mariaK

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  1. Die Gemeinschaft mit Gott Das Leben hat in seinen Manifestationen eine reale und eine nicht-reale Seite. Diese Manifestationen haben ihre praktischen und ihre theoretischen Bedeutungen. Dass der Mensch glaubt, ist eine der theoretischen Seiten des Lebens. Was der Mensch über den Glauben denkt, ist immer noch eine Theorie. In diesem Fall unterscheiden sich alle Menschen in ihren theoretischen Ansichten vom Glauben und vom Leben. Aber im Hinblick auf das Wirkliche im Leben, d. h. im Hinblick auf die wesentliche Seite des Lebens, haben alle Menschen und alle anderen Lebewesen die gleichen Ansichten und die gleichen Erfahrungen. Also, in der Realität der Dinge existiert eine Einheit. Wenn beispielsweise Freude aufkommt, ruft sie bei allen Lebewesen die gleichen Zustände und die gleichen Veränderungen hervor. Diese Veränderungen lassen sich am besten beim Menschen feststellen. Wenn sie sich freuen, dann steigt ihr Puls, die Blutzufuhr im Herzen nimmt zu, und alle Organe dehnen sich aus. Überhaupt bewirkt Freude eine Erweiterung im Menschen. Eine andere reale Seite des Lebens ist das Gebet. Wer nicht zu beten weiß, theoretisiert nur. Das Theoretisieren über das Gebet kann nicht wahres Gebet genannt werden. Die heutigen Menschen denken, dass das Gebet nur dem einfachen Menschen angemessen sei. Sie halten das Gebet für etwas Niedriges im Hinblick auf den Gelehrten, den genialen Menschen oder den Heiligen. Schauen wir allerdings das Leben des Genies, des Gelehrten und des Heiligen genauer an, werden wir sehen, dass es vom Anfang bis zum Ende ein Gebet darstellt. Sein Leben beginnt mit dem Gebet und endet mit dem Gebet. Das Gebet des Genies zeigt zum Beispiel, dass er mit einer Idee schwanger ist, mit der er etwas für die Welt tun möchte. Solch ein Leben ist absolut uneigennützig. Deshalb sagen wir, dass sowohl das Genie als auch der Heilige nicht nach ihrem persönlichen Glück im Leben trachten. Alle Menschen, die also bereit sind, das Gebet auf eine innere, intuitive Weise zu begreifen, sind in der Lage, seine tiefe Bedeutung zu verstehen. Unter den zeitgenössischen Sprachen gibt es keine einzige Sprache, die in der Lage ist, die große Idee, die im Begriff "`Gebet"' enthalten ist, auszudrücken. Und weil heute das entsprechende Wort fehlt, benutzen wir in den unterschiedlichen Sprachen Wörter, die nur annähernd den Begriff "`Gebet"' ausdrücken. Beten heißt, deinen Verstand, dein Herz und deinen Geist zu jener Quelle des Lebens zu richten, aus der du hervorgegangen bist. Wird der Mensch grob, liegt das an der Tatsache, dass er sich selten an diese Erste Ursache, d. h. an die erste Quelle des Lebens, erinnert. Folglich hat der Fall, in welchen die heutige Menschheit gekommen ist, eine tiefe Ursache – die Nachlässigkeit gegenüber dem Ersten Prinzip, von dem sie hervorgegangen ist. Der heutige Mensch ist in Bezug auf Gott nachlässig, infolgedessen ihr ihn oft sagen hört: Ich bin ein freier Mensch, ich kann auch ohne Gott leben, ich kann auch ohne Gebet leben. So denkt ein Mensch, der sich für frei hält, aber diese Überlegung ist logisch nicht richtig. Sie ist aus dem einzigen Grund nicht richtig, weil sie nicht real ist, d. h., das Absolute in der Welt kann nicht entzweit werden. Wie Gott, der uns erschuf, uns nicht vergessen kann, so haben wir auch nicht das Recht, Ihn zu vergessen. Wenn er uns vergisst, dann sind wir verloren. Wenn Er uns vergisst, dann sterben wir; aber wenn wir Ihn vergessen, sterben wir ebenfalls. Ihr fragt: "`Warum sterben wir?"' -- Ich werde euch zeigen, warum der Tod kommt. Wenn jemand fragt, ob es sich ohne Gebet leben lasse, so ist das dasselbe wie zu fragen, ob es sich ohne zu atmen leben lasse. Wenn sich der Mensch für frei und unabhängig hält, dann soll er versuchen, seine Atmung nur für eine Stunde anzuhalten. Hält er seine Atmung für eine Stunde an, wird er deren Notwendigkeit begreifen. Wenn die Atmung eine Notwendigkeit für den Menschen darstellt, dann ist der Gedanke an Gott für den Menschen eine tausend Mal größere Notwendigkeit. Je mehr der Mensch sich an Gott erinnert und Ihn in seinem Verstand hält, desto dankbarer ist er. Der Edelmut der menschlichen Seele hängt von seinen Gedanken an Gott ab. Möchten wir also edel sein, sollen wir uns an Gott als an das Wesen, das durch uns fließt, erinnern. In allen Lagen des Lebens, in Freude und in Trauer, sollen wir uns an Gott erinnern. Außerhalb von Gott existiert kein Edelmut, keine Wissenschaft, keine Religion, keine Künste und kein Handwerk -- es existiert nichts. Jemand sagt: "`Die Kultur kann auch ohne Gott existieren."' Ich sage: Insofern das Leben auf der Erde ohne die Sonne existieren kann, insofern kann auch die Kultur ohne Gott existieren. Insofern die Pflanzen ohne Wasser existieren können, insofern kann auch die Kultur ohne Gott existieren. Insofern die Menschen ohne Luft existieren können, insofern kann auch die Kultur ohne Gott existieren. Das sind Vergleiche, die den großen Bedarf des Gebets zeigen. Der Gedanke der Menschen kann sich ohne das Gebet nicht entwickeln. Wir sprechen nicht von den verdorbenen menschlichen Gedanken, in denen die Idee Gottes in einer karikaturhaften Weise dargestellt wird. Die Idee der zeitgenössischen Menschen von Gott ist eine Idee der gefallenen Menschheit. Das, was sie für die Realität halten, ist keine Realität. Wie oft hat der Mensch zu Gott gebetet, ohne eine Antwort zu bekommen?! Warum hat er auf sein Gebet keine Antwort bekommen? Dass der Mensch betet und keine Antwort auf sein Gebet erhält, ist eine Situation, die dem Durstigen gleicht, der träumt, dass er Wasser trinke, und nachdem er aufgewacht ist, immer noch Durst verspürt. Das Wasser, das er im Traum trinkt, stillt seinen Durst nicht. Also ist dieses Wassertrinken nicht real. Die Wirklichkeit unterscheidet sich dadurch, dass sie in der Lage ist, jedes Gefühl, das den Menschen innerlich quält, zu stillen. In der Realität wächst und gedeiht der Mensch ständig. Dieses Abendtreffen wurde im Hinblick auf die Realität des Gebets veranstaltet, damit ihr versteht, wie ihr beten sollt. Ich möchte von einigen von euch hören, wie ihr betet. Wenn ihr betet, also wenn ihr zu Gott kommt, dann fühlt ihr euch verlegen. Könnt ihr richtig beten, wenn ihr euch verlegen fühlt? Woran liegt diese Verlegenheit? Wenn der Schüler seine Lektion gelernt hat, wie es sich gehört, so steht er von seinem Platz tapfer und entschieden auf und antwortet gut auf jede Frage, die ihm vom Lehrer gestellt wird. Hat er seine Lektion nicht gelernt, gerät der Schüler in Verlegenheit und sagt: "`Der Lehrer wird mich durchfallen lassen."' Wenn ihr zu Gott betet, dann berücksichtigt die folgenden Eigenschaften von Ihm: Er ist äußerst langmütig, aber auch sehr streng. Wenn der Mensch betet, dann soll er für reale, wirkliche Dinge beten. Gott möchte es nicht, wenn wir für leere Dinge beten. Leere Dinge sind diejenigen, deren Erfüllung von uns abhängt. Für diese Dinge können wir nicht auf Gott vertrauen, dass er sie bewirkt. Es wäre beispielsweise lächerlich, zu Gott zu gehen und zu beten: "`Herr, lehre mich zu essen."' Oder: "`Lehre mich, wie ich Wasser trinken soll, oder wie ich den Menschen die Hand reichen soll, wie ich mich anziehen soll und so weiter."' Viele Gebete der heutigen Menschen sind von diesem Typ. Ich sage: Die heutigen Menschen bedürfen des Gebets; es kann ihr Leben in Ordnung bringen und jegliche Habgier aufheben. Die Habgier ist eine Last, ein Geschwür, das die menschliche Seele zersetzt. Wie eine Wolke macht sie das Bewusstsein des Menschen dunkel und sein Herz grob. Der Habsüchtige denkt den ganzen Tag nur an sich: dass er gut gegessen habe, schön angezogen sei, dass seine Wohnung warm und gemütlich sei, dass er gesund sei und so weiter. Was die Leiden der anderen Menschen angeht, sagt er: "`Das interessiert mich nicht."' Dass er nicht an seinem Nächsten interessiert ist, ist ein eigenartiger Zustand, dem sich der Mensch aussetzt. Dieser Zustand ergreift selten den Menschen und er riecht so unangenehm, dass er sich lange Zeit reinigen muss, bis er sich von ihm befreit hat. Und nun denkt an die folgende Wahrheit: Es gibt nichts Edelmütigeres im Leben des Menschen als das Gebet. Was auch immer euch die Menschen anderes sagen, vergesst nicht die Bedeutung und die Notwendigkeit des Gebets, der Gemeinschaft mit Gott. Weder das Wissen noch die Liebe noch die Weisheit der Erde können mit der Gemeinschaft mit der Ersten Ursache verglichen werden, die im Gebet zustande kommt. Die Kraft des Gebets liegt darin, dass der Mensch alle Tugenden in die Arbeit einspannt, wenn er betet. Dasjenige Gebet, in dem der Mensch nicht alle Tugenden in die Arbeit einspannt, kann nicht als wahres Gebet gelten. Das Gebet soll die Eigenschaften der Liebe, der Weisheit, der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Tugend, der Barmherzigkeit und noch eine Reihe von Tugenden enthalten. Tretet ihr mit solch einem Gebet an Gott heran, dann ähnelt ihr einem Baum mit reifen Früchten. Sieht euch Gott so geschmückt, wird es Ihm wohlgefallen, dass vor Ihm ein vernünftiges Kind steht, das solch eine erhabene Engelssprache sprechen kann. Ihr werdet sagen: "`Nicht alle können vernünftige Kinder sein."' -- Macht nichts, Gott duldet auch die dummen Kinder, aber es gibt einen Unterschied zwischen einem vernünftigen und einem dummen Kind. Das dumme Kind kann niemals die Ergebnisse des vernünftigen Kindes haben. Das sehen wir überall im Leben: der Vernünftige lernt, der Dumme schiebt immer auf; der Vernünftige wird belohnt, der Dumme vertröstet. Ich sage: Wenn die heutigen Menschen nicht zu beten wüssten, würden sie auch noch dieses Wenige verlieren, das sie bis heute bewahrt haben. Alles Schöne und alles Große und Schöne, das sie bewahrt haben, liegt an dem Gebetsgeist, der in ihren Seelen arbeitet. Und nun, dank des Gebets, obwohl es nicht ganz richtig ist, so wie es in der heutigen Menschheit gepflegt wird, ist etwas Schönes erhalten geblieben, und etwas Neues wird dazugewonnen. Dank des Gebets können wir die erhabenen Kräfte weiterleiten und werden dadurch zu edlen Wesen, durch die das ganze menschliche Geschlecht gestützt wird. Die Seele hat das Bedürfnis nach innerer, geistiger Nahrung, die nur durch das Gebet gegeben werden kann. Wenn ich euch nun betrachte, stelle ich Folgendes fest: Ihr seid mit dem Wissen, das ich euch lehre, reich geworden, aber ihr habt nicht gelernt zu beten. In vieler Hinsicht denkt ihr wie ich, ihr philosophiert wie ich, ihr predigt wie ich, ihr sprecht wie ich, aber eines wisst ihr nicht; ihr wisst nicht, wie ihr wie ich beten könnt. Das einzige, was ich euch nicht lehren kann, ist zu beten. Ich erlaube es mir nie, jemanden beten zu lehren. Warum? -- Weil nach mir das Gebet der heiligste Akt ist, der nur der Seele bekannt ist. Jemand fragt mich: Wie und wann betest du? -- Wie ich bete, kann ich dir nicht sagen, aber ich bete immer: Ich bete, wenn ich esse und wenn ich Wasser trinke und wenn ich lese und wenn ich arbeite -- ich bete immer und überall. -- Wird es dir nicht schwer von so viel beten? -- Im Gegenteil, es wird mir leichter. Das Leben besteht im Gebet. Hört der Mensch auf zu beten, verschwindet das Leben. Etwas Großes ist das Gebet! Es drückt sich nicht durch Geschwätz, durch Flüstern von Gebeten aus. Wenn ihr zu beten gelernt habt, dann wird euer Leben eine Bedeutung haben. Die Schüler Christi wussten auch nicht, wie sie beten sollten. Deshalb wandten sie sich an Christus mit den Worten: "`Meister, lehre uns beten!"' Christus antwortete ihnen: "`Wenn der Geist der Wahrheit kommt, wird er es euch lehren."' Sie hatten jedoch ein Vorbild für das Wahre Gebet in der Person Christi. Ich sage: Jeder kann beten lernen. Weil das Gebet sich in Abhängigkeit von den Tugenden befindet, soll der Mensch das Gute zum Fundament seines Lebens machen. Erreicht er das, dann wird er nicht merken, wie seine Fähigkeit zu beten als eine natürliche Folge seines Lebens in Erscheinung tritt. Dann wird die Seele des Menschen wie ein Baum mit wohl duftenden Blüten erblühen. Gerät der Mensch in eine Gebetsstimmung, existiert das Böse für ihn nicht. Er ist gegenüber allen gut gelaunt. Er freut sich über alles, er dankt für alles. Wenn er einen Wurm kriechen sieht, hält er vor ihm an und will ihm helfen. Blickt er auf einen Baum, dessen Blätter der Wind schüttelt, fühlt er Zuneigung zu ihm und wünscht, ihm zu helfen. Vor diesem Menschen wird alles lebendig. Er sieht überall den Geist Gottes, der in ihm arbeitet und ihm hilft. In ihm erwacht der Impuls, und er strengt sich an, um sich von den begrenzenden Bedingungen seines Lebens zu befreien. Ihr sagt: Betet nur den Mensch? -- Jedes Lebewesen betet. Auch die Tiere und die Pflanzen beten. Der Wohlgeruch, den die Pflanzen durch die Luft verbreiten, ist ihr Gebet. Wenn die Pflanze ihren Wohlgeruch verliert, dann trocknet sie aus. Während die Pflanze duftet, dann wächst und gedeiht sie. Es gibt Pflanzen, von deren Blättern und Blüten ein Wohlgeruch entweicht. Folglich strömt der Mensch, wenn er betet, einen Wohlgeruch aus, wie es bei den Pflanzen der Fall ist. Je mehr er betet, desto mehr nimmt der Wohlgeruch zu. Hört er auf zu beten, verschwindet allmählich sein Wohlgeruch. Wer niemals gebetet hat oder vergessen hat zu beten, riecht unangenehm. Von der Eigenschaft der Pflanze hängt ihr Wohlgeruch ab. Auf dieselbe Weise werden auch die Tugenden im Menschen bestimmt. Je höher entwickelt die Tugenden im Menschen sind, desto stärker ist auch sein Wohlgeruch. Nun, das Beten ist die wichtigste Arbeit im Leben. Was das angeht, wie ihr beten sollt, das ist eine persönliche Angelegenheit; jeder muss es selbst lernen. Wenn ich euch beten lehrte, würdet ihr nur ein Echo vernehmen, das für euch später lästig werden wird, und ihr werdet auf das Gebet verzichten. Das Gebet hat nur dann einen Sinn, wenn es aus der Tiefe der Seele kommt. Möchtet ihr, dass euch jemand zeigt, wie ihr beten sollt, dann wird er euch sagen: "`Ich bete für euch, und ihr arbeitet für mich."' Das ist das Gesetz. Wenn ihr für einen Menschen arbeitet, dann soll er unbedingt für euch beten. Betet er nicht für euch, sollt ihr auch nicht für ihn arbeiten. Solcherart sind die Beziehungen zwischen den geistigen Menschen. Wenn ihr für jemanden betet, dann wird er für euch arbeiten. Heute Abend möchte ich, dass ihr betet und dass ich arbeite; oder dass ich bete und dass ihr arbeitet. Oder wir können es uns aufteilen: Die eine Hälfte betet, die andere arbeitet. Was auch immer ihr annehmt, eines ist für euch wichtig: Alle sollt ihr euch daran beteiligen, euren Verstand auf Gott auszurichten. Es gibt keinen feierlicheren Moment als diesen, euren Verstand und euer Herz nach oben zu richten, zu demjenigen, der euch alle Güter gegeben hat. Arbeitet ihr auf diese Weise ohne Unterlass im Laufe eines ganzen Jahres, dann werdet ihr die ganze Zeit hindurch fröhlich und froh sein und die Gegenwart Gottes fühlen. Dieses Gebet wird in der Lage sein, euch in allen Fällen eures Lebens zu helfen. Wissenschaft ohne Gebet langweilt den Menschen. Religion ohne Gebet, langweilt den Menschen. Liebe ohne Gebet langweilt den Menschen. Essen ohne Gebet langweilt den Menschen. Alles, was ohne Gebet getan wird, ist bedrückend für den Geist. Es gibt Menschen, die in ihren Gebeten sehr streng sind. Ihr Gebet ist streng, gemessen und beherrscht. Aber es gibt Menschen, besonders unter den Armen, deren Gebet unmittelbar und frei ist, so wie die Gefühle in einem gewissen Moment fließen. Nach so einem Gebet leuchten die Gesichter solcher Menschen auf; sie lächeln, und in ihrer Seele geschieht gleichzeitig eine Veränderung. Ihr hört einen Armen beten: "`Herr, es gibt etwas in mir, das zu beten wünscht, aber ich weiß nicht, wie ich beten soll. Ich bedauere es, dass Du dich um mich kümmerst und mir Zeit opferst, aber ich habe noch nicht beten gelernt. Ich bemühe mich, Deinen Willen zu erfüllen, aber ich erreiche es nicht, ich mache ständig Fehler. Wenn du mich schlagen willst, wird mich deine Hand zerdrücken. Erbarme dich, ein zweites Mal werde ich dieselben Fehler nicht wiederholen."' Wenn Gott dieses Gebet hört, sendet er Seinen Segen über diese Seele und sagt: "`Ein kluges Kind ist dieses Kind, es wird sich leicht selbst berichtigen."' Ich trage die Dinge in einer menschlichen Weise vor, wie sie unter den Menschen geschehen. Wer traf in seinem Leben nicht einen offenherzigen, aufrichtigen Menschen, der ihm aus der Tiefe seiner Seele spricht? Wenn ihr einen solchen Menschen sprechen hört, spürt ihr, dass er zu allen Gefallen und Opfer bereit ist. Dann spürt ihr Zuneigung zu ihm und wenn er euch einen Schaden zugefügt hat, seid ihr bereit, ihm sofort zu vergeben. Ich sage: Wenn ihr die Fehler eurer Nächsten nicht vergebt, dann werden auch eure Fehler nicht vergeben werden. Oft wendet ihr euch an Gott mit dem Gebet, dass euch einige Geheimnisse offenbart werden. Ihr werdet viele Dinge lernen, aber nur dann, wenn ihr beten lernt, wie es sich gehört. Nun, wenn ich euch an diesem Abend betrachte, sehe ich, dass es unter euch sowohl Alte als auch Junge gibt. Ihr alle sagt, dass ihr einander liebt, dass ihr brüderliche Beziehungen untereinander habt. Aber wodurch unterscheidet sich der Junge vom Alten? Der alte Bruder unterscheidet sich durch seine Bereitschaft, dem jüngeren Bruder einen Gefallen zu tun, der junge Bruder unterscheidet sich durch seine Bereitschaft zu arbeiten. Also, sowohl der junge als auch der alte Bruder sind bereit, jegliche Arbeit zu verrichten, die ihnen aufgetragen wird. Jeder Mensch soll in seiner Seele eine absolute Bereitschaft haben, Gott zu dienen, wie die Engel und die fortgeschrittenen Brüder die Bereitschaft haben, allen zu helfen ohne Unterschied ihrer Lage. Ihr fragt: In welche Richtung müssen wir uns wenden, wenn wir beten? Eines sollt ihr wissen: Das Gebet duldet keine Regeln und keine Begrenzungen. Wenn der Mensch betet, wie es sich gehört, so ist er immer zu Gott gewandt. Ihr könnt nicht beten, wenn ihr nicht zu Gott gewandt seid. Wenn ihr zu Gott gewandt seid, aber an einen Menschen denkt, sei es an euren Freund, an eure Mutter oder euren Vater, so bedeutet das, dass ihr zu ihnen betet. Betet ihr zu Gott, denkt aber dabei an euer Geld und an euer Haus, dann betet ihr zu ihnen. Wenn ihr zu Gott betet, aber an einen Heiligen denkt, dann betet ihr zu diesem Heiligen, aber nicht zu Gott. Wenn ihr, folglich, möchtet, dass euer Gebet von Gott angenommen wird, dann sollen eure Gedanken ausschließlich zu Gott gerichtet sein. Während des Betens soll euer Verstand von allen nebensächlichen Gedanken frei sein. Also, wenn betet ihr, dann soll das Bild Gottes in eurem Verstand sein. Kein anderes Bild! Ihr werdet sagen: Wir wissen nicht, wie das Bild Gottes aussieht. Nein, ihr kennt dieses Bild, ihr müsst es jetzt lediglich wiederherstellen. Es gibt einen Moment im Leben, wenn alle Wesen, von den großen zu den kleinen, ihren Verstand zu Gott richten. In diesem Fall besteht die mystische Seite des Gebets darin, dass der Mensch diesen Moment vernimmt und sich am allgemeinen Gebet beteiligt und sagt: "`Ich richte meinen Verstand, mein Herz, meine Seele und meinen Geist zu Demjenigen, zu dem sich in diesem Moment alle richten."' Dabei wird jeder einen Gedanken an Gott richten, der seiner Entwicklung entspricht. Gott wird auf dieses kollektive Gebet antworten, indem Er jedem so viel Licht senden wird, wie er benötigt. Nun wollen wir alle das Gute Gebet lesen und unseren Verstand zu Demjenigen richten, zu Dem ihn alle an diesen Abend richten. Dieses Gebet ist allgemein, nicht nur für die Menschheit, sondern für das ganze Universum: für alle Engel, Erzengel, Herrschaften, Kräfte, Gewalten. Nur in dieser Weise werden wir Gottes Segen erbitten, so dass wir wachsen und uns gemäß seinem Willen entwickeln können. 23. November 1930, Izgrev
  2. DER TAG DER OFFENBARUNG GOTTES 7. August 1931, 5. Uhr "`Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel."'\footnote{1 Kor 13,1.} Also, wenn Gott nicht in dem Menschen ist, d. h. wenn der Mensch in sich keine Liebe hat, sind alle andere Dinge in seinem Leben nicht wert – sie werden ihm nichts nützen. "`Sie [die Liebe] sucht nicht das Ihre."' In der Tat, wer das Seine sucht, der ist nicht in der Liebe. Nur der Egoismus sucht nach dem Seinen. "`Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte aber von diesen ist die Liebe."' (Vers 13). In der Hoffnung liegt folglich die physische Welt, im Glauben die geistige Welt und in der Liebe die göttliche Welt. Alles kommt aus der Liebe, aus der göttlichen Welt. Wenn die Menschen untereinander über die Liebe sprechen, ist das nur partiell, und was partiell ist, wird aufhören. Wenn der Wassertropfen allein gelassen wird, dann wird er leicht verschmutzt. Wenn dieser Wassertropfen in das Ganze kommt, wird dieses rein und klar. Dasselbe lässt sich über die Liebe sagen. Wenn die Liebe partiell ist, dann wird sie verschmutzt und hört auf. Deshalb soll der Mensch die göttliche Liebe erstreben, die das Ganze ist und die niemals schmutzig wird. Wenn jetzt die neue Lehre gepredigt wird, dann finden viele, sie sei schwer zu erfüllen. Warum? -- Es gibt zwei Ursachen dafür. Was auch immer der Kranke isst, es ist ihm immer unangenehm. Auch wenn ihm die schönste Nahrung gegeben wird, sagt er: "`Das ist nichts wert."' Dem gesunden Menschen gefällt jedoch alles. Solange der Mensch krank ist, versteht er weder die Nahrung, noch kann er sie selbst wählen. Wer sind die kranken Menschen? Diejenigen, die Fehler und Verbrechen begehen, sind immer kranke Menschen. Solange der Mensch sündigt, kann er die göttliche Liebe nicht verstehen. Die Liebe bringt Leben, doch der Mensch der Sünde kann das Leben nicht verstehen. Und der Kranke kann das Leben nicht verstehen, wie der Mensch der Sünde es nicht verstehen kann. Dem Kranken wird ein Essen gegeben, und er ist unzufrieden. Ihm wird ein anderes Essen gegeben, und er ist wieder unzufrieden. Er stellt fest, dass alle Menschen um ihn herum schuld sind; dass sie nicht gekocht haben, was sie kochen sollten. Andere sind ihm gegenüber unachtsam, sie haben ihn nicht so angeschaut, wie sie ihn anschauen sollten und so weiter. Groß sind die Ansprüche der Kranken! Mit einem Wort: Die Sünde ist ein krankhafter Zustand, und die Liebe ist ein gesunder Zustand. Wenn der Mensch die Liebe richtig manifestiert, versteht er den Sinn des Lebens. Das richtige Manifestieren der Liebe bedarf notwendigerweise der Reinheit. Manch einer sagt: "`Gib mir Wasser aus deiner Flasche zu trinken!"' Ich sage: Geh' lieber zu einem Trinkbrunnen oder zu einer Quelle, um dort zu trinken, als das Wasser aus meiner Flasche zu trinken. Unabhängig davon, wie frisch und rein das Wasser in meiner Flasche ist, ist es nicht so viel wert wie das Quellwasser. Ich frage euch: Dürft ihr Wasser aus euren Flaschen trinken? Ich rate euch allen: Schüttet das Wasser aus euren Flaschen weg, geht zum Wasserbrunnen oder zur Quelle und füllt eure Flaschen mit reinem, frischem Wasser. Anderen Menschen Wasser aus euren Flaschen zu geben, bedeutet, dass ihr ihnen gegenüber als ihre Lehrer auftretet. Deshalb ist es für den Menschen gut, Wasser direkt aus der Quelle zu trinken. Schützt euch vor Lehren, die den Verstand und das Herz des Menschen verderben! Wer sich bei den Menschen mit seiner Lehre durchsetzen möchte, gibt den Menschen Wasser aus seiner Flasche zu trinken. Unabhängig davon, wie rein dieses Wasser ist, ist es unzureichend; es kann den Menschen nicht vollkommen befriedigen. Jede Teilung unter den Menschen liegt nämlich am Wasser in ihren Flaschen. Diese Teilungen rufen Leiden hervor. Solche Teilungen gab es noch in den ersten Zeiten des Christentums. Viele predigen Gott, aber in diesen Lehren fehlt immer etwas. Sie beginnen gut und enden schlecht. Ein Knecht beispielsweise erfüllt den Willen seines Herrn gut. Was auch immer der Herr zu ihm sagt, er erfüllt alles, wie es sich gehört. Es vergehen allerdings keine zwei Jahre, und der Knecht bestiehlt den Herrn und nimmt seinen Platz ein. Der Knecht wird zum Herrn, und der Herr zum Knecht. Dasselbe geschieht auch in der geistigen Welt. Jemand predigt den Menschen von Gott, aber letztendlich bestiehlt er sie. Das ist geistiger Raub. Was zeigt das? Wenn der Herr arm wird, dann ist der Knecht ehrlos. Wenn der Herr reich wird, dann ist der Knecht ehrlich. Solange der Mensch nun in der Liebe wächst, und solange seine Gefühle und Handlungen rein sind, wird er reich und wächst in jeder Hinsicht. Beginnt jedoch die Liebe abzunehmen, verlieren die Gedanken, Gefühle und Wünsche des Menschen ihre Reinheit, weshalb er allmählich arm wird. Wahres Gedeihen gibt es nur in der göttlichen Liebe, Weisheit und Wahrheit, so dass der Mensch nur in diesen drei Welten wächst. Dasselbe Gesetz bezieht sich auch auf die physische Welt. Wo es Wärme, Licht und Freiheit gibt, gibt es Wachstum; außerhalb dieser Bedingungen kann es kein Wachstum geben. Aber es vergeht nicht viel Zeit, dann kommt der umgekehrte Prozess, der Prozess des Alterns. Wann altert der Mensch? -- Wenn er das Leben seiner Vorfahren und Ahnen durchläuft, in dem es viele Sünden und Verbrechen gibt. Dieses Leben befindet sich im Widerspruch zur göttlichen Liebe. Möchte der Mensch zu Gott, zu seinem einzigen Vater gehen, muss er sich vom Leben seiner Vorfahren und Ahnen lossagen und beginnen, in der Liebe zu leben. Sein Vater und sein Großvater kommen und sagen zu ihm: "`Sohn, du sollst auf mich hören, ich habe dich geboren!"' Nein, der Vater soll zu seinem Sohn sagen: "`Sohn, du sollst auf Gott hören und Seinen Willen erfüllen. Du bist aus Ihm herabgestiegen, er ist dein Vater."' Danach geht die Großmutter zur Tochter und sagt: "`Tochter, fürchte dich nicht, ich werde dir sagen, wie du glücklich werden kannst."' Ich sage: "`Die Großmutter ist selbst nicht glücklich und möchte ihre Enkelin glücklich machen.“ Heute erwarten alle Menschen das Glück von den Unglücklichen. Was kann den Menschen glücklich machen? Heute seid ihr reich, morgen arm. Heute seid ihr gesund, morgen krank. Auf die vergängliche Gesundheit zu vertrauen, bedeutet, dem Wind durch die Wälder hinterherzulaufen. Jemand sagt: "`Ich möchte frei sein!"' Dieser Mensch möchte frei sein, aber er setzt seine Meinung bei den anderen durch. Der Wolf sagt, er möchte frei sein und reißt ein Lamm aus der Herde, legt es auf seinen Rücken und läuft in den Wald. Ich frage: Aus welchem Grund nimmst du die Freiheit des Lammes und möchtest Freiheit für dich selbst? Das ist keine Freiheit! Im alten Leben gibt es keine Freiheit. Wer gemäß der alten Lehre lebt, wird immer Sklave seiner selbst und dessen Bedingungen sein. Solch ein Mensch wird mehr und mehr alt und arm, bis er schließlich stirbt, und man bringt ihn mit dem Wagen auf den Friedhof. Warum stirbt der Mensch? -- Weil er nicht an Gott glaubt. Was auch immer Gott ihm sagt, er glaubt nicht daran. Was ihm die Vorfahren und Ahnen sagen, daran glaubt er. Ihr sagt: "`Wenn wir sterben, werden unsere Verwandten für uns beten und für unsere Sünden büßen."' -- Wenn ihr es anderen überlässt, dass sie für euch beten, ist die Arbeit zu Ende. Lasst ihr eure Flasche von außen füllen, ist es mit euch zu Ende. Alles, was von außen gefüllt wird, wird von innen leer. Wenn es der Mensch dabei belässt, dass er mit dem gefüllt wird, was von den Menschen kommt, ist es mit ihm zu Ende. Wenn der Mensch dem anderen etwas gibt, nimmt er es wieder zurück. Was auch immer der Vater und die Mutter geben, nehmen sie wieder zurück. Nach dem Gesetz der Wiedergeburt gibt der Vater seinem Sohn den Körper. Doch in einem anderen Leben wird er zum Sohn oder zur Tochter seines jetzigen Sohnes, der auf diese Weise seinen Vater bezahlen wird; in der dritten Wiedergeburt wird der Sohn wieder zum Vater und so weiter. In der göttlichen Welt geschieht dies jedoch nicht, denn dort gibt es keinen Tod; für die Wesen in der göttlichen Welt gibt es keinen Tod und keine Wiedergeburt -- das göttliche Leben ist ein Leben der Vollkommenheit. Demnach werden die Menschen in schwarze und weiße eingeteilt. Sie sagen: "`Dieser ist aus der Weißen Bruderschaft, und jener ist aus der Schwarzen Bruderschaft."' Ich sage: Wer sich nicht gemäß den Gesetzen der Liebe, der Wahrheit und der Weisheit verhält, gehört zur Schwarzen Bruderschaft. Wer sich gemäß den Gesetzen der Liebe, der Wahrheit und der Weisheit verhält, gehört zur Weißen Bruderschaft. Die Wahrheit verleiht dem Menschen Freiheit, die Liebe macht ihn ebenfalls frei. Dann frage ich: Wenn ihr jemanden liebt, dürft ihr ihn dann versklaven? Wenn ihr jemanden liebt, dürft ihr ihn dann quälen? Darf der Herr seinen Knecht quälen? Er schickt ihn, um Holz zu sägen, seinen Weinberg umzugraben, den Acker zu pflügen, und im Herbst erfreut er sich an Scheunen, die mit Weizen gefüllt sind. Für den Herrn ist es gut, aber wie ist die Lage des Knechtes? Der Knecht bleibt arm, mittellos und bedürftig. Derselbe Herr hat heute die Haut eines Ochsen abgezogen, morgen wird er die Haut eines anderen Ochsen abziehen und schließlich reich werden. Er wird Häutehändler und verdient Millionen. Dem Händler geht es gut, aber wie ist die Lage der Ochsen? Und dieser Mensch spricht über das Jenseits, über Gott, über die Engel. Wenn er aber dahinscheidet, verhält es sich nicht so, wie er gedacht und gepredigt hat. Das Jenseits ist in Gott, und Gott ist überall; es gibt keinen Grund, Gott im Jenseits zu suchen. Die ganze Welt -- das Diesseits und das Jenseits -- ist immer die göttliche Welt. Aber nach ihrer Entwicklungsstufe unterscheiden die Menschen drei Welten: die physische oder sichtbare Welt, die sie um sich herum sehen, die geistige Welt oder die Welt der Gefühle und die mentale oder göttliche Welt. Wer nun der Liebe, der Wahrheit und der Weisheit nicht dient, dient dem Teufel. Der Teufel liebt es, den Menschen die Haut abzuziehen. Jeder Mensch, der einen eigennützigen Wunsch in sich hat, dient dem Teufel. Wenn der Mensch sagt, dass er der Wahrheit diene, sagt der Teufel: "`Es gibt keinen Grund, die Wahrheit zu sagen, es gibt keinen Grund, sich an die göttlichen Gesetze zu halten. Ihr sollt frei sein!"' Wenn ihr diese Ratschläge in euch oder außerhalb von euch hört, dann wisst, dass sie teuflisch sind, und sagt: "`Das ist nicht deine Angelegenheit, behalte diese Lehre für dich, ich möchte die Ratschläge eines Teufel--Lehrers nicht hören!"' Wer auf seine Ratschläge hört, wird sehen, was die Ergebnisse seines Lebens sein werden. Ein Haus, das nach den Ratschlägen und der Lehre des Teufels gebaut wurde, ist auf Sand gebaut worden. Von solch einem Haus sagt Christus, dass es den Gewittern und dem Regen nicht standhalten kann. Alles, was nicht auf den Gesetzen der Liebe, Weisheit und Wahrheit gründet, wird folglich zerstört; es ist zeitlich und vergänglich. Wenn das Schiff, das ihr gebaut habt, nicht den Gesetzen der Technik entspricht, wird es selbst von den schwächsten Wellen zerstört werden und in den Tiefen des Ozeans versinken. Wollt ihr an Bord eines solchen Schiffes gehen? Kann die Mannschaft das Leben der Passagiere sicherstellen? Wisst ihr, wie furchtbar es für den Menschen ist, sein Leben zu verlieren? Verliert er sein Leben, dann verliert er gleichzeitig die Bedingungen für seine Entwicklung. Warum beeilt ihr euch, an Bord eines solchen Schiffes zu gehen? "`Wir möchten nach Amerika fahren, um reich zu werden, weil es dort viel Gold gibt."' Wartet doch, die Mannschaft soll erst ein festes Schiff machen! Wenn ihr es eilig habt, könnt ihr schon nach kurzer Zeit in den Tiefen des Ozeans versinken, wo ihr euer Unglück und nicht euren Reichtum finden werdet. Solch ein Schicksal ereilt jeden, der die Lehre des Teufels befolgt. Wer aber die göttlichen Gesetze befolgt, wird die leise Stimme hören, die zu ihm spricht: "`Komm zu mir, Gesegneter, dir gehört das Reich Gottes. Folge diesem Weg!"' Christus sagt: "`Geht, ihr Verdammten, zum Abgrund der Hölle."' Wer sind diese Verdammten? Es sind diejenigen, die den Weg der drei großen Gesetze nicht befolgt haben. Und wenn sie auch Heilige oder Engel gewesen sein mögen, wenn sie von diesem Weg abgewichen sind, werden sie sich im Abgrund der Hölle finden. Es gibt keine größere Strafe für den Menschen als die, dass er das Leben in der Hölle erfährt! Seid also aufmerksam auf euren Weg! Verfolgt und betrachtet, wer was spricht, damit ihr den schwarzen vom weißen Bruder unterscheiden könnt. Wer das Eine spricht und das Andere tut, ist ein schwarzer Bruder. Der weiße Bruder tut das, was er spricht. Er ist innen und außen ein und derselbe. So handelt auch Gott. In ihm gibt es keine Scheinheiligkeit. Die Liebe ist immer ein und dieselbe. Wenn der weiße Bruder spricht, berücksichtigt er, dass er immer vor dem Angesicht Gottes spricht, der jedes seiner Worte nach den Gesetzen der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit abwägt. Handelt der Mensch so, wird er immer die Gunst Gottes haben. Jemand sagt: "`Gott liebt mich nicht."' Ich frage: Wie möchtet ihr, dass euch Gott liebt? Auf welche Weise soll Gott seine Liebe zum Menschen zum Ausdruck bringen? Wenn der Mensch hungrig ist, wird ihm Gott zum Essen geben. Wenn er nackt ist, wird Gott ihn kleiden. Wenn er krank ist, wird Gott ihn heilen. Und wenn der Mensch kein Zuhause hat, wird Gott ihm ein Zuhause geben. Was kann der Mensch mehr verlangen? Nur an vier Dinge kann Gott denken und sich demnach für den Menschen interessieren: Wenn er hungrig ist, wird er ihn satt machen. Wenn er nackt ist, wird er ihn kleiden. Wenn er krank ist, wird er ihn heilen. Wenn er ohne Haus ist, wird er ihm ein Haus geben. Hat der Mensch diese vier Dinge, dann bleibt ihm nichts übrig als zu lernen. Dieser Mensch ist glücklich, und es gibt keinen Grund, dass Gott an ihn denkt. Über die Lage dieses Menschen können wir uns nur freuen -- mehr nicht! Soll Gott nach alle dem extra zu diesem Menschen kommen und anfangen, ihn zu loben, weil er so gut und gelehrt ist? Nicht nur er ist gut und gelehrt. Es gibt Millionen von Menschen, die gut und gelehrt sind und auf das Lob und die Zustimmung Gottes warten. Wenn alle guten und gelehrten Menschen sich an einem Ort versammeln, wird Gott kommen und zu ihnen sagen: "`Ihr seid gut und gelehrt."' Ich frage: Welchen Nutzen bringt dieses Lob? Wenn ihr sehr gut und gelehrt seid und ihr dafür gelobt werdet, werdet ihr dadurch besser und gelehrter? Oder wenn ihr gut und gelehrt seid, und jemand sagt, dass ihr nicht gut und gelehrt seid, verliert ihr dadurch eure Güte und eure Gelehrsamkeit? Ich sage: Beim Lob gewinnt der Mensch nicht mehr als das, was er schon hat. Und wenn er getadelt wird, verliert er nichts. Aber der Mensch soll die Tatsachen feststellen, wie sie sind -- ohne Übertreibung und ohne Untertreibung. Gibt man dir eine schöne Frucht, dann sagst du: "`Diese Frucht ist schön!"' Gibt man dir eine faule Frucht, dann sagst du: "`Diese Frucht ist faul!"' Wenn du folglich jemandem beispielsweise eine Birne gibst, dann sollst du sie von allen Seiten betrachten und erst dann sagen: "`Schau, eine schöne Birne!"' Der Mensch soll überhaupt eine bestimmte Moral bezüglich aller Dinge haben und wissen, was sie sind und was sie in einem gewissen Moment darstellen. Wenn ihr jetzt hinausgeht, sagt ihr: "`Hoffentlich geht die Sonne auf!"' Ich sage: Es ist nicht nur die physische Sonne, die aufgeht. Neben ihr gibt es noch zwei weitere Sonnen, die genauso aufgehen müssen. Die physische Sonne ist die Dienerin der beiden anderen Sonnen. Letztere sind wichtiger als die physische. Wenn die physische Sonne aufgeht, gehen nach ihr auch die anderen beiden Sonnen auf. Im Aufgang dieser beiden Sonnen liegt der Sinn des Lebens. Wenn der Mensch den Aufgang dieser beiden Sonnen sehen kann, wird er demütig werden und bewusst an sich selbst arbeiten und seine Fehler bereinigen. Solch ein Mensch lässt sich weder von der Wahrheit beleidigen noch beleidigt er die anderen. Er ist frei und begrenzt die anderen nicht. Er bewahrt seine Reinheit und er bewahrt die Reinheit der anderen. Wenn ein Mensch die Reinheit eines anderen Menschen nicht wahrt, sei er Mann oder Frau, solch ein Mensch hat kein Credo, keine Moral. Es ist nicht erlaubt, dass ihr, nachdem ihr die Säfte eines Menschen ausgesaugt habt, ihn schließlich wie einen Lumpen wegwerft! Es ist nicht erlaubt, dass ihr mit dem Geist, mit der Seele und mit dem Herzen des Menschen spielt! Erinnert euch an die folgende Regel der göttlichen Lehre: Für viele Dinge könnt ihr den Menschen bestrafen. Aber es ist absolut nicht erlaubt, dass ihr mit dem menschlichen Geist, mit der menschlichen Seele, mit dem menschlichen Verstand und mit dem menschlichen Herzen spielt! Mit den Gefühlen des Menschen darf man nicht spielen! Was die Kleidung des Menschen angeht, so könnt ihr ihm seine Kleidung ausziehen und sie nehmen. Aber ihr habt absolut kein Recht, den Menschen in demjenigen, was Gott ihm gegeben hat, zu verderben. Für das erste Verbrechen werdet ihr nach den menschlichen Gesetzen verurteilt werden, für das zweite nach den menschlichen und göttlichen Gesetzen. Dasselbe Gesetz gilt auch für den Menschen selbst. Niemand hat das Recht, dein Herz, deinen Verstand, deine Seele und deinen Geist zu verderben. Ich sage: Der Mensch soll sich selbst gegenüber aufrichtig sein -- dasjenige, was er spricht, soll in seinem Herzen sein. Deshalb steht in der Heiligen Schrift geschrieben: "`Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren."' Gott braucht folglich keine falschen Lehren. Jeder Lehrer soll die göttliche Lehre predigen. Predigt er diese Lehre nicht, dann ist er nicht von Gott. Der Lehrer soll wissen, dass er sich unabhängig von seiner Predigt vor dem Angesicht Gottes befindet. Wenn das der Fall ist, dann soll er immer die Wahrheit sprechen. Was machen die heutigen Schüler? Sie sind darauf bedacht, ihrem Lehrer äußerlich die größte Aufmerksamkeit und Achtung zu schenken, während ihr Herz weit von ihm entfernt ist. Wenn sie ihn zu sich einladen, stellen sie ihm das schönste Essen und die schönsten Früchte auf den Tisch und sagen: "`Wären wir Lehrer, dann würde uns genauso aufgetischt werden."' Das ist eine Verführung. Der Teufel verführt die Schüler und betrügt den Lehrer, indem er zu ihm sagt: "`Schau, wie sehr dich deine Schüler lieben! Sie stellen dir das schönste Essen auf den Tisch."' Der wahre Lehrer antwortet auf diesen Betrug so: Er nimmt aus seiner Tasche eine schöne Birne oder einen schönen Apfel, nimmt ein Stück Brot und beginnt zu essen und schaut die Speisen vor ihm auf dem Tisch überhaupt nicht an. Er lässt sich nicht betrügen. -- "`Einen besseren Lehrer als dich gibt es nicht."' Der Lehrer weiß, dass dieses Lob teuflisch ist. Wenn ein Schüler seinen Lehrer unbedingt loben möchte, sage ich ihm, wie er es tun soll. Er soll zu einem armen Menschen gehen und ihn zu sich nach Hause einladen; er soll ihn sich wärmen lassen, ihm zum Essen geben und ihn kleiden. Dann soll er zu ihm sagen: "`Das ist die Lehre unseres Lehrers!"' Das Lob besteht also nicht im Vorlesen von Gebeten und in Lobpreisungen. Wenn dieser Schüler nun auf einen Menschen trifft und ihn schlägt, weil dieser ein Schimpfwort zu ihm gesagt hat, tadelt er durch sein Verhalten seinen Lehrer. Mit diesen Beispielen mache ich euch auf eure Beziehungen zu Gott aufmerksam. Wie die Beziehungen des Menschen zu Gott sind, so sind auch seine Beziehungen zu den Menschen. Das ist die Philosophie des Lebens. Was auch immer er anderes sagt, ist keine Wahrheit. Wenn euch jemand loben möchte, soll er euch mit seinen guten Gedanken und Taten loben. Wenn der Sohn seinen Vater loben möchte, soll er ihn auf diese Weise loben. Wenn die Tochter ihre Mutter loben möchte, soll sie sie auf diese Weise loben. Ich sage: Wenn jemand einen anderen durch seinen guten Gedanken, Gefühle und Taten heiligt, bedeutet das nicht, dass er kein Recht hat, sein Lob mit Worten auszusprechen. Er hat das Recht dazu, weil Fakten vorliegen. Der gute Schüler sagt zu seinem Lehrer: "`Mein Lehrer ist sehr gut. Er zeigt mir den wahren Weg; er lehrt mich, den Willen Gottes zu erfüllen."' Nur dieser Schüler hat folglich das Recht, seinen Lehrer zu loben, weil er seine Lehre erfüllt. Und nur dieser Lehrer hat das Recht, seinen Schüler zu loben, weil er ihm eine Reihe von Beweisen gegeben hat, dass er seine Lehre richtig versteht und anwendet. Der Lehrer gibt solch einem Schüler ein schönes Buch und sagt: "`Lies' dieses Buch und wende es an!"' Wenn er sieht, dass der Schüler im Wissen einen Fortschritt gemacht hat, schenkt er ihm ein zweites Buch, dann ein drittes und so weiter. Der Lehrer freut sich an einem solchen Schüler, und der Schüler liebt seinen Lehrer und arbeitet fleißig an der Anwendung seiner Lehre. Die unsichtbare Welt betrachtet den Erfolg und das Verhalten des Schülers. Sie fragt den Lehrer oft: "`Wie entwickeln sich deine Schüler auf der Erde?"' Wenn der Lehrer antwortet: "`Sie bemühen sich, sie arbeiten, die Dinge laufen einigermaßen."' -- So eine Antwort wird nicht akzeptiert. Die Sprache des Lehrers muss bestimmt sein. Er muss genau, bestimmt und positiv antworten. Wenn man mich über euch als Schüler fragt, werde ich mit einer bestimmten Sprache antworten, die ihr bis jetzt noch nicht gehört habt: Ich werde euch weder loben noch tadeln, sondern die Wahrheit sagen, wie sie tatsächlich ist. Ich habe alle Fotografien eurer Taten, vom ersten Tag eurer Schülerschaft bis heute. Ich werde diese Fotografien den Vernunftwesen aus der unsichtbaren Welt vorlegen und sagen: "`Schaut, das haben meine Schüler während der Zeit ihrer Schülerschaft getan."' Fragt man mich nach euch, darf ich nicht schweigen; ich werde also diese Fotografien holen und sie nebeneinander legen und sagen: "`Seht, und urteilt selbst! Fragt mich nichts mehr."' Wenn sie mich über euch nichts fragen, werde ich diese Fotografien nicht herausholen und mich nicht über euch äußern. Es wurde gesagt: "`Ihre Taten laufen ihnen hinterher."' In der Tat, unsere Taten laufen uns hinterher. Sie machen einen Abdruck vom ganzen Wesen des Menschen. Ist etwas Schlechtes daran? Sowohl meine als auch eure Taten laufen uns hinterher. Ich werde also fotografiert, und ihr werdet auch fotografiert. Es gibt nichts Verstecktes und Verdecktes in der Welt. Ich werde auch fotografiert, aber ich mache auch Fotografien. Jetzt wünsche ich, dass alle Menschen eine Einheit bilden und göttliche Freiheit erlangen. Wer in dieser Freiheit lebt, hat vor nichts Angst. Er lässt sich davon nicht beunruhigen, dass jemand seine Taten fotografiert. Warum? -- Weil seine Taten rein sind. Wenn die Taten der Menschen rein sind, sind sie immer froh und fröhlich. Haben sie diese Reinheit nicht, sind sie Mühen und Leiden ausgesetzt. Ich möchte, dass die Menschen zufrieden, fröhlich und glücklich sind. Es gibt also diese drei Wege, auf welchen der Mensch das wahre Glück erreichen kann: den Weg der Liebe, den Weg der Weisheit und den Weg der Wahrheit. Außer diesen Wegen gibt es keine anderen. Geht ihr auf diesen Wegen, wo immer ihr auch geht, im Paradies oder in der Hölle, in dieser oder in der anderen Welt, so ist die Wahrheit überall ein und dieselbe. Und die Hölle und das Paradies gründen auf die Wahrheit. Das Diesseits und das Jenseits gründen auf die Wahrheit. Der Teufel liebt die Wahrheit wie auch die Engel. Ein großer Teufel lehrte ein kleines Teufelchen, wie es die Menschen belügen kann. Einmal wandte das Teufelchen diese Lektion beim großen Teufel selbst an. Da sagte der Teufel zu ihm: "`Hör' mal zu! Das Lügen, wie ich es dir beigebracht habe, sollst du bei den Menschen anwenden und nicht bei mir. Mir sagst du gefälligst immer die Wahrheit! Ich mag es nicht, wenn ich belogen werde."' Dieser große Teufel also, ein Lehrmeister im Lügen, ist sich dessen bewusst, dass die Wahrheit im Leben unbedingt notwendig ist. Wenn also jemand verlangt, es solle zu ihm die Wahrheit gesprochen werden, zu den anderen aber die Lüge, dann denkt er eigentlich nicht gut. Ihr selbst müsst euch dessen bewusst werden und von innen und außen die Wahrheit sprechen. Ich sage euch also: Ihr müsst die Wahrheit sprechen -- zu mir und zu allen anderen Menschen. Gott ist Liebe, Weisheit und Wahrheit. Ihr sollt folglich diese Lehre mir und allen anderen kundtun und nicht nur einem. Wie ihr Menschen gegenüber die Liebe zum Ausdruck bringt, so sollt ihr sie auch den Ameisen gegenüber zum Ausdruck bringen. Es versteht sich: Die Liebe zum Menschen manifestiert sich auf eine Weise, die Liebe zu den Ameisen auf eine andere Weise. Was möchte die Ameise oder die Fliege vom Menschen? Dass ihr aufmerksam seid, sie nicht zertretet und ihnen ein paar Brosamen gebt -- mehr nicht. Ihr alle sollt jetzt wahrheitsliebend und angezündete Kerzen sein, weil ihr Prediger der göttlichen Lehre seid. Diese Lehre wird nicht jetzt geboren; sie hat schon seit Anbeginn des Seins existiert. Wenn jemand wissen möchte, warum die Welt erschaffen wurde, dann soll er wissen, dass die Welt deshalb erschaffen wurde, damit die göttliche Liebe, Weisheit und Wahrheit manifestiert werden. Wenn ihr aber unter die Menschen in der Welt geht, sollt ihr nicht erklären, warum die Welt erschaffen wurde, sondern vielmehr Träger der göttlichen Liebe, Weisheit und Wahrheit sein. Aufgrund dessen, was ihr predigt, sollen die Menschen selbst die Ursachen für die Erschaffung der Welt finden. Nur dann wird eure Predigt Früchte tragen. Soll der Engländer sich selbst loben, weil er Engländer ist? Wenn er sich manifestiert, müssen alle erkennen, dass er Engländer ist. Soll der Schüler sich loben, weil er Schüler der Universellen Weißen Bruderschaft ist? An seinen Handlungen soll erkannt werden, dass er Schüler der Weißen Bruderschaft ist. Ein Engländer betrinkt sich ein wenig und sagt zu einem Ausländer: "`Weißt du, ich bin ein Engländer! Das Gesetz Englands ist ein Naturgesetz!"' Was soll der Schüler antworten? Er soll sagen: "`Das Gesetz Gottes ist das Gesetz der Welt!"' Die Gesetze der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit sind Gesetze der Welt, Gesetze des ganzen Kosmos! Ich bin Bürger eines Staates, dessen Gesetze für die ganze Welt allgemein verbindlich sind, aber nicht umgekehrt."' Viele sagen: "`Die Gesetze der Menschen sind Gesetze Gottes."' Das ist eine absolut falsche Schlussfolgerung. Die göttlichen Gesetze sind in all ihre Formen und Manifestationen Gesetze für die ganze Welt, für alle Staaten, für alle Gesellschaften und Familien wie für alle Vernunftwesen. Darin liegt die ewige Wahrheit, die alle erstreben müssen. Wer diese Dinge so versteht und anwendet, ist auf dem richtigen Weg im Leben. In einem der vergangenen Vorträge habe ich über den Ort Gottes gesprochen und heute über die Offenbarung Gottes. Gott offenbart sich durch die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit. Dies ist der Weg, auf dem jeder das neue Leben erreichen wird -- bis zur Auferstehung; so wird er zum Bürger des Gottesreiches werden. Außerhalb dieses Weges ist der Mensch dem Falliment ausgesetzt. Auf diesem Weg könnt ihr jedoch alle Errungenschaften erwarten. Der Geist, der alle Seelen führt, wird sie nicht fallen lassen. Ich wünsche allen eine solche Freiheit, die die Bedingungen dafür bietet, die Sehnsüchte der Seele zu stillen. Manch einer sagt: "`Sieht uns der Meister, wenn wir sündigen?"' Ich sage: Vor den Fehlern und Verbrechen der Menschen schließe ich meine Augen. Wenn es zu guten Handlungen kommt, öffne ich meine vier Augen. Ich erkenne die Menschen auf dem umgekehrten Weg: nicht an ihren Fehlern und Verbrechen, sondern am Guten in ihnen. Die Methode der Menschenerkenntnis, derer ich mich bediene, ist positiv und nicht negativ. Wenn die Menschen sündigen, so ist das auch eine Wissenschaft. Aber sie soll außer Acht gelassen werden. Für den Menschen ist es wichtig, wie die Liebe ist und wie viel sie wiegt, wenn er sie in sich hat. Wenn man mir etwas über einen Menschen sagt, dann stelle ich ihn auf die Waage und wiege seine Liebe ab und dann erkenne ich ihn. Auf diese Weise bin ich zu vielen genauen Ergebnissen gekommen. Wenn ihr auf diesem Weg gehen möchtet, dann studiert die Menschen durch diese positive Methode. Nur so werdet ihr die Reinheit eures Verstandes und eures Herzens bewahren. Dieser Weg führt zur Wahrheit. Auf diese Weise erforscht uns Gott auch. Gott erforscht uns auf dem Weg des Guten. Wenn er uns sieht, dann weiß Er schon, wie wir sind. Die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit bestimmen den Platz des Menschen. Nach mir müssen die Menschen also nach der Liebe, der Weisheit und der Wahrheit bestimmt werden, die sie in sich haben. Alles andere, was außerhalb von ihnen ist, lasse ich beiseite, sie werden selbst damit fertig werden. So sollt ihr die Menschen bestimmen, wenn ihr frei und tapfer sein und die Unterstützung der fortgeschrittenen Wesen haben möchtet. Handelt ihr so, werdet ihr den Segen Gottes und Gottes Zustimmung haben. Gibt es etwas besseres als das, dass Gott uns sieht, uns anlächelt und seine Zustimmung gibt, dass wir auf Seinem Weg laufen? Viele möchten, dass man ihnen den besonderen Weg zeigt, auf dem sie gehen sollen. Nein, Sonderwege gibt es nicht. Der Weg ist ein und derselbe für alle. Wenn es um die Frage nach einem Sonderweg geht, kann darüber nur bei der Anwendung gesprochen werden. Es gibt eine Wissenschaft und eine Schule von den besonderen Methoden zur Anwendung der Liebe. Es gibt besondere Methoden zur Anwendung der Weisheit. Aber schließlich gibt es auch besondere Methoden zu Anwendung der Wahrheit. Aber diese Methoden können hier nicht ausgesprochen werden. Sie werden im inneren Labor des Menschen angewandt. Dazu muss er sich der Arbeit widmen. So wie ich arbeite, sollt auch ihr arbeiten. Wenn jemand besondere Methoden wünscht, dann heißt das, dass er wissen möchte, wie ein Baum schneller hervorsprießen, gedeihen und Früchte tragen kann. Das kann erreicht werden, aber nicht hier auf dem Felsen. Dazu müsst ihr in das Labor der Natur gehen, um dort die Methoden zu erforschen, mit denen ich arbeite. Ihr glaubt nicht an die Vernünftigkeit in der Natur, in den Früchten, in den Flüssen, in den Tieren, in den Pflanzen, in den Menschen, welche die vernünftige Natur erschafft und sucht nach Wegen nach schnellen Errungenschaften. Ihr glaubt nicht an die Wunder, die die vernünftige Natur vollbringt, sondern möchtet selbst Wunder wirken. Wenn jemand nach einem schnellen Weg der Entwicklung sucht, dann möchte er ein Wunder vollbringen. Ich sage: Nur derjenige kann ein Wunder vollbringen, der absoluten und unerschütterlichen Glauben an Gott und an den Möglichkeiten der vernünftigen Natur hat. Wenn ihr an Gott glaubt, werdet ihr auch an euch glauben, denn Gott lebt in der Seele eines jeden Menschen. Deshalb -- wenn der Mensch an Gott glaubt, dann wird er auch an sich selbst glauben. Unter dem Begriff "`sich selbst"' verstehe ich nicht den Menschen der Begrenzungen und Schwächen. Wenn ihr etwas erreichen möchtet, dann sagt: "`Herr, Du, der Du den ganzen Kosmos erschaffen hast, gibt mir die Möglichkeit, Deine Kraft zum Ausdruck zu bringen und etwas zu erschaffen, womit ich Dich lobpreisen kann!"' Wenn ihr folglich das Wort "`ich"' sagt, dann werdet ihr in ihm die Gegenwart Gottes sehen. Kommt der Mensch zu diesem Bewusstsein, hat er sich Gott zugewandt. Wer die Bedeutung dieses Wortes nicht versteht, hat sich Gott noch nicht zugewandt. Diejenigen Menschen, welche die Bedeutung des Wortes "`ich"' noch nicht verstanden haben, denken jedes Mal, wenn sie dieses Wort aussprechen, sie seien Werkmeister, sie hätten alles, was sie umgibt, erschaffen. Das heilige Wort "`ich"' soll richtig ausgesprochen werden. Das Wort "`ich"' ist in der bulgarischen Sprache so heilig, wie das Wort "`Aum"' für die Hindus heilig ist, aber sie können es auch nicht richtig aussprechen. Nur ihre Adepten können dieses Wort richtig aussprechen. Doch diese teilen die richtige Weise der Aussprache den Nichteingeweihten nicht mit. Die Wörter "`Om"', "`Am"', "`Aum"', "`Um"'\footnote{Um -- bulg. Verstand} haben ein und dieselbe Bedeutung. Welches von diesen Wörtern richtig ist, weiß man nicht. Es ist möglich, dass alle richtig sind, aber es ist auch möglich, dass alle unrichtig sind. Wenn ihr lernt, geradlinig zu denken und die Wahrheit zu sprechen, werdet ihr das Wort "`ich"' richtig aussprechen. Solange eurer Herz nicht schwingt, solange euer Verstand nicht zu leuchten beginnt und solange ihr die notwendige Freiheit nicht erlangt, könnt ihr dieses Wort nicht richtig aussprechen. Es muss in seiner Weite und Bedeutung ausgesprochen werden. Ihr sagt jemandem: "`Ich liebe dich."' Ihr sprecht dieses Wort aus, aber eurer Herz schwingt nicht, eurer Verstand leuchtet nicht und eurer Mund spricht die Wahrheit nicht aus. Wenn die Worte diesen Inhalt nicht haben, dann tönen sie wie aus einer Geige, die knarrt. Haben die jedoch diesen Inhalt, dann sind sie wie die reinen, kristallklaren Töne einer Geige. Rein sollen die Töne der Geige sein! Richtig soll der Bogen auf ihr bewegt werden! Freiheit muss die Hand haben, die die Geige hält! Ihr sagt: "`Wenn uns die Wahrheit in strenger Weise vorgetragen wird, ist es so, als ob mit uns gestritten wird. Das ist eine sehr alte Methode, die nichts bringt. Woran erkennt ihr, dass ein Mensch streitet? Was der Streit ist, das weiß ich nicht. In dieser Hinsicht bin ich unwissend. Ich würde es mir wünschen, dass ihr vor mir einen Vortrag über den Streit haltet, damit ich verstehe, was es bedeutet, wenn zwei Menschen streiten. Das Streiten ist eine besondere Wissenschaft. Ich höre, dass zwei Menschen sich lebhaft unterhalten: Der eine steht vor dem Zelt, der andere hinter dem Zelt. Ich höre nur: "`Bla, bla, bla."' Was ist das? Dann wird gesagt, dass diese zwei Menschen über etwas gestritten haben. Ich verstehe darunter zwei Anwälte, die in einem Prozess zwei Parteien verteidigen. Zuerst beginnt der eine: Er spricht, überzeugt die anderen und hört danach auf. Dann beginnt der andere: Er spricht, denkt nach und möchte seine Zuhörer auch überzeugen. Ich sehe diese Anwälte: Der eine ist vor dem Zelt, der andere hinter dem Zelt. Aber wo der Richter ist, sehe ich nicht. Es sieht so aus, als ob die Anwälte üben und plädieren. Wenn der Richter nicht kommt, muss die Verhandlung vertagt werden, sagen sie. Einmal habe ich gehört, wie zwei Anwältinnen plädiert haben. Das war in Varna. Die eine war Griechin, die andere Bulgarin. Die eine war vor dem Zelt, die andere hinter dem Zelt. Die Griechin war sehr sprachbegabt; sie sprach anderthalb Stunden, ohne müde zu werden, doch die Bulgarin verfügte nicht über diese Sprachbegabung. Der Richter kam auch in diesem Fall nicht. Eine Arbeit oder ein Prozess ist nur dann abgeschlossen, wenn bei der Verhandlung mindestens vier Menschen anwesend sind: die beiden Anwälte, der Richter und der Angeklagte. Nur auf diese Weise lässt sich die Wahrheit ermitteln. Wenn eine dieser Personen fehlt, dann wird die Verhandlung vertagt. Wollt ihr nun an einer Verhandlung teilnehmen, müssen notwendigerweise vier Voraussetzungen gegeben sein: Der Staatsanwalt, der die Anklagerede hält. Es ist der Teufel. Christus, der als Anwalt fungiert. Er verteidigt den Angeklagten. Die dritte Voraussetzung ist der Mensch, über den gerichtet wird. Er ist der Angeklagte. Die vierte Voraussetzung ist Gott, der am Ende des Prozesses spricht. Er fällt das Urteil. Ohne diese vier Voraussetzungen ist jedes Urteil ungültig. Wenn jemandem übel nachgeredet wird, soll dasselbe beachtet werden. Auf der einen Seite des Angeklagten wird Christus sein, auf der anderen der Teufel. Der Angeklagte wird Zuschauer und Hörer sein. Eines Tages, wenn die Menschheit weiter fortgeschritten sein wird, wird es ein solches Gericht geben. Dieses Gericht wird alle schwierigen Fragen im Leben lösen. Ich sage: Hinter der Wahrheit stehen immer diese vier Voraussetzungen. Wenn ihr folglich jemanden wegen einer Sache anklagen möchtet, dann ruft Gott als Oberrichter an, Christus als Verteidiger des Angeklagten, den Teufel als Ankläger und die Person, über die verhandelt werden soll, als Angeklagten. Der Teufel beginnt: "`Ihr haltet diesen Menschen für einen Heiligen, aber ich habe ganz andere Daten, andere Fakten -- und er reiht diese Fakten aneinander."' Der Angeklagte hört zu und hat kein Recht, sich zu verteidigen. Christus wird ihn verteidigen. Wenn Christus ihn freispricht, wird er erlöst werden. Wenn Christi Rede nicht ganz zu Gunsten des Angeklagten fällt, wird er verurteilt werden, indem man über ihn die eine oder andere Strafe verhängt. Das sollt ihr wissen: Wenn ihr möchtet, dass über euch nicht verhandelt wird, dann sollt ihr nach den Gesetzen der Liebe, Weisheit und der Wahrheit leben, die sich durch Gott offenbaren. Jetzt werden wir unsere Hände, das Gesicht und die Füße im See im Namen des großen Gesetzes waschen, das über alle Dinge auf der Erde herrscht und sie reguliert. Ein Vortrag, gehalten am 7. August 1931, 5. Uhr.
  3. Musik und Singen - Mittel zum Erreichen des Göttlichen Stilles Gebet Nun, lesen wir einige von den Themen (Es wurden einige von den Themen „Der Unterschied zwischen Willen und Eigenwillen“ vorgelesen.) Habt ihr ein anderes Thema? – Nein. Das werden wir für das nächste Mal lassen. Der Meister spielt mit der Geige und acht junge Brüder singen leise das Lied vor: „Duhat Bojii, –„Der Geist Gottes, Duhat Wechnii, – der ewige Geist, Duhat Svjatii, – der heilige Geist, Duhat Blagii, der gütige Geist, Koj pulni surza ni s Ljubov.“ Wer (er)füllt unsere Herzen mit Liebe, wer (er)füllt (3) Wer (er)füllt unsere Herzen mit Liebe, (2) mit Liebe (3 Mal) Wer (er)füllt unsere Herzen mit Liebe. (2) (Das zweite Mal sangen sie das Lied mit dem Meister ohne Geige. Das dritte Mal sangen sie es wieder mit dem Meister, aber sehr leise.) Jetzt werden wir alle gemeinsam „Duhat Bojii“ singen. (2 Mal) „Duhat Bojii“ ist als Berührungspunkt in der Okkulten Musik ein okkulter Übergang. Ich werde euch jetzt sagen, wo sich die okkulten Berührungspunkte befinden und wo die zeitgenössische Musik in Okkultmusik übergehen wird und warum es im Singen einen Sinn gibt. (Der Meister singt allein.) „Duhat Bojii, Duhat Wechnii, Duhat Svjatii, Duhat Blagii, Koj pulni surza ni s Ljubov.“ Diese Worte sind ein okkulter Übergang, sie sind ein Übergang im okkulten Sinne. Jetzt werdet ihr mit Bewegungen singen und dabei den Willen betätigen. Beim okkulten Singen werdet ihr aufmerksam sein. Ihr werdet jetzt all eure Traditionen verlassen. Ich möchte, dass ihr als Schüler im Singen frei seid. Damit der Wille sich daran beteiligen kann, müsst ihr die Hände bewegen. Die zeitgenössische Oper ist sich dessen bewusst. (Der Meister singt allein und vollzieht Bewegungen). „Duhat Bojii“ (Er erhebt seine Hände langsam und mächtig nach oben.) „Duhat Vechnii“ (Er senkt die Hände vor seinem Gesicht, vollzieht einen Kreis und setzt sie in eine waagerechte Lage.) „Duhat Svjati“ (Die Hände werden zum Kreis vor dem Gesicht geformt, nach oben und dann fast senkrecht.) „Duhat Svjati“ (Dasselbe, nur die Hände bleiben waagerecht.) „Koj palni“ (Die Hände sind vor der Brust.) Surza ni s Ljubov (Die Hände werden seitlich weit gestreckt. Von dort vollziehen sie leichte Bewegungen wie beim Fliegen. Sie befinden sich in der waagerechten Lage. Bei „surtsa ni“ werden die Hände nach außen gestreckt.) Das (Er)füllen ist ein Prozess der Erweiterung. „Koj palni“ (Die Hände vor der Brust.) „Surza ni s Ljubov“ (Die Arme werden nach außen gestreckt, das Herz erweitert sich. Bei den anderen Worten werden Bewegungen des Fliegens vollzogen.) Wenn ein Luftballon mit Gas gefüllt wird, dann beginnt er sich zu erweitern und sich zu erheben. Wenn ihr Bewegungen des Fliegens vollzieht, dann werdet ihr feststellen, dass es in diesen Bewegungen Harmonie gibt. (Der Meister singt allein: „Duhat Bojii… Wer (er)füllt ...“) „Wer“ hat eine zweifache Bedeutung. Es ist zugleich Frage und Antwort. Der Geist Gottes, der (er)füllt – eine Antwort. Und wer (er)füllt unsere Herzen mit Liebe? -- Der Geist Gottes, der ewige Geist und so weiter. Das sind Attribute. Nun, was ist der Unterschied zwischen dem heiligen Menschen und dem hellen/leuchtenden Menschen? Ich kann heilig und hell sagen. Als Schüler müsst ihr genau bestimmte Begriffe haben. Du wirst zum heiligen Menschen gehen und der helle Mensch wird zu dir kommen. Du wirst zu der Wasserquelle gehen. Der heilige Mensch ist eine Quelle, du wirst zu ihm gehen und er (er)füllt; und du wirst dein Herz zur Verfügung stellen. Und der helle Mensch, das ist die angezündete Kerze. Dieses Licht kommt zu dir. Du wirst nicht zu diesem Licht gehen, sondern es wird zu dir kommen. Folglich ist der Prozess zweifach: Du gehst zum Heiligen und der Helle, der kommt zu dir. Gott ist heilig und hell. Als Licht kommt Er zu uns und als Welt gehen wir zu Ihm. Folglich kann der Heilige Geist eure Herzen (er)füllen. Also geht das Herz zum Heiligen Geist. Wenn wir „heller Geist“ sagen, dann verstehen wir unser Geist. Gütig (blag), ewig, die Welt, all das sind Wörter, die verbunden sind. Wer füllt unsere Herzen? - Der Geist Gottes. Diese Übungen werden wir mit Bewegungen singen. Wenn ihr in euer Haus eintretet, werdet ihr mit Bewegungen singen. Ihr werdet euren Willen an die Arbeit einspannen. Viele dieser Übungen werden wir mit Bewegungen singen. Wenn du jetzt bei den Worten „Der Geist Gottes“ (der Meister singt „Der Geist Gottes“ und vollzieht Bewegungen mit den Händen) bei Ihm bist, dann wirst du dieselbe Erweiterung vollziehen. Lasst euch davon nicht stören, ob ihr diese Bewegung richtig vollzogen habt oder nicht. Es gibt ein inneres Gesetz der Bewegungen. Wenn diese Bewegung in Harmonie mit euren Gedanken und Gefühlen ist, dann fühlt ihr euch angenehm. Wenn es Unstimmigkeiten gibt, dann werdet ihr spüren, dass diese Bewegung nicht richtig ist. Das ist das Gesetz der Freiheit. Ihr werdet singen, euch bewegen und Gott mit eurem Verstand, mit eurem Herzen und mit eurem Willen und mit dem ganzen Körper dienen. Alles muss in Bewegung sein. All das muss an der Musik partizipieren. So wird sich unser Körper harmonisieren. Manchmal denkt ihr, dass ihr ohne Musik könnt. Nur die Toten können ohne Musik, die Lebenden nie! Nur die Toten können ohne das Wort und die Lebenden nie! Nur die Toten können ohne Brot, die Lebenden nie! Nur die Toten können ohne Wasser, die Lebenden nie! Nur die Toten können ohne Gedanken, die Lebenden nie! Manch einer fragt: „Kann es ohne Singen?“ Es kann. Als Paganini gefragt wurde: „Kannst du auf drei Saiten spielen?“, dann antwortete er: „Ich kann.“ „Auf zwei?“ - „Ich kann.“ - „Auf eine?“ - „Ich kann.“ „Kannst du dann ohne Saiten spielen?“ - „Ich kann.“, und dann ist er nicht erschienen. Auf diese Weise werden wir uns durch das Singen harmonisieren. Durch das Singen werden wir jene Kräfte in der Natur anziehen, die sich zu uns harmonisch verhalten. Das ist das Gesetz der Anziehung. In der Tat, jetzt gibt es nichts, was ich euch lehren kann. Der junge Bursche und die junge Frau, sie wissen es. Warum singen die Vögel? Warum singen die männlichen Vögel? Sie haben seit Langem dieses Gesetz erlernt. Die Säugetiere, die Kühe, sie muhen manchmal auch. Es gibt immer ein Gesetz, dem sie unterliegen. Dieses Muhen ist eine andere Art des Gesangs. Das Singen zieht immer an. Singen wir harmonisch, dann werden die Geister der Musik immer von uns angezogen werden. Nachdem sie angezogen wurden, werden sie etwas sehr Schönes bringen – Erneuerung. Gemäß unseres Liedes und gemäß dieser Inspiration werden auch dementsprechend Veränderungen in unserer geistigen Welt geschehen. Nun, als erstes werdet ihr aus dem Herzen singen. Die okkulte Musik lässt solch ein oberflächliches Singen nicht zu. Sie möchte Inhalt, sie möchte Tiefe. Du wirst an erster Stelle mit Gefühl singen und dann wirst du am Gesang feilen. Danach feilen wir. Wir können noch nicht okkulte Lieder singen. Das sind kleine Übungen, ich nenne sie so. Wenn ich sie euch als Lied singen würde, dann werdet ihr alle einschlafen und nicht hier sein. Ihr werdet einschlafen und nachdem ihr geweckt werdet, werdet ihr sagen: „Ich war irgendwo, in einer Welt und in was für einer Welt!“ Das ist jetzt noch kein Lied, das ist eine Übung, deshalb werdet ihr hier sein und nicht einschlafen. Deshalb nenne ich sie Übungen. Ihr sagt: „Können wir nicht ein okkultes Lied singen? – Nein, das könnt ihr nicht! Unter den jetzigen Bedingungen kann kein okkultes Lied gesungen werden. Das sind okkulte Übungen. All unsere Lieder, sogar auch diese, die sonntags bei den Treffen gesungen werden, das sind Übungen. Sie werden Lieder genannt, aber es sind nach meinem Verständnis Übungen. Manche sind den Liedern näher, andere ferner. Jetzt lernen wir die Übung mit Bewegungen! (Wir sangen: „Duhat Bojii“ zwei Mal mit Bewegungen.) Singt jetzt „Blaga duma ...“! (Alle singen mit dem Meister zusammen und am Ende spielt der Meister.) Es gibt etwas, das behindert. (Der Meister singt allein „Blaga duma“, und dann singen alle zusammen.) Jetzt werden zwei Menschen das Lied singen „Blaga duma na ustata, tui e kljuchat kam sartsata“ und alle zusammen werden den Refrain singen.) Jetzt singen wir „Venir, Benir“. (Der Meister spielt – wir alle singen. Danach singen wir: „Izgrjava slunzeto“, „Sladko medeno“) Jetzt mögen die Freunde kommen, diejenigen, die Schüler. (Die acht jungen Brüder kamen zum Tisch.) Singt „das stimmlose Singen“. (Der Meister spielt mit der Geige einen schönen Marsch und die Brüder singen mit der Kehle, ohne ihren Mund zu öffnen.) (Originelles Singen) Das ist eine Übergangslage in der okkulten Musik. Es kann euch etwas komisch erscheinen, aber es war schön, nicht wahr? Wir werden die Übungen erweitern. Wir werden angenehme Dinge in der Musik erschaffen. Merkt euch, dass die Kinder, wenn sie ihre Übungen machen, immer lachen. Wenn die Menschen lachen, dann arbeiten sie. Lachen sie nicht, dann sind sie krank und der Wille beteiligt sich nicht. Der gesunde Mensch ist immer froh. Es ist ein Grundsatz: Wir sollen immer froh sein! Das ist der gesunde Zustand. Stellt fest, dass beim Lesen der Bibel wir überall Menschen sehen, die froh und fröhlich waren. Das Leben ist schön, wenn es fröhlich ist. Und die Zustände des Grams sind immer negativ, sie sind nicht biblisch, sie sind außerhalb der Bibel. Die positive Lehre, die okkulte Lehre drückt sich in Freude aus, das andere ist nur ein Schatten. Folglich in Gram, in Leiden und in Mühen – wir müssen uns immer freuen. Ich werde eine kleine Bemerkung machen, ich mache diese Bemerkung jedoch zu euch. Das ist das Gesetz. Wenn ihr einen Kranken zu einem Berg bringt, was geschieht dann mit ihm? - Er wird gesund. Denkt ihr, dass dieser, der Kranke, mit seinen Krücken laufen wird, wenn ihr ihn auf die Bergspitze bringt? Nein, er wird sie wegwerfen. Er wird die reine Luft atmen. Nun möchte ich euch auf diese Bergspitze bringen. Ihr werdet all eure Krücken wegwerfen. Wir benötigen keine Krücken! Ohne Krücken! Oben ist es weit, es gibt eine große Weite. Hier liegt der Sinn. Manche sagen, dass die Erde ein Jammertal sei, der Schatten der Erde. Dem ist nicht so. Für den Menschen, der die göttlichen Gesetze nicht kennt, für den ist die Erde ein Jammertal des Todes, ein Schatten des Todes. Aber für denjenigen, der die Gesetze versteht, für den ist die Erde ein Ort der Freude und der Wonne. Ich möchte euch von all euren Vorurteilen, die ihr habt, befreien. Denn einer der größten Irrtümer, den euch die schwarze Loge suggeriert, ist, dass ihr nicht singen und euch nicht freuen dürft. „Es bedarf des Singens nicht, du wirst schweigen.“ Das ist das eine. Dann sagen sie: „Du wirst nicht viel essen.“ „Du wirst nicht beten, du benötigst kein Gebet.“ Ohne Singen, ohne Essen, ohne Gebet! Na, was ist dann der Sinn des Lebens, wenn du das Essen, das Singen und das Gebet abziehst?“ Was bleibt dann übrig? Das ist das Fundament des Lebens! Zu essen, das ist die erste Kunst, mit dem der Mensch beginnt. Nun sagt Christus: „Wer mich isst, der hat Leben in sich.“ Das Essen im okkulten Sinne, das ist eine große Wissenschaft. Durch das Essen werden wir eine Gemeinschaft mit dieser Wissenschaft, mit uns selbst und mit Gott bilden. Diese Wissenschaft wurde heute weggeworfen. Wir werden uns bemühen, all diese göttlichen okkulten Gesetze in uns zu bringen, damit wir fröhlich werden – gemäß dem Göttlichen fröhlich zu werden. Das wird nicht sofort geschehen. Denkt nicht, dass das eine leichte Arbeit sei, dass der Mensch fröhlich werde. Es gibt Übergangszustände. Die große Freude zieht den großen Gram nach sich. Wir werden mit dem Kleinen beginnen und allmählich wird diese Freude größer werden, bis sich in euch der Wille entwickelt, damit ihr diese Freude beherrschen könnt und damit diese Freude immer in eurer Seele bleibt. Nun ist unsere Freude von etwas Materiellem bedingt. Der Gegenstand unserer Freude ist immer etwas Materielles. Wenn der Gegenstand unserer Freude zerstört wird, dann wird unsere ganze Freude auch zerstört. Der Gegenstand darf nicht materiell sein. Weil die Liebe die Substanz der göttlichen Welt ist, so sind alle Dinge in der Göttlichen Welt aus Liebe gemacht worden, dort ist sie Substanz. Dasjenige, was für uns auf der Erde das Erhabenste ist, das bildet das Feld, der Boden, auf dem alle Lebewesen aus der göttlichen Welt leben. Folglich ist die Liebe über uns und dort schreiten die göttlichen Wesen auf der Liebe. Und ich sage: Die Füße dieser Wesen denken mehr als eure Köpfe. Die Beine derjenigen, die auf der Liebe laufen, denken mehr, als unsere berühmtesten Philosophen hier auf der Erde. Wir müssen uns all diesen Dingen aus Liebe bewusst werden. Substanz muss es geben. Dann werden wir Dinge und Gegenstände haben, die nicht zerstört werden können. Die Liebe wird der Grund sein, ein ewiges Prinzip und dann werden wir nicht trauern, sondern immer fröhlich sein. Deshalb erforschen wir die Liebe als eine große Realität und nicht als etwas Abstraktes. Sie ist eine große Realität, wir erstreben sie, in ihr gibt es Musik. Unsere Instrumente werden wir aus Liebe machen. Mit ihr werden wir singen und spielen. Wenn ihr in die göttliche Welt eintretet, dort werdet ihr die erhabeneren Dinge verstehen, dort werdet ihr sie als Schüler erlernen. Deshalb nehmen wir das Singen und die Musik nur als Hilfsmittel zum Erreichen dieses göttlichen Ziels. Stilles Gebet. Siebter Vortrag der Allgemeinen Okkultklasse, zweiter Jahrgang, 12. November 1922, Sonntag, Sofia.
  4. D A S E W I G E G U T Eine Feiertagsrede von Beinsa Duno, gehalten am 15. August 1943, 5 Uhr morgens, Sofia– Izgrev Betrachtungen zum Gedanken: “Gott ist die ewige Quelle des Lebens.“ Im zehnten Kapitel des Matthäus Evangeliums macht Christus die Jünger darauf aufmerksam, was sie im Leben benötigen. Damit wollte er sie von unnötigen Sorgen und Bedürfnissen befreien. Im zwölften Kapitel des Markus Evangeliums beantwortet Christus Fragen der Pharisäern und Sadduzäern. Seine Antworten hinterließen bei ihnen Verwunderung, wenngleich sie ihnen unangenehm waren. Beim Studium der heiligen Bücher, wo das Leben früherer Generationen beschrieben wird, erfahren die Leser von der menschlichen Veranlagung, Fehler und Versäumnisse zu begehen. Alle Menschen wollen Gott gefällig sein, damit sie gut leben und sich unter Engeln und Heiligen befinden werden, wenn sie ins Jenseits übergehen. Wenn du auch nur einen Blick ins Jenseits werfen könntest, um zu sehen, wie die erhabenen Wesen dort leben, wäre das ein Kinderspiel. Als würdest du ein Theater besuchen und sehen, wie die Schauspieler spielen und dann wieder nach Hause gehen. Aber damit erreichst du nichts. Ins Jenseits zu gehen hätte Sinn, würdest du wie die hohen Wesen leben und sich ihnen anschließen. Die Juden haben die Heilige Schrift wortwörtlich verstanden und leiden heute noch darunter. Bis heute tragen sie die Folgen ihres Missverständnisses über das wahre Leben. Man darf nicht am Buchstaben der Dinge klebend leben. Der Buchstabe tötet und der Geist belebt die Dinge. Die heutigen Menschen, ob Christen oder nicht, begehen die Fehler der Juden. Christliche Völker kämpfen heute gegeneinander. Im Namen Gottes begehen sie Dinge, die Gott nicht gefällig sind. Trotzdem meinen sie, es sei in Ordnung, was auf der Erde geschieht. Lassen wir die Sachen der äußeren Welt beiseite. Wir haben kein Recht über jemanden zu urteilen. Nur wer die Welt geschaffen hat, hat das Recht zu urteilen. Warum die Menschen gegeneinander kämpfen ist ihre Sache; warum sich die Erde dreht ist deren Sache; warum die Sonne scheint ist ihre Sache; warum die Bäume wachsen ist ihre Sache; warum die Flüsse fließen ist ihre Sache; warum der Mensch so und nicht anders lebt ist seine Sache. Wir dürfen uns nicht in Sachen einmischen, die uns nichts angehen. Die Aufgabe des Menschen ist, das Wesentliche im Leben zu finden. – Was aber ist das Wesentliche? – Das, was der Mensch an den Tag legt, seine Gefühle und Gedanken. Über den Menschen ist gesagt worden, dass Gott ihm das Leben in die Nase einhauchte, wodurch er ein lebendiges Wesen wurde und zu fühlen begann. Also sind zuerst die Gefühle im Menschen erschienen und erst danach seine Gedanken. Als Resultat der Gefühle und Gedanken erscheinen dann die menschlichen Taten. Wenn die Gefühle und die Gedanken richtig sind, sind es auch seine Taten. Dazu werdet ihr sagen, dass man, um richtig zu handeln, ein gelehrter Mensch sein muss. Das stimmt aber nicht. Nicht jeder gelehrter Mensch handelt richtig. Wichtig ist richtig zu fühlen und zu denken. Christus führt das Beispiel über den schlechten und nicht gewissenhaften Hausmeister an, der gegessen und getrunken hat, ohne dem Willen seines Herrn zu willfahren. Dieser Hausverwalter hatte seine Gedanken und Gefühle nicht richtig unter Kontrolle. Er lebte auf großem Fuße, weswegen sein Herr mit ihm unzufrieden war. Jedem Menschen ist die Aufgabe gegeben Herr seiner Gedanken und Gefühle zu sein und sie in die richtige Bahn zu lenken. Er aber isst und trinkt zu gleicher Zeit und verrichtet somit seine Arbeit nicht gut. Dadurch quält er seine Vernunft, sein Herz und seine Seele. Und dann fragt er sich. – Was erwartet mich im Jenseits?– Zähne knirschen! Was sollte man tun, um ein gutes, reines Leben zu bekommen? Jeder will gut leben; trotzdem vernachlässigt er sein eigenes Leben und interessiert sich für das der anderen. Ihr hört ständig, dass jemand nicht gut lebt, nicht gut denkt und fühlt, nicht rhythmisch geht. So darf nur jener handeln, der sein eigenes Leben geordnet hat. Aber gerade so jemand hilft den Menschen und urteilt nicht über sie. – Wie soll man sich bewegen? – Das ist eine Frage von großer Bedeutung. Es ist nicht egal wie du gehst und dich bewegst. Die vernünftige Welt zieht jede falsch verbrauchte Energie in Erwägung. Jede verbrauchte Energie sollte einen Gewinn bringen. Entsprechend hat der Mensch das Recht eine bestimmte Menge Energie zu verbrauchen, aber dafür soll er etwas gewonnen haben. Du kannst ins Theater oder Konzert gehen, aber dafür sollst du unbedingt etwas gewinnen. Somit wird die verbrauchte Energie gerechtfertigt. Wenn du nichts dazugewinnst, wird man dich dafür verantwortlich machen. Man muss im Leben für alles bezahlen. Wer dieses Gesetz nicht versteht, fragt sich, warum seine Arbeit ins Stocken gerät. Ganz einfach – du machst Fehler. Was wird von dem Geiger verlangt, der in einem Simphonieorchester spielt? Rein und exakt zu spielen. Wenn er Fehler macht und falsch spielt wird man ihn entlassen. Wer in der weiten Welt lebt darf Fehler machen. Aber wer sich auf das Reich Gottes vorbereitet darf keine Fehler machen, denn dann wird er dort nicht reingelassen. Ins Reich Gottes werden Menschen aufgenommen, die keine Fehler begehen und denen die Schwächen des einfachen Menschen nicht eigen sind. Jemand kritisiert seine Nächsten und bereitet sich darauf vor ins Gottes Reich einzutreten. Das ist unmöglich, denn dort ist Kritik völlig ausgeschlossen. Er kritisiert seinen Nächsten, aber er selber weiss nicht, wie er handeln soll. Würde er den Platz seines Nächsten einnehmen, so würde er vielleicht denselben Fehler, oder sogar einen größeren begehen. Zwei Freunde unterhalten sich und der eine fragt den anderen: Warum bist du ausgerutscht und hingefallen? – Ich konnte keinen Halt finden. – Warum konntest du das nicht? – Der Abhang war zu steil. Der Steilhang riss mich mit und ich konnte mich nicht festhalten. – Du bist willensschwach, deswegen konntest du dich nicht halten. – Zeig mir dann, wie ich mich verhalten soll. Was passiert letztendlich? Jener, der seinen Freund moralisiert, betritt den Steilhang, rutscht aber sofort aus und fällt sogar schlimmer als sein Freund. Und das ist natürlich. Welcher normale Mensch hat sich nicht verbrannt, nachdem man ihn ins heiße Wasser geworfen hat? Ihr werdet darauf erwidern, man solle aufpassen. Egal wie sehr man aufpasst, das heiße Wasser wird dich verbrennen. Einige Menschen passen extrem viel auf und trotzdem verbrennen sie sich den Fuß oder die Hand mit heißem Wasser. Wichtig ist, was man mit dem Verbrannten macht. Zuerst sollte man die Stelle mit Joghurt einreiben. Kehren wir zum Wesentlichen zurück. Was ist das Wichtigste im Leben? – Gott dienen. Gott zu dienen bedeutet, bereit zu sein sich gänzlich für die Liebe aufzuopfern. Welcher Mensch würde mitten in der Nacht aus seinem warmen Bett schlüpfen um einem Leidenden zu helfen? Er wälzt sich in seinem Bett hin und her und wird sein Rausgehen auf morgen verschieben unter dem Vorwand, das Wetter sei nicht gut und er wäre gerade nicht gut drauf. Er spricht über „Gott dienen“ und „Nächstenliebe“, ist aber nicht bereit das kleinste Opfer dafür aufzubringen. Das kann man nicht gerade Dienen nennen, das ist keine Liebe. Wenn man den Willen Gottes nicht erfüllen will, dann sagt man: Diese Arbeit ist nicht für mich. – Welche Arbeit ist denn für dich? Der Mann weigert sich seine Bestimmung zu erfüllen; die Frau will die ihre nicht erfüllen und die Kinder auch nicht. Letztendlich sind alle mit ihrem Leben unzufrieden. Ein Mann, der seine Frau mit seinem Verstand nicht beeinflussen kann, ist nicht an seinem Platz. Eine Frau, die auf ihren Mann mit ihrem Herzen nicht einwirken kann, ist fehl am Platz. Und schließlich, wenn die Eltern mit ihrem Herzen und Verstand keinen Einfluss auf ihre Kinder haben, sind sie als solche ungeeignet. Wer nur Kinder zur Welt bringt ist noch lange nicht Mutter und Vater. So eine Geburt gleicht der Geburt von Kücken im Brutkasten. Die Kücken werden dort ausgebrütet, haben aber keine Mutter. Es ist also nicht leicht ein Kind zur Welt zu bringen; es ist nicht leicht auf einen lichten Gedanken zu kommen, ein edles Gefühl wachzurufen, oder eine erhabene Tat zu vollbringen. Geburt bedeutet große Schmerzen und Leiden ertragen zu müssen. Viele fragen sich, warum man leiden muss. Auf diese Frage wird mit einer Gegenfrage geantwortet: Warum denn nicht? Solche Fragen zu stellen, würde bedeuten auch zu fragen, warum man atmen, essen und Wasser trinken muss. Kann man ohne Luft, Wasser und Essen leben? Wer ohne Luft, Wasser und Essen leben will, sollte ins Jenseits gehen, wo das Atmen und das Essen aufhören. Solange jedoch der Mensch auf der Erde ist, muss er atmen, essen und Wasser trinken. Das höchste Gut für den Menschen besteht darin, dass er Luft, Wasser und Essen aufnehmen kann. Das Erdenleben ohne Essen ist die reinste Hölle. Das Paradies der Erde steckt also im Essen. Will ein erhabenes Wesen das Paradies auf Erden sehen, so geht es unter die Menschen, während sie essen. Will man sich das Paradies im Himmel ansehen, dann steigt man in den Himmel, wenn die dortigen Einwohner speisen. Also sollte man eine klare Vorstellung vom Essen haben. Es ist großartig das zu essen, was Gott für den Menschen vor tausend Jahren vorgesehen hat. Schon bei der Erschaffung des Menschen enstand in Gott die Idee über seine Ernährung. Sich zu ernähren bedeutet das göttliche Leben in sich aufzunehmen. Und das bedeutet wiederum Licht, Luft, Wasser und Brot zu sich zu nehmen. Man sollte eine heilige Einstellung gegenüber dem Licht, der Luft, dem Wasser und dem Brot haben und sie verstehen. Es reicht nicht aus nur die Augen aufzumachen und dann zu behaupten – es sei ringsum hell; es genügt nicht die Lungen auszudehnen um Luft einzuatmen; es genügt nicht Wasser zu trinken und Brot zu essen und sich dabei zu denken, dass man den Hunger und den Durst gestillt hat. Auf diese Weise gehst du mit den Dingen mechanisch um. Du sollst die Lebensgüter mit Vernunft benutzen und sie nur bewusst und mit Liebe zu dir nehmen. Sonst wirst du das Licht um dich herum sehen, aber doch in Dunkelheit leben. Du wirst atmen, aber ersticken und nach Luft ringen. Du wirst Wasser trinken aber ständig durstig bleiben. Du wirst köstlich speisen und doch altern. Nehmt alles mit Liebe zu euch und nur auf diese Weise werdet ihr den Gottessegen genießen. Tut alles mit Liebe. Jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Tat sollen mit Liebe erfüllt sein. Unter der Liebe reifen die Früchte und werden süß; ohne Liebe bleiben die Früchte unreif und bitter. Unter der Liebe fließt das Wasser und tut seine Arbeit; ohne Liebe hört das Wasser auf zu fließen, wird zur Jauche und stinkt. Wo die Liebe waltet, herrscht Harmonie und Schönheit. Außerhalb der Liebe kritisieren sich die Menschen, werden böse, weinen, leiden und ihr Leben verliert den Sinn. Wo die Liebe ist, dort ist das Paradies. In der Lieblosigkeit ist die Hölle. Im Paradies herrscht das Gesetz der Freiheit und der Liebe. In der Hölle waltet das Gesetz der Einschränkung, Gewalt und Lieblosigkeit. An der Tür der Hölle steht geschrieben: Hier regieren die Starken. Folgerichtig: Wenn du denkst, die Kraft wird dir helfen, sollst du wissen, dass sich immer jemand findet, der stärker als du ist. Im Paradies dient der Starke dem Schwachen aus Liebe. In der Hölle dient der Schwache dem Starken unter Zwang. Was bedeutet zu dienen? – Es bedeutet das Gesetz der Liebe vernünftig anzuwenden. Es ist leicht darüber zu reden; man muss auch wissen, wie man dienen soll. Wie kann die Mutter das Neugeborene stillen, wenn sie keine Milch hat? Also soll der Diener Milch und Nahrung für diejenigen haben, für die er sorgt, um ihnen das Leben zu erhalten. Das beinhaltet der folgende Vers: “Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ (Joh. 6:53)* Ihr werdet sagen, es gäbe etwas Widersprüchliches in diesem Vers. Wieso kann sich das Kind mit Muttermilch ernähren und der Erwachsene schafft das nicht mit dem Fleisch und dem Blut Christi? Das, was die Milch für das Kind darstellt, ist das Fleisch und das Blut Christi für seine Anhänger. Das Fleisch und das Blut Christi verkörpern das Wort Gottes. Deswegen sagt Christus: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“(Matth. 4:4) Im Evangelium steht noch geschrieben: “Alles, um was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr es empfangt, so wird es euch zuteil werden.“(Markus 11:24) „Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.“ (Matth. 18:18) „Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein Taten wie die mit dem Feigenbaum tun, sondern, wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich und wirf dich ins Meer, so wird’s geschehen.“ (Matth. 21:21) All das ist möglich, wenn es im Namen Gottes geschieht, wenn ihr das Wort Gottes anwendet. – Können sich Berge versetzen?– Der Berg steht hier für gewisse Schwierigkeiten. Warum solltest du nicht im Namen Gottes die Schwierigkeit aus deinem Weg räumen und dann dich frei weiter fortbewegen? Es ist eine große Kunst Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen und Prüfungen zu bestehen. Um das zu bewerkstelligen benutzt der Gläubige seinen Glauben und der Gelehrte sein Wissen. Dafür benötigt man aber einen starken Glauben und ein großes Wissen. Ein armer, religiöser Mensch hat Gott ständig um Hilfe gebeten, damit sich sein Leben auf irgendeine Weise verbessert. Obwohl er arm war, ist er mit seiner Situation zufrieden gewesen. Seine Frau aber hat ihn ständig beschimpft und ihm seinen Glauben und seine Zuversicht in Gott vorgeworfen. Sie hielt ihm diese Tugend vor die Nase und sagte: Was nützt dir dein Glaube an Gott? Sieh deine Nachbarn, sie glauben nicht an Gott, erweisen niemandem Wohltaten, aber ihr Leben bessert sich mit jedem Tag. Ihre Getreidespeicher sind voll, die Zahl der Rinder steigt, ihr Geld vermehrt sich. Der arme Mensch war den Vorwürfen seiner Frau überdrüssig geworden, doch er murrte nicht. Es geschah, dass sein reicher Nachbar krank wurde, auf dem Sterbebett lag und keiner konnte ihm helfen. Gott gab dem Armen ein, er solle zwanzig Weidenblätter nehmen und sie kochen lassen. Dann sollte er den Auszug dem Kranken zu trinken geben, unter der Bedingung, dass dieser ihn reich belohne. Wenn er ihn gut bezahle, würde der Kranke genesen; ansonsten würde er ins Jenseits übergehen. Der arme Nachbar folgte dem Rat Gottes und erschien vor dem Kranken mit der vorbereiteten Medizin. Er hat ihm auch die Worte Gottes ausgerichtet, wie es ihm eingeflüstert wurde. Der Reiche, zufrieden über diesen Glücksfall, sagte zu seinem Nachbarn: Mein Freund, ich gebe dir zweihunderttausend Leva. Falls nötig, gebe ich dir das Doppelte. – Zweihunderttausend Leva sind genug, – antwortete der arme und bescheidene Nachbar. Der Kranke trank die Medizin und sein Zustand besserte sich nach einigen Tagen. Ihr werdet sagen, der Arme habe ihn erpresst. Das ist keine Erpressung, sondern eine Methode, mit deren Hilfe der Reiche sein Herz zu öffnen lernt. Reden wir von Erpressung, so bedienen sich alle gegenwärtigen Menschen der Gewalt und verschließen bewusst ihre Augen damit sie nicht sehen und verstehen. Wem gehört das Gold der Welt? Wem gehört der Weizen? Wem gehören alle Lebensgüter? Alles gehört den erhabenen, vernünftigen Wesen, die im Namen Gottes arbeiten. Trotzdem benutzen die Menschen diese Güter und verfügen über sie, wie sie es für richtig halten. Mit ihrem Gold werden große Verbrechen begangen. Die Amerikaner, ein Volk, dass als klug gilt, hatten vor Jahren Weizen im Überfluss und beschlossen Weizen statt Kohle zu benutzen. Sie fanden heraus, dass man bei diesem großen Ernteertrag die Kohle durch Weizen für Industriezwecke ersetzten könnte. Aber hätte es sich dabei nicht um Gewalt gehandelt? Denn der Weizen wurde den Menschen für Ernährungszwecke gegeben und nicht als Brennstoff. Jedes Volk missversteht teilweise das Gesetz Gottes, wofür es bestimmte Folgen trägt. Viele treiben Missbrauch mit dem Weizen. Die Hersteller wollen ihn teuer verkaufen, um einen Gewinn zu erzielen und die Käufer wollen ihn billiger kaufen mit demselben Wunsch. Es ist nicht erlaubt Missbrauch mit dem Weizen zu treiben. Verkaufe ihn zu einem Preis, der deine Kosten und Arbeit deckt. Kaufe ihn zu einem Preis, welcher den Hersteller nicht benachteiligt. Der große Ernteertrag geschieht nicht nur dank der äußeren Bedingungen, sondern vielmehr wegen der inneren. Sind sowohl die äußeren, als auch die inneren Umstände günstig, so wird der Ertrag noch höher. Heute beklagt sich der Landwirt über das schlechte Jahr und den schlechten Ernteertrag, usw. – Warum? – Weil er ohne Liebe arbeitet. Er pflügt seine Äcker ohne Liebe; er schlägt die Rinder, streitet mit seinen Arbeitern, seiner Frau, seinen Kindern. Er mäht das Feld und mahlt das Getreide ohne Liebe. Der Bäcker knetet und backt das Brot ohne Liebe. Wozu kann ein solches Brot gut sein? Macht den Versuch und sät ein Dekar mit Getreide und arbeitet die ganze Zeit über mit Liebe erfüllt; pflügt den Boden, säet und mäht den Weizen mit Liebe. Dann mahlt das Korn liebevoll in der Wassermühle, knetet und backt das Brot voller Liebe. Esst danach davon und ihr werdet das Ergebnis feststellen. Während der ganzen Arbeit sollt ihr niemandem ein böses Wort sagen oder ein schlechtes Gefühl zulassen. Das bedeutet alles mit Liebe tun. Welche ist die Eigenschaft, die den guten Menschen auszeichnet? Woran erkennt man wer ein gutes und wer ein schlechtes Leben führt? Darauf sollt ihr eine Antwort finden. Wichtig ist, dass Gott jeden, der Gutes tut, segnet. So haben die Bulgaren etwas Gutes dieses Jahr getan und dafür bekamen sie einen hohen Ernteertrag. Wofür aber, das werde ich geheimhalten, damit sie nicht in Versuchung kommen. Wenn sie weiter so machen, erwartet sie in der Zukunft ein noch größerer Erfolg. Leben sie aber nicht in Güte, so wird man ihnen alle Lebensgüter wegnehmen. Gott ist streng, er ist kein Heuchler. Jeder Mensch, egal ob religiös oder nicht, soll mindestens eine gute Eigenschaft besitzen. Der weltliche Mensch ist offen und bereit seine Fehler zu gestehen. Wenn er nüchtern ist, verschließt er sich. Wenn er betrunken ist, wird er aufrichtig. Ich begegnete einem Betrunkenen, der auf der Straße torkelte, er hielt mich für einen Augenblick an und sagte: Mein Herr, seht wie ich mich wie ein Esel betrunken habe. – Das stimmt nicht, der Esel betrinkt sich nicht, da er nur reines, gutes Wasser trinkt. Gehst du ihm nach, so wirst du erfahren, wo sich das beste Wasser befindet. Du aber trinkst aus den Weinfässern der Kneipenwirte und deshalb betrinkst du dich. – Schau Herr, Gott hat mich als Mensch geschaffen, mit Würde, ich jedoch treibe mich herum, falle auf die Straßen und erhebe mich dann wieder. Wie kann ich mich von dieser Schwäche befreien? Ganze zwanzig Jahre diene ich dem Wein. Ich will mich von diesem Herrn befreien, doch er hält mich fest und reitet mich. Er zwingt mich zu trinken und danach lacht er mich aus. Ich falle auf den Boden, schlage mir den Kopf auf und er steht teilnahmslos daneben und grinst. – Es hängt von dir ab diesen Herrn zu verlassen. Wenn du den aufrichtigen Wunsch hast, dich von ihm zu befreien, so werde ich dir helfen und dir beibringen reines Wasser statt Wein zu trinken. Oft werden die Menschen zornig und lassen ihrer Wut freien Lauf. Damit verderben sie sich die gute Laune. Gerade erst ist ein erhabener Geist zu Besuch gekommen, hat gute Laune, gute Arbeitsbedingungen geschaffen und da wird man zornig, fängt an zu schimpfen und sich zu ärgern und verliert das erworbene Gut. Warum hält man sich nicht zurück? Kommt die Liebe zu dir zu Besuch, so gehe mit ihr vorsichtig um, um sie nicht zu verlieren. Ein junger Bulgare heiratete, aber seine Geschäfte liefen nicht gut. Sein Lohn war niedrig und reichte kaum für den Lebensunterhalt. Seine Frau bekam ein Kind und er war ratlos und wußte nicht wie er das Geld für die Taufe beschaffen sollte. Am nächsten Tag, auf dem Weg zur Arbeit, fand er auf dem Boden hundert Lewa. Er hob sie auf und freute sich über die Gelegenheit das Kind taufen zu lassen. Damals waren hundert Lewa viel Geld. Kurze Zeit darauf beförderte ihn sein Direktor. Von Tag zu Tag liefen seine Geschäfte immer besser und seine Lage verbesserte sich. So ging es sechs Jahre lang bis zu dem Tag, an dem er sich eines Vergehens schuldig machte und einen Fehler zuließ. Bald darauf erkrankte sein Kind und starb. Danach wurde er entlassen und seine Geschäfte liefen immer schlechter. – Warum? – Er machte einen Fehler in Hinsicht auf die Liebe. Folglich: geht behutsam mit der Liebe um. Wenn sie euch eine Visite abstattet, bringt sie viele Lebensgüter und den Gottessegen mit sich. Begeht ihr irgendeinen Fehler ihr gegenüber, wird sie euch sofort verlassen. Verliert ihr die Liebe, so verliert ihr alle Lebensgüter, die sie mibringt. Nachdem ihr das wisst, verzichtet nicht auf sie. Es wird an der Zeit, dass die Menschen die Liebe annehmen und damit ins neue Leben übergehen. Die Erde verlässt schon die dreizehnte Sphäre, in der sie sich bis jetzt befand – ein Bereich voller Leiden und Prüfungen, Schwierigkeiten und Unglück. In Zukunft sollten keine schlechten Menschen mehr auf die Erde kommen, denn die Lebensbedingungen werden sich ändern. Sie werden so verschwinden wie die großen vorsintflutlichen Tiere verschwunden sind. In der Bibel steht: “Die Sanftmütigen werden das Erdreich besitzen.“ (Matth.5:5) Wieviele Menschen wollen sich heute um dieses Erbe bewerben? Nur wenige sind bereit das Erdenreich zu besitzen. Es gibt heutzutage viele Geiger, aber nur wenige können in einem Sinfonieorchester spielen. Auf der Erde gibt es viele Christen, aber nur wenige von ihnen spielen im Sinfonieorchester des Lebens. Es ist nicht leicht nach allen Regeln der neuen Musik zu spielen. Die Zeit ist reif, dass ein jeder versucht, seine Kunst, Kraft und Fertigkeiten beim Spielen und bei Wohltaten zu zeigen. Vor Jahren fuhr ich bei meiner Rückreise nach Bulgarien auf einem Schiff. Neben mir saßen ein junges, gut angezogenes Mädchen und ein Dieb, der nur darauf wartete es zu berauben. Gerade wollte er in ihre Tasche greifen, da sah ich ihn an und drohte ihm. Er verstand mich und gab es auf. Dann schaute ich in eine andere Richtung und da dachte der Dieb, ich hätte ihn vergessen und versuchte erneut, in die Tasche des Mädchens zu greifen. Ich sah ihm in die Augen und drohte ihm. Er hörte auf und tat so, als hätte er keine bösen Absichten. Als er merkte, dass ich ihn ständig beobachte, dachte er, ich sei ein größerer Meister als er und gab den Gedanken auf, das Mädchen zu berauben. Ich sah ihn wieder an und sagte ihm in Gedanken: Wenn du die Menschen berauben willst, dann solltest du wenigstens zu einem Reichen gehen. Dann wird es genug für dich und für ihn geben. Was könntest du von dem Mädchen stehlen, es hat kaum genug für sich. Folglich, wenn du ein Dieb bist, solltest du wissen wohin du zu gehen hast und wen du bestehlen kannst. Wenn du ein Prophet oder Wahrsager bist, sag dem Menschen, was ihm fehlt. Jemand geht zu einem Wahrsager um zu erfahren, wann er heiraten soll, ob er glücklich sein wird usw. Das sind menschliche Dinge. Sag dem Menschen was ihm fehlt, damit er weiß (ss nach kurzen Selbstlauten, ß – nach langen Selbstlauten und Umlauten, und immer nach ei, au, ie usw!), wie und woran er arbeiten soll. Wenn ich ein Wahrsager wäre, so würde ich den heutigen Menschen Folgendes sagen: Eure Herzen sind kalt und euer Verstand befindet sich in Dunkelheit. – Warum?– Weil eure Herzen für die Liebe Gottes, euer Verstand für die Weisheit Gottes und für sein Licht verschlossen sind. Was ist das für eine Liebe, die heute den Menschen wärmt und ihn morgen erfrieren lässt? Ein junger Mann kommt in euer Haus, ihr heißt ihn willkommen, er aber entführt eure Tochter. Sie verlässt das Zuhause und läuft mit dem jungen Mann weg, der von Liebe redet. Nach einem Jahr verlässt eure Tochter das Haus ihres Liebsten und kehrt zu euch zurück. Das ist doch keine Liebe! Man fragt mich oft, ob ich von Gott geschickt worden bin oder nicht. Ja, ich und nicht nur ich, sondern alle Menschen sind von Gott geschickt worden. Darin besteht kein Zweifel. Wichtig ist aber, ob wir den Willen Gottes erfüllen. Zum Beispiel schickt Bulgarien einen Botschafter in ein Land um es dort zu vertreten. Zweifellos ist er ein Botschafter, wichtig aber ist, ob er das Nötige tut, um seinem Land zu dienen. Jemand gilt als guter Mensch, wichtig aber ist, ob er als Lehrer gut ist. Ein begabter Lehrer wird von seinen Schülern mehr und mehr geachtet. Die Menschen haben noch keine klare Vorstellung von Gott und ihrer Beziehung zu Gott, deswegen denken sie so leben zu können, wie sie es verstehen. So ist es aber nicht. Wenn die Pflanze, der Fisch, der Vogel, das Säugetier so leben, wie sie es für richtig halten, ist das ihr gutes Recht. Dem Menschen jedoch ist das nicht erlaubt. Wenn dein Großvater ein Säufer war und auch du seinen Weg gehst, da kannst du dich nicht herausreden, dass du nur so ein Leben kennst. Vor allem ist das nicht deine Auffassung vom Leben. Nur der freie Mensch begreift die Sachen richtig. Frei ist jener, dessen Verstand, Herz, Seele und Geist frei sind. Die Freiheit des Menschen hängt davon ab, wie man die Liebe, die Weisheit und die Wahrheit anwendet. Bist du ein Bulgare, dann sollst du frei sein und die großen Gesetze Gottes und Tugenden anwenden. Bulgarien braucht gute, kluge und gerechte Mütter und Väter, Lehrer und Pfarrer, Beamte, Regierende. Woher werden diese Bulgaren kommen? Etwa aus dem Ausland? Sie kommen wiederum aus Bulgarien, nur sollten sie sich darauf vorbereiten. Das bulgarische Volk sollte bewusst damit beginnen, echte Musikanten, Schriftsteller, Wissenschaftler, Maler und Poeten vorzubereiten. Die Bulgaren sollen Träger der Liebe Gottes (често обръщаш тези свързани думи. По-нормално е да пишеш в генитив след определението думата “Бог”, недей и много да ги свързваш в една дума – н.пр. Gottesliebe, Gottesgesetze usw.) sein. Es gibt auf der Erde zwei Arten von Menschen: die einen sind Träger der Liebe und die anderen – der Lieblosigkeit; des Lichts und der Dunkelheit, der Gerechtigkeit und der Ungerechtigkeit. Das Ergebnis hängt davon ab, ob man das eine, oder das andere anwendet. Die heutigen Kriege, Unruhen und Chaos sind auf die Lieblosigkeit, Dunkelheit und Ungerechtigkeit zurückzuführen. Und das wiederum ist eine Folge der Vergangenheit der Menschen. Das Ende des Jahrhunderts naht und laut den Hindus ist die Zeit herangereift um mit dem menschlichen Karma abzurechnen. Es ist die Zeit gekommen, wo alle Schulden bezahlt werden müssen. Ein Aufschub ist absolut ausgeschlossen. Sobald die Schulden bezahlt sind, erneuern sich die menschlichen Herzen und ihr Verstand. – Wir sind schon alt geworden und können nicht weiterarbeiten. – Gerade jetzt taugt ihr für die Arbeit. Ihr sollt jetzt das neue Licht und die Wärme in euch aufnehmen und damit das Niveau eurer Herzen und eures Verstandes anheben. – Ich kann das nicht alleine schaffen, dazu brauche ich eine gute Frau und gute Kinder. – Ich glaube die gute Frau und die guten Freunde behindern in gewissem Sinne den Menschen. Die gute Frau befriedigt alle Bedürfnisse ihres Mannes und die guten Freunde essen und trinken mit ihm tagelang, bis sie ihn zugrunde richten. Deswegen ist es manchmal gut eine schlechte Frau und schlechte Freunde zu haben, damit man ständig auf der Hut ist. Somit lernt man zu arbeiten, seinen Verstand, seinen Willen, und sein Herz in Aktion zu setzen. Viele reden über neue Ideen und neue Menschen. – Wodurch zeichnet sich der neue Mensch aus? – Durch die inneren Möglichkeiten, die in ihm verborgen sind. Es ist unwichtig, ob man viel Wissen besitzt; wichtig ist, dass man es anzuwenden weiss. Eine Oma erzählte mir Folgendes: Mein Sohn, ich weiss nicht, was mit mir los ist. Ich bin kein gebildeter Mensch, aber wenn ich die Hände auf einen Kranken lege, ist er in wenigen Stunden gesund. Egal, was ihm weh tut– ob Kopf, Brust, Bauch, Bein oder Arm, es reicht, dass ich ihn an der kranken Stelle anfasse und da vergehen seine Schmerzen. Ich weiss selber nicht, wie ich die Menschen heile. Geld nehme ich nicht. Falls mir jemand etwas freiwillig gibt, aus Liebe heraus, nehme ich es dankbar an. Ich bin auch dankbar, wenn er mir nichts gibt. Falls man an diese Heilungsmethode nicht glaubt, sucht man nach einem Arzt. Auch gut, aber falls es keinen Arzt gibt, wäre es besser sich von einem gelehrten Bruder oder Schwester behandeln zu lassen und dabei sollten sie ihre Hände auf den Kranken legen, um ihm zu helfen. Also bedenkt: Ohne Liebe ist das Leben eine Qual; mit Liebe ist das Leben Paradies und Seligkeit. Wo die Liebe ist, da ist alles angenehm. Bulgaren, wenn ihr die Liebe besitzt, warum geratet ihr dann in Verwirrung und macht euch Sorgen? Seht, wie schön der heutige Tag ist! Ihr schaut die Sonne an, freut euch darüber und fragt euch gleichzeitig: Werden Flugzeuge von oben kommen und uns bombardieren? (тук е добре да добавиш футнот – че die Rede wurde während des 2. Weltkrieges gehalten. Sofia wurde von den Engländern bombardiert) – Das hängt von euch ab. Falls ihr der Liebe in euch Platz macht, wird keiner euch angreifen; nehmt ihr aber die Liebe nicht auf, so wird man euch im Krieg schlagen. Also werden normalerweise die Menschen der Lieblosigkeit geschlagen. Heute kämpfen christliche Völker gegeneinander, weil sie untereinander keine Liebe haben. Warum können sie sich denn nicht an Gott wenden und die Liebe anwenden? Dabei handelt es sich um kluge Menschen, die miteinander kämpfen. – Warum kämpfen die heutigen Völker? – Das ist ihre Sache, sie tragen die Verantwortung dafür, was sie tun. Jemand denkt, er hätte sich zu Gott gewandt, dabei bekriegt er sich weiter mit seinen Nächsten. Wer von den Menschen hat den Willen Gottes so erfüllt wie es sich gehört? Wer hat für die Menschen uneigennützig Musik gemacht, ohne dabei an eine Bezahlung zu denken? Jeder, der die Bühne betritt um zu spielen, denkt daran, wieviel man ihm bezahlen wird. Jemand liebt jemanden, hat aber im Sinn, was dieser für ihn bereits getan hat. – Das ist unwichtig. Zuerst sollte man lernen zu lieben und erst danach soll dich die Liebe der anderen interessieren. Ein junger Mann erzählte, dass er, bevor er sich verliebt hatte, ein Rowdy war, denn er hat seine jüngeren Geschwister geschlagen. Nachdem er sich verliebt hatte, hat er damit aufgehört. – Ob das möglich ist? – Für einen Musikanten ist alles möglich. Ein Bulgare predigte gern von Gott. Wohin er auch ging, immer predigte er. Da man ihn nur reden hörte, sagte man zu ihm: Das kann ja jeder. Mache etwas, damit wir sehen, wie du arbeitest. Da nahm er die Geige heraus und begann zu singen und zu spielen. – Alle waren von seinem Spiel gefesselt. Als er mit dem Spielen aufhörte, sagten die Leute: Dieser Mensch hat sich das Essen verdient. Sie haben ihn gut bewirtet und luden ihn wieder zum Spielen ein. Das ist Liebe. Wer nicht singen und spielen kann, hat keine Liebe in sich. Was macht das junge Mädchen, wenn es verliebt ist? Es beginnt zu singen. Verliert es die Liebe, dann verstummt es. Also ist das erste Merkmal der Liebe das Singen. Deswegen sagt man auch: “Wer singt, denkt nichts Böses.“ Der Liebende hat besondere Merkmale. Wenn du seine Hand anfasst, wirst du eine gewisse angenehme Wärme spüren. Gleichzeitig dehnt er sich sowohl physisch, als auch psychisch aus. Messt ihr seine Hand oder seinen Hals bevor er seine Liebe zum Ausdruck bringt und danach, werdet ihr eine bestimmte Ausdehnung feststellen können. Das Gesicht eines Liebenden strahlt Licht aus, denn er steht in Verbindung mit der vernünftigen Natur. Lieben bedeutet über das Kapital der ganzen Natur zu verfügen. Der Liebende nutzt die Lebensenergie aller Menschen. Deshalb wird er leicht mit seinen Aufgaben und seinen Schwierigkeiten fertig. Was wird von den heutigen Menschen verlangt? – Sie sollen die Liebe mit Rücksicht auf alle Lebewesen anwenden – von den kleinsten bis zu den größten. Wer liebt, verhält sich gleichermaßen zu Pflanzen und zu Menschen. Er kennt die Bedürfnisse aller Wesen und leistet ihnen Hilfe zur rechten Zeit. Die Pflanze braucht guten Boden und gutes Wasser. Wenn du sie nicht gießt, vertrocknet sie bald. Aus demselben Grund sage ich: Leben, das nicht mit Liebe begossen wird, ist Leiden ausgesetzt. Verstand, der nicht mit Liebe begossen wird, ist Einschränkungen und Irrtümern ausgesetzt. Eine lieblose Seele wird zu Tod und Leiden verurteilt. Das Einzige, was den Menschen unsterblich macht, ist die Liebe. Aus diesem Grund ist der Mensch auf die Erde gekommen. Folglich: Studiert alle Auswirkungen der Liebe, angefangen mit den materiellen bis hin zu den göttlichen. Jede Tat, bei der die Liebe mitwirkt, ruft Dankbarkeit und Zufriedenheit in den Menschen hervor. Wird der Kranke nicht demjenigen danken, der ihn auskuriert hat? Wer wird dem Arzt nicht danken, der ihm das gebrochene Bein eingerenkt hat? Wie wird der Zustand eines Menschen sein, den man aufhängen will und dann kommt ihr und befreit ihn von dem Seil und schenkt ihm das Leben? Er wird ein neues Leben anfangen und bleibt euch auf ewig dankbar. Wenn ihr ein Haus betretet und Frieden und Einigkeit unter den Bewohnern schafft, denkt ihr etwa, man wir euch dafür nicht dankbar sein? Wenn sich die Menschen gegenseitig brauchen und sich helfen, warum soll es Steit, Zwietracht und Erbitterung geben? Haben etwa die Menschen die Erde geschaffen, um sie jetzt untereinander teilen zu wollen? Gott schuf den Himmel und die Erde. Folglich sollen die Menschen die Gesetze Gottes befolgen, die in ihrem Verstand, ihren Herzen und Seelen geschrieben stehen. Wer sie einhält, dem wird es ein Leichtes sein auch die menschlichen einzuhalten. Wer aber die Gesetze Gottes nicht achtet, der stößt selbst auf Widersprüche und Hindernisse. Was will der heutige Mensch? Will er Land, so gibt es genug davon. Hat er nicht genug auf der Erde, so soll er auf den Mond, Jupiter oder Venus gehen, wo die Dimensionen größer sind. Warum sollen wir Gott nicht vertrauen, der uns auf die Erde geschickt hat? Solange wir in Gott leben und uns bewegen, berücksichtigt er unsere Bedürfnisse und befriedigt sie. Warum sollten wir Gott nicht voll Liebe und Vertrauen dienen? Warum sollten wir nicht bereit sein wenigstens soviel für Gott zu opfern, wie der Mann für die Frau, die Frau für den Mann und die Eltern für die Kinder opfern? Wenn sich alle Menschen für Gott opfern und für die große Liebe, würden sich die schwierigen Fragen leicht lösen. Das Menschenleben ist von kurzer Dauer. Das bedeutet, dass auch die Güter, nach denen die Menschen streben, vergänglich sind. Es gibt ewige Güter, die im Menschen selbst vorhanden sind. Trotzdem strebt jeder nach dem, was heute erhältlich ist. Nur wenige denken an die Zukunft, die ewige Güter mit sich bringt. In welchem Zustand befindet sich der Soldat, der zum Schlachtfeld geht? In welcher Lage befindet sich die Mutter, deren Kinder eins nach dem anderen sterben? Auf welche Güter darf sie denn hoffen? Alle Menschen leiden und suchen den Grund dafür, aber selbst wenn sie ihn finden sollten, könnten sie sich nur sehr schwer ändern. Alles hat seinen Grund. Oft sterben Kinder wegen Hass. Der Vater verliebt sich in eine andere Frau, welche in Konflikt mit seiner ersten Frau gerät. Falls sich die zwei Frauen nicht versöhnen, beginnen die Kinder der ersten Frau eins nach dem anderen zu sterben. Ihr werdet sagen, dieser Mann hat richtig gehandelt, denn er hatte sich scheiden lassen von seiner ersten Frau und heiratete nun die zweite. Aber diese Tatsache führt nicht zur Versöhnung beider Frauen. Nach einiger Zeit kann sich der Mann in eine dritte Frau verlieben und die zweite betrügen. Dann werden sich die zweite und die dritte hassen und infolgedessen werden die Kinder der zweiten Frau sterben. Man darf die Liebe nicht missbrauchen. Man soll vor allem Gott lieben, um nicht die Liebe zu entstellen. Und dann wird die Liebe zu Gott zugleich Liebe zu allen sein. Und die Liebe zu allen wird Liebe zu dem Einzigen sein. Ist die Liebe zu Gott nicht der Ausgangspunkt, so wird der Mensch mit seiner Liebe verschwenderisch umgehen. Und letztendlich wird er vor den Menschen Angst bekommen und sich von der öffentlichen Meinung beeinflussen lassen. Er will nicht wissen, was Gott über ihn denkt, berücksichtigt aber die öffentliche Meinung und die der Menschen. Jeder möchte sich ausleben, wie es ihm beliebt und danach komme, was wolle. Muss er sterben, so soll es geschehen, aber wichtig ist, dass er das Leben vorher wenigstens genossen hat. Was ist der Tod? Wisst ihr was es bedeutet zu sterben? Du wirst sagen, wenn du stirbst, dann wird man dich begraben und damit endet alles, was dich betrifft. Aber so ist das nicht. Dein Körper wird verwesen, du wirst wirklich aufhören zu atmen, doch dein Bewusstsein wirst du behalten. Du wirst alles hören, was in deiner Nähe geschieht, wirst dich quälen und das Grab umkreisen, ohne es verlassen zu können. Merkt euch: Der Mensch ist nicht auf die Erde gekommen, um sich nur zu vergnügen, sondern auch um zu lernen und schöpferisch tätig zu sein, um die Liebe Gottes zu empfangen und sie weiterzugeben. Wenn jemand meint, er könne nicht lieben, dann sagt er nicht die Wahrheit. Ein echter Mensch ist, welcher die Liebe empfängt und sie weitergibt. Hütet euch davor das Vertauen dessen zu verlieren, der uns auf die Erde geschickt hat. Gott behandelt alle Lebewesen gleich. Er gibt allen die Freiheit sich so zu äußern, wie sie es für richtig halten. Gott lässt jeden die Folgen seines Lebens tragen. Wenn er gut gelebt hat, dann trägt er die Folgen des Guten; falls er aber schlecht gelebt hat, dann wird er die Folgen des Bösen tragen müssen. Was man gesät hat, das wird man auch ernten. Gott sagt dem schlechten Menschen: Ändere dein Leben! Dem Guten sagt er: Folge diesem Weg weiter und gehe vorwärts. Christus sagt:“Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“(Joh. 17:3) Christus kam auf die Erde in einem Moment, wo die Welt voll heidnischer Ideen war. Trotzdem predigte er das Wort Gottes, predigte Liebe mit dem einzigen Wunsch, den Verstand der Menschen vom Irrglauben zu befreien. Er wollte ihnen Licht bringen und sie erleuchten. Die heutigen Christen haben verhältnismäßig mehr Freiheit als die Heiden, denen Christus gepredigt hat. Die heutige Freiheit der Menschen ist dem Christentum zu verdanken und den christlichen Müttern und Vätern. Soll die Menschheit hier halt machen? Warum arbeiten die Menschen nicht an ihren Herzen, um die echte Liebe zu erwerben und so eine totale Befreiung von dem Heidentum zu erreichen? Die Liebe ist imstande die Welt umzugestalten. Denkt über die Liebe nach, arbeitet damit um euer Leben zu verbessern. Viele beschweren sich über ihre Leiden, die Armut und suchen einen Weg sich davon zu befreien und besser zu leben. Nur die Liebe kann den Menschen von seinen Leiden und der Armut befreien. Wenn du arm und arbeitslos bist, so sammle Pfirsich-, Pflaumen- und Aprikosenkerne und pflanze sie ein. Nach einigen Jahren werden tausende Obstbäume gewachsen sein, die dich reich machen werden. Pflanze Samen und Kerne von Früchten, aber mit Liebe. Falls du dies nicht tun kannst, so fülle einen Tonkrug mit frischem, reinem Wasser und gehe auf die Straßen, wo die Reichen spazierengehen. Bekommen sie Durst, dann werden sie um Wasser bitten und ihren Durst stillen wollen. Biete allen Durstigen Wasser an, ohne von ihnen etwas zu erwarten. Wenn sie zufrieden sind, werden sie dich von allein belohnen. Tu alles mit Liebe und denk nicht an die Belohnung. Die Liebe wird dir den Weg bahnen. Sie verfügt über viele Methoden mit deren Hilfe der Mensch sein Leben verbessern kann. Die Schwiegertochter beschwert sich über ihre Schwiegermutter. – Warum? – Weil ihre Schwiegermutter sie nicht liebevoll behandelt. Die Schwiegertochter soll die Liebe über die Schwiegermutter walten lassen. Wie soll ihre Liebe zur Geltung kommen? – Indem sie für ihre Schwiegermutter kocht, ihre Kleider wäscht und das mit Liebe tut. Statt ihre Kleider zu zerknittern und sie „Blutsäugerin“ zu nennen, sollte die Schwiegertochter sie einfach nur waschen und währendessen nur Gutes über sie denken. Warum sollte die Schwiegertochter ihre Schwiegermutter nicht als ihre Mutter betrachten? Wenn sie ihren Sohn liebt, warum sollte sie nicht auch diejenige lieben, die ihn geboren hat? Es ist merkwürdig wie du Äpfel und Birnen mögen kannst, aber nicht den Baum, auf dem sie gewachsen sind. Ihr werdet sagen, die Schwiegereltern seien schlecht. So ist es aber nicht. Jeder Baum, der gute Früchte trägt ist auch gut. Sorgt liebevoll für den Baum damit die Früchte gut werden. Christus sagt an einer Stelle Folgendes:“ Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt ist ein Dieb und ein Räuber.“(Joh.10:2) Wer auf die Erde gekommen ist und Gott nicht dient ist ein Räuber und Dieb. Wer ein Diener Gottes ist, ist ein guter Mensch. Ich wünsche euch, Diener der Liebe zu sein. Wendet die Liebe bei den geringsten Taten an. Falls ihr ein eigenes Stück Land habt, pflanzt dort verschiedene Obstbäume an. Wenn das nicht der Fall ist, dann könnt ihr in fremden Gärten und auf Ackern Bäume pflanzen. Wichtig ist sich mit Obstbäumen zu beschäftigen. Singt ein Lied beim Sonnenaufgang oder spielt etwas auf der Geige, oder am Klavier. Gut ist es auch nach dem Sonnenuntergang eine reine Wasserquelle zu besuchen und sich frisches Wasser zu holen. Bereut nicht das bisschen verlorene Zeit, eure Mühe wird sich auszahlen. Das Wasserholen erneuert und stärkt den menschlichen Organismus. Ihr werdet sagen, das Alter naht und ihr müsst auf eure Kräfte achten. Wo die Liebe ist, dort existiert kein Altern. Altern bedeutet Lieblosigkeit. Es steht in der Bibel:“Wer die Liebe erwartet, der wird sich erneuern.“ Die Erneuerung hat etwas mit der Auferstehung zu tun. Auferstehen heißt – das Reich Gottes betreten zu dürfen. Wer im Reich Gottes lebt ist bereit, alles, was Gott ihm gegeben hat, zu realisieren. Falls das Gefühl für Musik eines Menschen gut entwickelt ist, wird er auf dem Gebiet der Musik arbeiten und sich so als Musiker behaupten. Der Musiker wird also durch die Musik Gott dienen, der Maler – durch seine Kunst und der Landwirt – durch seine Äcker. Solange er auf der Erde ist, wird der Mensch mit allen Mitteln und Methoden, die ihm das Erdenleben ermöglicht, Gott dienen. Neue Zeiten kommen, neue Bedingungen, neues Leben. – Für wen?– Für die guten Menschen. Nur die guten und liebenden Menschen haben eine Zukunft. Nur sie haben gute Bedingungen. Für die schlechten Menschen und für jene, die in Lieblosigkeit leben, gibt es keine Zukunft, keine guten Bedingungen. Das ist ein Gesetz, das ihr selber ausprobieren werdet. Wer sein Schicksal mildern und dem Karma ausweichen will, soll freiwillig die Liebe anwenden und nicht gezwungenermaßen. Die Liebe befreit den Menschen von allen Schwierigkeiten und Leiden, von allen Gegensätzen und Irrtümern. Es genügt, wenn sich die Raupe in einen Schmetterling verwandelt, um sich von ihren Schwierigkeiten zu befreien. Der Schmetterling ernährt sich mit reinem und gutem Essen. Darum wendet die Liebe an und geht vorwärts. Was beinhaltet die Liebe? Für einige ist die Liebe eine verlorene Sache, die nichts gibt. Das stimmt nicht. Die Liebe ist eine mächtige Kraft. Wenn ein Mensch der Liebe an einen Kranken vorbeikommt und seinen Blick auf ihn richtet, wird ihn die Krankheit sofort verlassen. Wenn der Liebende an einem Bettler vorbeikommt, dessen Becher leer ist, reicht es, wenn er sich gedanklich bückt und ihm eine Münze hinwirft, damit alle Passanten dasselbe tun. Wer an den Bettler vorbeigeht, legt in sein Tellerchen eine gewisse Summe und so wird in ein, zwei Stunden das Tellerchen voll sein. Bewusst oder unbewusst folgen die Menschen den Liebenden auf dem Fuße und machen es ihm nach. Und wenn ihr das schon wisst, wendet die Liebe an – mutig und ständig. Wer die Liebe anwendet, dem wird kein Haar gekrümmt ohne Gottes Willen. So sagte einmal Christus. An diesem Vers erkennt man, dass das Haar etwas Wertvolles ist. Ein russischer Fürst hatte eine junge und schöne Gräfin geheiratet. Er trug nur den Fürstentitel, hatte aber sonst kein Geld; er war ein verarmter Fürst. Seine Frau war dagegen sehr eitel und anspruchsvoll. Sie wollte reich und im Luxus leben, zufriedengestellt in allen ihren Wünschen. Weil er sie liebte, wollte der Fürst ihre Wünsche befriedigen. Als Okkultist stand er in Verbindung mit einer Gesellschaft von Gnomen und bat sie um Rat, wie er an mehr Geld kommen könnte um die Wünsche seiner Frau zu erfüllen. Darauf antworteten sie, sie würden ihm für je zehn Haare von seinem Kopf einen Sack voll Gold liefern. Der Fürst freute sich darüber, nahm die Verpflichtung an und unterschrieb den Vertrag. Fast jede Woche bekam er einen Beutel Gold und gab den Gnomen dafür zehn seiner Haare. Eine nach der anderen vergingen die Wochen und damit wurde auch der Kopf des Fürsten allmählich kahl. Eines Tages gingen die Gnomen dem Fürsten entgegen mit den Worten: Der Vertrag ist schon außer Kraft. – Warum? – fragte der Fürst. – Weil du schon einen Kahlkopf und kein einziges Haar mehr hast. Entmutigt und verzweifelt kehrte er mit einer Glatze und ohne einen Groschen in der Tasche zu seiner Frau zurück. Was stellen die Haare dar? – Es sind Antennen, mit deren Hilfe man Kontakt mit der göttlichen Welt aufnehmen kann. Solange dein Kopf mit Haaren bedeckt ist, bist du glücklich, weil du in Verbindung mit den hohen Wesen stehst. Wird dein Kopf kahl, Unglück und Leiden brechen über dich herein und deine Verbindung zu den hohen Wesen wird unterbrochen. Der Mensch ist zufrieden und froh, solange sein Radio arbeitet. Geht sein Radio kaputt, so wird er unzufrieden und traurig. Ich wünsche euch, dass ihr dieses Jahr die Liebe freiwillig anwendet. Egal unter welchen Bedingungen ihr euch befindet, egal wie euch die Menschen aufnehmen – wendet die Liebe an. Als die Jünger Christi in die Städte gingen und predigten, da hat man sie in vielen Orten nicht aufnehmen wollen. Sie sagten Christus:“Meister, schick Feuer vom Himmel herab um diejenigen zu bestrafen, die uns abgelehnt haben.“ Darauf antwortete Christus: „Der Menschensohn kam im Namen der Liebe um den Menschen zu helfen und nicht, sie ums Leben zu bringen.“ Auch euch sage ich jetzt: Wendet die Liebe an, ohne etwas von Gott und den Menschen zu erwarten. Jeder hat mindestens ein Talent, auf das er sich verlassen kann. Verlasst euch auf das Gute, dass Gott in euch gesteckt hat und es wird seine Früchte tragen. Trotzdem sind die Menschen mit ihrem Leben unzufrieden und leben im ständigen Konflikt mit Gott. Doch Gott hat beschlossen sich mit ihnen zu versöhnen und die Welt auf eine Art und Weise ins Lot zu bringen, wie keiner auch nur ahnt. Momentan bringen die Menschen die Welt auf ihre alte Art und Weise in Ordnung. Gott hat sich vorgenommen sie auf eine neue Art und Weise zu richten – durch die Liebe. Deswegen wurde in der Bibel Folgendes geschrieben:“Wer die Stimme Gottes erhört, wird sich erheben und auferstehen.“ Wenn die Liebe in die Welt kommt, wird Gott eine neue Ordnung unter den Menschen schaffen; die Missverständnisse und das Blutvergießen werden aufhören. Überall wird es dann Weizen, Früchte, Essen in Hülle und Fülle geben. Die Mütter werden höchstens zwei Kinder zur Welt bringen: einen Jungen und ein Mädchen. Die Lehrer werden höchstens zwei Schüler haben– einen Schüler und eine Schülerin. Bedenkt Folgendes – die einzige Kraft, die die Welt in Ordnung bringen kann, ist die Liebe. Sie ist schon auf dem Weg. Ob ihr daran glaubt oder nicht, ist unwichtig. Wer die Welt geschaffen hat, wird sie auch ins Lot bringen. Er hat versprochen die Liebe unter die Menschen zu schicken und er wird sein Versprechen auch halten. Was er gesagt hat, wird er auch tun. Seine Versprechen werden nicht gebrochen. Die Zukunft gehört Gott. Er wird die guten Menschen aufsuchen indem er ihre Seelen und Herzen mit seiner Liebe erfüllt. Seit jeher hat Gott die Menschen mit seiner Liebe aufgesucht, aber sie haben sie nicht aufgenommen. Ein jeder soll offen eingestehen: Mein Gott, ich habe meinen Fehler erkannt. Deine Liebe kam zu mir, aber ich habe sie nicht aufgenommen und bin deswegen auf meinem Weg in Verzug geraten. Ich habe bereits beschlossen die Liebe aufzunehmen und anzuwenden. Lieber Gott, such mich wieder auf. Ich bin bereit deinen Willen zu erfüllen und die Liebe anzuwenden. ------------------------------------------------------------------------- Der Lew (Plural: Lewa) ist die seit 1881 verwendete Währung in Bulgarien. Ein Lew ist in 100 Stotinki unterteilt. Der Name Lew stammt von einer veralteten Form des Wortes Löwe ab. Diesen Namen bekam das bulgarische Geld, weil auf den Münzen das bulgarische Wappen mit dem Löwen aufgeprägt war. *Alle Zitate stammen aus der Bibel, Einheitsübersetzung, Katholische Bibelanstalt GmbH, 1890, Stuttgart Aus dem Bulgarischen übersetzt von Stanislava Stefanova Lektorat: Angelika Todorov
  5. Die vernünftige Milch Und seid wie neugeborene Kinder, begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch - damit ihr durch sie wachset zur Rettung -, wenn ihr wirklich geschmeckt habt, dass der Herr gütig ist! Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar. Ein Gebot des Gesetzes Mose besagt: "Wünsche nicht" und in diesem Brief sagt Petrus: Begehre nicht. Wer von ihnen hat Recht? Beide haben Recht und ihre Stellung. Aber wenn Mose an der Stelle von Petrus wäre, dann wird er kein Recht behalten und wenn Petrus an der Stelle von Mose wäre, wird er auch kein Recht behalten. Mose sagt, dass du nicht begehren sollst - was? Macht, Reichtum, Frauen und Petrus sagt, begehre - was? - die vernünftige Milch. Warum? Weil es des geistigen Wachstums bedarf. Das erste, was das Kind, wenn es die Gebärmutter verlässt, ist die Milchbrust, denn wenn es saugt, dann wächst und entwickelt es sich. Und Petrus sagt dasselbe - wir müssen die Brust finden, die uns geistig nähern wird, denn wenn wir sie nicht finden, werden wir gemäß desselben Gesetzes wie das Kind nicht leben. Nach drei vier Jahren, wenn das Kind ein bisschen gewachsen ist, wachsen ihm die Zähne, d. h. sein Organismus wird an der festen Nahrung angepasst. Dasselbe ist auch mit dem geistigen Leben: zu Beginn dürfen keine festen Lehren vernommen werden, die den Tod verursachen können.
  6. Vegetarische Ernährung Eine Schwester teilte mit, als wir von der Gymnastik in den Saal zurückkehrten, dass die in dem Vortrag von heute Morgen geäußerten Worte über den Vegetarismus in ihr neue Gedanken hervorgerufen haben. Dann betrachtete der Meister die Frage nach dem Vegetarismus ausführlicher: Der Beginn des geistigen Lebens ist der Vegetarismus. Er ist auch der Beginn der Erziehung, weil das geistige Leben die Gewalt ausschließt. Niemand kann geistig sein, wenn er kein Vegetarier ist. Das Fleisch ist eine unnatürliche Nahrung, weil es viele giftige Stoffe enthält. Beim Schlachten entsteht beim Tier Angst und Hass, weshalb in seinem Organismus giftige Reaktionen stattfinden. Darin liegt auch die ganze Nervosität der weißen Rasse und die heutige Neurasthenie entsteht zum größten Teil aus denselben Gründen. Auf der anderen Seite beginnt sofort nach dem Tod des Tiers die Verwesung des Körpers und es entstehen Gifte, die Ptomaine, Leukomaine u. a. genannt werden. Die Katze ist sehr klug, weil sie die Maus für sich gewinnt, bevor sie sie frisst, sie lässt sie ein wenig mit sich spielen und wenn sie ihre gute Stimmung spürt, erst dann kneift sie sie auf einmal und frisst sie, um das Fleisch ohne Gift zu bekommen. Da die Schwingungen der Säugetiere niedriger als die des Menschen sind, wird er verhindert, wenn er sie isst. In dieser Hinsicht ist die pflanzliche Nahrung rein. Der Mensch soll sich mit reiner Nahrung ernähren, damit seine Zellen gehorsam sind. Wenn sich der Mensch lange Zeit mit Schweinefleisch ernährt, wird er den Charakter des Schweins einnehmen, wenn er sich mit dem Fleisch des Huhns ernährt, den Charakter des Huhns. Einmal, vor mehr als zweitausend Jahren, ernährten sich Daniil und seine Freunde mit vegetarischer Nahrung und wurden schöner und gesünder als die anderen, die sich mit Fleisch ernährten. Für viele Menschen ist diese fleischliche Nahrung nicht mehr gesund. Die gesündeste Nahrung bis jetzt ist die pflanzliche, aber sie sollte frisch sein. Die Vernunftwesen haben für uns die schönste Nahrung zubereitet und wir haben sie beiseitegelassen und essen Dörrfleisch. Die Pflanzen sind gute Köche und kein anderer kann so gut wie sie kochen. Der Bulgare isst viel Brot, um weicher zu werden. Manche Völker essen zum Frühstück, zum Mittag und zum Abend Fleisch, sie erlangen eine grobe Aktivität im niederen Bereich. Es wird viel Zeit vergehen, bis der Mensch es sich abgewöhnt, Fleisch zu essen. Aber was wird mit ihm geschehen, wenn er 100 Hühner gegessen hat? Man wird ihn in den hundert Hühnern, wenn sie geschlachtet werden, hineinversetzen und er wird ihren Zustand spüren. Das wird sich 100 Mal wiederholen und das ist eine fürchterliche Sache. Schließlich werden die Menschen zu Vegetariern, weil sie sich auf eine innere Weise das Fleischessen abgewöhnen werden. Die Zellen, die aus dem Tierreich zu uns kommen, verbrauchen mehr und geben weniger Energie, die pflanzlichen, die in uns kommen, verbrauchen weniger und geben mehr Energie. Außerdem sind die tierischen Zellen, die wir zu uns nehmen, sehr ungehorsam. Jetzt ist der Mensch stark zurückgeblieben und um sich zu erheben, darf er kein Fleisch essen. Die fleischessenden Tiere sind öfters krank als die Wiederkäuer. Die vegetarische Nahrung ist rein. Die Menschen der Lieblosigkeit sind Fleischesser. Die jähzornigen Menschen sind immer krank. Gibt es einen Kranken, der geduldig ist? Alles erscheint ihm schief, dunkel und er behauptet, dass seine Bedingungen nicht gut seien. Es ist gut, wenn ein solcher Mensch Vegetarier wird, da die pflanzliche Nahrung Geduld gibt. Gut ist es, Tomaten, Gurken, Pflaumen usw. zu essen; solch eine Nahrung ist eine Methode zur Zähmung des Menschen. Der Mensch soll in physischer, mentaler und geistiger Hinsicht Vegetarier werden. Jemand kann in physischer Hinsicht Vegetarier sein, aber nicht in seinen Gedanken und in seinem Umgang. Im Vegetarismus sollte man sich sowohl nach den Gefühlen als auch nach den Gedanken parallel bewegen. Wenn es auch nur einen zerstörerischen Gedanken oder ein zerstörerisches Gefühl gibt, dann ist es Fleischessen. Es ist eine neue Philosophie des Vegetarismus nötig. Der Vegetarismus hat ein Resultat, aber das ist noch nicht dasjenige Resultat, das man haben sollte. Die Früchte sind eine reiche Literatur aus der unsichtbaren Welt und wenn der Vegetarismus in einen höheren Bereich kommt, so wird er auch das erwartete Ergebnis haben. In der Ernährung ist ein mentaler Prozess enthalten. Sie ist eine ganze Wissenschaft. Man wird dir Kartoffeln zu essen geben, um sie zu studieren; anders würdest du sie nicht studieren. Diese augenscheinlich dumme Zwiebel ist ein Philosoph, sie wird dir etwas geben. Du sagst: „ Ich aß Zwiebeln und wurde gesund.“ Wenn du schwach geworden bist und dich entrüstet hast, dann solltest du paar Äpfel essen und du wirst dich erquicken. Eine Schwester fragte: „Dürfen Kinder selbst zwischen Fleisch oder vegetarischer Nahrung entscheiden?“ Nein, sie verfügen noch nicht über genügend Urteilskraft. Deshalb sollten ihnen die Eltern vegetarische Nahrung geben. Die vegetarische Ernährung ist eine zukünftige Ernährungsweise für die ganze Menschheit. Deshalb ist der, der jetzt ein Vegetarier ist, aus der Avantgarde der neuen Kultur, die kommt. Seid Gott dankbar für das neue Ernährungsrezept: Kirschen, Birnen, Äpfel. Lasst das Alte. Es wird die Zeit kommen, wenn die Menschen nur Obst essen werden und sich dadurch mit kondensiertem Licht ernähren werden. Die modernen Menschen sind für viele Dinge blind, viele von ihnen können die Blüten des Pfirsichs von denen der Kirschen nicht unterscheiden. Wenn ich in einer Region keine Birnen oder Äpfel sehe, dann gehe ich da vorbei und wenn ich ihre Kronen ausbreiten sehen, bleibe ich. Nach den Früchten erkenne ich, ob es günstige Bedingungen gibt oder nicht. Aus den Erinnerungen von Schwester Natalia Tschakova Es war in den frühen Jahren der Bruderschaft. Der Meister sollte die Gruppe in Burgas besuchen und beim Gruppenleiter Mintscho Sotirov übernachten. So sammelten sich viele Brüder und Schwestern, um das Haus zu putzten und das gemeinsame Essen zuzubereiten. Nachdem das ganze Haus in idealer Reinheit und Ordnung überführt wurde, machten sich alle Brüder und Schwestern daran, die Gerichte für den ersten Tag zuzubereiten. Zu dieser Zeit aßen alle noch Fisch und sagten, dass auch der Meister Fisch gegessen hätte. Ob sie ihn gesehen haben oder nur so erzählt wurde, war nicht ganz klar. Dennoch hat sich die Gruppe entschieden lauter Fischgerichte – Fischsuppen, Krapfen, gebratener Fisch, Majonäse, Kaviar, also viele schmackhafte, meisterhaft zubereitete Fischgerichte aufzutischen, die sehr ästhetisch aufgetischt wurden. Die ganze Gruppe setzte sich an einen langen Tisch im Haus des Gastgebers, der Meister kam und sie luden ihn ein, sich auf dem ersten Platz zu setzen, neben dem Gastgeber. An dem ganzen Tisch saßen Brüder und Schwestern. Der Meister unterhielt sich mit uns – sprach über interessante Dinge - alle hören ihm aufmerksam zu. Aus den Gerichten entwich ihr typischer und für uns angenehmer Geruch und reizte unseren Appetit. Der Gastgeber forderte den Meister auf: „Bitte Meister, das Essen wird kalt.“ Der Meister fuhr jedoch mit dem Gespräch fort. Von der Tafel kam ein den Appetit reizender Geruch, die Zeit war fortgeschritten, und der Bruder forderte den Meister erneut auf: „Bitte Meister, das Essen wird kalt.“ Der Meister sprach weiter über Interessante Dinge, als ob er nichts gehört hätte und lächelte leicht. Der Fisch duftete … Die Mägen streikten … der Meister sprach … Schließich fragte der Meister den Gastgeber: „Haben Sie in Ihrem Garten auch Saubohnen angepflanzt?“ „Ja, Meister, haben wir “, antwortete der Gastgeber. „Ich sage, pflücken Sie einige für mich.“ Die Schwester rannte in den Garten, pflückte einige Saubohnen, wusch sie und reichte sie dem Meister. Dann sagte er: „Das Gebet!“ und wir begannen. Alle stürzten sich gierig auf den Fisch, während der Meister Saubohne nach der Saubohne im Salzer tränkte und aß und kein einziges Mal nach den schönen und appetitlich zubereiteten Fischgerichten griff. Dann haben wir verstanden, dass er keinen Fisch isst und wir gewöhnten es uns ab, Fisch zu essen. Ich wüsste nicht, ob welche weiterhin Fisch aßen. Sein Beispiel war stärker als das Moralisieren. Sprach er nicht bis jetzt viele Male über die Barmherzigkeit gegenüber den Tieren? Sind die Fische keine Tiere? Sprach er nicht darüber, dass die tierische Nahrung Giftstoffe enthält? Enthält der Fisch nicht gar die allermeisten Giftstoffe? Ich dankte der Schwester, die mir diese Geschichte erzählt hatte.
  7. Erkennt die Wahrheit und die Wahrheit wird euch frei machen Das Streben eines jeden ist die Freiheit in der Welt. Unter dem Wort Freiheit verstehen wir die Weite unserer Taten, Gedanken, Gefühle, die in uns verborgen liegen und das Aufgeben aller sie begrenzenden Bedingungen. Die Freiheit ist eine Eigenschaft des Geistes. Jemandem die Freiheit zu berauben, das ist der Fall. Beim Verlust der Bedingungen für die Entwicklung wird die Freiheit begrenzt. Der Verlust eines Körperteils – Hand oder das Bein – das ist ein Verringern der Freiheit. Der Verlust des Verstandes, des Denkens, des Sehvermögens und aller anderen Gefühle überhaupt ist die völlige Begrenzung der Freiheit. Die Wahrheit ist die Bedingung zur Wiederherstellung der Freiheit des Geistes. Die Freiheit begreift drei Bedingungen in sich. Erstens, Freiheit des Körpers. Zweitens, Freiheit des Willens und drittens Freiheit des Herzens zur Manifestieren der Gefühle und des Denkens. Christus sagt: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Die Wahrheit wird uns den Weg zur Freiheit zeigen. Nicht jeder Gedanke, Wunsch und Wille machen uns frei. Jedes Wort ist eine geworfene Granate. Jedes Wort ist eine Zusammensetzung von Gedanken. Ein schlechtes Wort oder einen schlechten Gedanken können uns die Freiheit rauben. Das ausgesprochene beleidigende Wort ruft seinen Effekt hervor. Wir sollen immer das Maß haben, damit wir unsere Gedanken und Wünsche messen können. Dieses Maß, dieser Prüfstein ist Christus. Er soll immer vor uns und in unserem Verstand sein. Wenn wir immer mit Christus sind, entstehen in uns in Fülle Gedanken, Wünsche und ein Streben zu arbeiten und das ist ein gutes Merkmal. Nur haben nicht alle ein und dieselbe Eigenschaft, wir sollten wissen, welche von ihnen wir wählen sollen. Die Gedanken und die Wünsche sind die Steine aus einem Steinbruch, aus dem der künftige menschliche Körper errichtet werden wird, und dieser ist geistig. Diese Wünsche und Gedanken sind aus verschiedenen Richtungen. Wir sollen die Kunst beherrschen, die nötigen Steine für den Bau zu wählen. Für den Bau des Hauses benötigen wir außer Steine auch Eisen, Holz und andere Materialien. Es gibt Geister, die uns alle Materialien teuer oder billig verkaufen; wenn sie sie uns teuer verkaufen, dann haben sie uns betrogen, was sie kosten. Christus möchte uns frei machen. Wir sind an vielen Pflichten gebunden – die ersten von ihnen sind zu unseren Eltern, dann zu unseren Brüdern und Schwestern, danach, nachdem wir die Ehe eingegangen sind, zu unserer Frau und unseren Kinder und schließlich zu unserer Gesellschaft usw. Es ist eine Kunst zu wissen, wie wir zu jedem von ihnen verhalten sollen. Die Freiheit hat sowohl Rechte als auch Pflichten. Die Gesellschaft kann nicht nur mit Rechten oder nur mit Pflichten existieren, sondern es bedarf der beiden Prozesse, die zusammen laufen sollen. Die Rechte werden gemäß der Ansprüche unserer Bedürfnisse begrenzt. Wenn wir mehr wollen, dann wird die umgekehrte Reaktion in Erscheinung treten. Wo es mehr Honig gibt, dort werden sich auch mehr Bienen sammeln, um ihn zu fressen. Wo es mehr Reichtum gibt, dort werden alle bösen Geister zu uns kommen. Der Reichtum ist für die Freiheit nötig, es gibt sowohl Güter als auch Unglücke, der Mensch kann faul, stolz usw. werden In der Lehre Christi hängt der Wert der menschlichen Seele von den inneren Eigenschaften, d. h. mit dem Herrn verbunden und in Wahrheit gekleidet zu sein, und das ist, in Liebe gekleidet zu sein. Die Sonne erkennen wir nach seinem Licht und nach seiner Wärme. Gott erkennen wir gemäß der Wahrheit und der Liebe. Wenn die Wahrheit in unserem Verstand kommt, dann denken wir und wenn die Liebe in uns kommt, dann handeln wir. Die Wahrheit ist der innere Keim der Seele. Wenn wir sie haben, dann werden wir immer ein Stärkerwerden fühlen – es wird kein Alter geben, sondern nur Jügend, wir werden uns ständig munter fühlen. Die Schwierigkeiten im Leben sind ein Segen – sie sind eine Bedingung, damit wir uns erheben können, denn wir werden uns darum bemühen, sie zu beseitigen, um die Güter zu erlangen. Alle unsere Organe, Teile unseres Körpers begrenzen uns, indem sie uns helfen, weshalb wir ihre Funktionen kennen müssen, damit sie richtig arbeiten. Jetzt wird die Erschaffung des mentalen Körpers uns unterworfen sein. Es verlässt uns und wir trennen uns von ihm. Wir müssen uns verschwägern mit allen Geistern, die unseren Körper bilden und in ihm wohnen und uns helfen. Und das ist, sagt Christus, dass wir uns mit dem Himmel verschwägern sollen und dieses Verschwägern ist unsere Pflicht.Christus verschwägerte sich mit allen Geistern. Er opferte sich nicht nur am Kreuz auf. Die Existenz von allem, aufgrund dessen wir jetzt leben, ist von Christus; deshalb lieben wir ihn. Er hierlies uns den Reichtum, damit wir Gebrauch von ihm machen, und nicht, um ihn zu nehmen und zu teilen. Das ist das Reichtum, um derentwillen Christus sich aufgeopfert hat. Wenn wir ihn nicht nutzen, dann wird er ihn wegnehmen. Er gab ihm uns, damit wir uns entwickeln können und damit er uns für das Engel-Leben, nach dieser Welt werden wir in eine andere Welt übergehen müssen – die Welt der Engel. Christus möchte, dass wir Gebrauch vom Prüfstein machen und das ist unsere göttliche Seele und wenn wir sie finden, dann werden wir frei sein. Christus lehrte die Menschen in der Welt, wie sie ihre vergrabene Seele finden können, der verborgen liegende Reichtum. Viele unserer Seelen wurden gepfändet und wir müssen sie finden. Als der Mensch vom Himmel auf die Erde herabstieg, dann verpfändete er seine Seele, deshalb müssen wir sie zurückkaufen. Alle Menschen, die vor uns lebten, arbeiteten auf der Erde, häuften Erde an und wir müssen mit unserer Seele auf dieser Erde arbeiten. Deshalb haben wir die Bedingungen des Maßes – der Prüfstein. Die Umkehr, die Reue usw und hier geschieht der Prozess der Neugeburt. Um den Prüfstein zu erlangen, sollen wir frei sein; um frei zu sein, sollen wir für alles dankbar sein, was uns ereilt – gut und schlecht – das ist, dass Christus in uns lebt. Dann sind alle Dienste für uns gleich wichtig. Uns wird keinen größeren Dienst gegeben, wenn wir den kleineren nicht gut ausgeführt haben. Gott sendet sogar die Engel, damit sie einer sündhaften Seele für ihre Berichtigung dienen. Immer müssen wir mit den kleinen Dingen beginnen und zu den größeren Fortschreiten und nicht zu sagen, dass wir nicht die Pflicht haben, eine gewisse Arbeit zu verrichten, wenn wir frei sind. Der Herr erschuff die Erde und wenn sie ihre Missionen erfüllt, dann werden ihre Teilchen breiter werden und mit der Erde wird es zu Ende gehen. Jeder unser Akt in der Welt ist kollektiv, denn wir sind mit vielen anderen Geister verbunden. Jeder unser Gedanke ist eine Pflicht – eine Tratte und der Geist, der sie hat, führt uns und wir befinden uns in seinen Händen. Deshalb sollen wir keine großen Dinge wünschen, denn sie werden uns gegeben werden, wenn wir sie wünschen, aber danach wird der Geist sagen: „Zahle jetzt!“, und wenn wir unsere Verpflichtung nicht zahlen können, dann können die Leiden, die Entbehrungen die Krankheiten et cetera. Jeder Zornige wurde beraubt, denn ist außerhalb seines Körpers gegangen und die Geister berauben ihn. Deshalb soll jeder auf sein Haus „den Körper“ achten - das ist die Freiheit. Wir sind in fremden Häusern, sind nicht frei, denn immer können sie uns vertreiben. Das erst wichtigste Ding ist jetzt unsere Wünsche und Gedanken zu unterscheiden: welche unserem Nutzen dienen, für diese werden wir wollen, dass sie in Erfüllung gehen. Und dann wird gesagt, Gott hat sie für uns bestimmt.
  8. BESTÄNDIGE BEZIEHUNGEN \begin{flushright} \textit{Nachdenken} \end{flushright} Wenn den heutigen Menschen die Frage gestellt wird, ob sie mit ihrem Leben zufrieden sind, was würden sie antworten? Alle Menschen möchten gesund, fröhlich, schön und gut angezogen sein und schöne Häuser haben. Denkt ihr, dass das Leben besser wäre, wenn ihr diese Dinge habt? Viele denken nicht über diese Frage nach, sie wollen alles besitzen und sind an nichts anderem interessiert. Was werdet ihr dann über die kleinen Käfer und Grillen sagen, die sich in ihren Löchern verstecken und sich damit zufrieden geben? Was werdet ihr über die Bäume sagen, die jahrelang festgewurzelt so im Boden stehen? Nicht nur das, sondern eines Tages kommt ein Mensch, er holt mit der Axt zum Schlag aus und fällt die Bäume nacheinander. Nach all dem werft ihr sie ins Feuer, damit sie brennen. Ihr werdet sagen, das sei eine göttliche Angelegenheit. Die Bäume zu fällen, die Blumen zu pflücken ist keine Angelegenheit Gottes. Lässt Gott Unzufriedenheit, Zweifel und Argwohn zu? Zwingt Er den Menschen dazu, dass er zornig wird, nicht arbeitet und dass er nicht lernen will? Wenige Menschen tragen ihrem Leben und ihren Äußerungen Rechnung und denken ständig, dass es ihnen zumindest im Jenseits gut gehen wird, wenn es ihnen im Diesseits schon nicht gut geht. Sie stellen sich das Jenseits wie das Diesseits vor. Die alten Bulgaren hatten eine besondere Vorstellung über das Jenseits. Sie dachten: Wenn einer von ihren Verwandten ins Jenseits geht, dann wird er von all seinen Bekannten von der Erde willkommen geheißen. Wenn nun einer von ihren Verwandten, Dorf- oder Stadtmitbewohnern stirbt, werden deshalb alle ihre Bekannten, die verstorbene Verwandte haben -- einer nach dem anderen -- ihrem Verstorbenen viele Grüße ausrichten lassen. Wie er ihre Grüße hinüber tragen wird, das bedenken sie nicht. Vor allem weiß der Verstorbene nicht, wo das Paradies und wo die Hölle ist, er kennt die Sprache jener Welt nicht und soll die Grüße von der Erde tragen. Wie der Mensch auf der Erde geht, sieht, hört, versteht, denkt und fühlt, so soll er auch im Jenseits über diese Fähigkeiten verfügen. Wenn der Mensch nicht gehen kann, in welcher Welt würde er sich dann befinden? Wenn er nicht sehen, hören, denken und fühlen kann, in welcher Welt würde er sich befinden? Ihr werdet sagen, dass das Kleinigkeiten sind. Nein, das sind keine winzigen Dinge. Dabei sollt ihr wissen, Gott beschäftigt sich mit den winzigen Dingen. An das, woran der Mensch nie denkt, daran denkt Gott. Die meisten Menschen denken, dass das Geld das Leben bewegt. Ist das eigentlich so? Könnt ihr das Leben mit Geld kaufen? Keine Millionen sind in der Lage, ein Leben zu kaufen. Kommt der Tod, ist das Geld machtlos. Die Nahrung, das Wasser, die Luft und das Licht geben dem Menschen mehr als das Geld. Sie erheben, erneuern und verjüngen ihn. Das kann mit Geld nicht erreicht werden. Der Wert des Geldes hängt vom Licht ab. Wenn es kein Licht gibt, kann das Geld nicht gesehen werden. Wenn das Geld nicht gesehen werden kann, hat es keinen Wert. Aber wenn das Licht kommt, wird das Geld sichtbar; wenn es sichtbar ist, ist es wertvoll. Das Wertvolle ist dasjenige, das den Menschen äußerlich und innerlich zufrieden macht. Ihr werdet sagen, dass man ohne Geld nicht auskommen kann. Ich bin damit einverstanden: Ohne Geld und Brot kann man nicht existieren, aber was ist dasjenige, ohne das wir keinen einzigen Moment existieren können? Können wir ohne Luft, Licht und Wasser auskommen? Wenn es kein Licht gibt, kann der Mensch sich nicht frei bewegen. Was sagt ihr, wenn der Mensch etwas schlecht sieht oder gar nicht sehen kann? Manche denken, die Augen seien nur auf der Erde nötig und seien nicht für das Jenseits. Dort soll der Mensch auch sehen. Welcher Augen er sich bedienen wird, ist eine andere Frage. Wichtig ist, dass auch dort Licht nötig ist, um sehen zu können, wohin er geht. Und wenn er ins Jenseits geht, ist die erste Angelegenheit zu sehen, wie sich der Mensch bewegt, auf einer geraden oder krummen Linie. Solange der Mensch auf der Erde ist, strebt er danach, auf einer geraden Linie zu gehen. Dennoch veranlasst ihn eine andere Kraft, schief zu gehen, sich auf einer krummen Linie zu bewegen. Nicht nur das, es ist wichtig, wie der Mensch tritt. Richtig ist es auf den Fußspitzen aufzutreten und dann mit der Ferse. Wer sich an dieses Gesetz nicht hält, tritt zuerst mit der Ferse auf und dann mit der Fußspitze. So verursacht er großen Lärm, erschüttert den Boden, überall wo er geht und verbrennt viel Energie. Die Natur liebt keine Menschen, die viel Lärm um sich herum machen und ihre Energie vergeuden. Das Leben besteht nicht nur aus Gewittern und Donnerschlägen. Wenn es nur Donnerschläge gäbe, würden die Menschen erschrecken und sich in Mauselöchern verstecken. Viele Menschen haben Angst vor Donnerschlägen, zünden Kerzen an und beten, ohne zu ahnen, dass Donnerschläge erneuernd wirken. Wenn die Natur weint und böse wird, das erneuert nämlich die Dinge. Der Regen ist das Weinen der Natur, die Gewitter und der Donner ihr Zorn. Warum weint die Natur? -- Weil ihre Kinder sie nicht verstehen. Wenn sie böse wird und sieht, dass sie sie wieder nicht verstehen, weint sie ein bisschen und entfernt sich von ihnen, indem sie zu ihnen sagt: "`Ich werde euch wieder besuchen."' Wenn sie sich entfernt, beginnen die Menschen sie nachzuahmen: "`Sie schreien und kreischen, werden böse und zweifeln aneinander. Aber die Dinge werden nicht durch Kreischen, Unzufriedenheit, Zweifel, Argwohn und Weinen in Ordnung kommen. Vor Jahren haben die Zeitungen über einen interessanten Fall geschrieben, der sich auf dem Markt in Sofia ereignete. Ein Bauer aus den nahen Dörfern brachte ein Gefäß mit frischer Kuhbutter, um sie zu verkaufen. Es näherten sich zwei gut angezogene Bürger und fragten ihn, was er für die Butter verlange. "`So viel"', sagte der Bauer, sie gaben ihm fünfzig Leva und fügten hinzu: "`Wir sind drei Menschen -- Geschäftsleute. Der dritte ist Priester im Dorf. Er ist ein guter Mensch und wird die restliche Summe zahlen. Nimm nun bitte den Briefumschlag, auf dem die Adresse des Priesters steht und du wirst dein Geld bekommen."' Sie legten fünfzig Leva in den Briefumschlag und schrieben dem Priester, er solle den Bauer willkommen heißen, ihm ein Gebet vorlesen, weil er geistig etwas verwirrt sei. Als der Priester den Brief erhalten und gelesen hatte, nahm er das Geld und brachte den Bauern in die Kirche, um zu lesen. Er legte ihm das Epitrachelion\footnote{Das Epitrachelion ist ein liturgisches Kleidungsstück der Priester und Bischöfe Orthodoxer und Unierter Ostkirchen. Es ist das Symbol der Priesterschaft und entspricht der westlichen Stola.} auf dem Kopf und begann zu lesen. Der Bauer beugte seinen Kopf, kniete nieder und hörte, was der Priester las. Das Gebet dauerte zwischen fünfzehn und zwanzig Minuten, bis der Bauer unter dem Epitrachelion sagte: "`Vater, diese Angelegenheit wird durch das Lesen nicht geregelt."' Als der Priester hörte, dass der Bauer zusammenhanglose Dinge sagte, fuhr er fort, Gebete zu lesen. Der Bauer sagte wieder: "`Vater, hier helfen keine Gebete, Geld sollst du mir geben."' Manche Menschen wollen wichtige Fragen mit Gebeten auflösen. Was geschieht dann? -- Sie lesen ein Gebet nach dem anderen, aber letztendlich bleiben die Fragen ungelöst. Das Leben benötigt gute und vernünftige Menschen. Es gibt keinen Grund, ein Gebet für fünfzig oder hundert Leva zu lesen. Das ist Verführung. Gäbe es kein Geld im Briefumschlag, hätte der Priester keine Gebete lesen müssen und hätte sich nicht blamiert. Viele Menschen lesen wie der Priester Gebete über dem Kopf eines Menschen, in der Hoffnung, dass Ordnung in seine Angelegenheiten kommt. Zum Beispiel kauft sich jemand einen Lottoschein und falls er nicht gläubig ist, verlässt er sich auf das Glück, um etwas zu gewinnen; falls er gläubig ist, betet er zu Gott, um zu gewinnen, indem er verspricht, den Armen einen Teil seines Gewinns zu geben. Vor Jahren kam ein Bekannter zu mir, um mich darum zu bitten, ihm zu sagen, welcher Lottoschein ein Gewinnschein sei, um mindestens fünfhunderttausend Leva zu gewinnen. Würde er gewinnen, würde er der Bruderschaft fünfzigtausend Leva spenden. Ich sagte ihm, dass die Bruderschaft, wenn sie Geld benötigen würde, den Gewinnschein nehmen und nicht auf ihn warten würde. "`Ich bin ein armer Mann, ich will meine Lage verbessern."' "`Du bist ein armer Mensch, aber heute geht es dir besser, als wenn du ein reicher Mensch geworden wärest. Der Reichtum wird dich blind machen und du würdest davon ablassen, Gott zu dienen."' Die heutigen Menschen sind seltsam. Sie verfügen über große Reichtümer, aber schätzen sie nicht. Das Gehirn, das Herz, der Körper, die ihnen gegeben worden sind, können mit keinem Geld gekauft werden. Sie kosten Milliarden. Nach all dem sagt jemand: "`Was kostet der Mensch? Er wurde aus Erde gemacht und wird sich in Erde umwandeln."' Dem ist nicht so. Ihr wisst nicht, aus welcher Erde der Mensch gemacht wurde, ihr wisst nicht, welche Elemente in dieser Erde enthalten und wie sie zusammengesetzt sind. Der Mensch hat einen hohen Wert. Sein Organismus ist kompliziert. Manche Menschen sind unzufrieden und möchten schön sein. Es ist gut, dass der Mensch schön ist, aber die Schönheit ist auch gefährlich. Nur der Kluge, der Gütige und der Liebende können schön sein. Wer lernt, wer die Wahrheit liebt, nur der kann schön sein. Verfügt er nicht über diese Eigenschaften, kann der Mensch nicht schön sein. Interessant ist, dass der Mensch mit der Hässlichkeit unzufrieden ist, aber gleichzeitig tut er ihre Arbeit. Er liebt die Wahrheit und die Liebe, aber handelt nicht nach ihren Gesetzen. Jeder möchte geliebt werden und wenn er jemanden findet, der ihn liebt, missbraucht er ihn. Die Liebe ist das Licht. Was nehmt ihr von ihr? Ihr öffnet euch für das Licht und lasst es frei in euch eindringen. Was es euch auch zu geben vermag, seid mit dem Licht zufrieden. Müsst ihr euch dann von demjenigen, der euch liebt, wünschen, dass er euch alles gibt, was er hat? Durch die leuchtenden Sonnenstrahlen besuchen euch vernünftige Wesen, die euch etwas Wertvolles bringen. Jedes Wesen drückt eine besondere Farbe aus: blau, rot, gelb, grün, orange und so weiter. Nehmt ihre Farben auf und dankt dafür. Erwartet nicht, dass die Engel zu euch kommen, um euch die Güter des Lebens zu bringen. Was sie euch auch immer zu bringen vermögen, ob große oder kleine Güter, seid damit zufrieden. Die Engel sind Wesen des Gedankens. Sie können nicht stundenlang bei euch verweilen und euch beschäftigen. Sie kommen und gehen weiter wie das Licht. Sie bewegen sich mit der Geschwindigkeit des Lichts, niemand kann sie erreichen, noch können sie für gewöhnliche Unterhaltungen verweilen. Wer leuchtende und erhabene Gedanken hat, kann die Engel mit seinem Denken verfolgen. Hat jemand von euch die Erfahrung, einen leuchtenden Gedanken in die Welt der Engel geschickt zu haben, der nach einiger Zeit zu ihm zurückgekehrt ist? Viele Gedanken, Gefühle und Handlungen verstümmeln den Menschen. Wer sich von ihnen befreien möchte, soll sich im Spiegel anschauen. Alles steht im Gesicht geschrieben. Nehmt wie der Maler den Pinsel und löscht alles, was euch behindert. Malt danach solche Linien, die euch diejenige Schönheit und Liebe verleihen, nach denen eure Seele strebt. Der wahre Mensch ist Maler, Bildhauer und Musiker. Er arbeitet an sich selbst, um dasjenige ursprüngliche Bild wiederzugeben, über das in der Genesis steht: "`Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn."' Der Mensch hat Augen. Warum? Um den erhabenen Gedanken Gottes auszudrücken. Durch sie soll er diesen Gedanken wahrnehmen und von ihnen lernen. Wer diesen Gedanken nicht wahrnehmen kann, stößt ständig auf bittere Dinge und verzweifelt. Die bitteren und die süßen Dinge haben ihren Platz. Die Natur bedient sich auch ihrer. Wenn sie den Menschen heilt, gibt sie ihm bittere Pillen. Die bitteren Pillen regeln seine Angelegenheiten. Wenn jemand die bittere Pille nicht nehmen kann, überzieht die Natur die Pille mit etwas Süßem. So gehen auch die Ärzte mit den Kindern um. Es gibt zwei Arten von Leben: das eine ist von außen süß, von innen allerdings bitter; das andere ist von innen süß und von außen bitter. Ob von innen oder von außen, die Bitterkeit ist notwendig. Das irdische Leben ist von innen süß und von außen bitter. Die Geburt des Kindes stellt die süße Hülle des Lebens dar, der Tod die bittere Hülle des Lebens. Es gibt ein Leben, das sowohl von außen als auch von innen süß ist. Das ist das göttliche Leben, in dem die Liebe herrscht. Was sind die Bedingungen dieses Lebens? -- Die erste Bedingung ist das Licht. Wer im Licht lebt, dessen Leben ist sowohl außen als auch innen süß. Der Mensch ist vom Licht geschaffen worden. Warum sollte der Mensch nicht in der eigenen Umgebung leben? Das Licht führt zum Guten, die Finsternis zum Bösen. Was kam früher in die Welt -- das Gute oder das Böse? Das Gute ist die Manifestation der Realität der Dinge, das Böse ist der Schatten dieser Realität. Also kam das Gute früher. Das Gute stellt die Äste des Baumes, das Böse die Wurzel dar. Sie saugen Nahrungssäfte aus der Erde und schicken sie zum Stamm und zu den Ästen. Die süßen und köstlichen Früchte werden in den Ästen geboren. Zwischen dem Bösen und dem Guten besteht eine ebensolche Verbindung, wie zwischen den Wurzeln und den Ästen. Sie unterstützen sich gegenseitig. Oft verbinden die Menschen die schlechten Handlungen mit dem Bösen. Allerdings sind die schlechten Handlungen und das Böse nicht identisch. Das Böse dringt in die schlechten Handlungen und Verbrechen der Menschen ein, um sie zu manifestieren, aber es unterscheidet sich von den schlechten Handlungen. Das Gute dringt auch in die bösen Handlungen der Menschen ein, um sie zu berichtigen, aber es ist nur eine Bedingung für die bösen Handlungen. Das Böse ist der Sauerstoff der bösen Handlungen und Fehler, es stärkt ihre Manifestationen. Wenn das Gute sie durchdringt, hört das Verbrennen auf. Das Gute widersetzt sich dem Bösen, so wie der Stickstoff die unbändige Wirkung des Sauerstoffs in der Luft reguliert, damit der Mensch frei atmen kann. Was ist besser: mit Feuer oder ohne Feuer zu leben? Das Feuer an sich brennt, verbrennt und zerstört, aber seine Ergebnisse sind gut. Eines wird vom Menschen gefordert -- gerade zu denken. Spannt euren Verstand in die Arbeit ein und geht vorwärts. Ihr werdet sagen, ihr wollt Gott sehen. Wer helle Gedanken, Gefühle und Handlungen hat, kann Ihn immer sehen. Das Leben gründet auf das Gute. Also ist das Gute der Grund des Lebens. Gott sieht das Gute, das getan wird und schreibt ständig. Das künftige Leben des Menschen wird dadurch bestimmt, was in seinem Buch geschrieben steht. Nach dem Geschriebenen wird der Kredit des Menschen bestimmt. Wenn nichts im Buch geschrieben steht, oder wenn das Geschriebene nicht leuchtend ist, wird dem Menschen der Kredit weggenommen. Es kann wenig geschrieben worden sein, aber es ist Licht darin. Dieses Licht bestimmt das menschliche Leben. Du wirst wenig wissen, aber es gut und richtig anwenden. Wie wirst du handeln, wenn du siehst, dass zwei Ameisen um einen Krümel kämpfen? Die eine sagt, sie habe den Krümel als erste gesehen, die andere sagt es auch. Du bist ein Richter. Wie wirst du den Streit auflösen? Welcher der zwei Ameisen wirst du Recht geben? Derjenigen, die als erste den Krümel gesehen hat? -- Nein, die Taschen des Richters sollten voll von Krümeln sein und wo es einen Mangel gibt, dorthin sollte er sie werfen. Sollten die Menschen um einen Krümel streiten und Gott verleumden, Er verteile die Güter ungerecht? Wer ist ein guter Mensch? Kann man denjenigen Menschen einen guten Menschen nennen, nach dessen Besuch eure Rinder eins nach dem anderen zu sterben beginnen? Ist derjenige Mensch gut, nach dessen Ankunft in eurem Haus alle Obstbäume zu vertrocknen beginnen? Dieser Mensch trägt etwas Eigennütziges in sich. Er ist nicht ehrlich zu den Gastgebern, deren Haus er besucht. In dieser Hinsicht ähnelt er dieser jungen Frau, die den Anschein erweckt, nicht heiraten zu wollen und die gleichzeitig heimlich zu dem jungen Mann blickt, der sie interessiert. Was wird ihr dieser Mann geben, wenn er sich selbst nicht nützen kann? Wer sich selbst nicht nützen kann, nützt auch den anderen nicht. Sich selbst und seinen Nächsten nützen zu können, das bedeutet, mit dem Leben zufrieden zu sein. Wenn er mit seinem Leben zufrieden ist, ist er bereit, Gott zu dienen. Gott hat als erster ein Beispiel für das Dienen gegeben. Er dient den Menschen, Er hat sie erhoben, damit sie wachsen und so hat er sie das Dienen gelehrt. Dennoch, wenn man den Menschen zum Dienen zwingt, ist er unzufrieden, hält sich selbst für einen Herrn. Der Unwille des Menschen zu dienen, ist die Ursache seines Leidens. Er will glücklich und reich sein, Gebrauch von der Fülle des Lebens machen, aber andere sollen für ihn arbeiten. Das Schaf hat seine Wolle selbst gemacht, andere haben sie gewaschen, gesponnen, gewoben und er zieht die fertigen Kleider an und putzt sich vor den Menschen heraus. Ihr seht jemanden, der neue Kleider trägt, mit einem Seidenhemd, mit einem weißen Band, mit goldenen und silbernen Knöpfen. Er schreitet dahin und sieht niemanden. Warum trägt er das Band? -- Das Band hat eine Bedeutung, die der Mensch nicht kennt. Auch der Ring an dem Finger der jungen Frau oder des jungen Mannes hat irgendeine Bedeutung. Er ist das Symbol des Verbindens. Es ist gut, dass der Mensch die Bedeutung der Dinge als Symbole versteht, die etwas in sich bergen. Was ist für den Menschen wichtiger, gut angezogen oder gesund zu sein? -- Die Gesundheit steht über allem. Die Gesundheit hängt vom Licht des göttlichen Gedankens ab. Wo Licht ist, dort sind Güter; verschwindet das Licht, verschwinden auch die Güter. Wo die Wärme ist, dort ist Leben; verschwindet die Wärme, kommt der Tod. Wo Kraft ist, dort ist Gesundheit; verschwindet die Kraft, kommt Krankheit. Wenn der Mensch gesund ist, nutzt er alle Güter des Lebens. Licht, Wärme und Kraft sind Mittel und Wege, durch die die höheren Wesen sich manifestieren und den Menschen Geschenke schicken. Manchem geben sie Geld, einem anderen ein Weizenkorn. Der Vernünftige freut sich mehr über das Weizenkorn, als über das Geld. Das Weizenkorn vervielfältigt sich und ernährt die ganze Welt. Ist Weizen da, kannst du mit dem Geld alles kaufen, was du willst; wenn es keinen Weizen gibt, ist das Geld nichts wert. Der Weizen wird gegessen, das Geld wird nicht gegessen. Das Geld gibt nichts von sich, der Weizen gibt alles, deshalb ist das Weizenkorn so klein geworden. Der Weizen weiß, wo seine Kraft liegt. Würde man ihn über zehn Jahre kultivieren, würde man ein reicher Mensch werden können. Das Weizenkorn ist klein, aber es ernährt die ganze Welt. Jeder leuchtende Gedanke, jedes leuchtende Gefühl und jede leuchtende Handlung ist wie die Weizenkörner. Sie sind klein, aber allmächtig. Sie bringen das Wohl für die ganze Welt. Wenn ihr ins Jenseits geht, dann wird man euch fragen: "`Bringt ihr mindestens eine der Früchte des Verstandes, des Herzens und des Willens mit?"' Dort werden auch die kleinsten Früchte geschätzt. Bringt man ihnen große Dinge, werden sie das nicht berücksichtigen: Für sie sind die großen Dinge nicht wichtig. Jemand wird sagen, er möchte ein großer, großartiger Mensch werden. Wer ist groß? -- Wer über große Möglichkeiten verfügt, Gutes zu tun. Es ist bestimmt, wie groß der Mensch sein kann. Als Kind wächst der Mensch allmählich, erreicht ein gewisses Alter und das Wachstum hört auf; danach wird er wieder kleiner. Also beginnt der Mensch mit dem Kleinen, und in der Mitte des Lebens ist er groß und ausgewachsen und am Ende wird er wieder klein. Das sind Phasen ein und desselben Lebens. Worin besteht der Wert des Lebens? -- In dem Vermögen, die Güter an sich zu ziehen. Das ist das wertvolle und nützliche Leben. Was ist der nützliche Verstand? -- Derjenige, der die göttlichen Gedanken anzieht. Was ist das nützliche Herz? -- Dasjenige, das die göttlichen Gefühle anzieht. Was ist der nützliche Wille? -- Derjenige, der die göttlichen Taten anzieht. Würde keine Anziehung im Leben existieren, könnte der Mensch weder etwas erreichen noch könnte er etwas Nützliches tun. Tut das, was die vernünftigen Wesen tun. Ihr möchtet immer fröhlich sein. Das ist nicht nötig. Die Freude beinhaltet in sich den klaren Himmel, den klaren Horizont. Würdet ihr jeden Tag fröhlich und munter sein, würde der Himmel immer klar und hell sein und es würde eine Dürre kommen. Würdet ihr jeden Tag traurig sei, würde der Himmel immer trüb sein und es würde ständig regnen. Der Mensch muss immer wissen, wann sein Himmel klar und wann er trüb sein soll. Strebt nach leuchtenden Gedanken, Gefühlen und Handlungen, um selbst mit dem Leben zufrieden zu sein. Erwartet nicht, dass die Menschen an euch Gefallen finden und mit euch zufrieden sind. Ihr selbst sollt mit euch zufrieden sein. Nur derjenige ist mit sich selbst zufrieden, der Musik in seiner Seele trägt. Er ist mit seinem Singen zufrieden, versteht, welche Töne rein sind und welche nicht. Wenn er die eigenen und die fremden Fehler versteht, dann ist er ein wahrer Musiker. Für ihn ist nicht nur das Singen Musik, sondern auch der Gedanke, das Gefühl und die Sprache. Strebt danach, überall Musik zu sehen und sie anzuwenden. Solange ihr euer Leben nicht in Musik umwandelt, könnt ihr euch nicht mit der Natur verbinden und Gebrauch von ihren Gütern machen. Bevor sich der Mensch mit der Natur verbindet, soll er sich mit seinem Schöpfer verbunden haben und Ihn kennen. Jemand lebt Jahrzehnte auf der Erde und kennt Ihn noch nicht. Als Ausrede sagt er, er habe Ihn nicht gesehen. Das ist unmöglich. Wie kannst du die Luft, das Licht nicht erkennen, in die du eingetaucht bist? Gott ist Geist, Gott ist Licht. Folglich ist Er überall und in allem, es kann nicht sein, dass du Ihn nicht kennst. Die Wissenschaftler suchen nach Ihm im Himmel, bei den Sternen, in den großen Dingen. Sie vermuten nicht, dass Er in den kleinen mikroskopischen Dingen versteckt ist. Und in den großen werdet ihr Ihn finden, aber ihr solltet auch in den kleinen Dingen zu suchen wissen. Manche suchen Ihn in den Schatten der Dinge, aber Er ist nicht dort. Er ist in den realen Dingen und nicht in ihren Schatten. Real ist dasjenige, das für die Bildung eures Verstandes, eures Herzens und eurer Seele arbeitet. Real ist dasjenige, das euren Verstand, euer Herz und eure Seele erweitert. Das Reale macht den Menschen zufrieden und glücklich. Nimm nun immer die göttlichen Gedanken mit guter Laune wahr, um zufrieden zu sein. Sie sind das Wesentliche im Leben des Menschen, weil sie ewig sind. Meide die zeitlichen Dinge und strebe die ewigen an. Zum Beispiel ist das Geld zeitlich, das Licht ewig. Der Mensch benötigt hauptsächlich Brot, Wasser, Luft und Licht und nicht Geld. Das Geld kommt später als Resultat von etwas. Das Geld ist ein Diener der ewigen Dinge. Folglich soll man keine Rücksicht nehmen auf das Geld als Resultat des menschlichen Lebens. Der Mensch benötigt Liebe. Habt ihr Liebe, wird das Geld von alleine kommen. Wer kein Geld hat, bei dem ist seine Liebe klein. Wer Liebe hat, wird immer einen Napoleon in seiner Tasche finden. Die Liebe bringt das Leben und das Leben ist mit dem Gold verbunden. Deshalb ist das Gold wichtig. Strebt nach dem göttlichen Leben, dass es durch euch hindurchgeht und euch das Wertvolle hinterlässt, was es in sich trägt. Arbeitet an euch selbst, um die Eigenschaften des Goldes zu erlangen. Gottes Jauchzen ist das manifestierte Licht. Die Freude der menschlichen Seele ist auch manifestiertes Licht. "`Gott erfreut sich, der Mensch freut sich"', steht in der Heiligen Schrift. \begin{center} \textit{Das ist das ewige Leben, dich zu erkennen, der eine und wahre Gott und Christus, den du gesandt hast.} \end{center} \begin{center} 26. August 1942, 5.00 Uhr -- Sofia-Izgrev\footnote{Aus dem Bulgarischen Mariya Kireva.} \end{center}
  9. DIE STILLE KAMMER Was ist der Unterschied zwischen dem Gesunden und dem Kranken, zwischen dem Klugen und dem Dummen, zwischen dem Starken und dem Schwachen? Es gibt etwas, worin sie sich unterscheiden. Was ist das Unterscheidungsmerkmal des fähigen und begabten Schülers? -- Er lernt gut und wiederholt die Klasse nicht. Es genügt nicht, dass der Schüler von der einen Klasse in die nächste versetzt wird und wenn er die Schule beendet, alles vergisst. Was ist das für ein Schüler, der während des Schuljahres Kenntnisse erwirbt, sie in den Ferien aber vergisst? Was ist das für ein Schüler, der das Wissen und seine Erfahrung, die er in seinen vergangenen Existenzen erworben hat, vergisst? Das ist dasselbe, als würde der Mensch in seinem Verstand den Gedanken tragen, irgendwann gelehrt oder reich gewesen zu sein. Nicht nur der Gedanke nährt den Menschen. Sein Streben nach Reichtum hat einen bestimmten Ort im Gehirn über der Schläfe. Je mehr der Mensch danach strebt, reich zu werden, umso mehr entwickelt sich dieses Zentrum. Die Menschen erkranken oft an Krebs aufgrund ihrer großen Gier nach Geld und nach Bereicherung. Die Zellen in einigen der Organe individualisieren sich, werden größer, selbstständig und hören nicht auf ihren Herrn. Wenn die Menschen erkranken, wenden sie sich an Ärzte, die ihnen helfen. Die Ärzte führen eine Operation durch, schneiden den Krebs weg, schneiden auch den Tumor weg, aber danach geht der Kranke trotzdem ins Jenseits. Warum? Weil sich die Zellen ihrem Herrn nicht unterordnen wollen. Der Mensch benötigt einige wesentliche Dinge: Augen, Ohren, Mund, Hände und Füße, durch die er mit der äußeren Welt in Kontakt treten kann. Um das zu erreichen, muss er sich in einem besonderen Zustand befinden. Andernfalls wird er sehen, hören, riechen, sprechen, essen und sich bewegen, aber mechanisch. Es ist an der Zeit, dass er sich vom mechanischen Leben befreit. Das mechanische Leben beinhaltet eine Bewegung aus Trägheit, an der das Bewusstsein nicht beteiligt ist. Der Zorn, die Unruhe über den Verlust von etwas Wertvollem bringen im Menschen einen Zustand der Trägheit hervor, aus dem er, einmal hineingeraten, schwer in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren kann. Verliert der Mensch etwas Wertvolles, verliert er auch seine Fassung und übergibt sich der Sorge und der Unruhe. Wird er aber zornig, verliert er seinen inneren Frieden, den er lange Zeit nicht wiederherstellen kann. Der Zorn ist als Energie sehr nützlich, wenn er unter dem Einfluss des Verstandes, des Herzens und des Willens steht. Können diese den Zorn nicht regeln, dann wirkt er zerstörerisch. Er ist ein Wasserstrahl, der großes Unheil bringt. Was er auch auf seinem Weg trifft, er reißt es mit sich fort. Wenn jemand diesen Guss kontrollieren kann, dann kann er auch nützliche Dinge tun -- Gärten, Bäume und Blumen bewässern. Eines wird vom Menschen gefordert: wagemutig und entschieden im Guten zu sein. Sowohl dann, wenn er zornig wird als auch dann, wenn er leise und ruhig wird, soll er wagemutig sein. Im ersten Fall soll er so wagemutig sein, den Zorn zu bändigen, im zweiten Fall soll er so wagemutig sein, um das Gute zu äußern. Entwickeln sich die Angelegenheiten des Menschen gut, so ist er wagemutig. Wenn er auf seinem Weg jedoch auf Widersprüche stößt, erschrickt er und weicht zurück. Warum tritt er zurück? -- Gott befindet sich auch in den Widersprüchen. Durch sie prüft er die Menschen. Warum sollen sie nicht wagemutig sein, um die Aufgabe zu lösen, die sich hinter dem Widerspruch verbirgt und warum müssen sie zurückweichen? Angst beinhaltet eine gewisse Schwäche. Wenn der Mensch eine Angst in sich bemerkt, soll er arbeiten, um mit ihr fertig zu werden, sie zu überwinden. Befreit er sich nicht von der Angst, wendet er die Lüge an, die schwarze oder die weiße. Gewöhnlich lügen die Kinder. Wenn sie einen Schaden verursachen, der zu einer Strafe führt, greifen sie auf die Lüge zurück, um die Strafe zu vermeiden. Das Leben von vielen ist auf die weiße Lüge aufgebaut. Wenn sie ihr Versprechen nicht halten können, greifen sie auf die weiße Lüge zurück. Sie erschrecken vor etwas und bedienen sich wieder der weißen Lüge. Wollen sie etwas vorzeitig erreichen, ist die weiße Lüge auch da. Warum sollte der junge Mann der jungen Frau sagen, dass er für sie sterben würde? Würde er tatsächlich für sie sterben? -- Er wird nicht sterben. Ist er vorher gestorben, um zu wissen, was der Tod ist? Warum spricht er dann über Dinge, die nicht geschehen werden? Vermeidet die Lüge, sei sie schwarz oder weiß. Die Japaner haben den Brauch, gegen Neujahr alle Menschen zu besuchen, denen gegenüber sie Pflichten haben, um ihre Schulden zu begleichen. Das neue Jahr soll sie ohne Schulden vorfinden. Ein junger Mann, ein brüderlicher Sohn, hatte große Schulden, die er begleichen musste. Als er zu einem seiner Gläubiger, einem bekannten Bankier, ging, um seine Schulden zu begleichen, sagte er zu ihm: "`Ich schulde Ihnen eine große Summe, aber da ich sie nicht begleichen kann, werde ich nach dem Brauch Harakiri machen, ich werde mich vor Ihnen umbringen. Ich kann nicht in dieser Ehrlosigkeit bleiben, eine so große Summe zu schulden."' Der Bankier reagierte besorgt und sagte zu dem jungen Mann: "`Mache kein Harakiri, ich bin bereit, alle deine Schulden zu erlassen. Bringe dich nicht um."' Als der junge Mann diese Worte hörte, dankte er und wollte nach Hause gehen. "`Halt, warte kurz, dass wir einen Kaffee trinken"', fügte der Bankier hinzu. "`Ich kann nicht, ich habe es eilig: Ich muss noch zu einigen Orten gehen, um Harakiri zu machen."' Der Japaner suchte alle Bankiers auf, um Harakiri zu machen. Oft benutzen die Menschen einen Volksbrauch, um ihre persönlichen Angelegenheiten zu regeln. Sie wenden wieder die weiße Lüge an. Manche bedienen sich ihrer aus Angst, andere aus Schwäche. Der Mächtige erschreckt den Schwachen. Der erste tritt, der zweite tritt zurück. Wenn du dir bewusst bist, stark zu sein, tritt; wenn du dir aber dessen bewusst bist, schwach zu sein, tritt zurück. Mit anderen Worten gesagt: Wenn du mächtig bist, löst du deine Aufgaben selbst; wenn du schwach bist, mache keine Fehler, die schwer zu lösen sind, aber lass die anderen deine Aufgabe lösen. Wer nicht selbst seine Aufgaben lösen kann, soll Hilfe bei einem, zwei oder drei anderen suchen, bis er sie schließlich lösen kann. Eine der großen Aufgaben, die zur Lösung gegeben wurde, ist die Aufgabe Gott zu dienen. Sie ist so einfach, wie sie auch schwer ist. Wenige haben sie richtig gelöst. Der Mensch kann Gott mit Liebe und ohne Liebe dienen, die Ergebnisse sind allerdings unterschiedlich. So dient er sowohl dem Guten als auch dem Bösen -- Kräften, die sich gegenseitig zuarbeiten. Der Mensch ist insofern stark, als er dem Guten und dem Bösen Bedingungen schafft, sich in ihm zu äußern. Will er seine Kraft behalten, soll er sich niemals weigern, Gutes zu tun. Schiebt niemals den Zeitpunkt auf, Gutes zu tun. Wenn ihr entschieden habt, Gutes zu tun, schiebt es nicht auf. Räuber laufen euch hinterher und Wächter verfolgen euch, dann könnt ihr euch zur Seite wenden, um ein wenig Gutes zu tun. Stellt euch vor, dass euch jemand verfolgt, um euch zu töten. Im gleichen Moment seht ihr ein sterbendes Pferd, das vor Schwäche und Durst äußerst erschöpft, gefallen ist. Wenn ihr für einen Augenblick verweilen könnt, um Wasser zu finden und es dem sterbenden Pferd zu reichen, dann seid ihr in jedem Moment bereit, Gutes zu tun, ihr liebt das Gute und seid mit ihm verbunden. Tut Gutes mit Liebe und habt keine Angst. Der Reiche fürchtet sich Gutes zu tun, um nicht zu verarmen. Es gibt keinen Fall im Leben, in dem jemand Gutes tut und verarmt. Es ist nicht möglich, ohne Liebe Gutes zu tun. Jedes Ding, das ohne Liebe getan wurde, ist das Böse. Und umgekehrt: Jedes Ding, das mit Liebe getan wurde, ist gut. Wer in den Bereich des Bösen gerät, soll danach streben, das geringste Böse zu tun. Kommt er in den Bereich des Guten und der Liebe, soll er danach streben, das größtmögliche Gute zu tun. Was ist das größtmögliche Gute, das der Mensch tun kann? -- Wenn er dem Sterbenden ein Stück Brot und ein Glas Wasser geben und ihn zu Kräften kommen lassen kann, ist das das größtmögliche Gute im gegebenen Moment. Dieser Sterbende verbrachte vierzig Tage hungernd; wenn er einen Tag länger hungern würde, würde er sterben. Würdest du ihm in diesem Moment ein bisschen Brot und Wasser geben, dann hättest du ihm das größtmögliche Gute getan. Ihr werdet sagen, das Geld sei das Wichtigste, ohne es könne man nicht leben. Vor dem Tod ist Geld nichts wert. In diesem Fall sind Brot und Wasser zu bevorzugen. Für den Verzweifelten ist das süße Wort mehr wert als jegliches Geld. Für den Entmutigten, für den Kranken, für den Sterbenden und für den barmherzigen Menschen ist das ein Seil, mit dem sie sich retten. Der gute, barmherzige Mensch gibt ihnen etwas von sich. Der Mensch kann den anderen nichts von sich weitergeben, wenn er es nicht in seinem Herzen, in seinem Verstand und in seiner Seele trägt. Der Gläubige kann zum Beispiel den anderen von seinem Glauben geben, ohne über ihn zu sprechen. Aber der Ungläubige, soviel er auch über den Glauben zu predigen vermag, wird nichts erreichen. Seine Worte werden an den Ohren der Menschen vorübereilen, ohne sie zu berühren. Der Glaube nimmt einen besonderen Platz im menschlichen Kopf ein. Es reicht, den Kopf des Menschen anzuschauen, um zu erkennen, ob er gläubig oder ungläubig ist. Der Glaube hat unterschiedliche Manifestationen. Es ist nicht ein und dasselbe, ob der Mensch an Gott glaubt, an seinen Nächsten oder an sich selbst. An was oder an wen er glaubt, das hinterlässt Abdrücke auf seinem Gesicht. Es ist in der Heiligen Schrift gesagt worden: "`Ich habe euch mit meiner Liebe zu mir gezogen."'\footnote{Vgl. Hos 11,4 Mit menschlichen Tauen zog ich sie, mit Seilen der Liebe.} Also hat die Liebe Fäden, mit denen sie den Menschen anzieht oder verbindet. Die Kraft der Liebe bestimmt den Glauben des Menschen. Äußert sich die Liebe in ihrer Fülle, ist der Glaube beständig und ununterbrochen. Sie wirkt in ruhigen und unruhigen Zeiten und begleitet den Menschen überall hin, das heißt im Diesseits und im Jenseits. Mit dem Glauben und mit der Liebe ist der Mensch sowohl im Diesseits als auch im Jenseits aufgenommen. Er hat überall gute Freunde, die ihn mit Freude willkommen heißen werden. Ohne Glauben und Liebe fühlt sich der Mensch überall einsam, als Fremder, außerhalb seiner Heimat. Er hat Augen mit denen er nicht sieht, er hat Ohren mit denen er nicht hört; er trägt nur ein Bewusstsein in sich, nämlich, dass er allein und von allen verlassen ist. Wenn ihr das wisst, fragt nicht, warum ihr lieben sollt. Ihr werdet die Menschen der Erde lieben, um die äußere Welt zu sehen. Ihr werdet die vernünftigen Wesen in der unsichtbaren Welt lieben, um durch sie die Welt zu sehen, in der sie leben. Wenn jetzt über die \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} zwischen den Menschen gesprochen wird, fragen sie sich, ob man den bösen Menschen lieben kann. Können der gute und der böse Mensch befreundet sein? Wie kann man den bösen Menschen besser machen? -- Indem man ihn zwischen zwei Gute stellt. Wird er nicht zwischen zwei Gute gestellt, kann er nie zu einem besseren Menschen werden. Betrachtet man den Buchstaben \foreignlanguage{bulgarian}{Ж}, wird man sehen, dass er nichts anderes, als die Freundschaft zwischen zwei bösen und einem guten, gerechten Menschen ist. So wird die Kraft des Gerechten und des Guten geprüft. Also unterdrücken die bösen Menschen den Guten. Wie wird man sich von ihnen befreien? -- Indem man beginnt, sie zu lieben. Sie haben dem guten Menschen den Rücken gekehrt und schauen nach draußen, nach der äußeren Welt. Deshalb sagt Christus, man solle seinen Feind lieben. Der Buchstabe \foreignlanguage{bulgarian}{Ж} zeigt auch den Zustand des bösen Menschen zwischen zwei Guten. In dem einen Fall zeigt die gerade Linie im Buchstaben \foreignlanguage{bulgarian}{Ж} die Lage des guten Menschen zwischen zwei Bösen. Im anderen Fall zeigt die gerade Linie die Lage des Bösen zwischen zwei Guten. Derart helfen und beeinflussen sie sich gegenseitig. Indem ihr das wisst, lasst die bösen Menschen, sich nicht untereinander verbinden. Stellt zwischen sie auch gute Menschen, um die Kraft des Bösen zu verringern. Söhnt deshalb das Böse nicht mit dem Guten aus, sondern durch das Gute soll die Kraft des Bösen verringert werden. Wird das erreicht, dann werden das Gute und das Böse parallel zueinander verlaufen und den göttlichen Willen tun. Denkt nicht, dass der gute Mensch alles, was er wünscht, allein tun kann. Kann er einem Verstorbenen Leben schenken? Kann er die Menschen reich und glücklich machen? Also, die Aufgabe des guten Menschen besteht darin, seine Pflichten zu erfüllen, in nichts anderem. Würde er das tun, hätte er seine Aufgabe erfüllt, die Schläge des Bösen abzumildern. Kannst du ein fremdes Kind so lieben, wie seine Mutter und sein Vater es lieben? "`Ich will ihm helfen, es erheben."' Wenn du ihm helfen willst, sollst du es mehr als seine Eltern lieben. Würdest du es lieben, wie seine Eltern es lieben, dann bist du ihm nicht von Nutzen. Dabei musst du auch seine Eltern lieben. Liebst du sie nicht, ist deine Liebe eigensüchtig. So liebst du auch das Huhn: Du fütterst es, kümmerst dich um es, um seine Eier zu nehmen. Es ist heute schwierig, dass der Mensch absolut selbstlose Liebe äußert. Wenn das unmöglich ist, kann er zumindest gerecht werden. Um gerecht, gut und liebend zu werden, soll der Mensch ein hohes Bewusstsein davon haben, dass er sich über die gewöhnlichen Bedingungen des Lebens erhoben hat. Hütet euch vor dem gewöhnlichen Bewusstsein, das Sorgen, Unruhen und Widersprüche schafft. Solange der Mensch in diesem Bewusstsein lebt, gerät er oft in Irrtürmer. In einem armen, amerikanischen Dorf stellte man einen Priester ein, über den es sich sofort herumsprach, er trüge in seinem Haar einen Scheitel. Die Bauern mochten es nicht, sich einen Scheitel im Haar zu ziehen und wandten sich sofort gegen den Priester. Sie sagten, dass sie einen solchen Priester nicht wollten. Bis sie ihren Protest schriftlich dargelegt hatten, war der Priester bereits im Dorf angekommen. Wie groß war die Überraschung der Dorfbewohner, als sie sahen, dass der Kopf des Priesters vollkommen kahl war. Er hatte keine Haare, aber sie hatten sich beirren lassen, indem sie falschen Gerüchten glaubten. Was ist das Schlechte daran, wenn jemand einen Scheitel in seinen Haaren zieht? -- Es ist besser mit Scheitel als ohne. So wie in den Haaren Scheitel gezogen werden, so sollen auch die Gedanken einen Scheitel haben. Wie malt man Christus, wie hat er sein Haar gekämmt, mit oder ohne Scheitel? Der Buchstabe \foreignlanguage{bulgarian}{Ж} stellt das Haar des Menschen dar, in dem ein Scheitel gezogen wurde. Auf der linken Seite des Kopfes ist das Böse, auf der rechten das Gute, in der Mitte der Mensch selbst, der von den Kräften des Guten und des Bösen Gebrauch macht. Nun erinnert euch, dass sich der gute, gerechte Mensch zwischen zwei bösen Menschen wie in einem Gefängnis befindet. Was soll er tun? -- Beten. So haben auch die guten Menschen gebetet, als man Apostel Petrus ins Gefängnis steckte. Als Antwort auf ihr Gebet kam ein Engel vom Himmel herab, stieß die Tür des Gefängnisses auf und kam zu Petrus herein. Er berührte die Ketten und sie fielen von seinen Beinen. Dann sagte er zu ihm: "`Komm heraus und kehre nie mehr ins Gefängnis zurück."' Ist das aufrichtig? -- Für den Schwachen ist das aufrichtig: Wenn jemand von außen kommt und ihn befreit, muss er nicht ins Gefängnis zurückkehren. Derjenige, der unter dem Einfluss des Bösen steht, befindet sich in seinem Gefängnis; wer unter dem Einfluss des Guten steht, befindet sich im Gefängnis des Guten. Welches von den beiden Gefängnissen ist besser? -- Im Gefängnis des Bösen wird man dich mehrmals am Tag schlagen und im Gefängnis des Guten wird man dich regelmäßig mit reiner, gesunder Nahrung ernähren, man wird dich zum Spaziergang ausführen und abends wirst du ins Gefängnis zum Ausruhen zurückkehren. Wenn manche das Leben nicht verstehen, machen sie sich viele Sorgen umsonst. Die Mutter macht sich Sorgen um ihre Kinder und um ihren Mann, der Mann um seine Frau und um die Kinder, die Kinder um ihre Eltern. Die Gelehrten machen sich Sorgen darum, dass die Sonne irgendwann erlischt und das Leben aufhört. Seltsam ist das! Warum solltest du Angst haben, dass die Sonne erlischt? Um zu leuchten und zu scheinen, hat sie jemand angezündet. Wer sie angezündet hat, hat die Sorge um sie; er weiß, warum er sie angezündet hat. Wer sie angezündet hat, steht höher als die Sonne. Es ist Gott, der das Licht (\foreignlanguage{bulgarian}{виделина}, videlina) ist, das niemals erlischt und dunkel wird. Wenn ihr das wisst, strebt danach, mit den Sorgen fertig zu werden. "`Wie sollten wir nicht beunruhigt sein, wenn wir einige Tage nichts gegessen haben?"' Was sollte der hungrige und müde Reisende tun? Stellt euch vor, dass ein Reisender ein Dorf durchquert: Er hungert drei, vier Tage, hat kein Brot und kein Geld in seiner Tasche. Wenn er vernünftig ist, wird er leicht mit seiner Lage fertig werden. Es gibt zwei Wege -- einen inneren und einen äußeren. Wenn er nach dem äußeren Weg arbeitet, kommt er in das Haus von jemandem, um sich auszuruhen. Er beginnt, irgendetwas von seinem Leben zu erzählen, womit er den Gastgeber in Laune bringt, damit dieser ihm etwas zu Essen gibt. Wenn er gemäß des inneren Weges arbeitet, wird er eine gute Charaktereigenschaft der Gastgeber suchen, mit denen er ihre Herzen öffnet. Er soll in die stille Kammer ihrer Seelen eindringen, wo Gott lebt, um sich mit ihnen zu verbinden. Denkt er Gutes über sie, werden sie ihn notwendigerweise willkommen heißen und ihn bewirten. Wenn er etwas Böses über sie denkt, wird er das Böse hervorrufen und anstatt, dass sie ihn willkommen heißen, werden sie ihn berauben. In jedem Menschen wohnt sowohl das Böse als auch das Gute -- von euch hängt es ab, welches ihr in ihm erwecken werdet. Das Böse und das Gute sollen geprüft werden, damit ihr wisst, welches in euch stärker ist. Wenn das Böse stärker ist, dann werdet ihr über das Gute arbeiten, damit beide zumindest ins Gleichgewicht kommen. Im Anfang ist das Gute schwach, das Böse allerdings stark; am Ende ist das Böse schwach und das Gute stark. Die Liebe ist jedoch sowohl am Anfang als auch am Ende stark. Je stärker das Gute wird, desto besser sind die Bedingungen zur Manifestierung der Liebe. Wenn das Gute nicht mit seiner schwachen Seite beginnt und nicht allmählich stärker wird, wird sich die Liebe nie äußern. Eines der Hauptgesetze der Liebe ist, dass sie alles gibt und alles nimmt. Das bedeutet weder, dass ihr wünschen sollt, dass die ganze Welt euch gehört, noch dass ihr danach streben sollt, dass alle Güter euch gehören. Gebt euren Nächsten die Möglichkeit, an euren Gütern teilzuhaben, damit sie eure Freunde werden. Gebt euren Nächsten von eurer Liebe, damit ihr geliebt und von ihnen geehrt werden könnt. Wenn ihr euren Nächsten nicht die Möglichkeit gebt, an eurem Wissen, an eurem Wohl, an euren Gütern und an der Liebe, die ihr habt, teilzuhaben, könnt ihr nichts erreichen. Wenn du ein Sänger wärest, singe nicht nur für dich, sondern auch für den Kranken, den Entmutigten, den Verzweifelten. Singe ihnen ein Lied, sage ihnen ein süßes, ermutigendes Wort. Sage dem Kranken und dem Verzweifelten: "`So wie die Sonne aufgeht, so werden sich auch deine Dinge regeln."' Heute fragen alle danach, wer im jetzigen Krieg siegen wird. Eine solche Frage zu stellen, das bedeutet zu fragen, wer siegen wird: der Fluss oder der Fels. Der Fluss muss seinem Weg folgen, um ins Meer zu münden. Der Fels kann den Fluss umleiten, um ihn jedoch dahin zu lenken, wo er benötigt wird. Wenn der Fluss auf keine Hindernisse stößt, soll er seinem Weg folgen und dorthin fließen, wo man ihn benötigt. Würde der Fluss von seinem Weg abweichen, dann würde er sich eine Abbiegung suchen und wieder dorthin fließen, wo man es erwarten würde. Der Mensch kam auf die Erde, um den Willen Gottes zu erfüllen. Die junge Frau und der junge Mann heiraten, um zu lernen, zusammen Gott zu lieben. Wenn sie nicht lernen, Gott zu lieben, ist ihre Heirat gegenstandslos. Hättest du einen Freund, würde deine Aufgabe darin bestehen, ihn zu lehren, Gott zu lieben. Er hat auch dir gegenüber dieselbe Aufgabe. Alle Menschen sollen Gott lieben und wissen, dass er Liebe ist. Wenn die Liebe in den Verstand des Menschen, in sein Herz und seine Seele eindringt, wird die Welt in Ordnung kommen. Wo Liebe ist, dort ist auch Ordnung; dort ist Musik, dort ist die Kunst. Wer mit Liebe spielen kann, der kann die Welt in Ordnung bringen: Herrscht Dürre, wird er Regen bringen; tobt ein Gewitter, wird er das Gewitter bändigen. Wenn er dem Kranken vorspielt, wird er ihn aus dem Bett heben. "`Wie geschieht das?"' Das ist nicht meine Angelegenheit. Das ist eine Kunst aus der göttlichen Welt. Wer diese Kunst erlangt, wird sofort musikalisch -- sein Musikgefühl wird sich manifestieren. Niemand hat das Recht, diese Kunst zu missbrauchen. Die gewöhnliche Liebe gibt nur gewöhnliche Errungenschaften, die göttliche Liebe gibt ungewöhnliche Errungenschaften. Wendet die göttliche Liebe an, lernt von ihr, um ungewöhnliche Ergebnisse zu haben. Wenn alle Menschen gut, schön, stark und liebend werden, wird Ordnung in der Welt herrschen. Es ist an der Zeit, dass die Menschen aus der menschlichen Liebe heraustreten und in die göttliche Liebe eintreten. Manch einer sagt, er könne die Menschen nicht ertragen. Warum kann er sie nicht ertragen? -- Weil seine Liebe begrenzt ist: Diesem gibt er, jenem gibt er nicht; diesem lächelt er zu und heißt ihn willkommen, dem anderen gegenüber ist er streng, empfängt ihn nicht in seinem Haus. Weitet euch, öffnet eure Herzen für die göttliche Liebe, um alle Menschen ertragen und lieben zu können. Lehrt euch gegenseitig, Gott zu lieben, damit Er auch euch liebt. Eine der Eigenschaften der großen Liebe ist ihre Fähigkeit, bittere Früchte in süße Früchte, kranke Menschen in Gesunde, Böse in Gute umzuwandeln. Wer gelernt hat, Gott zu lieben, wird auch sein Umfeld lehren, wie sie lieben sollen. Wenn er selbst diese Kunst nicht gelernt hat, kann er sie auch den anderen nicht weitergeben. Moses gab den Juden einige Gebote, zeigte ihnen, wie sie Gott lieben sollen, aber sie lernten diese Kunst nicht. Gott sandte Seinen Sohn, der sie lehren sollte, aber sie wollten ihm nicht folgen und kreuzigten ihn. Jetzt wird euch auch gesagt: Nehmt die göttliche Liebe als Gerechtigkeit, als Schönheit, als Wissen an, um euch und euren Nächsten nützlich zu sein. Alle Menschen sind als Arbeiter auf dem göttlichen Feld aufgerufen. Indem der Mensch mit Liebe arbeitet, erfüllt er den göttlichen Willen. Er hilft, ohne zu sprechen. Das Feuer zeigt von weitem an, dass es brennt. Das Brot spricht selbst für sich. Wenn es in den Magen kommt, zeigt es sofort seine Kraft. So verhält es sich auch mit der Liebe. Sie benötigt keine Predigten. Es reicht, dass ihr sie wahrnehmt, um zu verstehen, dass sie das Leben mit sich bringt. Sie erneuert, verjüngt und erhebt den Menschen. Strebt nach der Liebe, damit ihr euch verjüngt und aufersteht. Das ist das ewige Leben, dich zu erkennen, den einen und wahren Gott und Christus, den du gesandt hast. 19. August 1942, 5.00 Uhr -- Sofia-Izgrev
  10. BEI TAGESANBRUCH In der Bibel steht geschrieben, dass das Leben des Gerechten der Morgendämmerung gleicht.\footnote{Vgl. Spr 4,18 Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.} Oft werden folgende Fragen gestellt: Was ist der Grund des Lebens; was ist der Grund der Welt? Bevor man diese Fragen beantwortet, ist die Frage nach dem Leben des Menschen wichtig. Worauf gründet das menschliche Leben? -- Das menschliche Leben lässt sich von drei wichtigen Ursprüngen leiten -- vom Verstand, vom Herzen und vom Willen. Wenn der Mensch zu diesen Ursprüngen gelangt, dann schreitet er fort, er will wissen, was die Seele ist, ob sie existiert oder nicht. Die Seele ist überall; sie ist gleichzeitig so klein und so groß, dass sie mit nichts gemessen werden kann. Was stellt das Leben dar? -- Auch auf diese Frage kann man nicht so leicht antworten. Nur wer die höhere geistige Mathematik kennt, kann das Leben verstehen. Dasselbe gilt auch für die Welt. Sie wurde aus der Gesamtheit einer Menge von Zahlen erschaffen, die harmonisch aufeinander abgestimmt sind. Ihr werdet vielleicht fragen: "`Aus welchen Zahlen wurde die Welt erschaffen -- aus geraden oder ungeraden Zahlen?"' Die Antwort auf diese Frage ist ein Wahrsagen. Was stellt das jetzige Leben der Menschen dar? -- Ein Wahrsagen. Die meisten Menschen leben so, als würden sie auf jemanden warten, der ihnen die Zukunft voraussagt. Sie leben Tag für Tag, stehen morgens aus dem Bett auf und denken sich dabei: "`Mal sehen, was uns heute geschieht."' Auf diese Weise handeln auch die junge Frau und der junge Mann. Sie suchen eine alte Frau -- eine Wahrsagerin -- auf, ihnen Bohnen zu werfen, ihnen Karten zu legen oder aus dem Kaffeesatz zu lesen, was sie in naher oder ferner Zukunft ereilen wird. Wenn man die Wahrsagerinnen fragt, was sie aus den Bohnen und dem Kaffeesatz herauslesen und verstehen, dann wissen sie es nicht einmal selbst; manchmal aber erraten sie etwas. Es gibt Wahrsagerinnen, die den Menschen wahrsagen, aber sich selbst können sie nicht wahrsagen. Wenn zwei Wahrsagerinnen zusammen kommen, so können sie sich zwar gegenseitig wahrsagen, aber nicht für sich selbst. In der Gegend von Varna gab es eine Wahrsagerin, die die Zukunft der Menschen wahrsagen konnte. Zu ihr strömten Menschen aus der ganzen Umgebung und waren mit ihrem Wahrsagen zufrieden. Sie verdiente viel Geld. Das Interessante dabei war, dass sie allen wahrsagen konnte, was mit ihnen geschehen wird. Nur sich selbst konnte sie nichts wahrsagen. Eines Abends wurde sie von Räubern überfallen und ausgeraubt. Alles, was sie verdient hatte, fiel in deren Hände. Nun wurde sie wieder so arm, wie sie vorher war, bevor sie als Wahrsagerin berühmt wurde. Während die Menschen leben, wollen sie sich selbst erziehen, ihren Verstand aufklären und das Herz veredeln. Allerdings wissen sie nicht, was der Gegenstand ihres Begehrens ist. Die erste Aufgabe des Menschen besteht darin, die Möglichkeiten und die Bedingungen zur Äußerung seines Verstandes und Herzens zu nutzen und sich erst danach um die Aufklärung des Verstandes und die Veredelung des Herzens zu kümmern. Wenn diese sich äußern, dann ist es ganz natürlich, dass der Verstand nach Bedingungen für seine Aufklärung und das Herz nach Bedingungen für seine Veredelung suchen werden. Die Aufgabe des Menschen besteht zunächst darin, seinen Bezug zum Göttlichen in sich selbst und zu seiner Seele zu bestimmen und sich auf diesen Bezug zu verlassen. Über was für ein Kapital die Menschen verfügen, wie sie denken -- wie gut und stark sie sind -- darauf sollst du dich nicht verlassen. Verlasse dich nur darauf, worüber du selbst verfügst und was du in deinem Verstand und in deinem Herzen hast. Ihr werdet sagen, man solle sich nur auf Gott verlassen. Das ist eine andere Frage. Um sich auf Gott verlassen zu können, müsst ihr Ihn kennen und Ihn als eine in euch und außerhalb von euch existierende Realität verstehen. Gott ist sowohl im Kleinen als auch im Großen des Menschen. Gott ist gleichzeitig im Kleinen und im Großen außerhalb des Menschen. Folglich, wenn wir sagen, dass wir uns auf das Göttliche in uns verlassen müssen, meinen wir Gott als Realität, die sich niemals verändert. Erst danach kann man sich teilweise auch auf die Menschen verlassen. Das Leben der Menschen braucht einen festen Grund, auf dem alles seinen Platz hat. Nur in diesem Fall wird der Mensch eine klare Vorstellung vom Tod und vom Leben, von der Geburt und von der Wiedergeburt haben. Heutzutage äußern sich viele oberflächlich über den Tod und plötzlich hört ihr jemanden sagen: "`Ich werde bald sterben."' Wie kam dieser Gedanke in seinen Kopf? Warum denkt der junge Mensch nicht an den Tod und spricht nicht darüber? Wenn die Zeit reif ist, dass ein Kind zur Welt kommt, sagen alle: "`Ein Kind wird in diesem Haus geboren werden."' Was bedeutet die Geburt? Im weitesten Sinne hat die Geburt viele Manifestationen. Allein dass der Mensch nur auf die Welt kommt, ist noch keine Geburt. Wenn euch jemand besucht, ist das auch eine Art Geburt. Solange er euer Gast ist und sich unter euren Bedingungen befindet, ist er eingeschränkt. Sobald er euer Haus verlassen hat, ist er für euch tot, für sich selbst erlebt er eine Geburt, er ist aus den Einschränkungen eures Hauses herausgekommen. Daher sind die Begriffe "`Geburt"' und "`Tod"' relativ. Der Mensch wird geboren, wenn er die Einschränkungen verlässt, in denen er ganze neun Monate gelebt hat. Danach tritt er unter andere beschränkende Lebensbedingungen. Nach einiger Zeit verlässt er die Erde -- er stirbt, kommt ins Jenseits, wo er wiedergeboren wird. Also wird der Mensch ständig für bestimmte Bedingungen neu geboren und für andere stirbt er. Das zeigt, dass Tod und Geburt im Leben vielfältige Prozesse sind. Wenn die Rede von freien und von begrenzten Menschen ist, so nennen wir diejenigen frei, die keine Häuser haben, das heißt diejenigen, die außerhalb ihres Körpers leben. Ihr würdet sagen, das seien Tote. Wir nennen die Toten freie Menschen. Dagegen sind diejenigen nicht frei, die in kleinen, verschlossenen Häusern wohnen. Der menschliche Körper ist ein kleines Haus, in dem sich der Geist und die Seele nur zeitweilig aufhalten. Ihr werdet erwidern, dass das einzig Reale im Leben der Menschen in der Gründung einer Familie bestehe -- man solle heiraten, eine Frau und Kinder haben. Wie lange könnt ihr eine Frau oder einen Mann haben? Gibt es so etwas im Leben, dass Mann und Frau ein Leben von hundert Jahren zusammen verbracht haben? Wenn sie mit zwanzig geheiratet und hundert Jahre miteinander gelebt hätten, so würden sie beide mit hundertzwanzig Jahren ins Jenseits kommen müssen. Ein solcher Fall ist mir bis jetzt noch nie im Leben begegnet. Wenn also ein Mann und eine Frau heiraten, leben sie insgesamt höchstens vierzig bis fünfzig Jahre zusammen und dann scheiden sie dahin -- der eine früher als der andere. Ist das, was nur vierzig bis fünfzig Jahre dauert, real? Irgendwo lebten der Mann und die Frau nur ein, zwei Jahre zusammen und trennten sich danach. Die wirklich realen Dinge dagegen sind ewig. Wer den Sinn des Heiratens nicht versteht, möchte so schnell wie möglich heiraten und in ein neues Leben treten. Das lässt sich leicht machen, aber man sollte dabei wissen, dass das Heiraten ein Dienen ist. Jeder kann ein Diener werden. Wenn du irgendwo einen Dienst ausgehandelt hast, ist es jedoch wichtig, dass man dich nicht vorzeitig vertreibt, ohne dich bezahlt zu haben. Wenn dein Lohn gekürzt wird, zeigt das an, dass es etwas gibt, das nicht in der natürlichen Ordnung der Dinge ist. Wenn man dagegen deinen Lohn erhöht, ist das in der Ordnung der Dinge. Wenn ein junger Mann und eine junge Frau heiraten, bezahlen sie einander teuer. Sie geben sich hundert Küsse am Tag. Jeder Kuss ist pures Gold, ein Vermögen. Je länger sie zusammenleben, desto seltener werden auch die Küsse. Im zweiten oder dritten Jahr ihres Zusammenlebens geben sie sich kaum einen Kuss am Tag und im zehnten Jahr nur einen Kuss im Jahr. Das bedeutet, dass ihr Lohn bis auf das Minimum gesunken ist. Wenn der Lohn zwischen den Eheleuten sinkt, verschlechtert sich ihr Leben allmählich; es verliert jegliche Poesie. Viele der heutigen Menschen wissen nicht, wie man sich richtig küsst. Das ist nichts anderes als ein Betrug. Viele Menschen geben sich nicht richtig die Hand. Sie reichen nur einen, zwei oder drei Finger. Du sollst aber die ganze Hand reichen, damit man weiß -- auf dich ist Verlass. Die jetzigen Menschen leugnen die Existenz der Seele, aber ihr Streben, sich zu manifestieren ist eigentlich nichts anderes, als ein Streben der Seele nach Ausdruck. Sie manifestiert sich mit Hilfe des Verstandes, des Herzens und des Willens. Der Verstand manifestiert sich durch die Augen, das Herz durch die Nase und der Wille durch den Mund. Schaut, was ein Löwe tut, wenn er ein Opfer fängt. Er packt es mit den Pranken und steckt es in sein Maul, um es zu zerreißen. Folglich ist der Mund eine Manifestation des Willens. Manche wollen wissen, ob sie einen Willen besitzen oder nicht. Das ist aber unwichtig. Wichtig ist, einen starken Willen zu haben. Je größer der Mund des Menschen, desto stärker der Wille; aber wie groß der Mund sein soll, ist eine Frage, die ihr selbst studieren sollt. Jeder Mensch hat einen Mund, eine Nase, Augen, Augenbrauen und Ohren, aber nur wenige wissen, wie viele Zentimeter diese Körperteile messen. Keiner hat sie genau gemessen, um die Länge seiner Körperteile zu kennen. Wenn man einen Landwirt nach der Größe seines Ackers fragt, sagt er das ganz genau. Fragt man ihn nach der Größe seines Hauses, so weiß er auch das. Fragt man ihn aber nach seinem Kopf, so weiß er es nicht, weder wie lang noch wie breit er ist. Das Leiden der Menschen lässt sich auf die Tatsache zurückführen, dass die Dinge, derer sie sich bedienen, nicht richtig geschaffen wurden; sie entsprechen nicht den genauen Maßen, die die Natur für sie vorgesehen hat. Die gegenwärtigen Häuser sind sehr schön. Schönere und bequemere Häuser kennt die Menschheit nicht und trotzdem sind sie unhygienisch. Das Licht fällt nicht richtig in die Räume, weshalb die meisten Menschen nervös und leicht reizbar sind. Die Lichtstrahlen werden von den Wänden und der Decke nicht harmonisch gebrochen. Nicht nur das, sondern auch die Betten sowie die Decken sind unhygienisch. Dasselbe trifft auch auf die Kleidung zu, mit der sich die Menschen kleiden. Sie ist unhygienisch, weshalb die Menschen Kleider schaffen sollen, die den Anforderungen der Natur entsprechen. Wenn man auf das Essen zu sprechen kommt, gibt es dort auch etwas Unharmonisches. Das Hauptelement der Ernährung -- der Weizen -- wird mit Steinen gemahlen. Das bedeutet, ihm die Nährwerte, die ätherischen Öle, zu entziehen und nur die Kleie zu behalten. In Zukunft wird der Weizen nicht trocken gemahlen werden. Das Überwiegen gerader Linien und spitzer Winkel im Leben der Menschen ist eine der Ursachen für ihre Leiden überhaupt. Wegen der Entstellung seines Lebens entstellte der Mensch seine Körperteile. Selten werdet ihr auf einen wohlgeformten Kopf treffen. Aus diesem Grund wird das Licht von den Menschen nicht gleichermaßen wahrgenommen. Das Licht fällt nicht unter den gleichen Winkeln ein, weshalb die Menschen unterschiedliche Ansichten sowohl über die religiösen als auch über die sozialen Fragen haben. Ihr könnt nicht zwei Menschen treffen, die dasselbe Verständnis von der Liebe haben. Wenn zwei gute Künstler sich vornehmen, ein und denselben Menschen zu malen und seine Hauptzüge wiederzugeben, so werden sie sich in ihren Auffassungen voneinander unterscheiden: Beide werden seine Züge unterschiedlich darstellen. Jeder von den beiden Künstlern wird in seinem Bild das hervorheben, was ihn beeindruckt hat. Schließlich werden wir zwei verschiedene Abbilder ein und desselben Menschen haben. Um genau malen zu können, muss der Künstler dem Weg der Natur folgen: die Charakterzüge des Menschen so wiedergeben, wie die Natur sie geschaffen hat, ohne jegliche Minderung oder Verstärkung. Keiner ist in der Lage, die Natur zu übertreffen. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Natur nachzuahmen und nicht, mit ihr in Konkurrenz zu treten. Was ist der Mensch an sich? -- Die Summe von Milliarden kleiner Seelchen oder Wesen, die sich im Namen der göttlichen Liebe einverstanden erklärt haben, in den Menschen einzudringen und für ihn zu arbeiten, ihm den Ausdruck eines Menschen zu verleihen. Sie haben ihr Leben für ihn geopfert, sind seine Diener geworden und, weil der Mensch sie nicht versteht, sagt er: "`Was stellt eigentlich der menschliche Körper dar?"' -- Nichts weiter als eine Maschine. Einige Gläubige betrachten den Körper sogar als ein Hindernis für das geistige Leben und sagen: "`Wir brauchen keinen Körper und können uns von ihm befreien. Für uns ist nur die Seele wichtig, die flexibel, beweglich und allgegenwärtig ist."' Wie groß auch immer die Seele sein mag, sie ist gleichzeitig in allen Zellen des menschlichen Körpers anwesend. Je nach Bedarf kann sich die Seele verkleinern und vergrößern. Die kleinen Zellen bauen den großen Körper. Wenn jemand seinen Körper betrachtet, so fragt er sich, mit welchem Körper er in Zukunft auf die Erde kommen wird. Es ist unwichtig, mit welchem Körper der Mensch auf die Erde kommt; wichtig ist es vielmehr, mit wie vielen Seelen er kommen wird, das heißt mit welcher Anzahl. Wenn er mit weniger Seelen kommt, als jenen, die zurzeit Teil seines Körpers sind, so wird er nie ins Paradies kommen. Es ist bewiesen worden, dass den schlechten Menschen und den Kriminellen etwas fehlt. Das bedeutet, dass in jedem weiteren Leben die kleinen Seelen, eine nach der anderen, diese Art von Menschen verlassen. Sie werden dann einem leeren Bienenstock gleichen. Die Bienen sind weg, die Körbe bleiben. Sobald die kleinen Seelchen erfahren, dass jemand den Willen Gottes nicht befolgt hatte, sagen sie: "`Dieser Mensch wird nicht zur Vernunft kommen; verlassen wir ihn, bis er seine Lektion gelernt hat."' Dieser Mensch merkt, dass etwas von ihm verschwindet und er allein bleibt. Dieser Zustand der Einsamkeit beängstigt ihn und er fühlt sich innerlich verlassen und arm. Solange sich die kleinen Seelchen im Menschen befinden, ist er froh und munter. Verlassen sie ihn, überkommt ihn Trauer, er beginnt, über sein Leben zu klagen, bis er eines Tages dahinscheidet. Wenn der Mensch im Leben allein bleibt, beginnt er nach Gott zu suchen und zu beten. Er fragt, wo Gott sei und möchte Ihn außerhalb von sich finden. Ohne Liebe (ljubov) und \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} kann man nicht in Kontakt mit Gott kommen. Zu denken, dass der Mensch ohne Liebe (ljubov) und \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} im Leben auskommen kann, bedeutet, ein materialistisches Verständnis vom Leben zu haben. Wenn alle Zellen, alle Körperteile eines Menschen nicht einzeln lieben können, so kann auch der ganze Mensch nicht lieben. Die Liebe ist eine Eigenschaft der Seele. Also liebt der Mensch mittels der Zellen seines Verstandes und seines Herzens; der Mensch liebt mittels der Seele und des Geistes. Je mehr Tugenden der Mensch besitzt, desto stärker ist seine Liebe. Je größer sein Verstand, sein Herz, seine Seele und sein Geist sind, desto stärker ist seine Liebe. Ein Haus, in dem die Menschen nicht streiten, ist ein Haus der Liebe. Über dieses Haus kann man sagen, es sei hygienisch. Was sagt ihr über ein Haus, in dem die Menschen ständig streiten? Ihr werdet sagen, dass sie täglich dreimal zu Gott beten. Ich lese die Überschriften und sehe, dass sie sich dreimal täglich streiten und über ihr Leben klagen. Sie beten für Brot, Kleider, Häuser, Geld. Selten sehe ich Überschriften, die mir zu verstehen geben, dass das Haus den Willen Gottes erfüllt und die Menschen in diesem Gott dienen. Es gibt nichts Großartigeres im Leben der Menschen als das Dienen. Wem kann man dienen? -- Dem Vollkommenen. Wem kann der Schüler gehorchen? -- Seinem Lehrer. Damit der Schüler absolut gehorsam ist, muss der Lehrer genial sein. Ein genialer Lehrer zeichnet sich durch seine große Standhaftigkeit und Entschlossenheit aus. Als Mohammed seine Lehre predigte, überkam ihn letztendlich ein großer Zweifel und er beschloss, vor den Menschen die Flucht zu ergreifen. Er konnte den Verleumdungen und Verfolgungen, denen er ausgesetzt war, nicht standhalten. Er kam an einen Ort, um zu rasten und versank in tiefes Nachdenken. Da sah er eine Ameise, die eine für sie viel zu schwere Last trug, sie wollte sie in den Ameisenhaufen bringen. Mohammed zählte, wie viele Male die Ameise ihre Last fallen ließ und wieder vom Boden aufhob. Endlich hob die Ameise die Last auf und schaffte es, sie in den Ameisenhaufen zu bringen. Als Mohammed ihre Beharrlichkeit sah, dachte er: "`Welch seltsame Sache, dass eine Ameise eine solche Hartnäckigkeit und einen solchen Mut ausdrücken kann! Sie konnte ihre Last neunundneunzig Mal fallen lassen und wieder aufheben in der Hoffnung, dass sie es beim hundertsten Mal schafft und ich bin schon bei meinen ersten Versuchen verzweifelt. Ich gehe wieder zu den Menschen zurück und werde die Beharrlichkeit der Ameise anwenden. Beim hundertsten Mal werde auch ich Erfolg haben."' Die Ameise ist klein, aber auch von ihr könnt ihr lernen. Der Mensch will nur eines -- sich absichern. Wenn er diesen Wunsch nicht verwirklicht, überkommt ihn die Verzweiflung. An welche Absicherung kann der Mensch denken, wenn er schon bei seiner Ankunft auf die Erde abgesichert ist? Derjenige, der ihn auf die Erde geschickt hat, hat ihn abgesichert. Glaubt an Denjenigen, der in eurem Verstand und in eurem Herzen lebt. Er bringt eure Angelegenheiten in Ordnung, so wie es sich gehört. Solange ihr Gott liebt, solange sorgt Er auch für euch. Hört ihr auf, Gott zu lieben, so verlässt Er euch auch. Wer auf die Liebe verzichtet, hält sich selbst für eine Gottheit. Er will im Leben eine große Rolle spielen. Um richtig groß zu sein, müsst ihr auch eine große Last tragen. Ein großer Mensch löst große Fragen. Er muss dabei das Wohl der ganzen Menschheit im Sinn haben. Jeder Mensch soll nicht nur für sich, sondern auch für seine Nächsten einen Beitrag leisten. Die Welt braucht lebendiges Brot. Wer auch an seine Mitmenschen denkt, ist ein guter Mensch. Auf diese Weise gibt man dem Göttlichen in sich einen freien Weg und zieht dadurch die Menschen an. Wer nur an sich denkt, stößt die Menschen ab, auf ihn ist kein Verlass. Derjenige, der das Licht Gottes nicht aufnehmen kann, kann auch nichts erreichen. Der Mensch ist auf die Erde gekommen, um sich selbst zu erziehen und drei Dinge zu erreichen: erstens die Kunst zu erlangen, richtig zu gehen und sich zu bewegen; zweitens zu lernen, Wissen und Erfahrung zu sammeln und drittens, arbeiten zu lernen. Arbeiten heißt, alles anzuwenden, was der Mensch bisher gelernt hat. Es reicht, sich im Spiegel zu betrachten, um nachzusehen, ob die Augen klar oder trübe sind. Klare Augen zeigen, dass der Mensch in sich gerade Gedanken, gerade Gefühle und gerade Handlungen hervorgebracht hat. Denkt, fühlt und handelt der Mensch nicht gerade, sind seine Augen trüb und voller Nässe. Einst war die Erde auch feucht, aber als Gott nur ein Wort sagte, verteilte sich die Feuchtigkeit, das heißt das Wasser, in Meere und Ozeane und der Himmel wurde klar. Unsere Gedankenwelt muss sich aufklären, die Wolken müssen wegziehen und der Horizont muss sich klar und rein ausbreiten. Die Sterne am Himmel symbolisieren die Menschen. Sonne und Mond stellen die zwei Systeme dar, derer sich die Menschen bedienen. Die Sonne ist der Vertreter der gelehrten und der Mond der Vertreter der religiösen Menschen. In der Heiligen Schrift steht geschrieben, dass sich Sonne und Mond verfinstern werden. Darunter ist zu verstehen, dass Religion und Wissenschaft von ihrem derzeitigen Stand absteigen werden. Ein neues Leben, neue Wege, neue Bedingungen kommen in die Welt. Heutzutage kämpft die ganze Welt, kämpfen alle Völker, für eine Idee. Ist diese Idee an der richtigen Stelle? Wenn ein Steinhauer Steine bricht, um sie für den Bau eines Hauses zu verwenden, ist das Steinebrechen an seinem Platze. Wenn ein Holzfäller Bäume fällt, um damit ein Haus zu bauen, ist das Holzfällen an seinem Platze. Aber wenn ein Steinhauer und ein Holzfäller eine Arbeit verrichten, ohne ein Wohl im Sinn zu haben, ist ihre Tat nicht an ihrem Platze. Die Wälder wahllos abzuholzen, das bedeutet, großes Unglück zu schaffen. Bearbeitet den Boden und stärkt die Vegetation, um nicht zu leiden. Die Ursache für viele Krankheiten des Menschen ist die schwache Vegetation in seinem Organismus. Die Vegetation in seinem Gehirn, in seinen Lungen und in seinem Magen lässt nach, weshalb diese Organe erkranken und es kommt zu Gehirnstörungen, Magenverstimmungen und Lungenschwächen. Ist die Vegetation des Menschen stark genug, so erfreut er sich eines langen Lebens. Die Pflanzen kennen das Gesetz des langen Lebens besser als der Mensch. Es gibt Bäume, die Jahrhunderte und Jahrtausende leben; dagegen hat kein Mensch jemals tausend Jahre erreicht. Im Alten Testament haben wir das Beispiel nur eines Menschen, der am längsten gelebt haben soll und selbst das nur neunhundert Jahre. "`Das Leben eines Gerechten gleicht dem Tagesanbruch."'\footnote{Vgl. Spr 4,18 Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen.} Verkehrt mit guten und gerechten Menschen, damit auch in euch die Morgendämmerung des neuen Lebens anbricht. Ein bulgarisches Sprichwort besagt: "`Dem, mit wem du verkehrst, dem ähnelst du."'\footnote{Deutsch: Sage mir, mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist.} Wenn du mit einem Kranken verkehrst, so wirst du selber krank; verkehrst du mit Gesunden, wirst auch du gesund sein; wenn du mit dem Klugen verkehrst, so wirst auch du klug; verkehrst du mit starken Menschen, so wirst du selber stark. Folglich, damit sich die Welt in einem Tag verbessert, sollen die Menschen mit der Liebe, das heißt mit Gott, verkehren. Das Leben auf der Erde ist vergänglich. Der Mensch gleicht einem Mieter -- von ihm hängt es ab, für längere oder kürzere Zeit in dem Haus zu bleiben, das er gemietet hat. Wenn seine Beziehung zum Vermieter gut ist, wird er länger im Haus leben. Verschlechtert sich die Beziehung zu ihm, wird ihn der Letztere rauswerfen. Wenn man sein Leben verlängern will, soll man Liebe zu sich selbst und zu seinen Nächsten haben. Was für eine Liebe? -- Die Liebe, die den Menschen auferstehen lässt. Wenn ein junger Mann leuchtenden Verstandes und guten Herzens einer jungen auf dem Sterbebett liegenden Frau sagt, er liebe sie, so wird sie zu sich kommen, genesen und das Bett verlassen. Sie war bereit zu sterben, weil sie dachte: "`Niemand liebt mich."' Im gleichen Moment, wo die junge Frau sich vergewissert hat, dass jemand sie liebt, erwacht sie für ein neues Leben und wird gesund. Die heutigen Menschen sterben an Lieblosigkeit und erwachen zum Leben, wenn sie geliebt werden. Daraus folgt: Der Mensch lebt, solange es jemanden gibt, der ihn liebt und stirbt, wenn er von niemandem geliebt wird. Ihr müsst davon überzeugt sein, dass es den Einen gibt, der euch liebt. Wer ist Er? Er ist der Eine, der Ewige, der sich von niemandem lossagt, niemanden verurteilt, auf niemanden einen bösen Blick zu werfen vermag, niemandem ein bitteres Wort sagt. Wenn er jemandem, der einen Fehler begangen hat, begegnet, sagt er zu ihm: "`Du bist ein gutes Kind, aus dir wird ein Mensch werden."' Es mag sein, dass die Engel an diesem Menschen keinen Gefallen finden, Gott aber liebt alle. Gott wird lächeln und ihn segnen. Dank des Blickes und des Lächelns, mit denen sich Gott an euch richtet, seid ihr froh und munter. Zweifelt ihr an Gott, so verlässt euch die Freude. Fasst ihr Mut in eurem Leben, besucht euch die Freude wieder. Jeder Mensch soll an sich selbst arbeiten, um das Bild des wahren Menschen zu erschaffen. Als Vorbild des wahren Menschen dient uns Christus. Er sagte: "`Ich bin gekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat."'\footnote{Joh. 6,38.} Mit seinem Leben hat er bewiesen, dass er nicht kam, um seinen Willen zu erfüllen. Wenn Christus seinem eigenen Willen gefolgt wäre, so hätte er bitten können und ihm wären zwölf Legionen Engel zu Hilfe gekommen. Ein Engel ist imstande, mit 150000 Seelen zurechtzukommen. In nur einer Nacht hätten sie es geschafft, mit der ganzen Menschheit zurechtzukommen. Dies war aber nicht das Ziel Christi. Christus kam, um die Liebe der Menschen zu prüfen und die Liebe Gottes anzuwenden. Wie die Liebe der Menschen war, spürt Christus bis heute auf seinem Rücken. In der Heiligen Schrift steht, dass Christus Saulus auf einem Pferd traf und ihn mit seinem Licht blendete. Christus fragte ihn: "`Saul, Saul, was verfolgst du mich?"' "`Wer bist du, Herr?"' "`Ich bin Jesus, den man gekreuzigt hat. Es ist hart für dich, wider den Stachel auszuschlagen."'\footnote{App. 26,14.} Ab diesem Moment bekannte sich Saulus zu Christus und wurde zu seinem eifrigsten Anhänger. Saulus hatte begriffen: Auf das Opfer, das Christus für die ganze Menschheit erbracht hatte, soll man wieder mit einem Opfer antworten. Die heutigen Menschen denken, dass sie ihre Frau, Kinder und Haus verlassen müssen, wenn sie sich für Christus opfern sollen, aber das stimmt nicht. Wenn der Mann Christus erkennt und ihn zu lieben beginnt, dann wird er auch seine Frau und seine Kinder lieben. Wenn die Frau Christus zu lieben beginnt, wird sie ihren Mann und ihre Kinder lieben. Dasselbe gilt auch für die Kinder. Wenn sie Christus lieben, so werden sie auch ihre Eltern lieben. Wenn die Menschen Christus erkennen und lieben, werden sie auch ihre Heimat lieben und wahre Patrioten werden. Das bedeutet Christus zu erkennen! Wenn die Menschen Christus erkennen und ihn lieben, werden sie bereit sein, von ihren Gütern etwas an diejenigen abzugeben, die nichts haben, genauso wie der Briefträger die Briefe an diejenigen verteilt, für die sie bestimmt sind. Ich will, dass ihr heute folgenden Versuch macht: Bleibt fünf bis sechs Stunden in absoluter innerer Ruhe, nachdem ihr den Saal verlassen habt. Was euch tagsüber auch immer geschehen mag, seht keinen Widerspruch, keinerlei Disharmonie darin. Stellt euch vor, ihr würdet in der Welt der Engel leben. Wer auch immer zu euch spricht, hört ihm gut zu und stellt euch vor, ihr würdet irgendeine Musik hören. Wenn euer Mann und eure Kinder zornig und böse sind, hört ihnen zu und sagt euch: "`Wie schön sie reden!"' Seid blind und taub für die Fehler der Menschen. Nur so werdet ihr die Liebe Christi verstehen. Christus lebt in den Seelen der Menschen. In der Bibel steht: "`Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen."'\footnote{Hesekiel 33,11; s.o. 18,23.} Warum? -- Weil Gott auch in der Seele des Gottlosen lebt. Gott interessiert sich für das Leben und nicht für den Tod. Folglich hat der Tod einen Sinn, wenn der Mensch stirbt, um zu leben; aber wenn der Mensch lebt, um zu sterben, dann haben weder Leben noch Tod einen Sinn. Das Erste, was vom Menschen verlangt wird, ist Gott für seinen Kopf zu danken, der ihm gegeben wurde. Nachdem er erkannt hat, wer ihm den Kopf gab, muss er ihn aufrecht und nicht gesenkt halten. Wenn der Mensch sich dessen bewusst geworden ist, welches Gut ihm damit gegeben wurde, soll er zu sich selbst sagen: "`Ich danke für das göttliche Licht, das ich mit meinem Kopf wahrnehmen kann. Ich danke für die Liebe, die ich mit meinem Herzen wahrnehmen kann. Ich bin bereit, das Licht und die Liebe, die ich wahrnehme, anzuwenden, nicht nur den Menschen gegenüber, sondern auch gegenüber den kleinsten Wesen. Ich bin bereit, der Ameise den Weg frei zu machen und ihr schnell Hilfe zu leisten."' Eines Tages beobachtete ich, wie sich zwei Ameisen um ein Brotkrümelchen stritten. "`Warum streitet ihr?"' fragte ich. Die eine Ameise antwortete: "`Ich habe als erste das Krümelchen gefunden. Sie will mir die Hälfte davon nehmen, aber ich gebe sie nicht her."' In diesem Moment nahm ich viele Krümelchen aus der Tasche und gab sie ihnen. Der Streit wurde sofort beigelegt. Für beide Ameisen gab es jetzt reichlich zu fressen. Folglich löst die Fülle die Fragen. Ein Liter Wasser kann einen Streit nicht beenden, denn alle Menschen haben Durst, aber eine ausreichende Wassermenge kann jeden Streit beilegen und jeden Widerspruch lösen. Geringe Liebe reicht nicht aus, um Fragen zu lösen, aber große Liebe löst sie. Große Liebe in sich zu tragen, bedeutet, abends, nachdem du den ganzen Tag fleißig gearbeitet hast, trotzdem munter, voller Lebenskraft nach Hause zurückzukehren. Der Bulgare, der seine Wasserkrüge töpfert, macht zwei Öffnungen: Durch die große wird der Krug gefüllt und durch die kleine, etwas abseits liegende, wird das Wasser getrunken. Das heißt, dass der Bulgare viel nimmt und wenig gibt. Die Linie der seitlichen Öffnung ist schön, aber sie müsste doppelt so groß wie die jetzige sein. Bedenkt folgendes Gesetz: Wenn du viel gibst, wirst du auch viel nehmen; wenn du wenig gibst, wirst du wenig nehmen. Wenn du viel denkst, erlangst du viel Wissen; wenn du wenig denkst, erwirbst du wenig Wissen. Arbeitest du viel, verdienst du auch viel; arbeitest du wenig, verdienst du wenig. Das sind Prozesse der Liebe. Du kannst nicht handeln, wie du willst und dennoch einen Gebrauch von der Liebe machen. Junge Männer und junge Frauen, die mit ihrem Vater, ihrer Mutter, ihren Geschwistern streiten, können auch miteinander nicht gut auskommen. Was für Versprechen der junge Mann der jungen Frau auch gibt, er wird sie nicht halten. Es ist unmöglich, böse, streitlustig und zornig mit den Eltern umzugehen und gleichzeitig gut mit seinem Geliebten zu leben. Solche jungen Männer und Frauen können dem Dienst eines Aufsehers nachgehen, aber nicht dem eines Mannes oder einer Frau in der Familie. Wenn Gott heute sieht, was wir tun, wundert er sich über unseren Verstand. Die heutigen Christen denken, das Reich Gottes leichten Weges betreten zu können. Es gibt keinen leichten Weg, der ins Reich Gottes führt. Wer dorthin will, muss bereit sein, den Weg Christi zu gehen. Er ist in die Welt gekommen, brachte die Liebe Gottes mit sich, opferte sich für die Menschheit und wurde dafür gekreuzigt. Eine ganze Nacht verhöhnten ihn die römischen Soldaten, aber er ertrug alles voller Liebe und bewahrte großartige Fassung. Christus wusste, dass die Schläge eines Tages auf ihre Rücken hageln würden. Die römischen Soldaten bestimmten genau die Anzahl der Schläge, die die zukünftige Menschheit erdulden muss. Heutzutage interessieren sich alle dafür, wer den Sieg im jetzigen Krieg erringen wird. Sobald der Krieg zu Ende ist, werdet ihr sehen, wer siegen wird. Ich sage: Selig ist das Volk, welches zuerst die Liebe, die Gerechtigkeit, die Weisheit und die Wahrheit Gottes anwenden wird. Das Alte muss getilgt werden, damit das Neue kommen kann, das die Bedingungen für den Sieg bringen wird. Der wahre Sieg kommt durch die Liebe, die jede Rechtlosigkeit ausschließt. Die Welt braucht eine neue Ordnung, sie braucht Vernunft und Recht. Die Rechtlosigkeit muss aus jedem Haus und jedem Staat verschwinden und durch die Ordnung der Gerechtigkeit und Liebe ersetzt werden. "`Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen."'\footnote{Spr 4,18.} In der Bibel steht: "`Gott ist Liebe."'\footnote{1.Joh 4,16.} Sucht deshalb die Lösung aller Fragen in der Liebe und nicht außerhalb von ihr. Wenn die Liebe unter die Menschen kommt, wird sie alle ungeordneten Dinge in Ordnung bringen. Sie bringt das neue Leben mit sich, das sich durch den Verstand, das Herz und die Seele der Menschen offenbart. Öffnet euren Verstand, eure Herzen und eure Seelen für Denjenigen, der durch alle Lebewesen ununterbrochen zu euch spricht. Hört darauf, was Er euch sagt und folgt Seinem Willen. Öffnet euch für die Liebe. Ihr werdet sagen, die Liebe sei nur für die jungen Menschen. Das stimmt nicht. Alle brauchen sie -- Alte und Junge, Verheiratete und Ledige. Nur wer die Liebe in sich trägt, darf heiraten. Ein Liebender ist gesund, klug und gutmütig. Wenn dem so ist, heiratet keine kranken, schlechten und ungebildeten Menschen. Eine liebende Frau setzt ihre Liebe bei jeder Tätigkeit ein. Wenn sie kocht, überträgt sie ihre Liebe in das Essen und wer davon isst, wird genesen, wenn er krank ist; wenn er unzufrieden war, wird er zufrieden sein. Wenn euch jemand sagt, er habe Liebe im Herzen, dann sollte er euch etwas kochen. An dem Essen werdet ihr erkennen, wie seine Liebe ist. Solange der Mensch der Liebe den Weg in sich bereitet, verfügt er über alle ihre Möglichkeiten. Verliert er die Liebe, so verliert er auch die Möglichkeiten, über die sie verfügt. Das Leben ist hauptsächlich der Liebe wegen wertvoll, die es mit sich bringt. Sie ist imstande, alle Ermordeten und Toten auferstehen zu lassen. Sie werden auferstehen, werden wieder auf die Erde kommen als schöne, große und starke Männer und Frauen. Und sie werden dann einstimmig ausrufen: "`Vorwärts mit der Liebe!"' Selig ist, wer in Liebe geboren wurde. Josef wurde von einer liebenden Mutter zur Welt gebracht und wurde von der Liebe gesegnet. Davor musste er aber zwei große Prüfungen bestehen. Er hatte einen Traum, von dem er seinen Brüdern erzählte. Sie lehnten sich gegen ihn auf und beschlossen, ihn zu töten, aber dann änderten sie ihre Entscheidung. Letztendlich verkauften sie Josef an reiche, nach Ägypten reisende Händler. Er wurde von Potifar dem Vorgesetzten der Leibwächter abgekauft. Seine Frau verliebte sich in Josef. Um sich von ihr zu befreien, lief Josef davon, aber hinterließ bei ihr seine Kleidung. Josef wurde von der Frau verleumdet und ins Gefängnis geworfen. Josef nahm Vorlieb mit dem Gefängnis, statt seinem Herrn gegenüber einen Fehler zu begehen. Nachdem er den Traum des Pharao gedeutet hatte, wurde er aus dem Gefängnis freigelassen und nahm einen hohen Posten an der Seite des Pharao ein. Als in Kanaan großer Hunger ausbrach, kamen seine Brüder des Weizens wegen zu Josef und verbeugten sich vor ihm. Damit hatte sich Josefs Traum verwirklicht. Er offenbarte sich ihnen als ihr Bruder und verzieh ihnen ihre Fehler. Das Leben Josefs zeigt den Weg, den alle Menschen gehen. Um den Segen Gottes zu bekommen, muss der Mensch den Weg der Schwierigkeiten und Prüfungen gehen. Er muss die Schwierigkeiten überwinden und mit ihnen zurechtkommen. Dann wird die Liebe kommen. Eine Liebe ohne Prüfungen und Schwierigkeiten ist keine wahre Liebe. Die Liebe Gottes kommt erst nach großen Prüfungen und schweren Leiden. Den Menschen werden große Güter, Möglichkeiten und Bedingungen gegeben, aber sie können sie nicht nutzen. Gott wartet geduldig, bis alle Menschen zu sich finden und sich zu Ihm bekennen. Mühevolle Zeiten stehen bevor. Wer möchte, kann in Liebe leben. Ihr alle habt Erfahrungen, die angewandt werden müssen. Die Natur mag keine Wiederholung der Dinge. Sie erlaubt nicht, dass man einen Fehler zweimal begeht. Wenn man einen Fehler macht, ist das in Ordnung, daraus kann der Mensch etwas lernen. Es ist aber nicht erlaubt, den gleichen Fehler noch einmal zu machen. 16. August 1942, 10.00 Uhr -- Sofia-Izgrev Aus dem Bulgarischen Stanislava Stefanova.
  11. DIE STARKEN \begin{flushright} Nachdenken \end{flushright} Stellt euch vor, dass ihr an die Tafel einen Kreis mit einem bestimmten Durchmesser gemalt habt. Das Zentrum dieses Kreises, das mit einer Eins gekennzeichnet ist, bestimmt die Kraft, mit der die Welt geschaffen wurde. Mit der Zwei kennzeichnen wir den Kreis selbst, der die Grenze der Welt ist. Die drei ist aber der Durchmesser, das heißt die Kraft, die Inhalt in die Welt brachte. Der Mensch durchläuft dieselben Zahlen: die Eins, die seine Welt geschaffen hat; die Zwei, die seine Welt begrenzt hat und die Drei, die in seine Welt Inhalt und Bedeutung gebracht hat. Als Schüler des Lebens wollt ihr lernen, aber gleichzeitig wollt ihr Lehrer werden. Heute lässt es sich nicht leicht Lehrer werden. Früher musste man, um Lehrer zu werden, mindestens vier, fünf Klassen beenden. Mit der erstklassigen Bildung wurde man Lehrer. Jetzt muss man, um Lehrer in der Grundschule zu werden, das Gymnasium abgeschlossen haben. Um Gymnasiallehrer zu werden, muss man die Universität beenden. Jemand will Professor werden. Dafür ist es nicht nur nötig, das Gymnasium und die Universität beendet zu haben, sondern man muss sich in einem Wissenschaftszweig spezialisieren. Jemand möchte ein mächtiger, gelehrter Mann werden, oder sich in einer geistigen Hinsicht ausdrücken. Wie kann man das erreichen? Man muss viel auf einem gewissen Gebiet gearbeitet haben und dann kann man seinen Wunsch realisieren. Um einen gewissen Zustand zu erreichen, muss der Mensch Liebe (ljubov) und \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} zu dem empfinden, was er erlangen möchte. Was ist der Unterschied zwischen den Begriffen Liebe (ljubov) und \textit{Liebe} (obitsch)? Unter Liebe (ljubov) verstehen wir das, was ständig gibt und niemals nimmt. Unter \textit{Liebe} (obitsch) verstehen wir das, was immer nimmt und niemals gibt. Gott manifestiert sich im Menschen durch Seine Attribute: Er gibt und nimmt ständig. Für manche ist das unklar. Sie können sich nicht vorstellen, wie Gott ständig gibt und ständig nimmt. Dass manche gewisse Dinge nicht verstehen, das bedeutet nicht, dass diese nicht existieren. Viele Dinge versteht der Mensch nicht, aber dennoch geschehen sie. Wie werdet ihr den Prozess des menschlichen Denkens erklären? Auch die Gelehrtesten können den Prozess des Denkens nicht genau erklären, aber das Denken fließt, legt einen gewissen Weg zurück. Das Verstehen oder Nichtverstehen dieses Prozesses unterbricht den Gedankenfluss nicht. Um zu erklären, wie die Gedanken kommen und vor allem nach welchen Gesetzen sie sich bewegen, muss der Mensch Herr seiner Gedanken werden. Wenn wir zum Gedanken kommen, der aus den Zahlen eins, zwei und drei besteht, sagen wir, dass er dynamisch sei. Jeder Gedanke, der ein Objekt um sich herum erschafft und ihm einen gewissen Inhalt beifügt, ist dynamisch. Jeder Gedanke, der nichts erschafft, nichts begrenzt und dem Menschen keinen Inhalt und keine Bedeutung gibt, ist schwach. Ihr werdet widersprechen und sagen, dass ihr gut denkt. Wer gut denkt, singt gut. Und umgekehrt: Wer nicht gut singt, kann nicht denken. Der Schwache denkt nicht gut. Wer nicht stark und vernünftig ist, kann ebenfalls nicht gut denken. Der Starke hat gute Gedanken, gute Gefühle und gute Taten. Jemand wird sagen, dass er seit Jahren die Lehre Gottes befolgt, aber immer noch nicht stark und gut geworden sei. Woher weiß er das? Seit Jahren wird der Weizen in die Erde gesät und offensichtlich ist er derselbe geblieben; er hat sich nicht verändert, aber verrichtete und verrichtet bis heute seine Arbeit. Der Mensch lebt und existiert dank des Wassers, der Luft und des Lichtes. Wenn der Mensch seinen Mund auf- und zumacht, strömt die Luft in ihn hinein und heraus. So nimmt er auch das Wasser zu sich. Wenn er seine Augen öffnet, empfängt er das Licht und macht Gebrauch von ihm. Folglich, seit der Erschaffung des Menschen bis heute, empfängt er ein und dieselben Elemente zur Erhaltung seines Lebens und offensichtlich ist er derselbe geblieben, aber der Unterschied zwischen dem Urmenschen und dem heutigen Menschen ist groß. Heute suchen alle Menschen nach der richtigen Lösung der sozialen Fragen. Eine der sozialen Fragen ist die des Heiratens. Jeder möchte wissen, welche die richtige Weise zur Lösung dieser Frage ist. Wer soll heiraten? -- Nur derjenige, der klug, gut und gesund ist. Er wird gesunde und gute Nachkommen hervorbringen. Wenn du nicht klug, gut und gesund bist, heirate lieber nicht. Es gibt keinen Grund zu heiraten und schwache Nachkommen in die Welt zu setzen. Die Welt benötigt kluge, gute und gesunde Menschen. Jede junge Frau und jeder junge Mann, die heiraten möchten, sollen diesen Anforderungen entsprechen. In diesem Fall sollen sie heiraten. Was ist der Wille Gottes? -- Der Wille Gottes ist bestimmt: Nur der kluge, der gute und der gesunde Mensch soll heiraten. Gott schuf die ersten Menschen klug, gut und gesund und erlaubte ihnen zu heiraten. Denjenigen, die nicht klug, gesund und gut sind, verbot Er zu heiraten. Der Mensch heiratet in jedem Moment, ohne die Bedeutung des Heiratens zu verstehen. Jeder Bissen Brot, den man in den Mund legt, ist nichts anderes als das Heiraten. Kaut der Mensch das Brot richtig und der Magen verdaut es gut, entwickelt der Mensch Kraft. In diesem Sinne stellt die Kraft, die der Mensch erlangt, das Kind dar, das aus der Heirat zwischen dem Menschen und dem Brot geboren wird. Mit dem Brot heiratet nur der, der klug, gut und gesund ist. Das zeigt, dass das mentale System, das Atmungssystem und das Verdauungssystem in ihm gut entwickelt sind. Wenn eines der Systeme nicht gut arbeitet, wird der Mensch essen, aber das Brot wird nicht richtig verwertet werden und der Mensch kann nicht die nötige Kraft entwickeln. Er wird essen, aber die Verdauung wird nicht richtig funktionieren. Was für einen Sinn hat diese Ernährung? Es liegt ein Sinn darin, dass der Mensch heiratet, das heißt sich mit dem Brot verbindet, aber er soll es gut benutzen. Haltet Folgendes fest: Alles ist dann wertvoll, wenn es zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Dann wird es vernünftig benutzt und führt zu guten Resultaten. Wenn ihr heiratet, heiratet zum rechten Zeitpunkt. Wenn ihr gebärt, gebärt zum rechten Zeitpunkt. Was wird aus einem Kind, das nach dem ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften, sechsten, siebten und achten Monat nach seiner Empfängnis geboren wird? Was zeichnet eine Frau aus, die der Mutter bei der Geburt beisteht, die das Kind nur einen oder zwei Monate nach seiner Empfängnis trägt? Werdet nicht die Mutter eines solchen Kindes. Steht der Geburt eines solchen Kindes nicht bei. Habt Geduld, bis zum neunten Monat zu warten. Es ist nicht leicht, einer solchen Mutter bei der Geburt beizustehen. Noch schwieriger ist es, ein solches Kind zu gebären. Eine solche Geburt ist die Folge des alten Lebens, wo es Krankheiten, Missverständnisse und Widersprüche gab. Das alte Leben ist ein trüber Niederschlag, der zerfließen soll. Das neue Leben bringt reines, kristallklares Wasser. Das Leben fließt aus der göttlichen Liebe heraus, die ständig gibt. Das Leben fließt auch aus der \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} heraus, die alles nimmt. Über Gott wurde gesagt, dass Er alles gibt und alles nimmt, aber nicht über den Menschen. Der Mensch kann weder alles geben noch alles nehmen. Kann der Mensch alles von demjenigen wollen, der ihn liebt? Was gab er ihm, um alles von ihm zu verlangen? Gab er ihm einen Verstand? Gab er ihm ein Herz? Gab er ihm einen Körper? Wenn du ihm nichts gegeben hast, hast du dann das Recht, von ihm alles zu verlangen? Die Mutter und der Vater gebären das Kind, gaben etwas von sich, haben also folglich das Recht, etwas von ihm zu verlangen. Aber welches Recht haben die anderen Menschen in Bezug auf das Kind? Jemand sät ein Weizenkorn und denkt, dass er das Recht auf alles hat, was das Weizenkorn gebiert. Die Erde ist die Mutter und er hält sich für seinen Vater. Wer ist jedoch sein Vater? Auch der Vogel kann das Weizenkorn in die Erde graben, ohne sich für seinen Vater zu halten, ohne ein Recht auf ihn zu beanspruchen. Der Vogel gräbt Weizenkörner in die Erde, ohne sich für ihren Vater zu halten, ohne das Recht auf sie zu haben. Das Schwein, wenn es wühlt, kann ein Korn in die Erde graben, ohne sein Vater zu sein. Es vergräbt auch die Weizenkörner, die Maiskörner und die Kiefernsamen, ohne sich Vater zu nennen. Was versteht man unter den Worten \textit{Vater, Mutter, Sohn}? Der Vater gibt, die Mutter nimmt und bearbeitet die Dinge und der Sohn erfüllt sie. Der Sohn bringt seinem Vater und seiner Mutter Freude. Dieselbe Beziehung sollen wir zu Gott haben. Er ist unser Vater und wir Seine Kinder. Gott freut sich und wir sollen uns auch freuen. Die Fröhlichkeit ist das Recht Gottes, die Freude das Recht des Menschen. Wir sollen uns über die Werke Gottes, über den Verstand und das Herz und über die Freude freuen; uns freuen, dass der Verstand die Dinge studiert und das Herz sie wahrnimmt; uns über alles freuen, was uns gegeben und in uns hineingelegt wurde. "`Sollten wir lieben?"' Ihr werdet lieben, natürlich; dabei ist es umso besser für euch, je mehr Wesen ihr liebt. Wer liebte bis jetzt alle Menschen, die ganze Menschheit? -- Nur Christus. Er kam auf die Erde, liebte alle Menschen und mit seiner Liebe bezahlte er all ihre Schulden. Ihr werdet sagen, dass ihr auch alle Menschen lieben sollt. Um sie zu lieben, sollt ihr für sie sterben und danach für sie auferstehen. Um zu lieben, sollst du von Gott geboren sein, danach für die Menschen sterben und für sie auferstehen. Jeder ist geboren, aber nicht jeder ist bereit, für sie zu sterben. Warum? -- Weil er nicht von Gott geboren wurde. Er ist nicht bereit zu sterben, deshalb kann er nicht auferstehen. Viele Menschen sterben notwendigerweise, deshalb können sie nicht auferstehen, das heißt wachsen. Sie warten auf das neue Licht und die neue Wärme in der Welt, um erst dann aufzuerstehen. Kehren wir zu den Zahlen eins, zwei, drei zurück. Was bedeuten sie? In ihnen verbirgt sich vieles, aber nur für denjenigen, der ihre innere Bedeutung versteht. Für ihn bringen diese Zahlen Vernünftigkeit, Güte und Kraft. Wann wird der Krieg enden? -- Wenn ihr die Zahlen eins, zwei und drei in eurem Leben anwendet. Sie lösen alle Probleme auf. Wenn die Liebe (ljubov) und die \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} beginnen, gemeinsam zu arbeiten, wird sich die Welt verbessern. Wann werden wir uns von den Leiden und den Krankheiten befreien? -- Wenn sowohl ihr Gott liebt als auch eure Leiden und eure Krankheiten Gott lieben. Die Liebe birgt den Glauben und die Hoffnung in sich. Lasst die Krankheiten in euch nicht zu, bevor ihr Gott nicht liebt. Ihr erlaubt ihnen, sich in euch zu verlieben und euch zu quälen. Jede Krankheit ist ein nicht eingeladener Gast. Wie werdet ihr den nicht eingeladenen Gast lieben und wie wird er euch lieben? Seid dem Leiden und den Krankheiten gegenüber wachsam und lasst sie nicht in euer Haus, bis sie ihre Beziehung zu der Ersten Ursache nicht geregelt haben. Dasselbe wird vom Menschen gefordert. Niemand hat das Recht zu lieben, solange er nicht Gott liebt. Die Liebe beinhaltet ein inneres Begreifen der Dinge. Wie wirst du eine Frucht essen, wenn dir nicht zuerst dazu das Recht gegeben ist? Wenn ihr keine Liebe in euch habt, habt ihr kein Recht, die Früchte der Bäume zu essen. Die ersten Menschen aßen von der verbotenen Frucht und brachten Unglück über sich und über die ganze Menschheit. Von der verbotenen Frucht zu essen, das bedeutet, ohne Liebe zu essen. Folglich, wenn ihr Gottes Liebe wahrnehmen und anwenden wollt, folgt dem Weg Christi. Er kam auf die Erde und machte den Versuch, alle Menschen zu lieben. Er zahlte teuer für diesen Versuch, aber sein Versuch erwies sich als erfolgreich. Das bedeutet, dass Christus ein zweites Mal auf die Erde kommen wird, um denselben Versuch zu machen. Wenn er ein zweites Mal kommt, erwartet ihn dasselbe Schicksal. Sollt ihr euch das wünschen? Heute soll sich die ganze Menschheit für Christus aufopfern, der sich als Erster opferte und bewies, dass er alle Menschen liebt. Der Mensch kann sich nur für denjenigen opfern, der sich für ihn geopfert hat. Die Mutter, die sich für ihr Kind geopfert hat, hat das Recht, etwas von ihm zu verlangen. Aber sie hat kein Recht, etwas von fremden Kindern zu verlangen. Aus demselben Grund kann der Mensch nur etwas von den Gedanken fordern, die er geboren hat. Aber was wird er von den Gedanken verlangen, die nicht aus seinem Kopf stammen? Sie haben nichts mit ihm gemein. Viele fragen sich, ob Gott existiert oder nicht. Manche glauben an Seine Existenz, andere glauben daran nicht, aber sowohl die einen als auch die anderen haben keine Angst vor Gott. Sie fürchten sich vor den Menschen, vor den Tieren, aber nie vor Gott. Es ist nicht nötig, sich zu fürchten, aber die Menschen sollen Gott achten und mit Seinem Willen in Einklang sein. Hütet euch davor, in den Zustand des Frevlers Teufel zu geraten, der ständig gegen den Namen Gottes frevelte, weshalb man ihn aus dem Paradies vertrieben hat. Wer sich anmaßt, seinem Schöpfer gegenüber einen Frevel zu begehen, der folgt dem Weg jenes Frevlers und unterschreibt selbst sein Urteil. Sprecht nichts Schlimmes über die Menschen, um die sich Gott als Seine eigenen Kinder kümmert. Überhaupt, lasst euch nicht von Frevel, von Kritik und Schmähungen verleiten, um den Platz, der für euch im Himmel bestimmt wurde, nicht zu verlieren. Heute wird von allen Menschen ein waches Bewusstsein gefordert, um zu wissen, wie sie sprechen und was sie tun. Kommt ihr zu den göttlichen Angelegenheiten, lasst sie nicht andere für euch tun. Jeder soll seine Arbeit selbst tun, die ihm zuteilwurde. Führt er sie nicht aus, wird er teuer zahlen. Die göttlichen Arbeiten sollen in die Hände desjenigen gelegt werden, der sie als die seinigen annehmen kann. Mit ihnen treibt man keinen Handel; mit ihnen kann man seinen materiellen Wohlstand nicht sichern. Sie werden freiwillig und mit Liebe getan. Was für eine Arbeit ihr auch immer macht, wendet euch an Gott, um zu sehen, ob Er sie billigt oder nicht. Ob der Mensch auf die Welt kommt, heiratet oder stirbt, er soll zuerst die Billigung Gottes suchen. Hat er nicht Seine Billigung, wird sich sein Leben in eine Hölle verwandeln. Was für einem Dienst ihr auch immer nachgeht, verlangt nach der Billigung Gottes. Nur dann könnt ihr euch auf Erfolg verlassen. Ohne Ihn wird sich das Gute in das Böse verwandeln. Mit Ihm wird sich das Böse in das Gute verwandeln. Beachtet die folgenden Regeln im Leben: Esst reine Nahrung, trinkt reines Wasser, atmet reine Luft, lebt in einem gesunden Haus. Wascht euch die Füße und die Hände, bevor ihr ins Bett geht. Geht nie mit ungewaschenen Händen und Füssen ins Bett. Wenn ihr schlecht gelaunt seid, sucht die Ursache nicht außerhalb von euch, aber tut etwas, um euch zu entlasten. Wascht euer Gesicht, eure Hände und Füße mit warmem Wasser. Wenn eure schlechte Laune nicht verschwindet, badet, geht in der frischen Luft spazieren. Kritisiert euch nicht gegenseitig, dass dieser oder jener nicht gut sei. Unter denjenigen, die nach Gott suchen, gibt es keine bösen Menschen, aber es gibt solche, die sich in einem Reifungsprozess befinden. Bis die Frucht reif wird, durchläuft sie viele Phasen: als Knospe, als Blüte und als angesetzte, noch grüne, saure oder herbe Frucht. Es muss eine gewisse Zeit vergehen, bis sie reif, süß und genießbar wird. Wenn das der Fall ist, freut euch, dass es Bedingungen gibt, dass ihr von der Frucht Gebrauch machen könnt. Freut euch, dass es Bedingungen gibt, klug, gut und stark zu werden. Wer macht den Menschen klug? -- Gott. Wartet dann darauf, dass Gott euch Bedingungen bereitstellt, das zu erlangen, was ihr nötig habt. Öffnet eure Herzen für Gott ohne Angst. "`Wir sind noch nicht bereit."' Von euch hängt es ab, bereit zu sein. Reinigt euer Haus, lüftet es. Er wird kommen und euch Seinen Segen geben. Empfange die Liebe Gottes in deinem Haus, um ihre Güter zu nutzen. Sie bringt die kostbaren Dinge -- Nahrung, Licht, Wärme und Luft. Sie macht den Menschen klug, gut und stark. Sie verleiht dem Leben einen Sinn und nähert die Menschen einander an. Sie hebt die Hindernisse und die Widersprüche zwischen ihnen auf. Ohne Liebe kann nichts erreicht werden. Wie sehr ihr euch auch anzustrengen vermögt, euer Leben wird sich in eine Hölle verwandeln, wenn die Liebe weit weg von euch ist. Öffnet euch für die Liebe, um ins Paradies und in den Bereich der Unsterblichkeit zu kommen. Viele möchten gut sein, ohne den geraden Gedanken erlangt zu haben. Das ist unmöglich. Der Mensch soll an erster Stelle denken. Sein Gedanke soll durch das Gehirn gehen, dann durch das Herz und schließlich durch den Körper. Wenn er den Körper als Kraft erfasst, dann sagen wir, dass der Mensch in seinem Verstand Licht trägt. Empfange die Liebe (ljubov) in deinem Verstand, die \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} in deinem Herzen und die Kraft in deiner Seele, um klug, gut und stark zu sein. Wendet die Vernunft, die Güte und die Kraft an, um euch und euren Nächsten zu helfen. Wisst ihr, dass ein Verwandter von euch krank ist, heilt ihn nicht mit Arzneimitteln, sondern zehn Menschen sollen ihn besuchen und jeder von ihnen soll seinen Gedanken auf ihn richten, dass er gesunden wird. Wenn er den Gedanken annimmt und an ihn glaubt, wird er von seinem Bett aufstehen. Der Gedanke ist eine mächtige Kraft, die den Menschen heilt und erhebt. Der Mensch benötigt mehrere Dinge: Schönheit, Güte, Barmherzigkeit; Brot, Wasser, Luft und Licht. Um diese Eigenschaften zu erlangen, soll er denken. Ob er will oder nicht will, soll er denken. Wenn er gerade denkt, wird er gut und stark werden. Das wird von allen Menschen gefordert. Wer nicht klug, gut und stark wird, dessen Kopf wird leiden. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle klug, gut und stark sind. Bessere Zeiten als die heutigen gibt es nicht. Jeder wird für sich arbeiten, um klug, gut und stark zu werden. Jeder soll seine Arbeit tun, die für ihn bestimmt wurde. Jedem wurde ein Teil des göttlichen Feldes gegeben und jeder wird arbeiten und denken, um seine Arbeit gut zu beenden. Keine Kraft in der Welt ist im Stande, eure Arbeit zu behindern. Wenn ihr bis jetzt auf Hindernisse gestoßen seid, verbirgt sich die Ursache in eurer Schwäche. Keiner kann den Starken behindern. Eines Tages hörten die Spinnen, dass der Elefant durch ihr Reich gehen würde und entschieden sich, ihn aufzuhalten, ihn nicht zu sich hereinzulassen, um sie zu stören. Sie begannen, Netze auf seinen Weg zu spinnen, um ihn zu behindern. Alle Spinnen im Reich sammelten sich und begannen ihre Netze zu spinnen. Sie sponnen ganze Tage und Nächte und als ihre Barrikade fertig war, kam der Elefant. Er lief hürdenlos durch die Spinnenfestung. Als sie ihn fragten, was er dabei spürte, wedelte er ruhig mit dem Schwanz und sagte: "`Ich spürte nichts."' Der Elefant kommt auch in die Welt: Er wird das Reich der Spinnen durchqueren und nichts wird von ihren Netzen übrig bleiben. Alle Spinnen werden ihn fragen, was er gespürt habe, aber er wird ruhig antworten: "`Ich habe nichts gespürt."' Der Elefant stellt die Liebe dar. Die Liebe kommt in die Welt. Sie wird alle Hürden durchlaufen, aber wird nichts spüren. Lege die Liebe (ljubov) in deinen Verstand, die \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} in dein Herz und die Kraft in deinen Körper, um Gebrauch von den Gütern des Lebens zu machen. Strebe danach, die Kraft, das Gute und die Vernünftigkeit zu äußern, die Gott in dich gelegt hat. Das bezieht sich auf denjenigen, der bereit ist, der Liebe (ljubov) zu dienen. Wer nicht bereit ist, der Liebe (ljubov) zu dienen, soll sich an das alte Leben halten. Wer die Liebe, die \textit{Liebe} (obitsch) und die Kraft wahrgenommen hat, soll noch jetzt mit der Arbeit beginnen. Niemand darf fragen, wie er arbeiten sollte. Sollt ihr dem Maler sagen, wie er arbeiten soll? Wenn er eine Leinwand, Farben und Pinsel hat, dann weiß er, wie er zu arbeiten hat. Beginne zu malen, ohne zu fragen, wie du malen sollst. Die Zeiten sind verschärft, sie warten nicht, dass man lange theoretisiert. Alle sollen versuchen, eine Melodie mit den folgenden Worten zu bilden: "`Liebe, sei gut! Liebe, sei stark!"' Die Liebe (ljubov) und die \textit{Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} geben einen Impuls im Leben des Menschen. Singt die Worte: Ich kann lieben, gut werden. Ich kann lieben, stark werden.\footnote{Daraus entstand das Lied "`Az moga da ljubja"'.} Wer die Liebe annehmen will, sollte versuchen, irgendeine Melodie mit dem gegebenen Text zu komponieren, das alte Notizbuch seines Lebens zu schließen und ein neues zu öffnen. Er sollte in das neue Notizbuch die Worte schreiben: "`Ich kann lieben, gut werden. Ich kann lieben, stark werden."' Danach wird jeder zu sich selbst sagen: "`Herr, ich bin bereit, alles um Deinetwillen zu machen, weil Du mich geliebt hast."' \begin{center} \textit{Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.} \end{center} \begin{center} 12. August 1942, 5.00 Uhr -- Sofia-Izgrev \end{center}
  12. DIE SELBSTERZIEHUNG Mt 2 Im zweiten Kapitel des Evangeliums von Matthäus ist das Wort Geburt wichtig. Als Prozess stellt die Geburt einen großen Akt in der Natur dar, weil er große Folgen mit sich bringt. Die Geburt des Menschen, der Gedanken, der Gefühle und der Taten ist mit gewissen Ereignissen verbunden. Denn die Geburt hat nur dann einen Sinn, wenn sie gewisse Folgen mit sich bringt und wenn sie mit gewissen Ereignissen verbunden ist. Außerhalb dessen stellt sie einen gewöhnlichen Prozess dar, wir beschäftigen uns jedoch nicht mit gewöhnlichen Dingen. Die gewöhnlichen Dinge sind die Kleie im Leben. Folglich ist es unwichtig, ob der Mensch in das Paradies oder in die Hölle gehen wird, ob er reich oder arm war. Wichtig ist es, dass er ein guter, kluger und gerechter Mensch ist. Wenn er diese Eigenschaften besitzt, kann der Mensch auch die Hölle auch in ein Paradies umwandeln. Was ist das Ziel der Selbsterziehung? -- Den Menschen äußerlich und innerlich darauf vorzubereiten, ein Paradies in sich zu schaffen. Wer die äußeren und die inneren Bedingungen seines Leben verbessert hat, der hat sich von der Hölle befreit, oder wie man sagt, von der unterirdischen Welt. Die Hölle ist nicht so, wie die Menschen sie sich vorstellen. Dort leben die unterschiedlichsten Menschen: gelehrte und einfache Menschen, Professoren, Doktoren, Musiker und andere. Auch dort wird geheiratet und werden Kinder geboren und so weiter. Und ihr werdet sagen, dass die Hölle ein Ort des ewigen Feuers ist. Das Feuer ist nichts Böses. Das Feuer spielte eine wichtige Rolle bei der Erschaffung der Welt. Und bis heute hat es seine Bedeutung nicht verloren. Beängstigend ist es, wenn die Menschen nicht wissen, wie sie das Feuer nutzen können und sich selbst durch das Feuer ins Unglück bringen. Furchtbar ist es, wenn die Menschen nicht wissen, wie sie die Nahrung, das Wasser, die Luft und das Licht anwenden sollen, die ihnen die Natur in Fülle gibt. Arbeitet der Mensch bewusst an seiner Selbsterziehung, kommt er in den Zustand, mit allen Gütern, die ihm gegeben wurden, zurechtzukommen. Alle Menschen sprechen über die Selbsterziehung, aber erst jetzt beginnen sie zu verstehen, was Selbsterziehung ist. Was bedeutet das Wort Selbsterziehung? -- Es ist aus den Worten "`selbst"' und "`hegen"', bzw. "`ernähren"'\footnote{samo (selbst) vazpitanie = Erziehung (pitaja = hegen und ernähren; pitam = fragen)} gebildet. Also soll der Mensch den Zustand erlangen, sich selbst zu ernähren, einen Gedanken, ein Gefühl oder eine Tat zu ernähren. Der Mensch kann sich nicht richtig ernähren, wenn er keine Liebe (obitsch) zur Nahrung hat, die er in der physischen, geistigen oder in der Verstandeswelt verwendet. Mit dem Verb "`hegen"', "`ernähren"' (pitaja) ist auch das Verb "`fragen"' (pitam) verbunden. Wenn sich der Mensch ernährt, soll er fragen, was für eine Nahrung er verwendet und in welcher Menge. So sollt ihr wissen, dass die Liebe (ljubov) und \textit{die Liebe} (obitsch)\footnote{Im Bulgarischen existieren zwei Begriffe für Liebe: \foreignlanguage{bulgarian}{любов}, lubov und \foreignlanguage{bulgarian}{обич} obitsch. In diesem Vortrag und in anderen wird der Unterschied der zwei Begriffe erklärt. Das Wort \foreignlanguage{bulgarian}{обич}, obitsch hat keinen slawischen Ursprung, sondern stammt aus der Sprache der alten Bulgaren. Der Begriff \foreignlanguage{bulgarian}{любов}, lubov ist allgemein und bezeichnet die Liebe überhaupt. \foreignlanguage{bulgarian}{Oбич}, obitsch bezeichnet sehr oft die Mutterliebe als Verb ist das \foreignlanguage{bulgarian}{обичам}, obitscham und nicht \foreignlanguage{bulgarian}{любя}, lubja gebräuchlicher. Um die zwei Begriffe auseinanderzuhalten, wird der Begriff \foreignlanguage{bulgarian}{обич}, obitsch kursiv gesetzt.} das Band der Dinge in sich beinhaltet. Die richtigen Bande sind Bande mit den Vernunftwesen. In diesem Sinne existieren die Liebe (ljubov) und \textit{die Liebe} (obitsch)\footnote{Vgl. Anmerkung 49.} nur in der vernünftigen Welt. Außerhalb dieser Welt äußern sie sich nicht. Dort wirken mechanische Gesetze. Wenn die Menschen nicht erzogen sind, leben sie in der unvernünftigen Welt. Es ist nicht leicht, den Menschen zu erziehen. Er lebt gleichzeitig in den drei Welten: Er lebt in der physischen Welt, wo die Taten geboren werden; er lebt in der Verstandeswelt, wo die Gedanken und die Ideen geboren werden und auch in der geistigen Welt, wo die Gefühle geboren werden. Wenn der Mensch das weiß, soll er sich gleichzeitig in den drei Welten selbst erziehen. Ihr werdet sagen, dass Hellsichtigkeit bei der Selbsterziehung hilft. Wer ist hellsichtig? -- Wer in der Weite klar sieht. Wie erkennen wir, dass ein Mensch hellsichtig ist? -- Wenn wir ihn einer Prüfung unterziehen, um zu sehen, wie und wie weit er sieht. Jeder Mensch soll eine Autorität für sich selbst sein und die Dinge selbst prüfen. Für mich ist nicht derjenige ein Musiker, den mir die Menschen empfehlen, sondern derjenige, den ich selbst gehört habe. Höre ich, wie er spielt, äußere ich mich sofort darüber, ob er ein guter Musiker ist. Wenn er spielt, werde ich ihn sofort einer Kategorie zuordnen -- der der guten oder schwachen Musiker. Wer selbst die Dinge prüft, hat seine eigene Meinung. Er benötigt den Beweis der anderen Menschen nicht. Warum sieht der Hellsichtige die Dinge klar und von der Weite? -- Weil er ein größeres Licht hat. Beim starken Licht sieht der Mensch die Dinge klar. Beim schwachen Licht sieht er sie unklar. Beim Mondlicht sieht der Mensch die Dinge undeutlich. Aber wenn die Sonne aufgeht, sieht er die Dinge deutlich. Wer ein starkes Licht in seinem Verstand hat, sieht in die Weite; wer ein schwaches Licht hat, sieht all das Nahe. Man sagt, dass der Mensch hellsichtig geboren wurde. Wenn du Augen hast, kannst du ein Hellseher sein; wenn du Ohren hast, dann kannst du gut hören; wenn du eine Nase hast, dann kannst du alle Gerüche wahrnehmen. Und der Mensch, so wie die Blumen, verbreitet seinen Geruch von Weitem -- einen angenehmen und einen unangenehmen. Von einem Menschen wird ein Duft freigesetzt, der angenehmer ist als der der Nelke oder der Rose. Manch einer riecht aber unangenehm. Aus den boshaften Menschen kommt ein schlechter, unangenehmer Geruch. Aus dem Materialisten entweicht ein materialistischer Geruch, aus dem geistigen Menschen entweicht ein geistiger Hauch und aus dem intelligenten ein intelligenter und so weiter. Wie wird das bewiesen? -- Durch die Sinne. Entwickelt gut das Seh-, das Hör- und das Geruchsvermögen, um selbst die Dinge prüfen zu können. Die Dinge werden klar, wenn sie gesehen, gehört, gerochen, getastet und geschmeckt werden. Wendet ihr die Sinne nicht als Methoden bei der wissenschaftlichen Erforschung der Fakten an, könnt ihr nichts verstehen. So sehr ihr auch zu dem Blinden über das Licht zu sprechen vermögt, so sehr ihr es ihm auch erklärt, er wird euch letztendlich sagen, dass diese Angelegenheit dunkel sei, dass er sie nicht verstehe. Viele lehnen die Selbsterziehung als Arbeit an sich selbst ab und verlassen sich nur auf diejenigen Eigenschaften und Fähigkeiten, die sie geerbt haben. Sie wissen nicht, dass die vererbten Dinge aus der Selbsterziehung hervorgehen. Das, was die Mutter und der Vater durch Selbsterziehung gewonnen haben, geben sie ihren Kindern weiter. Das, was die Tochter und der Sohn durch die Selbsterziehung gewonnen haben, geben sie der nächsten Generation weiter und so fort. Die Menschen beeinflussen sich gegenseitig und geben etwas von sich weiter. Der Geistige gibt seiner Umgebung etwas von seiner Geistigkeit weiter, der Gelehrte von seinem Wissen. Befreundest du dich mit einem gelehrten Menschen, wird er dich dazu veranlassen, Wissen zu erwerben. Deshalb ist gesagt worden, dass du so werden wirst, wie der, mit dem du auch befreundet bist. Einer ist Kaufmann und strebt an, ein Heiliger zu werden. Das ist unmöglich. So unmöglich es ist, dass ein Kaufmann ein Heiliger ist, so unmöglich ist es auch, dass aus dem Heiligen ein Kaufmann wird. Es ist unmöglich für den Heiligen, seinen Reichtum zu verlassen und grasen zu gehen. Es ist an der Zeit, dass sich das Leben der Menschen wandelt. Das kann durch keine andere Methode erreicht werden, als durch Selbsterziehung. Wenn sich das Leben der Menschen nicht wandelt, kann der Mensch nicht die Liebe erlangen. Wie erkennt ihr, dass ein Mensch sich wandelt und die Liebe erlangt hat? -- Wenn man ihn Prüfungen unterzieht. Solange ihr das Weizenkorn nicht in die Erde sät, manifestiert es sich nicht. Wie werdet ihr erkennen, was für eine Birne, was für ein Apfel oder was für eine Pflaume aus ihren Kernen hervorgehen wird, wenn ihr sie nicht sät?~--~Wenn ihr sie sät, wird aus ihnen ein Baum wachsen -- ein Apfelbaum, ein Birnbaum oder ein Pflaumenbaum, die nach gewisser Zeit Früchte tragen werden und die ihr an ihren Früchten erkennt. Um die Frucht zu erkennen, sollt ihr sie lieben. Deshalb spielen bei der Erziehung und der Selbsterziehung die Liebe (ljubov) und \textit{die Liebe} (obitsch) eine wichtige Rolle. Wenn du nicht lieben und \textit{lieben} kannst, kannst du dich nicht selbst erziehen. Die Liebe (ljubov) hat einen Bezug zu den Gedanken und \textit{die Liebe} (obitsch) zu den Gefühlen. Der Mensch liebt (ljubi) mit dem Verstand und \textit{liebt} (obitscha) mit dem Herzen. Alle Menschen liebten (ljubili) und \textit{liebten} (obitschali), aber ihre Liebe (ljubov) und \textit{Liebe} (obitsch) ist schwächer geworden, sie haben etwas von ihr verloren. Aus ihrer Liebe (ljubov) sind nur einige Gedanken und aus \textit{der Liebe} (obitsch) nur einige Gefühle zurückgeblieben. Ihre Rudimente kann man als trockene Knochen bezeichnen, die von den Verstorbenen übrig geblieben sind. Ihr legt die Knochen in einen Stoffsack und sagt, das seien die heiligen Knochen eurer Nächsten. Jeder, der nicht mit Liebe (ljubov) und \textit{Liebe} (obitsch) erzogen wurde, dessen Knochen liegen in einem Stoffsack. Über ihn wird gesagt, dass er gestorben ist. Über jeden, der in der \textit{Liebe} (obitsch) und in der Liebe (ljubov) erzogen wird, sagen wir, dass er vom Tod in die Liebe übergegangen ist, dass er in den Bereich der Unsterblichkeit eingetreten ist. Jeder will glücklich sein, aber er soll wissen, dass dort, wo es den Tod gibt, es kein Glück gibt. Folglich, um glücklich zu sein, vermeidet alles, was zum Tode führt. Manchmal behindern die kleinen Wünsche den Menschen und führen ihn in den Bereich des Todes. Eines Tages spazierte ich in die Stadt und sah, dass einige Jungen auf einer Wiese einen Erpel herumtanzen ließen. Sie sprangen und spielten und er drehte sich um sie herum. Ich wollte verstehen, warum der Erpel nicht floh, sondern sich da rumtrieb. Ich näherte mich an und was sah ich: Die Jungen hatten an einem dünnen Bindfaden Maiskörner aufgefädelt, die der Erpel gierig schluckte, aber das Ende des Bindfadens blieb in den Händen eines der Jungen. Sie hielten den Erpel dadurch fest. Dieser Scherz erschien mir grausam und ich wünschte, den Erpel aus den Händen der ungestümen Jungen zu befreien. Ich fragte sie: "`Was verlangt ihr für diesen Erpel? Ich will ihn euch abkaufen."' "`Wenn du uns Zucker kaufst, werden wir ihn dir geben."' Ich dachte, sie verkaufen ihn sehr billig. Ich gab ihnen das Geld, sich Zucker zu kaufen und schnitt den Bindfaden ab, an dem die Jungen den Erpel gebunden hielten. Als er sich von den Jungen befreit hatte, schluckte der Erpel das Ende des Bindfadens und lief weg. Ich leitete ihm den Gedanken weiter: "`Pass auf, dass du kein zweites Mal einen mit Maiskörnern aufgefädelten Bindfaden schluckst, damit dich die Jungen nicht herumtanzen lassen"' So berichtigte ich ihren Fehler und befreite den Erpel. Wie kann der Mensch das Gute vom Bösen in der Welt unterscheiden? Das wesentlich Gute und das wesentlich Böse sind unsichtbar. Sichtbar sind nur die Schatten des Guten und des Bösen. Man merkt, dass die Schatten des Bösen positiv sind, wenn das Böse negativ ist. Wenn der Mensch sich beispielsweise vor einem Tresor befindet, denkt er: "`Warum sollte ich nicht ein paar tausend Leva aus diesem Tresor nehmen? Ich werde ins Ausland gehen, werde die Sprache lernen und werde meine Familie absichern, ich werde sogar den Armen helfen. Allerdings gehört das Geld Gott, es ist das Eigentum desjenigen, dem der Tresor gehört."' Denkt der Mensch so, gerät er in die Schatten des Bösen, die positiv sind. Begeht er einen Diebstahl, begibt er sich in das Böse selbst hinein, was negativ ist. Er wird sofort gefasst, man steckt ihn ins Gefängnis und man verurteilt ihn zu zehn bis fünfzehn Jahren Zuchthaus. Die Schatten des Guten sind allerdings negativ, das Gute an sich ist positiv. Wenn der Mensch darüber nachdenkt, aus einem Tresor etwas zu stehlen, kommen sofort die Schatten des Guten, die positiv sind und beginnen ihn zu erschrecken: "`Stehle nicht, sie werden dich fassen, und ins Gefängnis stecken, wo du krank werden und den Segen Gottes verlieren kannst"', und so weiter. Wer sich an diese Warnung hält, der wird sich retten und in den Bereich des Guten kommen, wo alles positiv ist. Schützt euch vor denjenigen, die euch große Versprechen machen. Dort verbirgt sich das Böse. In den kleinen Versprechungen birgt sich das Gute. Es sagt dem Menschen: "`Ziehe die Armut und den Tod dem Reichtum und dem üppigen Leben vor; so wirst du von dem Segen Gottes Gebrauch machen."' Das Böse sagt: "`Der Ruhm, der Reichtum und die Größe sind der Armut und der Ruhmlosigkeit vorzuziehen. Warum sollte der Mensch sein ganzes Leben in Armut und in Qualen verbringen?"' Im vorigen Jahrhundert hielt einer der berühmten amerikanischen Priester, Dwight Lyman Moody, belebende Versammlungen im Freien ab. Eines Tages fuhr eine vornehme, reiche Dame mit der Kutsche an der Versammlung vorbei und entschied sich, für einen Moment anzuhalten und zuzuhören, was dieser hohlköpfige Priester sagte. Als Moody sie sah, unterbrach er seine Predigt und wandte sich an die Versammlung mit den folgenden Worten: "`In diesem Moment verkaufe ich die Seele dieser Dame. Was für einen Preis möchte die Welt für sie zahlen? Und was gab Christus für sie?"' Nachdem er aufzuzählen begann, was die Welt und was Christus für ihre Seele geben würden, stieg sie sofort aus der Kutsche, näherte sich dem Priester und sagte: "`Von heute an werde ich eine Christin sein."' Heute verkaufen alle Menschen ihre Seelen und jeder will wissen, wer für seine Seele mehr bezahlen wird -- die Welt oder Christus. Warum sollt ihr mit geneigten Köpfen gehen? -- Ihr werdet sagen, das Böse tritt euch. Womit? -- Mit Krankheiten, Armut. Was ist das Böse in der Krankheit und was in der Armut? -- Erhebt euer Haupt und freut euch, wenn ihr krank oder arm seid. Was fehlt dem Menschen? -- Jeder trägt in sich unzählige Reichtümer. Er hat Augen, Ohren, eine Nase, ein Herz, eine Lunge, einen Magen und so weiter. All diese Dinge kosten Milliarden und er gilt als arm. Er hat einen Geist und eine Seele, die Milliarden kosten. Sollte der Mensch bei diesem Reichtum als arm gelten? Sollte der Mensch bei den Heilmethoden, die in ihm angelegt sind, denken, er sei krank und könne nicht gesund werden? Vor Jahren kam ein reicher Sofioter zu mir und bat mich, ihn zu heilen, da er an einer unheilbaren Krankheit litt. "`Wenn du mich heilen könntest"', sagte er, "`würde ich dir viel Geld geben."' "`Wie viel Geld wirst du mir geben? Wenn du denkst, dass du mir fünftausend bis zehntausend Leva geben kannst, ist das nichts."' Wenn jemand geheilt wird, soll er seinen ganzen Reichtum loswerden, nichts soll er für sich übrig lassen. Wenn er sich dabei davon überzeugt, dass er vollkommen geheilt ist, soll er sein Leben Gott weihen. Wenn er mit diesen Bedingungen einverstanden ist, bin ich einverstanden, ihn zu heilen. Warum sollte der Mensch Demjenigen nicht alles geben, der ihm alles gegeben hat? Aber dieser Herr überlegte es sich damals und bis heute überlegt er es sich, er ist nicht erschienen, um mir zu antworten. Wenn er einen anderen Arzt als Gott findet, der ihn physisch und geistig heilen kann, soll er zu ihm gehen. Gott heilt alle Krankheiten und Gebrechen der Menschen. Mit anderen Worten: Die Liebe heilt alle äußeren und inneren Krankheiten und Gebrechen. Sie heilt, erhebt und lässt den Menschen zum Leben erwachen. Wenn die Menschen die Kraft der Liebe nicht verstehen, fragen sich manche, warum sie lieben sollen oder warum sie an die Liebe denken sollen. Du wirst an die Liebe denken, die Menschen lieben, weil man ohne die Menschen nicht leben kann. Die Liebe (ljubov) und die \textit{Liebe} (obitsch) wecken einen Impuls, einen Antrieb im Menschen. Du interessierst dich für jemanden, weil du ihn liebst. Du interessierst dich für ein Buch, liest es und machst Gebrauch von seinem Inhalt, weil du es liebst. Du interessierst dich für das Brot, für die Obstbäume, weil du sie liebst. Verschwindet die Liebe, verschwindet auch euer Interesse an all dem und damit auch die Bedingungen für euer Wachstum und euer Sich-Erheben. Ihr werdet sagen, dass ihr keinen Bezug zu den Pflanzen hättet. Dem ist nicht so. Die Pflanzen und die Obstbäume stellen die Energien von hohen Vernunftwesen dar, zu denen ihr eine natürliche Verbindung habt. Ihr könnt nicht ohne sie sein. Sie erwecken in euch den Impuls zum Guten; sie erwecken in eurem Verstand schöne und erhabene Gedanken und in eurem Herzen edelmütige Gefühle und Wünsche. Als Eva von der verbotenen Frucht aß, die in sich die niederen Energien birgt, erwachten in ihr die entsprechenden Triebe -- Eitelkeit und Stolz. Sie dachte, sie könne das Leben umwandeln und wie Gott werden. Als sie von der verbotenen Frucht aß, bildete sie sich ein, sie würde auf der ganzen Welt berühmt, alle Generationen würden über sie sprechen. Dem war nicht so. Sie wurde zur Ursache für den Fall der Menschheit und von da an für die Kreuzigung Christi. In der Zeit Christi war sie auf der Erde und weinte bitterlich. Sie begriff ihren Fehler und bereute es, so gehandelt zu haben. Eva begriff, dass sie sich in ihren Wünschen und Gedanken bitter getäuscht hatte. Ihr Fehler lag in ihrer Lieblosigkeit. Sie aß von der verbotenen Frucht ohne Liebe. Sie liebte zwei Dinge und dies mit unterschiedlicher Kraft. Die Liebe ist die Eine und die Unteilbare. Wenn eure Liebe zu zwei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich ist, seid ihr auf dem falschen Weg. In der Liebe gibt es keinen Unterschied. Sowohl zum Menschen als auch zum Tier ist die Liebe dieselbe. Der Unterschied besteht darin, dass der Mensch die Liebe mehr zu schätzen weiß, das Tier weniger oder gar nicht. Die Nahrung ist für den Menschen eine, für das Tier eine andere. Wenn man den Menschen mit einer guten Nahrung nährt, beginnt er Poet, Maler, Musiker, Philosoph oder Wissenschaftler zu werden. Welche Nahrung man dem Tier auch geben mag, gute oder schlechte, es wird ein Tier bleiben; es wird dir für die gute Nahrung danken, aber dir sagen: "`Verzeih, dass ich die Nahrung, die du mir gibst, nicht so verwenden kann, wie ich sollte."' Nun denkt nicht, dass die Pflanzen und die Tiere Unwissende sind, dass sie nichts verstehen und nichts wissen, sondern dankt, dass sie ihre Energien nutzen. In der göttlichen Welt sind sie Vernunftwesen, so wie die Menschen, aber auf der Erde erfüllen sie eine niedere Aufgabe. Sie leben hier kollektiv. Auf der Erde sind die Lebewesen der Schatten einer Wirklichkeit, die in einer anderen Welt existiert. Auch der Mensch ist der Schatten des wahren Menschen, der sich noch nicht auf der Erde manifestiert hat. Bis der Schatten des Menschen Wirklichkeit wird, wird sich seine Form ständig verändern. Wenn sein Schatten klein wird, zeigt das an, dass er der Realität am nächsten ist. Je größer der Schatten des Menschen ist, desto ferner ist er der Realität. Wenn die Leiden des Menschen sich vergrößern, vergrößern sich auch seine Güter. Wenn sich seine Leiden und seine Güter vergrößern, befindet er sich nah an der Realität. Wenn ihr das wisst, nutzt euer Leiden und die Güter im selben Moment, wenn sie kommen. Was macht der Schüler in der Schule? -- Er lernt, arbeitet, löst Aufgaben. Vier, fünf Stunden pro Tag beschäftigt er sich, lernt seine Lektionen; die Mühen, die Anstrengungen, die Arbeit werden mit Erfolg gekrönt. Also kommen die Güter nach dem Leiden, nach den Mühen, nach den Anstrengungen, nach der Arbeit. Es ist nicht leicht, dass der Mensch Gelehrter, Musiker, Maler oder Bildhauer wird. Viele Jahre muss er in den Bibliotheken stöbern, den Bogen über die Saiten bewegen, die Pinsel auf der Leinwand oder mit dem Hammer auf den Stein hämmern. Nur der kann ein guter Geiger werden, der neben der sichtbaren Geige eine unsichtbare schafft, die die sichtbare durchdringt. Und dann, wenn er seine Finger auf der Geige platziert, werden sie den richtigen Platz treffen. Folglich, solange der Mensch nicht den göttlichen Ursprung in sich in Gang setzt, sodass dieser seinen physischen Körper durchdringt, kann er nicht gut leben. Außerhalb von Gott gibt es kein gutes Leben. Solange manche das nicht verstehen, betrachten sie Gott als ein Ungeheuer, sie fürchten sich vor Ihm. Einer der hebräischen Propheten, sagte: "`Herr, warum hast du dich auf meinen Weg wie ein Bär gestellt?"' Das ist ein Nichtverstehen der Dinge. Derjenige, der dich geschaffen hat, kann sich nicht wie ein Bär auf deinen Weg stellen und dich verfolgen. So dachte nämlich der Prophet Jeremias, der ein großer Patriot war und sein Volk liebte. Er stellte fest, dass das jüdische Volk großes Leiden ereilte. Viele Fehler beging das jüdische Volk, für die gebüßt werden muss. Gehorsam wird von diesem Volk verlangt. Die vernünftige Welt wünscht, ihm zu helfen und richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Vernünftigkeit, auf das Gute und auf die Gerechtigkeit. So sollen die Juden, wie alle Menschen, gut, vernünftig und gerecht sein. Einer der alten Meister der Weisheit schickte einen seiner Schüler in die Welt, damit er lerne. Der Schüler wollte in kürzester Zeit berühmt werden und entschied sich nun, Kranke zu heilen. Den Blinden öffnete er die Augen, den Tauben die Ohren, die Behinderten begannen zu gehen. Und wahrlich, in kürzester Zeit wurde er berühmt, stieß aber auf große Überraschungen. All diejenigen, die er heilte, begannen ihn zu schlagen, zu verfolgen, damit er ihr Königreich verlasse. Sie sagten: "`Dieser Mensch will Geld dafür, dass er uns heilt. Um uns von ihm zu befreien, müssen wir ihn vertreiben."' Der Schüler musste fliehen und kehrte zu seinem Meister zurück, um sich darüber zu beschweren, dass ihm alle statt mit Dankbarkeit mit einer schwarzen Undankbarkeit begegneten. Was ist die Ursache für den Widerspruch, auf den er gestoßen war? -- Der Meister hörte ihn an und antwortete ihm: "`Der Fehler war in dir. Bevor du den Blinden die Augen öffnest, sollst du sie lehren, das Licht zu lieben. Bevor du die Ohren der Tauben öffnest, sollst du sie lehren, den Klang zu lieben; bevor du die Füße der Menschen heilst, sollst du sie lehren, die Bewegung zu lieben und zu wissen, wie man geht."' Sollt ihr demjenigen Licht und Wissen geben, der seine Verbrechen noch nicht aufgegeben hat? Sollt ihr den Menschen, der nicht für eine höhere Kultur bereit ist, aufklären? Was tun die heutigen Menschen mit ihren technischen Erfindungen? Heute dienen die Luftschiffe, die Schiffe, die U-Boote mehr der Zerstörung, statt etwas Gutes in die Kultur einzubringen. Ist das eine Kultur? Heute streben die meisten Menschen große Dinge, große Errungenschaften an. Jeder möchte große Häuser, Schlösser und Paläste. Warum braucht ihr solch große Häuser? Irgendwann werden die Häuser klein und einfach sein und dünne Wände wie Spinnennetze haben. Wenn es um die Frage nach großen Häusern geht, so ist die Erde das größte Haus, mit dem größten Dach -- dem Firmament. Was möchtet ihr mehr als das? Ist es nicht besser, dir da, wo du dich niederlässt, ein magnetisches Haus zu errichten, das nur hundert Gramm wiegt? Stehst du auf, wirst du dein Haus abbauen und mit dir mitnehmen. Möchtest du zwei Zimmer, wirst du sie irgendwo aufstellen und sofort Unterkunft haben. Ein Zimmer wird hundert Gramm wiegen, zwei Zimmer werden zweihundert Gramm wiegen und so weiter. Wichtig ist es, die Kunst zu beherrschen, magnetische Zimmer zu erbauen. Beherrscht du diese Kunst, kannst du Zimmer vermieten. Arbeitet ihr an der Selbsterziehung, so berücksichtigt die erste Hauptaufgabe, die Liebe zu Gott zu entwickeln. Solange ihr die Liebe zu Gott nicht entwickelt habt, werdet ihr großen Leiden und Prüfungen ausgesetzt sein. Warum sollte der Mensch, während er das Brot isst, nicht an die Quelle denken, aus der das Brot stammt? Wenn der Mensch darüber nachdenkt, verbindet er sich mit der Kategorie von Lichtwesen, die ihre Energie für die Zubereitung des Brotes schicken. Unterschiedliche Wesen schicken ein unterschiedliches Licht von der Sonne an unterschiedliche Orte. Es gibt Wesen auf der Sonne, die sich speziell für Bulgarien interessieren. Sie planen für es ein spezielles Budget: wie viel Weizen, wie viele Früchte sie schicken sollen. Sie bestimmen, wie viele Kinder pro Jahr geboren werden, wie viele Menschen heiraten und wie viele sterben sollen. Gleichzeitig interessieren sie sich für die Art und Weise, wie die Menschen die Güter, die sie von ihnen erhalten haben, benutzen. Ihr werdet sagen, dass die Sonne ein Feuerkörper ist und nichts mehr. Außer einem Feuerkörper ist die Sonne die Summe von leuchtenden Vernunftwesen. Woher wissen die Menschen, dass die Sonne ein Feuerkörper ist? -- Von den Wissenschaftlern, die sie als Autoritäten betrachten. Die Religiösen betrachten Moses, Buddha, Mohammed und Christus als Autoritäten. Wenn man über die Erschaffung der Welt spricht, sagt man, Moses habe über diese Frage geschrieben. Nach Mose schuf Gott die Welt in sechs Tagen. Die Theologen streiten über diese Frage, wie es möglich ist, die Welt in sechs Tagen zu erschaffen. Manche sagen, das seien göttliche Tage, andere sagen, es seien vierundzwanzig Stunden wie unsere Tage und Nächte. Wenn der Mensch in Zukunft Herr seines Verstandes, seines Herzens und seines Willens wird, wird er eine klare Vorstellung von der Erschaffung der Welt haben. Bis dahin wird er die Dinge als Hypothesen annehmen. Eines Tages, wenn der Mensch gelernt hat, seinem Verstand, seinem Herzen und seiner Seele zu dienen, dann wird er selbst zur Sonne fahren und wird selbst prüfen, wie die Erschaffung der Welt geschah. Heute bewohnt der Mensch einen relativ kleinen Planeten, die Erde, und kann sie nicht erfassen; in welcher Lage wäre er dann, wenn er auf der Sonne hätte wohnen können, die eine Million und fünfhundert Tausend Mal größer als die Erde ist? -- Es wird die Zeit kommen, dass die Sonne wie die Erde bewohnt sein wird und von einer anderen Sonne, die größer als diese ist, beschienen werden wird. Wie die Ameisen die Idee, was die Erde, die sie bewohnen, ist, nicht begreifen können, so können wir uns auch nicht vorstellen, was die Sonne ist und wie man auf ihr leben kann. Für die Ameisen ist die Erde der größte Planet auf der Welt. Für sie ist die Erde etwas Göttliches. In den Sprüchen wurde gesagt: "`Ich kam ins gelobte Land; und trat dort mit den Söhnen Gottes hinein."' Unter dem "`gelobten Land"' versteht man die Erde, auf der es keinen Mangel gibt. Wenn der Mensch da eintritt, wird er sich von der Angst und allen Leiden befreien. Das "`gelobte Land"' gilt als günstigste Bedingung im Leben. Wovor fürchtet sich der Mensch? -- Vor der Finsternis. Es gibt eine dunkle Zone um die Erde herum, in der alle negativen Gedanken, Gefühle und Taten der Menschen schweben. Berührt der Mensch sie, schaudert er. Wenn die erhabenen Wesen durch diese Zone gehen, erheben sie wie Moses ihren Stock und die Zone wird geteilt; die erhabenen Wesen legen den Weg frei. Wer Wissen hat, kommt leicht durch diese Zone hindurch; wer kein Wissen hat, ertrinkt in ihr. Die Brücke, die diese dunkle Zone mit dem Licht verbindet, ist so schmal wie ein Faden. Der Gerechte durchdringt sie leicht. In dieser Hinsicht gleicht er einem Akrobaten. Der Sünder aber zweifelt, wenn er sich ihr annähert, es wird ihm schwindlig und er stürzt in den Abgrund. Deshalb ist gesagt worden, dass der Mensch sich von allem Irdischen, von allem Menschlichen lossagen muss, nichts darf er mit sich tragen, wenn er in die andere Welt hinübergeht. Nur so kann er erfolgreich die dunkle Zone durchlaufen. Als Gott die menschliche Natur erkannt hatte, setzte Er die dunkle Zone als Grenze zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, damit keine Diebstähle passieren. Auf der Erde kann man stehlen, wie man will, aber im Gelobten Land sind keine Diebstähle und Verbrechen erlaubt. Dorthin kannst du nur deine leuchtenden Gedanken und Gefühle bringen. Dort ist alles unsterblich. Denkst du an deine sterblichen Gedanken und Gefühlen, wirst du sie auf der Erde lassen müssen. Der Mensch muss neu geboren werden. Das bedeutet, den Gedanken Christi vernehmen, in sich dem Göttlichen Platz machen. Christus ist das göttliche Prinzip, das alle Seelen verbindet. Er kann kein zweites Mal auf die Erde kommen. Warum? -- Weil er eine Erfahrung mit der Liebe der Menschen gemacht hat. Christus manifestiert sich überall in der Welt. Ihr werdet ihn in jedem reinen Herzen, in jedem reinen Verstand und in jeder erhabenen Seele treffen. Ist das möglich? -- Wie die Sonne sich in Tausenden Spiegeln widerspiegelt, so manifestiert sich Christus in Tausenden von Seelen. Er manifestiert sich durch die Gedanken, Gefühle und Taten der Menschen. Wie das Sonnenlicht durch die Augen dringt, so dringt auch das göttliche Licht in die menschlichen Seelen. Manche religiösen Menschen zitieren die Bibelverse, sie zitieren, was Moses und was die Propheten und die Apostel sagten. Richtig ist, dass wir von ihnen lernen, aber sie lernen heute auch von den heutigen Christen. Wir lernen das, was Gott ihnen offenbarte, aber sie lernen auch das, was Gott uns offenbarte. Christus brachte die Liebe in die Welt, dennoch wurde ihm Leid zugefügt. So lernte er, was göttliche Liebe ist. Er begriff, dass es in der göttlichen Liebe keine Veränderung gibt -- sie ist ewig und unendlich. Christus vertraute auf Gott, deshalb ist er am dritten Tag auferstanden. Wenn er etwas hatte, was ihn mächtig machen konnte, dann war das seine Liebe zu Gott. Er zweifelte nicht einen einzigen Moment an ihr. Folglich wird der, der auf die göttliche Liebe vertraut, auferstehen. Wer nicht auf sie vertraut, wird in den Abgrund fallen. Lebt auf der Erde, nutzt die Güter des Lebens, aber macht euch nicht zum Ziel, diese Güter ins Jenseits zu bringen. Bis die Zeit eures Hinscheidens von dieser Welt kommt, sollt ihr euch von allem Irdischen losgesagt haben. Im Jenseits gibt es mehr und wertvollere Güter als die irdischen. Bringt auch nicht Dinge mit euch, die faul werden und verdorren, sondern bringt eure guten, leuchtenden und erhabenen Gedanken, Gefühle und Taten und dankt Gott dafür. Dankt allen für alles, was Er gegeben hat. Dankt auch für die Leiden und für die Freuden, die ihr auf der Erde hattet. Alles wird sich in das Gute umwandeln. Kommen wir auf die Frage nach der Selbsterziehung zurück. Damit der Mensch erzogen wird, soll er von überall Wissen schöpfen. In was für eine Umgebung ihr auch immer kommen werdet, ihr werdet etwas lernen. Wenn ihr unter die Armen, die Leidenden kommt, werdet ihr eine Sache lernen. Wenn ihr unter gesunde und frohe Menschen kommt, werdet ihr etwas anderes lernen. Wenn ihr unter die Musiker, Wissenschaftler und Philosophen kommt, werdet ihr auch von ihnen etwas lernen. Der Mensch lernt sowohl von den Freuden als auch von den Leiden. Das Leiden ist eine Methode zur Reinigung des menschlichen Herzens. Wenn das Wasser in der Natur mittels Aussieben und Verdampfen gereinigt wird, so unterstellt auch das Leiden das menschliche Herz einem Aussieben und Verdampfen, bis es gereinigt ist. Das Herz wird durch die Freude und durch das Leiden gereinigt. Freust du dich, wirst du deine Freude mit deinem Nächsten teilen. Wenn du leidest, wirst du das Leiden nur für dich behalten. Handelst du so, wirst du in beiden Fällen gewinnen. Handelst du anders, die Freude nur für dich zu behalten und das Leiden und die Trauer mit deinem Nächsten zu teilen, wirst du in beiden Fällen verlieren. Wer dieses Gesetz nicht versteht, sucht nach einer Möglichkeit, sein Leiden den Anderen aufzubürden. Das ist nicht richtig. Das Leiden gibst du Gott, die Freude deinem Nächsten. Deshalb steht in der Heiligen Schrift: "`Wirf auf den Herrn deine Last."'\footnote{Ps 55,23.} Gott ist in der Lage, das Leiden des Menschen wertzuschätzen und ihm das Seine zu geben. Dein Leiden mit Gott zu teilen und die Freude mit den Menschen, bedeutet dich auf eine neue Weise zu erziehen. Nun, solange ihr auf der Erde seid, nutzt die Bedingungen, die sie euch gibt. Wenn ihr zum Himmel hinaufsteigt, werdet ihr die himmlischen Bedingungen nützen. Nützt ihr die irdischen Bedingungen nicht vernünftig, könnt ihr auch die himmlischen nicht nützen. Seid zufrieden mit dem, was ihr jetzt habt. Alle Menschen leiden aufgrund von Fülle und nicht aufgrund von Mangel. Verteilt alles Überflüssige, um euch zu erleichtern. Ihr seid Passagiere, Wanderer auf der Erde. Jeder trägt einen schwereren Rucksack, als seine Kräfte erlauben. Entledigt euch der überflüssigen Last auf eurem Rücken und belasst dort nur so viel, wie ihr mit Freude und in guter Stimmung tragen könnt. \begin{center} 2. August 1942, 10.00 Uhr -- Sofia-Izgrev\footnote{Aus dem Bulgarischen Mariya Kireva.} \end{center}
  13. DIE SCHÖNHEIT DES LEBENS Mt 12 Nachdenken "`Denn wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." Mt 12,50. Im guten und vernünftigen Leben ist die Liebe das Schöne. Im guten und reinen Leben ist die Weisheit das Schöne. Im guten und lichtvollen Leben ist die Wahrheit das Schöne. Erhalte die Schönheit der Liebe aufrecht. Erhalte die Reinheit der Weisheit aufrecht. Erhalte das Licht der Wahrheit aufrecht und du wirst immer froh und selig sein, denn Gott ist in ihnen auf ewig. Die Liebe erfüllt mit ihrer Schönheit die ganze göttliche Welt. Die Weisheit durchdringt mit ihrer Reinheit das ganze Sein. Die Wahrheit lässt mit ihrem Licht alle Wesen in der göttlichen Welt in Freiheit sein. Liebe die Liebe, liebe die Weisheit, liebe die Wahrheit! Lasse sie Leuchter deiner Seele sein, denn durch sie äußert sich Gott in denjenigen, die Ihn suchen. Ruft Gott in der Liebe an, ruft Ihn in der Weisheit an. Ruft Ihn in der Wahrheit an! Nur so werdet ihr die leise Stimme Seines Geistes zu eurem Geist, eurer Seele, eurem Verstand, zu eurem Herzen sprechen hören. Die Sanftmütigkeit Gottes ist auf immer in Seiner Liebe, in Seiner Weisheit, in Seiner Wahrheit. Durch sie äußert sich Seine grenzenlose Sanftmütigkeit. Dient Gott mit Liebe, dient Ihm mit Weisheit, dient Ihm mit Wahrheit und ihr werdet Leben, Licht und Freiheit haben. Mögen die Schönheit der Liebe, die Reinheit der Weisheit und das Licht der Wahrheit auf ewig in euch sein! Seid in ihnen auf ewig, damit sie auch in euch auf ewig sind. Sie sind das neue Leben, das Gott in die Welt sendet. Der Geist Gottes will Barmherzigkeit und nicht Opfer. 02. Juli 1942, 5.00 Uhr -- Die Sieben Rila-Seen Aus dem Bulgarischen Lidia Lindrova.
  14. DIE NEUE WELT \begin{flushright} \textit{Joh 17} \textit{Nachdenken} \end{flushright} Die Seele ist der Tempel der Wahrheit, der Verstand ist der Tempel der Weisheit, das Herz ist der Altar der Liebe. Gott schuf die Welt des Lichts für die Augen, die Welt des Gehörs für die Ohren, die Welt des Geruchs für die Nase, die Welt des Wortes für den Mund, die Arbeit für die Hände, die Bewegung für die Füße, den Körper als Haus der Seele. Der alte Mensch wurde für das Leben und für die Bewegung geschaffen. Der neue Mensch für die Liebe und das Wissen. Folglich, vom Leben zu der Liebe! Von der Liebe zu Gott! Nur so erkennt der Mensch, dass Gott alles in der Welt ist. Wir sprechen nicht über die Welt der Finsternis, in der die Menschen herumtappen, sondern über die Welt des Lichts, das die Augen der Menschen für die neue Erkenntnis Gottes öffnet. Wir sprechen über die Welt des Lichts, in dem die Menschen auferstehen. Gott ist die ewige Schönheit des Lebens. Gott ist das ewige Erreichen der Liebe. Gott ist das ewige Erscheinen der Schönheit -- der Grund des Guten. In der neuen Welt, in der Gott erschafft, vereinigen sich alle Menschen in einem Ganzen, um in der Liebe zu leben. Wahrhaftig sind die Worte des Apostels Paulus, der sagt: "`Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben."'\footnote{1 Kor 2,9.} Gott schuf das Universum für die Seelen, damit sie in ihm leben und sich über die Herrlichkeit Gottes freuen, in die Er sie gekleidet hat. Christus sagt: "`Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind."' \footnote{Joh 17,22.} Indem manche religiösen Menschen das Evangelium lesen, wollen sie, dass ihnen die großen Wahrheiten des Lebens eröffnet werden. Wie werdet ihr dem Menschen etwas eröffnen, wenn er seine Augen geschlossen hält? -- Solange seine Augen geschlossen sind, sieht er nichts. Wenn sich ihm die Augen öffnen, wird er all das sehen, was ihm eröffnet wird. Was wird derjenige über das Licht erfahren, dessen Augen geschlossen waren? -- Was man auch zu ihm spricht, er wird nichts verstehen. Um zu lernen und Wissen zu erlangen, soll der Mensch seine Ohren und Augen für das Licht öffnen. Das Licht hat auch einen Klang, der durch die Ohren wahrgenommen werden kann. Der Klang, die Klangwellen bringen das Wort. Was könnt ihr zu dem Menschen sprechen, dessen Ohren geschlossen sind? -- Wer Augen und Ohren hat und sie nicht öffnet, ist zum Leiden verurteilt. Was sind die Leiden für die menschliche Seele? -- Eine Wachstums- und Entwicklungsbedingung. Leidet der Mensch, wächst und entwickelt sich die Seele. Ihre Gedanken, Gefühle und Fähigkeiten blühen. Sie verwandelt sich in eine Blüte, die ihren Duft weit verbreitet, die Frucht vorbereitet, die bald reif wird. Die Seele, die nicht leidet, bleibt für immer eine geschlossene Knospe. Nähre deine Seele mit den reifen Früchten deines Lebens, damit sie wächst, sich entwickelt und sich ständig befreit. Die Früchte der Seele sind paradiesische Früchte, die jeder anstrebt. Erst jetzt werden die Menschen darauf vorbereitet, in das neue Leben einzutreten, das mit Schönheit und innerer Süße erfüllt ist. Das wirkliche Leben nennen wir auch das göttliche Leben. Ein Leben ohne Süße ist Bitterkeit. Das Leben ohne Duft ist Gestank. Das Leben ohne Schönheit ist Hässlichkeit. Heute wird die neue Welt erschaffen, die neue Bedingungen, neue Zustände benötigt, die dem Menschen in Fleisch und Blut übergehen werden. Das nennen wir die Wirklichkeit im Leben. In dieser Wirklichkeit wird sich die menschliche Seele in ihrer Schönheit und Herrlichkeit äußern. Dürfen wir weinen, wenn wir ein schmutziges Hemd waschen? Darf man weinen, wenn man das Weizenkorn in die Erde pflanzt? Darf man weinen, wenn man den Weizen erntet? Darf der Stein weinen, wenn man ihn meißelt, um aus ihm eine schöne Statue zu machen? -- "`Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen."'\footnote{Joh 17,26.} Der alte Mensch studiert das Leben, der neue die Liebe. Seid also auch ihr neue Menschen, um die Liebe zu studieren. 28. Juni 1942, 5.00 Uhr -- Die Sieben Rila-Seen Aus dem Bulgarischen Angela Angelova
  15. Anhaltspunkte des Lebens Joh 10 Nachdenken Heute streben die meisten Menschen große Dinge an. Sie wissen, dass in der mechanischen Welt die großen Dinge kleiner werden und in der organischen größer; dennoch erstreben sie immer wieder das Große. Das Große soll kleiner werden, um zugänglich zu sein; das Kleine soll wachsen und sich vergrößern, um erkannt und studiert zu werden. Der Mensch wird klein geboren und wächst allmählich, wird groß, um sich zu erkennen. Der Samen, der in die Erde gesät wird, ist klein, aber nach kurzer Zeit wächst er und aus ihm entsteht ein großer Baum. Im Sommer werden die Schauer kleiner, die Samen wachsen und werden groß. Bildet sich der Mensch ein, dass er größer ist als in Wirklichkeit, beginnt er kleiner zu werden. Dieser Prozess geht unbemerkt vor sich. Damit das schmerzfrei geschieht, soll der Mensch bewusst kleiner werden. Als sich Christus an das jüdische Volk wendete, sagte er: "`Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohl gefallen, euch das Reich zu geben."'\footnote{Lk 12,32 Alle Bibelzitate stammen aus der Elberfelder Bibel. www.bibelserver.de.} Er sagt nicht, fürchte dich nicht, du große Herde, sondern sagt, fürchte dich nicht, du kleine Herde. Wenn der Mensch das Gesetz des Sich-Verkleinerns und des Sich-Vergrößerns kennt, dann soll er nicht danach streben, groß zu werden. Das Große anzustreben, das bedeutet, in jedem Moment auf Widersprüche zu stoßen. Alle Auseinandersetzungen und Missverständnisse im Leben entstehen immer zwischen den großen Menschen wegen großer Dinge. Hören die Auseinandersetzungen und die Missverständnisse auf, wird die Liebe kommen. Deshalb sagt man, dass die Liebe zuletzt kommt. Das Leben, das nicht von der Liebe beschienen wird, bleibt für immer in der Dunkelheit. Man weiß dabei, dass in der Dunkelheit nichts wächst. Wollt ihr folglich die Lebensbedingungen nutzen, strebt nach der Liebe, in der alles beschienen wird und sich erhebt. "`Wer nicht durch die Tür in den Hof der Schafe hineingeht, sondern anderswo hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber."'\footnote{Joh 10,1.} Wem gleicht der Dieb? -- Dem Großtun im Menschen. Es macht den Menschen innerlich unzufrieden und veranlasst ihn, zu stehlen. Im Menschen gibt es ein großes Wesen, das ständig murrt und kritisiert: Es bleibt ständig unzufrieden, unabhängig davon, wer ihm was gibt. Es sieht überall die Fehler und sagt: "`Das ist nicht gut gemacht, das soll nicht so sein."' Es bleibt bei den negativen Manifestationen des Lebens stehen und kritisiert sie. Sollte es seine Meinung über die Welt sagen, wird es sagen, Gott habe sie weder gut geschaffen noch alles vorgesehen. Das Große hat einen Plan für die Erschaffung der Welt, aber zwingt man es dazu, seinen Plan anzuwenden, gerät es in eine schwierige Lage -- es weiß weder, was sein Plan ist, noch kann es ihn anwenden. Die heutigen Menschen beschäftigen sich mit großen und mit kleinen Dingen: Die ersteren bevorzugen sie, die letzteren missachten sie. Ihre Augen werden von den großen Dingen angezogen. Versammeln sie sich irgendwo, so wollen sie viele sein. In diesem Bestreben bedienen sie sich des Sprichworts: "`Aus dem Vielen entsteht kein Kopfschmerz."' Dennoch sind nur wenige hier auf den Berg gekommen, die meisten sind im Tal geblieben. Was ist der Grund dafür? -- Die schlechten Lebensbedingungen: der Krieg, die unzureichende Nahrung, der Mangel an Verkehrsmitteln. Der Mensch ist kein Vogel, um seine Flügel auszubreiten und hierher zu fliegen, um zu hören, was gesprochen wird und zurückzukehren. Auf der physischen Welt braucht man physische Bedingungen. Es reicht nicht aus, dass der Mensch nur einen Impuls hat, man benötigt auch materielle Bedingungen. Was ist der stärkste Impuls im Leben? -- Der Impuls der Liebe. Dieser Impuls bringt Licht in den menschlichen Verstand, Wärme in das menschliche Herz und Kraft in die menschliche Seele. Wenn der Impuls der Liebe im Menschen wirkt, dann werden alle großen und schönen Dinge geschaffen. Dringt die Liebe in euch ein, gebt ihr den ersten Platz. Vor der Liebe tritt jede Auseinandersetzung zurück. Warum sollt ihr mit der Liebe streiten, ob sie wahrhaft sei oder nicht? Was ist wahrhafte Liebe?~--~Diejenige, die Leben und Licht bringt. Wie lange dauert dieses Leben? -- Solange die Liebe im Menschen ist. Um das Leben fortzusetzen, soll der Mensch sein Leben wie die Pupille seines Auges schützen. Schützt er sie nicht und verhält sich ihr gegenüber nachlässig, wird sie ihn verlassen. Furchtbar ist der Zustand des Menschen, wenn ihn die Liebe verlässt: Wenn sie ihn verlässt, hört sein Leben auf. Das zeigt an, dass zwischen der Liebe und dem Leben eine enge Beziehung besteht. Bewahrt die Liebe in euch, damit ihr nicht in Lebenswidersprüche geratet, um euren inneren Frieden und eure Zufriedenheit nicht zu verlieren. Wo ist die Liebe? -- Überall. Es gibt keinen Ort in der Welt, wo die Liebe nicht anwesend ist. Es gibt kein Wesen in der Welt, das von der Liebe nicht besucht worden ist. Der Irrtum im Menschen besteht darin, dass er die Liebe an einem besonderen Ort und unter besonderen Bedingungen sucht. Die Liebe ist überall und in allem. Viele klagen über ihr Leben und sagen, die Liebe habe sie nicht besucht. Die Ursache dafür ist in ihnen selbst. Sie erwarten, dass die Liebe sie besucht, dass sie zu ihnen zu Besuch kommt. Das ist unmöglich. Die Liebe ist bereits in die Welt gekommen. Wer sie sucht, soll selbst zu ihr gehen. Wenn ihr anders darüber denkt, dann schafft ihr selbst Widersprüche. Zu erwarten, dass die Liebe euch besucht, das ist dasselbe wie zu erwarten, dass euch die Sonne besucht. Steht früh auf und begrüßt sie, öffnet eure Fenster und sie wird euch bescheinen. Heute seid ihr auch hinausgegangen, um die Sonne zu begrüßen, aber habt sie nicht gesehen. Eine kleine Wolke hat sie beschattet. Das ist kein Widerspruch, da die Sonne über den Wolken aufgegangen ist. Die Wolken sind nicht gefährlich, es ist gefährlich, wenn die Sonne vom Horizont verschwindet und aufhört aufzugehen. Wenn ihr sie heute nicht gesehen habt, werdet ihr sie morgen sehen. Ihr seid an diesem Morgen alle Sieben zusammengekommen. Die Zahl sieben stellt die Zahl der Wochentage dar. Gott schuf die Welt in sieben Tagen. Also drückt jeder von euch einen Wochentag von den Tagen der Schöpfung der Welt aus. Wie wenige auch immer ihr heute sein mögt, dennoch drückt sich die Liebe aus. Sie drückt sich in den kleinen Dingen aus, sie verbirgt sich in den kleinen Dingen. Der kleine Fluss ist die Äußerung einer großen Quelle. Aus den kleinen Quellen fließen kleine Bäche und Flüsse. Die kleinen Äußerungen der Liebe bergen dieselbe Kraft in sich wie die großen. Es ist vorzuziehen, dass das Quellwasser nach und nach aber dafür ständig fließt, als in großen Mengen und plötzlich. Fließt die Quelle auf einmal hervor, so trocknet sie aus. Die Menschen wollen die großen Äußerungen der Liebe sehen. Das ist unmöglich. Die Liebe drückt sich überall nach und nach aus. Wer Augen hat, um zu sehen, wird alle kleinen Äußerungen der Liebe in einem erfassen und vor sich die Äußerungen der großen Liebe haben. Sie äußert sich in allen Wesen gleichzeitig. Sammelt all ihre Äußerungen an einem Ort, um eine klare Vorstellung über die Liebe zu haben. Wer die Beziehung aller Wesen zu sich selbst nicht als eine Beziehung eines Ganzen begreift, lehnt die Möglichkeiten der Liebe ab und fragt sich: "`Was kann die Liebe in mir und ich in ihr verrichten?"' Er ahnt nicht, dass die Äußerungen der Liebe in den Teilen die Äußerungen des Ganzen sind. Christus sagt: "`Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen."'\footnote{Mt 18,20.} Es sammeln sich Tiere an einem Platz, es sammeln sich Menschen, Engel und Erzengel -- immer im Namen der Liebe. In der Folge dieser Versammlungen wird etwas Großes geschaffen, das in Zukunft gesehen wird. In der Arbeit der Liebe erscheinen kleine und große Wolken, die zum Ziel haben, sie zu behindern. Eine kleine Wolke bedeckte heute die Sonne und wir konnten sie nicht sehen. Was stellt die Wolke dar? -- Den gegenwärtigen Krieg, in dem die christlichen Völker gegeneinander kämpfen. Ihr werdet sagen, der Krieg sei ein Widerspruch im Leben. So wie die Wolke einen Widerspruch für die Sonne darstellt, so ist der Krieg ein Widerspruch für die Menschen. Die Natur lässt den Krieg als eine natürliche Folge des schlechten und verdorbenen Lebens der Menschen zu. Durch ihn wird das Böse kanalisiert, das sich in den menschlichen Herzen seit Jahrhunderten angehäuft hat. Das Böse wird zerfließen, die Sonne wird über den Wolken aufgehen, wieder scheinen und ihre Wärme und ihr Licht in der ganzen Welt verbreiten. Dann werden die Widersprüche verschwinden und die Menschen werden verstehen, dass es auch ohne Krieg geht. Das Leben der Lieblosigkeit schafft den Krieg. Das Leben der Harmonie und der Liebe schließt den Krieg aus. Heute kämpfen die Menschen für materielle Dinge: Wer wird über mehr Boden herrschen, wer wird die Weltherrschaft erobern? -- Eines Tages, wenn sich die Liebe in ihrer Ganzheit äußert, werden alle Wesen, Menschen, Tiere und Pflanzen Gebrauch von ihrer Fülle machen. Diejenigen, die sich unterhalb des Niveaus des Menschen befinden, werden sich seine Liebe zunutze machen. Der Mensch wird sich die Liebe derjenigen zunutze machen, die über ihm stehen. Die Liebe ist eine unerschöpfliche Quelle der Kräfte und der Güter. Christus sagt: "`Ich und der Vater sind eins."'\footnote{Joh 10,30.} Also ich, das Kleine und der Vater, das Große, sind eins. Die Welt ist der kleine Anfang, der Vater der große Anfang. Das Kleine soll wachsen und in Beziehung mit dem großen Anfang, mit dem Vater stehen. Darin besteht die Kraft des Menschen. Wie die Sonne sich im Kreis bewegt, so bewegt sich die Liebe auch im Kreis und umkreist uns. Wenn sie einen Kreis um uns herum beschreibt, verbindet sie uns mit ihren Bändern und bewahrt uns auf diese Weise vor dem Bösen. Wenn wir im Kreis der Sonne sind, so sind wir auch im Kreis der Liebe. Folglich, solange die Sonne uns umgibt und ihr in ihr seid, fürchtet euch vor nichts. Wisst, dass die Liebe euch umgibt und schützt, wie die Erde die in sie hineingelegten Samen schützt. Wer sich entmutigen lässt und denkt, dass er nichts erreichen kann, der ist aus dem Kreis der Sonne und aus dem Kreis der Liebe herausgetreten. Das ist unmöglich: Der Mensch kann nicht aus dem Umlauf der Sonne heraustreten, noch weniger ist es möglich, den Umlauf der Liebe zu verlassen. Ein Leben mit einem Anhaltspunkt im Guten, ein Leben mit einem Anhaltspunkt in der Gerechtigkeit, ein Leben mit einem Anhaltspunkt in der Vernünftigkeit ist das Leben der Liebe. Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.\footnote{Joh 17,3.} \end{center} 21. Juni 1942, 5.00 Uhr -- Die Sieben Rila-Seen
  16. Das hohe Ideal Die Natur liebt nur diejenigen, die ein hohes Ideal in ihrem Leben haben. Sie nennt sie ihre geliebten Kinder und kennt sie mit Namen. Diejenigen aber, die kein Ideal haben, sind nicht in ihr Buch eingeschrieben. Sie sind in ihren Kellern gelassen, für spätere Tage, für ferne Zeiten. Wenn ihr euch also manchmal verlassen fühlt und meint, niemand kümmere sich um euch, als ob ihr von Gott, von der Natur vergessen seid, müsst ihr wissen, dass der Fehler an euch liegt – ihr habt eben kein hohes Ideal. Das ist eine Regel, ein Gesetz. Jeder kann selbst sein Leben, sein Schicksal verbessern, sich von Unglück und Leiden befreien. Jeder kann aus diesem vergessenen Keller der Natur herauskommen, selbst einer der in der tiefsten Tiefe dieses Kellers Vergessenen. Wenn er eines Tages ein hohes Ideal hat, wird er anfangen, wie eine Schnecke nach oben zu kriechen und es wird nicht lange dauern, bis er an die Oberfläche gelangt, wo ihn die Sonne wieder bescheint. Die Natur wird dann sagen: „Da ist eins meiner Kinder, welches auferstanden ist!" Was ist an sich der Tod und was die Auferstehung? Der Tod bezieht sich auf die in den Kellern der Natur vergessenen Kinder, d.h. auf die Kinder ohne Ideal. Die Auferstehung bezieht sich auf die Kinder, welche aus den tiefen Kellern der materiellen Welt herauskommen, d.h. auf solche mit hohem Ideal. Damit du aus diesem Keller herauskriechen kannst, brauchst du Willen und beispiellosen Glauben. Man hört oft: „Ich esse, was ich finde, treffe keine Auswahl der Gerichte beim Essen; ich kleide mich, womit es auch sei, Farbe und Qualität des Stoffs spielen dabei keine Rolle." Ein solcher Mensch will sich bescheiden geben, als jemand, der sich mit den Bedingungen abfindet. So ist es aber nicht. Ein Mensch, der da sagt, dass er alles esse, das ist ein Mensch ohne Ideal oder mit niederem Ideal, wie ein alles fressendes Tier. Der da isst, muss die auserlesenste Nahrung, die die Natur gibt, essen, die Nahrung, die am besten wirkt – nichts weiter! Die Natur wird jeden einzelnen von euch leicht erkennen. Wie erkennt sie ihn? Jeden Tag stellt sie ihn vor eine Prüfung. Und wisst ihr, was für ausgezeichnete Prüfungen sie ihm stellt? Um zu erfahren, was in den Falten eurer Seele, eures Verstandes, eures Herzens steckt, um zu erfahren, was ihr verschwiegen habt, wonach es euch drängt und was aus euch werden kann, zieht sie in ihren Gärten die herrlichsten Obstbäume und schmückt sie mit Früchten verschiedener Art. Sie wird dich in einen solchen Garten einlassen und aufpassen, nach welcher Frucht du greifen wirst. Wenn du die beste Frucht findest, wird sie sagen: „Das ist ein vernünftiges Kind, ein Kind mit hohem Ideal!" Sofort wird sie in ihr Buch eintragen: „Aus dir kann etwas werden!" Bist du zu faul auf den Baum zu klettern, um die beste Frucht zu pflücken, dann hat die Natur eine andere Meinung von dir. Die Frucht, die du vom Baum pflückst, muss die beste sein. Es könnte dich beim Pflücken das Leben kosten, wenn du aber hinaufsteigst und sie nimmst, wird die Natur sagen: „Dieses Kind ist mutig, es nimmt das Beste." Wenn jedoch dieses Kind aufsieht und sagt: „Wer wird jetzt da hinaufklettern?" und sich dann umschaut um zu sehen, ob nicht vielleicht eine Frucht auf den Boden gefallen sei, oder nach einem nahen Ast greift, sagt sie: „Das ist eins von den vergessenen Kindern, aus dem wird nichts werden." Jetzt merkt euch alle: Die Natur schaut nur auf euer inneres Streben. Sie stellt nur die Tatsachen fest, sie beobachtet sie nur und was sie sieht, das schreibt sie nieder. Wenn sie über euch nur das Allerbeste notiert hat, so seid ihr die Ursache dafür. Wenn sie etwas aufgeschrieben hat, das euch nicht empfiehlt, so seid wieder ihr die Ursache. Sie hat nichts von sich hinzugefügt, noch weggelassen. Sie hat einfach die Tatsache niedergeschrieben, aus welcher sie ihren Schluss zieht. Welches sind die Schlüsse, die auf euer Leben wirken werden? Das ist eure Wahl, die ihr getroffen habt! Ich werde euch ein kleines Beispiel geben, um diesen Gedanken zu erläutern. Eine Ägypterin namens El-Thamar war die Tochter des ärmsten Bauern. Sie war sehr vernünftig, intelligent, tugendhaft und sehr bescheiden. Als sie in die Schule kam, fragte sie ihr Lehrer: „Willst du heiraten oder willst du Jungfrau bleiben?" Sie sagte: „Ich habe nur ein Ideal auf Erden. Ich habe beschlossen, ich werde heiraten, aber nur, wenn es der Königssohn ist Wer auch sonst es sein mag, wenn es nicht der Königssohn ist, so werde ich ihm absagen. Diese Wahl habe ich. Sollte er nicht kommen, so bleibe ich Jungfrau." Ihr werdet sagen: „Dummes Zeug!" Nein, sie hat ein Ideal. „Wenn der Königssohn kommt, dann heirate ich, wenn nicht, so brauche ich gar keine Ehe." Worin besteht jetzt die Anwendung dieses hohen Ideals im Leben? Wenn du einen Glauben hast, wenn du eine Lehre, ein Maß, ein Muster, ein Herz, einen Verstand, eine Seele hast, so müssen sie von einem hohen Ideal beseelt sein. Wenn du einen Geist hast, so soll dieser Geist der Sohn der Wahrheit sein! Gehen wir jetzt zum Vergleich über. Wer ist der Sohn der Wahrheit? Das ist der Königssohn, das Ideal einer jeden Seele. Oder du gehst zum Sonnenaufgang. Gehe nicht, wenn die Sonne schon hoch über dem Horizont steht. Du musst schon beim ersten Strahl, der sich zeigt, draußen sein. Der ist der wichtigste, das ist der Königssohn. Bist du nicht zum ersten Strahl draußen, so sind die anderen Strahlen nicht viel wert. Siehst du nicht den ersten Sonnenstrahl, so hast du den Sonnenaufgang verpasst. Den ersten musst du auffangen, die nächsten brauchst du nicht. Sei zum ersten Sonnenstrahl draußen und dann gehe heim. Manche fragen: „Warst du zum Sonnenaufgang?" – „Ja, ich war da, ich habe gesehen, wie die Sonne aufging." Ich sage: Den ersten Strahl hast du nicht gesehen. Alle anderen Strahlen sind die letzten Früchte dieses mächtigen Baums. Aus dir wird nichts werden. Wenn du auf die Höhen gehst, sage nicht: „Ich trinke, was für Wasser ich auch finde." Nein! Wenn du die klarste Quelle aufsuchst und von dort, wo das reinste Wasser herausquillt, trinkst, so bist du ein Mensch mit einem hohen Ideal. Trinkst du jedoch vom Rande des Flusses, so bist du ein Mensch mit einem niederen Ideal. Manche von euch würden sagen: „Ich kann auch hier trinken." Nein, dann hast du keinen Charakter! Der Schüler einer okkulten Schule muss sich von allen unterscheiden. Gehst du zur Quelle, wenn es dich auch Mühe kostet, so wirst du doch aus der Mitte trinken. Ein jeglicher muss das reinste Wasser trinken. Tust du das, so hast du schon ein hohes Ideal. Wenn du auf eine Bergspitze steigst, so gilt wieder dasselbe Gesetz. Mancher sagt: Ich bleibe, wo es auch sein mag. Nein! Auf dieser Bergspitze wirst du den besten Platz aussuchen, die schönste Stelle, die in deiner Seele die tiefsten Eindrücke hinterlassen kann. Und steigst du herab, so musst du diese Erinnerung in deinem Herzen tragen. Wende dieses hohe Ideal überall in deinem Leben an! Wenn du Bücher liest, so ist das Gesetz dasselbe. Lies die Bücher der berühmtesten Schriftsteller, die Bücher der ersten Philosophen, die Bücher der hervorragendsten Prediger. Liest du diese nicht, so hast du keine Auswahl. Wenn du dir einige Gemälde ansehen willst, gehe und betrachte die Gemälde der berühmtesten Maler, und nicht diejenigen der gewöhnlichen. Die gewöhlichen Bilder wirst du sehen, wenn du die Leute betrachtest – wer wann isst und wie er isst, wie er geht usw. Wenn du jedoch nach dem hohen Ideal wählst, wirst du nur ein Gemälde betrachten. Das einzige Gemälde in der Welt, das genügt. Dieses Gemälde wird dasjenige des berühmtesten Malers sein – des Malers mit einem hohen Ideal. Suchst du einen Freund, so gilt wieder dasselbe Gesetz. Suche den edelsten, den gescheitesten, den intelligentesten, den besten, den mit dem reinsten Herzen aus. Erwählt der Mann eine Frau – wieder dasselbe Gesetz. Erwählt die Frau einen Mann – wieder dasselbe. Weicht nicht von dieser Regel ab! Das Abweichen von dieser Regel bringt Tausende von Leiden über diese Welt. Ich spreche von den ideellen Dingen, von den Prinzipien, die ihr täglich anwenden müsst. Manchmal werdet ihr sagen, dass euer Ideal nicht recht ist. Gut, jetzt ist es nicht recht, aber was für ein Ideal werdet ihr im nächsten Augenblick aussuchen? Nehmen wie an, heute habt ihr den Tag verfehlt, ihr habt den ersten Sonnenstrahl nicht abgewartet. Dann sollt ihr aber morgen wieder gehen ihn abzuwarten. Wenn ihr ihn auf dieselbe Weise abwartet wie vorher, so habt ihr wieder den Tag verfehlt, aber wenn ihr im Laufe des heutigen Tages musterhaft seid, so habt ihr den ersten Sonnenstrahl abgewartet. Morgen könnt ihr wieder den ersten Strahl abwarten. Auf diese Weise werdet ihr euer Leben verbessern. Der beste Gedanke, das beste Gefühl, die beste Tat, welche eure Seele durchdringen, enthalten den ersten Sonnenstrahl in sich. Wenn wir uns daran machen, unser Leben zu verbessern, so gilt dieselbe Regel. Wenn du dein Leben verbessern willst, ergreife den größten Fehler, den du begangen hast, gib dich nicht mit dem kleinen ab, suche den größten heraus und halte ihn dir vor Augen, einen Tag, zwei, drei Tage, eine Woche, einen Monat, ein Jahr, zehn Jahre, bis dieser Fehler zuletzt begreift, dass er einen Menschen vor sich hat, und sagt: „Ich kapituliere, du bist der Stelle wert, die du einnimmst." Es gibt Schüler, die sich, wenn sie zwei-dreimal durchfallen, wenn sie Misserfolg in ihrem Leben haben, von jedem Ideal lossagen, verzweifeln, das Kriegsfeld verlassen und sagen: „Aus uns kann nichts werden." Das sind Leute ohne ein hohes Ideal. Wozu seid ihr auf Erden berufen? Ist es zu einem Gastmahl? Nein! Ihr seid berufen um zu sehen, was für einen Charakter ihr habt, wie euer Verstand entwickelt ist. Wenn die Natur euch zu Tisch lädt, betrachtet sie euch. Sie hat Augen und sieht, wie ihr euch benehmt. Sie sieht, wie ihr eure Gabeln und Löffel haltet, inwieweit eure Servietten sauber sind. Alles sieht sie und daraus schließt sie, was aus euch werden kann. Wenn man euch zu einem Gastmahl ladet und ihr mit der zweiten Runde zu Tisch sitzen müsst und man euch einen Teller, aus welchem schon ein anderer gegessen hat, vorsetzt und ihr aus demselben Teller esst, glaubt ihr, dass ihr ein Mensch mit einem hohen Ideal seid? Ihr würdet mich fragen: „Was sollen wir denn machen?" Ihr werdet einen reinen Teller mitbringen und wenn ihr hingeht, werdet ihr fragen: „Bitte, wird bei euch ein reiner Teller zu finden sein?" – „Nein!" – „Ich habe meinen Teller." Du wirst ihn hinreichen und dir einschöpfen lassen. So wirst du essen. Nachher wirst du deinen Löffel, deine Gabel, dein Messer, deine Serviette und was man sonst noch braucht, herausholen und wirst rein essen. Habt ihr verstanden? Das ist eine Regel für die okkulten Schüler. Ihr würdet sagen: Wie können wir diese Regel anwenden, wenn wir zu Gast geladen sind? Merkt euch, wie ich meine Gäste beköstigen würde. Wenn ich euch eines Tages zu Tisch lade, werde ich zehn Laib Brot beim besten, berühmtesten, pünktlichsten, gescheitesten, edelsten Bäckermeister bestellen. Den werde ich herausfinden, der wird das Brot gut vorbereiten und gut ausbacken. Wenn ich euch ein Gastmahl geben will, so werde ich auf diese Weise vorgehen. Außerdem wird es auf meinem Tisch weder Teller, Löffel, noch Messer oder Gabeln geben. Ich werde euch diese zehn Laib Brot vorsetzen, werde euch die auserlesensten Trauben, von den besten Weinstöcken meines Weinbergs gepflückt, bringen. Dann werde ich die schönsten Äpfel von den besten Apfelbäumen bringen. Darauf werde ich einem jeden eine Traube, gut gewaschen, in die Hand geben. Eure Teller, das sind eure Hände. Ich werde das Brot brechen und einem jeden ein Stück in die Hand geben. So werde ich euch bewirten. Habt ihr verstanden? Eine Rebe, eine Birne, einen Apfel, eine Nuss, ein Stück Brot, dann werden wir uns angenehm unterhalten. Es wird kein Klappern mit Löffeln, Messern, Gabeln und Tellern geben. Alles wird ohne Lärm vor sich gehen. Servietten werde ich auch nicht geben. Wisst ihr weshalb? Sobald ihr eure Hände beschmutzt habt, werde ich euch zu meiner schönsten Quelle führen und euch sagen: Wascht euch hier, dann nehmt eure Tücher heraus und trocknet euch die Hände. Das ist das Ideal des bewussten Lebens. Es gibt zum Beispiel sehr reiche Leute, die der Nahrung gegenüber außerordentlich anspruchsvoll sind, die jedoch in moralischer Beziehung, in geistiger Beziehung kein solches Ideal, kein hohes Ideal haben. Du siehst einen Reichen, der sehr aufmerksam auf das Brot, auf das Essen schaut, das gefällt mir, aber in anderer Beziehung, wenn er stiehlt, wenn er lügt, ist er nicht so aufmerksam. Ich sage: Du fängst gut an, aber du endest schlecht. Dein Ideal auf körperlicher Grundlage ist gut, aber in geistiger Hinsicht wird aus dir nichts werden. Mancher sagt: „Ich kann jeden lieben, wer es auch sein mag." Nein, ihr sprecht nicht die Wahrheit. Ich möchte einem von euch begegnen, der mir beweisen kann, dass er wirklich jeden, wer es auch sein mag, lieben kann, nicht nur mit Worten. Wir müssen die Liebe auf eine innere Probe stellen. Wenn du das Wort „Liebe" in seiner vollen Bedeutung aussprichst, so sollst du ihren vollen Inhalt fühlen. Welches ist der Inhalt der Liebe? In der Welt sollen wir vor allem nur Gott lieben, nichts weiter. Das ist die große Wahrheit. Jener Mensch, der nicht mit der Liebe zu Gott beginnt, aus dem kann nichts werden. Wenn euch meine Worte nicht wahr erscheinen, so könnt ihr die ganze Menschheitsgeschichte durchblättern und versuchen einen zu finden, der anders gehandelt hat. Ist aus ihm etwas geworden? Alle berühmten Leute, Genies, Heilige und Lehrer der Menschheit waren Menschen, die Gott liebten. Manche würden sagen: „Wenn diese Lehre nur Liebe zu Gott predigt, so werden wir die Menschen ganz vergessen." Nein, wir werden sie nicht vergessen, wir werden ihnen ein hohes Ideal geben. Wenn alle Menschen nach dem ersten Sonnenstrahl, nach dem Ideal der göttlichen Liebe streben, wisst ihr, wie da die heutige Welt und eure Seelen sein werden? Würden sie so leidend sein? Nein! Ich widerspreche allen denen, die da sagen, dass sie jeden, wer es auch sein mag, lieben können, oder dass sie die ganze Menschheit lieben. Ich sage, um alle zu lieben, muss man die Menschheit kennen. Das heißt, wenn du die Menschheit liebst, so kennst du die Menschen und sobald du die Menschen kennst, kannst du auch ihre Fehler verbessern. Ist es wirklich so? Du hast eine Frau, einen Sohn, eine Tochter, die auch Mitglieder der Menschheit sind, und du kannst dich mit ihnen nicht verstehen. Du musst sie doch auch lieben. Also ist deine Behauptung, dass du alle lieben kannst, nicht wahr? Das Kennen eines jeden hängt von deiner Liebe zu Gott ab. In der Erfüllung des göttlichen Willens liegt die Kraft der menschlichen Seele. Eure Liebe zu Gott schließt euer Glück ein. So behaupte ich. Ihr sagt: „Mein Herz brennt, ich sterbe für ihn!" Ja, ihr lebt in der Liebe, die die Menschen tötet. Das ist keine Liebe, das ist der Tod. Das ist die Liebe des schwarzen Lichtes, die da die Menschenseele verdunkelt, verführt und zerlegt. Glaubt nicht, dass sich dieses Hohe in der Welt, diese lebende Natur von einer solchen Liebe verführen lässt. Gott hat eine große Eigenschaft – Er liebt in uns das Beste. Ihr werdet in der Heiligen Schrift diesen Vers finden: „Die Wahrheit im Menschen liebt Er." Das Höchste, das Reinste in uns, das liebt Gott. Mancher möchte wissen, ob sich Gott für unser Alltagsleben interessiert. Für euer Alltagsleben können sich tausend andere Menschen interessieren, nicht aber Gott. Wenn ich der erste Diener bei einem reichen Herrn bin und noch zehn andere Diener um mich herum habe, die mich ankleiden, meine Schuhe putzen usw., wird mein Herr auch kommen, um mich anzukleiden? Wird das vernünftig sein? Nein, den kümmert es nicht, wer mir meine Strümpfe anzieht und meine Schuhe putzt. Warum? Hundert Stiefelputzer sind für fünf Leva bereit deine Schuhe zu putzen. Mancher wird fragen: Ob wohl heute Gott mit meinen Schuhen zufrieden ist? Weshalb soll Gott mit deinen Schuhen zufrieden sein? Er kann mit diesem Stiefelputzer zufrieden sein, der es sich zum Ideal gesetzt hat: Dem ersten Mann, der heute zu mir kommt, dem werde ich die Schuhe am besten putzen. Wenn du zu diesem Stiefelputzer gehst, greifst du seine Idee auf und willst, dass sich Gott für deine Schuhe interessiert! Gott interessiert sich für den Stiefelputzer – eine Idee ist in ihm. Er hat die ersten Schuhe so gut geputzt, wie er konnte. Jetzt werde ich euch sagen, wie ihr als Menschen eines hohen Ideals in eurem Leben handeln müsst, wie ihr euch benehmen sollt. Wenn eine Frau für ihren Mann ein Hemd aus ganz gewöhnlichem Stoff näht, so hat diese Frau kein hohes Ideal. Sie muss die ganze Stadt durchqueren und den besten Stoff, die beste Seide oder das beste Leinen finden, es sehr gut nähen, ihre ganze Kunst in das Nähen legen und sich sagen: „Einmal werde ich ihm ein Hemd nähen, das soll er nie vergessen." Das ist eine Frau mit einem hohen Ideal. Der Mann soll dasselbe tun. Er soll seiner Frau den schönsten und besten Stoff kaufen. An diesem Tag wird die Natur für beide in ihr Buch eintragen, dass sie die beste Wahl getroffen haben – sie haben Charakter. Wenn du deinem Freund ein Buch schenken willst, so sollst du ihm das beste, das inhaltreichste Buch aussuchen. Sein ganzes Leben soll er daran denken. Gibt dir jemand sein Album, damit du ihm etwas hineinschreibst, und du sagst dann: „Lasst uns etwas von Petko Slawejkov abschreiben, zum Beispiel „Geld, Geld regiert die Welt...", und du schreibst es nieder, so bist du im Keller. Das ist kein Ideal. Du wirst das Beste, das du weißt, in sein Album niederschreiben, so dass er, wenn er deine Worte liest, sich selbst vergisst. Wenn du so handelst, wird die Natur wieder schreiben: „Aus dem wird etwas werden." Liebst du jemanden, so kennt die Natur deine Liebe. Mancher sagt: „Ich liebe meinen Freund." Warum? „Er hat herrliche Augenbrauen, Nase, Mund und Augen, an denen man sich nicht satt sehen kann." Sagt ein Mensch so etwas, so kennt er die Liebe nicht, er ist ein Mensch mit einem niederen Ideal. In deinem Freund wirst du eine gute Eigenschaft finden, die ihn vor allen anderen auszeichnet. Diese Eigenschaft ist nicht äußerlich, die ist weder in seinen Augen noch in seiner Nase und in seinem Mund sichtbar. Sie ist an dem höchsten Ast dieses Baumes. Wenn du diese gute Eigenschaft bei deinem Freund gefunden hast, so wirst du sie in deiner Seele wie ein Heiligtum halten und sie nie vergessen. Die Natur schreibt wieder: „Aus diesem Kind wird etwas werden." Ihr habt einen Lehrer und sagt: „Unser Lehrer ist sehr gelehrt, er kennt die Chemie, Physik, Astronomie, Philosophie, er weiß sehr viel. Aber das ist nicht euer Lehrer, das ist ein beladenes Kamel. Das, was euren Lehrer auszeichnet, liegt nicht in diesem äußeren Wissen. Das sind die Verzierungen des Hutes, wichtig aber ist der Hut. Wisst ihr, wie die Ideale verdreht werden? Der Lehrer sagt zu einer Schülerin: „Du wirst dir den schönsten Hut kaufen, ohne Bänder." Die geht zur Hutmacherin und verlangt einen solchen Hut, wie es der Lehrer gesagt hat. Jedoch sagt ihr die Hutmacherin: „Euer Lehrer sagt so, aber es geht nicht ohne Bänder. Wenn wir ein kleines Bändchen aufnähen, so wird der Hut schöner sein." Die Schülerin ist damit einverstanden und es wird ein Band aufgenäht. Aber andere Anwesende sagen noch: „Wenn von der anderen Seite noch ein Band daran kommt, wird der Hut noch schöner werden." Die Schülerin sagt: „Mir scheint, dass der Lehrer auch damit zufrieden sein wird." Glaubt ihr, dass dieser Hut dadurch kostbarer geworden ist? Nein, er hat seinen Wert verloren. Ich werde euch beweisen, warum er seinen Wert verloren hat. Stellt euch vor, der Lehrer gibt seinem Schüler einen guten Federhalter, mit dem man ausgezeichnet schreiben kann. Da kommt sein Freund und sagt zu ihm: „Warte, ich habe einen kostbaren Stein, so groß wie ein Hühnerei. Wenn wir den oben auf den Federhalter anmachen, dann wird er schöner werden." Er macht ihn mit einem Kettchen an den Federhalter an. Darauf kommt ein zweiter und sagt: „Ich habe auch einen Diamanten, groß wie ein Entenei. Wenn der noch an den Federhalter kommt, wird er noch schöner sein." Glaubt ihr, dass der Schüler jetzt mit diesen Edelsteinen am Federhalter besser schreiben kann? Nein! Das sind die dummen Ideale der gegenwärtigen Menschheit, die diesen mächtigen Göttlichen Funken, der unsere Seele tief durchdringen soll, nicht verstehen. Manchmal sagt ihr: „Wenn mir doch jemand einen Diamanten um den Hals hängen möchte!" Gut, wenn ich jemals jemandem einen Diamanten umhängen will, so werde ich den größten in der Welt finden, und wenn ich einen solchen finde, werde ich ihn umhängen. Finde ich ihn nicht, so hänge ich ihm keinen Diamanten um den Hals. Das soll auch für euch das Ideal sein. Das Beste in der Welt! Eben durch diese eure innere Wahl werdet ihr euch von allen unterscheiden. Die Wahrheit soll im Herzen der Menschen enthalten sein. Merkt ihr jetzt, worauf meine Gedanken gerichtet sind? Merkt ihr, wohin der Strom des Lebens fließt? So lange ist in der Welt nicht vom hohen Ideal gesprochen worden. Heute habe ich beschlossen: Heute Abend werde ich meinen Schülern von dem Besten, dem Schönsten, dem Reichsten sprechen. Ich werde ihnen dån besten Rat, den ich geben kann, erteilen. Wenn ihr den ersten Strahl, der aus dem Göttlichen kommt, auffangen könnt, so können aus euch Schüler werden. Wenn ihr euch verspätet und diesen Strahl nicht auffangen könnt, dann muss ich euch Schülern ein bitteres Wort sagen: Für eine bestimmte Zeit werdet ihr die im Keller vergessenen Kinder sein. Dieser Keller ist nicht für die Gotteskinder. Ich glaube aber, ihr seid von denen, die die Wahrheit in ihrem Ideal verstehen. Für euch ist die erhabene Welt geschaffen. Der Liebende spricht von der Liebe, der Furchtsame von der Furcht. Wer gewinnt? Der Verständige spricht Weisheit, der Dumme spricht Blödsinn. Der Verständige baut, der Dumme reißt nieder. Der Verständige schreibt, der Dumme schreibt ab. Wer von beiden gewinnt? Es gibt Leute, deren Leben darin besteht, nur abzuschreiben, dass sie etwas erhalten haben. Wenn die Natur einen solchen trifft, sagt sie: „Aus dem wird nichts werden. Der hat nur gelernt abzuschreiben und hat nie etwas geschrieben. Er hat kein hohes Ideal." Und so sind alle hohen Wesen, alle Brüder der Weißen Weltbrüderschaft diesen Weg gegangen. Sie haben ein hohes Ideal. Sie alle denken, fühlen und handeln in Übereinstimmung mit diesem hohen Ideal. Und wenn einer von diesen Brüdern nach der Erde zu kommen beschließt, wird ihm gesagt, er soll immer nach dem hohen Ideal handeln. Wenn ein Schüler nur an kleinliche Sachen denkt, so geht der Meister an dessen Haus vorbei und sagt: Hier wohnt einer von den vergessenen Schülern. Derjenige Schüler jedoch, dessen Seele voll Ehrgefühl ist und der jeden Augenblick an seinen Meister denkt und es ihn nach ihm verlangt, zu dem wird der Meister kommen und sagen: Hier wohnt einer von meinen Schülern, den ich besuchen will. Der hat ein hohes Ideal! Das ist das mächtige Ideal, das hohe Ideal, welches jeder von euch haben soll. Das Beste, das Höchste, das Schönste, das Stärkste, das Mächtigste, das Herrlichste, das Vernünftigste, das Gerechteste, das Wahrhafteste – alles von erster Güte! Nehmt dieses hohe Ideal an und ihr werdet sehen, wie sich euer Leben verändern wird. Es soll aber alles in die Tat umgesetzt werden. Du bist verzagt und sagst: Mein Herz ist leer, die Liebe ist verschwunden, was soll ich machen? Sage dir: Morgen werde ich zum Sonnenaufgang gehen, den ersten Strahl abwarten! Habt ihr beobachtet, welches euer erster Gedanke ist, wenn ihr morgens erwacht? Die Natur ist in dieser Hinsicht sehr anspruchsvoll. Sobald ein Kind erwacht, bleibt sie erwartungsvoll mit Ehrgefühl bei ihm stehen, hält den Atem auf, horcht und sucht zu verstehen, woran dieses Kind denken wird. Wenn du gleich nach dem Erwachen in deinen Gedanken bei Gott bist und an diese große Liebe, die deine Seele mit Milde fühlt, denkst, so sagt die Natur: "Aus diesem Kind wird etwas Großes werden! Es hat ein hohes Ideal!" Ein Vortrag, gehalten von dem Meister am 11.09.1923 in Sofia. Aus dem Bulgarischen übersetzt von Tonka Petrova Lektorat: Margot Minkova Alle Mitglieder unseres Übersetzerteams arbeiten auf freiwilliger Basis und unentgeltlich. Wir wären für jegliche Unterstützung dankbar, besonders beim Redigieren, Veröffentlichen, bei der Herausgabe und dem Vertrieb dieser Übersetzungen. Copyright © 1997 Publishing House "Byalo Bratstvo" All Rights Reserved
  17. http://petardanov.info/DE/Das_Hohe_Ideal.pdf
  18. Das Erwachen des kollektiven Bewusstseins Bitte seid so gut und hört mir zu, ich werde nicht lange sprechen. Zu einem klugen Menschen braucht man nicht lange zu sprechen, wenig soll man zu ihm reden, jedoch vernünftig und verständlich. Weil ihr meine Achtung und Ehrerbietung habt, will ich kurz und verständlich zu euch wie zu vernünftien Menschen sprechen. Das Leben auf der Erde ist Musik. Dieses Leben entwickelt sich in drei Richtungen. Wenn ich mich mittels der Sprache der Musik ausdrücken sollte, dann würde ich es so sagen: Einmal geht es in Dur, so wie sich die Militärs ausdrücken; ein anderes Mal in Moll wie der Ausdruck der Trauer; ein drittes Mal geht es in chromatischer Tonleiter,die die ersten beiden Tonleitern in sich vereint. Das sind drei große Methoden, drei große Gesetze, die unser Leben regeln. Verstehen wir nicht den tieferen inneren Sinn des Lebens, dann halten wir uns bei den unbedeutenden Dingen auf und fragen uns, warum das Leben so geschaffen ist und nicht anders. Haltet euch vor Augen, dass ich jene positive Ansicht einer Wissenschaft der Lebenserfahrung unterstütze, die wir neunundzwanzigmal geprüft haben, so dass es in uns auch nicht den hundertmillionsten Teil eines Zweifels an unseren Worten gibt. Zweifel ist ein Merkmal der Unwissenheit in der Welt. Ich sage nicht, dass Unwissenheit schlecht ist, sondern sie ist ein Entwicklungsprozess. Alle kleinen Kinder, die auf die Welt kommen, sind Unwissende, ihr Bewusstsein muss allmählich aufgeweckt und entwickelt werden. Das menschliche Bewusstsein verläuft also, wenn ich mich streng wissenschaftlich ausdrücken soll, in drei Stufen: der essentiellen Stufe, der substanziellen Stufe und der materiellen Stufe. Die essentielle Seite beinhaltet die Prinzipien des Lebens, die substanzielle Seite beinhaltet die Gesetze des Lebens und die materielle Seite die Fakten des Lebens. Das Gruppieren der Fakten in der Welt, das sind unsere kleinen privaten Erfahrungen, die wir sammeln, wenn sie entstehen, bildet also ein Gesetz und wir sagen, dass das Gesetz in dieser oder jener Weise zum Ausdruck kommt. Die heutigen gelehrten Leute behaupten von dem Gesetz, es sei etwas Mechanisches, aber das Gesetz ist ein lebendiges Wesen. Ein Gesetz kann es nur in Lebewesen geben, die selber vernünftig sind und deren Bewusstsein von der materiellen Seite, von den Fakten zu den Gesetzen und vom Einzelnen zum Allgemeinen sowie vom Allgemeinen zum Gesamten übergegangen ist. Wir fragen uns, was das Wichtigste für uns ist, wenn wir uns auf der Erde behauptet haben. Unter den heutigen Bedingungen meinen die Leute, das Wichtigste für das Leben auf der Erde sei die materielle Sicherheit, und alle Völker – einzeln und gemeinsam – streben nach materiellem Wohlstand und Sicherheit. Heute haben wir einen so genannten Wirtschaftskampf. Das Streben der Völker nach materieller Sicherheit ist eine Strömung. Das bedeutet, dass das menschliche Bewusstsein vom Materiellen zum Substanziellen übergeht oder dass ein Erwachen des kollektiven Bewusstseins im Menschen stattfindet. Die Menschheit hat bis jetzt im kollektiven Unterbewusstsein wie die Tiere gelebt, aber von jetzt an geht die gesamte Menschheit zum kollektiven Bewusstsein über, d.h. die Menschen beginnen zu verstehen, dass einer für den anderen notwendig ist. Bis jetzt hat jeder Mensch für sich allein gelebt, jeder hat für sich allein nach Rettung gesucht. Aber jetzt hat die ganze Menschheit einen inneren Impuls, den gemeinsamen Zustand zu verbessern, so dass sich die Lage nicht nur für eine, sondern für alle gesellschaftlichen Klassen verbessert, und zwar auf vernünftige Art und Weise. Wir dürfen nicht denken, dass wir das Leben allein verbessern werden. Nein, vor Tausenden und Abertausenden von Jahren hat die Menschheit ihre Lage verdorben. Es gibt Ursachen dafür, die wir jetzt nicht erläutern wollen. Es gab die Zeit, wo die Erde einem Paradies ähnlich war. Die Pflanzenwelt war so reich, es wuchsen Tausende und Millionen Früchte und die Menschen haben sich nur von Früchten ernährt. Dann aber ist, verursacht durch gewisse physikalische Faktoren, die Eiszeit über die Erde gekommen. Die Fruchtbarkeit der Erde ist zurückgegangen und als Folge begannen die Menschen Fleisch zu essen, nicht nur die Tiere zu schlachten, sondern auch sich gegenseitig zu töten und zu fressen. Deshalb ist der Ausdruck „ich werde dir das Blut aussaugen“ bis heute geblieben. Ich frage euch, wenn einer des anderen Blut aussaugt, was hat er davon? Das ist ein Unverständnis des Lebens. Nicht nur die gewöhnlichen Menschen, sondern auch die Gläubigen und Geistlichen, die eine Spitzenposition einnehmen, verstehen sich nicht untereinander. Sie denken, dass sie eine Verbindung, eine Kommunikation zu Gott und deshalb ein Führungsanspruch haben, aber sie haben das richtige Lebensverständnis verloren. Ich spreche die Wahrheit. Nicht, dass die anderen nicht die Wahrheit sprechen wollten, sie verbergen die Wahrheit nicht bewusst, sie kennen es einfach nicht anders. Wenn sich ein Mensch einen Dorn in den Fuß getreten hat, dann wird er nervös. Zieht man ihm den Dorn heraus, so wird er sich beruhigen. Wenn also die heutigen Menschen schlecht erscheinen, dann hat jeder von ihnen einen Dorn im Körper, der ihm keine Ruhe lässt. Der Heilige Apostel Paulus sagt, dass er einen Dorn gehabt habe, der ihm keine Ruhe gegeben habe. Bisher habe ich keinen Menschen ohne Dorn getroffen. Wir können nicht richtig denken, solange dieser Dorn in uns sitzt. Wegen dieses Dornes ist unsere Philosophie entstellt. Zieht den Dorn heraus und ihr werdet die richtige Lebensphilosophie haben. Ein Engländer, Händler war er, bat einmal einen englischen Priester ihm zu erklären, was die Bibel lehrt. Der Priester erzählte ihm dies und jenes. Der Händler sagte: „Nein, nein, erkläre mir konkret, in wenigen Worten, worin diese Lehre besteht.“ Er wollte wie in einer Walnuss den Kern sehen und die Lehre verstehen. Schließlich sagte ihm der Priester: „Kaufe dir eine Bibel und viele Dinge wirst du daraus lernen.“ Der Händler kaufte sich eine Bibel und las viele Dinge darin, aber seitdem gingen seine Geschäfte zurück und er machte hohe Verluste. „Seitdem ich mir dieses Buch gekauft habe, bin ich nur noch vom Unglück verfolgt“, ärgerte sich der Kaufmann. Und so warf er das Buch eines Tages ins Feuer. Als die Bibel brannte, fiel ein kleines Stückchen von einem Blatt herunter und verbrannte nicht. Der Kaufmann nahm das Zettelchen und las: „Gott ist Liebe.” Die heutigen Christen fragen sich, was für eine Religon das Christentum sei. Sie erzählen Verschiedenes über das Christentum. Nein, nein, Gott ist Liebe, die die Menschen vereinen soll in Liebe, Frieden und Brüderlichkeit zu leben. Und ob die Menschen Könige, Regierende oder was auch immer sind, das ist Nebensache. Alle Menschen müssen in Liebe, als Brüder leben und einander achten, alles brüderlich miteinander teilen, nicht mit Gewalt, sondern freiwillig und bewusst. Wenn wir diese Frage ansprechen, entstehen daraus andere Fragen: Gibt es ein Leben nach dem Tod oder nicht, welche Religion ist die wahre usw. Ich sage: Auf der Welt gibt es nur eine Lehre, die die Heimstätten verbessern kann, und das ist die Lehre der vernünftigen Liebe, nicht die der heutigen Klassenliebe. Prinzipielle Liebe, Liebe, die die Selbstaufopferung, die Mutterliebe, die Bruderliebe, die Freundesliebe, die heilige Liebe, die Liebe des erhabenen Menschen in der Welt beinhaltet. Wenn uns diese Liebe erfüllt, dann öffnen sich unsere Augen. Viele Leute in der Welt glauben heutzutage nicht, dass der Mensch einen sechsten Sinn hat, mit dem er sehen kann. Jeder kann sehen. Wenn sich ein junger Mann in eine hässliche Jungfrau verliebt, sieht er in ihr das, was die anderen Leute nicht sehen. Er sagt: „Diese Jungfrau ist ein Edelstein.“ Wenn wir jemanden lieben, sehen wir seine Fähigkeiten, seine Begabungen. Wo sind die? Es gibt einen Ort, wo wir diese Begabungen sehen. Aber wenn wir jemanden nicht lieben, dann schreiben wir ihm die schlechtesten Eigenschaften zu – er sei so und so! Ein großes Gesetz beginnt in der Welt zu wirken. Denkt daran, dass die Welt in eine neue Phase getreten ist, und in weniger als zehn Jahren wird sich dieser Einfluss erhöht haben. Dieses große Gesetz funktioniert jetzt in allen Menschen, im menschlichen Bewusstsein, in den menschlichen Herzen. In der Unruhe der heutigen Menschen wird die Wirkung dieses Gesetzes sichtbar. Warum sind sie unruhig? Wenn sie arm sind, dann würde ich sagen, sie arbeiten zu viel und sind deshalb unruhig. Das wäre verständlich. Aber warum sind die Gelehrten, die Reichen unruhig? Sowohl sie, als auch die gläubigen Menschen sind unruhig. Warum? Weil sie nur Gläubigkeit haben, aber keinen Glauben. Ich weiß nicht, wie viele Menschen es heute ertragen könnten, für ihren Glauben verfolgt zu werden. Heute sind sie alle Christen, weil niemand sie verfolgt. Der Glauben wird jedoch in beschwerlicher Lage geprüft. Die Selbstaufopferung wird in der Armut, im Elend geprüft. Wenn der Mensch sein Leben zu opfern bereit ist, dann wird auch sein Charakter der Prüfung unterzogen. Und was ist jetzt das höchste Gut in der Welt? Das Wohl des Individuums, das Wohl eines Volkes, das Wohl der gesamten Gesellschaft oder das Wohl der ganzen Menschheit? Das ist ein und dasselbe. Der Mensch ist eine Miniaturausgabe der gesamten Menschheit. Folglich stellt ein Volk in seiner Entwicklung die Menschheit in verkleinerter Form dar. Wenn wir daher von einem Individuum sprechen, verstehen wir den Menschen als ein Samenkorn. Wenn wir von einer Gesellschaft sprechen, verstehe ich, dass dieses Korn zu wachsen begonnen hat. Sprechen wir aber von der Menschheit in ihrer Gesamtheit, so verstehe ich, dass sich das Samenkorn verzweigt und Blüten und Früchte angesetzt hat. Wenn wir das Leben so sehen, erkennen wir, dass jeder von uns ein notwendiger Faktor für die Menschheit ist. Die Menschheit verstehen wir nicht so, dass die Hälfte von ihr für ein Leben im Paradies und die andere Hälfte für ein Leben in der Hölle geschaffen wurde. Ich weiß, wenn wir Gott als Liebe begreifen, dann leben wir alle im Paradies und außerhalb davon ist nichts als Leere. Um Gott zu erkennen, müssen wir Liebe haben. In dieser Liebe ist jeder Mensch, jede Form ein Faktor. Die Formen, in denen wir jetzt existieren, sind nicht vollkommen. Denkt ihr, dass ihr zum ersten Mal auf die Welt kommt und zum ersten Mal geboren worden seid? Nein, ihr alle habt eine lange Geschichte hinter euch und wenn jemand euch eure Geschichte beschreibt, wird es euch sehr interessant erscheinen, was ihr in eurer Vergangenheit wart und was ihr in der Zukunft sein werdet. Es ist ein langer Prozess, den wir durchwandern. Wenn sich zum Beispiel ein Mensch richtig entwickelt hat und edel ist, dann begreift er, dass alle Menschen in Liebe leben müssen. Egal, was er für ein Mensch ist, er wird alle Bedingungen des Lebens annehmen und das gemeinsame Wohl anstreben. Nur die Liebe schenkt alle diese Bedingungen. Ich werde nicht darauf eingehen zu erklären, woher die Kämpfe in der Welt kommen. Für mich entstehen sie auf ganz natürliche Weise. Ich will es am folgenden Beispiel erklären: Nehmt zwei nahe beieinander wachsende Bäume. Diese beiden Bäume mit ihren zahlreichen Blättern, Blüten, Zweigen leben gut, brüderlich, zärtlich miteinander.Dann aber kommt ein plötzlicher Wind auf und die Zweige und Blätter verflechten sich, umschlingen sich. Der Wind wird stärker, ein Gewitter zieht herauf, die Zweige schlagen heftig gegeneinander. Sie fragen sich: „Warum seid ihr so verflochten?“ Wo liegt die Ursache, außen oder innen? Der Grund ist äußerlich. Die Ursachen für die Missverständnisse zwischen den Menschen heute sind äußerlich, das sind die wirtschaftlichen Bedingungen. Dieser Wind ist es, der die Menschen dazu zwingt, sich misszuverstehen und gegeneinander zu kämpfen. Manche fragen, wie lange dieses Gewitter denn dauern wird. Ein Gewitter kann vierundzwanzig Stunden, achtundvierzig Stunden, höchstens drei Tage dauern und danach kommen alle Blätter zur Ruhe. Ein solcher Sturm herrscht jetzt in der Welt. Er stößt und rüttelt uns, Beine und Köpfe werden gebrochen.Ärgert euch deshalb nicht, dieser Sturm wird bald vorüber sein. Der soziale Sturm wird in fünfundvierzig Jahren vorüber sein, aber nur, wenn die Menschen klüger werden. Wenn sie jedoch keine Lehre aus ihren Erfahrungen ziehen, um ihr Leben zu verbessern, dann wird der Sturm noch länger andauern. Aber wenn die Menschen sich von der Erfahrung belehren lassen, dann wird sich die Dauer des Gewitters verkürzen, denn das große Gesetz, das die Welt regiert, ist vernünftig – ohne Unterschied, ob der Mensch glaubt oder nicht. Es gibt eine vernünftige Kraft, ein großes Gesetz in der Welt, das die Menschen einheitlich wirken und denken lässt, unabhängig davon, ob sie glauben oder nicht. Ich habe mehrmals Leute gesehen, die nicht an Gott glauben, die Kirche nicht besuchen, sich aber ins Wasser stürzen, um jemanden zu retten. In einem solchen Menschen gibt es kein mechanisches Gesetz, aber ein anderes – er ist mit dem Gesetz der Selbstaufopferung geboren. Man trägt in sich also etwas Größeres als die formelle Religion. Die Religion ist später in die Welt getreten. Einige fragen: „Bist du gläubig?“ Der Mensch kann sehr gläubig und trotzdem nicht aufrichtig sein. Die Religion ist kein Firmenzeichen, das anzeigen soll, ob man ehrlich ist oder nicht. Um sich davon zu überzeugen, solltet ihr alle gottgläubigen Händler aufsuchen und sich deren Rechnungen und Verkaufsweise anschauen. Ein anderes ist das Gesetz, das die Welt regiert. Die Liebe muss in den Herzen existieren und die Menschen müssen sich bewusst sein, dass sie ihren Bruder nicht belügen dürfen. Das wird sie zwingen die Interessen der anderen Leute wie ihre eigenen wahrzunehmen und ihrem Bruder keine schlechte Ware zu verkaufen. Nur wenn wir unsere Dinge so sehen, dann können wir uns verstehen. Wenn wir von der ethnischen ugehörigkeit ausgehen und die Frage stellen: „Bist du ein Bulgare, ein Engländer, ein Franzose, ein Deutscher?“, werden wir uns nicht verstehen. Jemand sagt vielleicht: „Ein Bulgare, das ist etwas Schlechtes.“ Das sind nur individuelle Meinungen, das ist kein kollektives Bewusstsein, das ist auch kein göttliches Gesetz. In den Völkern äußert sich das göttliche Gesetz noch nicht. Jeder kümmert sich nur um die eigene Wirtschaft. Kein Volk hat einen Vorteil den anderen Völkern gegenüber, jedes hat seinen eigenen Platz. Wenn ich zum Beispiel meine Hand hebe und nur einen einzigen Finger ausstrecke, kann sich dieser Finger als vorrangig betrachten. Doch was geschieht dann? Ein Finger zeigt nur die Richtung der Dinge, aber mit einem Finger kann man nicht arbeiten; die Arbeit wird mit allen Fingern gemacht und jeder hat seinen eigenen Platz an der Hand. Nur wenn alle Finger zusammen sind, haben wir die ganze Hand, die ein Zeichen des Willens ist und ihre Pflicht erfüllen kann. Ein Volk ist also an seinem Platz, wenn es seine Lage als ein Teil der Menschheit oder als ein Organ innerhalb des ganzen Organismus versteht, das rechtzeitig seine Pflicht erfüllen muss. Die heutigen Menschen wollen an ihrem alten Gott festhalten. Seid nicht beleidigt. Dieser alte Gott hat alle Kriege, alle Gewalttätigkeiten, das ganze Unglück gebracht. Im Gott der Liebe aber gibt es keinerlei Lügen. Der Gott der Liebe schaut auf alle Menschen, wie auch auf die kleinsten Wesen mit derselben Liebe, mit demselben Mitleid und ist jedem bereit zu helfen. Und wenn ein kleines Wesen mit zerstörter Form zu ihm kommt, dann gibt ihm Gott eine neue Form und sagt: „Setze deine Arbeit fort, fürchte dich nicht, gehe weiter.“ Ich frage jetzt: Wenn wir nach fünfzig, sechzig Jahren unser Leben auf der Erde beenden, was haben wir dann gewonnen? Nehmen wir an, eine Mutter hat eine sehr schöne Tochter geboren, ein ausgezeichnetes Mädel, gut gekleidet, viele Jünglinge umgeben sie, sie ist glücklich. Ich frage: Wie lange wird das dauern, fünf, zehn, fünfzehn Jahre? Im Laufe der Zeit erscheinen Falten im Gesicht, Schönheit und Frische gehen verloren, sie wird hässlich und die Jünglinge wenden sich ab. Andere Schönheiten treten auf und ersetzen sie. Über sie wird die Unzufriedenheit kommen, dass ihr Leben keinen Sinn hat, dass sie unglücklich ist. Zuerst war sie zufrieden, aber dann hat ihr Leben seinen Sinn verloren. Sie ähnelt jenem europäischen Schriftsteller, der in einem Buch den Menschen als das edelste Wesen auf der Erde und das Leben als etwas Herrliches beschrieben hat. Nachdem er aber eine Krise durchgemacht hatte und von den Menschen enttäuscht war, schrieb er ein anderes Buch, in dem er die Menschen als die schlechtesten Lebewesen und das Leben als die schlechteste Sache auf der Welt darstellte. Also wenn es uns gut geht, sagen wir: „Alles ist gut, Gott ist gut.“ Wenn uns aber ein Unglück, eine Katastrophe oder eine Untat geschieht, die wir nicht erwartet haben, dann sagen wir: „Es gibt keinen ungerechteren Gott in der Welt als den jetzigen.“ Die Welt geht den ihr bestimmten Weg. Zu mir kam vor einiger Zeit eine sehr intelligente, gebildete Frau, die von mir eine Frage, ein Missverständnis gelöst haben wollte. Es war Folgendes: Ihr Mann (als er noch jung war) weilte einmal während einer Ausstellung in Antwerpen. Er hatte gehört, dass es in dieser Stadt einen Mann gebe, der den Leuten in schlafendem Zustand die Zukunft voraussagen könne. Der junge Mann hatte Interesse daran und ging zu ihm, um auch etwas über seine Zukunft zu erfahren. Der schlafende Mann sagte zu ihm: „Du heiratest sehr jung, vier Kinder wirst du haben, von denen eines stirbt. Du wirst aus Liebe heiraten und zehn Jahre lang ein glückliches Familienleben führen. Dann wird eine blonde Frau in dein Haus kommen, sie zerstört dein Familienleben und du wirst mit ihr gehen. Wenn du aber diese Prüfung bestehst, dann kehrst du zehn bis fünfzehn Jahre später zu deiner ersten Frau zurück und lebst weiterhin glücklich mit ihr.“ – „Und wirklich“, sagte die Frau, „ein Kind ist uns gestorben und zwischen den Büchern meines Mannes habe ich diesen Zettel mit den Zukunftsprophezeiungen gefunden. Die blonde Frau ist zu uns gekommen und hat uns das Leben zerstört.“ Dann fragte die Frau, was sie machen soll, ob sie ihren Mann verlassen soll. Ich habe ihr geraten die Geschichte weiter zu verfolgen und abzuwarten, ob sich auch der zweite Teil verwirklichen wird. Sie hat gefragt, wie solche Dinge geschehen. Meine Antwort lautete: „Das Leben ist vorbestimmt, aber nicht fatal; es gibt eine Reihe von Ursachen, die das menschliche Schicksal bestimmen.“ Auch unser Leben wird, so wie es sich entwickelt, von einer Reihe vorausgegangener Ursachen bestimmt. Wenn wir diese Ursachen nutzen, dann können wir unser Leben verbessern, können mit dem Bösen in der Welt kämpfen, es besiegen. Das nennen die Inder Karma oder Sündenfall. Wir können es überwinden. Ein Mensch, der fallen kann, eine Sünde begehen kann, der kann auch wieder aufstehen und siegen. Aber die heutigen Gläubigen verfallen in ihren Auffassungen ins andere Extrem: Sie behaupten, die Religion werde unser Leben völlig verbessern. Das ist nur zur Hälfte wahr. Die Religion kann unser Leben nicht völlig verbessern. Diese Behauptung ist nur zu fünfzig Prozent richtig, weil wir selbst zu fünfzig Prozent ein Faktor für unser Schicksal sind. Es gibt auch noch weitere Faktoren, die unser Leben bestimmen. Ich sage: In unserem Leben spielt zu fünfzig Prozent das Schicksal, die Natur eine Rolle, fünfundzwanzig Prozent entfallen auf uns selbst und fünfundzwanzig Prozent auf die Gesellschaft. Wenn also diese drei Faktoren gemeinsam wirken, erfolgt ein Aufschwung, eine Verbesserung in esoterischer und moralischer Hinsicht. Um das zu verwirklichen, müssen unbedingt viele Personen in ein und derselben Richtung wirksam sein. Kommt der Frühling nur mit einer Blume? Nein, er kommt mit vielen Millionen von Blumen. Dann kommen die Bienen und all diese große Bewegung in der Natur beginnt. Und damit entsteht eine Gesamtheit. Aus esoterischer Sicht sind wir also wie kleine erblühte Blumen, d.h. unser Bewusstsein befindet sich auf einer solchen Entwicklungsstufe, dass wir erst jetzt begonnen haben das Gute vom Schlechten zu unterscheiden. Ihr sagt, man dürfe doch ein bisschen schwindeln. Nein, im bewussten Leben hat absolut keine Lüge Platz, so wie in der Mathematik keinerlei Fehler zulässig sind, weil jeder in der Architektur oder in der Technik zugelassene Fehler unerwünschte Folgen hätte. So führt auch die Lüge, die wir in unserem Leben zulassen, zu solchen Ergebnissen in unserem Bauwerk, genau wie die falschen Berechnungen eines Architekten. Die gegenwärtigen Geistesmenschen müssen doch Regeln haben, so wie die Musiker. Gebt diesen Leuten ein Musikstück und alle werden beim Spielen den Takt einhalten. Gebt einigen berühmten Malern ein Bild und alle werden es nach dem gleichen Gesetz malen. Gebt einigen Mathematikern eine Aufgabe und sie werden die Aufgabe nach dem gleichen Gesetz lösen. Wenn wir aber auf das geistige Leben zu sprechen kommen, sagen wir: „Wir brauchen keine Musik, wir brauchen keine Berechnungen. Gott wird es schon richten.“ Nein, meine Freunde, im geistigen Leben wird strenge Mathematik gefordert. Ob ein Mensch oder ein Volk glücklich oder unglücklich ist, hängt von bestimmten zugelassenen Tatsachen ab. So hat dieses große Gesetz, das das Leben der gegenwärtigen europäischen Völker regiert, sie auf ihren heutigen Platz gestellt. Diese fast abgeschlossene Zivilisation hat in Ägypten begonnen, hat Syrien, Persien, Rom, England, Deutschland, Amerika durchwandert und kehrt jetzt wiederum nach Russland und in den östlichen Erdteil zurück. Von dort aus nimmt sie eine andere Richtung. Diese Welle, die in die Welt kommt und die Menschheit bewegt, ist nicht mechanisch. Euch allen ist es bestimmt, an ihr teilzunehmen, ob ihr wollt oder nicht. Auch wir müssen bewusst daran teilnehmen. Worin besteht der Adel eines Volkes? Warum sind die Engländer edel? Weil es bei ihnen ein erwachtes kollektives Bewusstsein gibt. Obwohl auch sie Fehler machen, korrigieren sie diese leicht. Unter ihnen gibt es die meisten Esoteriker. Jedes Volk, in dem das kollektive Bewusstsein erwacht, erkennt gewissermaßen, dass alles dem gemeinsamen Zweck unterordnet werden muss. Die Engländer haben das in gewissem Maße verstanden. Dieses Bewusstsein bildet sich nicht nur bei den Engländern heraus, sondern überall, auf der ganzen Erdkugel. In alle armen Leute, in alle armen Witwen und Waisen ist dieses Bewusstsein eingedrungen. Wisst ihr, in welcher Lage ihr euch heute befindet? In der Lage jenes amerikanischen Predigers, für den es Brauch geworden war, jeden Tag arme Kinder in sein Haus zu laden und sie zu speisen. Er hatte die Gewohnheit vor dem Essen gemeinsam mit ihnen das Vaterunser zu beten. Eines Tages fand er ein Waisenkind, brachte es in sein Haus, um es zu bewirten, sagte ihm aber vorher: ,,Beten wir zusammen das Vaterunser.“ Sie begannen: „Vater unser, der Du bist im Himmel, Geheiligt werde Dein Name...“. Das Kind hört auf, schweigt. „Warum schweigst du?” – „So, Gott ist also unser Vater?“ – „Ja.“ – „So musst du also mein Bruder sein?“ Mit diesen Worten wollte das Kind sagen: „Du bist Prediger, du schläfst in einem weichen Bett, du isst gut, während ich, dein Bruder, du siehst es selbst, vor Kälte zittere und mich hungrig schlafen lege.“ Der Prediger verstand seine Lage. So jetzt auch wir. Christus kam, um die Welt zu erlösen. Wir beten: „Vater unser, der Du bist im Himmel...“. In keiner Gesellschaftsordnung darf es Arme geben. Es ist eine Schande, dass es heutzutage arme Menschen gibt. In keinem Volk darf es arme Witwen geben. Es ist eine Schande, dass unsere Schwestern und Brüder ihre Ehre heute für Brot verkaufen! Tausende unserer Schwestern und Brüder sind heutzutage in den Häusern des Lasters und verkaufen ihre Ehre. Und wir sagen: „In der Kirche, im Himmel gibt es Gott, gibt es Christus.“ Ja, dieser Christus erschien für eben diese Dirnen, um sie zu erlösen. Er kam nicht um der Gerechten willen. Folglich müssen wir heute den Mut haben unsere vergangenen Fehler zu korrigieren. Wir müssen sie irgendwie berichtigen. Wir müssen unseren gefallenen Schwestern und Brüdern die Hand reichen. Heute leiden alle Menschen unter unverstandener Liebe. Nehmt irgendeiner Blume, einer Pflanze das Sonnenlicht und ihr seht den krassen Unterschied, der sich auftut. Nehmt irgendeinem Wesen die Liebe und das gleiche Gesetz gilt. Und so dürfen wir über den Gott der Zukunft nicht wie über ein fernes Wesen reden, sondern wie über ein Wesen, das in unseren Herzen wirkt, damit wir freiwillig, ohne Gewalt, seinen Willen und sein Gesetz erfüllen können. Jetzt seid ihr alle an diese große Tafel der Welt berufen. Dieser Gott der Liebe hat euch berufen, ohne Rücksicht auf eure Lage, euer Credo. Heute ruft er euch herüberzukommen, einen Schritt nach oben zu machen, nicht als Bulgaren, nicht als Protestanten, nicht als Orthodoxe, nicht als Katholiken, nicht als Mohammedaner, sondern als vernünftige Wesen, als von einem Vater geborene Brüder, in deren Adern das gleiche Blut fließt. Ein und dasselbe Blut fließt in den Adern aller Menschen. Begreifen wir diese Tatsache, das ist die Neue Lehre, so muss die Religion reformiert werden. Wenn die Religion der Zukunft das große Gesetz nicht begreift, ist sie dazu verurteilt, in hundert Jahren mit einem „Gott habe sie selig“ versehen zu werden. Ich sage eine große Wahrheit. Das muss die Geistlichkeit wissen und ihrer Kirche das Motto geben: „Gott ist Liebe und wir alle opfern uns für die Liebe.” Und alle: Bischöfe, Pfarrer, Mütter, Lehrer, Richter müssen dieses Gesetz schreiben. Das muss das allgemeine Prinzip sein – die Liebe. Und wenn wir uns begegnen, erkennen wir, dass wir Brüder sind. Dann werden wir andere Kenntnisse, eine andere Wissenschaft haben und die zwischen uns stehenden Hindernisse werden verschwinden. Und dann beginnt ein neues Leben, das Frieden und Freude bringt, Frieden in unserem Verstand, Freude in unseren Herzen und Kraft im menschlichen Willen. Jetzt, wenn wir alle in diesem kollektiven Bewusstsein der Menschheit leben werden, ist es an der Zeit zu wissen, dass es keinen Tod gibt. Die menschliche Seele, das menschliche Bewusstsein ist unsterblich. Der menschliche Körper verändert sich, seine Form wird anders, aber das ist unwesentlich. Der Mensch wechselt viele Körper, viele Organe, aber als Seele, die sich weiter entwickelt, als Bewusstsein in der Natur, ist er unvergänglich. Das ist eine Tatsache, die keine Ausnahme kennt. Prüft die Wahrheit und ihr werdet es sehen. Also ich sage euch: Prüft die in euch angelegte Wahrheit, sucht euer Ideal in euch, in eurer Seele. Dieses Ideal findet ihr nicht draußen. Es ist in euren Seelen, in euren Gehirnen, in euren Körpern angelegt, so wie die Energie im Samenkorn angelegt ist und der Samen selbst in der Erde. Er saugt die Säfte aus der Erde und schafft sich sein Wurzelwerk. Genauso sind auch alle Energien in unserem Körper angelegt und nach dem gleichen Gesetz werden diese Energien vom menschlichen Geist genutzt, um alle Organe des menschlichen Körpers zu schaffen. Ich möchte an Folgendes erinnern: Wie viele Jahre waren nötig, um eure Hand zu schaffen? Diese Verbindungen oder Fingergelenke beweisen, wie viele Millionen Jahre der Mensch schon gelebt hat, sie zeigen die Geschichte der Menschheit, die Geschichte der menschlichen Entwicklung, den Zustand, den die ganze Menschheit durchlaufen hat. Wenn ich euch sagen würde, dass der menschliche Finger die gesamte Geschichte des Menschen erzählt, würdet ihr entgegnen, das sei unmöglich, eine Fantasie. Ja, für denjenigen, der die Gesetze der Natur nicht versteht, ist es so. Eines Tages ging ich mit Freunden in einem Kiefernwald spazieren. Wir blieben vor einer Kiefer stehen und ich sagte: „Die Verzweigungen dieser Kiefer zeigen, in welchem Jahr es mehr Feuchtigkeit gegeben hat und in welchem weniger. Das kann man an ihnen erkennen.“ Ihr könnt es nachprüfen. Wenn es also in einem Jahr einen Überfluss an Regen gab, dann sind die Abstände zwischen den Verzweigungen größer und umgekehrt – wenn das Jahr arm an Regen war, dann sind diese Abstände kleiner. Man kann folglich mathematisch die Feuchtigkeitsmenge berechnen und bestimmen, wie viel es war. So wirkt sich also die Feuchtigkeit aus. Auf unseren Körpern spiegeln sich ebenfalls bestimmte Ereignisse wider- individuelle, gesellschaftliche und soziale. Wisst ihr das? Wir tragen in uns die Sünden der gesamten Menschheit. Denkt nicht, dass wir, so weit von Afrika entfernt, nicht die Sünden der Afrikaner trügen. Doch, wir tragen sie. Es gibt eine innere Kraft, die die Menschen verbindet und ihr Leben verflicht. Wenn wir also in Zukunft dieses große Gesetz begreifen, verstehen wir , dass alle Menschen in Zukunft gute Bedingungen schaffen müssen, um das ganze heutige Unglück zu überwinden. Ich habe des Öfteren gesagt, dass nur die Mütter imstande sind das zu schaffen. Jede Mutter, die mit einem Jungen oder einem Mädchen schwanger ist, soll sagen: „Mein lieber Sohn, meine liebe Tochter, ich will, dass du zukünftig nach dem Gesetz der Liebe lebst und die Völle der Liebe vertrittst.“ Wenn sie so spricht, gebiert sie eine Tochter oder einen Sohn, die wie Helden nach dem Gesetz der Liebe leben werden. Jede Mutter muss das ihren Kindern einflößen. Die jungen Leute, die heiraten, müssen sagen: „Unsere Söhne und unsere Töchter sollen für die Liebe leben, für den Gott der Liebe, der die Menschen vereinigt.“ Die neue Generation wird die neuen Ideen tragen, die Ideen der göttlichen Liebe. So, wie wir uns heute bewegen, so schwächlich, wie wir zur Welt kommen, wie wollen wir da die Menschen umerziehen, die sich Tausende von Jahren entwickelt haben, da können wir gar nichts tun. Der Mensch kann nur im Mutterleib umerzogen werden, in Liebe zu Gott; allein kann er sich nicht umerziehen. Nur die Mutter ist in der Lage, den Menschen wieder zu schaffen und ihn umzuerziehen. Er selbst ist nur zu fünfzig Prozent Faktor für seine Umerziehung. Er gleicht einem Schiff ohne Steuer, das von den Wellen überallhin getrieben werden kann. In Zukunft müssen sich also die Bedingungen für die Frauen ändern. Frauen, die ein Kind tragen, müssen unter den besten Bedingungen leben, auch die Bedingungen für die Kinder müssen sich verändern. Und das darf nicht mechanisch geschehen, sondern nach dem Gesetz, das in der lebenden Natur wirkt. Lebendig ist diese Natur, sie ist ausgezeichnet; ich lese in ihr, was für herrliche Methoden sie hat! Wenn die Bulgaren die Methoden der Natur anwendeten, würden sie ihre Lage verbessern. Welch reiche Schätze verbergen sich in der Natur! In nur zehn Jahren könnten alle Schulden bezahlt sein. Aber was machen die Bulgaren heute? – Sie erwarten ihre Rettung von irgendwoher, von dort, woher sie nicht kommt. Die Rettung aber ist in dieser lebendigen Natur, die ihre Kräfte zur Verfügung stellt. Die Menschen müssen diese Kräfte in Bewegung bringen, damit sie nach dem Gesetz der Liebe für das Wohl der anderen wirken. So kommt auch ihr Segen. Also, das große Gesetz fordert die Menschen auf, Brüder und Schwestern zu sein. Nur so werden wir eine neue Wissenschaft der Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit haben. Wie sieht jetzt unsere Wissenschaft aus? Ein kleines Lamm, um das sich das Kind kümmert, es liebt und ihm Kränze windet, – so kommt der Tag, an dem die Mutter sagt: „Wir müssen das Lamm schlachten, damit mein liebes Kind leben kann.“ Das Kind weint. Ihr sagt: „So ist nun mal das Leben.“ Und wie, denkt ihr, wird das Kind erzogen sein? Es wird sich fragen: „Warum erlaubt Gott, der so gut und lieb ist, das kleine Lamm zu schlachten?“ – „Nun, mein Kind, so hat Gott es angeordnet.“ Nein, Gott hat es nicht so angeordnet, wir selbst haben es so angeordnet. Jetzt müssen wir uns von unserem Irrtum befreien! Denken wir nicht, dass Gott das Leben so geregelt hat. Nein, diese Lämmer müssen nicht geschlachtet werden. Wir haben heute eine Kultur des Tötens, die diesem und jenem die Beine verkrüppelt. Man hört nur: Bumm-bumm. Alle sagen: „Das ist für die Heimat.“ Aber welchen Nutzen haben die Kriege der Menschheit gebracht? Absolut keinen. Die Menschen sind grausam geworden und die Kriege haben die heutige Unzucht mitgebracht. Auch zukünftige Kriege werden zu nichts Gutem führen. Wir sollen kämpfen, aber wie? – Krieg führen, ja, aber ohne zu töten. Dieses Gesetz der Liebe ruft heute die Menschen auf. Die Fähigsten müssen kommen, Mütter, Väter, Lehrer, Priester, auch Unbeteiligte, um diese große Aufgabe in Angriff zu nehmen. Wenn sie nicht rechtzeitig kommen, dann tun es andere. Jetzt will ich folgende Schlussfolgerungen ziehen. Keinesfalls will ich euch zwingen, daran zu glauben. Ich will, dass ihr es selbst versucht. Erfahrung, Erfahrung braucht man und nichts weiter. Es gibt einen inneren Erfahrungswert. So wie jede Pflanze den richtigen Boden finden muss, um günstige Bedingungen für ihr Wachstum zu haben, so muss sich auch jeder Mensch in der Welt die richtigen Bedingungen für seine Entwicklung und sein Wachstum suchen. Denkt niemals, dass eure Lebensbedingungen ungünstig sind. Das sind nur innere, subjektive Vorstellungen. Bei dieser Entwicklung des kollektiven Bewusstseins ist jeder Mensch auf seinem richtigen Platz. Aber wir täuschen uns und fragen: „Warum bin ich nicht wie dieser Herr?“ Schaut nicht auf jenen Menschen dort, vielleicht ist er wohlhabend, hat reichlich zu essen, aber er ist unglücklich, sein inneres Leben ist verdorben, weil er einen Herzfehler und Magenstörungen hat. Ein anderer Mensch jedoch, der arm ist, lebt nicht in so einem Überfluss, aber er ist gesund, genießt das Essen. Das Glück eines Menschen wird vom Wohl seines Geistes bedingt – mit dem zufrieden zu sein, was man im Moment besitzt. Und wenn sich die Menschen zusammentun, müssen sie die gleichen Ideen haben. Die Ideen von uns allen müssen richtig sein. Ich sage nicht, dass sie immer richtig sind, aber individuell sind sie richtig. Wir müssen also unsere Ideen in individueller, gesellschaftlicher und sozialer Hinsicht korrigieren und die neuen Ideen, die von oben in die Welt kommen, einführen. Wie die Pflanze ihre Formen aufbaut, so müssen wir unsere Gedanken und Gefühle richtig aufbauen. Manche sagen: „Das Leben heute ist schwer.“ Nein, ich habe euch mehrmals gesagt, dass ihr euch unter den besten Lebensbedingungen befindet. Ihr seid in der Lage der Juden, die aus Ägypten auszogen. In der Wüste würdet ihr vielleicht kein Fleisch und keine anderen Dinge finden, aber ihr hättet Wasser und frische Luft und kein Pharao würde euch befehlen. Besser frei in der Wüste, als ein Sklave mit Fleischmahlzeiten und allen Vergnügungen und der Pharao schlägt euch mit der Peitsche und befiehlt: „Backsteine und Ziegel werdet ihr machen!“ Und wir sagen: „Nichts können wir tun, machen wir sie also.“ Nein, wir werden keine Backsteine und Ziegel mehr machen. Vor uns liegt ein langer Weg durch die Wüste des göttlichen Lebens. Alle jungen Menschen, die laufen können, sollen einen Rucksack auf die Schultern nehmen und vorwärts gehen. Weißt du, was du dann bist? – Wenn du jemanden triffst, wirst du deinen Weg frei weiter gehen. Wenn du jetzt jemanden triffst, hältst du dich zurück, versteckst dich sogar, damit er dich nicht ausraubt, dir in die Tasche greift. Du sagst: „Er ist ein Räuber.“ Ich sage: Die Welt heute ist voll von Räubern. Antwortet mir, wer von euch ist kein Räuber, wer hat nicht in die Tasche des Vaters gegriffen? Wer hat nicht von der verbotenen Frucht genascht? In Zukunft aber betreten wir einen Obstgarten und fragen, dem Gesetz der Liebe folgend: „Bruder, darf ich von den Früchten deines Gartens pflücken, oder pflückst du mir selber welche?“ Und er antwotet: „Du darfst, Bruder, bitte tritt ein!“ Wenn ich zu einem Freund komme, frage ich: „Darf ich, Bruder, in deinem Haus übernachten?“ – „Du darfst.“ So muss die Neue Lehre sein. Und was sagst du heute? „Mein Herr, es gibt Hotels, geh dorthin, wir haben keine freien Zimmer, es herrscht Wohnungsnot usw.“ Und die Frage ist erledigt. Wenn du jetzt jemanden triffst, beginnst du ihn auszufragen: „Bist du Bulgare? Glaubst du an Gott? Zu welcher Partei gehörst du?“ usw. Ich sage nicht, dass diese Dinge schlecht sind, aber sie sind unwesentlich. In uns muss das edle Gefühl der Brüderlichkeit Eingang finden, so dass wir in jeder Frau unsere Schwester und in jedem Mann unseren Bruder erkennen. Wenn ihr dieses Gefühl erziehen könnt, dann hebt ihr die Menschheit auf eine neue Stufe. Dann existiert kein Missverständnis zwischen uns und wir werden das richtige Bestreben haben. Das ist die göttliche Lehre, die jetzt in die Welt kommt. Die kleinen Kinder haben die Lehre aufgenommen, in zehn Jahren werden sie sie predigen. In zehn Jahren verwandeln sich die Raupen in Schmetterlinge und fliegen mit ihren Flügeln davon. Sie werden sagen: „Nein, nein, wir brauchen keine Puppen mehr.“ Dieses Gesetz kommt in die Welt. Die Fakten gruppieren sich, die Gesetze nehmen Gestalt an. Wir gehen von der materiellen zur geistigen Welt über, alles entwickelt sich vom Einzelnen zum Allgemeinen. Das heißt, wir dürfen nicht nur an jenes Versicherungsgesetz denken, wo jeder danach strebt, nach seinem Tode ein Millionenerbe zu hinterlassen: so und so viel für diesen, so und so viel für jenen, „Spenden“ für Wohltätigkeitszwecke, damit die Leute sagen, der Verstorbene hat so viel Geld hinterlassen, ein edler Mensch ist er. Nein, in Zukunft werden die Menschen nicht sterben, sie werden keine Denkmäler brauchen. Nehmt also die Liebe als Bestreben in eure Herzen auf, als Gefühl in eure Seelen, als Kraft in eure Sinne und als Prinzip in euren Geist. Darin liegt die Erlösung für den menschlichen Geist. In diesen drei Dingen müssen wir folglich die Liebe verstehen: als Bestreben im Herzen, ein unüberwindliches Streben nach unten; als Gefühl in der Seele – ein Streben nach oben – und als Kraft, die die Sinne erweitert, die in sich das vernünftige Prinzip trägt zu wissen, warum wir leben, warum wir auf diese Welt gekommen sind und was unsere Bestimmung auf Erden ist. Ein Vortrag von MeisterBeinsa Douno, gehalten am 19. August 1921 in Veliko Tarnovo
  19. http://petardanov.info/DE/Die_Erweckung_des_gemeinschaftlichen_Bewusstseins.pdf
  20. Die Hoffnung „Jetzt aber bleiben diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe.“ (Korinther 13) Ich gehe jetzt von einem neuen Standpunkt aus. Ich werde drei Dinge genauer betrachten: Die Liebe, den Glauben und die Hoffnung. Die Liebe kann betrachtet werden als ein Streben, doch sie kann auch als ein Gefühl, als eine Kraft und als ein Prinzip betrachtet werden. Auch der Glaube kann als ein Streben, als ein Gefühl, als eine Kraft und als Prinzip betrachtet werden. Die Hoffnung kann ebenfalls als ein Streben, als ein Gefühl, als eine Kraft des Menschen und als Prinzip betrachtet werden. Die Liebe, den Glauben und die Hoffnung betrachte ich als Prinzipien. Die Liebe umfaßt alles, d.h. das ganze Universum, das Weltall — nichts kann ihr entfliehen. Der Glaube umfaßt die Zeit, und die Hoffnung umfaßt die Resultate, die aus diesen beiden Kräften hervorgehen. Anders ausgedrückt: Die Liebe umfaßt die Ewigkeit, d.h. das unendliche Leben, alle Möglichkeiten. Die Liebe kennt keinen Tod. Die Liebe umfaßt die Bedingungen, unter denen sich dieses Leben entwickelt, und die Hoffnung verwirklicht die Resultate. Das sind Prozesse, die aufeinander folgen. Vermischt nicht die Liebe, den Glauben und die Hoffnung! Manche glauben, daß es zwischen ihnen keinen Unterschied gibt, daß sie ein und dasselbe sind. Wenn du im Leben die Courage verlierst, ist die Hoffnung in dir sehr schwach; wenn du zweifelst, ist dein Glaube schwach; wenn du nicht lieben kannst, ist die Liebe in dir schwach. So sind die Liebe, der Glaube und die Hoffnung nicht gleichmäßig entwickelt bei allen Leuten. Bei manchen ist die Liebe am stärksten entwickelt, bei anderen der Glaube, bei dritten die Hoffnung. Die Hoffnung ist ein Prinzip, das alle Gegensätze in der physischen Welt befriedigt. Sie wirkt in der sichtbaren Welt, in der Welt der Veränderungen. Folglich — wann hoffen wir? Wenn wir Töchter, Söhne, Ländereien, Häuser und hier und dort angelegtes Geld haben. Die Hoffnung umfaßt die gegenwärtigen Dinge. Das ist eine ihrer Eigenschaften. Wir müssen die Hoffnung ergreifen als Prinzip, denn das ist bei den gegenwärtigen Bedingungen des Lebens unumgänglich. Die zeitgenössischen Menschen haben ihre Begriffe durcheinander gebracht. Sie haben ihre Beziehung zu Gott verloren, sie haben an ihm gezweifelt. Sie fragen sich: „Gibt es einen Gott oder nicht? Es würde verwunderlich sein, wenn wir uns die Frage stellten: „Gibt es eine Sonne oder nicht? “ Wenn die Sonne verschwinden würde, würde auch das Licht verschwinden. Sobald das Licht existiert, existiert auch die Sonne, denn das Licht ist eine Erscheinung der Sonne. Wenn die Liebe unter den Menschen existiert, existiert auch Gott, denn die Liebe entspringt in Gott. Wenn die Liebe in Gott entspringt, taucht der Glaube auf, und der Glaube ist der Träger des Lebens. Ohne den Glauben kann das göttliche Leben nicht auf die Welt projiziert werden. Folglich ist er das Prinzip, das die vernunftbegabte, bewußte Welt zur Entwicklung bringt. Das bewußte Leben kann sich niemals ohne den Glauben entwickeln. Er tritt bei allen Menschen in irgendeiner Weise auf. Die Hoffnung aber realisiert dieses Leben. Sie ist eine Kraft, die den Dingen die Form gibt. Folglich muß jeder von euch, der einen gesunden Körper und ein gesundes Gehirn haben möchte, der schön sein möchte, unbedingt die Hoffnung haben. Die Hoffnung formt den Körper. Wenn wir beginnen, die Hoffnung zu verlieren, verlieren unsere Brust, unser Gehirn, unser Körper ihre Symmetrie. Dann sagt der Mensch: „Ich habe keine Lust zu essen, ich habe keine Lust zu leben,“ — bis er in das Grab steigt. Die Hoffnung ist ein Prinzip, das den freien Lauf unseres Lebens auf dieser Erde eröffnet. Jeder Mensch, der seine Hoffnung verliert, wird ein Sklave dieser Erde. Die Feiglinge, die auf dem Schlachtfeld die Hoffnung verlieren, ergeben sich. Der Kaufmann, der Angst hat, wird mit hundertprozentiger Sicherheit zahlungsunfähig. Doch derjenige, der Hoffnung hat, gibt nicht auf. Wenn ein Mensch Hoffnung hat, ist ihm alles möglich. Das sind nicht nur leere Worte. Ihr habt Tausende von Möglichkeiten, dies im Leben auszuprobieren. Wenn in uns die drei Prinzipien Liebe, Glaube und Hoffnung wirken würden, würden wir stark genug sein, unsere Freiheit zu verteidigen. Die zeitgenössischen Menschen haben es noch nicht gelernt, mit ihrer Welt umzugehen. Wenn du nicht einmal eine Mikrobe, ein kleines Ubel, besiegen kannst, wie wirst du dann die großen Übel besiegen? Als welcher der Mensch in den kleinen Dingen erscheint, als solcher erscheint er auch in den großen. Jemand sagt: „Ich glaube nicht an Gott.“ Gott möchte keinen Glauben ohne Liebe. Ohne Liebe kannst du nicht an Gott glauben. Auch Hoffnung kann man ohne Liebe nicht haben. Um an Gott zu glauben, muß man ihn zuerst lieben. Und um den Menschen zu lieben, muß man ihn erst kennen. Mit den Menschen muß man in umgekehrter Reihenfolge beginnen: Mit Gott beginnt man durch das Gesetz der Liebe, doch mit dem Menschen durch das Gesetz der Hoffnung. Wir fragen uns: „Wann wird die Welt besser werden? “ Die Welt kann in einem Tag gebessert werden. Die äußere Welt, die Natur ist schon in Ordnung, sie ist gut; doch unsere innere Welt ist nicht in Ordnung, und deshalb sagen wir: Wann wird die Welt besser werden? “ Damit die Welt gebessert wird, muß jeder von euch diese drei Prinzipien in sich selber realisieren. Um unsere Liebe in dieser Welt auszudrücken, ist es nötig, sie denen zu schenken, die Liebe brauchen. Und die Liebe wird sichtbar in jedem kleinen Dienst, den wir einem Menschen erweisen: sei es, daß wir ihm ein gutes Wort sagen, sei es, daß wir ihm etwas zu essen geben, sei es, daß wir ihn pflegen, wenn er krank ist, sei es, daß wir ihm unser Vertrauen schenken. Wir bezeugen uns in unseren gegenseitigen Beziehungen nur Mißtrauen. Laßt die Liebe in euer Bewußtsein eindringen, den Glauben in eure Brust und die Hoffnung in euren Magen! Wenn ihr eßt, eßt mit Hoffnung! Man muß essen, doch weder zuviel, noch zuwenig. Ein Mensch, der mit Hoffnung leben will, darf nicht viel essen, darf sich nicht überessen. Gebt euren Kindern nicht zuviel zu essen! Das wenige wird in der Natur zum Segen. Das Übermäßige, die Übersättigung ist eine Sünde. Jene, die nach dem Gesetz der Hoffnung leben, müssen nur das Nötigste im Leben haben. Da ihr auf dieser Erde lebt, beginnt mit der Verwirklichung dieser Hoffnung. Worin besteht diese Verwirklichung? Darin, daß ihr hofft, daß ihr gut, klug, gesund und reich werden könnt. Reich woran? An Tugenden. Ihr sollt hoffen, daß ihr euer Leben bessern könnt. Die Hoffnung ist nötig, um die herrschenden Widersprüche auszugleichen. Ihr könnt die folgenden Widersprüche nicht ausgleichen: Warum sind die einen reich und gelehrt, die anderen jedoch arm und unwissend. Nur die Hoffnung kann diese Widersprüche ausgleichen. Ihr glaubt, daß ihr zum ersten Mal hier auf Erden seid? Nein, ihr alle, die ihr hier seid, habt eine lange Geschichte in der Vergangenheit. Die Hoffnung ist eines der großen Prinzipien auf der Erde, ohne das die Lebensfragen nicht richtig entschieden werden können. Gebt euren Kindern die Hoffnung, damit ihre Hände und ihre Herzen rein sind, damit sie wissen, daß ihr Körper ein Tempel ist, für den sie verantwortlich sind. Laßt eure Kinder nicht im Schmutz leben! Ein Mensch, der Hoffnung hat, ist stets ordentlich gekleidet, seine Augen sind immer voller Freude und Frohsinn. Um die Hoffnung in euren Kindern zu entfalten, macht sie freudig. Wie? Gebt ihnen eine solche Beschäftigung, die Freude in ihre Seelen bringt. Dieses Gesetz gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Männer und Frauen. Die Männer sollen ihren Frauen Freude bereiten, und die Frauen sollen das gleiche für ihre Männer tun. Wenn auf der Erde das Gesetz der Hoffnung fehlt, kommt die Entmutigung — und aus der Hoffnungslosigkeit entstehen alle gegenwärtigen Übel. Wenn ein junger Mann oder ein junges Mädchen keine Hoffnung haben, sollen sie nicht heiraten, — das würde ich ihnen raten. Wenn sie Hoffnung haben, wird es in ihrem Haus Friede und Freude geben. Heutzutage sagen die Menschen: „Diese jungen Leute können jetzt nicht miteinander leben, doch später werden sie sich verständigen.“ Nein, jetzt müssen sie miteinander auskommen! Wie die Liebe am Anfang ist, so wird sie auch am Ende sein. So lautet das Gesetz der Hoffnung. Vom Standpunkt der Liebe aus gesehen müssen wir die Zeit verstehen, vom Standpunkt des Glaubens den Raum, vom Standpunkt der Hoffnung alle Methoden und Weisen, — um das Leben zu entwickeln. Ihr werdet Liebe, Glaube und Hoffnung sein. Ihr werdet glauben, ihr werdet die Hoffnung haben, daß jeder Mensch sich bessern wird. Wenn du einen Freund hast, der an dich glaubt, bekommst du Flügel. Wenn du den Glauben an einen Freund verlierst, wirst du ganz mutlos. Die Hoffnung ist die mächtige Lehre der Zukunft, die das Leben auf Erden sinnvoll machen wird, die uns lehren wird, das Schulwesen und das Rechtswesen zu reformieren, die uns zeigen wird, wie wir uns richtig ernähren können. In dieser zukünftigen Welt wird es keine Gräber geben, und dann wird Christus auf die Erde kommen. Die Erde, auf der wir jetzt leben, wird erneuert werden. Diese Welt wird untergehen, neue Kontinente werden entstehen, neue Luft wird entstehen. Wenn wir grundsätzlich verstanden haben, warum wir auf der Welt existieren, werden wir das mächtige Gesetz der Hoffnung anwenden, und wir werden nicht mehr fragen: „Gibt es einen Gott oder nicht? “, sondern wir werden fragen: „Leben wir nach den Gesetzen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe?“ Leben wir nach diesen Gesetzen, so haben wir verstanden, warum wir existieren, und die Mißverständnisse werden verschwinden. Diese Lehre ist nützlich für euch. Ihr müßt auf der Erde leben, ihr müßt gesund, glücklich und selig sein. Was ihr auch tun möchtet, ihr werdet es nicht verwirklichen können, wenn ihr nicht den Glauben, die Liebe und die Hoffnung habt. Alles ist in diesen drei mächtigen Prinzipien enthalten. Wenn ihr sie richtig verstanden habt, wenn ihr sie in euch weiterentwickelt habt, werdet ihr stark und mächtig sein, werdet ihr Freude, Zuversicht und Kraft in eurem Leben haben. Das ist die Lehre, die Christus gebracht hat, als er kam, um die Menschen mit Gott zu versöhnen, indem er sie lehrte, wie sie leben sollen. Es gibt keine größere Kunst auf der Welt als zu lernen, wie man richtig leben soll. Das müssen wir lernen! Junge, Alte, Mütter, Väter, Schwestern und Brüder, Freunde, Herren und Knechte — alle müssen lernen, vernünftig zu leben, Friede und Ubereinstimmung miteinander zu haben. Lebt nach dem Gesetz der Hoffnung, damit ihr allezeit Freude habt, damit ihr nicht wißt, was Entmutigung ist. Und wenn du auch der Allerärmste wirst, lasse dich nicht entmutigen, denn du wirst etwas in deiner Seele haben, das dir keine Kraft der Welt wegnehmen kann. Ihr habt Kräfte, verborgene Reichtümer in euch selbst, welche die zeitgenössische Wissenschaft nicht einmal vermutet, obwohl sie diese konstatiert. Die menschliche Seele ist noch nicht vollständig in Erscheinung getreten; der Mensch hat Kräfte, die auf die günstigsten Bedingungen für ihre Entwicklung warten. Wenn ihr euch befreit und in die Freiheit des göttlichen Lebens eintretet, werdet ihr alles erfahren. Wenn ihr Gott als die allumfassende Liebe begreift, die in der Welt in Erscheinung tritt, wenn ihr ihn als ein Wesen begreift, das mit dem allergrößten Wohlwollen auf die allerkleinsten und allergrößten Lebewesen schaut, wird er euch auch emporheben. Wenn ihr Gott nur als ein Wesen begreift, das darauf wartet, zu bestrafen, so wird er euch nicht helfen. Begreift ihn als ein Wesen der Sanftmut, der Kraft, die keinen Tod kennt. Bei diesem Verständnis Gottes werden auch die Prinzipien des Glaubens und der Liebe in euch eindringen. Nach zwanzig oder dreißig Jahren wird euch Gott zu sich rufen, um zu sehen, was seine Kinder gelernt haben. Dann wird er euch wieder auf die Erde schicken. Für alle gibt es genügend Arbeit. Wenn er sieht, daß ihr eure Lektion gelernt habt, wird er euch in das gewaltige Universum entsenden, damit ihr dort euren Dienst leisten könnt. In diesem Leben wird jede Seele alle Bestrebungen befriedigen, die sie hat. Es gibt keinen Wunsch der Seele, den sie nicht erfüllt bekommen kann. Aber wann? Wenn wir diese mächtige Schule absolviert haben, die Schule, in welcher das Gesetz der Hoffnung gelehrt wird. Ich würde wünschen, daß alle, die meine Ausführungen über die Hoffnung gehört haben, voller Freude von hier fortgehen. Wenn ihr die Freude habt, ist alles gut bei euch. Wenn ein Mädchen singt, werden ihre Angelegenheiten gut gehen. Deshalb würde ich wünschen, daß ihr singt, was ihr auch dabei tut. Die Alten und die Jungen mögen singen! Wer jung sein möchte, muß singen und sich freuen. Lebt nach dem Gesetz der Hoffnung! In der Hoffnung gibt es keine Melancholie, kein Leid, keine Verzweiflung. In ihr gibt es nur Freude und Frohsinn. Daran erkennt man dieses göttliche Prinzip. Russe, 16. Januar 1920
  21. Der Vortrag aus einem Buch http://petardanov.info/DE/Die_Hoffnung.pdf
  22. Der Glaube „Jetzt aber bleiben diese drei: Glaube, Hoffnung und Liebe“ (Korinther 13) Mein heutiger Vortrag wird das zweite Prinzip im menschlichen Leben behandeln — den Glauben. Ich nehme das Wort „Glaube“, denn wir haben kein besseres Wort dafür. Ich nehme dieses Wort im allerweitesten Sinn und mache einen Unterschied zwischen „Glaube“ und „das Glauben“. In dem Glauben kann es keinerlei Widersprüche geben. Der Glaube schließt alle Zweifel aus. Das Glauben läßt eine Menge Zweifel zu. Du kannst glauben, daß du gut werden wirst, aber du kannst auch glauben, daß du schlecht werden wirst; du kannst glauben, daß du leben wirst, doch kannst du auch glauben, du wirst sterben. Heutzutage ist die Welt voller verschiedener Glaubensansichten. Doch dieses Glauben hat weder die Rettung gebracht, noch die Freiheit, noch die Liebe, die wir erwarten, denn — es ist eben nur ein Glauben. Ich sage nicht, daß das Glauben etwas Schlechtes ist, doch es ist nur das Vorwort zu dem echten Glauben. Ich werde den Glauben von vier Standpunkten aus betrachten, und zwar: Als unter- bewußtes Streben des Herzens, als bewußtes Gefühl der Seele, als selbstbewußte Kraft des Verstandes und als überbewußtes Prinzip des Geistes, oder — wissenschaftlich ausgedrückt — als Streben des Unterbewußtseins, als Gefühl des Bewußtseins und als Prinzip des Überbewußtseins. Achtet jetzt auf diese Wechselbeziehungen. Ich werde über diese Frage prinzipiell sprechen. Ich habe nicht die Absicht, irgendeinen begrenzten Fall, irgendeine begrenzte Lehre zu vertreten. Ich möchte nur die Wahrheit sagen, so wie sie ist. Der Glaube ist ein Prinzip des menschlichen Verstandes. Das heißt, der Anfang des menschlichen Verstandes — das ist der Glaube, oder anders ausgedrückt, der Verstand — ist aufgebaut auf den Grundlagen des Glaubens. Der Glaube verbindet den menschlichen Verstand und Intellekt mit der Harmonie in der Natur und gibt ihm einen Anstoß zur Entwicklung und zum Studieren der Gesetze des Universums. Folglich muß jeder, der einen aufgeklärten Verstand haben möchte, der die Natur studieren möchte, bestrebt sein, in Verbindung mit der lebenden Natur zu treten, bestrebt sein, den Glauben zu haben. Ich gehöre nicht zu jenen, die sagen, daß man sich nur in eine Richtung entwickeln muß, nur in eine Richtung streben muß. Philosophisch gesagt, alle Richtungen ergeben eine wahre Richtung, die die Wahrheit ist. Deshalb müssen wir nach allen Richtungen streben, denn vom Standpunkt des Glaubens sind alle Richtungen gut. Vielleicht liegen in manchen dieser Richtungen auch Leiden, doch sie sind ein Weg zur Besserung. Wenn diese Leiden über uns kommen, so zeigen sie, daß wir in der Vergangenheit die göttlichen Gesetze verletzt haben, den Gleichklang der göttlichen Welt, worauf das Böse in der jetzigen Welt entstanden ist. Und da wir das nicht verstehen, fragen wir uns andauernd, woher dieses Böse kommt? Wenn ihr ein elektrisches Kabel durchschneidet, in dem ständig elektrischer Strom fließt, und wenn ihr es anfaßt, wißt ihr, was mit euch passieren wird? Dieses Kabel ist ungefährlich, solange es in Ruhe gelassen wird, doch wenn ihr es durchschneidet, wird es gefährlich. Es gibt nicht nur diese Art, die Dinge zu studieren, es gibt auch noch eine andere. Wenn ihr euren Verstand in Harmonie bringen wollt, müßt ihr unbedingt den Glauben in euch einlassen. Jemand wird entgegnen: „Mit dem Glauben geht nichts.“ — Alles geht mit dem Glauben, doch ohne den Glauben geht gar nichts. Solange ihr den Glauben habt, wird euer Verstand gesund sein, stark und genial, er wird alles tun können. In dem Augenblick, in dem ihr den Glauben verliert, wird sich euer Verstand entzweien, wird Sprünge bekommen, und ihr seid verloren. Der Glaube muß im Herzen beginnen, in eurem Unterbewußtsein; wenn du am Abend zu Bett gehst, laß folgenden Gedanken in deinen Verstand ein: Der Glaube, in dem ich lebe, wird die göttliche Harmonie in die Bestrebungen meines Herzens hineintragen. Lege dich nieder mit diesem Gedanken, in vollem Vertrauen auf dein Unterbewußtsein. Philosophiere nicht, denke nicht an die Folgen. Wenn du ein Weizenkorn in die Erde säst, denke nicht darüber nach, wie es wachsen wird. Es wird selbst diese Arbeit tun, von sich aus. Wenn du dich daneben hinsetzst und nachdenkst, wie es wachsen wird, ob es wachsen wird oder nicht, wirst du beginnen, es aufzudecken und wieder zuzudecken und seiner Entwicklung schädlich sein. So nehmen auch manche Menschen einen göttli. chen Gedanken auf, doch dann beginnen sie darüber nachzusinnen, ob er göttlich ist oder nicht. Laßt diesen Gedanken in eurem Bewußtsein wachsen! Solange ein Gedanke nicht gereift ist, nicht Frucht getragen hat, die Frucht nicht gereift ist, solange stoßt ihn nicht um. Man kann vorher nicht erkennen, ob er göttlich ist oder nicht. Man kann nicht die göttliche Wahrheit erkennen, die in ihm liegt. Deshalb ist etwas nötig, Zeit. Die Zeit ist ein Ausdruck der Wahrheit. Wo es keine Zeit gibt, gibt es auch keine Wahrheit. Die Lüge verkürzt die Zeit immer. Wir glauben nicht an die kurzen Fristen, sondern nur an die langen Fristen. Wir halten die lange Frist für eine Kreisbewegung der Energie innen in der Seele. Die zweite Erscheinungsform des Glaubens ist wie ein Gefühl im Bewußtsein. Das heißt: In einem bestimmten Augenblick mußt du fühlen, daß dein Gedanke kein Gedanke sein kann, solange er nicht in die materielle Welt projiziert ist. Dieser Gedanke muß eine richtige Form erhalten, denn das richtige Denken ist nichts anderes als die Übereinstimmung deiner Gedanken mit den Gesetzen, in denen du lebst. Wenn dein Gedanke keine richtige Form bekommt, wird er einer häßlichen Frau ähnlich sein — und die häßlichen Menschen lieben wir nicht. Folglich rufen die häßlichen Formen in unserem Verstand einen unharmonischen Eindruck hervor. Die Schönheit ist eine Eigenschaft des Gedankens; deshalb muß der Gedanke in uns schön sein. Wenn du nicht fühlst, daß dein Gedanke richtig ist, wirst du beginnen, ihn mit anderen Leuten zu überprüfen, doch damit wirst du in eine andere Misere geraten. Warum? Weil auch sie in der gleichen Lage sein können. Wie wirst du dann prüfen können, ob dein Gedanke richtig ist oder nicht? Folglich ist das erste, das du bedenken mußt, folgendes: Du mußt daran glauben, daß deine Seele die Dinge richtig fühlt. Die Seele lügt niemals! In der Seele des Menschen gibt es keinerlei Lüge! Die dritte Erscheinungsform des Glaubens liegt in der Kraft des Gedankens. Euer Gedanke muß eine Kraft haben. Innen drin muß eine Bewegung und Ausbreitung herrschen, d.h. er muß produktiv sein, damit du jede Arbeit damit verrichten kannst. Ihr könnt die Kraft eures Gedankens ausprobieren. Wenn euer Gedanke richtig ist und sich in Harmonie mit allem befindet, d.h. wenn es eine wahre Bestrebung in eurem Herzen gibt, wahre Gefühle in eurer Seele, eine richtige Verbreitung im Verstand, dann könnt ihr, wenn ihr irgendeine Wunde an der Hand habt, sie schnell heilen, indem ihr euren Gedanken auf sie konzentriert: in fünf bis zehn Minuten oder — wenn die Wunde größer ist — in ein bis zwei Tagen. Alle Katastrophen, die jetzt sowohl im gesellschaftlichen als auch im politischen und wissenschaftlichen Bereich geschehen, sind Folgen dieser Zerstörung in unserem Verstand, weil er nicht den Glauben zur Grundlage des Lebens gemacht hatte. Wir leben in dieser Welt mit gewissen Glaubensansichten. Woher kommen alle Katastrophen in der Welt? — Sie kommen daher, daß wir an Gott gezweifelt haben, an dem mächtigen Gesetz der Liebe und daß wir gesagt haben, daß Gott nicht Liebe ist und daß der Mensch des Menschen Wolf ist. Und diesen Wolf hat Gott geschaffen. Was hat dann das Leben für einen Sinn, wenn wir das Erhabenste auf der Welt einen Wolf nennen? Und der Wolf ist die Verneinung der Liebe, die Verneinung des Glaubens. Folglich kann jeder Mensch zum Wolf werden. Sobald ihr die Liebe verliert, werdet ihr wie ein wildes Tier, denn diese sind die negativen Eigenschaften der mächtigen Tugend, die wir Liebe nennen. Ich sage: „Du hast die Liebe verloren, deshalb bist du ein Wolf.“ — Wie werde ich wieder gut? — Wenn du die Liebe in dein Herz einläßt. Sie wird dir den Glauben bringen, und du wirst dich zu den Engeln erheben. Bewaffnet euch mit dem Glauben, nicht mit verschiedenen Glaubensansichten, denn Glaubensansichten sind ein Resultat der Vergangenheit. Die gegenwärtigen Religionen sind ein Versuch zur Besserung der Menschheit. Alle großen Lehrmeister kommen zu dieser Menschheit, i.im sie emporzuheben, um ihr zu helfen, denn sie sind Diener des mächtigen göttlichen Gesetzes. Doch ihre Nachfolger haben dieses Gesetz verdreht, sie haben nur seine äußere Seite verwirklicht; so haben sie das ganze Leben verdreht. Jetzt müßt ihr den Glauben als Prinzip kennenlernen, das alle Widersprüche des Lebens in Einklang bringt. Ich werde euch zeigen, wie die Widersprüche entstehen. Zum Beispiel: Zwei junge Leute lieben sich. Wenn die Liebe als Prinzip zwischen beiden auftritt, sind beide bereit, ihr Elternhaus zu verlassen. Wenn ihr erstes Kind geboren wird und die Mutter beginnt, es zu nähren, und wenn sie sieht, daß die Umweltbedingungen ungünstig sind, beginnt auch die Liebe zwischen ihnen ständig abzukühlen. Warum? Weil sie die Liebe in ihrem tiefsten Sinn nicht verstanden haben. Wenn sich ein Vogel ein Nest baut, so sucht er nur solche Zweige aus, die sogar vom schwächsten Wind verschont bleiben. Doch die heutigen Menschen sagen: Wir können auch ohne Nest, ohne gute Lebensbedingungen unsere Kinder gebären. Und wirklich: Sie gebären Kinder, und dann stecken sie diese Kinder in das Waisenhaus. Das ist eine Kultur der Kuckucksvögel: Sie legen ihre Eier in fremde Nester. Die heutigen Menschen sagen: Man kann auch ohne den Glauben leben. Nein, im Unglauben kann man nicht leben. Der Unglaube und der Glaube, das sind zwei Pole, denn der Ungläubige kann gläubig werden, doch ein Mann des Glaubens kann nicht polarisiert werden. Der Glaube ist verbunden mit dem menschlichen Verstand, mit dem Intellekt des Menschen, und der Verstand des Menschen ist verbunden mit der Atmung. Folglich kann jener, der keinen Glauben hat, auch keine richtige Atmung haben. Die klugen Leute atmen gleichmäßig und harmonisch. Der Gedanke, der auf die Atmung einwirkt, ist richtig. Betrachtet eine schöne Frau oder einen schönen Mann, die gesund sind an Körper, Geist und Willen: ihr werdet die Schönheit und Gleichmäßigkeit ihrer Atmung bemerken. Wer nicht richtig atmet, denkt auch nicht richtig. Wodurch unterscheidet sich ein Mensch des Glaubens von den anderen, die keinen Glauben haben? Dadurch, ob er Angst hat. Im Glauben gibt es keine Angst. Nehmt den Glauben in euch auf und beginnt damit zu arbeiten. So werdet ihr euren Glauben im Unterbewußtsein, im Bewußtsein, im Selbstbewußtsein und im Überbewußtsein betrachten. Wenn aus eurer Seele jeder Zweifel, jeder Haß und jede Lüge verschwunden sind und wenn sie an die Oberfläche getreten sind, so daß sie sichtbar sind, so sagt euch: Mit diesen Größen können wir nicht mehr arbeiten. Wenn ihr so sprecht, so heißt das, daß der Glaube in eurem Herzen die ersten Wurzeln gefaßt hat. Der Glaube hängt mit dem rhythmischen Atmen zusammen. Deshalb bemühen sich die Hindus, rhythmisch zu atmen, wenn sie ihre Gedanken regulieren wollen. — Es ist beobachtet worden, daß bei tuberkulosekranken Menschen die Atmung schneller wird; der Rhythmus ihrer Atmung wird kürzer. Folglich ist der Energieaus. tausch bei ihnen nicht richtig, was bedeutet, daß es zwischen dem Glauben und dem Gedanken einen Kampf gibt. Wodurch entsteht Tuberkulose? Entweder durch Angst oder durch Haß. Jedes junge Mädchen kann tuberkulös werden. Nimmt man ihr den Geliebten und jede Hoffnung, einen anderen zu bekommen, werden in ihr Hemmungen und Haßgefühle entstehen, und sie wird an Tuberkulose erkranken. Sie sagt: „Ohne diesen Mann kann ich nicht leben.“ Darin liegt der Irrtum. Nein, dein Geliebter ist in deinem Verstand. Dieser ist deine Liebe. Wenn ein junges Mädchen einem jungen Mann aus der physischen Welt begegnet, der ihr zusagt, soll sie ihn heiraten; doch wenn sie keinem entsprechenden begegnet, soll sie lieber allein bleiben. Der erste Geliebte des Herzens ist der Verstand. Er wird dir Licht bringen. Dieser Geliebte wird auch äußere Formen finden, um in Erscheinung zu treten. Dann wird das Herz des jungen Mannes seine Geliebte finden, und es wird eine gute Verbindung werden. Wenn sich der Verstand des jungen Mannes mit dem Herzen des jungen Mädchens verbindet, entsteht daraus eine gute, echte Ehe in der physischen Welt. Wenn die Atmung und das Denken des jungen Mannes richtig sind, entsteht in ihm eine richtige Strömung; ein Hellseher wird bei ihm beobachten, daß von der Hand dieses jungen Mannes zum Verstand ein Licht ausgeht. Wenn die Gefühle des jungen Mädchens echt sind, werdet ihr sehen, daß von ihr ein weiches, weißes Licht ausgeht, das von einem sehr dünnen rosa Schein umgeben ist. Wenn sich diese beiden Lichterscheinungen, die des jungen Mannes und des jungen Mädchens, vereinigen, werden sie die göttliche Strömung erzeugen. Der Glaube ist ein lebendiges Prinzip des Verstandes. Nur durch den Glauben können wir alle Geheimnisse verstehen, die sich in der Natur befinden. Wenn wir diese Geheimnisse kennen, können wir unser Leben erneuern. So müssen wir diese beiden Prinzipien — den Glauben und die Liebe — vereinigen. Wir müssen die Kraft des Verstandes, der Seele, des Herzens als Bestrebung des Herzens im Unterbewußtsein, als Gefühl der Seele im Bewußtsein, als Kraft des Verstandes im Selbstbewußtsein und als Prinzip des Geistes im Überbewußtsein miteinander verbinden und aus dieser Verbindung wird die neue Denkweise entstehen, die uns erneuern kann. Und weil wir uns an der Grenze einer neuen Evolution der Welt befinden, haben wir bis jetzt eine Kehrtwendung von 180 Grad ausgeführt. Der Weg, den wir seit unserem Austritt aus der göttlichen Harmonie zurückgelegt haben, ist ein Weg des Niedergangs. Jetzt befinden wir uns auf dem Tiefpunkt und beginnen die zweite Hälfte dieses Kreises. Es steht uns bevor, den zweiten Winkel von 180 Grad zu durchlaufen. Das ist das Gesetz der Evolution. Die ursprüngliche Intelligenz, die in die Welt kommen muß, geht von Gott aus. Von diesem Ursprung geht jetzt eine neue Welle aus, die von den Menschen übernommen werden muß. Es heißt: „Gott hat dem Menschen die Seele eingehaucht.“ Jetzt gibt er wieder einen Hauch von sich. Das geschieht nur einmal in Tausenden von Jahren. Ihr werdet die beiden Prinzipien verstehen: daß Gott die allmächtige Liebe ist, die alle Lebewesen umfaßt, und daß sie allumfassende Intelligenz ist. Diese Intelligenz wird gemäß der Natur eines jeden Lebewesens in Erscheinung treten. Es muß Verschiedenartigkeit geben, doch in allen von uns muß diese göttliche Harmonie existieren. Und so kann man ohne den Glauben dem Gott der Liebe nicht wohlgefällig sein. Die Liebe, das ist der Beginn des Lebens. Das Denken, das ist der erwachsene Mensch, der den Sinn des Lebens verstanden hat. Ohne den Glauben, ohne dieses Denken kannst du Gott nicht dienen. Damit ihr rein, klug, erhaben seid, Helden in dieser Welt, müßt ihr den Glauben haben, durch den ihr alles erreichen könnt. Er ist eine Eigenschaft der Engel. Diese Eigenschaft müssen auch die Engel erreichen. Mit dem Glauben beginnt die neue Kultur. Wendet auch die Liebe und den Glauben in eurem Leben an. Sie beginnen mit der Zeit. Die Zeit ist der Rhythmus der göttlichen Harmonie, und die Harmonie ist der tiefste Sinn des Lebens. Sofia, 6. März 1921
  23. Nochmal der Vortrag aus einem Buch http://petardanov.info/DE/Der_Glaube.pdf
  24. Die Liebe „Am größten aber ist die Liebe“ „Gott ist Liebe“ (Korinther, 13,3) An diesem Morgen werde ich zu euch über einen Vers sprechen, den ich zur Grundlage der göttlichen Lehre in der Welt machen möchte, und zwar über den Vers: „Gott ist Liebe.“ Ihr werdet sagen: das wissen wir doch. Ja, teilweise, doch nicht in seiner Ganzheit. Ich werde eine mathematische Aufgabe stellen, eine mathematische Gleichung. Wir werden mit den Unbekannten beginnen: x : y = xi : yi und w : m = e : a. Die letzte Proportion — das sind die Elemente der höheren geistigen Mathematik. Das x ist eine Größe aus der sichtbaren, der realen, der materiellen Welt. Dieses x läßt sich sehr leicht bestimmen. Wie? Ihr werdet x und y auf die gleiche Weise bestimmen, wie man die beiden Unbekannten in der folgenden Aufgabe bestimmen kann: Aus zwei gegenüberliegenden Städten kommen zwei Einheiten Soldaten heraus, begegnen einander und grüßen sich. Die einen fragen die anderen: Wieviele seid ihr? Die anderen antworten: Wenn einer von euch zu uns kommt, werden wir zweimal soviele sein wie ihr. Die ersten sagen ihnen: Wenn einer von euch zu uns kommt, werden wir soviele sein, wie ihr seid. — Jeder, der die mathematischen Formeln kennt, wird sofort herausfinden, wie hoch x und wie hoch y ist. Und nachdem ihr bestimmt habt, wie hoch x und y sind, das heißt die sichtbare materielle Welt, werdet ihr zur geistigen Welt xi: yi übergehen. Das sind abstrakte Wahrheiten. „Gott ist Liebe.“ Ich nehme die Liebe zum Prinzip. Außerhalb der Liebe kennen wir Gott nicht. Er ist nur in der Liebe. Weil die Liebe allen Lebewesen zugängig ist, gibt es kein organisches Wesen, keine lebendige Materie auf der Welt, die nicht in irgendeiner Weise eng mit der Liebe verbunden ist oder von ihr abhängt. Folglich kennen wir Gott nur in der Liebe. Und dieser Gott der Liebe ist nicht außerhalb, ist nicht nur im Universum, sondern in uns. Ein Gebot im Evangelium lautet: „Du sollst Gott, den Herrn, lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit all deinen Sinnen und mit all deinen Kräften.“ Begreift den Sinn dieses Gebots. Ich werde die Liebe von vier Standpunkten aus betrachten: als Streben, als Gefühl, als Kraft und als Prinzip. Ihr habt Physiologie studiert. Welcher Herzschlag ist richtig? Stellt verschiedene Beobachtungen an und notiert euch jedes Mal, wie oft das Herz in einer Minute schlägt. Ihr werdet mit einer großen Wissenschaft beginnen. Stellt fest, durch den Rhythmus der Abweichungen, um wieviele Herzschläge das Herz variiert. Stellt fest, welcher Winkel durch Anstieg und Abschwächung der Herzschläge gebildet wird. Dieser Winkel wird annähernd 60 Grad betragen — das ist das Gesetz der menschlichen Evolution. Wenn ihr euch in einem angenehmen Seelenzustand befindet, zählt wieder euren Herzschlag. Zum Beispiel irgendein Mädchen fühlt sich zu irgendeinem jungen Mann hingezogen. Sie soll ihre Herzschläge in einer Minute zählen, wenn sie ihm begegnet. Nach ihren Herzschlägen wird sie feststellen können, ob er ihr in der Liebe treu sein wird, ob er sie betrügen wird, sie wird seine zukünftigen Absichten erkennen können. Nachdem sich das junge Mädchen und der junge Mann getrennt haben und verzweifelt sind, sollen sie wieder ihre Herzschläge zählen. Wenn man an jemandem zweifelt, soll man wieder zählen, wieviele Schläge das eigene Herz macht. Man soll sich diese Zahl merken. Jetzt werden wir mit der höheren Mathematik zu arbeiten beginnen. Warum haben das Mädchen und der junge Mann, die zueinander streben, ein bebendes Herz? Ja, natürlich, es muß beben. Wenn das Herz nicht bebt, ist es ohne Leben. Die Mutter, die ein Kind erwartet, spürt doch auch die Herzschläge ihres Kindes in ihrem Leib. Dann beginnt sie sich zu freuen. Die Herzschläge zeigen ihr, daß das göttliche Leben beginnt und daß Gott fragt: Bist du bereit, dieses Leben aufzunehmen und es weiterzuentwickeln? Auf die gleiche Weise fragt Gott auch das Mädchen und den jungen Mann. Doch das Mädchen will nichts davon wissen. Sie denkt an Hüte, an Kleider, wie sie ihr Haus einrichten soll, doch an das Beben des Herzens denkt sie nicht. Doch das Beben des Herzens ist wichtig. Die anderen Dinge sind zweitrangig. Diese Lehre, von der ich euch berichte, ist real. Arbeitet mit diesen Zahlen. Ihr kommt dann in das zweite Stadium der Liebe. — Ihr habt einen Freund, den ihr mit den reinsten Gefühlen liebt, ganz uneigennützig. Wenn ihr dieses intensive Gefühl spürt, beobachtet euren Herzschlag, entdeckt diese Wechselbeziehung. Das wird das y der Proportion sein. Zählt euren Herzschlag, wenn euer Bruder oder Freund nah oder fern von euch ist. Es gibt einen Unterschied zwischen beiden. Der Herzschlag hat einen indirekten Einfluß auf die Atmung — und die Atmung hat eine indirekte Verbindung zum Blutkreislauf und die damit verbundene Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff. Das ist der Grund, weshalb alle gegenwärtigen Krankheiten aus dem falschen Verständnis der Liebe entstehen, durch die falsche Atmung und die mangelnde Sauerstoffanreicherung im Organismus. Alle menschlichen Körper stecken sich von unten nach oben an, deshalb müssen wir in diesen vier Gebieten arbeiten, um unsere Seele zu reinigen. Im Christentum sagt man, daß wir büßen müssen; das heißt, das bezieht sich auf das Streben nach Liebe. Danach kommt die Geburt und die Neugeburt; das bezieht sich auf die Gefühle der Liebe, auf die Seele. Die Weihe bezieht sich auf den Verstand. Und zuletzt kommt die Auferstehung; sie bezieht sich auf die Kraft des Geistes, das heißt auf die Liebe als Prinzip. Und so gibt es in der Liebe zwei Prozesse: im Herzen und in der Seele, im Verstand und im Geist. Indem ihr diese Prozesse durchmacht, werdet ihr alle Stufen eurer Entwicklung durchlaufen. Arbeitet gleichzeitig in euren Herzen, in eurer Seele, im Verstand und in eurem Geist. Zwischen dem Verstand und dem Geist gibt es eine Kreuzung, denn der Verstand ist der Bräutigam des Herzens, und die Seele ist die Braut des Geistes. Wenn wir sagen, daß Gott den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hat, so bedeutet das, daß er ihn nach dem Bilde seiner Liebe geschaffen hat; denn ihr müßt wissen, daß die Liebe das erste Abbild Gottes ist, das heißt, die Worte „nach dem Bilde“ bedeuten „nach der Liebe“. Ein schönes Abbild — das ist SEINE Liebe. Wenn ihr die Liebe kennt, so kennt ihr auch das Antlitz Gottes. Kennt ihr die Liebe nicht, so ist Gott für euch unpersönlich. „Nach seinem Gleichnis“, das bedeutet nach seinem Geist. Wenn gesagt wird, daß der Mensch nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde, so ist darunter zu verstehen, daß er nach der Liebe und Weisheit Gottes geschaffen ist. Daraus folgt, daß wir Gottes Liebe und seine Weisheit haben müssen, wenn wir IHM ähnlich sein wollen. Das, was ich euch jetzt sage, sollt ihr nicht als eine Philosophie betrachten, sondern ihr sollt euch damit auseinandersetzen. Es enthält viel Unausgesprochenes. Es gibt eine mächtige göttliche Lehre. Und das, was ich euch gesagt habe, ist nur das Vorwort, die Einführung in die mächtige Lehre von der Liebe. Studiert diese Einführung und verweilt bei den vier Abschnitten: dem Herzen, der Seele, dem Verstand, dem Geist. Das sind vier Gebiete dieser mächtigen Welt, die Gott geschaffen hat. Wir sind aufgerufen, diesen Gott kennenzulernen und ihn der Welt zu predigen. Es gibt nur einen Gott. Er ist der Gott der Liebe als Streben, als Gefühl, als Kraft und als Prinzip. Die Liebe als Prinzip ist in allem und über allem. Das ist die mächtige Lehre von der Liebe, die alles entscheiden wird. Das, was ihr jetzt auf der Welt seht, die Widersprüche in den Familien und in den Gesellschaften, das ist ein vorübergehender Prozeß, der auf deinem Unverständnis der Liebe beruht. Sofia, 27. Februar 1921
  25. Der Vortrag aus einem Buch http://petardanov.info/DE/Die_Liebe.pdf