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  1.  Der Bruder der Kleinsten "Heilige sie in der Wahrheit" Johannes 17,17 In der Ursprache (der Sprache des Göttlichen Urgeistes, dem Erhabensten in der Engelhierarchie) gab Gott dem Menschen einen anderen Namen, nicht den jetzigen. Das geschah im Rat der Götter, unter dem Vorsitz des Herren Jesus Christus, dem Erlöser der Menschheit. Dieser Rat befasste sich mit der Erschaffung des Menschen und der Bestimmung seines Namens. Der Name "Mensch" ist falsch übersetzt, aber wir belassen ihn so. Unter einem Menschen verstehen wir ein Wesen, das denkt. Nach der jetzigen Evolution verläuft der Gedanke des Menschen in zwei Richtungen: einer absteigenden und einer aufsteigenden. Die absteigende Richtung führt zur Erschaffung der menschlichen Persönlichkeit und des menschlichen Körpers mit seinen sieben Hüllen. Die östlichen und westlichen Schulen unterscheiden sich in der Klassifizierung dieser Hüllen. Doch diese Klassifizierung bezieht sich nur auf die äußere, sichtbare Seite dieser Lehre. Im Prinzip unterscheiden sich beide Schulen innerlich nicht. Laut der esoterischen Christenlehre besitzt der Mensch drei wesentliche, beständige Körper und sieben Hüllen. In der theosophischen Literatur ist von sieben Hüllen des menschlichen Körpers die Rede, die drei beständigen Körper aber werden nur angedeutet. Dort werden die Hüllen Körper genannt, doch sie sind keine Körper. Auf sie trifft eher der Name "Hülle" zu. In Bezug auf die Realität ist die menschliche Welt eine Übergangswelt im Gegensatz zur Evolution in der Welt, die ein göttlicher Prozess ist. Vom göttlichen Gesichtspunkt aus strebt der menschliche Geist danach, die drei beständigen Körper zu erwerben. Diese Idee ist so umfassend und unermesslich, dass sie geniale Menschen, Größen der Wissenschaft, des Okkultismus, der obersten Engelhierarchien sowie der obersten Hierarchien der Götter, sowohl in der Vergangenheit als auch gegenwärtig, nicht vollständig begreifen können. Unter "Götter" verstehe ich nicht den Allmächtigen, sondern die obersten Dienstgrade der Engelhierarchien. Doch heutzutage ist das Wort Gott inhaltslos, weil man mit diesem Namen Wesen bezeichnet, die keine Götter sind sondern solche, die die Menschen irreführen. Sie haben nichts Göttliches an sich. Befreit euch von diesem falschen Gottesbegriff. In der Ursprache hatte das Wort Gott einen besonderen Sinngehalt. Heutzutage ist dieser Begriff entstellt. Mit der Entstellung dieses Begriffs haben die Menschen auch ihren Verstand entstellt. Damit wir uns einen richtigen Begriff von Gott machen können und um ihn zu verstehen, müssen wir zu unserem Urzustand zurückkehren. Viele betrachten Gott als ein Wesen, das sich wie der Mensch mehrere Male am Tag ändert. So denken auch einige westliche Okkultisten. Das ist kein Vorwurf. Das ist auf den Kampf zwischen den zwei Logen – der Weißen und der Schwarzen, die in der Welt existieren, zurückzuführen. Sie haben die Menschheit in zwei gegenüberstehenden Lagern geteilt. Sie sind der Grund für die Zwietracht, die im politischen und gesellschaftlichen Leben, in den Familien, sogar im einzelnen Menschen, in der Religion und Wissenschaft herrscht. Diese beiden Einflüsse spalten den menschlichen Verstand. Wo es aber eine Teilung, eine Spaltung gibt, dort ist der göttliche Geist nicht am Werk. Wenn man in sich gespalten ist und in Widersprüche gerät, ist man außerhalb von Gott. Das ist ein psychologisches Gesetz. Wenn ich vom Menschen spreche, müsst ihr in euch gehen, euch jenen Menschen vorstellen, der nach dem Ebenbild Gottes, d.h. nach dem Abbild der Wahrheit und Liebe geschaffen wurde. Dieser Mensch hat nie den Namen Gottes befleckt. Moses, einer der großen Eingeweihten, sagte: "Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen". Das ist eins der Gesetze des ersten Mystikers, der die großartige Gotteslehre erlernen wollte. Er wollte den Namen Gottes heiligen. Das bedeutet, ein wahrer Mensch zu sein. Niemand kann sich auf eine höhere Stufe als seine jetzige erheben, solange er nicht beginnt, den Namen Gottes in jenem höheren Sinn zu heiligen, wie er von den Göttlichen Urgeistern übermittelt wurde. Oft beobachte ich, wie sich die Menschen in Bulgarien und anderswo in Große und Kleine, in Enge und Weite, in Schwarze und Weiße teilen. Sie sagen: "Wir sind weit, universal, wir sind nicht engstirnig wie die anderen." Gebe Gott, dass ihr weit seid, aber nicht formlos, ideenarm. Wenn ihr ins Ausland geht zu den Okkultisten, zu den Theosophen, werdet ihr verstehen, dass sie Anhänger der Weißen Bruderschaft sind. Sie arbeiten an der Erneuerung der menschlichen Gedankenwelt, damit in der Zukunft ein neues Bestreben, ein neues Wirken des göttlichen Geistes eingeflößt werden kann. Heute teilen sich die Theosophen in Anhänger von Annie Besant und Anhänger von Rudolf Steiner -Anthroposophen, doch sowohl die einen als auch die anderen sind Anthroposophen. Aber als Menschen können sie sich nicht ertragen und teilen sich in Weite und Enge. Die Anhänger von Besant sind Frauen, die von Steiner – Männer. Die einen wie die anderen streiten miteinander. Alle Strömungen der östlichen Schule werden von Frauen angeführt, und die der westlichen von Männern. Diese Einteilung tritt klar hervor, aber das ist nur die äußerliche Seite. Wer nicht erhaben ist, wird von ihnen in Versuchung geführt. Wer aber der Versuchung verfällt, kann Christus nicht verstehen. So wie zu Zeiten Jesu einige in Versuchung gerieten, genauso kommen auch heute die Leute in Versuchung. Seitdem der Mensch der Sünde verfiel und den Namen Gottes entstellte, kommt er in Versuchung. Wer der Versuchung erliegt, kann sich nicht in die Lage eines denkenden Menschen erheben, kann die inneren Grundgesetze, auf denen der menschliche Geist beruht, nicht verstehen. Um sein individuelles und gesellschaftliches Leben sowie das Leben der ganzen Menschheit zu verändern, muss der Mensch die großartigen Gesetze des göttlichen Gedanken verstehen. Die Theosophen nennen den höchsten Verstand höchstes Manas. Den Natur- oder niederen Verstand nennen sie niederes Manas. Nirgends aber wird der mittlere Verstand erwähnt, der am wichtigsten ist. Das niedere Manas ist die Grundlage, auf die der menschliche Gedanke aufbaut. Also ist es der Nährboden für die mentale Welt. Wenn ihr die Elemente dieses Nährbodens versteht, wisst ihr, was ihr auf ihm säen könnt. Jeder Gedanke enthält den Keim einer Tätigkeit. Richtig Denken zu lernen bedeutet zu wissen, welchen Samen man in den verschiedenen Jahreszeiten säen muss. In der Schrift steht: "Was du säst, wirst du ernten." Darunter ist das Einbringen der Saat in die Gedankenwelt zu verstehen. Unter den Menschen gibt es so viele falsche Anschauungen, so viel falsches Handeln, dass sie sich, wenn sie nicht auf die Stimme des Großen Lehrers hören, gegenseitig umbringen würden. Er sagt: "Von nun an erlaube ich keinem, einen Schritt nach vorn zu machen. Wenn er seine Gedanken nicht ändert, den Namen Gottes nicht heiligt, selbst wenn er tausend Jahre an meine Tür klopft – weh ihm! Er wird noch Früchte seines Karmas ernten – seit Tausenden Jahren." Was ist Karma? Das ist die Folge vieler schlechter Früchte, die man selbst in der Vergangenheit gepflanzt hat. Christus ist nur wegen Einem auf die Erde gekommen – um die Menschen zu erlösen. Unter Erlösung verstehe ich, dass er sie lehrt, den Namen Gottes in sich und der Welt zu heiligen. Auf diesem Namen beruht die Grundlage unseres Daseins. Die Heiligung von Gottes Namen ist das Allergroßartigste. Das ist die Philosophie der Zukunft. Manche beschweren sich, dass ihnen keine Geheimnisse enthüllt werden. Was wollen sie? Soll ich ihnen Waffen geben, damit sie sich gegenseitig umbringen? In Westeuropa gibt es verschiedene Lehren und Bruderschaften, deren Mitglieder die Geheimnisse der Natur erkennen wollen. In dieser Beziehung ähneln sie jenen Frauen, die sich an ihren Geliebten mit Vitriol[2] rächen. Warum wollen sie sich an ihnen rächen? – Weil sie von ihnen betrogen wurden. Nachdem sie die Geliebten mit Vitriol entstellt haben, sind die Frauen zufrieden und sagen: "Jetzt wird er weder mir noch einer anderen gehören." Die Männer machen es genau so. So machen es auch die religiösen Leute. Christus ist von den Taten der Menschen verbittert. Gott hat beschlossen, sie zu bestrafen, wenn sie ihr Verhalten nicht korrigieren. Nach dem göttlichen Gesetz darf man nicht mehr sündigen. Das Alte muss vernichtet werden, weil eine neue Epoche beginnt, ein neuer Aufschwung. Der Göttliche Urgeist steigt in kreisförmigen Wellen sieben Felder, sieben Welten herunter. In der Saturn-Periode stieg der Göttliche Urgeist in die Mentalwelt hinab und bildete den Verstands- oder Mentalkörper des Menschen. In der zweiten Periode, der Sonnenperiode, stieg der Geist bis in die Astralwelt und bildete den Begierden-Körper (Astralleib). In der dritten Periode – der Mondperiode, stieg der Geist in das Äther-Gebiet der physischen Welt, wobei er die Ätherhülle des Menschen bildete. In der vierten Periode, der Erdenperiode, stieg der Geist in das niedrigste Niveau der physischen Welt und bildete den physischen Körper. Während der Geist in diesen Perioden ab- und aufstieg, durchlief er geistige Tage und Nächte. In der ersten Periode, als der göttliche Geist den Menschen nach dem Ebenbild Gottes schuf, war der Mensch sündenlos. In der zweiten Periode begann der Mensch zu fallen. In der dritten Periode kam er zum vollständigen Verfall. In der vierten, der Erdenperiode, der unterste Periode des Abstiegs, erreichte der Verfall sein Maximum. Warum muss der Mensch in die Materie absteigen und in ihr versinken? Um sich in alle Hüllen zu kleiden, eine dichter als die andere. Von dort aus beginnt der Aufstieg des Menschen und sein Einkleiden in höhere Formen. In allen Perioden gibt es einen teilweisen Ab- und Aufstieg in wellenförmigen Linien. Die Schlussbewegung wird aufsteigend sein. Wer sich nicht mit Gott verbinden will, wird von der Welle aus der gemeinsamen Strömung des göttlichen Tages geworfen. Dort wartet er dann auf eine andere Periode des Ab- und Aufstiegs, d.h. auf eine andere Welle. Alle, die nach oben zu Gott steigen, werden in den Himmel kommen, der Herausgeworfene aber wird unten bleiben, außerhalb von Gott. Das Tor wird sich vor ihm schließen und er wird Gottes Stimme hören: "Ich kenne dich nicht". Eines Tages, wenn Christus an eure Türen klopft, werden jene, die sich mit persönlichen Fragen beschäftigen, mit gewöhnlichen Dingen, draußen bleiben und kein Öl für ihre Lampe haben. Später werden sie zur Vernunft kommen, doch der göttliche Dampfer hat bereits abgelegt, hat auf keinen gewartet. Deshalb muss jeder bereit sein, damit er rechtzeitig einsteigen kann. Ich erzähle euch das nicht, um euch eine Moralpredigt zu halten, sondern ich teile euch das Gesetz mit, das, was Gott sagt. Er wird den Dampfer für niemanden anhalten. Nun, ihr schwimmt mit der Welle und habt jetzt die besten Entwicklungsbedingungen. Wenn euch ein schlechter Gedanke durch den Kopf geht, so wisset, dass er aus eurer lang zurückliegenden Vergangenheit kommt und kein heutiger Gedanke ist. Er ist ein fremdes, ein untergeschobenes Kind, weist ihn zurück. Schickt auch mir keine untergeschobenen Kinder, die von ungesetzlichen Eltern stammen. Man hat mich nicht als Lehrer auf die Erde geschickt, um solche Kinder großzuziehen und zu erziehen. Einen Sünder großzuziehen ist das eine, ein ungesetzliches Kind hochzupäppeln, ist etwas anderes. Ein Sünder, der ein gewisses Bewusstsein erlangt hat und seine Sünden bereut, kann sich retten. Er unternimmt Anstrengungen, den Willen Gottes zu erfüllen. Wegen solcher Menschen kam Christus auf die Erde. Jeder kann sich retten. Auch der Sünder kann sich retten, aber nicht das untergeschobene, das ungesetzliche Kind. Das ist eine Schlange, die, je mehr man sie nährt, umso größer wird. Eines Tages wird sie sich um den Menschen schlingen und seine Knochen zermalmen. Speziell für euch, für euer zukünftiges Wohl, ist es notwendig, jene großartigen Gedanken zu nähren, die Gott ursprünglich durch den Heiligen Geist in euch gelegt hat. Ernährt keine negativen Gedanken, die euch von der Schwarzen Loge untergeschoben wurden. Die Mutter sagt: "Ich habe mich mit diesem Kind abgeplagt, es hat mir viel Kopfschmerzen bereitet, doch eines Tages wird es für mich sorgen." Nein, eines Tages wird euch dieses Kind wie eine Schlange die Knochen zerbrechen und euch aus dieser Welle werfen. "Heilige sie in der Wahrheit". Keiner kann das göttliche Gesetz erlernen, solange er den Namen Gottes nicht geheiligt hat. Wenn ihr Gottes Namen heiligt, werden eure Gedanken rein und hell sein. Aus ihnen webt ihr jene Hülle, in der der Leib der Wahrheit, die euch befreien wird, gezeugt wird. Die Wahrheit ist der erste Leib, an dem ihr jetzt arbeiten müsst. In diesem Körper lebt die menschliche Seele. Ohne Wahrheit gibt es keine Freiheit. So sehr ihr auch weint, wenn die Wahrheit nicht in euch ist, könnt ihr nicht frei sein. Nur mit Tränen könnt ihr euch nicht helfen. Manchmal ist das Weinen nützlich, manchmal schädlich. Die Tränen sind Regen; wenn ihr guten Samen ausgesät habt, wird er wachsen und euch erheben. Wenn ihr Dornen gesät habt, werden sie euch, nachdem sie gewachsen sind, ersticken. Wenn man Gott nachweint, ist man selig; wenn man der Welt nachweint, könnt ihr mir Leid tun. In diesem Fall ist eine Dürre vorzuziehen. Helle und edle Gedanken werden euch erheben. Mit ihnen werdet ihr in den Leib der Wahrheit eingehen und frei sein. Auf diese Weise erkennt ihr Christus und er wird euch erkennen. Manche möchten Christus in mir finden. Nein, Christus findet ihr in seiner Lehre! Wenn ihr erfahren wollt, wer ich bin, sage ich es euch. Ich bin der Bruder der Kleinsten im Reich Gottes. Ich, der Kleinste, will den Willen Gottes erfüllen, so wie es Gott geboten hat. Ich will seinen Namen heiligen, so wie er mich geheiligt hat. Gott war so gut zu mir, dass ich, der Bruder der Kleinsten, mich bei ihm von ganzem Herzen revanchieren möchte. Ich möchte, dass auch ihr meinem Beispiel folgt. In manchen von euch kann der Wunsch aufkommen, größer zu sein als ich, den ersten Platz einzunehmen. Das ist eine Versuchung. Christus sagte: "Es ist für den Jünger genug, dass er wie sein Meister ist." Auch ich will nicht mehr. Mir reicht dieser bescheidene Platz. Ich würde ihn gegen nichts eintauschen. Es ist unwichtig, welchen Platz ihr einnehmt. Wichtig ist, wie ihr eure Pflicht gegenüber Gott erfüllt. Ihr möchtet Könige sein. Es ist schön ein König zu sein, aber es gibt kein größeres Unglück als dieses. Ein König kann Tausende gute Taten vollbringen, die ganze Gesellschaft oder ein ganzes Volk fördern, aber er kann es auch ins Verderben führen. Deshalb sagte Christus: "Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert." Wenn du eine Größe werden möchtest, offenbaren sich die Gefühle von Stolz und Ruhmsucht in dir. Die großen Händler, die mit viel Kapital umgehen, mit Hunderten Millionen, machen große Schulden und bringen manchmal viele Leute um ihr Geld. Wenn ihr Hundert Millionen habt und sie verliert, werdet ihr sehr viele Seelenqualen durchmachen. Ich benutze die Zahl 100 als Zahl, die eine der obersten Engelhierarchien darstellt. Man kann nicht beschreiben, welchen Seelenqualen und Leiden jener Händler durchmacht, der seine Hundert Millionen verloren hat. Und umgekehrt, man kann nicht beschreiben, was für eine Freude jemand empfindet, der Hundert Millionen Lewa zur Verfügung hat und sie vernünftig verwenden kann. So schlimm das eine ist, so großartig ist das andere. "Heilige sie in der Wahrheit." Das Erste, was ihr aus den Predigten von Christus lernen müsst, ist die Demut. Sie ist Mutter des wahren, positiven Wissens. Der Stolz ist die Mutter des zeitweiligen, vorübergehenden Wissens. Du kannst viel Wissen besitzen, aber wenn du hochmütig bist, dann befindest du dich in der Lage eines irregeführten Bruders der Schwarzen Loge. Wenn ihr die göttlichen Gesetze einhaltet, werdet ihr euch erheben, selbst wenn ihr unter den Kleinsten seid. Wenn ihr möchtet, dass sich der Himmel für euch interessiert und euch segnet, müsst ihr demütig im höheren Sinne des Wortes sein, nicht in jenem gewöhnlichen Sinn, wie euch gepredigt wurde. Die Demut ist ein schöner Engel, ein hoher Geist. Wer ihn einmal gesehen hat, verliebt sich gleich in ihn. Aus der Demut entwickeln sich alle göttlichen Tugenden, nach denen sich der menschliche Geist und Seele sehnen. Der Engel der Demut ist lebendig. In sich trägt er die Barmherzigkeit – ein Kind der Liebe, die kleinste Tochter Gottes. Die Liebe lebt unter den Urgeistern und verspricht der ganzen Menschheit wie auch jenen, die nach ihr suchen, eine herrliche Zukunft. Wenn ihr wollt, dass Christus in euch unsterblich und stark ist, um euch zu erheben, müsst ihr der Liebe in eurer Seele den Weg ebnen. Das bedeutet, dem Christ in seiner Seele den obersten Platz zuzuweisen, seinen Namen im Herzen zu heiligen. Manche bilden sich ein, dass sie Christus nahe sind. Nur der Kleine, jener, der die Kunst gelernt hat sich zu erniedrigen, kann Christus nahe sein. Ihr sagt, dass ihr wie Christus sein möchtet, aber zugleich wollt ihr befehlen. Um wie Christus und ihm nahe zu sein, müsst ihr das Gesetz des selbstlosen Dienens, des richtigen Denkens erlernen. Ihr müsst den Hass mit Liebe, das Böse mit Gutem vergelten. Dann ist unwichtig, wem man dient – dem Ivan oder dem Dragan – man dient Gott. Die Namen sind insoweit wichtig, wie sie ihrem Inhalt entsprechen. Der Name Christus bezeichnet nicht einen Einzelnen, sondern ist ein kollektiver Name. Er ist wie die Luft und das Licht. Jeder hat das Recht, von ihnen Gebrauch zu machen. Denkt vernünftig, philosophisch und lasst euch weder von der äußerlichen Form der Dinge noch von äußerlichen Worten täuschen. Sucht nach dem inneren Sinn der Worte. Wenn ich wie ihr denken würde, wäre ich längst nicht mehr auf dem jetzigen Niveau. "Heilige sie in der Wahrheit." Jetzt verlange ich von euch, dass ihr in gerader Linie aufsteigt und den Namen Gottes in euch heiligt. Dieser Name wird euch erheben, damit ihr, wie es Christus sagte, seine Miterben und Teilhaber werdet. Heute möchte ich das göttliche Licht in eure Köpfe und Herzen bringen, mit dem ihr euch von allen schlechten Keimen befreien könnt. Das Schwert des Geistes ist schon gezogen und weh dem, der sich der Wahrheit in den Weg stellt. Wir müssen mit jenen Waffen kämpfen, von denen im zweiten Brief an die Korinther 10, 4-5 die Rede ist: "Die Waffen, die wir bei unserem Feldzug einsetzen, sind nicht irdisch, aber sie haben durch Gott die Macht, Festungen zu schleifen; mit ihnen reißen wir alle hohen Gedankengebäude nieder, die sich gegen die Erkenntnis Gottes auftürmen. Wir nehmen alles Denken gefangen, so das es Christus gehorcht." Das ist Theosophie, Okkultismus, Spiritismus, göttliche Weisheit. Ich möchte, dass ihr folgende Strophe zu eurem Leitmotiv macht: "Eure Waffen werden nicht irdisch sein, doch durch Gott werdet ihr Macht haben." So reißt ihr die Gedankengebäude des niederen Manas nieder, der Sünde, der die Menschen bis heute Tribut zahlen. Christus sagte: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört." Das niedere Manas ist der Kaiser im Menschen. Der Vers bedeutet: Wenn ihr dem niedersten Manas das Gebührende gebt, so gebt auch dem höchsten Manas das Gebührende. Was bedeutet es, dem Kaiser das zu geben, was dem Kaiser gehört, und Gott das, was Gott gehört? Das bedeutet, die schädlichen Keime zu vernichten, damit sie nicht mehr wachsen können; sich von allen unreinen Gedanken zu befreien und zu sagen: "Hier, Kaiser, nimm das Deine." Dann nehmt ihr die erhabensten göttlichen Gedanken, speichert sie in der göttlichen Kornkammer der Seele und sagt: "Hier, Herr, nimm das Deine." Danach geht ihr in euer verstecktes Kämmerlein und richtet ein Gebet an Gott, ohne das Kaiserliche mit dem Göttlichen zu vermischen. Wenn man beide vermischt, ist das kein Gebet mehr. Ein Gebet ist mächtig, wenn das Herz rein und ganz auf Gott gerichtet ist. Solange das Feuer des Herzens nicht entfacht wurde, kann das Gebet nicht zu Gott gelangen. Wisst ihr, in welchen Zustand ihr geratet, wenn ihr die göttliche Wärme in eurem Herzen spürt? Ein Amerikaner hörte Camilla Russo, eine Schülerin von Paganini, den "Traum des Lebens" spielen und meinte: "In diesem Moment war ich bereit mich mit der ganzen Welt auszusöhnen und allen meinen Feinden zu vergeben." Dieser Amerikaner hatte bedeutenden Predigern zugehört, doch keiner konnte so auf ihn einwirken wie Camilla Russo. Folglich werdet ihr, wenn die Demut in euer Herz dringt, sagen: "Herr, wir sind bereit allen zu vergeben." Ich frage euch, habt ihr schon einmal die Stimme der Demut vernommen? – Ich habe sie gehört. Eine schönere Musik als das Lied der Demut kenne ich nicht. Was für eine Harmonie ist in der Demut enthalten! Welche Liebe quillt aus dem Herzen des Demütigen! Mit ihren Strahlen erwärmt diese Liebe die Herzen aller Menschen. Jeden Tag schickt sie allen Leidenden und Niedergeschlagenen, der ganzen Menschheit, ihre guten Gedanken und schenkt ihnen Trost. Sie sagt: "Gebt die Hoffnung nicht auf, ich helfe euch, den Namen Gottes in euren Köpfen und Herzen zu heiligen. Ich gebe euch meinen ganzen Segen." Heutzutage will Christus alle Bruderschaften und Religionen in der ganzen Welt vereinen. Deshalb erlaubt euch nicht, die Menschen zu richten. Ihr kennt die tiefen Gründe der Dinge nicht. "Heilige sie in der Wahrheit." Was tut Gott für eure Erhebung? Er schickt euch auf den Weg der Leiden und Freuden. Ich bin durch das ganze menschliche Dasein gewandert, ich habe den erhabenen göttlichen Geistern zugehört und aus der gemachten Erfahrung heraus finde ich, dass alle Menschen den Weg der Freuden und Leiden gehen müssen. Es gibt keinen besseren Weg als diesen. Wer kann das bestreiten? Nicht der Weg ist schlecht, sondern die meisten Menschen dienten und dienen dem Kaiser. Eine Frau beschwert sich über ihren Mann und sagt: "Ich liebe ihn nicht mehr, er hat mich unglücklich gemacht." Dann verlasse ihn. – "Aber wer soll mich ernähren?" – Ah, das ist keine Ehe mehr, sondern Aushalterei! Die Ehe ist etwas Ideales, Göttliches. Wenn ihr in Gottes Reich kommen wollt, dürft ihr nicht darüber murren, dass euch Gott einen scheinbar schlechten Mann gegeben hat. Sobald ihr murrt, antwortet euch Gott: "Ihr habt diesen Mann selbst gewählt, nicht ich habe ihn euch gegeben. Ihr verlangt von mir, dass ich ihn besser mache, ohne dass ihr selbst besser geworden seid." Ich betrachte hier den Begriff "Frau" allgemein, ich rede nicht von Persönlichkeiten. Für mich sind jede Frau und jeder Mann Stahlen, d.h. Teile vom Ganzen. Ich bediene mich dieser Begriffe als reelle Tatsachen, die sich im Leben bewährt haben. Also, der Weg der Leiden und Freuden ist ein Weg, um Geduld zu erlangen. Der Geduldige erwirbt große Erfahrung und inneren Reichtum. Nur so kann der Mensch die großartigen Wege Gottes sowie die großartige göttliche Vorsehung zum künftigen Wohl des Menschen verstehen. Wenn ihr dieses Jahr vorankommen wollt, dann murrt nie. Darunter verstehe ich nicht den Lärm, der um euch gemacht wird, sondern dass ihr diesen Lärm nicht assimiliert. Euer Herz muss still und ruhig sein. Jemand wirft mit Steinen, schlägt Fenster ein? Daran seid ihr nicht schuld. Doch wenn ihr von innen heraus die Fenster eures Hauses, eurer Seele einschlagt, sage ich: "Freunde, ihr habt noch nicht gelernt, Gott zu dienen; ihr habt noch nicht gelernt, dem Kaiser zu zahlen." Jeder kann das Leben von Tausenden Wesen verderben. Wisst ihr, wie viele Jahrhunderte gebraucht werden, um die menschlichen Fehler zu berichtigen? Manchmal kommt in euch der Wunsch nach Rache hoch; ihr sagt euch: "Ich mache ihn fertig, ich kriege ihn klein. Er wird schon sehen, mit wem er es zu tun hat!" Nein, geht in euch und sagt euch: "Dieser Geist, der in mir erschienen ist, ist ein Dämon. Ich ergreife ihn und sage ihm, dass er schweigen soll. Raus aus meinem Heiligtum! Ich verbiete dir, das Abbild Gottes zu besudeln!" Du sagst jemanden: "Ich kann nicht gut über dich denken". – Du kannst mir Leid tun. Wenn du nicht gut über deinen Nächsten denken kannst, dann kannst du auch über Gott nicht gut denken. Wie solltest du Gott dann lieben können? Es gibt drei Wege, denen ihr folgen könnt – den Weg der Liebe, den Weg der Weisheit und den Weg der Wahrheit. Der letztere ist der schmale Weg des Lebens. Christus sagte: "Nur wenige finden den schmalen Weg". Doch alle können den Weg der Liebe gehen. Wenn ihr den Weg der Weisheit nicht begehen könnt, nehmt den Weg der Liebe. Wenn ihr diesen Weg nicht nehmen könnt, begebt euch auf den Weg der Wahrheit. Also sind die Wege der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit die drei Wege, auf denen ihr euch bewegen sollt. Ärgert euch nicht darüber, dass ein anderer nicht den gleichen Weg gewählt hat wie ihr. Geht vorwärts. Alle drei Wege führen zum gleichen Ziel; der Unterschied besteht nur in den Biegungen, die jeder Weg macht. Das lehrte Christus, als er auf der Erde war; das lehrt er auch jetzt. Wenn ihr die irdischen Angelegenheiten nicht verstehen könnt, wie wollt ihr dann die himmlischen verstehen? Wenn ihr die einfachen Dinge nicht versteht, wie wollt ihr dann die schwierigen verstehen? "Sag uns etwas Großartiges." – Das ist das Großartigste, das euch der Bruder der Kleinsten, der Bruder eurer Engel, die euch auf den rechten Weg führen, sagen kann. Ihr sagt: "Du bist unser Bruder." Wenn ihr meint, ich wäre euer Fleischesbruder, dann irrt ihr euch. Wenn ihr meint, ich wäre euer Geistesbruder, dann habt ihr Recht. – "Du liebst uns nicht." Wenn ihr von der irdischen Liebe redet, liebe ich euch nicht. Wenn ihr meint, dass ich euch nicht so liebe wie euch eure Engel lieben, täuscht ihr euch. Es gibt keinen Menschen auf der Erde, der eure Seelen so liebt wie ich. Ich möchte, dass auch ihr die menschlichen Seelen so liebt. Ist euch das klar? Ich weiß, dass sich eure Engel heute sehr über euch freuen. Ist euch das klar? Ich hatte den Wunsch, ihnen einen Gefallen zu tun. Ich bin auf die Erde gekommen, um den Engeln und euch einen Dienst zu erweisen. Nachdem ich meine Arbeit getan habe, werdet ihr sagen, dass ich irgendwohin verreist bin. Wohin werde ich reisen? Nein, nirgendwohin verreise ich. Ich gehe zu jenem, der mich ausgeschickt hat und werde fragen: "Habe ich meine Aufgabe erledigt?" Wenn es noch etwas gibt, das ich nicht beendet habe, komme ich zurück. Wenn ich auch das zweite Mal meine Arbeit nicht beendet habe, komme ich erneut bis mir nicht gesagt wird: "Du hast deine Sache gut gemacht." So lautet das Gesetz für den kleinen Bruder im Himmel – zu tun, was Gott von ihm verlangt. Das ist die Große Lehre, die ihr bisher nicht vernommen habt. Ihr habt noch nie etwas von dem erlebt, wovon ihr jetzt hört. Warum habt ihr davon noch nie gehört? Weil diese Lehre für die kleinen Engel ist, die auf die Erde gekommen sind um die Menschheit zu erheben. Ich werde euch jetzt nicht segnen, das tue ich nicht. Warum? – Wenn ich meinen Segen gebe und es gibt Unkraut in euch, wird es wachsen. Ich handele vernünftig, nach dem göttlichen Gesetz. Wenn sie sehen, dass ihr gute Samen gesät habt, werden euch alle Himmelsbrüder ihren Segen erteilen, damit dieser Samen wächst und gute Früchte trägt. Mit diesen Früchten muss Gott in euch wachsen und auferstehen, müsst ihr den Namen Gottes heiligen! Darüber werde ich mich freuen, denn ihr werdet Gott nah sein. Zum Neuen Jahr künde ich euch Folgendes an: Ich mache nicht Schluss, sondern fange jetzt erst an. Das muss euch klar sein. Was ich euch gesagt habe, ist erst der Anfang. Es gibt viel größere Dinge! Hört, was euch die Kleinen sagen und ihr werdet Gottes Kraft spüren. Die Weisheit wird zu euch kommen, ihr werdet euren Willen stählern und die weltlichen Angelegenheiten kommen in Ordnung. Von jetzt an beginnt für die Kleinen eine große Arbeit. Die Lehre für die Kleinen ist großartig. Sie ist für euch am besten geeignet. Sie ist die Grundlage für jenes, was die großartige Zukunft eurer Seele bringen wird. Das ist der göttliche Gedanke des Jahres 1917. Ich spreche nicht von dem irdischen, sondern von dem göttlichen Jahr. Ich beginne mit den Jahren 1914, 1915, 1916 und 1917, die die Neue Epoche (New Age) ins Leben rufen. Das sind vier göttliche Jahre, die einen Zyklus des göttlichen Segens bilden. Die Eins in 1917 verkörpert das Prinzip der Gerechtigkeit und die Sieben – das Gesetz der Ruhe und des Wohlstands. Jetzt lasse ich euch über Demut, Geduld und Liebe nachdenken. Seht zu, dass ihr durch sie jene Unebenheiten in euch glättet, die die göttliche Harmonie in eurem Leben zerstören. Möge jeder von euch Gott in sich durch seinen Engel rufen und ihn fragen: "Herr, was soll ich tun, damit das Reich Gottes auf der Erde triumphiert und dein Name unter den Menschen geheiligt wird?" Das Erste, was euch gesagt wird, ist: "Vergebt einander!" Das hat Christus gepredigt. Lest im Matthäus- und Lukasevangelium nach. Dort steht geschrieben: "Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass du etwas gegen deinen Bruder hast, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen, geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder; wenn er sich nicht versöhnen will, nimm noch zwei mit dir und kehre zu ihm zurück." Wer vor den Altar tritt, muss sich zuvor mit allen versöhnt haben. Keiner kann vor den Altar treten, wenn er sich zuvor nicht versöhnt hat. Ihr sagt: "Kommt, lass uns sie versöhnen." Wie könnt ihr sie miteinander versöhnen, wenn sie nicht vor den Altar treten? Ihr müsst euch gegenseitig vergeben! Du sagst: "Bruder, versöhnen wir uns!" Wenn er sich nicht versöhnen will, kehre mit noch zwei zurück. Wenn er auch dann noch nicht will, kehre mit der ganzen Kirche zurück. Wenn er auch dann nicht will, sage: "Möge ich für dich ein Zöllner und Heide sein." Das ist die Lehre von Christus. Zwietracht, die jetzt existiert, ist mit seiner Lehre nicht vereinbar. Nun, ich habe nicht die Absicht, jemanden zu richten. Für mich seid ihr alle gleich. Ich sage: Wenn ihr diese Lehre nicht annehmt, wird das Ergebnis nicht gut sein. Warum soll man überflüssiges Leiden in der Welt schaffen? Die Leiden der Vergangenheit sind genug. Möge von jetzt an Freude und Segen unter die Menschheit kommen. Was ich euch heute gesagt habe, wird überall gesagt. Gott sagt es, die Engel sagen es, alle ihre Diener auf der Erde predigen es. Das Gleiche sagt auch Christus. Und ich glaube daran, dass es so werden wird. Wie es gesagt wurde, so wird es sein, daran zweifele ich nicht im Geringsten. Eines Tages treffen wir uns alle; natürlich nicht in einer Umgebung wie der heutigen – in einer zehnmal besseren Umgebung, und zwar wieder auf der Erde. Nach zehn Jahren wird es uns zehnmal besser gehen als heute. Nach noch zehn Jahren wird es uns tausendmal besser gehen. Nach den nächsten zehn Jahren wird es uns zehntausendmal besser gehen. Nach noch zehn Jahren – hunderttausendmal besser. Nach anderen zehn Jahren – millionenmal besser. Nach den nächsten zehn Jahren – hundertmillionenmal besser. Und am Ende dieser Periode oder zu Beginn der neuen werden wir mit Gott eins sein. Mein Friede sei mit euch! Aus dem Bulgarischen übersetzt von Rumjana Mileva Lektorat: Angelika Todorov Alle Mitglieder unseres Übersetzerteams arbeiten auf freiwilliger Basis und unentgeltlich. Wir wären für jegliche Unterstützung dankbar, besonders beim Redigieren, Veröffentlichen, bei der Herausgabe und dem Vertrieb dieser Übersetzungen. [1]Ausgabe der Katholischen Bibelanstalt GmbH, Einheitsübersetzung, Herder-Verlag, Stuttgart, 1980 [2]Vitriol – Schwefelsäure, die in der Malerei benutzt wird. (Anm.Red.) Copyright © 1997 Publishing House "Byalo Bratstvo" All Rights Reserved
  2.  Damit ich Christus gewinne "Ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne." Philipper, 3:8 Ich werde nur auf den letzten Satz eingehen: "Damit ich Christus gewinne." Das Wort "gewinnen" ist Jungen und Alten, Gelehrten und Unwissenden, Guten und Bösen, Klugen und Dummen bekannt – alle streben nach Gewinn. Es gibt kein Wesen, selbst unter den Niedrigsten, das nicht danach streben würde. Es ist etwas anderes, ob dieses Streben den Bedürfnissen entspricht, die im Wesen der tiefen Ursachen des Lebens begründet sind. Wichtiger ist das Streben nach Gewinn und darauf beruht das Wachstum und die Entwicklung des Menschen. Denn der Körper, das Herz, der Verstand und der Geist haben ihr eigenes Streben nach Entwicklung. Wenn wir über das Gewinnen von Christus sprechen, müssen wir begreifen, was das ist. Ich weiß, ihr habt verschiedene Meinungen, ihr alle wollt euch Christus aneignen, ihn gewinnen. Ihr könnt einen Ochsen gewinnen und ihn in den Stall stellen, ihr könnt ein Pferd gewinnen und ihm den Zaum anlegen, ihr könnt ein Huhn gewinnen, es in den Hühnerstall setzen und füttern, ihr könnt ein schönes Kleid gewinnen und es in den Schrank hängen, ihr könnt einen Hut oder etwas anderes gewinnen. Ihr könnt auch ein Kind euer eigen nennen, doch ihr werdet es weder in den Hühnerstall noch in den Schrank tun, sondern im Arm, an der Brust halten. Man muss also einen wesentlichen Unterschied machen, wir müssen die Eigenschaft besitzen die Dinge zu unterscheiden. Jeder, der den rechten Weg, den Weg der Menschheit oder im höchsten Sinne gesagt – den göttlichen Weg beschritten hat, der muss die beiden wesentlichen Dinge unterscheiden – das Böse vom Guten, die Lüge von der Wahrheit, das Unrecht von der Gerechtigkeit, den Hass von der Liebe, die Dummheit von der Weisheit. Man braucht diese Dinge, sie sind das Wesentliche im Leben. Ihr denkt, ihr versteht die Dinge. Ihr könnt denken, manche Dinge seien gut, aber eigentlich sind sie böse. Wenn wir über Gutes oder Böses sprechen, verstehen wir das Verhältnis der Dinge zur vernünftigen menschlichen Seele. Welches sind also die Bestrebungen der Seele? Jemand sagt, er sei hungrig, und ihr denkt, das sei ein wesentliches Bedürfnis. Eure Seele interessiert sich nicht dafür, sie will diese festen Stoffe nicht. Ihr denkt, das Essen sei das Wesentliche für den Menschen, doch das zeigt, dass ihr die Dinge nicht versteht. Ihr fragt euch, ob ihr in jener Welt essen und trinken werdet. Und da ihr diese Frage nicht beantworten könnt, beginnt ihr zu denken, wie jene Welt sei. Im Reich Gottes essen und trinken die Menschen nicht. Das sind Dinge, die der Körper in der materiellen Welt braucht. Der Körper und ihr selbst – das sind zwei verschiedene Dinge und wenn der Körper diese Dinge gewinnt, dürft ihr nicht glauben, dass eure Seele sie gewinnt. Das ist eine Verblendung. In euch erscheinen auch Hass, Neid, Rache u.ä. und ihr denkt, das sei ein Streben der Seele. Das sind Bestrebungen eures Herzens, denn Zorn und Neid sind Dinge, die dem Herzen angenehm sind. Die Okkultisten würden sagen, dass es Bestrebungen des astralen Körpers sind. Jemand hat zum Beispiel mehrere Häuser und ihr beneidet ihn; ihr beneidet jemanden darum, dass er schöner oder gelehrter ist; jemand nimmt euch den Diener weg und ihr werdet zornig usw. Und dann sagt ihr euch: "Ich bin zornig geworden, ich habe das gemacht." Ihr irrt euch, das ist ein Streben eures Herzens. Ein anderer beginnt wiederum zu denken, er sei etwas Großes. Er wird überheblich, denkt, dass er sehr gelehrt, sehr stark ist, dass er viel weiß. Er fängt an zu denken, dass er alles ist, dass er der Mensch ist, dass er etwas gewonnen hat. Er ist stolz, denn er hat viele Kenntnisse, er kann die Menschen lehren und ihnen predigen, er denkt, dass er allwissend ist. All das ist euer Verstand, es ist Ausdruck eurer Gedanken. Ihr müsst diese wesentlichen Dinge eures Verstandes unterscheiden. Also, wo werden wir Christus finden? Weder in unserem Körper noch in unserem Herzen, noch in unserem Verstand werden wir ihn finden. Wo finden wir ihn dann? Ich sage es euch. Manche werden mich verstehen und manche werden mich nicht verstehen. Manchmal habe ich so klare Beispiele angeführt, damit ihr denken lernt und trotzdem konntet ihr es nicht lernen. So ist das Beispiel mit jenem Wanderer, der sich beim Sturz in eine Schlucht an einen Baumzweig klammerte und vier-fünf Stunden so hing. Und als er keine Kräfte mehr hatte und losließ, war er erstaunt zu sehen, dass die Schlucht unter ihm nur 15 cm tief war. Nun fragen mich einige, wie sie diesen Zweig in ihrem Leben loslassen können. Wenn du einen Wunsch hast, lass ihn los. Denke nicht, dass die Interessen deines Herzens auch deine Interessen sind, lass sie ihren Weg gehen. Viele von euch befinden sich in der Lage jenes türkischen Helden, der einen Räuber fing und beide klammerten sich so aneinander, dass weder ersterer ihn zu seinem Vater führen konnte noch der Räuber ihn losließ. Der Held sagte zu seinem Vater: "Vater, ich habe einen Räuber gefangen." "Lass ihn los", antwortete ihm der Vater. In unserem Fall habt ihr einen Wunsch, der euch berauben will, und weder ihr könnt ihn loswerden noch er lässt euch. Ihr fragt, wie ihr diesen Wunsch loswerden könnt. Es ist die Verblendung eures Verstandes. Wenn ihr wollt, werdet ihr den Weg zu eurer Befreiung finden. Geht zu einem Chemiker und bittet ihn, einen einfachen Versuch zu machen – Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zersetzen. Bittet ihn, euch die Eigenschaften des einen und des anderen Elements zu beschreiben und euch zu zeigen, wie er sie getrennt hat. Denkt nach und auch ihr werdet lernen auf dieselbe Weise loszulassen. Auch ihr habt eine Verbindung zwischen dem Körper und dem Herzen. Ihr könnt auch eine Verbindung aus drei Elementen haben – Säuren zum Beispiel bestehen aus drei Elementen. Folglich existiert eine Säure aus der Verbindung eures Körpers, Herzens und Verstandes. Und alle Chemiker sagen, Säuren seien gefährlich für das Leben. Manchmal werden Säuren als Arzneimittel verwendet, doch sie müssen in kleinen Dosen verabreicht werden. Wenn sie in großen Dosen genommen werden, rufen sie eine Vergiftung hervor. Nun, wenn ich so zu euch rede, möchte ich nicht sagen, dass ihr kein Herz, keinen Verstand und keinen Körper braucht, doch ich behaupte, der Körper hat seine Interessen und sein Recht, das Herz hat sein Streben und sein Recht, der Verstand hat sein Streben und sein Recht. Auch die Seele im Menschen hat ihr Streben – z.B. Barmherzigkeit, Glauben, Hoffnung, Gewissen, Liebe zu Gott. Das sind die höchsten Gefühle der Seele und ihr seid in ihrer Atmosphäre. Die Seele ist die Atmosphäre des Menschen selbst. Wenn wir also den Menschen verstehen möchten, wenn wir Christus finden möchten und wenn wir einen schönen Körper bilden möchten, müssen wir in dieser erhabenen Atmosphäre leben. Wenn ihr eurem Körper dient, werdet ihr der Diener sein und er – der Herr. Und eines Tages werdet ihr von ihm enttäuscht sein, so wie ein Mädchen von einem jungen Mann enttäuscht wird. Sie hat den jungen Mann mit ihrem Herzen gesucht, und nicht mit ihrem Wesen. Man sagt von einem Mädchen, es habe sein Herz verloren, aber es werde es finden. Denn das Herz kann gestohlen werden, so wie euer Geld oder eure Kuh gestohlen werden kann. Auch euer Verstand und eure Gedanken können gestohlen werden, denn der Verstand ist nichts Wesentliches. Das zeigt, dass ihr nicht über euren Verstand herrschen könnt. Wenn das Herz wiederum verloren geht, dann wird der Mensch hart und man sagt, er sei erbittert geworden. Der Körper, das Herz und der Verstand sind erforscht, sucht nicht nach diesen Dingen. Wer Christus gewinnen will, muss durch diese drei Welten gehen und in die Welt der Seele eintreten. Ich würde sie euch so beschreiben: Es ist eine große Welt, von edlen Wesen bewohnt! Vielleicht können die Menschen eines Tages darüber sprechen, wenn sie den Sinn, diese Welt zu sehen, erworben haben. Wir können auch jetzt darüber sprechen, wenn wir über Gerechtigkeit, Frieden und Liebe reden. Diese Welt hat zwei Abteilungen: Die erste ist das volle Bewusstsein und die zweite – die innere Vereinigung mit Gott. Die Christen nennen sie "das Paradies Eden". Also, um Christus zu finden, müsst ihr in eure Seele eintreten, euch erheben und in euch muss die erste Eigenschaft geboren werden – die Uneigennützigkeit. Unter dem Wort "Uneigennützigkeit" verstehe ich nicht die negative Eigenschaft, wunschlos zu sein, sondern zu verstehen, welche Dinge wesentlich sind, was du gewinnen musst und was nicht. Gewinnsucht ist z.B., wenn du Dinge gewinnen willst, die du hasst. Wenn du hochmütig bist, möchtest du, dass alle Gutes über dich sprechen, dass dich alle lieben. Wenn ihr richtig denken lernt, d.h. wenn ihr in diesem göttlichen, erhabenen Sinne vor der Tür steht, an die ihr klopfen könnt, öffnet Christus sie. Wie gewinnt man Christus? Der Körper will Nahrung empfangen und er empfängt seine Gäste, indem er sie in den Mund steckt, wo alle empfangen werden. Der Mund hat seinen jour fixe und deshalb arbeiten dort zweiunddreißig Diener, die jedem Gast, der eintritt, die Kleider ausziehen. Am Eingang steht ein Hauptinspektor, der jeden Gast kontrolliert, den Dienern befiehlt ihn mit Speichel anzufeuchten, gut zu zerkauen und dann ins Empfangszimmer zu schicken. Wenn ihr Gast seid und zerkaut werdet, begebt ihr euch durch den Korridor in ein anderes Zimmer, wo sich alle anderen niedergelassen haben, und nach vier Stunden bleibt keine Spur von eurem Inhalt, alles wird umgewandelt. Danach werdet ihr durch die Hintertür in die Welt geschickt, aber in einer anderen Form, nicht in dieser, in der ihr gekommen seid. Und wenn ihr zum zweiten Mal in der Welt erscheint, werdet ihr ein Exkrement sein. Das ist das Streben des Körpers – er empfängt von vorne, schickt nach hinten, d.h. er empfängt alles, gibt aber nichts. Beklagt den Körper nicht, so sind seine Auffassungen. Auch ihr wollt Christus auf dieselbe Weise empfangen. Nein, auf diese Weise werdet ihr nichts erreichen. Was das Herz angeht, ist es auch dort dasselbe. Ihr zieht jemanden an und sagt: "Ich liebe dich sehr!", aber wenn ihr ihn zu hassen beginnt, schickt ihr ihn durch die Hintertür. Und dann beklagt sich der Mann (oder die Frau), das Herz verloren zu haben. Dein Mann hat nie ein Herz gehabt, deine Frau hat nie ein Herz gehabt, beide haben keine Herzen gehabt, sie gehören ihnen nicht. Genauso ist es auch mit dem Verstand: Wenn er euch empfängt, lobt er euch, aber eines Tages schickt auch er euch durch die Hintertür. Deshalb sagen wir, dass es in unseren Beziehungen ein unbeständiges Ziel gibt. Das sind Entwicklungsstufen. Der Körper, das Herz und der Verstand sind Kräfte, die der menschlichen Seele gegeben sind und derer sie sich auf göttliche Weise bemächtigen muss. Der Körper darf nie dein Herr werden, sondern er soll dein Diener sein. Deinem Herzen darfst du auch nie erlauben dein Herr zu werden. Dasselbe trifft auf den Verstand zu. Jemand sagt: "Ich liebe mit dem Herzen." Wer mit dem Herzen liebt, der liebt dich heute und morgen hasst er dich. Deshalb sagen die Menschen, ohne Hass geht es nicht. Die Welt des Herzens ist zwiespältig. Ich irre mich in diesen Dingen nicht. Ihr alle, die ihr ein erhabenes und gutes Zuhause auf diese Weise haben und in Frieden und Eintracht leben wollt, habt das Leben nicht verstanden. Wenn du ein körperliches, ein gedankliches oder ein Herzleben lebst, kannst du nicht im Reich Gottes sein. Die heutige Chemie teilt die Körper nach ihrem Zustand in feste, flüssige und gasförmige. Der Körper wird der festen Materie zugeordnet, das Herz – der flüssigen und der Verstand – der gasförmigen. Ihr könnt euch also dieser drei Zustände der Materie bedienen – es sind drei Kräfte, drei Verhältnisse. Nun sagt Paulus: "Ich erachte alles für Dreck, damit ich Christus gewinne." Im Erkennen von Christus wirken andere Gesetze. Um die Gesetze des Körpers zu begreifen, müsst ihr die Anatomie und die Physiologie erlernen. Die heutigen Menschen dürfen nicht unwissend sein, sondern sie müssen die Veränderungen untersuchen, die in ihnen vor sich gehen. Sie müssen wissen, wie viel Mal in der Minute ihr Herz am Morgen, am Mittag und am Abend schlägt, d.h. in welcher Stimmung ihr Herz am Tag und in der Nacht ist. Weiterhin müssen sie den Zustand ihres Verstandes kennen – wann denken sie klarer und wann trüber. Ihr müsst eine klarere Vorstellung drinnen in euch selbst haben, diese drei einzelnen Bereiche eures Lebens unterscheiden. Und wenn ihr beginnt die Wünsche des Körpers zu unterscheiden (denn er möchte manchmal spazieren gehen und manchmal möchte er sich ausruhen), dann könnt ihr euer Pferd besteigen, d.h. euren Körper, aber ihr müsst wissen, dass das nicht euer Spaziergang ist, sondern ein Spazierenführen eures Körpers. Und wenn ihr euch ausruht, sagt, dass sich euer Pferd ausruht. Hasst ihr jemanden, sagt, dass ihr euer Herz trainiert. Liebt ihr jemanden, trainiert ihr wieder euer Herz. Denn es liebt den Hass und die Liebe. Ihr sollt wissen, dass Hass und Neid eine Beschäftigung für euer Herz sein können. Du möchtest zum Beispiel viele Häuser oder etwas anderes gewinnen. Dann musst du dein Herz spazieren führen, ihm viele Häuser zeigen, ihm sagen, dass es sie haben kann. Sag ihm, dass es alles haben kann, was es möchte. Am nächsten Tag wiederum besteigst du deinen Verstand und führst ihn spazieren. Der Verstand wird das Geheimnis Gottes erkennen wollen, wird sich erheben. Aber du sag ihm: Du weißt alles, du hast Ruhm, du hast alle Bücher der Welt geschrieben. Er wird sich freuen und du wirst wissen, dass dein Körper, Herz und Verstand arbeiten. Danach führst du deine Seele spazieren. Du begegnest z.B. einem Unglücklichen und hilfst ihm, so gut du kannst, schenkst ihm mehr Glauben und Hoffnung. Das erste, was in der Seele erscheint, ist das Bestreben zu geben. Dann sagst du deinem Körper: Warte ein bisschen auf mich, damit ich diesem Menschen etwas gebe. Du teilst Liebe, Glauben, Hoffnung aus und wenn du nach Hause kommst, findest du Christus. Ihr werdet sagen: "Wie einfach! Das ist keine schwierige Sache!" Ja, es ist eine sehr leichte Sache – du führst den Körper, das Herz, den Verstand und die Seele spazieren und kehrst dann zurück. Mit dem Ausdruck "ich erachte alles für Dreck" meint Paulus, das Wissen, das wir über den Körper, das Herz und den Verstand haben können, ist nicht mit dem zu vergleichen, was uns Christus in Übereinstimmung mit unserer Seele geben kann, wenn wir geben lernen. Achtet darauf, wie sich jede Blüte der Sonne zuwendet, wenn die Pflanzen zu blühen beginnen. Setzt eine Pflanze, z.B. einen Apfelbaum, in den Keller und beobachtet, was mit ihm geschieht. Die Pflanzen leben im Freien, wo es Sonnenlicht gibt. Um Christus zu finden, müsst ihr also euer Herz, euren Verstand und eure Seele erleuchten. Eure Seele sollte keinen Grund haben in Verlegenheit zu geraten. Ihr bekommt z.B. Appetit auf ein Huhn oder sagt euch: "Wie schlecht man über mich redet!", oder: "Ich möchte klug und gelehrt sein!" und anschließend wollt ihr Christus finden. Ihr findet ihn nicht, weil ihr in einem Keller seid. Oder ihr betretet eine Kirche und wollt Christus dort finden. Auch da werdet ihr ihn nicht finden. Jemand sagt: "Ich gehöre dieser oder jener Kirche an." Wenn die heutige Kirche annimmt, es existierten viele Kirchen, predigt sie die Vielweiberei. Wie viele Kirchen gibt es in der Welt? Ich sage, es gibt nur eine Kirche, d.h. eine Frau. Über diese Kirche sagt Christus, dass sie vernünftig und weise ist. Am Anfang hat Gott einen Mann und eine Frau geschaffen. Das sind die vernünftigsten Überlegungen. Und wenn mich jemand fragt, wer ich bin, bedeutet das, dass er mich fragt, ob ich in meinem Körper, in meinem Herzen oder in meinem Verstand lebe. Die Kirche, die ich kenne, ist und bleibt in allen Jahrhunderten nur die eine. Jeder, der Christus finden will, muss die richtigen Auffassungen, die richtigen Begriffe von diesen Dingen haben. Manche können euch Tausende von Jahren predigen, doch sie sagen euch nicht die Wahrheit. Ein Priester, der euch sagt, diese oder jene Kirche sei die beste, redet euch nicht die Wahrheit. Wenn er unter seiner Kirche die göttliche Kirche versteht, die wie aus einer Quelle spendet, die ihren Segen in die Welt gießt, dann bin ich damit einverstanden. Wenn aber die Kirche Menschen versammelt um sie auszunutzen, ist sie nicht göttlich. Christus kam unter die Juden, die ein auserwähltes Volk waren, aber ihre Kirche war eine Kirche des Raubs. Und wenn die Juden heute in der Welt verstreut sind, ist das so, weil sie gierig waren und der Herr hat sie verflucht und bestraft. Der Herr hat sie nicht im wortwörtlichen Sinne verflucht, sondern sie selbst haben es so weit gebracht. Manche hassen die Juden, aber man darf sie nicht hassen, sondern sie sich als ein gutes Beispiel nehmen. Ich glaube, wenn die Juden eines Tages Christus annehmen, wie es sein sollte, und in den Bereich der Seele kommen, dann werden sie sagen: "In Jesus Christus gibt es weder Hellenen noch Juden." Christus vereinigt die Dinge in sich. Diese Dinge sind nicht widersprüchlich, aber ihr könnt nicht die Interessen des Körpers von jenen des Verstandes trennen und deswegen ist die Harmonie der Dinge in euch gestört. Du bist z.B. als Frau geboren und bist unzufrieden. Was ist die Frau? Die Frau wohnt im Herzen, d.h. das Herz ist ein Haus, in das der menschliche Geist eingetreten ist, um dort zu wohnen. Du bewohnst dieses Haus zur Miete und sollst wissen, dass du in diesem Herzen ein Mieter bist und dass du nun einen Freund haben wirst. Der Mann wohnt in einem höheren Stock, d.h. die Frau wohnt im zweiten und der Mann – im dritten Stock. Beide aber sind Mieter. Jemand sagt, dass die Entscheidung, ob du Mann oder Frau bist, nach dem von Gott geschaffenen Gesetz gefällt wurde. Die Frau muss im zweiten Stock wohnen und der Mann – im dritten. Wenn der Mann aus dem dritten Stock stürzt, sind seine Abschürfungen schlimmer. Deswegen solltest du, um Christus zu finden, aufhören daran zu denken, ob du Frau oder Mann bist. Du musst ins Freie, in den Bereich der Seele gehen. Und dann, wenn ihr euch an Gott gewandt und eure echten Wünsche zu ihm geschickt habt, blüht ihr auf. Nur dann befruchten Gottes Energie und Gottes Licht eure Blüte und das Göttliche in euch wird empfangen. Nur wenn ihr euer Herz, euren Verstand und Körper verlassen habt, nur dann können diese Blüten befruchtet werden und ihr werdet die angenehmen Früchte des Lebens haben. Bemüht euch, während dieses einen Jahres euch selbst zu finden. Paulus sagt: "Wenn ihr auch alle eure Habe und euren Leib hergäbet, fändet ihr Christus nicht; ihr seid auf demWeg, doch nicht in dem Weg." Wenn ihr in den Zustand eurer Seele gelangt, wenn ihr in den fünften Bereich der Liebe kommt, d.h. wenn ihr Christus lieb gewinnt und er alles für euch ist, dann habt ihr ihn gefunden. Wenn ihr aufhört an euch selbst, an euren Körper, euer Herz, euren Verstand und eure Seele zu denken, wenn ihr aufhört zu denken, wie ihr euch retten könnt, dann findet ihr Christus. Wenn ihr über diesen/vier Bereichen steht, begreift ihr den großen Sinn der Liebe, und ihr begreift ihn mit einem Erlebnis. Nur wenn man euch in dieser Liebe festnagelt, wie man Christus festgenagelt hat, nur dann sagt ihr: "Vergib ihnen, denn sie wissen nichts." Auch jetzt kenne ich viele Männer und Frauen, die sich sagen: "Ich werde Christus finden." Die Frau fleht, ihr Mann hört auf sie und sagt sich: "Ich nehme vier Nägel und nagle sie fest." Sie fängt aber an zu schreien, zu zürnen und er sagt zu ihr: "Du lügst wie eine alte Zigeunerin! Weißt du denn nicht, dass ich im dritten Stock wohne und du unter mir bist?!" Ein anderes Mal fleht der Mann und die Frau hört auf ihn, nimmt vier Nägel und will ihn festnageln. Er zürnt, schreit und dann sagt sie zu ihm: "Du lügst wie ein alter Zigeuner!" So finden beide Christus jeden Tag. Seit 8000 Jahren gibt es festgenagelte Menschen und ich sehe, dass sie schwören. Nun kommt die Frage, warum das Christentum nicht fortgeschritten ist. Ein Mensch, der sich entwickeln will, muss diesen tiefen inneren Sinn verstehen und sich von seinem Körper befreien. Du kannst auch ohne einen solchen Körper leben. Er ist Gesamtheit von vielen Zellen, die auch ohne dich leben können. Sie sind deine Diener und wenn du deine Entwicklung eines Tages vollendet hast, verlassen sie dich. So ist es auch mit deinem Herzen und deinem Verstand. Eines Tages sagen auch sie zu dir: "Verlasse deinen Körper, weil ein anderer Herr kommen wird." Ich bediene mich einer Analogie, die das Verhältnis zwischen dem Körper, dem Herzen und dem Verstand einigermaßen klar macht. Ihr habt einen Pferdewagen, der den menschlichen Körper darstellt, ein Pferd, das das menschliche Herz darstellt, und der Mensch selbst sitzt drinnen im Pferdewagen. Zerbricht euer Wagen, steigt ihr auf das Pferd. Gelangt ihr an steile Abhänge, verlasst ihr auch das Pferd und geht zu Fuß weiter. Ihr müsst also diese drei Hüllen verlassen und hinausgehen. Und wenn Christus sagt: "Wenn jemand sich nicht selbst verleugnet", bedeutet das, dass du die Herrschaft des Körpers, des Herzens und des Verstandes verleugnen und deine Seele zur Gefährtin nehmen musst. Weil sie eine gute Frau ist, hat sie gemeinsame Interessen mit denen des Geistes und gibt alles von sich. Deswegen sagt Christus: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnen würde und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Wenn du ein Mensch ohne Seele bist, verlassen dich alle diese drei Dinge eines Tages und du verlierst alles. Also, Paulus sagt: "Ich erachte alles für Dreck, damit ich Christus gewinne." Nun möchte ich, dass dieser Gedanke in eurem Verstand klar ist. Ich möchte nicht mit leeren Worten sprechen, denn der Gedanke, den ich ausspreche, ist in meinem Verstand genau definiert. Ich will nicht, dass ihr mich belügt. Ich weiß zum Beispiel, was die Tatsache bedeutet, dass manche von euch ein Mal hierher kommen, manche – zwei Mal, andere – drei Mal usw. Das stellt für mich eine Wissenschaft dar. Zum Beispiel kann ich voraussagen, wann jemand wiederkommt. Es gibt ein Märchen über einen Wolf, der einen Esel fraß, und nachdem neun Monate vergangen waren, sagte er sich: "Ich gehe wieder an diesen Ort um zu sehen, ob es dort nicht noch einen Esel gibt." Wenn es Sommerzeit ist, könnte der Esel an demselben Ort sein, wenn es aber Winter ist, wird er untergebracht sein. Deshalb kommt der Wolf ein drittes Mal zur Sommerzeit und findet einen Esel... Das ist ein Märchen, das einen sehr tiefen Sinn hat. Jemand sagt: "Ein großes Unglück ist mir passiert." Ich antworte ihm: "In einiger Zeit kommt ein großes Glück zu dir." Zu jemandem kommt ein großes Glück, er ist zufrieden und ich sage: "In einiger Zeit kommt ein Unglück zu dir." Warum ist das so? Diese Dinge müssen untersucht werden. Wer Christus finden will, muss diese tiefen Dinge verstehen. Für mich haben diese Auffassungen einen doppelten Sinn. Die Musik z.B. hat eine rein technische und eine rein psychische Seite. Wenn du Musik lernen, Technik erwerben willst, musst du zu einem Lehrer gehen. Wenn du schöne, von einem großen Musikanten gespielte Musik hören willst, musst du zehn Lewa für eine Eintrittskarte bezahlen. Im zweiten Fall nutzt ihr die fremde Arbeit aus. Nun, wenn ihr nur auf mich hören wollt, sage ich euch: Meine Eintrittskarten kosten zehn Lewa (die Armen dürfen auch kostenlos), aber wenn ihr lernen wollt, müsst ihr sehr viel bezahlen. Wollt ihr z.B. Geige lernen, müsst ihr bezahlen und außerdem jeden Tag einige Stunden zum Üben verwenden. Die Geige hat vier Saiten und ihr müsst nacheinander darauf spielen – zuerst auf der ersten, dann auf der zweiten, der dritten und der vierten. Mit all diesem Gequietsche werdet ihr eurer Mutter zur Qual, aber wenn ihr auch auf der vierten Saite spielen gelernt habt, sagt ihr: "Ich bin schon mit dem Üben fertig." Um Christus zu finden, müsst ihr sehr gut Geige spielen. Nur dann wird Christus euer Lehrer. Das heutige Bildungssystem ist sehr gut organisiert. Zuerst besucht man die Unterstufe, danach – die Oberstufe, anschließend – die Hochschule und erst dann kann man zu einem großen Lehrer gehen. Jemand sagt: "Ich gehe zu Christus." Christus hat keine Zeit euch zu unterrichten, er kann euch nur ein Konzert geben. Wenn ihr aber die Lebenskunst erlernen wollt, müsst ihr wie ein Geiger leben. Der große Geiger Paganini hat zwölf Stunden pro Tag geübt und das, was er gespielt hat, kann heute niemand wiederholen. Nun sagt ihr: "Ich habe Christus gewonnen." Wenn ihr Christus gewinnt, dann versteht ihr den Sinn des Lebens und es wird nichts Unmögliches auf dieser Welt geben. Dann werdet ihr dem indischen Prinzen ähnlich sein, der einen indischen Heiligen besuchte. Dieser Heilige besaß eine sehr schöne Kuh, die dem Prinzen sehr gefiel, und er bot dem Heiligen viel Geld. Der Heilige gab sie ihm aber nicht. Der Prinz drohte ihm, dass er sie von ihm erzwingen würde, aber der Heilige antwortete: "Versuch es doch!" Der Prinz schickte eine ganze Armee bewaffneter Männer, aber der Heilige warf alle mit einem Blick zu Boden. Nach diesem Ereignis beschloss der Prinz das Leben des Heiligen zu begreifen. Nachdem er es tausend Jahre erlernt hatte, erwarb er gewisse Kräfte und Kenntnisse und ging von Neuem mit bewaffneten Männern die Kuh zu holen. Es wiederholte sich aber dasselbe. Danach erlernte der Prinz das Leben des Heiligen weitere tausend Jahre, erwarb neue Kräfte und Kenntnisse und ging wieder die Kuh zu holen, aber auch diesmal gelang es ihm nicht. Ein weiteres Mal beschloss der Prinz das Leben des Heiligen zu erforschen. Er erwarb wiederum neue Kenntnisse und wurde so stark und gut, dass ihn sogar alle Götter anbeteten. Und endlich, nach allen diesen 3000 Jahren des Lernens ging der Prinz zum Heiligen und sagte zu ihm: "Ich brauche diese Kuh nicht mehr." Das bedeutet, nachdem er seinen Körper, sein Herz und seinen Verstand verlassen hatte, brauchte er die Kuh nicht mehr... Wie viel Male beklagt sich der Körper über das Herz, weil das Herz Fehler macht und der Körper leidet. Ein anderes Mal macht der Verstand Fehler und das Herz leidet – so ist das Gesetz. Die Sünde fängt aber mir dem Verstand an. Alle Krankheiten kommen immer vom Verstand, vom Herzen und vom Körper, deshalb sind die Erkrankungen geistig, emotional und somatisch. Jagt die schlechten Gedanken aus euch hinaus und alle somatischen Krankheiten verschwinden. Nehmt diese neuen Säfte auf und euer Körper wird gesund. Das praktiziert auch die heutige Medizin: Wenn jemandes Blut stark verunreinigt ist, öffnet man eine seiner Venen und die Vene eines gesunden Menschen, überträgt Blut von Letzterem in den Körper des Kranken und er wird gesund. Die Säfte der Seele müssen unbedingt durch euren Verstand, euer Herz und euren Körper gehen und dann werdet ihr ihr Herr. Damit ihr Christus gewinnt, muss sich sein Geist mit dem euren vereinigen. Und nachdem ihr euch vereinigt habt, fühlt ihr Einheit, fühlt ihr, dass das ganze Universum eine Harmonie ist und dass alle Dinge, gut oder böse, an ihrem Platz sind. Die guten und die bösen Dinge sind nur in Bezug auf euch so. Gott aber, der geruht hat, einem gegebenen Wesen seinen Geist einzugeben, hat seine Gründe dafür. Er weiß z.B., warum er den Wolf geschickt hat, und nicht ihr seid diejenigen, die ihn verurteilen können. Gott sagt: "Ich habe dich als Mensch geschaffen, sei deshalb nicht wie der Wolf, wie der Bär, wie die Schlange, sondern handle wie ein vernünftiges Wesen." Wenn ihr also hasst, seid ihr mit eurem Herzen; wenn ihr euch es gut schmecken lasst, seid ihr mit eurem Körper; wenn ihr stolz seid, seid ihr mit eurem Verstand. Ihr seid aber noch nicht mit Christus. Der Mensch muss verstehen, was das Wesentliche in ihm ist. Er muss verstehen, dass seine Nahrung eine andere ist. Die Wahrheit, die Liebe, die Weisheit, die Gerechtigkeit und das Gute – das ist die Nahrung, mit der ihr Christus gewinnt. Wenn ihr diese Früchte erwerbt, dann kommt Christus, denn es wird etwas geben, was ihr ihm anbietet. Wenn auch ihr beginnt diese Nahrung zu essen, werdet ihr alle schön sein und nicht so, wie ich euch jetzt sehe. Ihr werdet schön und schlank sein und euer Körper wird sagen: "Gott sei Dank, dass mein Herr klüger geworden ist – vorher wollte er auch mich beherrschen." Die Vorbestimmung des Menschen ist, dass er seinen Verstand, sein Herz und seinen Körper von allem Bösen und von allen Krankheiten befreit. Nun könnt ihr über mich sagen, ich spräche wie ein Redner, der Eindruck schinden will. Ich könnte euch dasselbe auch leiser sagen, aber wenn ich meine Stimme erhebe, möchte ich diesen Nagel tiefer in euch einschlagen, damit etwas daran hängen bleibt. Wenn du hungrig bist, sage dir: "Das bin nicht ich." Wenn du Angst hast, sage dir: "Das bin nicht ich." Wenn du überheblich wirst, sage dir wieder: "Das bin nicht ich." In einem solchen Fall stellt ihr euch die Frage: "Was bin ich dann?" Dann kommt deine Seele – zeig deine Barmherzigkeit, gib jemandem Geld. Das bedeutet natürlich noch nicht, dass du ihn liebst. Wenn du jemandem Geld gibst, kann er es nur richtig benutzen, wenn er klug ist. Das Geld begeht heute die größten Verbrechen. Wenn ihr die Geschichte erforscht, seht ihr, dass das Geld die Welt verdorben hat wegen der Lust des Herzens mehr zu besitzen. So wurden Gerichte und Galgen geschaffen, aber wenn die zum Tode Verurteilten in jene Welt gelangen, werden sie noch gefährlicher. Deswegen bin ich der Meinung, dass die bösen Menschen ins Gefängnis gehören um umerzogen und gewandelt zu werden. So muss es in Zukunft gemacht werden, denn die Menschen, die sterben, sind gefährlicher für die Menschheit. Wenn man Gift in zehn Kilogramm Wasser schüttet, verseucht es mehr Leute, als wenn ihr es in ein paar Gramm gebt. Also, um Christus zu erkennen, müsst ihr jenes wesentliche Wissen erwerben, das für unser individuelles Leben nötig ist. Wenn du beunruhigt bist, wenn du hungrig wirst, sage: "Ich habe ihn noch nicht gefunden." Wenn du den Ruhm liebst, sage dasselbe. Jemand sagt, dass er zur Kirche geht – er isst gern. Ich mache ihm keine Vorwürfe, weil ich auch esse, doch das Essen soll nicht Zweck des Lebens sein. Man fragt mich manchmal, was ich essen will. Ich antworte: "Gebt meinem Pferd was auch immer es sein mag, gebt ihm etwas Bohnen, Salz..." Manchmal, wenn man mich zu Gast bittet und vieles auftischt, sage ich mir: "Na ja, was für eine große Ehre man meinem Pferd erweist!" All das bedeutet, dass ihr Christus nicht gefunden habt. Gebt dem Armen, dem Leidenden zu essen. Nahrung ist sowohl für den Körper als auch für den Verstand und das Herz nötig, aber auch der Seele muss zu essen gegeben werden. Unter dem Wort "Nahrung" verstehe ich, dass du einem Menschen zu essen gibst, der mutlos ist und beschlossen hat Selbstmord zu begehen. Und jetzt denkt ihr nur, wie ihr euch retten könnt, und sagt: "Gehen wir zu Herrn Danov, damit er uns was sagt. Er weiß vieles, er ist sehr gelehrt." Warum predige ich? Fließt die Quelle nicht, dann zerspringt sie, denn das Wasser in ihr muss sich einen Weg bahnen. Deswegen predige ich auch – damit es ein Segen für euch ist. Jemand sagt: "Ich will geliebt werden!" Wird aber ein trockener Brunnen geliebt, wird er geküsst? Lasst reines Wasser durch euren Rohrbrunnen fließen und ihr seht, wie euch alle küssen werden. Damit euch die Menschen küssen, müsst ihr ihnen etwas geben. Jemand verhält vor einem Brunnen und sagt: "Wie schön ist dieser Stein!" Nicht der Stein ist das Wesentliche, sondern das Wasser – die Lehre, die kommt. Wenn ich euch eines Tages aus der unsichtbaren Welt glücklich sehe, werde ich froh sein und sagen: "Ich freue mich, dass sie den Herrn gefunden haben!" Ihr müsst euch freuen, spielen, denn wenn das Herz spielt, betet ihr; wenn der Verstand denkt, betet ihr. Freut euch über den Körper, wenn er isst; freut euch über das Herz, wenn es fühlt; freut euch über den Verstand, wenn er denkt. Es sind Geräte, die euch den Weg zeigen. Wenn ihr durch die materielle Welt geht, braucht ihr den Körper, in der astralen Welt ist das Herz nötig, in der geistigen Welt – der Verstand und in der seelischen Welt ist die Seele nötig. Deswegen sagt Paulus: "Damit ich Christus gewinne." Christus ist ein großer Lehrer und in welcher Form auch immer ihr ihn empfangt – in der Form einer Frau oder eines Mannes, in der Form eines Kindes oder eines Dieners – kann er euch stets den Weg der Wahrheit zeigen. Möge in eurem Verstand der Gedanke bleiben, dass es nur einen Gott gibt. Die Lehre kann durch viele Rohrbrunnen gehen, doch die Quelle ist nur eine. Wenn Christus in euch kommt, lehrt er euch die Dinge richtig verstehen, ihr lernt, welche eurer Handlungen gut sind und welche schlecht. Ihr dürft nicht sagen: "Jetzt bin ich ein bisschen besser, ein bisschen intelligenter." Nicht ein bisschen, sondern bis zu Ende und vollkommen müsst ihr euer Bild malen. Wenn ein Lehrer seinem Schüler die Aufgabe erteilt ein Bild zu malen, muss er es gut malen. Der Körper ist ein Lehrer, das Herz ist ein Lehrer, der Verstand ist auch ein Lehrer. Und wenn ihr in eure Seele eintretet, dann findet ihr Christus, dann ersteht euer Körper, euer Herz, euer Verstand auf, dann seid ihr keine Diener, sondern Herren. Alle werden ein unzertrennliches Ganzes und ihr werdet stark in der Welt sein. Dann werden eure Kinder nicht wie die jetzigen sein. Jetzt habt ihr viele Mieter und das sind eure Kinder. Was ist der Körper? Er ist ein Haus und die Menschen treten ein. Jemand sagt: "Mein Kind kennt mich nicht." Weist auf den Grundzug eures Kindes. Damit ihr eure Kinder erkennt, mit denen ihr vielmals auf die Erde gekommen seid, sollte es Gemeinsamkeit unter euch geben – die Mutter sollte sich für ihr Kind opfern und umgekehrt. Wenn ein Sohn oder eine Tochter nicht bereit sind, sich für ihre Eltern zu opfern, sind sie nicht ihre Kinder. Ich möchte, dass sich alle Söhne für ihre Väter opfern, die Töchter – für ihre Mütter, die Diener – für ihre Herren, die Schüler – für ihre Lehrer. Wenn Christus auf die Erde kommt, dann setzt die echte Ordnung ein, dann gibt es eine ganz andere Gesellschaftsordnung. Das ist die Lehre, die die Welt reformieren kann – Christus zu finden. Ich habe euch in meinem vorigen Vortrag gesagt, Christus kommt von oben wie ein Licht über euch und ihr alle, die ihr bereit seid Frucht anzusetzen, werdet erblühen. Und diejenigen von euch, die nicht bereit sind zu blühen, bleiben für eine andere Epoche. Diejenigen von euch, die nicht bereit sind sich zu opfern, sollten sich nicht beunruhigen, denn die Welt ist nie so gut gewesen wie jetzt. Ihr sagt, es gibt aber einen so großen Krieg. Das hat keine Bedeutung! Fürchtet nicht – der Krieg ist eine Reinigung der Welt und der Menschen. Ich vergleiche ihn mit einer Frau, die morgens früh aufsteht, zu kehren beginnt, Staub wirbelt ringsherum auf. Sie denkt, sie habe das Haus gereinigt, aber in vier-fünf Stunden gibt es wieder Staub. Ich sehe, alle, die im Krieg getötet wurden, sind von ihren Pferden gefallen, doch sie sind besser dran – sie denken nicht an Zucker, an Reis... Jemand könnte fragen, wie es ihnen dort oben geht. Ihnen geht es besser als euch und sie werden wieder lebendig. Ihr werdet zusammen mit ihnen leben und mit diesem Christus, der kommt und der vielmals auf die Erde gekommen ist. Jemand wird sagen, Christus sei einmal auf der Erde gewesen. Ja, aber er kommt wieder. Er kommt um zu sehen, wie seine Lehre angewendet wird, um zu sehen, wie die Richter urteilen, wie Männer und Frauen miteinander leben, wie die Militärangehörigen leben... Jeder muss auf seinem Platz sein, denn diese Dinge sind so von Gott geordnet. Und wenn sich diese Harmonie in uns niederlässt, werden wir wissen, dass wir Gott dienen. Beneidet die Könige nicht, bedauert die Armen nicht – ihr erweist ihnen damit einen Bärendienst. Gewinnt sie lieb und sagt ihnen: "Bruder, du lernst deine Lektion sehr gut, ich freue mich darüber!" So spreche ich zu den Unglücklichen. Und ihr sagt: "Der Arme! Wie zittert er nur!" Wenn er zittert, gebt ihm einen Mantel, wärmt ihn. Gewinnt den Bettler lieb und denkt nicht an seine früheren Sünden. Manche sind Sünder, denn sie hatten die Gelegenheit zu sündigen. Wer aber seine Prüfung nicht bestanden hat und keine Möglichkeit zu sündigen hatte, der soll schweigen, denn das beweist noch nicht, dass er ein Gerechter ist. Seid munter, wenn ihr denkt, und behaltet im Gedächtnis, dass ihr nicht das Essen seid, dass ihr nicht das Herz seid, dass ihr nicht der Verstand seid. Nur wenn ihr euch in eure Seele erhebt, dann werdet ihr eine mächtige Kraft sein. Ich möchte, dass alle Bulgaren die Dinge so verstehen. Und wenn wir so leben, werden wir groß sein, weil Gott unser Lehrer ist und wir seine Kinder sind. Ein Vortrag vom Meister Beinsa Douno, gehalten am 5.November 1916 in Sofia
  3. Nachwort Indem wir dieses Buch, mit ausgewählten Gedanken aus den Vorträgen des Meisters Beinsa Douno überreichen, sind wir als seine Schüler davon überzeugt, dass wir eine liebevolle, heilige Pflicht gegenüber denen, von unseren Brüdern auf der ganzen Welt, erfüllen, für die es bestimmt ist. Aus der überfließenden Quelle der Worte des Meisters senden wir lebendige Wasserstrahlen in dem Glauben, dass sie die Seelen der anderen befeuchten und erfrischen werden, wie sie unsere Seelen befeuchtet und erfrischt haben; dass sie mit ihrer lebenspendenden Feuchtigkeit die Samen Gottes bewässern und sie zum Wachsen bringen, so wie sie die Samen Gottes auch in unseren Seelen bewässert und zum Wachsen gebracht haben. Wir möchten, dass dieses Buch als ein Ausdruck unseres guten Willens - gute Schüler des Meisters, gute Brüder der Menschen und treue Diener Gottes zu sein -, aufgenommen wird. Wir möchten, dass es als ein brüderliches Geschenk - als erlesene Früchte, die im Garten des Meisters, im Garten seiner Worte gereift sind -, aufgenommen wird. Indem wir diese Früchte überreichen, glauben wir, dass sie die Seelen aller ernähren und versüßen werden, so wie sie auch unsere Seelen ernährt und versüßt haben. Wir glauben auch, dass, nachdem die Leser die guten Früchte gekostet haben, sie ihre Samen im Garten ihres Lebens und in den Gärten ihrer Brüder pflanzen werden.
  4. Christus Heutzutage betrachten die Menschen Christus unter einem historischen, kosmischen, mystischen Gesichtspunkt etc. Aber Christus selbst ist eins und untrennbar. Es gibt nur einen Christus, der lebendige Christus, der eine Offenbarung Gottes, eine Offenbarung der Liebe ist. Christus ist Gott, der sich der Welt offenbart. Als die Offenbarung Gottes kann man ihn nicht von Gott trennen und ihn nicht außerhalb von Gott betrachten. Und wenn ich von Christus spreche, halte ich ihn nicht für ein abstraktes Prinzip, sondern für eine reale Verkörperung der Liebe. Die Liebe ist die höchste Realität und nicht etwas Abstraktes. Sie hat eine Form, einen Inhalt und einen Sinn. Christus gab den vollkommenen Ausdruck der Liebe auf der Erde, unabhängig davon, wie ihn die Menschen auffassten -- als historisch, kosmisch oder mystisch. Denn Christus ist und bleibt als historische Persönlichkeit, als kosmisches Wesen und als mystisches Erlebnis die vollkommenste Offenbarung der Liebe. Und tatsächlich war auf der Erde vor Christus kein Mensch, der mehr Liebe besaß, als er. Sowohl draußen im Kosmos als auch drinnen in den mystischen Tiefen der Seele gibt es keine vollständigere Offenbarung der Liebe als diese, die Christus personifiziert. Und dann, wie soll man die Begriffe historischer, kosmischer und mystischer Christus verstehen? Als ein ideeller, zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt in Erscheinung tretender Mensch und als ein Vorbild des wahren Menschen ist er historisch. Dann schreibt die Zeit Chroniken und legt ihr Zeugnis über ihn ab: {\glqq Seht, da ist der Mensch! Da ist der wahre Mensch, in dem die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit wohnen, und der sie anwendet.\grqq} Innerlich erkannt wird er mystisch. Im Begreifen und in der Erkenntnis Gottes als Gott der Offenbarung wird er kosmisch. Dann ist der physische Aspekt Christi die ganze Menschheit, die in einem Körper vereint ist. Alle menschlichen Seelen, in denen Christus lebt, in einem vereint, stellen den physischen Aspekt Christi dar. Alle Engel, die im Herzen Christi vereint sind, stellen seinen geistigen Aspekt dar. Und alle Götter, im Verstand Christi vereint, stellen seinen göttlichen Aspekt. Das ist der kosmische Christus, der auf der Welt offenbarte Gott. Deshalb sieht der Mystiker überall Christus -- den großen Bruder der Menschheit, das Urbild des Menschen, den Erstgeborenen auf der Welt -- der Anbeginn des menschlichen Geschlechts, der Anbeginn der menschlichen Evolution; den Erstgeborenen, der alle göttlichen Tugenden entwickelte und offenbarte, der alle göttlichen Gesetze anwendete; den Erstgeborenen, der erfolgreich alle Prüfungen bestand und alles für seine Brüder opferte. Berge, Felder, Quellen, Flüsse, Meere, mit allen Naturschätzen, die in ihnen verborgen sind, das alles ist eine Offenbarung dieses großen Bruders. Aber das ist ein tiefes Geheimnis, für dessen Verständnis Tausende von Jahren harter Arbeit erforderlich sind. So muss man Christus in seiner Weite erfassen. Er ist der Eine, obwohl ihn die Menschen sowohl als historischen als auch als kosmischen oder als mystischen Christus auffassen. All diese Worte müssen beim wahren Erkennen Christi als eine offenbarte Liebe zu Gott aufleben und keine trockenen Begriffe, keine Gefängnisse des menschlichen Denkens bleiben. Und wahrlich ist nicht der historische Christus für viele Christen, der vor 2000 Jahren kam, ein Gefängnis für ihre Seelen? Wo sprach Christus vor 2000 Jahren von sich selbst als von einer historischen Persönlichkeit? Er spricht von sich selbst als von einem Geist, der immer auf der Erde bestehen wird, bis zur Vollendung des Zeitalters, d. h. bis zur Vollendung dieses Zeitalters der Gewalt und des Übels, das seine letzten Tage lebt. {\glqq Geht nun hin und lehrt sie\grqq} -- sagt er seinen Jüngern -- und {\glqq ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.\grqq}(Mt 28,19-20) Einer der größten Irrtümer ist es, zu glauben, dass Christus im Himmel sei, dass er sitze und auf das Jüngste Gericht warte, um zu beginnen, über die Lebenden und die Toten zu urteilen. Die Wahrheit ist, dass Christus niemals die Erde verlassen hat. Erinnert euch an seine Worte: {\glqq Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.\grqq}(Mt 28,18) Christus ist es, der sowohl das historische als auch das kosmische, das mystische Leben auf der Erde und die Menschheit bewegte, bewegt und bewegen wird. Ohne Christus gibt es keine Geschichte. Ohne Christus gibt es keinen Kosmos, d. h. eine organisierte und geregelte Welt. Ohne Christus gibt es kein mystisches Leben. Er ist der große Inspirierer aller Offenbarungen während aller Zeiten. Er ist die unsichtbare Triebkraft des ganzen geistigen Lebens der Menschheit. Darüber spricht auch die Heilige Schrift, in der Christus als zentrale Person erscheint. Darauf spielt Christus selbst mit den Worten an: {\glqq[...] was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Moses' und den Propheten und Psalmen\grqq}(Lk 24,44). Mose, im weitesten Sinne, stellt alle geistigen Führer der Menschheit, alle Gelehrten, Philosophen, Schriftsteller, Dichter, Künstler, Musiker dar, die den menschlichen Verstand auf das Verstehen Christi, der göttlichen Wahrheit vorbereiten. Unabhängig davon, wie vergänglich ihre Werke und Theorien scheinen mögen, sind sie nicht willkürlich, sondern werden unter dem Einfluss eines Weltgesetzes des Geistes geschaffen, der an den Menschen auf eine spezielle Art und Weise arbeitet. All diese Menschen arbeiteten für die allgemeine Erhebung der Menschheit, sie bereiteten den Weg für das Kommen Christi vor. Denn es ist nicht leicht, dass ein großer Geist wie Christus unter die Menschen kommt. Sie sollen im Laufe von ein paar Jahrtausenden hart arbeiten, damit Christus unter sie kommt. Es ist nicht leicht, auf die Erde herabzusteigen. Aber mit seinem Kommen auf der Erde eröffnete Christus ein neues Zeitalter in der Entwicklung der Menschheit. Er zeigte den einzigen Weg auf, auf dem die menschliche Seele zu Gott kommt. Deswegen sagt er: {\glqq Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.\grqq}(Joh 14,7) Der Weg im weitesten Sinne des Wortes, das ist die Bewegung des Geistes in der vernünftigen Anwendung der Gesetze der Natur. Das Leben -- das ist das harmonische Organisieren der Elemente und die Entwicklung der Kräfte in der göttlichen Seele. Die Wahrheit -- das ist eine Offenbarung des einen Gottes, der Bedingungen für die Entwicklung aller Lebewesen schafft. Aus der göttlichen Welt der Wahrheit hervorgegangen und in die materielle Welt hineingegangen, verbindet Christus die menschlichen Seelen mit der Welt der Wahrheit, hinter der sich die großen Ziele jedes Daseins verbergen. Es soll einen Faden geben, der die menschlichen Seelen, die in der Materie versunken sind, mit Gott vereint. Nur Christus ist imstande, diesen Faden zu spinnen, der die Menschen mit Gott vereint. Denn er ist aus der göttlichen Welt herabgestiegen, um das Leben aus der Welt der Wahrheit zu bringen. Indem er auf diese Weise den Weg vorgab, der vom zeitlichen zum ewigen Leben führt, stieg er wieder hinauf. {\glqq Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.\grqq}(Joh 17,3) sagt Christus. Gott zu erkennen, d. h. die Keime des Geistes, die Bedingungen, Kräfte und Gesetze zu erkennen, auf die sich diese große Ordnung der Dinge stützt und auf denen sie beruht; und Christus zu erkennen, d. h. das Vernünftige zu erkennen, das, was aus dem einen Gott hervorkommt, allen Menschen Leben bringt, sie anleitet und schützt, indem er sie mit dem ursprünglichen Zentrum von allem, was ist, verbindet, zu erkennen. Christus ist der Weg jener vernünftigen Bewegung der Seelen, die sie zum ewigen Leben in der Wahrheit führt. Deswegen antwortete Christus, als man ihn fragte, warum er auf die Erde kam: {\glqq Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, auf dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe.\grqq}(Joh 18,37) Diese Worte sind aber eine mathematische Formel. Die Frage nach dem Kommen Christi ist eine der tiefsten Fragen im menschlichen Leben. Aber viele glauben, dass es leicht sei, auf diese Frage zu antworten. Sie sagen, dass Christus auf die Erde kam, um zu leiden und die Menschheit zu retten. Aber das Kommen Christi ist keine Frage des Leidens. Das Leiden ist eine sekundäre Erscheinung im Leben Christi; nur durch das Leiden lässt sich dieser wichtige Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit bei Weitem nicht definieren. Die Erlösung, so wie sie die Menschen auffassen, stellt nur ein partielles Verständnis dieses großen Ereignisses dar. Heutzutage erzählen alle Prediger, dass Christus auf die Erde kam, um die Menschen zu retten. Wenn Christus die Menschen auf jene mechanische Weise gerettet hätte, wie die Menschen es verstehen, und wenn sie wirklich gerettet wären, würden sie nicht dem Geist Christi, seiner Lehre, entgegengesetzt leben. Offensichtlich hat die Idee der Rettung eine ganz andere Bedeutung. Sie ist nicht dort, wo die Menschen sie suchen und sie kommt nicht so mechanisch, wie sie denken. Christus brachte die Seelenlehre auf die Erde. Er zeigte den Weg, auf dem die menschlichen Seelen Gott erkennen können und das ewige Leben erlangen. Das Tor zu diesem Weg ist die Liebe. Wer durch dieses Tor hindurchgeht, der geht auf jenem königlichen Weg, auf dem ihn große Heldentaten erwarten. Viele große Seelen sind vor Christus auf die Welt gekommen, aber sie konnten die mühsame Aufgabe, die Menschheit zu erheben, nicht lösen. Christus sollte kommen, um diese wesentliche und wichtige Aufgabe zu lösen und den Menschen einen erprobten Weg zu zeigen, auf dem auch sie diese Aufgabe lösen können. Vor Christus sandte Gott seine Diener, Propheten und Heilige auf seinen Acker, aber sie konnten die Aufgabe nicht auf die Weise lösen, wie sie gelöst werden sollte. Als Christus, der Sohn Gottes, auf die Erde herunterkam, vereinten sich die Arbeiter des ganzen Himmels in seinem Namen, um das Angefangene zu Ende zu führen. Im Evangelium steht es: {\glqq Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.\grqq}(Joh 3,16) der Sohn -- das ist das Wort, das Vernünftige, das Göttliche, was als Einziges die Harmonie auf der Welt und die Verbindung der menschlichen Seelen zu Gott wieder herstellen kann. Christus konnte diese Verbindung wieder herstellen und Einfluss auf die Menschheit als Ganzes ausüben, denn er selbst war mit dem großen, mächtigen Ganzen verbunden. Und wenn im Evangelium davon die Rede ist, dass der Geist auf Christus herniederfuhr, dann ist jene Vereinigung Christi mit dem kollektiven Geist der vernünftigen Welt gemeint, dank der die Verwirklichung einer göttlichen Idee auf der Erde möglich wurde. Denn ein solches ist das Gesetz auf der Erde: Damit das Werk Gottes vollbracht wird, soll sich ein Mensch auf der Erde mit einem Wesen vom Himmel vereinen. In diesem Falle war dieses Wesen der kollektive Geist Gottes. Von diesem Gesichtspunkt aus ist Christus ein kollektiver Geist. Er existiert als das Eine, ist aber zugleich ein kollektiver Geist. Er ist die Summe aller Söhne Gottes, aus deren Seelen und Herzen Leben und Liebe sprudelt. Alle Söhne Gottes in einem vereint, alle vernünftigen Seelen, die in göttlicher Einigung leben, sind Christus. Das Kommen Christi ist das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Es ist ein außergewöhnliches Ereignis sowohl dem Gehalt als auch dem Sinn nach. Mit diesem Ereignis ist die Hauptidee des menschlichen Lebens, die Idee von der Unsterblichkeit, Idee vom ewigen Leben verbunden. Und die Bemühungen des ganzen menschlichen Daseins laufen auf Folgendes hinaus: die Unsterblichkeit zu erlangen und in das ewige Leben einzutreten. {\glqq Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.\grqq}(Joh 17,3) Gott zu erkennen, Christus zu erkennen. Haben die Menschen Christus erkannt, als er vor 2000 Jahren vor ihnen erschien? Kennen sie ihn heute? Wenn die Wahrheit in der Welt erscheint, wird sie nicht königliche Kleider, sondern ein bescheidenes Gewand anziehen. So erschien auch Christus vor 2000 Jahren in einer einfachen Form, in der die Menschen ihn nicht erkennen konnten. Aber solcher Art sind die Gesetze dieser Welt. In dieser einfachen Kleidung -- augenscheinlich ein Mensch wie alle anderen -- wurde er sogar von seinen Jüngern nicht in Gänze erkannt. Nur drei von ihnen sahen in der Verklärung Christi sein Gesicht, d. h. sein Inneres. In diesem inneren Licht sahen und erkannten sie ihn so, wie er unter den Engeln war. Für die Juden war Christus der Sohn von Joseph, dem Tischler. Für die jüdischen Lehrer und die Pharisäer war er ein Gotteslästerer, ein selbst ernannter Messias, der sich selbst Sohn Gottes nannte. Er stammte nicht aus ihrem Kreis, hatte nicht bei ihnen gelernt. Wo hat Christus gelernt? Denn alles, was er leistete, zeugte von seinem umfangreichen Wissen. Es gibt auch heute noch Menschen, die meinen, dass Christus ein einfacher, ungebildeter Mensch war. Das stimmt aber überhaupt nicht. Christus selbst, indem er sich an seine Zuhörer wendet, sagt: {\glqq Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubet nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?\grqq}(Joh 3,16) Wenn Christus von dem Himmlischen spricht, versteht er darunter die großen Mysterien der Sonne. Er verstand aber auch das Irdische, denn er war mit der damaligen Kabbala, mit der Philosophie der Völker aus dem Morgenland und der Griechen sowie mit den damaligen Wissenschaften vertraut. Christus hatte es nicht nötig, an den menschlichen Schulen zu lernen. Auch im Hinblick darauf, dass sein ganzes Leben eine angewandte Lehre für ihn selbst war. Er war eine Quelle neuer Erfahrungen, ein Anwendungsfeld jener großen Prinzipien und Gesetze, dessen Wirkung in der unsichtbaren Welt er kannte. Dank seines wachen Bewusstseins und der Verbindung zur unsichtbaren Welt konnte er immer unmittelbar aus diesem Wissen schöpfen. Und als Christus betete, war für ihn das Gebet ein Gespräch mit der vernünftigen Welt. Durch das Gebet kam er mit der unsichtbaren Welt, mit allen Hierarchien in ihr, mit Gott ins Gespräch. Durch das Gebet vermittelte die unsichtbare Welt Christus jene große Lektion, die er auf der Erde lernen sollte, offenbarte ihm jene Aufgabe, die er unter den Bedingungen des irdischen Lebens lösen sollte. Erst nach der Lösung seiner schweren Aufgabe verstand er durch die eigene Erfahrung, dass der einzige Weg, die Menschheit zu erlösen, die Liebe ist. Dann begriff er den tiefen Sinn all seiner Leiden. Für die Menschen aber, unabhängig davon, was man sagen mag, bleiben die Leiden Christi, seine Kreuzigung und sein schändlicher Tod eines der größten Rätsel. Warum sollte Christus -- die größte Seele, die jemals die Erde besuchte, der größte Charakter, der sich je offenbarte --, warum sollte dieser gute, kluge und starke Mensch so tragisch sterben? Die Heilige Schrift sagt, es habe so sein sollen, sonst nichts. Andere behaupten, es sollte so kommen, um die Welt zu erlösen. Und Christus selbst sagt, dass er in die Welt gekommen ist, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen. Eins kann man mit Sicherheit sagen: Christus wurde gekreuzigt, weil die Liebe äußerlich keinen Anteil an seinem Leben hatte. Und dort, wo die Liebe nicht teilhat, erscheinen die größten Leiden, die größten Dramen und Tragödien. Nicht die Liebe schafft sie, sondern der Kampf um sie. Die Liebe selbst bringt überall Licht, Frieden und Freude. Wie dem auch sei. Dennoch sehen wir, dass die Kreuzigung Christi zugelassen wurde. Am Kreuz erlebte Christus das, was man ideell-mystisches Leiden nennt -- die tiefsten und intensivsten Leiden, die eine menschliche Seele erleben kann. Er musste den bitteren Kelch des Leidens bis zur Neige leeren, jenen Kelch, in dem alle bitteren Bodensätze der Vergangenheit waren. Aber durch diese kondensierten, intensiven Leiden offenbarten sich ihm alle Geheimnisse der Vergangenheit. Und deshalb sagt Christus -- die Wichtigkeit des Augenblicks einsehend -- nach dem im Garten Gethsemane erlebten inneren Drama: {\glqq Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen.\grqq}(Joh 12,27) Durch die mächtige Kraft der Alchemie transformierte er die Gifte und vernichtete auf diese Art und Weise ein für alle Mal die Gewalt. Konnte Christus, der ein starker, genialer Mensch war, der seinen hohen Ursprung kannte, der alles vorhersah, und wusste, was geschehen wird, konnte er die Leiden, die ihn erwarteten, wirklich nicht abwenden? Vor ihm stand die Alternative, entweder die Engelslegionen anzurufen, um mit deren Hilfe das jüdische Volk und das Römische Reich zu vernichten, d. h. sich der Methoden der Vergangenheit zu bedienen, der Methode der Gewalt und des Schwertes von Mose und Ilias, der Methoden der alten Magier und Adepten, oder den Kelch und das Kreuz anzunehmen und sie durch die Kraft der Liebe zu überwinden. Christus wählte das Zweite und das war der erste Versuch seiner Art auf der Erde. Wenn sich Christus von den Leiden, von dem Kreuz, an dem man ihn später kreuzigte, von den Nägeln, mit denen man ihn festnagelte, von dem Speer, mit dem man ihn durchstach, hätte abschrecken lassen, hätte er keine neue, wesentliche Lösung für die schwere Aufgabe, die menschliche Seele zu erheben, gebracht. Er schmolz mit dem Feuer der Liebe -- das einzige Feuer, das die Waffen der Gewalt schmelzen kann -- sowohl Schmach als auch Peitschenschläge, Kreuz, Nägel und Speere. Und sein Versuch war erfolgreich. So löste Christus eine Aufgabe, von deren Lösung die Zukunft der ganzen Menschheit abhing. So fand er den Weg zur Erlösung jener leidenden Seelen, für die er gekommen war. Nämlich für diese einfachen, aber erhabenen Seelen, die den Mut hatten, an ihn zu glauben, und nicht für die gelehrten, religiösen Menschen seines Jahrhunderts gab Christus sein Leben hin, damit sie in jener Liebe leben, die er ihnen brachte. In den Leiden Christi steckt etwas Großartiges. Sie stellen die verborgene Seite des Lebens Christi dar, von der die Menschen nichts wissen. Wenn ich von den Leiden Christi spreche, tauchen vor meinem inneren Auge jedoch zwei Eigenschaften Christi auf, nämlich seine einzigartige Geduld und seine Demut. Dank derer ertrug er alle Verleumdungen, jede Schmach und Beleidigung, die man ihm zufügte. Angesichts all dessen stand er still, blieb ruhig und unerschütterlich, als ob nichts geschehen wäre. Keine Träne quoll aus seinen Augen hervor. Das ist eine große Geduld, das ist Selbstbeherrschung, das ist Liebe! Das ist ein Fels, den nichts zertrümmern konnte. Die Kreuzigung Christi war eine Tragödie, aber für diese Tragödie gab es auch eine Lösung, die Auferstehung. Christus ist auferstanden und besiegte den Tod. So, wie sich ihm in den Leiden die Geheimnisse der Vergangenheit offenbart hatten, so offenbarte sich ihm in der Kreuzigung die Zukunft. In der Person Christi haben wir einen starken Menschen, einen mächtigen Geist, einen Helden. Er überwand alles -- Qualen, Kreuz und Grab. Christus trug nicht bis zuletzt das Holzkreuz. Er trug es bis zu einer gewissen Stelle und dann warf er es auf die Erde. Die Menschen glauben, dass er es warf, weil er unter seiner Last zusammenbrach. Nein, Christus war kein schwacher Mensch. Er konnte das Kreuz tragen, aber er ließ es, um der Menschheit zu zeigen, was sie erwartet. Er wollte sagen: {\glqq Ich kann das Kreuz der Leiden der lebendigen Menschen tragen, aber ein Holzkreuz will ich nicht tragen!\grqq} Aber die heutigen Christen tragen und küssen immer noch das Holzkreuz, das von Christus selbst verachtet wurde! Das Holzkreuz auf die Erde werfend, richtete sich Christus auf und machte sich erhobenen Hauptes auf seinen Weg nach Golgatha. Man nagelte ihn ans Kreuz. Aber auch am Kreuz hing er nicht lange. Er löste sich selbst von den Nägeln. Wie? -- Indem er seinen Körper verließ und zu Joseph von Arimathäa ging. Man beerdigte ihn und schloss das Grab. Auch diesen Ort verließ er. Er wollte seinen Körper nicht im Grab zurücklassen, denn er war lebendig. Er ließ ihn selbst auferstehen. Der Engel, der seinen Tod verursachte, brachte seine Seele in die Hölle, aber auch hier blieb Christus nicht lange. Mit seinem Eintritt in die Hölle verursachte er eine Revolution; er rüttelte all ihre Bewohner auf und ließ sie frei. Denkt nicht, dass Christus nach seiner Auferstehung allein war. In der Hölle war er Führer einer ganzen Armee von Engeln, die die Hölle von allen Gefangenen reinigten. Mit all dem bewies Christus, dass man den Starken weder ans Kreuz genagelt halten noch in einem Grab einschließen kann. Der Starke stirbt nicht; er ersteht wieder und schenkt auch den anderen Leben. Christus ist das Herz Gottes und deshalb ist er auferstanden. Das Herz Gottes kann nicht sterben. Und es kehrte dorthin zurück, woher es gekommen war. Aber mit dieser Tragödie, die sich auf Golgatha abspielte, wurde neues Blut in die erschöpften Adern der Menschheit übertragen und ein neuer Impuls für den göttlichen Kreislauf des Lebens gegeben. Bei seinem Erscheinen vor 2000 Jahren auf der Erde zeigte Christus nur die eine Seite seiner Gestalt. Wir sehen Christus in Erniedrigungen und Kummer, in Leiden und Prüfungen. Wir sehen ihn als einen Helden der Erlösung. Die Menschen kennen Christus noch nicht in seiner göttlichen Macht und Kraft. Stark und mächtig ist Christus jetzt! In der Vergangenheit nagelte man die Hand Christi an. Aber heute kann keiner diese Hand mehr annageln -- die Nägel würden augenblicklich schmelzen. In der Vergangenheit kreuzigte man Christus, aber heutzutage gibt es kein so großes Holz, an dem man ihn kreuzigen könnte. Christus kann nicht zum zweiten Mal gekreuzigt werden! Dieser Christus kommt jetzt, um den Verstand und die Herzen der Menschen aufzusuchen. Er wird alle Gefängnisse zerstören, alle falschen Lehren hinwegfegen -- all das, was den menschlichen Verstand und das Herz vernichtet, was sie zur Verunsicherung und Unordnung bringt, was das menschliche Leben lähmt. Er ist der lebendige Christus, der allen Seelen Leben, Licht und Freiheit bringt, der in ihnen Liebe zu allem erweckt. Wenn ich sage, dass Christus jetzt kommt, denken manche, dass er von außen kommen wird. Christus kommt nicht von außen, er kommt weder in menschlicher Gestalt noch in einer anderen Form. Wenn die Sonnenstrahlen in eure Häuser dringen, bedeutet das, dass die Sonne selbst euch besucht hat? Merkt euch: Christus ist eine Offenbarung der göttlichen Liebe. Und er wird als inneres Licht im Verstand und in den Herzen der Menschen erscheinen. Dieses Licht wird alle Wesen um Christus herum wie um ein großes Zentrum heranziehen. Das Öffnen des menschlichen Verstandes und der menschlichen Herzen und die innerliche Annahme Christi wird das zweite Kommen Christi auf Erden sein. Wenn die Menschen ihn nicht so annehmen, wird das Leben der Lieblosigkeit, der Leiden, der Not, des äußeren Glaubens, des Aberglaubens und der Täuschungen weiter andauern. Von diesem äußeren Glauben gefesselt, stolpern viele religiöse Menschen, wenn sie sagen: {\glqq Christus brachte vor 2000 Jahren eine frohe Botschaft. Er sagte, was er zu sagen hatte und jetzt ist er bis zum Jüngsten Gericht in den Himmel aufgefahren, bis er wieder kommen wird, um über die Lebenden und die Toten zu richten.\grqq} Ich aber sage euch: Christus brachte die frohe Botschaft nicht in Raum und Zeit. Wir betrachten Christus und seine Lehre nicht als etwas Vergangenes. Wir betrachten Christus und seine Lehre nicht als etwas, das in der Zukunft kommen wird. Wir betrachten Christus und seine Lehre als etwas, das ewig gegenwärtig ist. Aus diesem Grund hörte Christus nicht nur während seiner dreijährigen Predigt, sondern auch während dieser 2000 Jahre nicht auf zu sprechen. Und wenn man all das wiederherstellen könnte, was er während dieser drei Jahre sagte, als er den damaligen Menschen predigte und wenn man auch das wiederherstellen könnte, was er während dieser 2000 Jahre sprach, hätten die Menschen ein wertvolles Wissen. Aber auch davon, was er während dieser drei Jahre des Predigens sprach, ist sehr wenig, sind also sind nur Bruchstücke erhalten geblieben. Auch viele von den Botschaften von Paulus und der anderen Apostel sind für die Welt weiterhin verborgen geblieben. Auch sie werden jetzt offenbart, aber nur den fortgeschrittenen Schülern. Glaubt ihr, dass Christus seine ganze Lehre vortrug? Im Vergleich dazu, was Christus brachte, gab er den damaligen Menschen sehr wenig. Die Menschen damals waren nicht auf seine Lehre vorbereitet. Aus diesem Grund sprach er zu ihnen in Gleichnissen. Christus wollte nicht seine Waffe in die Hände der Ungebildeten legen, damit sie diese gegen ihn wenden. Glaubt ihr, dass, wenn Christus heute kommt, er so sprechen würde, wie er vor 2000 Jahren sprach? Heute würde er anders sprechen. Er würde vor allem die große Lehre der Liebe und die Methoden predigen, mit denen man sie anwenden kann. Er würde den Weg der Schülerschaft, der Bruderschaft und des Dienens predigen, weil es das Gesetz der Evolution heute verlangt. Und jetzt wendet sich der große Meister, indem er die Grundlagen der neuen frohen Botschaft bekannt gibt, an alle erwachten Seelen: {\glqq Mögen alle fleißigen Schüler, gute Brüder, treue und wahre Diener sein!\grqq} Denn nur die, welche fleißige Schüler, gute Brüder und wahre Diener sind, können Schöpfer der neuen Kultur sein, in der Christus in jedem Menschen und unter allen Menschen leben wird. Nicht einfache Gläubige will Christus, nicht Menschen, die gegeneinander kämpfen, nicht Herrscher und Priester, sondern wahre Menschen, Schöpfer des Neuen -- Schüler, Brüder und Diener. Nicht Menschen, die ihn ständig in ihrem Inneren kreuzigen, will Christus, sondern Menschen, die ihn, um mit ihnen und unter ihnen zu leben, annehmen, und die eins mit ihm sind. Heute verkündet Christus eine neue Kultur ohne Kreuzigungen, eine Kultur der Auferstehung. Denn wir haben die Ergebnisse der heutigen Kultur gesehen, die von Menschen geschaffen wurde, die Christus kreuzigten. Die Zeit ist gekommen, die Grundlagen einer neuen Kultur zu legen, die nicht von Menschen gebildet wird, die sich vor dem gekreuzigten Christus verbeugen, sondern von Menschen-Brüdern, in denen der lebendige Christus der Liebe lebt. Die Grundlage dieser Kultur wird die Liebe sein. Weil die Liebe die einzige Kraft ist, die die Menschen zu fleißigen Schülern, guten Brüdern, treuen und wahren Dienern sowie Schöpfern des neuen Lebens machen kann. Das ist das Neue, das Christus heute der Menschheit bringt. Das ist die Sprache der Großen Universellen Bruderschaft, das ist es, was der Meister spricht. Aber werden dann nicht viele Gläubige, die sich Christen nennen, von seinem Wort in Versuchung geführt? Und werden sie ihn erkennen? Sie werden weiter über den gekreuzigten, über den historischen und kosmischen Christus streiten, also über Christus, wie ihn die verschiedenen Kirchen auffassen, und der Geist seines lebendigen Wortes wird ihnen fremd bleiben. Deswegen sage ich euch: Lasst diese Definitionen und Unterscheidungen Christi beiseite! Wisst, dass es nur einen Christus der großen Liebe gibt, der jetzt in der Welt und in den Seelen der Menschen wirkt! Über diesen Christus spreche ich zu euch, nicht über den historischen oder gekreuzigten Christus. Schließlich kennen die Menschen Christus hinreichend als historische Persönlichkeit, aber als lebendige Liebe kennen sie ihn nicht. Über den lebendigen Christus spreche ich zu euch, über jenen Christus, der in sich das Leben, das lebendige Wissen, das Licht, die Wahrheit und die Freiheit trägt. Ich spreche über jenen Christus, der alle Methoden zum Aufbau des vernünftigen Lebens bringt. Er ist der große Christus, der sich Haupt der Großen Universellen Bruderschaft nennt. Ihn kennen alle großen Seelen und zwischen ihnen existiert kein Streit, wer und was für einer er ist, wo er jetzt ist, welchen Platz er in der Hierarchie der Meister einnimmt etc. Sie streiten nicht, denn sie wissen mit absoluter Sicherheit, welchen Platz Christus und die anderen großen Menschen, die in der Welt erschienen sind und erscheinen werden, im Ganzen einnehmen. Diesen Christus sollen die Menschen heute erkennen. Ihn sollen sie sehen, schauen und erkennen. Denn viele wollen uns überzeugen, dass wir wahre Christen sein können, ohne ihn zu sehen und innerlich zu erkennen. Ich behaupte aber, dass aus dem Menschen nichts werden kann, wenn er Christus nicht sieht. Aber damit der Mensch Christus sieht, soll er einen Verstand, ein Herz, eine Seele und einen Geist wie Christus haben. Alle, denen Christus erschien, waren mit dem Gesicht zu Boden gefallen, bevor sie diesen Zustand erreichten. Und was kann ein gefallener Mensch sehen? Der Mensch soll von der Quelle selbst und nicht vom Fluss, der trübe ist, trinken, weil in ihn viele Zusätze münden. Mach dich auf den Weg, der zu dieser Quelle führt; der Weg ist ein wenig schwierig und lang, aber dafür wirst du selbst an der Quelle vom Wasser des Lebens trinken, das für immer deinen Verstand und dein Herz erfrischen wird. Vor deinen Augen werden sich bis dahin ungeahnte Horizonte eröffnen. Auf diesem Berg, wo die Quelle des Lebens sprudelt, wirst du die Stimme Gottes hören. Wünsche dir, nicht dort zu bleiben, sondern geh zu deinen Brüdern hinunter! Geh hinunter und wende als Schüler, als Bruder und als Diener die lebendigen Worte deines himmlischen Vaters an, der dich mit den Fäden seiner Liebe zu sich herangezogen hat. Diese Fäden liegen in den Händen Christi, des offenbarten Gottes der Liebe.
  5. Der Körper der Liebe Die heutigen Menschen sehen nur ihren physischen Körper und werden sich seiner bewusst. Sie erforschen seinen anatomischen Aufbau, seine physiologischen Funktionen. Von seinem komplizierten und vernünftigen Aufbau verblüfft, beginnen sie zu denken, dass sowohl das organische als auch das seelische Leben des Menschen nichts anderes als ein Ausdruck des physischen Körpers sind. Verschwindet er, verschwindet auch der Mensch als eigenständiges Wesen. Es stimmt, dass der physische Körper des Menschen nach dem Tode zerfällt. Aber dasjenige, was zerfällt und verschwindet, kann nicht die wahre Wohnung des Menschen, seiner Seele und seines Geistes sein. Auch jene feinstofflichen Körper -- der Ätherische, der Astrale, der Mentale -- sind nicht die wahren Wohnungen des Menschen, von denen in der okkulten Literatur die Rede ist. Letztere behauptet, wie es allgemein bekannt ist, dass der Mensch sieben Körper hat. Ihre unterschiedlichen Namen und Klassifikationen findet ihr in der okkulten Literatur. Diese Körper, durch die der vollkommene Mensch sich manifestiert, existieren tatsächlich. Aber nicht alle sieben können im wahrsten Sinne des Wortes Körper genannt werden. Eigentlich sind nur drei von ihnen Körper und die anderen vier Hüllen. Ich schlage eine neue Übersetzung dieser drei wesentlichen Körper vor und nenne sie Körper der Liebe, Körper der Weisheit und Körper der Wahrheit. Der Körper der Liebe -– der wahre Körper des Menschen, der niemals stirbt, wird jetzt gebildet. Nur seine Grundlagen sind geschaffen. Was die anderen zwei unsterblichen Körper -- der Körper der Weisheit und der Körper der Wahrheit -- betrifft, sie existieren nur als Keime. Für ihre Entwicklung werden spezielle Epochen kommen. Das ganze Leben des Menschen in der physischen, astralen, mentalen und kausalen Welt hat nur ein Ziel, den Stoff für den Aufbau des Körpers der Liebe vorzubereiten. Die Liebe ist in diese vier Welten, in die vier Hüllen des Menschen projiziert. Diese vier Hüllen sind die Labors, in denen die Stoffe hergestellt werden, die für die Bildung des Körpers der Liebe nötig sind. Sie sind nur Möglichkeiten, durch die sich die Liebe äußert. In ihnen geschehen ständig Veränderungen, sie werden und vergehen gemäß bestimmten Gesetzen. Diese Hüllen sind veränderlich, aber es gibt etwas, was nicht verschwindet und was als physischer, astraler und mentaler Keim ständig bleibt. Der kausale Körper des Menschen ist so etwas wie eine Atmosphäre für diese Keime. Er ist mit einer Welt verbunden, die die Möglichkeiten der physischen, astralen und mentalen Welt beinhaltet. Und bevor der Mensch in die Welt der Liebe eintritt, soll er durch die kausale Welt gehen, wo völlige Versöhnung der Gegensätze eintritt. Die kausale Welt ist eine Welt der Versöhnung. Und die Welt der Liebe selbst ist jene beständige Welt, in der sich alles verwirklicht. Sie ist die große Welt, wo die Welt sich wahrhaft verwirklicht. Aus diesem Grund realisieren sich alle Wünsche des Menschen, die sich in der physischen, astralen und mentalen Welt offenbaren, erst in der Welt der Liebe. Aber sie sind nur bei einem völlig entwickelten Körper der Liebe realisierbar. Und wenn ich von der Liebe im Menschen spreche, verstehe ich darunter den Aufbau dieses Körpers. Erst dann wird der Mensch auferstehen und das ewige Leben zu führen beginnen. Danach wird er von allen Begrenzungen und Entbehrungen des Lebens in der Zeit befreit. Er wird nicht mehr diesen plötzlichen Veränderungen unterworfen sein, die mit der periodischen Geburt und mit dem Tod verbunden sind. Er wird nicht ständig geboren werden und sterben, sondern in der Ewigkeit leben. Er wird wieder zu den Menschen zurückkommen, nicht vom Gesetz des Karma gezwungen, sondern aufgrund der Freiheit der Liebe. Er wird unter sie als Sohn Gottes kommen, um ihnen zu helfen. Der Mensch, der einen solchen Körper hat, der die Auferstehung erlangt hat, kann sichtbar und unsichtbar sein. Für ihn ist die ganze Erde geöffnet und es bestehen keine Grenzen. Grenzen, seien es physische oder geistige, existieren für ihn nicht. Die ganze lebendige Natur kennt ihn und ist ihm behilflich. Ihn kennen sowohl die schlechtesten Menschen als auch die wildesten Tiere und sie gehorchen ihm. Der Mensch, der im Körper der Liebe wohnt, kann keine Feinde haben, denn er bringt Leben, Frieden und Verwirklichung jedes innigen Wunsches. Er bringt Befriedigung aller Bedürfnisse bei allen Wesen. Den Körper der Liebe zu haben bedeutet, die Liebe zu offenbaren und zu leben. Und die Liebe ist ein ewiges Leben und ein ewiges Verjüngen, ein ewiges Erkennen Gottes und eine ewige Erweiterung der Freiheit.
  6. Das heilige Feuer Auf der Welt gibt es ein heiliges Feuer, das mit den Flammen der Unsterblichkeit brennt. In diesem heiligen Feuer sahen die alten Weisen die höchste Offenbarung Gottes. {\glqq Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.\grqq} (Hebr 12,29) steht in der Heiligen Schrift. Und tatsächlich verzehrt dieses Feuer. Aber was? -- Das Sterbliche, das Vergängliche, das Sündhafte. Wenn es auf der Welt wirkt, verbrennen einige der Menschen, andere schmelzen, und wieder andere werden lebendig und erstehen auf. Alle großen, unsterblichen Seelen tragen dieses heilige Feuer in sich, wenn sie aus Gott hervorgehen. Wohin sie auch -- in das unendlich weite Universum -- gehen, arbeiten sie mit ihm. Und all diese Seelen haben nur eine Vorstellung von ihm: Das heilige Feuer ist das Feuer der Liebe. Die Liebe trägt das heilige Feuer, in dem das Leben versteckt ist. Aus diesem Grund offenbart sich die Liebe dort, wo das heilige Feuer brennt; dort offenbart sich das unsterbliche Leben, dort wachsen und reifen die Früchte des Geistes. Dieses Feuer erfüllt den ganzen Weltraum. Denn es erhält das Leben. Es brennt auch im Menschen. Und solange es brennt, ist der Mensch gesund, munter und heiter. Alles in ihm, sowohl die Ernährung als auch der Kreislauf und das Atmen, verläuft harmonisch. Die Gefühle, die Gedanken und die Taten sind richtig. Das verursacht eine angenehme Wärme im Menschen. Wenn es brennt, fühlt sich der Mensch wohl. In ihm herrscht ein Zustand der Harmonie und vollen Friedens. Verschwindet dieser Frieden in der Seele des Menschen, hat er das heilige Feuer in sich verloren und das einfache Feuer ist in ihn eingetreten. Und das einfache Feuer brennt und verbrennt; es verursacht Rauch, Ruß und Asche. Im heiligen Feuer gibt es absolut keinen Rauch. Es verursacht eine angenehme Wärme, die Leben spendet. Aus diesem Grund verschwindet im Menschen jede Unzufriedenheit, jeder Zweifel und jede Bedrücktheit, wenn das heilige Feuer im Menschen brennt. Taucht die kleinste Unzufriedenheit und das kleinste Unwohlsein im Menschen auf, ist das schon ein Anzeichen dafür, dass er außerhalb des heiligen Feuers ist. Im heiligen Feuer sind alle Gedanken, Gefühle und Wünsche absolut harmonisch. Dann fühlt der Mensch das, was paradiesische Wonne genannt wird. Und tatsächlich ist der Frieden im Menschen ohne das heilige Feuer undenkbar. Undenkbar ist die Vernunft im Menschen ohne das heilige Feuer. Ohne es sind Liebe, Glaube, Hoffnung, Barmherzigkeit und Sanftmut undenkbar. Undenkbar ist also ohne das heilige Feuer die Offenbarung jeder beliebigen Tugend. All diese Tugenden wachsen und entwickeln sich im heiligen Feuer. Ohne es hört alles auf zu wachsen. Deshalb kann der Mensch kein gutes Leben führen, in dem die Tugenden sich offenbaren, wenn darin das heilige Feuer nicht entfacht ist. Der Mensch hat es nicht nötig, das heilige Feuer zu entfachen. Er soll nur lernen, es zu unterhalten. Denn dieses Feuer selbst erlischt niemals. Und das, was am besten das heilige Feuer im Menschen unterhält, sind der Glaube, die Hoffnung, das Wissen, die Weisheit und die Wahrheit. Die unsichtbare Welt wirkt jetzt durch das Feuer. Sie gebraucht das Feuer als das mächtigste Mittel zur Reinigung des Menschen und der Erde. Und die Erde tritt jetzt in eine neue Etappe ein, in der die Materie in unberührtem Zustand ist. Hier werden alle Dinge gereinigt und umgestaltet. Das Feuer, das auf der Erde schon zu wirken beginnt, wird die Materie entflammen, reinigen und transformieren, damit sie fähig wird, den intensiveren Schwingungen des neuen Lebens zu entsprechen. Alles, was dem mächtigen Strom des göttlichen Feuers standhält, bleibt am Leben, und das, was den Schwingungen dieser feurigen Welle nicht standhalten kann, wird als unnütze Schlacke weggeworfen. Denn im Raum gibt es Kanäle, in denen der Schutz und der Müll des Lebens weggeworfen werden. Natürlich kann man die Temperatur dieses Feuers mit keinem Gerät messen. Sie ist viel größer als die Temperatur der Sonne. Nur dieses Feuer ist imstande, die Herzen und den Verstand der Menschen zu reinigen und die Erde auf die Blüte einer neuen Kultur vorzubereiten. Erst nachdem die Erde durch dieses Feuer gegangen ist (und das wird Jahrhunderte dauern), wird sie in eine neue Epoche eintreten. Was für die Erde und die Menschheit als kollektive Einheit richtig ist, ist auch für den einzelnen Menschen richtig. In ihn kann das neue Leben nicht einziehen, solange in seiner Seele das heilige Feuer nicht entzündet ist. Aber wird in ihm das heilige Feuer entzündet, wird er alle magnetisch anziehen, und die Menschen werden bereit sein, ihm zu helfen. Denkt an das heilige Feuer, in dem sich Gott offenbart! Denkt an das heilige Feuer, das alle vollkommenen Seelen tragen, und unterhaltet es! Unterhaltet es, denn damit werdet ihr auch euer Leben unterhalten!
  7. Der Schüler Ich teile die Menschen in vier Kategorien ein: Menschen des Alten Testaments, Menschen des Neuen Testaments, Rechtschaffene und Schüler. Ich benutze diese Begriffe, weil passendere fehlen und vor allem, weil sie bei den Menschen bekannte Bilder und Ideen wecken. Diese Begriffe stellen vier große Epochen in der Menschheitsentwicklung, vier Kulturen, vier gemeinsame, kollektive Strömungen im Bewusstsein des Menschen dar. Welche Einsichten die alttestamentlichen Menschen hatten, finden wir im Alten Testament. Welche Einsichten die neutestamentlichen Menschen haben, finden wir im Neuen Testament. Welche Einsichten die Rechtschaffenen haben, können wir erfahren, indem wir die zeitgenössische Kultur erforschen; die Rechtschaffenen sind die Menschen einer festgelegten Rechtsordnung. Aber wenn ihr nach dem Weg des Schülers sucht, findet ihr ihn weder im Alten noch im Neuen Testament noch in den wissenschaftlichen und ethischen Systemen der heutigen Welt. Der Weg des Schülers ist das Neue, das heute ins Leben der Menschheit eintritt. Um euch eine Vorstellung von diesen vier Kategorien von Menschen auf der Welt zu geben, möchte ich mich einer Erklärung bedienen. Die erste Situation: Ihr seid vernünftige Wesen, welche die unsichtbare Welt auf die Erde schickt und euch Körper gibt, ohne euch zu fragen, ob ihr das wollt oder nicht; das ist die Lage des alttestamentlichen Menschen. Die zweite Situation: Man schickt euch auf die Erde, gibt euch Körper, bei denen ihr über die kleine Freiheit verfügt, zu sagen, wohin ihr kommen wollt; das ist die Lage des neutestamentlichen Menschen. Die dritte Situation: Ihr werdet von der unsichtbaren Welt auf die Erde zu den günstigsten Bedingungen geschickt, um zu lernen, indem ihr über eine relativ größere Freiheit verfügt; das ist die Lage des Rechtschaffenen. Im alttestamentlichen Leben werdet ihr eure Sünden büßen und leiden, im neutestamentlichen Leben werdet ihr euch selbst vervollkommnen, im Leben des Rechtschaffenen werdet ihr den anderen helfen, und wenn ihr auf die Erde als Schüler kommt, werdet ihr die große Wissenschaft der Liebe zu erlernen beginnen. In der Liebe bekennt sich der Mensch wirklich, er bestimmt zugleich seine Beziehungen zu den Menschen und zu den vollkommenen Wesen. Alle Gegensätze, die in der Welt existieren, ergeben sich aus diesen vier Lebensarten, aus diesen vier kollektiven Strömungen, die in der Welt agieren. Bezogen auf den menschlichen Organismus weisen sie die folgenden Entsprechungen auf: Das alttestamentliche Leben spielt sich im Bauch und in den Därmen ab, das neutestamentliche Leben in der Lunge und im sympathischen Nervensystem, das Leben der Rechtschaffenen in den unteren Schichten des Gehirns, und das Leben des Schülers in seinen oberen Schichten. Das Letztere nimmt den schönsten Platz ein. Deswegen stellt das Leben des Schülers das Ideelle im Menschen dar. Viele bemühten sich darum, diese Strömungen im Leben zu harmonisieren und die Gegensätze, die sich als eine natürliche Folge daraus ergeben, aufzuheben. Aber die Ergebnisse dieser vier Lebensarten sind ihrem Wesen nach unversöhnlich. Diese Strömungen können nicht auf einmal isoliert werden. Ihre Isolierung oder vielmehr ihre völlige Beherrschung vollzieht sich allmählich. Sie wird erst dann erreicht, wenn das Leben des Schülers zu seinem Ende kommt und er seine hohen Ziele erreicht. Das Leben des Schülers beinhaltet die Werte dieser vier Lebensarten. Denn sie selbst sind Phasen, die der Mensch notwendigerweise durchläuft. Die Alttestamentlichen bereiten den Weg der Neutestamentlichen vor, die Neutestamentlichen bereiten den Weg der Rechtschaffenen vor, die Rechtschaffenen bereiten den Weg der Schüler vor, und die Schüler bereiten den Weg für das Kommen des Reiches Gottes auf Erden vor. Vor ihnen steht das Lösen dieser schweren Aufgabe. Und wenn der Mensch vom alttestamentlichen in das neutestamentliche Leben übergeht, bringt er alles Wertvolle vom ersten in das zweite mit. Wenn er vom neutestamentlichen in das Leben der Rechtschaffenen übergeht, bringt er in das letztere die Werte des zweiten. Schließlich gehen alle Werte vom Leben des Rechtschaffenen in das Leben des Schülers über. Auf diese Weise wird jene innere Beziehung zwischen allen Menschen, jene innere Einigung außerhalb aller und jenseits aller Gegensätze geschaffen, die diesen vier Lebensarten zu Eigen sind. Unterschiedlich sind die Quellen dieser vier Lebensarten und unterschiedlich sind die Bedingungen, unter denen sie sich entwickeln. Nachdem der Schüler alle Schulen dieser vier Lebensarten wie Vorschulen durchlaufen hat, tritt er in ganz neue Bedingungen ein und schöpft Leben und Kraft aus einer ganz neuen Quelle. Diese neue Quelle deutet Christus an, indem er sagt: {\glqq Wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird er euch alles lehren.\grqq}(Joh 13,16) In das Schülerleben eingetreten, hat der Mensch andere Einsichten vom Leben, ganz verschieden zu den Einsichten der Alttestamentlichen, Neutestamentlichen und Rechtschaffenen. All diese drei Kategorien von Menschen leben immer noch in der Sphäre des persönlichen Lebens, sie leben noch nicht um des Ganzen willen. Die Alttestamentlichen suchen nach Reichtum und Eigentum; die Lebensnöte verbittern sie. Die Neutestamentlichen suchen nach Mitleid und Sympathie; Leiden und Nöte erschüttern sie, lassen sie verzweifeln und bringen sie in Versuchung. Die Rechtschaffenen suchen nach Ehre und Achtung; die Gegensätze beleidigen sie und tasten ihre Würde an. Sie sind auf den höchsten Gipfel ihres persönlichen Lebens aufgestiegen und empfinden deshalb jede Verletzung ihrer persönlichen Würde als sehr schmerzhaft; für alles, was sie tun, suchen sie Anerkennung, Ehre und Achtung. Einzig und allein der Schüler sucht weder nach äußerem Reichtum noch nach Mitleid und Unterstützung, Ehre und Achtung. Einzig und allein der Schüler erzürnt sich nicht, lässt sich nicht versuchen und fühlt sich nicht beleidigt. Er freut sich über die Gegensätze, denen er im Leben begegnet, weil er weiß, dass sie sich unvermeidlich aus den vier kollektiven Strömungen ergeben, die im Leben in Umlauf sind. Er hält jeden Gegensatz für eine große Aufgabe, die er lösen soll. Er denkt und handelt so, weil er die Selbstlosigkeit erlernt hat. Er schlug den Weg des Schülers ein, nachdem er das Leben der Alttestamentlichen, das Leben der Neutestamentlichen und das Leben der Rechtschaffenen verleugnet hatte. Deswegen sage ich euch: Nur der Schüler lernt, alle anderen beschäftigen sich. Die einfachen Menschen kämpfen untereinander, üben gegenseitig Kritik und moralisieren sich. Der Schüler kritisiert niemanden und moralisiert keinen. Er beschäftigt sich nicht mit den Fehlern der Menschen, für ihn existieren sie nicht. Für ihn existiert nur das wahre Leben, das Leben der Liebe. Für den Schüler ist Gott nicht der alttestamentliche Jehova, der urteilt und die Menschen bestraft. Für ihn ist Gott ein Gott der Liebe, des Lichtes, des Friedens und der Freude. Das sind auch Eigenschaften für den Schüler. Und wenn ihr mich nach dem Ideal des Schülers fragt, sage ich euch: Liebe, Licht, Frieden und Freude für die Seelen. Das ist kein Ideal für die Ewigkeit. Man kann es noch jetzt erreichen. Ich spreche nicht über die Weisheit und die Wahrheit. Für sie kommt eine andere Epoche. Sie sind nicht für die heutigen Zeiten. Jetzt brauchen die Schüler Liebe, aber nicht ohne Licht; sie brauchen Licht, aber nicht ohne Frieden; sie brauchen Frieden, aber nicht ohne Freude. Sie brauchen Liebe mit Licht, Licht mit Frieden, Frieden mit Freude. All diese Sachen sind in einem verbunden. Die heutigen Menschen besitzen weder Frieden noch Freude. Aus diesem Grund sind die Schlussfolgerungen der religiösen und gelehrten Menschen, die über eine ihrer Erfahrungen sprechen, einfach und vergänglich. Wenn ein Schüler eine seiner Erfahrungen demonstriert, soll sie eine Erfahrung der Liebe sein, in der es Licht gibt; sie soll eine Erfahrung des Lichtes sein, in dem es Frieden gibt; sie soll eine Erfahrung des Friedens sein, die der Seele Freude bereitet. Die Liebe, das Licht, der Frieden und die Freude, über die ich spreche, offenbaren sich im heutigen Leben, im Leben der einfachen Menschen nicht. Sie werden nur den Schülern bekannt. Die Schüler sind die einzigen Vermittler ihrer Kräfte, sie sind ihre einzigen Vertreter im Leben. Natürlich deute ich nur diese großen Bereiche an, in die der Schüler eintritt. Sie stellen eine große und umfassende Wissenschaft dar, deren Erlernen Bemühungen von ganzen Jahrhunderten bedarf. Die Liebe, das ist eine schöne, unermessliche Welt. Etwas Großes ist es, die Liebe in ihrer Entwicklung und ununterbrochener Offenbarung zu kosten, indem man mit der physischen Welt beginnt, über die geistige geht und die göttliche erreicht. Etwas Großes ist es, das Licht in all seinen Formen zu kosten, welche es erschafft. Etwas Großes ist es, den Frieden und die Freude zu kosten. Das sind Bereiche, die der Schüler auf seinem Weg durchlaufen, kosten und erforschen soll, bis er zur äußersten Grenze seines Lebens als Schüler kommt. Danach wird er beginnen, den großen Weg des Meisters zu erlernen. Erst dann wird er jenes tiefe Begreifen des Lebens, jenes tiefe Begreifen der Liebe erlangen, die auf der Welt agiert, jenes Begreifen der Gründe, welche die großen Meister unter den Menschen arbeiten lassen. Die Liebe, das Licht, der Frieden und die Freude sind Früchte des göttlichen Geistes. Der Schüler soll sich mit diesen Früchten ernähren. Die erste Frucht, die er kostet, ist die Liebe. Der Schüler soll unbedingt nach dieser Frucht tasten, weil sie das ewige Leben bringt. Und wer das ewige Leben finden will, das Leben, das sich aus der Liebe ergibt, soll wieder zum Lebensbaum zurückgehen. Er soll den Weg der Alttestamentlichen, der Neutestamentlichen und der Rechtschaffenen verlassen und sich auf den Weg des Schülers begeben. Ihr kennt die Worte Christi: {\glqq Geh, verkaufe alles, was du hast, gib das Geld den Armen; dann komm und folge mir nach!\grqq}(Mk 10,21) Jetzt sage ich euch ebenfalls: Geht und teilt den Alttestamentlichen das Leben aus, teilt den Neutestamentlichen das Leben aus, teilt auch den Rechtschaffenen das Leben aus, und dann geht zu eurem Meister! Er wird euch empfangen. Der Meister hat vier Schüler auf der Welt, die er liebt. Und wenn diese vier Schüler ihm euch empfehlen, dann wird er euch in die Schule aufnehmen. Wenn ihr eurem Meister von der Liebe, vom Licht, vom Frieden und von der Freude empfohlen werdet, wird er euch aufnehmen. Er wird die Türen der Schule öffnen, euch freien Eintritt gewähren, euch segnen und mit den anderen Schülern bekannt machen. Von diesem Augenblick an werdet ihr Schüler eures Meisters sein. Aber hütet euch davor, zu eurem Meister zu gehen, bevor ihr eure Reichtümer als Alttestamentler, Neutestamentler und Rechtschaffene ausgeteilt habt. Wenn ihr zu ihm mit dem ganzen Schmuck dieser drei Welten geht, wenn ihr mit der ganzen Würde eines Rechtschaffenen geht, wird der große Meister nur lächeln und die Tür der Schule vor euch zumachen. Der Schüler soll nur ein Verständnis für das Leben haben. Wer ein Schüler sein will, soll nur eine Ansicht über die Dinge haben. Der Schüler kann nur einen Meister im Leben haben. Merkt euch eine große Wahrheit: Auf der Welt gibt es nur einen Meister und alle Meister sind aus ihm hervorgegangen; auf der Welt gibt es nur einen Schüler und alle Schüler sind aus ihm hervorgegangen. Der Schüler soll eins wissen: Nur derjenige, der ihn lehrt, kann ihn lieben -- das ist sein Meister. Auch der Schüler kann nur denjenigen lieben, der ihn lehrt. Man liebt nur das, was unsterblich ist, was seine Schönheit, seine Intelligenz, seine Sanftmut und seine Güte nicht verliert. Ihr fragt, welche die ersten Schritte auf dem Wege des Schülers seien. Es ist eine Regel: Der Schüler soll mit der Liebe beginnen. Dann geht er zum Licht über, danach zum Frieden und schließlich zur Freude. Der Schüler trägt die Freude als Lösung seiner Aufgaben im Leben. Ich spreche nicht von der Freude, die sich ändert, sondern von der Freude des Schülers, die nichts auf der Welt überschatten kann und nicht schwach wird. Sie ist der größte Gipfel in der materiellen Welt; keine Wolke kann sie trüben. Die göttliche Sonne bescheint ihn immer. Es gibt keine Stürme auf diesem Gipfel. Dort herrscht Liebe, dort herrscht Licht, dort herrscht Frieden. Dieser ist der einzige Weg des Schülers: Liebe, Licht, Frieden und Freude. Der Mensch kann die ganze Welt durchwandern, an die Türen aller Schulen klopfen, alle großen Meister suchen, die das Wort Gottes tragen; alle werden ihm diesen Weg zeigen. Sie haben nur eine göttliche Idee vom Weg des Schülers, die man nicht verändern kann. Überall sagt man ihm, dass der erste Schritt im Leben des Schülers die Liebe ist. Nachdem er die Liebe anzuwenden begonnen hat, öffnen sich vor ihm die Türen seines Verstandes und das Wissen der vergangenen Jahrhunderte; das Wissen der Gegenwart und der Zukunft beginnt auf eine natürliche Weise, in ihn einzufließen. Es gibt tatsächlich einen größeren Weg als den des Schülers, aber erst nachdem der Schüler diesen ganzen Weg gegangen ist, wird sich vor ihm der große Weg der Meister zeigen. Das ist der Weg der Weisheit, der am schwierigsten ist. Liebe, Licht, Frieden und Freude sind Etappen auf dem Weg des Schülers. Indem ich vom Schüler spreche, meine ich vor allem den ideellen Schüler. Dieser Schüler lernt sowohl hier auf der Erde, in dieser Welt, als auch oben in der unsichtbaren Welt. Er verlässt nie die Schule; tagsüber lernt er im Labor der Erde und nachts geht er nach oben, zu seinem Meister, der ihn die Theorie lehrt. Am nächsten Tag kehrt er wieder zur Erde zurück, um seinen praktischen Unterricht im Labor fortzusetzen. Der ideelle Schüler weiß, dass er immer Schüler ist; er war, ist und wird immer ein solcher sein. Und nach einer gewissen Zeit, wenn die Erde sowie das ganze Sonnensystem ihre Entwicklung abgeschlossen haben, wird er als Schüler in eine andere, höhere Schule versetzt. Dann wird er einen anderen Namen tragen. Das Wort Schüler ist zu schwach, um die tiefe Idee, die sich hinter diesem Begriff verbirgt, auszudrücken. Im engeren Sinne des Wortes versteht man unter Schüler denjenigen, der hier auf der Erde lernt, in diesem begrenzten Kreis des Lebens. Er lernt hier und erreicht so viel, wie die Bedingungen des irdischen Lebens es erlauben. Er hat noch keine bewusste Verbindung mit der unsichtbaren Welt; mit dem Einschlafen abends wird seine Schülerschaft unterbrochen. Deswegen versteht man unter Schüler im wahrsten Sinne des Wortes denjenigen, der schon über eine reale Erfahrung in der geistigen Welt verfügt, mit der er einen bewussten Kontakt hat. Das Leben des Schülers nach dem Aufwachen seines Bewusstseins ist ein Leben des Schaffens, der Arbeit -- kein Leben des Segens. Der Segen bezieht sich nur auf die Lehrwerke des Schülers. Von ihm werden Arbeit und Bemühungen verlangt. Lange Zeit wird der Schüler geprüft und gemessen, bis man ihn in das Reich Gottes eintreten lässt. Wegen des kleinsten Mangels wird er gleich zurückgeschickt. Das Eintreten in das göttliche Reich hängt von dem Wissen und der Weisheit des Schülers ab, und nicht von seiner Liebe. In das Reich Gottes tritt man nicht dem Segen nach. Christus bestimmt in einem Vers, was der Schüler erwerben soll, damit er in das Reich Gottes eintreten kann, damit er das ewige Leben erlangt: \glqq Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.\grqq}(Joh 17,3) Das Erkennen Gottes und das Erkennen Christi ist eine Bedingung dafür, das ewige Leben zu erlangen. Nur dadurch erlangt man das Leben. Wenn man durch das Wissen das Leben nicht erlangen kann, dann ist es nutzlos. Damit der Schüler aber das erreicht, soll der Schüler lernen, sich derart schöpferisch zu betätigen, wie Gott es tut. Wie? -- Im ersten Kapitel der Genesis ist ein symbolisches Bild jenes Prozesses der Schöpfung gegeben, der beim Schüler nach dem Aufwachen seines Bewusstseins beginnt. Aber bevor es beginnt, geht der Schüler in die große Stille ein; dort gibt es weder Laute noch Licht. Und dann wird er aus den Tiefen seiner Seele den unsichtbaren, den unbekannten Gott der Ewigkeit, den Schöpfer von allem anrufen. Er ruft ihn mit seiner ganzen Seele, mit seinem ganzen Geist, mit seinem ganzen Verstand und mit seinem ganzen Herzen und sagt: {\glqq O, Herr, ich will dich erfahren. Du bist der Eine, der Schöpfer von allem, und es gibt keinen Gott außer Dir!\grqq} Und wenn der Schüler in dieser Fülle Gott anrufen kann, dann wird irgendwo im Raum ein kleines, winziges Licht leuchten. Dieses wird ihm eine so große Freude bereiten, sodass er auf einmal alle Trauer und Leiden vergessen wird. Von irgendwo fern hört er die Stimme Gottes, seines Meisters, der ihm sagen wird: {\glqq Du willst mich erkennen und prüfen?\grqq} Dann bereite dich auf Arbeit vor! Der erste Tag in deinem Leben ist angebrochen. Dein Land ist unbebaut und öde, Dunkelheit liegt über dem Abgrund. Trenne das Licht von der Dunkelheit und beginne mit dem Bau deines Landes! Sprich: {\glqq Es werde Licht!\grqq} Und wenn der Schüler einer der auserwählten Schüler ist, dann spricht er: {\glqq Es werde Licht!\grqq} -- und in ihm wird Licht. {\glqq Es werde Licht!\grqq} -- das ist das große Streben, welches es in der Seele des Schülers zu erlernen gilt. Und dann werden im Leben des Schülers die großen Tage des Schaffens aufeinanderfolgen und er wird sein Weltall unter der erfahrenen Leitung seines Meisters zu bauen beginnen. Es werde Licht!
  8. Der Meister Es gibt einen Meister auf der Welt. Nur einer ist der Meister, der das wahre Wissen bringt. Er hat viele Offenbarungen im Leben, aber seinem Wesen nach ist er nur einer. Findet der Mensch einen der Augenblicke seiner Offenbarung, findet er gleichzeitig auch sich selbst. Es ist ein Gesetz: Wenn du diesen einen Meister findest, wenn du Gott findest, findest du auch dich selbst. Und Gott zu sehen, sich selbst zu sehen, ist der heiligste Augenblick im Leben. Wegen eben dieses Augenblicks lebt der Mensch. Auf der Welt kann nur Gott ein Meister sein. Und wenn Christus seinen Schülern sagt: {\glqq Einer ist euer Vater\grqq}(Mt 23,10) --, meint er den Großen, den einen Meister. Der Meister -- das ist der Vater. Gott wird zum Vater und bildet ein bestimmtes Verhältnis zu uns nach dem Gesetz der Weisheit. Deshalb verstehen wir unter Meister im allgemeinsten Sinne des Wortes die große göttliche Weisheit, die das wahre Wissen auf die Welt, alle neuen Ideen, Formen, Gefühle und Impulse im Leben bringt. Also, einer ist der große Meister auf der Welt, obwohl seine Offenbarungen und Impulse im Leben zahlreich sind. Denn ich habe es euch gesagt und werde es euch wieder sagen: Eins ist das Wissen, eins ist das Licht. Aber das Wissen kommt nicht von einem Ort und das Licht kommt nicht durch ein Fenster. Unzählig sind die Wege des Wissens, unzählig sind die Fenster des Lichtes. Jeder, der mit der Mission beauftragt ist, den Menschen die Wahrheit zu offenbaren, spricht nicht in seinem eigenen Namen. Er spricht im Namen des einen Meisters. Aus diesem Grund sagt Christus: {\glqq Denn ich bin vom Himmel herniedergekommen, nicht auf dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.\grqq}(Joh 6,38) Jeder wahre Meister, jeder Gesalbte Gottes ist mit einer besonderen Mission auf die Erde gesandt worden. Und wie die Gesetze der Menschen, die letztendlich Abbilder der Gesetze in der geistigen Welt sind, von den einfachen Lehrern eine bestimmte Zensur verlangen, damit sie angestellt werden, so ist es auch in der geistigen Welt. Ein Meister kann nur derjenige sein, der vom göttlichen Geist erleuchtet und gesalbt ist. Wer vom göttlichen Geist nicht erleuchtet ist, der darf nicht lehren. Weil er gegen das göttliche Gesetz verstoßen wird. Denkt nicht, dass die Meister nicht gelernt haben. Sie haben die Schulen der physischen, geistigen und göttlichen Welt abgeschlossen und die Offenbarung des ganzen Kosmos gehabt. Sie kennen die inneren Gesetze der Natur, den Aufbau der Welt, den Aufbau des Menschen, seinen Entwicklungsweg und seine große Berufung. Sie kennen jene streng bestimmten Beziehungen zwischen seinem Geist und seiner Seele, zwischen seinem Verstand und seinem Herzen. Aus diesem Grund können einzig und allein sie ihn richtig auf seinem Entwicklungsweg leiten. Aber ihr werdet fragen: {\glqq Wie können wir einen Meister erkennen?\grqq} -- Das Erkennen eines Meisters ist ein rein geistiger Prozess. Der Meister kann nicht in der physischen Welt als ein vollendeter Akt erscheinen. Er kann auch nicht als eine äußerliche Erscheinung ins Leben kommen. Der Meister kommt als eine innere, vernünftige Erscheinung im Menschen. Deshalb geschieht die Erkenntnis des Meisters innerlich in der Seele des Schülers. Viele nehmen gewisse Gedanken durch Suggestion wahr und glauben, ihr Meister sei das, was aus ihrem Inneren spricht. Es gibt aber einen riesigen Unterschied zwischen dem inneren Sprechen des Meisters und der Suggestion. Die Suggestion ist ein Akt der Gewalt. Die Sprache des Meisters ist ein freier Akt. Aus diesem Grund, wenn der Meister spricht, begeistert sich der Schüler. Aber auch wenn der Meister äußerlich spricht, durch die Worte einer Sprache, besitzt seine Sprache bestimmte Eigenschaften. Der Meister benutzt jedes Wort am richtigen Platz. Er weiß, warum er ein Wort verwendet hat und welchen Einfluss seine Schwingungen ausüben werden. Der Begriff Meister ist in der lebendigen Natur streng definiert. Ein Meister ist nur derjenige, bei dem keine Gewalt existiert; er ist stark, übt jedoch keine Gewalt aus. Ein Meister ist nur derjenige, bei dem keine Lüge existiert; seine erhabene Vernünftigkeit schließt jede Lüge aus. Ein Meister ist nur derjenige, bei dem kein Übel existiert. Seine Güte schließt jedes Übel aus. Wenn bei einem Menschen Gewalt, Lüge und Übel existieren, dann ist er kein Meister, sondern ein Schüler. Das ist die einfachste und zugänglichste Definition eines Meisters und Schülers. Die Anwesenheit des Meisters erkennt man daran, dass er Leben, Licht und Freiheit spendet. Denn ein Meister ist nur derjenige, der nach den Gesetzen der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit arbeitet und lebt. Wer noch nicht ganz diese Gesetze achtet, der ist ein Schüler. Die Liebe des Meisters wurde geprüft, sie muss nicht geprüft werden. Der Meister, im wahrsten Sinne des Wortes, ist ein vollkommener Mensch. In ihm gibt es nicht einmal einen Schatten des Bedenkens, Schwankens oder Unglaubens. Nur der Meister kann mit Recht ein großer und mächtiger Mensch genannt werden, denn sein Leben findet im ganzen Weltall Resonanz. Und wenn das Leben und die Gedanken eines Menschen im ganzen Weltall resonieren, sind sie göttlich. Das Lehren beinhaltet einen Prozess hohen Selbstbewusstseins. Ein völlig geistiger Prozess zwischen dem Meister und dem Schüler soll vollzogen werden. Dabei ist es notwendig, dass sie sich völlig der Aufgabe bewusst werden, die sie zu lösen haben. In diesem Falle soll es einen so guten Austausch zwischen dem Meister und dem Schüler geben, wie es ihn zwischen dem Kind und der Mutter in ihrem Mutterleib gibt. Und wie der menschliche Geist im Mutterleib arbeitet, damit er den Körper des Kindes aufbaut, wie er in diesem Prozess lernt, an der Arbeit teilnehmend, die der Geist der Mutter verrichtet, genauso müssen der Meister und der Schüler gleichzeitig mithilfe des göttlichen Geistes arbeiten, um den geistigen Körper des Schülers -- seine ewige Wohnung -- aufzubauen. Ein Meister zu sein bedeutet deswegen, geistig zu gebären. In diesem Sinne des Wortes steht es in der Heiligen Schrift, dass Männer von Männern geboren werden. Der Mann soll gebären, d. h. er soll ein guter Meister sein. Und das Erste, was ein Meister tun soll, ist, dem Schüler die bis jetzt für ihn unsichtbare geistige Welt zu zeigen, so wie die Mutter nach ihrer neunmonatigen Schwangerschaft ihrem Kind eine für es völlig unbekannte Welt zeigt. Es ist also klar, was für eine delikate und verantwortungsvolle Arbeit es ist, ein geistiger Meister zu sein. Aus diesem Grunde wendet sich Christus an seine Schüler und sagt ihnen: {\glqq Lasst euch auch nicht Meister nennen\grqq}(Mt 23,10) Wenn es sich jemand erlaubt, eigenwillig zu lehren und gar manche Seelen geistig zu behindern, wird er vor dem großen Gesetz verantwortlich sein. Das große Gesetz ist sanft, aber gerecht. Alle selbst ernannten Meister werden ins Gefängnis geworfen, und nachdem sie ihre Strafe gebüßt haben, erst dann nehmen sie den rechten Weg ihrer Entwicklung. Und wisst ihr, wie viele Tausende von Jahren man dazu braucht? Sanft ist das große Gesetz, aber auch gerecht. Soll ich euch den Fall Mose in Erinnerung rufen? Mose lernte bei den besten Meistern in Ägypten. Er lernte lange und schloss eine berühmte Schule ab. Und die Wunder, die er vor dem Pharao vollbrachte, zeigen tatsächlich, dass er über ein gewisses Wissen verfügte. Aber wegen einer Tat (des Mordes an einem Ägypter, was für einen Schüler der weißen Bruderschaft völlig verboten ist) musste er ganze vierzig Jahre in Abgeschiedenheit in der Wüste leben, um seine Sünde zu büßen. Wegen eines Mordes musste er vierzig Jahre lang lernen und büßen. Erst dann bekam er eine neue Einweihung. Indem ich euch an die große Verantwortung erinnere, die ein Eingeweihter wegen eines Fehlers hatte, möchte ich euch an den Gedanken teilhaben lassen, welche große Verantwortung jene selbst erwählten Lehrer übernehmen, die die Menschenseelen behindern. Aus diesem Grund belehrt Christus mit folgender Mahnung seine Schüler: {\glqq Lasst euch nicht Meister nennen!\grqq}(Mt 23,10) Jetzt werdet ihr mich fragen, wie man die wahren Meister von den falschen und die Meister der weißen Bruderschaft von denen der schwarzen unterscheiden kann. Der Meister der schwarzen Bruderschaft kennt die Wahrheit nicht und deshalb achtet er auf das Äußere. Er kleidet sich mit den schönsten Gewändern, besitzt den teuersten Schmuck und trägt mit Diamanten überhäufte Ringe. Er sagt seinen Schülern: {\glqq Ihr sollt nur auf mich hören, nur bei mir findet ihr die Wahrheit.\grqq} Der Meister der weißen Bruderschaft kleidet sich schlicht, aber immer sauber und adrett. Er trägt keine Ringe und keinen Schmuck. Seinen Schülern sagt er: {\glqq Erwartet nicht viel von mir!\grqq} Damit der Schüler nicht in einen Irrtum gerät, will der Meister ihn dazu bringen, selbst die Reinheit seines Meisters auf die Probe zu stellen, selbst seine inneren Reichtümer zu entdecken, um seinen inneren und nicht äußeren Glanz zu sehen. Dabei begrenzt der Meister der weißen Bruderschaft seine Schüler nicht, sondern gibt ihnen völlige Freiheit. Der Meister der weißen Bruderschaft, der Meister der Wahrheit, trägt drei Dinge in sich: Freiheit für die Seele, Licht für den Verstand und Reinheit für das Herz. Der falsche Meister trägt mit sich Sklaverei der Seele, Dunkelheit des Verstandes und Verderben des Herzens. Damit ihr aber eine umfassende Vorstellung von den Meistern bekommt, sage ich euch, dass es noch eine Kategorie von Meistern gibt -- die großen Meister der Universellen Bruderschaft, die sowohl die Methoden der einen als auch der anderen Gruppe kennen und ihre Tätigkeit regeln. Das Kommen eines Meisters auf die Erde ist ein vernünftiger Akt der ganzen lebendigen Natur. Damit sich ein großer Meister offenbart, müssen alle vernünftigen Seelen sich an einem Platz versammeln. Dabei müssen auf der Erde die entsprechenden Bedingungen für sein Kommen vorbereitet werden. Um die Art und Weise kurz zu umreißen, wie diese Bedingungen geschaffen werden, sage ich: Zwei geniale Menschen müssen geboren werden, damit ein Heiliger in dem Sinne, den die Natur diesen Worten verleiht, geboren wird. Und damit sich ein großer Meister offenbart, müssen zehn Heilige geboren werden. Dann ist es also klar, warum der Meister, der eine kollektive Einheit ist, das Leben des ganzen Kosmos widerspiegelt und warum sein Leben seinerseits ein Abbild im ganzen Kosmos hat. Der Meister schöpft sein Wissen und seine Prinzipien aus dem großen Buch des Lebens, in dem jeder kleine Stein, jede Pflanze und jedes Tier, jedes menschliche Wesen, jede lebendige Form geschriebene Wörter darstellen. Wenn er ein Blatt von einem Baum abreißt, betrachtet er es und enträtselt, wann, wo und unter welchen Bedingungen sich diese Pflanzenart entwickelt hat, wie die Menschen damals waren, wie der Zustand des Sonnensystems war. Er enträtselt auch viele Ereignisse des jetzigen Lebens, deren Zeuge dieses Blatt war. Die Blätter eines Baumes schreiben Chroniken über alles, was in seiner Umgebung geschehen ist. Sie berichten darüber, was für Menschen vorbeigegangen sind, was für Gedanken, Wünsche und Taten sie hatten. Für den Meister gibt es kein wortloses Wesen in der Natur -- jedes spricht zu ihm in seiner Sprache. Vor 2000 Jahren stellte ein reicher Bursche Christus folgende Frage: {\glqq Du, gütiger Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?\grqq} {\glqq Gütiger Meister!\grqq} -- Auf Bulgarisch gibt es keine gehaltvolleren, melodischeren und harmonischeren Worte als diese zwei Worte. Es wird viel von einem Schüler verlangt, um ihren tiefen Sinn zu begreifen. Das Wort Meister ist auf Bulgarisch in jeder Hinsicht -- in mathematischer, in kabbalistischer und musikalischer -- genau. {\glqq Gütiger Meister!\grqq} -- Diese Worte beinhalten alle Güter Gottes. Sie bringen die Bedingungen für die Offenbarung der göttlichen Liebe, Weisheit und Wahrheit mit. Sie bringen die Bedingungen für die Offenbarung aller Tugenden mit. Diese Worte sind ein Schlüssel, mit dem diese Türen geöffnet werden können, die seit Jahrhunderten verschlossen sind. Sie stellen eine magische Formel dar, deren Kraft erprobt werden kann. Dazu braucht es Glauben. Vor 2000 Jahren stellte ein reicher Bursche dem großen Meister die Frage: {\glqq Gütiger Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?\grqq} -- Aber die Antwort ließ ihn mit gesenktem Kopf nach Hause gehen. Erhebt jetzt eure Häupter, wendet euch an den großen Meister und sagt: {\glqq Gütiger Meister, ich will dein Gesetz hüten!\grqq} Nur so werdet ihr Schüler des großen Meisters und Diener des lebendigen Gottes werden.
  9. Vier Dinge Es gibt vier Dinge, die der Mensch ständig in seinem Sinn behalten soll: Gott schuf die Erde, damit die Menschen gut sind. Gott schuf das Wasser, damit die Menschen rein sind. Gott schuf die Luft, damit die Menschen richtig denken. Gott schuf das Licht, damit die Menschen den richtigen Weg gehen können. Auf vier Wegen gelangt der Mensch zum wahren Leben: auf dem Wege der Erde, auf dem Wege des Wassers, auf dem Wege der Luft und auf dem Wege des Lichtes. Der Mensch kann nicht zum wahren Leben gelangen, wenn er nicht gut ist. Ihr werdet fragen: {\glqq Wie kann er gut sein, wie soll er das Gute tun?\grqq} -- Das Gute wird nicht getan. Der Mensch soll den Weg des Guten, immer den Weg des Guten gehen. Der Mensch kann nicht zum wahren Leben gelangen, wenn er nicht rein ist. Das Wasser macht ihn rein, da das Wasser ein guter Leiter des Lebens ist. Und wenn der Mensch die Luft atmet, lernt er richtig denken. Indem er den Weg des Lichtes geht, lernt er das große Buch Gottes lesen. Aber es reicht nicht, dass der Mensch bloß diesen Weg geht. Er soll auch das Lesen lernen und wissen, was ihm das Licht bringt. Das Licht ist ein Schreiben, das von Gott gesendet wurde. Die Menschen betrachten die Welt, aber verstehen nichts. Sie ist eine Schrift. Jeden Tag gibt es etwas zu lesen. Und wenn der Mensch nicht liest, bleibt er einfältig. Die fortgeschrittene Seele ist die Seele, die gut ist; sie weiß, warum die Erde geschaffen wurde. Eine fortgeschrittene Seele ist die Seele, die rein ist; sie weiß, warum das Wasser geschaffen wurde. Eine fortgeschrittene Seele ist die Seele, die richtig denkt; sie weiß, warum die Luft geschaffen wurde. Eine fortgeschrittene Seele ist die Seele, die den richtigen Weg geht; sie weiß, warum das Licht geschaffen wurde. Und wenn die Menschen schlecht sind, ist das darauf zurückzuführen, dass sie nicht wissen, warum die Erde geschaffen wurde. Sie sind schlecht, weil sie nicht wissen, warum das Wasser geschaffen wurde. Sie sind schlecht, weil sie nicht wissen, warum die Luft geschaffen wurde. Sie sind schlecht, weil sie nicht wissen, warum das Licht geschaffen wurde. Sie wohnen auf der Erde, aber sind nicht gut. Sie trinken Wasser, aber sind nicht rein. Sie atmen Luft, aber denken nicht richtig. Sie haben Licht, aber gehen nicht den richtigen Weg. Und dann fragen die Menschen: {\glqq Warum schuf Gott die Welt?\grqq} oder: {\glqq Was sollen wir tun?\grqq} Fragt dich jemand so etwas, so erwidere ihm: {\glqq Sei gut!\grqq} -- Und dann? -- {\glqq Sei rein!\grqq} -- Und danach? -- {\glqq Denke richtig!\grqq\ Schließlich: {\glqq Geh den richtigen Weg und lerne das Lesen!\grqq} Wenn du gut bist, dann gehört dir die Erde. Wenn du rein bist, gehört dir das Wasser. Wenn du richtig denkst, gehört dir die Luft. Wenn du den richtigen Weg gehst, gehört dir das Licht. Ich frage dann, kann ein Mensch, der all diese Dinge besitzt, arm sein? Die Erde wird nur den guten Menschen gehören. Die schlechten Menschen werden schwach und entkräftet sein. Sie werden weder Erde noch Wasser, weder Luft noch Licht nutzen können. Und tatsächlich: Kann ein kranker, entkräfteter Mensch arbeiten? Nur der gute Mensch, der reine Mensch, der Mensch, der richtig denkt und der den richtigen Weg geht, kann arbeiten. Momentan verwalten immer noch die schlechten Menschen die Erde. Aber das währt nur eine bestimmte Zeit. Es gab Zeiten, als die Tiere die Erde beherrschten und regierten. Jetzt regiert sie das Mensch-Tier. Aber es kommt die Zeit und sie ist gekommen, in der die Sanftmütigen die Erde erben und regieren werden. Der wahre Mensch ist der gute Mensch. Und der gute Mensch, der reine Mensch, der Mensch, der richtig denkt und den rechten Weg geht, ist der starke Mensch. Er ist der Mensch, der von Gott geboren wurde. Und kann der Mensch, der von Gott geboren wurde und in ihm lebt, schwach sein? Der Mensch muss von Gott geboren sein und nicht nur an ihn glauben. Der Glaube ist nur ein Weg zur Liebe. Und die Liebe ist eine innere Verbindung zu demjenigen, der dich geboren hat. Wenn du stark werden willst, diene Gott! Nur dadurch erlangt der Mensch die Stärke im Leben. Nur so kannst du ein richtig starker Mensch auf der Welt werden. Die Menschen fragen, ob Gott existiere oder nicht. Wenn du Brot isst, dann existiert Gott, denn Gott ist im Brot enthalten. Wenn du Wasser trinkst, existiert Gott, denn Gott ist im Wasser enthalten. Wenn du die Luft atmest, existiert Gott, denn Gott ist in der Luft enthalten. Wenn du das Licht wahrnimmst, existiert Gott, denn Gott ist im Licht enthalten. Wenn du an das Göttliche nicht glaubst, das in diesen Dingen steckt, mit denen du in Verbindung stehst, wie kannst du Gott woanders finden? Merke dir: Suchst du Gott draußen, findest du die Erde; suchst du Gott draußen, findest du Wasser, Luft und Licht. Und wenn du das Brot nicht isst, dann erwartet dich der Tod; wenn du das Wasser nicht trinkst, verdurstest du; wenn du nicht atmest, erstickst du; wenn du das Licht nicht wahrnimmst, erblindest du und wirst im Leben stolpern. Manche Menschen beklagen sich, dass sie von ihren Brüdern nicht angenommen wurden. Wisst aber, dass es Brüder auf der Welt gibt, die das Gute darstellen; wenn du nicht gut bist, wirst du von ihnen nicht angenommen. Es gibt Brüder, die die Reinheit darstellen; wenn du nicht rein bist, wirst du von ihnen nicht angenommen. Es gibt Brüder des rechten Gedankens; wenn du nicht richtig denkst, wirst du von ihnen nicht angenommen. Es gibt Brüder des Lichtes; wenn du das Licht nicht begreifst, wenn du nicht lernst, wirst du auch von ihnen nicht angenommen. Deshalb sage ich: Werde gut und man wird dich annehmen, werde rein und man wird dich annehmen, beginne richtig zu denken und man wird dich annehmen, beginne zu lernen und man wird dich annehmen. Wer wird den reichen Menschen nicht annehmen, dessen Sack voll ist? Aber wer hier und da betteln geht, wird ein Stück Brot bekommen und dann vertrieben werden. Frage nicht danach, ob die Menschen gut sind. Die Hauptsache ist, dass du gut bist. Die Hauptsache ist, ob Gottes Taten gut sind, ob das, was Gott schuf, etwas Gutes ist. Und es ist etwas Gutes. Frage nicht danach, ob die Menschen rein sind. Die Hauptsache ist, dass du rein bist. Wichtig ist es, dass das, was Gott schuf -- das Wasser -- rein ist. Ich rede über die lebendige Erde, über das lebendige Wasser, nicht über die einfache Erde und das einfache Wasser. Frage nicht danach, ob die Menschen richtig denken. Wichtig ist, ob die Luft, die du atmest, den göttlichen Gedanken offenbaren kann. Frage nicht danach, ob die Menschen den richtigen Weg gehen. Wichtig ist, dass du zum Licht, d. h. den richtigen Weg gehst. Weil wir uns in Gott bewegen und leben, beobachtet er uns ständig. Er beobachtet uns heimlich, wie gut wir sind, wie rein wir sind, wie richtig wir denken und wie richtig wir gehen. Es gibt nichts Verborgenes vor seinen Augen, aber er schweigt immer. Und wenn Gott schweigt, schickt er uns Leiden. Wenn Gott spricht, macht er uns Freude. Wenn du leidest, schweigt Gott; wenn du dich freust, spricht Gott. Wer Gott dienen und ihn auf der Erde sehen will, soll, wenn er das Brot nimmt, wissen, dass er vor ihm steht. Eine heilige Erregung soll ihn ergreifen, weil das Brot auf seine Tafel gekommen ist. Nur der gute Mensch darf essen. Nur der reine Mensch darf Wasser trinken. Nur derjenige, der denkt, darf die Luft atmen. Und nur derjenige, der den rechten Weg geht, darf das Licht wahrnehmen. Wenn er diese Dinge erkennt, wird er einsehen, dass alles, was Gott geschaffen hat, etwas Gutes ist. Wird die Seele des Menschen von Freude erfüllt, dann versteht er Gott bereits und kommuniziert mit ihm. Die erwachten Seelen müssen arbeiten und sich auf Gott verlassen, dass er ihr Gutes auf der Erde, auf der sie wohnen, segnen wird. Sie müssen glauben, dass Gott ihnen jene Reinheit geben wird, die im lebendigen Wasser steckt. Denn das einfache Wasser ist nur ein Gewand des lebendigen Wassers. Wir sind auf die Erde gekommen, um das Wissen zu offenbaren, dass Gott immer sanftmütig und gut ist, und dass wir auch immer so handeln sollen; dass er rein und heilig ist, und dass auch wir immer so sein sollen; dass er immer richtig denkt und dass auch wir immer wie er denken sollen; und dass er sich ständig durch das Licht offenbart, damit wir den richtigen Weg gehen. Seid gut, seid rein, denkt richtig, geht den richtigen Weg, lernt die Wege Gottes und ihr werdet Gottes Segen haben!
  10. Die Große Universelle Bruderschaft Es gibt auf der Erde eine Loge von Wissenschaftlern, die sich nur einmal im Jahr treffen, um verschiedene wissenschaftliche Fragen zu erörtern. Diese Eingeweihten wissen mehr über die Erde, über ihre Vergangenheit und Gegenwart als alle zeitgenössischen Wissenschaftler, welche die offizielle Wissenschaft vertreten. Aber was die Zukunft der Erde betrifft, haben sie kein bestimmtes Wissen, sondern stellen nur Vermutungen darüber an. Neben dieser Loge von Eingeweihten auf der Erde gibt es auf der Sonne eine andere Loge von großen Eingeweihten, die nicht nur ein gutes Wissen über die Vergangenheit unseres Planeten, sondern auch über seine Zukunft haben. Aber sowohl die eine als auch die andere Loge sind nur Organe jenes großen Weltorganismus von vollkommenen, weit fortgeschrittenen Wesen, die die Große Universelle Bruderschaft bilden. Diese vollkommenen Wesen sind unvergleichbar fortgeschrittener als die genialsten Menschen auf der Erde, weil sie viel früher als die Menschen aus der Urquelle hervorgegangen sind. Sie alle haben einen bestimmten Entwicklungsweg unter der Führung des göttlichen Geistes durchlaufen und haben diese Entwicklungsstufe erreicht, auf der sie sich jetzt befinden. Und wenn wir von der Großen Universellen Bruderschaft sprechen, verstehen wir jene Hierarchie von Vernunftwesen, die ihre Entwicklung Millionen und Milliarden von Jahren vor den Menschen abgeschlossen haben und jetzt den ganzen Kosmos anleiten. Sie lenken ihn, weil sie selbst an seiner Erschaffung unter der Leitung des großen Geistes Gottes teilgenommen haben. Und wenn man den vernünftigen Aufbau des ganzen Universums mit all seinen Galaxien, mit all seinen unzähligen Sonnen und Planeten und sogar jener hohe Mechanismus und technische Vollkommenheit, mit denen die Erde gebaut ist, beachtet, dann kann man einschätzen, was für einen mächtigen Geist diese genialen Schöpfer gehabt haben müssen, die für die Verwirklichung des göttlichen Weltenplans gearbeitet haben. Je nach dem Grad des Wissens und der Entwicklung und nach dem Dienst, den sie ausüben, sind diese Wesen in einer organischen Ordnung hierarchisch organisiert, deren Stufen unter folgenden Namen bekannt sind: Seraphin -- Brüder der Liebe; Cherubin -- Brüder der Harmonie; Throne -- Brüder des Willens; Herrschaften -- Brüder der Intelligenz und der Freude; Kräfte -- Brüder der Bewegung und des Wachsens; Mächte -- Brüder der äußerlichen Formen und der Künste; Fürstentümer -- Brüder der Zeit, des Zustandes und des Taktes; Erzengel -- Brüder des Feuers und der Wärme; Engel -- Träger des Lebens und der Pflanzenwelt. Den letzten und zehnten Rang werden die fortgeschrittenen menschlichen Seelen einnehmen. Alle zusammen stellen den großen kosmischen Menschen dar. Die Tätigkeit dieser Wesen ist so harmonisch verteilt, dass jedes von ihnen weiß, wann, wie und was es arbeiten soll. Sie steuern die Funktionen des großen kosmischen Organismus, der alle Sonnensysteme beinhaltet. Und unserer Meinung nach gibt es drei Arten von Sonnensystemen: Die erste Art sind die Organe ganzer Galaxien und bildet die materielle physische Welt. Sie ist aus der dichtesten Materie gewebt, obwohl auch diese unterschiedliche Grade aufweist. Die zweite Art ist aus feinerer Materie gemacht, aus der Materie der geistigen Welt und gehört zur Engelwelt. Die dritte Art Sonnensysteme bildet in ihrer Gesamtheit die göttliche Welt und ist aus der feinsten und erhabensten Materie gemacht. Und der Himmel, von dem man in den heiligen Schriften spricht, ist nicht jene blaue Himmelskuppel über uns, hinter der der Raum des Universums verschwindet und an der die Sterne nachts leuchten. Der Himmel ist von hohen Wesen, von hohen Seelen organisiert und deshalb so groß in seinen Taten. Die Engel, die den Himmel bewohnen, sind große Seelen, die ständig ihr Licht auf die ganze Welt senden. Die Energie ihres mächtigen Gedankens wird durch den ganzen Kosmos verteilt und setzt als eine kollektive Kraft alles auf der Welt in Bewegung. Denkt nicht, dass die Engel irgendwelche immateriellen Wesen, irgendwelche gespenstischen Geister sind. Sie sind Wesen, deren Körper hoch organisiert und aus reinem strahlendem Stoff gebildet sind. Ein Engel kann seinen Körper derart beherrschen, dass er sichtbar und unsichtbar werden kann. Er kann frei und mit einer viel größeren Geschwindigkeit als die der Lichtgeschwindigkeit im unendlichen Raum reisen. Er kann ganze Sonnensysteme, ganze Galaxien durchwandern. Die Engel befinden sich auch auf verschiedenen Entwicklungsstufen, aber sie lassen sich im Prinzip in zwei große Reiche untergliedern. Die dem höheren Reich angehörenden Engel steigen selten zur Erde herab. Während die Engel des niedereren Reiches häufiger herabsteigen, um den Menschen bei ihrer geistigen Erhebung zu helfen. Diese großen Brüder der Menschheit stammen von der Menschenrasse ab, sind aber ihren eigenen Entwicklungsweg Milliarden von Jahren vor dem irdischen Menschen -- unter viel günstigeren Bedingungen, die sie vernünftig genutzt haben -- gegangen. Und wenn das Leben der Menschheit einem bestimmten Plan folgt, wenn auf der Erde Kulturen mit ihren Wissenschaften, Religionen und Künsten aufblühen, wenn die Menschen ein ewiges Streben nach Entwicklung und Vollkommenheit haben, ist das diesen Vernunftwesen zu verdanken, die eng mit den Menschen verbunden sind und sich ständig um sie kümmern. Aus ihren Herzen sprudeln Liebe, Freude und Leben. Und dank ihres Impulses leben und streben die Menschen. Ihr Wunsch ist es, dass die Menschheit jenes Licht erwirbt, das sie besitzen, und jene Freiheit, derer sie sich erfreuen. Sie wollen den Menschen das Leben gemäß jenen großen Gesetzen beibringen, nach denen sie selbst leben. Und sie wenden die vernünftigsten Gesetze auf der Welt an. Sie führen das reinste und erhabenste Leben, ein Leben völliger Selbstlosigkeit. In ihrem großen Edelmut steigen diese liebenden Diener Gottes selbst in menschlicher Gestalt zur Erde herab, um den Menschen zu helfen. Sie schicken ständig ihre Boten in der einen oder anderen Form auf die Erde. Alle Genies der Menschheit, alle großen Menschen, Adepten, alle Wissenschaftler, Schriftsteller, Staatsmänner, die der Entwicklung der Menschheit in dem einen oder anderen Bereich helfen, sind Diener der Großen Universellen Bruderschaft. Sie wählt unter der Menschheit die am weitest entwickelten Seelen aus und bereitet sie auf eine geistige Arbeit unter ihren Brüdern vor. In der heutigen Menschheit gibt es Menschen, die feinstoffliche geistige Kräfte und einen feineren Aufbau besitzen. Sie zeichnen sich durch ihre hoch organisierten plastischen Körper aus, denn sie führen ein absolut reines und heiliges Leben. Ihre außergewöhnliche Entwicklung befähigt sie dazu, geistige Helfer der Menschheit zu sein. Die Fortgeschrittensten unter ihnen haben ihre Entwicklung auf der Erde abgeschlossen und verfügen über ein umfangreiches Wissen. Sie wissen vieles von jener positiven absoluten göttlichen Wissenschaft, die seit der Entstehung der Welt existiert. Viele von ihnen leben Tausende Jahre lang auf der Erde. Sie haben den Prozess der Auferstehung durchlaufen und für sie gibt es weder Tod noch Wiedergeburt. Diese Menschen, Söhne Gottes genannt, in deren Geistern und Seelen Gott lebt, die mit der ganzen vernünftigen Welt, mit allen fortgeschrittenen Wesen in allen Sonnensystemen verbunden sind, sind nämlich jene großen Seelen, Meister der Menschheit, die in jeder Hinsicht die höchste Manifestation in Wort und Tat erreicht haben. Sie sind jene mächtigen Geister, die offen oder heimlich die Menschheit vorantreiben. Hinter jeder geistigen Tätigkeit, hinter jeder geistigen Äußerung stehen diese Brüder. Hinter jedem großen Menschen, hinter jedem großen Dichter, Musiker oder Künstler stehen wiederum sie. Denn, damit sich ein genialer Mensch auf der Erde offenbaren kann, müssen sich Tausende von genialen Seelen vereinen und sich durch ihn offenbaren. Damit sich ein Meister offenbart, müssen sich alle vernünftigen Seelen in ihm vereinen. Wer ist Christus? -- Christus ist ein kollektiver Geist. Er ist die Summe aller Söhne Gottes, aus deren Seelen und Herzen Liebe und Leben hervorsprudeln. Alle Söhne Gottes, in einem vereint, alle vernünftigen Seelen, die in göttlicher Einheit leben, sind Christus. In diesem Sinne ist er das Haupt der Großen Universellen Bruderschaft. Und der Stern, der bei der Geburt Christi erschienen ist -- von dem im Evangelium die Rede ist --, war etwas Lebendiges; er stellte eine Summe lebendiger Wesen dar, die von oben herabgestiegen sind, um die Ankunft Christi zu verkünden. Aber nur die drei Weisen aus dem Morgenland -- große Eingeweihte -- sahen und erkannten diesen Stern. Und diese drei Weisen waren auch Diener der Großen Universellen Bruderschaft. Also behaltet in eurem Gedächtnis: Die einzige große Gemeinschaft, die jetzt auf der Welt existiert, ist die Große Universelle Bruderschaft. Jene Mitglieder der Großen Universellen Bruderschaft, welche die Entwicklung der Menschheit leiten und sie in die leuchtende Zukunft führen, bilden keine für die Menschen sichtbare Gesellschaft oder Organisation. Sie stellen eine lebendige Kollektivität, eine vernünftige Gemeinschaft dar, die außerhalb der verdorbenen Bedingungen existiert, unter denen die Menschen leben. Und genau deshalb ist es lächerlich zu sagen, dass der Sitz dieser Bruderschaft hier oder da, unter diesem oder jenem Volk sei. All diese großen Brüder, die in den geistigen Sphären der Erde arbeiten, kommen aus sieben Hierarchien und sind von sieben Kategorien. Einige von ihnen gehören der Liebe an und werden Brüder der Liebe genannt. Andere gehören der Weisheit an und werden Brüder der Weisheit genannt: Sie unterstützen die Wissenschaften und die Künste und bringen der Menschheit Wissen. Eine dritte Gruppe von ihnen wird Brüder der Wahrheit genannt: Sie bringen die Freiheit in den menschlichen Verstand und in die Herzen; sie bringen jene Freiheit, die den menschlichen Geist, die menschliche Seele, den menschlichen Verstand und das Herz freimacht -- frei im wahrsten Sinne des Wortes. Andere werden Brüder der Gerechtigkeit genannt: Sie bringen der Menschheit Gerechtigkeit und verfügen über jene unsichtbaren Güter, welche die heutigen Menschen benötigen. Eine fünfte Gruppe wird Brüder der Tugend genannt, eine sechste Gruppe Brüder der Schönheit, und schließlich kommen diejenigen, die den Namen Jehovisten tragen. Das ist aber nicht der eigentliche Name dieser Brüder. Ich kann ihn nicht aussprechen, weil er heilig ist. Diese Brüder sind nicht so gewöhnlich, wie die Menschen glauben. Jeder von ihnen kann die Erde in seiner Hand hochheben, und wie einen Ball durch den Raum werfen. Und sie können das tun, weil hinter ihnen etwas noch Mächtigeres, Höheres steht, dem sie dienen. Und wenn einige glauben, dass sie sich diesen Brüdern widersetzen können, zeigt das, dass sie den tieferen Sinn dessen nicht verstehen, der im Begriff \textit{weißer Bruder} enthalten ist. Wenn es eine Frage der Kraft ist, verfügen diese Brüder über die mächtigste Kraft. Sie kennen derart die Funktionen des menschlichen Gehirns, dass sie an einem Tag die ganze Menschheit einschläfern können. Was stellen sogar die mächtigsten zeitgenössischen Geschütze im Vergleich zu der Stärke dieser großen Brüder dar? Aber sie wollen keine drastischen Maßnahmen ergreifen; sie lassen die Menschen mit dem Preis von Tausenden von Leiden alles selbst probieren, denn nur die Leiden sind imstande, sie edler zu machen und zu verbessern. Und eines Tages begreifen die Menschen, dass es auf der Welt nur einen großen Rechtsstaat gibt, deren Bürger -- die Söhne Gottes -- die vernünftigsten Wesen sind, die nach dem Willen Gottes leben und seinen Willen ausführen. Es wird kein Volk auf der Erde bleiben, das die Kraft und die Macht dieses Rechtsstaates nicht erfahren wird. Aber wenn die Menschen heute nicht den richtigen Weg gehen, liegt der Grund darin, dass gegen die Große Weiße Bruderschaft eine andere Loge von intelligenten Wesen arbeitet, die den tiefen Sinn des Lebens nicht verstanden und diametral entgegengesetzte Ansichten darüber hat. Sie bilden die sogenannte schwarze Bruderschaft. Die schwarze Bruderschaft ist eine Hierarchie von Wesen, die in Abhängigkeit von ihrer Intelligenz unterschiedliche Ränge einnehmen. Um eine klare Vorstellung von ihrer Funktion zu geben, sage ich, dass während die weiße Bruderschaft in den Zweigen und Blüten des Lebens nach den Methoden der Zweige und Blüten arbeitet, die schwarze Bruderschaft in den Wurzeln des Lebens arbeitet. Während die weiße Bruderschaft im Kopf und der Brust des kosmischen Menschen arbeitet, arbeitet die schwarze Bruderschaft im Bauch, in der Leber und in den Därmen. Folglich ist die weiße Bruderschaft mit den positiven Kräften, mit dem Guten und die schwarze Bruderschaft mit den negativen Kräften, mit dem Bösen im weitesten Sinne des Wortes verbunden. Sowohl die einen als auch die anderen Kräfte benötigt man momentan für die Offenbarung des Lebens. Ihr Dienst ist streng unterteilt. Außer diesen zwei Schulen gibt es eine dritte Schule, die Schule der großen Meister, die einer höheren Hierarchie angehören, und die Tätigkeit der ersten zwei leiten. Sie bedienen sich sowohl der Methoden der einen als auch der anderen Methoden um ihrer großen Ziele willen, aber sie gehören weder der einen noch der anderen Schule an. Sie sind jene großen Meister der Universellen Bruderschaft, die den ganzen Kosmos leiten und nach Abschluss jeder Evolution neue, einem anderen Plan und anderen Rhythmus folgenden Evolutionswellen schaffen. Unter der Leitung ihres mächtigen Geistes stiegen einst aus den hohen Gipfeln des Daseins jene erhabenen Geister herab, die die Sonnensysteme, darunter auch unseres, schufen. Sie schufen und errichteten die erste kosmische Erde, das damalige Paradies. Auf dieser kosmischen Erde leben heute noch jene vollkommenen Urmenschen, die ihre Entwicklung vollendeten. Das sind die großen Vorfahren der Menschheit. Diese Schöpfer der Vergangenheit, diese großen Vorfahren kommen auch heute wieder zu unserer Erde herab. Und sie werden sie in ein Paradies umwandeln. Mit ihnen werden auch jene 144 000 Seelen kommen, von denen in der Offenbarung die Rede ist und unter denen Vertreter aller Völker der Vergangenheit und der Gegenwart sind. Alle Heiligen, Adepten und Meister seit Menschengedenken werden kommen. Sie werden alle erwachten Seelen aus den vier Himmelsrichtungen der Erde mit ihrem mächtigen Geist in die Arbeit einspannen und alle zusammen die wahre Ordnung auf die Welt bringen. Nach Abschluss ihrer Arbeit werden sie sich zurückziehen und die Menschen unter den neuen Bedingungen leben und arbeiten lassen. So wird sich der Kontakt zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt wiederherstellen lassen. So arbeitet und wird die Große Universelle Bruderschaft in der Welt arbeiten. Und sie wird arbeiten, bis die einheitliche Liebe, die einheitliche Weisheit und die einheitliche Wahrheit das ganze Dasein umfassen. Dann wird jeder Atemzug in heiligem Frieden und in Harmonie Gott loben.
  11. Die lebendige Natur Die lebendige Natur in ihrer Gesamtheit ist eine Offenbarung vernünftiger Kräfte, vernünftiger Wesen verschiedener Grade, die in vollkommener Harmonie, engem Kontakt und Einheit leben. Sie alle haben ein hohes Ziel, das wir Gott nennen, d. h. das, was kein Ende, keinen Anfang hat, in dem alles existiert, sich bewegt und entwickelt. Offensichtlich verstehen wir unter lebendiger Natur nicht jenes, was die heutigen Naturwissenschaftler darunter verstehen. Für uns ist die Natur etwas Großes, nicht nur ihrem Aufbau, sondern auch ihrer Intelligenz und ihrer höchsten Vernunft zufolge, die sie offenbart. Die lebendige Natur ist eine Summe denkender Wesen, die die Atome der wunderbaren und großen Welt darstellen. Der ganze Raum, in dem wir leben und uns bewegen, ist voll von Wesen verschiedener Kategorien und Kulturen. Also, wenn wir vom Kosmos sprechen, verstehen wir darunter eine Summe von vernünftigen Wesen, unter denen die Beziehungen absolut harmonisch sind. Diese Wesen sind es nämlich, die dem ganzen Kosmos einen Wert verleihen. Aus diesem Grund ist der ganze Kosmos aus der Sicht derjenigen, die über ein kosmisches Bewusstsein verfügen, ein lebendiges Wesen, in dem sich alles vereinigt. Und dieser Kosmos kann sowohl grenzenlos als auch begrenzt, sowohl groß als auch klein sein: Eine große Eigenschaft des Ewigen ist es, alle beliebigen Formen anzunehmen. Aus der Sicht der großen Eingeweihten aller Zeiten und Epochen erscheint der ganze Kosmos, der ganze in der Antike sog. Makrokosmos in der Form eines Menschen -- des großen himmlischen Menschen. Das Bild dieses kosmischen Menschen betrachtend, entdeckten sie die Übereinstimmungen, die zwischen ihm und dem kleinen Menschen -- dem Mikrokosmos -- bestehen. Aus diesem Grund sage ich euch, dass ein Mensch, bei dem jede Zelle wach und bewusst ist, mit der ganzen lebendigen Natur umgehen kann. Ihr seht die Sterne als ferne, leuchtende Punkte am Himmel. Aber jeder Stern von der Milchstraße oder von jedem beliebigen System der Galaxie hat seinen Empfänger im menschlichen Gehirn. Der Mensch kann augenblicklich die Schwingungen, die von den verschiedenen Sternen kommen, empfangen. In diesem Sinne sage ich, dass sich der Mensch mit dem ganzen Kosmos unterhalten kann. Wenn für die Menschen auf der Erde die Sterne nur helle Punkte sind, sind sie für einen Engel ganze Welten, die mit Millionen von Wesen bevölkert sind. Diese Wesen haben eine viel höhere Kultur als die menschliche. Also, wir nennen das, was offenbart ist, die vernünftige lebendige Natur. Und das, was noch nicht offenbart ist, nennen wir die ideelle Seele des Seins. Das, was mit den Ideen, der Ewigkeit, dem Heiligen, dem Nichtoffenbarten zu tun hat, ist Gott, das ist der große Lebensbeginn. Er ist mit dem Offenbarten verbunden. Aus diesem Grunde bezeichnen manche Menschen die Natur als den göttlichen Körper. Das ist aber nur eine Gestalt. Aber viele schwärmen so stark für diese Gestalt und behaupten, dass die Natur und Gott ein und dasselbe sind. Aber wenn Natur und Gott ein und dasselbe wären, dann wäre Gott ein begrenztes Wesen. Wir wissen eins mit Sicherheit, dass die Natur das Offenbarte und Gott das Nichtoffenbarte, Grenzenlose ist, das sich ewig offenbart und nie ganz offenbart sein wird. Die gewöhnlichen Menschen, die einen kleinen Ausschnitt von der Welt sehen, denken, dass die Natur etwas Mechanisches, Unvernünftiges sei, in dem die Zufälle herrschen. Offensichtlich projizieren sie sich selbst in die Natur. In der Natur gibt es eigentlich nichts Zufälliges, nichts Beliebiges. In ihr ist alles nach den Gesetzen der göttlichen und unveränderlichen Mathematik aufgebaut. Aus diesem Grund sind alle ihre Taten streng, vernünftig und bestimmt. Die Vernünftigkeit in der Natur kann man überall deutlich sehen. Welchen Organismus wir auch immer betrachten, seinen Aufbau, seine Funktionen, mit all ihrer Gesetzmäßigkeit und Zweckmäßigkeit erforschen und durchdringen, dann überzeugen wir uns von der großen Vernünftigkeit der Natur, die alles steuert. Man muss natürlich eine hochintelligente und weitblickende Vernunft, gut entwickelte Fähigkeiten und eine Gabe zur feinen und durchdringenden Beobachtung haben, um die Feinheiten des Vernünftigen, das sich in der Natur offenbart, zu erfassen. Die lebendige Natur hat ihre eigene Sprache, und wenn der Mensch sie gut verstehen will, soll er danach streben, ihre Sprache zu erlernen. Die Natur bedient sich immer der Abbilder. Sie spricht immer durch Bilder und Symbole. Ihre Sprache ist nicht wie die Sprache der heutigen Menschen, die aus trockenen Begriffen, leeren logischen Formen des analytischen Intellekts besteht. Ihre Sprache ist lebendig, bildhaft, symbolisch -- eine Sprache von großer und schöner Vielfalt. Die Natur duldet überhaupt keine Gleichförmigkeit oder Wiederholung. Sie mag die Vielfalt in progressiver und aufsteigender Folge. Und deswegen erzeugen die Menschen etwas Böses, wenn sie alles im Leben auf eine mechanische Gleichförmigkeit zurückführen wollen. Wenn sie wie die Natur nach den Gesetzen der Vielfalt und der Harmonie arbeiten, tun sie etwas Gutes. Die lebendige Natur mag die Vielfalt und die Fülle, aber sie duldet die Überschüsse nicht. Wenn ihre Energien nicht vernünftig genutzt werden, wenn sie in ihrem unaufhörlichen Gang und in ihren Umwandlungen gehemmt und im geschlossenen Kreis der Gleichförmigkeit begrenzt werden, wirkt die Natur dem entgegen. Die Natur mag keinen Stillstand. In ihr gibt es ewige Bewegung, ewiges Schaffen, das von vernünftigen Gesetzen geleitet wird. In diesen Gesetzen erkennt man einen Rhythmus, eine Periodizität, die sich tief im Wesen des Daseins und seinen Offenbarungsweisen verbirgt. Auf diesem kosmischen Rhythmus beruhen jene beiden großen Prozesse in der lebendigen Natur -- die Involution, bei der es eine Bewegung vom Zentrum zur Peripherie gibt, und die Evolution, die eine Bewegung des Lebens von der Peripherie zum Zentrum darstellt. In diesen beiden Prozessen entstehen die Bedingungen, unter denen sich das universelle Leben offenbaren kann. Es gibt zwei große Strömungen: eine von dem Grenzenlosen kommend, die ständig kleiner wird und zum unendlich Kleinen -- der Zelle -- herabsteigt; die andere, die ständig von dem unendlich Kleinen -- von der Zelle her -- zum Großen, Unendlichen hinaufsteigt. Und wenn diese zwei Strömungen des Weltalls sich im Menschen begegnen, werden die großen Fähigkeiten und Tugenden der menschlichen Seele geboren. Die lebendige Natur umfasst alles in ihrer Aura. Diese Aura ist hell, rein, vernünftig und sanft. Die lebendige Natur hat alles in den Menschen hineingelegt und unterstützt ihn jederzeit beim Aufziehen jener Keime, die in seiner Seele gepflanzt sind. Als eine fürsorgliche Mutter hält sie sein Bewusstsein ständig wach, indem sie ihn auf unterschiedliche Wege und Weisen auf alles aufmerksam macht, was um ihn herum geschieht. Und die heutigen Menschen irren sich, wenn sie meinen, dass sie die Natur beherrschen können. Wenn ihnen das wirklich gelingen würde, würde die ganze Erde zerstört sein und kein einziges Lebewesen mehr darauf leben können. Die lebendige Natur lässt sich aber nicht erobern. Das Einzige, was sie erlaubt, ist, dass man ihre Kräfte in die Arbeit einspannt. Aber nur der vernünftige Mensch, der ihre Gesetze berücksichtigt, kann, ohne bestraft zu werden, ihre Kräfte in die Arbeit einspannen. Jeder, der ihre Gesetze nicht berücksichtigt, wird vernichtet. Und die Erfahrung zeigt, dass all jene, die sich eingebildet haben, dass sie die Natur beherrschen, unter dem Staub ihrer illusorischen Phantasien zugeschüttet wurden. Menschen, die sich vorstellten, dass sie gegen die Natur kämpfen müssen, um sie zu beherrschen, sahen immer dann, dass sie sich gewaltig in ihren Hoffnungen getäuscht hatten, wenn sie den Gipfel ihrer Vorhaben erreicht hatten und ihre Früchte kosten wollten. Die Natur nahm ihnen im letzten Augenblick die Frucht ihrer Bemühungen weg und ließ sie wieder arbeiten, um all ihre Fehler und Irrtümer zu korrigieren. Der Mensch darf nicht gegen die Natur kämpfen, denn er wird immer eine Niederlage erleiden. Und wisst ihr, was seine Niederlage ist? -- Der Tod. Der Grund für den Tod des Menschen ist sein ständiger Kampf mit der lebendigen vernünftigen Natur, die er umsonst zu erobern versucht. Denn man darf es nicht vergessen, dass die Natur nicht so leicht verzeiht. Der Mensch kann zehnmal bereuen und trotzdem können seine Sünden nicht vergeben werden. Die Natur vergibt dem Menschen nur, wenn er ihre Gesetze berücksichtigt, und zwar nicht nur äußerlich, mechanisch, sondern ganz bewusst. Alle, die bestrebt sind, über die Natur zu herrschen, alle, die gegen sie kämpfen und ihr widerstreben, sind genau betrachtet außerhalb von ihr. Wir sprechen allegorisch. Die Natur ist für sie verschlossen, sie bleibt für sie eine geschlossene Welt. Und wisst ihr, was für Schönheiten es auf dieser Welt gibt, was für Wesen darin leben? Die Menschen, die heute auf der Erde nur herumkriechen, kann man gescheiterte Schüler der Natur und Gefangene nennen. In diesem Sinne des Wortes sind sie tatsächlich außerhalb von ihr. Für diese Menschen hat die Natur ihre Erziehungsanstalten. Und sie betritt diese oft mit ihrem Zauberstab. Aber für die vernünftigen Menschen ist die Natur eine herrlich geregelte Welt -- eine Welt der Harmonie, Musik und Schönheit. Und wenn eines Tages die Ohren der Menschen geöffnet werden, werden sie überall auf der Welt diese großartige Musik in der Natur hören. Es gibt eine besondere Musik in der Natur. Denn sie singt nicht immer. Manchmal schweigt sie auch. In ihrem Schoß herrscht dann unaussprechliches Schweigen. Aber in diesem Schweigen ist ein tiefer Sinn: Tief unter dem Erdboden entsteht eine große Idee, und bis sie sich formt und geboren wird, schweigt die große Natur. Wird sie geboren, beginnt sie ein neues Lied zu singen. Und wenn ihr ein bewusstes Leben führt, wenn eure Seele wach und liebevoll auf alle Lebewesen eingestimmt ist, dann nehmt ihr die göttliche Musik der Natur wahr, die sich als lebendige Freude in eurem ganzen Wesen ausbreiten wird. Durch diese Musik werden euch die Gedanken aller Vernunftwesen übermittelt werden. Das Leben aller Vernunftwesen in der lebendigen Natur wird euch mit einer viel höheren Geschwindigkeit als die des Lichtes übermittelt, und ihr werdet euch als Bürger ihres großen Reiches fühlen.
  12. Der Kern der göttlichen Lehre Ihr fragt mich, woraus der Kern der Lehre besteht. Ich habe es euch gesagt und sage es wieder: Der Kern der göttlichen Lehre sind die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit. Ich weiß, dass ihr mich wieder fragen werdet, was sie seien. Hört zu, ihr, die ihr schon den unumkehrbaren Fehler gemacht habt, die Schale des Lebens zu zerbrechen, um seinen Kern zu kosten, den Kern, den alle essen, ohne ihn jemals aufessen zu können. Setzt den Fehler fort -- esst vom Kern, aber stolpert nicht über die Schalen! Ich aber sage euch: Esst von der Schale, kostet die Wahrheit, aber stolpert nicht über die Schalen; verlangt nicht nach Beweisen. Also, hört die Antwort auf eure Frage: Die Liebe ist dasjenige, ohne das kein Leben existieren kann; die Weisheit ist dasjenige, ohne das keine Bewegung existiert; die Wahrheit ist dasjenige, ohne das keine Grenze existiert. Die Liebe ist der Anfang des Lebens, die Wahrheit ist das Ende des Lebens; das sind die beiden Grenzen des Großen in der Welt. Das, was sich in der Mitte bewegt und die Dinge formt, ist die Weisheit. Die Weisheit kann nicht arbeiten, wenn es keinen Anfang und kein Ende gibt. Zwischen der Wahrheit und der Liebe arbeitet die Weisheit, also in diesem Zwischenraum, der zwischen dem Anfang und dem Ende gebildet ist und von allen Ewigkeiten gefüllt wird, ohne ausgefüllt werden zu können. In diesem Zwischenraum bewegt sich die Weisheit und erklärt, was die Liebe und die Wahrheit sind. Die Weisheit spricht: Ich, die ich mich zwischen dem Anfang und dem Ende bewege, sage euch: Die Liebe ist der Anfang jeden Daseins. Die Wahrheit ist das Ende jeden Daseins, das höchste Ziel. Und hinter der Wahrheit? Hinter der Wahrheit ist nichts, hinter sie kann man nicht blicken. Jedes Ding, das erschaffen worden ist, kommt schließlich zur Wahrheit, nachdem es sich bewegt und wieder bewegt hat. Und dann passiert eins von beiden: Entweder berücksichtigt es die Gesetze der Wahrheit und lebt ihnen gemäß, oder es wird zermalmt. Du sagst: {\glqq Sag mir die Wahrheit!\grqq} Die Wahrheit kann nicht ausgesprochen werden. Sie wird gelebt. Die Wahrheit stellt die Frucht des gesamten Lebens dar. Sie beinhaltet das, wodurch sich Gott offenbart. Sie beinhaltet das, wodurch alle vollkommenen Wesen sich offenbaren. Sie beinhaltet die ganze Ewigkeit, die aus Tausenden und Millionen Ewigkeiten besteht. Denn es gibt Ewigkeiten, die begrenzt sind. Es gibt auch Ewigkeiten, die unbegrenzt sind. Also merke dir: Wenn du mit deiner Liebe nicht vom Anfang zum Ende gehen willst und in die Wahrheit eintreten kannst, und wenn du mit deiner Wahrheit nicht vom Ende zum Anfang zurückkehren kannst, dann wirst du nie begreifen, was das Leben ist. Du sollst den Anfang und das Ende verbinden. Kannst du es nicht, dann kannst du weder etwas verwirklichen noch verstehen. Und was verbindet Anfang und Ende? Nur die Weisheit.
  13. Das Licht Das Licht -- das ist ein schöpferischer Akt der großen Natur. Sie unterscheidet das Sein vom Nichtsein, das Zeitliche vom Ewigen, das Reale vom Vergänglichen. Das Licht -- das ist der erste Akt des Erwachens in der lebendigen Natur. Und unter Erwachen verstehen wir den Übergang vom grenzenlosen zum begrenzten Zustand der Natur. Wenn ihr die heutigen Physiker nach ihrer Meinung über das Licht fragt, werden sie es als eine Reihe von Schwingungen definieren, die die sieben Farben -- rot bis violett -- enthalten. Das sind die obere und die untere Grenze, zwischen denen das Licht in der physischen Welt erscheint. Oder genauer, das sind die Grenzen, in denen der Mensch das Licht wahrnimmt. Aber ist das Licht als solches eine Schwingung? Tatsächlich sind die Schwingungen eine Manifestation des Lichtes, aber das Licht selbst ist keine Schwingung. Die Frage nach dem Licht ist eine Frage für hoch entwickelte Menschen, die eine andere Struktur als die heutigen Menschen haben. Es wird noch lange dauern, bis die Körper der Menschen so entwickelt werden, dass sie die lebendigen Erscheinungen in der Natur in ihrer wahren Form wahrnehmen können. Und wenn ihr diese hoch entwickelten Menschen nach dem Ursprung des Lichtes fragt, welches der durchschnittlich entwickelte Mensch wahrnimmt, werden sie euch erwidern, dass vom Weltraum zur Erde andere Lichtschwingungen kommen, die sich dabei derart verändern, dass das gewöhnliche Licht entsteht. Hinter diesem gewöhnlichen Licht aber, das nur ein Abbild ist, steht eine andere Art von Energie höheren Ranges und hinter dieser steht etwas Vernünftiges. Für diejenigen, die sehen können, ist alles in der lebendigen Natur Licht. Alle Gegenstände auf der Erde, alle Mineralien, Pflanzen, Tiere sowie die Körper der Menschen sind nichts anderes als Licht, das in seinen mannigfaltigen Erscheinungen eine andere Form angenommen hat. Für diejenigen, die sehen können, ist das Licht nicht tot, es besteht nicht nur aus Schwingungen, wie man es heute behauptet. Das Licht geht aus dem Leben hervor. Nachdem sich die Liebe offenbart hat, wird das Leben geboren. Wenn sich das Leben offenbart hat, offenbart sich auch das Licht. Also, das große Prinzip des Lebens ist es, welches das Licht erzeugt hat. Und das Licht hat seinerseits alle lebendigen Formen in der Natur gezeugt. Es ist der größte Werkmeister in der schöpferischen Arbeit der Natur. Aus diesem Grund sagte man: {\glqq Gott ist Licht.\grqq} An sich ist Gott kein Licht, aber er erzeugt das Licht und offenbart sich darin. Sein Geist bringt das ganze Licht. Die Seele begreift Gott als unendliches Licht ohne Schatten. Sie begreift seine Einheit im offenbarten Licht. Und dieses Licht hat viele Erscheinungsformen. Deshalb unterscheidet sich das Licht, das wir in der physischen Welt wahrnehmen, vom Licht, das die geistige Welt erleuchtet, sowie vom Licht, das die göttliche Welt erleuchtet. Damit der Mensch das geistige Licht wahrnehmen und begreifen kann, soll er ein geistiges Sehvermögen besitzen. Dann offenbart sich vor ihm eine herrliche Welt, in der das Licht herrscht. Dieses Licht ist lebendig und vernünftig und alle großen Mystiker, die dieses Licht in sich tragen, sehen eine unendliche Welt, die in den sanftesten, zartesten und schönsten Farben schwingt, welche die Seele als lebendige Strahlen erfüllen. Aus diesem Grund ist das Licht für diejenigen, die sehen können, tausendmal realer als diese Welt. Das Licht, das wir in der physischen Welt wahrnehmen, ist nur eine Reflexion des wahren Lichtes. Das lebendige Licht ist jener große Werkmeister, der die Formen der menschlichen Gedanken, der menschlichen Wünsche und Gefühle erschafft. Es ist die Schale des menschlichen Geistes, der menschlichen Vernunft. Ohne es kann keiner denken und fühlen. Das Licht ist dasjenige, das die Dinge erklärt. Es veranlasst die Vernunft, zu denken und logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist die Ursache dafür, dass die Intuition unmittelbar begreift. Deshalb kann sich keine geistige Tätigkeit offenbaren und kein organischer Prozess ohne die Anwesenheit des Lichtes vollenden. Der Grad der Entwicklung aller Lebewesen hängt von der Qualität und der Quantität des Lichtes ab, die sie besitzen. Dieses Maß betrifft auch die Menschen: Ein Mensch unterscheidet sich von einem anderen Menschen nach dem Grad seines Lichtes. Über den Charakter, über die Intelligenz des Menschen urteilt man nach der Qualität und der Quantität des Lichtes, das er aufnimmt und äußert. Aus diesem Grund erkennt man den Menschen an dem Licht seines Lebens. Wenn ein Mensch in die vernünftige Welt eintritt, erkennt man an seinem Licht, woher er kommt und was für ein Leben er lebt. Wenn er den Willen Gottes erfüllt hat, wird ihm, wenn er in die vernünftige Welt eintritt, ein solches Licht, eine solche Freude, eine solche Wonne, erfüllen, als ob er die ganze Welt besäße. Wo er auch hinblickt, überall wird er kein anderes Objekt als das Licht, das unendliche Licht, sehen. In diesem unaufhörlichen Licht gibt es keine Schatten. Es ist ein stetes grenzenloses Scheinen. Die Offenbarungen des vernünftigen Lebens kennzeichnen sich immer durch das Erscheinen des Lichtes. Und wir unterscheiden den Grad der Vernunft nach dem Grad des Lichtes. Je strahlender und intensiver, je sanfter und zarter das Licht ist, das aus einem vernünftigen Wesen hervorscheint, je mächtiger es das Leben beleuchtet und ihm einen Sinn gibt, desto höher ist die Intelligenz seines Trägers. Von diesem Gesichtspunkt aus zeigt das im Raum existierende Licht, dass in der Natur Vernunft besteht. Alle strahlenden Körper, die wir im Weltraum sehen, sind lebendige vernünftige Wesen, die ihr Licht senden. Das Sonnenlicht ist auch ein Werk vieler vernünftiger Wesen, die ihre Vernunft in Form von Licht senden. Der Mensch selbst ist auch Licht. Alle guten Menschen sind leuchtend, und alle bösen Menschen, die den Sinn des Lebens verloren haben, sind dunkel -- von ihnen geht nur ein trübes Licht aus. Alle guten Menschen haben Sterne. Und das ist nicht nur eine Redewendung, sondern die Realität. Das ganze gegenwärtige Leben des Menschen, alle seine zukünftigen Leben hängen vom Licht seines Sterns ab. Dieser Stern ist der Schatz seines Lebens. Als Christus auf die Erde kam, kam auch sein Stern mit ihm. Aber ihn sahen nur die drei Weisen aus dem Morgenland. Wenn Christus wieder zur Erde zurückkehrt, wird sein Stern zehnmal leuchtender als vor 2000 Jahren sein. Aber er wird nur für diejenigen sichtbar sein, die bereit sind, das göttliche Licht wahrzunehmen. Denn Christus wird als inneres Licht in der Vernunft und in den Herzen der Menschen kommen. Dieses Licht wird die Menschen zusammenführen und sie innerlich vereinigen. Diese Menschen werden Menschen des Lichtes, Menschen mit Sternen sein. Solche Menschen mit Sternen waren einst die Apostel. Als Christus auferstand, erschienen viele Sterne. Das sind jene Feuerzungen, über die man zu verschleiert im Evangelium spricht. Diese Sterne strahlten so viel Licht aus, dass eine Vereinigung zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, zwischen den Aposteln und den leuchtenden Vernunftwesen -- den Bewohnern des Himmels -- zustande kam. Wenn dieses Licht eine Seele ergreift, zögert und zweifelt sie nicht mehr. Das ist einer der größten Augenblicke, die ein Mensch erleben kann. In ihm keimt und offenbart sich ständig ein edles, zartes Gefühl. Dieses Gefühl ist so zart und delikat, aber dennoch intensiv. Er bemächtigt sich seiner mit einer solchen inneren Kraft und Macht, dass der Mensch unbesiegbar wird. Also, wenn du das Licht begreifen willst, geh dorthin, wohin das Licht strahlt! Strahlt das Licht nur in königliche Schlösser hinein? Es sucht sowohl in reine als auch in schmutzige Orte auf -- beschmutzt sind die Hände des lebendigen Lichtes. Aber wenn das Licht, das so hoch oben ist, hinuntersteigt und seine Hände mit den Sünden der Menschen beschmutzt, um wie viel mehr sollen es die Menschen tun? Das Licht macht vor nichts Halt; es durchdringt auch die abgelegensten Orte, damit es sie beleuchtet und belebt. Das ist eine große Demut. Wenn du die Demut des Lichtes nicht besitzt, wird aus dir nichts werden. Sei wie das Licht! Das Licht geht überall hin, geht durch alles hindurch, aber bleibt nicht stehen. Kein einziges Teilchen des Lichts bleibt dort, wohin es gegangen ist. Das Licht durchwandert ständig die Welt. Wie groß ist das Herz des Lichtes! Geh den Weg des Lichts! Und der Weg des Lichts ist ein Weg, auf dem es keinen Staub gibt. Vergiss auch eines nicht: Wenn auf dem Wege, den du gehst, dein Stern ständig aufgeht, dann stehst du auf dem Wege des Lichtes. Wenn auf dem Wege, den du gehst, dein Stern ständig untergeht, dann stehst du auf dem Wege der Dunkelheit. Wenn du den Sinn des Lebens verlierst, suche das, was leuchtet. Und das, was ewig leuchtet, ohne zu erlöschen, ist die Weisheit. Befreunde dich mit dem, was leuchtet -- mit der Weisheit! Sie gibt dir Wissen. Das Wissen bekleidet dich mit dem schönsten Gewand, mit dem Licht. Weil das Licht ein Gewand des Wissens ist. Wenn du unerreichbar sein willst, sei wie das Licht! Das Licht ist das Unerreichbare. Wenn du stark sein willst, denke an das Licht! Das Licht ist stark und lebendig. Liebe die Freiheit und sei frei!
  14. Die Freiheit Das, was der menschlichen Seele Freiheit bringt, ist die Wahrheit. Streben und Sehnsucht der menschlichen Seele ist es, frei zu sein. Das ist ein großer innerer Anstoß -- nicht des gewöhnlichen Menschen, sondern des Menschen, bei dem das göttliche Bewusstsein erwacht ist. Ihr habt gehört, dass es heißt: {\glqq Erkennt die Wahrheit und die Wahrheit wird euch freimachen.\grqq} (Joh 8,32) Die Wahrheit -- das ist das Licht der göttlichen Welt. Die Wahrheit ist seine Grenzenlosigkeit. Und deshalb, wenn man von der göttlichen Freiheit spricht, die von der Wahrheit ausgeht, versteht man die Grenzenlosigkeit, d. h. das Streben der Seele danach, in der Grenzenlosigkeit zu leben. Die Freiheit, im wahrsten Sinne des Wortes, gehört zur göttlichen Welt. Nur Gott ist absolut frei. Und deshalb erkennt die menschliche Seele, die in der Wahrheit lebt, Gott als Freiheit ohne Begrenzungen. Und wenn der Mensch diese Freiheit empfindet, verschwinden jede Last und alle Einschränkungen, die ihn bedrücken. Er empfindet Frieden, Weite, Erweiterung. Für sein Bewusstsein gibt es keine Grenzen, mit nur einem Blick durchdringt er die Dinge. Das ganze Eis unter ihm und um ihn herum schmilzt. Die Sonne beginnt zu scheinen, und alle edlen Keime, die tief in seiner Seele niedergelegt sind und seit Tausenden von Jahren darauf warten, hervorzusprießen, beginnen sich zu entwickeln und zu wachsen. Die Freiheit ist für das Erlangen jenes hohen Ideals notwendig, nach dem der Mensch strebt. Der heutige Mensch ist nicht frei. Er strebt nach Freiheit, aber er sucht sie auf äußerlichen Wegen. Die Freiheit aber kann nicht von außen kommen. Sie kann nicht gesetzlich verfügt werden. Jede politische oder religiöse Freiheit, die von außen her verfügt wird, ist nur ein Schatten der Freiheit. Die ideelle Freiheit, die Freiheit, die aus der Wahrheit geboren wird, beruht auf keiner Gewalt. Sie hängt weder vom menschlichen Wissen noch von der menschlichen Rechtsordnung ab. Sie wird von keinem äußerlichen Gesetz und von keiner Kraft geschützt. Und tatsächlich: Freiheit, die mit einem Gewehr in der Hand geschützt wird, ist das eine Freiheit? Die Menschen von heute sind Sklaven und um sich zu befreien, müssen sie neu geboren werden. Die Neugeburt ist ein Abbruch jener Beziehungen, die uns jetzt hindern. Sie bedeutet eine Befreiung von den Ketten des Schicksals und der Notwendigkeit. Sie bedeutet eine Wiederherstellung jener urtümlichen Beziehung des Menschen zu Gott, die seit seiner Entstehung auf der Welt existiert. Sie bedeutet eine Wiederherstellung seiner Freiheit. Denn ursprünglich wurden alle Lebewesen frei geschaffen. Und wenn die Freiheit später aus der Welt verschwindet, ist allein der Mensch daran schuld. Er selbst hatte seine ursprüngliche Beziehung zu dem Urgrund abgebrochen. Er hat viele andere Beziehungen geknüpft, die ihn begrenzt und irregeführt haben. Das göttliche Prinzip befreit ihn ständig von den Einschränkungen des Alten, aber nicht viel später schlägt er wieder den alten Weg ein. Aus diesem Grund, wenn der Mensch frei sein will, darf er nur eine einzige Beziehung haben -- die zu Gott. Mit allen anderen Lebewesen darf er nur Kontakt haben. Denn das einzige Wesen, das frei ist, ist Gott. Und das einzige Wesen, das den Menschen völlig befreien kann, ist Gott. Gott will, dass alle Lebewesen frei sind, so wie er es ist, und sie sollen frei sein, weil sie Teile des göttlichen Organismus sind. Aus diesem Grund wird der Mensch nur dann richtig frei sein, wenn in ihm der lebendige Gott der Wahrheit zum Leben erweckt wurde, wenn in ihm der göttliche Geist und die göttliche Kraft zu wirken beginnen; nur dann wird er Gott erkennen und von ihm erkannt werden; nur dann wird er ihm frei im Geist und in der Wahrheit dienen. Denn die Freiheit verlangt vom Menschen, dass er jederzeit bereit ist, das zu tun, was Gott von ihm will. Und der freie Mensch kann es tun, weil ihn keine andere Beziehung einschränkt. Darin besteht nämlich seine Freiheit. Heutzutage streiten die Menschen darüber, ob der Mensch einen freien Willen habe. Nur ein Mensch, der in dieser vollkommenen, unveränderbaren Welt lebt, in der Gott lebt, nur ein Mensch, der seine Gesetze begreift und ihm im Geist und in der Wahrheit dient, nur er ist frei, nur er besitzt einen freien Willen. Und tatsächlich liegt die Freiheit im Willen des Menschen. Aus diesem Grund versteht man unter Freiheit immer den vernünftigen Willen und nicht den Eigenwillen. Nur der vernünftige Mensch kann frei sein. Und die lebendige Natur gibt nur den Vernünftigen Freiheit -- die Unvernünftigen aber, die keinen Willen, sondern nur einen Eigenwillen haben, sind von ihr begrenzt worden. Es gibt Tausende und Millionen von Lebewesen im Reich der lebendigen Natur, die eingesperrt sind und auf ihre Befreiung warten. Warum? -- Weil sie den eigenwilligen Wunsch haben, sich willkürlich in irgendeine Richtung zu bewegen. Denn vergesst nicht, dass die Wahrheit die Richtung ist, in der sich alles Sein bewegt. Nur in der Wahrheit kann der Mensch immer frei sein. All unsere Einschränkungen und Hindernisse kommen daher, dass wir nicht in Berührung mit der Wahrheit stehen. Und unsere Freiheit hängt davon ab, in wieweit wir in Berührung mit der Wahrheit gekommen sind. Es existiert kein anderes Maß. Wir können unsere Einschränkungen auf die eine oder die andere Weise erklären; das sind unsere Ansichten. Eines ist richtig: Unsere Einschränkungen, Hindernisse und Widersprüche sagen uns, dass wir jetzt nicht in Berührung mit der Wahrheit stehen. In der Wahrheit (so spricht die Erfahrung des freien Menschen) hören alle Widersprüche auf. Treten bestimmte Widersprüche auf, unabhängig davon, wie klein sie auch sein mögen, sind wir außerhalb des Bereichs der Wahrheit. Vergesst eines nicht: Die Freiheit kommt nicht von außen. Jede Freiheit, die von außen bestimmt wird, ist ein Schatten der Freiheit. Lauft nicht den Schatten hinterher. Die wahre Freiheit ist die Freiheit des Geistes. Sie kommt von innen. Bei der inneren Freiheit schätzt der Mensch sich selbst ein, bei der inneren Freiheit urteilt der Mensch über sich selbst -- so ist das Gesetz. Bei der inneren Freiheit begrenzt sich der Mensch selbst, er begrenzt sich freiwillig. Wann? Nur wenn er das Gute tut. Denn man empfindet auf dem Wege der Freiheit den Edelmut der Seele und die Barmherzigkeit des menschlichen Herzens. Wenn der Mensch Gutes tut, begrenzt er sich zuerst. Und er begrenzt sich, weil er gibt. Hat er aber Gutes getan, wird er wieder frei. Aus diesem Grunde ist jede Sache gut, die den Menschen zuerst begrenzt und ihm seine Freiheit entzieht, aber ihm schließlich seine Freiheit zurückgibt. Und jede Sache, die anfangs dem Menschen Freiheit gibt und ihm letztlich die Freiheit entzieht, ist etwas Böses. Hierin besteht die tief greifende Verbindung zwischen dem Guten und der Freiheit und zwischen dem Bösen und der Sklaverei. Willst du ein sicheres Maß haben, behalte im Gedächtnis: Jede Sache, durch die der Mensch seine Freiheit verliert, ist etwas Böses. Jede Sache, durch die der Mensch seine Freiheit gewinnt, ist etwas Gutes. Schreibe die Wahrheit in deine Seele ein, und du wirst die Freiheit, die du suchst, erlangen!
  15. Das Gute Die Liebe gebärt das Gute in der Welt. Das Gute ist der Grund des Lebens. Das Gute ist der Boden des Lebens und seine Nahrung zugleich. Nur das Gute kann das Leben unterstützen, nur das Gute kann das Leben nähren. Wenn Gott sich selbst begrenzt, wird das Gute zur Welt gebracht. Wenn der Mensch sich selbst begrenzt, wird das Böse geboren. Und wenn er sich von den Begrenzungen befreit, erscheint das Gute. Anders gesagt, wenn in der menschlichen Seele der große Wille aufkeimt, Gott zu dienen, dann erscheinen die Bedingungen für das Gute. Der Mensch will das Gute in sich selbst schaffen. Das Gute aber wird nicht geschaffen, sondern geboren. Es ist von Anfang an in jedem Menschen angelegt und er soll sich dessen nur bewusst werden und es offenbaren. Der Mensch soll gut sein, denn das Gute ist der Grund des Lebens. Ohne das Gute ist das Leben des Menschen ohne Grund. Wenn der Mensch nichts Gutes tut, wird das Böse geboren. Das Böse, das jetzt auf der Welt existiert, ist das Gute, das in der Vergangenheit nicht getan wurde. Das Böse entsteht aus einer unbestimmten Ordnung, es ist eine Welt der Willkür. In der lebendigen Natur kann man es als eine Vermehrung ohne ein Gesetz definieren. Das Böse ist aber unvermeidlich in der Welt der Beziehungen zwischen Kräften und Lebewesen. Gutes und Böses sind in der lebendigen Natur Kräfte, mit denen sie gleichermaßen operiert. Hinter dem Guten und dem Bösen verbirgt sich die große Vernünftigkeit, die alles benutzt. Der Mensch darf nicht gegen das Böse kämpfen. Er soll es nur vermeiden. Er darf nicht gegen das Böse kämpfen, sondern dem Bösen Gutes gegenüberstellen. Derjenige Mensch, der am meisten gegen das Böse kämpft, irrt am meisten. Das einzige Wesen, das das Böse in die Arbeit einspannen kann, ist Gott. Ihr solltet wissen, dass sowohl ein kollektives Bewusstsein des Guten als auch ein kollektives Bewusstsein des Bösen existiert. Sie bilden zwei große Pole des Daseins. Das menschliche Leben bewegt sich zwischen diesen beiden Polen. Wenn sich das Böse innen befindet und die Oberhand gewinnt und das Gute außen, dann herrscht das Böse auf der Erde, anders gesagt, die Hölle herrscht auf der Erde. Wenn aber das Gute innen ist und vorherrscht und das Böse draußen bleibt, dann regiert der Himmel und herrscht das Gute. Die Hölle ist ein Ort, wo das Böse sowohl innen als auch außen ist. Der Himmel ist ein Ort, wo das Gute sowohl innen als auch außen ist. Und das menschliche Leben ist ein Ort, wo manchmal das Gute innen und das Böse außen ist und manchmal umgekehrt. Jeder Mensch, je nach dem Leben, das er führt, befindet sich entweder am Pol des Guten oder am Pol des Bösen. Ein Mensch, in dem das Böse herrscht, lebt in ständiger Unruhe. Äußerlich kann er über große Reichtümer verfügen, sich eines großen Ansehens erfreuen, aber innerlich ist er unruhig. Ihn quälen ständig schlimme Vorahnungen und Ängste. Allmählich beginnt er, seine Kraft und seine Gesundheit zu verlieren. Wenn aber das Gute im Menschenherzen ist, hat er vielleicht keine Reichtümer und keine Macht, bleibt aber dennoch ruhig und heiter. Die äußerlichen Umstände sind schlecht, aber innerlich sind sie gut. Dieser Mensch hat etwas Mächtiges in sich, aufgrund dessen er von allen geliebt wird. Die guten Menschen sind die richtig starken Menschen auf der Welt. Aber die Menschen denken, dass das Böse auf der Welt stark ist. Das Böse ist nur deshalb stark, weil die Menschen es mögen. Die Liebe zum Bösen verleiht ihm Kraft. Das Böse schöpft die Kraft aus der Liebe. Dennoch kann das Streben nach dem Guten niemals aufgehalten werden. Das Gute als Prozess ist ewig. Es ist ein schöpferischer Prozess des Lebens. Deshalb kann man das Gute einen Weg ins Leben nennen. Eben das Gute führt uns zum Leben. Das Böse ist ein Weg zum Tode. Es ist zur ewigen Unfruchtbarkeit verurteilt. Bei der Unterscheidung des Guten vom Bösen behaltet Folgendes im Gedächtnis: Das Gute und das Böse -- das sind das Hohe und das Niedere auf der Welt. Das Böse -- das sind die schwächsten Schwingungen des Guten. Aus diesem Grund ist das Gute der Preis für das Vernünftige und das Böse der Preis für das Unvernünftige. Das Gute hebt die Werte des menschlichen Bewusstseins, das Böse senkt sie. Beim Guten wachsen die Gaben, durch das Böse werden sie gedämpft und getrübt. Das Gute fängt mit den kleinen Dingen an, die jedoch ständig wachsen, sich vergrößern, vermehren, organisieren und sich zu einem Ganzen vereinen. Im Bösen gibt es immer Auflösung und Zwietracht. Das Gute im Allgemeinen kann man mit einer Quelle vergleichen, die ständig sprudelt. Das Böse aber ähnelt einer versiegten Quelle, die kaum einen Tropfen Wasser abgibt. Das Böse verspricht vieles, aber tut nichts. Das Gute dagegen verspricht nichts, aber tut alles. Hat es die Quelle nötig zu versprechen, dass sie sprudelt? Sie quillt. So ist es auch mit dem guten Menschen; in ihm ist das Gute wie eine Quelle. Aus diesem Grund bleibt er unter allen Umständen gut. Es ist ein Irrtum zu denken, dass ihn die Umstände verändern könnten. Vor allem durchdringt das Gute sein ganzes Wesen, es liegt seinem ganzen Aufbau zugrunde. Der gute Mensch unterscheidet sich seinem Aufbau nach völlig vom schlechten Menschen. Das Nervensystem des Guten ist komplizierter und feiner aufgebaut. Sein Gehirn hat mehr Zellen, mehr Falten, es hat einen anderen Aufbau. Der Blutkreislauf bildet ebenso ein reicheres und dichteres Netz. Die Haut des guten Menschen hat mehr Zellen, sie ist feiner als die Haut des schlechten Menschen. Der gute Mensch im Allgemeinen hat einen vollkommeneren Aufbau. Er ist ein hoch entwickeltes Wesen. Aus diesem Grund wird jeder Mensch, der sich auf seinem Entwicklungsweg im Rückstand befindet, böse. In diesem Sinne meinen wir, dass das Böse Gutes ist, das nicht genutzt wurde. Das Böse kann man in der Welt nicht ausrotten. Und wenn Christus sagt, dass man das Unkraut nicht ausreißen sollte bevor die Erntezeit, also das Ende der Welt kommt, versteht er darunter, dass in Zukunft eine neue Welle kommen wird.(Mt 13,30) Dann wird das, was jetzt als das Böse auf der Welt existiert, in eine neue Entwicklungsphase übergehen. Wenn wir vom Guten, von der guten Tat sprechen, meinen wir immer den gesunden Menschen. Der kranke Mensch kann kein Gutes tun. Offensichtlich geht es hier nicht um die gewöhnlichen guten Taten, so, wie sie von den Menschen verstanden werden. Das wahre Gute, vom Gesichtspunkt der göttlichen Lehre aus betrachtet, bestimmt man durch drei Eigenschaften: Es bringt Leben, Licht und Freiheit. Sind diese drei Eigenschaften nicht vorhanden, handelt es sich nicht um das Gute. Das Leben entsteht durch die Liebe, das Licht entsteht durch die Weisheit und die Freiheit durch die Wahrheit. Wer Gutes tun will, soll mit diesen drei göttlichen Welten verbunden sein. Damit unser Handeln wahrhaft gut ist, soll es lebendig sein und uns folgen. Das Gute soll uns begleiten. Wenn das Gute uns nicht nachfolgen kann, ist es nicht das Gute. Mein Gutes soll mir nachfolgen. Und damit es mir nachfolgen kann, soll es Leben, Licht und Freiheit sowohl mir als auch demjenigen bringen, dem ich etwas Gutes tue. Da das göttliche Gesetz ein kollektives Gesetz ist, betrifft es alle auf einmal. Wenn du einem Menschen etwas Gutes tust, betrifft das auch die ganze Welt. Ob die Menschen es wissen werden oder nicht, das ist für die göttliche Welt unerheblich. Tatsache ist aber, dass dieses Gute allen nutzen wird. Deshalb sage ich: Gutes zu tun ist ein heiliger Akt, weil du auf diese Weise Gott aufforderst, sich durch dich in seiner Güte, Liebe, Weisheit und Wahrheit zu offenbaren. Es gibt keinen größeren Akt als den, eine gute Tat zu vollbringen. Egal wie winzig sie auch sein mag, es ist ein edler Akt, aufgrund dessen alle im Himmel auf die Beine kommen, da im Guten Gott steckt. Die Natur ist auch dem kleinsten Gewinn gegenüber sehr aufmerksam. Wenn ein Mensch eine gute Tat auf der Welt verrichtet, wenn er einen vernünftigen Akt ausführt, wird in der unsichtbaren Welt eine große Feier abgehalten. Und wenn Christus den Menschen empfiehlt, Schätze für sich im Himmel zu sammeln, versteht er darunter das Gute. Die Schätze -- das ist das Gute, das der Mensch auf der Erde getan hat. Gutes zu tun bedeutet, Gott in dir aufzufordern, durch dich zu wirken. Und wenn Gott wirkt, tut er das nicht nur um eines einzigen, sondern um aller willen. Aus diesem Grund nehmen alle vollkommenen Wesen daran teil, wenn eine gute Tat verrichtet wird. Also, jede Tat, an der sich der Himmel nicht beteiligt, ist menschlich, und jede Tat, an der sich der Himmel beteiligt, ist göttlich. Das Gute soll rechtzeitig getan werden. Es nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, aber wenn du es tust, verlangt es, dass dein Herz, dein Wille, deine Seele und dein Geist während dieser Minuten, in denen du das Gute tust, vollkommen konzentriert sind. Beim Guten darf es keinen Aufschub geben. Wenn du etwas Gutes vorhast, sollst du es augenblicklich, ohne Aufschub tun. Wenn du es aufschiebst, ist der Augenblick verpasst. Denke dabei nicht, dass du nur dann Gutes tun sollst, wenn du gut gelaunt bist. Das Gute kann man auch bei der schlechtesten Laune tun. Die Missstimmung ist etwas, was das Fleisch betrifft. Sie betrifft nicht den Geist des Menschen. Die Menschen denken, dass das Gute etwas Totes ist. Das stimmt nicht. In jener heiligen Idee, die dir den Anstoß gegeben hat, etwas Gutes zu tun, wirkt ein erhabener und heiliger Geist, der diese Tat erleuchtet und zeigt, dass das Leben dessen, der Gott dient, immer wirklich wird. Das Gute ist das erste Band im Leben. Das Gute ist das erste Band zwischen den Menschen. Es ist das einzige materielle Band, das die Menschen richtig verbindet. Noch mehr: Das Gute ist das erste wahre Band zwischen den Seelen aller Menschen, egal ob sie auf der Erde oder im Himmel sind. Ohne das Gute würdet ihr kein Wissen erwerben können. Mit der Erkenntnis des Guten beginnt das Wissen. Eine gute Tat vergisst man nie. Sie ist in das göttliche Buch geschrieben, weil sie ein Akt der Liebe ist und als solche auf immer und ewig in der göttlichen Welt bewahrt wird. Jeder, der Gutes tut, wird für die anderen zum Vorbild. Denkt nicht, dass wenn ihr etwas Gutes tut, euch gleichzeitig Gutes genommen wird. Im Gegenteil: Das Gute erhebt euch in den Augen der anderen. Aus diesem Grund weicht vor keinen Schwierigkeiten zurück, wenn ihr etwas Gutes tun sollt. Seid mutig, entschlossen, tut das Gute und möge dieses Gute euren Nächsten Leben, Licht und Freiheit bringen! Ihr alle könnt Gutes tun, weil im Herzen aller das Gute wohnt. Jedes Gute, das ihr getan habt, ist eine Beziehung, die nach und nach stärker wird. Ihr sollt in solcherlei Beziehungen ständig, also nicht nur einmal treten. Vergesst dabei nicht, dass der Mensch unbekannt im Guten bleiben soll, wie er auch im Bösen unerkannt bleiben will. Beeilt euch nicht, gut zu werden. Das Gute ist eine notwendige Bedingung für die Vollkommenheit des Menschen, aber der Mensch wird nicht von einem Tag auf den anderen gut. Wenn aber der Mensch nach der Vollkommenheit strebt, hilft ihm das Gute. Um vollkommen zu werden, soll man stark im Guten sein. Das Einzige, was den Menschen zum Menschen macht, ist das Gute, das ihm innewohnt. Das Gute ist ein Weg zur Entdeckung der göttlichen Liebe.
  16. Der Geist Gott in seinem Sein ist Geist. Der Geist ist eine Offenbarung Gottes. Er existiert ewig und wird ewig existieren. Der Geist ist der Anfang aller Dinge. Es heißt: {\glqq Im Anfang war das Wort.\grqq}(Joh 1,1) Das Wort ist die erste Offenbarung der Liebe in der materiellen Welt. Und die Liebe ist die erste Frucht des Geistes. Das Haupt des Wortes ist die Wahrheit.(Vgl. Ps 119,160) Und das Haupt der Wahrheit ist Gottes Geist. Er ist der Anfang aller Dinge. Aus diesem Grund ist das Wort das Erste, womit der Mensch beginnen soll. Wer das Wort nicht versteht, der kann die Wahrheit nicht verstehen, und wer die Wahrheit nicht versteht, der kann auch den Geist nicht verstehen. Denn der Geist offenbart sich in der Wahrheit und die Wahrheit im Wort. Und dieses Wort sagt: {\glqq Der Geist ist es, der lebendig macht.\grqq}(Joh 6,63) Das Leben besteht, weil es den Geist gibt. Der Geist hat das Leben eingehaucht. Das wahre Leben ist nur dieses Leben, das aus dem Geist hervorgeht. Denn es gibt ein Leben, das nicht aus dem Geist hervorgeht. Das Leben, das aus dem Geist hervorgeht, ist absolut vernünftig. In ihm stirbt nichts. In ihm gibt es keine Leiden, keine Krankheiten, keine Widersprüche oder Not. Der Geist ist die ewige, unsterbliche Grundlage dieses Lebens. Er birgt in sich alle Urformen, in denen sich das Leben offenbart. Und unter Urformen sind jene Formen zu verstehen, die direkt aus dem Geist hervorgehen. Jede Form des Geistes ist ein vollbeschriebenes Blatt aus dem großen Buch des Lebens. Der Geist seinem Wesen nach ist das Eine, aber in seinen Offenbarungen ist er eine Vielheit. Einheit und Vielheit -- das sind Merkmale des Geistes. Als eine Offenbarung ist der Geist eine Vielheit von einem Pol bis zum anderen. Deshalb sage ich: Eins ist der Heilige Geist, viele sind die Geister. Die Geister -- das sind Atemzüge, die vom Heiligen Geist geboren wurden. In der Vielheit des Geistes offenbart sich sein unerschöpflicher Reichtum. Und die Erhabenheit des göttlichen Geistes offenbart sich in dieser Vielfalt. Der Geist bringt der sichtbaren Welt unzählige Reichtümer und offenbart das, was Gott ist. Gott kommt zu uns, indem er seinen Geist sendet, so, wie die Sonne ihr Licht sendet. Der Geist Gottes geht jeden Tag auf, bringt uns jeden Tag selbstverständlich seine Güter, ohne dass wir es von ihm verlangen und er tut es, ohne irgendeine Gegenleistung von uns zu erwarten. Alles, was wir besitzen, verdanken wir ihm. Das war den Menschen mehr oder weniger immer bewusst. Sie haben diese vernünftige Macht, die aus Gott hervorgeht und sich auf verschiedene Weisen offenbart, definiert; sie haben sie unterschiedlich benannt: Ursubstanz, Urenergie, Naturgesetze etc. Aber die Gesetze werden vom Geist geschaffen. Sie stehen in Beziehung mit jener großen Energie auf der Welt, die aus ihrem Urzustand hervorging, sich auf dem Evolutionsweg bewegt, sich differenziert, um sich in ihrer unendlichen Vielfalt zu offenbaren. Und dieser Entwicklungsweg ist nichts anderes als die Bewegung des Geistes bei der Anwendung eines kosmischen Plans. Der Geist ist die größte Realität. Angesichts der physischen Welt ist er unsichtbar, aber angesichts der göttlichen Welt ist er so objektiv wie der Körper in der physischen Welt und die Seele in der geistlichen Welt. Alles Große, Erhabene, Mächtige auf der Welt ist auf den Geist zurückzuführen. Der Geist hat die größten Früchte auf der Welt gebracht. Diese Früchte sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Sanftmut, Barmherzigkeit, Glaube, Ruhe, Enthaltsamkeit. Das sind drei große Dreiecke, die in den drei Welten funktionieren: in der göttlichen Welt, in der Engelswelt und in der menschlichen Welt. Liebe, Freude, Frieden -- das ist das göttliche Dreieck. Die Liebe ist der Vater, die Freude -- die Mutter, der Friede -- ihr Kind. Beim Dreieck der Engelswelt ist die Geduld der Vater, die Sanftmut die Mutter und die Barmherzigkeit das Kind. Erwerbt diese Eigenschaften und ihr werdet unter den Engeln sein. Im dritten Dreieck ist der Glaube der Vater, die Ruhe die Mutter und die Enthaltsamkeit das Kind. Erwerbt diese Eigenschaften in ihrem tiefen, mystischen Sinne und ihr reiht euch unter den Heiligen ein! Damit der Mensch erkennt, was der Geist ist, soll seine Seele erwachen. Denn nur die Seele hat eine direkte Beziehung zum Geist. Ohne eine Seele hätten wir keine Vorstellung vom Geist. Und man kann sagen, dass sich das keimende Korn so zur Sonne verhält, wie die menschliche Seele zum göttlichen Geist. Die menschliche Seele empfindet heilige Erregung gegenüber dem göttlichen Geist, weil ihr Leben und ihr Wachstum von ihm abhängen. Die Seele hat ihre Entwicklung noch nicht vollendet, sie wird noch Millionen von Formen durchlaufen. Wenn sie ihre Entwicklung abschließt, wird sie sich mit dem Geist vereinen und dann existieren Geist und Seele nicht mehr getrennt. Dann offenbart sich das ewige Leben. Der Geist kann nur mit der Seele leben. Mit unserer Vernunft kann er nicht leben, weil unsere Gedanken sich ständig ändern. Merkt euch eins: Das Ursprüngliche im Menschen ist sein Geist. Die erste Offenbarung des Menschen ist seine Offenbarung als Geist. Der Geist ist jener absolute Punkt, in dem sich der Mensch im Dasein offenbart. Die Seele -- das sind die Möglichkeiten des Geistes. Der Geist des Menschen ist ewig. Er steigt ständig auf die Erde herab, offenbart sich und steigt wieder zum Himmel hinauf. Wenn der göttliche Geist in den menschlichen Geist herabkommt, erwacht dieser und offenbart sich. Er steigt herab und steigt dann wieder hinauf zu Gott. In diesem Ab-- und Aufstieg bewegt sich der menschliche Geist gleichzeitig in drei Richtungen, aus denen drei Bestrebungen entstehen. Die erste Bestrebung des Geistes ist eine Bestrebung nach dem Leben. Die zweite Bestrebung des Geistes ist eine Bestrebung nach Wissen. Die dritte Bestrebung des Geistes ist eine Bestrebung nach Freiheit. Der menschliche Geist bringt dem Menschen alles bei. Er regt die menschliche Seele zum Wachstum und zur Entwicklung an. Die Seele ist die Schatzkammer des menschlichen Geistes. Sie bringt all das, was er seit Menschengedenken bis heute erworben hat. Der menschliche Geist ist der Schöpfer aller Dinge auf Erden. Alle Wissenschaften, alle Künste, alle Religionen, alle Epochen und Kulturen, die die Erde durchlaufen hat, sind immer vom menschlichen Geist geschaffen, der sich noch nicht völlig offenbart hat. Der physische Körper des Menschen selbst, mit all seinen Organen, mit seinem ganzen Aufbau, ist von seinem Geist geschaffen. Und wenn der Körper eines Menschen im Mutterleib einer Mutter gebildet wird, nimmt der Geist des Menschen zusammen mit dem Geist der Mutter am Aufbau des Körpers teil. Denn alle Energien, alle Kräfte, die im Weltall wirken, sind Eigentum des menschlichen Geistes. Er kann frei mit der Materie umgehen; er kann sie verdichten, verdünnen und modellieren. So z. B., wenn der Geist die Schwingungen des Lichtes senken will, dann verdichtet er die Materie um sich herum. Die Materie zwingt ständig den Geist, neue, immer vollkommenere Formen zu erschaffen. Der Geist erschafft die Formen und die Materie individualisiert den Geist. Und das, was wir einen Kampf zwischen der Materie, die selbst leblos und träge ist, und dem Geist, der voller Leben ist, nennen, ist das Streben des Geistes, sie beweglicher und für seine schöpferische Tätigkeit empfänglicher zu machen. Der Mensch sucht das Glück, das Wissen und den Reichtum im Leben. Aber all das kann man nur durch den Geist erwerben. Nur der Geist ist Träger all dieser Güter. Er ist der Träger aller Gaben, aller Talente, er ist der Träger der Intelligenz, der Genialität. Wenn der Geist kommt, dann wird alles Große geboren. Wenn der Geist kommt, dann gibt er all dem einen Anstoß, was seit Millionen von Jahren im Menschen angesammelt wurde; es erwacht und beginnt sich zu formen. Kommt der Geist, erweitert sich der Mensch, erhellt sein Weltbild, es verschwinden die Widersprüche und er beginnt, klar zu sehen. Wenn der Mensch will, dass sich in ihm die göttliche Liebe offenbart, muss der Geist unbedingt in ihm sein. Aber der Geist ist ein sehr delikates Wesen. Er ist den menschlichen Schwächen gegenüber sehr empfindlich und besitzt die Fähigkeit, in diejenigen einzudringen, denen er auf seinem Weg begegnet. Er klopft nicht laut. Er klopft sehr leise an euer Herz, und wenn ihr ihm öffnet, dann verändert sich euer Leben schlagartig und vollkommen. Er zeigt euch, wie ihr leben, was ihr tun und es bewusst tun solltet. Der göttliche Geist kommt nur zu uns, um zu arbeiten und wenn das Herz und die Vernunft richtig arbeiten. Er wirkt zuerst als Intuition, aber wenn der Mensch vorankommt, dann beginnt er, klar und direkt zu ihm zu sprechen. Seine Offenbarungen werden immer deutlicher und konkreter. Wenn der Geist in den Menschen eindringt, offenbart er sich unbedingt. Es gibt keine Kraft auf der Erde, die den Geist stören könnte, sich zu offenbaren. Aber ohne die Reinheit kann sich der menschliche Geist in seiner Macht nicht offenbaren. Gehorche dem Geist! Und merk dir, dass er der große Schöpfer von allem ist, was auf der Erde existiert. Die Wissenschaft, die die Menschen manchmal vergöttern, ist eine Schöpfung des menschlichen Geistes. Aber der menschliche Geist steht über jeder Wissenschaft. Aus diesem Grund verbeuge dich nicht vor dem, was der menschliche Geist geschaffen hat, also davor, was du geschaffen hast. Ehre deinen Geist als einen großen Schöpfer, der den göttlichen Willen vorausahnt und vollbringt! Denn der menschliche Geist erfüllt immer den Willen Gottes. Er tut das, was er von Gott gelernt hat. Wenn du den Weg der Wahrheit gehen willst, gib dem Geist in dir die Freiheit! Lass ihn dich führen und den Weg weisen. Von innen oder außen beobachtet der Geist alles, was du tust. Und jetzt weist der Geist der Menschheit neue Wege. Das ganze Sonnensystem ist dabei in eine neue Region eingetreten. In Zukunft beweisen die Wissenschaftler, dass auch die Erde in einer neuen Verbindung mit der Sonne steht. Wir kommen mit einer unberührten Materie in Kontakt und diejenigen, die bereit sind, werden das neue Leben, das in ihr steckt, annehmen und auferstehen. Diejenigen, die nicht bereit sind, werden darauf warten, in der Zukunft von einer neuen Welle aufgenommen zu werden. Bereite dich auf das Kommen des Geistes vor! Und vergiss nicht, dass, wenn der Geist kommt, sich die Tür deines Herzens öffnen soll. Wenn der Geist eingetreten ist, soll sich die Tür deines Herzens schließen. Öffne die Tür nicht, bevor der Geist gekommen ist. Schließ die Tür nicht, bevor der Geist eingetreten ist! Arbeite dort, wo der Geist arbeitet!
  17. Der Mensch Jesus nun ging hinaus, die Dornenkrone und das Purpurkleid tragend. Und er spricht zu ihnen: Siehe, der Mensch! Können die Menschen auch über euch sagen {\glqq da ist der Mensch\grqq} wenn ihr in die Welt hinausgeht? Um dem Menschen diesen Namen zu verleihen, soll er vier Dinge in sich haben: Er soll reich, stark, klug und tugendhaft sein. Reich ist nur derjenige, der eine reiche Seele, eine reiche Vernunft, ein reiches Herz und einen starken Willen hat. Nur ein Mensch, der Gott dient, ist im wahrsten Sinne des Wortes reich. Stark ist nur der Mensch der Liebe, der Mensch der Wahrheit. Der Starke steht über allen äußeren Umständen. Ich nenne denjenigen, der Menschen tötet, nicht stark. Ein starker Mensch ist derjenige, der seine Feinde in Freunde verwandeln kann. Aus diesem Grund wehrt er sich nicht und kämpft nicht für seine Rechte. Nur der Schwache kämpft für seine Rechte. Und wenn der starke Mensch, der Held, der Wahrheit wegen an den Pranger gestellt wird, erträgt er langmütig sowohl Schmach als auch Schmähungen, Schadenfreude und Anschuldigungen. Hier ist der Mensch! Hier ist Jesus! In der ursprünglichen Sprache, auf der dieser Name ausgesprochen wurde, bedeutet er: der Mensch, der auf die Erde kommt, der Bruder der Leidenden. Deshalb ist im weitesten Sinne des Wortes Jesus jeder, der leidet und als ein Held seine Leiden erträgt. Jesus ist jede leidende menschliche Seele, die ihre Rettung erarbeitet. Jesus ist der eine Bezugspunkt des Menschen. Christus, d. h. der Mensch, der den Tod besiegt und über ihn triumphiert hat, der auferstanden ist, der Gott dient und bereit ist, seine Seele für die anderen zu opfern, das ist der andere Bezugspunkt für den Menschen. Der Mensch, wie Jesus, lernt den tiefen Sinn des Leidens -- jenen göttlichen Prozess, durch den er seinen Charakter formt. Denn das Wertvollste am Menschen ist sein Charakter. Der Mensch muss durch das Feuer der Prüfungen gehen, und nur wenn er durch dieses Feuer geht und allem standhält, nur dann kann er einen wertvollen, festen und standhaften Charakter erlangen. Nur dann wird er ein ewiges Heim haben, in dem er wohnen kann. Unter Charakter, im tiefen Sinne des Wortes, versteht man alles Vernünftige, was der menschliche Geist geschaffen und tief in die menschliche Seele hineingepflanzt hat. Der Charakter ist eine Zusammensetzung von Tugenden. Merkt euch eines: Diejenige natürliche Kraft im Menschen, die ihn mächtig machen kann, ist die Kraft seiner Tugenden. Die Tugenden -- das ist ein großes Kapital, um das herum alle großen Kräfte der lebendigen Natur zu zirkulieren beginnen. Aus diesem Grund versteht man unter dem Wort Mensch die Summe aller Tugenden. Wer keine solche Summe von Tugenden darstellt, den kann man keinen wahren Menschen nennen. Der heutige Mensch hat noch nicht den Zustand des wahren Menschen erreicht. In ihm überwiegt mehr oder weniger das Tierische. Der wahre Mensch offenbart sich von nun an. Den heutigen Menschen kann man noch nicht bändigen, in ihm sind immer noch zu viele tierische Erscheinungen. Alle Verbrechen, die der Mensch begeht, sind auf das Tierische in ihm zurückzuführen. Und er soll sich sehr bemühen, um sich vom Tierischen zu befreien und es zu überwinden. Der Mensch ist jedoch eine Zusammensetzung von Tugenden und nicht von Verbrechen. Der Mensch selbst, seinem Ursprung nach, seinem Wesen nach, ist etwas Großes. Gott, indem er sich in sich selbst begrenzt hat, hat den Menschen geschaffen. Aber mit der Erschaffung des Menschen sind auch die Leiden in die Welt gekommen. Denn dort, wo es Beschränkungen gibt, gibt es auch Leiden. Der Mensch ist etwas Großes! Würdet ihr den Menschen verstehen und an ihn glauben (aber nicht daran, was man von außen wahrnimmt, was äußerlich erscheint), dann würdet ihr sehen, wie groß er ist. Denn das, was man von außen sieht, ist ein Ausdruck bestimmter Gedanken, Gefühle und Handlungen. Der Mensch ist nicht das, was man heute von ihm hält. Er ist nicht nur ein materielles Wesen, das mit dem Tod verschwindet. Das, was stirbt, ist nicht der Mensch. Verschwände der Mensch mit dem Tod, gäbe es keinen Grund, über ihn zu philosophieren. In diesem Falle wäre er ein Ding, ein Gegenstand, ein Automat, der bald zu Staub verfallen würde. Dass der Mensch sterben und verschwinden wird, ist die erste Lüge, die man in die Welt eingeführt hat. Es gibt etwas im Menschen, das weder in dieser noch in der anderen Welt stirbt. Das, was nicht stirbt, verfault und verschwindet, das ist der Mensch. Er wird weder alt noch jung. Wenn wir vom Menschen sprechen, verstehen wir darunter seine Seele. Wenn etwas Göttliches im Menschen ist, dann ist das die leuchtende Seele, die denkt. Würde man die vernünftige leuchtende Seele vom Menschen trennen, würde er zu einem wahren Tier werden. Er unterscheidet sich durch nichts von ihm; er isst und schläft. Er hat also, kurz gesagt, alle Bedürfnisse und Schwächen des Tieres. Der Mensch ist eine lebendige Seele, die alle Möglichkeiten des ewigen, unsterblichen Lebens hat. Diese Seele besitzt alle Fähigkeiten, alle Arbeitsmethoden in sich und wendet sie im Gehirn und überhaupt im ganzen Körper an, durch den sie sich manifestiert. Aus diesem Grunde sagt man: Der Mensch enthält in sich alle Möglichkeiten eines vernünftigen Lebens. Der Mensch enthält alle Möglichkeiten eines Lebens der Liebe. Der Mensch enthält in sich alle Möglichkeiten eines Lebens in der Wahrheit. Wenn der Mensch alle Möglichkeiten zu verwirklichen beginnt, dann wandelt er sich allmählich und geht von einem Zustand in einen anderen über. Er steigt allmählich, Schritt für Schritt auf: Von einem einfachen Menschen wird er zu einem Talentierten, dann genial, danach ein Heiliger und schließlich ein Meister. Es gibt Stufen des Menschseins. Unter einem Menschen versteht man nicht nur jenes Wesen, das auf der Erde lebt. Der Mensch existiert nicht nur auf der Erde, nicht nur im Sonnensystem. Er bewohnt das ganze Universum, alle Sonnen und Planeten. Die Planeten und Sonnen sind von Menschen verschiedener Intelligenzstufen bewohnt. Es spielt keine Rolle, was für einen Körper sie haben. Sie sind vernünftige Wesen und gehören derselben menschlichen Rasse an. Diese Rasse entwickelt sich allmählich. Viele von den menschlichen Wesen in den anderen Sonnensystemen sind weit fortgeschrittener als der Mensch, weil sie früher von der großen Urquelle des Lebens hervorgegangen sind. Ihre Weisheit ist so groß, dass die Kultur der Menschen, im Vergleich mit der Kultur auf dem Sirius z. B., noch in ihren Babyschuhen steckt. Die heutigen Menschen sind gegenüber den Menschen auf dem Sirius nicht einmal Kinder. Aber der Mensch ist ein ewig Wandernder. Die Erde war und wird auch nicht seine letzte Wohnung sein. Nachdem der irdische Mensch seine Entwicklung auf der Erde abgeschlossen hat, wird er nicht in den Himmel hinauffahren. Er wird von einem System des physischen Weltalls zum anderen wandern, bis er sich in seiner Fülle entwickelt hat. Die nächste Station in seiner Entwicklung wird der Sirius sein. Der menschliche Geist ist vor ca. 250 Milliarden Jahren zur Erde herabgestiegen. Er war nicht in diesem Zustand, in dem er sich jetzt befindet. In diesen 250 Milliarden von Jahren hat er viele verschiedene Formen und Phasen der Entwicklung durchlaufen. Und die ganze fast unendliche Reihe organischer Formen, die die Natur geschaffen hat, stellen Stadien dar, die der menschliche Geist durchwandert hat. Sie sind eine große Schule, in der er gelernt hat. Alle Kenntnisse des Menschen, die er in diesen 250 Milliarden Jahren erworben hat, sind in seinem Kopf, in seinem Gehirn gespeichert. Aus der Sicht der fortgeschrittenen Wesen aber, der Engel z. B., ist er noch ein kleines Kind. Diese 250 Milliarden von Jahren sind für sie wie zweieinhalb Jahre. Aus ihrer Sicht ist der Mensch ein zweieinhalbjähriges Kind. Der Mensch hat noch viel zu lernen. Deshalb hat und wird er unzählige Formen und Lebensstufen durchlaufen. Die Menschen, die eine klägliche Vorstellung vom Leben haben, denken, dass alles vollendet ist, wenn der Mensch einmal geboren wurde. Nein, die Geburt ist ein ewiger, unaufhörlicher Prozess. Unzählige Male wird der Mensch geboren, indem er von einer Entwicklungsphase in die andere übergeht. Berücksichtigt eines: Die Frage nach der Geburt und der Wiedergeburt ist eine Frage des aufgeklärten menschlichen Geistes, der aufgeklärten menschlichen Seele, des aufgeklärten menschlichen Verstandes; das ist keine Frage der aufgeklärten Vernunft. Der Mensch lernt gleichzeitig an drei Schulen. Auf der Erde lernt der Körper; alle Zellen im Organismus verrichten einen Dienst, wodurch sie jedoch gleichzeitig lernen. In der geistigen Welt lernt die Seele, in der göttlichen Welt der Geist. Deshalb ist das Ideal des Menschen, sich selbst, die Engel, die in ihm als ein leuchtender und reiner Gedanke erscheinen, und schließlich Gott, d. h. die Liebe zu begreifen. Weil der Mensch mit den Engeln, die den Gedanken geschaffen haben, verbunden ist, nennt man ihn ein Wesen des Gedankens -– Manas. Die Vernunft ist ein Geschenk der Engel für die Menschen. Und das, was ihn von den Tieren unterscheidet und ihn auf zwei Beine aufgerichtet hat, ist seine Vernunft. Ich aber sage euch: Der Mensch ist mehr wert, als das, was er denkt. Das Große in der Welt kann nicht völlig bestimmt werden. Merkt euch eines: Die erste Eigenschaft des wahren Menschen ist die Liebe. Die Liebe ist das Göttliche im Menschen. Ohne Liebe wird der Mensch zu einem Tier. Ohne Liebe ist er nur Sünden und Verbrechen ausgesetzt. Wer Gott nicht liebt, der ist noch kein wahrer Mensch. Er ist noch kein Ebenbild Gottes. Der heutige Mensch ist kein Ebenbild Gottes. Und wahrlich: Kann man einen solchen Menschen als Mensch bezeichnen, der dich bestehlen, vergewaltigen und beschimpfen kann? Ist auch jener ein Mensch, der dein Freund war und dann über dich lästert? Eigentlich, wenn man vom Menschen als Ebenbild Gottes spricht, versteht man den Menschen in seiner ersten Erscheinungsform, den so genannten kosmischen Menschen. Jeder Mensch, jede menschliche Seele ist ein ursprüngliches Element des großen kosmischen Menschen. Als solcher nimmt er einen bestimmten Platz in der lebendigen Natur ein und spielt eine bestimmte Rolle. Ohne ihn kann sich das Universum in seiner Fülle und Harmonie nicht offenbaren. Deshalb hat jeder Mensch hier, auf der Erde, seine bestimmte Rolle, ohne ihn kann das Leben nicht auskommen. Das Kommen von so vielen Millionen von Seelen ist nicht etwas Zufälliges. Aus diesem Grund verliere folgenden Gedanken nicht aus deinem Sinn: Der Mensch ist das größte Wesen auf der Erde. Freue dich, dass du den Namen Mensch trägst! Strebe danach, diesem Namen zu entsprechen! Vergiss nicht, dass du als Geist, als Seele, als Vernunft und als Herz ein wichtiger Bestandteil des Weltalls bist; ohne dich kann es sich in seiner Harmonie nicht offenbaren. Du weißt immer noch nicht, wer du bist. Im Menschen stecken Kräfte, die im Schlafzustand befinden, und er soll daran arbeiten, sie zu erwecken und richtig zu nutzen. Wenn der Mensch sich mit Gott verbindet, dann erwachen alle in ihm schlafenden Kräfte und Fähigkeiten. Woran erkennt man den Menschen, der mit Gott verbunden ist? Daran, dass er bereit ist, alles für ihn zu opfern. Der Mensch, der würdig diesen Namen tragen will, soll absolut ehrlich, absolut gutmütig, absolut intelligent und absolut edelmütig sein. Ehrlich und edelmütig ist nur derjenige, der sich über das fremde Wohl wie über sein Eigenes freut. Der wahre Mensch kämpft nicht äußerlich, um seine Ehre wiederherzustellen. Er weiß, dass sich die Ehre gemäß der großen Moral in der Welt nicht äußerlich wiederherstellen lässt. Kein Gericht, keine Gesellschaft, keine Religion ist imstande, die Ehre des Menschen wiederherzustellen, nur er selbst. Wodurch unterscheidet sich der vernünftige Mensch? -- Er beschäftigt sich weder mit der Vergangenheit noch mit der Zukunft. Er arbeitet in der Gegenwart. Unter Gegenwart verstehe ich das ewig Göttliche. Der vernünftige Mensch denkt nicht das, was ihm einfällt, sondern er denkt das, was rechtens ist. Nur der Dumme lässt sich etwas einfallen. Der Vernünftige hat eine besondere geistige Stimmung: Er wünscht keinem das Böse. Er wünscht allen Menschen das Wohl und rächt sich niemals. Denn er weiß, dass der Mensch nicht absolut vernünftig sein kann, wenn er keine absolute Moral besitzt. Er weiß, dass die Moral ein Grundpfeiler ist, dass sie dieser Stützpunkt ist, durch den die Vernunft in die Welt projiziert wird. Der vernünftige Mensch verlässt sich immer auf seine Vernunft. Er schätzt sie als eine große Gabe, die ihm von den Engeln als Unterstützung im Leben gegeben wurde. Und er weiß, dass nur der wahrhaft Vernünftige frei sein kann. Die Vernünftigkeit, im wahrsten Sinne des Wortes, ist eine Eigenschaft des Heiligen und des Genialen. Und deshalb merkt euch: Nur der tugendhafte Mensch kann ein kluger Mensch sein. Und alle Menschen der Tugend sind demütige Menschen (in dem Sinne, in dem Christus dieses Wort versteht) und diese Menschen sind die größten, die stärksten. Die beste Eigenschaft, die ein Mensch besitzen kann, ist, meiner Meinung nach, die Demut. Sie ist keine Schwäche. Der demütige Mensch ist der flexibelste, elastischste Mensch auf der Welt. Er kann alles sowohl Krankheiten als auch Armut, sogar den Tod ertragen. Eigentlich existiert für den demütigen Menschen das alles nicht; was auch immer ihn ereilt, er bleibt ruhig und gelassen. Er sagt: {\glqq Gott, der in mir lebt, stirbt nicht. Gott, der in mir lebt, wird kein Armer.\grqq} Der schwache, kleinmütige Mensch ist nicht demütig. Nur der tugendhafte Mensch ist demütig. Und genau er ist der wirklich starke Mensch. Der demütige Mensch, im wahrsten Sinne des Wortes, ist ein Mensch mit einem mächtigen Geist. Ihr fragt, warum ihr auf der Erde gekommen seid. Ich sage euch: Um die Liebe Gottes zu offenbaren. Um die Weisheit Gottes zu offenbaren. Um die Wahrheit Gottes zu offenbaren. Um die Gerechtigkeit Gottes zu offenbaren. Um die Tugend Gottes zu offenbaren. Ihr seid gekommen, um alle diese Tugenden zu offenbaren, um all das zu offenbaren, was vor Ewigkeiten in euren Seelen hineingelegt wurde. Und merkt euch, dass die Berufung des Menschen groß ist. Der Mensch ist geboren, um über alle Wesen zu herrschen, alle Elemente zu regeln und die Erde in Ordnung zu bringen. Er soll ein guter Herrscher werden. Und er kann nur dann ein solcher werden, wenn er all dies begreift, was Gott in ihn hineingelegt hat. Er soll wissen, was für Körper, was für Gewänder Gott trägt. Er soll wissen, welche jene erste Materie ist, in der seine Gedanken funktionieren. Er soll über alle Elemente herrschen: über die Erde, die Luft, das Wasser, die Wärme, das Licht. Er soll alle bösen Geister kontrollieren. Und er kann sie nur dann kontrollieren, wenn er die Schwächen dieser Geister überwindet. Und Christus will, dass ihm jetzt solche Menschen helfen, die nach allen Regeln der göttlichen Wissenschaft zu erbauen wissen, d. h. Menschen, in deren Vernunft das Wohl des Reiches Gottes im Vordergrund steht. Das große Leben benötigt Menschen, die neu geboren sind, die das Reich Gottes gesehen haben. Und vergesst nicht, dass derjenige, der das Reich Gottes sehen möchte, reine Augen haben soll. Die reinen Augen setzen ein reines Herz voraus. Das reine Herz setzt eine leuchtende Vernunft voraus. Die leuchtende Vernunft setzt eine edle Seele voraus. Und die edle Seele setzt einen liebenden Geist voraus, der vom ewigen Gott hervorgegangen ist. Der neu Geborene ist mit allen höheren Welten verbunden, mit allen Wesen höherer Hierarchien. Er ist so wahrheitsliebend wie die Wahrheit selbst, klug wie die Weisheit selbst und liebend wie die Liebe selbst. Für diesen Menschen, für den von Gott Geborenen, steht in der Heiligen Schrift, dass er keine Sünde begeht. Und wirklich, der von Gott Geborene besitzt eine sehr große Liebe in seiner Seele; in ihr quillt eine so große Quelle der Liebe hervor, dass für ihn keine Widersprüche existieren. Wart ihr bei einem solchen Menschen, um zu sehen, was für ein Frieden, was für eine Ruhe, was für eine Freude in ihm herrscht? Das Herz, die Vernunft, die Seele und der Geist eines solchen Menschen sind in vollkommener Harmonie mit Gott. Ein solcher Mensch ist genauer betrachtet die Gesamtheit vieler vernünftiger genialer Seelen. Das Gleiche gilt auch für die großen Poeten, Musiker oder Maler. Damit ein großer Poet, ein großer Musiker oder Maler erscheinen kann, müssen sich viele vernünftige, geniale Seelen vereinen. So wird der Mensch von einem Sohn des Gedankens zu einem geliebten Sohn der Liebe. So wird er zum Sohn Gottes. Die beste Bedingung, in der sich ein Mensch hinsichtlich Gott befinden kann, ist, ein Sohn Gottes zu sein. Ein Sohn Gottes zu sein, dem Großen, der alles geschaffen hat, zu dienen, bedeutet, für den Menschen den Puls des ganzen Universums zu fühlen, all seine Schönheit zu sehen, all seine wunderbare Harmonie zu vernehmen. Du, der du bestrebt bist, Sohn Gottes zu werden, mache dir Folgendes zum Ideal: Das Herz sei rein wie ein Kristall, der Verstand leuchtend wie die Sonne, die Seele weit wie das All, und der Geist mächtig wie Gott und eins mit Gott!
  18. Gott Es gibt nur den Einen, der als Liebe, Weisheit und Wahrheit erscheint. Es gibt den Einen! Und die ganze lebendige Natur spricht von diesem Einen, vom Großen. Man nennt ihn Gott, Vater. Er erfüllt alles, das ganze Dasein, alle Welten, alle Sonnensysteme und bleibt allzeit trotzdem unoffenbart. Und in der ganzen Ewigkeit kann er sich nicht völlig offenbaren. In ihr gibt es nicht alle Erscheinungsformen, durch die er sich vollkommen offenbaren könnte. An sich ist er das Absolute, das Unerreichbare und ohne Form. Er ist nichts. Aber dieses Nichts beinhaltet alles in sich. Es begrenzt sich, ohne sich zu begrenzen. Es verkleinert sich, ohne sich zu verkleinern. Es schafft, aber erschöpft sich nie. Gott offenbart sich in allem, aber er selbst ist nicht das Offenbarte. Er stützt sowohl innerlich als auch äußerlich alles, aber er ist selbst nicht daran beteiligt. Wir setzen ihn mit dem Licht, mit der Vernunft, mit dem Logos gleich. Das Licht, die Vernunft sind seine Offenbarungen. Gott ist nicht in einer materiellen Weise in der Welt gegenwärtig. Und wahrhaftig, wenn ein Künstler ein Gemälde malt, ist er im Gemälde? Wenn ein Bildhauer eine Statue modelliert, ist er in der Statue? Aber wenn sich der große Unbekannte uns offenbart, offenbart er sich als ein Licht ohne Schatten, als ein Leben ohne Ende, als eine Liebe ohne Veränderlichkeit, als ein Wissen ohne Fehler, als eine Freiheit ohne Einschränkungen. Und wenn man sagt, dass Gott Liebe ist, versteht man darunter die Offenbarung Gottes. Deshalb offenbart sich Gott dort, wo die Liebe ist, wo das Gute ist, ihre Frucht. Spricht man von Gott als Liebe, versteht man darunter jenes Wesen, aus dem das ganze Leben im Weltall hervorgeht und das alle lebenden Seelen in einem Ganzen vereint, ohne sich zu verändern. Es gibt nur ein Wesen auf der Erde, das absolut gut im wahrsten Sinne des Wortes ist -– das ist Gott. Er ist immer gutmütig. In diesem Zustand der Gutmütigkeit hat er überhaupt keinen Wunsch, irgendeinem auch nur das geringste Übel zuzufügen. Auch wenn er an dem kleinsten Insekt vorübergeht, wird er ihm zulächeln und ihm alle zur Entwicklung notwendigen Bedingungen schaffen. Gott richtet niemanden. Er hält niemanden auf, er beschränkt niemanden. Das Schöne an Gott ist, dass er sich nur an das Gute erinnert, das wir getan haben. An das Übel kann er sich nicht erinnern. Gott lässt alle Lebewesen absolut frei. Bis jetzt hat er keinem Wesen, so klein es auch sei, im Weltall gesagt: {\glqq Tu das!\grqq} oder {\glqq Diene mir!\grqq} Er zeigt ihm den Weg, aber lässt ihn allein entscheiden, das zu machen, was es für richtig hält. Und wahrlich, was nützt es Gott, wenn wir ihn ehren, wenn wir ihm dienen? Nützt es ihm etwas? Können wir ihm Wissen vermitteln? -- Nein, er weiß alles. Können wir ihm Kraft geben? -- Nein, er ist der Stärkste. Alles kann vergehen, alles kann wanken, aber er zweifelt niemals. Das Einzige, womit wir Gott anziehen, ist unsere Schwäche, unsere Not. Wenn er uns so winzig, so leidend und unwissend sieht, erwacht in ihm -- in seiner Erhabenheit -- der Wunsch, seine Hand auszustrecken und uns zu sagen: {\glqq Nun aufwärts!\grqq} Gott strebt danach, uns zu befreien, rein zu machen, unsere Vernunft leuchtender zu machen, unsere Herzen edel zu machen, in unsere Seelen jenes Licht einzuführen, durch das wir erkennen, dass er Liebe ist. Im Herzen Gottes gibt es etwas Großartiges. Er ist derjenige, der sowohl ganze Völker als auch einzelne Individuen erleuchtet. Alle Güter verdanken wir ihm; sowohl das Wissen als auch die Weisheit, die Wahrheit und die Freiheit. Alle großen Menschen hat er erhoben; sie stellen einen Impuls des göttlichen Geistes dar. Gott ist derjenige, der durch sie die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit in die Welt hineinbringen will. Und in der göttlichen Liebe, Weisheit und Wahrheit ist das gesamte Leben in der ganzen Ewigkeit sowie das Wohl aller Seelen eingeschlossen. Sobald die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit sich offenbaren, wohnt der göttliche Geist bei den Menschen und dann offenbart sich das Leben in seinem wahren Wesen. Der Mensch soll wissen, dass es nur einen Gott gibt und nur eine Liebe, eine Weisheit und eine Freiheit, eine Gerechtigkeit und ein absolutes Maß, eine Tugend und eine Quelle der Güter für alle existieren. Außer diesen gibt es kein anderes Maß für die große Wirklichkeit. Und wirklich ist nur das, was dem Einen, dem lebendigen Gott angehört. Viele aber fragen, ob Gott existiert und wenn er existiert, wo er denn sei. Das ganze Weltall stellt den Gottesstaat dar, in welchem Gott wohnt. Sein Bewusstsein und sein Verstand sind so groß, dass er auch die kleinsten Wesen umfasst und ihr Leben regelt. Alle Engel, alle großen Wesen, die Millionen von Jahren vor uns auf der Erde gelebt haben, wissen, wer Gott ist. Sie stehen in heiliger Erregung vor diesem Wesen, aus dessen Herzen die Liebe entspringt, die den ganzen Weltraum erhebt und stützt. Und wenn ihr sie fragt, wo und was Gott ist, antworten sie in ihrer Sprache: {\glqq Es gibt kein anderes Wesen, das euch näher ist, als Gott. Es gibt kein Wesen, das eine hellere Vernunft, ein hilfsbereiteres Herz, einen stärkeren Willen besitzt, für den alles möglich ist. Es gibt kein edleres, heiligeres, reineres, weiseres, stärkeres und mächtigeres Wesen als Gott. Er ist überall. Sowohl am Himmel, in allen Sonnen als auch auf der Erde, in allem: in der Luft, im Wasser, in den Steinen und den Pflanzen, den Tieren und im Menschen. Es gibt nichts, hinter dem nicht Gott steht.\grqq} Alles, was innerhalb und außerhalb von uns ist, alles, was um uns herum ist, stellt ein Gemälde dar, hinter dem Gott als ein großer Künstler steckt. Er ist gut versteckt, weil er uns freilassen will. Und weil Gott so gut versteckt ist, deswegen suchen die Menschen ihn außerhalb von sich und wollen ihn auf äußerem Wege erreichen und seine Existenz beweisen. Gott ist aber kein Wesen, das bewiesen werden kann. Die Existenz Gottes beweisen zu wollen, bedeutet, eigentlich zu behaupten, dass es keinen Gott gibt. Beweise für die Existenz Gottes zu finden ist ein mechanischer Prozess. Wenn der Mensch Beweise für die Existenz Gottes will, hat er bereits seine Beziehung zu ihm abgebrochen. Wenn man diese Beziehung wieder herstellt, beginnt das Leben unaufhörlich von Gott zum Menschen und umgekehrt zu strömen. In der Vernunft, im Herzen und im Willen des Menschen gibt es dann einen ununterbrochenen Zufluss göttlichen Bewusstseins. Und dann fallen alle sinnlosen und einfältigen Fragen wie: {\glqq Gibt es Gott oder gibt es ihn nicht? Liebt uns Gott oder hat er uns vergessen?\grqq} weg. Denn die Liebe zu Gott, aus der die lebendige Beziehung zwischen ihm und dem Menschen hervorgeht, ist eine mystische, innere Erfahrung, die sich in ganz unterschiedlichen Formen und Abstufungen offenbart. Die magische Kraft dieser Erfahrung steckt in jenem Augenblick, in dem der Mensch seine Gedanken, sein Herz, seine Seele und seinen Geist ohne jegliches Zögern und Zweifeln an diesen ewigen Beginn richtet. Kommt der Mensch zu diesem Punkt, kann er alles erreichen. Nur dann kann er den Sinn des Lebens begreifen. Denn nur Gott kann einem diesen Sinn offenbaren. Dann begreift man, dass man geboren ist, um Gott zu lieben und sein Leben mit dieser Liebe zu durchdringen, und nicht ein Diener der menschlichen Auffassungen zu sein. Und das flüstert ihm auch seine Seele zu. Denn vergesst das nicht, der Geliebte der menschlichen Seele ist nur Gott. Aus diesem Grund nenne ich nur denjenigen einen Menschen, der Gott liebt. Der Augenblick, in dem er sich selbst bestimmt hat und Gott liebt, bestimmt ihn als einen Menschen. Ein solcher Mensch zieht die Aufmerksamkeit aller guten und vernünftigen Menschen auf sich und sie sagen: {\glqq Heute ist etwas Göttliches geschehen.\grqq} Gott zu lieben, ist der ruhmvollste Augenblick im Leben eines jeden Menschen. Das bedeutet, aufzublühen und seinen Wohlgeruch weit zu verbreiten. Das bedeutet ständig wie eine Quelle zu sprudeln, die zu geben weiß. In diesem Zustand sind alle vernünftigen Wünsche des Menschen erreichbar. Nur dann wird der Mensch wirklich frei; er besitzt jene Freiheit, die die Wahrheit mit sich bringt. Und unter Wahrheit versteht man jenes Band, das Gott zwischen uns und sich selbst geschaffen hat. Außerhalb dieses Bandes gibt es keine Freiheit. Die heutigen Menschen, die ihre Beziehung zu Gott abgebrochen haben, bilden sich ein, tun zu können, was sie wollen; sie glauben sogar, dass sie auch das Recht haben, Gott zu kritisieren. Und mit Recht kann man sagen, dass es kein anderes Wesen gibt, das mehr Schmach erlitten hat, als Gott. Aber er, um es in menschlicher Sprache auszudrücken, hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Er sieht still und ruhig zu, währenddessen er unveränderlich und sanftmütig bleibt. Nur derjenige, der in dieser wesentlichen, unveränderlichen Welt lebt, nur derjenige, der Gott dient und seine Gebote und Gesetze versteht, nur er ist frei und nur er hat einen freien Willen. Merkt euch eines: Das einzige Wesen, das uns liebt, ist Gott. Sowohl, wenn wir leiden als auch, wenn wir uns freuen, ist er derselbe. Sowohl in den Leiden als auch in den Freuden ist es Gott, der zu uns spricht. Vergesst nicht: Um fragen zu dürfen, wer Gott ist, solltet ihr nicht nur eine, sondern viele Ewigkeiten lang gelernt haben. Und wenn ihr alle Wissenschaften im Himmel und auf Erden abgeschlossen habt, erst dann dürft ihr diese Frage stellen. Und wisst ihr, was man euch erwidert? Klipp und klar: {\glqq Gott ist Liebe, die ihr in euch selbst spüren sollt.\grqq} Aber vorher, während ihr bei der Suche nach Beweisen der großen Realität umherirrt, merkt euch diese einfachen Wahrheiten: Fragst du dich, wo Gott ist, wisse, Gott ist da, wo es Leben, Gedanken und Gefühle gibt. Beginnst du an Gott zu zweifeln, dann wisse, dass du an dir selbst zweifelst. In der göttlichen Liebe gibt es absolut keine Ausnahmen. Aus diesem Grund, egal wo du hingehst, in was für eine Lage du gerätst, kannst du an allem zweifeln, aber niemals an Gott! Wisse, dass er überall ist und wenn du ihn anrufst, hilft er dir. Wenn du die Menschen sagen hörst, dass sie an Gott nicht glauben, dann schau sie an und du wirst verstehen, dass sie sich selbst für Götter halten. Diene solchen Göttern nicht! Merke dir etwas anderes: Wo es einen Sinn gibt, dort ist Gott. Wo es keinen Sinn gibt, dort fehlt Gott. Und wo Gott fehlt, dort ist die Hölle. Du fragst, wann der Mensch gut ist? In dem Augenblick, in dem sich Gott in ihm offenbart, ist er gut. In den Augenblicken, in denen sich Gott nicht offenbart, ist der Mensch böse. Offenbart sich Gott im Menschen, wird er froh und freundlich, ist zu jedem Dienst bereit. Wenn er darauf verzichtet, Gott zu dienen, dann verlässt er ihn. Fragt nicht danach, ob Gott euch liebt! Er hat vom ersten bis zum letzten Tag nicht aufgehört, euch zu lieben. Fragt danach, ob ihr Gott liebt. Und prüft eure Liebe durch das einzig sichere Maß: Was ist stärker in euch, eure Wünsche oder eure Liebe zu Gott? -– Wenn eure Liebe zu Gott stärker ist, steht ihr auf dem richtigen Weg. Wenn aber eure Liebe zu Gott schwächer als eure Wünsche ist, dann werden die Leiden und Widersprüche in eurem Leben nicht aufhören. Wenn der Mensch die göttliche Liebe in sich hat, wird sich alles, was ihn ereilt, zum Guten wenden. Hat er diese Liebe nicht, ist sein Weg lang, schwer und seine Wünsche unerreichbar. Der Weg zu Gott besteht in der Vollkommenheit. Der vollkommene Mensch hat nur die Idee von Gott. Ohne Vollkommenheit bleibt Gott für uns unbegreifbar. Trachtet der Mensch nach der Vollkommenheit, erkennt er Gott als Liebe. Und dann fühlt er den Puls aller Lebewesen auf der Erde. Und es gibt keine größere Wonne, als diesen Puls zu fühlen. Dann begreift der Mensch den großen Sinn jener höchsten Worte, die Jesus sprach: {\glqq Ich lebe in Gott und Gott lebt in mir.\grqq} Unter {\glqq Ich lebe in Gott\grqq} versteht man, dass Gott außerhalb von mir ist. {\glqq Gott lebt in mir\grqq} beinhaltet, dass Gott innerhalb von mir ist und ich, der Mensch, außerhalb bin. Beschränke Gott deshalb nicht, wenn er in dir ist. Lass ihm in dir absolute Freiheit, damit auch er dir absolute Freiheit in sich selbst lässt. Der Teufel, das ist ein Wesen, das Gott in sich beschränkt hat. Deswegen hat auch Gott ihn von außen beschränkt. Lass Gott absolute Freiheit in dir. Und dann wird sich vor dir eine unendliche Welt offenbaren.
  19. Die Gerechtigkeit "Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters. (Mt 13,43) Weder auf Erden noch im Himmel, sondern im Reich ihres Vaters. Dieses Reich ist nicht das Reich der Natur. Das Reich der Natur ist ein Heim für die Erziehung der kleinen Kinder. Und diese Gerechten sind nicht die gewöhnlichen Gerechten auf der Erde. Und auch die Gerechtigkeit, von der ich spreche, ist nicht die einfache Gerechtigkeit. Ich rede von jener Gerechtigkeit, in der es Licht gibt. {\glqq Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.\grqq} Wenn du das Licht dieses Reiches ausstrahlst, dann bist du ein Gerechter, wenn du dieses Licht nicht ausstrahlst, dann gibt es keine Gerechtigkeit in dir. Unter den gewöhnlichen Gerechten dieser Welt, die kein Licht besitzen, kann jeder als ein Gerechter gelten. {\glqq Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres Vaters.\grqq} Viele werden vielleicht sagen: {\glqq Was interessiert uns, dass die Gerechten in irgendeinem Reich leuchten werden?\grqq} Das ist sehr wichtig. Ohne Licht auf der Erde kann es keinen Fortschritt und keine Entwicklung geben. Vor Milliarden von Jahren sind diese Lebewesen ins Reich Gottes eingetreten und haben dieses Licht erworben. Dank dieses Lichtes kann die Welt jetzt sehen. Es ist ein Ausdruck ihrer Gerechtigkeit. Wer sind die Gerechten, die leuchten? Das sind die Engel, die Diener Gottes. Und wenn sie nicht mehr leuchten würden, nicht mehr mit der Gerechtigkeit leben würden, dann würden wir auf der Erde zugrunde gehen. Und wenn ihr mich fragt, warum wir die Gerechtigkeit brauchen, antworte ich euch: Damit die Nachkommen in ihrem Licht leben können. Das Licht, das der Gerechtigkeit entspringt, ist die Essenz jenes Lichtes, das Leben spendet und das Leben impliziert. Die Liebe zeigt sich nur denjenigen, die gerecht sind und im Reich Gottes leuchten, also in jener großen, vernünftigen Welt, wo die Gerechten den tiefen Sinn der Dinge verstehen. Die Gerechtigkeit, das ist eine Eigenschaft der menschlichen Seele. Jede Seele ist geboren, um gerecht zu sein. Und am Anfang war sie gerecht. Erwerbt diese Eigenschaft, gerecht zu sein, dieses Erbe, das euch hinterlassen wurde. Jede Seele soll gerecht sein. Warum? Damit aus ihr das große Licht hervorgeht. Und im Licht, das aus der Gerechtigkeit hervorgeht, wird sich ihr die Liebe zeigen. Die Gerechtigkeit, das ist die Basis, auf der sich die Liebe zeigt und die menschliche Seele erleuchtet. Alle Seelen können gerecht sein und Licht ausstrahlen. Seelen, die nicht leuchten wollen, sind Seelen, die gegen Gott kämpfen. Kämpfe nicht gegen Gott! Geh ins Licht der Gerechtigkeit hinein und begreife, dass du nicht so lebst, wie der Mensch leben soll! Kämpfe nicht gegen den großen Vater der Liebe, der das ganze Weltall, alle Lebewesen in seiner Harmonie vereint! Heilige seinen Namen, denn er ist derjenige, der sich unzählige Male für alle Lebewesen geopfert hat. Wenn du einmal seine Stimme hörst, dann wird bei dir auf einmal der Wunsch entstehen, sich ebenfalls für ihn zu opfern. In dir wird die Bereitschaft entstehen, alles zu geben, ohne dass du einen Funken Reue empfindest. Du sagst zu dir: {\glqq Ich habe zu wenig gegeben, ich würde noch Millionen Jahre leben, um zu geben.\grqq} Die absolute Liebe Gottes verlangt nach absoluter Gerechtigkeit. Dort, wo keine Gerechtigkeit ist, ist keine Liebe. Die physische Seite der Liebe ist die Gerechtigkeit. Damit sich die Liebe in der physischen Welt zeigt, muss unbedingt Gerechtigkeit da sein. Ist keine Gerechtigkeit da, ist das ganze angenehme Geplauder umsonst. Die Menschen brauchen die absolute göttliche Gerechtigkeit, jene Gerechtigkeit, die für alle ohne eine einzige Ausnahme gleich anzuwenden ist, die Gerechtigkeit, die nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen, von dem kleinsten bis zum größten berücksichtigt. Gemäß der großen Gerechtigkeit soll das Gesetz gleich für alle, d. h. gegenüber dem Ochsen, Menschen, Nichtgelehrten, Gelehrten einfachen Bürger und gegenüber dem Zaren sein. Wenn wir zu diesem heiligen Gesetz kommen, sollen wir alle heilige Ehrfurcht vor ihm empfinden. Denn sowohl, wenn der einfache Bürger als auch der Zar einen Fehler begehen, ist das eben ein Verstoß gegen das Gesetz der Gerechtigkeit. Es ist die Gerechtigkeit, die die wahren Beziehungen zwischen den Menschenseelen schafft. Wenn sie kommt, dann zeigt sich jene wahre Achtung, die die Menschen füreinander haben sollen. Dann werden wir für niemanden Verachtung empfinden und werden heilig füreinander sein. Deshalb sollt ihr, um die Vollkommenheit zu erreichen, die göttliche Gerechtigkeit in eurem Leben an den Anfang stellen, durch die sich die Liebe zu allen Wesen -- Menschen, Tieren und Pflanzen -- äußern wird. Erwerbt ihr das, seht ihr nur das Gute, wo ihr auch hinblickt. Seht ihr das Gute, erzeugt es in eurer Seele eine heilige Erregung. Die Gerechtigkeit ist etwas Innerliches. Gerecht zu sein, das bedeutet zu wissen, wie man sich bei jedem seiner Gedanken, bei jedem Gefühl, bei jeder Tat verhalten soll. Gerecht zu sein bedeutet zu wissen, wie man als denkendes Wesen, als vernünftiger, wirklich kultureller Mensch handeln soll. Wenn du wahre Beziehungen zu allen Wesen haben willst, sei gerecht zu ihnen. Die Gerechtigkeit ist ein großer innerlicher Prozess der Verteilung von allen göttlichen Gütern an alle Teile des Organismus -- sei es der Organismus eines Individuums, einer Gesellschaft, eines Volkes oder der ganzen Menschheit. Sie ist der Blutkreislauf, der das Blut überall hin liefert, damit jede Zelle alles aufnehmen kann, was sie benötigt, um ihre Arbeit zu verrichten. Dank der Gerechtigkeit dieses großen Blutkreislaufes bekommen sowohl die kleinste Zelle als auch das kleinste Wesen auf der Welt ihre Nahrung. Die Gerechtigkeit, andererseits, kann man mit dem Wasser vergleichen. Was das Wasser in Bezug auf die harte Erde ist, das ist die Gerechtigkeit in Bezug auf das menschliche Leben, denn sie macht die harten Körper weicher. Die Menschen, die sich erbost haben, sind härter geworden, denn sie haben keine Gerechtigkeit. Und diejenigen, die weicher geworden sind, sind gerecht. Verleiht einem Menschen die Gerechtigkeit und er wird weich. Die gleiche Auswirkung hat das Wasser auf die Pflanzen. Wir sollen jedem sein Recht geben, denn wie das Wasser für das Wachstum der Pflanzen nötig ist, so ist auch die Gerechtigkeit für das Wachstum unserer Vernunft und unseres Herzens nötig. Ohne sie kann es kein Wachstum geben. Wenn ihr euch richtig entwickeln wollt, dann solltet ihr gerecht handeln. Und wenn ihr nach der Gerechtigkeit handeln sollt, handelt gerecht, auch wenn die Welt dabei auf den Kopf gestellt wird. Die feigen Menschen können nicht gerecht sein. Der Mensch der Gerechtigkeit soll von absoluter Furchtlosigkeit sein. Damit Frieden in einem beliebigen Staat herrscht, soll die Gerechtigkeit herrschen. Wenn die Rechtlosigkeit herrscht, entsteht Unordnung in ihm. Öffnet die Seiten der Geschichtsbücher der Vergangenheit, betrachtet aufmerksam die Gegenwart und ihr werdet feststellen, dass die Rechtlosigkeit immer ein Grund jeder Unordnung war. Überall herrscht das gleiche Gesetz; wenn Rechtlosigkeit herrscht, entsteht sofort Unordnung. Die Gerechtigkeit bestimmt die Beziehungen zwischen den Menschen. Sie verteilt die Güter Gottes, das Blut des Lebens im gesamten menschlichen Organismus. Die Gerechtigkeit soll so in der Welt angewendet werden, dass kein armer Mensch bleibt, der seufzt und ausruft: {\glqq Ist kein Gott auf dieser Welt?\grqq} Aus diesem Grund soll der wahrhaft Gerechte, wenn er betet, von Gott verlangen, ihm eine leidende Seele zu zeigen, damit er ihr hilft. Die göttliche Gerechtigkeit schließt jegliche Ehren und jeglichen Ruhm, jegliche Reichtümer und jegliches Wissen um des eigenen Nutzens willen aus. Solange der Mensch alles außerhalb von sich selbst sucht, wird er in der vergänglichen Welt sein und jeder kann ihm seine Güter, die er besitzt, wegnehmen. Gehen diese Güter in sein Herz hinein, dann hat er schon seinen Geliebten -- die göttliche Gerechtigkeit, gefunden, die den Menschen unerschütterlich und unverletzlich macht. Von der Fülle des Herzens, von dem Überfluss dieser Güter geben die wahrhaft Gerechten. Sie sind reich. Sie sind auf die Erde gekommen, um eine bestimmte Arbeit zu verrichten und Erfahrung zu sammeln. Sie sind von einem anderen System gekommen und verfügen über die ganze Erde. Sie können hier solange leben, wie sie wollen. Wenn sie ihre Arbeit beenden, gehen sie dorthin, woher sie gekommen sind. Die gerechten Menschen sind reich. Sie sind Söhne Gottes. Und jeder Mensch, der Sohn Gottes ist, verfügt über das Kapital des ganzen Sonnensystems. Die göttliche Gerechtigkeit, deren Träger sie sind und die jetzt in die Welt kommt, erwärmt die menschlichen Herzen. Und in Zukunft, in der neuen Kultur, in der Kultur der Leuchtenden, wird die Welt sich von den menschlichen Herzen erwärmen und erhellen, die von der Gerechtigkeit bewohnt werden. Von diesen Zukunftstagen her sendet Christus -- Christus der Liebe -- eine Nachricht, die in der Gerechtigkeit ihren Ausdruck gefunden hat. Die Gerechtigkeit leuchtet bei jenen, die ihn lieben.
  20. Die Weisheit Gott ist Liebe, Weisheit und Wahrheit -- drei große Welten, für deren Erlernen eine ganze Ewigkeit nötig ist. Es gibt drei Dinge, an denen man Gott erkennen kann. Das sind die göttliche Liebe, die das vollkommene Leben bringt; die göttliche Weisheit, die das vollkommene Licht und Harmonie auf der Welt bringt; und die göttliche Wahrheit, die die vollkommene Freiheit bringt. Und wenn man von den drei Gesichtern Gottes spricht, dann versteht man Folgendes darunter: Das erste Gesicht Gottes ist die Liebe, die sich durch das Leben ausdrückt; das zweite Gesicht Gottes ist die Weisheit, die sich durch das Licht des Wissens ausdrückt; das dritte Gesicht Gottes ist die Wahrheit, die sich durch die Freiheit ausdrückt. Aus diesem Grund gibt es drei Berührungspunkte des menschlichen mit dem göttlichen Geist: Der erste ist die Liebe, der zweite die Weisheit, der dritte die Wahrheit. Seit der ersten Berührung des Menschen mit Gott überwältigt ihn die Liebe; er wird zu einer lebensspendenden Quelle, die ständig sprudelt. Und da diese Quelle ihren Weg finden muss, erscheint die zweite Berührung Gottes, die Weisheit, um die Richtung dieser Bewegung zu bahnen. Und deshalb ist das erste Streben des menschlichen Geistes das Leben. Das zweite Streben des menschlichen Geistes ist das Wissen. Das dritte Streben des menschlichen Geistes ist die Freiheit. Wenn der Geist Wissen erwirbt, kommt Licht als Ergebnis zum Vorschein. Und wenn man von der göttlichen Weisheit spricht, dann versteht man das ganze Licht des grenzenlosen Raumes, das niemals erlischt. Das Licht ist ein Gewand der Weisheit. Das physische Licht, das wir benutzen, ist ein Ergebnis der überschüssigen Energie, die der kosmische Mensch bei seiner vernünftigen Tätigkeit erzeugt. Der kosmische Mensch hat so viel Wissen erworben, dass er einen Überschuss an Licht hat. Die Weisheit, das ist die Welt der ewigen göttlichen Formen, die aus der Liebe gewoben wurden. Die Liebe ist das Wesen selbst und die Weisheit stellt die Formen der Harmonie dar, die sich in Musik und Dichtung ergießen. Die Weisheit ist eine Welt, in der seit Menschengedenken alles enthalten ist, was Gott, die erhabenen Geister und die Menschen auf Erden geschaffen haben. Aus diesem Grund ist diese Welt auch für uns zugänglich. Dieser Welt entspringt das wahre, wesentliche Wissen. Und wenn dieses Wissen die drei Welten -- die göttliche, die geistige und die menschliche -- durchwandert und in ihnen Früchte trägt, dann wird es für uns real. Nachdem die Weisheit in der menschlichen Seele aufgegangen ist, bringt sie alles in der menschlichen Vernunft in Ordnung. Alle Ideen werden klar, bestimmt und kommen in volle Harmonie. Der menschliche Verstand öffnet sich und er sieht, dass diese große göttliche Welt schön ist, dass in ihr Harmonie und Ordnung herrscht, und dass, wenn die Weisheit regiert, gegen die Ordnung nicht verstoßen wird. Vor dem Menschen eröffnet sich ein unendlich weites Arbeitsfeld. Und dann beginnt er, zu erbauen. Denn es ist wahr, dass nur die göttliche Weisheit den Geist des Menschen befriedigt. Aber der Weg der Weisheit ist am schwierigsten. Er ist der Weg der Meister. Nur der vollkommene Mensch, nur der Meister kann die Weisheit bekunden. In das göttliche Reich zu treten, das hängt von dem Wissen und der Weisheit des Menschen ab, und nicht von seiner Liebe. In das göttliche Reich kann man nicht mithilfe eines Segens treten. Ins göttliche Reich zu treten und dort einen ehrenhaften Platz zu bekommen, das hängt von der Weisheit des Menschen ab. Die Weisheit ist das höchste Gut im Himmel. Sie ist der größte und unvergänglichste Reichtum, der dem menschlichen Geist zur Verfügung steht. Ist der Mensch weise, verfügt er über den größten Segen Gottes. Wenn ein Mensch Weisheit besitzt, dann ist er klug, stark und sein Licht geht immer auf. Ein Mensch ohne Weisheit ist noch kein wahrer Mensch. Und wenn man über den Menschen spricht, dann versteht man darunter ein Wesen der Wahrheit. Der Mensch wird Sohn der Weisheit genannt. Es steht in der Heiligen Schrift: {\glqq […] spielend auf dem weiten Rund seiner Erde, und ich hatte meine Wonne an den Menschenkindern.\grqq}(Spr 8,31) Das sind die vernünftigen Menschenkinder, in denen die Weisheit ihre Wonne hat. Gott hat das Weltall durch die Weisheit geschaffen. Er hat es wegen der Söhne der Weisheit geschaffen. Gott ist auf ewig in ihnen; sie verstehen seine Weisheit und lobpreisen ihn. Denn die Herrlichkeit Gottes offenbart sich nur durch das Gesetz der Weisheit. Deshalb kann nur der Weise preisen. Der weise Mensch hat alles, was er weiß, versucht und geprüft. Im weisen Menschen gibt es ein unwiderstehliches Streben nach der Liebe. Er hat den Wunsch, auch das kleinste Lebewesen, das ihm begegnet, zu lieben und ihm einen Gefallen zu tun. Denn der Weise schätzt sowohl die großen als auch die kleinen Dinge. Der Weise lebt ohne Gesetz. Der Dumme soll mit dem Gesetz und nach einem Gesetz leben. Wenn der Weise nach einem Gesetz lebt, dann ist er unglücklich; wenn der Dumme nicht nach einem Gesetz lebt, dann ist er auch unglücklich. Der Weise lebt nach jenem lebendigen Gesetz, das Gott in seine Seele geschrieben hat. Er befindet sich außerhalb der Bedingungen des Lebens in der Zeit. Du, der du nach dem Licht strebst, höre die Worte der Weisheit: Willst du die göttliche Weisheit und die Geheimnisse der lebendigen Natur erlernen, dann gibt es keinen anderen Weg als das Leiden, das sage ich dir. Solange du sitzen bleibst, murrst und haderst, bist du fern der Weisheit. Wenn du aufstehst, dann bist du der Weisheit nah. Solange du philosophierst, bist du fern der Weisheit, deinem Meister. Hörst du mit dem Philosophieren auf, dann stehst du in der Nähe der Weisheit, dann bist du zu Füssen deines Meisters. Wenn du den Sinn des Lebens verlierst, suche das, was leuchtet. Lerne bei demjenigen, der das Licht bringt. Merke dir: Die Tugend lebt nur in dem, bei dem es nie dunkel wird. Befreunde dich mit dem, der nie dunkel wird. Strebe nach dem Licht und vergiss nicht: Das Wissen kommt nicht nur aus einer Quelle und das Licht geht nicht nur durch ein Fenster hinein. Unzählig sind die Fenster des Lichtes. Verleihe deiner Vernunft Weisheit, dann kommt das Licht und das Wissen leistet dir Hilfe. Nur der helle Weg der Weisheit führt zur Wahrheit.
  21. Die Liebe Die Liebe ist eine Welt, in der der göttliche Geist lebt. Die größte Welt, die die Weisen aller Zeiten kennen und von der Christus spricht, ist die Welt der Liebe. Und wenn wir sagen, dass Gott Liebe ist, dann verstehen wir darunter das Wesen, aus dem alles hervorgeht. Aus der Quelle der Liebe gehen alle Welten hervor und werden während aller Ewigkeiten daraus hervorgehen. Alles auf der Welt lebt in der Liebe und durch die Liebe. Alles, was wir sehen -- Galaxien, Sonnen, Planeten -- ist eine Offenbarung der Liebe. Der gesamte Kosmos in seiner Ganzheit, die ganze physische Welt ist offenbarte, materialisierte Liebe. Das ist Gottes großer Körper. Die Liebe ist mit allen organischen Lebewesen verbunden. Es gibt kein Lebewesen, keine lebendige Materie, die nicht auf die eine oder andere Weise auf die Liebe angewiesen und nicht eng mit ihr verbunden ist. Gott, der Liebe ist, ist nicht nur außerhalb von uns, im Weltall, sondern auch in uns. Die Liebe umschließt alles. Sie selbst ist unendlich und alles außerhalb von ihr ist endlich. Und deshalb sagen wir: Ewig ist nur die Liebe; aus ihr geht das Leben hervor. Die Liebe ist das, was das vollständige Leben bringt. Das Gute, welches die Frucht der Liebe ist, ist darin enthalten. Die Liebe beinhaltet auch die Weisheit, denn sie spiegelt die Formen wider, durch welche die göttliche Liebe zum Ausdruck kommt. Die Wahrheit ist auch in der Liebe mit einbezogen, sie ist die reinste Gestalt der Liebe. Die Gerechtigkeit ist auch in der Liebe mit einbezogen. Deshalb zieht die absolute göttliche Liebe absolute Gerechtigkeit nach sich. Wo es keine Gerechtigkeit gibt, gibt es auch keine Liebe. Die physische Seite der Liebe ist die Gerechtigkeit: Damit sich die Liebe auf Erden äußert, muss die Gerechtigkeit unbedingt existieren. Die Liebe ist langmütig und gütig (Kor. 13,4), aber die absolute Liebe verlangt absolute Gerechtigkeit. Und nur der Mensch, der in der Gerechtigkeit erleuchtet ist, kann die göttliche Liebe aufnehmen. Christus ist die in der Gerechtigkeit geäußerte Liebe, die nur diejenigen erhellt, die ihn lieben. Die Liebe ist nur für die großen, starken Seelen. Ungeheure Energie steckt im Menschen der Liebe. Merkt euch: Die Liebe ist nicht für kranke Menschen. Die Liebe ist nur für gesunde Menschen. Die kranken, toten Menschen lieben nicht. Nur die lebendigen Menschen, die vom göttlichen Geist erfüllt sind, nur ihre Herzen schwingen in Liebe. Irrt euch nicht: Die kranken, geistig toten Menschen sind von der Liebe nicht erleuchtet. Und wenn ihr jemanden sagen hört: {\glqq Ich bin ein Mensch der kühlen Vernunft, ich kann nicht lieben, ich kann mich nicht mit solchen Kleinigkeiten beschäftigen\grqq} -- dann wisst, dass dieser Mensch ein Narr ist. Denn das Weiseste, das Größte auf der Welt ist die Liebe. Das weiseste Wesen, über das man sagt, dass es Liebe ist, liebt. Derjenige, der die Welten geschaffen hat, der alles gemacht hat, der alles mit Leben erfüllt hat, der alles geopfert hat, liebt, und dieser Pygmäe mit seiner {\glqq kühlen Vernunft\grqq} kann nicht lieben! Christus ist auf die Erde gekommen, um die Liebe zu äußern. Die Menschen der {\glqq kühlen Vernunft\grqq} könnten aber nicht lieben! Bereist den ganzen Himmel, das ganze Weltall, durchquert alle Welten, alle werden euch sagen, dass Gott Liebe ist. Und wenn ihr einen Engel fragen würdet: {\glqq Liebt uns Gott?\grqq} -- dann würde er euch sagen: {\glqq Verlangt von mir eher mein ganzes Bewusstsein, alles, was ich während der Zeiten erworben habe, zu verlieren, als dass ich euch auf die Frage antworte, ob euch Gott liebe!\grqq} Und zwar kann sich Gott nicht untreu werden. Wenn wir annehmen, dass Gott sich untreu wird, dann bedeutet das anzunehmen, dass es eine äußere Kraft gibt, die ihn begrenzt. Und das ist undenkbar. Die Liebe ist unveränderlich. Sie erleuchtet uns immer. Erinnert euch an die Worte der Heiligen Schrift: {\glqq Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.\grqq}(Joh 3,16) Also hat Gott, indem er die Welt geliebt hat, das Schönste, das Erhabenste von sich, seinen einzigen Sohn, geopfert, um jene Seelen zu erheben, die an die Liebe glauben. Und in Wirklichkeit kann man nur an eines, an die Liebe glauben. Jeder andere Glaube ist ein Irrtum. Die Liebe steht über allen Nationalitäten. Die Liebe steht über allen Religionen. Die Liebe selbst schafft die Religionen. In der göttlichen Welt gibt es keine Religionen, dort existiert nur die Liebe. Die Atmosphäre der göttlichen Welt ist Liebe, dort atmet alles Liebe. Aber weil die Liebe sich auf der Erde nicht äußern kann, deshalb entstehen Religionen. Wenn ihr aber den Willen Gottes erfüllen möchtet, dann müsst ihr unbedingt die Religionen durch die Liebe ersetzen. Dann wird jeder, der sie liebt, ein Priester und Diener in ihrem Tempel sein. Das Große am Leben ist, Gott als Liebe zu erkennen. Die Schönheit im Leben besteht in unserer Beziehung zum Gott der Liebe. Die Liebe beinhaltet alle Bedingungen, alle Methoden, alle Möglichkeiten, durch die die menschliche Seele sich in ihrer Fülle entwickeln kann. Nur sie kann die versteckten Möglichkeiten in ihr erwecken. Die Wissenschaft und die Kunst können der menschlichen Seele keinen Anreiz zum Erwachen geben. Sie sind nur vorübergehende Beschäftigungen. Die einzige wahre Angelegenheit auf der Welt ist die Wissenschaft der Liebe. Sie ist das große Objekt der Erkenntnis für die Seele. Beginnt der Mensch mit der Liebe als große und mächtige Kraft, dann erwachen seine Seele und sein Geist und er kommt in ein wirkliches Verhältnis mit der physischen, geistigen und göttlichen Welt. Nur durch die Liebe kann man die Beziehungen, die zwischen diesen Welten existieren und den Sinn des gesamten Lebens begreifen. Aber vergesst eines nicht: Im Leben des Menschen gibt es nur zehn Möglichkeiten, mit der Liebe zu beginnen. Alle zehn Jahre entsteht die Möglichkeit, dass diese mächtige Kraft aktiviert wird. Der Rest des Lebens ist für Übung bestimmt. Ergreift der Mensch eine dieser Möglichkeiten, einen von diesen Strahlen der großen Sonne, die das ganze Weltall erhellt, dann beginnt alles Erhabene und Edle in seiner Seele zu knospen, zu blühen und zu reifen. Die Früchte der Seele reifen nur unter den Strahlen dieser Sonne. Wenn der erste Strahl der Liebe aufleuchtet, werdet ihr so eine unbeschreibliche Wonne, so ein Licht, so einen mächtigen Impuls in eurer Vernunft, so ein Streben in eurem Willen fühlen, dass alle Hindernisse auf der Welt beginnen werden, sich aufzulösen. Ein paar Augenblicke, die man in der göttlichen Liebe erlebt, wiegen mehr als Tausende von Jahren eines gewöhnlichen Menschenlebens, das man unter den größten Vergnügungen und Genüssen verbracht hat. Indem wir lieben, suchen wir Gott. Wir müssen Gott lieben, damit wir ihn wahrnehmen und erfahren können. Und wenn wir ihn wahrnehmen, dann erfahren wir auch seine Weisheit. In der Heiligen Schrift steht: {\glqq Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstande und aus deiner ganzen Kraft. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.\grqq}(Mk 12,30--31) Das ist das einzige Gesetz, das sich in den drei Welten manifestiert. Liebst du Gott, dann bist du in der göttlichen Welt. Liebst du dich selbst und deine Seele, dann bist du in der geistigen Welt. Liebst du deinen Nächsten, dann bist du in der physischen Welt. Wenn der Mensch diese Gesetze anwendet, dann gibt es auf der Welt keine Kraft, die ihm widersteht, keinen Gedanken, der ihm nicht gehorcht und seinem Ideal nicht dient. Merkt euch aber eine große Wahrheit: Nur Gott liebt, weil Gott Liebe ist. Es gibt keinen Menschen, der von sich aus lieben kann. Der Mensch kann nur ein Mittler der Liebe sein, aber von sich aus kann er nicht lieben. Von jemandem geliebt sein zu wollen, bedeutet, dass man von Gott geliebt sein will. Um seine Liebe zu dir auf der Erde zu äußern, muss Gott einen Menschen als Mittler wählen und durch ihn sich dir gegenüber äußern. Wenn es nur eine Person auf Erden gibt, die dich liebt, reicht das. Die Liebe im göttlichen Sinne ist eine vernünftige Äußerung zwischen zwei erhabenen Seelen, die sowohl geistig als auch dem Herzen und ihrem Bestreben nach auf dem gleichen Niveau stehen, also Seelen, die gleich edelmütig, gleich geistig erhaben sind. Nur zwei solche Seelen können sich verständigen. Und dann ist die Liebe zwischen diesen zwei Seelen wie Musik. Denn nur zwei Virtuosen können zusammenspielen. Ihr fragt oft: Wer liebt uns? In der Anwesenheit des Menschen, der euch auf göttliche Weise liebt, wird jegliche Trauer, die ihr habt, und jegliche Enttäuschung, die ihr erlebt, augenblicklich verschwinden. Ihr werdet erleichtert und erhellt. Die Liebe kennzeichnet sich durch folgendes Gefühl: Wenn ein Mensch jemanden liebt, hat er Mitleid mit ihm und verhält sich ihm gegenüber so, wie er sich zu sich selbst verhält. Äußert sich dieses Gefühl nicht, dann äußert sich die Liebe nicht wirklich. Der Liebe entspringt auch das Gefühl der Vergebung; nur die Liebe verzeiht. Die wahre Liebe ist stärker als der Tod. Wer liebt, der stirbt nicht. Die Liebe bringt die Unsterblichkeit. Die Menschen sterben an fehlender Liebe. Wenn eine Mutter eine starke und unerschütterliche Liebe zu ihren Kindern hat, kann der Tod sie ihr nicht wegnehmen. Nicht nur der Tod, sondern auch keine Kraft auf der Erde ist imstande, zwei Lebewesen, die die Liebe vereint hat, zu trennen. Die Liebe bildet die beständigsten Verbindungen im Leben. Und wenn zwei Seelen eine solch solide Einheit durch die Kraft der Liebe bilden, dann bilden sie eine doppelt so mächtige und helle Seele mit doppeltem Bewusstsein. Wenn diese zwei Seelen weitere zwei Seelen treffen, die auf diese Weise vereint sind, verbinden sie sich mit ihnen und bilden eine noch mächtigere Seele. So geht dieser göttliche Prozess der Liebe weiter, der einzig und allein imstande ist, beständige, unzertrennliche Verbindungen zwischen den Seelen herzustellen. Auf diese Weise vereinen sich alle Seelen in der göttlichen Liebe zu einem so mächtigen, beständigen Ganzen, dass keine Kraft auf der Erde imstande ist, ihre festen Bande zu durchtrennen. In diesem Ganzen lebt jede Seele in den anderen Seelen und die Seelen leben in ihr. So verwirklichen sich die Einheit in der Vielheit und die Vielheit in der Einheit. Die Rettung des Menschen hängt ausschließlich von der Liebe ab. Und wenn die Liebe sich im Menschen äußert, kann er sich, auch wenn er gefallen ist, sofort über die Umstände erheben. Das Glück des Menschen hängt auch von ihr ab. Im Glück fühlt der Mensch dank der Liebe, die ihn besucht hat, eine Erweiterung und Fülle. Dann hört der Mensch die Stimmen aller Lebewesen und fühlt den Puls des gesamten Lebens. Denn die Liebe ist eine kollektive Äußerung aller vernünftigen Wesen, die ihre Entwicklung abgeschlossen haben und eins mit Gott geworden sind. Die Liebe eines dieser Wesen ist die kollektive Liebe von allen. Und wenn die Liebe eines Lebewesens nicht die kollektive Äußerung aller vernünftigen Wesen ist, dann ist sie keine Liebe. Aus diesem Grund äußert sich die hohe ideelle Liebe in der Liebe zu allen Menschen, ohne dass sie ihren Ursprung ahnen. Die Menschen zu lieben, auch wenn sie dich hassen und böse gesinnt sind, ihnen ständig zu dienen, ohne dass sie etwas davon wissen, das bedeutet ideelle Liebe, das bedeutet Gott zu dienen. Denn das ist eines der Hauptmerkmale der göttlichen Liebe; sie kommt auf uns zu unabhängig davon, ob wir sündhaft sind oder nicht. Eine magische Kraft steckt in der Liebe. Sie ist der Schlüssel, mit dem alles Verschlossene geöffnet wird. Die Liebe hat ihren heiligen Namen, also das verlorene magische Wort, nach dem die Kabbalisten aller Zeiten suchen. Dieser heilige Name, das ist der magische Schlüssel des unsterblichen Lebens. Durch ihn transformieren sich alle negativen Energien in positive. Mit ihm kann man alles machen. Deshalb sagt man, dass für die Liebe alles möglich sei. Die einzige Kraft, die magisch das ganze Wesen des Menschen umwandeln kann, ist die Liebe. Und sie soll überall in ihn eindringen, in die kleinsten Spalten seiner Seele, um ihn zu verwandeln. Die Liebe soll den menschlichen Geist erfüllen. Sie soll sich vollständig, vollkommen und grenzenlos in der menschlichen Seele äußern. Sie soll auch dem Wesen und dem Inhalt nach im Herzen ewig sein. Sie soll auch im Verstand als herzinnige Kraft wirken. Es gibt vier Äußerungen der Liebe im Menschen. Sie wirkt als ein Streben im Herzen, als ein Gefühl in der Seele, als eine Kraft im Verstand und als ein Prinzip im Geist. Und das ist der ganze Zyklus der Entwicklung vom Anbeginn bis zum Ende. Die Liebe als ein Streben bewegt sich zum Zentrum der Erde; das sind die Wurzeln der Liebe. Die Liebe als ein Gefühl bewegt sich zur Sonne; das sind die Äste. Die Liebe als eine Kraft äußert sich nur bei den Genies und Heiligen. Sie äußert sich bei all denjenigen, die sich für eine göttliche Idee opfern. Die Selbstaufopferung gehört zur Liebe als eine Kraft. Nur ein Mensch, der eine Vernunft besitzt, kann die Liebe als eine Kraft verwirklichen. Die Liebe als ein Prinzip kommt jetzt in die Welt. Sie umfasst alles. Bis zur Liebe als eine Kraft gibt es sowohl Anziehung als auch Abneigung und Gegensätze. In der Liebe als ein Prinzip verschwinden alle Gegensätze. Der Mensch soll durch alle Stufen der Liebe gehen. Er soll durch die Liebe als ein Streben, also in ihre Wurzeln gehen; er soll durch die Liebe als ein Gefühl, also durch ihre Äste gehen; er soll durch die Liebe als eine Kraft, also durch ihre Blüten gehen; und in die Liebe als ein Prinzip eingehen, um die göttliche Frucht der Liebe zu kosten. Bevor die Liebe nicht in die Welt kommt, verwandelt sie sich nicht. Sie ist ein großes Feuer, das das Leben bringt. Aber es gibt keine mächtigere Kraft als die Liebe für diejenigen, die disharmonisch zu ihr stehen. Für sie beginnen dann höllische Qualen. Das Feuer der Liebe kommt jetzt als eine große Welle in die Welt. Es schmilzt alles, was die hohen Schwingungen der Liebe nicht ertragen kann. Wenn man die Liebe nicht richtig aufnimmt, verwandeln sich ihre süßen Säfte unter der Wirkung einer besonderen Art von Gärung in eine besondere Sorte Wein. Mit diesem Wein betrinken sich die Menschen, wenn in ihnen das Streben der Liebe keimt, und begehen Tausende von Sünden und Verbrechen. Aber du, der du denkst, unterscheide diesen Wein der menschlichen Liebe, der später gemacht wird, von den süßen Säften der Liebe! Lass dich mutig in die Wurzeln der Liebe hinab! Breite dich in ihren Ästen aus! Blühe als eine Blüte der Liebe! Reife als eine Frucht der Liebe! Und wenn du in die Welt, in der ihre Früchte reifen, hineingehst, dann singe das Lied vom Menschen, der den ganzen Kreis der Liebe von den Wurzeln bis zur Frucht umkreist hat. Höre dieses Lied! Gott ist Liebe, ewige, grenzenlose Liebe, voll von Leben -- das Leben des sanften göttlichen Geistes, Geist der Heiligkeit, Geist der Sanftheit, Geist des völligen Friedens und der Freude für jede Seele. Und dann hörst du die Antwort der liebenden Seelen: Wir gehen diesen Weg des Lichtes, in dem die göttliche Liebe herrscht.
  22. Die Wahrheit Wir haben zwei Begriffe von Gott. Wenn wir von ihm ausgehen, verstehen wir ihn als etwas, was sich in sich selbst begrenzt. Und wenn wir mit unserer Entwicklung beginnen, indem wir von dem Begrenzten hinausgehen und zu dem gehen, was ohne Anfang und Ende ist, dann verstehen wir Gott als unendlich und ewig. Die Wahrheit, die aus dem Unendlichen hervorgegangen ist, hat die Dinge begrenzt. Sie ist es, die das Grenzenlose offenbart hat. Gott als Wahrheit zieht uns zu sich und Christus zeigt den wahren Weg unserer inneren Hingabe zu Gott. Und genau deshalb ist die Wahrheit ein Hinweis auf das Unendliche und Ewige, das im Verhältnis zum Begrenzten steht. Es ist gesagt worden: {\glqq Das Haupt deines Wortes ist die Wahrheit.\grqq}(Vgl. Ps 119,160) Und wir wissen, dass alle Bewegungen vom Kopf ausgehen und wieder zu ihm zurückkehren. Das Haupt zeigt die Richtung an. Und wenn wir sagen, dass jemand einen Kopf hat, dann verstehen wir darunter, dass er eine Richtung und ein Ziel hat, nach denen er strebt. Nur ein Mensch, der die Wahrheit besitzt, kennt die Richtung seines Lebens. Im Weltall bewegt sich alles. Die Erde bewegt sich um die Sonne, die Sonne bewegt sich um eine andere Sonne; es verläuft eine Bewegung in der Bewegung. Aber die Hauptrichtung dieser Bewegungen wird von der Wahrheit gegeben. Aber nicht nur die Himmelskörper bewegen sich. Alle Wünsche, Gefühle und Gedanken bilden Milliarden von Welten und Systemen, die sich zum großen Ziel der Wahrheit bewegen. Der Mensch soll den Weg in seiner Bewegung in jeder Hinsicht kennen. Und er darf keinesfalls diesen Drang aufhalten. An der Wahrheit wird in keinem Augenblick Zweifel zugelassen. Alles in ihr ist streng bestimmt. Jeder Zweifel ist schicksalhaft, denn sogar die kleinste Bewegung des einzelnen Menschen ist so sehr mit anderen Bewegungen verbunden, dass auch bei dem kleinsten Zweifel eine Katastrophe ihn ereilen kann, was zu einer Kreuzung der Wege im Weltall führt. Alle Lebewesen, die nicht gemäß der Wahrheit leben, haben den Wunsch, sich ziellos zu bewegen. Und deshalb hat die Natur sie begrenzt. Doch die Wahrheit versteht nur eine Bewegung in einer bestimmten Richtung, einer Richtung, in der sich alles im Weltall vom Begrenzten zum Unbegrenzten und Ewigen bewegt. {\glqq Die Wahrheit wird euch freimachen.\grqq}(Joh 8,32) Es ist ein Streben und eine Sehnsucht der Menschenseele, frei zu sein. Das ist ein großer Impuls, aber nicht für den einfachen Menschen, sondern für den Menschen, in dem das Bewusstsein erweckt worden ist. Die Freiheit ist ein großer Impuls im Menschen, bei dem das Göttliche erwacht. Die Wahrheit impliziert das Höchste im Menschen. {\glqq Du liebst die Wahrheit im Menschen.\grqq} Das ganze Leben des Menschen beruht auf der Wahrheit, die die Freiheit bringt. Wenn man über die Freiheit im absoluten Sinne des Wortes spricht, dann versteht man darunter den Geist des Menschen, das Höchste in ihm, und nicht die Vernunft. Durch die Wahrheit können wir aus dem Rahmen des Lebens in der Zeit, des Todes, herausgehen und in die ewige Freiheit eingehen. Man sagt, die Wahrheit sei abstrakt. Nein, die Wahrheit ist das Reale, das die Grundlage unseres Lebens darstellt. Sie ist eine Welt von unbeschreiblicher Schönheit, die ihre Farben, Töne und Musik hat. Sie ist eine Welt, die existiert und die immer existieren wird. In dieser Welt sind die Dinge streng mathematisch bestimmt. Es gibt nichts Unvorhergesehenes, nichts Zufälliges. Die Wahrheit ist von den persönlichen Ansichten der Menschen unabhängig. Egal ob ihr auf die eine oder andere Weise an sie denkt, ob ihr euch der Wahrheit nähert oder euch von ihr entfernt, ihr ändert damit ihre Gesetzmäßigkeiten nicht. Die Liebe strebt immer nach der Wahrheit. Die Wahrheit ist ein Objekt der Liebe. Ohne die Wahrheit als Objekt kann sich die Liebe nicht offenbaren. Die Schönheit ist auch eine Offenbarung der Wahrheit. So wie die Schönheit in Bezug auf den Menschen ist, so ist die Wahrheit in Bezug auf die göttliche Welt. Die Wahrheit ist ihr Licht. Da die Wahrheit zur Welt der Unsterblichkeit gehört, ist sie für die sündigen Menschen unzugänglich. Zu den sündigen Menschen über die Wahrheit zu sprechen ist das Gleiche, als wenn ein Mathematiker zu einem unwissenden Menschen über die höheren mathematischen Probleme spricht. Die Liebe ist gegenüber den Fehlern der Menschen nachsichtig. Die Wahrheit aber ist streng und unerbittlich. Die Wahrheit duldet die Unwissenheit, die Schwäche und die Unreinheit nicht. Darin besteht ihre vollkommene Schönheit. Deshalb sollte der Schwache zur Liebe gehen. Wer unwissend ist, sollte zur Weisheit gehen. Wer leidtragend ist, sollte zur Gerechtigkeit gehen, und wer vollkommen sein will, der sollte zur Wahrheit gehen. Glaubt ihr, dass die Wahrheit bei den Reichen ist? Nein, sie ist nicht da. Glaubt ihr, dass sie bei den Armen ist? Nein, sie ist nicht dort. Glaubt ihr, dass sie bei den Wissenschaftlern, bei den Philosophen, bei den Gläubigen, bei den Okkultisten ist? Nein, sie ist nicht bei ihnen. Nirgendwo ist die Wahrheit. Denn diese Welt ist eine Welt der Leiden und des Todes, eine Welt der ständigen Veränderungen. Und in eine solche Welt kann die Wahrheit nicht kommen, sie kann zu ihr nicht vordringen. Die Wahrheit spricht mit den Sonnen. Die Weisheit spricht mit den Planeten. Und die Liebe ist so nachsichtig, dass sie auch mit den kleinsten, unbedeutendsten Lebewesen spricht. Weil die Wahrheit mit den Sonnen spricht, ist ihr Ziel erhaben und fern. Deshalb können die Sterblichen nicht über die Wahrheit sprechen. Sie können eine Tatsache als Wahrheit anführen, aber über die Wahrheit selbst können sie nicht sprechen. Verleihe deiner Seele die Wahrheit und du wirst die Freiheit, nach der du suchst, erlangen. Liebe die Wahrheit! Und wenn du so mittellos bist, dass du keinen einzigen Groschen in deiner Tasche hast, wisse, dass es etwas gibt, das über der Mittellosigkeit steht; das ist die Wahrheit. Es gibt etwas, was über jeglichem Reichtum steht; das ist die Wahrheit. Es gibt etwas, was über jeglicher Macht steht; das ist die Wahrheit.
  23. Die Seele Die Trennung der menschlichen Seele von Gott stellt einen der größten Momente im Dasein dar. Diese Trennung ist in der Welt der Engel unter der Bezeichnung Tagesanbruch der menschlichen Seele bekannt. Die Seele entspringt ihrer Urquelle als ein göttlicher Strahl und tritt in das unendliche Universum ein, um die Arbeit, die ihr bevorsteht, zu verrichten. Die Seele ist ewig. Sie ist genauso ewig, wie Gott es ist. Aber während Gott absolut unveränderlich ist, ändert sich die Seele ständig, indem sie sich auf diese Weise entwickelt und neue Fähigkeiten erwirbt. Die menschlichen Seelen leben und bewegen sich in Gott. Sie existieren in ihm in der Ewigkeit, obwohl sie sich in unterschiedlichen Augenblicken geäußert haben. Sie existieren zusammen, obwohl sie nicht gleichzeitig aus Gott hervorgegangen sind; sie leben ein und dasselbe Leben, obwohl sie sich unterscheiden. Und sie unterscheiden sich, weil jede Seele einen Zustand des göttlichen Bewusstseins darstellt. Die Seelen, das sind verschiedene Zustände, in denen sich das göttliche Bewusstsein in Zeit und Raum äußert. Deshalb sagen wir: Es gibt nur eine große göttliche Seele und alle anderen Seelen sind ihre Ausdrucksformen. Alles auf der Welt kann verschwinden, aber die Seelen niemals. Sie können nicht verschwinden, weil auch die göttliche Seele, das göttliche Bewusstsein nicht vergehen kann. Die Menschen kennen die Seele heutzutage nicht. Sie werden sich nicht als Seelen bewusst, sondern als Persönlichkeiten. Die Persönlichkeit, das ist der physische Mensch, und nicht das wahre Selbst -- die Seele. Die Menschen kennen auch die Persönlichkeiten der anderen, aber nicht deren Seelen, die eigentlich ihre wahren Nächsten sind. Aber wenn die Menschen die Idee, dass sie lebendige, vernünftige Seelen sind, in ihrem Bewusstsein verweigern, wenn sie sich immer noch als Persönlichkeiten, als Vernunft und Herz, als Mann und Frau bewusst werden, dann erreichen sie nichts. All diese Formen des Bewusstseins sind schon erprobt worden. Wenn die Menschen aber in ihrem Bewusstsein anerkennen, dass sie lebendige, vernünftige Seelen sind, dann verleihen sie ihrem Leben etwas Neues und geben ihm eine neue Richtung, weil es in der heutigen Entwicklung des Menschen keinen höheren Zustand gibt als den Zustand der Seele. Er bringt alle Bedingungen mit sich, alle Möglichkeiten der göttlichen Liebe. Nur in der Seele kann sich Gott in seiner Vollständigkeit äußern. Die Liebe kann sich nur durch die Seele vollkommen ausdrücken. Äußert ihr die Liebe nur durch euer Herz, wird sie nur zur Hälfte ausgedrückt sein. Wenn ihr sie durch euren Verstand äußert, wird sie wieder nur zur Hälfte ausgedrückt sein. Und alle Schwächen auf der Welt ergeben sich aus den Hälften. Bis jetzt hat die menschliche Seele Knospen getrieben, sie hat den Zeitpunkt erreicht, eine Knospe zu werden. Aber in unserer Epoche beginnt diese Knospe, sich zu öffnen. Dieses Öffnen der Knospe -- der Seele -- ist einer der größten Augenblicke im Weltall und nennt sich Aufblühen der menschlichen Seele. Und alle erhabenen Wesen in der göttlichen Welt erwarten in heller Erregung das Aufblühen der menschlichen Seele. Sie wissen, dass in ihr alle Äußerungen Gottes eingeschrieben sind, und dass in ihr all dies eingegeben ist, was vor ihnen geschehen ist, was jetzt geschieht und was in Zukunft geschehen wird. Sie wissen, dass die menschliche Seele ein heiliges Buch ist, in das Gott auf eine besondere Weise, die ihnen unbekannt ist, die ganze Genesis aufgeschrieben hat. Deshalb erwarten sie mit solch einer heiligen Erregung das Aufblühen der menschlichen Seele. Die Blüte, in der die menschliche Seele aufblüht, wird in ihrer ganzen Schönheit aufleuchten, und Gott haucht ihr sein Licht und seine Liebe ein. Und der menschlichen Seele wohnt eine solche Schönheit inne, wie in keinem anderen Lebewesen auf der Welt. Diese Schönheit lässt sich mit nichts vergleichen. Wenn Gott selbst die Form der menschlichen Seele erblickt, erfreut auch er sich. Wenn die menschliche Seele aufblüht, dann werden alle Engel, alle Diener Gottes kommen. Sie erwarten seit Menschengedenken ihr Aufblühen, um von ihrem Nektar zu kosten. Und mit ihrem Kommen bringen sie die neue Kultur, die ich Kultur der Liebe nenne. Als Christus auf die Erde herabstieg, kam er, um den Menschenseelen zu helfen. Denn jede Seele, die auf die Erde gekommen ist, hat eine wesentliche Aufgabe, die sie selbst lösen soll. Auf der Welt gibt es vernünftige Seelen, die sich erheben und bewusst leben wollen. Ihretwegen kommen die großen Meister auf die Erde; auch alle liebenden und leuchtenden Seelen, die auf der Welt arbeiten, helfen ihnen. Denn nur Seelen, die lieben und leuchten, können den anderen Seelen helfen. Sie haben ihre Prüfungen auf der Erde abgeschlossen. In ihnen ist das göttliche Bewusstsein erweckt worden. Deshalb wollen sie die Erde nicht verlassen. Sie sagen: {\glqq Jetzt leben wir auf der Erde in all den Umständen, wir leben so, wie der Herr es will. Wir begreifen jetzt, wie man leben soll.\grqq} Für die menschliche Seele, die sich erheben will, gibt es nichts Unmögliches. Sie ist dank ihrer Beziehung zu den anderen Seelen, die ihre wahren Nächsten sind, stark. Und je größer die Zahl der Seelen ist, mit denen die menschliche Seele verbunden ist, desto stärker und unverwundbarer ist sie. Der Erfolg der Seele hängt von der Zahl der Seelen ab, mit denen sie verbunden ist. Das Bewusstsein jener Seelen, die am irdischen Leben einer Seele teilhaben, ist ständig auf die Liebe konzentriert und deshalb helfen sie ihr uneigennützig und selbstlos. Deshalb besteht die Kunst des irdischen Lebens darin, dass der Mensch, solange er in dieser kleinen Form auf Erden ist, Kontakt mit den Seelen der anderen Menschen knüpft. Darin steckt der Schlüssel zum Erfolg. Wenn nur eine Seele dich liebt, dann ist sie imstande, dir in den Schwierigkeiten des Lebens zu helfen. Und wenn viele Seelen ihre Liebe auf einen Menschen richten, kann er alles werden: Dichter, Künstler, Musiker, Wissenschaftler. Eine große Kraft ist die Liebe. Der Weg jeder Seele ist streng bestimmt und keiner ist imstande, sie davon abzubringen. Es ist unmöglich, dass eine Seele eine andere von ihrem Weg abbringt, denn Gott wacht aufmerksam über die Seelen und lenkt ihre Bewegung im unendlichen Weltall. Jede Seele selbst ist ein kleines Weltall, das seinen eigenen Weg im großen All geht. Aber eine große Eigenschaft wohnt der Seele inne, kleiner zu werden, unendlich klein zu werden und sich zu erweitern, weit wie das All zu werden. Von Gott kommend, verhalten sich die Seelen in der Weise zueinander, wie sich die Töne zueinander verhalten. In ihrem Verhalten zueinander bilden die Seelen harmonische Gruppen. Sie bilden einzelne Systeme, die sich spiralförmig im unendlichen Weltraum bewegen. Bei ihrer Involutionsbewegung steigen sie in Gruppen herab, aber bleiben der Dichte nach in unterschiedlichen Kreisen, denn nicht alle können diesen Widerstand überwinden. Nur ein Teil von ihnen erreicht die dichteste Materie. So sind die Seelen in einer Art Kette verbunden, die durch verschiedene Bereiche geht. Bei der Evolution erheben sich die Seelen laut des gleichen Gesetzes; die verschiedenen Seelen erheben sich in unterschiedlich feinstoffliche Regionen. In der Liebe zur menschlichen Seele besteht die wahre Moral. Aber wer mit der menschlichen Seele umgehen will, der soll einen großen Verstand haben. Er soll die tiefgründigen Prozesse verstehen, die darin vorgehen. Eine Tiefe hat die menschliche Seele, eine Tiefe und eine Unermesslichkeit. Denn die menschliche Seele lebt außerhalb unserer Welt, in einer mehrdimensionalen Welt. Sie hat auf der Erde nur eine kleine Projektionsfläche. Sie erscheint nur vorübergehend als Gast des Verstandes und des Herzens. Und wenn die Seele den Menschen besucht, wird er großartig, inspiriert und edelmütig. Wenn die Seele sich zurückzieht, wird er wieder ein gewöhnlicher Mensch. Alle großen Gedanken entspringen der Quelle der Seele. Die Seele ihrerseits schöpft aus einer anderen Quelle -- dem menschlichen Geist. Der menschliche Geist schöpft aus einer noch größeren Quelle -- dem göttlichen Geist. Und der göttliche Geist schöpft aus der größten Quelle -- dem absoluten, unbekannten Geist des Seins, von dem keiner etwas weiß. Also merke dir: Du bist eine Seele und kein Körper! Du bist eine Seele, die einst im göttlichen Geist, in der Liebe empfangen worden ist. Jetzt ist deine Seele schon eine Knospe, die auf das Erblühen wartet. Konzentriere dein Bewusstsein auf sie, denn das ist einer der größten Augenblicke in deinem Leben! Dann wirst du dich für die große Sonne öffnen, die die ganze göttliche Welt beleuchtet.
  24. Das Leben Die Quelle des Lebens ist Liebe. Die Liebe bringt die Fülle des Lebens. Das Leben wird erst wirklich, wenn der Mensch die Liebe erkennt. Wenn der Mensch die Liebe nicht begreift, kann er auch das Leben nicht begreifen. Wenn er das Leben nicht begreift, kann er auch die Zeit, in der es als ein unaufhörlicher Prozess verläuft, nicht begreifen. Und wenn der Mensch die Zeit nicht begreift, verliert er den musikalischen Rhythmus des Lebens und gerät in eine Reihe disharmonischer Zustände, die ihn unglücklich machen. Das Größte außerhalb der Liebe ist das Leben. Das Leben ist die Frucht der Liebe. Aber die Liebe und das Leben sind nicht ein und dasselbe. Im Leben verlaufen ständig zwei Prozesse: Der eine ist der Prozess der Bildung, der andere der Prozess der Zerstörung. In der Liebe existieren diese zwei Prozesse nicht. Sie ist etwas Reines und Einheitliches. Im Leben gibt es aber eine Differenzierung. Das Leben ohne Liebe hat keinerlei Sinn. Ein solches Leben ist eine Reihe von Leiden, Niederlagen und sich Wiederaufrichten. Das Leben kann sich ohne Liebe nicht offenbaren. Ein Leben ohne Liebe gibt es nicht. Der erste Weg, auf den sich das Leben macht, ist die Liebe. Um zu zeigen, dass man lebt, soll man lieben. Der Sinn des Lebens besteht darin, zu lieben und geliebt zu werden. Das Leben stellt die Bemühung des Geistes dar, sich in der äußeren Welt, in der Peripherie zu offenbaren. Wenn der Geist sich in der Peripherie offenbart und mit seiner Arbeit beginnt, dann sagen wir, dass das Leben sich in seinem elementaren Zustand als Leben in der Zeit zeigt. Das Leben in der Zeit ist aber nur ein Schatten des Lebens oder die kleinste Projektion des gesamten Lebens. Das ewige Leben enthält unendliche Möglichkeiten. Es bringt alle Bedingungen zum vernünftigen Wachstum mit sich. Und unter Leben versteht man die allgemeine Weltseele, die sich in der ganzen lebendigen Natur äußert. Unsere Seelen sind Bestandteile dieser großen Seele. Damit sich das große Prinzip des Lebens äußert, soll das Leben irgendeine Form annehmen, die seinem Streben und seiner Bewegung entspricht. Das Streben, das ist der vernünftige innere Drang und die Bewegung sein physischer Ausdruck. Das Leben äußert sich aber nicht nur in einer Form, es äußert sich in unendlich vielen Formen. Wenn sich mehrere Formen verbinden und eine größere Form bilden, sagen wir, dass das Leben vernünftig organisiert ist. Dann sind alle Formen bestrebt, diese höhere Form zum Ausdruck zu bringen. Das Leben hört niemals auf, es dauert ewig. Die äußeren Formen zerfallen, doch das Leben dauert ewig. Nichts ist imstande, es zu zerstören. Das Leben ist stärker als der Tod. Es ist frei, nicht fassbar und unaufhörlich. Es hört nicht auf. Es fließt nach innen und nach außen. Denn der Mensch kann sich mit seinem Umfeld nicht verbinden, wenn das Leben nicht hinein- und herausfließt. Das innere Leben ist vollkommen. Die Vergnügungen, die Leidenschaften, die falschen Gedanken und Gefühle schränken die natürlichen Ausdrücke des Lebens ein. Das Leben kann nur gut sein. Ein schlechtes Leben gibt es nicht. Und wenn man sagt, dass das Leben sich verbessern sollte, ist das eine falsche Idee. Das Leben an sich ist weder gut noch schlecht. Im Leben kann es Beimischungen geben, aber es wird weder besser noch schlechter. Das Leben kommt von Gott und geht zu ihm zurück. Deswegen ist es seinem Wesen nach absolut rein. Die Veränderungen aber, die man im Leben vornimmt, bringen die schlechten Folgen mit sich. Und dann spricht man von weltlichem, geistlichem, zeitlichem und ewigem Leben. Aber das Leben selbst ist weder weltlich noch geistlich. Wenn das Tierische dem Menschen innewohnt, wird das Leben weltlich, und wenn das Vernünftige ihm innewohnt, wird es geistig. Denn das Leben des Menschen unterscheidet sich vom Leben der anderen Lebewesen durch seine Vernunft. Das Wort Leben impliziert Vernunft. Wo es Vernunft gibt, so wenig sie sich äußern mag, dort gibt es auch Leben. Das vernünftige Leben ist das Leben der Unsterblichkeit, das Leben ohne Leiden und Qualen. Genau dieses Leben ist ein Teil der menschlichen Seele. In ihm erscheint alles zur rechten Zeit. In diesem Leben gibt es keine Beklemmungen, sondern ständige Arbeit. Das Leben selbst ist eins. Das physische Leben, das geistige Leben und das göttliche Leben sind drei große Offenbarungen des gesamten, einheitlichen Lebens. Sie unterscheiden sich in ihrem Ursprung, in ihren Objekten und in ihren Zielen. Das physische Leben wandelt und ändert sich ständig. Es ist ein Leben an der Wasseroberfläche auf den Meereswellen. Das geistige Leben ändert sich, ohne sich zu wandeln. Es ist das Leben des Meeresgrundes im Inneren des Meeres. Und das göttliche Leben wandelt sich nicht und ändert sich nicht. Aber all diese Erscheinungen des Lebens sind eng miteinander verbunden. Sie sind Teile eines Ganzen, des gesamten grenzenlosen Lebens. Um das Leben zu begreifen und sich selbst und den anderen nützlich zu sein, soll man mit dem physischen Leben beginnen und allmählich zum geistigen und dann zum göttlichen Leben übergehen. Wer das physische Leben nicht liebt, kann kein Verhältnis zum Licht haben. Denn im physischen Leben ist die Energie des Lichtes in den Pflanzen und Früchten gebunden. Auch die Hygiene des physischen Lebens beginnt mit der richtigen Nutzung des Lichtes, das in den Pflanzen und Früchten gespeichert ist. Anders gesagt, die Hygiene beginnt mit der richtigen Ernährung. Und die Ernährung ist eine Einführung in das physische Leben; genauso wie die Musik in das geistige Leben und das Gebet in das göttliche Leben. Das Leben ist ein Schatz, den man bewahren soll. Bewahre es mithilfe der Weisheit und möge das wahre Wissen, das daraus hervorgeht, sein Schutz sein. Lass es frei aus der großen Quelle, aus der Liebe hervor strömen. Beleuchte es durch die Wahrheit, die Welt der absoluten Vernunft. Beleuchte es durch die Wahrheit, die dem Leben Freiheit in all seinen Richtungen gewährt. Denn auch das Leben hat seinen Tagesanbruch, seinen Sonnenaufgang und seinen Mittag. Der Tagesanbruch des Lebens, das ist die Liebe. Der Sonnenaufgang des Lebens, das ist die Weisheit. Der Mittag des Lebens, das ist die Wahrheit. Brich auf in den Tag des Lebens! Bilde eine Knospe! Steh auf, stell dich auf deine Beine und fühle, dass du mit allen Lebewesen auf der Erde und im Himmel verbunden bist. Gehe im Leben auf! Blühe und trage Früchte! Erreiche den Mittag des Lebens! Reife heran! Wenn du den Mittag deines Lebens erreichst, dann wirst du seinen großen Sinn, seine süßen Früchte kosten.
  25. Du weißt “Und er sagte mir: „Menschlicher Sohn, können diese Knochen lebendig werden? Und ich sagte: „Gott, du weißt.“ Iesekiil 37:3 „Können diese Knochen wieder lebendig werden?” Ihr könnt euch fragen, was für ein Geheimnis in diesem Satz versteckt ist. Ihr werdet euch sagen: „Wir kennen diese Knochen, wie viel Mal haben wir sie gekocht, wie viel haben wir sie am Friedhof gesehen – das ist ein Knochen.“ Aber ihr habt diese Knochen, über die ich euch sprechen werde, niemals gesehen. Das, was ihr denkt, dass ihr in der Welt seht, ist so wahr wie den Zustand, wenn der Mensch zum Beispiel träumt, dass er reich ist, und als er erwacht, sieht, dass er keinen Reichtum hat. Gott fragt den Propheten: „Können diese Knochen lebendig werden?“ Die Knochen stellen in diesem Sinne ein gemeines Leben dar, ein Leben in einem potenziellen Zustand; in dem religiösen Sinn bedeuten die toten Knochen ein Leben ohne Bewegung. Ihr werdet fragen, gibt es ein Leben ohne Bewegung; in dem metaphysischen Sinne bedeutet das ein bewusstloses Leben. Jeder Knochen hat ein individuelles Leben, und wenn jemand ihn rückt und bewegt, wird er sagen: „Gott sei Dank, dass jemand kommt, der mich rückt.“ Die Knochen sind das israelische Volk, geteilt durch das schlechte Leben, und sie sind tot, weil es keine Einheit unter den einzelnen Persönlichkeiten in ihm gibt. Die Knochen stellen den Menschen nach seinem Tod dar. Sie sind die einzige Sache, die unverändert bleibt; nach den Okkultisten ist das neue Leben in ihnen versteckt, und wenn der Mensch wieder zur Erde kommt, wird er das nehmen, was in ihnen versteckt ist – deshalb bewahren wir die Knochen unserer Nächsten. Einige sagen: „Es ist mir egal, was nach meinem Tod übrig bleiben wird“, aber der Mensch ist nichts außer seinen Knochen. Jetzt muss der Mensch lernen, philosophisch denken, er muss alles wie etwas Unvermeidliches, Notwendiges behandeln, und nicht als reinen Zufall. Aus der Geometrie ist es z.B. bekannt, dass der kürzeste Abstand zwischen zwei Punkten die gerade Linie ist, die eine Bewegung in einer Richtung darstellt; sie ist eine Gesamtheit von vielen Punkten, d.h. von vielen Bewegungen, die sie bilden. Also, unser Gedanke kann sich nur in einer geraden Linie bewegen. Wenn wir uns vorstellten, dass wir in einem Punkt leben, und unser Gedanke bewegt sich immer auf eine gerade Linie, würden wir dann keine Ahnung von der Welt haben, der Mensch würde sagen, dass nichts außer der geraden Linie existiert; deshalb gibt es Lebewesen auf der Erde, die nur von einem Ding eine Ahnung haben. Aber wenn der Punkt sich bewegt, bildet er eine gerade Linie, die lebendig ist, und wenn er eines Tages seine Richtung nach seiner Senkrechte zu ändern beschließt, wird er eine Fläche bilden, die Fläche ist von Millionen geraden Linien gebildet. Also, es gibt andere Lebewesen, die verstehen, dass die Welt sich nicht nur in einer Richtung bewegt – in der Länge, sie bewegt sich auch in der Breite; solche Vorstellungen hat die Schnecke zum Beispiel, für die es nur zwei Dimensionen gibt. Natürlich ist die Fläche auch lebendig, weil alles in der Natur lebendig ist; und wenn sie sich bewegt, wird sie eine andere Dimension – die Höhe finden, und so wird sie einen Würfel bilden. Ihr seid Lebewesen mit drei Dimensionen, und die Philosophen denken, dass nichts außer diesen drei Dimensionen existiert, aber es gibt Lebewesen, die sich in höheren Dimensionen bewegen. Wenn der Würfel sich in einer anderen vierten Richtung bewegt, wird auch die ganze Welt sich bewegen, und ein Tessarakt wird entstehen; diese vierte Senkrechte bewegt sich in einer Richtung, die wir uns nicht vorstellen können. Also, der Mensch ist wie einen toten Knochen, bevor er die Dinge verstehen kann, d.h. er ist ein Lebewesen von einer Dimension. Gott fragt: „Können diese Lebewesen sich ändern und Lebewesen von zwei und drei Dimensionen bilden?“ Und Gott hat gesagt: „Prophezeie!“ – nur wenn der Mensch zu sprechen beginnt, beginnt er die Dinge zu verstehen. Der erste Mensch hatte keine Knochen, und der gegenwärtige Mensch ist ein Lebewesen mit Knochen. Jeder Mensch ist ein Knochen. Unter dem Wort Knochen versteht man etwas, was wesentlich und unveränderlich im Menschen ist, etwas, das man in Bewegung setzen kann, organisieren kann. Moses sagte, dass Gott ursprünglich den Menschen aus Erde gemacht hatte – damals konnte der Mensch sich nur in einer Linie bewegen; als der Mensch mit Knochen gemacht worden war, wurde ihm die Fähigkeit gegeben, dass er sich in drei Dimensionen bewegt, aber er war damals schon tot; erst nachdem Gott ihm in die Nase geatmet hatte, begann der Mensch zu denken, deshalb atmen wir heute durch die Nase und nur dann denken wir. Zum Beispiel denkt eine Frau, dass ihr Mann sie nicht liebt, das bedeutet, dass sie in einer geraden Linie geht; in diesem Fall muss sie stehen bleiben und eine Fläche in ihren Gedanken bilden – nur dann wird sie sich mit ihrem Mann verständigen. Sonst werden die Frau und der Mann in einer geraden Linie gehen und werden sich nicht treffen. Als Moses den Gott sehen wollte, sagte Er ihm: „Du kannst mein Gesicht nicht sehen, aber du wirst nur einen Teil von Meiner Kleidung sehen, sonst wirst du verbrennen“; das bedeutet philosophisch: weil der Mensch in der Welt lebt, kann er die Dinge nicht verstehen, deshalb sieht er nur einen Teil von ihr. Also, die Knochen müssen getötet werden, damit sie ihren Zustand ändern. Diese Knochen waren tot, aber nur Gott weiß, ob sie ein höheres Leben erwerben können. Wenn man ihnen zu sprechen beginnt, beginnen sie sich zu versammeln, Muskeln und Nerven zu bilden, aber sie können noch nicht denken; damit sie zu denken beginnen, muss ein Geist aus den vier Winden kommen, aus den vier Seiten, d.h. eine vierte Dimension muss existieren. Bis der Mensch in drei Dimensionen lebt, kann er nicht vestehen, was ein geistiges Leben bedeutet; die gegenwärtigen Leute denken, dass die Welt mit dem Tod zu Ende geht, so denkt der Frosch, die Schnecke und der Mensch. Wenn ich den Weinberg graben gehe, wenn ich ein, zwei Tage arbeite und die Arbeit beendet ist, bedeutet das nicht, dass das Leben zu Ende ist. Die Welt ist zu Ende, das bedeutet, dass das Leben zu Ende ist; das sind Gedanken einer Schnecke, eines toten Knochens – das ist die gegenwärtige Philosophie. Wenn diese Knochen zu bewegen beginnen, sagen sie: „Unsere Arbeit ist zu Ende“, d.h. unsere Lage als Knochen im Feld ist zu Ende; aber sie beginnen dann, sich bewusst zu bewegen. Die gegenwärtigen Leute sind dem Held der folgenden Anekdote ähnlich: ein Bulgare, der Stojan hieß, ging zur Stadt, einen Esel zu verkaufen. Die Stadt war fern, deshalb blieb er an einem Ort stehen, um sich auszuruhen, band den Halfter des Esels an seiner Hand und schlief ein. Ungehorsame Kinder sahen, dass er schlief, banden den Halfter vom Kopf des Esels los und nahmen das Tier. Als der Bulgare mit dem Halfter in der Hand erwachte und sah, dass der Esel nicht da war, sagte er sich: „Wenn ich Stojan bin, habe ich den Esel verloren; wenn ich Stojan nicht bin, habe ich den Halfter gewonnen.“ Das Leben ist der Esel, aber wenn ich nicht bin, ist das ein Halfter. Der Halfter bedeutet, dass der Mensch mit einem Gedanken lebt, in dem es kein Dasein gibt. Gott sagt: „Diese Knochen werden lebendig werden.“ Wenn der Prophet spricht, ist das der Geist von Christus. Manchmal habt ihr auch einen solchen Zustand der Erstarrung erleben können, wenn der Mensch denkt, fühlt, aber er kann kein Zeichen geben, dass er lebendig ist. Das Bewusstsein kann außer der Welt existieren, aber wenn du bewegst, d.h. dass du lebst. Wenn der Mensch morgens erwacht, bewegt er und beginnt zu leben, und wenn er wahllos und zerstreut spricht, ist er ein toter Knochen. Das ist eine kleine Analogie: unsere Gedanken können wahllos wie diese Knochen sein, wir können weinen und sagen: „Welcher Sinn hat das Leben?“ – der Mensch ist in der Lage des Propheten, welchem die Gedanken wie tote Knochen sind. Und Gott sagt: „Sohn der Menschheit, können deine Gedanken im Feld leben?“ Dann beginnt der Mensch nach dem Sinn des Lebens zu denken und antwortet: „Du weißt, Gott!“ Wenn der Mensch denkt, dass Gott weißt, sagt Er ihm dann: „Sprich!“ Als Gott Moses zum Pharao schickte, wollte er nicht sprechen, weil er stotterte; dann wurde Gott zornig und sagte, dass sein Bruder Aaron kommen muss; Und damit Aaron Moses zu sprechen zwang, überließ er ihm seine Stelle. Jeder ist Moses und Aaron, d.h. Seele und Geist – so wird der Mensch sich selbst retten. Manchmal ist die Seele entmutigt; z.B. eine Magd ist von einem Burschen enttäuscht, sie verzweifelt, vernachlässigt alles, wird finster und sagt: „Mein Leben ist zu Ende.“ Jeder von uns ist eine betrügte Magd oder ein betrügter Bursche – das ist der Sündenfall. Als der Teufel kam, waren die Leute von ihm hingerissen, und dann blieb der Mensch weder mit dem Teufel, noch mit dem Gott. Gott fragt den Propheten: „Können diese toten Gedanken, Wünsche und Handlungen lebendig werden?“ Der Prophet sagt: Du weißt, Gott.“ Und nachdem der Geist gekommen war, wurden die Knochen große Streitkräfte. Nun, die Dinge müssen Eigenschaften in ihnen haben, um sich festlegen zu können. Die gegenwärtigen Physiker sagen, dass die Elektrizität zwei Ströme hat – durch die Luft und durch die Erde: wenn es eine Bewegung von oben gibt, muss eine Bewegung von unten existieren. Also, im Menschen, der keine Knochen hat, kann der Göttliche Gedanke nicht arbeiten. Und weil diese Kraft ein Leben in einem versteckten Zustand ist, muss diese Bewegung aus den Knochen gehen. Der menschliche Gedanke gehört zu den dreidimensionalen Dingen nicht; die Gefühle gehören zur vierten Dimension, die Gedanken – zur fünften, und das Bewusstsein – zur sechsten. Eines Tages, wenn wir unter den Engeln sind, werden sie uns diese Dimensionen lehren. Wir leben in drei Welten, und nach den Kabbalisten gibt es zehn Welte insgesamt – der Mensch lebt in der dritten Welt, und Gott – in der zehnten; das ist ein großer philosopischer Gedanke. Nachdem wir Millionen Jahre gelebt hatten, kamen wir erst zur dritten Welt, und noch viele Jahre sind notwendig, damit wir zur zehnten Welt kommen. Der Reiz der Welt besteht darin, dass sie grenzenlos ist, und der Tag wird nicht kommen, wenn der Mensch sagen wird, dass er alles weiß. Aus diesem Gesichtspunkt hat alles ein Bewusstsein; zum Beispiel hat ein Stein ein Bewusstsein eines Steins; eine Blume, eine Schnecke, ein Mensch, ein Engel – alles lebt mit seinem Bewusstsein. Der Mensch versteht das, aber versuchen wir, Umgang z.B. mit einem Baum zu halten; für uns ist er ein Baum, aber er hat sein eigenes Leben – er schweigt, spricht nicht, aber weiß alles, weil er es gelernt hat, wenn er oben am Himmel war. Deshalb weisen die Bäume nach oben – wenn man oben steigt, wird man dann alles lernen. Die gegenwärtigen Gelehrten untersuchen einen Apfel, aus welchen chemischen Elementen er besteht, aber er hat etwas, das sie nicht entdecken können. Das Leben besteht nich nur aus diesen Elementen, sondern es gibt etwas Anderes, was man lernen muss. Zum Beispiel früher dachte man, dass die Elektrizität nur durch Drähten transportiert werden kann, und heute weiß man, dass das ohne sie möglich ist. Es gibt zwei Welten – eine physische und eine Geistige Welt; der Mensch ist sowohl im Geistigen, als auch im physischen Leben. Die Leute gehen von oben nach unten. Heute denkt man, dass die Kultur sich von unten nach oben bewegt, aber ich bestreite das und sage, dass der Apfel sich nicht nur von den Säften ernährt, sondern von der Sonne. Zum Beispiel im Laufe einiger Jahre wächst ein Baum nach dem Gewicht bis zu zwanzig Kilogramm, und er hat all das nicht aus der Erde genommen, sondern von oben. Wir nehmen alles von oben. d. h. von innen, aus einer Welt, die mehr breiter als die Außenwelt ist. Wir können sie mit einem Kegel mit der Spitze nach unten vergleichen – die Spitze ist die Außenwelt, und die Grundfläche ist die innere Welt; wenn der Mensch an der Spitze ist, wird er sagen, dass die innere Welt kleiner ist, und es ist eigentlich nicht so. Wer beschlossen hat, philosophisch die religiösen Fragen zu erlernen, muss sehr ruhig sein. In der Zeit eines der türkischen Sultan gab es viele Dummköpfe; eines Tages wollte er erfahren, wer von allen der größte Dummkopf ist und befahl, dass man das Gebäude anzündet, in dem sie waren. Erschrocken vor dem Brand flohen alle Dummköpfe und nur zwei blieben drinnen. Als einer von ihnen sah, dass der Brand größer wird, wandte er sich an seinen Kameraden und fragte ihn, was sie machen sollen und der andere antwortete ihm: „Wie bist du nicht zu faul zum Sprechen?“ Wenn der Mensch sterben muss, wird er sterben, unabhängig davon, wo er sich befindet. Zum Beispiel wollte ein reicher Franzose seinen Sohn von der Front befreien, und es gelang ihm, mit viel Geld ihn zum Hinterland zu schicken, aber dort, obwohl sein Sohn vor den Kugeln geschützt war, wurde er mit einer Granate getötet, die in der Nähe gefallen war.... Oft haben die Leute Angst vor Seuchen. Der Mensch muss vor nichts Angst haben, weil er vor Angst sterben kann. Zum Beispiel ging die Pest eines Tages nach Bagdad; ein Mann begegnete ihr und fragte, wohin sie geht. „Ich gehe nach Bagdad, tausend Menschen zu nehmen.“ Die Pest kam, und zwanzigtausend Menschen starben in Bagdad. Als sie zurückkam, begegnete derselbe Mann ihr wieder und fragte, wie viel Menschen sie genommen hatte. „Zwanzigtausend“ – antwortete sie. „Und warum hast du mir gesagt, dass du nur tausend nehmen wirst?“ „Die anderen neunzehntausend starben vor Angst.“ Der Mensch muss vorsichtig in seinem Leben sein. Ein Fahrgast kaufte eine Fahrkarte in Gorna Orjachovitza, aber er hatte keine dreißig Münzen, um sie nachzuzahlen; er bat einen Anwalten, ihm Geld zu geben, aber dieser lehnte ab und sah, wie der Reisende gezwungen war, zu Fuß zu gehen. Derselbe Anwalt war eines Tages in London und als er zurückkommen wollte, bemerkte er, dass dreißig Münzen ihm nicht reichen, und er konnte eine Fahrkarte nicht kaufen – ihm war mit demselben bezahlt. Das zeigt, dass du dasselbe bekommst, was du machst. In diesem Fall ist der Mensch ein trockener Knochen, und er muss sein Geld großzügig ausgeben und jedem helfen, der in Not ist. Und heute sammeln einige Leute Reichtürmer, neben diesem Töten der Menschen; der Gott stellt das in Rechnung und sagt, dass das Geld lebendig werden müssen. Unter dem Geld versteht man alles, womit man helfen kann – Kenntnisse, Gefühle, Wünsche. Unsere Gedanken und Gefühle müssen auch lebendig werden; deshalb sagt Gott jedem: “Sprich zu dir, sprich zu deinen toten Gedanken, Wünsche und Handlungen!“ – so wird in ihnen allmählich eine Bewegung, ein Leben bemerkt werden. Gibt es eine Mutter, die ihr Kind trägt und nicht leidet? Sie leidet, aber ein neues Leben bildet sich in ihr. Wenn der Geist kommt, wird der Mensch dann verstehen, warum er hier, auf der Erde ist, und er wird sehen, wie schön ist, dass er lebt, leidet und stirbt, dass er aus dieser Welt geht und in einer anderen lebt, wo die Menschen sich unter ihnen verstehen werden. Wir, die gegenwärtigen Menschen sind von der ersten, zweiten und dritten Dimension, weil es in uns keine ständige, sondern nur vorübergehende Liebe gibt. Die Liebe in uns muss unsere Seele beleben, unser Herz und unseren Geist kräftigen. So sagt Christus: „Wenn ich mit dem Gott bin, werde ich mich auch in der Hölle gut fühlen, aber wenn ich ohne Ihn im Paradies bin, warum ist er mir?“ Soll Gott mit uns sein; und Er ist in uns und mit uns. Wenn Gott uns sagt: „Sprich!“, wir müssen sprechen. Wir wollen die Welt verbessern, indem wir uns verbessern, aber nur das Vernünftige Leben verbessert den Menschen. Jeder Gedanke, sogar der gute, wenn er nicht vernünftig verwendet werden kann, ist ein schlechter Gedanke und umgekehrt. In der gegenwärtigen Wissenschaft gibt es viele solche Beispiele: zum Beispiel ist das Kohlenstoffdioxid, das den Menschen den Atem nimmt, für die Pflanzen angenehm und notwendig, es gibt ihnen Kohlenstoff als Nahrung, und Sauerstoff wird abgesondert. So ist ein Ding für uns schädlich, für andere nützlich. Gib deine Sünden den Pflanzen, und nimm das Reine von ihnen. Also, man muss sich nicht beschweren. So ist auch in der Schrift geschrieben: Gib deine Sünden dem Gott“; wenn Gott unsere Sünden nimmt, fragt Er: „Können diese Knochen lebendig werden?“ Also, jeder muss sich selbst sagen: „Gott sagt – wir sollen alle Gedanken und Wünsche, unser Geld großzügig für unsere Nächsten ausgeben.“ Ein Vortrag von Meister Beinsa Douno, gehalten am 1 Oktober 1916, Sofia