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  1.  Die kosmische Liebe Wenn ihr den Ausdruck "kosmische Liebe" hört, wird er euch auf den ersten Blick seltsam erscheinen und ihr werdet fragen: Wie kann die Liebe kosmisch sein? Sie kann! Ich benutze dieses Wort in einem sehr weiten Sinn. Das Wort Liebe benutze ich im Sinne von Energie, die vom Zentrum des Weltalls ausgeht und sich zur Peripherie bewegt, und das Wort Liebe benutze ich im Sinne von Energie, die von der Peripherie ausgeht und zum Zentrum des Seins vordringt. Liebe nenne ich einen schöpferischen Prozess und Liebe – einen Prozess, der von unten nach oben erfolgt, der etwas aufbaut. Wenn ich von Kultur, vom gesellschaftlichen, politischen und geistigen Leben spreche, meine ich Liebe, die sich in ihrer großen Aktivität äußert. Sie stellt also einen bewussten Prozess dar, der im Weltall individuell vor sich geht. Ich bitte euch, eure Ansichten, egal welcher Art, für einen Moment außer Acht zu lassen und mit mir zusammen zu überlegen, ohne gleich zu kritisieren. Wenn es euch etwas bringen soll, dann versetzt euch in die Lage einer fotografischen Platte, die die Bilder so aufnimmt, wie sie sind, und danach könnt ihr kritisieren. Wenn ihr von vornherein kritisch eingestellt seid, werdet ihr die Dinge nicht richtig wahrnehmen und deswegen wird auch eure Kritik nicht vernünftig sein. Ich spreche von der Liebe, weil sie ein notwendiges Element für jeden von euch ist. Jeder, der gesund und glücklich sein will, muss die innere Kraft der Liebe begreifen. Viele sprechen von Liebe und Liebe, doch sie verwechseln sie. Die erste ist schöpferisch tätig, die zweite baut auf. Oftmals aber zerstört die Liebe auch. Die Katze frisst die Maus, weil sie sie liebt, weil sie den Prozess der Liebe so versteht und äußert. Und ihr wisst, wie sie die Maus frisst – sie zieht ihr nicht das Fell ab, wirft den Inhalt der Eingeweide nicht weg, sondern verschlingt sie im Ganzen. Uns kommt es sehr seltsam vor, dass die Katze, ein Vorbild an Reinlichkeit und so penibel in dieser Beziehung, nicht weiß, wie sie essen soll. Auch viele der Menschen haben die Gewohnheit der Katze und wissen nicht, wie sie essen sollen. Wenn ein Mensch seinem Verstand einen Gedanken mit all seinem Unrat einverleibt – mit dem Fell, den Gedärmen, dem Magen usw. – deutet das darauf hin, dass er nicht weiß, wie er essen soll. So ein Mensch besitzt die Gier und die Liebe einer Katze. Auch wir drücken, wenn wir Tiere schlachten und essen, damit unsere Liebe zu ihnen aus. Wenn uns die Tiere fragen würden, warum wir sie schlachten und essen, müssten wir ihnen antworten, dass wir dies aus großer Liebe zu ihnen tun – wir möchten sie in uns aufnehmen und nicht nur von außen betrachten. Die Liebe sagt: "Ich erkenne nur mein eigenes Dasein an und jedes andere Wesen, das sich außerhalb von mir befindet, soll in mich hineinkommen." Schon die früheren Menschen haben die Liebe so verstanden, und die neue Generation versteht sie genauso. Wäre es anders, würden wir meinen, auf einen Widerspruch zu stoßen. Im heutigen gesellschaftlichen, politischen und geistigen Leben leiden alle Menschen unter überschwänglicher Liebe, die jedem zuviel geworden ist. Mit einfachen Worten ausgedrückt sieht die Sache so aus: Wenn eine Frau viel Wolle hat und sie liegen lässt, ohne sie zu weben, beginnt die Wolle zu stinken. Ich wiederum sehe es so: Ihre Liebe hat angefangen zu stinken. Die Frau muss zum Prozess der Liebe finden, muss damit beginnen, die Wolle zu waschen, zu krempeln, zu spinnen und zu weben. Ihr könnt, wie diese Frau, viel Wolle haben, als Menschen könnt ihr reich sein – Händler, Philosophen, Gelehrte, Prediger. All das ist gut, aber wenn ihr mit euren Kenntnissen nicht spinnt und webt, sage ich euch, dass ihr Woll-Prediger, Wollhändler, Woll-Philosophen, Woll-Gelehrte usw. seid. Ihr habt nur ungesponnene Wolle. Die Wolle muss gesponnen werden und das wird geschehen, wenn jener große Prozess der kosmischen Liebe einsetzt und die kosmische Kraft in uns erwacht, oder wie die heutigen Philosophen sagen, wenn das hohe Bewusstsein in uns erwacht und wir begreifen, dass wir für das gemeinsame Wohl der ganzen Menschheit, aller Lebewesen arbeiten müssen, unabhängig davon, ob wir sie sehen oder nicht. Ihr werdet sagen, mein Gedanke sei seltsam. Er ist tatsächlich seltsam, doch nicht alle seltsamen Dinge sind auch unrichtig, so wie nicht alle gewöhnlichen, uns bekannten Dinge richtig sind. Um meinen Gedanken klar zu machen, bediene ich mich eines Beispiels. In der Vergangenheit, in der goldenen Ära der menschlichen Kultur, in der so genannten ersten Göttlichen Rasse, lebte ein großer Weiser. Vor ihn trat ein Schüler mit folgender Bitte: "Ich möchte, dass du mir eins der großen Geheimnisse des Seins beibringst, und zwar, dass ich in der Lage bin, mich in jegliche Form zu verwandeln, die ich möchte, in einen Riesen – so groß wie die Sonne, so dass ich den gesamten Raum ausfülle und auf diese Weise für alle sichtbar werde." Der Weise sagte zu seinem Schüler: "Dein Wunsch soll geschehen." Der Schüler war darüber sehr erfreut und sagte sich: "Endlich beherrsche ich dieses große Geheimnis – für alle sichtbar zu sein, und nun werde ich zum glücklichsten Wesen!" Er vergaß aber seinen Lehrer zu fragen, wie er auf Wunsch wieder kleiner werden kann. Tatsächlich wurde er sehr groß, alle sahen ihn, aber er konnte nicht mit den Menschen kommunizieren, er sah sie nicht, denn er stand hoch über ihnen, er konnte nicht mit ihnen sprechen und deshalb war er überall allein und fühlte sich sehr einsam. Alle sahen, dass er ungewöhnlich groß ist, und viele Gelehrte, Philosophen, Physiker, Astronomen begannen ihn zu erforschen und nach Gründen zu suchen, warum ihn das Sein so geschaffen hat. Tausende von Theorien und Legenden über seine Herkunft entstanden. Der große Weise, sein Lehrer, sagte einfach: "Die Ursache für diese Größe ist nichts anderes als der Wunsch des Schülers groß zu werden, damit ihn alle sehen können. Und ich habe seinen Wunsch erfüllt." Zu diesem Weisen kam ein anderer Schüler und sagte: "Meister, ich möchte, dass du mir das Geheimnis beibringst so klein zu werden, dass mich niemand in der Welt sieht." Der Weise erfüllte auch seinen Wunsch. Der Schüler wurde sehr klein und unsichtbar. Aber auch er vergaß wie der erste zu fragen, wie er seine vorherige Statur zurückbekommen könne. Nachdem er unsichtbar geworden und in die größten Tiefen des Seins hinab gestiegen war konnte er nicht mehr zurückkehren, als er dies wünschte. Diese beiden Schüler stellen die zwei Gegenpole in der Welt dar. Der erste, das sind die großen Welten, und der zweite – die kleinen, d.h. die Mikroben, die sich, für alle unsichtbar, überall einnisten und heute die Menschen plagen. Nach einiger Zeit trat ein anderer Schüler vor denselben Weisen und sagte: "Meister, ich möchte, dass du mir die Eigenschaften des Lichtes und der Wärme beibringst – gleichzeitig sichtbar wie das Licht und unsichtbar wie die Wärme zu sein. Sichtbar, um die riesengroßen Welten im Licht erstrahlen zu lassen, und unsichtbar wie die Wärme, um auch die kleinsten Lebewesen unten auf der Erde zu erwärmen." Der Meister antwortete ihm: "Dein Wunsch soll geschehen." Also gibt es in der heutigen Welt drei Prozesse, die gleichzeitig wirken. Nach dem einen Prozess wollen Menschen reich werden, Gelehrte, Philosophen, Minister, Generäle werden und einen Staat gründen. Diese Menschen nennen wir hervorragend, denn sie haben die Kunst erlernt groß zu werden. Sie kennen das Geheimnis des Vergrößerns, sie wissen, wie sie alle Menschen, die ganze Gesellschaft in ihren Bann ziehen können, doch das Wichtigste haben sie nicht gelernt – die Kunst, Menschen und Gesellschaften als bewusste Einheiten zu organisieren. Auch der Magnet zieht Eisenspäne an, aber er weiß nicht, wie er sie organisieren soll. Organisieren allein bedeutet noch nicht Erziehen; Bildung geben bedeutet noch nicht das Gesetz der Liebe zu lehren. Wenn wir folglich von Licht sprechen, verstehen wir darunter einen Prozess, bei dem sich der menschliche Verstand ausweitet und inneres Eigenbewusstsein erlangt. Unter Wärme versteht man einen Verdichtungsprozess, einen Prozess inneren Errichtens. Das Licht ist ein Prozess, der sich vom Zentrum zur Peripherie bewegt, die Wärme aber ist ein Prozess, der von der Peripherie zum Zentrum vordringt. Ich nenne das Licht arterielles Blut und die Wärme – venöses. Deshalb nimmt die Liebe, die das venöse Blut darstellt, wenn sie das Herz eines Menschen durchfließt den ganzen Unrat in sich auf und scheidet ihn aus. Das ist der Grund, weshalb wir sagen, dass die Liebe heilt. Licht und Wärme, d.h. arterielles und venöses Blut im menschlichen Körper, wechseln sich ständig ab und durch diese zwei Prozesse wird der menschliche Körper aufgebaut. Diese zwei Ströme, diese zwei Prozesse findet man überall: im Verstand, im Herzen und in der Seele jedes Menschen. Um also das Leben zu verstehen, müssen wir es so erlernen, wie es die Natur geschaffen hat, und nicht so, wie wir es heute sehen. Die heutigen Menschen können darüber streiten, ob es eine Seele gibt oder nicht – jeder hat seine Meinung. Wenn der Mensch Bewusstsein hat, hat er auch eine Seele; wenn er Gedanken hat, hat er auch einen Verstand; wenn er Gefühle hat, hat er auch ein Herz. Könnt ihr einen Gegenstand betrachten, der schmilzt, ohne dabei an die Wärme zu denken? Könnt ihr einen beleuchteten Gegenstand betrachten, ohne dabei an das Licht zu denken? Unsere Irrtümer sind auf Schatten zurückzuführen, die auf uns geworfen wurden. Deshalb sollten wir mehr Licht und Wärme auf uns einwirken lassen, um den Fortschritt sichtbar zu machen. Um euch diesen großen Gedanken klar zu machen, werde ich mich einer okkulten Geschichte bedienen. Wenn ich philosophisch zu euch sprechen würde, wäre der Gegenstand für euch uninteressant. Ich möchte eurem Verstand die Wahrheit verständlich machen und deshalb bediene ich mich der Sprache, über die wir verfügen. Im Altertum, in jenem Königreich, von dem ich euch schon erzählt habe, hatte der König zwei Töchter. Die eine von ihnen war sehr schön. Sie ging eines Tages zu dem großen Lehrer der Weisheit und sagte zu ihm: "Meister, ich möchte eine solche Schönheit, dass jeder, der an mir vorbeigeht, entzückt ist. Ich möchte so sanft werden, dass sich niemand, der mich sieht, von mir trennen will. Gleichzeitig möchte ich, dass meiner Schwester diese Eigenschaften versagt werden, dass niemand sie liebt und dass sie ständig zu Hause sitzt, um mir nicht im Wege zu sein." Der Weise antwortete ihr: "Dein Wunsch soll geschehen." Diese Königstochter bestieg ein Pferd, sah sich stolz um und sagte: "Ich bin die Königstochter!" Alle, denen sie auf ihrem Weg begegnete – Menschen, Pferden, Ochsen, Fliegen – versammelten sich um sie. Als sich viele Pferde versammelt hatten, begannen sie auszuschlagen und miteinander zu streiten, denn jedes wollte ihr näher sein, und dabei wurde viel Staub aufgewirbelt. Die Ochsen begannen, sich mit den Hörnern zu stoßen und zu kämpfen, denn jeder von ihnen wollte ihr näher sein. Die Bienen begannen sich zu stechen, die Wespen – ebenfalls. Schrecklicher Lärm und Kampf setzten ein und die Tiere fielen eins ums andere tot zu Boden. Während die Königstochter all das sah, verstand sie, wie falsch sie das Leben im Universum begriffen hatte. Sie raufte sich die Haare, ging zu ihrer Schwester und sagte: "Schwester, hilf mir, denn ich habe großes Unrecht begangen!" Ich frage euch: Wenn so eine Königstochter unter euch erscheint und so viele Kämpfe und Fußtritte unter euch hervorruft, und wenn sich alle Leute in die Haare geraten und sich zu schlagen beginnen, hat euch diese Königstochter dann den Sinn des Lebens gegeben? Nein. Wenn ihr in Zwiespalt geraten seid und keinen Sinn im Leben finden könnt, müsst ihr den Grund darin suchen, dass ihr eurer Seele Unrecht getan habt. Die schöne Königstochter ist unser Körper, für den wir alles im Leben opfern. Philosophen, Schriftsteller, Politiker, Prediger – alle leben nur für ihren Körper, denn für uns ist die wichtigste Sache im Leben, unserem Körper gefällig zu sein. Wir denken nur daran, was wir essen oder trinken werden, wie das Essen gekocht wird und woraus – ob aus Fleisch oder pflanzlicher Nahrung, ob gebacken oder gekocht usw. Im diesem Namen versammeln wir uns beim Gastmahl und sagen: Das ist die Philosophie des Lebens! Ich antworte: Das ist die Philosophie des Magens. Ihr meint: Bringen wir das gesellschaftliche Leben in Ordnung. Ja, den gesellschaftlichen Magen in Ordnung zu bringen – daran denkt ihr. Verdirbt euer Magen, so verdirbt auch das gesellschaftliche und politische Leben. Fragt einen Arzt – wenn man sich den Magen verdorben hat, ob man dann imstande ist zu philosophieren und Biertischpolitik zu betreiben? Vor Jahren, als ich aus dem Dorf Knjashewo zurückkehrte, sah ich in der Straßenbahn einen Bankier und hörte, wie er sich bei seinem Freund beklagte, dass man ihm seit einiger Zeit nichts zu essen erlaube außer ein bisschen Milch. Der Freund fragt ihn: "Warum denn? Du bist doch Herr über dich selbst!" "Ja, aber ich habe mir den Magen verdorben." "Wenn dem so ist, dann musst du auch die Folgen tragen." Wenn der Mensch bemerkt, dass sein Magen krank ist, weicht er vor jeder anderen Philosophie zurück. Der Magen ist es, der vielen die Richtung ihrer Gefühle und Handlungen weist. Die kosmische Liebe ist ein großes Gesetz. Sie verteilt die Wirkung aller Kräfte in unserem Bewusstsein so harmonisch, dass sie jedem der von ihr geschaffenen Dinge auch die entsprechende Nahrung gibt, die es benötigt: dem Verstand – die entsprechenden Gedanken, dem Herzen – die entsprechenden Wünsche, dem Willen – die entsprechenden Handlungen. Nur die Mutter kann Liebe vermitteln. Während sie den Körper ihres Kindes aufbaut, gibt sie ihm Liebe durch ihre eigene Liebe der Selbstaufopferung. Und nur derjenige, der sich aufopfert, lebt, denn er verspürt eine Freude, die ihn lebendig macht. Viele ehemalige reiche Bulgaren leben nicht mehr, aber Botev[2], Rakowski[3] und andere, die sich aufgeopfert haben, leben weiter, denn sie haben das Gesetz der Liebe erlernt. Manche würden einwenden: Ja, aber Botev war nicht gläubig. Dass er nicht so geglaubt hat wie wir, ist unwichtig. Wichtig ist, dass er das Gesetz der Selbstaufopferung für seine Nächsten verstanden und angewendet hat. Das ist das Wichtige und Notwendige für unser weiteres Wachsen. Wenn man mir über jemanden sagt, dass er nicht glaubt, dass er exzentrische Ansichten hat, frage ich: Geben diese Ansichten dem Menschen und auch der Gesellschaft die Möglichkeit, sich höher zu entwickeln? Ist es so, dann spielt es keine Rolle, dass er in den Augen der Leute als ungläubig gilt. Wenn ich eine brennende Kerze trage und ein anderer eine Kerze ohne Licht, dann frage ich euch: Wer von uns beiden ist rechtgläubig? Rechtgläubig sind diejenigen, die brennende Kerzen tragen. Wenn ihr jemanden seht, der eine nicht angezündete Kerze trägt, sagt ihm, er solle seine Kerze anzünden und dann werde er rechtgläubig. Ich sage allen – den Pfarrern, Predigern, Bürgern, Sozialisten und Kommunisten – sie sollen ihre Kerzen anzünden, um rechtgläubig zu werden. Zündet alle, vom Größten bis zum Kleinsten, eure Kerzen an! Keiner darf eine nicht brennende Kerze tragen, denn die Welt braucht Licht! Sobald das Licht aufleuchtet, kommt auch die Wärme ins Herz. Und damit verschwinden dann auch der ganze jetzt existierende Hass und unser Streben klein oder groß zu werden. Im kosmischen Bewusstsein löst man die Frage nicht vom Standpunkt eines Volkes, sondern vom Standpunkt jenes großen Gesetzes aus, das uns Antrieb und unserem Leben einen Sinn gibt. Jeder Vater und jeder Lehrer, der Kinder ausbildet, muss die neuen Methoden der Erziehung und Ausbildung erfolgreich anwenden, um seinen Zöglingen helfen zu können. Väter und Mütter, die ihre Kinder zur Schule schicken, tun das nicht nur, damit sie Kenntnisse erwerben, sondern auch, damit sie diese Kenntnisse praktisch anwenden können. Zuerst einmal müssen die Lehrer den Kindern beibringen, wie und was sie essen sollen, welche Eigenschaften die Nahrung hat, welche Nahrungsmittel für die Gesundheit am nützlichsten sind. Danach müssen sie ihnen beibringen, wie sie atmen sollen, um reine Luft aufzunehmen. Unter "Luft" verstehe ich alle Gedanken, ganz egal welche, Hauptsache sie stimulieren die menschliche Seele und geben ihr edle Anregungen. Denkt nicht, dass ich euch rechtgläubig machen möchte. Ihr seid frei, so zu denken und zu handeln, wie ihr wollt. Ich möchte euch nur neue Methoden im Leben geben, damit ihr nicht irgendwann in Zwiespalt geratet. Heute befindet sich die Gesellschaft in der Lage einer Raupe, die Blätter frisst. Nun aber ist die Zeit gekommen, dass sich diese Raupe in einen Schmetterling verwandelt. Was wird sie dann fressen? Sie wird keine Blätter mehr fressen, sondern sie wird sich die Kunst aneignen, Flügel zu entwickeln, um aufzufliegen und Blütennektar zu trinken. Nach dem Gesetz der Evolution geht die heutige Gesellschaft von einem Zustand in einen anderen über. Denkt nicht, dass ihr wie bisher weiterleben werdet. Nein, der Herr hat euch die Blätter schon genommen – so steht es im Gesetz Gottes geschrieben. Gott erlaubt euch nicht mehr, euch mit Blättern zu ernähren, wenn für euch die Zeit der Schmetterlinge angebrochen ist, wenn ihr bereits euren Rüssel benutzen müsst, um Nektar zu trinken. Anders gesagt, die Menschen müssen lieben lernen. Diese Lehre ist Träger der neuen Kultur, die auch eine neue Rasse schaffen wird, von der die heutige Menschheit nicht einmal eine Ahnung hat. Die kommenden Menschen werden in jeder Beziehung großartig sein: in ihren Tugenden, in ihrer Gerechtigkeit, Liebe, Weisheit und Wahrheit. Ihr werdet ihnen die Häuser öffnen und ohne Angst vor ihnen stehen. Es wird nicht nötig sein, dass euch Polizisten und Streitkräfte beschützen, denn sie werden euch ihre Ansichten nicht mit Gewalt aufzwängen. Deshalb wird es die jetzigen Gegensätze nicht mehr geben. Eine neue Kultur wird dann existieren. Einige von euch werden würdig sein dieser Kultur beizutreten, andere werden in der Lage von Raupen bleiben, wenn sie immer noch dem jetzigen Verstand folgen. Damit mache ich euch keine Vorwürfe, sondern sage euch nur, dass dies ein großes Gesetz ist. Und dieses Gesetz wendet die Natur gnadenlos an, weil sie in ihren Handlungen völlig gerecht ist. Wenn sie den Menschen in eine bestimmte Entwicklungsphase versetzt, verlangt sie Ergebnisse und nicht sie wird sich nach ihm richten, sondern er nach ihr. Wenn ich so zu euch spreche, denkt nicht, dass ich den Wunsch habe euch zu Adepten dieser Lehre zu machen. Ich sage euch nur, dass euch eine große Katastrophe erwartet. Wenn ihr euch etwas vormacht und noch zehn Jahre in der Lage von Raupen verharrt, wird es keine Blätter mehr für euch geben. Ich rate euch, euch zehn Tage früher in Schmetterlinge zu verwandeln und schon mit der anderen Ernährungsweise zu beginnen. Wenn ihr eine Krankheit verschleppt und sie das Blut in eurem ganzen Körper vergiftet, was sagt dann der Arzt? "Es ist zu spät, ihr hättet mich früher rufen sollen." Viele Politiker beschäftigen jetzt das bulgarische Volk mit Dingen, die es im gegebenen Moment nicht braucht. Begreift: Jedes Volk hat eine vorbestimmte Mission und wenn es sie nicht richtig erfüllt, dann ist es verloren – nichts kann es retten. Auch jedes Individuum hat seine vorbestimmte Mission. Ihr werdet einwenden: Wenn wir uns Mazedonien, Thrakien, Dobrudsha zurückholen, brauchen wir nichts anderes. Nein, wir brauchen Menschen, Menschen, die dieses Land richtig verwalten! Wenn ich so zu euch spreche, meine ich damit nicht, dass ihr euch alle Hals über Kopf einer Partei anschließen sollt. Ich betrachte das Leben aus einem sehr weiten Blickwinkel. Für mich sind das menschliche und das gesellschaftliche Leben ein großer Baum. Und hat dieser Baum nur ein einziges Blatt, eine einzige Blüte, eine einzige Frucht? Nein, Tausende Zweige hat er, große und kleine, Tausende Blätter, große und kleine, Tausende Blüten, große und kleine, und auch Tausende Früchte. Wenn ich Zeit hätte, würde ich ausführlich darüber sprechen, wie es um jede Partei bestellt ist. Jede Partei entspricht mit ihren Auffassungen und Wünschen einem Zweig, einem Blatt und einer Frucht von einem großen Baum. Wie lange kann ein Blatt dieses Baumes ohne Zweig leben? Der Herbst kommt, es welkt oder der Wind kommt und weht es fort. Die abgefallenen Blätter leben zwar weiter, doch ihr Leben hängt dann von der Windstärke ab – wenn er weht, dann rühren sie sich. Ich frage euch jetzt: Wie wollt ihr leben – oben auf dem Baum oder unten auf dem Erdboden? Man sagt über jemanden: Dieser Mensch lebt! Ja, er lebt, aber unten auf dem Boden und nach dem Willen des Windes. Ein Mensch, der Leben in sich hat, ist immer lebensfreudig. Wenn jemand sagt, es ginge ihm nicht gut, bedeutet das, dass er vom Baum heruntergefallen ist. Er ist heruntergefallen um sich zu erneuern, damit seine Säfte von den Baumwurzeln aufgesogen werden und er als ein neues, junges Blatt wiedergeboren wird. Das ist die Wiedergeburt, die viele verunsichert und die viele bestreiten. Christus sagte: "Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen."[4] Das bedeutet: Wenn ihr nicht neu geboren werdet, könnt ihr nicht in die neue Kultur eintreten und keine Mitglieder dieser großartigen Rasse werden, die allen Entwicklungs- und Lebensbedingungen bringt. In dieser Kultur liegt das Reich Gottes. In diesem Reich gibt es keine Verstorbenen, Totenmessen, Gräber und Grabmale, sondern alle Leute werden froh sein. Alle wie Paisij[5], Botev und andere bedeutende Menschen werden in dieser Kultur erscheinen und neue Auffassungen mitbringen. Sie werden Träger einer neuen Lehre sein. Man sagt: Botev gibt es nicht mehr, aber sein Geist ist da. Wo ist sein Geist? Was soll man unter Geist verstehen? Wir kennen das Grundgesetz von Lavoisier, nach dem nichts in der Natur verloren geht. Deswegen lebt jedes Ding, das sich offenbart hat. Manche Dinge können sich für den einen Menschen offenbaren und für den anderen nicht. Bedeutet denn, dass etwas, was ich nicht sehe, nicht existiert? Eine ganze Reihe von Theologen und Philosophen behandeln die Frage, ob Gott existiert oder nicht – das ist eine abstrakte Frage. Für mich gibt es einen Herrn. Er ist die Liebe, die ich überall sehe und die ich sehr gut verstehe. Nicht nur ich, sondern jeder, der dem Herrn dient, sieht ihn jeden Tag und unterhält sich mit ihm. Dieser Herr lebt in euch. Es gibt keinen Menschen, in dem der Herr nicht lebt. Ihr solltet nichts Schlechtes über mich sagen, wie auch ich über euch, weil in mir wie in euch der Herr lebt, gegen den man nichts Schlechtes sagen darf. Die Tatsache, dass ihr gekommen seid, um mir zuzuhören, zeigt, dass der Herr mit euch gekommen ist. Wovon ich euch hier erzähle, ist nichts Neues – ihr tragt es seit Jahrhunderten in euch. Manche sagen: Herr Danov predigt eine neue Lehre. Sie ist neu nur für die Zeit, in der sie sich offenbart. Ich fahre z.B. mit dem Zug von Sofia nach Tarnovo und die Gegenstände fliegen schnell an meinem Auge vorüber. Die einen werden zur Vergangenheit, die anderen – Gegenwart, und die dritten – Zukunft. Existieren diese Gegenstände denn nicht gleichzeitig? Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart existieren also gleichzeitig und sind eine Gegebenheit in der Welt. Jene, die gestorben sind, jene, die jetzt leben, und diejenigen, die in der Zukunft kommen, sind auch eine Gegebenheit. Ich lasse diese Frage, denn ihr werdet 350 000 Jahre brauchen, um sie zu lösen, und ich bin überzeugt, dass ihr sie lösen werdet. Nach genauso vielen Jahren komme ich wieder und werde sehen, wie ihr sie gelöst habt. Jetzt lösen wir sie nicht, denn sie ist, wie es scheint, nicht aktuell und braucht viele Tausende Jahre, um gelöst zu werden. Aktuelle Fragen sind, dass es den Menschen heute an Brot, Holz, Salz, Zucker, hygienischen Wohnungen usw. fehlt. Was muss getan werden, damit die Gesellschaft zufrieden gestellt wird und manche Menschen zur Besinnung gebracht werden? Einige versuchen Ratschläge zu geben und sagen, die Schuldigen sollen aufgehängt werden; die Frauen, die Zwietracht und allerlei Unheil schaffen, sollen geschlagen werden; wir sollten den Feinden den Krieg erklären, um uns an ihnen zu rächen. Wurden etwa die Frauen bisher nicht geschlagen? Hat es denn bisher keine Massaker, keine Galgen und Kriege gegeben? – "Wechseln wir die Richter!" – Werden die neuen Richter wirklich besser sein? Hier hinkt etwas anderes. Wenn ich mich betrinke und mir die Dinge seltsam erscheinen, ist das so, weil meine persönliche Welt, die Welt eines Betrunkenen, so aussieht. Das heißt aber nicht, dass alles in der Welt in meine Fußstapfen tritt. Wir ähneln jenem Bulgaren, Iwan, der einen Besuch machte und dem man etwas zu trinken anbot. Er trank, soviel er konnte, aber da begann man ihn zu überreden, auch auf das Wohl der Mutter, dem großen Sohn, der großen Tochter zu trinken. Iwan trank auf das Wohl von allen und betrank sich so sehr, dass er es kaum zum Brunnen schaffte, um sein Pferd zu tränken. Als das Pferd aufhörte zu trinken, bestand Iwan darauf, dass es auf sein Wohl trinke. Das Pferd aber trat zur Seite. Da sagte Iwan zu ihm: "Du verstehst das Leben besser als ich – du trinkst nicht weiter, ganz gleich auf wessen Wohl!" Auch wir handeln wie Iwan: Wir versammeln uns irgendwo und los geht es – zum Wohle der einen Partei, der einen Frauenbewegung, zum Wohle der Frau usw. Wir geben ständig nach, bis wir dem betrunkenen Iwan ähneln. Und dann sagen wir, wir hätten nichts verstanden. Der heutige Mensch muss seine Pflichten gegenüber der Gesellschaft verstehen und ihr entsprechend dienen. Fragt man jemanden: Bist du Bulgare? Dann antwortet er: "Ja, weil ich dieselbe Sprache spreche wie alle Bulgaren und mich zu demselben Glauben bekenne." Nicht daran erkennt man einen Bulgaren. Meiner Meinung nach muss er ehrlich und gerecht, klug und gut sein. Wenn er diese vier Eigenschaften hat, so ist er ein Bulgare. Hat er sie nicht, ist er kein Bulgare. Jemand sagt: Dieser Mensch ist Priester. Ich frage: Ist er ehrlich, ist er gerecht, klug und gut? Wenn er diese Eigenschaften hat, ist er ein Priester. Jemand kann Rechtsanwalt, Mutter, Vater, Lehrer oder sonst was sein. Was auch immer er sein mag, er muss diese vier Eigenschaften besitzen, weil sie eine unbedingte Notwendigkeit im gesellschaftlichen Leben sind. Ich wünschte, dass alle Bulgaren so sind und wenn sie es sind, werde ich ihnen gratulieren. Mögen alle von außen und von innen hell gekleidet sein – von reinem Körper und reiner Seele, so wie die Natur die Blumen mit Farben und Reinheit schmückt. Ich sagte: Wir müssen ehrlich und gerecht, klug und gut im vollen Sinne des Wortes sein, nämlich – in der Seele, im Verstand, im Geist und in der Kraft. Wir müssen auch ein starkes Bestreben nach gegenseitiger Hilfe besitzen. Die kosmische Liebe könnt ihr immer in euch tragen. Ihr seid unglücklich, euer Kind ist gestorben oder ihr habt Besitz verloren. Warum seid ihr unglücklich? Weil die kosmische Liebe nicht in euch wirkt. Jemand hat den Verstand verloren, ein anderer – seinen Mut. Warum? Weil sie die kosmische Liebe verloren haben. Wenn diese Liebe zu uns kommt, werden wir so stark, um alles zu schaffen. Ein Mensch, bei dem sie wirkt, verliert nicht den Mut, sondern sagt, dass das Unglück, dass alle Misserfolge nur Schatten im Leben sind. Habt keine Angst vor diesen Schatten. Unglücke im Leben vergleiche ich folgendermaßen: Stellt euch einen großen Baum mit Tausenden von Blättern vor, die still und friedlich leben. Es kommt aber ein Sturm auf und sie beginnen zu drängeln und zu streiten: "Warum bist du so grob, dass du drängelst?" Schließlich ist der Sturm vorbei und sie leben wieder still und friedlich miteinander. Hier liegt der Grund für ihren Streit außerhalb. Wenn dieser Baum das große Gesetz der kosmischen Liebe verstünde, um den Streit zu vermeiden, würde er sich allmählich in ein Tier verwandeln. Und wenn das Tier die kosmische Liebe verstünde, würde es sich in einen Menschen verwandeln, und der Mensch seinerseits – in einen Engel. Wenn sich der Mensch in diese höhere Form kleidet, wird er über die Naturkräfte herrschen und alles Unglück leicht bewältigen. Ihr solltet dieses Gesetz von euren kleinen Kindern lernen. Was tun sie, wenn sie etwas von ihrer Mutter wollen? Sie umarmen ihre Mutter, fangen an sie zu liebkosen, zu küssen und zärtlich "Mutti!" zu sagen. Was bedeutet dieses Umarmen? Mit der linken Hand reicht das Kind seine Liebe dar und mit der rechten – seinen Verstand. Auf diese Weise flößt es seiner Mutter seine Kraft ein und sie ist bereit, alles für ihr Kind zu tun. Deswegen sind Kinder liebevoll. Aber wir Erwachsenen, wir fragen uns: Soll ich einen Kuss geben? Werde ich mich vielleicht anstecken? Die Kinder philosophieren nicht. Wenn sie jemanden küssen müssen, küssen sie ihn und das war es. Wenn mein Kuss in der Lage ist jemanden zu heilen, werde ich ihn küssen. Wenn der Kuss das nicht kann, werde ich ihn nicht küssen. Jeder Kuss muss ein gewisses Wohl mit sich bringen. Wenn jemand einen anderen besuchen geht, darf er nicht mit leeren Händen kommen, sondern muss ein Geschenk mitbringen. Wenn ihr eine arme Frau besuchen wollt, füllt nicht eure Brieftasche mit Geldscheinen, sondern füllt euren Beutel mit Brot und Früchten. So sollten auch die Wohltätigkeitsvereine handeln. Jetzt aber lassen sich einige von hier und da Geld geben und erweisen damit Wohltaten. Nein, mein Freund, mit fremdem Kalb ist nicht wohlfeil pflügen, mit Fremdem lebt man nicht in der neuen Kultur. Wohltätigkeitsvereine gehen zu den Armen und verteilen Geld und dann wollen sie auch noch, dass man sie für diese Arbeit bezahlt. Nein, Wohltätigkeit darf nicht bezahlt werden. Wenn ich diene, muss ich mit Liebe dienen. Wenn ihr mein Haus betretet, werde ich euch gut empfangen, euch bewirten, euch die Hände und die Füße waschen, euch alle Mittel geben, euch alle Dienste erweisen – wie einem Freund. Das erfordert die neue Kultur. Jetzt aber, wenn jemand unterwegs zu Besuch vorbei kommt, bleibt er dort einen Tag und muss sich dann ein Zimmer im Hotel nehmen. "Han eri, baba eri"[6], sagen die Türken. Die Hotelwirte sind gute Menschen, sie stehen höher als die einfachen Menschen. Zunächst verhalten sie sich gut, aber wenn du gehen willst, schnappen sie dich gleich und sagen: "Du musst bezahlen!" Wisst ihr, in welcher Lage wir uns heutigen Menschen befinden? Das verdeutliche ich euch wieder an einem Beispiel. Ein Derwisch ging in ein Bad, badete gut und als er das Bad verließ, sah er nach und stellte fest, dass er keine einzige Münze in der Tasche hatte, um zu bezahlen. Daraufhin wandte er sich an den Bademeister, sagte "Danke!" und ging los. "Warte mal, und das Geld?" fragte ihn der Bademeister. "Ich habe keins." "Warum bist du dann gekommen?" Der Derwisch wusste nicht aus noch ein, wandte sich in Gedanken an Gott und bat: "Gott! Gib mir entweder Geld oder zerstöre dieses Bad!" In diesem Augenblick krachte es, das Bad brach zusammen und der Bademeister lief schnell herbei, um zu sehen, was los war. So ging der Derwisch seines Weges. Unterwegs sah er einen Hodscha beten und sagte zu ihm: "Ich weiß, wofür du betest – für Geld." Die heutige Menschheit leidet immer unter dem Verlangen nach viel Geld. Auch in Bulgarien wurde jetzt viel Geld gedruckt, aber nützt es was? Es muss einen Nutzen geben. Das, was die Natur gibt, ist von Nutzen. Wenn es Weizen, Obst und Kartoffeln gibt, gibt es auch Kultur. Ohne diese Dinge gibt es keine Kultur. Die Kultur wird von der kosmischen Liebe bedingt, die uns von oben geschickt wird. Denkt nicht, dass die Sonne und die anderen Planeten nicht an unserem Leben teilhaben. Die Sonne interessiert sich am meisten für uns und schickt jedes Jahr Bulgarien einen Kredit von Milliarden. Wenn ihr die Sonne besucht, werdet ihr sehen, dass die dortigen Bewohner viele Milliarden von Energie für die Kultur Bulgariens, für die Liebe, für die Glaubensbekenntnisse und für das Erheben auf dem Weg der Wahrheit haben. Heutzutage aber richten wir das Teleskop dorthin und sagen, die Sonne sei Feuer. Ich bestreite das, denn Feuer ist eine schwache Energie. Auf der Sonne gibt es Energie, aber es ist kein Feuer. Es ist etwas Stärkeres, was man mit Worten nicht ausdrücken kann. Die Sonne ist kein heißer Körper, sondern ein Körper mit riesiger Energie. Ich will mich nicht über das Wesen dieser Energie auslassen und erklären, wie sie sich entwickelt hat usw. Würdet ihr mir denn glauben, wenn ich euch etwas über die Sonne sage, die in so großer Entfernung von uns ist? Ihr glaubt noch nicht einmal, dass ich aufrichtig bin und fragt euch, ob ich keine Hintergedanken hätte, und da sollt ihr an etwas über die Sonne glauben? Dass uns die Sonne geneigt ist, sieht man an der Energie, die sie zur Erde schickt, an den Wohltaten, die sie uns jeden Tag erweist, denn ohne diese Energie ist das Leben undenkbar. Die Sonnenenergie ist lebendig, bewusst. Wenn wir so über sie zu denken beginnen, werden wir imstande sein diese Energie in uns aufzunehmen und sie wird einen bewussten und richtigen Wachstumsprozess in uns bewirken. Also, die kosmische Liebe sagt: "Arbeite für dein Herz und säe gute Wünsche darin, denn jeder gute Wunsch gibt eine schöne Frucht. Säe gute Gedanken in deinen Verstand, denn jeder gute Gedanke ist ein Obstbaum. Säe gute Handlungen mit deinem Willen, denn jede gute Handlung ist ein Obstbaum." Außerdem sagt die kosmische Liebe: "Zweifle nicht an dir selbst, denn jeder Zweifel ist ein Geschwür." Und damit schließt sie ab: "Sei mutig und entschlossen im Leben und in den Kämpfen, die du führen musst. Halte den Kampf nicht für ein Unglück, sondern für einen Arbeitsprozess, damit du den inneren Sinn des Lebens verstehst und jene Gesetze findest, nach denen der Körper aufgebaut ist, Gesetze, denen sich der Magen, die Lunge, das Gehirn usw. unterwerfen, damit du sie richtig organisieren kannst. Damit sich die Liebe in uns äußern kann, müssen wir dafür entsprechende Bedingungen haben. Diese Bedingungen haben wir im Leben, sie sind uns gegeben. Wenn wir sie nicht nutzen, werden wir uns nicht von schlechten Folgen befreien können. Die Leiden zeigen, dass wir die Energie unseres Lebens verloren haben. Wir werden so lange leiden, bis das verlorene Gleichgewicht wiederhergestellt ist. Ich werde euch ein Beispiel anführen, das verdeutlicht, dass unser Glaube oder Unglaube zwei entgegen gesetzte Ergebnisse bewirken kann. In Rom lebte ein großer Maler, in dessen Verstand der Gedanke entstand die ideale Christengestalt zu malen. Er ging durch die Stadt um nach einem Subjekt zu suchen, das diese Idee ausdrückt. Er fand einen jungen Mann, 22-23 Jahre alt, und begann ihn zu malen. Es wurde eine ziemlich gelungene Gestalt. Nach 3-4 Jahren kam dem Maler der Gedanke, auch Judas Iskariot zu malen. Er ging wieder durch die Stadt und suchte nach der passenden Gestalt. Endlich fand er jemanden und schlug ihm vor, ihn als Judas zu malen. Der junge Mann wandte sich verwundert an den Maler und sagte zu ihm: "Herr, das ist aber seltsam! Vor vier Jahren haben Sie mich gerufen, um Christus nach mir zu malen, und nun möchten Sie, dass ich euch als Modell für Judas diene." Dieser junge Mann hatte in den letzten 3-4 Jahren ein sehr lasterhaftes Leben geführt und seine Gestalt so sehr entstellt, dass ihn der Maler nicht erkennen konnte. Ja, der Mensch kann sich und seinem Volk gegenüber gleichzeitig Christus und Judas sein. Wir bauen unseren Charakter auf, müssen Herr über uns sein und dürfen keine Rettung von außen erwarten. Unsere Rettung liegt in uns selbst und sie ist nichts anderes als die Überwindung aller schlechten Dinge, die uns entmutigen und uns an unserer Erhebung hindern. Die Mütter sind es, die Mitglieder für verschiedenen Stände und Schichten anwerben. Ich sagte schon früher: Solange die Mutter noch schwanger ist, solange das Kind noch in ihrem Leib ist, kann sie entstehen lassen, was sie möchte. Von ihr hängt ab, ob sie gute oder schlechte Mitglieder der Gesellschaft schafft. Wenn die Mutter empfangen hat, aber nicht mit der kosmischen Liebe aufbaut, kann sie das, was sie möchte, nicht erschaffen. Wenn sie während der Schwangerschaft Bälle, Konzerte besucht und ihre Zeit in leichtsinnigen Vergnügungen verbringt, wird sie der Grund für das Entstehen von Typen wie Judas sein und sich dann selbst wundern, was der Grund für ihr verdorbenes Kind ist. Die Mutter ist der Grund. Sie hat nicht die Bedingungen für das Entstehen von etwas Gutem geschaffen. Wenn die Kinder begabt und edel sind, dann deshalb, weil die Mutter das kosmische Gesetz gut verstanden hat und ihrem Kind mit der Zeit Gelegenheit gab, es zu nutzen. Der Charakter und die Kraft werden vom Vater gegeben, der Verstand aber – von der Mutter. Die Ehrlichkeit wird vom Vater gegeben und die Gerechtigkeit – von der Mutter. Nur der Vater kann seinen Sohn oder seine Tochter ehrlich machen. Nur die Mutter kann ihren Sohn oder ihre Tochter gerecht machen. Manchmal trifft man Kinder, die ehrlich und klug sind, doch nicht gerecht und gut. In solchen Fällen sage ich, dass einer von beiden Eltern einen Fehler gemacht hat. Wenn alle vier Eigenschaften in einem Kind vorhanden sind, zeigt das, dass Mutter und Vater entsprechend der kosmischen Liebe gewirkt haben und diese Eigenschaften in ihrem Kind angelegt haben. Die kosmische Liebe ist eine ausgezeichnete Arbeiterin und was man ihr gibt, das verarbeitet sie, diese Wolle spinnt sie und sagt: "Das habt ihr mir gegeben, das habe ich verarbeitet." Um meinen Gedanken zu erklären, führe ich folgende Erzählung zum Vergleich an: Ein junger Mann namens Stojan war Diener bei einem reichen Händler. Der Diener arbeitete ehrlich, aber alles, was er verdiente – 60 Lewa monatlich – verschenkte er den Armen. Der Herr, als er sah, was sein Diener machte, sagte ihm ständig, dass er etwas zurücklegen solle, weil seine alten Tage kommen würden und es keinen geben werde, der dann für ihn sorgt. Stojan erwiderte nicht auf diese Bemerkungen oder sagte: "Der Herrgott ist gut." Eines Tages schlief sein Herr tief ein und hatte einen sehr lebendigen Traum: Er ging in einer schönen Gegend spazieren und bemerkte inmitten der prächtigen Natur eine herrliche Villa. Er fragte einen der dort Anwesenden, wessen Villa das sei. "Die deines Dieners", antwortete man ihm. "Aber er ist doch arm! Woher hat er so viel Geld, um sich so eine schöne Villa zu kaufen?" "Er ist wirklich arm, aber alles, was er auf Erden verdient, schickt er hierher und damit hat er diese schöne Villa erbaut." Der Herr ging weiter spazieren und gelangte in eine trockene Wüstengegend. Er sah eine kleine, armselige Hütte und fragte wieder: "Wessen Hütte ist das?" "Das ist deine, denn du hast den Bedürftigen nicht geholfen", antwortete man ihm. Diese Erzählung ist insofern richtig, als die Mutter alles, was und wie viel sie ihren Kindern in dieser Welt mitgab, auch wiederbekommen wird. In der vernünftigen Welt wird sie sich also entweder eine schöne Villa oder eine kleine Hütte bauen. Wenn sie in ihrer Liebe zu dem Kind freigebig ist, wird sie einen Palast haben. Unter "Palast" verstehe ich den menschlichen Charakter. Wenn wir dieses neue Gesetz ins heutige Leben einbringen, wird viel Unglück verschwinden. Ich beende meinen Vortrag mit einem weiteren Beispiel, um zu betonen, was wir brauchen. Während der türkischen Fremdherrschaft ging ein junger Bulgare bei einem Töpfermeister in die Lehre. Viele Jahre lernte er das Töpferhandwerk. Als er schließlich dachte, er könne selbständig arbeiten, sagte er zu seinem Herrn, dass er sich von ihm trennen möchte. Der Herr erklärte sich einverstanden und er wurde selbstständig. Der Bulgare fing mit der Arbeit an, machte Töpfe, trocknete sie in der Sonne und stellte sie schließlich in den Ofen, aber immer, wenn er sie aus dem Ofen nahm, zersprangen sie. So arbeitete er eine Zeit lang und verzweifelte, weil alle seine Töpfe einen Sprung bekamen. Er ging wieder zu seinem Meister und beklagte sich: "Ich weiß nicht, was los ist! Meine Töpfe bekommen einen Sprung, nachdem ich sie aus dem Ofen hole." Der Meister sagte: "Ich werde dir das Geheimnis verraten, aber du musst noch drei Jahre bei mir arbeiten." Der junge Mann erklärte sich einverstanden, aber er beobachtete, was sein Herr machte, und bemerkte, dass der jedes Mal, wenn er einen Topf aus dem Ofen herausnahm, in ihn hinein blies: "Hu!" Da sagte sich der Diener: "Nun, wegen eines "hu!" musste ich noch ganze drei Jahre arbeiten!" Ihr alle wurdet in den Ofen gestellt und wenn euch ein Meister herausnimmt, wird euch kein Schaden geschehen. Aber wenn das ein Anfänger tut, wird euer Topf einen Sprung bekommen. Der Topf, das seid ihr. Der Ofen stellt die Schwierigkeiten in der Welt dar. Der Meister, das ist euer Geist. Stojan oder Iwan, das ist eure Seele, die lernt etwas herzustellen. Also, wenn ihr eurer Seele nicht beibringt, wie sie blasen und die Faust ballen soll, wird nichts zustande kommen. Die Faust zu ballen bedeutet, dem Willen eine Möglichkeit zu geben, nach allen Regeln des Gesetzes zu handeln. Möge sich jeder von euch vor den Ofen stellen und dem Meister sagen: "Ich bitte dich, blase!" Das Blasen ist Liebe. Wenn kosmische Liebe in euch eingehaucht wird, wird euer Geist euren Körper umgestalten. Dann werdet ihr würdige Mitglieder der neuen Kultur, der neuen Rasse sein. Ich möchte euch alle als Mitglieder dieser neuen Kultur begrüßen. Dient ihr mit Freude, seid Träger und Arbeiter der kosmischen Liebe! Nur so kann ein Volk seine Mission zu einem guten Ende bringen, nur so kann sich Bulgarien als Volk und Staat aufrichten. Seid sicher, dass alles eine Lösung zu euren Gunsten finden wird, wenn ihr die kosmische Liebe annehmt. Bulgarien wird nichts Schlimmes passieren, die Veränderungen werden sich ohne Katastrophen und Kataklysmen vollziehen. Das Neue wird kommen, es wird ein Umgießen von Energie aus dem unreinen Topf in einen anderen, reinen geben und wir, die Menschen der neuen Kultur, werden anfangen ohne Hass, ohne Bosheit zu leben. Mögen die Liebe und die Liebe die beiden Leitsterne sein, die unser Leben auf Erden lenken. Eine Feiertagsrede des Meisters, gehalten am 24.08.1919 anlässlich des Treffens der Schüler der Weißen Bruderschaft in Tarnovo Aus dem Bulgarischen übersetzt von Tonka Petrova und Nonna Petrova Lektorate: Margot Minkova und Angelika Todorov Alle Mitglieder unseres Übersetzerteams arbeiten auf freiwilliger Basis und unentgeltlich. Wir wären für jegliche Unterstützung dankbar, besonders beim Redigieren, Veröffentlichen, bei der Herausgabe und dem Vertrieb dieser Übersetzungen. [1]Liebe, Liebe – im Bulgarischen gibt es zwei Wörter für Liebe. Um sie hier zu unterscheiden, wird eines von ihnen im kursiv geschrieben. [2]Botev – ein großer bulgarischer Dichter und Revolutionär, der sein Leben 1876 für die Freiheit Bulgariens geopfert hat [3]Rakowski – bulgarischer Revolutionär und Schriftsteller, Gründer der nationalen revolutionären Bewegung gegen die türkische Fremdherrschaft [4]Joh 3,3 – Einheitsübersetzung, Katholische Bibelanstalt GmbH, 1890, Stuttgart [5]Paisij – erster Ideologe der bulgarischen Wiedergeburt, der im 18.Jhd., während der türkischen Fremdherrschaft die "Slawisch-Bulgarische Geschichte" schrieb [6]So viel wie: Das Wirtshaus – des Vaters Haus Copyright © 1997 Publishing House "Byalo Bratstvo" All Rights Reserved
  2.  Die Weltliebe Der Gegenstand meines Vortrags soll die Weltliebe sein. Ich benutze dieses Wort in weiterem Sinne, als es üblich getan wird. Ihr könnt fragen, was die Weltliebe mit uns zu tun hat. Ich antworte.: Das Wesen des Lebens ist die Weltliebe.Die Liebe ist es, die Lebensbedingungen schafft; sie ist der Hauptanreiz auf der Erde, d.h. ein Ideal, nach dem wir alle streben.Und das Leben,um sich in Fülle zu äußern,versteht darunter Handlungsfreiheit. Das Leben entwickelt sich in vier Richtungen: gesellschaftlicher, politischer, kultureller und geistiger. Das sind Gebiete ein und derselben Wirklichkeit. Mit dem Wort Liebe meine ich nicht jene gewöhnliche Liebe, die wie Kohle im Wasser erlöscht. Das ist keine Liebe. Die echte Liebe ist Kohlenglut, die niemals erlöscht. Und wer den Sinn der lebenden Kohlenglut versteht, der hat auch den Sinn des irdischen Lebens verstanden. Gerade danach strebten die Weisen des Altertums und die alten Alchimisten - das Wesen der lebenden Kohlenglut zu studieren und zu begreifen. Jene, die ihre Eigenschaften nicht kennen, sagen, dass die Liebe den Menschen verbrennt.Sicher gibt es Gegenstände, die verbrennen, aber es gibt auch solche, die nicht verbrennen. Genauso gibt es Metalle, die oxidieren, und solche, die nicht oxidieren. Sie brennen, ohne zu verbrennen und werden daher „Edelmetalle“ genannt. Ihr könnt mir eine andere Frage stellen: „Was geht uns irgendein Ideal an, wenn wir unter so schlechten Bedingungen leben?“ Ich will euch fragen, könnt ihr wirklich beweisen, dass die Lebensbedingungen tatsächlich schlecht sind? Das ist ja nur eine Vermutung. Im Leben gibt es so viel Schlechtes wie auch Gutes, so viel Stürze wie auch Neuanfänge, so viel Verluste wie auch Gewinne.Die einen und die anderen Bedingungen gleichen sich letztendlich aus.Das, was wir schlechte Lebensbedingungen nennen, ist unsere subjektive Wahrnehmung, menschliches Philosophieren. Die Menschen sagen, die Menschheit sei heutzutage krank, wogegen ich Einwände habe. Krankheiten sind ein Anachronismus, etwas Vorübergehendes, vom Menschen selbst abhängig. Er hat genauso viele Möglichkeiten gesund zu sein wie auch krank. Krankheiten sind nichts anderes als eine Anweisung zum Korrigieren, denn der Mensch beginnt sich erst dann zu entwickeln, wenn man sich seinem Willen widersetzt. Das kann man im Leben immer prüfen. Alle großen Menschen haben gelitten und gerade die Leiden gaben ihnen den Anstoß für ihren Aufschwung. Diejenigen, die gar keine Hindernisse, sondern im Gegenteil Bequemlichkeiten gehabt haben, sind zurückgeblieben. Die heutigen Menschen wollen reich sein, aber sie müssen wählen, weil es zwei Arten von Reichtum gibt: Der eine führt sie zum Meeresboden, und der andere erhebt sie. Falls ihr euch auf einem Hochseeschiff, wie der Titanik, befindet und einen Rucksack mit vierzig Kilo Gold tragt und neben euch steht jemand, der keine solche Last hat, wer von euch beiden hat die Chance sich zu retten, sobald das Schiff zu sinken beginnt. Ihr, die einen Rucksack voll Gold tragt, oder jener, der keinen solchen hat? Antwortet euch selbst. Mit dem Wort „Gold“ meine ich viel mehr, als die Menschen ihm gewöhnlich beimessen. Für mich ist Gold ein Symbol für Wissen – damit du jene Gesetze verstehst, mit Hilfe derer du in der Welt arbeiten kannst; die Naturmächte zu beherrschen und sie so zu lenken, damit sie dir und den anderen nützlich sind. Das soll heißen: Das Wissen, das du hast, nicht oxidieren oder verbrennen zu lassen, sondern zu bewahren und für gute Zwecke zu nutzen. Ich werde euch eine seltsame Geschichte erzählen. Es gab einmal ein Reich. Seine Bürger und Bürgerinnen lebten dort sehr glücklich, wie Brüder, denn ihr König war unverheiratet. Die Bürger wurden neugierig und fragten sich: “Wieso ist unser König noch ledig? Wir sollten ihm eine hübsche Jungfer finden, damit die beiden heiraten. Wir brauchen für die Zukunft einen Thronfolger, sonst wird unser Staat zugrunde gehen.“ Sie wählten die hübscheste Jungfer und der junge König heiratete sie. Die Königin brachte zwei Töchter zur Welt. Die eine war so wunderschön, dass sie mit ihrer Schönheit alle anzog, und die andere so hässlich, dass alle sie mieden. Das Unglück aber bestand in Folgendem: Blickte die schöne Tochter zu irgendeinem Untertanen auf, so taten ihm die Augen weh; berührte sie jemanden, so verkrüppelte er; traf sie jemanden beim Spaziergang, so ging er krank nach Hause. Auf diese Weise wurden alle Untertanen Krüppel. Wenn die hässliche Tochter jedoch hinaus ging und dabei jemanden anschaute, so wurde er gesund, und legte sie ihre Hände auf jemanden, so heilte er. Ihr werdet sagen, das sei nur eine Geschichte, und nicht die Wirklichkeit. Es ist aber keine Geschichte, sondern die Wirklichkeit selbst, das gegenwärtige Leben. Nehmen wir als Beispiel euren Sohn - keusch und ehrlich. Er schaut ein schönes Mädchen an und sofort verändert sich sein Charakter. Sein Verstand vernebelt sich und sein Herz verdirbt, weil die Schönheit nur die äußere Seite des menschlichen Lebens reizt, d.h. seine rein physische Seite. Ihr wollt schön, reich, stark usw. sein. Ich frage aber : Welcher schöne, reiche oder starke Mensch ist bis jetzt nicht gestorben? Einige werden widersprechen: „Mit Ihren Ideen werden die Menschen vor Hunger sterben.“ Und mit den eurigen werdet ihr es nicht? Ich möchte jemanden sehen, der auf die eine oder die andere Weise nicht stirbt. Nicht nur dass sie sterben, einige kommen sogar um. Ein anderer will gut sein, um nicht zu leiden. Je besser du bist desto mehr wirst du leiden. Jemand wird fragen, worin die Lösung der Frage besteht. Der Gute weiß, warum er lebt, warum er leidet und stirbt, und der Schlechte weiß es eben nicht. Das ist der Unterschied. Hier ist die Lösung des Problems zu suchen. Denkt nicht, der Tod sei etwas Natürliches, Naturbedingtes. Es gab Zeiten, als der Mensch unsterblich war. Und auch uns ist es möglich, nicht sterben zu müssen. Wisst ihr, in welchem Sinne ich die Worte “nicht sterben“ benutze? Im Sinne von nicht sündigen. Ein Mensch, der ständig sündigt, wird sterben. Wir sterben, weil unsere Großväter und Urgroßväter gesündigt haben. Auch wir sündigen ständig, weil uns die Folgen unserer früheren Sünden belasten. Die Völker des Osten nennen es Karma oder das Gesetz von Ursache und Folge. Diese Ursachen betreffen nicht den einzelnen Menschen, sondern die Gesellschaft und die Menschheit in ihrer Gesamtheit. Indem ich euch das erzähle, habe ich eine große Wahrheit vor meinen Augen, die ihr alle prüfen könnt. Es geht nicht um Theorie, sondern um einen Versuch. Die Lehre, die ich predige, kann ich einem lebendigen Versuch unterziehen. Heutzutage fragen sich die Menschen: “Glaubst du oder glaubst du nicht?“ Alle Menschen in der Welt glauben. Bis jetz bin ich keinem begegnet, der nicht glaubt. Von Glauben zu Glauben gibt es aber Unterschiede. Ich erzählte euch von einem Königreich, wo die Menschen unter der schönen Tochter gelitten haben. Dort erschien ein großer Weiser, der einen Apfelsamen mit sich trug und ihnen sagte: „ Ich bringe ein Heilmittel für euer Unglück.“ Aus diesem Samen wird ein zehn Meter hoher Baum wachsen. Er setzt saftige Früchte an, das Stück ein halbes Kilo, und jeder, der davon isst, wird nicht vom bösen Blick der Königstochter betroffen. Das ist der Baum des Lebens. Die Menschen säten den Samen nicht und warteten nicht darauf, dass er Früchte ansetzte. Sie übergaben den Samen einander und erzählten dabei: „Hört mal, wenn man diesen Samen sät, wird aus ihm ein so und so hoher Baum heranwachsen und süße Früchte tragen. Jede Frucht wiegt ein halbes Kilo und heilt die Kranken.“ Alle begannen von dem Samen zu erzählen und glaubten dabei an die Heilkraft seiner Früchte. Letztendlich verloren sie den Samen und behaupteten, das, was man bis jetzt über den Samen erzählt hat, sei falsch und dumm. Kann denn überhaupt solch ein großer Baum existieren und solche Früchte bringen? Reine Lüge. Und sie hörten auf daran zu glauben. Falls mir einer von den Menschen heute sagt, daß er nicht glaubt, antworte ich ihm: Mein Freund, du hast den Samen verloren. Du kannst ein belesener, ernsthafter Mensch sein, aber wenn du den Samen nicht hast - die Liebe, dann wirst du unzähligen Leiden unterzogen. Ich werde nicht ausführlich erklären, was Religion ist.Darauf will ich nicht eingehen. Das werdet ihr alleine klären, weil ich euch jetzt von der Liebe erzähle. Ich frage euch, ob ihr diesen Samen habt. Welcher große Gelehrte im vorigen und diesem Jahrhundert hat den Samen gebracht? Einige werden antworten, dass Christus ihn gebracht hat. Wo ist er denn, lasst uns den Samen sehen! Jesus Christus hat gelitten und ist auferstanden. Lasst uns aber die Frucht dieses Leidens und dieser Auferstehung sehen! Verloren ist der Samen ! Ich erzähle weiter. Derselbe Weise erschien ein zweites Mal in jenem Königreich und sagte: „Weil ihr das erste Mal den Samen verloren habt, werde ich euch diesmal nicht erlauben ihn von Hand zu Hand weiterzugeben. Ich werde den würdigsten Bürger finden und ihm den Samen mit den Worten übergeben: Mein Freund, du hast einen schönen Garten. Ich werde dort den Samen säen und du wirst ihn gießen und nach ihm sehen. In fünf, zehn Jahren wirst du Früchte, ein Heilmittel für alle, haben. Ihr sollt diesen Samen säen und seine Früchte nutzen. Die erste Frucht dieses Samens ist die Liebe, die unter allen Menschen herrschen soll, unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Staatsangehörigkeit. Sie müssen sich über Heim, Gesellschaft und Volk erheben. Die Liebe soll die ganze Menschheit umfassen, denn wir alle sind ihre Kinder. Die Menschheit stellt einen gemeinsamen Organismus dar und wenn es ihr gut geht, dann geht es auch dem Volk, der Gesellschaft, dem Heim, dem einzelnen Individuum gut und umgekehrt. Ich will eure Weltanschauung überhaupt nicht angreifen.Das ist nicht meine Absicht. Ich meine es grundsätzlich. Ich will mich deshalb nicht in die gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und geistlichen Mängel einmischen. Meine Aufgabe besteht nicht darin und das führt nicht zur Lösung des Problems. Wenn ich ein Haus betrete, in dem die Menschen hungern, soll ich ihnen dann predigen, dass Gott an sie denken wird und sie dann mit diesem Gedanken verlassen? Ich werde ihnen nicht sagen: „Glaubt an Gott, seid zuversichtlich.“ Ich unterstütze das Prinzip auf meinem Rücken immer einen Beutel voll Brot zu tragen und wenn ich in ein Haus gehe, wo die Menschen Hunger leiden, und ich sehe, dass sie streiten, ihnen Folgendes zu sagen: “Deckt den Tisch und kommt essen.“ Danach wird in diesem Haus wieder Frieden und Ruhe herrschen. Die heutigen Menschen haben ein falsches Lebensverständnis. Sie sagen: „Lasst uns die Gesellschaft, die Welt in Ordnung bringen.“ Das sind ideale Sachen, aber wie könnt ihr die Gesellschaft, eure Söhne und Töchter, die politischen Männer, die Lehrer, die Priester und die Prediger erziehen? Ich rate euch allen zu den Bienen zu gehen und deren Leben zu erforschen. Sie werden euch beibringen, wie man erziehen soll. Wenn die Bienen eine Bienenkönigin großziehen wollen, bereiten sie ihr eine spezielle Nahrung, den Arbeitsbienen - eine andere, und den Drohnen - eine dritte. Die Bienen verstehen ihr Leben viel besser in Ordnung zu bringen als die Menschen, die nur philosophieren. Das soll kein Vorwurf sein, sondern ein Hinweis auf die Natur, die wir grundsätzlich studieren sollen. Sie steht vor unseren Augen und in ihr sind alle Gesetze und Beispiele für den Erfolg vorprogrammiert. In der Weltliebe werden wir ein höheres Bewusstsein gewinnen. Die Schwingungen zu spüren, die Stimmen der Leidenden zu vernehmen und ihnen zu helfen, bedeutet gleichzeitig sich selbst, seinem Volk und der Menschheit zu helfen. Derjenige, in dem dieses Gefühl bereits erweckt ist und wirkt, der sich von allen materiellen Hindernissen befreit hat, der kann sich überall in den Raum projizieren und jedem helfen. Ihr werdet entgegnen: “Ist es möglich, jemandem zu helfen, ohne ihn dabei zu berühren?“ Diese Frage beantworte ich mit einer Gegenfrage: Berührt uns die Sonne, die dreiundneunzig Millionen Meilen von uns entfernt ist, mit ihren Händen? Nein. Es reicht aber, dass sie uns aus dieser großen Entfernung anschaut, da beginnt sich in der Natur alles zu regen, zu wachsen und Frucht anzusetzen. Einige sagen: “Wir sollen die Hand heben und segnen.“ Na schön, aber indem ihr die Hand hebt, müsst ihr etwas geben, so wie die Sonne jeden Tag die Hände über euch erhebt und Energie und Kraft über Gesunde und Kranke ausströmt. Jemand wird fragen: “Warum beschäftigen wir uns eigentlich mit der Sonne?“ Ihr sollt euch nicht mit der Sonne beschäftigen, sondern sie nutzen. Falls jemandem schlecht zumute ist, soll er sich sonnen. Falls er seine Tatkraft verloren hat, soll er sich der Sonne aussetzen. Falls er von seinem Ideal enttäuscht ist, falls sein Verstand nicht ausreicht, soll er hinausgehen und sich in die Sonne stellen. Jemand wird dagegen einwenden: „Gott ist Derjenige, Der helfen wird.“ Indem ihr über Gott redet, frage ich euch, wie euer Gott ist. Gott ist tief in uns. Wenn wir Ihn spüren, wenn Er in uns spricht, beginnen wir alle Menschen gleich zu lieben und sind bereit uns für sie zu opfern. Als Christus sagte, niemand liebt mehr als der, der sein Leben für seine Freunde opfert, meinte er, seinem Freund die notwendigen Lebensbedingungen zu schaffen. Indem wir den Nächsten lieben, sollen wir ihn nicht für einen Sünder halten und ihn retten wollen, sondern für einen Bruder und Freund und ihm alle Lebensbedingungen für seine Entwicklung schaffen. Denkt auch nicht, ihr werdet ihm einen neuen Lebensweg vorzeichnen. Nein, der Lebensweg eines jeden ist vorgezeichnet und mathematisch genau berechnet. Für jeden ist bestimmt, was aus ihm wird, wie er leben wird und wie sich sein Leben entwickelt. Das ist das Gesetz der ständigen Ursachen und Folgen. Im Göttlichen Gesetz der Liebe existiert kein Missklang. Erst wenn wir die Liebe als eine solche Kraft auffassen, wird sie in uns Platz ergreifen. Dann werden wir die Kraft haben alle gesellschaftlichen Mängel nicht auf mechanische Art und Weise, sondern durch die Liebe zu verbessern. Wenn die Gesellschaft ihre Liebe auf jemanden richtet, wird sie seinen Verstand ändern und seinem Leben Richtung geben. Wenn wir deshalb sagen, dass Gott allmächtig ist, meinen wir damit die Ganzheit des gesamten Daseins, aller Wesen, deren Gedanken als schöpferische Kraft auf uns gerichtet sind. Alles, was in uns schlecht ist, ist nicht göttlich, sondern kommt aus uns. Wir haben das schlechte Leben von heute und die Gesellschaftsordnung geschaffen. Falls ihr mich fragt, warum Gott die Welt so schuf, werde ich euch antworten: Ich weiß, dass die Welt anders geschaffen wurde. So, wie ich sie heute sehe, finde ich, dass sie von den Menschen verdorben wurde. Ihr alle, die mich jetzt hört, habt unterschiedliche Auffassungen über das Leben. Nicht nur ihr habt sie. Solche Auffassungen haben auch die Säugetiere, die Vögel, die Ameisen, die Pflanzen - alle leben auf ihre Weise. Das ist aber noch nicht der wirkliche Sinn des Lebens - er ist viel weiter und reicher. In der Menschenseele verbergen sich Fähigkeiten und Kräfte, die unter besonderen Bedingungen wach werden können. Jeder von uns kann einen kleinen Versuch machen. Worin besteht dieser Versuch? In Folgendem: Denkt zuerst, dass in euch alle Voraussetzungen angelegt sind, damit ihr richtige Menschen werdet. Falls ihr diese Bedingungen nicht nutzen könnt, heißt das nicht, in euch existieren keine solche Möglichkeiten. Es bedeutet eigentlich vielmehr, ihr habt nicht die richtigen Methoden gefunden und angewendet. Die gegenwärtigen Gelehrten, wie auch die Philosophen seit Jahrtausenden, streben eben nach diesen Methoden, um die Menschheit vorwärts zu bringen. Wir haben keine solche Religion, die den Menschen unsterblich macht. Ich behaupte, dass in der Welt noch keine rechtgläubige Religion existiert. Indem ich das sage, kann mich jemand fragen, welcher Religion ich angehöre. Hier ist meine Antwort: keiner gegenwärtigen, leeren und inhaltslosen Religion. Ich sage euch, welcher Religion ich angehöre, und werde die Religion definieren. Die kürzeste Definition ist: Religion ist der Zusammenhang zwischen Liebe und Weisheit. Eine bessere gibt es nicht. Derjenige, der diese Verbindung gefunden hat, d.h. wenn die Liebe in seiner Seele und die Weisheit in seinem Verstand wirken, nur der gehört einer Religion an und der versteht das Gesetz und die Unsterblichkeit selbst. Diese Religion macht uns Gott ähnlich. Wie kann der Mensch Gott ähneln? – Indem er nicht stirbt, weil Gott unsterblich ist. Christus sagt auch: „Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Und wenn ein Mensch nicht vollkommen ist, kann er nicht unsterblich sein. Da wird jemand sicherlich fragen: „Warum sind dann die Heiligen gestorben?“ Weil sie die Sünden der Menschen auf sich nahmen. Sobald wir uns von den Sünden befreien, werden wir nicht sterben, sondern zu jenem Punkt kommen, der das Wesen dieser Lehre darstellt - in Liebe und Weisheit leben. Ein Mensch, der solche Liebe nicht hat, kann nicht gläubig und unsterblich sein. Dieser Bestimmung nach, versteht mich bitte richtig, bedeutet das Nichtsterben, Herr aller Situationen im Leben zu sein. Du sollst dich in gleichem Maße freuen, wenn du leidest und wenn du dich freust, wenn du verlierst oder gewinnst. Wen loben wir heute - all diejenigen Helden, die litten und starben? Wem errichten wir Denkmäler und legen Kränze nieder - den Dieben, die das Fremde stahlen, den Reichen, die Millionen aufhäuften, oder den Philosophen, die sich durch Wissen auszeichneten? Nein, weder den ersten noch den letzten, sondern jenen, die litten und sich für die Menschheit opferten. Denen schenken wir unsere Achtung und unseren Dank. Die heutigen Menschen überlisten sich gern gegenseitig mit Spitzfindigkeiten in Bezug auf die Existenz von Gott und dann fragen sie nach dem Herrn. Diese Frage löse ich nicht philosophisch, sondern sage schlicht und einfach: Gott existiert so, wie die Sonne scheint. Stellt euch vor - nachts seid ihr immer wach und am Tage, wenn die Sonne scheint, da schlaft ihr. Man weckt euch immer dann, wenn die Sonne untergeht. Ihr studiert die Welt nur nachts und in zwanzig Jahren sagt ihr: “Es gibt keine Sonne.“ Dagegen habe ich Folgendes einzuwenden: Ändert eure Lebensweise, schlaft nachts und seid wach am Tage, während die Sonne scheint. Dann werdet ihr sie sehen. Dasselbe geschieht auch mit den Reichen, versunken unter der Last ihrer Reichtümer. Ich verurteile sie nicht, ich zeige nur ihr Unglück. Sie befinden sich am Meeresgrund und deswegen können die Sonnenstrahlen sie nicht erreichen. Wie können sie sich retten? Indem sie das Gold am Meeresgrund lassen. Gibt es denn oben Leben? Ein viel besseres. Diese Millionen können eure Gedanken sein, Schätze zu erwerben, eine hohe Stellung einzunehmen oder die Welt zu erobern. Befreit euch von diesen Gedanken. Sagt mal bitte, welcher Minister schuf Ordnung in Bulgarien oder in England? Wo ist das antike Griechenland und wo ist Rom mit seinem Ruhm? Sicher sollte der Mensch Bestrebungen haben, das bestreite ich nicht. Ich sage nur, dass wir in die falsche Richtung gehen und das Leben falsch verstehen. Darüber sollen wir schon ein Kreuz machen. Zwei griechischen Bildhauer wollten ihre Kunst zeigen und wer von beiden der beste ist. Der eine meißelte eine Traube, so natürlich, dass die Vögel angelockt herbeiflogen. Der andere erarbeitete eine wunderschöne Göttin und breitete einen Schleier so kunstvoll über sie, dass der erste zu ihm sagte: “Schlag bitte den Schleier zurück, damit ich sie besser sehen kann!“ Dieses Beispiel zeigt, dass derjenige, der die Göttin meißelte, geschickter war. Ich frage euch: Sind denn die beiden Meister nicht gestorben? Doch. Ihr könnt sehr gut jedes Gesetz verstehen, könnt ein Philosoph, ein Staatsmann usw. sein. Es ist allein die Kunst der beiden Bildhauer, ein Schatten der Dinge, und nicht das Wesen des Lebens. Das Wesen des Lebens besteht darin, in Einklang mit dem Leben zu kommen. Wir befinden uns noch außerhalb dieses Einklangs. Ich bestreite die Behauptung der heutigen Menschen, sie lebten im wahren Leben. Sie leben kein solches, sondern leiden und quälen sich. Es gibt meiner Meinung nach Qual, Mühe und Arbeit. Wir befinden uns noch in der Qual, und das Leben beginnt mit der Arbeit. Die Arbeit stellt das bewusste Leben dar - zu verstehen Herr über sich selbst, über seinen Verstand und sein Herz zu sein, damit keiner dich bestechen kann. Du sollst jene große Liebe besitzen, die zur Begeisterung führt. Sie soll dich nicht nur begeistern, sondern für dich ein ständiger Anreiz sein, so wie es die Wärme und das Licht für die Pflanzen sind. Die gegenwärtigen Menschen sind folgendem Beispiel ähnlich /ich bitte euch um Verzeihung für den Vergleich/: Ein Gelehrter und Wahnsinniger zugleich wurde in den großen Saal eines Irrenhauses gebracht, in dem etwa fünfzig Wahnsinnige ihre Zeit verbrachten. Seine Beschäftigung bestand darin, Strohhalme zu sammeln, die er in Haufen setzte und sie tagsüber von einer Ecke in die andere verlegte. Am nächsten Tag wiederholte er dasselbe. Die Menschen sind diesem Mann ähnlich und fragen, warum sie unglücklich sind. Weil sie Strohhalme aufhäufen. Es muß jener wohltuende Wind zu wehen beginnen, der alle Strohhalme und damit auch das Unglück hinwegfegt. Wir sollen mit unseren Nächsten vorfahren wie jener Heiliger, der zu Gott ging um mit ihm zu sprechen. Während er an einem Reichen vorbeiging, sagte ihm letzterer: „Richte Gott aus, dass ich diesen Reichtum satt habe. Er soll mir den Reichtum nehmen, damit ich wie die anderen Menschen leben kann.“ „Sehr wohl!“, antwortete der Weise. „Ich werde es Gott ausrichten.“ Dann ging der Weise weiter und traf einen Armen, der ihm sagte: „Richte bitte Gott aus, dass ich dieses Leben satt habe. Mir reicht es schon, nackt und barfuß zu gehen. Er soll mir Kleider geben und überhaupt meine Lebensbedingungen ändern.“ „Auch deine Bitte werde ich Gott vorbringen“, entgegnete der Weise. Dann ging er zu Gott und erzählte ihm über die beiden. Gott sagte ihm: „Richte dem Reichen aus, er soll unzufrieden werden und gegen mich murren, dann werde ich ihm den ganzen Reichtum wegnehmen. Jenem Armen richte aus, er soll mit seinem Leben zufrieden sein und dann wird er alles bekommen.“ Der Weise kehrte zurück und richtete dem Reichen aus, was ihm Gott auftrug. Der Reiche widersprach: „Wie kann ich das machen?“ „Dann bleibt dein Reichtum.“ Der Weise ging auch an den Armen vorbei und richtete ihm aus, was ihm Gott auftrug. Auch der Arme widersprach: „Wie kann ich mit diesen Bedingungen zufrieden sein?“ Darauf erwiderte der Weise: „Nackt sollst du gehen und nackt beerdigt werden.“ Ihr sagt, dass die Verstorbenen bei Gott seien, und doch geht ihr zu den Friedhöfen um dort Gebete zu lesen und die Grabmäler mit Wasser zu begießen. Können sie gleichzeitig auf den Friedhöfen und bei Gott sein? Jener, der oben ist, muss denen,die unten sind, sagen: “Ihr denkt, ihr seid tot; beginnt zu danken und dann werdet ihr auferstehen.“ Dies soll kein Vorwurf sein; ich habe nicht die Absicht jemanden wegen seines Glaubens zu tadeln. Ich trage nur jene trügerischen Auffassungen über das Leben vor, die in uns eingedrungen sind und uns auf Abwege führen, damit wir nicht in Einklang mit dem Leben selbst sind. Wir wollen leben, dennoch bereiten wir uns auf den Tod vor. Das Gesetz der Weltliebe ist an und für sich das kosmische Bewusstsein und wer es gefunden hat, stirbt nicht. Ihr könnt ihm Nägel in die Hände schlagen, ihr könnt ihn kreuzigen oder ihn beerdigen, trotzdem ist er imstande wieder lebendig zu werden. Jener, der dieses große Gesetz der Liebe nicht gelernt hat, bekommt seinen Grabstein vom Grab nicht weggerückt. Heutzutage wiederholen die Menschen ein und dasselbe: “Wir sind Sünder, Sünder.“ Ich will so etwas nicht mehr hören. Das, was ich weiß, ist, dass die Menschen von Natur her, in ihren Seelen, gut sind. Ihren Ansichten und ihrem Willen nach aber sind sie schlecht. Sie suchen nach dem Glück und denken, dass sie es auf dem Weg, den sie gehen, auch finden. Sie werden es nicht finden, weil ihre Väter und Großväter auf dieselbe Weise das Glück suchten und es doch nicht gefunden haben. Christus sagte einmal: “Jene, die die Stimme des Menschensohns hören, werden lebendig.“ Und was bedeutet Menschensohn? Das ist der Sohn der Weisheit und Liebe. Wer die Weisheit mit der Liebe verbunden hat, wurde lebendig. Und wenn ihr diese Stimme hört, dann werdet ihr lebendig, dann werdet ihr auferstehen. Gerade das hat Christus gelehrt. Falls ihr den Samen sät, von dem ich euch erzählte, ihn nicht von Hand zu Hand weitergebt, sondern ihn in euren Herzen aussät, dann werdet ihr lebendig und es kommt die Auferstehung, die ihr so sehr erwartet. Danach erst wird das Leben in seine natürliche Göttliche Bahn kommen. Allen Müttern, die mich hören, kann ich eine Regel geben, damit sie Söhne und Töchter gebären, welche sie wollen. Jenen Mädchen und Jungen, die mich hören, kann ich sagen, worin der Sinn ihres Lebens besteht. Ihr werdet heiraten. Die Heirat ist ein gesegnetes Werk, aber es existieren drei Arten von Heirat. Die eine nennen wir Geschäft. Die andere - Heirat eines Herrn mit seiner Magd, d.h. der Mann ist der Herr, und die Frau - die Magd oder umgekehrt. Die dritte Art ist die, wenn Mann und Frau in Liebe und Weisheit füreinander leben. Bei dieser Heirat sagt die Frau ihrem Geliebten kein bitteres Wort. Sogar viel mehr – sie wird nie einen zornigen Blick auf ihn richten und auch bei seinen größten Fehlern Liebe für ihren Gefährten hegen. Nur bei so einer Heirat können gute Kinder, Weise, Heilige geboren werden, Diener der ganzen Menschheit. Falls die werdende Mutter von den großen Ideen über die Menschheit begeistert ist, wird sie dem Kinde schon während der Schwangerschaft alle ihre Eigenschaften übergeben. Sie ist für das Kind wie Gott und kann es nach ihrem Wunsch wie Ton formen. Ist das Kind einmal aus dem Mutterleib heraus, wird es in seinen Gedanken und Gefühlen unabhängig. Legt die Mutter während der ganzen neun Monate alle ihre Eigenschaften der Liebe und Weisheit in ihr Kind hinein, so wird das Kind sein ganzes Leben lang zu seiner Mutter ein gutes Verhältnis haben. Es wird immer bereit sein sich für sie zu opfern. Wenn ein Sohn seiner Mutter die Frage stellt „Warum hast du mich geboren?“, verstehe ich, dass die Mutter während ihrer Schwangerschaft widerliche Dinge gedacht hat, oder der Vater in solchem Zustand war. Die Söhne und die Töchter tragen die Gedanken ihrer Eltern weiter. Das ist die Schlussfolgerung, zu der die gegenwärtige Wissenschaft gekommen ist. In so einem allgemeinen Vortrag kann ich natürlich nicht weiter auf diese Frage eingehen und ausführlich die Prinzipien darlegen. Schulen werden gebraucht, in denen die Jugendlichen mit Hilfe dieser großen Gesetze erzogen werden - wie sie eben gute Mütter und Väter werden können, sowie auch Erbauer der neuen Gesellschaft. Es gibt ein Buch, ich glaube, von einem Bulgaren geschrieben, mit dem sehr guten Titel: „Erbauer des gegenwärtigen Bulgariens“. Wissen, wie man aber bauen soll, ist eine große, heilige Tat. Vielleicht zweifelt ihr daran, was ich euch sage. Ihr habt keinen Grund zu zweifeln. Ihr macht einen großen Fehler, indem ihr zweifelt. Verbannt den Zweifel aus eurer Seele, weil mein Zweifel an euch eigentlich Zweifel an mir selbst ist, und euer Zweifel an mir ist Zweifel an euch selbst. An euch zweifle ich nicht. Ich bin mir ganz sicher, dass aus euch in Zukunft gute Menschen werden. Einige von euch befinden sich in einem frühen Entwicklungszustand. Einige von euch sind nicht auf dem Acker, aber wenn ich ihnen in Jahrtausenden begegne, wird es einen großen Unterschied zu eurer heutigen Lage geben. Ihr werdet fragen: „Kann es sein, dass wir uns in so vielen Jahren treffen?“ Ganz sicher werden wir uns treffen und viel besser als heute verstehen. Jetzt schaut ihr etwas kritisch und meint: “Dieser Mensch, der hier erschienen ist um uns etwas zu erzählen, will uns in etwas verwickeln. Das ist eine gefährliche Sache, man muss auf der Hut sein!“ Während der Fahrt von Sofia nach Veliko Tarnovo saß ich neben einem Herrn. Ich sah wie er auf seinen Geldbeutel und gleichzeitig zu mir und den anderen schaute. Wahrscheinlich fragte er sich, ob wir zu jenen Leuten gehören, die nur nehmen und nicht geben, ob er in unsere Tasche greift oder wir in seine. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die in die Taschen greifen. Ich kann euch in meine Tasche greifen lassen um zu nehmen, was ihr wollt. Fangen wir an so zu denken, wird die Welt in Ordnung kommen. In der Welt muss es Fülle geben. Fülle in den Gehirnen, Fülle in den Herzen, auf dass wir unsere Herzen uneigennützig einander öffnen. Ich betrachte die gegenwärtige Gesellschaft anders als ihr. Sie stirbt sowieso - bei diesen Gedanken kann ihr keiner helfen. Möglich ist es schon, aber wie? Nur wenn die Bedingungen geändert werden. Dazu will ich folgendes Beispiel anführen. Als die spanische Krankheit grassierte und den Tod von sechs Milionen in der Welt verursachte, fragte man mich nach ihrer Behandlung. Ich sagte, ich sei kein Arzt, aber nach den Gesetzen, die ich kenne, sollte man heißes Wasser trinken, warme Kartoffeln essen und in einer Woche oder zehn Tagen wird die Krise vorbei sein. Einige werden einwenden: “Hältst du uns denn für so dumm - warme Kartoffeln essen und heißes Wasser trinken!“ Ihr seid nicht dumm. Ich gebe euch nur eine Heilmethode. Versucht es doch! All diejenigen, die den Versuch machten, mögen von den Folgen erzählen! Und was machten die Ärzte? Sie gaben den Leuten Spritzen und die meisten Kranken gingen ins Jenseits hinüber. Innerhalb von siebzehn Tagen starben in Sofia tausendundsiebenhundert Menschen. Die Ärzte erklärten: “Na ja, es gab eine Krise, Komplikationen usw.“ Ich sage, ja, diese Menschen hätten heißes Wasser trinken und warme Kartoffeln essen sollen. Das Trinken von heißem Wasser ist auch eine Spritze, aber von innen und nicht von außen; es kommt darauf an, wo man sie anwendet. Und falls ihr jetzt fragt, wie die Menschen Bulgariens geheilt werden, antworte ich euch: Sie sollen heißes Wasser trinken und warme Kartoffeln essen. Indem ich „heißes Wasser“ sage, müsst ihr wissen, woher ihr es schöpfen sollt. Aus der Quelle, wo der Esel trinkt, denn er sucht nach gutem Wasser. Falls ihr heißes Wasser benutzt, wird es in euch jene Elemente hineintragen, so dass neunzig Prozent der heutigen Krisen, die die Gesellschaft verzehren, verschwinden. Das heiße Wasser und die warmen Kartoffeln verkörpern das Leben in Liebe und Weisheit. So dass die Weltliebe uns in Verbindung mit dem Leben bringen wird, damit wir den Sinn aller Dinge verstehen - jeder Blume und Quelle, jeden Baums, Gebirges, Hauses und Menschen. Sie hilft uns hinter das große Geheimnis des Lebens zu kommen und die Beziehungen untereinander zu verstehen. Wenn sie in uns hineinkommt, wird sie uns stark, heldenhaft und siegreich machen. Ihr sollt nicht einen, sondern mindestens neunundneunzig Versuche machen und der hundertste wird euch gelingen. Er wird keine Ausnahme sein. Folglich sollt ihr Ausdauer besitzen. Das alles gilt auch im Leben. Ist der Mensch krank, hat er gewisse Probleme. Es ist mathematisch berechnet und bestimmt, wie lange sie dauern. Und weil alle Krankheiten von bestimmten Lebewesen – Mikroben – hervorgerufen werden, deren Leben mit dem des Kranken nicht vereinbar ist. Die Krankheiten werden so lange existieren, wie wir diese Mikroben in uns zulassen und sie ihre Abfälle dort lassen. Wenn mich jemand fragt, wie lange es noch Morde in der Welt geben wird, dann antworte ich ihm - solange es Mörder gibt. Wie lange wird es Diebstähle geben – solange es Diebe gibt. Diese Menschen wurden nicht als Diebe geboren, sondern die verlogene Lebensauffassung schuf sie. Die Mörder sind die Kinder einer alten Kultur. Das sind die schlechten Ideen, die, einmal in den Menschen eingedrungen, ihn töten können. Aus der gegenwärtigen Wissenschaft geht hervor, dass man den Menschen hypnotisieren kann. Man kann ihm den Gedanken eingeben ein Verbrechen zu begehen. Ihr wisst, dass viele Versuche mit Jugendlichen gemacht wurden, die ungünstigen Bedingungen unterworfen wurden. Dabei hat man festgestellt, dass ihre Moral die Prüfung nicht besteht. Die Weltliebe schafft jene günstigen Bedingungen, die alle Gifte in der Gesellschaft beseitigen. Jede Missstimmung, jeder schlechte Gedanke, jedes schlechte Gefühl, jede böse Tat sind Energien bestimmter Materien, die in uns existieren und die sich auf unser Leben auswirken. Folglich, damit der Mensch gut ist, damit seine guten Wünsche und Gedanken zum Vorschein kommen, muss er reine, leichte Materie sammeln und seine Kräfte organisieren. Die grobe Materie liefert die Grundlage für die Entstehung von Verbrechen. Es wurde gesagt: “Jene, die die Stimme des Menschensohns hören, werden lebendig.“ Das heißt, dass jene, die das Gesetz der Weisheit und der Liebe begreifen, keinen schlechten Bedingungen ausgesetzt werden. Falls ihr einen Keller bewohnt, wo die Sonne nicht hineindringt, wird es dort selbstverständlich Bedingungen für Rheuma, Schwindsucht, Trübsinn und andere Krankheiten geben. Geht in die Sonne, weil sich die günstigen Bedingungen auf der Erdoberfläche befinden. Befreit euch von übermäßiger Feuchtigkeit und dann bringt ihr neue Bedingungen in euer Leben. Was stellt die Feuchtigkeit im Menschen dar? Die übermäßigen Wünsche führen zu Feuchtigkeit. Und die übermäßigen extremen Gedanken führen zu Trockenheit. Sowohl die Trockenheit als auch die Feuchtigkeit in ihren extremen Äußerungen haben ein schlechtes Ergebnis für das Leben. In dieser Weltliebe, wo das Bewusstsein auf einem hohen Entwicklungsstand ist, befinden sich die Stützpunkte für die Menschenentwicklung. Ich führe euch folgendes Beispiel an. Ihr habt Hände, die ihr oft hebt und ihr krümmt die Finger. Warum sind nicht alle Finger gleich lang und warum ist der Daumen etwas entfernt von den anderen? Immer, wenn die Hand zu handeln denkt, kommen alle Finger zusammen und der Daumen kommt ihnen von oben zu Hilfe. Dann legt der Mensch seine Hand auf den Pflug oder auf ein anderes Werkzeug und arbeitet. In einer Gesellschaft, die geschaffen ist wie eine Hand, können einige als Händler arbeiten. Die kleinen Finger sind die Händler, die wir „bazirgjani“ nennen - gegenwärtige praktische Menschen. Die Ringfinger sind die Menschen der Kultur und Wissenschaft, die Mittelfinger - der Justiz und der Politik, die Zeigefinger - der Religion und des Privatlebens, und der Daumen - der Göttlichen Welt, des Vernünftigen im Menschen. Alle diese Finger müssen zusammenkommen und handeln. Solange die Gesellschaft - die Politiker, die Kulturträger und die geistigen Menschen gespalten sind, können sie jene Wirkung nicht hervorrufen, die die Hand hervorbringt, wenn alle Finger zur Arbeit zusammen sind. Wille ist nötig, um alle Finger zusammenzudrücken. Wenn man den Willen auf jenen Gebieten anwendet, die ich eben erwähnte, und dann sagt “kommt zur Hilfe“, dann werden sich alle wie die Finger der Menschenhand zusammendrücken und Wunder vollbringen. Daraus geht hervor, dass der Hand eine große Philosophie zugrunde liegt. Jeden Tag, wenn ihr eure Finger anschaut, denkt über eure Beziehungen nach, an das Verhältnis Liebe - Weisheit. Der Daumen stellt das Göttliche Prinzip dar, das für das Wohl aller Menschen, der ganzen Menschheit angewendet werden muss, der Zeigefinger - für Religion und persönliches Leben. Der Mittelfinger verkörpert das Recht und die Politik zum Nutzen der Menschheit, versteht das Böse des Lebens und schafft die Gesetze. Der Ringfinger steht für die Kultur, und der kleine Finger ist für den materiellen Nutzen verantwortlich. Der Daumen ist bereit sich zu opfern und sagt den anderen Fingern: Falls ihr euch vier zusammendrückt, werde ich euch unterstützen und dann wird die Arbeit gemacht. Einige Redner heben und schwingen ihre Hände, sogar ich hebe und winke mit der Hand zu euch. Warum? Damit sage ich euch allen das Verhältnis Liebe - Weisheit zu finden und eure Rechte und Verpflichtungen gegenüber euren Nächsten zu erkennen. Ihr sollt die großen Prinzipien dieser Göttlichen Wissenschaft für das Wohl der Gesellschaft, für die Entwicklung eines höheren Bewusstseins der Jugend finden und anwenden. Auf diese Weise sollt ihr die wirtschaftlichen Bedingungen verbessern. Es soll Butter, Gemüse, Weizen, Früchte geben – alles in Fülle. Das bedeuten die Finger der Hand. Wüssten alle Menschen, wie sie die Finger ihrer Hand krümmen sollen, wären sie in einer anderen Lage. Der Bulgare aber hebt seine geballte Hand einfach so und meint „ich kann dir den Kopf einschlagen“, so wie sich die Engländer und die Amerikaner auf die Nasen boxen. Einem solchen Menschen, der mir die Faust zeigt, sage ich: Mit dir kann ich arbeiten, wir werden uns verstehen, komm zu mir. Ich will mit jenem zu tun haben, der geballte Fäuste hat. Wenn das Kind zur Welt kommt, hat es geballte Fäuste und das bedeutet: “Ich werde groß und werde die Welt erobern.“ Und wenn der Mensch stirbt, breitet er die Hände aus, als ob er sagen will: „Ich sterbe, ich konnte nichts tun. Verzeih mir, oh, Herr!“ Wisst ihr, was der Herr so einem antwortet? „Du hast nicht gewusst, wie du die Finger krümmen sollst.“ Warum leidet auch ihr? Weil ihr nicht wisst, wie ihr eure Finger krümmen sollt. Woher kam denn dieses Unglück in unser Haus? Warum leidet Bulgarien? Gibt es Kontributionen? Haltet eure Hand offen, dann gibt es auch Kontributionen, aber wenn ihr die Hand zusammenballt, dann gibt es keine. „Wie wird denn unsere Lage in der Zukunft sein?“ Wenn ihr wisst, wie ihr eure Hand zusammenballen sollt, werdet ihr ein freies, großes Volk sein, falls nicht, dann bleibt ihr Sklaven wie bis jetzt. Ihr könnt sagen, ihr seid frei, aber ihr seid es nicht. Solange ihr euch nicht versteht, solange ihr euch aneinander rächt, solange ihr euch nicht liebt und nicht bereit seid euch füreinander zu opfern, seid ihr weder als Individuum noch als Gesellschaft, Volk oder Menschheit frei. Heute will ich, dass in eurem Verstand folgender Gedanke bleibt: Alle Bulgaren sollen zuerst damit beginnen, die rechte Hand richtig zu ballen und indessen zu wissen, was dies zu bedeuten hat. Sie sollen sich auf ihre Hand konzentrieren und dabei sagen: „Alles, was mit diesen Fingern aufgenommen werden kann, werde ich tun!“ Ich will diesen Gedanken in euch lassen: Alle Bulgaren sollen beginnen ihre Hände zu ballen. Zuerst die rechte Hand, die der Weisheit gehört, und dann die linke, die der Liebe gehört. Macht den Versuch ein Jahr lang. Projiziert das in eure Gedanken, Willen, Taten und wartet auf das Ergebnis. Ihr werdet einwenden: “Wir sind ja nicht so dumm!“ Viele dumme Sachen habt ihr bis jetzt gemacht. In einer Bierstube vor einem Glas sitzen oder eine Zigarette nehmen und sie rauchen - meint ihr, dass das ein kluges Verhalten ist ?! Jener, der eine Zeitung liest, wo nur ein Prozent der Nachrichten wahr ist, verhält er sich denn klug? Und das, was ich euch über die Hand sage, ist neunundneunzig Prozent wahr. Indem ihr Zeitungen lest und Bier trinkt, ballt ihr die Hand sowieso. Sagt doch dabei folgendes: „Ich werde nicht trinken, ich werde nicht rauchen, ich werde nicht zürnen, ich werde mich nicht an meinen Freund rächen!“ Ballt die Hand und sagt zu eurem Freund: “ Ich werde sanft zu dir reden!“ Ist das nicht eine große Philosophie? Ich bringe euch ein großes Lebensgesetz bei – wie ihr die Hand ballen sollt, damit alles ins Gute umschlägt. Nehmt diesen Gedanken in euch auf und macht wenigstens den Versuch. Denkt nicht, ich will euch belügen. Macht einen kleinen Versuch und in einem Jahr, wenn wir uns erneut treffen, werdet ihr mir von eurem Versuch erzählen. Bedenkt dabei, es ist der leichteste Versuch. Ich kann euch auch andere Versuche geben, aber es wird euch viel kosten. Ich will nicht nur, dass ihr die Hand ballt. Ich will, dass ihr dabei auch denkt. Ihr seid verzweifelt, ihr wollt euch umbringen oder jemanden ermorden. Dann ballt die Finger zusammen und sagt: „Nein!“ Ihr seid kleinmütig - ihr sollt dasselbe machen. Das ganze Geheimnis ist in eurer Hand versteckt. Hände haben bedeutet das größte Gut in der physischen Welt zu besitzen.Was hat die menschliche Hand nicht alles geschaffen! Welche wunderschönen Klänge kommen unter der Hand des Geigers hervor, wenn er den Bogen berührt, und von jenem meisterhaften Pianisten, wenn er Klavier spielt! Falls ihr dieses Gesetz versteht - die Finger richtig zusammenzuballen und zu jedem Finger den entsprechenden Gedanken zu senden, falls ihr eure ganze Kraft dazu aufbietet, werdet ihr eine solche Wirkung erreichen, welche für euch unvorstellbar ist. Wir schreiben mit Hilfe von drei Fingern und wenn wir in sie die ganze Kraft unserer Gedanken projizieren, dann wird unter der Feder etwas ganz anderes hervorkommen. Das sind große Geheimnisse, die die Menschen vor dem Sündenfall wussten und die heute vergessen sind. Ihr sollt nicht nur die Arme verschränken, sondern sie auch ausbreiten. Wenn man die Arme nach oben in den Raum streckt, was ist damit gemeint? Das Aufnehmen von Energie. So wie ihr diese Kraft aufgenommen habt, ballt sofort eure Finger zusammen und projiziert sie in eure Gedanken und Wünsche. Auf diese Weise bekommt euer Leben eine starke Anregung. Sagt folgendes:Von der großen Schatzkammer der Natur, wo sich so viel Weisheit und Liebe verbirgt, lasse ich meine Hände polarisieren, ich will die Weisheit und die Liebe aufnehmen, das Gute aufnehmen und die Verbindung, die alle Menschen der Erde vereinigt. Auch das Umarmen bedeutet etwas von sich zu geben, von seiner Liebe und seiner Weisheit. Falls du jemanden brüderlich umarmst und in ihn deine Liebe und deine guten Gedanken projizierst, dann wirst du damit Leben in ihn hineinbringen. Wenn ein junger Mann seine Allerliebste auf diese Weise umarmt, schenkt er ihr Begeisterung und Leben. Und jener, der wie ein Oktopode umarmt und sich geistig elend fühlt, der hat nichts und kann folglich nichts geben. Unsere Umarmungen, unsere ausgebreiteten und gesenkten Arme sind nicht einfach so in dieser Stellung - sie haben ihren Sinn, den Gott ursprünglich in sie hineingelegt hat und der auch in der Natur existiert. Falls ich mal wieder die Gelegenheit habe über diesen Gegenstand zu reden, werde ich meinen Vortrag fortsetzen. Ich verlasse euch mit folgendem Gedanken: Ihr, die mich hört, sollt lernen und auch eurem Nächsten beibringen die Hände zu ballen und mit Liebe und Weisheit zu umarmen. Solchermaßen nur werden sich die Menschen, die Wohnungen, die Gesellschaft politisch, kulturell und geistig verbessern. Ihr sollt auf die Vergangenheit verzichten und jenes vernünftige Leben beginnen, von dem ich bereits gesprochen habe und das sich bereits in der Welt ankündet. Jeder, der sich von jetzt an nicht auf dieses große Gesetz einstellt, findet auf der Erde keine Lebensbedingungen. Die Naturgesetze befehlen diesen Menschen, die das nicht berücksichtigen wollen, die Erde zu verlassen. Falls ihr jetzt meinen Worten nicht glaubt, prüft es nach und in zehn Jahren werdet ihr sagen, ob sie stimmen oder nicht. Ein großes Gesetz wird jetzt der ganzen Menschheit auferlegt, ein großes Bewusstsein wird in der Welt geweckt – etwas, was noch nie geschehen ist. Das ist der Eifer aller Menschenseelen, die Freiheit wollen. Sie wird nicht von einzelnen Personen gesucht, sondern von der ganzen Menschheit – von jedem Haus, von jedem Individuum, von jeder Kultur und Religion. Dies ist ein Göttlicher Eifer, der die ganze Menschheit auf eine höhere Entwicklungsstufe bringt. Und die geistigen Menschen sollen nicht nur seinen Strom nicht behindern, sondern ihm die Bahn freimachen, ansonsten wird er sie fortschwemmen. Dieser Strom trägt mit sich solche Güter, welche die Welt bis jetzt noch nicht gesehen hat, aber auch solche Leiden für diejenigen, die sich ihm widersetzen, welche sie noch nicht gesehen haben. Die Erde wird so erbeben, dass die Menschen erkennen, dass in der Welt noch etwas existiert, was sie bis jetzt nicht gespürt haben. Auch die Natur hat ein Ende ihrer Geduld. Denkt doch nicht, die Zukunft der Welt wird so weitergehen wie bis jetzt! Sagt eurer Vergangenheit: „Lebewohl!“ Einige werden sagen: Ich habe viel Geld verdient und hinterlasse für meine Beerdigung zwei Tausend Leva. Ich bedaure, dass ihr für eure Beerdigung Geld hinterlasst. Ich werde der Gesellschaft Geld für Wohltätigkeitszwecke hinterlassen. Es tut mir Leid, dass ihr Geld im Testament hinterlasst, ohne etwas zu euren Lebzeiten getan zu haben. Was ihr zu tun gedenkt, tut es, solange ihr lebt. Nach eurem Tod gehört euch das von euch Hinterlassene nicht und ihr habt kein Recht es zu vermachen. Nach eurem Tod werden die Menschen mit dem von euch hinterlassenen Besitz und Geld machen, was sie wollen. Mit solchen unsinnigen Gedanken lebt und sterbt ihr und fragt euch noch obendrein, warum das ganze Unglück ist. Vermacht dem Verstand und den Herzen eurer Nächsten Liebe und Weisheit, denn die sind wertvoll. In euren Herzen und euren Köpfen verbergen sich wertvolle Dinge. Wisst ihr, was sie kosten? Milliarden. Wisst ihr, dass man Millionen von Jahren für ihre Entwicklung gebraucht hat? Wisst ihr, dass Millionen von vernünftigen Wesen am Schaffen eures Verstand gewirkt haben? Was für Schätze sich im Verstand verbergen! Der Verstand lebt weiter, nachdem der Körper gestorben und verfault ist. So sehe ich es. Ich sehe Menschen, die auch auf andere Weise leben. Ihr werdet fragen, wie man nach seinem Tod weiterleben kann. Angenommen, ihr lebt als Taucher und fragt euch, ob es möglich ist, auch unter anderen Bedingungen zu leben. Wenn ihr an die Wasseroberfläche kommt und euren Taucheranzug auszieht, dann lebt ihr schon wie die anderen Menschen. Jetzt leben wir als Taucher, aber wenn wir an die Wasseroberfläche kommen, werden wir ein anderes Leben beginnen. Es gibt Tausende von Möglichkeiten, wie man leben kann. Und wer dem Leben Schranken errichtet, versteht nicht die Grundgesetze der menschlichen Seele und des menschlichen Geistes. Wäre der Mensch jetzt geboren, würde er heute sterben oder zum ersten Mal existieren, so wäre er ein bedauernswertes Wesen. Der Mensch, den ihr vor Augen habt, existiert seit Millionen Jahren. Gott hat Millionen Jahre an seiner Seele und an seinem Geist gearbeitet. Die Seele – das ist Seine Tochter, der Geist – Sein Sohn. Ihnen sollen wir tiefe Ehre und Ehrfurcht erweisen. Das ist die neue Göttliche Lehre in der Welt, die jetzt verkündet wird und die neues Leben in die gegenwärtige Gesellschaft bringen wird. Feiertagsrede, gehalten vom Lehrer am 19.August 1919 in Veliko Tarnovo Übersetzer: Petàr Demerdzkiev, Stanislava Stefanova Redakteur: Margot Minkova