein. Hat jemand aber 5 000 oder 10 000 Lewa unterschlagen, sagen wir "Ah, Bravo!" zu ihm. Derjenige aber, der solche beträchtlichen Summen stiehlt, der hat sich dieses nicht auf einmal angewöhnt; zunächst hat er seinem Vater einen Groschen weggenommen, dann - fünf, später - zehn Groschen usw. Dieses Gesetz stimmt in jeder Hinsicht. Wenn wir die kleinen Ursachen verachten, so versäumen wir danach deren wichtigen Folgen und Konsequenzen in unserer Arbeit. Ich kann nun sagen, dass alle unsere jetzigen Misserfolge, gemeinsam wie privat, mit der Verachtung der kleinen Dinge in der Vergangenheit zu erklären sind. Deshalb sagt auch Jesus Christus zu seinen Jüngern, sie dürfen "diese Kleinen" nicht verachten. Nun, wer sind eigentlich "diese Kleinen"? Jemand könnte sagen: das sind unsere Kinder. Es ist schon richtig, dass es unsere Kinder sind. Aber wenn wir dabei sind, das Gesetz Christi in Wirklichkeit einzuhalten, werden wir feststellen, dass es noch viele andere Sachen gibt, die ebenso nicht zu verachten sind. "Seht zu, dass ihr diese Kleinen nicht verachtet!" - Ich werde versuchen, euch den Sinn zu erklären, der in diesen Worten versteckt ist. Ein Inder hat seinem Sohn eine Walnuss gegeben und ihn diese Walnuss untersuchen lassen. Der Sohn knackte die Nuss und aß sie auf. "Was enthält die Nuss?", fragte der Vater später. "Nichts Besonderes - ein paar Kerne, die angenehm schmecken." Da stellte der Inder eine zweite Frage an den Sohn: "Hast du in dieser Nuss nichts anderes gefunden?" Nein". - "Mein Sohn, in dieser Nuss ist eine enorme Kraft enthalten, und wenn du sie nicht aufgegessen, sondern sie in den Boden gesteckt hättest, so wäre daraus ein großer Baum gewachsen, und du hättest die Größe dieses kleinen Dinges sehen können, das der Keim eines großen Dinges ist." Gott schickt euch einen kleinen Gedanken, einen Apfelkern, und ihr sagt: "Es ist nichts", und ihr werft ihn hin. Gott aber sagt: "Fragt, was für eine Kraft er enthält, pflanzt ihn ein, und ihr werdet sehen, was für ein Baum daraus aufwachsen wird". Gerade dieser andauernden Verachtung der kleinen Gedanken haben wir unsere jetzige Lage zu verdanken, wobei wir immer wieder sagen, die Welt sei schlecht. Wir sind neunmalklug! Christus sagt: "Verachtet nicht diese kleinen Dinge, strebt nicht nach den großen, lernt die große Kraft erkennen, die in diesen kleinen Dingen steckt und nutzt sie aus: Sie werden euch dazu verhelfen, die großen zu erreichen." Ihr eigenes Haus ist doch auch aus winzigen, millimeterkleinen, zusammengehörenden Körnchen aufgebaut. Auf diesen kleinen Dingen wie das Weizenkorn, die Früchte und die anderen Kleinigkeiten dieser Art beruht unser tägliches Leben. So steht es mit dem Körper, aber genauso auch mit dem Verstand. Gerade die kleinen Gedanken und Wünsche sind es, die Freude und Lebenslust bereiten. Manchmal lachen wir über die Kinder, dass sie kleine Gedanken beschäftigen; aber nicht die Gedanken, sondern die Körnchen, die zu der Entwicklung der großen Dinge beitragen, sind klein. Und warum dürfen wir die Kleinen nicht verachten, warum dürfen wir nicht gegen das zweite Gottesgebot, "liebe deinen Nächsten", verstoßen? Jedes Lebewesen, das in irgendeiner Beziehung zu einem anderen steht und Nutzen bringt, dürfen wir nicht verachten. Dieses Wesen kann eine Taube, ein Huhn, ein Schaf, ein Ochse, ein Pferd oder aber ein Esel sein - über jedes von ihnen wird ein Buch geführt, in dem folgendes steht: heute habt ihr den Esel mit so und so viel beladen, morgen mit so und so viel. Im Buch wird alles regelmäßig notiert und wenn Gott dem Esel je 5 Lewa pro Tag berechnet, in ca. 100 Jahren, beispielsweise, wenn er euch das ganze Leben lang gedient hat, was seid ihr ihm dann schuldig? Eines Tages habt ihr ihm, jenem Schuldner gleich, 10 000 Talente zu zahlen. Ihr werdet sagen: "Ich kann mich nicht daran erinnern"; der Herr aber hat ganz genau eure Schulden im Buch notiert. Daher sind wir alle diesen Kleinen etwas schuldig. Unseren jetzigen Entwicklungsstand, unsere jetzigen Gedanken, unsere jetzigen Wünsche haben wir diesen Kleinen zu verdanken, von denen Christus spricht; also, wenn wir ihnen schuldig sind, müssen wir auch ihnen gegenüber Liebe empfinden, wir müssen wissen, dass sie für uns gearbeitet haben, folglich haben wir jetzt für sie zu arbeiten. Nebenbei möchte ich noch eine rätselhafte Angelegenheit erwähnen. Man hat mir ziemlich oft die Frage gestellt: Warum interessieren sich eigentlich die Engel so sehr für die Menschen. Was haben sie mit ihnen gemeinsam? Früher, als die Engel in derselben Situation gewesen sind, also Menschen wie wir auf der Erde waren, sind wir in der Situation der Tiere gewesen und haben ihnen gedient. Sie schulden uns viel und der Herr lässt sie es uns jetzt vergelten. Auch die ganz großen Engel verachten ihre kleinen Brüder nicht, weil diese für sie gearbeitet haben. Kann sein, dass ihr einen Diener habt, der ein einfacher Mensch ist, ihr könnt aber nicht wissen, in welcher Beziehung dieser Diener zu euch steht und warum Gott ihn in euer Haus geschickt hat. Die Beziehung zwischen euch besteht nicht erst seit heute; dieser Diener ist mehrmals bei euch, in eurem Haus gewesen. Ihr wisst es nicht, aber Gott weiß es. Möglicherweise hat er euer Leben schon mehrmals gerettet, folglich müsst ihr ihm eure ganze Liebe und Nachsicht schenken. All das begreifend sind wir in der Lage, dieses großartige Göttliche Gesetz zu verstehen - Liebe zu den Kleineren zu empfinden. Die Liebe ist nicht für die Großen, für die Engel, für die Heiligen bestimmt; sie ist den kleinen, unbedeutenden, armen und gescheiterten Brüdern zu schenken. Darum entwickelt sich bei der Mutter eine so starke Liebe zu dem Kind; sie liebt es kraft dieses Göttlichen Gesetzes, sie muss es einfach lieben. Sie liebt es eben so, einem inneren Feuer folgend, weil Gott in das Kind inkognito eingezogen ist. Ihr wollt Gott sehen, wenn Er aber in diesem Kind erscheint, sagt ihr: "Warum, oh Gott, hast Du mir dieses Kind gegeben?" Jeden Tag ruft ihr nach Gott, jeden Tag jagt Ihn weg. Und ihr werdet noch für kluge Leute gehalten! Und ein solches Verhalten zeigt nicht nur ihr, sondern die ganze Welt! Der Herr prüft jeden Tag euren Verstand, um zu erfahren, wie groß eure Liebe zu Ihm ist und inwieweit ihr die Wahrheit sagt. Einst, als die Welt verdarb, gab es das Gerücht, Gott sei auf die Erde gekommen, um nachzuschauen, wie die Menschen leben. Diese sagten dann: "Im Himmel ist jetzt kein Herr, es gibt keinen, der uns kontrolliert: wir werden etwas lockerer leben." Gott sieht an einem Ort, dass ein Mann ein blindes Pferd an einen anderen verkauft, und dabei zu dem Käufer spricht: "Glaub mir bei Gott, das Pferd ist nicht blind." "Wenn du bei Gott schwörst, so muss ich dir das schon glauben", und dieser kauft das Pferd. Gott kommt an einem Haus vorbei und sieht, wie ein Mann seine Frau verprügelt. "Um Gottes Willen, verzeih mir!" Er verzeiht ihr. Diese Beiden stellen sich später im Himmel vor und sagen: "Wir haben auf der Erde, oh Herr, Deinen Namen verkündigt!" So rufen auch die heutigen Menschen Gott nur, wenn sie ein blindes Pferd verkaufen oder ihre Frauen verprügeln wollen. Die Priester sagen: "Glaubt an Gott"; aber was kann Gott ihnen sagen? "Ich will euch nicht kennen, weil ihr meinen Namen benutzt habt, nicht etwa, um ihn zu rühmen, sondern, um die Leute irrezuführen, damit sie dieses oder jenes Verbrechen begehen und es anschließend decken." Gerade diese kleinen Sachen verursachen die Missgeschicke. Ihr habt ein blindes Pferd, ihr wollt es im Namen Gottes verkaufen. Passt aber auf und tragt immer dem Rechnung, was ihr tut. Wisst ihr, wer dieses blinde Pferd ist? Es ist euer Körper. Immer wieder reden die Menschen schlecht über ihn, immer wieder wird nur er bestraft; man sagt, er ist einzig und allein an allem schuld. Nicht der Körper ist aber schuldig. Einer betrank sich in der Kneipe und sagte danach: "Gebt ja meinem Pferd kein Futter!" Er sündigt, will aber das Pferd bestrafen. Verachtet nicht den Körper, verwechselt nicht das Fleisch mit euren Wünschen und Gelüsten. Von diesen letzteren solltet ihr euch lossagen und nicht von eurem Fleisch, widrigenfalls müsstet ihr euch eigentlich von allen euren Gedanken und allen euren Taten lossagen, die durch das Fleisch zustandekommen. Und ihr dürft euren Körper nicht plagen - diesen Tempel, den unser Herr geschaffen hat. Folglich müsst ihr sehr nachsichtig eurem Körper gegenüber sein, weil, solange er gesund ist, könnt ihr auch arbeiten. Nun, wenn Christus von "ihren Engeln" spricht, so meint er jene klugen Wesen, die uns für unsere Taten zur Rechenschaft ziehen. Das, was wir 'Gewissen' nennen, sind in Wirklichkeit diese Engel, die in uns wohnen, und die sich jede einzelne Tat von uns, ob gut oder schlecht, notieren, und zu uns sagen: "Du hast richtig gehandelt" oder aber "Du hast schlecht gehandelt". Du beleidigst jemanden und sein Engel sagt dann zu dir: "Dein Verhalten war nicht richtig". Und du fängst an, dich zu entschuldigen: "Aber entschuldige, ich war ein bisschen nervös, unpässlich, so verhält es sich nämlich". Dass du in einem solchen Zustand bist, hat nichts mit der Regel zu tun, dass du diese Kleinen nicht verachten darfst, auf denen die Göttlichen Gesetze beruhen. Diese kleinen Sachen verursachen manchmal sowohl großen Nutzen, als auch große Schäden. Ein Wolf erzählte herum, er sei ein Recke und der König aller Tiere; der Fuchs sagte zu ihm: "Gib nicht so an, weil, käme eine Mücke in deine Nase, und würde sie dich stechen, könntest du ihr nichts antun." "Wenn ich aber mit der Nase blase, wird sie herausfliegen", antwortete darauf der Wolf. Eines Tages kam eine Mücke in seine Nase herein, stach und steckte ihn mit irgendwas an und der Wolf starb daran. Oft können die kleinen Ursachen auch in unserem Leben in dieser oder in jener Hinsicht unsere Entwicklung fördern oder aber sie beeinträchtigen. Die Ursachen, die uns gut und böse machen, sind an sich nicht schlecht; schlecht ist nur ihr Gebrauch. Nehmt die Luft als Beispiel: wenn ihr sie in die Lunge pumpt, wird sie das Blut reinigen, und man wird sich wohl fühlen nach dieser Blutreinigung. Pumpt ihr aber die Luft in den Magen, wird sie Bauchschmerzen bereiten. Eine und dieselbe Sache ruft in den beiden Fällen zwei gerade entgegengesetzte Wirkungen hervor. Wenn ihr Kohle im aufgelöstem Zustand dem Magen zuführt, wird sie ein Wohlgefühl verursachen, setzt ihr sie dagegen in die Lunge, werdet ihr vergiftet. Das, was Christus unter diesen kleinen Dingen also versteht, von denen Er sagt, wir dürfen sie nicht verachten, ist das gesamte Menschenleben, mit dem wir eng verbunden sind. Beispielsweise, wenn ich euch fragen würde, ob ihr sagen könntet, wie sich euer Körper, euer Herz, euer Verstand geformt haben, wüsstet ihr genau, wie diese Dinge entstanden sind? Als der Mensch einst auf der Erde erschienen ist, ist er nicht riesig gewesen, sondern ganz winzig; unter bestimmten Bedingungen hat er sich entwickelt und ist zu Mensch geworden. Jetzt ist er millionenmal größer, als er damals gewesen ist. Seine Kraft steckte am Anfang im Keim. So enthält auch in unserem modernen Leben der Gedanke eine große Göttliche Veranlagung und wenn er einen guten Boden findet, kann er unser Leben neu erwecken. Das, was wir 'Wiedergeburt' nennen, existiert als ein Gesetz des Geistes. Es ist jener innerliche Göttliche Prozess, der das menschliche Herz, den menschlichen Verstand, die menschliche Seele, den menschlichen Geist erhebt und erneuert. Das ist ein Prozess des Aufsteigens von unten nach oben. Und in diesem Göttlichen Bestreben wird unsere Erhebung, Erlösung und Rettung erarbeitet. Deshalb streben alle Wesen - von den größten bis zu den kleinsten - danach, sich zu erneuern, sich zu erheben, und in der Jugend ist das Aufblühen der menschlichen Seele zu finden. Wenn wir sagen, wir sollten den Kleinen gegenüber nachsichtig sein, so geht dieses aus dem Prinzip hervor, Gott nicht zu verbittern, weil, verbittern wir einen Menschen, so wird in Wirklichkeit nicht dieser Mensch verbittert, sondern Der Herr, Der in ihm ist. Auch wenn wir Gutes tun, helfen wir Gott. Helfen wir jemandem, so wird uns auch sein Engel behilflich sein, der im Himmel wohnt. Wollen wir also Freunde im Himmel haben, müssen wir den Kleinen dienen und ihre Väter - die Engel im Himmel, werden uns in ihrem Haus empfangen und bewirten, dort werden wir uns wie zu Hause fühlen. Dienst gegen Dienst, Liebe gegen Liebe - so ist die Welt. Nun, wisst ihr, warum Christus diesen Spruch seinen Jüngern gegenüber geäußert hat? Das Verachten - diesen Zustand sollt ihr aus eurer Seele vertreiben. Beispielsweise begegnet ihr einem Menschen, den ihr nicht kennt. In euch entsteht Verachtung, ihr meint, er stehe vielleicht niedriger als ihr. Wenn ihr nur sein Unwissen feststellt und ihm helft, das ist schon was anderes, verachtet ihr ihn aber, so flößt ihr (euch) Gift ein. Aus der Verachtung ist der heutige Aristokratismus hervorgegangen, auch die Kasten - einige sind adlig, andere nicht, einige sind reich, andere dagegen arm. Wenn wir diese Zusammenhänge durchschauen, können wir auch erkennen, dass wir uns unserer Armut wegen nicht zu schämen brauchen, weil die Armut einen Dienst darstellt, der uns auferlegt worden ist und den wir zu tragen haben: wir müssen klein, wir müssen arm sein, um reich zu werden. Das sind zwei Gegenpole, zwischen denen sich tatsächlich die Entwicklung befindet. Und immer vollzieht sich die Bewegung vom Größeren zum Kleineren, das heißt, Gott strebt jederzeit nach dem Kleineren. Er beschäftigt sich nicht mit großen Dingen. Er hat die Welt geschaffen, aber das Regieren der ganzen Welt bereitet ihm nicht soviel Spaß, wie wenn er sich mit den Kindern beschäftigte. Seine Arbeit besteht darin, wenn Er die Menschen Fehler machen sieht, sie zu belehren. Dadurch ist Er für uns ein Vorbild, die Kleinen nicht zu verachten, sondern sie zu dulden und zu belehren - das sollte unsere Erholung sein. Wenn sich der Lehrer mit seinen Schülern beschäftigt, macht es ihm Spaß und er belobigt die Schüler, falls sie fleißig lernen. Die Heiligen sowie die Priester beschäftigen sich mit den Sündern, um sie zu Gott zu wenden. Und die Aufgabe von uns allen ist, unseren Blick immer wieder auf die schwachen Menschen und auf die kleinen Dinge zu richten. Wenn jemand sagt: "Ich kann mich nicht erholen", so denke ich mir, dass er sich mit großen Sachen, mit großen Gedanken beschäftigt. Er kann sich auch nicht erholen, weil er auf seinem Rücken einen, über seine Kräfte hinausgehenden Rucksack mit 10, 20 oder 50 Kilo Gold trägt. Wenn er in dem Rucksack nur einen Napoleondor zum Tragen lässt, wird er sich sicherlich ausruhen können. Und jetzt kommt Gott, um uns zu sagen: "Nieder mit den Rucksäcken!", und Er wird die Welt davon befreien. "Nieder mit den Waffen, die euren Verstand und euer Herz zerstören; ihr alle sollt wie die Kinder werden: die kleinen Dinge nicht verachten, die ich geschaffen habe". Gott will den Menschen in jenen ursprünglichen Zustand zurückverwandeln, der von den Menschen als 'Verwilderung' bezeichnet wird. Ich wünschte, dass die Menschen auf diese Art und Weise wild werden. 'Wild' (bulg. 'div') bedeutet auf Sanskrit 'rein'. Wollen wir rein werden und Gott immer näher kommen, anstatt grob und böse zu werden. Ich wünschte, dass die ganze Welt so schnell wie möglich wild wird, das heißt rein, edelmütig, dass sie die von Gott geliebten kleinen Dinge nicht verachtet, und der Liebe, der Gerechtigkeit, der Weisheit, der Wahrheit und der Kraft den ihnen gebührenden höchsten Rang zukommen lässt. Da ist die Rettung. Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 3. August 1914 in Sofia
  22. Das Gesetz des Dienens "Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren." (Joh 12,26) Viele fragen sich, was sich hinter den Worten "wer mir dienen wird, den wird Mein Vater ehren" verbirgt. Die Welt hat verschiedene Reize: Der moderne Mensch strebt danach Wissen, Reichtum, Ländereien, Häuser, Ruhm, Berühmtheit, Kraft und vieles andere zu erlangen; sehr viele Dinge werden angestrebt. Jesus besteht aber nur auf eines: Auf das Dienen - der Mensch muss wissen, wie man dient. Diener - ein oft gebrauchtes Wort, wenn es darum geht, die niedrigste Stellung innerhalb der Gesellschaft zu bezeichnen. Es gibt verschiedene Diener - in den Kneipen, in den Restaurants, in den Küchen, in den Theatern, in den Universitäten, in den Ministerien.... An und für sich sind wir alle Diener, nur nicht alle wollen es sich eingestehen. So gibt es in der Welt zwei Arten von Dienern: Die einen, die sich ihrer Verpflichtungen bewusst sind und wissen, wie sie ihnen am besten nachkommen, und die anderen, die vom Dienen keine Ahnung haben. Die Letzteren nennen wir auch mittlere Führungsschicht, Vorgesetzte, die sich auf ihrem Posten breitmachen und erwarten, dass ihnen die Untergebenen dienen; sie lieben es, den anderen wohlfeile Ratschläge zu geben, wie man zu arbeiten und zu dienen hat. Jeder möchte sich in der ersten Kategorie befinden - Herr sein. Das Christentum aber vertritt eine völlig konträre Auffassung: Es vertritt das Prinzip, dass der, der Vorgesetzter sein will, dienen muss; es besagt, dass selbst der Sohn Gottes nicht auf die Erde kam, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Wir alle unterliegen dem Gesetz des Dienens. Mancher sagt: "Ich bin der Herr!"; nein, er belügt sich selbst, wenn er wirklich glaubt, er sei keinem Rechenschaft schuldig, er würde keinem dienen; denn zumindest dient er seinem Magen, der ihn tagtäglich dazu antreibt, zur Arbeit zu gehen, ob es ihm gefällt oder nicht. Er verlangt von ihm, dass er bei der Auswahl des Essens stets auf beste Qualität achtet, er besteht darauf, dass er die Nahrung, bevor er sie ihm zuführt, gründlich zerkaut, tut er es nicht, wird er mit Erbrechen bestraft: "Du musst mir gut dienen, sonst kündige ich dir!" Einige denken, dass nur der Herr den Untergebenen kündigen kann, aber auch der Magen ist dazu in der Lage. Fragt nur die Ärzte, was ein Magen macht, dem nicht richtig gedient wurde; damit ihr nur seht, wie er seinem Herrn kündigen kann. Dienen ist eine Tugend. Wie viel Leid wurde schon auf die Erde gezogen, einzig und allein deshalb, weil man es nicht versteht, richtig zu dienen. Wenn die Mutter lernt, wie man ein Kind erzieht, wenn der Lehrer lernt, wie er seinen Schülern Wissen vermittelt, wenn die Regierung lernt, wie sie dem Volk dient und Gesetze erlässt, die für seine Entwicklung wichtig sind, wird die Welt ein anderes Gesicht bekommen. Die moderne Zivilisation steht vor einer gewaltigen Prüfung: Millionen von Menschen bewerben sich darum, in den Armeen dienen zu dürfen - Gewehre zu tragen, Minen zu legen, im Gleichschritt zu marschieren, Granatwerfer zu bestücken; das ist nichts anderes als dienen. Was erwartet diese Diener? All diese Köpfe, Schenkel und Hände werden entbeint, verquirlt und in Kübeln in die Heimat zurücktransportiert. Das trägt dann auch noch das Etikett: "Zivilisation und Kultur"; die modernen Völker wollen uns sicher sagen: "Wozu ist überhaupt Der Herr gut? - Die Wissenschaft bringt uns weiter!" Was hat sie uns denn beigebracht? Hart zu sein, Revolver und Granaten herzustellen! Ja, die Wissenschaft hat uns zu dieser Prüfung bestellt, damit wir diesen gefährlichen Versuch machen, und auch der Himmel prüft uns und unser Verständnis vom Dienen. Die Welt verlangt nach Dienern, die ihr voll zur Verfügung stehen, und Der Herr erwartet auch das Seine. Christus sagt: "Wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren!" Wir sind ständig damit beschäftigt, unsere Sachen zu ordnen, aber sie wollen sich keiner Ordnung einfügen. Wir erkranken, rufen den Arzt, damit er uns heilt, doch trotz allem holt uns der Tod ab. Wir bauen uns eine Villa, richten sie mit dem Feinsten vom Feinsten ein, stellen Wachleute ein, damit keiner unsere Reichtümer klaut und einige Wochen später brennt das Haus ab. Christus sagt: "So viele tausend Jahre habt ihr diesem euren Prinzip gedient, und seht, wie viel dieser Untergrund trägt; wenn ihr hingegen Mir dient, werdet ihr den Sinn in eurem Leben sehen!" Wir müssen dienen, weil selbst Christus nicht bedient werden wollte, sondern diente. Die Menschen müssen Diener der Schwächeren und der Schutzlosen werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass schlechte Leute die Welt bedienen. Wisst ihr, warum die moderne Gesellschaft verdorben ist? Die Mütter, die die Kinder alleine erziehen müssen, vertrauen ihre Kinder unfähigen Dienerinnen an, und sie selbst gehen ins Theater, auf Bällen, in Cafes und anderen Vergnügen nach. Was können diese sittenlosen und unfähigen Dienerinnen ihnen schon beibringen? Doch wohl nur das, was sie selbst wissen! Dienerinnen erziehen die jetzigen Kinder - nicht nur in Bulgarien, sondern auch in Frankreich, Deutschland, Amerika - kurzum überall. Nicht alle Dienerinnen sind sittenlos, aber der größte Teil ist es eben, und das ist in erster Linie die Schuld ihrer Dienstherren. Wenn die Mütter im wahrsten Sinne des Wortes Dienerinnen ihrer Kinder wären, die sie auf dem Weg des Aufwachsens und der Erziehung begleiten, sähen einige Dinge anders aus. - Das gleiche gilt für den Vater, der nicht einmal bereit ist, seine Söhne zu erziehen. Wenn Vater und Mutter drangehen, ihre Verpflichtungen zu vernachlässigen und sie auf ungebildete Dienerinnen abzuwälzen, die keine Ahnung davon haben, was das Leben eigentlich ist, kann das Resultat nur verheerend sein. Eine Dienerin kann allein schon aus dem Grund kein Kind erziehen, weil sie es nicht geboren hat und keine Liebe zu ihm empfindet. Sie sagt sich: "Was soll ich die Kinder hüten, während es sich Madame gerade im Cafe gemütlich macht?!" Ich werde euch erklären, was einen guten Diener ausmacht, was für Eigenschaften man von ihm verlangt. Vor allen Dingen muss er ein edles Herz haben, empfindsam sein, aufgeschlossen, Demut muss er besitzen und formbar sein, arbeitsam und nicht faul. Das Leben ist anspruchsvoll und wir müssen ihm dienen, wie es sich gehört. Wenn ein Schneider bei einer Auftragsarbeit Fehler macht und es nicht schafft, es so zu machen, wie es sein sollte, gibt man sie ihm zurück, worauf er für den Stoff und anderen entstandenen Schaden aufkommen muss. Mit der Natur verhält es sich genauso: Sie gibt uns einen Stoff und trägt uns auf: "Schneidet und vernäht ihn zu dem Kleid!" - und wenn wir uns bei dieser Arbeit blamieren, fordert sie Schadensersatz. Wenn wir lernen wollen, wie man dient, müssen wir uns an Christus wenden, damit Er es uns beibringt. Ein Diener muss sehr klug sein, denn dumme Menschen können keine Aufgabe richtig erfüllen. Die Lehrer, die Geistlichen - auch sie sind Diener. Wenn ein Lehrer vorgibt, sein Handwerk zu verstehen, muss er die Seelen der Kinder kennen, um imstande zu sein, ein Kind zum Wissen zu führen. Der Geistliche muss die Seelen seiner Gemeinde kennen, um ihren Herzen die passende Nahrung geben zu können. Wir müssen über noch einen anderen Wesenszug verfügen - über eine große Geduld. Viele Menschen nennen geduldige Menschen "Ochsen"; "Er ist," sagen sie "ein Ochse!" Geduldig zu sein, bedeutet nicht, ein Ochse zu sein; die Geduld ist eine vernünftige Handlung, die es uns erleichtert, die äußere Unbill des Lebens zu ertragen. Es muss immer ein inneres Gleichgewicht zwischen Seele, Herz und Verstand bestehen. Da war zum Beispiel vor einigen Jahrhunderten ein Mathematiker, der seit zwanzig Jahren an einer Berechnung arbeitete. Doch in seiner Kammer herrschte schreckliche Unordnung, überall lagen Bücher, Blätter und einzelne Zettel herum. Er schloss immer seine Räumlichkeiten ab, doch eines Tages vergaß er es und sein Zimmermädchen ging hinein, und als sie das ganze Durcheinander sah, beschloss sie, aufzuräumen; sie sammelte die ganzen Blätter und Zettelchen auf und warf sie in den Ofen, wo sie verbrannten. Sie räumte das Zimmer sehr gründlich auf, reinigte es und brachte es auf Hochglanz. Irgendwann kam der Herr des Hauses zurück und fragte: "Wo sind die Papiere, die auf dem Boden herumlagen?" - "Ich habe sie in den Ofen geworfen. Seht nur, wie schön das Zimmer jetzt aussieht!" - "Das nächste Mal bitte nicht!" - das war seine Antwort. Wir dienen wie dieses Zimmermädchen: Wir sammeln die Zettelchen auf, das taugt nichts, jenes taugt nichts - ab damit in den Ofen. Dieser gelehrte Mensch, dessen zwanzigjährige Arbeit zu Asche wurde, hat nicht so gehandelt, wie wir es tun würden, sondern er legte eine beispielhafte Geduld an den Tag; er sagte nur: "Das nächste Mal, bitte nicht!". Ihr befindet euch in genau derselben Situation - die Tür ist offen, das Zimmermädchen kommt rein, sammelt das Papier auf und eines schönen Tages findet ihr euer Werk verbrannt im Ofen wieder. Wenn ihr euer Haus nach Art des Zimmermädchens aufgeräumt vorfindet, was sagt ihr dann? Ich bin mir sicher, dass Tränen fließen werden - "Mein Herr, bin ich etwa der größte Sünder auf dieser Erde?! Warum hast Du es gerade auf mich abgesehen?! Wieso...?" Wir sind Leute, die von sich glauben, das göttliche Gesetz voll und ganz zu verstehen. Wir müssen dasselbe wie dieser Philosoph sagen: "Das nächste Mal bitte nicht!" und uns für die Zukunft vornehmen, das Zimmer in Ordnung zu halten und immer abzuschließen, um es den gut gemeinten Absichten des Zimmermädchens zu entziehen. Jetzt sagt Christus: "Wer Mir folgt, den wird Mein Vater belohnen!" Stets denkt man nur an diese Welt, an diese Phase des Übergangs, man bringt ständig die hiesigen, familiären Angelegenheiten in Ordnung, aber gleichzeitig versinken die anderen, die wichtigeren Dinge im Durcheinander - euer Verhältnis zum Herrn, Der euch eines Tages zur Rechenschaft ziehen wird. Dieser Tag kommt unausweichlich. Wisst ihr, was nach einigen Jahren sein wird? Wisst ihr, wie sich diese Zeit auf Europa auswirken wird? Wie wird später die Lage sein? Wir wissen es nicht genau. Die Menschen, die der Zivilisation entspringen, müssen die Prinzipien Christi anwenden, um zu lernen, wie man dient und jene, die sich nicht darum scheren, werden auf einmal im Abseits stehen. Die Theorie Darwins besagt, das nur die fähigen und gesunden überleben. Es versteht sich von selbst, dass bei einer geistigen Entwicklung nur die gemeint sind, die geistig und moralisch gesund sind. Denkt im übrigen nicht, dass sich Gesundheit in einem vollen und runden Gesicht und einem ebensolchen Körperbau ausdrückt - dass die Menschen einen noch dickeren Hals haben, einen noch größeren Bauch, eine noch fülligere Erscheinung abgeben und noch mehr essen müssen. Wenn das ganze Leben nur aus Essen und Trinken bestünde, wäre es nicht mehr und nicht weniger als ein krankhafter Zustand. Ich bin nicht dem guten Essen abgeneigt, aber viele denken, es sei sinnstiftend. In der Tat geht ein Drittel unseres Lebens dafür drauf, denn wir dienen ihm von morgens bis abends: Nach dem Aufstehen überlegen wir uns, was wir trinken sollen, ob Tee oder Milch, wenn Milch, dann mit Kakao, oder deutsch, oder gar mit einem türkischen Kaffee. Kaum haben wir gefrühstückt, fangen wir uns zu überlegen an, was auf dem Mittagstisch stehen soll. Huhn oder Hammel, mit Tomaten oder Paprika, gewürfelt oder gehackt, so oder anders. Wir beenden das Mittagessen und fangen an, an das Abendessen zu denken; manchmal haben wir genug, manchmal aber auch nicht. Ständig variieren wir das Essen, so, dass das Kochen zu einer Wissenschaft geworden ist, die eigens erlernt werden muss. Es ist schön, aber kein Ziel im Leben. Die Kraft der Mahlzeit, die unser Magen nutzen kann, hängt nicht davon ab, mit was für Finesse sie zubereitet wurde. Wir sollen nicht glauben, dass wenn wir ordentlich salzen, pfeffern und einen dicken Batzen Butter hinzugeben, die Mahlzeit gesünder wird - wir tun es nur für den Gaumen, für den Mund. Wenn wir wissen wollen, ob eine Mahlzeit gut war, müssen wir nach einer halben Stunde unseren Magen fragen, was er dazu meint: Lässt er uns ein leichtes Völlegefühl verspüren, einen leichten Druck, gepaart mit ein bißchen Unwohlsein, sagt er uns: "Dieses Essen ist für die Gesundheit nicht gerade förderlich, ich kann euch die gewünschten Säfte leider nicht geben." Am nächsten Tag sagen wir uns: "Gebe ich ihm diesmal ruhig etwas mehr, schließlich braucht er Kraft für seine Arbeit!"; man sagt sich das solange, bis die Ärzte eine Vergrößerung des Magens diagnostizieren. Die modernen Menschen leben nur für den Magen, weshalb ihre Anstrengungen nur von Gedanken und Gefühlen an das Essen erfüllt sind. Der Lehrer unterrichtet in der Schule und macht sich Gedanken darüber, wie hoch sein Lohn sein wird - 300 Lewa oder 400 Lewa, und wie viel er folglich für Essen und Sonstiges ausgeben kann. Alle Fragen kreisen nur um das Essen, und anschließend fragen wir uns, warum wir uns nicht als Lehrer und Geistliche erheben können. Wir sind darauf aus, unseren Körper in einem möglichst gesunden Zustand zu halten - was für ein Essen man ihm am besten gibt, was für eine Behausung man ihm errichtet; wir arbeiten an dem äußeren Erscheinungsbild, aber keinen scheint es zu interessieren, wie es auf der Innenseite des menschlichen Lebens aussieht. Genauso wie unsere Wohnung gut aufgeräumt sein muss, muss auch in unserem Verstand Ordnung herrschen. Genauso wie unser Körper ein Recht darauf hat, ein hygienisches Haus zu bewohnen, muss auch unser Herz hygienisch untergebracht werden. Ich halte denjenigen für nicht besonders klug, der zwar sein Haus in Ordnung hält, sein Herz aber im Wirrwarr versinken lässt. Wenn wir eine Entscheidung treffen, die mit Dienen verbunden ist, sind die Äußerlichkeiten ausschlaggebend, und nicht, wie es eigentlich sein sollte, zuerst das Herz und der Verstand, und der Körper zuletzt. Nur wenn wir unser Leben so angehen, werden wir Gottes Segen haben. Christus sagt: "Wenn ihr Mir dienen wollt, müsst ihr euer Herz voranstellen!" Er kam auf die Erde, gerade um an unserem Herzen zu arbeiten. Worin besteht diese Bearbeitung? Das Unkraut, die Unzulänglichkeiten müssen entwurzelt werden. Ihr seid lange Zeit Christen, ihr alle folgt Christus, aber wenn Er euch jetzt zu einer Prüfung riefe, wie viele von euch würden in Geduld und Demut bestehen, sollte die Aufgabe nicht theoretisch, sondern praktisch gelöst werden, oder auch in Verbindung mit anderen Gütern wie Gerechtigkeit, Liebe, Wahrheit, Weisheit? Glaubt ihr, dass ihr nicht durchfallen werdet? Ob euch die Leute lieben, merkt ihr sofort, aber ob ihr die anderen liebt, darüber rätselt ihr immer noch. Wenn Der Herr verlangt, den Nächsten zu lieben, müssen wir diese Liebe bis zur Selbstaufgabe treiben. Wir sagen oft: "Diese Kerle ziehen mir noch das letzte Hemd aus, ausgeraubt haben sie mich!" Haben wir den Herrn etwa nicht ausgeraubt - all die Schätze dieser Erde? Der Herr ist auf die Erde herabgestiegen und sagt zu all seinen Dienern, die geraubt und gelogen haben: "Mir reicht es mit dieser Räubermentalität und diesen Lügen, kommt, hier habt ihr die Rechnung!" - den momentanen Krieg in Europa. Der Herr sagt: "Gebt mir Rechenschaft darüber, was ihr mit dem gemacht habt, was ich euch gab, für was habt ihr es verwendet?" Manche sagen, dass geoökonomische Voraussetzungen diesen Krieg nötig gemacht haben: Deutschland hätte zu wenig Boden, deshalb werde gekämpft. Wenn Deutschland ein kleines Land ist, das um Raum kämpft, was ist dann mit Russland und England? Es geht nicht um Land, sondern um etwas anderes, das den Leuten fehlt. Jeder will Herr werden, jede Rasse, die aufgeht, will herrschen, jedes Volk will Herr über alle anderen Völker werden, zwangsläufig stößt man da aneinander. Wenn alle Menschen vom Prinzip Christi geführt wären, der Menschheit dienten, wenn sich jeder auf seinen Wirkungsbereich konzentrieren würde und sein Werk in die Menschheit einbringen würde, gäbe es keine Streitereien. Jetzt bewaffnet man sich, um Einflusssphären zu verteidigen und zu erweitern. "Wie doof die doch sind, die sich jetzt bekriegen!", denken sich einige. Doch das, was sich jetzt im großen Maßstab abspielt, kann man jeden Tag im Kleinen beobachten: Geht in ein Haus und seht, was los ist: Zwei junge Menschen lernen sich kennen, heiraten, Bekannte und Verwandte freuen sich - "Ah, ein Paar, das in Frieden und gegenseitigem Verständnis leben wird!" Kommt nach zwei, drei Monaten wieder vorbei: Die Frau zerzaust, der Mann ebenfalls - sie schlagen sich zu Hause; die Frau will befehlen, der Mann widerspricht: "Ich bin der Herr im Haus!" Tatsächlich machen sich beide etwas vor: Weder der eine noch der andere ist der Herr, sondern sie beide sind Diener. "Man sagt doch, der Mann sei das Haupt der Familie!" Der Kopf zu sein bedeutet noch lange nicht, der Herr zu sein; das Haupt zu sein bedeutet, ein kluger Diener zu sein, der, weil auch noch älter als die Frau, ihr beibringen sollte, wie man richtig dient, damit beide sagen können: "Wir sind Diener unseres Herrn und wir können beide bestraft werden; wollen wir uns gegenseitig ergänzen und beinflussen!" Dies war als Gleichnis gemeint, passiert aber tagtäglich in der Welt. Lassen wir Mann und Frau jetzt in Ruhe. Manchmal sind wir unzufrieden mit uns, führen in uns ein wahres Gemetzel durch; warum? "Mir fehlt der Wille, ich kann dies und jenes einfach nicht ausführen!" - "Warum hast du denn keinen Willen, du bist doch dein eigener Herr?" - "Es muss irgend einen tieferen Grund geben!" Womit hängt dieser innere Zwiespalt des Menschen zusammen? Er hängt damit zusammen, dass er sich im Widerspruch zum Herrn befindet, im Widerspruch zu den heiligen Geboten. Wenn sich der Mensch ständig in solchen Widersprüchen bewegt, muss er damit rechnen, dass sein innerer Kummer immer größer wird, sein innerer Zwiespalt; der Verstand ist verwirrt, man weiß nicht, was man machen soll, schlechte Gedanken und Wünsche umschlingen ihn, die in keinster Weise über göttliche Kraft verfügen - ganz im Gegenteil - und schon nimmt das Leben ein anderes Aussehen an. Die schlechten Gedanken und Wünsche sind wie eine Schlange, die sich um den Menschen windet und ihm jene Säfte aussaugt, die eigentlich für das Herz und den Verstand bestimmt waren; diese Säfte fehlen ihnen nun und sie fangen an, sich zu paralysieren. Wisst ihr, was die Halter von Tanzbären machen, bevor sie ihr Programm vorführen? Sie geben den Bären ein kleines bisschen Mehl zu fressen, damit jene Instinkte nicht geweckt werden, die ihn gefährlich machen. Nehmt die vielen Leute, die die fixe Idee, reich zu werden, in den Wahnsinn getrieben hat: Sie verdienen zehntausend, fünfzigtausend, hunderttausend, eine Million, zehn Millionen - immer noch sind sie nicht satt. Noch und noch und noch häufen sie Reichtümer auf. Aber wozu? Dieser Drang hat schon längst seinen Sinn verloren, und sie wollen noch mehr. Um noch reicher zu werden, bedient man sich neuerdings sogar hypnoseähnlicher Methoden, um Einfluss auf die Leute zu gewinnen, um ihr Denken und Handeln zu manipulieren. In früheren Zeiten versteckten sich die Räuber, mit Gewehren bewaffnet, in den Wäldern, jetzt flanieren sie über die Boulevards und haben andere Hilfsmittel, um ihren Nächsten zu berauben. Man erzählt sich, dass es in New-York drei Hypnotiseuren gelungen sei, einen Bankier dazu zu bringen, ihnen fünfzehntausend Dollar auszuhändigen, mit denen sie dann auch verschwanden. Die Art des Beraubens hat sich gewandelt. Alle wollen diese Fähigkeit haben, diese Macht über die Welt; wißt ihr aber, in was für ein Unglück man damit hineinschlittert? Ich habe dieses Beispiel schon ein anderes Mal angeführt: In einer alten Überlieferung wird erzählt, dass ein Mensch solch eine Macht in seinen Händen haben wollte, dass das, was er anfasst, augenblicklich zu Gold wird. Er sagte sich: "Wenn ich das könnte, würde die ganze Welt einen Nutzen davon haben!" Ein Engel fragte ihn: "Wenn dein Wunsch erhört wird, wirst du dann für alle Zeiten zufrieden sein?" - "Ja, es wäre für mich das größte Glück!", beteuerte er, heftig nickend. - "Dein Wunsch soll in Erfüllung gehen!" Als dieser Mensch nach Hause kam, wurden Stühle, Bücher, Tassen zu Gold. Er ging in den Garten - Steine, Bäume, alles verwandelte sich in Gold. Er sagte sich: "Ich werde von jetzt an kein Diener mehr sein, sondern Herr!" "Sieh nur Frau, wir sind mit einem Mal glückliche Leute geworden!" Die Frau deckte den Tisch, stellte auf ihn Suppe und Brot, sie setzten sich mit den Kindern zum Essen hin, der Mann nimmt den Löffel er wird zu Gold; rührt die Suppe um - sie wird zu Gold; berührt den Tisch - er wird zu Gold; streift die Frau - sie wird zu Gold. Mit einem Mal fasste er sich an den Kopf und flehte Den Herrn innigst an, ihm aus diesem Schlamassel zu helfen. So kann Gier und Unvernunft enden. Wir können diese Macht erlangen - dadurch verwirken wir aber unser Leben. Wahrer Reichtum ist in, und nicht um uns; er liegt auch nicht in unserer körperlichen Stärke. Die Kraft eines Menschen besteht nicht aus den Muskeln, sondern in jenem diffizilen und zarten Gefühl, das imstande ist, alle anderen Kräfte zu entwickeln. Gott hat die Welt so erschaffen, dass sich die Natur jener augenscheinlich schwächsten Kraft unterwirft - der Liebe. Sie ist so zart und diffizil, und doch herrscht sie über alles. Wenn die Liebe in einen Menschen einzieht, nimmt sie ihn auseinander, um ihn anschließend neu zusammenzusetzen. Nehmt einen Mann, der seine Diener und Dienerinnen oft und gern schlägt; eines Tages taut er auf und opfert alles, um Gutes zu tun. Welche ist diese Kraft, die diesen Menschen nun regiert? - Jenes Prinzip, über das Christus sagt: "Wer der Liebe dient, dient Mir!" und: "Dieser Diener wird alles haben, was Ich besitze!" Die Leute suchen nach der Wahrheit und Jesus setzt diese Wahrheit ins Leben, in jenes Senfkorn. Wenn wir diese kleine Hefe, die sich Liebe nennt, in unser Herz setzen, in die Herzen der Herrschenden, so wird die Welt ihr Antlitz verändern. Die Ignoranz gegenüber der Lehre Christi hat diese Katastrophe in der Welt verursacht. Bei diesen Kämpfen und Zusammenstößen schüttet Gott Milch auf das ganze Durcheinander, die Leute schubsen sich nach allen Seiten - solange, bis sich Butter an der Oberfläche bildet; die Butter wird gegessen, der Rest bleibt als Dünnmilch zurück: die einen werden also zu Butter, die anderen zu Dünnmilch. Die Butter und die Dünnmilch wird Gott für Seine guten Ziele verwenden. Nun, es kommt jetzt darauf an, wer zu was wird; doch unser Weg ist bereits vorgezeichnet, egal ob wir zu Butter oder zu Dünnmilch werden sollen. Christus wandte sich an die Juden und fragte sie, wer von ihnen Sein Schüler sein wollte. Einige von uns sagen: "Ich bin rechtgläubig, ich glaube an Christus!" Jene, die nur an Christus glauben, sind nur Zuhörer; Seine Frage lautete, wer von euch Sein Gesetz anwenden will. Haltet ein bisschen inne und denkt über diese Worte nach, "ich diene Christus"; wenn ihr euch vornehmt, ein Jahr lang Christus zu dienen, werdet ihr den tiefen Sinn dieser Worte entdecken, den man nicht so ohne weiteres in Sätze zwängen kann. Es ist sehr einfach, aber ihr müsst ausreichend Helligkeit haben. Christus soll euch dieses Licht geben, unter dem ihr euch entwickeln könnt; ich kann euch lediglich das Saatgut geben, denn nur Christus kann es hervorsprießen lassen. Dieses Empfinden der Liebe hängt nicht nur von unseren Kräften und Wünschen ab, sondern von der Beziehung, die wir zu Christus haben. Einige fragen: "Wo ist Christus?", und erwarten, dass er vom Himmel kommt. Christus ist schon in der Welt und selbst der Letzte hört Ihn. Er kommt auf zwei Arten, er besitzt zwei Gesichter: Das eine ist gütig. - "Der Friede sei mit euch!"; das andere ist zornig - Feuersbrunst, Gewehre und Explosionen. Jetzt sagt Er: "Ruft jene hierher, die nicht meiner Lehre gefolgt sind, damit sie die Bitternis ihrer Ungezogenheit verspüren. Sie wollten mir nicht dienen, also müssen sie für die bitteren Folgen ihrer Eigenmächtigkeit geradestehen. Jeder soll das ernten, was er gesät hat!", genauso wie ihr einen Verbrecher nicht ungestraft lasst, der eine Unmenge unschuldiger Kinder auf dem Gewissen hat. Christus wendet sich an uns und sagt: "Wenn Mir jemand dient, soll er Mir folgen!" Ihr sagt: "Es ist einfach, ihm zu folgen, wir werden ihm sogar "unser Meister" zurufen!" Er könnte euch aber auch zurückweisen: "Nicht, weil ihr meine Lehre wollt, sagt ihr das, sondern weil ihr euch von dem Brot und dem Fisch ernährt habt!" Er wird euch fragen: "Habt ihr einem Kranken geholfen, habt ihr ihn geheilt?" Wenn der Mensch vorhat, Dem Herrn zu dienen, darf er nicht Ihn suchen und Ihm dienen, sondern seinen "kleinen Brüdern". Die Menschen wollen vom Herrn, dass Er Frau und Kind gesund hält, dass Er ihnen Geld gibt und eine gute Stellung verschafft. Zwei Jahrtausende lang sah so unser Dienen Des Herrn aus. Jetzt fragt Er Europa angesichts dessen: "Was habt ihr all die Jahre für mich getan?" Wenn Christus auf euch zukommen würde, was werdet ihr Ihm sagen? Denkt darüber nach, was ihr ihm dazu sagen werdet, was ihr für ihn getan habt. Wir können bei diesen Ereignissen Ruhe bewahren, die die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzen. Für uns ist es nur wichtig zu wissen, unter welcher Kategorie wir fallen. Viele wollen Christus sehen, der Tag kommt näher, an dem ihr ihn sehen werdet. - Einige aus der Nähe, andere aus der Ferne; wieder andere nur oben in den Wolken. Deshalb sage ich, dass die Momente, die ihr gerade durchlebt, die schwersten eures Lebens sein werden. Wenn ihr noch immer die Illusion habt, unbedingt im Leben dies und jenes erreichen zu müssen, belügt ihr euch selbst. Ich gebe euch einen Rat: Ihr habt nicht ewig Zeit, euch beizubringen, wie ihr Gott dienen sollt, wenn ihr nicht wollt, dass er euch unvorbereitet vorfindet. Das ihr ja nicht denkt, ihr hättet ewig Zeit! Für die ganze Generation von heute gibt es keine Zeit mehr. Kinder und Erwachsene, Geistliche und Vorgesetzte, Könige und Minister - alle müssen lernen, Dem Herrn zu dienen; wenn nicht, müssen sie zu Dünnmilch werden. Die Kuh ist bereits gemolken. Was denkt ihr, will ich euch sagen? Dass die Milch schon auf die Welt gegossen wurde, und Der Herr bald anfängt, die Butter abzuschöpfen! Diese Kuh kennen wir alle; die gemolkene Kuh - das sind wir. Wenn uns Gott so viele tausend Jahre auffordert, wie erwartet er es, uns dann auf der Erde vorzufinden? Wenn der Vater nach Hause kommt und seine Kinder dabei erwischt, wie sie sich gegenseitig an den Haaren ziehen und schlagen, was denkt er dann? Dass die Mutter sie nicht richtig erzogen hat. Jeder hat gegen jemand anderen etwas: Man zerrt sich gegenseitig vor Gericht. Es sind ganz gewöhnliche Bürger, Lehrer, Geistliche, Liberale, Konservative, Sozialisten und Sozialdemokraten - überall Zank und Zerwürfnisse; wir aber müssen alles über Bord werfen, das unser Leben vergiftet, und uns zumindest in diesem Moment ruhig und still verhalten und abwarten, was auf uns zukommt. Bisher fragten die Leute: "Gibt es eine andere Welt oder nicht?"; es kommt die Zeit, in dem der Himmel fragt, ob es Geist gibt oder nicht, ob es Engel gibt oder nicht; eines Tages werdet ihr sehen, ob es Den Herrn gibt oder nicht. Wenn es jemand nicht glaubt, soll er abwarten und selbst sehen. Mit Argumenten kann ich euch hier nicht dienen - die Klugen unter euch werden es verstehen. Der, der nicht will, wird mit dem Lernen von vorne anfangen müssen. Jetzt kommt die Frage an euch: Christus will von euch, dass ihr Ihm dient - jene, die seine Schüler werden wollen, sollen ihm im weitesten Sinne dienen; denen, die hungern, die verwirrt, die verbittert sind sollt ihr helfen, ihren Geist zu erheben. Es gibt Verzweifelte, die sich fragen: "Was wird aus uns?" - zeigen wir ihnen den rechten Weg. Ich werde euch noch ein Beispiel geben und damit abschließen: In New-York setzt sich ein Reisender in einem der größeren Hotels der Stadt ab. Das Zimmer, das er bekam, bewohnte er zusammen mit einem Zimmergenossen, der die Angewohnheit hatte, sehr tief zu schlafen. In der Nacht brach im Hotel ein Feuer aus. Der Reisende stand sofort auf und rief seinem Zimmergenossen ins Ohr: "Wach auf, das Hotel brennt!"; dieser gähnte ihn aber an: "Hau ab und lass mich in Ruhe schlafen!" - "Steh auf, sag ich dir, das Hotel brennt lichterloh!" Der andere packte ihn daraufhin am Kragen, setzte ihn vor die Tür, schloss sie ab und kuschelte sich in sein warmes Bettchen. Das Feuer ergriff endgültig von dem Hotel Besitz, und irgendwann sah man den Mann auf dem Dach, wo er vergeblich um Hilfe schrie; doch es gab keinen mehr, der ihm hätte helfen können. Ich sage euch: Dieses Hotel, in dem ihr zeitweise lebt, brennt; ich rate euch: Passt auf, sonst seid ihr es, die am Ende auf dem Dach stehen und Leute um Hilfe rufen, die es gar nicht mehr gibt. Wenn ihr hört, dass das Hotel brennt, zieht euch an und geht ins Freie. Alles was brennt, wird zusammenstürzen, alles, was bisher dem Fortschritt der Menschheit im Wege stand, wird zu Asche, die der Wind davonträgt. Auf diesen Trümmern wird Der Herr etwas Gutes bauen. Denkt nicht, dass damit das Leben zu Ende ist. Es wird lediglich eine neue, glorreiche Epoche anbrechen und deshalb können wir mit Freude und Optimismus in eine leuchtende Zukunft blicken. Vor diesen Stürmen, die über uns hinwegfegen, um zu säubern und die Welt zu reinigen, dürfen wir nicht die geringste Angst haben. Eigentlich müssten wir Gott für ihr Kommen danken. Wir brauchen nicht zu versuchen, diese Stürme abzuwehren - wir könnten es auch gar nicht. Sie werden vorüberziehen und ihr Gutes zurücklassen. Wir müssen nur bereit sein, wenn Christus kommt. Und er wird kommen; für einige ist er schon da, für andere noch nicht. "Wer Mir dient, der soll Mir folgen!" - Folgen wir Ihm! Werdet ihr Ihm folgen oder nicht? Wenn ihr Ihm folgt, werdet ihr das Ideal des Individuums finden, des Hauses, der Gesellschaft, des Volkes und der ganzen Menschheit. Das ist schließlich auch der Sinn des Lebens hier auf Erden. Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 27.07.1914 in Sofia
  23.  Die Träume des Joseph "Dazu hatte Joseph einmal einen Traum und sagte seinen Brüdern davon; da wurden sie ihm noch mehr feind." (Gen. 37:5-11; 39:1-23) Wir fragen uns im Leben oft, warum uns manchmal Unglücke widerfahren. Man meint überhaupt, dass die Leute leiden, um für Sünden zu büßen, die sie bereits begangen haben oder noch begehen werden, und man fängt an, nach Gründen zu suchen. Wir sehen, dass sich das Leben in den beiden Träumen des Joseph widergespiegelt hat, die er seinen Brüdern erzählte. Selbstverständlich deuteten sie die Träume auf ihre Weise und vermuteten, sie seien Ausdruck geheimer Vorhaben und bedenklicher Ziele, und um ihr Wohlergehen besorgt, beschlossen sie, ihn verschwinden zu lassen. Wie ihr seht, waren das keine fremden Leute, sondern die eigenen Brüder. Sie nahmen ihn bei der ersten Gelegenheit gefangen und verkauften ihn an ismaelitiche Sklavenhändler, die ihn wiederum an einen Ägypter verkauften, womit für Joseph die Prüfungen begannen; Gott prüfte seinen Charakter. Das Leben des Menschen ist nichts anderes als eine Prüfung - es ist der Prüfstein, auf dem sich der menschliche Charakter beweisen muss. Das Wertvollste an der menschlichen Seele ist ihr Charakter - und der muss durchs Feuer gehen. Nur wenn er durchs Feuer geht und standhält, kann man von einem wertvollen, beharrlichen, ewigen Charakter sprechen, von einem ewigen Haus, in dem man wohnen kann. Der Charakter ist das Haus des Menschen. Wir sehen, dass auf Joseph Probleme zukommen, eines nach dem anderen. Zu den Problemen aus den beiden Träumen gesellen sich sehr bald auch andere, von denen Kapitel 39 erzählt. Weil er ein schöner junger Mann war, begehrte ihn die Frau seines Leibherren schon nach kurzer Zeit; sie wollte sich mit ihm vergnügen, aber er entgegnete ihr: „Mein Leibherr hat alles in meine Hände gegeben bis auf dich, du gehörst ihm allein, du bist sein Recht, und eine solche Schande könnte ich vor Gott nicht verantworten!" Wir sehen, dass in der Seele dieses jungen Mannes Gott herrschte; alles was er tat, maß er daran, ob es vor Gott zu verantworten ist oder nicht. Er war sich der Unannehmlichkeiten bewusst, die ihm die Abfuhr an einer solchen Frau bereiten könnten, aber er zog die Leiden dem Verrat vor. Wegen dieser Prüfung landete er tatsächlich im Gefängnis. Doch Gott half ihm auch hier. Wenn ihr euch die Kapitel genau durchlest, werdet ihr sehen, dass Gott ihn nie im Stich ließ und ihn durch das Deuten der Träume des ägyptischen Königs wieder herausholte. Wenn wir Prüfungen ausgesetzt werden, kennen wir nicht das Ziel, zu dem uns Gott hinführt. Ihr wollt alle in den Himmel, aber wenn euch jemand fragt, was ihr euch eigentlich unter "Himmel" oder "Paradies" genau vorstellt, werdet ihr keine befriedigende Antwort geben können. Ihr habt vom Himmel gewisse Ideen, die aber genauso unklar sind, wie die Träume des Joseph. Was könnten die Ähren, die Sonne, der Mond für ein Verhältnis zu ihm haben? Sie sagten das Kommen gewisser Ereignisse voraus: Seinen Verkauf, die Versuchung der Frau, die Einkerkerung, seine Befreiung und Erhebung. Nun, was ist dieses Königreich und diese Frau? Ägypten ist das Reich, in dem wir leben, und die Frau unseres Leibherrn, die uns versucht, ist die Welt. Ihr seid Knechte, die man verkauft hat, genauso wie eure Brüder nichts mehr mit euch zu tun haben wollen. Ihr befindet euch in Ägypten. Die Frau des königlichen Beamten bietet euch an, euch mit ihr zu vergnügen - die Welt bietet euch gewisse Güter an und verführt euch. Es ist nicht schlecht, wenn man sich umtut, aber es gibt auch verbotene Dinge. Als Adam noch im Paradies war, erlaubte ihm Gott, alles zu essen, bis auf die eine Frucht - und mit seiner Unfolgsamkeit kamen auch die Leiden. Auch in dieser Welt gibt es verbotene Früchte, und wenn ihr von ihnen esst, kommen die Leiden als eine zwangsläufige Folge. Viele Leute lieben es, das Geld anderer zu befingern. Sie brauchen es für Häuser, für Vergnügungen, für Reisen auf dem Erdball. Joseph aber sah die Sache etwas anders; er hätte über die Güter der Frau des Hofbeamten verfügen können, aber stattdessen dachte er sich: "Ich ziehe die Güter Gottes denen einer fremden Frau vor!" Die Welt ist eine Frau, die uns nicht gehört. Am nächsten Morgen, nachdem sie ihren Spaß gehabt hat, kann sie euch verstoßen. Eure äußere Schönheit ist es, die sie anzieht. Gleichzeitig liegt der Betrug dieser Versuchung im folgenden: Wenn die Leute uns wegen unseres Äußeren verehren, denken wir gleich, dass es wegen unserer Eigenschaften geschieht. Wir haben einen Sänger, weltgewandt, intelligent, aber alle lieben nur sein Stimmtalent, seinen Hals. Wenn irgendwann seine Stimmbänder ausgeleiert sind, wird man ihn wegwerfen wie eine überflüssige Sache. Die ganze Wertschätzung hängt an einem kleinen Band irgendwo tief im Rachen. Nehmen wir einen großen Geiger, alle verehren ihn, solange er den Bogen führen kann; paralysiert sich dessen Hand, wird keiner mehr was von ihm wissen wollen. Ihr könnt ein guter Erzähler sein, aber alle werden nur solange euren Geschichtchen zuhören, wie ihr sie unterhaltsam erzählen könnt. Wenn eure Stimme brüchig und schrill wird, werden sie euch sagen: "Wir wollen keinen Erzähler ohne Stimme!" Die Frau, solange sie schön ist, wird von allen Seiten umschwärmt; ihre Schönheit verblasst, aus der intensiven Farbenpracht werden verwelkte Nuancen, man gibt ihr zu verstehen: "Du kannst nicht mehr mithalten, zieh dich zurück, denn es gibt andere, die deine Aufgabe jetzt besser erfüllen können!" Joseph wusste von diesem Selbstbetrug, von dieser Schlinge, die man sich um den Hals legt - zuerst wirkt sie kleidsam, doch am Ende bricht sie einem das Genick. Er betrachtete stattdessen nur die inneren Dinge, die beständigen, die ewigen, die es einem zu jeder Zeit ermöglichen, Ruhe zu finden und in Übereinstimmung mit Gott zu sein. Wir müssen gegenüber den kleinen Ursachen vorsichtig sein, da gerade sie das Unglück herantragen. Hätte Joseph seine Träume nicht den Brüdern mitgeteilt, wäre ihm das ganze Unglück erspart geblieben. Es stellt sich euch die Frage: Wäre es dann nicht unter anderen Vorzeichen gekommen? Es gibt Prüfungen, denen man sich nicht entziehen kann. Ich will euch nichts von den inneren Gesetzmäßigkeiten erzählen, sondern sagen, dass es Dinge gibt, die ausschließlich von Gott bestimmt werden. Wenn wir so listig sein wollen und versuchen, den kleinen Dingen auszuweichen, kommen die Großen, an denen wir dann nicht mehr vorbeikommen. Um die Leiden zu neutralisieren, müssen wir uns an Joseph ein Vorbild nehmen. Wir dürfen uns auf keinen Fall vorgaukeln, dass wenn der heutige Tag "gut" verläuft, die ganze Zukunft wie die Oberfläche eines stillen Sees sein wird - von keiner Brise gewellt. Diese Prüfungen sind notwendig. Warum? Ich gebe euch einen Vergleich: Um einen tiefen Fluss zu überqueren, braucht ihr ein Boot; um an das andere Ende des Ozeans zu kommen, braucht ihr einen Dampfer, der sich Glaube nennt. Und auch die Prüfungen oder Leiden sind wichtig - sie sind der Treibstoff, eure Fahrkarten. Jeder, der versucht, das göttliche Gesetz zu umgehen, ist ein dummer Mensch. Jeder, der sich ständig bemitleidet: "Warum setzt mich Gott bloß diesen Leiden aus?", ist nicht viel klüger. Jener aber, der sagt: "Ich will ihren Sinn erfahren!", und ihnen für ihr Kommen dankbar ist, ist verständig. Beachtet: Als die Leiden auf Joseph eindonnerten, versuchte er nicht, sich zu verbiegen, sondern blieb standhaft und empfing sie mit erhobenem Haupt, mit Freude in der Seele und Dem Herrn dafür dankend, dass er, obwohl er sich am Hof des Königsbeamten befand, wo es alles gab, nicht überheblich wurde. Dadurch, dass ihm Gott viel größere Güter zu geben vermag, ließ er sich auch nicht von den Gütern hinreißen, die die Frau ihm anbot, da er sich sagte: "Ich darf mich nicht beirren lassen, viel mehr als auf dem ersten Blick scheint, hängt hiervon ab!" In diesem Zusammenhang bedeutet die Freude, leider, Sünde. Worin besteht die Sünde? In allem, was nichts hervorbringt, keine Früchte trägt, wenn man es vergräbt. Eine Frau, die verkuppelt, sich ständig greifbar macht, ohne zu gebären, begeht eine Sünde. Jede Handlung, die kein Leben in sich trägt, ist eine verbrecherische Verschwendung göttlicher Energie. Wenn euch jemand dazu anstachelt, eine Sünde zu begehen, will er, dass wir unsere göttliche Energie verschleudern. Trinkt ordentlich Wein, und am nächsten Morgen wird euch der Kopf wehtun; was habt ihr damit gewonnen? Seid ihr klüger, weiser, besser geworden? - Eben nicht! Warum sollten wir Dinge tun, die für unseren Charakter nutzlos sind? Wir müssen uns im Rahmen der Vergnügen bewegen, die rechtens, natürlich sind. Nehmt ein Mädchen und einen Buben, die mit Puppen und Schaukelpferd spielen. Diese Dinge bereiten ihnen auf der einen Seite Freude, auf der anderen, fördern sie ihre Entwicklung und bereiten sie auf zukünftige Aufgaben vor. Es gibt auch in der Erwachsenenwelt Vergnügen, aus denen man einen gewissen Nutzen ziehen kann. Es gibt aber auch Vergnügen, die immer die Zerstörung der menschlichen Gefühle, Kräfte und der Errettung in sich tragen. Das unrechte Leben, die sogenannte versteckte Liebe, der manche Männer und Frauen frönen, wirkt sich auf Herz und Verstand zersetzend aus. Ihr liebt jemanden, fragt euch, ob ihr damit Gott gerecht werdet, ob ihr dem, den ihr liebt, wirklich einen Gefallen erweist, oder nicht vielmehr seinem Herz und seinen Verstand Schaden zufügt. Joseph war jung und unbefleckt; eine lüsterne Frau wollte ihn besudeln, er aber gab sich ihr nicht hin. Er schützte seinen Ruf, von dem anderenfalls nicht einmal die Erinnerung übrig geblieben wäre. Beachtet, zuerst wurde die Frau, Eva, geprüft, die die Prüfung nicht bestand. Und dann - ihr Mann. Jetzt ist der Mann an der Reihe. Die Schlange versuchte Eva im Paradiesgarten: "Schau, wenn du von diesem Baum probierst, wirst du Wissen gewinnen, Kraft und Weisheit, du wirst wie Gott!" Eva nahm die Einladung an und sagte: "Für Großes bin ich bereit, ich werde diesen Schritt tun!", denn ein Vorsatz bestand schon. Dieselbe Schlange erschien Joseph in der Form einer Frau, die ihm zuflüsterte: "Komm mit mir...!"; er entgegnete ihr: "Nein!" Danach kamen die Leiden; aber auch der Aufstieg. Mann und Frau stellen zwei Prinzipien dar, zwei große Kräfte, vernünftig und handelnd: Die eine Kraft ist die aktive, die andere die passive, die eine dynamisch, die andere duldend; zwei Zustände in der Natur, die sich abwechseln. Gott gibt nicht nur, manchmal nimmt er auch. Auf der einen Seite gibt er, auf der anderen nimmt er. Auf der einen Seite, schickt der Ozean Feuchtigkeit zur Dürre, auf der anderen, kehrt die Feuchtigkeit über die Flüsse und den Regen wieder in den Ozean zurück. In diesem Sinne sind Mann und Frau zwei Prinzipien, die arbeiten. Das eine Prinzip ist schöpferisch, genannt Mann, Gott; das andere passiv, genannt Frau oder Der Herr; es ist ein und dasselbe. Folglich müssen wir gegenüber beiden Momenten im Leben, gegenüber beiden Prinzipien, aufrichtig sein. Wenn die Welt es erfordert, Güter zu erlangen, werden wir es nur dann tun können, wenn wir uns auf diesen göttlichen Prinzipien bewegen. Wenn ihr Ihm gegenüber aufrichtig seid, werdet ihr alle Wünsche eures Herzens und eures Verstandes erreichen können. Ihr könnt sie nämlich nur auf eine Weise erreichen - über Gott. Nur er kann eure Wünsche und Hoffnungen befriedigen. Die Mutter zieht das Kind auf, der Lehrer bringt den Schülern etwas bei: Es ist unmöglich, dass sich das Kind ohne Mutter aufzieht, und der Schüler ohne einen Lehrer Wissen erwirbt. Joseph hörte auf die Stimme seines Lehrers, der in ihm war - Gott, der ihm die großen Gesetze der Bewegung beibrachte. All unser Streben im Leben muss darauf ausgerichtet sein, unseren Charakter zu bilden. Wie? Der Charakter ist aus Gedanken und Gefühlen zusammengesetzt, aus positiven Kräften. Wir dürfen das Leben nicht so auffassen, wie es einige tun, in dem eingeschränkten Rahmen des Gelehrten, des Arztes, des Philosophen; nein, wir müssen das Leben soweit auskosten, wie es Gott nach außen hin begrenzt hat. Alle Leute sehen im Leben nur Fragmentstücke: Die moderne Wissenschaft zeigt nur einen Teil der Dinge; das Genie eines talentierten Musikers umfasst nur ein kleines Feld, der Verstand des Theoretikers ebenso; die Kraft eines gesunden Menschen ist nur durch seine Muskeln begrenzt. Doch einige sagen: "Stark im Verstand". Stark im Verstand kann nur jemand sein, wenn seine Kraft in Verbindung mit allen göttlichen Gesetzen steht und mit allen Wesen harmoniert, die ihn umgeben, von den niedrigsten bis zu den höchsten. Dann kann sein starker, fähiger Charakter alles erreichen, da alle Wesen mitwirken. Wenn wir in Opposition zu diesen göttlichen Gesetzen leben, bildet sich ein Zwiespalt in unserem Verstand, der die Misserfolge anzieht, die wir tagtäglich antreffen. Warum haben wir keinen Erfolg? Unser Verstand ist zweigeteilt; wir wollen Gutes tun, ohne zu merken, dass das, was wir gerade tun, schlecht ist. Wir glauben, dass das, was wir vorhaben, vernünftig ist und sich realisieren lässt; wir drehen und wenden es, verschieben es nach oben und nach unten, machen und tun, aber es will einfach nicht klappen. Irgendwann fragen wir uns dann, warum es mit uns nicht vorwärts geht, und stattdessen unsere Erscheinung abnimmt und verblasst. Wir selbst bringen unser Leben oft unnötigerweise durcheinander. Es macht Sinn, das Wasser zu trüben, wenn man vorhat, Fische zu fangen, es aber andauernd zu trüben, obwohl man dieses Gewässer schon längst leergefischt hat, ist weniger einleuchtend. Manchmal gerät die Frau über ihren Mann in Zorn und trübt ihm das Wasser. "Was willst du? - Einen neuen Rock?! - Da hast du ihn!", sagt in solchen Fällen der Mann. Das Wasser klärt sich auf. Am nächsten Tag will die Frau wieder Fische fangen - wieder trübt sie das Wasser. Diesmal will sie einen Seidenrock und eine Uhr. "Hier, da!"- antwortet der Mann. Doch, dieser Mann verliert eines Tages seine Stellung, hat kein Geld mehr; was macht er? Er haut ab! Das heißt, der See trocknet aus, verliert nicht nur die Fische, sondern auch sein Wasser. Was kann die Frau da noch trüben? Ständig das Leben zu trüben und sich damit selbst zu belästigen, das ist kein Anzeichen dafür, dass man das Leben verstanden hat. Wir trüben und trüben, und irgendwann sind wir tot. Ihr habt euch über den Tod Gedanken gemacht? Er ist auf vielen Abbildungen folgendermaßen dargestellt: Ein Mensch, nur noch aus Knochen bestehend, mit einer Sense in der Hand. Habt ihr nachgeprüft, ob es wirklich so ist? "Das nicht, aber Vater und Mutter haben mir erzählt, dass es so ist!" Es wird wohl wahr sein, aber habt ihr euch darüber Gedanken gemacht, warum er so und nicht anders dargestellt ist? Es ist ein Mensch ohne Muskeln. Ihr müsst rein wie die Knochen werden, die ja bekanntlich weiß sind. Alles, was nicht rein ist, wird abgeworfen werden. Nur die Wohlgesonnenheit, das Streben zum Guten, wird zurückbleiben. Folglich habt ihr etwas, an das ihr euch festhalten könnt. Übertretet ihr das göttliche Gesetz, wird man euch ständig behelligen. Angst vor Bestrafung muss der Mensch vor, und nicht erst nach der Verirrung haben. Tränen haben noch keinen Menschen gerettet. Die Errettung liegt in der Organisation unseres Verstandes, unseres Herzens, unseres Körpers. Das zu vollbringen, ist unsere Aufgabe auf Erden. Dafür haben wir im Alten Testament ein vorbildliches Beispiel - den großen Charakter im Antlitz Josephs. Wenn wir die entsprechenden Stellen aus Genesis lesen, müssen wir dabei stets ein Augenmerk auf den Charakter Josephs richten. Dass wir ja nicht denken, er sei einfach nur dumm gewesen; im Gegenteil er war sehr klug und sein Vater liebte ihn; Liebe hängt sehr von der Weisheit ab. Joseph hatte auch gleichzeitig ein gutes Herz. Sein Vater schätzte es, aber seine Brüder dachten, er würde ihn nur wegen äußerer Eigenschaften lieben. Deshalb verkauften sie ihn. Was für Umständen man ihn auch aussetzte, sein Charakter erhob ihn. Wegen seiner seltenen Eigenschaften hob ihn sein Herr auf einen hohen Posten; eine andere Prüfung brachte ihn ins Gefängnis, aber er erhob sich auch dort, und schließlich holte ihn Gott aus dem Kerker, wo er - habt ihr gelesen, wie lange er dort zubrachte? - zwei Jahre lang gefangen war, eine für Prüfungen bestimmte Zeit. Welches ist euer Gefängnis? Euer jetziger Körper! Ihr müsst eines Tages aus diesem Gefängnis rauskommen, das an sich betrachtet, schmutzig und unhygienisch ist. So, bis jetzt habt ihr das Abendmahl schon oft bekommen, aber wisst ihr eigentlich, was der Wein für ein Symbol ist? Der Bäcker sollte hingerichtet und der Kellermeister wieder auf seinen Posten gehoben werden: Das eine Prinzip im Leben, das aktive, muss sich immer opfern. Der Wein sollte in unser Leben fließen, um es zu erfrischen. Er hat eine große Kraft, weil aber die modernen Menschen nicht darauf vorbereitet sind, macht er sie munter: Ihnen fehlt der Organismus, der es ihnen erlaubt, ihn richtig zu nutzen. Wenn falsch abgefüllter Wein zu fermentieren anfängt, platzt die Flasche. Kommen wir zu Josephs Charakter zurück. Wir sehen, dass es in ihm einen wachen Verstand gab, der die fundamentalen Gesetze des Lebens begriff. Er hatte ein gutes Herz und wollte auf jeden Fall seine Versprechen gegenüber Gott einlösen. „Ich habe meinem Leibherrn ein Ehrenwort gegeben, ebenso wie Dem Herrn, dass ich ihnen treu dienen werde. Ich kann sie nicht enttäuschen!" Folglich war er jemand, der beschlossen hatte, gegen den Strom der schlechten Neigungen und Wünsche zu schwimmen. In jedem Fall, ließ er sich von rechtschaffenden Gedanken leiten und besaß ein Herz und einen Verstand, die ausgeglichen waren. Damit Der Herr in unser Leben kommen kann, müssen sich unser Herz und unser Verstand im Einklang befinden, sie müssen ausgeglichen sein. Taucht unter ihnen Unstimmigkeit auf, befindet sich Der Herr nicht in uns. Es gibt Gegenden, die sich zur Anarchie überführen, genauso wie jetzt Serbien, aber auch anderswo, wo der Verstand und das Herz eines Volkes nicht im Einklang stehen; Sie wollen noch mehr haben, aber keiner gibt es ihnen; jeder hat das Ziel, seinen Nächsten auszurauben, weshalb es ständig zu Zusammenstößen kommt. Es gibt ein allgemeingültiges Gesetz, das sowohl für die kleinen als auch für die großen Wesen Gültigkeit hat. Sehr viele wollen leben. Einige wohnen noch bei ihren Vätern und erzählen, was für Träume sie gehabt haben, andere sind von der zweiten Sorte, von ihren Brüdern nach Ägypten verkauft, in den Hof des hohen Königsbeamten, wo sie den Verführungskünsten dessen Frau ausgesetzt sind; dritte wiederum sitzen im Kerker. Der angenehmste Zustand ist natürlich, vor dem Pharao treten zu können. Um das aber tun zu können, musste Joseph zuvor drei Etappen überwinden, drei Schulen, drei Kurse: den ersten - bei seinem Vater, den zweiten - bei jener Frau, die seine Standhaftigkeit prüfte - und Josef legte eine bravouröse Prüfung ab; er ließ seine Kleider zurück und machte sich, so wie er war, davon. Was bedeutet es, seine Kleider, den Stoff, zurückzulassen? Die Welt flüstert dir wie jene Frau ein: "Komm mit mir, - ich bin sehr schön; andernfalls -", und ihr Ton wird härter - "findest du dich im Kerker wieder!", sie will wissen, ob du dich ihr hingibst oder dem göttlichen Gesetz folgst. Du musst dich von allen Gütern trennen, die dich behindern, den Verführungen standhalten und dem göttlichen Gesetz folgen. Glaubt an Gott, vertraut ihm, und es erwartet euch eine große Zukunft, wie dies Joseph erlebte. Über das kann es keine zwei Meinungen geben. Ich habe euch gezeigt, wie ein junger Mann, der seinen Weg geht, von einem gewöhnlichen Hirten zum zweithöchsten Mann Ägyptens aufsteigt; ohne Betrügereien, Lügen und Morde, sondern mit Selbstaufgabe vor den Leiden und dem göttlichen Gesetz. Folglich, können nur die Weisheit und das Wissen, die sich in eurem Verstand befinden, und die Wohlgesonnenheit und Güte eures Herzens - nur sie können euch helfen. Lasst euch nicht von Äußerlichkeiten an der Nase herumführen, die nur darauf aus sind, euch zu täuschen, wie immer sie auch aussehen mögen - schwarz oder blond. Das Aussehen eures Gesichts und eurer Hände hängt einzig und allein von eurem Herzen ab. Wie das Herz und der Verstand, so auch das Haus, das errichtet wird, so auch die Fenster, die es besitzt. Der Mensch kann immer durch sein Herz und seinen Verstand seine äußere Lage verändern - von einem Nichts zu einer Persöhnlichkeit aufsteigen. Er wird sie aber nur verändern können, wenn er die göttlichen Gesetze einhält. Wenn wir jetzt den anderen Teil von Josephs Charakter, als seine Brüder vor ihm erschienen, betrachten, sehen wir, dass er sich nicht an ihnen rächte, sondern mit ihnen weinte, all seine Liebe in ihnen ergoß. Wenn uns also jemand im Leben Ärger bereitet, dürfen wir ihn nicht mit demselben Hass bewerfen. Schlechtes denken, rächen, absprechen - das ist kein Zeichen von Charakter; Charakter zu haben bedeutet, zu vergeben. Nur dadurch kann man sich auf die Stufe der Wohlgesonnenheit erheben. Dieses Beispiel sehen wir bei Christus - als Er blutend am Kreuz hing und man Ihn auslachte, sagte Er: "Vergib ihnen, Herr!" Es wird die Zeit kommen, in der man euch fragt: "Habt ihr jenen vergeben, die euch verletzt haben, die euch verkauft haben?" Ein Vater sagt zu seinem Sohn: "Aus dir wird kein Mensch!" Der Sohn geht in andere Gegenden, lernt dort, kehrt zurück, macht Karriere, wird Gebietspräsident, und seine erste Amtshandlung ist die folgende: Er schickt einige Polizisten, die seinen Vater festnehmen und ihn vor dem Schreibtisch des Sohnes zerren, der ihn fragt: "Na, was denkst du, wird aus mir etwa kein Mensch?!" Sein Vater antwortet ihm: "Das, was du gerade getan hast, war das etwa klug? Musstest du mich so hierherbringen lassen, mich ängstigen? Du bist ein unvernünftiger Mensch, der nicht weiß, was er tut! In einer Sänfte hättest du mich hierherführen sollen!" Das sind die Methoden, die auch wir anwenden - wir setzen alles daran, um den Leuten Angst einzujagen. "Gott, gib mir Macht, ich weiß, wie man regiert - ich werde mit eiserner Hand umherwüten!" Tausende von Jahren schworen die Leute auf dieses Rezept - überall schlug man sich, und jedes Haus weinte. Inwieweit hat sich dadurch die Welt verbessert? Kein bisschen! Nur die Liebe ist imstande, Elemente des Guten in die menschliche Seele zu säen. Bestrafung hat nur dann einen Nutzen, wenn sie von Liebe geleitet ist, mit dem Ziel, die schlechten Dinge zu entwurzeln. Der, der mit seiner Operation gesundes Fleisch wegschneidet, ist kein guter Chirurg, sondern ein Pfuscher. Folglich ist die vorrangigste Aufgabe, die ihr in der Welt erfüllen müsst: Das grundlegende Gesetz beachten - Herz und Verstand in Einklang bringen. Viele haben ihre Zweifel, ob es wirklich Gott gibt. Einige von euch sagen: "Wir glauben, dass es ihn gibt!" Wenn ich diese aber an Josephs Stelle sein lassen würde, so würden sie zu jammern anfangen: "Wenn es Gott gäbe, hätte Er mich nicht ins Gefängnis geworfen! Ich hätte mich nicht von Vater und Mutter getrennt, meine Brüder hätten mich nicht verkauft! - Soll das etwa Gott sein?! Ich glaube kaum!" Wir müssen alle Leiden empfangen, die von Gottes Hand kommen, wann immer sie auch kommen, müsst ihr euch freuen: Die Leiden sind jene Steine, aus denen man die Stufen eurer Häuser herstellt; sie bilden euren Charakter; sie sind die Verbindung zwischen dem Menschen und Gott; nur über ihnen kann man von einer Welt in die andere, bessere kommen. Besser noch als Leiden ist die Erhebung in dieser Welt. Sicherlich steht ihr den Leiden feindselig gegenüber, aber eigentlich sind sie die größten Geschenke, die man euch machen kann. Wenn eine Seele lange genug gelitten hat, bringen die Leiden Früchte hervor, und sie wird anfangen, sich zu freuen. Wenn die Wurzeln der Bäume nicht die Säfte aufsaugen würden, könnten wir dann süße Früchte kosten? Wenn die Mutter nicht Leiden würde, wenn sie es nicht in ihrer Gebärmutter trüge, gäbe es dann ein Kind, über das sie sich freuen könnte? Wenn der Vater nicht sein individuelles Leben einschränken müsste, würde er sich freuen? Ein Lehrer, der die Mühen scheut, könnte er Schüler haben, die ihn schätzen? Wer, der ein Leben lang auf dem faulen Rücken gelegen hat, ist je in den Himmel gehoben worden, um dort einen hohen Posten zu bekleiden? Überall auf der Welt ist das Leben nur aus Leiden zusammengesetzt. Sie sind die Segmente einer Skulptur, die zusammen eine Statue ergeben. Wenn wir den tiefen Sinn der Leiden begreifen, werden wir sehen, dass es ein Prozess ist, der unseren Charakter bearbeitet. Wenn wir den letzten Hammerschlag zur Vollendung unseres Charakters ausgeführt haben, werden die Leiden verschwinden, und die große Statue unseres Lebens wird vor uns stehen. Wir wollen in den Himmel. Was können wir aber vorzeigen? Unseren Charakter - er ist unser Reichtum. Euch gefällt es, ein schöner Mann oder eine schöne Frau zu sein, rank und schlank, mit edlen Eigenschaften. Wenn ihr aber auf die Welt tretet, was werden die Leute sagen, wenn ihr keinen edlen Charakter habt? Werden sie etwa sagen, dass sie in diesem Gesicht einen guten Menschen sehen? Selbst wenn ihr kein ansprechendes Äußeres besitzt, dafür aber einen klaren Verstand und ein gutes Herz, werden die anderen sagen: "Seht, ein Mensch mit Charakter!" Das ist das größte Lob, das ihr von der Welt hören könnt. Wenn wir einen solchen Verstand und ein solches Herz besitzen, wird die Welt uns brauchen. Zu Zeiten des Pharaos gab es in Ägypten viele gelehrte Ägypter; warum setzte er nicht sie auf den höchsten Posten, sondern einen Ausländer? Wegen seiner hübschen Gesichtszüge? Nein! Wegen seines Verstandes und seiner Güte. Wenn wir wie er sind, wird uns die Welt diesselbe Stellung einräumen. Wenn wir dumm sind, wird sie uns links liegen lassen. Die jetzigen Menschen sammeln sich aber genau um das Gegenteil und sagen: "Der Mensch soll nicht gütig sein, weil Güte nichts anderes als Dummheit ist!" Sie verstehen selbst nicht, was sie da sagen. Die äußeren, fremden Dinge werden ihnen sogar an Ostern weggenommen; der Charakter bleibt ewig unser: gerade das macht ihn für uns so wertvoll. Heute seid ihr denselben Prüfungen ausgesetzt - ihr seid genauso verängstigt wie die Ägypter seinerzeit, als Joseph lebte; ihr wisst nicht, was euch morgen widerfahren kann. Das Schicksal, die Zukunft liegt nicht in unserer Hand. Was die Ereignisse für eine Form annehmen, könnt ihr nicht voraussehen. Doch das Schicksal könnte in eure Hände gelegt werden, wenn ihr soviel Glauben und Vertrauen in Gott habt wie Joseph. Dann könnt ihr auf das Schicksal Einfluss nehmen, wo ihr auch seid, in was für Lage man euch auch bringt, ihr werdet wie Öl auf dem Wasser sein. Das erste, was ihr dafür tun müsst, ist euch nicht zu fürchten und unruhig zu werden; ihr müsst Mut und Entschlossenheit beweisen, ihr dürft nicht verängstigt sein. Die Angst muss ihren Platz an den edlen Verstand abtreten. Ihr dürft nur zögern, wenn ihr euch eine bestimmte Frage nicht beantwortet habt, ob etwas richtig ist oder nicht. Wenn ihr diese Frage für euch beantwortet habt und denkt, euer Entschluss sei richtig, müsst ihr ihn unter allen Umständen in die Tat umsetzen und auf ihn beharren. Joseph antwortete der Frau kurzentschlossen: "Ich will es mit dir nicht tun!" Die Prüfungen wurden weitergeführt; er wurde festgenommen und eingekerkert, aber Gott blieb bei ihm. Zur Bildung des Charakters ist Geduld unabdingbar. Sie ist das Fundament aller Dinge. In Josephs Charakter sehen wir gerade diese große Geduld: Im Kerker war er in keinster Weise beunruhigt, er arbeitete, lernte, er war bereit, alles zu erdulden. Die Geduld ist kein angeborenes Wesensmerkmal, sondern etwas, was man sich erst mit Mühe antrainieren muss. Alle Leiden haben das Ziel, unsere Geduld auszubilden, uns geduldig und gelassen zu machen, damit wir mit Vertrauen in die Zukunft sehen können, was immer auch für Enttäuschungen auf uns warten, uns nie gehen zu lassen. Eine Frau könnte sagen: "Mein Wunsch ist es, mich nach meinen Vorstellungen zu verheiraten!" Er geht in Erfüllung und sie sagt: "Mein Leben ist zu Ende!" Nein, sie befindet sich am Anfang ihres Lebens! Einige sagen: "Ich habe mein ganzes Vermögen verloren!" Na und? Du bist am Anfang deines Lebens - nichts hast du verloren! "Ich habe meine Gesundheit verloren!" Du bist am Anfang deines Lebens, du wirst eine neue Gesundheit bekommen! In was für Situationen wir auch kommen, wir müssen dulden und auf Gott bauen, bis zur letzten Minute. Dieser Glaube muss tief in unserem täglichen Leben wurzeln. Einige wollen in guter Gesellschaft leben, wollen von angenehmen Leuten umgeben sein. Joseph als Ausländer lebte unter fremden Leuten, aber er machte mit seinem Verstand und seinem Herzen aus ihnen gute Freunde. Einige werden einwenden: "Diese Leute waren doch verirrt!" Gerade unter diesen verirrten Fremden gibt es edle Seelen. Der moderne Christ sagt: "Sie sind doch ungläubig, sie sind noch grün!" Wenn sie nicht grün sein dürfen, wie sollen sie dann reifen? Die Dinge, die aus der Erde wachsen, sind zuerst grün, sie reifen nicht sofort. Das Grünen ist ein Prozess, durch den die Säfte eingesaugt werden und wenn sie dann da sind, beginnt die Reifung. "Es beleidigt mich, dass man mich "grün" nennt!". Keiner beleidigt dich, es ist bestens, dass du grün bist; wenn du ein edler Mensch bist, wirst du mit Arbeit alles erreichen. Wer nicht grün ist, wird nicht reifen können. Was nicht grün ist, ist vertrocknet; in einem solchen Fall gibt es auch keine Entwicklung. Wenn ihr grün seid, freut es mich; es ist eine edle Eigenschaft, grün zu sein. Wenn ihr reift, werdet ihr gelb wie das Gold. Alle lieben das Gold, d. h. die Reifung. Es gibt einige Leute, die nicht gereift sind. Wisst ihr, was Gold bedeutet? Gereift zu sein! Das Leben besteht aus einer allmählichen Entwicklung hin zur Reifung. Diesen allmählichen Prozess nennt die Wissenschaft Evolution, Entwicklung. Er ist solange notwendig, bis alle Menschen ihren Entwicklungsprozess abgeschlossen haben und alles Wissen und alle Güte in ihnen ist. Wenn wir all diese Säfte erlangt haben, wird Gott Seinen Segen schicken und die Früchte in uns werden reifen. Dann wird Der Herr erscheinen. Solange ihr noch grün seid, beobachtet Er euch von weitem. Wenn ihr reift, wird Er kommen und die reifen Früchte einbringen, denn Er braucht sie. Wenn ihr zu begreifen anfangt und das Nötige vom Unnötigen abtrennt, das Vorbeiziehende vom Ewigen, wenn sich euer Charakter gebildet und seine endgültige Form angenommen hat, wenn die Früchte eures Gartens reifen, werdet ihr aus dem Gefängnis befreit werden und vor Dem Herrn dieser Erde gestellt, um eure Auslegung der beiden Träume des Lebens zu präsentieren; ihr werdet die Wahrheit nicht als Gefangener, sondern als freier Mensch unter die Leute tragen. Dann wird die Wahrheit wie ein Lorbeerkranz auf eurem Haupt sein und die Ähren auf den weiten Feldern werden sich vor euch verneigen, und die Sonne, der Mond und alle elf Planeten am Firmament werden euch grüßen. Der tiefe Sinn des weltlichen Daseins wird euch dann klar sein. Der Herr wird erscheinen und das Reich Gottes auf Erden begründen. Ein Vortrag, gehalten am 20. Juli 1914 in Sofia
  24. Die Liebe "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle." (Kor I, 13 : 1) Das Wort "Liebe" ist im Munde der Menschen sehr alltäglich geworden; so alltäglich, dass es schon fast keinen Sinn mehr hat. Wenn ein Wort seinen Sinn verliert, wird es entsalzen, und all das, was entsalzt ist, hat keine Kraft mehr, und infolge dessen verschwindet es. Wenn in der organischen Welt eine gewisse Nahrung dem Magen zugeführt wird, die nicht richtig auf ihn wirken kann, entsteht ein Zustand, den die Ärzte "Verdauungsbeschwerden" nennen, und der dem Körper selbst einen gewissen Verdruss bereitet. Dieses Gesetz bezieht sich nicht nur auf die materielle Welt, sondern auch auf das vernünftige Leben: Wenn uns ein Gedanke vorgestellt wird, der auf unser Gehirn nicht einwirken kann, und der von unserem Verstand nicht erfasst werden kann, entsteht in uns derselbe Zustand. Das Gleiche vollzieht sich auch im Herzen des Menschen: Wenn ein Wunsch ins Herz gelangt und dort nicht wirken kann, nimmt das Herz ihn nicht wahr und etwas Ähnliches spielt sich auch da ab. Das menschliche Wesen nähert sich den Dingen auf eine dreifache Weise. Nehmt eine Frucht, sagen wir einen Apfel, rot, glänzend, rundum schön; zuerst werden eure Augen gelockt: Ihr dreht und wendet ihn umher und bildet euch mit Hilfe der Augen, seiner Form und Farbe nach, einen gewissen Begriff von ihm. Nachdem eure Augen ihre Arbeit getan haben, haltet ihr den Apfel näher an eure Nase, um zu erfahren, ob er einen Duft ausströmt, und euer Geruchssinn wird die Qualität dieses Duftes feststellen. Wenn er seine Tätigkeit abgeschlossen hat, werden Zunge und Zähne wünschen, den Apfel zu probieren, und die letzte Operation an dem armen Apfel durchführen - sie werden sein schönes Kleid zerstören, von dem schon bald nichts mehr übrigbleibt. Doch die Zunge wird sagen: "Dieser Apfel schmeckt gut!" So offenbart sich auch die Liebe im Leben des Menschen in dreifacher Weise. Infolge der Ignoranz von ihren Wechselbeziehungen hat sich im Menschen tiefliegendes Missverständnis gebildet. Manche meinen, sie sei ein Gefühl, andere - sie sei eine Macht, wieder andere - sie sei eine Illusion usw. Wie der Verstand des Menschen, so auch sein Verständnis; folglich, dementsprechend auch seine Auffassung von der Liebe. Um euch ein Urteil in Bezug auf gewisse Fragen oder aber über einen Menschen zu bilden, müsst ihr sehen, was er spricht und schreibt; um eine Frau zu erkennen, müsst ihr sie besuchen und sehen, wie es um ihr Haus bestellt ist; um einen Koch zu erkennen, müsst ihr in seine Küche gehen und sehen, was und wie er kocht; um einen Soldaten zu erkennen, müsst ihr ihn auf dem Schlachtfeld beobachten; um einen Lehrer zu erkennen, müsst ihr seinem Unterricht beiwohnen; um einen Pfarrer zu erkennen - ihn in der Kirche besuchen usw. Jedes einzelne Ding soll man an seiner angestammten Stelle erproben. Wenn wir zur Bedeutung der Liebe im weiteren Sinne kommen, werdet ihr nicht alle in der Lage sein, meinen Ausführungen zu folgen, deshalb versuche ich, diesen Gedanken so darzustellen, dass er für euch halbwegs verständlich wird. Ich werde ihn deshalb in einer einfacheren Form angehen. Es mag sein, dass ich in einer für euch unverständlichen Sprache spreche, aber es geschieht nicht aus dem Wunsch heraus, unverstanden zu bleiben, sondern darum, weil es Gründe gibt, die bedingen, dass meine Sprache unverständlich werden kann. Wenn ein kleines Kind geboren wird, gibt ihm die Mutter zuerst Milch, danach, wenn es ein bisschen gewachsen ist, bereitet sie ihm flüssige Nahrung zu, dann zerstampft sie das Essen fürs Kind, und ihm seinerseits, das am Anfang Milch säugt und schluckt, ist der status quo sehr angenehm; damit die Mutter ihm aber härteres Essen geben kann, ist es nötig, das dem Kind Zähne wachsen - sonst wird es ihm schlecht im Magen. Aber vor dem Durchbruch der Zähne wird eine gewisse Erscheinung auftreten - das Kind wird krank. Und die Mutter fragt sich besorgt: "Das Kind hat Fieber, was ist, wenn es stirbt? Am besten ich rufe den Arzt!"; sobald die Zähne erschienen sind, geht dieser Zustand vorüber. Im menschlichen Leben, gibt es auch einen solchen Zustand; wenn dem Menschen eine harte Nahrung - die Liebe - gegeben wird, kommt das Leiden zwangsläufig. Also, wenn wir sagen: "Leiden sind notwendig", verstehen wir darunter, dass es notwendig ist, diese durchzustehen, damit unsere Zähne durchbrechen, damit wir in die Lage versetzt werden, uns von dieser festen Nahrung zu ernähren. Was es mit den Zähnen auf sich hat - ich kann es euch sagen; aber jetzt sage ich euch, dass sobald eure Leiden in der Welt angefangen haben, dies ein Kennzeichen dafür ist, dass eure Zähne anfangen, herauszuwachsen. Wenn ihr diesen Prozess durchlaufen habt, seid ihr geformt, ihr habt dann 32 Zähne, ihr seid im Alter Christi - ihr seid 32 Jahre alt. Lasst uns sehen, wie der Apostel Paulus die Liebe aufgefasst hat. Um die Liebe zu verstehen, müssen wir diesen Begriff mit seinem Gegenteil vergleichen. Wenn man einen Gegenstand beschreiben will, muss man seine Unterscheidungsmerkmale finden; versucht man z. B. ein Pferd, eine Kuh, ein Schaf, einen Wolf usw. zu beschreiben, so müssen die Wesensmerkmale herausgearbeitet werden, durch die sich jedes einzelne dieser Tiere unterscheidet. Bei einer Beschreibung betrachten wir für gewöhnlich die äußere Seite, aber wir können uns auch den inneren Besonderheiten zuwenden und die dort vorhandenen Unterschiede betonen. In der gegenwärtigen Welt wollen alle Menschen vielsagende Redner sein, weil jeder weiß, dass ein Redner, Kraft seines Wortes, auf die Menge Einfluss nehmen kann. Der Apostel Paulus sagt hierzu: "Wenn ich die größte Beredsamkeit besäße, die die menschliche Sprache zulässt, mehr noch, wenn ich die Beredsamkeit eines Engels hätte, und die Liebe nicht verstünde, würde mir all dies nichts nützen!" Unser Verhältnis zu ihr wäre das gleiche, wie das, wenn wir einen Apfel nur vom außen betrachteten. Nun fragt sich jeder in Bulgarien, was für ein Schicksal ihn und sein Land erwartet. Wenn ihr Vorhersagen machen könntet, würden alle zu euch laufen, um nach Diesem und Jenem zu fragen, und man wird euch in den Himmel heben, wenn eure Voraussagungen zutreffen. Doch der Apostel Paulus sagt: "Selbst wenn ich Vorhersagen machen könnte, alle Geheimnisse wüsste und alles Wissen besäße, wenn ich Glauben hätte, mit dem ich Berge versetzen könnte, aber keine Liebe, wäre ich ein Nichts!" Nicht die gegenwärtigen Geschehnisse machen das Leben aus. Ihr könntet Berge und Städte versetzen, von mir aus auch ganze Reiche, aber dies alles wäre nur die Oberfläche des Lebens. Und weiter sagt Paulus: "Selbst wenn ich meinen ganzen Besitz zur Speisung der Armen verschenkte, und meinen Körper der Verbrennung übergäbe, aber keine Liebe besäße, nützte mir das nichts!" Also, selbst wenn wir alle Begabungen und Tätigkeiten, die der Apostel Paulus aufzählt, haben bzw. ausführen, uns aber die Liebe fehlt, fehlt uns das Wichtigste. Nicht, dass diese Dinge wertlos seien, aber sie sind halt nur die äußere Seite des Menschen, sie berühren nicht seine Seele. Und weiter fängt er an, die positiven Eigenschaften der Liebe zu beschreiben. Ihre erste Eigenschaft ist die Geduld. Wisst ihr von der Bedeutung der Geduld? Sie ist der Grundpfeiler des Lebens! Habt ihr Geduld, könnt ihr alles erreichen; habt ihr sie nicht, werdet ihr es im Leben zu nichts bringen. Der geduldige Mensch ist wie ein Schiff, das einen Anker besitzt; der Ungeduldige gleicht einem Schiff ohne Steuerrad. Eben das ist das Unterscheidungsmerkmal der Liebe. Darum sagt man: "Gott ist Liebe", weil Er geduldig ist. Die Geduld ist ein Zeichen der großen Liebe, die Gott zu uns hegt. Wenn es diese Liebe nicht gäbe, hätte Er uns schon lange nicht mehr geduldet; Er würde unsere Dummheit und Kleinlichkeit nicht länger dulden und uns kurzerhand von der Erde fegen. Also, mit was für Arbeit wir uns auch beschäftigen, was für Güter wir auch immer im Leben erlangen wollen, Geduld ist die Voraussetzung dafür. Viele sagen: "Geduld ist eine Eigenschaft von Ochsen!" Nein, Geduld ist eine große und wichtige Eigenschaft und im Charakter des Menschen gibt es keine edlere. Die Geduld wird nicht zusammen mit dem Menschen geboren, sie muss erlernt werden. Die Liebe kann als Geschenk zu uns kommen, aber die Geduld will erarbeitet sein. Das Leiden ist ein Prozess, durch den man Geduld erlangen kann; dies ist die Methode, durch die man lernt, sich zu gedulden. Um zu dulden, müssen wir mit drei Grundeigenschaften angesäuert sein: mit Weisheit, Wahrheit und Tugend. Warum duldet die Mutter gewisse Irrtümer ihres Kindes und sieht dennoch zu, es aufzuziehen? Sie sieht voraus, das es, obwohl es Schwächen besitzt, in der Zukunft ein großer Mensch wird, ein Mensch, der seinem Haus und seiner Heimat nützlich sein wird. Eben dies voraussehend, sagt sich die Mutter: "Für dieses Kind werde ich mich allen Beschwerlichkeiten aussetzen und seine Schwächen dulden!" Sie tut gut daran. Der geduldige Mensch ist klug und vorausschauend. Nehmt eine Magd; wenn sie nicht verheiratet ist, hält sie ihre Hände sauber, will sie sogar nicht mit Wasser anfeuchten, besprüht sie mit Duftessenzen; aber wenn sie sich verheiratet, macht es ihr nichts aus, ihre Hände mit dem Parfüm des Kindes zu beschmieren, es ist ihr sogar angenehm. Was findet sie an diesem Kind? Was verbindet sie mit ihm? Wenn man es wiegt, werden lediglich ein paar Kilo rauskommen. In ihm gibt es eine göttliche Seele, die die Liebe der Mutter so sehr anzieht, dass sie durch ihre Geduld bereit ist, ihm in allem behilflich zu sein und es auf jede mögliche Weise zu pflegen. Wenn sein Wohlergehen vom Mann abhinge, könnte davon keine Rede sein: er würde es wegwerfen und sagen: "Diese Arbeit ist nichts für mich!" Also, wir brauchen unbedingt Liebe, um jede einzelne Arbeit dieser Welt tun zu können - die Liebe im Herzen ist eine große Triebkraft für die, die sie besitzen. Ich spreche über die Liebe im weitesten Sinne; ich sagte nichts über ihr Wesen. Manche Leute halten die Liebe für eine Empfindung, für eine gute Laune. Das ist keine Liebe, weil, wenn man einen halben Liter Wein trinkt, auch bei guter Laune ist; bei gewissen Schmerzen lasst ihr euch Massagen machen und fühlt euch gut danach; aber dies ist nicht das Wohlgefühl, das einem die Liebe verschafft. Wenn euch jemand liebt, wird er euch manchmal auch Schmerzen bereiten: Die Liebe verursacht gleichzeitig Schmerzen und Freude - dies ist ihre Eigenschaft. Sie ist eine zweischneidige Kraft: Sie liebkost jeden, straft ihn aber auch. Auf welche Weise straft sie euch? Indem sie euch verlässt; ihr werdet traurig und sagt: "Ich bin unglücklich!" Warum seid ihr unglücklich? Wegen der Abwesenheit der Liebe! Ich bin glücklich - warum? Weil die Liebe in mir ist. Aber die Liebe heißt noch etwas - die Geduld ist der Weg, auf dem die Liebe ins Herz gelangt. Die Geduld bedingt die Erscheinung der Liebe. Ohne Geduld kann die Liebe uns nicht erreichen. Sie ist die erste wichtigste Voraussetzung, die Vorbotin der Liebe. Wenn ihr die Geduld in ihrem weitesten Sinne erlernt habt, werdet ihr schon bald feststellen, dass sie eine große Macht in den Händen vom kühnen, entschlossenen Menschen ist: ein solcher Mensch hat eine große Zukunft vor sich. Das Wort "Wohlgesonnenheit" ist die positive, aktive Seite der Liebe, während die Geduld ihre passive, erhaltende Seite ist, an der ihr eine gewisse Last zu tragen habt; Wohlgesonnenheit ist die Liebe, die bereit ist, aufzubauen, jedem Beliebigen einen Dienst zu erweisen, die Bereitschaft - wenn ihr einen Bettler trefft, und er will was von euch - es ihm zu geben; ein Freund von euch mit edlen Charakterzügen will einen Gefallen von euch, ihr solltet ihm ihn erweisen, obwohl er nicht eure Meinung und euren Glauben teilt. Wir wollen, dass die Leute uns lieben, und höflich zu uns sind, aber oft übertreten wir diese Regel, und das nicht nur, weil wir keine Geduld haben, sondern auch, weil wir die ihnen zustehende Güte verwehren. Manche sagen, dass sie einen Menschen lieben und reden doch schlechte Sachen über ihn. Eines Tages wird das Echo dieses Geredes widerhallen, weil das, was man sät, muss man auch irgendwann auch ernten; wenn man einen Apfelbaum angepflanzt hat, wird man Äpfel auflesen können; wenn man Disteln einpflanzt, kann man nur Dornen pflücken. Ich rede nicht darüber, was für ein Verhältnis ich zu euch haben soll, sondern versuche zu bestimmen, was für ein Verhältnis man zu Gott, zur Liebe, d. h. seinem Nächsten gegenüber, haben soll. Wie ich meine Taten verstehe, ist nicht von allzu großer Bedeutung, für mich ist es wichtig, ob ich bereit bin, jenes grundlegende Gesetz zu erfüllen, das die Liebe mir auferlegt hat - ob ich geduldig sein kann, wie sie es will, ob ich von Güte erfüllt sein kann, wie sie es wünscht. Dies ist nötig für jeden Einzelnen, für die ganze Welt, für jene, die wirklich ein Herz haben. Diejenigen, die es nicht verstehen, werde ich in Ruhe lassen. Manche fragen: "Was wird aus den schlechten, sündigen Menschen?" Das, was aus den Steinen, Ameisen und den kleinen Käferchen wird! Ihr denkt, dass es den Ameisen schlechter geht als euch? Sie sind tausend Mal glücklicher als ihr: Sie empfinden nicht dieselben Leiden, die ihr empfindet. Wir sollen nur diese Menschen bedauern, in denen das göttliche Bewusstsein erwacht ist, die die Liebe, das Gute und das Böse verstehen, die leiden und sich quälen. Manche Leute sagen: "Meine Sachen laufen nicht, - ich bin ein unglücklicher Mensch!" Dem antworte ich: "Du bist unglücklich, weil die Liebe dich nicht besucht hat!" - "Und warum kommt sie nicht?" - "Weil du ungeduldig bist!" - "Aber ich bemühe mich, geduldig zu sein!" - "Gut, du hast angefangen!" - "Aber mir geht es immer noch nicht besser!" - "Weil du nicht wohlgesonnen bist!" Ihr werdet sagen: "Diese Dinge sind sehr schön und leicht zu erfüllen, wir werden es tun!"; doch ihr könnt sie nicht voll erfüllen. Ich sage zu euch als Arzt: "Ihr alle seid krank!" Ich habe noch keinen, im wahrsten Sinne des Wortes gesunden Menschen getroffen; nur die Heiligen und die Engel, die den Himmel bewohnen, sind gänzlich gesund; die Menschen kränkeln, wenn auch nicht alle im gleichen Grade. Wenn ein Arzt in euer Haus kommt, wird er euch sagen: "Euer Haus ist nicht hygienisch, weil es nach Norden ausgerichtet ist; verlasst diese Räumlichkeiten und zieht in ein Zimmer mit Südlage um; haltet die Fenster offen, damit frische Luft und Licht reinkommen; ihr sollt öfters das Bettzeug wechseln; ihr sollt auf die Ernährung achten usw!" Und die Liebe sagt dasselbe: "Euer Zimmer ist nach Norden ausgerichtet, es ist unhygienisch, bewohnt besser ein Südzimmer, damit die Sonne euch wärmen kann!", d. h., sie will euch sagen: "Ihr sollt geduldig und gutherzig sein!" Sie sagt: "Dies sind meine Hände, mit denen ich ununterbrochen arbeite - es sind die Hände der Liebe!" Wisst ihr, wie viel diese zwei Hände wert sind? Sie sind unschätzbare Reichtümer! Habt ihr diese Hände, seid ihr imstande, alles zu tun. Ich wiederhole, ihr sollt unbedingt Geduld und Wohlgesonnenheit besitzen, damit eure geistigen Hände wachsen können. Gebt ihr diese zwei Eigenschaften auf, können eure äußeren Körperteile keine Wirkung entfalten, auch die inneren können sich nicht entwickeln und die Tugenden sich nicht offenbaren. Warum sollt ihr tugendhaft sein? Weil die Tugenden euch alle notwendigen Materialien zur Erbauung eures Hauses liefern, sie verschaffen euch all jene Säfte, die für euer Wachstum nötig sind. Die Tugend ist keine Abstraktion, sondern etwas Wirkliches, das zu bauen imstande ist. Deswegen sollen jene von euch, die mich verstehen können, begreifen, welche Tragweite das Wort "Geduld" besitzt. Ich meine nicht jene Geduld, die es erlaubt, Beleidigungen einzustecken; das ist noch keine Geduld; das Geheimnis der Geduld besteht darin, wenn ihr beleidigt wurdet, die gute Seite der Beleidigung zu finden und sie zu nutzen. Die Beleidigung ist eine sehr harte Nuss, die euch da jemand gegeben hat; ihr sollt sie knacken, den Kern rausnehmen und essen. Wenn ihr es schafft, euch auf diese Weise zu ernähren, werdet ihr völlig gesund. Wenn die Leute über euch schlechte Sachen reden, wenn sie euch schmähen, geben sie euch eine Nahrung und wenn ihr dieses Lebensmittel zu gebrauchen versteht, werdet ihr Zufriedenheit erlangen. Die Leute bewerfen euch mit großen Steinen; zerbrecht sie, weil es in ihnen Reichtümer gibt, die ihr dazu benutzen könnt, reich zu werden. Wenn ihr nach Hause geht, sollt ihr nachdenken und zu Gott dafür beten, die Geduld verstehen zu können. Bis jetzt beschäftigen sich viele Menschen mit Dummheiten, selbst viele Christen wollen groß, berühmt sein, viele Kenntnisse besitzen. Gut, die Kenntnisse kommen von selbst, wenn ihr sie empfangen und nutzen könnt; sie können eine Kraft sein, die euch und euren Nächsten zugute kommt, wenn ihr die Kenntnisse gebraucht, wie es notwendig ist; aber sie können auch zu Ranzen auf dem Rücken des Menschen werden. Die Liebe beneidet nicht. Um in Erfahrung zu bringen, ob euch die echte Liebe besucht hat, beobachtet euch, ob ihr jemanden beneidet oder nicht. Wenn ihr beneidet, ist es keine Liebe. Die Liebe muss für immer und ewig in unsere Taten einfließen: Sie ist in diesem Leben genauso nötig wie im nächsten und so weiter, und je höher wir uns erheben, desto tiefer wird der Sinn, den wir in ihr entdecken. Wir sollten von nun an diesen Weg gehen: Es gibt keinen anderen Weg, der zum Himmel führt. Ihr sagt: "Dieser Weg ist lang und beschwerlich, geht es nicht auch ohne ihn?" Nein! Ohne ihn können wir alle möglichen Länder besuchen, nicht aber das Reich Gottes. Die Liebe beneidet nicht, sie vergilt Unrecht nicht mit Unrecht, Böses nicht mit Bösem, sie übersteht alles. Natürlich sage ich nicht, dass Neid und Stolz nie mehr euer Herz besuchen werden; manchmal kommen sie wie Gäste vorbei, aber daraus wird man uns keinen Strick drehen können; wesentlich ist, keine Freundschaft mit ihnen zu schließen. Aber manchmal fassen wir den Neid bei der Hand und sagen zu den Leuten: "Jener Mensch ist schlecht, ihr solltet euch besser vor ihm hüten!", und machen dadurch das Leben dieses Menschen schwer und unglücklich. Wie ihr seht, ist der Neid nichts Abstraktes, er repräsentiert die Wesen, die negative Eigenschaften angenommen haben; es gibt sogar Menschen, die der fleischgewordene Neid sind. Erst nachdem wir uns diese zwei Eigenschaften - Geduld und Güte - angeeignet haben, werden wir unsere eigene Lebensgeschichte kennenlernen, wir werden erfahren, warum wir auf die Welt gekommen sind. Noch einmal werde ich das Beispiel vom Weizenkorn anführen, weil es auf der Welt keine mustergültigere Frucht gibt, als eben das Weizenkorn: Wenn ihr den Prozess der Geduld erlernen wollt, sollt ihr die Geduld des Weizenkornes betrachten. Ohne Geduld werdet ihr viele Enttäuschungen erleben. Viele Menschen werden euch nicht trauen. Ihr werdet sagen: "Mir folgen die Leute nicht!" Warum sollten sie euch auch folgen? Die Menschen sind nicht dazu geschaffen worden, um euer Gefolge zu sein. Sie werden sich eure Ansichten anhören, aber nie werden sie euch folgen. Ihr fragt oft: "Wem folgt ihr?"; Menschen könnt ihr in der Tat folgen, aber manchmal könnt ihr auch betrogen werden. Folgt ihr dagegen nur Gott, könnt ihr niemals betrogen werden. Es gibt nur einen Weg und Jesus Christus nennt ihn: "Ich bin der Weg!" Wenn dir die Leute nicht folgen, bedeutet das, dass du nicht auf dem richtigen Weg bist. Irgendjemand könnte sagen: "Das glaube ich nicht!", und einen anderen Weg beschreiten; aber eines Tages wird ihm die Einsicht kommen, dass er sich geirrt hat; das Leben wird es ihm schon sagen, weil es eine große Prüfung ist. Ihr sagt: "Überzeuge mich, und ich werde dir glauben." - "Ich will dich nicht überzeugen. Ich sage dir, dass dich dieses Brot, das ich dir gebe, sättigen wird!" - "Sag mir doch, aus welchen Stoffen es besteht, mit was für Wasser es geknetet ist!" - "Ich habe für so was keine Zeit. Willst du nun das Brot essen?" - "Nein, will ich nicht!" Ich tue es zurück in den Sack und reise ab. Ihr fragt auch: "Was ist die Liebe, aus welchen Stoffen besteht sie?" Wenn du zu viel fragst, werde ich sie in den Sack zurücktun und meines Weges gehen; ich werde dir sagen: "Ich habe keine Zeit, dir solche Fragen zu beantworten!" Das Leben ist etwas Positives - ihr müsst ausprobieren, esst euch an diesem Brot satt und dann könnt ihr entscheiden. Die Liebe ist die Lebensnahrung: Ohne sie kann man nicht leben und etwas in der Welt erreichen. Manche Menschen haben einen zu dunklen Begriff von der Liebe, sei es in Bezug auf das Geschäftsleben, sei es in Bezug auf das Lernen, sei es in Bezug auf den Krieg. Die Liebe sollte uns überall begleiten; sie ist eine große Kraft. Diese Kraft, mit der ich dieses Glas hebe, ist auch Liebe. Dieselbe Kraft findet auch in einer Kanone Platz, sie kann eine Granate werfen und eine Unmenge Menschen töten, sie kann sich durch ein Erdbeben offenbaren, sie kann sogar die ganze Erde zerstören, sie kann aber auch eine Welt erschaffen. Es ist eine Frage ihrer Verwendung: nämlich, was man aus einer bestimmten Kraft macht. Die Liebe ist eine Kraft, die durch Regulierung nutzbar gemacht werden kann. Die Menschen sind selbstsüchtig - wenn die Liebe vorbeikommt, wollen sie sie in sich einsperren. Aber wenn wir das tun, wird sie unsere Mauern durchbrechen und nach draußen entschwinden. In einer Wohnung, in der man sie einsperren will, kann sie nicht bleiben. So wird der Tod geboren. Er ist die Zerstörung jedes selbstsüchtigen Gedankens und Wunsches; durch ihn zerstört Gott alle Dächer, unter denen sich böse Geister eingenistet haben. Unser Herz und unser Verstand haben alle Möglichkeiten, die Liebe wahrzunehmen. Sie ist still, ruhig, kann aber gleichzeitig mit ihrem Wirken eine verheerende Kraft entfalten. Wenn wir mit ihr harmonieren, ist die Welt die Seligkeit selbst; Gelingt es uns dieses nicht, gibt es in der Natur keine schrecklichere Kraft als sie. Deswegen sagen die erfahrenen Leute: "Wer sehr liebt, hasst auch sehr!" Je stärker sie als eine positive Kraft wirken kann, desto stärker ist ihre negative Erscheinung; darum sollen wir mit ihr aufpassen. Wenn wir sie haben, sollen wir nicht auf negative Weise handeln, weil sie sich dann in eine reißende Bestie verwandelt - Krankheit, Leid und Zerstörung können über die ganze Gesellschaft ausgeschüttet werden. Viele sagen, dass Der Herr Liebe ist, und Er als solche nicht strafen kann. Der Herr ist sowohl mild, als auch anspruchsvoll. Wenn Er mit uns unzufrieden ist, sagt Er: "Zurrt ihm Last auf den Rücken!" Wir fragen: "Was soll das?" Ohne zu antworten, sagt Er: "Noch ein Gewicht!" - "Aber ich kann es nicht tragen!?" - "Noch eins!" Er drückt uns solange runter, bis wir uns nicht mehr bewegen können. Dann fangen wir an zu sagen: "Mein Herr! Verzeih mir!" - "Nehmt ihm ein Kilo ab!", antwortet Der Herr. Wir wiederholen unsere Bitte. - "Nehmt ihm noch ein Kilo ab!"; und je mehr wir beten, desto mehr Gewicht wird von unserem Rücken genommen. Und, nachdem Der Herr wieder die ganze Last von unserem Rücken genommen hat, fragt Er: "Na, hast du jetzt deine Lektion gelernt?" - "Oh ja, das habe ich!" - "Wenn du willst, dass Ich dich nicht mehr belaste, musst du deiner Umwelt gegenüber, allen, die um dich herum sind, wohlgesonnen und geduldig sein, und auch sie werden dir gegenüber wohlgesonnen und geduldig sein; deine kleinen Brüder können irren, du aber sollst Geduld besitzen, so wie ich. An dem Tag, an dem du das Gesetz verletzt, werde ich wieder anfangen, dich zu belasten." - "Ich kann nicht tragen!" - "Du wirst tragen!" Ich habe euch gesagt, wie wir von dieser Last erlöst werden können. Jeder soll von Herzen gern Dem Herrn sagen: "Ich danke dir aus ganzem Herzen für alles, was Du mir gegeben hast!"; schließlich hat Gott jedem einzelnen Menschen Tausende von Gütern gegeben - nur man kann sie nicht benutzen: "Durch Wasser waten und durstig sein." Viele Geschäftsleute sind unzufrieden. Warum? Weil sie zehntausend Lewa haben und es ihnen nicht genug ist. Wenn man ihnen zwanzigtausend gibt, ist es ihnen wieder nicht genug; man kann ihnen fünfzigtausend, einhunderttausend Lewa geben, sie bleiben unzufrieden. Wisst ihr, wem die moderne Menschheit ähnlich ist? Vielleicht habt ihr die Geschichte von jenem Fischer gelesen, der ein schönes Auge gefunden hatte. Man fragte ihn: "Wieviel willst du für dieses Auge? - "Soviel, wie es wiegt!" - "Wiegt es ab!" Man stellte 10 Gramm auf die Waagschale, das Auge war unzufrieden, man stellte noch 20 Gramm dazu, das Auge war immer noch unzufrieden, man stellte ein Kilo, einhundert Kilo, eintausend Kilo, zehntausend Kilo, das gesamte Gold, das man hatte - das Auge blieb unzufrieden. "Was sollen wir tun? Es ist nicht zu bezahlen?", fingen die Leute an, sich zu fragen. Schließlich riefen sie einen alten Weisen und fragten ihn: "Was sollen wir tun?" - "Es ist ganz leicht", antwortete der Weise, "nehmt ein bisschen Erde und bestreut damit das Auge!" Man tat es, und augenblicklich hob sich die Waagschale mit dem Auge nach oben. Eines Tages wird auch Der Herr, uns unzufrieden sehend, sagen: "Streut ihm Erde in die Augen!", und wir werden mit einem Mal zufrieden. Genauso, wie wir unser Essen salzen und pfeffern, macht es auch Der Herr, wenn wir unzufrieden sind - Er salzt und pfeffert uns ein bisschen, damit wir zufrieden werden. Schließlich besteht das Leben nicht in der Masse dessen, was wir besitzen, sondern in dem, was wir benutzen können, und nicht zuletzt auch darin, Gott für das, was Er uns gegeben hat, dankbar zu sein. Dann wird Er uns noch größere Güter geben. Also, wir sollen dieses Kapitel vom Apostel auf das praktische Leben anwenden: Wir sollen zu arbeiten anfangen und unseren Brüdern, die um uns herum sind, nützlich sein. Wir erlernen die Sachen des Lebens so, als wären wir in der Schule; wir sind nicht in einem Gewächshaus. Die Kirche ist ein solches großes Gewächshaus; dort kann man alles Mögliche säen; die Schule aber ist ein Garten, wo nur die Sachen gesät werden sollen, die einen Nutzen bringen. In der Schule sollen wir lernen, wie man die guten und nützlichen Sachen bearbeitet und anpflanzt. Bei der Schule besteht eine Bindung zwischen Herz und Verstand; wir sollen nicht nur pflanzen, sondern auch kultivieren und damit jene Grundlagen schaffen, auf denen sich das Leben entwickeln soll. Ihr sagt: "Warum hat mir Gott nicht größere Fähigkeiten, mehr Kraft, mehr Geld gegeben?" - Ich sehe viele Gründe dafür. Denn wie oft hat Er euch, eure Ahnen und Urahnen auf den Acker zur Arbeit geschickt, ihr aber habt euch mehr mit dem Geschmack der verbotenen Frucht beschäftigt und immer wieder und wieder neue Versuche in dieser Richtung unternommen, die letztendlich euer ganzes Kapital aufgezehrt haben? Wie oft seid ihr alle auf diesen Acker gegangen und anstatt mit der Arbeit anzufangen, weggerannt, und zu Ihm zurückgekehrt, um Ihn zu bitten, euch etwas Fertiges vorzusetzen. Ihr seid wie Kinder, von denen Vater und Mutter wollen, dass sie was lernen, die es aber partout nicht tun wollen und die Schule schwänzen; viele von euch haben die göttliche Schule geschwänzt. Ihr sagt: "Dabei wird eher nichts rauskommen, lasst uns ein sorgenfreies Leben machen!" Viele Male habt ihr das gesagt und ihr könntet es immer noch sagen; aber es ist nicht besonders klug. Jener, der das göttliche Gesetz erkennen und eine höhere Stufe erreichen will, jener, der sich zur Sphäre der Heiligen erheben will, von der aus er das Leben klar sehen kann, und Der Herr ihm wohlgesonnen ist, sollte unbedingt die göttliche Schule auf Erden mit einer Reifeprüfung beenden. Von diesem Abschluss hängt das Wohl jedes einzelnen ab. Wenn ihr für diese Welt nicht vorbereitet seid, werdet ihr solange Vieh treiben, pflügen, Steine brechen, Wege pflastern, bis ihr begriffen habt, was euch das Vieh, der Pflug, die Steine und die Wege lehren, um euch auf das Reich Christi vorzubereiten. Die unfolgsamen Kinder lässt Der Herr Steine brechen, den Folgsamen gibt Er anspruchsvolle Beschäftigungen. Ihr werdet sagen: "Schwer sind diese Lehrjahre!" Ja, für den Faulen sind sie schwer, damit bin ich einverstanden; aber für die Fleißigen, Arbeitsamen und Frommen sind in ihnen Reichtümer verborgen. Wisst ihr, warum der Wurm in der Erde wohnt, der Frosch im Wasser, der Vogel in der Luft und der Mensch inmitten dieser? Dies sind vier große Zustände des Lebens. Ihr werdet zu mir sagen: "Das sind Abstraktionen!" Es sind keine Abstraktionen; es sind vier große Wahrheiten, die euch den schmalen Pfad aufzeigen - den Weg des Gottesgedanken. Er ist schmal - das stimmt; aber dafür gibt es tiefe Ursachen, die ich euch jetzt nicht erklären kann. Sie liegen außerhalb der Grenzen dieser Welt. Ich kehre wieder zum Wort "Liebe" zurück, das die Leute entsalzt und um seinen wahren Inhalt gebracht haben; sie haben seine Güte, seine Schönheit zertreten und seine klangvolle Harmonie zerstampft, so dass jetzt nur noch schiefe Töne, die unser Ohr ärgern, übriggeblieben sind. Wir sagen uns: "Die Liebe ist eine Illusion im Leben, Traumschlösser, die sich junge und unerfahrene Menschen auf Wolken bauen, unfassbare Schatten, denen sie im Leben hinterherjagen!" Ja, sie ist ein Schatten; aber zu diesem Schatten gibt es eine Wirklichkeit, aus der der Saft des Lebens entspringt, an dem die Seele ihren Durst stillt wie ein ermüdeter Wanderer, der sich an einer kalten und klaren Bergquelle Erfrischung verschafft. Was für ein unschätzbarer Reichtum, was für ein Wissen ist in diesem einzigen Wort verborgen! Und wenn die Menschen es richtig aussprechen könnten, so wie es am Anfang der Mund Gottes aussprach, würde die ganze uns umgebende Welt lächeln, und gerührt diesen himmlischen Ruf vernehmen. Sie würde jenen mythischen Zepter der alten Weisen erhalten, dessen Kraft die ganze Welt zum Guten verneigte. Viele werden sagen: "Es wäre wahres Glück, so einen Zepter zu besitzen!" Wahrlich, es ist das größte Glück, das man auf Erden bekommen kann. Jeder kann es erhalten, wenn er unermüdlich zum Guten strebt. Nun will ich folgendes sagen: Wenn ihr erst anfangt, im Leben Geduld zu erlernen - immer und alles mit Demut und Freude zu empfangen, werdet ihr die Wahrheit finden. Durch Ungeduld und böse Gedanken schafft ihr nicht nur in eurem Haus eine schwere Atmosphäre. Die Frau ist unzufrieden, weil der Monatslohn ihres Mannes 150 Lewa beträgt; sie will dies und jenes - Wünsche, Wünsche, Wünsche; und wer soll für euch arbeiten, wer wird sie euch verschaffen, wenn nicht ihr selbst? Alle wollen, ohne zu arbeiten, volle Speicher haben; von wem wollt ihr sie nehmen? Güter gewinnt man mit Mühe - mit Arbeit. Darum sollen wir mit dem zufrieden sein, was uns Gott in Seiner großen Weisheit zu geben geruht. Ich rate euch, nie auf die Ratschläge anderer Leute zu hören. Ihr könnt aus ihnen gewisse Belehrungen ziehen, folgt aber jenem Rat, den Gott in euer Gewissen gespeist hat. Hört, was die Leute sagen und wenn es mit dem, was euch Gott in eurem Gewissen sagt, in Einklang steht, hört auf sie; wenn nicht, folgt niemals dem Rat der anderen. Wenn ihr frei von Fehlern sein wollt, sollt ihr unbedingt Dem Herrn folgen: Jeder von euch, der Dem Herrn nicht folgt, ist kein kluger Mensch, sondern der Sklave seiner äußeren Neigungen, der Sklave seiner Mitmenschen, aller. Ihr sucht Den Herrn. Wo? Er ist in euch, in eurem Verstande, in eurem Herzen, Er offenbart Sich durch diese zwei Gaben. Hört gut auf euren Verstand und euer Herz; durch sie spricht Er zu euch. Manche predigen euch, dass der Verstand und das Herz verdorbene Früchte seien. Das ist nicht richtig. Wenn Verstand und Herz verdorben wären, womit könnten wir Gott erkennen? Es gibt in uns verdorbene Dinge, aber nicht alles ist verdorben. Ich frage euch: Wenn ihr weder an euren Verstand noch an euer Herz glaubt, an wen glaubt ihr dann? Wenn mein Verstand und mein Herz verdorben wären, könnte ich an euch glauben? An wen sollen wir glauben? An Den Herrn, Der in uns wohnt. Und wenn wir an uns selbst glauben, werden wir auch an unsere Brüder glauben. Wer an Den Herrn, Der in ihm lebt, nicht glaubt, kann auch den anderen Menschen nicht glauben. Jenen, der seinem Nächsten nicht wohlgesonnen ist, liebt Gott nicht sonderlich. Darum sagt Der Herr, dass wir unsere Nächsten lieben sollen. Euer Nächster ist zerschunden, gekreuzigt, ans Kreuz genagelt. Nicht Der Herr im Himmel, sondern ihr auf Erden habt den Hammer geführt. Das ist die traurige Wahrheit, lest sie im Evangelium nach. Eure Erlösung wird nicht anders vonstatten gehen, als durch eine solche Kreuzigung der Geduld und der Güte. Dann wird eure Erlösung kommen. Ihr werdet sagen: "Das ist ein schweres Los!" Es ist nicht schwer. Ihr sollt euch nicht fürchten. Ans Kreuz genagelt zu werden, ist angenehm. Der Herr duldet seit Jahrhunderten die Kreuzigung. "Und wenn sie uns schadet?" - Sie wird euch nicht schaden! Menschen, die sich vor Leiden fürchten, wollen wir nicht in unserer Schule. Ihr sollt Dem Herrn für diese Leiden danken: Sie sind von Ihm geschickt. Ihr verdient diese Leiden, die euch jetzt gegeben werden, ihr seid ihrer würdig. Wenn Christus keine Dornenkrone getragen hätte, wenn Er nicht ans Kreuz geschlagen worden wäre, wie würde sich diese Liebe offenbaren? Würdet ihr Ihn heute lieben, wenn Er als König gelebt hätte? Ihr liebt Ihn, weil er sich um unserer Erlösung willen kreuzigen ließ. Seid von jetzt an Helden, fürchtet euch nicht vor Leiden, sondern zeigt der Welt, dass ihr stark seid, und dass ihr nicht nur ein Kreuz, sondern wenn es sein muss, auch zehn Kreuze zu tragen bereit seid. Irgendein Mensch beklagte sich, dass das Kreuz, das er trug, zu schwer war; Der Herr sagte: "Nehmt es ihm ab!", führte ihn in einen großen Saal und sagte: "In diesem Raum gibt es große und kleine, goldene und silberne, eiserne und bleierne Kreuze, wähle dir von diesen eins aus!"; der Mensch stöberte lange herum, fand endlich ein sehr kleines Kreuz und bat: "Dieses Kreuzchen will ich!" - "Das ist das Kreuz, das du bis jetzt trugst; dies hatte ich extra für dich bestimmt!", antwortete ihm Der Herr. Wir übertreiben oft mit unseren Leiden. Sie sind der Weg zu unserer Erhebung, zum Ebenbild Gottes. Wenn ein Mensch leidet, sollten wir uns sagen: "Er ist ein Sünder auf dem Weg zur Erlösung!" Ich preise ihn glücklich und sage zu ihm: "Bruder, du bist näher am Himmel; ich wäre gern an deiner Stelle!" Wenn jemand sagt: "Ich habe kein Leiden gesehen!", sage ich ihm: "Du bist noch grün!" Grün ist ein angenehmer Zustand, aber wenn die grüne Frucht anfängt zu reifen, kommen die Leiden. Haltet diesen Gedanken in euch, ich gebe ihn von Seiten Gottes zum Nachdenken: Wenn zu euch ein Leiden kommt, sollt ihr euch freuen und Dem Herrn dafür danken, dass Er euch so liebt, dass Er es euch schickt. Die Leiden sind ein Merkmal der Gottesliebe und alle sollten dieses Kreuz tragen. Darum hat Der Herr dem gesamten bulgarischen Volk, wie einer einzigen Seele, diese Leiden gegeben, damit es die großen Eigenschaften - die Geduld und die Wohlgesonnenheit - erlernt. "Aber", sagt ihr, "die Griechen und die Serben sind so und so besser dran!" - Macht nichts, ihr sollt nicht darauf achten, ihr sollt die Lektion über eure Erlösung lernen und außer Acht lassen, was die anderen sind: Sie haben nichts gewonnen und die Zeit wird auch für sie kommen, ihre Lehre zu machen, die euch früher gegeben wurde, wofür ihr danken und nicht murren sollt. "Uns haben die Leute gekreuzigt!" "Das macht nichts, ihr seid näher an Mir!", antwortet Der Herr. "Die anderen nicht; sie sind noch fern, aber sie werden auch in diese Lage kommen!" Wenn ihr gekreuzigt werdet, werdet ihr in Gottes Reich eintreten. Darum sollten wir uns freuen, dass wir etwas mehr in dieser Welt haben. Werden wir alle Gefolgsleute Christi und tragen wir mit Würde diesen Namen auf Erden: Christen. Was euch die anderen auch sagen, wir sollten es beiseite schieben. Stattdessen geduldig und wohlgesonnen werden und unsere Pflicht zu Gott so tun, wie wir sie uns mit reinen Gedanken und Wünschen vorstellen. Lasst uns auf diesem großen Weg nie straucheln, sondern kühn und entschlossen kämpfen und jeden unserer Mitkämpfer ermutigen. Dies ist die Kraft, durch die wir die momentanen Schwierigkeiten überwinden werden. Ein Vortrag, gehalten, am 6. Juli 1914 in Sofia
  25.  Die Talente "Und einem gab er fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eins, einem jeden nach seiner Tüchtigkeit, und zog hinweg." (Mt. 25 : 15) Ich werde mit euch über Vers 15, Kapitel 25 des Matthäusevangeliums sprechen. Es besteht kein Zweifel, dass ihr dieses Kapitel oftmals gelesen und euch mit den Talenten beschäftigt habt; vielleicht habt ihr auch gewisse Schlüsse gezogen, von denen einige näher an der Wahrheit lagen, und andere - ferner. Ich werde diesen Vers in seinem gewöhnlichen Sinne nehmen. Wenn Jesus einen Satz sagte oder eine Parabel erzählte, hatte Er stets den grundlegenden göttlichen Gedanken, das göttliche Gesetz vor Augen, d. h. Er sprach nicht um des Sprechens willen, sondern sagte mit allem gewisse Wahrheiten aus. Nun können wir uns die Frage stellen: Warum wurden dem einen fünf Talente, dem anderen zwei und dem letzten eins gegeben? Ist dies Zufall oder Absicht? In der Natur ist alles, was Gott geschaffen hat, nicht zufällig - kein Ding ist zufällig. Wir sagen über viele Dinge, dass sie "zufällig" geschehen sind, wenn wir sie uns nicht erklären können. Wir treffen einen Menschen und glauben, dass wir ihn zufällig treffen. Eines der Lebensgesetze besagt, dass unser Zusammentreffen durch gewisse vorhergehende Ursachen bestimmt wird, die zu ihm führten. Dieses Gesetz nicht kennend, sagen wir, dass wir uns zufällig, ohne jeglichen Grund, treffen; dem ist es aber nicht so. Was sollen wir uns unter fünf, zwei und einem Talent vorstellen? Es gibt drei Menschentypen: Der erste, der den fünf Talenten, der zweite, der den zwei Talenten und der dritte, der dem einen Talent entspricht. Welche sind aber die Menschen, die nur ein Talent besitzen? Sie sind jene, die nur für sich selbst leben: „Lasst uns dreimal täglich essen, lasst uns trinken, zu Bett gehen, damit unser Leib gut gemästet wird und lasst uns gut anziehen - dazu sind wir schließlich auf die Welt gekommen!" Sie sind selbstsüchtige Menschen, unfruchtbar und samenlos - die Menschen mit dem einen Talent. Welche sind die mit den zweien? Der Mensch, der sich verheiratet hat, ist das eine Talent und seine Frau ist das andere. Beide tun sich zusammen und gewinnen noch zwei Talente - die Kinder, die ihnen geboren werden; sie werden nun vier und sagen: "Herr, wir haben die beiden Talente genutzt; wir haben Kinder großgezogen und noch zwei Talente hinzugewonnen". Das im ersten Sinne. In dem anderen Sinne sind sie Menschen, die für ihr Haus, für die Gesellschaft, für das Volk leben. Die mit den fünf Talenten besitzen aber noch etwas anderes: Die fünf Talente entsprechen unseren fünf Sinnen, also sind sie Menschen, bei denen alle fünf Sinne - das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken und das Fühlen - an ihrem Platz sind. Sie sind Menschen mit rechten Urteilen und Schlussfolgerungen über alles, was Gott geschaffen hat: Sie verstehen die Natur, verstehen die Dinge, verstehen die Ursachen und ihre Wirkungen; sie sind Lehrer der Welt, sie leben für die ganze Menschheit. Lasst uns nun eine kleine Rechnung mit den gegebenen Talenten machen: 1 + 2 + 5 = 8 Talente. Ist die Zahl 8 willkürlich? Nein! Sie ist die Zahl der Arbeit. Die Heilige Schrift sagt, dass Der Herr die Welt in sechs Tagen geschaffen hat; am siebenten ruhte Er sich aus. Nach jeder Ruhepause kommt ein neuer Arbeitstag. Wir sind am achten Tag. Der Herr sagte zu den Menschen: "Ich habe die Welt geschaffen, nun fängt euer Tag an, arbeitet, und eines Tages werde ich kommen, um eure Arbeit zu begutachten." Wir leben im achten Tag und weil wir nicht wissen, wie wir arbeiten sollen, begehen wir Irrtümer. Aber Der Herr sagt: "Ihr sollt arbeiten, fortschreiten, und Irrtümer werden natürlich nicht ausbleiben!" Welcher Lehrer rechnet nicht damit, dass seine Schüler in ihren Büchern rumreißen und die Schule beschmutzen? Bei welcher Frau, die im Haushalt arbeitet, fällt kein Schmutz an? Welcher Färber verschmiert nichts, während er färbt? Welcher arbeitende Mensch wird verhindern können, dass sich seine Kleidung beschmutzt und anreißt? Auf dem Weg unserer Entwicklung dürfen wir nicht das Unmögliche wollen, sondern ständig auf eine Veränderung und eine Abtragung warten. Ihr habt Angst vor dem Tod. Was ist der Tod? Der Tod ist ein Abtragen, ein Zerreißen unseres Kleides. So ist das Gesetz. Der Körper verändert sich allmählich. Die Heilige Schrift sagt: "Gott schuf den Menschen nach Seinem Ebenbild"; ja, so ist der göttliche Plan; aber, weil Er uns arbeiten, uns Verstand, Herz und Charakter bilden, uns entwickeln gelassen hat, bedeutet die Tatsache, dass wir bei der Erfüllung dieses Planes ein bisschen schmutzen werden, nichts. Wenn ein Haus errichtet werden soll, liegen auf dem Bauplatz viele Sachen herum: verstreute Steine, Ziegel, Sand usw.; wenn aber das Haus fertig ist, reinigt man alles und die Leute kommen, um im Haus zu wohnen. Folglich befinden wir uns jetzt in der Periode des achten Tages und wir bauen. Wir bauen an diesem Haus mit den drei Menschentypen, von denen der eine - ein Talent, der andere - zwei Talente, und der dritte - fünf Talente hat. Lasst uns nun die Talente von jenem zusammenzählen, der mit den gegebenen fünf noch fünf hinzugewonnen hat - das macht zehn, mit den beiden Kindern - vier, es ergibt also insgesamt vierzehn, und mit dem einen, das in der Erde vergraben war - fünfzehn. Gut, wie viel sind die gewonnenen Talente, wenn wir die acht Gegebenen abziehen? Was bedeutet die Zahl Sieben? Wie gesagt, das bedeutet Ruhe! Nun haben wir das Gesetz und den Gedanken, den Christus drinnen verborgen hat. Diesen Gedanken begreift nur dieser, der die Schrift kennt, den Gedanken nämlich, dass der, der sich ausruhen will, vorher gearbeitet haben muss, und dass sich jener, der nicht gearbeitet hat, nicht ausruhen darf, weil Der Herr sich am siebenten Tag ausruhte, nachdem Er sechs Tage gearbeitet hatte. Wir fragen oft: „Wann werde ich mich ausruhen?"; du hast noch nicht angefangen zu arbeiten, was für eine Ruhe suchst du denn? Kaum hast du die Hacke auf die Schultern genommen, willst du schon wieder Ruhe! Nachdem du den ganzen Weingarten umgegraben hast, erst dann sollst du dich danach sehnen und die Ruhepause wird kommen. Wir müssen das grundlegende göttliche Gesetz begreifen, dass Ausruhen ein Ergebnis von Arbeit ist. Nur jene können Lust und Freude empfinden, die vorher gearbeitet haben. Christus sagt in diesem Zusammenhang: "Diejenigen, die gearbeitet haben, werden zur Freude Des Herrn eingehen; alle Güter, die Ich habe, werden auch sie haben!" Und was hat Er zu dem gesagt, der nicht gearbeitet hatte, sondern sein Talent in der Erde verbuddelte? „Darum nehmt ihm das Talent und gebt es dem, der fünf Talente hat, und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus, damit er dort arbeiten lernt!" Was für eine Finsternis meint er damit? Es sind die Würmer, die unter der Erde arbeiten. Wenn ihr nicht arbeiten lernt, wird Der Herr euch in Würmer verwandeln und in der unterirdischen Finsternis auf Arbeit festlegen, damit ihr lernt zu arbeiten. All jene, die über das göttliche Gesetz rumphilosophieren wollen, werden sehen, ob diese Worte richtig sind oder nicht. Ich spreche an diesem Morgen über das grundlegende Gesetz: Wir sollen arbeiten. Nur wenn wir für Gott arbeiten, ist es Arbeit; wenn wir für uns selbst arbeiten, ist es nichts mehr als ein Geschäft. Arbeit bedeutet auch Wissen; jener, der fünf Talente empfangen hat, hat fünf Sinne - ihm hat Der Herr alle Fähigkeiten und notwendigen Kenntnisse gegeben. Auch jener, der zwei Talente hat, besitzt seinen Kenntnissen entsprechende Fähigkeiten. Ich werde noch ein Gleichnis anführen. Dieser mit dem einen Talent, ist ein Mensch, der einem Mineral ähnelt, das sich, wie man weiß, nicht vermehren kann - es bleibt immer allein. In ihm kann das Sonnenlicht sich zwar sehr gut brechen, aber ein vernünftiges Wesen kann es nicht sein. Wenn euer Herz hart wie ein Mineral ist, seid ihr ein Mensch, der nur ein Talent hat; und darin liegt die Gefahr, denn Die Schrift sagt: "Und Ich werde euch euer Herz, hart wie ein Stein, entziehen!" Dieses Talent muss verwandelt werden und anfangen, Früchte zu tragen und sich zu entwickeln. Die beiden Talente sind dann verständig - es ist das Weizenkorn, das Pflanzenleben, das etwas höher als die Mineralien steht, und das sich vermehrt und dazugewinnt. Was können uns die hübschen Mineralien fürs Leben geben? Wir alle würden sterben, wenn unser Leben von ihnen abhinge. Dank dem Weizenkorn, das zwei Talente trägt, dank der Arbeitsamkeit jener fünf Talente, der Fähigkeiten, die unser Verstand zu einem höheren geistigen Leben besitzt und uns zeigt, wie wir die Güter, die Gott uns gegeben hat, nutzen sollen, können wir von dem Unheil dieser Welt erlöst werden. Wir sollten uns die Frage stellen, was dies "einem jeden nach seiner Tüchtigkeit" bedeutet; es bedeutet, dass jeder von uns seine Stärke kennen soll. Oft sagen die Leute: "Ich will größere Begabungen, größere Fähigkeiten haben!" Gut. Aber wenn du diese Begabungen, die du hast, nicht anwenden kannst, wenn du nicht weißt, wie du diese ausschöpfen sollst, warum sollte man dir mehr geben? Jeder von uns hat so viele Begabungen, dass, wenn er diese voll ausschöpfen würde, genug hätte, um den Grundstein für fünf Talente zu legen. Fünf Talente haben aber nur Wenige. Ich glaube, dass die meisten von euch, die mir hier zuhören, zwei Talente haben; aber sogar das kann ich nicht mit Sicherheit behaupten. Wenn ihr jedoch diese zwei Talente in vier verwandelt, sieht die Lage schon anders aus. Und was bedeutet die Vier? Dass ihr den Weg zur Reinigung eures Lebens finden sollt. Ihr braucht Wasser, aber es ist trüb, ihr müsst eine Methode entwickeln, es zu filtern. Wenn ihr es mit dem Schlamm trinkt, wird euch davon schlecht. Also die Vier ist der göttliche Prozess, durch den unsere Wünsche und Gedanken in dieser Welt geseiht werden. Jener, der zwei Talente hat, soll so lange arbeiten, bis er ein Seihtuch hat. Wisst ihr, wie viel es wert ist? Fragt einen Milchmann, geht zu einer Sennerei und fragt diese, die Käse machen, was in dem Seihtuch zurückbleibt. Reine Molke! Euer Seihtuch ist der kritische Verstand, den ihr im Leben auf jeden Fall haben solltet. Wenn die Leute von einem sagen, dass er ein Kritiker ist, sollt ihr darunter verstehen, dass er ein Seihtuch hat, in dem das Wertvolle zurückbleibt und das Unnütze abfließt. Es hängt davon ab, was ihr durchseiht; wenn ihr Käse durchseiht, bleibt er im Seihtuch; macht ihr das aber mit Wasser, fließt das reine, klare Wasser durch, und alles was zurückbleibt, ist der Bodensatz. Euer Seihtuch muss zwei wesentliche Eigenschaften besitzen, also zwei Talente: Wenn ihr das eine Talent anwendet, muss das Wertvolle im Seihtuch bleiben; wenn ihr das zweite Talent anwendet, muss das Wertvolle rausfließen. Ich werde ein anderes Gleichnis anführen. Das Seihtuch mit dem Käse - das ist euer Kornboden, das durch das Seihtuch geflossene Wasser - euer Weizen, der draußen auf dem Acker, im Leben, gesät ist. Das erste Talent soll man aus der Frucht nutzen, die Gott euch gegeben hat und das zweite sollt ihr säen, mit ihm arbeiten. Ihr habt in der Welt verschiedene Voraussetzungen; manches Mal gelingen euch eure Unternehmungen, ein anderes Mal nicht; dies darf euch in keinster Weise entmutigen, weil wer wenig Talente hat und mehr gewinnen will, viel arbeiten muss. So ist das Gesetz. Es ist besonders für den gefährlich, der ein Talent bekommen hat und nichts mit ihm anfängt. Die erste Bedingung, die von uns verlangt wird, ist zu wissen, wie wir arbeiten sollen. Ich habe euch bereits gesagt, dass ihr zwei Talente habt; ihr werdet fragen, welche diese sind. Euer Verstand und euer Herz - das sind die zwei Talente. Ihr werdet aber sagen: "Für was kann ich meinen Verstand einsetzen?" Jemand ist mit seinem kaputten Wagen auf dem Weg liegengeblieben, ihr kommt vorbei, besitzt die nötigen Kenntnisse und repariert seinen Wagen; der Eigentümer wird euch dankbar sein und euch irgendwann, wenn die Zeit kommt, helfen. So gewinnt auch ihr. Das zweite Talent - euer Herz: jemand ist krank; euer Herz sollte euch dazu veranlassen, ihn zu besuchen und ihm zu helfen. Die beiden Talente, das sind die Voraussetzungen unseres Lebens. Unter dem Wort "Herz" sollten wir die Wurzeln unseres Lebens verstehen, und unter dem Verstand - die Zweige und die Blätter, d. h. das Äußerliche. Ihr wisst, dass es in der Natur eine Beziehung zwischen Wurzeln und Zweigen gibt: jedem einzelnen Zweigchen oben entspricht eine kleine Wurzel unten, und wenn unten eine Wurzel vertrocknet, vertrocknet oben der entsprechende Zweig. Das Gesetz, das ihr beachten sollt, ist das folgende: Ihr sollt wissen, dass wenn in euch ein Wunsch vertrocknet, vertrocknet auch ein Gedanke in euch; wenn zwei eurer Wünsche vertrocknen, werden zwei eurer Gedanken vertrocknen, wenn drei Wünsche vertrocknen, werden ihnen auch drei Gedanken vertrocknen. Und eines Tages, wenn schließlich eure Gefühle völlig abgestumpft sind, werden alle Zweige vertrocknet sein, und ihr werdet euch in Menschen verwandeln, die nur ein Talent haben. Nehmen wir einen Menschen, der über fünf Sinne verfügt - Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Was für eine Rolle spielen diese Sinne in unserem Leben? Sie sind die fünf Pforten, durch die der Mensch in diese Welt eintritt, durch die wir die Natur erfahren, fünf Felder, aus denen wir Reichtümer schöpfen können. Der Mensch, der im wahrsten Sinne des Wortes taub ist, ist ein dummer Mensch; wenn einem ein psychisches Sehvermögen fehlt, so hat er nicht die Möglichkeit, die Wahrheit zu suchen; seinen psychischen Geruch zu verlieren bedeutet, keinen Intellekt zu besitzen; fehlt dir das Schmecken, kannst du keine Liebe empfinden usw. - über solche Dinge könnten wir lange erzählen. Jeder unserer Sinne entspricht einer der großen göttlichen Tugenden, und jeder von uns sollte darauf achten, dass seine Sinne mit seinem Herzen harmonieren, dass sie eine Beziehung zu der Wahrheit haben. Wenn wir einen Blick auf diese Welt werfen, werden wir sehen, dass sie eine Kleidung der Wahrheit ist; in jedem einzelnen Blatt, in jedem einzelnen Steinchen, in jeder einzelnen Quelle, in jedem Felsen stecken große Lehren; in ihnen sind große Kenntnisse verborgen. Oh, was für Wahrheiten kann uns die Natur offenbaren! Wir nehmen ein kleines Steinchen, spielen mit ihm herum und werfen es weg - wir sagen, es sei wertlos. Wir haben den Sinn dieses kleinen Steinchens nicht verstanden. Oder wir nehmen eine Blume, reißen ihre Blätter ab und werfen sie weg - sie sei ja wertlos; wir haben den Sinn dieser Blume nicht verstanden. Kommen wir nun zu unserem Gehör zurück: wir hören das Wort "Liebe", es ist eine Blume. Haben wir den Sinn dieses Wortes verstanden - das, was es bedeutet? Nein! "Was ist?", - fragt uns jemand. - "Nichts!", antworten wir, und werfen es weg. Wenn wir das Wort "Wahrheit" hören, sagen wir: "Es ist ein leeres Wort". Was ist dann das Wichtigste für uns? "Ein wenig essen und danach ein bisschen Wein trinken!", sagen manche. Was die Geschmacksbefriedigung anbelangt, stimmt das; aber nicht alles hängt vom Gaumen ab. Wahrlich, man muss sich ernähren, aber nach dem Gesetz von den fünf Talenten muss man sich von fünf Arten Nahrung ernähren - jeder Sinn muss die ihm notwendige Nahrung erhalten; nähren wir ihn nicht auf diese Weise, stumpft er ab. Ihr seht, dass das Christentum eine Wissenschaft ist und kein Vergnügen. Und wisst ihr, was für eine Wissenschaft das Christentum ist? Es ist eine große Schule mit ihren einzelnen Abteilungen, Klassen, Universitäten, Akademien, und jeder, der als Zuhörer zu ihr kommt, muss das, was er hört, verstehen. Ich kann nichts mit Menschen anfangen, die nur ein Talent besitzen und dieses auch noch irgendwo vergraben haben; in der Schule, in der ich unterrichte, will ich Menschen mit zwei Talenten haben. Warum? Weil ich meine Zeit nicht an einer fruchtlosen Arbeit verschwenden will. Würdet ihr Läuse und Flöhe züchten? Dies sind die Wesen mit dem einen Talent. Alle Parasiten sind Menschen mit einem Talent - Schmarotzer, Faulenzer, die nur auf Kosten anderer leben können, und auf die eine große Strafe wartet. Prüft die Geister; wenn ein Geist kommt, prüft ihn zuerst; wenn er zwei Talente hat, empfangt und bewirtet ihn; wenn er ohne Talent kommt, weil er es irgendwo vergraben hat, braucht ihr ihn nicht zu empfangen; wenn er so einer ist - raus mit ihm: Er ist eine Laus, ein Floh, ein Wolf, den ihr nicht veredeln könnt. Dennoch sagen manche: "Dieser Mensch kann veredelt werden!"; ich sage, dass er sich nur im negativen Sinne vermehren kann. Was hat der Herr mit dem gemacht, der nur ein Talent hatte? Er hat ihm das Talent abgenommen und hinausgejagt, damit er arbeiten lernt. Wir dürfen nie den Menschen mit einem vergrabenen Talent ermutigen, sondern wir müssen stattdessen zu ihm sagen: "Dich, Freundchen, bedroht die größte Gefahr im Leben!" Wir dürfen ihn nicht anlügen, sondern wir müssen ihm die Wahrheit ins Gesicht sagen. "Das erstere schadet doch nichts!", drucksen wir oft herum. Hast du ein Kind und siehst, wie es gerade sein Talent vergräbt, jage es hinaus. Lasst es durch die Welt irren. Ihr sagt: "Das ist grausam!" Ihr sollt ihm sein Talent abnehmen, weil es nichts mit ihm anfangen kann. Ihr habt einen Sohn mit einem Talent, ihr schickt ihn ins Ausland, damit er Philosophie, Medizin oder irgend eine andere Kunst studiert; er schreibt euch: "Lieber Vater, schicke mir vier- oder fünftausend Lewa, weil ich es für das und das brauche!", aber in Wirklichkeit nimmt er das Geld und verprasst es in den Schenken; 2 - 3 - 7 - 10 Jahre sind vergangen und der Sohn hat sein Studium immer noch nicht beendet. Der Vater sagt sich: "Ja, ja, es ist schließlich eine sehr tiefe Wissenschaft!"; er gibt 20 - 30 Tausend Lewa aus und wartet auf seinen Sohn; nach 7 oder 10 Jahren kommt der Sohn zurück, aber nicht nur um keine Kenntnis reicher, sondern auch völlig verdorben in seinen Gedanken und Wünschen. Dann fasst sich der Vater verbittert an den Kopf und beschwert sich bei Ihm: "Warum, mein Herr, hast Du ihn mir gegeben?" Hat ihn dir wirklich Der Herr gegeben oder du ihn dir selbst genommen? Wenn ein Dieb ungültige Groschen stiehlt, ist dann ihr früherer Besitzer schuld? Nein, schuld ist der Dieb selbst, der sie gestohlen hat! Wenn jemand versucht, Gott zu bestehlen, geschieht es oft, dass er etwas stibitzt, das wertlos ist. Mit meinem Vortrag will ich euch nicht erschrecken, es ist nicht meine Absicht. Wenn ein Schüler in ein Versuchslabor eingeführt wird, muss der Lehrer ihm die Eigenschaften der verschiedenen Stoffe erklären und darauf hinweisen, dass, wenn er nicht aufmerksam ist, ihn ein Versuch viel kosten kann. Denn viele Menschen haben durch Unachtsamkeit ihr Augenlicht oder andere Sinne verloren. Lasst uns Christi Regel auf das gesellschaftliche Leben übertragen. Oft werde ich gefragt: "Warum leidet Bulgarien?" Ihr stellt an die Spitze der Verwaltung Menschen mit nur einem Talent und erwartet, dass sie Bulgarien in Ordnung bringen; wie werden sie wohl "Ordnung" auffassen? Dieser Mensch muss, wie Christus sagt, entlassen und fortgejagt werden. Für den Posten des Ministerpräsidenten ist sogar ein Mensch mit fünf Talenten, und nicht mit zwei, erforderlich. Menschen mit zwei Talenten sollten besser Polizisten und Soldaten werden; die Offiziere sollten vier Talente haben; die Generäle und Minister - fünf, und die Könige, die die oberste Stelle im Staat einnehmen, sollten zehn Talente haben. Bulgarien leidet, weil an der Spitze seiner Verwaltung nicht Menschen mit fünf Talenten stehen; oft werden Menschen mit einem Talent platziert und danach sind die Leute mit ihnen unzufrieden und zerren sie vor Gericht; wie ihr wisst, läuft im Moment wieder ein solches Verfahren. Diese, die stehlen, sind dumm, aber diese, die ihnen die oberste Macht gegeben haben, sind um einiges dümmer. Man stellt einen untauglichen Knecht ein und man erwartet von ihm eine gute Leistung. Danach wundert man sich, dass der so wenig geleistet hat! Wir sollten uns mehr über dessen Herrn wundern. Heute brauchen wir in Bulgarien Menschen mit vier, fünf, zehn Talenten. Haben wir diese, werden wir das erste Volk in der Welt werden; es wird für uns dann keine Hürden und Hindernisse mehr geben; selbst wenn sich alle Staaten gegen Bulgarien verbünden würden, würde dieses nichts an ihrer Position ändern. Dann - das versichere ich euch - wird uns kein Unglück mehr zustoßen. Wenden wir diese Talente - zwei, vier, fünf und zehn - an! Nun frage ich: Wozu ist dieser Verstand, den Der Herr uns gegeben hat, eigentlich gut? Zuerst einmal ist er ein Seihtuch. Habt ihr die Milch durchgeseiht? Wisst ihr, wie ihr sie verlaben und verkäsen sollt? Lasst uns dieses Gesetz von der Durchseihung auf das tägliche Leben anwenden: Oft beklagen sich die Leute: "Ich habe keine Freunde auf dieser Welt!" Warum habt ihr keine Freunde? Wenn ihr zu mir sagt: "Ich habe keinen Freund!", kann ich schon ins Grübeln kommen und vermuten, dass ihr zu den Menschen mit dem einen Talent gehört. Wenn ihr auch noch sagt: "Niemand liebt mich", kann ich daraus nur den Schluss ziehen, dass ihr ein Mensch mit nur einem Talent seid, der alles Göttliche in der Erde vergraben hat; ein selbstsüchtiger Mensch, der für sich selbst lebt, verdient es, ohne Freunde, draußen in der Finsternis zu sein. Das ist es, was Christus mit den Talenten zum Ausdruck bringen will. Ihr werdet fragen: "Gut, und was für eine Säuerung ist diese, mit der wir arbeiten sollen?" - Ihr habt sie schon, aber ihr müsst wissen, wie man die Milch verlabt und verkäst. Kann man die Milch verlaben, wenn sie zu kalt ist? Nein! Klappt es, wenn sie zu heiß ist? Auch nicht! Bei der Verlabung sollt ihr das folgende Gesetz beachten: Ihr müsst gute Gefühle und gute Wünsche haben, ihr sollt den Menschen mit guter Säuerung verlaben, so verlaben, dass er nicht sauer wird, ihr sollt ihn mit der Wahrheit verlaben, und wenn ihr ihn mit ihr verlabt habt, seid ihr Leute mit zwei Talenten, dann werdet ihr vier haben, und wenn ihr vier habt, seid ihr erlöst, denn es bedeutet, dass ihr durch Christi Gesetz, durch den Prozess der Selbstvervollkommnung von den schlechten Wünschen gereinigt seid. Vielleicht habt ihr auch was anderes über die Talente gehört. Diese bedeuteten Geld, Wissen und Macht; sie sind etwas Objektives, nicht etwas Subjektives. Das Talent ist immer eine nach außen getragene Kraft, die uns gegeben, aber auch jederzeit abgenommen werden kann. Die Talente können nie zum Besitz des Menschen werden, sie gehörten und gehören nur Gott, und Er gibt und nimmt sie, je nach unserem Benehmen. Ihr werdet auf der Erde geboren, Er gibt euch zwei Talente und sagt: "Du sollst arbeiten! Wenn du noch zwei gewinnst, werde Ich sie vermehren, Ich werde dir fünf geben, und du wirst zu Meiner Freude eingehen!" Sogar wenn Er jemandem nur ein Talent gegeben hat, gibt es auch für diesen Menschen einen Platz in der Welt: Wenn ein solcher Mensch den Wunsch äußert, dass er noch ein Talent hinzugewinnen will, wird er erlöst. Und wenn wir sehen, dass so ein Mensch sich müht und leidet, so zeugt dies davon, dass er noch ein Talent bekommen will, weil, wenn man leidet, so leidet in erster Linie dieses sündige Wesen, das nur ein Talent hat. Ein solcher Mensch muss von der Eins, von seinem Selbst, von seiner Selbstsucht weg, hin zur göttlichen Liebe und zur Selbstaufopferung kommen: Der Mensch, der nur ein Talent hat, soll sich selbst opfern, um zwei Talente zu gewinnen. Mit Herz und Verstand zu arbeiten bedeutet, zwei Talente zu haben, und fünf - in sich alle Sinne bis zur Vollkommenheit entwickelt zu haben. Wisst ihr, was die Entwicklung aller Sinne bedeutet? Viele sehen, aber erkennen nichts, hören, aber verstehen nichts, kosten, aber schmecken das Gute nicht heraus. Wenn man z. B. Brot isst, sagt man doch: "Mein Herr! Ich danke Dir für das Brot, das Du mir gegeben hast, ich danke Dir für das Leben, das Du mir dadurch schickst!" Wenn ihr nicht dankt, zeigt es, dass ihr nicht verstanden habt, was Geschmack ist und wozu der Mund gemacht wurde. Er ist nötig, damit vor allem das Leben der Liebe reinkommen kann, das die Basis aller Dinge ist. Behaltet diesen Gedanken: Wenn Der Herr euch ein Talent gegeben hat, bittet Ihn darum, bei euch zu sein und euch zu helfen, zwei zu erlangen - darin liegt die Erlösung. Christus ist gekommen, um die Welt zu erlösen, vor allem jene zu erlösen, die ein Talent haben. Wisst ihr aber, wie viel Kummer Ihm diese Faulenzer bereitet haben? Ihr kennt die Geschichte.... Wenn jemand ein Talent hat, überlasst ihn Dem Herrn, d. h.: Jagt ihn hinaus! Warum? Weil nur Der Herr imstande ist, ihn zu heilen und zu erretten; ihr seid nicht in der Lage, das zu tun. Wenn ich sage: "Jagt ihn hinaus", sage ich es, weil ich um sein Wohl besorgt bin, denn er soll Gott finden, weil wenn er sich an euch festhält nie arbeiten wird; wenn er sich völlig verlassen wiederfindet, wird er sich an Gott wenden, und Er wird ihn erlösen. Gebt ihm kein Essen, lasst ihn 2 - 3 - 5 Tage hungern; lasst ihn sich ein bisschen bemühen - was macht's schon! Wieso? Wie oft am Tage weint ein Baby?! Wenn es nicht weint, wird seine Mutter es nicht füttern. Die Menschen mit einem Talent, das sind diese, in denen es kein Leben gibt; genauso wie ein Leichnam nicht arbeiten kann, verhält es sich auch mit dem Menschen, der nur ein Talent hat. So wenig ein Geizhals opfern kann, so wenig ist es auch möglich, dem Menschen mit dem einen Talent zu helfen. Ich sage zu euch allen, die hier seid und zwei Talente habt: Wenn ihr auf einen solchen Menschen trefft und euch in ein Talent zurückstufen lasst, begeht ihr ein großes Verbrechen. Ihr seid Menschen, die vier Talente haben könnten und wenn Der Herr euch arbeitend vorfindet, und ihr Ihm berichten könnt: "Mit den zwei Talenten, die Du, mein Herr, mir gegeben hast, habe ich noch zwei hinzugewonnen!", wird Er euch umarmen und sagen: "Ei, du frommer und getreuer Knecht, gehe ein zu deines Herren Freude!" Ein Vortrag, gehalten am 27. April 1914 in Sofia